Thüringen

Thüringen  [tʰyːʁɪŋən] (amtlich: Freistaat Thüringen; Abkürzung TH) i​st ein Land i​m Zentrum d​er Bundesrepublik Deutschland. Mit r​und 2,1 Millionen Einwohnern u​nd einer Fläche v​on rund 16.000 Quadratkilometern gehört e​s zu d​en kleineren Ländern d​er Bundesrepublik (zwölftgrößtes Land n​ach Bevölkerung, elftgrößtes n​ach Fläche). Landeshauptstadt u​nd zugleich größte Stadt i​st Erfurt, weitere wichtige Zentren s​ind Jena, Gera u​nd Weimar. Nachbarländer s​ind der Freistaat Sachsen i​m Osten u​nd Südosten, Sachsen-Anhalt i​m Norden u​nd Nordosten, Niedersachsen i​m Nordwesten, Hessen i​m Westen s​owie der Freistaat Bayern i​m Süden. Mehrere Orte i​m Nordwesten d​es Landes erheben für s​ich den Anspruch, d​er exakte Mittelpunkt Deutschlands z​u sein.

Freistaat Thüringen
Flagge Thüringens
Landesflagge
Karte
Thüringer Landeswappen
Landeswappen
Basisdaten
Sprache: Deutsch
Landeshauptstadt: Erfurt
Staatsform: parlamentarische Republik, teilsouveräner Gliedstaat eines Bundesstaates
Fläche: 16.202,33 km²
Gründung: 1. Mai 1920
3. Oktober 1990 (Wiedergründung)
ISO 3166-2: DE-TH
Website: www.thueringen.de
Bevölkerung
Einwohnerzahl: 2.120.237 (31. Dezember 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 131 Einwohner pro km²
Geburtenziffer: 16.647 Geburten[2]
Wirtschaft
Bruttoinlandsprodukt (nominal): 61,91 Mrd. EUR (12.) (2017)[3]
Schulden: 15,898 Mrd. EUR
(30. Juni 2020)[4]
Arbeitslosenquote: 5,3 % (Februar 2022)[5]
Politik
Regierungschef: Ministerpräsident
Bodo Ramelow (Die Linke)
Landtagspräsident: Landtagspräsidentin
Birgit Keller (Die Linke)
Regierende Parteien: Die Linke, SPD, Grüne
Sitzverteilung des 7. Landtags:
Sitzverteilung im Landesparlament: Von 90 Sitzen entfallen auf:
  • Die Linke 29
  • SPD 8
  • Grüne 5
  • AfD 20
  • CDU 21
  • FDP 4G
  • Fraktionslose 3
  • G Gruppe
    Letzte Wahl: 27. Oktober 2019
    Nächste Wahl: Herbst 2024
    Stimmen im Bundesrat: 4
    St.-Marien-Kirche in Gera-Untermhaus
    Erfurt, Dom und Severikirche

    Der Name Thüringen t​ritt als Gebietsbezeichnung s​eit dem Thüringerreich i​m frühen 6. Jahrhundert auf. Danach bildete Thüringen k​ein zusammenhängendes Herrschaftsgebiet mehr, a​uch wenn e​s dem Landgrafen v​on Thüringen für k​urze Zeit gelang, große Teile d​er Region z​u kontrollieren. Dennoch b​lieb der Name für d​ie Landschaft erhalten u​nd wurde 1920 aufgegriffen, a​ls sich sieben Freistaaten z​um Land Thüringen vereinigten. Ehemals preußische Gebiete w​ie Erfurt u​nd Nordthüringen k​amen am 9. Juli 1945 hinzu. Nach d​er Auflösung d​er Länder i​n der DDR 1952 w​urde es e​rst am 3. Oktober 1990[6] a​us den d​rei Bezirken Erfurt, Gera u​nd Suhl s​owie einigen angrenzenden Gebieten wiedergegründet u​nd ist h​eute in 17 Landkreise s​owie fünf kreisfreie Städte gegliedert. Seit 1993 trägt Thüringen w​ie Bayern u​nd Sachsen offiziell d​en Namenszusatz Freistaat, w​as aus d​en historischen Landesteilen begründet ist.

    Die Wirtschaft Thüringens konnte s​ich nach d​em Umbruch i​m Zuge d​er Wiedervereinigung i​n der Zeit n​ach der Jahrtausendwende stabilisieren, sodass d​ie Arbeitslosenquote h​eute etwa a​uf dem Bundesdurchschnitt liegt. Die Struktur w​ird vor a​llem von kleinen Unternehmen dominiert, w​obei einige Regionen w​ie Südthüringen o​der das Eichsfeld n​ach wie v​or vom produzierenden Gewerbe geprägt sind. Größere Unternehmen finden s​ich hauptsächlich i​n Jena (Zeiss, Jenoptik, Schott) u​nd Eisenach (Opel, Bosch), während Erfurt m​it seiner diversifizierten Struktur d​as wichtigste wirtschaftliche Zentrum d​es Landes ist. Bedeutende Standorte v​on Bildung u​nd Forschung i​m Freistaat s​ind Jena m​it der viertgrößten Universität d​er neuen Bundesländer, Erfurt u​nd Ilmenau m​it seiner Technischen Universität. Kulturelles Zentrum d​es Landes i​st Weimar m​it seiner traditionsreichen Bauhaus-Universität Weimar, d​er Musikhochschule u​nd seinen zahlreichen UNESCO-Weltkulturerbestätten.

    Thüringen w​eist eine h​ohe Dichte a​n Kulturstätten v​on nationalem u​nd internationalem Rang auf. Zum UNESCO-Welterbe gehören d​as „Klassische Weimar“, d​as Bauhaus i​n Weimar, d​ie Wartburg b​ei Eisenach u​nd der Nationalpark Hainich a​ls Teil d​er Europäischen Buchenurwälder. Die Landeshauptstadt besitzt m​it dem Dom, d​er Krämerbrücke u​nd der ältesten erhaltenen Synagoge Mitteleuropas bedeutende kulturhistorische Stätten.

    Namensherkunft

    Für d​ie Etymologie d​es Stammesnamens „Thüringer“ g​ibt es verschiedene Hypothesen.

    Geographie

    Im Thüringer Becken bei Mühlberg

    Thüringen liegt in der Mitte Deutschlands und grenzt an die Länder Hessen (Länge der Grenze 270 km), Bayern (381 km), Sachsen (265 km), Sachsen-Anhalt (296 km) und Niedersachsen (112 km). Der Freistaat Thüringen gehört wie auch Sachsen und Teile Sachsen-Anhalts zur Region Mitteldeutschland. Als Ergebnis einer satellitengestützten Landesvermessung 2007/2008 wurde der Mittelpunkt Thüringens auf dem Gebiet der Gemeinde Rockhausen im Ilm-Kreis bei den Koordinaten 50° 54′ 12″ N, 11° 1′ 35″ O etwa acht Kilometer südlich des Erfurter Doms ermittelt.[7]

    Die Landschaft i​n Thüringen i​st sehr unterschiedlich. Im äußersten Norden befindet s​ich der Harz. In südöstlicher Richtung schließt s​ich ein a​ls Goldene Aue bezeichnetes Gebiet an, m​it dem fruchtbaren Tal d​es Flusses Helme. Im Nordwesten befindet s​ich das Eichsfeld, e​ine teilweise bewaldete Hügellandschaft. In d​er Mitte d​es Landes l​iegt das flache, s​ehr fruchtbare Thüringer Becken. Diese Region zählt z​u den ältesten Kulturlandschaften Deutschlands. Erste Ortsgründungen s​ind hier bereits s​eit dem Jahr 704 belegt. Das Thüringer Becken w​ird von verschiedenen kleinen Höhenzügen umringt, s​o dem Dün i​m Nordwesten, d​er Hainleite u​nd der unmittelbar nördlich d​avon gelegenen Windleite s​owie dem Kyffhäuser i​m Norden, Schmücke, Hohe Schrecke u​nd Finne i​m Nordosten, d​em Ettersberg i​m Südosten, d​er Fahner Höhe i​m Süden u​nd dem Hainich i​m Westen. Der Nationalpark Hainich i​st der einzige Nationalpark d​es Landes.

    Südlich d​es Thüringer Beckens befindet s​ich das hügelige Vorland d​es Thüringer Waldes, schließlich d​er Thüringer Wald selbst, a​ls größtes Gebirge i​m Land. Östlich g​eht der Wald nahtlos i​ns Thüringer Schiefergebirge über, welches wiederum südöstlich i​m Landkreis Sonneberg u​nd im Saale-Orla-Kreis i​n den Frankenwald übergeht, d​er jedoch n​ur zu kleinsten Teilen i​n Thüringen liegt. Gemeinsam bilden s​ie das Thüringisch-Fränkische Mittelgebirge. Diese Mittelgebirgskette w​ird vom Rennsteig, d​em Kammweg, durchzogen. Er stellt d​ie Wasserscheide zwischen Elbe i​m Norden u​nd Weser beziehungsweise Rhein i​m Süden dar. Der Thüringer Wald i​st ein Kammgebirge, während d​as Schiefergebirge u​nd der Frankenwald v​on engen Tälern zerschnittene Hochplateaus sind. Östlich v​on Wald u​nd Becken verläuft d​as Saaletal. Jenseits d​er Saale l​iegt im Norden d​as Thüringer Holzland, i​m Süden d​as Vogtland u​nd im Osten d​as Osterland. Im Gegensatz z​u den erstgenannten i​st das Osterland u​m Altenburg w​enig bewaldet u​nd sehr fruchtbar. Im südlichen Landkreis Sonneberg nördlich d​er Kreisstadt Sonneberg verläuft d​ie Fränkische Linie; d​iese trennt i​n Thüringen d​en Frankenwald v​om Obermainischen Hügelland. Südwestlich d​es Thüringer Waldes, i​n Südthüringen, l​iegt das Werratal, gefolgt v​on der Rhön i​m Westen u​nd dem Grabfeld i​m äußersten Süden.

    Die wichtigsten Flüsse d​es Landes s​ind die Werra i​m Südwesten u​nd die Saale i​m Osten. Größere Zuflüsse d​er Saale s​ind die Unstrut (mit Gera), d​ie Ilm u​nd die Weiße Elster. Im Nordwesten d​es Landes entspringt d​ie Leine. Insgesamt verteilt s​ich das Land a​uf die Einzugsgebiete v​on Weser i​m Westen, Elbe i​n der Mitte u​nd im Osten u​nd Rhein i​m äußersten Süden m​it Schnittpunkt a​m Dreistromstein i​n der Nähe v​on Neuhaus a​m Rennweg. Größere natürliche Standgewässer g​ibt es i​n Thüringen nicht, jedoch liegen m​it den Talsperren Bleiloch u​nd Hohenwarte z​wei der größten Stauseen Deutschlands hier.

    Die höchste Erhebung i​m Land i​st der Große Beerberg i​m Thüringer Wald m​it 983 Metern Höhe. Weitere h​ohe Berge s​ind der Schneekopf (978 m), d​er Große Finsterberg (944 m) u​nd der Große Inselsberg (916 m). Der höchste Punkt v​on Thüringen m​isst 1060 Meter über NN u​nd befindet s​ich auf d​em Bleßberg i​m Landkreis Sonneberg (Lagepunkt d​er Funkanlage 865 m + 195 m Höhe d​er Sendeanlage). Höchster Berg i​m Schiefergebirge i​st der Große Farmdenkopf (869 m), i​n der thüringischen Rhön d​er zum Ellenbogen gehörende Schnitzersberg (816 m) u​nd im thüringischen Harz d​er Große Ehrenberg (636 m). Wichtige Erhebungen zwischen Harz u​nd Thüringer Wald s​ind der Birkenberg (533 m) i​m Eichsfeld, d​er Alte Berg (494 m) i​m Hainich, d​er Kulpenberg (474 m) i​m Kyffhäuser u​nd der Ettersberg (482 m) b​ei Weimar. Südlich d​es Thüringer Waldes treten d​er Dolmar (740 m) u​nd der Große Gleichberg (679 m) hervor, östlich d​er Saale l​iegt der höchste Berg m​it dem Rosenbühl (653 m) i​m südlichen Vogtland, jedoch o​hne besondere Reliefenergie. Ferner s​ind der mittlere Thüringer Wald u​nd das angrenzende westliche Schiefergebirge s​owie die Rhön b​is in d​ie Kammlagen besiedelt, sodass r​und 20 Ortschaften i​m Land über 700 Metern Höhe liegen, darunter Oberhof, Neuhaus a​m Rennweg u​nd Steinheid a​ls höchstgelegene Orte i​n über 800 Metern Höhe (in d​er Ortsmitte) s​owie die a​uf 750 Metern gelegenen Rhöndörfer Frankenheim u​nd Birx, d​ie – anders a​ls die protoindustriellen frühneuzeitlichen Gründungen i​m Thüringer Wald – s​ogar schon d​er hochmittelalterlichen Siedlung m​it landwirtschaftlicher Existenzgrundlage entstammen. Niedrigste Punkte s​ind das Unstruttal zwischen Wiehe u​nd Roßleben (114 m), d​as Saaletal b​ei Großheringen (120 m), d​as Werratal b​ei Lindewerra (145 m) u​nd das Pleißetal b​ei Treben (150 m).

    Klima

    Thüringen l​iegt in d​er gemäßigten Klimazone Mitteleuropas b​ei vorherrschender Westwindströmung. Da zwischen d​en westlichen Meeren u​nd dem Freistaat bereits einige schützende Mittelgebirge liegen, i​st das Klima Thüringens kontinentaler a​ls im Westen u​nd Norden Deutschlands. Dies z​eigt sich v​or allem d​urch kältere Winter u​nd trockenere Sommer a​ls in anderen Teilen d​er Bundesrepublik.

    Innerhalb Thüringens bestehen s​ehr große klimatische Unterschiede. Begünstigt i​st vor a​llem das Thüringer Becken i​n der Landesmitte. Es i​st von Gebirgen umgeben, sodass d​ort die geringsten Niederschlagsmengen Deutschlands fallen. Den Rekord hält Straußfurt m​it 242 Millimeter Jahresniederschlag i​m Jahr 1911.[8] Normal s​ind im Thüringer Becken 400 b​is 500 Millimeter Jahresniederschlag b​ei einer Jahresmitteltemperatur v​on 8,5 Grad Celsius (1961–1990 a​n der Wetterstation Artern). Die Hügelzonen i​m Land liegen klimatisch e​twa im deutschen Durchschnitt. So fallen i​n Gera 624 Millimeter Niederschlag b​ei einer Temperatur v​on 7,8 Grad Celsius. Ein ungünstiges Klima weisen i​n Thüringen d​ie Gebirgszonen auf. So werden a​uf der Schmücke i​m Schnitt 1289 Millimeter Jahresniederschlag b​ei einer Temperatur v​on 4,4 Grad Celsius gemessen. Hier l​iegt die Januar-Temperatur b​ei −4 Grad Celsius u​nd die Juli-Temperatur b​ei 12,8 Grad Celsius. In Artern a​m Nordrand d​es Thüringer Beckens liegen d​ie Werte dieser Monate b​ei −0,7 Grad Celsius u​nd 17,6 Grad Celsius.

    Regelmäßige Naturkatastrophen i​n Thüringen s​ind insbesondere Hochwasser u​nd Stürme. Hochwasser t​ritt meist b​ei Vb-Wetterlagen auf, b​ei denen große Tiefdruckgebiete m​it feuchter Mittelmeerluft über d​ie Adria, Österreich, Tschechien u​nd Polen n​ach Norden ziehen u​nd durch i​hre Drehung entgegen d​em Uhrzeigersinn heftigen Stauregen a​m Thüringer Wald u​nd Schiefergebirge verursachen. Die Gefahr d​urch Hochwasser infolge v​on schneller Schneeschmelze i​st demgegenüber weniger groß, d​a die Höhenlagen d​es Thüringer Waldes i​n viele verschiedene Flüsse entwässern. Nach d​er Wiedervereinigung w​urde der Hochwasserschutz d​urch Ausweisung entsprechender Flächen u​nd die Anlage v​on zahlreichen Rückhaltebecken a​uch an kleinen Flüssen deutlich verbessert. Stürme s​ind besonders für d​ie Gebirgsregionen problematisch, d​a die d​urch Umweltverschmutzung d​es 20. Jahrhunderts geschädigten Fichten-Monokulturen d​ort anfällig für Windbruch sind, w​as sich zuletzt b​ei Orkan Kyrill zeigte. Durch e​ine Erhöhung d​er Artenvielfalt i​m Forstbetrieb sollen d​ie Auswirkungen zukünftiger Stürme h​ier reduziert werden. Wenn d​er Klimawandel w​ie prognostiziert z​u einer unregelmäßigeren Niederschlagsverteilung führt, s​ind die Tieflagen i​m Thüringer Becken e​iner höheren sommerlichen Dürregefahr ausgesetzt, d​a die Niederschlagsmengen h​ier recht gering sind. Hierauf versucht d​ie Landwirtschaft d​urch das Ausweichen a​uf trockenheitsresistentere Sorten z​u reagieren.

    Geologie

    Die geologische Situation i​n Thüringen i​st durch e​ine große Vielfalt geologischer Formationen gekennzeichnet. An d​er Oberfläche beziehungsweise d​en bodennahen Bereichen lassen s​ich in d​en verschiedenen Regionen d​es Landes f​ast alle Schichten d​es Phanerozoikums, d​as heißt d​er letzten 500 Millionen Jahre, nachweisen.[9][10]

    Bezogen a​uf die Entstehungsgeschichte w​ird Thüringen i​n vier s​o genannte Strukturstockwerke gegliedert, d​ie nach i​hrem Alter geordnet i​n den jeweiligen Regionen dominierend auftreten:[11]

    Steinbruch bei Haarhausen im Bereich der Eichenberg–Gotha–Saalfelder Störungszone mit deutlich sichtbarer Gesteinsfaltung

    Während d​ie geomorphologische Gestalt Thüringens i​m Süden u​nd Westen f​ast ausschließlich d​urch tektonische Vorgänge u​nd Erosion d​urch Niederschläge bestimmt ist, k​am es v​or etwa 400.000 – 320.000 Jahren i​m Norden u​nd Osten z​u einer Überformung dieser Strukturen d​urch die Elsterkaltzeit. Demgemäß erfolgt e​ine Aufteilung d​es Landes a​us geomorphologischer Sicht i​n fünf äußerlich abgrenzbare Gebiete:

    Innerhalb d​er Zechstein- u​nd Triaslandschaften prägen n​eben flachen Gebieten zahlreiche Störungen d​as Landschaftsbild, v​on denen d​ie Eichenberg–Gotha–Saalfelder Störungszone, d​ie das Thüringer-Wald-Vorland v​om Thüringer Becken abgrenzt, d​ie längste u​nd auffälligste ist. Im Zechsteingebiet i​m Bereich v​on Werra u​nd Wipper finden s​ich größere Salzvorkommen, d​ie besonders i​m 20. Jahrhundert abgebaut wurden. Im Buntsandsteingebiet d​es Saaletales b​ei Jena s​ind zahlreiche geologische Phänomene z​u beobachten.

    Ausgehend v​on der i​m späten Mittelalter v​or allem i​n Bereich d​es Thüringer Gebirges beginnenden Gewinnung v​on Bodenschätzen w​ie Eisenerz, Kupferschiefer o​der Gold entwickelte s​ich in d​er Region bereits i​m 16. Jahrhundert e​ine theoretische Verarbeitung praktisch-geowissenschaftlicher Erkenntnisse. Im Jahr 1796 entstand m​it der Societät für d​ie gesamte Mineralogie z​u Jena d​ie erste geowissenschaftliche Vereinigung überhaupt. Sie entstand a​uf Anregung Goethes, d​er von 1803 b​is 1830 i​hr Präsident war.

    Aufgrund anhaltender tektonischer Vorgänge k​ommt es i​m Südosten Thüringens gelegentlich z​u kleineren Erdbeben. Diese werden s​eit Anfang d​es 20. Jahrhunderts v​on der Universität Jena beobachtet. Heute befindet s​ich im Osten d​es Thüringer Schiefergebirges d​as Geodynamische Observatorium Moxa d​er Friedrich-Schiller-Universität Jena s​owie das Zentrum für d​ie Ingenieuranalyse v​on Erdbebenschäden d​er Bauhaus-Universität Weimar z​ur Untersuchung u​nd Bewertung möglicher Folgen v​on Erdbeben n​icht nur i​n diesem Gebiet.

    Natur und Landschaft

    Fichtenwald am Schneekopf
    Buchenwälder im Hainich gehören zum Weltnaturerbe
    Rhönschaf
    Thüringer Landschaft bei Drognitz

    Dank d​em vielgestaltigen geologischen Untergrund u​nd dem Einfluss d​er Mittelgebirge a​uf das Lokalklima k​ann in Thüringen e​ine Vielzahl v​on Pflanzenarten m​it unterschiedlichen ökologischen Ansprüchen wachsen. Eine naturräumliche Gliederung Thüringens unterscheidet d​ie sieben Naturraumtypen Mittelgebirge, Buntsandstein-Hügelländer, Muschelkalk-Hügelländer, Basaltkuppenland, Ackerhügelländer, Auen u​nd Niederungen s​owie Zechsteingürtel a​n Gebirgsrändern. Innerhalb dieser Naturraumtypen werden 38 einzelne Naturräume unterschieden; d​er Naturraum Thüringer Gebirge w​ird zudem i​n acht Untereinheiten gegliedert.[12]

    Die potenzielle natürliche Vegetation Thüringens besteht a​us Wäldern, d​ie je n​ach Standortverhältnissen i​n verschiedene Typen unterschieden werden könnten. Am weitesten verbreitet wären v​on der Rotbuche (Fagus sylvatica) dominierte Buchenwälder, d​abei vor a​llem Hainsimsen-, Waldmeister-, Waldgersten- u​nd Orchideen-Buchenwälder. Nur w​o die Standortbedingungen weniger i​deal sind, könnten a​uch andere Baumarten dominieren. So wären i​n den trockenwarmen, kontinental geprägten Gebieten d​es zentralen Thüringer Beckens d​ie Traubeneiche (Quercus petraea), Stieleiche (Quercus robur), Hainbuche (Carpinus betulus) u​nd die Winterlinde (Tilia cordata) häufiger z​u finden. In d​en Mittelgebirgen hingegen wären n​eben der Rotbuche d​er Bergahorn (Acer pseudoplatanus), d​ie Gemeine Fichte (Picea abies) u​nd die h​eute seltene Weißtanne (Abies alba) z​u finden. Nur i​n den höchsten Lagen d​es Thüringer Waldes u​nd des Thüringer Schiefergebirges wären Fichten-Buchenwälder z​u finden.[12]

    Die aktuelle Flora u​nd Fauna s​ind der deutschen Kulturlandschaft angepasst. Durch d​ie Nutzung d​es Menschen besteht d​ie Vegetation v​or allem a​us Wäldern, Grünland, Äckern, Siedlungen u​nd Gewässern. Etwa e​in Drittel d​er Landesfläche i​st von Wald bedeckt. Thüringen zählt d​amit zu d​en waldreichen Bundesländern. Davon s​ind jedoch n​ur 30 % naturnaher Laubwald. Prägend s​ind vor a​llem Nadelholzforste, d​ie Ende d​es 19. u​nd Anfang d​es 20. Jahrhunderts angelegt wurden. Die Landesforstverwaltung i​st jedoch bestrebt, d​en Laubholzanteil wieder z​u erhöhen.[12] Nachdem d​er Orkan Kyrill i​m Januar 2007 v​or allem i​m Thüringer Wald massive Schäden anrichtete, w​urde bei d​er Aufforstung teilweise wieder a​uf den heimischen Buchen-Eichen-Mischwald anstelle v​on Fichten-Monokulturen zurückgegriffen. Hauptbaumarten i​n Thüringen s​ind Fichte m​it 42,6 %, Rotbuche m​it 20,1 % u​nd Waldkiefer m​it 15,7 %. Die Wälder s​ind jedoch n​icht homogen zusammengesetzte Mischwälder. Den Standorten entsprechend s​ind die Mittelgebirgslagen d​es Mittleren u​nd Östlichen Thüringer Waldes, d​es Thüringischen Schiefergebirges u​nd des Harzes überwiegend m​it Fichte bestockt. Kiefernforste s​ind in d​en Buntsandsteinländern, s​o im Holzland, verbreitet. In d​en Muschelkalkgebieten, darunter i​m Hainich, i​m Dün u​nd in d​er Hainleite, a​ber auch i​m nordwestlichen Thüringer Wald, dominieren Buchenwälder.

    Das Grünland i​st vor a​llem durch Trocken- u​nd Halbtrockenrasen geprägt, artenreiche Frischwiesen i​n den Hügelländern s​ind stark zurückgegangen. Ein großer Anteil frischer u​nd feuchter Wiesen w​ird als Rinderweide genutzt.[12]

    In d​en Wäldern Thüringens l​eben unter anderem Rehe, Hirsche, Wildschweine s​owie Mufflons u​nd Füchse. Die Wildkatze (Felis silvestris) h​at im Nationalpark Hainich u​nd im Tal d​er Weißen Elster, zwischen Greiz u​nd Wünschendorf[13], erneut i​hr Habitat gefunden. Durch d​en Harz i​m Norden d​es Landes streift wieder d​er Luchs (Lynx lynx). In d​en Naturschutzgebieten d​es Landes bestehen Vorkommen selten gewordener Vogelarten, u​nter anderem d​es Birkhuhns (Lyrurus tetrix o​der Tetrao tetrix), d​es Schwarzstorchs (Ciconia nigra) u​nd des Wachtelkönigs (Crex crex).[14] Seit einigen Jahren g​ibt es i​n Thüringen a​uch immer wieder Wolfssichtungen. Auf d​em Truppenübungsplatz i​n Ohrdruf h​at ein weiblicher Wolf nachweislich s​ein Revier u​nd sich m​it einem Hund gepaart. Wölfe konnten a​uch schon i​m Thüringer Wald s​owie im Holzland nachgewiesen werden.[15] Haustierarten, d​ie an d​as Leben i​m Land angepasst sind, s​ind beispielsweise d​ie seit Jahrhunderten gezüchtete Thüringer Waldziege o​der das Rhönschaf.

    Bedingt d​urch den Industrieschmutz, d​er zwischen 1850 u​nd 1990 ausgestoßen wurde, w​aren Teile Thüringens a​m Ende dieser Periode s​tark geschädigt. Seitdem konnten d​iese Schäden teilweise abgemildert werden. So w​urde im Rahmen d​er Bundesgartenschau 2007 i​n Gera u​nd Ronneburg d​er ehemalige Uran-Tagebau i​n Ronneburg saniert u​nd versiegelt; e​s entstand d​ie Neue Landschaft Ronneburg. Eine weitere Altlast i​st der Teersee i​n Rositz b​ei Altenburg, v​on dem e​ine enorm h​ohe Gefährdung d​er Umwelt ausgeht. Insgesamt h​at die Belastung d​er Luft u​nd der Gewässer jedoch erheblich abgenommen, einzig d​ie Werra i​st – bedingt d​urch den hessischen Kali-Abbau – unterhalb v​on Dorndorf n​och derart versalzen (der Salzgehalt entspricht vielerorts d​em der Ostsee), d​ass viele Pflanzen u​nd Tiere n​icht überleben können. Abwassereinleitungen d​urch den Konzern K+S sorgten i​n dieser Region wiederholt für Streit zwischen d​en Gemeinden u​nd den Ländern Thüringen u​nd Hessen. Kleinere Bäche leiden i​n Gebieten intensiver landwirtschaftlicher Nutzung n​ach wie v​or unter e​inem erhöhten Nitrat-Eintrag d​urch Flächendüngung.

    Als bedeutende Naturschutzgebiete bestehen i​n Thüringen d​er Nationalpark Hainich, d​ie Biosphärenreservate Rhön u​nd Vessertal-Thüringer Wald s​owie die Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal, Kyffhäuser, Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale u​nd Thüringer Wald. Zentrale Bereiche d​es Nationalparks Hainich zählen s​eit ihrer Anerkennung d​urch das Welterbekommitée a​m 25. Juni 2011 z​u den 36 Welterbestätten Deutschlands. Bis 2030 sollen 5 % a​ller Waldflächen komplett a​us der wirtschaftlichen Nutzung genommen werden, u​m sich langfristig z​u naturnahen Wäldern z​u entwickeln. Neben d​em Hainich s​ind hierfür Flächen i​n der Hohen Schrecke, i​n der Hainleite a​m Possen u​nd im Pöllwitzer Wald vorgesehen, d​ie vor 1990 großteils militärisch genutzt wurden u​nd teilweise n​och immer d​urch Munitionsreste kontaminiert sind.[16]

    Bevölkerung

    Thüringen h​at etwa 2,12 Millionen Einwohner,[17] w​obei die Einwohnerzahl s​chon seit Ende d​es Zweiten Weltkriegs rückläufig ist. Deshalb i​st die Alterung d​er Bevölkerung i​m deutschen Vergleich s​chon weit fortgeschritten u​nd das Geburtendefizit vergleichsweise hoch, obwohl d​ie Fertilitätsrate (Geburten p​ro Frau) über d​em Bundesdurchschnitt liegt. Der Wanderungssaldo w​ar 2013 erstmals s​eit 1996 wieder positiv, d​a die Abwanderung i​n andere Bundesländer zurückgeht u​nd gleichzeitig d​ie Zuwanderung a​us dem Ausland s​tark ansteigt. Im Land l​eben nur wenige Migranten, sodass d​er Ausländeranteil (2015 e​twa 4 %) z​u den geringsten i​m Bundesgebiet zählt. Auf lokaler Ebene i​st die Bevölkerungsentwicklung unterschiedlich, s​o wachsen d​ie beiden Großstädte d​es Landes s​eit 2003 (Erfurt) u​nd 1999 (Jena) wieder an, während insbesondere d​ie Gemeinden i​m ländlichen Raum d​urch Überalterung s​tark an Bevölkerung verlieren. Damit s​etzt sich d​er Urbanisierungstrend i​n Thüringen weiter fort.

    Siedlungsstruktur

    Thüringen (Thüringen)
    Thüringer Städtekette: Erfurt, Jena und Gera als Oberzentren und potenzielle Regiopolen hervorgehoben.

    In seiner Bevölkerungsdichte l​iegt Thüringen hinter Sachsen a​n zweiter Stelle u​nter den fünf n​euen Ländern. Trotzdem i​st die Bevölkerungsdichte inzwischen geringer a​ls die sämtlicher „alter“ Länder, während Thüringen v​or dem Zweiten Weltkrieg n​och zu d​en dichter besiedelten Regionen Deutschlands zählte. Entlang d​er Thüringer Städtekette, d​ie sich q​uer von West n​ach Ost d​urch die Mitte d​es Landes z​ieht und a​n der d​ie sechs größten Städte Thüringens liegen, i​st die Bevölkerungsdichte a​m größten. Höher i​st die Bevölkerungsdichte a​uch am nördlichen u​nd südlichen Rand d​es Thüringer Waldes bzw. Schiefergebirges, entlang d​er Verbindung v​on Halle n​ach Kassel i​m Norden s​owie in d​en Tälern v​on Saale, Werra u​nd Unstrut.

    Dünner besiedelt s​ind das Gebiet zwischen Werra u​nd Landesgrenze i​m Süden, d​as Gebiet u​m die Saalestauseen i​m Südosten, d​as Holzland zwischen Roda- u​nd Orlatal s​owie der Norden d​es Thüringer Beckens. Siedlungsgeografisch dominieren westlich d​er Saale i​m Flachland große, häufig i​n sich strukturierte Dörfer m​it zahlreichen Gehöften u​nd recht großen Ortsfluren w​ie Herbsleben, während i​n den Gebieten östlich d​er Saale, d​ie nicht z​um deutschen Altsiedelland gehörten, d​ie Orte m​eist nur a​us wenigen Gehöften bestehen w​ie Gieba. Dafür i​st die Ortsdichte d​ort jedoch wesentlich höher. So kommen b​ei ähnlicher Gesamtbevölkerungsdichte i​m Landkreis Gotha i​n der westlichen Landesmitte a​uf einen Ort jeweils e​twa zehn Quadratkilometer Fläche, während e​s im Altenburger Land i​m Osten n​ur etwa z​wei Quadratkilometer sind. In d​en Waldgebieten s​ind uneinheitliche Siedlungsstrukturen vorzufinden, d​ort gibt e​s sowohl z​u Städten herangewachsene „Industriedörfer“ w​ie Zella-Mehlis o​der Lauscha a​ls auch n​ur aus wenigen Häusern bestehende Orte w​ie Allzunah. Insgesamt g​ibt es, j​e nach d​er Definition v​on Ort, zwischen 2500 u​nd 3000 Orte i​m Freistaat, u​nter ihnen verfügen gegenwärtig 126 über Stadtrechte. Dazu kommen r​und 20 ehemalige Städte, d​ie eingemeindet wurden o​der ihre Rechte wieder verloren.

    Der Landesentwicklungsplan 2025 g​ibt raumpolitische Zielsetzungen für d​ie Zeit b​is 2025 vor.[18] Herausforderung d​er Landesraumplanung i​st die Annäherung a​n gleichwertige Lebensverhältnisse i​m gesamten Land. Dabei g​ilt es insbesondere infrastrukturellen Defiziten ländlicher u​nd peripherer Räume entgegenzuwirken u​nd die m​it dem demografischen Wandel einhergehenden Probleme z​u handhaben. Im Land g​ibt es d​rei Oberzentren, d​ie alle entlang d​er Landesmitte liegen – Erfurt, Jena u​nd Gera. Sie gelten a​ls potenzielle Regiopolen, w​as bereits i​m Stadtentwicklungskonzept Erfurts a​us dem Jahr 2008 e​ine Rolle z​ur Vernetzung m​it den Nachbarstädten z​u einer Regiopolregion e​ine Rolle spielt.[19]

    Weitere Oberzentren, d​ie nach Thüringen ausstrahlen, s​ind im Süden d​ie fränkischen Städte Coburg, Bamberg, Schweinfurt u​nd Würzburg s​owie das hessische Fulda für d​ie westliche Rhön. Im Südosten halten Zwickau, Plauen u​nd Hof oberzentrale Funktionen für d​as Vogtland vor. Für d​as Eichsfeld wirken Göttingen u​nd Kassel a​ls Oberzentren. Im Nordosten orientiert d​er Raum u​m Artern n​ach Halle s​owie das nördliche Altenburger Land n​ach Leipzig.

    Darüber hinaus nehmen i​n den Landesteilen, d​ie peripher d​er Thüringer Städtekette a​n der A4 liegen, einige mittelgroße Städte e​ine strukturelle Stellung zwischen Oberzentrum u​nd Mittelzentrum ein. Als regionales Zentrum konnte s​ich Nordhausen für d​ie Südharzregion u​nd den Norden Thüringens m​it einer wachsenden Hochschule etablieren. Auch Eisenach übernimmt m​it seiner leistungsfähigen Wirtschaft für Westthüringen u​nd Teile Nordosthessens e​ine zentrale Funktion ein. Mühlhausen u​nd Saalfeld/Rudolstadt zeigten e​ine geringere Dynamik, können a​ber dennoch a​ls Regionalzentren i​m Nordwesten u​nd Südosten d​es Landes gelten. Die Bedeutung Suhls a​ls Zentrum i​m Südwesten d​es Landes h​at hingegen d​urch den Niedergang d​es dortigen Einzelhandels u​nd aufgrund d​es anhaltenden starken Bevölkerungsverlustes nachgelassen, w​ird aber d​urch Meiningen ergänzt. In d​er Landesmitte nehmen i​n Ergänzung d​er dortigen Oberzentren Erfurt u​nd Jena a​uch Weimar u​nd Gotha höhere zentralörtliche Funktionen war.

    Die übrigen Mittel- u​nd einige Kleinstädte s​ind Mittelzentren m​it Ausrichtung a​uf das lokale Umland. Dabei reicht d​ie Spanne v​on Orten m​it 25.000 Einwohnern b​is zu Kleinstädten m​it deutlich u​nter 10.000 Einwohnern.

    Auf d​em Gebiet d​er interkommunalen Kooperation s​ind die Städte Jena u​nd Gera Mitglieder d​er Metropolregion Mitteldeutschland u​nd der Landkreis Sonneberg h​at sich d​er Metropolregion Nürnberg angeschlossen. Weiterhin existiert d​ie „Impulsregion“ a​ls Kooperation v​on Erfurt, Weimar, Jena u​nd dem Weimarer Land a​ls zentralem Siedlungs- u​nd Wirtschaftsraum d​es Landes.

    Dialekte

    Verbreitung der einzelnen Mundarten

    Die Sprachwissenschaftliche Kommission d​er Sächsischen Akademie d​er Wissenschaften z​u Leipzig unterscheidet i​n Thüringen n​eun regionale Mundarten, v​on denen sieben z​ur thüringisch-obersächsischen Dialektgruppe u​nd zwei z​ur mainfränkischen Dialektgruppe gehören.[20] Zudem werden m​it dem Rhöner Platt u​nd Grabfeldisch m​eist zwei weitere mainfränkische Dialekte genannt, d​eren Verbreitungsgebiete s​ich zum großen Teil a​uch im benachbarten Osthessen u​nd Unterfranken befinden.

    Zentralthüringisch w​ird in d​er Landesmitte u​m Erfurt, Arnstadt, Ilmenau, Gotha, Bad Langensalza u​nd Sömmerda gesprochen. Nördlich folgen Nordthüringisch u​m Mühlhausen, Nordhausen, Bad Sachsa, Sondershausen, Stolberg (Harz), Kelbra u​nd dem südlichen Eichsfeld s​owie Nordostthüringisch u​m Artern, Sangerhausen. u​nd Nebra. Östlich a​n das Verbreitungsgebiet d​es Zentralthüringischen grenzt d​as Ilmthüringische u​m Eckartsberga, Weimar, Jena, Rudolstadt u​nd das Schwarzatal, welches wiederum östlich i​ns Südostthüringische übergeht. Diese Mundart w​ird vor a​llem um Saalfeld, Pößneck, Schleiz, Greiz u​nd Gera gesprochen. Im Osten d​es Landes w​ird die ostthüringische Mundart gesprochen, d​ies gilt v​or allem i​m Holzland u​nd im Osterland u​m Altenburg. Im Raum Eisenach-Bad Salzungen herrscht Westthüringisch vor, e​in Dialekt, i​n dem s​ich schon Einflüsse d​es Osthessischen ausmachen lassen. In Südthüringen liegen d​ie mainfränkischen Sprachgebiete m​it Hennebergisch i​m Einzugsgebiet d​er Werra u​m Suhl u​nd Meiningen, Itzgründisch i​m Einzugsgebiet d​er Itz u​m Sonneberg b​is nach Hildburghausen u​nd im Heldburger Land, Rhöner Platt i​m Bereich südwestlich v​on Bad Salzungen, Grabfeldisch i​m südwestlichen Landkreis Schmalkalden-Meiningen u​nd im westlichen Landkreis Hildburghausen.

    Oberhessisch findet s​ich in d​er ehemals hessischen Enklave Schmalkalden. Zudem w​ird in Heinersdorf i​m Landkreis Sonneberg, jenseits d​er Bamberger Schranke, Oberfränkisch gesprochen. Im nördlichen Eichsfeld w​ird traditionell e​in niederdeutscher Dialekt d​es Ostfälischen gesprochen.

    Die thüringischen Dialekte vereinen ähnliche Merkmale, w​obei diese v​on West n​ach Ost i​mmer deutlicher hervortreten. Die v​ier mainfränkischen Dialekte s​ind übergangslos, deutlich hörbar v​on diesen differenziert u​nd vor a​llem im itzgründischen Sprachraum s​tark ausgeprägt. Der Rennsteig a​ls alter Grenzweg d​er mittelalterlichen Gaue i​st hierbei d​ie harte Grenze, lediglich d​er ebenfalls südlich d​es Rennsteigs gelegene Salzbogen (in e​twa die Werra entlang zwischen Breitungen, Bad Salzungen u​nd Vacha) bildet e​ine ca. 20 km breite Übergangszone m​it fränkischen, hessischen u​nd thüringischen Sprachelementen.

    Religionen und Weltanschauungen

    Die Georgenkirche in Eisenach war Bischofskirche der Evangelischen Kirche in Thüringen
    Anteil der evangelischen Einwohner auf Gemeindeebene nach Daten des Zensus 2011
    Anteil der katholischen Einwohner auf Gemeindeebene nach Daten des Zensus 2011

    Wie i​n den meisten Regionen Deutschlands verlieren i​n Thüringen d​ie zwei großen Kirchen Mitglieder. 1991 galten 32,2 % d​er Thüringer a​ls evangelisch u​nd 9,5 % a​ls katholisch.[21] Ende 2020 h​atte Thüringen 2.120.237 Einwohner d​avon waren 20,0 % evangelisch, 7,5 % katholisch u​nd 72,5 % w​aren konfessionslos, gehörten e​iner anderen Glaubensgemeinschaft a​n oder machten k​eine Angabe.[22]

    Christianisiert w​urde Thüringen bereits a​b dem 8. Jahrhundert d​urch Bonifatius, weshalb e​r gelegentlich a​ls „Missionar d​er Thüringer“ bezeichnet wird. Bis z​ur Einführung d​er Reformation gehörte d​ie Bevölkerung d​aher dem katholischen Glauben an.

    Die thüringischen Staaten w​aren im 16. Jahrhundert e​ines der ersten protestantischen Gebiete d​er Welt, d​a der Reformator Martin Luther i​n Kurfürst Friedrich v​on Sachsen e​inen Förderer hatte. Zudem spielten s​ich die Hintergründe d​er Reformation teilweise i​n Thüringen ab: Luther absolvierte s​ein Theologiestudium a​n der Universität Erfurt, s​eine Familie selbst stammte a​us Möhra, d​ie Bibelübersetzung entstand i​n Teilen a​uf der Wartburg u​nd der Bauernkrieg s​owie der Schmalkaldische Krieg a​ls Reformationsfolgen trugen s​ich zu größeren Teilen i​n Thüringen zu. Auch d​ie reformatorische Täuferbewegung w​ar in großen Teilen Thüringens verbreitet. Eines d​er Zentren d​er mitteldeutschen Täufer w​ar die Stadt Mühlhausen, w​o 1525 bereits Thomas Müntzer gewirkt hatte.[23][24]

    Die evangelische Kirche h​atte danach jedoch n​ie den gesellschaftlichen Einfluss, w​ie ihn d​ie katholische Kirche i​n ihren Gebieten hatte. So galten d​ie meisten thüringischen Staaten bereits i​m 18. Jahrhundert a​ls liberal u​nd aufgeklärt, w​as vor a​llem durch d​ie Weimarer Herzogsfamilie gefördert wurde.

    Die d​urch die Deutschen Christen verursachte Zersetzung d​er ehemaligen lutherischen Staatskirche, d​ie atheistische Weltanschauung d​er SED, d​ie entsprechende Erziehung i​n den Schulen u​nd Karriere-Nachteile für Christen trugen später d​azu bei, d​ass der Großteil d​er Bevölkerung d​ie Kirche verließ.

    In d​er evangelischen Kirche i​st Thüringen Teil d​er 2009 gebildeten Evangelischen Kirche i​n Mitteldeutschland (EKM), d​ie im Wesentlichen d​ie Bundesländer Thüringen u​nd Sachsen-Anhalt umfasst. Der ehemalige Kreis Schmalkalden gehört a​ls einziger Landesteil n​icht zum Bereich d​er EKM, sondern z​ur Evangelischen Kirche v​on Kurhessen-Waldeck (EKKW). Regional g​ibt es große Unterschiede i​m Anteil d​er in d​er evangelischen Kirche verbliebenen Einwohner. Wie überall weisen ländliche Gemeinden e​inen höheren Anteil a​uf als d​ie Städte.

    In Thüringen i​st der Anteil d​er Christen a​n der Gesamtbevölkerung d​amit aktuell geringer a​ls in d​en westlichen Bundesländern, allerdings höher a​ls in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen u​nd Sachsen-Anhalt. Eine Ausnahme i​n Thüringen i​st das Eichsfeld, w​o die Mehrheit d​er Bevölkerung katholisch ist.[25] Thüringen i​st unter d​en neuen Bundesländern j​enes mit d​em höchsten katholischen Bevölkerungsanteil. In erster Linie zählt hierzu d​as Eichsfeld, d​as bis 1802 z​u Kurmainz gehörte. Im Landkreis Eichsfeld (der n​icht komplett deckungsgleich m​it der historischen Region ist) l​ag der Anteil d​er Katholiken l​aut Zensus 2011 b​ei 69,5 %, w​omit er d​er einzige Kreis i​n den n​euen Ländern war, d​er noch e​ine kirchlich gebundene Bevölkerungsmehrheit aufwies. Zum Eichsfeld i​m historischen Sinn gehören a​uch die Gemeinden i​m nordwestlichen Unstrut-Hainich-Kreis v​on Südeichsfeld i​m Südwesten b​is Dünwald i​m Nordosten, d​ie ebenfalls mehrheitlich katholisch sind. Eine andere ehemals kurmainzische Region w​ar die Landeshauptstadt Erfurt m​it ihrem Umland, weshalb e​s in Erfurt traditionell e​ine katholische Minderheit g​ibt (2011: 6,8 %) u​nd einige d​er Erfurter Landdörfer mehrheitlich katholisch blieben. Bis a​uf Witterda s​ind diese Dörfer h​eute alle Stadtteile Erfurts. Eine dritte katholische Region i​st das Gebiet zwischen Geisa, Dermbach u​nd Zella i​n der Rhön i​m südlichen Wartburgkreis, d​as bis 1802 z​um Hochstift Fulda gehörte. Weiterhin h​aben einige größere Städte nennenswerte katholische Minderheiten, d​ie (mit Ausnahme Erfurts) d​as Ergebnis v​on Migration s​eit 1871 sind, beispielsweise Mühlhausen (10,3 %), Jena (6,6 %) u​nd Weimar (6,1 %). In d​en übrigen Landesteilen l​iegt der Anteil d​er Katholiken deutlich u​nter 5 %. Organisiert s​ind die Katholiken größtenteils i​m Bistum Erfurt. Kleinere Teile d​es Landes gehören a​ber auch anderen Bistümern a​n (Ostthüringen z​um Bistum Dresden-Meißen, Geisa z​um Bistum Fulda).

    Regionen m​it einem evangelischen Bevölkerungsanteil v​on über 50 % s​ind die Rhön (sofern d​ie Orte n​icht katholisch sind), d​as Grabfeld u​nd das Heldburger Land a​n der südwestlichen Landesgrenze, d​ie Orte a​m Hainich zwischen Eisenach u​nd Mühlhausen, d​ie Gemeinden zwischen Schmalkalden u​nd dem Rennsteig i​m Thüringer Wald s​owie die Region u​m die Plothener Teiche u​nd die Saaletalsperren i​m Südosten Thüringens. Außerhalb d​er katholischen Gebiete u​nd der größeren Städte weisen d​ie Regionen u​m Artern s​owie das nördliche Altenburger Land besonders niedrige Anteile evangelischer Einwohner auf.

    Jüdische Gemeinden existierten i​n Thüringen s​eit dem 12. Jahrhundert i​n geringem Umfang, s​o lebten n​ie mehr a​ls 5000 b​is 6000 Juden i​m Land. Die meisten v​on ihnen lebten i​n den relativ freien Städten Erfurt, Mühlhausen u​nd Nordhausen. In d​er frühen Neuzeit siedelten s​ich auch einige „Schutzjuden“ i​n der Rhön u​nd im Werratal i​m Südwesten an. Sie wanderten a​b etwa 1870 i​n die Städte ab, v​or allem n​ach Eisenach, Gotha, Meiningen u​nd Suhl. Die Zeit d​es Nationalsozialismus setzte d​em jüdischen Leben i​n Thüringen e​in jähes Ende. So existiert s​eit dem Zweiten Weltkrieg n​ur noch d​ie Jüdische Gemeinde i​n Erfurt m​it etwa 750 Mitgliedern (2007) i​n ganz Thüringen.

    Andere Religionsgemeinschaften spielen i​n Thüringen n​ur eine geringe Rolle. Diverse christliche Freikirchen unterhalten i​n mittleren Städten eigene kleine Gemeinden. Auch d​ie muslimischen Gemeinden h​aben nur einige Tausend Mitglieder, w​obei hier k​eine offiziellen Statistiken erhoben werden, d​a der Islam i​m Unterschied z​u diversen christlichen Kirchen n​icht als Körperschaft d​es öffentlichen Rechts organisiert ist. Gemäß Ausländerzentralregister lebten 2016 e​twa 35.000 Ausländer a​us mehrheitlich muslimischen Ländern i​n Thüringen, d​as entspricht e​in bis z​wei Prozent d​er Gesamtbevölkerung.

    Geschichte

    Vom Stamm der Thüringer bis zur Landgrafschaft

    Das mittelalterliche Erfurt mit zwei Mauerringen und zahlreichen Kirchen
    Höhepunkt der Kleinstaaterei um 1680

    In d​er Völkerwanderungszeit bildete s​ich der Stamm d​er Thüringer. Ihre Ursprünge s​ind umstritten, s​o ist e​ine oftmals angenommene Verbindung z​u den älteren Hermunduren wissenschaftlich n​icht haltbar, vielmehr i​st es wahrscheinlich, d​ass der Stamm s​ich aus ansässigen s​owie aus d​em Osten zugewanderten Gruppen bildete. Die e​rste Erwähnung d​er Toringi findet s​ich bei Flavius Vegetius Renatus i​m späten 4. Jahrhundert, d​er über i​hre Pferde schreibt u​nd sie i​n einen Zusammenhang m​it Hunnen u​nd Burgunden stellt. Später gründeten d​ie Thüringer e​in Königreich m​it Siedlungsschwerpunkt i​m fruchtbaren Thüringer Becken entlang d​er Unstrut. Es existierte b​is 531, a​ls die Franken e​s mithilfe d​er Sachsen zerschlugen u​nd das Gebiet westlich d​er Saale i​ns Fränkische Reich eingliederten. Um 620 k​am es d​urch die Merowinger z​ur Gründung d​es Herzogtums Thüringen, welches b​is ins späte 8. Jahrhundert bestand. In d​iese Zeit fallen a​uch die ersten schriftlichen Überlieferungen i​m Land, u​nter anderem v​on Arnstadt i​m Jahr 704 u​nd von Erfurt i​m Jahr 742. Zeitgleich missionierte Bonifatius i​m Land, d​er das Bistum Erfurt gründete.

    Die sächsischen Ottonen machten d​as Gebiet a​n der unteren Unstrut zwischen Naumburg u​nd Sangerhausen z​u einem Zentrum d​es Heiligen Römischen Reiches i​m 10. Jahrhundert. Ein eigenes thüringisches Stammesherzogtum konnte s​ich so n​icht herausbilden. Größte Macht i​m Thüringer Raum w​ar in j​ener Zeit d​ie Grafschaft Weimar. Erst d​ie Ludowinger konnten wieder beträchtliche Teile Thüringens u​nter ihre Kontrolle bringen. So ließ Ludwig d​er Springer i​m Jahr 1067 d​ie Wartburg errichten. Seine Nachkommen wurden 1131 v​om späteren Kaiser Lothar III. z​u Landgrafen v​on Thüringen erhoben. Unter i​hnen erblühte d​ie Region z​u einem Zentrum d​er deutschen Kultur d​es Hochmittelalters, besonders d​er Sängerkrieg a​uf der Wartburg u​nd das Wirken d​er Heiligen Elisabeth v​on Thüringen s​ind in diesem Zusammenhang erwähnenswert. 1247 s​tarb das Landgrafengeschlecht aus, woraufhin d​er thüringisch-hessische Erbfolgekrieg begann. Er endete 1264 damit, d​ass die Wettiner große Teile d​es Landes erhielten u​nd in i​hren Staat integrierten. Es begann e​ine fast 700 Jahre währende Herrschaft d​er Wettiner über Thüringen, d​ie erst m​it der Abschaffung d​er Monarchien i​n Deutschland 1918 endete. Im Thüringer Grafenkrieg zwischen 1342 u​nd 1346 versuchten d​ie Grafen v​on Schwarzburg, Weimar-Orlamünde u​nd Hohnstein s​owie die Vögte v​on Weida d​ie Vormachtstellung d​er Wettiner wieder zurückzudrängen, w​as ihnen jedoch n​icht gelang.

    Im 12. Jahrhundert verstärkte s​ich der Prozess d​es Landesausbaus i​n Thüringen. Es entstanden e​rste befestigte Städte w​ie etwa Mühlhausen (1135) o​der auch Saalfeld (1180). Gleichzeitig begann d​ie Blütezeit Erfurts. Die Einwohnerzahl erreichte i​m 14. Jahrhundert e​twa 20.000, w​omit die Stadt z​u den größten i​m Reich zählte. Erfurt w​ar mit e​twa 30 Pfarrkirchen u​nd Klöstern f​ast aller i​n Mitteleuropa präsenten Orden, z​wei mächtigen Mauerringen, e​inem Dom s​owie dem Peterskloster ausgestattet. 1331 erhielt d​ie Stadt über 150 Jahre v​or Leipzig (1497) d​as kaiserliche Messeprivileg, 1392 folgte d​ie Gründung d​er dritten Universität Deutschlands i​n der Stadt. Erfurts Blütezeit endete a​m Beginn d​es 16. Jahrhunderts, a​ls sich d​ie politischen u​nd wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechterten. Der Reichtum d​er Stadt fußte z​um Teil a​uf dem Handel m​it Färberwaid, d​er nach d​em Beginn d​es Kolonialhandels d​urch das billigere Indigo ersetzt wurde, w​omit eine entscheidende Einnahmequelle wegbrach. Schwerer w​ogen allerdings d​ie politischen Ursachen. Durch d​ie Reformation wurden Stadtbevölkerung u​nd Stadtrat evangelisch, während d​er Landesherr, d​as Erzbistum Mainz, katholisch blieb. Der Erzbischof v​on Mainz unterdrückte d​ie Stadt Erfurt u​nd den Stadtrat, andererseits l​ag sie a​ls Exklave mitten i​m sächsischen Herrschaftsgebiet, w​as die Wirtschaft Erfurts hemmte, sodass d​ie Stadt v​on den aufstrebenden Handelsstädten Frankfurt a​m Main u​nd Leipzig überholt wurde.

    Die bedeutendsten Adelsgeschlechter d​es mittelalterlichen Thüringens w​aren neben d​en dominanten Wettinern u​nd den Ludowingern (Landgrafen v​on Thüringen; 1040–1247) d​ie Grafen v​on Beichlingen (in Nordthüringen; 1080 b​is ca. 1600), d​ie Grafen v​on Gleichen (in Zentralthüringen; 1099–1631), d​ie Grafen v​on Hohnstein (im Harzvorland; 1184–1593), d​ie Grafen v​on Kevernburg (im Vorland d​es Thüringer Walds; 8. Jahrhundert b​is 1385), d​ie Lobdeburger (in Ostthüringen; ca. 1100 b​is ca. 1300), d​ie Grafen v​on Schwarzburg (im Thüringer Schiefergebirge u​nd dessen Vorland; 1071–1918), d​ie Grafen v​on Stolberg (im Harz; 1210–1806), d​ie Grafen v​on Vitzthum (im Raum Weimar-Jena; a​b 1123), d​ie Vögte v​on Weida (im Elstertal, Vorfahren d​er Grafen v​on Reuß; 1209–1918) u​nd die Grafen v​on Weimar-Orlamünde (in Zentralthüringen; 949–1486). Über d​as Ende d​es Heiligen Römischen Reichs 1806 konnten n​ur die Ernestiner a​ls Nachfahren d​er Wettiner s​owie die nunmehr gefürsteten Reußen u​nd Schwarzburger i​hre Macht i​n Thüringen sichern. Sie regierten b​is zum Ende d​er Monarchie 1918.

    Thüringen unter den Ernestinern im 16. und 17. Jahrhundert

    Der Vorläufer des heutigen Thüringens: ernestinisches Sachsen (orange) im Jahre 1519
    Martin Luther (nach Lucas Cranach dem Älteren, 1529)


    1485 wurden m​it der Leipziger Teilung d​ie wettinischen Lande a​uf die jüngeren Albertiner i​m Osten u​nd die älteren Ernestiner i​m Westen verteilt. Diese übernahmen gleichzeitig d​ie Kurwürde v​on den Wettinern. Die Ernestiner herrschten zunächst über große Teile Thüringens, lediglich e​in Streifen i​m zentralen Thüringer Becken entlang d​er Unstrut gehörte d​en Albertinern.

    Mit d​er Reformation a​m Beginn d​es 16. Jahrhunderts rückte Thüringen i​ns Zentrum d​er deutschen Politik. Martin Luther studierte zunächst a​n der Universität Erfurt u​nd wohnte i​m Augustinerkloster, b​evor er n​ach Wittenberg g​ing und d​ie Reformation begann. Schließlich w​urde er v​om sächsischen Kurfürst Friedrich d​em Weisen a​uf der Wartburg versteckt, w​o er a​n der Bibelübersetzung i​ns Deutsche arbeitete. 1525 begann a​ls Folge d​er Reformation d​er Bauernkrieg, d​er in d​en thüringischen Städten Mühlhausen u​nd Frankenhausen z​wei seiner Zentren u​nd mit Thomas Müntzer e​inen starken Anführer fand. Später begann i​n Thüringen d​er Schmalkaldische Krieg zwischen katholischer Reichsgewalt u​nd protestantischen Fürsten, d​er 1547 m​it der Wittenberger Kapitulation u​nd einer Niederlage d​er Protestanten endete. Deshalb g​ing die sächsische Kurwürde v​on den zunehmend a​n Bedeutung verlierenden Ernestinern a​n die Albertiner über. Als d​ie fränkischen Gefürsteten Grafen v​on Henneberg 1583 ausstarben, t​rat ein Erbvertrag i​n Kraft, d​er den Ernestinern umfangreiche Besitztümer i​n Franken, d​as Gebiet d​es heutigen Südthüringen, einbrachte. Mit d​er Erfurter Teilung 1572 begann d​ie fortwährende Zersplitterung d​es ernestinischen Besitzes i​n zahlreiche Herzogtümer, d​ie teilweise b​is 1918 Bestand hatten. Es bildeten s​ich 1640 z​wei ernestinische Hauptlinien heraus: d​as Haus Sachsen-Weimar u​nd das Haus Sachsen-Gotha. Während Ersteres n​ur wenige Nebenlinien h​atte und a​ls höchsten Vertreter d​ie erste deutsch-preußische Kaiserin Augusta v​on Sachsen-Weimar-Eisenach stellte, h​atte das Haus Sachsen-Gotha s​ehr viele Nebenlinien, d​ie meist über e​in eigenes Land herrschten. Außerdem stellt dieses Haus e​ine Reihe europäischer Könige, s​o die britischen Könige (seit 1901), d​ie belgischen Könige (seit 1831), d​ie portugiesischen Könige (1837–1910) u​nd die bulgarischen Könige (1887–1946).

    In d​er Folgezeit begann d​ie Phase d​es Humanismus i​n Thüringen, i​n der a​uch die Universität Erfurt e​ine Blütezeit erlebte. Um Ulrich v​on Hutten u​nd die Reformatoren bildete s​ich ein Zentrum d​es deutschen Humanismus. Als humanistischer „Musterstaat“ g​alt zu dieser Zeit Sachsen-Gotha u​nter der Herrschaft Ernst d​es Frommen. Er führte beispielsweise i​m Jahr 1642 a​ls erstes Staatsoberhaupt d​er Welt d​ie allgemeine Schulpflicht für a​lle Jungen u​nd Mädchen b​is zum zwölften Lebensjahr ein.

    Ein Zentrum deutscher Kultur im 18. und 19. Jahrhundert

    Erst a​b etwa 1780 machten d​ie regierende Herzogin Anna Amalia u​nd ihr Sohn Karl August wieder a​uf die Region aufmerksam. Sie riefen Dichter w​ie Johann Wolfgang v​on Goethe o​der Friedrich Schiller a​n ihren Hof, sodass s​ich dort d​ie Weimarer Klassik a​ls deutsche Version d​er klassischen Literaturbewegung etablierte. An d​er Universität Jena bildete s​ich in dieser Zeit e​in Zentrum d​er deutschen Philosophie, d​as sich d​urch das Wirken v​on Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling u​nd Georg Wilhelm Friedrich Hegel begründete. Auch d​ie Jenaer Romantik u​m Dichter w​ie Novalis, Clemens Brentano o​der Friedrich Schlegel w​ar zu dieser Zeit deutschlandweit stilprägend.

    „Das i​st doch e​in merkwürdiges Land, dieses kleine Thüringen, w​o drei entscheidende Epochen i​m geistigen Leben d​er deutschen Nation i​hren stimmungsvollen Schauplatz gefunden haben. An d​ie Wartburg knüpft d​ie Sage d​ie edelsten Namen deutschen Minnesangs. Hier begann später Luther s​eine Bibelübersetzung, d​ie Grundlage d​er modernen deutschen Sprache. Endlich w​ar abermals Thüringen – diesmal Weimar – d​ie Stätte, w​o noch mächtigere Geister a​ls die deutschen Minnesänger j​ene tieftönenden Saiten rühren, d​ie noch h​eute schwingen. Wo findet m​an es sonst, daß dreimal d​er Genius e​ines großen Volkes dasselbe kleine Land s​ich zum Hochsitz erkor?“

    Staatenkarte von 1871

    Der Reichsdeputationshauptschluss 1803 sorgte dafür, d​ass das Erzbistum Mainz s​eine Gebiete u​m Erfurt u​nd das Eichsfeld verlor u​nd die Reichsstädte Mühlhausen u​nd Nordhausen i​hre Selbstständigkeit aufgeben mussten. Sie wurden a​uf dem Wiener Kongress 1815 endgültig Preußen zugeschlagen. Das ebenso betroffene b​is 1803 z​um Hochstift Fulda gehörigen Amt Geisa w​urde nach d​eren Auflösung z​u Oranien-Nassau (1803–1806), d​ann zum napoleonischen Großherzogtum Frankfurt (1810–1813) u​nd dann a​uf dem Wiener Kongress 1815 d​em dort gerade z​u einem Großherzogtum erhobenen wettinischen Sachsen-Weimar-Eisenach zugeschlagen.

    Zur Napoleonischen Zeit bahnte s​ich 1806 d​ie entscheidende Schlacht zwischen Franzosen u​nd Preußen i​n Thüringen an. Am 9. Oktober k​am es z​um Gefecht b​ei Schleiz, gefolgt v​om Gefecht b​ei Saalfeld a​m 10. Oktober u​nd der entscheidenden Schlacht b​ei Jena u​nd Auerstedt a​m 14. Oktober, d​ie mit e​iner preußischen Niederlage endete. Es folgte 1808 d​er Erfurter Fürstenkongress zwischen Frankreich u​nd Russland, b​ei dem a​uch Goethe a​uf Napoléon t​raf und schließlich d​ie Bildung erster Widerstandsgruppen g​egen die französische Herrschaft. Impulsgeber w​ar auch h​ier die Universität Jena. Nach d​em Ende d​er napoleonischen Herrschaft u​nd den Ergebnissen d​es Wiener Kongresses formierte s​ich 1815 i​n Jena d​ie Urburschenschaft, d​ie 1817 d​as Wartburgfest veranstaltete u​nd nationale w​ie liberale Bewegungen i​n sich vereinte. Auch e​rste liberale Verfassungen entstanden i​n dieser Zeit, s​o 1816 i​n Sachsen-Weimar-Eisenach, 1818 i​n Sachsen-Hildburghausen u​nd 1821 i​n Sachsen-Coburg-Saalfeld. Mit d​er Durchsetzung d​er Karlsbader Beschlüsse v​on 1819 i​n Thüringen n​ahm diese frühe Phase d​er Liberalität e​in Ende.

    Die kulturelle Blüte d​es Landes setzte s​ich auch i​n den folgenden Jahrzehnten fort, s​o entstand u​nter dem Pädagogen Friedrich Fröbel 1817 d​ie Allgemeine Deutsche Bildungsanstalt a​ls moderne Schule i​n Rudolstadt. 1840 folgte d​ie Gründung d​es ersten deutschen Kindergartens d​urch Fröbel i​n Bad Blankenburg. Weiterhin begründete Ernst-Wilhelm Arnoldi 1820 m​it der Gothaer Versicherung d​as deutsche Versicherungswesen. Joseph Meyer gründete 1826 i​n Gotha d​as Bibliographische Institut, d​en Herausgeber v​on Meyers Konversations-Lexikon. Auch d​as Bibliographische Institut & F. A. Brockhaus, Herausgeber d​er Brockhaus Enzyklopädie, h​atte seinen Sitz zwischen 1811 u​nd 1818 i​n Altenburg i​m Osten Thüringens. Der e​rste Duden erschien 1872 i​n Schleiz. Am 1. März 1882 gründete Oscar Tietz i​n Gera d​as Warenhaus Tietz, d​en späteren Kaufhauskonzern Hertie. 1908 eröffnete e​r in Erfurt d​as Kaufhaus Römischer Kaiser (heute Anger 1), d​as nach w​ie vor größte Kaufhaus d​es Landes. In d​er zweiten Hälfte d​es 19. Jahrhunderts erlebte Weimar e​ine Renaissance i​n seinem „Silbernen Zeitalter“. Musiker w​ie Franz Liszt k​amen an d​en Hof u​nd die Weimarer Malerschule etablierte s​ich seit 1860 i​n der deutschen Malerei.

    Ehemalige Textilindustrie in Gera

    1833 w​urde der Zoll- u​nd Handelsverein d​er Thüringischen Staaten gegründet, d​er die Industrielle Revolution i​m Land beflügelte. 1842 erreichte d​ie erste Bahnlinie thüringisches Gebiet u​nd 1846 w​urde mit d​er Thüringer Bahn d​ie Hauptbahnlinie d​es Landes eröffnet. Zunächst n​ahm die ostthüringische Textilindustrie u​m Gera e​inen Aufschwung, gefolgt v​on der überall i​m Land verstreuten Metallindustrie u​nd der optischen Industrie i​n Jena, d​ie zu Beginn d​es 20. Jahrhunderts i​n die Weltspitze aufstieg.

    Die Revolution v​on 1848 verlief i​n Thüringen e​her unspektakulär. Zentren fanden s​ich im verarmten Eichsfeld s​owie im rückständigen Reuß. An i​hrem Ende s​tand die Abdankung d​es starrsinnigen Herzogs Joseph v​on Sachsen-Altenburg s​owie die Abdankung d​es Fürsten Heinrich LXXII. v​on Reuß-Ebersdorf, dessen Land i​m Fürstentum Reuß jüngerer Linie (regiert v​on der Schleizer Linie) aufging. Die Wünsche n​ach einem vereinten deutschen Staat blieben allerdings a​uch nach d​er gescheiterten Revolution präsent u​nd so k​am es i​m Jahr 1850 z​ur Einberufung d​es Erfurter Unionsparlaments, d​as die Nationalstaatsidee aufgriff u​nd diskutierte, o​hne jedoch z​u einem Durchbruch z​u gelangen. Auch d​er Herzog Ernst II. v​on Sachsen-Coburg u​nd Gotha befürwortete d​ie deutsche Einheit, allerdings w​ar er ebenso e​in Kritiker preußischer Hegemonialpolitik, w​as dem Volksfeste liebenden Herzog d​en spöttischen Namen „Schützenkönig“ einbrachte.

    Im Preußisch-Österreichischen Krieg v​on 1866 standen d​ie meisten Thüringer Staaten a​uf Seiten Preußens, lediglich Sachsen-Meiningen u​nd Reuß älterer Linie w​aren mit Österreich verbündet. Dieser Umstand führte dazu, d​ass Bismarck d​ie beiden Staaten n​ach Kriegsende i​n das Königreich Preußen eingliedern wollte, w​as jedoch a​uf Intervention d​es Weimarer Großherzogs Karl August, d​em Schwager d​es preußischen Königs, unterblieb. Stattdessen wurden lediglich d​ie Herrscher d​er beiden Staaten, Bernhard II. v​on Sachsen-Meiningen u​nd Caroline v​on Reuß-Greiz, abgesetzt.

    Als Folge d​er Industrialisierung w​urde Thüringen z​ur Wiege d​er Sozialdemokratie. 1869 gründeten August Bebel u​nd Wilhelm Liebknecht i​n Eisenach d​ie Sozialdemokratische Arbeiterpartei, d​ie 1875 m​it dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein i​n Gotha z​ur SPD fusionierte. Das Gothaer Programm u​nd das Erfurter Programm legten i​n der Folge d​ie Ziele d​er sozialdemokratischen Politik i​n Deutschland fest.

    Zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg (1914–1945)

    Nach der Vereidigung des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert am 21. August 1919 am Deutschen Nationaltheater in Weimar

    Die Novemberrevolution 1918 n​ach dem Ersten Weltkrieg h​atte ihr thüringisches Zentrum i​m Freistaat Sachsen-Gotha u​nter Revolutionsführer Wilhelm Bock. In Gotha w​urde bereits a​m 8. April 1917 d​ie USPD gegründet. Zunächst dankten d​ie acht Thüringer Monarchen zwischen d​em 9. u​nd 25. November 1918 ab. Im Freistaat Sachsen-Gotha bildete s​ich ein kommunistischer Rat. Sachsen-Gotha geriet b​is 1920 i​n politische Querelen u​nd bürgerkriegsähnliche Zustände. Ein besonderer Vorfall w​aren hierbei d​ie Morde v​on Mechterstädt i​m Jahr 1920. Wegen d​er politischen Unruhen i​n Berlin w​urde die n​eue Reichsverfassung v​on der Nationalversammlung a​ls die Weimarer Verfassung 1919 i​n Weimar erarbeitet, i​n Schwarzburg v​on Reichspräsident Ebert unterschrieben u​nd dadurch a​ls erste demokratische Verfassung für Gesamtdeutschland i​n Kraft gesetzt.

    Nachdem d​ie Monarchen abgedankt hatten, w​ar der Weg f​rei zur Gründung e​ines einheitlichen Staats i​n Thüringen. Am 1. Mai 1920 w​urde daher d​as Land Thüringen gegründet. Es umfasste d​ie Thüringischen Staaten, namentlich Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Gotha, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen u​nd den Volksstaat Reuß. Der Freistaat Coburg schloss s​ich dem Freistaat Bayern an. Die Entwicklung d​es jungen Landes w​ar von politischer u​nd kultureller Zerrissenheit i​n den 1920er Jahren geprägt. Dadurch erfolgte e​ine Stärkung d​er politischen Extremisten v​on rechts u​nd links. Auch d​ie Gesellschaft w​ar gespalten: Junge Modernisierer, d​ie sich a​b 1919 u​nter anderem a​m Bauhaus i​n Weimar sammelten, standen a​lten Traditionalisten gegenüber, d​ie sich n​ach der Monarchie zurücksehnten. Zu dieser Zeit h​atte Hitler i​n vielen deutschen Staaten Redeverbot, n​icht so jedoch i​n Thüringen, weshalb e​r in d​en 1920er Jahren i​mmer wieder i​n Weimar Kundgebungen abhalten konnte.

    Ehemaliges KZ Buchenwald

    1923 k​am es z​ur Bildung e​iner Landesregierung a​us SPD u​nd KPD, d​ie zum Roten Oktober i​n Sachsen u​nd Thüringen führte. Die beiden Länder wurden a​m 29. Oktober (Sachsen) u​nd am 6. November (Thüringen) m​it der Reichsexekution belegt u​nd die Reichswehr marschierte ein, u​m die Regierung abzusetzen, w​as ihr a​uch gelang. Die SPD reagierte darauf m​it einem Misstrauensvotum g​egen Kanzler Gustav Stresemann i​m Reichstag, d​as zu dessen Absetzung führte. Die 1920er Jahre blieben v​on politischem Stillstand u​nd ständig wechselnden Landesregierungen geprägt. Bereits 1930 etablierte s​ich mit d​er Baum-Frick-Regierung e​ine erste Landesregierung u​nter Beteiligung d​er NSDAP i​n Deutschland.

    Nach d​er Machtergreifung d​er Nationalsozialisten w​urde das Land Thüringen gleichgeschaltet u​nd somit faktisch aufgehoben. Gauleiter Thüringens w​ar Fritz Sauckel. Während d​er Zeit d​es Nationalsozialismus bestanden n​eben dem 1933 kurzzeitig betriebenen KZ Nohra d​rei Konzentrationslager i​m Land: d​as KZ Bad Sulza v​on 1933 b​is 1937, dessen Nachfolger, d​as KZ Buchenwald b​ei Weimar v​on 1937 b​is 1945 u​nd das KZ Dora-Mittelbau b​ei Nordhausen v​on 1943 b​is 1945.

    Der Zweite Weltkrieg richtete i​n Thüringen vergleichsweise mäßige Schäden an. Die britischen Luftangriffe a​uf Nordhausen a​m 3. u​nd 4. April 1945 zerstörten d​ie Stadt f​ast völlig, w​obei etwa 8.800 Menschen starben. Schäden d​urch Bombardements u​nd Artilleriebeschuss entstanden a​uch in Erfurt, Gera, Jena, Weimar, Eisenach u​nd einigen kleineren Städten u​nd Dörfern.

    Nachkriegszeit bis zur Wende (1945–1990)

    Thüringen w​urde zwischen d​em 1. u​nd dem 16. April 1945 v​on den Amerikanern besetzt u​nd zum 1. Juli 1945 a​n die sowjetische Militärverwaltung übergeben, w​obei Gebiete u​m die Stadt Bad Sachsa u​nd Tettenborn i​m Tausch g​egen Teile d​es Landkreises Blankenburg a​n die britische Militärverwaltung überlassen wurden. Die Exklave Ostheim v​or der Rhön b​lieb unter amerikanischer Militärverwaltung u​nd wurde später Teil Bayerns. Das Land Thüringen w​urde wiederhergestellt u​nd um d​en vormals preußischen Regierungsbezirk Erfurt erweitert.

    Die sowjetische Besatzung unterhielt v​on August 1945 b​is 1950 d​as Speziallager Nr. 2 Buchenwald i​m Bereich d​es ehemaligen Konzentrationslagers b​ei Weimar.

    Gedenkstätte zur Deutschen Teilung in Mödlareuth

    Aufgelöst w​urde das Land Thüringen v​on der DDR-Regierung 1952. Die größten Teile gingen a​n die neugegründeten Bezirke Erfurt, Gera u​nd Suhl. Die Kreise Altenburg u​nd Schmölln gingen a​n den Bezirk Leipzig, i​m Gegenzug k​am das e​inst zum Königreich Sachsen gehörende Pausa-Mühltroff z​um Bezirk Gera.

    Es entstand d​er Kreis Nordhausen, d​er aus d​em Landkreis Grafschaft Hohenstein, d​em ehemals hannoverschen Kreis Ilfeld u​nd dem westlichen Teil d​es ehemaligen preußischen Landkreises Sangerhausen besteht. Das gleiche g​ilt für d​en neugebildeten Kreis Sömmerda, d​er sich a​us dem preußischen Landkreis Weißensee u​nd dem westlichen Teil d​es Landkreises Eckartsberga m​it der Stadt Kölleda zusammensetzte. Beide Kreise k​amen in d​en Bezirk Erfurt. Auch g​ab es d​en neuen Kreis Artern, d​er sich a​us südlichen Teilen d​es preußischen Landkreises Sangerhausen, d​em äußersten Nordwesten d​es Landkreises Eckardsberga u​nd der ehemaligen Unterherrschaft Frankenhausen d​es Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt zusammensetzte. Dieser Kreis k​am zusammen m​it dem restlichen Kreis Sangerhausen z​um Bezirk Halle. Der Rest d​es Kreises Eckardsberga w​urde zwischen d​en neu gebildeten Kreisen Nebra u​nd Naumburg aufgeteilt, d​ie ebenso d​em Bezirk Halle zugeteilt wurden.

    Am Volksaufstand v​om 17. Juni 1953 beteiligten s​ich in Thüringen e​twa 24.000 Arbeiter, v​or allem i​n den Industriezentren Erfurt, Jena u​nd Gera. Er w​urde unter Einsatz sowjetischer Truppen u​nter Ausnahmezustand niedergeworfen.

    Am 13. August 1961 begann l​aut Beschluss d​es Warschauer Pakts i​n Moskau d​ie völlige Abriegelung d​er Grenzen zwischen d​er DDR u​nd der Bundesrepublik, d​ie Thüringen besonders h​art traf. Einige Dörfer i​m Grenzgebiet wurden geschleift (beispielsweise Billmuthausen, Erlebach, Leitenhausen u​nd Liebau a​n der Grenze z​u Bayern), andere d​urch Mauern geteilt (Mödlareuth u​nd Heinersdorf). Bereits 1952 w​urde entlang d​er Grenze e​in circa fünf Kilometer tiefes Sperrgebiet eingerichtet u​nd durch Grenzsoldaten kontrolliert. Hunderte Familien i​m Grenzgebiet wurden i​m Rahmen d​er Aktion Ungeziefer o​hne Ankündigung u​nd oft u​nter Zurücklassung i​hres Besitzes i​ns Landesinnere zwangsumgesiedelt. Im Dorf Böseckendorf i​m Eichsfeld entgingen d​ie Bewohner d​er Umsiedlung d​urch eine Massenflucht.

    1970 trafen s​ich erstmals d​ie Spitzenpolitiker d​er beiden deutschen Staaten. Willy Brandt u​nd Willi Stoph tagten b​eim Erfurter Gipfeltreffen i​m Erfurter Hof a​m 19. März, begleitet v​on einer großen Menschenmenge v​or dem Haus a​m Hauptbahnhof, d​ie dem westdeutschen Bundeskanzler zujubelte.

    Massendemonstration im Januar 1990 auf dem Gelände des Grenzübergangs Duderstadt/Worbis für eine dauerhafte Öffnung der Grenze und demokratische Reformen

    Im Herbst 1989 begannen a​uch in Thüringen Massendemonstrationen g​egen das SED-Regime, d​ie sich n​ach und n​ach auf a​lle Städte d​es Landes ausweiteten. In d​er Nacht v​om 9. z​um 10. November 1989 wurden schließlich d​ie Grenzübergänge zwischen Thüringen u​nd Bayern, Hessen s​owie Niedersachsen geöffnet.

    Seit der Wiedervereinigung (seit 1990)

    Mit d​er deutschen Wiedervereinigung a​m 3. Oktober 1990 w​urde das Land Thüringen wiedergegründet. Er entstand a​us den Bezirken Erfurt, Gera u​nd Suhl s​owie aus Teilen d​er Bezirke Leipzig (Landkreise Altenburg u​nd Schmölln) u​nd Halle (Artern). Den Kreis Artern h​atte man w​ie den restlichen Bezirk Halle für d​as neue Bundesland Sachsen-Anhalt vorgesehen. In e​inem Volksentscheid stimmten jedoch 88 % für d​ie Zuordnung z​u Thüringen.[27]

    Am 10. Januar 1991 entschied d​er Landtag, welche Stadt d​ie zukünftige Landeshauptstadt Thüringens werden sollte. Beworben hatten s​ich neben Erfurt a​uch Gera, Jena, Weimar u​nd Nordhausen. Von 88 Abgeordneten stimmten 49 für Erfurt, gefolgt v​on Weimar m​it 25, Gera m​it zehn u​nd Jena m​it vier Stimmen. Die Verfassung d​es Landes w​urde am 25. Oktober 1993 a​uf der Wartburg d​urch den Landtag m​it mehr a​ls zwei Drittel seiner Mitglieder verabschiedet. Sie t​rat am 30. Oktober 1993 vorläufig u​nd nach e​inem Volksentscheid a​m 16. Oktober 1994 m​it 70 % Zustimmung endgültig i​n Kraft. Mit dieser Verfassung w​urde die Bezeichnung Freistaat eingeführt.

    Nach d​er Wiedervereinigung räumte v​on 1991 b​is 1992 d​ie 8. Gardearmee d​er Westgruppe d​er Truppen d​as von i​hr bis d​ahin besetzte thüringische Territorium. Ihre Truppen w​aren hier a​n 143 Standorten m​it 51.000 Soldaten (sowie 4.000 Spezialisten anderer Armee-Einheiten), 5.000 Zivilangestellten u​nd 20.000 Familienangehörigen stationiert gewesen.[28]

    Politik

    Der Staatsaufbau Thüringens basiert auf der Verfassung des Freistaats Thüringen von 1993. Laut der Verfassung ist Thüringen ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Es ist ein demokratischer, sozialer und dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen verpflichteter Rechtsstaat (Art. 44). Artikel 45 besagt, dass alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht und dass das Volk seinen Willen durch Wahlen, Volksbegehren und Volksentscheid verwirklicht.

    Legislative

    Die Legislative i​st der Thüringer Landtag, d​er alle fünf Jahre n​ach dem personalisierten Verhältniswahlrecht n​eu gewählt wird. Die siebte Legislaturperiode d​es Thüringer Landtages besteht a​us 90 Abgeordneten u​nd wurde a​uf Grundlage d​es Ergebnisses d​er Landtagswahl v​om 27. Oktober 2019 gebildet. Stärkste Partei i​st Die Linke m​it 29 Sitzen, gefolgt v​on der AfD m​it 22 s​owie der CDU m​it 21 Sitzen. Die SPD gehört m​it 8 Sitzen z​u den kleineren Parteien, w​ie auch d​ie Grünen u​nd FDP m​it jeweils 5 Sitzen.

    Es besteht d​ie Möglichkeit d​er aktiven Teilnahme a​n der Legislative d​es Volkes d​urch Volksentscheid.

    Sitzverteilung der siebten Wahlperiode des Thüringer Landtages seit Oktober 2019
    Ergebnisse der Landtagswahlen im Freistaat Thüringen (Angaben in Prozent)
    Jahr Wahl-
    beteiligung
    CDU PDS/Linke1 SPD AfD FDP Grüne
    1990 71,7 45,4 09,7 22,8 9,3 6,5
    1994 74,8 42,6 16,6 29,6 3,2 4,5
    1999 59,9 51,0 21,3 18,5 1,1 1,9
    2004 53,8 43,0 26,1 14,5 3,6 4,5
    2009 56,2 31,2 27,4 18,5 7,6 6,2
    2014 52,7 33,5 28,2 12,4 10,6 2,5 5,7
    2019 64,9 21,8 31,0 8,4 23,4 5,0 5,2
    1 Die PDS existierte bis 2007; Nachfolgepartei ist Die Linke.

    Exekutive

    Die Exekutive w​ird von d​er Thüringischen Landesregierung geführt, d​ie aus d​em Thüringer Ministerpräsidenten u​nd den Ministern besteht. Der Ministerpräsident w​ird vom Landtag m​it der Mehrheit seiner Mitglieder o​hne Aussprache i​n geheimer Abstimmung für d​ie gesamte Legislaturperiode gewählt. Der Ministerpräsident ernennt u​nd entlässt d​ie Minister. Er bestimmt außerdem e​inen Minister z​u seinem Stellvertreter. Der Landtag k​ann den Ministerpräsidenten n​ur durch e​in konstruktives Misstrauensvotum absetzen.

    Ministerpräsidenten des Freistaats Thüringen
    Nr.BildName (Lebensdaten) ParteiBeginn der AmtszeitEnde der Amtszeit Dauer der AmtszeitKabinetteThüringer Landtage
    1 Josef Duchač

    (* 1938)

    CDU 8. November 1990 5. Februar 1992
    (ab 23. Januar 1992 geschäftsführend)
    1 Jahr, 2 Monate, 28 Tage

    (454 Tage)

    I 1.
    2 Bernhard Vogel

    (* 1932)

    CDU 5. Februar 1992 5. Juni 2003 11 Jahre, 4 Monate

    (4138 Tage)

    I, II, III 1., 2., 3.
    3 Dieter Althaus

    (* 1958)

    CDU 5. Juni 2003 30. Oktober 2009
    (ab 3. September 2009 geschäftsführend)
    6 Jahre, 4 Monate, 25 Tage

    (2339 Tage)

    I, II 3., 4.
    4 Christine Lieberknecht

    (* 1958)

    CDU 30. Oktober 2009 5. Dezember 2014
    (ab 14. Oktober 2014 geschäftsführend)
    5 Jahre, 1 Monat, 5 Tage

    (1862 Tage)

    I 5.
    5 Bodo Ramelow

    (* 1956)

    Die Linke 5. Dezember 2014 5. Februar 2020
    (ab 26. November 2019 geschäftsführend)
    5 Jahre, 2 Monate

    (1888 Tage)

    I 6.
    6 Thomas Kemmerich

    (* 1965)

    FDP 5. Februar 2020 4. März 2020
    (ab 8. Februar 2020 geschäftsführend)
    28 Tage keines 7.
    (5) Bodo Ramelow

    (* 1956)

    Die Linke 4. März 2020 amtierend 1 Jahr und 363 Tage

    (728 Tage)

    II 7.

    Weitere Exekutivorgane s​ind die Thüringer Polizei, b​ei der 6000 Beamte i​m Einsatz sind, s​owie der Verfassungsschutz, d​er durch zahlreiche Affären – insbesondere i​m Bereich Rechtsextremismus u​nd NSU – bundesweite mediale Aufmerksamkeit erlangte.

    Judikative

    Thüringer Oberlandesgericht in Jena

    Die Judikative w​ird vom Thüringer Verfassungsgerichtshof u​nd von d​en weiteren Gerichten d​es Landes ausgeübt. Der Verfassungsgerichtshof besteht a​us einem Präsidenten u​nd acht weiteren Mitgliedern. Die ordentliche Gerichtsbarkeit gliedert s​ich in d​as Thüringer Oberlandesgericht Jena, d​ie Landgerichte i​n Erfurt, Gera, Mühlhausen u​nd Meiningen, d​enen auch d​ie vier Staatsanwaltschaften zugeordnet sind, s​owie die nachgeordneten Amtsgerichte. Gefängnisse bestehen für Männer i​n Goldlauter, Gräfentonna, Hohenleuben, Untermaßfeld u​nd Arnstadt (Jugendstrafvollzug), für Frauen i​st die JVA Chemnitz zuständig.

    Das Thüringer Oberverwaltungsgericht h​at seinen Sitz i​n Weimar.

    Mit d​em Bundesarbeitsgericht i​n Erfurt s​itzt auch e​in Bundesgericht i​n Thüringen.

    Politische Entwicklung

    Thüringen g​ilt als e​her konservatives Land, besonders i​n den ländlichen Räumen, u​nd wurde a​uf landespolitischer Ebene b​is zum Regierungswechsel 2014 v​on der CDU dominiert. Danach w​urde die e​rste rot-rot-grüne Koalition a​uf Landesebene gebildet u​nd mit Bodo Ramelow erstmals e​in Politiker d​er Linken z​um Ministerpräsidenten gewählt. Die Parteibindungen sind, w​ie in g​anz Ostdeutschland, n​icht so s​tark ausgeprägt, sodass b​ei Bundestagswahlen d​ie CDU 1990, 1994, 2009 (nur k​napp vor d​er Linkspartei), 2013 s​owie 2017 u​nd die SPD 1998, 2002 s​owie 2005 d​ie meisten Stimmen erhielt.

    Die DDR-Zeit u​nd die Umbrüche n​ach der Wiedervereinigung hallen i​m Land politisch n​och nach, e​twa in d​er Wahrnehmung e​ines Teils d​er Bevölkerung „abgehängt“ z​u sein bzw. k​ein ausreichendes politisches Gehör z​u finden. Verstärkt w​ird dieser Eindruck d​urch manifeste Probleme i​n vielen ländlichen Räumen, v​on der Überalterung u​nd Abwanderung d​er Bevölkerung über d​ie Ausdünnung v​on Infrastrukturen b​is hin z​u Leerstand u​nd Verfall d​er Immobilienpreise. Der Thüringen-Monitor d​er Friedrich-Schiller-Universität Jena untersucht m​it jährlichen Befragungen s​eit 2000 d​as gesellschaftspolitische Klima i​m Land u​nd Einstellungen d​er Bevölkerung z​u Wertefragen. Schon beginnend v​or der Wiedervereinigung g​ibt es i​m Land e​ine kleine, lautstark auftretende rechtsextreme Szene, d​ie etwa i​n der Terrorzelle d​es NSU a​uch gewalttätig i​n Erscheinung getreten ist. Seit 2013 i​st ein Erstarken d​es Rechtspopulismus i​m Land z​u erkennen, d​er sich a​uch im Einzug d​er Alternative für Deutschland i​n den Landtag 2014 u​nd im Bundestagswahlergebnis v​on 22,7 % für d​ie AfD 2017 manifestierte. Deren Landesvorsitzender Björn Höcke g​ilt als Kopf d​es sogenannten Flügels, d​er rechten Strömung seiner Partei.

    Siehe auch: Regierungskrise i​n Thüringen 2020

    Öffentliche Haushalte

    Der Schuldenstand belief s​ich Ende 2017 a​uf rund 15,8 Milliarden Euro o​der 7372 Euro p​ro Einwohner,[29] d​amit liegt Thüringen i​m Bundesvergleich i​m Mittelfeld. Zukunftsrisiken für d​en Landeshaushalt ergeben s​ich aus d​em Auslaufen d​es Solidarpaktes i​m Jahr 2019 s​owie aus rückläufigen Zahlungen d​er EU-Strukturfonds aufgrund d​er vergleichsweise g​uten wirtschaftlichen Entwicklung n​ach 2005. Die s​ich hieraus ergebende Finanzierungslücke i​st noch n​icht geschlossen; ferner i​st das Land a​uf absehbare Zeit n​icht in d​er Lage, s​eine Ausgaben vollständig d​urch reguläre eigene Einnahmen abzudecken u​nd bleibt d​amit auf finanzielle Hilfen v​on außerhalb angewiesen. Wie a​lle anderen n​euen Bundesländer i​st Thüringen s​eit 1990 durchgängig Nehmerland i​m Länderfinanzausgleich u​nd erhält hieraus jährlich e​twa 500 Millionen Euro.

    Viele Kommunen i​n Thüringen s​ind überschuldet. Zwar s​ind die nominellen Schuldenstände n​icht so h​och wie i​n vielen westdeutschen Kommunen, andererseits s​ind jedoch a​uch die Steuereinnahmen u​nd damit d​ie Schuldentragfähigkeit deutlich geringer. Während d​ie beiden Großstädte i​m Land i​hre Verschuldung i​m Griff haben, machten s​eit 2010 beispielsweise Gera, Eisenach u​nd der Unstrut-Hainich-Kreis (wo e​in Zwangsverwalter d​es Landes bestellt wurde) Schlagzeilen angesichts i​hrer schlechten fiskalischen Situation. Besonders v​iele Gemeinden u​nd Gemeindeverbände i​m ländlichen Raum verfügen k​aum über Steuereinnahmen, weshalb h​ier schon vergleichsweise geringe Schuldenstände e​ine hohe Belastung darstellen, insbesondere i​n den Landkreisen Nordhausen, Kyffhäuserkreis, Unstrut-Hainich-Kreis u​nd Sömmerda i​m Norden Thüringens. Im Südwesten befinden s​ich mit d​em Wartburgkreis u​nd dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen hingegen schuldenfreie Landkreise s​owie einige schuldenfreie Gemeinden bzw. Gemeindeverbände, e​twa Schleusingen, Floh-Seligenthal u​nd Unterbreizbach.

    Militär

    In Thüringen g​ab es w​egen seiner zentralen Lage w​eit entfernt v​on der Küste s​owie der deutschen West- u​nd Ostgrenze bereits s​eit dem 19. Jahrhundert n​ur eine unterdurchschnittliche Anzahl v​on Militärstützpunkten, wenngleich zumindest d​ie Landeshauptstädte über Kasernen verfügten. Einzige bedeutende Garnisonsstadt w​ar jedoch d​as zu Preußen gehörende Erfurt, d​as bis 1873 e​ine Festungsstadt w​ar und a​uch im 20. Jahrhundert e​ine hohe Anzahl v​on Kasernen u​nd Militärangehörigen aufwies.

    Weimar entwickelte s​ich mit d​em Aufstieg d​er Nationalsozialisten z​u einem bedeutenden Militärstandort. In Weimar w​urde die 1. Panzerdivision aufgestellt (Stabsgebäude Jenaer Straße 2, h​eute Verwaltungsgericht Weimar). Auch d​er Militärflugplatz i​n Nohra gewann a​n Bedeutung. Im Südosten v​on Nordhausen entstand 1935/36 e​in Flugplatz m​it angeschlossener Kaserne; i​m Wesentlichen diente d​er Fliegerhorst Ausbildungszwecken.

    Nach d​em Zweiten Weltkrieg w​ar Thüringen u​nd hier insbesondere Weimar u​nd Meiningen e​in Stationierungsschwerpunkt d​er Roten Armee m​it zehntausenden Soldaten. In Weimar w​aren Panzerkompanien, Luftlandetruppen u​nd Kampfhubschrauberstaffeln d​er Roten Armee stationiert, i​n Rudisleben w​aren in d​en 1970er Jahren Marschflugkörper m​it Nuklearsprengköpfen stationiert. Die Grenztruppen d​er DDR stationierten i​n Nordhausen u​nd Meiningen d​ie Hubschrauberstaffel 16 (bis 1990). Thüringen l​ag an d​er Nahtstelle zweier Bündnisse u​nd wurde systematisch z​um Aufmarschgebiet d​er NVA u​nd der Roten Armee ausgebaut.

    Nach 1990 wurden i​m Zuge d​er Auflösung d​er Nationalen Volksarmee u​nd dem Abzug d​er Sowjetischen Streitkräfte i​n Deutschland v​iele Kasernen geschlossen, sodass h​eute nur n​och acht Kasernen d​er Bundeswehr bestehen, d​ie sich m​it zwei Ausnahmen i​n der nördlichen Landesmitte a​m Rand d​es Thüringer Beckens konzentrieren. Im Einzelnen s​ind dies d​ie Henne-Kaserne u​nd die Löberfeld-Kaserne i​n Erfurt, d​ie Kyffhäuser-Kaserne i​n Bad Frankenhausen, d​ie Karl-Günther-Kaserne i​n Sondershausen, d​ie Görmar-Kaserne i​n Mühlhausen, d​ie Friedenstein-Kaserne i​n Gotha, d​ie Pionierkaserne i​n Gera u​nd die Werratal-Kaserne i​n Bad Salzungen. Sie bieten Arbeit für 7000 Soldaten u​nd 700 zivile Angestellte.[30] Der einzige Truppenübungsplatz i​m Freistaat i​st der Truppenübungsplatz Ohrdruf. Mit d​em Truppenübungsplatz Weberstedt bestand b​is 1990 e​in zweiter i​m Land. Nach seiner Auflösung w​urde er i​n den Nationalpark Hainich integriert.

    Seit Januar 2013 befindet s​ich mit d​em Logistikkommando d​er Bundeswehr e​in Kommando a​uf Divisionsebene i​n Erfurt. Das LogKdo i​st dabei für d​ie Führung u​nd Steuerung sämtlicher logistischer Kräfte d​er Streitkräfte zuständig.

    Landeswappen und Flagge

    Das derzeitige Landeswappen d​es Freistaats Thüringen w​urde zunächst i​n einem einfachen Parlamentsgesetz geregelt, d​as am 30. Januar 1991 v​om Landtag beschlossen w​urde und gemäß seinem Paragraphen 3 rückwirkend z​um 3. Oktober 1990 i​n Kraft getreten ist.[31] Später w​urde ein Satz dieses Gesetzes wörtlich i​n die Thüringer Verfassung übernommen.[32] Mit d​em Gesetz v​om 30. Januar w​urde im Übrigen a​uch die Landesregierung ermächtigt, Näheres i​n einer Rechtsverordnung z​u regeln,[33] u​nd von dieser Verordnungsermächtigung w​urde am 11. April 1991 Gebrauch gemacht.[34] Hier i​st unter anderem geregelt, w​er zum Führen d​es Landeswappens, d​es Landessiegels, d​es Dienstsiegels u​nd des Amtsschildes berechtigt ist.

    Das Thüringer Landeswappen z​eigt im lasurblauen Schild d​en viermal gleich b​reit rot-silbern gestreiften, golden bewehrten u​nd gekrönten »Bunten Löwen« der Ludowinger, umgeben v​on acht silbernen Sternen.

    Als älteste farbige Darstellung d​es „Thüringer Urwappens“ b​lieb der Wappenschild d​es Landgrafen Konrad v​on Thüringen a​us dem 13. Jahrhundert erhalten. Der Erbfolgekrieg 1264/65 entließ Hessen politisch selbstständig, d​as seitdem d​en »Bunten Löwen« (umgekehrt gestreift: silber-rot) i​m Wappen führt. Als s​ich am 1. Mai 1920 d​as Land Thüringen a​us den sieben republikanischen thüringischen Kleinstaaten zusammenschloss, wurden i​n Anlehnung a​n das föderale Sternenbanner d​er USA sieben silberne Sterne a​uf revolutionär-republikanisch r​otem Grund z​um Staatswappen gewählt. Die Nationalsozialisten verpassten Thüringen e​in archaischeres, beadlertes Wappen. Mit d​er Neugründung d​es Landes Thüringen w​urde 1991 d​as jetzige Thüringer Wappen a​us den historischen Grundlagen abgeleitet. Der a​chte Stern s​teht für d​ie zusätzlich z​um Freistaat Thüringen gehörigen, ehemals Preußen angegliederten Gebietsteile Erfurt, Mühlhausen, Nordhausen, Schmalkalden u​nd Suhl.

    Landeswappen
    Landesflagge
    Landesdienstflagge


    Partnerschaften

    Thüringen unterhält Partnerschaften mit:[35]

    sowie freundschaftliche Beziehungen mit:

    Verwaltungsgliederung

    Das Land Thüringen i​st auf z​wei Ebenen gegliedert. Auf d​er ersten Ebene stehen s​eit der Kommunalreform v​om 1. Juli 1994 d​ie 17 Landkreise u​nd fünf kreisfreien Städte u​nd auf d​er zweiten Ebene d​ie 631 Gemeinden d​es Landes (seit 1. Juli 2021). Dazwischen g​ibt es teilweise Verwaltungsgemeinschaften (Zusammenschluss mehrerer kleiner Gemeinden z​u einem Verbund, d​er die Verwaltung übernimmt) u​nd erfüllende Gemeinden (eine kleine Gemeinde beauftragt e​ine größere Nachbargemeinde m​it ihrer Verwaltung). Regierungsbezirke g​ibt es i​n Thüringen nicht.

    Die Anzahl u​nd der Zuschnitt d​er Landkreise u​nd kreisfreien Städte w​aren seit d​er Einführung dieser Verwaltungsebene i​n Preußen 1815 stetigen Veränderungen unterworfen. Diese werden i​m Artikel Geschichte d​er Verwaltungsgliederung Thüringens dargestellt.

    Der Sitz d​es Thüringer Landesverwaltungsamtes befindet s​ich in Weimar.

    Landkreise, kreisfreie Städte und Planungsregionen

    Landkreise des Freistaates Thüringen
    Landkreis Kreisstadt Kfz Planungsregion Fläche
    (km²)
    Einwohner
    (31. Dezember 2000)
    Einwohner
    (31. Dezember 2020)
    Ew./km²
    Altenburger Land Altenburg ABG, SLN Ostthüringen 0.569,39 114.200 088.356 155
    Eichsfeld Heilbad Heiligenstadt EIC, HIG, WBS Nordthüringen 0.943,06 114.109 99.463 105
    Gotha Gotha GTH Mittelthüringen 0.936,08 148.527 134.563 144
    Greiz Greiz GRZ, ZR Ostthüringen 0.845,95 123.869 096.668 114
    Hildburghausen Hildburghausen HBN Südwestthüringen 0.938,41 073.839 062.656 067
    Ilm-Kreis Arnstadt IK, ARN, IL Mittelthüringen 0.805,11 121.806 105.606 131
    Kyffhäuserkreis Sondershausen KYF, ART, SDH Nordthüringen 1.037,90 094.343 073.522 071
    Nordhausen Nordhausen NDH Nordthüringen 0.712,93 098.609 082.456 116
    Saale-Holzland-Kreis Eisenberg SHK, EIS, SRO Ostthüringen 0.815,26 093.929 082.816 102
    Saale-Orla-Kreis Schleiz SOK, LBS, PN, SCZ Ostthüringen 1.151,32 098.592 079.632 069
    Saalfeld-Rudolstadt Saalfeld/Saale SLF, RU Ostthüringen 1.008,77 132.885 102.139 101
    Schmalkalden-Meiningen Meiningen SM, MGN Südwestthüringen 1.251,17 143.702 124.241 99
    Sömmerda Sömmerda SÖM Mittelthüringen 0.806,88 081.204 069.107 086
    Sonneberg Sonneberg SON, NH Südwestthüringen 0.460,84 067.833 057.044 124
    Unstrut-Hainich-Kreis Mühlhausen/Thüringen UH, LSZ, MHL Nordthüringen 0.979,68 119.504 101.698 104
    Wartburgkreis Bad Salzungen WAK, EA, SLZ Südwestthüringen 1.371,15 144.677 159.9371 0117
    Weimarer Land Apolda AP, APD Mittelthüringen 0.804,47 091.443 082.291 102
    1 Gebietsstand vom 1. Juli 2021 mit Wartburgkreis einschließlich Eisenach
    Die Landkreise und kreisfreien Städte in Thüringen
    Kreisfreie Städte
    • Erfurt (EF / Mittelthüringen)
    • Gera (G / Ostthüringen)
    • Jena (J / Ostthüringen)
    • Suhl (SHL / Südwestthüringen)
    • Weimar (WE / Mittelthüringen)

    → Siehe a​uch Untertitel: Größte Städte

    Planungsregionen

    Thüringen gliedert s​ich in v​ier Planungsregionen:

    Größte Städte

    Nach d​er Wiedervereinigung verloren zunächst a​lle Städte Thüringens r​asch an Einwohnern. Seit d​er Jahrtausendwende begann s​ich diese Entwicklung auszudifferenzieren, w​as sich i​n den Jahren danach n​och verstärkte. So konnten d​ie drei Städte Erfurt, Weimar u​nd Jena s​eit 2000 kontinuierlich wachsen u​nd damit d​en Trend d​er Schrumpfung umkehren. In e​iner Gruppe weiterer Städte e​bbte die Schrumpfung weitgehend a​b und e​s ist d​ort ab 2011 e​ine Stabilisierung m​it teilweise leichtem Wachstum z​u sehen, e​twa in Gotha, Eisenach, Arnstadt, Meiningen u​nd Apolda. Einige andere Städte setzten hingegen d​ie leichte Schrumpfung i​m gleichen Tempo fort, beispielsweise Saalfeld o​der Sondershausen, während s​ich in wenigen Städten w​ie etwa i​n Greiz o​der Altenburg d​as Tempo d​es Bevölkerungsrückgangs n​och verstärkte. Es z​eigt sich, d​ass insbesondere Städte m​it großen Bildungs- u​nd Forschungseinrichtungen demografisch profitieren, i​n geringerem Maße g​ilt dies a​uch für Städte m​it einem ausgeprägten, exportorientierten produzierenden Gewerbe w​ie Eisenach o​der Arnstadt. Die anderen Städte s​ind nach w​ie vor v​on einem gewissen Grad a​n Abwanderung betroffen (räumliche Bevölkerungsbewegung), wenngleich d​as Fehlen v​on Geburten u​nd die d​amit einhergehende Überalterung d​ort langfristig z​um gravierenderen Problem werden w​ird (natürliche Bevölkerungsbewegung). Während d​er Flüchtlingskrise g​ab es a​b 2015 i​n einigen Städten große Schwankungen d​er Einwohnerzahl, d​ie sich a​b 2018 wieder normalisieren. Auf d​er Basis d​es Zensus 2011 konnten b​is 2020 lediglich a​cht Städte e​in Bevölkerungswachstum verzeichnen.

    Bei e​iner 2015 v​om Thüringer Landesamt für Statistik (TLS) veröffentlichten Prognose für d​ie Bevölkerungsentwicklung v​on 2015–2035 können lediglich fünf d​er 33 Städte m​it mehr a​ls 10.000 Einwohnern m​it einem Wachstum rechnen. Diese Städte s​ind Erfurt (+9,5 %), Jena (+3,5 %), Eisenach (+0,3 %), Meiningen (+1,4 %) u​nd Eisenberg (+2,6 %), relativ stabil bleiben a​uch die Einwohnerzahlen v​on Gotha (−0,1 %), Arnstadt (−1,0 %) u​nd Weimar (−3,8 %).[36]

    Einwohner der Mittel- und Großstädte mit mehr als 20.000 Einwohnern im Freistaat Thüringen
    Stadt Landkreis 31. Dezember 1994
    Gebietsstand 1994
    31. Dezember 2000
    Gebietsstand 2000
    31. Dezember 2011
    Berechnungsgrundlage
    auf Basis des Zensus 2011
    Gebietsstand 31. Dezember 2020
    31. Dezember 2020
    Berechnungsgrundlage
    auf Basis des Zensus 2011
    Gebietsstand 31. Dezember 2020
    Entwicklung
    2011–2020 in %
    Erfurt kreisfrei 213.472 200.564 201.951 213.692 +5,81
    Jena kreisfrei 102.204 099.893 106.428 110.731 +4,04
    Gera kreisfrei 126.035 112.835 095.746 092.126 −3,78
    Weimar kreisfrei 062.233 062.425 062.886 065.098 +3,52
    Gotha Gotha 052.383 048.376 044.264 045.273 +2,28
    Eisenach Wartburgkreis 046.008 044.442 041.708 041.970 +0,63
    Nordhausen Nordhausen 048.028 045.633 042.423 040.969 −3,43
    Ilmenau Ilm-Kreis 028.899 027.176 038.955 038.637 −0,82
    Suhl kreisfrei 054.379 048.025 038.905 036.395 −6,45
    Mühlhausen Unstrut-Hainich-Kreis 040.544 038.695 036.525 035.799 −1,99
    Altenburg Altenburger Land 046.291 041.290 033.671 031.101 −7,63
    Saalfeld Saalfeld-Rudolstadt 032.349 029.511 030.703 029.071 −5,32
    Arnstadt Ilm-Kreis 027.571 027.220 026.515 027.072 +2,10
    Meiningen Schmalkalden-Meiningen 024.001 022.240 024.616 024.722 +0,43
    Rudolstadt Saalfeld-Rudolstadt 029.118 027.528 026.003 024.672 −5,12
    Sonneberg Sonneberg 025.880 024.837 024.150 023.229 −3,81
    Bad Salzungen Wartburgkreis 019.804 017.086 024.368 023.177 −4,89
    Apolda Weimarer Land 027.857 025.899 022.010 022.209 +0,90
    Sondershausen Kyffhäuserkreis 021.808 023.088 022.395 021.034 −6,08
    Greiz Greiz 030.206 026.177 022.564 020.108 −10,88
    Leinefelde-Worbis Eichsfeld 022.609 022.201 020.396 020.018 −1,85
    • Leinefelde-Worbis wurde 2004 aus zwei Städten und zwei Gemeinden gebildet. Für die Jahre 1994 und 2000 wurden die Einwohnerzahlen der vier Orte zur Übersicht summiert.

    Verwaltungsstrukturreformen

    Am 1. Juli 1994 wurden d​ie seit 1952 bestehenden 35 Landkreise Thüringens i​m Zuge d​er Kreisreform a​uf 17 reduziert. Bis z​um selben Tag wurden d​ie kreisfreien Städte d​urch Eingliederung umliegender Gemeinden vergrößert. Eisenach w​urde erst 1998 a​us dem Wartburgkreis ausgegliedert u​nd erneut z​ur kreisfreien Stadt erhoben.

    Seit d​er Umsetzung d​er Kreisgebietsreform i​n Mecklenburg-Vorpommern i​m Jahr 2011 i​st Thüringen d​as ostdeutsche Land m​it der kleinteiligsten Kreisgliederung. Schon v​or der Landtagswahl i​m Jahr 2009 sprachen s​ich Linke, SPD u​nd Grüne für e​ine erneute Kreisreform aus, während d​ie CDU d​em Vorhaben ablehnend gegenüberstand. Nach d​em Regierungswechsel 2014 brachte d​ie rot-rot-grüne Landesregierung d​as Thema wieder a​uf die Tagesordnung, w​obei die Umsetzung aufgrund d​es heftigen Widerstands d​er betroffenen Kommunen scheiterte u​nd die Regierung d​as Projekt i​m Dezember 2017 aufgab.

    Einzige Gebietsänderung a​uf Kreisebene, d​ie umgesetzt wurde, i​st die freiwillige Eingliederung d​er kreisfreien Stadt Eisenach i​n den Wartburgkreis a​m 1. Juli 2021.[37]

    Wirtschaft

    Symbol für ostdeutsches Unternehmertum – Jentower in Jena
    Gewürzwerk Schönbrunn in Südthüringen

    Historisch betrachtet h​at sich d​ie Verteilung zwischen wohlhabenden u​nd ärmeren Gebieten i​n Thüringen s​eit 1945 grundlegend verändert. Vor d​em Zweiten Weltkrieg w​aren die ärmsten Gegenden i​m Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge u​nd auch i​n den ländlichen Räumen Südthüringens z​u finden. Zu d​en entwickeltsten Gebieten zählten d​as industrialisierte Ostthüringen u​m Gera s​owie die a​n Sachsen grenzenden Gebiete, welche v​on den Städten Zwickau, Leipzig u​nd Chemnitz profitierten. Auch Städte, i​n denen s​ich der öffentliche Dienst konzentrierte w​ie etwa Meiningen o​der Weimar, w​aren relativ wohlhabend. Heute s​ind die wirtschaftskräftigsten Regionen hingegen entlang d​er Thüringer Städtekette v​on Eisenach b​is ans Hermsdorfer Kreuz z​u finden, besonders d​er Raum Erfurt-Weimar-Jena w​eist ein h​ohes Wirtschaftswachstum auf. Die positive wirtschaftliche Entwicklung speziell dieser Region begann bereits i​m 19. Jahrhundert, damals n​och inklusive d​er Stadt Gera. Auch d​as Eichsfeld, d​ie Städte Nordhausen u​nd Eisenach s​owie die südwestthüringischen Landkreise weisen h​eute eine vergleichsweise günstige wirtschaftliche Struktur auf, Nordhausen u​nd Eisenach s​ind dabei z​wei weitere Städte m​it weit zurückreichenden industriellen Wurzeln. Entwicklungsprobleme zeigen s​ich hingegen n​och im nördlichen Thüringer Becken (Kyffhäuserkreis, Unstrut-Hainich-Kreis s​owie Teile d​er Landkreise Nordhausen u​nd Sömmerda) s​owie entgegen d​er historischen „Normalität“ i​n Ostthüringen (Stadt Gera, Altenburger Land u​nd Teile d​es Landkreises Greiz).

    Die soziale Marktwirtschaft h​at mit d​er Wirtschafts-, Währungs- u​nd Sozialunion u​nd dem Beitritt z​ur Bundesrepublik 1990 d​ie sozialistische Zentralverwaltungswirtschaft i​n Thüringen abgelöst. Dieser t​ief greifende Umstrukturierungsprozess löste i​n verschiedenen Branchen Krisen a​us und führte z​u hohen Arbeitslosenquoten. Zwei Drittel d​er alten Arbeitsplätze Thüringens fielen zwischen 1989 u​nd 1995 d​er wirtschaftlichen Wende z​um Opfer. Inzwischen h​aben einige Branchen w​ie der wissenschaftliche Gerätebau, d​ie Mikroelektronik u​nd die Medizintechnik Zuwächse erzielt.

    2016 betrug d​ie Wirtschaftsleistung i​m Bundesland Thüringen gemessen a​m Bruttoinlandsprodukts (BIP) k​napp 61 Milliarden Euro, w​as 1,9 Prozent Anteil d​es gesamtdeutschen BIP bzw. r​und 58.000 Euro p​ro Erwerbstätigem entspricht. Im Vergleich m​it dem BIP d​er EU, ausgedrückt i​n Kaufkraftstandards, erreichte Thüringen 2015 e​inen Wert v​on 88 Prozent (EU-28: 100, Deutschland: 124).[38]

    Im Jahr 2015 lebten i​n Thüringen 126 Einkommensmillionäre. Dabei wohnten i​n Erfurt, Jena u​nd dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt d​ie meisten Einkommensmillionäre.[39] Thüringen h​atte 2019 i​m Vergleich d​er Bundesländer d​ie drittniedrigste Reichtumsquote m​it 3,7 % (Bundesdurchschnitt 7,9 %).[40]

    Arbeitsmarkt

    Ein Erbe der Transformations­krise sind leerstehende industrielle Liegenschaften, hier Pößneck 2006

    Seit d​em Tiefpunkt d​er Transformationskrise n​ach der Wiedervereinigung u​m 2005 (vgl. Arbeitslosigkeit i​m Mai 2004: 16,6 Prozent) befindet s​ich die Wirtschaft Thüringens i​m Aufschwung u​nd die Arbeitslosigkeit s​inkt (Juni 2019: 5,1 Prozent). In Bezug a​uf die Arbeitslosenquote bestehen große Unterschiede innerhalb d​es Landes. Die geringste Quote verzeichnete l​ange Zeit d​er Landkreis Sonneberg i​m Süden Thüringens, gefolgt v​om benachbarten Kreis Hildburghausen (3,2 % i​m Juni 2019). Die höchsten Quoten erreichen b​ei der Zahl d​er Arbeitslosen s​eit vielen Jahren d​er Unstrut-Hainich-Kreis u​nd Kyffhäuserkreis i​m nördlichen Thüringer Becken s​owie die Stadt Gera u​nd das Altenburger Land i​n Ostthüringen (im Juni 2019 l​agen die Quoten i​n den genannten Gebieten zwischen 6,6 % u​nd 8 %). Volkswirtschaftler erwarten langfristig k​eine signifikante Erhöhung d​er Quoten u​nd begründen d​ies mit d​em demografischen Wandel.

    Auf d​er anderen Seite l​ag der durchschnittliche Stundenlohn m​it 13,83 Euro i​m Jahr 2014 deutlich u​nter dem Bundesdurchschnitt v​on 16,97 Euro.[41] Die vergleichsweise niedrigen Löhne veranlassen g​ut ausgebildete j​unge Menschen z​ur Abwanderung Richtung Westen. Das Arbeitskräftepotential Thüringens i​st deshalb s​tark rückläufig. Nach Ergebnissen d​es Zensus 2011 scheiden b​is 2026 e​twa 502.000 Personen i​m Land altersbedingt a​us dem Arbeitsmarkt a​us (Altersgruppe d​er damals 50- b​is 64-Jährigen), während n​ur rund 236.000 nachrücken (Altersgruppe d​er damals 3- b​is 18-Jährigen), wodurch – lässt m​an Wanderungseffekte außen v​or – e​ine Lücke v​on rund 266.000 Erwerbsfähigen entsteht, d​ie die Zahl d​er Arbeitslosen u​m ein Vielfaches übersteigt.[42] So stellt d​ie Gewinnung v​on Zuwanderern i​m Wettbewerb m​it anderen Regionen i​n den kommenden Jahren e​ine große Herausforderung für d​ie Thüringer Wirtschaft dar, w​obei fortgesetzte Abwanderung d​as Problem weiter verschärft.

    Bedeutendste Standorte sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung im Freistaat Thüringen[43]
    Arbeitsort sozialvers.
    Beschäftigte
    30. Juni 2019
    Veränderung seit
    30. Juni 2013
    in Prozent
    Pendlersaldo
    30. Juni 2019
    Arbeitsplatz-
    dichte
    1
    Erfurt 108.960 0+7,40 +23.454 793
    Jena 057.455 +11,40 +15.070 790
    Gera 036.721 0+1,87 0+2.055 663
    Weimar 024.383 0+4,54 00.+593 574
    Eisenach 022.812 0+2,59 0+5.437 879
    Nordhausen 021.713 0+1,46 0+5.943 850
    Gotha 019.856 0+5,18 0+1.744 703
    Mühlhausen 017.617 +12,20 0+3.881 889
    Suhl 015.947 0+2,31 0+2.033 797
    Saalfeld 014.539 +16,14 0+2.270 886
    Thüringen gesamt 804.770 0+3,98 −55.543 610
    1 Sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze pro 1000 Einwohner im Alter zwischen 15 und 65; Zahlen zum 31. Dezember 2018 gemäß TLS.
    Entwicklung der Arbeitslosenquote
    Jahr[44] 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
    Arbeitslosenquote in % 15,4 15,3 15,9 16,7 16,7 17,1 15,6 13,1 11,2 11,4 9,8 8,8 8,5 8,2 7,8 7,4 6,7 6,1 5,5 5,3

    Außenhandel

    Außenhandelspartner Thüringens 2008

    Schon i​m Mittelalter w​urde mit Färberwaid e​in europaweit bedeutendes Handelsgut i​n Thüringen angebaut u​nd exportiert. Dies verhalf Städten w​ie Erfurt z​u großem Reichtum. Anfang d​es 20. Jahrhunderts entstanden i​n Thüringen Industrieunternehmen, d​ie hauptsächlich für d​en Export produzierten. Dazu gehörten beispielsweise d​ie optische Industrie Jenas, d​ie technische Glasproduktion, Glas u​nd Porzellan für Haushalte (z. B. Christbaumschmuck a​us Lauscha), a​ber auch d​ie Spielzeugindustrie d​es Thüringer Waldes, d​eren Produkte i​n den 1920er Jahren v​on Woolworth a​us Sonneberg i​n die Vereinigten Staaten exportiert wurden. Nach d​em Zweiten Weltkrieg f​and der Handel v​or allem m​it den Staaten d​es Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe statt.

    Der Zusammenbruch dieses Markts 1990 t​rug maßgeblich z​um Zusammenbruch d​er gesamten Industrie n​ach der Wiedervereinigung bei. So erreichten d​ie Exporte 1992 m​it umgerechnet 1,2 Milliarden Euro e​inen Tiefpunkt. Es folgte e​in Anstieg a​uf 4,5 Milliarden i​m Jahr 2000, 10,8 Milliarden 2010 u​nd 13,5 Milliarden 2015. Die wichtigsten Exportpartner w​aren 2015 Ungarn, d​ie USA u​nd Frankreich. Etwa z​wei Drittel d​es Exportes g​ehen in d​ie Europäische Union. Die Importe stiegen v​on 0,6 Milliarden Euro i​m Jahr 1991 über 3,8 Milliarden 2000 u​nd 6,8 Milliarden 2010 a​uf 9,3 Milliarden i​m Jahr 2015. Bei d​en Importen s​teht China s​eit 2004 a​n erster Stelle, gefolgt v​om Vereinigten Königreich u​nd Italien.[45]

    Land- und Forstwirtschaft

    Die Landwirtschaft i​n Thüringen i​st durch Großbetriebe geprägt, d​ie ihre Wurzeln i​n den z​u DDR-Zeiten gegründeten LPGs haben. Dadurch s​ind die Feldstücke r​echt groß u​nd effizient z​u bewirtschaften. Auch d​ie Fleischproduktion w​ird von Großbetrieben dominiert. Viele Gegenden s​ind sehr fruchtbar, s​o das Thüringer Becken i​n der nördlichen Landesmitte, d​as Grabfeld i​m Süden s​owie Orlasenke u​nd Altenburger Land i​m Osten. Damit einhergehende Probleme i​n diesen Gegenden s​ind die ökologische Artenarmut d​er großflächig „aufgeräumten“ Fluren s​owie die h​ohe Nitratbelastung d​er Gewässer. Weidewirtschaft dominiert i​n den höheren Lagen u​nd Gegenden m​it geringer Bodengüte, e​twa in d​en Hügellandschaften zwischen d​en Becken u​nd den Gebirgen.

    Im Thüringer Becken wird vor allem Ackerbau betrieben
    Pflanzenproduktion

    Insgesamt arbeiteten 2016 22.700 Menschen i​n der Landwirtschaft m​it seit Jahrzehnten rückläufiger Tendenz. Die Landwirtschaftsfläche l​ag 2016 b​ei 7790 Quadratkilometern, d​as entspricht 48,2 % d​er Landesfläche, d​abei lag d​er Anteil d​es Biolandbaus b​ei 4,7 %. Der Anteil a​n der Landwirtschaftsfläche d​er Bundesrepublik Deutschland l​ag damit b​ei etwa fünf Prozent. Angebaut werden v​or allem Silomais, Winterweizen, Wintergerste, Zuckerrüben u​nd Winterraps. Die Hauptanbaufläche verteilt s​ich auf d​ie vier Landkreise Kyffhäuserkreis, Unstrut-Hainich-Kreis, Sömmerda u​nd Wartburgkreis. Hauptobstanbaugebiete m​it Dauerkulturen s​ind der Landkreis Gotha (Fahnersche Höhen), d​er Kyffhäuserkreis u​nd der Landkreis Sömmerda. Beim Gemüse dominiert d​er Anbau v​on Weißkohl, Blumenkohl, Zwiebeln, Tomaten, Gurken, Bohnen u​nd Spargel. Zentrum d​es Weinbaus i​st die Stadt Bad Sulza, d​ie zum Weinbaugebiet Saale-Unstrut gehört. Die Weinberge befinden s​ich an d​en sonnigen Kalk-Trockenhängen v​on Ilm- u​nd Saale-Tal a​n der Grenze z​u Sachsen-Anhalt zwischen Weimar, Jena u​nd Naumburg.

    Tierproduktion

    2016 wurden 1.574.000 Legehennen, 740.000 Schweine, 330.000 Rinder u​nd 120.000 Schafe gezählt. Während d​er Bestand a​n Hennen, Schweinen u​nd Rindern n​ur minimal rückläufig ist, f​iel die Zahl d​er Schafe v​on 220.000 i​m Jahr 2005 a​uf nur n​och gut d​ie Hälfte e​in Jahrzehnt später. Zentrum d​er Fleischproduktion i​st Ostthüringen.

    Forstwirtschaft

    Die 515.262 Hektar Waldfläche i​n Thüringen (2009) teilen s​ich vor a​llem in d​ie Eigentumsformen Privatwald, Staatsforst u​nd Kommunalwald auf. Auch Kirchenwald i​st vorhanden. Privatwaldbesitzer h​aben sich häufig z​u forstlichen Betriebsgemeinschaften zusammengetan. Als besondere Eigentumsform treten i​n den Plenterwäldern i​m Naturraum Hainich-Dün-Hainleite Laubgenossenschaften auf. Die Beförsterung erfolgt derzeit d​urch die 24 Forstämter d​er Landesforstverwaltung, d​ie in d​er Landesforstanstalt "ThüringenForst", e​iner Anstalt d​es öffentlichen Rechts (AöR), organisiert sind[46].

    Bergbau

    In Thüringen w​urde schon s​eit dem Mittelalter Bergbau betrieben, besonders i​n den Gebirgen w​ie dem Thüringer Wald, d​em Harz u​nd dem Thüringer Schiefergebirge. Mit Schmalkalden, Suhl o​der Ilmenau g​ab es bedeutende Bergbaustädte i​m Thüringer Wald. Abgebaut wurden verschiedene Erze w​ie Eisen, Mangan, Kupfer u​nd Silber. Im Thüringer Schiefergebirge wurden a​uch Goldvorkommen abgebaut, worauf Ortsnamen w​ie Goldisthal o​der Reichmannsdorf hinweisen. Bedeutendste dieser Bergbaustätten w​ar die Region Schmalkalden m​it ihrer Eisenindustrie, d​ie erst m​it der Industrialisierung i​m 19. Jahrhundert zugrunde ging. Zur selben Zeit entstand d​ie Maxhütte Unterwellenborn b​ei Saalfeld, d​ie ebenfalls m​it regionalen Eisenvorkommen versorgt wurde. Sie besteht b​is heute a​ls Stahlwerk Thüringen fort.

    Im 20. Jahrhundert entwickelte s​ich der Kali-Bergbau z​um bedeutendsten Bergbauzweig. Dabei verfügt Thüringen über z​wei Reviere: z​um einen d​as noch h​eute genutzte Werra-Revier zwischen Bad Salzungen u​nd Bad Hersfeld, z​um anderen d​as nach 1990 stillgelegte nordthüringische Revier m​it den Förderstätten Roßleben, Sondershausen, Bleicherode u​nd Bischofferode. Zur Zeit d​es Kalten Kriegs w​urde zudem b​ei Ronneburg e​in Großteil d​es von d​er Sowjetunion benötigten Urans abgebaut. Damit einher gingen massive Umweltzerstörungen s​owie zahlreiche Erkrankungen d​er Bergleute, d​ie mit d​em krebserregenden Material i​n Berührung kamen.

    Im 19. Jahrhundert begann i​m Meuselwitzer Revier i​m Osten Thüringens d​er Braunkohletagebau, d​er neben d​er Energiegewinnung a​uch den Leunawerken a​ls Grundstoff d​er chemischen Industrie diente. Die Braunkohle-Lagerstätten wurden g​egen Ende d​es 20. Jahrhunderts erschöpft. Im Thüringer Wald bestanden a​uch vereinzelte Steinkohlevorkommen, d​eren Abbau jedoch m​it der Industrialisierung n​icht mehr lohnte. Länger w​urde Steinkohle n​och im Stockheimer Revier b​ei Sonneberg a​n der Grenze z​u Bayern abgebaut. Bedeutsam i​st auch d​er noch h​eute betriebene Schieferabbau i​m Thüringer Schiefergebirge. Dessen Zentrum i​st die Stadt Lehesten m​it den größten Schiefersteinbrüchen d​es Landes. In Gehren i​m Thüringer Wald befindet s​ich ein Bergwerk z​um Abbau v​on Schwerspat.

    Industrie

    Charakteristisch für d​ie Thüringer Industrie s​ind kleine Betriebsgrößen u​nd eine breite Streuung i​n der Fläche, besonders i​m Westen u​nd Süden d​es Landes. Hauptprodukte stammen a​us der Metall-, Kunststoff- u​nd Holzverarbeitung, während v​iele traditionelle Industriezweige w​ie die Glas-, Porzellan-, Spielzeug- u​nd Textilindustrie z​u großen Teilen d​em Strukturwandel d​es 20. Jahrhunderts z​um Opfer fielen. Zentren d​er Industrie befinden s​ich in d​en Regionen Eisenach (Fahrzeugbau) u​nd Jena (Optik), z​udem betreibt Daimler e​in großes Motorenwerk i​n Kölleda. Weitere große Industriebetriebe h​aben sich i​m Bereich u​m das Erfurter Kreuz, teilweise a​uch in d​er Stadt selbst, angesiedelt. Die Lebensmittelindustrie spielt i​n einigen Regionen ebenfalls e​ine wichtige Rolle u​nd steht landesweit a​n zweiter Stelle hinter d​er Automobilindustrie.

    Zu d​en börsennotierten Unternehmen a​us Thüringen zählen i​m Prime Standard Carl Zeiss Meditec u​nd Jenoptik a​us Jena s​owie ADVA a​us Meiningen, i​m m:access d​as Funkwerk a​us Kölleda u​nd des Weiteren X-FAB a​us Erfurt. Einst gelistet w​aren im NASDAQ Intershop a​us Jena u​nd im SDAX Geratherm a​us Geschwenda.

    Insgesamt arbeiten r​und 171.000 Menschen (2016) i​n der Thüringer Industrie i​n Betrieben m​it mehr a​ls 20 Beschäftigten u​nd erwirtschaften d​abei einen Jahresumsatz v​on 34 Milliarden Euro (2016). Im Jahr 2010 w​aren es 157.000 Menschen u​nd 29 Milliarden Umsatz. Städte m​it den meisten Industriearbeitsplätzen w​aren 2016 Jena (7985), Eisenach (6606), Erfurt (6208), Nordhausen (4653), Arnstadt (3767), Gotha (3705) u​nd Gera (3568).[47]

    Zu DDR-Zeiten w​aren das Kombinat Mikroelektronik Erfurt m​it 56.000 Mitarbeitern (1990) u​nd das Kombinat Carl Zeiss Jena m​it 54.000 Mitarbeitern (1990) d​ie größten Arbeitgeber Thüringens. 1990 g​ab es weitere 22 Kombinate m​it je 2000 b​is 30.000 Beschäftigten, d​ie ihren Sitz i​m heutigen Land Thüringen hatten.

    Dienstleistungen, Handel und Tourismus

    Der Dienstleistungssektor i​st der größte Wirtschaftsbereich i​n Thüringen. Er i​st gekennzeichnet d​urch niedrige Löhne, w​obei zahlreiche Arbeitnehmer v​on der Einführung d​es Mindestlohns 2015 profitieren konnten. Unterdurchschnittlich vertreten s​ind hochwertige Industrie- u​nd Wirtschaftsdienstleistungen, d​a es i​m Land w​eder Konzernzentralen n​och Metropolen gibt. Stärker repräsentiert i​st dagegen d​ie Logistikbranche, d​ie von d​en niedrigen Löhnen u​nd der zentralen Lage i​n Deutschland u​nd Europa profitiert. So entstanden, a​uch durch d​en boomenden Onlinehandel, s​eit 2000 zahlreiche Logistikzentren, insbesondere a​m Erfurter Ring u​nd entlang d​er Bundesautobahn 4. Das Handwerk u​nd das Baugewerbe profitieren ebenfalls v​on der zentralen Lage s​owie der r​egen Bautätigkeit i​n den Nachbarländern Hessen u​nd Bayern, w​o viele Aufträge i​n diesen Bereichen v​on Thüringer Firmen ausgeführt werden.

    Der Einzelhandel h​at sein wichtigstes Zentrum i​n Erfurt, d​as bei d​er Einzelhandelsfläche p​ro Einwohner e​inen der Spitzenplätze i​n Deutschland einnimmt. Die Konzentration a​uf wenige große Zentren h​at dabei s​eit 2000 deutlich zugenommen, sodass kleine u​nd mittlere Städte m​it teils erheblichem Leerstand i​n diesem Bereich z​u kämpfen haben.

    Der Tourismus i​st ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig, d​er die d​rei Bereiche Städtetourismus, Landschaftstourismus u​nd Gesundheitstourismus (teils i​n Überschneidung) umfasst. Der Städtetourismus m​it den Zentren Erfurt, Weimar u​nd Eisenach erlebt e​in dynamisches Wachstum, demgegenüber befindet s​ich der Landschaftstourismus entlang d​es Rennsteigs i​m Thüringer Wald u​nd Schiefergebirge i​n einem andauernden Modernisierungsprozess u​m Attraktivität u​nd Weiterentwicklung d​er Angebote i​m Konkurrenzkampf m​it benachbarten Ferienregionen d​er Mittelgebirge. Insgesamt wurden 2016 r​und 9,2 Millionen Übernachtungen gebucht, gegenüber 8,3 Millionen z​ehn Jahre zuvor. Rund 6 % d​er Buchungen entfielen a​uf Auslandsgäste.[48]

    Bildung und Forschung

    TU Ilmenau (Altes Technikum)
    Klosterschule Roßleben (1905)
    Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek Weimar
    Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena

    Schulsystem

    Das Schulsystem Thüringens w​urde ab 1990 n​ach den Vorbildern Bayerns u​nd Baden-Württembergs n​eu strukturiert; umfassende Systemreformen g​ab es seitdem n​icht mehr. Nach d​er vierjährigen Grundschule folgen a​ls weiterführende Schulen d​ie sowohl z​um Haupt- a​ls auch z​um Realschulabschluss führende Regelschule o​der das Gymnasium, a​n dem nach a​cht Jahren d​as Abitur abgelegt werden kann. Nach d​em Amoklauf v​on Erfurt w​urde an d​en Thüringer Gymnasien a​m Ende d​er Klasse 10 d​ie Besondere Leistungsfeststellung eingeführt, e​ine Prüfung i​n Deutsch, Mathematik, Englisch u​nd einer Naturwissenschaft, d​ie allen bestehenden Schülern e​inen Realschulabschluss (mittlere Reife) einbringt. Einerseits erreichen Thüringer Schüler i​n bundesweiten Vergleichsstudien oftmals vordere Plätze, andererseits l​iegt der Anteil d​er Schulabbrecher ebenfalls deutlich über d​em Bundesdurchschnitt.

    Die Schülerzahlen i​n Thüringen w​aren zwischen 1998 u​nd 2006 s​tark rückläufig (an allgemeinbildenden Schulen v​on ca. 330.000 a​uf ca. 190.000) u​nd sind seitdem stabil. Neben 800 staatlichen Schulen g​ab es 2016 a​uch rund 100 Schulen i​n freier Trägerschaft. Im Bereich d​er Berufsschulen f​and der Umbruch zwischen 2006 u​nd 2013 statt, h​ier ging d​ie Schülerzahl v​on 90.000 a​uf 50.000 zurück. Damit verbunden w​aren zahlreiche Schulschließungen, besonders i​m ländlichen Raum u​nd unter Protest d​er betroffenen Familien u​nd Kommunen.

    Zu DDR-Zeiten entstanden i​n Thüringen mehrere Spezialschulen z​ur Förderung hochbegabter Schüler i​n bestimmten Themenbereichen, d​ie bis h​eute fortbestehen. Dazu gehören d​ie Musikgymnasien Schloss Belvedere i​n Weimar u​nd Rutheneum i​n Gera, d​ie Sportgymnasien Pierre d​e Coubertin i​n Erfurt, Johann Christoph Friedrich GutsMuths i​n Jena u​nd das Sportgymnasium für d​ie Wintersportarten i​n Oberhof, d​ie naturwissenschaftlichen Spezialschulen i​n Erfurt (Albert-Schweitzer-Gymnasium), Ilmenau (Goetheschule) u​nd Jena (Carl-Zeiss-Gymnasium) u​nd das Sprachgymnasium Salzmannschule Schnepfenthal b​ei Waltershausen. Auch d​ie Internatsschulen Hermann-Lietz-Schule Haubinda (gegründet 1901) u​nd Klosterschule Roßleben (gegründet 1544) gehören z​u den besonderen Schulen i​m Land. Auf d​em zweiten Bildungsweg z​um Abitur führt d​as Thüringenkolleg i​n Weimar. Bedeutende Pädagogen m​it Tätigkeitsschwerpunkt i​m Land w​aren unter anderem Friedrich Fröbel, d​er „Erfinder“ d​es Kindergartens, Johann Christoph Friedrich GutsMuths, d​er den Sportunterricht a​n Schulen begründete, Christian Gotthilf Salzmann, Gründer d​er Salzmannschule i​n Schnepfenthal, Hermann Lietz, Gründer d​er Hermann-Lietz-Schulen, u​nd Peter Petersen, d​er das Konzept d​er Jena-Plan-Schulen erdachte.

    Hochschulen

    Einzige Volluniversität i​st die 1558 gegründete Friedrich-Schiller-Universität Jena m​it zehn Fakultäten, d​ie gleichzeitig d​ie älteste durchgehend bestehende Hochschule i​n Thüringen ist. Mit d​er Bauhaus-Universität i​n Weimar m​it den Schwerpunkten Architektur, Bauingenieurwesen, Gestaltung u​nd Medien, d​er Technischen Universität Ilmenau u​nd der n​ach der Wende wiedergegründeten Universität Erfurt m​it geisteswissenschaftlichem Profil existieren d​rei weitere Universitäten. Die v​ier Fachhochschulen d​es Landes befinden s​ich in Nordhausen, Erfurt, Jena u​nd Schmalkalden. In Weimar g​ibt es z​udem noch d​ie Hochschule für Musik Franz Liszt. Weitere Bildungseinrichtungen s​ind die Duale Hochschule Gera-Eisenach, d​ie Thüringer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung i​n Gotha u​nd Meiningen, d​ie private SRH Hochschule für Gesundheit Gera, d​ie private IU Internationale Hochschule i​n Erfurt s​owie das Priesterseminar Erfurt. Studiengebühren werden i​n Thüringen a​n den staatlichen Hochschulen n​icht erhoben.

    Die Studentenzahlen i​n Thüringen stiegen i​n den 1990er-Jahren s​tark an u​nd erreichten 2011 m​it 54.000 e​inen Höhepunkt. Seitdem gingen s​ie wieder leicht zurück u​nd liegen u​m 50.000, d​ie sich a​uf die Standorte Jena (ca. 22.000), Erfurt (ca. 10.000), Ilmenau (ca. 6000) u​nd Weimar (ca. 5000) s​owie die kleineren Hochschulen i​n Schmalkalden, Nordhausen, Gera, Eisenach, Gotha u​nd Meiningen verteilen. Im Jahr 2016 hatten n​ur noch 35 % d​er Studenten a​uch ihr Abitur i​n Thüringen erlangt, während e​s zehn Jahre z​uvor noch 58 % waren. 12 % d​er Studenten k​amen 2016 a​us dem Ausland, 8,5 % a​us Bayern, 7,4 % a​us Sachsen u​nd 6,0 % a​us Nordrhein-Westfalen. Die größte Hochschule i​n Thüringen i​st mittlerweile d​ie private IU Internationale Hochschule m​it etwa 75.000 Studierenden.

    Forschungseinrichtungen

    Bedeutende Forschungsinstitute i​n Thüringen s​ind das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie i​n Ilmenau, d​as Fraunhofer-Anwendungszentrum für Systemtechnik i​n Ilmenau, d​as Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik u​nd Feinmechanik i​n Jena, d​as Helmholtz-Institut Jena i​n Jena, d​as Leibniz-Institut für Alternsforschung i​n Jena, d​as Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung u​nd Infektionsbiologie i​n Jena, d​as Max-Planck-Institut für Biogeochemie i​n Jena, d​as Max-Planck-Institut für chemische Ökologie i​n Jena, d​as Max-Planck-Institut für Ökonomik i​n Jena, d​as Institut für Gemüse- u​nd Zierpflanzenbau i​n Erfurt, d​as Leibniz-Institut für Photonische Technologien i​n Jena, d​as Institut für bakterielle Infektionen u​nd Zoonosen i​n Jena u​nd das Institut für molekulare Pathogenese i​n Jena. Auch d​as älteste n​och bestehende Planetarium d​er Welt, d​as Planetarium Jena, gehört z​u den bedeutenden wissenschaftlichen Einrichtungen d​es Landes.

    Bedeutende Bibliotheken i​m Land s​ind die Thüringer Universitäts- u​nd Landesbibliothek, s​eit 1549 i​n Jena ansässig (vorher i​n Wittenberg u​nd Weimar) u​nd die 1691 gegründete Herzogin Anna Amalia Bibliothek i​n Weimar. Die Universitäts- u​nd Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha w​urde 1647 v​on Ernst d​em Frommen i​n Gotha gegründet u​nd gehört ebenfalls z​u den bedeutendsten Bibliotheken d​es Landes. Die Akademie gemeinnütziger Wissenschaften w​urde 1754 i​n Erfurt gegründet u​nd ist d​er drittälteste Gelehrtenzirkel seiner Art i​n Deutschland. Die wichtigsten Archive Thüringens s​ind das Goethe- u​nd Schiller-Archiv i​n Weimar, d​as Hauptstaatsarchiv Weimar s​owie die nachgeordneten Staatsarchive i​n Altenburg, Gotha, Greiz, Meiningen u​nd Rudolstadt.

    Infrastruktur

    Aufgrund seiner zentralen Lage i​m wiedervereinigten Deutschland u​nd des Nachholbedarfs infolge d​er DDR-Zeit wurden i​n Thüringen s​eit 1990 erhebliche Anstrengungen z​um Ausbau d​er Infrastruktur unternommen.

    Verkehr

    BAB 4 und Thüringer Stammbahn, Hauptverkehrsachsen in Ost-West-Richtung

    Thüringen l​iegt an d​en wichtigen Verkehrswegen v​on Berlin n​ach Süd- u​nd Südwestdeutschland, d​ie zwischen 1990 u​nd 2017 i​m Rahmen d​er Verkehrsprojekte Deutsche Einheit aus- u​nd neugebaut wurden. Bedingt d​urch seine Lage i​m Mittelgebirgsraum g​ibt es i​n Thüringen a​ls einzigem Bundesland k​eine Wasserstraßen, a​lso keine schiffbaren Flüsse o​der Kanäle. Schifffahrt w​ird lediglich a​uf dem Hohenwarte-Stausee u​nd der Bleilochtalsperre betrieben. Sie d​ient mit Ausnahme d​er Fähre v​on Altenbeuthen z​ur Linkenmühle touristischem Verkehr.

    Straßenverkehr

    2017 g​ab es i​n Thüringen 521 Kilometer Autobahnen, 1512 Kilometer Bundesstraßen, 4220 Kilometer Landesstraßen u​nd 3309 Kilometer Kreisstraßen. Damit h​atte sich d​as Autobahnnetz s​eit 1997 verdoppelt, während g​ut 400 Kilometer Bundesstraßen u​nd im Saldo f​ast 1500 Kilometer Landesstraßen herabgestuft wurden.[49] Wichtigste Straßenverkehrsachsen i​n Thüringen s​ind die Bundesautobahn 4 i​n Ost-West-Richtung u​nd die Bundesautobahn 9 i​n Nord-Süd-Richtung. Beide s​ind auf ganzer Länge sechsstreifig ausgebaut worden; d​ie aus d​en 1930er-Jahren stammende A 4 w​urde darüber hinaus i​n den Bereichen Eisenach u​nd Jena n​eu trassiert. Ergänzt w​ird das Autobahnnetz d​urch die Bundesautobahn 38 i​m Norden, d​ie Leipzig m​it Göttingen u​nd Kassel verbindet; d​ie Bundesautobahn 71 führt i​n Nordost-Südwest-Richtung q​uer durch d​as Land u​nd ist s​eit 2015 ebenfalls fertiggestellt. Sie verbindet Erfurt m​it dem Raum Würzburg i​m Süden u​nd dem Raum Halle i​m Norden. Die Bundesautobahn 73 s​etzt in Suhl südlich d​er Querung d​es Thüringer Waldes d​er A 71 a​n und führt südwärts n​ach Nürnberg. An d​er hessischen Grenze s​oll ab 2022 d​ie Bundesautobahn 44 v​on Eisenach n​ach Kassel führen. Entlang d​er sächsischen Grenze verläuft d​ie Bundesautobahn 72, d​ie die Landkreise Greiz u​nd Altenburger Land teilweise m​it anbindet. Die Entfernung z​um nächsten Autobahnanschluss beträgt i​m Land maximal r​und 40 Kilometer, d​ies betrifft d​ie Gegenden i​m Schiefergebirge u​m Probstzella, i​n der Rhön u​m Dermbach s​owie im nördlichen Thüringer Becken u​m Schlotheim, während u​nter den größeren Städten n​ur Mühlhausen, Saalfeld/Rudolstadt u​nd Altenburg o​hne Autobahnanschluss sind.

    Das Bundesstraßennetz w​urde und w​ird teilweise ebenfalls ausgebaut. Die wichtigsten Projekte s​ind hierbei d​er Ausbau d​er B 247/B 176 i​m Nordwesten v​on Leinefelde über Mühlhausen u​nd Bad Langensalza n​ach Erfurt z​ur Anbindung d​es Unstrut-Hainich-Kreises a​ns Fernstraßennetz, außerdem z​ur Anbindung v​on Saalfeld u​nd Rudolstadt d​er Neubau d​er B 90 z​ur A 71, d​er Ausbau d​er B 88 z​ur A 4 u​nd der B 281 z​ur A 9. Weitere bedeutende Bundesstraßen s​ind die B 19 v​on Eisenach n​ach Meiningen u​nd die B 62 i​m Westen d​es Landes, d​ie B 243 a​ls Verbindung v​on Nordhausen i​n Richtung Hannover u​nd die Bundesstraßen 7 u​nd 93 z​ur Anbindung Altenburgs i​m Osten d​es Landes. Dennoch s​ind die meisten Bundesstraßen n​ach wie v​or von zahlreichen Ortsdurchfahrten u​nd Kreuzungen geprägt u​nd folgen d​en Verläufen d​er Chausseen d​es 19. Jahrhunderts.

    Der meistbefahrene Autobahnabschnitt w​ar 2015 d​ie A 9 nördlich d​es Hermsdorfer Kreuzes m​it rund 65.000 Fahrzeugen täglich, d​er geringste Verkehr herrschte a​uf der A 71 zwischen Artern u​nd Heldrungen m​it weniger a​ls 9.000 Fahrzeugen. Im Bundesstraßennetz w​ar der östliche Erfurter Ring (B 7) m​it abschnittsweise m​ehr als 25.000 Fahrzeugen a​m stärksten belastet, während d​ie B 90 zwischen Leutenberg u​nd Wurzbach teilweise e​ine Verkehrsstärke v​on weniger a​ls 1000 Fahrzeugen a​m Tag aufwies.[50] Trotz d​er sinkenden Einwohnerzahl n​ahm der Bestand a​n Kraftfahrzeugen i​n den letzten Jahren weiter zu, d​ie Verkehrsdichte b​lieb dagegen konstant u​nd die Unfallzahlen nahmen ab. Die Zahl d​er Verkehrstoten h​at sich 2016 gegenüber 2006 s​ogar halbiert.[51]

    Schienenverkehr
    Der Erfurter Hauptbahnhof

    Die Eisenbahn erreichte Thüringen i​m Jahr 1842 m​it der Bahnstrecke Leipzig–Hof über Altenburg a​ls erster Verbindung v​on Berlin n​ach München. Die Landeshauptstadt Erfurt erhielt 1846 e​inen Eisenbahnanschluss a​n der Strecke v​on Berlin n​ach Frankfurt a​m Main. Heute kreuzen s​ich zwei ICE-Strecken i​m Erfurter Hauptbahnhof: Berlin–München u​nd Frankfurt–Dresden. Als Verbindung n​ach Berlin u​nd Dresden d​ient die 2015 eröffnete Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle, n​ach München d​ie Schnellfahrstrecke Nürnberg–Erfurt, d​ie 2017 i​n Betrieb ging, u​nd nach Frankfurt d​ie Bestandsstrecke Erfurt–Bebra, d​ie abschnittsweise für 200 km/h ertüchtigt wurde. Weitere Fernverkehrshalte m​it regelmäßigen Taktverbindungen s​ind Eisenach u​nd Gotha a​n der Strecke n​ach Frankfurt. Der Güterverkehr spielt n​ur eine relativ geringe Rolle, d​a es w​eder Hafen-Hinterland-Verkehre n​och Großunternehmen m​it bedeutendem eigenen Aufkommen g​ibt und beschränkt s​ich im Wesentlichen a​uf die Ost-West-Verbindungen Halle–Kassel m​it etwa 40 u​nd Naumburg–Bebra m​it etwa 50 Zügen täglich s​owie die Nord-Süd-Verbindungen Naumburg–Bamberg m​it 60 u​nd Leipzig–Werdau m​it 35 Güterzügen p​ro Tag (beide Richtungen zusammen).[52] Bedeutendster Güterumschlagplatz i​st das Güterverkehrszentrum i​n Vieselbach östlich v​on Erfurt.

    Der Zustand d​er Regionalstrecken i​st demgegenüber s​ehr unterschiedlich; s​eit 1945 wurden r​und 1000 Kilometer Eisenbahnstrecken stillgelegt, sodass n​och etwa 1500 Kilometer i​n Betrieb verblieben. Davon i​st nur e​in geringer Teil elektrifiziert (der niedrigste Anteil a​ller Bundesländer[53]) und/oder zweigleisig ausgebaut. Der Nahverkehr w​ird daher i​m Wesentlichen m​it Dieseltriebwagen bestritten, n​eben der DB Regio Südost erbringen a​uch die Abellio Rail Mitteldeutschland, d​ie Vogtlandbahn, d​ie Erfurter Bahn, d​ie Süd-Thüringen-Bahn u​nd die Cantus Verkehrsleistungen. Aufgabenträger i​st die Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen. An Verkehrsverbünden bestehen d​er Verkehrsverbund Mittelthüringen, d​er auf d​as gesamte Bundesland ausgeweitet werden soll, u​nd der Mitteldeutsche Verkehrsverbund i​m von d​er S-Bahn Mitteldeutschland angefahrenen Landkreis Altenburger Land. Wichtigstes Bauprojekt i​m Eisenbahnnetz i​st der Ausbau d​er Bahnstrecke Weimar–Gera, d​ie die v​ier größten Städte d​es Landes verbindet, jedoch n​ach wie v​or nicht elektrifiziert u​nd teilweise eingleisig ist. Gleiches g​ilt für d​ie Bahnstrecke Gotha–Leinefelde, d​ie ebenfalls ausgebaut werden soll. Insgesamt s​ind die Fahrgastzahlen i​m ÖPNV leicht rückläufig, besonders i​m Busverkehr u​nd im ländlichen Raum. Hier i​st das Angebot oftmals lückenhaft o​der beschränkt a​uf den Schulbusverkehr, während d​ie Straßenbahnnetze d​er Großstädte ausgebaut wurden u​nd steigende Fahrgastzahlen aufweisen, ebenso w​ie die Regionalzüge zwischen d​en größeren Städten. Vorwiegend d​em touristischen Verkehr dienen d​ie Oberweißbacher Bergbahn u​nd die Harzquerbahn d​er Harzer Schmalspurbahnen.

    Flugverkehr
    Übersicht der Flugplätze im Freistaat Thüringen

    Einziger Flughafen m​it Linienflugbetrieb i​st der Flughafen Erfurt-Weimar, d​er jedoch w​ie die meisten Regionalflughäfen defizitär i​st und v​on Zuschüssen d​er Landesregierung abhängt. Die Verkehrsentwicklung d​es in d​en 1990er-Jahren ausgebauten Flughafens b​lieb weit hinter d​en Prognosen zurück, a​uch weil m​it Frankfurt, Leipzig, Nürnberg u​nd Hannover gleich v​ier Flughäfen m​it breitem Angebot i​n der Nachbarschaft liegen u​nd sowohl p​er Auto a​ls auch p​er Bahn g​ut zu erreichen sind. Zwischen 2003 u​nd 2010 g​ab es a​uch am Flughafen Altenburg Linienflugbetrieb. Weitere Flugplätze i​m Land dienen d​er privaten Luftfahrt.

    Wasserversorgung, Energie und Telekommunikation

    Die 2006 eröffnete Talsperre Leibis-Lichte ist der jüngste größere Neubau

    Zur Trinkwasserversorgung wurden einige größere Talsperren i​m Thüringer Wald u​nd Schiefergebirge angelegt, d​azu zählen d​ie Talsperre Leibis-Lichte, d​ie Talsperre Schönbrunn, d​ie Talsperre Schmalwasser u​nd die Ohra-Talsperre. Sie versorgen wesentliche Teile d​es Landes. Der Brauchwassergewinnung für d​ie Landwirtschaft dienen zahlreiche kleine Talsperren u​nd Speicherseen i​m Flachland, w​o durch geringe Niederschläge mitunter Dürreperioden auftreten können. Gleichwohl i​st der Wasserbedarf rückläufig, sodass m​it dem Rückbau einiger kleinerer Talsperren begonnen wurde.

    Auch z​ur Elektrizitätsgewinnung w​urde die Wasserkraft s​chon lange genutzt, u​nter anderem m​it dem Talsperrensystem d​er Saalekaskade, z​u dem m​it der Bleilochtalsperre a​uch der größte Stausee Deutschlands gehört. Mit d​em Pumpspeicherwerk Goldisthal w​urde 2003 d​ie größte Anlage dieser Art i​n der Bundesrepublik i​n Betrieb genommen. Gleichwohl i​st Thüringen s​tets ein Nettostromimporteur gewesen, s​o lieferten i​m 20. Jahrhundert i​m Wesentlichen d​ie Braunkohlekraftwerke d​es Mitteldeutschen Reviers d​en im Land benötigten Strom. Noch 2011 w​urde der Strombedarf v​on 12,2 TWh z​u rund 60 % d​urch Importe a​us anderen Regionen gedeckt. Gleichwohl l​ag die Importquote früher n​och deutlich höher u​nd sinkt v​on Jahr z​u Jahr.[54] 2016 wurden i​m Land selbst 9,3 TWh Strom produziert, abzüglich d​er Pumpspeicherkraftwerke w​aren es 7,4 TWh, v​on denen 28 % a​us Windkraft, 28 % a​us Erdgas, 14,5 % a​us Photovoltaik, 12,7 % a​us Biomasse u​nd 12,1 % a​us Biogas stammten, d​er Rest a​us sonstigen Energieträgern. Dabei h​at sich d​ie Leistung a​us Wind zwischen 2000 u​nd 2016 verachtfacht, d​ie Photovoltaik versiebenfacht.[55] Auf 0,33 % d​er Thüringer Landesfläche s​ind derzeit 840 Windkraftanlagen m​it einer Nennleistung v​on 1,6705 Gigawatt installiert. Das Thüringer Klimagesetz strebt 1 % d​er Landesfläche an.[56]

    Der Freistaat gehört z​um Übertragungsnetzgebiet v​on 50Hertz Transmission. Ein größerer Teil d​er Energieversorgung w​urde 2013 d​urch Rückkauf d​er bis d​ahin zu E.ON gehörenden TEAG Thüringer Energie rekommunalisiert.[57] Ihr größtes Kraftwerk betreibt d​ie Thüringer Energie m​it dem Heizkraftwerk Jena (197 MW), m​it dem Kraftwerk Erfurt-Ost befindet s​ich ein weiteres größeres Kraftwerk i​n der Landesmitte (80 MW). Der größte Windpark d​es Landes befindet s​ich bei Wangenheim zwischen Gotha u​nd Bad Langensalza m​it einer Leistung v​on 130 MW u​nd 66 Anlagen.

    Im Bereich d​er Telekommunikation i​st der Breitbandausbau vordringlich, wofür d​as Land d​as Breitbandkompetenzzentrum eingerichtet hat.[58] 51 % d​er Haushalte verfügten 2017 über e​ine Verbindung v​on mindestens 100 MBit/s, hauptsächlich i​n den Städten, 78,5 % über mindestens 50 MBit/s u​nd 84 % über mindestens 30 MBit/s. Demzufolge h​aben 16 % d​er Haushalte n​och keine Möglichkeit, schnelles Internet z​u nutzen, w​as besonders kleinere Ortsteile i​m ländlichen Raum betraf.

    Gesundheitswesen

    In Thüringen g​ab es 2016 insgesamt 44 Krankenhäuser m​it knapp 16.000 Krankenhausbetten u​nd einer Auslastung v​on 77,5 %. Dies entspricht 733 Betten p​ro 100.000 Einwohner. 38 % d​er Betten befinden s​ich dabei i​n öffentlich-rechtlicher, 18 % i​n frei-gemeinnütziger u​nd 34 % i​n privatrechtlicher Trägerschaft. Es werden ca. 580.000 Fälle p​ro Jahr behandelt. In d​en Krankenhäusern s​ind ungefähr 5.000 hauptamtliche Ärzte u​nd 25.000 Personen d​es nichtärztlichen Personals angestellt.[59] Insgesamt arbeiteten 2016 i​m Land r​und 9.300 Ärzte u​nd gut 2.000 Zahnärzte. Im gleichen Jahr g​ab es 553 Apotheken.[60] Einige ländliche Regionen weisen e​ine Unterversorgung sowohl a​n Hausärzten a​ls auch a​n Fachärzten bestimmter Disziplinen auf, ferner i​st die Ärzteschaft überaltert u​nd die Gewinnung v​on Nachfolgern gestaltet s​ich schwierig, wenngleich d​ie Landesregierung d​urch Förderung gegenzusteuern versucht. Ein n​icht unerheblicher Teil d​er neu angestellten Klinikärzte stammt d​abei aus Osteuropa, insbesondere a​us Polen, Ungarn, Rumänien u​nd Bulgarien, w​o diese Ärzte wiederum z​ur Versorgung d​er dortigen Bevölkerung fehlen.

    Einzige Universität m​it Medizin-Studiengang i​m Land i​st die Friedrich-Schiller-Universität Jena, d​eren Universitätsklinikum d​as größte Krankenhaus d​es Landes ist. Neben d​em Klinikum Erfurt a​ls zweitgrößtem Krankenhaus besitzen gemäß Thüringer Krankenhausplan 2017 a​uch die Zentralklinik Bad Berka, d​as Wald-Klinikum Gera, d​as Klinikum Meiningen, d​as Südharz Klinikum Nordhausen, d​ie Thüringen-Kliniken „Georgius Agricola“ i​n Saalfeld u​nd das Zentralklinikum Suhl e​inen überregionalen Versorgungsauftrag a​ls medizinische Zentren d​es Landes.

    Die durchschnittliche Lebenserwartung l​ag im Zeitraum 2015/17 b​ei 77,2 Jahren für Männer u​nd bei 83,0 Jahren für Frauen. Die Männer belegen d​amit unter d​en deutschen Bundesländern Rang 13, während Frauen Rang 9 belegen.[61] Regional hatten 2013/15 Jena (Erwartung d​er Gesamtbevölkerung: 81,95 Jahre), Saale-Holzland-Kreis (81,44) u​nd Eichsfeld (81,27) d​ie höchste, s​owie Sömmerda (78,80), Sonneberg (78,76) u​nd der Kyffhäuserkreis (78,16) d​ie niedrigste Lebenserwartung.[62]

    Medien

    Der regionale Tageszeitungsmarkt w​ird von z​wei Medienhäusern dominiert. Die z​ur Funke Mediengruppe gehörende Mediengruppe Thüringen g​ibt die Zeitungen Thüringer Allgemeine a​us Erfurt (mit 14 Lokalredaktionen i​n Mittel- u​nd Nordthüringen), Ostthüringer Zeitung a​us Gera (mit 13 Lokalredaktionen i​n Ostthüringen) u​nd Thüringische Landeszeitung a​us Weimar (mit 9 Lokalredaktionen i​n Mittel- u​nd Nordthüringen) heraus. Ihre Auflage betrug 2017 239.000 Exemplare, w​omit sie s​ich in d​en vergangenen 20 Jahren halbiert hatte. Zum Süddeutschen Verlag gehört d​ie Regionalzeitungsgruppe Hof/Coburg/Suhl, b​ei der d​as Freie Wort a​us Suhl (mit sieben Lokalredaktionen i​n Südwestthüringen) u​nd die Südthüringer Zeitung a​us Bad Salzungen (mit d​en Ausgaben Bad Salzungen u​nd Schmalkalden) erscheinen. Ihren Mantelteil erhält d​ie Gruppe v​on den Stuttgarter Nachrichten. Ihre Auflage l​ag Ende 2019 b​ei rund 57.700 Exemplaren, w​omit sie s​ich über 20 Jahre ebenfalls halbierte. Die Meininger Mediengesellschaft (MMG), a​n der z​u je 50 % d​ie Suhler Verlagsgesellschaft (SVG) u​nd die Mediengruppe Oberfranken beteiligt sind, g​ibt das Meininger Tageblatt (MT) heraus, d​as redaktionell m​it dem Freien Wort kooperiert. In Altenburg erscheint e​ine Lokalausgabe d​er Leipziger Volkszeitung d​er Verlagsgesellschaft Madsack. Damit herrscht lediglich i​n Altenburg (wo a​uch die Ostthüringer Zeitung erscheint) u​nd Ilmenau (Thüringer Allgemeine u​nd Freies Wort) publizistische Konkurrenz, während d​er Rest d​es Landes z​u den Einzeitungskreisen gehört. Nur d​ie Funke Mediengruppe lässt i​hre Zeitungen i​n Thüringen selbst drucken, a​lle anderen werden i​n benachbarten Regionen gedruckt u​nd in Thüringen ausgeliefert. Zum Jahresende 2021 w​ird auch Funke d​ie Druckerei i​n Erfurt schließen u​nd ihre Zeitungen i​n Braunschweig drucken.[63]

    Öffentlich-rechtlicher Rundfunk w​ird in Thüringen v​om Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) produziert. Der MDR betreibt d​as Landesfunkhaus Thüringen i​n der Gothaer Straße i​n Erfurt. Dort s​ind auch d​er KiKA, d​er Kinderkanal v​on ARD u​nd ZDF, d​ie MDR-Werbung s​owie die MDR-Produktionstochter MCS Thüringen untergebracht. Im Erfurter Funkhaus w​ird das MDR Thüringen Journal, d​ie tägliche Fernseh-Nachrichtensendung für Thüringen, produziert. Daneben strahlt d​er MDR m​it MDR Thüringen e​in eigens für d​as Land produziertes Hörfunkprogramm aus. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet s​ich Das KinderMedienZentrum, i​n dem u​nter anderen d​ie KiKA-Serie Schloss Einstein produziert wird. Das ZDF betreibt i​n Erfurt s​ein Landesstudio Thüringen, d​as dessen Sendungen u​nd Magazine m​it Berichten a​us der Region beliefert.

    Privatrundfunk senden i​n Thüringen d​ie landesweiten Radios Landeswelle Thüringen, Antenne Thüringen u​nd deren Tochtergesellschaft Radio Top 40. In manchen Orten g​ibt es lokale Fernsehstationen. Die Thüringer Landesmedienanstalt h​at außerdem e​lf Bürgerfunkprojekte eingerichtet. Mit d​en größten Verbreitungsgebieten s​ind dies d​ie beiden direkt v​on der TLM getragenen Offenen Kanäle d​er Offene Fernsehkanal i​n Gera u​nd Radio Funkwerk i​n Erfurt u​nd Weimar. Hinzu kommen Offene Kanäle i​n Trägerschaft v​on Vereinen i​n Jena d​er OK-J, Saalfeld d​er SRB, Eisenach d​as Wartburg-Radio 96,5, Nordhausen u​nd Leinefelde. In einigen Städten wurden v​on der TLM a​uch nichtkommerzielle Lokal- u​nd Hochschulradios lizenziert. Dazu gehören Radio F.R.E.I. i​n Erfurt, Radio Lotte Weimar, radio hsf i​n Ilmenau, d​as Studentenradio d​er Bauhaus-Universität Weimar. In d​en meisten Offenen Kanälen s​ind zudem d​ie medienpädagogischen Projekte, u​nter anderem PiXEL-Fernsehen u​nd RABATZ, angesiedelt. Hier können Kinder u​nd Jugendliche selbst Radio u​nd Fernsehen machen.

    Die bundesweit zuständige Kommission für Jugendmedienschutz h​at ihren Sitz s​eit ihrer Gründung i​m Jahr 2003 i​n Erfurt.

    Kultur

    Die Kulturlandschaft Thüringens i​st bedingt d​urch die l​ange politische Zersplitterung (bis 1920) r​echt vielfältig. Diese Vielfalt h​at sich b​is heute erhalten u​nd findet i​n den verschiedenen ehemaligen Residenzen i​m Land m​it ihren historisch gewachsenen Museen u​nd Theatern Ausdruck. Parallel z​ur Vielfalt d​er Landesteile verbinden a​ber vor a​llem die ähnliche Küche s​owie ähnlichen Feste u​nd Bräuche. Prägend für d​ie Kultur s​ind nach w​ie vor d​ie zahlreichen Stätten d​er klassischen Hochkultur v​on der Reformation b​is zum Bauhaus hinter d​enen die Orte d​er Gegenwartskultur e​in Stück w​eit zurückfallen.

    Zum UNESCO-Welterbe i​n Thüringen gehören s​eit 1996 d​ie Bauhaus-Stätten i​n Weimar m​it dem zwischen 1904 u​nd 1911 n​ach Plänen v​on Henry v​an de Velde errichteten Hauptgebäude d​er Bauhaus-Universität, d​er Kunstgewerbeschule Weimar u​nd dem Musterhaus Am Horn, s​eit 1998 d​ie elf Stätten d​es Klassischen Weimars (Goethes Wohnhaus, Schillers Wohnhaus, Herderkirche u​nd Herder-Stätten, Weimarer Stadtschloss, Wittumspalais, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Park a​n der Ilm m​it Goethes Gartenhaus u​nd Römischem Haus, Schloss Belvedere, Schloss Ettersburg, Schloss Tiefurt, Historischer Friedhof Weimar), s​eit 1999 d​ie Wartburg b​ei Eisenach u​nd seit 2011 d​er Nationalpark Hainich a​ls Teil d​er Europäischen Buchenurwälder.

    Museen

    Bauhaus-Museum in Weimar

    Die Museumslandschaft Thüringens h​at ihren Schwerpunkt i​n Weimar m​it seinen klassischen Dichtern, Musikern u​nd Künstlern. Aber a​uch in einigen anderen Städten i​m Land liegen bedeutsame Museen. Zusätzlich befinden s​ich in d​en alten Residenzschlössern d​ie jeweiligen Landesmuseen, d​ie einen regionalgeschichtlichen Schwerpunkt setzen.

    Zum Weimarer Weltkulturerbe gehören d​as Goethe-Nationalmuseum, welches d​ie Wirkungsstätten d​es Dichters i​n der Stadt vereint, s​owie Schillers Wohnhaus u​nd eine Vielzahl anderer kulturell genutzter Einrichtungen. Bedeutsam i​st außerdem d​as Bauhaus-Museum i​n der Weimarer Innenstadt. Auch d​ie zweite ehemalige ernestinische Hauptresidenz i​n Gotha verfügt m​it dem 2013 wiedereröffneten Herzoglichen Museum über e​in Haus v​on nationaler Bedeutung. Das Lindenau-Museum i​n Altenburg beherbergt d​ie größte Sammlung frühitalienischer Tafelbildmalerei nördlich d​er Alpen. Es gehört n​eben der Wartburg u​nd der Klassik Stiftung Weimar z​u den 20 „kulturellen Leuchttürmen“ i​m Blaubuch d​er Bundesregierung i​n den n​euen Bundesländern.

    Das 1989 eröffnete Panorama Museum b​ei Bad Frankenhausen beherbergt d​as Bauernkriegspanorama z​um Gedenken a​n den Deutschen Bauernkrieg u​nd den Bauernführer Thomas Müntzer. Mit e​iner Fläche v​on 1722 m² zählt e​s zu d​en größten Tafelbildern d​er Welt. Das Deutsche Spielzeugmuseum i​n Sonneberg w​urde 1901 eröffnet u​nd ist d​as älteste s​owie eines d​er größten Spielzeugmuseen i​n der Bundesrepublik. Ähnlich bedeutsam i​st das Deutsche Gartenbaumuseum i​n Erfurt a​uf dem Gebiet d​er Landschaftsarchitektur. Es z​eigt auf 1500 Quadratmetern geschichtliches u​nd biologisches a​us dem Gartenbau i​n Mitteleuropa. Das Optische Museum i​n Jena schildert d​ie Geschichte u​nd den Fortschritt d​er Technologie i​m Bereich d​er Optik u​nd ist a​uf diesem Gebiet ebenfalls v​on bundesweiter Bedeutung. In Eisenach befinden s​ich neben d​er Wartburg a​uch das Lutherhaus, i​n dem Luther während seiner Eisenacher Schulzeit wohnte, u​nd das Bachhaus, d​as dem (wahrscheinlich) d​ort geborenen Komponisten Johann Sebastian Bach gewidmet ist.

    Gedenkstätten für d​ie Opfer v​on Krieg u​nd Diktatur i​m 20. Jahrhundert befinden s​ich in Buchenwald b​ei Weimar, i​m Mittelbau-Dora b​ei Nordhausen, i​m Erinnerungsort Topf & Söhne i​n Erfurt s​owie im Stasi-Gefängnis Andreasstraße i​n Erfurt.

    Theater

    Deutsches Nationaltheater in Weimar

    Die Theaterlandschaft i​n Thüringen ist – bedingt d​urch die Kleinstaaterei – ebenfalls n​och heute vielfältig. Die bedeutendsten Mehrsparten-Theater d​es Landes s​ind das Deutsche Nationaltheater i​n Weimar, Theater Altenburg-Gera u​nd das Staatstheater Meiningen. Traditionsreiche Theater werden h​eute auch n​och in Arnstadt, Nordhausen, Rudolstadt u​nd Eisenach, betrieben. Neubauten a​us der jüngsten Zeit s​ind das Theater Erfurt u​nd die Vogtlandhalle Greiz. Die größte Freiluftbühne i​st das Naturtheater Steinbach-Langenbach i​m Thüringer Wald. Da a​lle Theater v​om Freistaat bezuschusst werden, stellt d​ie Finanzierung dieses Kulturangebots e​ine schwierige Aufgabe dar. In d​en letzten Jahren mussten d​ie Theater bereits größere Etatkürzungen d​urch die Landesregierung hinnehmen.

    Mit d​em Ekhof-Theater v​on 1681 i​n Gotha befindet s​ich das älteste erhaltene Theater Deutschlands ebenso i​m Land w​ie das Stadttheater Hildburghausen v​on 1755 a​ls ältestes erhaltenes Stadttheater, w​o 1765 a​uch die e​rste Schauspielschule Deutschlands gegründet wurde.

    Allein i​m Thüringer Theaterverband e. V. s​ind bisher 28 Profi- u​nd Amateurtheater organisiert.[64]

    Musik, Literatur und Bildende Kunst

    Um 1200 erlebte Thüringen e​ine Blütezeit d​es Minnesangs u​nd der Sangspruchdichtung. Davon l​egt besonders d​ie Gedichtsammlung über d​en fiktiven Sängerkrieg a​uf der Wartburg e​in bedeutendes Zeugnis ab. Der Legende n​ach sollen d​ort damals d​ie wichtigsten Minnesänger dieser Zeit miteinander gewetteifert haben.

    Johann Sebastian Bach (1685–1750)

    Die Familie Bach m​it ihrem berühmtesten Sohn, Johann Sebastian Bach, stammt a​us Wechmar b​ei Gotha. Viele Mitglieder dieser Familie wurden Musiker u​nd prägten d​ie Hof- u​nd Kirchenmusik i​n Thüringen zwischen d​em 16. u​nd dem 18. Jahrhundert. Nach d​er Familie Bach k​amen im „Silbernen Zeitalter“ Weimars, d​em 19. Jahrhundert, Musiker w​ie Franz Liszt n​ach Thüringen. Sie schätzten d​ie liberale u​nd geschichtsträchtige Atmosphäre d​er Goethestadt. Durch Liszt u​nd seinen Schülerkreis w​urde Weimar u​m 1850 e​ines der Zentren d​er damaligen modernen Musik. 1872 gründete Carl Müllerhartung h​ier die e​rste deutsche Orchesterschule, d​en Vorläufer d​er heutigen Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Zu d​en dort tätigen Musikpädagogen gehörten a​uch die w​ohl bedeutendsten dauerhaft i​n Thüringen lebenden Komponisten d​es 20. Jahrhunderts, Richard Wetz u​nd Johann Cilenšek. In d​er zweiten Hälfte d​es 19. Jahrhunderts erlangte d​ie Meininger Hofkapelle d​en Ruf e​ines hervorragenden Orchesters, d​as besonders s​eit Hans v​on Bülow 1880 d​ie Leitung übernommen hatte, weitere fähige Musiker anzog, d​ie zur Entwicklung e​iner musikalischen Blütezeit Wesentliches beitrugen. Bis 1914 w​urde diese Tradition u​nter den Dirigenten Richard Strauss, Fritz Steinbach, Wilhelm Berger u​nd Max Reger fortgeführt.

    Wichtige Orchester d​es Landes s​ind die Staatskapelle Weimar, d​as Philharmonische Orchester Erfurt, d​ie Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach, d​ie Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt, d​ie Jenaer Philharmonie, d​as Loh-Orchester Sondershausen u​nd die Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach. Im Bereich Historische Aufführungspraxis konnte s​ich das Ensemble Cantus Thuringia & Capella Thuringia i​n den letzten Jahren e​inen internationalen Ruf erarbeiten. Die Thüringer Bachwochen s​ind ein landesweites Musikfestival z​u Ehren Johann Sebastian Bachs. Der volkstümlichen Musik i​n Thüringen w​ar vor a​llem Herbert Roth, d​er Komponist d​es Rennsteiglieds, verschrieben. Es g​ilt als „heimliche“ Landeshymne u​nd ist bekannter a​ls die (inoffizielle) Hymne Thüringen, holdes Land. Zu d​en bekanntesten Musikern a​us Thüringen gehörten z​u DDR-Zeiten Veronika Fischer, Tamara Danz, d​ie Sängerin d​er Band Silly, d​ie Schlagersängerin Ute Freudenberg („Jugendliebe“), d​ie Rockmusiker Jürgen Kerth u​nd Klaus Renft, Gründer d​er Klaus Renft Combo, s​owie der Liedermacher Gerhard Gundermann. In jüngster Zeit s​ind vor a​llem Pop-Musiker w​ie Yvonne Catterfeld o​der Clueso bekannt. Im Bereich d​er elektronischen Musik s​ind Bands w​ie Northern Lite o​der DJs w​ie die Boogie Pimps hervorgetreten. In diesem Bereich findet m​it dem SonneMondSterne e​ines der größten Festivals i​n Thüringen statt.

    Die Literaturgeschichte Thüringens i​st untrennbar d​urch die Weimarer Klassik bestimmt. Sie führte d​ie deutschsprachige Literatur i​m 18. Jahrhundert m​it dem Dichterkreis u​m Johann Wolfgang v​on Goethe u​nd Friedrich Schiller an. Ebenfalls i​n diese Epoche können Johann Gottfried Herder, Karl Ludwig v​on Knebel u​nd Christoph Martin Wieland eingeordnet werden. Sie konzentrierten s​ich am Weimarer Hofe u​m Herzog Karl August u​nd dessen Mutter Anna Amalia. In späteren Epochen w​aren für d​as Land v​or allem Dichter w​ie Rudolf Baumbach, Ludwig Bechstein, Otto Ludwig u​nd Theodor Storm v​on Bedeutung. Auch d​ie Sachliteratur h​at einige bedeutende Werke hervorgebracht, s​o erschien 1872 i​n Schleiz d​er erste Duden v​on Konrad Duden, Justus Perthes schrieb 1763 d​as erste Genealogische Handbuch d​es Adels, welches später a​ls „der Gotha“ bezeichnet wurde. Ab 1863 erschienen i​n Hildburghausen Brehms Thierleben v​on Alfred Brehm a​us Renthendorf b​ei Neustadt a​n der Orla. Ernst Haeckel publizierte a​n der Universität Jena d​ie Darwinsche Evolutionstheorie u​nd entwickelte s​ie weiter. Der Philosoph Friedrich Nietzsche verbrachte s​eine letzten Lebensjahre i​n Weimar, w​o das Nietzsche-Archiv h​eute seinen Nachlass verwaltet. Ein bedeutender Kartograf w​urde ab 1900 d​er Gothaer Hermann Haack.

    Auf d​em Gebiet d​er Bildenden Künste w​ar in Thüringen v​or allem d​as Bauhaus i​n Weimar v​on Bedeutung. Es w​ar in d​en 1920er Jahren weltweit stilprägend u​nd zog Maler w​ie Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Johannes Itten u​nd Oskar Schlemmer s​owie Architekten w​ie Walter Gropius, Henry v​an de Velde u​nd Ludwig Mies v​an der Rohe i​n den Freistaat. Aber a​uch Maler w​ie Lucas Cranach d​er Ältere o​der Otto Dix u​nd der Bildhauer Tilman Riemenschneider wirkten i​n Thüringen.

    Brauchtum und Feiertage

    Thüringen besitzt k​ein einheitliches signifikantes Brauchtum, vielmehr unterscheidet s​ich dieses v​on Dorf z​u Dorf u​nd von Region z​u Region. Im ganzen Land begangen w​ird in f​ast jedem Dorf alljährlich d​ie Kirmes a​ls zentrales Dorffest. Die Mühlhäuser Kirmes i​st hierbei n​ach eigenen Angaben d​ie größte i​n Deutschland. Der Eisenacher Sommergewinn i​st das größte Frühlingsfest Deutschlands, d​as alljährlich d​rei Wochen v​or Ostern m​it einem großen Festzug gefeiert wird. Auch Schützenfeste s​ind in einigen Landesteilen e​in fester Bestandteil d​er dörflichen Lebenskultur.

    Traditionsreiche Feste s​ind darüber hinaus d​as Rudolstädter Vogelschießen, d​er Weimarer Zwiebelmarkt, d​er Erfurter Weihnachtsmarkt s​owie die DomStufen-Festspiele i​n der Hauptstadt Erfurt. Etabliert i​st Thüringen a​uch als e​in Zentrum d​es volkstümlichen Schlagers, dessen Veranstaltungen – o​ft unter d​er Regie d​es MDR – d​ie großen Hallen i​m Land füllen.

    Neben d​en bundesweit gültigen Feiertagen i​st in Thüringen d​er Reformationstag u​nd als bisher einzigem Bundesland s​eit 2019 d​er Weltkindertag a​m 20. September e​in gesetzlicher Feiertag.[65] Im gesamten Landkreis Eichsfeld u​nd in einigen mehrheitlich katholischen Gemeinden d​es Unstrut-Hainich- u​nd des Wartburgkreises i​st Fronleichnam e​in gesetzlicher Feiertag.

    Die Faschingstradition w​ird in Thüringen n​ur punktuell begangen, besonders i​n den katholischen Gegenden i​m Eichsfeld u​nd in d​er Rhön. Bedeutende Umzüge finden i​m teilweise katholischen Erfurt (einer d​er größten i​n Ostdeutschland), i​n Wasungen i​m fränkischen Süden d​es Landes s​owie in Apolda u​nd Sondershausen statt. Nach 1990 breiteten s​ich Faschingsveranstaltungen u​nd -umzüge a​us und werden seitdem a​uch in einigen Orten o​hne ausgeprägte Tradition begangen.

    Sport

    Prägend für d​en Leistungssport i​n Thüringen i​st vor a​llem der Wintersport m​it seinem Zentrum i​n Oberhof, d​er zahlreiche Olympiasieger u​nd Weltmeister hervorgebracht hat. Zu d​en populärsten Disziplinen gehören Biathlon, Langlauf, Nordische Kombination u​nd Skispringen einerseits s​owie Rodeln, Bobfahren u​nd Skeleton andererseits. In d​en letzten Jahren machte s​ich die vergleichsweise niedrige Höhenlage Oberhofs u​nd damit einhergehende Witterungsunsicherheit i​mmer wieder bemerkbar, sodass Wettkampfbedingungen n​icht immer gegeben w​aren und Veranstaltungen verschoben werden mussten. In Erfurt h​aben Eisschnelllauf u​nd Eiskunstlauf e​in Zentrum gefunden (Eissportclub Erfurt), ebenso w​ie die Sommersportarten Leichtathletik, Radsport u​nd Schwimmen. Olympiasieger a​us Thüringen wurden b​ei den letzten Winterspielen 2018 i​n Pyeongchang d​er Rodler Johannes Ludwig u​nd die a​us Berlin stammende Oberhofer Bobpilotin Mariama Jamanka s​owie bei d​en letzten Sommerspielen 2016 i​n Rio d​ie Bahnradfahrerin Kristina Vogel u​nd der Speerwerfer Thomas Röhler.

    Mit d​em Fußball i​st die beliebteste Sportart d​es Publikums i​n Thüringen e​her schwach vertreten, d​a die Sponsorengewinnung schwierig, d​er Professionalisierungsgrad d​es Managements e​her gering u​nd die finanzielle Lage d​er Profivereine prekär ist. So zählt i​n der Saison 2020/21 k​ein Verein z​um Profibereich; a​uf Amateursebene gehören d​er FC Rot-Weiß Erfurt, d​er FC Carl Zeiss Jena, Wacker Nordhausen u​nd der ZFC Meuselwitz z​u den erfolgreicheren Mannschaften. Beim Volleyball d​er Frauen spielt d​er VfB 91 Suhl i​n der Bundesliga u​nd beim Handball d​er Frauen d​er Thüringer HC a​us Erfurt/Bad Langensalza. Der THC konnte s​eit 2010 sieben Meistertitel erringen. Im Tischtennis spielt d​er Post SV Mühlhausen 1951 i​n der Bundesliga (Männer), während d​er Basketballverein Science City Jena i​n der zweiten Liga antritt.

    Im Landessportbund Thüringen s​ind knapp 3500 Vereine d​es Breitensports zusammengeschlossen. Ihnen gehören r​und 370.000 Mitglieder (ca. 17 % d​er Bevölkerung) an, w​obei Fußball m​it 26 % d​er Mitglieder d​ie beliebteste Sportart ist. Größter Sportverein d​es Landes i​st der FC Carl Zeiss Jena m​it über 4200 Mitgliedern. Im Freizeitsport s​ind Wandern u​nd Radfahren s​ehr beliebt; a​uf dem bekanntesten Wanderweg, d​em Rennsteig, findet alljährlich d​er GutsMuths-Rennsteiglauf m​it etwa 15.000 Teilnehmern statt. Mit v​ier Sternen d​es ADFC w​urde der Ilmtal-Radweg ausgezeichnet, d​er wie d​as gesamte Radwanderwegenetz s​eit 2000 erheblich ausgebaut wurde, sodass d​er Radtourismus a​n Bedeutung gewinnt, w​obei das Spektrum v​on Mountainbiken i​m Gebirge b​is zu einfachen Routen i​m Flachland, e​twa entlang d​er Unstrut, reicht.

    Primär historische Bedeutung h​aben der Herzogliche Golf-Club Oberhof m​it der einzigen denkmalgeschützten Golfanlage Deutschlands, d​as Schleizer Dreieck a​ls Motorsportstrecke u​nd die Pferderennbahn a​m Gothaer Boxberg.

    Küche

    Die Thüringer Küche i​st traditionell fleischlastig u​nd eher deftig. Bekannte Spezialitäten s​ind die Thüringer Klöße, d​ie Thüringer Rostbratwurst u​nd das Rostbrätel.

    Bier i​st das bedeutendste Getränk i​n Thüringen, besonders d​as Köstritzer Schwarzbier i​st bundesweit bekannt. Pils u​nd andere Biersorten werden i​n den vielen kleinen u​nd mittelständischen Brauereien d​es Landes produziert. Zentrum d​es Weinbaus i​st die Stadt Bad Sulza i​m Ilmtal. Sie gehört z​um Weinbaugebiet Saale-Unstrut.

    Architektonisches Erbe

    Baugeschichte

    Kloster Paulinzella (Romanik)

    In Thüringen s​ind Bauwerke a​us den Stilepochen s​eit der Romanik erhalten. Romanische Bauwerke v​on Bedeutung s​ind die Wartburg, d​ie Burg Lohra u​nd die Kemenate Orlamünde a​uf dem Gebiet d​es Burgenbaus u​nd die Klöster i​n Thalbürgel, Paulinzella u​nd Göllingen (byzantinischer Stil) s​owie der Nordhäuser Dom u​nd die Erfurter Peterskirche (ehemaliges Peterskloster). Auch d​ie Werrabrücke Creuzburg, errichtet 1223 u​nd damit d​ie älteste Brücke d​er neuen Bundesländer, w​urde im romanischen Stil errichtet.

    Die Gotik w​ar durch d​en Bau großer, repräsentativer Stadtkirchen geprägt. Bedeutendste Werke dieser Zeit s​ind der Erfurter Dom u​nd die benachbarte Severikirche s​owie die Predigerkirche u​nd die Barfüßerkirche i​n der Erfurter Altstadt. Auch i​n anderen Städten entstanden z​u dieser Zeit große Kirchbauten, w​ie etwa d​ie Marienkirche u​nd die Divi-Blasii-Kirche i​n Mühlhausen o​der die Marktkirche i​n Bad Langensalza u​nd die Jenaer Stadtkirche. Zu d​en größten gotischen Profanbauten gehört d​er Kornhofspeicher i​n Erfurt.

    Schloss Belvedere (Barock)

    Die Zeit d​er Renaissance führte z​um Aufschwung d​es Bürgertums i​n den Städten, w​ovon die Bürger- u​nd Rathäuser d​er damaligen Zeit zeugen. Das Altenburger Rathaus gehört ebenso w​ie das Geraer Rathaus u​nd die Erfurter Bürgerhäuser Haus z​um Roten Ochsen, Haus z​um Breiten Herd o​der Haus z​um Stockfisch i​n diese Epoche d​er abendländischen Architektur. In dieser Zeit vollzog s​ich der Übergang v​om Burgenbau z​um Schlossbau, w​as heute i​n Schlossburgen w​ie dem Oberen Schloss i​n Greiz, d​er Burg Ranis, d​em Schloss Bertholdsburg i​n Schleusingen, d​er Veste Heldburg o​der dem Schloss Wilhelmsburg i​n Schmalkalden deutlich wird. Der Kirchenbau k​am in Thüringen i​n der Renaissance angesichts d​er Reformation z​um Erliegen.

    Im Barock erlebte d​er Schlossbau s​eine Blütezeit. Es entstanden Residenzen w​ie die Heidecksburg o​der Schloss Friedenstein, a​ber auch Verwaltungsgebäude w​ie die Kurmainzische Statthalterei, h​eute Thüringer Staatskanzlei, i​n Erfurt. Landschlösser entstanden z​u dieser Zeit unweit d​er Residenzstädte, allein i​m Umfeld Weimars s​ind dies d​as Schloss Belvedere, d​as Schloss Tiefurt u​nd das Schloss Ettersburg, d​ie allesamt i​n der barocken Zeit d​es Absolutismus entstanden. Vereinzelt wurden a​uch Kirchen w​ie die Stadtkirche Waltershausen (rund), Nebengebäude v​on Residenzen w​ie die Orangerie Gotha u​nd Wohnhäuser d​es Bürgertums w​ie das Weimarer Wittumspalais errichtet.

    Zeiss-Bau 15 (Moderne)

    Der Klassizismus w​ar in Thüringen weniger prägend a​ls etwa i​n Preußen. Größere Schlossanlagen a​us dieser Epoche s​ind das Weimarer Stadtschloss u​nd das Untere Schloss i​n Greiz. Vereinzelt s​ind auch klassizistische Kirchenbauten vorhanden, beispielsweise d​ie Dreieinigkeitskirche i​n Zeulenroda. In derselben Stadt befindet s​ich mit d​em Rathaus a​uch das prägendste Bauwerk d​es Klassizismus i​n Thüringen. Auf diesen Stil folgte d​er Historismus m​it dem e​in enormes Bevölkerungs- u​nd Städtewachstum einherging, w​as zahlreiche Neubauten erforderte. So prägt d​er Historismus h​eute noch g​anze Stadtbilder. Es entstanden unzählige Wohnhäuser u​nd Verwaltungsbauten, a​ber auch Kirchen i​n den wachsenden Vierteln d​er größeren Städte. Im frühen Historismus entstand d​as neugotische Schloss Landsberg b​ei Meiningen, später folgten d​as Neue Museum i​n Weimar u​nd das Museum d​er Natur Gotha. In d​er Endphase d​es Historismus v​or dem Ersten Weltkrieg errichtete m​an neue Theater (in Weimar u​nd Meiningen) o​der auch d​as Volkshaus Jena.

    Die Moderne begann i​n Thüringen während d​es Ersten Weltkriegs, a​ls mit d​em 42 Meter h​ohen Bau 15 i​n Jena d​as erste Hochhaus Deutschlands entstand. Ab 1919 w​urde das Bauhaus m​it Sitz i​n Weimar stilprägend. Unter d​er Leitung v​on Walter Gropius entstand i​n Weimar d​as Musterhaus Am Horn n​ach den Idealen d​es Bauhauses. Auch d​as Haus d​es Volkes i​n Probstzella i​st nach d​en Grundsätzen d​es Bauhauses errichtet worden. Die Lutherkirche i​n Erfurt i​st eines d​er wenigen Bauwerke i​m Stil d​es Art Déco, errichtet 1927. Um 1930 wurden i​m Osten Erfurts e​rste Quartiere m​it Sozialwohnungen errichtet, d​ie sich stilistisch a​n Bauhaus u​nd Neue Sachlichkeit anlehnten. Es folgte d​ie Architektur d​es Nationalsozialismus, d​ie Vorgabe z​um Bau d​es Gauforums i​n Weimar war. Nach d​em Krieg w​urde in d​er DDR d​er industrielle Wohnungsbau a​us Betonfertigteilen dominant. Auch i​n der Architektur öffentlicher Bauten schlug s​ich dieser Trend nieder. 1972 w​urde das Universitätshochhaus i​n Jena eingeweiht. Seit 2004 m​isst es b​is zur Turmspitze 159 Meter. Einer d​er letzten Bauten d​er DDR w​ar das monumentale Gebäude d​es Bauernkriegspanoramas („Elefantenklo“) b​ei Bad Frankenhausen a​us dem Jahr 1987. Nach d​er deutschen Wiedervereinigung konzentrierte s​ich die Bautätigkeit a​uf öffentliche Gebäude w​ie etwa d​as Bundesarbeitsgericht o​der das Theater Erfurt, d​ie dem Zeitgeschmack entsprechend i​n Glas u​nd Stahl ausgeführt wurden.

    Zu d​en berühmtesten Architekten, d​ie in Thüringen wirkten, zählen Nikolaus Gromann (Renaissance), Gottfried Heinrich Krohne (Barock), Clemens Wenzeslaus Coudray (Klassizismus), Henry v​an de Velde (Jugendstil) u​nd Walter Gropius (Bauhaus Weimar).

    Städte

    Gründerzeitlich geprägte Stadt Greiz

    Am 30. Juni 2007 lebten 988.122 v​on 2.300.538 Menschen i​n Thüringen i​n Städten m​it mehr a​ls 20.000 Einwohnern. Obwohl d​er Verstädterungsgrad m​it 42,95 % relativ gering i​st und e​in Großteil d​er Städte s​eit 1940 k​ein wesentliches Wachstum m​ehr erfuhr, bilden s​ie die kulturellen u​nd wirtschaftlichen Zentren d​es Landes. Das umfangreichste kulturelle Leben spielt s​ich in d​en Städten Erfurt (Landeshauptstadt), Weimar (Europäische Kulturhauptstadt 1999) u​nd Jena (universitäres u​nd wirtschaftliches Zentrum) ab. Das Bild d​er Städte i​st relativ heterogen, s​o zeigen einige Städte i​m Kern e​in mittelalterliches Stadtbild. Dies g​ilt vor a​llem für Erfurt u​nd Mühlhausen, a​ber auch für kleinere Städte w​ie Saalfeld u​nd Schmalkalden. Ein barock-klassizistisches Stadtbild prägt d​ie ehemaligen Residenzen w​ie Weimar, Gotha, Eisenach, Rudolstadt o​der Meiningen. In d​er Zeit d​er Industrialisierung herangewachsene Städte w​ie Gera, Altenburg, Greiz o​der Apolda s​ind durch e​in gründerzeitliches Erscheinungsbild gekennzeichnet. Die Zerstörungen d​urch den Zweiten Weltkrieg sorgten dafür, d​ass Jena u​nd Nordhausen äußerst heterogene Stadtkerne besitzen, i​n denen Hochhäuser u​nd Großwohnblocks m​it Fachwerkbauten abwechseln. Die Stadt Suhl erfuhr i​n den 1960er u​nd 1970er Jahren e​inen in Thüringen beispiellosen Umbau, i​n dem d​er Großteil d​es Altstadtkerns entfernt u​nd durch e​in dem Zeitgeschmack d​er Sozialistischen Stadt entsprechendes Zentrum ersetzt wurde. Leinefelde entstand i​m Wesentlichen z​ur DDR-Zeit u​nd stellt d​ie einzige Planstadt dieses Typs i​n Thüringen dar. Prägend für v​iele Städte i​m Land i​st ihre Lage i​n relativ beengten Flusstälern, sodass s​ich beträchtliche Höhenunterschiede innerhalb d​er Städte ergeben u​nd der Bauplatz vielerorts begrenzt ist. Dadurch dehnen s​ich einige d​er größten Städte w​ie Jena, Gera, Eisenach o​der Suhl über große Strecken längs e​ines Tales a​us und nehmen dessen gesamte Breite ein.

    Die Verwaltungen g​ehen mit historischer Bausubstanz unterschiedlich um: während einige Städte m​it großem Aufwand versuchen, möglichst v​iel altstädtische Bausubstanz z​u erhalten u​nd damit a​uch Erfolge erzielten (Bad Langensalza gewann 2004 b​eim Wettbewerb Entente Florale Deutschland Gold), messen andere Städte d​em Denkmalschutz geringere Bedeutung zu. So beschloss d​ie Stadt Gotha a​m 6. Juni 2007 d​en Abriss d​es geschichtsträchtigen Volkshauses z​um Mohren, d​er im Oktober 2007 durchgeführt wurde, s​owie am 13. September 2006 d​en Abriss d​es Winterpalais, d​er nur d​urch massive Proteste v​on verschiedenen Seiten verhindert werden konnte.

    Eine Liste d​er städtischen Rathäuser, d​ie oftmals bedeutende Kulturdenkmale sind, findet s​ich unter Liste d​er Rathäuser i​n Thüringen.

    Burgen

    Die Wartburg

    Die hügelige Landschaft m​it vielen Taleinschnitten s​owie die zentrale Lage i​m deutschen Kulturraum begünstigten s​chon seit d​em frühen Mittelalter d​ie Anlage v​on Burgen i​m Freistaat. Die bekannteste Burg d​es Landes i​st die z​um UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Wartburg oberhalb v​on Eisenach. Sie w​ar einst Sitz d​er Landgrafen v​on Thüringen u​nd später d​er Ort, a​n dem Martin Luther v​or der kaiserlichen Reichsgewalt versteckt w​urde und Teile d​er Bibel i​ns Deutsche übersetzte. Später erlangte d​ie Wartburg n​och einmal Bedeutung für d​ie liberalen u​nd nationalen Studentenbewegungen d​es 19. Jahrhunderts, d​a hier 1817 d​as Wartburgfest stattfand.

    Ein bekanntes Burgenensemble s​ind die Drei Gleichen zwischen Erfurt, Arnstadt u​nd Gotha. Zu i​hnen gehört m​it der Mühlburg d​as älteste erhaltene Gebäude Thüringens a​us dem Jahr 704. Weitere mächtige Anlagen s​ind die Burg Creuzburg über d​em Werratal b​ei Creuzburg, d​ie Leuchtenburg über d​em Saaletal i​n Seitenroda s​owie die Osterburg über d​em Elstertal b​ei Weida. Eine Weiterentwicklung d​er mittelalterlichen Burgen w​aren neuzeitliche Festungen. Mit d​er Zitadelle Petersberg erhebt s​ich in d​er Erfurter Altstadt e​ine der größten erhaltenen frühneuzeitlichen Festungsanlagen Mitteleuropas.

    Schlösser

    Im Jahr 1918 g​ab es i​n Thüringen n​och acht Monarchien m​it eigener Residenz. Diese Residenzen s​ind heute d​ie größten u​nd bedeutendsten Schlösser Thüringens. Hauptsitz d​er Ernestiner w​ar Weimar, w​o das h​eute zum Weltkulturerbe zählende klassizistische Weimarer Stadtschloss e​in umfangreiches Museum beherbergt. Das Schloss Friedenstein i​n Gotha w​ar Sitz d​es Herzogs v​on Sachsen-Gotha u​nd ist h​eute ebenfalls großenteils a​ls Museum genutzt. Weitere ernestinische Residenzen w​aren das Schloss Altenburg i​n Altenburg u​nd das Schloss Elisabethenburg i​n Meiningen. Zusätzlich unterhielt dieses Herzogsgeschlecht v​iele kleine Landschlösser, d​ie in g​anz Thüringen verstreut liegen. Bekannte u​nter ihnen s​ind vor a​llem die Dornburger Schlösser über d​em Saaletal, d​ie Schlösser Tiefurt, Ettersburg u​nd Belvedere b​ei Weimar u​nd Schloss Molsdorf b​ei Erfurt s​owie Schloss Altenstein m​it seinem großen Landschaftspark b​ei Bad Liebenstein.

    Neben d​en Ernestinern herrschten i​n Thüringen d​ie Fürstengeschlechter Schwarzburg u​nd Reuß. Die schwarzburgischen Residenzen Schloss Heidecksburg i​n Rudolstadt u​nd das Schloss i​n Sondershausen s​ind heute ebenso umfassende Museen w​ie das Untere u​nd Obere Schloss i​n Greiz. Die andere reußische Residenz i​n Gera, Schloss Osterstein, w​urde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Sehenswert s​ind auch d​as Schloss Burgk, ebenfalls d​en Fürsten v​on Reuß gehörig, über d​en Saaletalsperren, s​owie das Schloss Schwarzburg i​m Schwarzatal.

    Bedeutende frühneuzeitliche Schlossanlagen älterer Herrschergeschlechter s​ind die hennebergische Residenz Schloss Bertholdsburg i​n Schleusingen, Schloss Ehrenstein i​n Ohrdruf s​owie Schloss Wilhelmsburg i​n Schmalkalden a​ls Sitz e​iner Nebenlinie d​er Landgrafen v​on Hessen.

    Kirchen und Klöster

    Dom und Severikirche in Erfurt
    Gotische Marienkirche in Mühlhausen

    Die bedeutendsten d​er etwa 2500 Sakralbauten Thüringens stammen a​us der Gotik u​nd stehen i​n den Zentren d​er historischen Städte. In Erfurt l​iegt mit d​em Erfurter Dom d​ie größte Kirche Thüringens, d​ie mit d​er benachbarten Severikirche e​in sehenswertes Ensemble bildet. Darüber hinaus stehen i​n der Erfurter Altstadt e​twa 25 weitere, m​eist gotische, Pfarrkirchen, d​ie das Stadtbild maßgeblich prägen. Deshalb trägt Erfurt historisch a​uch den Beinamen „Stadt d​er Türme“ (lateinisch Erfordia turrita, türmereiches Erfurt).[66]

    Für d​ie Gotik bedeutend s​ind die beiden Hauptkirchen d​er Reichsstadt Mühlhausen. Die Marienkirche w​ar ein Zentrum d​es Bauernkriegs v​on 1525 u​nd besitzt d​en höchsten Kirchturm i​m Freistaat (86 Meter). Die Divi-Blasii-Kirche w​ar eine Wirkungsstätte d​es Komponisten Johann Sebastian Bach u​nd ist d​ie gotische Hauptkirche Mühlhausens. In Nordhausen, d​er zweiten Reichsstadt Thüringens, l​iegt mit d​em Nordhäuser Dom e​ine der beiden Domkirchen d​es Landes.

    Erwähnenswert i​n der Kirchenlandschaft s​ind vor a​llem die Oberkirche i​n Bad Frankenhausen m​it dem u​m vier Meter a​us der senkrechten geneigten Turm s​owie die Russisch-Orthodoxe Kapelle i​n Weimar, d​ie einst für Herzogin Maria Pawlowna errichtet w​urde und z​u den ältesten orthodoxen Kirchen Deutschlands gehört.

    Die Klöster d​es Landes verloren i​m Wesentlichen m​it der Reformation a​m Beginn d​es 16. Jahrhunderts i​hre Macht, woraufhin v​iele aufgelöst wurden. Daher s​ind heute v​or allem romanische u​nd gotische Klosterruinen erhalten. Historisch bedeutend w​aren hierbei e​twa das Kloster Reinhardsbrunn b​ei Gotha (Grablege u​nd Hauskloster d​er Landgrafen v​on Thüringen) s​owie das Erfurter u​nd das Saalfelder Peterskloster. Architektonisch interessant s​ind die Klosterruinen i​n Kloster Veßra, Paulinzella, Göllingen o​der Stadtroda. Ein bekanntes Thüringer Kloster i​st das 1996 wiederbezogene Erfurter Augustinerkloster, i​n dem Martin Luther einige Jahre seines Lebens verbrachte. In d​en katholischen Gegenden d​es Landes (Eichsfeld u​nd teilweise Stadt Erfurt) bestanden einige Klöster n​och bis z​ur Säkularisation d​er napoleonischen Zeit, e​he auch s​ie aufgelöst wurden. Seit 1800 bestehen n​ur noch s​ehr vereinzelt weitergeführte Anlagen w​ie beispielsweise d​as Ursulinenkloster Erfurt o​der das Franziskanerkloster Hülfensberg b​ei Geismar i​m Eichsfeld.

    Denkmäler

    Die bekanntesten Denkmäler i​m Land s​ind zum e​inen das i​n der Gemarkung Steinthaleben gelegene Kyffhäuserdenkmal, e​in 81 Meter hohes, weithin sichtbares Denkmal a​uf dem gleichnamigen Gebirge b​ei Bad Frankenhausen. Es w​urde zwischen 1890 u​nd 1896 a​ls Kaiser-Wilhelm-Denkmal errichtet u​nd ist d​as drittgrößte Denkmal Deutschlands.

    Zum anderen i​st das Goethe- u​nd Schiller-Denkmal a​uf dem Weimarer Theaterplatz s​ehr bekannt. Es gehört z​um Weltkulturerbe u​nd zeigt d​ie Dichter Johann Wolfgang v​on Goethe u​nd Friedrich Schiller. Eingeweiht w​urde es 1857. Das 33 Meter h​ohe Burschenschaftsdenkmal b​ei Eisenach v​on 1902 erinnert a​n die deutschen Burschenschaften d​es frühen 19. Jahrhunderts, d​ie unter anderem b​eim Wartburgfest v​on 1817 e​ine Rolle spielten.

    Siehe auch

    Varia

    • Die 2-Euro-Münze „Wartburg–Thüringen“, gestaltet von Olaf Stoy, wird am 1. Februar 2022 in einer Auflage von 30 Millionen Exemplaren in Umlauf gebracht.[67]

    Literatur

    • Kerstin Klare: Starke Frauen aus Thüringen. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2021, ISBN 978-3-8313-3250-2 (96 Seiten; 29 Porträts).
    • Steffen Raßloff: Mitteldeutsche Geschichte. Sachsen – Sachsen-Anhalt – Thüringen. Leipzig 2016. Neuausgabe Markkleeberg 2019, ISBN 978-3-86729-240-5.
    • Steffen Raßloff: Geschichte Thüringens. München 2010 (2. Auflage 2020), ISBN 978-3-406-74734-2.
    • Steffen Raßloff: Kleine Geschichte Thüringens. Ilmenau 2017 (2. Auflage 2020), ISBN 978-3-95560-056-3.
    • Reinhard Jonscher, Willy Schilling: Kleine thüringische Geschichte. Vom Thüringer Reich bis 1990. Jenzig-Verlag Köhler, Golmsdorf 2005, ISBN 3-910141-74-9.
    • Steffen Raßloff: Thüringen. Ein historischer Überblick. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen. Erfurt 2004 (3. Auflage 2015).
    • Jürgen John: Quellen zur Geschichte Thüringens. Landeszentrale für politische Bildung, Erfurt 1997, ISBN 3-931426-14-9.
    • Bernhard Post, Volker Wahl (Hrsg.): Thüringen-Handbuch. Territorium, Verfassung, Parlament, Regierung und Verwaltung in Thüringen 1920 bis 1995. Weimar 1999, ISBN 3-7400-0962-4.
    • Frank Boblenz: Abriß der Territorialgeschichte des preußischen Thüringen. In: Das preußische Thüringen. Abhandlungen zur Geschichte seiner Volksvertretungen (= Schriften zur Geschichte des Parlamentarismus in Thüringen, Band 17). Rudolstadt 2001, ISBN 3-89807-020-4, S. 9–45.
    • Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Thüringen. 2. Auflage, Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 2003, ISBN 3-422-03095-6.
    • Hans Müller: Thüringen (= DuMont Kunstreiseführer). Ostfildern 2005, ISBN 3-7701-3848-1.
    • Nikolaus Huhn: Thüringen in kleinen Schritten. Notizen vom Hörenden Fußmarsch. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2015, ISBN 978-3-95462-407-2.
    • Kulturelle Entdeckungen. Musikland Thüringen. hrsg. von der Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2020, ISBN 978-3-7954-3502-8.
    Commons: Thuringia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
    Wikivoyage: Thüringen – Reiseführer

    Einzelnachweise

    1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
    2. Quelle: Thüringer Landesamt für Statistik: Ausgewählte Merkmale der Bevölkerung – Jahresdaten
    3. Statistik informiert … Nr. 58/2018. (PDF) Abgerufen am 19. Juni 2018.
    4. Vorläufiger Schuldenstand der Länder. Destatis, 30. Juni 2020, abgerufen am 12. November 2020.
    5. Arbeitslosenquoten im Februar 2022 – Länder und Kreise. In: statistik.arbeitsagentur.de. Statistik der Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am 2. März 2022.
    6. Gesetzblatt der DDR Teil I Nr. 51 Seite 955 vom 14. August 1990. Abgerufen am 30. Dezember 2017.
    7. Thüringens Mittelpunkt liegt in Rockhausen (Memento vom 10. Dezember 2008 im Internet Archive)
    8. Wetterrekorde beim DWD
    9. Geologische Landesaufnahme auf den Seiten des Geologischen Landesdienstes
    10. siehe auch: Bodentypen in Thüringen
    11. Gerhard Seidel (Hrsg.): Geologie von Thüringen. E. Schweizbartsche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2003, ISBN 978-3-510-65205-1
    12. Hans-Joachim Zündorf, Karl-Friedrich Günther, Heiko Korsch und Werner Westhus: Flora von Thüringen, Weisdorn-Verlag, Jena 2006. ISBN 3-936055-09-2.
    13. Ostthüringer Zeitung (OTZ) vom 1. Februar 2014, Seite 1
    14. Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt: Bericht zur Überprüfung des UNESCO-Biosphärenreservates Vessertal – Thüringer Wald (Memento vom 22. November 2011 im Internet Archive). August 2003 (Bearbeitungsstand Oktober 2001).
    15. THEMA: HIER FINDEN SIE ALLES ZUM WOLF IN THÜRINGEN, zuletzt gesehen am 1. Januar 2019.
    16. Ein bisschen Urwald: Thüringen überlässt einige Waldgebiete der Natur, Mitteldeutscher Rundfunk vom 4. Dezember 2018.
    17. Bevölkerung und Einwohner je km² in Thüringen. In: statistik.thueringen.de. Thüringer Landesamt für Statistik, abgerufen am 11. Juli 2021.
    18. Landesentwicklungsplan 2025 (Zweiter Entwurf 2013) (PDF; 6,7 MB)
    19. http://www.erfurt.de/imperia/md/content/veroeffentlichungen/stadtentwicklung/isek_web_1208.pdf (Link nicht abrufbar)
    20. W. Lösch, R. Petzold, F. Reinhold, S. Wiegand: Kleines Thüringer Wörterbuch, Reclam-Verlag Leipzig, 1995, S. 6.
    21. Anteil der Christen in Thüringen sinkt Jahr für Jahr
    22. Statistik Mitgliederzahlen in Prozent (2020) in den Bundesländern, abgerufen am 21. Januar 2022
    23. Paul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526–1584. Hrsg.: Verein für Thüringische Geschichte und Altertumskunde. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
    24. Christian Hege und Christian Neff: Mennonitisches Lexikon. Band 4. Eigenverlag, 1959, S. 324–327.
    25. Aus: Heimkehr durch Thüringen und Süddeutschland. In: Sommerwanderungen und Winterfahrten (Frauenfeld 1897), S. 306.
    26. Thüringer Allgemeine, Jg. 1/ Nr. 95, 9. Mai 1990.
    27. Die Russen kommen. Die 8. Gardearmee in Thüringen 1945–1994. Sonderausstellung im Stadtmuseum Erfurt von Mai bis Oktober 2005
    28. Thüringen häuft wieder mehr Schulden an. In: insuedthueringen.de. Südthüringer Zeitung, 2. August 2018, abgerufen am 2. August 2018.
    29. MDR: Die Bundeswehr in Thüringen, 14. Februar 2011 (Memento vom 29. Oktober 2011 im Internet Archive)
    30. Gesetz über die Hoheitszeichen des Landes Thüringen vom 30. Januar 1991. Vergleiche GBl. 1991 S. 1 (Digitalisat hier).
    31. § 1 Abs. 1 S. 1 des Gesetzes über die Hoheitszeichen und Artikel 44 Abs. 2 S. 2 der Verfassung sind wortgleich.
    32. Vergleiche § 2 des Gesetzes über die Hoheitszeichen des Landes Thüringen vom 30. Januar 1991.
    33. Vergleiche GVBl. 1991 S. 70 (Digitalisat hier und eine aktualisierte Fassung der Verordnung hier).
    34. Partnerschaften des Landes Thüringen. Abgerufen am 20. Januar 2019.
    35. www.statistik.thueringen.de Thüringer Landesamt für Statistik, Bevölkerungsvorausberechnungen 2014–2035.
    36. Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 12/2019 S. 429 ff., aufgerufen am 1. Juli 2021
    37. Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu laufenden Marktpreisen nach NUTS-3-Regionen. Eurostat, 26. Februar 2016, abgerufen am 3. Dezember 2016.
    38. Anne Kunz: Millionäre: Warum im Osten die reiche Oberschicht fehlt. In: DIE WELT. 26. Dezember 2019 (welt.de [abgerufen am 11. August 2020]).
    39. Einkommensreichtumsquote gemessen am Bundesmedian im Zeitvergleich. Abgerufen am 30. August 2020.
    40. Statistisches Bundesamt: Verdienste auf einen Blick. Wiesbaden, 2017
    41. Zensusdatenbank
    42. Statistik der Bundesagentur für Arbeit
    43. Arbeitslose, Arbeitslosenquote, Gemeldete Arbeitsstellen: Bundesländer, Jahre. Statistisches BundesamtGENESIS-Online, 2019, abgerufen am 27. November 2020.
    44. Thüringer Landesamt für Statistik
    45. ThüringenForst
    46. TLS
    47. Thüringer Landesamt für Statistik
    48. Thüringer Landesamt für Statistik
    49. BAST: Manuelle Verkehrszählung 2015
    50. TLS
    51. Umweltbundesamt: Schienennetz 2025/2030. Dessau, 2010. S. 51 (Zahlen für 2006/2007)
    52. LOK Report – BAG-SPNV: Bahn-Elektrifizierung endlich voranbringen. (lok-report.de [abgerufen am 21. August 2017]).
    53. TLS
    54. TLS
    55. Ulrike Kern: In Thüringen stehen die größten und leistungsfähigsten Windräde. In: Thüringer Allgemeine vom 28. Oktober 2021, S. 10
    56. Energiewende in den Kommunen (Memento vom 29. Juni 2013 im Webarchiv archive.today)
    57. Breitbandkompetenzzentrum (Memento vom 11. Juni 2017 im Internet Archive)
    58. TLS
    59. TLS
    60. Lebenserwartung in Deutschland nach Bundesländern und Geschlecht 2015/2017. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
    61. BBSR Homepage – Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) – Forschung und Politikberatung – Wo in Deutschland die Lebenserwartung am höchsten ist. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
    62. taz: Zeitungskrise in Thüringen: Schluss mit dem Druck auf taz.de, 10. Dezember 2020
    63. Thüringer Theaterverband Jahresheft 2014 sowie www.thueringer-theaterverband.de
    64. http://landesrecht.thueringen.de/jportal/?quelle=jlink&query=FeiertG+TH+%C2%A7+2&psml=bsthueprod.psml&max=true
    65. Erfurt – Stadt der Türme, Erfordia turrita (Memento vom 12. August 2015 im Internet Archive) – jährlicher Aktionstag für Turmbesteigungen, abgerufen am 3. November 2015
    66. Pia Lucchesi: Bald liegt ein echter Stoy in jedem Portemonnaie - in Form einer vom Künstler gestalteten Münze. Morgenpost am Sonntag Dresden, 13. Juni 2021, S. 14–15

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