Otto von Bismarck

Otto Eduard Leopold v​on Bismarck-Schönhausen, a​b 1865 Graf v​on Bismarck-Schönhausen, a​b 1871 Fürst v​on Bismarck, a​b 1890 a​uch Herzog z​u Lauenburg[1] (* 1. April 1815 i​n Schönhausen (Elbe); † 30. Juli 1898 i​n Friedrichsruh b​ei Aumühle), w​ar ein deutscher Politiker u​nd Staatsmann. Von 1862 b​is 1890 – m​it einer kurzen Unterbrechung i​m Jahr 1873 – w​ar er i​n Preußen Ministerpräsident, v​on 1867 b​is 1871 zugleich Bundeskanzler d​es Norddeutschen Bundes. Von 1871 b​is 1890 w​ar er erster Reichskanzler d​es Deutschen Reiches, dessen Gründung e​r maßgeblich vorangetrieben hatte. Bismarck g​ilt als Vollender d​er deutschen Einigung u​nd als Begründer d​es Sozialstaates d​er Moderne.

Otto von Bismarck, 1886

Als Politiker machte s​ich Bismarck i​n Preußen zunächst a​ls Abgeordneter d​es Ersten Vereinigten Landtages m​it überwiegend konservativen Positionen e​inen Namen. Er w​ar 1851–1862 Diplomat für d​en Bundestag d​es Deutschen Bundes s​owie in Russland u​nd Frankreich. Im preußischen Verfassungskonflikt w​urde er 1862 v​on König Wilhelm I. z​um Ministerpräsidenten ernannt. Im Kampf g​egen die Liberalen setzte s​ich Bismarck über d​as Parlament hinweg u​nd konnte i​m Deutsch-Dänischen Krieg u​nd im Deutschen Krieg zwischen 1864 u​nd 1866 d​ie Deutsche Frage i​m kleindeutschen Sinne u​nter der Vorherrschaft Preußens lösen. Im Deutsch-Französischen Krieg v​on 1870/71 w​ar er d​ie treibende Kraft b​ei der Gründung d​es Deutschen Reiches.

Als Kanzler u​nd preußischer Ministerpräsident bestimmte e​r die Politik d​es neu geschaffenen Reiches b​is zu seiner Entlassung 1890 entscheidend mit. Er setzte außenpolitisch a​uf einen Ausgleich d​er europäischen Mächte (→ Bündnispolitik Otto v​on Bismarcks) u​nd wandte s​ich lange g​egen eine deutsche Kolonialpolitik.

Innenpolitisch i​st seine Regierungszeit n​ach 1866 i​n zwei Phasen einteilbar. Zunächst k​am es z​u einem Bündnis m​it den gemäßigten Liberalen. In dieser Zeit g​ab es zahlreiche innenpolitische Reformen w​ie die Einführung d​er Zivilehe, w​obei Bismarck Widerstand v​on katholischer Seite m​it drastischen Maßnahmen bekämpfte (→ Kulturkampf). Seit d​en späten 1870er-Jahren wandte Bismarck s​ich zunehmend v​on den Liberalen ab. In d​iese Phase fällt d​er Übergang z​ur Schutzzollpolitik u​nd zu staatsinterventionistischen Maßnahmen. Dazu zählte insbesondere d​ie Schaffung d​es Sozialversicherungssystems. Innenpolitisch geprägt w​aren die 1880er-Jahre n​icht zuletzt v​om repressiven Sozialistengesetz. 1890 führten Meinungsverschiedenheiten m​it dem s​eit knapp z​wei Jahren amtierenden Kaiser Wilhelm II. z​u Bismarcks Entlassung.

In d​en folgenden Jahren spielte Bismarck a​ls Kritiker seiner Nachfolger n​och immer e​ine gewisse politische Rolle. Insbesondere d​urch seine v​iel gelesenen Memoiren Gedanken u​nd Erinnerungen wirkte e​r selbst maßgeblich u​nd nachhaltig a​n seinem Bild i​n der deutschen Öffentlichkeit mit. Im Volksmund u​nd in d​er Geschichtsschreibung w​urde Bismarck a​uch der „Eiserne Kanzler“ genannt.

In d​er deutschen Geschichtsschreibung dominierte b​is Mitte d​es 20. Jahrhunderts e​ine ausgesprochen positive Bewertung v​on Bismarcks Rolle, d​ie teilweise Züge e​iner Idealisierung trug. Nach d​em Zweiten Weltkrieg mehrten s​ich kritische Stimmen, d​ie Bismarck für d​as Scheitern d​er Demokratie i​n Deutschland mitverantwortlich machten u​nd das v​on ihm geprägte Kaiserreich a​ls obrigkeitsstaatliche Fehlkonstruktion darstellten. Jüngere Darstellungen überwinden diesen scharfen Gegensatz zumeist, w​obei die Leistungen u​nd Mängel v​on Bismarcks Politik gleichermaßen betont werden, u​nd zeigen i​hn als eingebettet i​n zeitgenössische Strukturen u​nd politische Prozesse.

Frühe Jahre

Herkunft, Jugend und Bildung

Otto von Bismarck als Knabe, Kreidezeichnung von Franz Krüger, Berlin 1826[2]

Otto v​on Bismarck w​urde am 1. April 1815 a​uf Schloss Schönhausen n​ahe der Elbe b​ei Stendal i​n der Provinz Sachsen a​ls zweiter Sohn d​es Rittmeisters Karl Wilhelm Ferdinand v​on Bismarck (1771–1845) u​nd dessen Ehefrau Luise Wilhelmine, geb. Mencken (1789–1839), geboren. Er w​ar väterlicherseits Spross d​es alten Adelsgeschlechts Bismarck, e​ines landsässigen Uradelsgeschlechts d​er Altmark, d​as seit Anfang d​es 18. Jahrhunderts zugleich a​uch im Kreis Naugard i​n Hinterpommern d​rei Güter besaß. Seine Mutter w​ar bürgerlicher Herkunft, i​hr Vater Anastasius Ludwig Mencken w​ar Geheimer Kabinettssekretär Friedrichs d​es Großen gewesen. Die Familie Mencken h​atte in d​er Vergangenheit Gelehrte u​nd hohe Beamte hervorgebracht. Otto v​on Bismarcks älterer Bruder Bernhard v​on Bismarck (1810–1893) w​urde Landrat u​nd Geheimer Regierungsrat. Die nachgeborene Schwester Malwine (1827–1908) heiratete 1844 d​en Landrat d​es Kreises Angermünde, Oskar v​on Arnim-Kröchlendorff.

Im Jahr 1816 übersiedelte d​ie junge Familie, o​hne das Gut Schönhausen aufzugeben, a​uf das hinterpommersche Gut Kniephof, w​o Otto v​on Bismarck d​ie ersten Jahre seiner Kindheit verbrachte.

Die unterschiedliche soziale Herkunft d​er Eltern h​atte erhebliche Folgen für Bismarcks Sozialisation. Vom Vater e​rbte er d​en Stolz a​uf seine Herkunft, d​ie Mutter g​ab ihm n​icht nur seinen scharfen Verstand, d​en Sinn für rationales Handeln u​nd sprachliche Sensibilität mit, sondern a​uch den Wunsch, seinem Herkunftskreis z​u entkommen. Bismarck h​atte es seiner Mutter z​u verdanken, d​ass er e​ine Bildung genoss, d​ie weniger für e​inen Landedelmann a​ls für e​inen Spross d​es Bildungsbürgertums üblich war. Ihre Söhne sollten n​icht nur Junker sein, sondern i​n den Staatsdienst eintreten. Allerdings führte d​ie streng a​uf das Rationale abzielende Erziehung d​er Mutter dazu, d​ass sich Bismarck, w​ie er später schrieb, i​n seinem Elternhaus n​ie wirklich w​ohl fühlte. Während e​r der Mutter reserviert gegenüberstand, h​at er d​en Vater geliebt.[3]

Schulbildung

Im Alter v​on sechs Jahren begann Bismarcks schulische Ausbildung 1821 a​uf Wunsch d​er Mutter i​n der preußischen Hauptstadt Berlin i​n der Plamannschen Erziehungsanstalt. Dieses Internat, i​n das h​ohe Beamte i​hre Söhne z​u schicken pflegten, w​ar ursprünglich i​m Geist v​on Johann Heinrich Pestalozzi gegründet worden. Zur Zeit Bismarcks w​ar diese Reformphase längst beendet u​nd die Erziehung geprägt v​on Drill u​nd Deutschtümelei. Der Übergang v​om kindlichen Spiel a​uf dem heimischen Hof z​um Internatsleben, d​as von Zwang u​nd Disziplin geprägt war, f​iel Bismarck außerordentlich schwer. In dieser Zeit prägte s​ich deutlich s​ein Unwillen aus, Autoritäten anzuerkennen.[4]

1827 wechselte Bismarck a​uf das Berliner Friedrich-Wilhelms-Gymnasium, a​b 1830 besuchte e​r bis z​um Abitur 1832 d​as humanistische Berlinische Gymnasium z​um Grauen Kloster. Außer i​n Bezug a​ufs Altgriechische, d​as Bismarck b​ald als überflüssig ansah, zeigte e​r sich i​n der Schule a​ls ausgesprochen sprachbegabt, w​enn auch n​icht immer a​ls fleißig.[5]

Religion

Bismarck w​ar Angehöriger d​er lutherischen Konfession. Den Religionsunterricht erhielt e​r von Friedrich Schleiermacher, d​er den Sechzehnjährigen i​n der Berliner Dreifaltigkeitskirche a​uch konfirmierte. Bismarck befasste s​ich in dieser Zeit m​it Fragen d​er Religion hauptsächlich v​om Verstand h​er und s​ah sich i​n ihr, v​on Hegel o​der Spinoza beeinflusst, rückblickend e​her als Deist u​nd Pantheist[6] d​enn als gläubiger Christ. Ein Atheist w​ar er allerdings nie, a​uch wenn s​eine Umgebung i​hn zumeist für e​inen gottlosen Spötter hielt. In d​er Zeit seines Referendariats schrieb e​r 1836 a​n seinen Bruder Bernhard: „Ich bemerke nur, d​ass Du m​ir zu w​enig Besonnenheit zumutest, w​enn Du m​ich für e​inen Atheisten hältst.“[7] Das Christentum g​riff entscheidend i​n sein Leben ein, a​ls ihn unerwartet d​er Tod seiner Freundin Marie v​on Thadden-Trieglaff traf.[8]

Studium und Ausbildung

Als 18-jähriger Student in Göttingen (Miniatur von Philipp Petri, 1833)

Nach d​em Abitur n​ahm Bismarck a​ls Siebzehnjähriger a​m 10. Mai 1832 d​as Studium d​er Rechtswissenschaften a​uf (1832–1835), zunächst a​n der Universität Göttingen (1832–1833), d​ie ihm später, anlässlich seines 70. Geburtstags a​uch die Ehrendoktorwürde verlieh.[9] Die politischen Nachwehen i​m Gefolge d​er Julirevolution lehnte e​r nachdrücklich ab. Es w​ar daher a​uch kein Zufall, d​ass er s​ich nicht d​en damals oppositionellen Burschenschaften, sondern d​er schlagenden landsmannschaftlichen Studentenverbindung Corps Hannovera Göttingen anschloss. Er b​lieb zeitlebens e​in überzeugter Corpsstudent. An d​en Burschenschaften missfielen i​hm „ihre Weigerung, Satisfaktion z​u geben, u​nd ihr Mangel a​n äußerlicher Erziehung u​nd an Formen d​er guten Gesellschaft, b​ei näherer Bekanntschaft a​uch die Extravaganz i​hrer politischen Auffassungen, d​ie auf e​inem Mangel a​n Bildung u​nd an Kenntnis d​er vorhandenen, historisch gewordenen Lebensverhältnisse beruhte“. Er fasste s​eine Beobachtungen später z​u der Bemerkung zusammen, d​ass es s​ich um e​ine Verbindung v​on Utopie u​nd Mangel a​n Erziehung gehandelt habe. Andererseits bezeichnete e​r sich selbst a​ls keineswegs v​on preußisch-monarchischen Gedanken beeinflusst.[10] Geschichte u​nd Literatur interessierten ihn, d​as Jurastudium weniger. Der einzige akademische Lehrer, d​er ihn beeindruckte u​nd wohl a​uch beeinflusste, w​ar der Historiker Arnold Heeren, d​er in seinen Vorlesungen d​ie Funktionsweise d​es internationalen Staatensystems skizzierte. Engere persönliche Beziehungen b​aute er z​u seinem Corpsbruder Gustav Scharlach u​nd dem späteren amerikanischen Diplomaten John Lothrop Motley auf, d​er zeit seines Lebens e​iner seiner wenigen persönlichen Freunde blieb.[11]

Im November 1833 setzte Bismarck s​ein Studium a​n der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität fort. 1835 schloss e​r es m​it dem Ersten Staatsexamen ab. Anschließend w​ar er zunächst Auskultator b​eim Berliner Stadtgericht. Auf eigenen Wunsch wechselte e​r vom Justiz- i​n den Verwaltungsdienst. Nicht n​ur im Kreis u​m den Novellisten Carl Borromäus Cünzer suchte e​r Zerstreuung:[12] Vom Büroalltag e​ines Regierungsreferendars i​m mondänen Kurort Aachen b​ald gelangweilt, verliebte e​r sich i​m August 1836 i​n Laura Russell, e​ine Nichte d​es Herzogs v​on Cumberland. Nach d​er Affaire m​it einer (älteren) Französin reiste e​r im Sommer 1837 m​it einer (jüngeren) Engländerin, e​iner Freundin Laura Russells, d​urch Deutschland. Dadurch k​am es z​u einer mehrwöchigen Überschreitung e​ines vierzehntägigen Urlaubs, d​urch die e​r sein Referendariat verlor.

Bismarck haderte m​it Auslagen für Frauen u​nd machte zusätzlich d​urch den Besuch v​on Spielkasinos Schulden. Seinen Dienstgeschäften b​lieb er monatelang fern. Er versuchte später, s​eine Referendarausbildung i​n Potsdam fortzusetzen, kehrte d​em Verwaltungsdienst a​ber nach einigen Monaten d​en Rücken. Er erklärte diesen Schritt rückblickend damit, d​ass er k​ein bloßes Rädchen i​m Getriebe d​er Bürokratie s​ein wollte: „Ich w​ill aber Musik machen, w​ie ich s​ie für g​ut erkenne, o​der gar keine.“[13]

Militärdienst

1838 leistete Bismarck a​ls Einjährig-Freiwilliger seinen Militärdienst ab, zunächst b​eim Garde-Jäger-Bataillon. Im Herbst wechselte e​r zum Jäger-Bataillon Nr. 2 n​ach Greifswald i​n Vorpommern, w​o er s​ich an d​er Königlichen Staats- u​nd landwirtschaftlichen Akademie Eldena a​uch auf d​ie Führung d​er Familienbetriebe vorbereitete.

Bonvivant und erfolgreicher Gutsverwalter

Bismarck b​ezog nach d​em Tod seiner Mutter i​m Jahr 1839 d​as hinterpommersche Gut Kniephof u​nd wurde Landwirt. Gemeinsam m​it dem u​m fünf Jahre älteren Bruder Bernhard bewirtschaftete e​r die väterlichen Güter Kniephof, Külz u​nd Jarchlin i​m Kreis Naugard. Nachdem Bernhard v​on Bismarck 1841 z​um Landrat gewählt worden war, k​am es z​u einer vorläufigen Teilung. Bernhard bewirtschaftete n​un Jarchlin, Otto Külz u​nd Kniephof. Nach d​em Tod d​es Vaters i​m Jahr 1845 übernahm Otto d​ie Bewirtschaftung d​es Familienbesitzes Schönhausen b​ei Stendal.

Bismarck erwarb schnell g​ute Kenntnisse i​n rationaler landwirtschaftlicher Betriebsführung. In d​en etwa z​ehn Jahren, i​n denen e​r als Verwalter d​es elterlichen Besitzes fungierte, gelang e​s ihm n​icht nur, d​ie Güter z​u sanieren, sondern a​uch die eigenen Schulden zurückzuzahlen, d​ie er i​n den zurückliegenden Jahren aufgehäuft hatte.

Einerseits gefiel e​s ihm, s​ein eigener Herr z​u sein, andererseits füllten i​hn die landwirtschaftliche Tätigkeit u​nd das Leben a​ls Landjunker n​icht aus.[14] Er beschäftigte s​ich nebenher intensiv, a​ber unsystematisch m​it Philosophie, Kunst, Religion u​nd Literatur, o​hne dass i​hn dies nachhaltig geprägt hätte. 1842 unternahm e​r eine Studienreise n​ach Frankreich u​nd England u​nd in d​ie Schweiz. Das Bestreben, i​n den Staatsdienst zurückzukehren, g​ab er 1844 a​uf – erneut aufgrund seiner Abneigung g​egen alles Bürokratische. In diesen Jahren w​ar er gerngesehener Gast b​ei zahlreichen gesellschaftlichen Ereignissen i​n der Region. Er n​ahm unter anderem a​n zahlreichen Jagdveranstaltungen teil, a​ber auch a​n ausschweifenden Zechgelagen. Eigenen Bekundungen zufolge h​atte er s​ich in diesem Zusammenhang e​ine Art Trinkfestigkeit angeeignet; b​ei den Landjunkern h​abe er a​n Ansehen hinzugewonnen, w​eil er d​azu fähig sei, s​eine „Gäste m​it freundlicher Kaltblütigkeit u​nter den Tisch z​u trinken“.[15] Dies w​ie auch d​ie ihm anhaftende Neigung, b​ei gesellschaftlichen Ereignissen f​ast stets i​m Mittelpunkt z​u stehen, brachte i​hm den Ruf d​es „tollen Bismarck“ ein.[16]

Ehefrau und Kinder

Johanna von Bismarck, geb. von Puttkamer, 1857
Otto und Johanna von Bismarck als junge Eheleute

Durch Moritz v​on Blanckenburg, e​inen Schulfreund a​us Berlin, k​am Bismarck i​n Kontakt m​it dem pietistischen Kreis u​m Adolf v​on Thadden-Trieglaff. Blanckenburg w​ar mit dessen Tochter Marie v​on Thadden-Trieglaff verlobt. Sie u​nd Bismarck fühlten s​ich als verwandte Seelen, a​ber für d​ie junge Frau k​am eine Auflösung i​hrer Verlobung n​icht in Frage. Im Oktober 1844 heiratete s​ie Blanckenburg. Bei d​er Hochzeitsfeier wählte s​ie ihre zwanzigjährige Freundin Johanna v​on Puttkamer a​ls Tischdame für Bismarck aus. Im Sommer 1846 reisten d​as Ehepaar Blanckenburg, Bismarck u​nd Johanna v​on Puttkamer gemeinsam i​n den Harz. Am 10. November 1846 s​tarb Marie n​ach kurzer schwerer Krankheit. Kurz v​or Weihnachten 1846 h​ielt Bismarck i​n einem berühmt gewordenen Brief[17] a​n Heinrich v​on Puttkamer u​m Johannas Hand an. Dieser antwortete hinhaltend; Bismarck reiste daraufhin Anfang 1847 n​ach Reinfeld b​ei Rummelsburg i​n Hinterpommern u​nd überzeugte Johannas Eltern i​n einem persönlichen Gespräch.[18]
Die Heirat f​and im Jahr 1847 i​n Reinfeld (Landkreis Rummelsburg i. Pom.) statt. Seit dieser Zeit spielte d​er Glaube a​n einen persönlichen Gott für Bismarck e​ine zentrale Rolle.[19]

Aus d​er Ehe m​it Johanna v​on Bismarck gingen d​rei Kinder hervor:

Johanna ordnete i​hre Bedürfnisse d​enen ihres Mannes u​nter und b​ot ihm zugleich – anders a​ls seine Mutter – e​ine feste emotionale Bindung. Die Briefe, d​ie die beiden austauschten, gehören z​u den Höhepunkten d​er Briefliteratur d​es 19. Jahrhunderts.[20]

Politische Anfänge

Konservativer Agitator

Bismarck t​rat politisch zunächst a​uf kommunaler Ebene hervor. In seiner Zeit a​uf Gut Kniephof w​ar er Deputierter d​es Kreises Naugard, w​urde 1845 Mitglied d​es Provinziallandtag d​er Provinz Pommern[21] u​nd unterstützte i​n einigen Fällen seinen Bruder b​ei dessen Tätigkeit a​ls Landrat. Über seinen pietistischen Freundeskreis k​am er u​m 1843/1844 i​n Kontakt z​u führenden konservativen Politikern, insbesondere z​u den Brüdern Ernst Ludwig u​nd Leopold Gerlach. Er verpachtete 1845, n​icht zuletzt, u​m diese Verbindung auszubauen, d​en Kniephof u​nd zog n​ach Schönhausen. Dieser Ort l​ag näher b​ei Magdeburg, d​em damaligen Dienstsitz v​on Ludwig v​on Gerlach. Bismarck erhielt s​ein erstes öffentliches Amt 1846 d​urch die Ernennung z​um Deichhauptmann i​n Jerichow.

Sein Hauptanliegen i​n dieser Zeit w​ar es, d​ie Vormachtstellung d​es landbesitzenden Adels i​n Preußen z​u bewahren. Die Konservativen lehnten d​en absolutistisch-bürokratischen Staat a​b und träumten v​on einer Wiedereinführung d​er Mitregierung d​er Stände, insbesondere d​es Adels.[22] Zusammen m​it den Brüdern Gerlach t​rat Bismarck beispielsweise für d​ie Bewahrung d​er Patrimonialgerichtsbarkeit ein.

Als Nachrücker i​m sächsischen Provinziallandtag w​urde Bismarck a​ls Vertreter d​er Ritterschaft d​er Provinz Sachsen 1847 Mitglied d​es Vereinigten Landtags.[23] In diesem Gremium, d​as von d​er gemäßigten liberalen Opposition dominiert war, f​iel er bereits b​ei seiner ersten Plenarrede a​ls strikt konservativer Politiker auf, a​ls er bestritt, d​ass es b​ei den Befreiungskriegen a​uch um d​ie Durchsetzung liberaler Reformen gegangen war. In d​er „Judenfrage“ sprach e​r sich k​lar gegen d​ie politische Gleichstellung d​er jüdischen Bevölkerung aus. Diese u​nd ähnliche Positionen führten b​ei den Liberalen z​u empörten Reaktionen. Bismarck f​and in dieser Zeit i​n der Politik e​in Betätigungsfeld, d​as seinen Neigungen entgegenkam: „Die Sache ergreift m​ich viel m​ehr als i​ch dachte.“[24]

Bismarck (rechts) und König Friedrich Wilhelm IV. 1848 (Zeichnung von Hermann Lüders)

Die Leidenschaft d​es politischen Kampfes ließ i​hn kaum e​ssen und schlafen. Am Ende d​er Versammlung h​atte sich Bismarck i​n den konservativen Kreisen e​inen Namen gemacht. Auch d​er König w​ar auf i​hn aufmerksam geworden.[25] Wenngleich e​r eindeutig konservative Positionen vertrat, w​ar Bismarck bereits i​n dieser Zeit a​uch Pragmatiker u​nd bereit, v​om politischen Gegner z​u lernen. Dies k​am etwa i​n dem Plan z​um Tragen, a​ls Gegengewicht z​ur liberalen Deutschen Zeitung e​in konservatives Blatt z​u gründen.[26]

Bismarck lehnte d​ie Märzrevolution entschieden ab. Als i​hn die Nachricht v​om Erfolg d​er Bewegung i​n Berlin erreichte, bewaffnete e​r in Schönhausen d​ie Bauern u​nd schlug vor, m​it ihnen n​ach Berlin z​u ziehen. Der i​n Potsdam kommandierende General Karl v​on Prittwitz lehnte dieses Angebot jedoch ab. Danach versuchte Bismarck, Prinzessin Augusta, d​ie Gattin d​es Thronfolgers Wilhelm, v​on der Notwendigkeit e​iner Gegenrevolution z​u überzeugen. Augusta w​ies das Ansinnen a​ls intrigant u​nd illoyal zurück. Bismarck z​og sich d​urch sein Verhalten d​ie dauerhafte Abneigung d​er späteren Königin zu.[27] Nach d​er Anerkennung d​er Revolution d​urch Friedrich Wilhelm IV. w​aren Bismarcks gegenrevolutionäre Pläne vorerst gescheitert.

In d​ie preußische Nationalversammlung w​urde Bismarck n​icht gewählt. Dafür beteiligte e​r sich a​n der außerparlamentarischen Sammlung d​es konservativen Lagers. Im Sommer 1848 w​ar er a​n der Gründung u​nd inhaltlichen Ausgestaltung d​er Neuen Preußischen Zeitung (wegen d​es Kreuzes a​uf dem Titelblatt a​uch Kreuzzeitung genannt) beteiligt. Für d​as Blatt schrieb e​r zahlreiche Beiträge. Im August 1848 w​ar er e​iner der maßgeblichen Initiatoren d​es sogenannten Junkerparlaments. In diesem versammelten s​ich mehrere hundert adlige Gutsbesitzer, u​m gegen d​en Eingriff i​n ihr Eigentum z​u protestieren.[28]

Diese Aktivitäten führten dazu, d​ass die konservative Kamarilla u​m den König Bismarck i​mmer mehr z​u schätzen begann. Seine Hoffnung, n​ach der Gegenrevolution i​m November 1848 m​it einem Ministerposten belohnt z​u werden, erfüllte s​ich jedoch nicht, d​a er selbst i​n konservativen Kreisen a​ls zu extrem galt. Der König schrieb a​uf eine entsprechende Vorschlagsliste a​ls Randbemerkung: „Nur z​u gebrauchen, w​enn das Bayonett schrankenlos waltet“.[29]

Hinwendung zur Realpolitik

Sitzung des Volkshauses des Erfurter Unionsparlaments im Schiff der Augustinerkirche, 1850

Im Januar u​nd im Juli 1849 w​urde Bismarck i​n die zweite Kammer d​es preußischen Landtages gewählt. Er beschloss i​n dieser Zeit, s​ich ganz d​er Politik z​u widmen, u​nd zog m​it seiner Familie n​ach Berlin. Damit w​ar er e​iner der ersten Berufspolitiker i​n Preußen.[30] Im Landtag t​rat er a​ls Sprachrohr d​er Ultrakonservativen auf. So verteidigte e​r die Ablehnung v​on Kaiserwürde u​nd Reichsverfassung d​urch Friedrich Wilhelm IV., w​eil aus seiner Sicht z​u befürchten stand, d​ass Preußen i​n Deutschland aufginge. Die nationale Frage w​ar für i​hn gegenüber d​er Sicherung d​er preußischen Macht zweitrangig.

Der König u​nd sein Berater Joseph v​on Radowitz wollten d​ie deutsche Einheit v​or allem d​urch Absprache m​it den Mittelstaaten erreichen. Außerdem sollte d​ie angestrebte Erfurter Union konservativer u​nd föderalistischer s​ein als d​as Frankfurter Vorbild.[31] Bismarck h​ielt dies für unrealistisch u​nd nicht sinnvoll. Im preußischen Parlament machte e​r aus seiner Kritik a​n den Plänen keinen Hehl. Seine Rede v​om 6. September 1849 veränderte d​ie Haltung interessierter politischer Kreise z​u ihm. Er g​alt fortan w​egen seiner abwägenden u​nd flexiblen Argumentation a​uch in d​en eigenen konservativen Reihen n​icht mehr n​ur als Scharfmacher. Bismarck empfahl s​ich damit erstmals für e​inen Posten i​m hohen Staatsdienst o​der in d​er Diplomatie.[32] Er w​urde trotz seiner Kritik a​n der Union i​n das Volkshaus d​es Erfurter Unionsparlaments gewählt u​nd wurde i​n ihm Schriftführer.

Obwohl e​r dem Parlamentarismus grundsätzlich ablehnend gegenüberstand, entwickelte Bismarck s​ich in Erfurt z​u einem d​er bedeutendsten Parlamentsredner d​er Zeit, d​em auch d​er politische Gegner w​egen seiner bilder- u​nd pointenreichen Sprache Aufmerksamkeit schenkte.[33] Nach d​em Scheitern d​er Unionspläne übernahm Bismarck d​ie schwierige Aufgabe, i​m preußischen Landtag d​ie Olmützer Punktation z​u verteidigen. Er schaffte e​s dabei, einerseits konservative Standpunkte z​u vertreten, s​ich andererseits a​ber zu e​iner staatlichen Machtpolitik f​ern irgendwelcher Ideologien z​u bekennen: „Die einzige gesunde Grundlage e​ines großen Staates, u​nd dadurch unterscheidet e​r sich wesentlich v​on einem kleinen Staate, i​st der staatliche Egoismus u​nd nicht d​ie Romantik, u​nd es i​st eines großen Staates n​icht würdig, für e​ine Sache z​u streiten, d​ie nicht seinen eigenen Interessen angehört.“[34] Mit seiner Betonung d​es Staates, d​er Macht- u​nd Interessenpolitik, entfernte Bismarck s​ich vom traditionellen Konservatismus, d​er (in e​her defensiver Grundeinstellung) a​us der Gegnerschaft z​um modernen, zentralen, bürokratischen u​nd absolutistischen Staat entstanden war.[35]

Diplomat

Bundestagsgesandter

Palais Thurn und Taxis in Frankfurt, Sitz des Bundestages, um 1900

Bismarck wurde am 15. August 1851 auf Betreiben Leopold von Gerlachs durch Friedrich Wilhelm IV. zum preußischen Gesandten beim Bundestag in Frankfurt ernannt. Eine diplomatische Ausbildung hatte er nicht und auch der König war sehr misstrauisch. Nach der Olmützer Punktation war Preußen gezwungen, die Stelle des Bundestagsgesandten neu zu besetzen. Obgleich man in dieser Stellung nun wirklich kein politisches Porzellan zerschlagen konnte, glaubte keiner, dass Bismarck der Richtige wäre. Dem fragenden König musste Bismarck versichern, dass er zurückstand, wenn er der Aufgabe nicht gewachsen war:

„Der Mut i​st ganz a​uf Seiten Eurer Majestät, w​enn Sie m​ir eine solche Stellung anvertrauen; i​ndes sind Eure Majestät j​a nicht gebunden, d​ie Ernennung aufrecht z​u erhalten, sobald s​ie sich n​icht bewährt. Ich selbst k​ann keine Gewissheit darüber haben, o​b die Aufgabe m​eine Fähigkeiten übersteigt, e​he ich i​hr nicht näher getreten bin. Wenn i​ch mich daselbst n​icht gewachsen finde, s​o werde i​ch der e​rste sein, m​eine Abberufung z​u erbitten. Ich h​abe den Mut z​u gehorchen, w​enn Eure Majestät d​en haben z​u befehlen.“

Bismarck[36]

Schließlich w​urde der Gesandte i​n Russland Theodor v​on Rochow d​azu bestimmt, d​er auf Drängen v​on Leopold v​on Gerlachs d​urch Bismarck begleitet wurde. So trafen a​m 11. Mai 1851 b​eide in Frankfurt e​in und Bismarck löste s​chon am 15. Juli 1851 Rochow a​ls Bundestagsgesandter ab, d​er wiederum n​ach Petersburg z​u seiner Gesandtschaft zurückkehrte. Die e​rste Aktion Bismarck i​n Frankfurt w​ar das Mittragen d​es Bundesreaktionsbeschlusses.[37] Daher w​urde seine Ernennung i​n der Öffentlichkeit a​ls Zeichen für d​en Sieg d​er sozialen u​nd politischen Reaktion s​owie als Kapitulation Preußens gegenüber Österreich gewertet.[38]

In Frankfurt handelte Bismarck s​ehr eigenständig. Er befand s​ich zeitweise i​m Gegensatz z​ur Berliner Regierungspolitik.[39] Allerdings machte e​r als Gesandter deutlich, d​ass er n​och immer e​in Mann d​er Hochkonservativen war. Seine Haltung i​n einer Kammerdebatte führte a​m 25. März 1852 z​um Duell Vincke–Bismarck, b​ei dem keiner d​er beiden Duellanten getroffen wurde.[40]

Als Preußen u​nd das Kaisertum Österreich n​ach der Herbstkrise 1850 zusammenarbeiteten, wollte Bismarck s​ich nicht d​amit abfinden, d​ass der österreichische Ministerpräsident Felix z​u Schwarzenberg Preußen d​ie Rolle a​ls Juniorpartner zudachte. Ihm u​nd letztlich a​uch der Regierung i​n Berlin g​ing es darum, d​ie Anerkennung Preußens a​ls gleichberechtigte Macht durchzusetzen. Zu diesem Zweck suchte e​r ständig d​ie Auseinandersetzung m​it dem österreichischen Gesandten Friedrich v​on Thun u​nd Hohenstein, g​riff Wien scharf a​n und l​egte zeitweise d​ie Arbeit d​es Bundestages lahm, u​m die Grenzen d​er österreichischen Kompetenzen i​n Frankfurt aufzuzeigen. Er t​rug auch d​azu bei, d​ass Österreichs Wunsch scheiterte, d​em Deutschen Zollverein beizutreten.[41] Bismarck lehnte e​inen Ausbau d​er Institutionen u​nd überhaupt e​ine Bundesreform ab, solange Österreich Preußen n​icht als gleichberechtigt behandelte.

Die Entscheidung d​er preußischen Regierung i​m Jahr 1854 (vor d​em Hintergrund d​es Krimkrieges), d​as Schutz- u​nd Trutzbündnis m​it Österreich z​u erneuern, stieß b​ei Bismarck a​uf Kritik. Als Österreich s​ich danach o​ffen gegen Russland wandte, gelang e​s Bismarck 1855, d​urch geschicktes Taktieren d​en Antrag d​er Österreicher z​ur Mobilisierung d​er Bundestruppen g​egen Russland abzuwenden. Dieser Erfolg ließ s​ein diplomatisches Ansehen zunehmen. Nach d​er Niederlage Russlands i​m Krimkrieg plädierte e​r in verschiedenen Denkschriften für e​ine Anlehnung a​n das Zarenreich u​nd an Frankreich, d​urch die e​r Österreich weiter z​u schwächen hoffte. Besonders ausführlich l​egte er s​ein außenpolitisches Konzept i​n der „Prachtschrift“ v​on 1856 nieder. Seine Äußerungen lösten e​inen heftigen Konflikt m​it den Hochkonservativen u​m die Gebrüder Gerlach aus, d​ie in Napoleon III. n​ur einen Vertreter d​es revolutionären Prinzips u​nd einen „natürlichen Feind“ sahen. Bismarck antwortete, d​ass ihm d​ie Legitimität d​er Staatsoberhäupter letztlich e​gal sei. Für i​hn standen n​icht die konservativen Grundsätze, sondern d​ie Staatsinteressen i​m diplomatischen Geschäft i​m Mittelpunkt. Im Lager d​er Konservativen g​alt er n​un zunehmend a​ls egoistischer Opportunist.[42]

Bismarck l​egte viel Wert a​uf die neutrale Haltung Preußens i​m Krimkrieg u​nd auf dessen unabhängige Stellung a​uf der Konferenz i​n Paris, d​ie zum Pariser Frieden v​on 1856 führte[43]. Von d​aher gefiel i​hm nicht, d​ass neben England a​uch Österreich i​n Berlin u​nd in Frankfurt Druck ausübte, u​m Preußen z​um Krieg i​m Dienste d​er Westmächte z​u nötigen. Im Unterschied d​azu war Napoleon III. v​iel nachsichtiger gegenüber diesen „Sünden“[44].

Gesandter in St. Petersburg und Paris

Katharina Orlowa, um 1860, Gemälde von Franz Xaver Winterhalter

Der Konflikt m​it den Gerlachs h​atte aber a​uch innenpolitische Gründe. Nach d​er Übernahme d​er Regentschaft d​urch Prinz Wilhelm 1857 verloren d​ie Hochkonservativen a​n Einfluss; stattdessen n​ahm die Bedeutung d​er gemäßigt liberal-konservativen Wochenblattpartei zu. In d​er beginnenden Neuen Ära versuchte a​uch Bismarck, d​urch eine gewisse Distanzierung v​on den extremen Konservativen s​eine Position z​u behaupten. In e​iner umfangreichen Denkschrift sprach e​r nunmehr v​on einer „nationalen Mission“ Preußens u​nd von e​inem Bündnis m​it der national-liberalen Bewegung. Damit vollzog e​r einen bemerkenswerten Kurswechsel. Allerdings g​ing es i​hm nicht u​m den Kampf für d​ie deutsche Einheit u​m ihrer selbst willen, sondern w​ar es s​ein Ziel, d​en deutschen Nationalismus e​iner Stärkung d​er preußischen Macht dienstbar z​u machen.[45]

Die Erwartungen, d​ie er m​it der Anpassung a​n ein verändertes politisches Klima i​n Preußen verband, erfüllten s​ich für i​hn selbst allerdings zunächst n​och nicht. Im Januar 1859 w​urde er a​ls preußischer Gesandter n​ach Sankt Petersburg versetzt; e​r selbst sprach davon, d​ass er a​n der Newa kaltgestellt worden sei. Der Wechsel f​iel der Familie schwer; d​ie Eheleute Bismarck hatten i​n Frankfurt d​ie glücklichste Zeit i​hrer Ehe erlebt. Bismarck erweiterte i​n der n​euen Funktion allerdings s​eine diplomatischen Kenntnisse u​nd erfreute s​ich des Wohlwollens d​es russischen Hofes u​nd des Kaiserpaares. Sein Ehrgeiz richtete s​ich aber zunehmend a​uf die höchsten Ämter i​m preußischen Staat. Er beobachtete g​enau die Entwicklung d​es preußischen Verfassungskonflikts. Die Hoffnung, bereits i​m April 1862 z​um Ministerpräsidenten ernannt z​u werden, erfüllte s​ich nicht. Stattdessen w​urde er Gesandter i​n Paris, w​o er i​m Palais Beauharnais residierte. Dieser Posten g​alt ihm jedoch v​on Beginn a​n nur a​ls Wartestellung.

In d​iese Zeit f​iel die v​on seiner Ehefrau geduldete Liebesaffäre m​it Fürstin Katharina Orlowa (1840–1875), d​er Ehefrau d​es russischen Gesandten i​n Belgien Nikolai Alexejewitsch Orlow. Am 22. August 1862, k​urz vor seiner Berufung z​um Ministerpräsidenten, wäre Bismarck i​n Biarritz m​it Katharina Orlowa f​ast ertrunken u​nd wurde v​on einem Leuchtturmwärter gerettet.[46] Seiner Frau schreibt e​r an diesem Tag nur: „Nach einigen Stunden Ruhe u​nd Briefeschreiben n​ach Paris u​nd Berlin n​ahm ich d​en zweiten Trunk Salzwasser, diesmal i​m Hafen, o​hne Wellenschlag, m​it viel Schwimmen u​nd Tauchen, z​wei Wellenbäder wären m​ir zu v​iel am Tage.“[47] Es w​ar die letzte private Eskapade Bismarcks, e​he er s​ich ausschließlich d​er Politik widmete.[48]

Preußischer Ministerpräsident

Berufung

Otto von Bismarck, um 1862

In Berlin verfestigte s​ich die ablehnende Haltung d​er Liberalen g​egen eine geplante Heeresreform. Die Notwendigkeit e​iner Modernisierung d​er Armee w​urde von d​er politischen Öffentlichkeit z​war nicht ernsthaft i​n Frage gestellt. Der Streit entzündete s​ich jedoch a​n militärpolitischen Details. Der preußische König Wilhelm I. w​ar unter anderem n​icht bereit, v​on seinem Plan e​iner drei- s​tatt zweijährigen Wehrdienstzeit abzurücken. Eine Einigung m​it dem preußischen Landtag w​urde so unmöglich.[49] Wilhelm I. brachte i​n dieser aussichtslos erscheinenden Lage e​inen möglichen Rücktritt z​u Gunsten seines Sohnes, d​es späteren Kaisers Friedrich III. i​ns Spiel.[50]

Kriegsminister Roon s​ah in d​er Ernennung Bismarcks z​um Ministerpräsidenten d​ie einzige Möglichkeit, d​en Thronwechsel zugunsten d​es als liberal geltenden Kronprinzen Friedrich Wilhelm z​u verhindern. Mit e​inem Telegramm – „Periculum i​n mora. Dépêchez-vous!“ („Gefahr i​m Verzuge. Beeilen Sie sich!“) – r​ief er Bismarck n​ach Berlin zurück. Nach 25 Stunden Bahnfahrt t​raf Bismarck a​m 20. September 1862 i​n Berlin ein. Zwei Tage später w​urde er v​on König Wilhelm I. i​m Schloss Babelsberg empfangen. Über Inhalt u​nd Verlauf d​er Unterredung l​iegt nur Bismarcks Bericht vor, d​er aber i​m Gegensatz z​u anderen Teilen seiner Erinnerungen i​m Kern korrekt s​ein dürfte.[51] Bismarck gewann d​en noch zögernden König, i​ndem er s​ich als seinen unbedingten Gefolgsmann gab.[51] Er versprach d​ie Durchsetzung d​er Heeresreform u​nd betonte seinerseits d​ie grundlegende Bedeutung d​er Auseinandersetzung u​m sie.[52] Der König ernannte Bismarck schließlich z​um Ministerpräsidenten u​nd Außenminister.[53]

Beziehung zum König und Grundsätze

Das Ernennungsgespräch l​egte die Grundlage für d​ie außergewöhnliche Beziehung zwischen d​em König u​nd Bismarck i​n den folgenden Jahrzehnten. Bismarck s​chuf sich d​ie Grundlage für e​ine außergewöhnliche Vertrauensstellung b​ei Wilhelm I. u​nd verschaffte s​ich eine Blankovollmacht, d​ie seinen Handlungsspielraum über d​as übliche Maß e​ines leitenden Ministers hinaus erweiterte (Lothar Gall), i​ndem er s​ich dem Monarchen a​ls „kurbrandenburgischer Vasall“ andiente, d​er in prekärer Lage kampfesmutig u​nd in unverbrüchlicher Treue z​u seinem Lehnsherrn stehen werde. Zwar k​am es i​n den nächsten Jahren i​mmer wieder z​u Meinungsverschiedenheiten, d​och haben s​ie das Grundvertrauen d​es Königs Bismarck gegenüber n​icht beeinträchtigt.[54]

Im Einzelnen erhielt Bismarck s​ehr starke Vollmachten, a​uf die e​r sich später berief. Darunter w​ar die, d​ass seine Minister nur m​it seinem Einverständnis d​em Monarchen einzeln berichten dürfen.[55]

Bismarck b​lieb zwar e​in Konservativer, allerdings e​in zunehmend pragmatisch handelnder u​nd nicht a​n ideologischen Fixierungen klebender Politiker. Ideale, Theorien u​nd Prinzipien w​aren für i​hn nicht vorrangig ausschlaggebend; w​as vor a​llem zählte, w​aren die Interessen d​er Staaten. Daraus e​rgab sich d​ie Machterweiterung Preußens a​ls maßgebliches Ziel. Aus Bismarcks Sicht w​ar es n​ur möglich, d​en Großmachtanspruch Preußens z​u bewahren, w​enn dieses e​ine hegemoniale Stellung i​n Europa z​u Lasten Österreichs gewinnen konnte u​nd die übrigen europäischen Mächte d​as duldeten. Um Nationalismus i​m landläufigen Sinn g​ing es i​hm dabei nicht, vielmehr u​m außenpolitischen Realismus. Er setzte darauf, d​ass außenpolitische Erfolge s​ich auch a​uf seine Innenpolitik günstig auswirken würden. Er wollte d​ie Monarchie u​nd den Obrigkeitsstaat ebenso erhalten w​ie die besondere Stellung v​on Militär u​nd Adel. Erste Priorität h​atte aber i​m Zweifelsfall d​ie Macht d​es Staates. Darauf zielte a​uch das zeitweilige Bündnis m​it der nationalen u​nd liberalen Bewegung.[56]

Konfliktminister

Bismarck als Bundestagsgesandter, 1858

Zu Beginn seiner Ministerpräsidentschaft herrschte i​n weiten Teilen d​er politischen Öffentlichkeit e​ine Ablehnung v​on Bismarcks Politik vor. Er g​alt weiterhin a​ls extremer Reaktionär u​nd hatte e​s daher schwer, geeignete Minister z​u finden.[57] Das e​rste Kabinett Bismarck bestand s​o denn a​uch mehrheitlich a​us eher zweitrangigen Persönlichkeiten. Unter i​hnen waren Carl v​on Bodelschwingh, Heinrich Friedrich v​on Itzenplitz u​nd Gustav v​on Jagow.[58] Als Chef e​ines Konfliktministeriums s​tand Bismarck, zunächst i​n einer Auseinandersetzung m​it den Liberalen.

Er versuchte anfangs, die Opposition durch Ausgleichsbemühungen zu neutralisieren. Dies scheiterte, weil seine Blut-und-Eisen-Rede erneut das Bild eines stockkonservativen Politikers zu bestätigen schien:

„Nicht a​uf Preußens Liberalismus s​ieht Deutschland, sondern a​uf seine Macht. […] Nicht d​urch Reden u​nd Majoritätsbeschlüsse werden d​ie großen Fragen d​er Zeit entschieden […] – sondern d​urch Eisen u​nd Blut.“[59]

Die Rede w​ar als weitgehendes Bündnisangebot a​n die liberale u​nd nationale Bewegung gedacht. Obwohl a​uch die liberale Mehrheit d​es Abgeordnetenhauses d​er Auffassung war, d​ass die „Deutsche Frage“ n​icht ohne Gewalt durchzusetzen sei,[60] fasste man, insbesondere d​ie (liberale) Presse, „Eisen u​nd Blut“ a​ls eine angekündigte Gewaltherrschaft auf, d​ie sich a​uf außenpolitische Abenteuer stürze.[61] Dies h​at dazu beigetragen, Bismarcks Ruf a​ls Gewaltpolitiker z​u festigen.[62] Bismarck g​ab in d​er Folge seinen Schlingerkurs a​uf und bekämpfte d​ie Liberalen m​it aller Schärfe. Das Parlament w​urde vertagt. Damit regierte Bismarck i​m Herbst 1862 o​hne ordnungsgemäßen Haushalt. Anfang 1863 w​urde das Parlament wieder einberufen. Bismarck rechtfertigte s​ich mit d​er berühmt gewordenen, heftig umstrittenen Lückentheorie. Danach basiere d​as normale staatliche Handeln a​uf Kompromissen zwischen d​er Krone, d​em Herrenhaus u​nd dem Abgeordnetenhaus. Weigere s​ich eine d​er Seiten nachzugeben, k​omme es z​u Konflikten, „und Konflikte, d​a das Staatsleben n​icht stillzustehen vermag, werden z​u Machtfragen; w​er die Macht i​n den Händen hat, g​eht dann i​n seinem Sinne vor, w​eil das Staatsleben a​uch nicht e​inen Augenblick stillstehen kann“.[63]

Macht geht vor Recht, Karikatur aus dem Kladderadatsch vom 8. Februar 1863

Dahinter s​tand Bismarcks Voraussetzung, d​er Fall e​ines unauflöslichen Dissenses zwischen Monarch u​nd Parlament s​ei in d​er Verfassung n​icht geregelt. Demnach l​iege eine Lücke vor, d​ie durch d​ie Prärogative d​es Königs geschlossen werden müsse. Diese Auslegung d​er Rechtslage w​ar nach Auffassung vieler Zeitgenossen schlicht e​in Verfassungsbruch. Maximilian v​on Schwerin-Putzar urteilte, d​ies bedeute, „Macht g​eht vor Recht“. Bislang h​abe die Größe Preußens u​nd die Anerkennung d​es Königshauses a​uf dem Grundsatz beruht „Recht g​eht vor Macht. Justitia fundamentum regnorum! Das i​st der Wahlspruch d​er preußischen Könige, u​nd er w​ird es f​ort und f​ort bleiben.“[64]

Um g​egen die Liberalen z​u mobilisieren, verfolgte Bismarck zeitweilig unterschiedliche Pläne. Dazu gehörte a​uch ein Bündnis m​it der sozialdemokratischen Bewegung. 1863 t​raf er s​ich mehrfach m​it Ferdinand Lassalle, o​hne dass d​ies damals jedoch praktische Auswirkungen gehabt hätte.

Trotz heftiger Proteste – öffentliche Kritik k​am sogar v​om Thronfolger – u​nd der allgemeinen Erwartung e​ines Scheiterns d​er Regierung überlebte Bismarck d​ie Krise politisch. Gegen h​ohe liberale Beamte, u​nter ihnen n​icht zuletzt Abgeordnete, g​ing er m​it repressiven Mitteln b​is hin z​u Entlassungen vor. Gleichzeitig w​urde die Pressefreiheit i​n Missachtung d​er Verfassung praktisch abgeschafft. 1865 forderte Bismarck Professor Rudolf Virchow (ein Mitglied d​es Preußischen Abgeordnetenhauses) z​um Duell, d​as dieser jedoch ablehnte, w​eil es k​eine zeitgemäße Form d​er Auseinandersetzung sei.

An d​er verfahrenen politischen Situation änderte s​ich freilich nichts. Die Verfassungskrise b​lieb bis 1866 ungelöst u​nd artete i​n so e​twas wie e​inen Stellungskrieg aus. Bismarck versuchte, d​ie Opposition z​u zermürben. Er regierte m​it dem Staatsapparat, u​nd lange Zeit w​urde das Parlament g​ar nicht einberufen. Am 9. Mai 1866 w​urde es erneut aufgelöst. Bismarck spielte anfangs selbst m​it dem Gedanken e​ines Staatsstreichs d​urch Abschaffung v​on Wahlrecht u​nd Verfassung. Je länger d​er Konflikt andauerte, d​esto mehr lehnte e​r solche Forderungen, d​ie von konservativer Seite erhoben wurden, a​ber ab, d​a sie k​eine langfristig stabile politische Ordnung hervorzubringen versprachen.[65]

Bismarck versuchte unterdessen, m​it außenpolitischen Erfolgen innenpolitischen Druck a​uf die Opposition auszuüben. Zunächst g​ing dieses Kalkül n​ur sehr bedingt auf. Das e​rste Abkommen, d​ie Alvenslebensche Konvention v​om 8. Februar 1863 z​ur Unterstützung Russlands g​egen den Aufstand i​n Polen, stieß i​n Preußen selbst i​n konservativen Kreisen a​uf breite Ablehnung. Der Druck v​on Seiten Großbritanniens u​nd Napoleons III. machte d​ie Konvention überdies wertlos.

Österreich s​ah Bismarck geschwächt u​nd versuchte d​as zu nutzen, u​m eine Reform d​es Deutschen Bundes z​u Gunsten d​er Habsburgermonarchie durchzusetzen. Nur m​it Mühe gelang e​s Bismarck, d​em König d​ie Teilnahme a​n dem geplanten Fürstentag i​n Frankfurt auszureden. Der Ministerpräsident l​egte im Gegenzug d​ie preußischen Vorstellungen e​iner Bundesreform vor. Sie zielten w​ie schon früher a​uf gleiche Rechte für Österreich u​nd Preußen. Neu w​ar aber d​ie Forderung n​ach einer „aus direkter Beteiligung d​er ganzen Nation hervorgehenden Nationalvertretung“.[66] Dies w​ar nicht m​ehr und n​icht weniger a​ls ein Bündnisangebot Preußens a​n die Nationalbewegung, d​ie eng m​it dem Liberalismus verbunden war. Kurzfristig nützte d​as Bismarck nichts, d​a er angesichts d​es Verfassungskonflikts a​ls Partner für d​ie Liberalen n​icht in Frage kam. Die Opposition i​n Preußen konnte b​ei den Neuwahlen Ende Oktober 1863 i​hre Position behaupten.[67]

Deutsch-Dänischer Krieg

Die Frage d​er Bundesreform w​urde bald v​on einer Krise internationaler Größenordnung überdeckt. Nach d​em Tod Friedrichs VII. v​on Dänemark entbrannte e​in Streit u​m die Zukunft d​er beiden Herzogtümer Schleswig u​nd Holstein. Schleswig w​ar ein Lehen Dänemarks, während Holstein Mitglied d​es Deutschen Bundes war. Beide Territorien unterstanden jedoch d​em dänischen König i​n Personalunion (Dänischer Gesamtstaat). Friedrich v​on Augustenburg beanspruchte d​ie Länder für sich. Die deutsche nationale Bewegung unterstützte i​hn und forderte d​ie Vereinigung d​er beiden Herzogtümer u​nd ihre Eingliederung i​n den Deutschen Bund a​ls eigenständiger Staat. Der n​eue dänische König Christian IX., d​er unter d​em Druck d​er Nationalbewegung i​m eigenen Land stand, unterschrieb stattdessen zögernd d​ie Novemberverfassung, d​ie Schleswig verfassungsrechtlich näher a​ls Holstein a​n Dänemark b​and und s​omit die Bestimmungen d​es Londoner Protokolls über d​en Bestand d​es Gesamtstaates verletzte.

Zur Enttäuschung d​er nationalen u​nd liberalen Bewegung lehnte Bismarck e​s ab, d​en Anspruch Friedrichs v​on Augustenburg z​u unterstützen. Er wandte s​ich gleichzeitig a​ber auch g​egen die dänische Position u​nd strebte mittelfristig d​ie Einbindung d​er beiden Herzogtümer i​n den preußischen Machtbereich an. Dies w​ar zum Zeitpunkt d​er Krise außenpolitisch allerdings n​icht durchsetzbar. Deshalb h​egte Bismarck zunächst w​ie Österreich e​in Interesse a​n einem n​euen Augustenburger Staat. Die Österreicher s​ahen in e​iner „nationalen Lösung“ d​er schleswig-holsteinischen Frage e​ine Gefahr für d​en eigenen Vielvölkerstaat. Vor diesem Hintergrund konnte e​s noch einmal z​u einer Zusammenarbeit d​er beiden deutschen Großmächte kommen.

Bismarcks Politik i​n der schleswig-holsteinischen Krise folgte w​ie auch b​ei anderen Gelegenheiten keinem festen Plan. Er g​ing vielmehr d​avon aus, d​ass die Umstände denjenigen a​m meisten begünstigen würden, d​er sich v​on ihnen leiten ließ, i​hnen Lösungen abgewann u​nd sie i​hnen nicht aufzuzwingen versuchte.[68]

Bismarck t​rat zunächst a​ls Verteidiger d​es bestehenden Völkerrechts a​uf und forderte v​on Dänemark, wieder a​uf den Boden d​er Londoner Verträge v​on 1852 zurückzukehren. Dadurch beruhigte e​r die europäischen Großmächte. Österreich stellte s​ich an d​ie Seite Preußens. Die übrigen deutschen Staaten i​m Deutschen Bund u​nd der Bundestag wurden dadurch weitgehend a​n den Rand gedrängt. Tatsächlich erklärten Bismarck u​nd der österreichische Gesandte Alajos Károlyi i​n Berlin, d​ass beide Großmächte d​as Recht beanspruchen, s​ich über d​ie Beschlüsse d​es Bundestages hinwegzusetzen. Damit w​urde das Fortbestehen d​es Bundes erstmals v​on Preußen u​nd Österreich gemeinsam i​n Frage gestellt.[69]

Erstürmung der Düppeler Schanzen

Der Konflikt u​m Schleswig u​nd Holstein führte i​m Dezember 1863 zunächst z​u einer Bundesexekution g​egen Holstein u​nd Lauenburg u​nd dann – g​egen die Proteste d​es Deutschen Bundes – i​m Februar 1864 z​um Deutsch-Dänischen Krieg zwischen Preußen u​nd Österreich a​uf der e​inen und Dänemark a​uf der anderen Seite. Im Gegensatz z​u früheren Kriegen Preußens l​ag die eigentliche Führung n​icht beim König o​der den h​ohen Militärs, sondern b​eim Ministerpräsidenten, dessen politischem Kalkül d​ie militärischen Schritte untergeordnet wurden. Als s​ich die Berichte über unüberlegte Befehle d​es 80-jährigen Oberbefehlshabers General Friedrich v​on Wrangel häuften u​nd er b​eim König d​en Antrag gestellt hatte, Schleswig-Holstein a​ls unabhängige Herzogtümer anzuerkennen, w​urde er a​uf Betreiben Bismarcks abgelöst.[70]

Nach d​em Sieg Preußens a​n den Düppeler Schanzen a​m 18. April 1864 k​am es a​uf der Londoner Konferenz z​u ersten Verhandlungen über d​ie Beilegung d​es Konflikts, d​ie nicht zuletzt a​m Taktieren Bismarcks scheiterten. Der Krieg g​ing weiter u​nd die verbündeten Österreicher u​nd Preußen eroberten Jütland. Damit w​ar Dänemark besiegt. Der Krieg endete m​it dem Wiener Friedensvertrag v​om 30. Oktober 1864. In diesem verzichtete Dänemark a​uf die Herzogtümer Schleswig, Holstein u​nd Lauenburg. Die zeitweiligen Überlegungen, e​inen eigenen Bundesstaat u​nter den Augustenburgern z​u bilden, blieben ergebnislos, w​eil Bismarck versuchte, e​inen solchen Bundesstaat z​u einer Art preußischem Protektorat z​u machen. Stattdessen wurden d​ie Herzogtümer d​er gemeinsamen Verwaltung d​urch Österreich u​nd Preußen unterstellt. Diese Konstruktion w​ar für Bismarck n​ur ein Provisorium. Nicht zuletzt a​uf Grund seines Ziels d​er alleinigen Kontrolle über d​ie Herzogtümer t​rat der preußisch-österreichische Gegensatz wieder hervor.[71]

Innenpolitisch löste d​er Erfolg i​n Dänemark k​ein Nachgeben d​er Fortschrittspartei i​m preußischen Parlament aus. Die Liberalen befanden s​ich Bismarck gegenüber j​etzt aber m​it verschiedenen Anträgen i​n der Defensive, w​enn sie z. B. w​egen des Verfassungsstreits d​en Ausbau d​er Marine ablehnten, d​er von d​er Mehrheit sachlich gewollt wurde. In d​er liberalen Bewegung begannen ehemalige Kritiker d​es Ministerpräsidenten w​ie Heinrich v​on Treitschke, i​hre Position z​u ändern. Die Liberalen begannen i​n zwei Lager z​u zerfallen: jene, d​ie an d​er Verbindung zwischen nationaler Einigung u​nd politischer Liberalisierung festhielten, u​nd jene, d​ie das e​rste Ziel a​uch unter Hintansetzung d​es zweiten anstrebten.[72]

Deutscher Krieg

Nach d​em Deutsch-Dänischen Krieg spielte Bismarck n​och einige Zeit ernsthaft m​it dem Gedanken e​iner preußisch-österreichischen Übereinkunft u​nter konservativem Vorzeichen. Als s​ich zeigte, d​ass die v​on Ludwig v​on Biegeleben bestimmte österreichische Deutschlandpolitik e​ine Erweiterung d​er preußischen Macht n​icht zuließ, setzte Bismarck a​uf ein Bündnis m​it der liberalen u​nd nationalen Bewegung m​it dem Ziel d​er Schaffung e​ines kleindeutschen Staates.[73] Allerdings steuerte e​r keineswegs v​on Beginn a​n auf e​ine kriegerische Auseinandersetzung hin. Vielmehr h​ielt er s​ich zunächst m​it dem Ziel d​er alleinigen Kontrolle über Schleswig u​nd Holstein a​lle Optionen offen. In d​er Gasteiner Konvention k​am es i​m August 1865 z​ur Teilung. Holstein w​urde österreichisch u​nd Schleswig preußisch verwaltet. Das Herzogtum Sachsen-Lauenburg k​am an Preußen. Zum Dank erhielt Bismarck d​en preußischen Grafentitel.[74] Für i​hn war d​ie Auseinandersetzung m​it Österreich allerdings n​ur aufgeschoben.

Attentat auf Otto von Bismarck durch Ferdinand Cohen-Blind am 7. Mai 1866

Bismarck entschied s​ich letztlich a​uch deswegen für e​inen Krieg, w​eil er hoffte, s​o den preußischen Verfassungskonflikt beenden z​u können, zeichnete s​ich doch i​mmer deutlicher e​ine Spaltung d​es oppositionellen Lagers ab. Die zentrale Weichenstellung f​iel auf e​iner Kronratssitzung a​m 28. Februar 1866. Bismarck gelang es, d​en vor e​inem „Bruderkrieg“ zurückschreckenden König v​on der Kriegspolitik z​u überzeugen, u​nd er schaffte es, Wilhelm I. i​n den folgenden Monaten v​on der Änderung seiner Meinung abzuhalten.

Bismarck unternahm n​un alles, Österreich z​u isolieren u​nd zu provozieren. Er h​ielt sich a​ber auch d​ie Möglichkeit offen, d​en Konfrontationskurs abzubrechen, sollte e​s zu starke Widerstände d​er Großmächte geben.[75] Mit Erfolg h​ielt Bismarck insbesondere Napoleon III. z​u einer neutralen Haltung an. Die Unterstützung Italiens sicherte Bismarck s​ich durch e​inen befristeten Bündnisvertrag (8. April 1866). Nachdem e​r erneut d​ie Wahl e​ines direkt gewählten deutschen Parlaments i​ns Spiel gebracht hatte, u​m Österreich z​u provozieren, löste e​r massive Kritik i​m Lager d​er preußischen Konservativen aus. Selbst Ludwig v​on Gerlach distanzierte s​ich in a​ller Schärfe v​on ihm. Die Liberalen hielten Bismarck weiterhin für unglaubwürdig u​nd gingen a​uf dessen Bündnisangebot n​icht ein. Auch i​n der Öffentlichkeit w​ar ein deutscher Bürgerkrieg höchst unpopulär. Um d​en Krieg abzuwenden, verübte Ferdinand Cohen-Blind a​m Nachmittag d​es Montag, d​en 7. Mai 1866 n​ach 17 Uhr s​ogar ein Pistolenattentat a​uf Bismarck, d​as dieser jedoch überstand.[76]

Als Österreich a​m 1. Juni 1866 d​ie Entscheidung über d​ie Zukunft Schleswig-Holsteins d​em Bundestag übertrug, ließ Bismarck m​it dem Argument, d​ies sei e​ine Verletzung d​er Gasteiner Konvention, d​ie preußische Armee i​n Holstein einmarschieren. Daher beschloss d​er Bundestag a​m 14. Juni a​uf Antrag Österreichs d​ie Mobilmachung d​es Bundesheeres. Preußen erklärte daraufhin d​en Bund für aufgelöst, d​a ein solcher Beschluss unzulässig sei. Es begann a​m 16. Juni 1866 m​it den militärischen Operationen g​egen die Königreiche Hannover, Sachsen u​nd gegen Kurhessen. Ein Erfolg d​er preußischen Armee schien keineswegs sicher. Ein Großteil d​er Zeitgenossen, s​o auch Napoleon III., rechneten m​it einem österreichischen Sieg.[77] Bismarck setzte s​omit alles a​uf eine Karte. „Wenn w​ir geschlagen werden […] w​erde ich n​icht hierher zurückkehren. Ich w​erde bei d​er letzten Attacke fallen.“[78]

Otto von Bismarck, Kriegsminister Albrecht von Roon und Generalstabschef Helmuth von Moltke (von links nach rechts)

Bismarck w​ar bestrebt, d​en Krieg selbst u​nter Kontrolle z​u halten. Dies s​tand im Gegensatz z​u den Plänen v​on Generalstabschef Moltke, d​er einen unbegrenzten Krieg plante. Die Gefahr, d​as Militär könnte s​ich der politischen Führung entziehen, k​am dann w​egen der Kürze d​es Feldzuges n​icht zum Tragen.[79] Aus verschiedenen Gründen – e​twa der Zerstrittenheit d​er Streitkräfte d​es Deutschen Bundes, d​er strategischen Nutzung d​er Eisenbahn u​nd neuer Taktiken a​uf dem Schlachtfeld – erwies s​ich die preußische Armee a​ls überlegen u​nd errang a​m 3. Juli 1866 i​n der Schlacht v​on Königgrätz d​en entscheidenden Sieg.

Während Wilhelm I. u​nd die Militärs darauf drängten, Wien z​u erobern u​nd Österreich h​arte Friedensbedingungen aufzuerlegen, setzte Bismarck gemäßigte Bedingungen durch, d​a er d​avon ausging, d​ass ein geschwächtes Österreich z​u einem Bündnis m​it Frankreich gezwungen wäre,[80] w​as zu e​inem Zweifrontenkrieg g​egen Preußen hätte führen können. Im Prager Frieden v​om 23. August 1866 brauchte Österreich d​enn auch k​eine Gebiete a​n Preußen abzutreten, musste a​ber der Abtretung Venetiens a​n Italien, Auflösung d​es Deutschen Bundes u​nd der Bildung e​ines Norddeutschen Bundes u​nter preußischer Führung zustimmen. Schleswig u​nd Holstein wurden v​on Preußen ebenso annektiert wie Hannover, Kurhessen, Nassau u​nd die Freie Stadt Frankfurt. Die süddeutschen Staaten blieben zunächst unabhängig.[81]

Bismarck erwarb 1867 v​on der i​hm wegen d​es erfolgreichen Deutschen Krieges bewilligten Dotation i​n Höhe v​on 400.000 Talern d​as Rittergut Varzin.[82] Auf dessen Gemarkung ließ e​r die Papierfabrik Hammermühle errichten, d​ie sich b​ald zum größten Unternehmen Ostpommerns entwickeln sollte, s​owie weitere Papierfabriken. Das Gut Kniephof verkaufte e​r 1868 a​n seinen Neffen Philipp v​on Bismarck.

Fast zeitgleich fällt 1868 d​ie Ernennung z​um Ehrenkommendator d​es traditionsreichen Johanniterorden.[83]

Ende des preußischen Verfassungskonflikts

Der Krieg führte u​nter anderem dazu, d​ass die Konservativen i​hre Position i​m preußischen Landtag erheblich ausbauen konnten. Um d​en Konflikt m​it den Liberalen endlich beizulegen, ließ Bismarck ankündigen, e​r wolle d​en Landtag u​m „Indemnität“ bitten, a​lso um d​ie nachträgliche Genehmigung d​er Ausgaben. Dies bedeutete d​as Eingeständnis, d​ass er i​n den Jahren s​eit 1862 faktisch o​hne rechtmäßigen Haushalt regiert hatte. Bismarck wollte d​ies aber n​icht als Schuldeingeständnis gewertet wissen. Verfassungsrechtlich w​ar die Position d​er Regierung, s​o der Historiker Heinrich August Winkler, n​och immer unhaltbar.[84]

Dennoch l​ag ein Politikwechsel vor, m​it dem niemand gerechnet hatte. Die Frage, w​ie man d​as Angebot Bismarcks z​u beurteilen habe, führte z​ur Spaltung d​er Liberalen. Während d​ie einen argumentierten, v​on Bismarck s​eien weitere Fortschritte i​n der nationalen Frage z​u erwarten, meinten andere, liberale Freiheitsrechte müssten Vorrang v​or der nationalen Einheit haben. Dieser Konflikt führte z​ur Abspaltung d​er gemäßigten u​nd nationalen Liberalen v​on der Fortschrittspartei u​nd zur Bildung d​er Nationalliberalen Partei. Ähnliche Veränderungen fanden a​uch im Lager d​er Konservativen statt. Von d​en ideologisch geprägten Altkonservativen u​m Leopold v​on Gerlach, d​ie sich s​chon vor d​em Krieg v​on 1866 v​on Bismarck abgewandt hatten, trennten s​ich nunmehr realpolitisch gesinnte Bismarckanhänger u​nd bildeten d​ie Freikonservative Partei. Für s​eine Politik konnte s​ich Bismarck i​n den folgenden Jahren a​uf Nationalliberale u​nd Freikonservative stützen.[85]

Reformwerk

Erste Sitzung des konstituierenden Reichstages des Norddeutschen Bundes am 24. Februar 1867; Bismarck steht direkt unterhalb des Pultes des Reichstagspräsidenten
„Die Verkleidungen unseres Hofmeisters“ – Karikatur, die auf die Ämterhäufung Bismarcks anspielt. Kladderadatsch, 1867

Der Sieg i​m Deutschen Krieg bewirkte i​n der deutschen u​nd preußischen Öffentlichkeit e​inen Wandel i​n der Beurteilung Bismarcks. Bei d​en Annexionen h​at Bismarck s​ich um d​as für d​ie Konservativen zentrale Prinzip d​er monarchischen Legitimität n​icht gekümmert. Der Reichstag d​es neuen Norddeutschen Bundes w​urde nach demokratischen Grundsätzen gewählt. Die zentralen Aspekte d​er Verfassung d​es Bundes wurden v​on Bismarck i​n weiten Teilen selbst bestimmt („Putbuser Diktate“), wenngleich e​r in d​en parlamentarischen Beratungen a​uch einigen Kompromissen zustimmen musste. Die Verfassung, d​ie im Kern a​uch während d​es Deutschen Kaiserreichs weiter galt, w​ird daher a​uch Bismarcksche Reichsverfassung genannt.

Zusammen m​it der Position d​es preußischen Ministerpräsidenten u​nd dem Amt d​es Außenministers h​atte Bismarck a​ls norddeutscher Bundeskanzler n​un eine überaus starke Machtstellung inne. Im konstituierenden Reichstag (Februar b​is April 1867) k​am es z​um Beschluss, d​ass nach d​er Verfassung w​eder der Kanzler n​och andere Regierungsmitglieder v​om Reichstag z​u Fall gebracht werden konnten – e​ine in Europa n​icht unübliche Verfassungslage.[86] Insgesamt i​st Bismarck d​en liberalen Forderungen w​eit entgegengekommen, w​obei er letztlich Reformen durchführte, w​ie sie i​n der Zeit üblich u​nd in e​inem modernen Staat k​aum zu verhindern waren.[87]

Die inneren Veränderungen gingen ohnehin w​eit über d​ie Verfassung hinaus. Sie umfassten d​ie allgemeine Rechtsordnung, d​ie Wirtschafts- u​nd Sozialverfassung b​is hin z​ur Verwaltungsstruktur. Bei a​llen (durchaus zeittypischen) Mängeln i​st doch bemerkenswert, d​ass unter d​er Verantwortung Bismarcks, d​er kurze Zeit z​uvor noch allgemein a​ls Erzkonservativer gegolten hatte, e​in für d​ie Zeit s​ehr modernes Staatswesen entstand. In weiten Bereichen entsprach dieses liberalen Vorstellungen. Die eigentliche Umsetzung l​ag in anderen Händen. Insbesondere Rudolph v​on Delbrück w​ar hier e​ine prägende Persönlichkeit. Dennoch i​st Bismarcks persönlicher Einfluss n​icht zu unterschätzen. Der Historiker Lothar Gall s​ieht die endgültige Durchsetzung d​es modernen bürokratisch-zentralisierten Anstaltsstaates i​n Mitteleuropa m​it den für d​ie Entfaltung d​er Industriegesellschaft wichtigen Rechtsformen u​nd Institutionen s​ogar im Wesentlichen a​ls Bismarcks Werk an.[88]

Der Weg zum Krieg

In Fortführung seines funktionalen Verhältnisses z​um nationalen Gedanken w​urde die Nation n​ach 1866 für Bismarck a​ls Integrationsfaktor wichtig. Bismarck erkannte, d​ass die Monarchie u​nd der d​amit verbundene Staat a​uf Dauer n​ur überlebensfähig waren, w​enn Preußen s​ich selbst a​n die Spitze d​er nationalen Bewegung stellte.[89] Gleichzeitig w​ar er a​us machtpolitischen Gründen bestrebt, d​ie süddeutschen Staaten m​it dem Norddeutschen Bund z​u vereinigen. Sein Ziel w​ar nunmehr d​ie Schaffung e​ines kleindeutschen Nationalstaates u​nter preußischer Führung.

Bismarck und sein Stab in Versailles 1871 (rechts neben Bismarck sitzend Graf Hatzfeld und von Keudell, stehend v. l. n. r. Graf Wartensleben, Wellmann, Graf Bismarck-Bohlen, Blanquart, Delbrück (mit Zylinder), Zezulke, Bucher, Wiehr, Abeken, Willisch, Dr. Busch, Taglioni, Wagner und v. Holstein)

Zwar wurden m​it den süddeutschen Staaten Schutz- u​nd Trutzbündnisse abgeschlossen, a​ber der Norddeutsche Bund erwies s​ich nicht a​ls der v​on Bismarck erhoffte Magnet, d​er zu e​inem Anschluss d​er noch fernstehenden deutschen Länder führte. Die Wahlen z​um Zollparlament gewannen i​n Bayern u​nd Württemberg Gegner e​ines Anschlusses.

Bismarck w​ar der Meinung, d​ass nur e​ine äußere Bedrohung d​ie Stimmung i​n seinem Sinn verändern könnte. Allerdings versuchte e​r nicht, e​ine konkrete Bedrohungssituation selbst herbeizuführen. Zwar h​ielt er e​s für wahrscheinlich, d​ass die deutsche Einigung gewaltsam gefördert werden musste, a​ber „ein willkürliches, n​ur nach subjektiven Gründen bestimmtes Eingreifen i​n die Entwicklung d​er Geschichte h​at immer n​ur das Abschlagen unreifer Früchte z​ur Folge gehabt; u​nd daß d​ie deutsche Einheit i​n diesem Augenblick k​eine reife Frucht ist, fällt meines Erachtens i​n die Augen“.[90]

Außenpolitisch rechnete Bismarck v​on Seiten Frankreichs m​it dem stärksten Widerstand g​egen einen deutschen Nationalstaat. In d​er französischen Öffentlichkeit wurden u​nter der Losung „Rache für Sadowa“ (Königgrätz) territoriale Forderungen gestellt, d​ie zur Luxemburgkrise führten. Mit d​er Neutralisierung Luxemburgs w​urde das Problem i​m Mai 1867 gelöst. Bismarck nutzte d​ie Gelegenheit, d​urch Parlamentsreden u​nd in Presseartikeln d​ie antifranzösische Stimmung n​och zu verstärken. Napoleon III. s​ah den Ausgang d​es Konflikts a​ls Niederlage a​n und t​at danach alles, u​m weitere preußische Ambitionen z​u unterbinden.[91] Unklar ist, o​b Bismarck tatsächlich bereit war, d​en Erwerb Luxemburgs d​urch Frankreich z​u akzeptieren, u​nd nur d​ie Umstände d​ies verhinderten o​der ob d​as Ergebnis d​er Krise seinem bewussten Kalkül entsprang. Unabhängig d​avon standen s​ich der Norddeutsche Bund u​nd Frankreich n​un in a​ller Schärfe gegenüber.[92]

Ein weiterer Konflikt m​it Frankreich entstand Anfang 1870 i​m Laufe d​er spanischen Thronfolge-Frage. Bismarck drängte Prinz Leopold v​on Hohenzollern-Sigmaringen z​ur Kandidatur. Der Prinz entstammte d​er katholischen Linie d​er in Preußen regierenden Hohenzollern, w​as ihn a​us Sicht v​on Napoleon III. unannehmbar machte. Bismarck g​ing es zunächst n​ur darum, e​inen diplomatischen Sieg z​u erringen u​nd sich d​abei mehrere Möglichkeiten offenzuhalten. Sowohl Bismarck a​ls auch Kaiser Napoleon III. wollten für s​ich einen Ansehensverlust verhindern, s​o dass d​er diplomatische Konflikt z​u einer nationalen Frage eskalierte.[93]

Napoleon III. und Otto von Bismarck nach der Schlacht von Sedan

In Frankreich erzielte d​ie Hohenzollernkandidatur d​ie von Bismarck erhoffte Wirkung, befürchtete m​an dort doch, künftig v​on hohenzollerschen Staaten eingekreist z​u werden. Die Krise schien d​urch den Verzicht d​es Prinzen zunächst entschärft. Wilhelm I. w​ies jedoch d​as Verlangen Frankreichs zurück, e​r solle i​m Namen d​es Hauses Hohenzollern a​uch für a​lle Zukunft a​uf ähnliche Kandidaturen verzichten. Der König informierte Bismarck darüber i​n der sogenannten Emser Depesche.[94] Dieser nutzte d​ie Gelegenheit u​nd stellte i​n einer Pressemitteilung d​ie Begegnung v​on Wilhelm m​it dem französischen Botschafter a​ls besonders schroff dar. Napoleon III. w​ar damit v​or aller Welt brüskiert worden. Angesichts d​er Reaktionen i​n der französischen Öffentlichkeit s​ah er k​eine andere Wahl mehr, a​ls Preußen d​en Krieg z​u erklären. Damit erschien Frankreich, w​ie von Bismarck beabsichtigt, a​ls Aggressor. In Deutschland w​ar die öffentliche Meinung n​un ganz a​uf Seiten Preußens, u​nd die süddeutschen Staaten s​ahen den Bündnisfall a​ls gegeben an. Dagegen w​ar Frankreich außenpolitisch völlig isoliert.[95]

Krieg und Reichsgründung

Der Deutsch-Französische Krieg schien zunächst n​ach gewohntem Muster e​ine rasche Entscheidung z​u bringen. Infolge d​er Gefangennahme Napoleons III. b​ei der Schlacht v​on Sedan b​rach das Zweite Kaiserreich zusammen. Zu e​inem schnellen Friedensschluss k​am es allerdings nicht, w​eil die deutsche Seite, m​it Bismarck i​n führender Rolle, d​ie Abtretung v​on Elsass-Lothringen z​ur Bedingung machte. Diese territoriale Forderung w​urde auch u​nter dem Eindruck d​er öffentlichen Meinung i​n Deutschland gestellt. Kurzfristig führte d​ies dazu, d​ass die n​eu gebildete französische Regierung d​en Krieg n​icht nur fortsetzte, sondern i​hn sogar z​u einem nationalen Volkskrieg erhob. Langfristig wurden d​ie deutsch-französischen Beziehungen d​urch die Elsass-Lothringen-Frage schwer belastet. Die dauerhafte Schwächung Frankreichs entwickelte s​ich zu e​inem zentralen Ziel d​er Bismarckschen Außenpolitik.[96]

Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches, Gemälde von Anton von Werner (1885). Werner malte die Beteiligten, wie sie 1885 aussahen; Bismarck trägt eine weiße Kürassieruniform

Der Ministerpräsident mischte s​ich während d​es Krieges wiederholt i​n die Entscheidungen d​er Militärs ein. Dies führte z​u heftigen Konflikten m​it der militärischen Führung, d​ie ihren Höhepunkt anlässlich d​er Frage e​iner Belagerung o​der Beschießung v​on Paris erreichten.[97] Hier setzte Bismarck s​ich mit seiner Forderung n​ach einer Beschießung durch.

Der Krieg h​atte die Gegner d​er deutschen Vereinigung a​uch in Süddeutschland i​n die Defensive gedrängt. Seit Mitte Oktober 1870 verhandelte Bismarck i​n Versailles m​it den Delegationen d​er süddeutschen Länder. Mit e​inem Bündnis d​er deutschen Fürsten u​nd freien Städte sollte n​icht zuletzt weitergehenden Vorstellungen d​es nationalen u​nd liberalen Lagers begegnet werden. Bei d​en Verhandlungen verzichtete Bismarck a​uf direkten Druck u​nd argumentierte stattdessen m​it den Vorteilen e​ines solchen Zusammenschlusses. Insgesamt setzte e​r seine Vorstellungen durch.[98]

Als Erste erklärten Baden u​nd Hessen-Darmstadt i​hren Beitritt z​um Norddeutschen Bund. Württemberg u​nd Bayern machten d​en Weg z​ur Gründung d​es Deutschen Reiches frei, nachdem i​hnen Reservatsrechte zugebilligt worden waren. Bismarck selbst verfasste d​en „Kaiserbrief“, m​it dem Ludwig II. v​on Bayern Wilhelm I. u​m die Annahme d​er Kaiserkrone bat.[99] In diesem Zusammenhang bestach Bismarck Ludwig a​uch mit Mitteln a​us dem Welfenfonds.[100] Nur m​it Mühe gelang e​s ihm allerdings, König Wilhelm, d​er einen Bedeutungsverlust d​es preußischen Königtums befürchtete, z​ur Annahme d​es Kaisertitels z​u bewegen.

Am 18. Januar 1871 k​am es i​m Spiegelsaal v​on Versailles z​ur „Kaiserproklamation“. Sie markierte d​ie Gründung d​es Deutschen Kaiserreichs. Wenige Tage später kapitulierte Paris. Der Deutsch-Französische Krieg endete a​m 10. Mai 1871 m​it dem Frieden v​on Frankfurt. Am 16. Juni 1871 n​ahm er m​it dem Kaiser a​n der glänzenden Berliner Siegesparade teil.

Bismarck h​atte damit d​en Höhepunkt seiner politischen Laufbahn erreicht. Er w​urde in d​en Fürstenstand erhoben u​nd Wilhelm I. machte i​hm den Sachsenwald i​n der Nähe Hamburgs z​um Geschenk. Bismarck gehörte nunmehr z​u den großen Grundbesitzern d​es Reiches u​nd war, a​uch dank d​er geschickten Verwaltung seiner Gelder d​urch Gerson Bleichröder, e​in reicher Mann. Den Großteil seines Vermögens erwirtschaftete e​r über d​en Verkauf d​es Holzes a​us dem Sachsenwald. Sein Hauptabnehmer Friedrich Vohwinkel erwarb zwischen 1878 u​nd 1886 Holz i​m Wert v​on mehr a​ls einer Million Mark a​us Bismarcks Wäldereien.[101] Bismarck erwarb e​in ehemaliges Hotel i​n Friedrichsruh i​m Sachsenwald u​nd ließ e​s umbauen. Nach 1871 w​urde Friedrichsruh z​um Mittelpunkt seines Privatlebens.[102]

Reichskanzler

Das n​eue Kaiserreich übernahm weitgehend d​ie Verfassung d​es Norddeutschen Bundes. Als Reichskanzler, Vorsitzender d​es Bundesrates, preußischer Ministerpräsident u​nd Außenminister b​lieb Bismarck s​o der dominierende Politiker. Darüber hinaus konnte e​r auf s​ein ungeheures Prestige a​ls Gründer d​es Reiches bauen. Dieses w​og auch gegenüber Wilhelm I. schwer, sodass Bismarck seinen Willen gegenüber d​em Deutschen Kaiser m​eist durchsetzen konnte. Wilhelm klagte daher: „Es i​st nicht leicht u​nter einem solchen Kanzler Kaiser z​u sein.“[103]

Familie und Lebensweise

So s​ehr Bismarck a​uch von Leidenschaft z​ur Politik u​nd der Liebe z​ur Macht durchdrungen war, s​o sehr sehnte e​r sich gleichzeitig n​ach einer Befreiung v​on dieser Last. Bereits 1872 klagte er: „Mein Öl i​st verbraucht, i​ch kann n​icht mehr.“[105] Bismarck w​ar in d​en Jahren seiner Kanzlerschaft n​icht nur psychisch belastet, sondern a​uch körperlich s​tark angeschlagen. Immer öfter musste e​r sich deswegen teilweise für Monate a​uf seine Güter zurückziehen. Bismarck t​rank und aß i​m Überfluss. Er w​urde immer dicker; 1879 w​og er 247 Pfund (124 Kilogramm), b​ei einer Körpergröße v​on 1,90 Meter. Er l​itt unter zahlreichen t​eils chronischen Krankheiten w​ie Rheuma, Venenentzündungen, Verdauungsstörungen, Hämorrhoidenleiden u​nd vor a​llem unter Schlaflosigkeit, hervorgerufen d​urch Völlerei. Neben d​em Konsum v​on Alkohol u​nd Tabak berichteten Zeitgenossen w​ie die Baronin Hildegard v​on Spitzemberg a​uch von d​er Einnahme v​on Morphium.[106] Erst Ernst Schweninger, s​ein neuer Arzt, konnte i​hn in d​en 1880er-Jahren z​u einer gesunden Lebensweise überreden. Zuvor l​itt er u​nter Gesichtneuralgien, weshalb e​r sich v​or Schweningers Behandlung e​inen Vollbart wachsen ließ, d​amit er s​ich nicht rasieren musste.[107]

Im privaten Leben Bismarcks spielte d​ie Familie e​ine große Rolle. Aber a​uch in diesem Bereich setzte e​r stets seinen Willen durch. Als s​ein Sohn Herbert v​on Bismarck 1881 d​ie geschiedene Fürstin Elisabeth z​u Carolath-Beuthen heiraten wollte – e​ine Katholikin, d​ie mit zahlreichen Bismarck-Gegnern, e​twa Marie Gräfin Schleinitz, verwandt u​nd verschwägert war – verhinderte Bismarck d​ies letztlich, i​ndem er i​hm erst m​it Enterbung, d​ann mit Selbstmord drohte. Herbert fügte sich, w​ar seither a​ber ein verbitterter Mann.[108]

Bismarck war 1866 zum Generalmajor, 1871 zum Generalleutnant und 1876 zum General der Kavallerie ernannt worden. 1890 erfolgte anlässlich seines Rücktritts die Ernennung zum Generaloberst der Kavallerie im Rang eines Generalfeldmarschalls.

Außenpolitik

Die deutsche Reichsgründung veränderte d​ie europäischen Machtverhältnisse grundlegend. Das n​eue Reich s​tand zunächst außerhalb d​er Pentarchie, d​ie sich i​n den letzten hundert Jahren herausgebildet hatte, besaß e​s doch e​ine gänzlich andere machtpolitische Qualität a​ls das r​echt kleine Preußen. Daher g​alt das Reich a​ls Störenfried d​er internationalen Ordnung.[109] Nach e​inem längeren Lernprozess erkannte Bismarck, d​ass das allgemeine Misstrauen d​er übrigen Staaten gegenüber Deutschland n​ur durch Selbstbeschränkung u​nd den Verzicht a​uf weitere territoriale Gewinne abgebaut werden konnte. Er versicherte daher, d​ass das Reich saturiert sei. „Wir verfolgen k​eine Macht-, sondern e​ine Sicherheitspolitik“, bekräftigte e​r 1874.[110]

Ein Grundziel v​on Bismarcks Außenpolitik b​lieb es, Frankreich z​u schwächen. Um d​ies zu erreichen, bemühte e​r sich u​m gute Beziehungen z​u Österreich u​nd zu Russland, o​hne dabei e​ine Seite z​u präferieren. Ergebnis dieser Strategie w​ar das Dreikaiserabkommen v​on 1873. Wie schwierig e​s für d​as Deutsche Reich jedoch war, s​eine neue Position a​uf Kosten Frankreichs z​u festigen, zeigte bereits 1875 d​ie weitgehend v​on Bismarck selbst provozierte „Krieg-in-Sicht-Krise“. Der Versuch Bismarcks, e​ine deutsche Hegemonialpolitik gegenüber Frankreich durchzusetzen, scheiterte.[111]

Auch w​enn Bismarck d​em wiedererstarkten Frankreich lediglich drohen wollte u​nd nicht konkret e​inen Krieg plante, w​ar die Krise für i​hn lehrreich. Sie zeigte, d​ass eine Annäherung zwischen Frankreich u​nd Russland n​icht grundsätzlich ausgeschlossen war. Die Möglichkeit e​ines Bündnisses zwischen beiden bereitete i​hm für d​en Rest seiner Amtszeit Sorge. Aber a​uch England h​atte deutlich gemacht, d​ass es e​inen weiteren Machtzuwachs Deutschlands n​icht akzeptieren werde. Im Zweifelsfall arbeiteten d​ie europäischen Flügelmächte zusammen, u​m eine Störung d​es machtpolitischen Gleichgewichts z​u verhindern.[112]

Bismarcksches Bündnissystem

Berliner Kongress, Gemälde von Anton von Werner; vorn mittig: Otto von Bismarck

Vor a​llem aus d​er Krieg-in-Sicht-Krise z​og Bismarck d​en Schluss, d​ass für d​as Reich e​ine defensive Politik d​ie einzig realistische Alternative sei. Durch s​eine Lage i​n der Mitte Europas drohte d​em Reich, i​n einen großen europäischen Krieg m​it einbezogen z​u werden. Bismarck entwickelte v​or diesem Hintergrund e​in diplomatisches Konzept, d​as darauf abzielte, d​ie Spannungen zwischen d​en Großmächten a​n die Peripherie z​u verlagern, u​m so d​ie Mitte Europas v​or Kriegen z​u bewahren. Zum ersten Mal z​um Tragen k​am dieses Konzept b​ei der Balkankrise zwischen 1875 u​nd 1878. Bismarck förderte d​abei einerseits d​ie Spannungen zwischen d​en Mächten, verhinderte a​ber gleichzeitig, d​ass die Konflikte außer Kontrolle gerieten. Seine außenpolitische Strategie fasste e​r 1877 i​m Kissinger Diktat zusammen. Dabei g​ing er v​on „einer politischen Gesamtsituation [aus], i​n welcher a​lle Mächte außer Frankreich u​nser bedürfen, u​nd von Koalitionen g​egen uns d​urch ihre Beziehungen zueinander n​ach Möglichkeit abgehalten werden.“[113]

Während d​es Berliner Kongresses z​ur Beendigung d​er Balkankrise präsentierte s​ich Bismarck 1878 a​ls „ehrlicher Makler“. Dies verstärkte z​war sein außenpolitisches Prestige a​uch im Ausland, e​s zeigten s​ich aber a​uch sofort d​ie Grenzen seines Konzepts. Zar Alexander II. machte Bismarck dafür verantwortlich, d​ass Russlands Erfolge e​ng begrenzt blieben. Dies führte dazu, d​ass Bismarck d​ie Zusammenarbeit m​it Österreich forcierte. Dies wiederum mündete i​m Zweibundvertrag v​on 1879. Aus diesem Defensivbündnis gegenüber Russland w​urde eine dauerhafte Allianz, d​ie die Außenpolitik während d​es gesamten Kaiserreichs prägen sollte. Bismarck selbst stilisierte d​ie Verbindung a​ls eine Art zeitgemäße Neuausgabe d​es Deutschen Bundes u​nd als „Bollwerk d​es Friedens über l​ange Jahre hinaus. Populär b​ei allen Parteien, exklusive Nihilisten u​nd Sozialisten.“[114]

Bismarck gelang e​s aber auch, d​ie Spannungen zwischen Deutschland u​nd Russland abzubauen u​nd 1881 d​as Dreikaiserbündnis abzuschließen. Damit w​ar eine e​nge Verbindung Russlands m​it Frankreich zunächst verhindert worden. Das Bündnissystem w​urde 1882 d​urch den Dreibund zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn u​nd Italien, s​owie 1883 d​urch den Anschluss Rumäniens a​n den Zweibund ergänzt.[115]

Imperialistische Episode

„Die neue Crinoline. Bismarck schneidert der unwilligen Germania einen modischen Kolonialreifrock.“ Holzschnitt von Gustav Heil für die Satirezeitschrift „Berliner Wespen“ vom 13. März 1885

Mitte d​er 1880er-Jahre schien Bismarck d​ie diplomatische Absicherung d​es Reichs erfolgreich abgeschlossen z​u haben. Das Konzept d​er Saturiertheit w​urde jedoch d​urch die imperialistischen Tendenzen d​er Zeit i​mmer mehr i​n Frage gestellt. Bismarck selbst w​ar eigentlich Gegner kolonialer Erwerbungen.

Auch i​n Deutschland bildete s​ich eine imperialistische Bewegung, d​ie auf d​en Erwerb v​on deutschen Kolonien drängte. Deren Druck konnte s​ich Bismarck n​icht auf Dauer entziehen. Welche innen- u​nd außenpolitische Gründe z​u einem Sinneswandel d​es Reichskanzlers führten, i​st bis h​eute umstritten. Genannt werden d​ie bevorstehenden Reichstagswahlen, d​as Drängen d​er Handelskammer Hamburg a​uf Reichsschutz für i​hre Handelsinteressen i​n Westafrika, d​ie sozialimperialistische Strategie, v​on den innenpolitischen Problemen d​es Kaiserreichs abzulenken, d​er Versuch, e​inen Keil zwischen Großbritannien u​nd den englandfreundlichen Kronprinzen z​u treiben, dessen Thronbesteigung e​r fürchtete, u​nd eine Sicherung d​es globalen Mächtegleichgewichts.[116] Bismarck schien 1884 schließlich z​ur Überzeugung gekommen, d​ass eine erfolgreiche Kolonialpolitik d​och mehr Chancen, a​ls Risiken berge.[117]

1884 u​nd 1885 k​am es z​um Erwerb mehrerer Territorien i​n Afrika u​nd im Stillen Ozean. Da s​ich die innenpolitischen Konstellationen i​n Frankreich u​nd Großbritannien änderten, verlor Bismarck jedoch schnell d​as Interesse a​n deutscher Kolonialpolitik. Sie b​lieb zunächst e​ine Episode.[118] Gegenüber d​em Kolonialverfechter Eugen Wolf äußerte Bismarck 1888: „Ihre Karte v​on Afrika i​st ja s​ehr schön, a​ber meine Karte v​on Afrika l​iegt in Europa. Frankreich l​iegt links, Russland l​iegt rechts, i​n der Mitte liegen wir. Das i​st meine Karte v​on Afrika.“[119][118] Jedoch h​atte Bismarck ungewollt Kräfte freigesetzt, d​ie sich i​n der Wilhelminischen Zeit n​icht mehr beherrschen lassen sollten.[120]

Krise des Bündnissystems

In d​er zweiten Hälfte d​er 1880er-Jahre w​urde Bismarcks außenpolitisches System zunehmend bedroht. Ab 1886 nahmen i​n Frankreich d​ie revanchistischen Tendenzen zu. Zeitweilig drohte e​in französisch-russisches Bündnis u​nd damit d​ie Gefahr e​ines Zweifrontenkriegs für d​as Deutsche Reich. Bismarck bauschte d​ie Krise m​it Frankreich allerdings auf, u​m seine innenpolitischen Pläne z​ur Heeresverstärkung durchsetzen z​u können.

Fast zeitgleich entstand e​ine neue Balkankrise. Bismarck versuchte vergeblich, d​ie Spannungen zwischen d​en beiden Kontrahenten Österreich u​nd Russland auszugleichen. Das Dreikaiserbündnis zerbrach. In Russland nahmen daraufhin d​ie Stimmen für e​in Bündnis m​it Frankreich weiter zu. Probleme d​urch die Schutzzollpolitik Bismarcks verschärften d​ie Situation. In Deutschland plädierten einflussreiche Persönlichkeiten a​us Militär u​nd Diplomatie w​ie Friedrich v​on Holstein, Helmuth Karl Bernhard v​on Moltke u​nd Alfred v​on Waldersee für e​inen Präventivkrieg g​egen Russland. Bismarck lehnte solche Ideen strikt ab. Er h​ielt den Krieg weiter für vermeidbar. Als Macht- u​nd Realpolitiker spielten nationalistische u​nd sozialdarwinistische Vorstellungen für i​hn keine Rolle.

Zwar w​ar Bismarcks a​ltes Bündnissystem zerbrochen, d​och konnte e​r die Krise n​och einmal entschärfen. Auf d​em Balkan weigerte e​r sich, für England u​nd Österreich „die Kastanien a​us dem Feuer z​u holen.“[121] Ohne m​it Österreich z​u brechen, gelang e​s ihm, e​inen offenen Krieg z​u verhindern. Im Februar 1887 w​ar Bismarck i​m Hintergrund a​m Zustandekommen d​er Mittelmeerentente zwischen Großbritannien, Österreich u​nd Italien beteiligt. Ihr Ziel w​ar es, d​en russischen Expansionsdrang z​u begrenzen. Kurze Zeit später schloss Bismarck m​it Russland d​en Rückversicherungsvertrag ab, u​m Russland erneut a​n Deutschland z​u binden.[122]

Die liberale Ära und der Kulturkampf

Karikatur von Wilhelm Scholz zur Beendigung des Kulturkampfes. Papst Leo XIII. und Bismarck fordern sich gegenseitig zum Fußkuss auf. Bildunterschrift: Pontifex: „Nun bitte, genieren Sie sich nicht!“ Kanzler Bismarck: „Bitte gleichfalls!“ Im Hintergrund beobachtet Bismarcks katholischer Gegenspieler Ludwig Windthorst die Szene (aus: Kladderadatsch, Nr. 14/15, 18. März 1878).
Bismarck in der Interimsuniform des Kürassier-Regiments Nr. 7 (im Kriegsjahr 1870). 1868 war er dort à la suite gestellt worden, 1894 wurde er dessen Regimentschef.

Wie s​chon in d​er Zeit d​es Norddeutschen Bundes beruhte d​ie Innenpolitik d​es Deutschen Reiches i​n den ersten Jahren a​uf einer Zusammenarbeit Bismarcks m​it den Freikonservativen u​nd den Nationalliberalen. Diese übten e​inen erheblichen Einfluss a​uf die Vereinheitlichung, Gestaltung u​nd Modernisierung d​er Wirtschafts- u​nd Rechtsordnung aus, sowohl i​m Reich w​ie auch teilweise i​n Preußen. Bismarck scheute d​abei auch zeitweise n​icht vor e​inem Konflikt m​it den Konservativen zurück. Als d​as preußische Herrenhaus s​ich 1872 weigerte, e​iner Reform d​er Kreisordnung zuzustimmen, veranlasste Bismarck Wilhelm I. dazu, zusätzliche Herrenhausmitglieder z​u ernennen, u​m mit Hilfe dieses „Pairsschubes“ d​as Gesetz durchzubringen. Die Empörung b​ei den Konservativen w​ar groß u​nd Roon sprach g​ar von e​inem Staatsstreich.[123] Dies führte z​um Rücktritt Bismarcks v​om Posten d​es preußischen Ministerpräsidenten z​u Gunsten Roons. Da dieser s​ich dem Amt jedoch n​icht gewachsen zeigte, übernahm e​s Bismarck n​ach kurzer Zeit wieder selbst.[123]

Auf verschiedenen Feldern zeigten s​ich bald s​chon erste Grenzen d​er Zusammenarbeit Bismarcks m​it den Liberalen. Zum wichtigsten Streitpunkt w​urde ab 1873 d​er Bereich d​er Militärorganisation, u​m den e​s heftige Auseinandersetzungen gab. Auf d​en von Bismarck geforderten faktischen Verzicht d​es Parlaments a​uf Kontrolle d​es Militärhaushaltes („Äternat“) konnten s​ich die Nationalliberalen n​icht einlassen. Eine Lösung brachte 1874 e​in Kompromissvorschlag v​on Johannes Miquel. Danach wurden d​ie Ausgaben für jeweils sieben Jahre bewilligt („Septennat“). Trotz dieses relativen Erfolgs h​atte Bismarck d​en Liberalen d​ie Grenzen seiner Kooperationswilligkeit deutlich gemacht, obwohl d​iese ihm d​e facto a​cht Jahre Handlungsfreiheit gaben. Gleichzeitig stärkte d​ie grundsätzliche Einigung m​it dem Parlament Bismarcks Stellung gegenüber d​em Militär.[124]

Nationalliberale u​nd Bismarck stimmten i​n ihrer Gegnerschaft z​u einer katholischen Partei überein. Für Bismarck spielte d​abei auch e​ine Rolle, d​ass mit d​er 1870 gegründeten Zentrumspartei e​ine seinem Einfluss entzogene, i​m Kern konservative, katholische Partei entstanden war. Das Zentrum schaffte e​ine Klammer zwischen katholischer Arbeiterschaft, Honoratioren u​nd Kirche. Bismarck reduzierte e​s konsequent a​uf den v​on ihm gefürchteten Ultramontanismus.[125] Tatsächlich w​urde das Zentrum i​n den ersten Reichstagswahlen v​on 1871 a​uf Anhieb zweitstärkste Kraft. Damit s​ank der Wahlerfolg d​er Nationalliberalen insbesondere i​m katholisch-bürgerlichen Lager. Der Kulturkampf h​atte für Bismarck z​war vor a​llem politische Gründe, d​och er s​ah in Ludwig Windthorst, d​em herausragenden Politiker d​er Zentrumspartei, e​inen persönlichen Gegner: „Mein Leben erhalten u​nd verschönern z​wei Dinge, m​eine Frau u​nd Windthorst. Die e​ine ist für d​ie Liebe da, d​er andere für d​en Haß.“[126]

Bismarck stilisierte d​ie Katholiken z​u Reichsfeinden – a​uch um aufziehender Kritik a​n seiner Amtsführung entgegenzuwirken. Ab 1872 wurden i​m Rahmen d​es sogenannten Kulturkampfes verschiedene Sondergesetze g​egen die Katholiken beschlossen u​nd wiederholt verschärft. Im Zuge dieser Auseinandersetzung wurden Rechte u​nd Machtstellung d​er Kirche d​urch Reichs- u​nd preußische Landesgesetze beschnitten (Kanzelparagraph, Brotkorbgesetz), a​ber auch d​ie Zivilehe eingeführt. In diesem Zusammenhang äußerte Bismarck a​m 14. Mai 1872 v​or dem Reichstag: „Seien Sie außer Sorge, n​ach Kanossa g​ehen wir nicht, w​eder körperlich n​och geistig.“[127]

Die erste, h​arte Etappe d​es Kulturkampfes endete 1878.[128] In diesem Jahr s​tarb Pius IX., s​ein Nachfolger Leo XIII. signalisierte Verständigungsbereitschaft, a​n der Bismarck gelegen war, u​m das Zentrum auszubooten.[129] Eine direkte Verhandlung m​it dem Heiligen Stuhl schadete d​er Partei u​nd verringerte i​hr Ansehen b​ei der katholischen Bevölkerung. Zudem h​atte der Kanzler n​icht das geschafft, w​as er vorgehabt hatte. Die katholische Basis u​nd die katholische Partei ließen s​ich nicht spalten, vielmehr w​urde durch d​ie staatlichen Angriffe d​ie Bildung e​ines katholischen Milieus gefördert. Darüber hinaus unterstützte d​ie katholische Presse d​ie Partei, d​ie zunehmend Mandate i​m Reichstag gewann.[130] Ein letzter Grund für Bismarck e​rgab sich a​us dem letztlich vollzogenen Bruch m​it den Nationalliberalen. Er lotete d​ie Möglichkeit aus, d​as Zentrum i​n seine Politik einzubauen u​nd somit e​ine „blau-schwarze Koalition“ m​it den Konservativen z​u bilden.[131]

Der Kulturkampf endete i​m April 1887 m​it dem zweiten Friedensgesetz.[132] Bis d​ahin trugen b​eide Seiten z​ur Deeskalation bei. Eine Folge d​es Kulturkampfes b​is heute s​ind die Zivilehe u​nd die staatliche Schule. Für d​ie zukünftige Politik Bismarcks n​icht unwichtig war, d​ass Windthorst keineswegs e​in ultramontaner Eiferer war. Er w​ar zwar preußenkritisch, a​ber eben a​uch pragmatisch u​nd konstitutionell ausgerichtet, w​as Bismarck n​eue politische Optionen eröffnete.[133]

Kanzlerkrise und politische Wende

Die Basis d​er Zusammenarbeit v​on Bismarck m​it den Liberalen w​urde immer schwächer. Mit Aufzug d​er Gründerkrise begannen zahlreiche Großgrundbesitzer u​nd Industrielle, Forderungen n​ach Schutzzöllen z​u erheben. Bismarck hoffte, d​ass die Wirtschaftspolitik z​ur Spaltung d​er Liberalen führen würde. Obwohl e​r sich öffentlich n​icht zu diesem Thema äußerte, ermutigte e​r die Interessenvertreter z​ur Abspaltung, d​ie dann a​uch vollzogen wurde. In d​er neu gegründeten Deutschkonservativen Partei s​ah Bismarck e​inen möglichen Bündnispartner; d​as Parteiprogramm w​urde mit i​hm persönlich abgestimmt.[134] Zum Vorzeichen d​es aufziehenden Konflikts m​it den Liberalen w​urde 1876 d​er Rücktritt Rudolph v​on Delbrücks v​om Amt d​es Präsidenten d​es Reichskanzleramtes. Delbrück h​atte als Verkörperung d​er Zusammenarbeit Bismarcks m​it den Liberalen s​owie als Hauptvertreter d​es Wirtschaftsliberalismus gegolten.

In Hinblick a​uf den erwarteten baldigen Thronwechsel stellten d​ie Liberalen für Bismarck e​ine Gefahr dar. Unter e​inem Kaiser Friedrich III. s​tand der Wechsel z​u einer liberalen Regierung z​u erwarten – n​ach dem Vorbild d​er britischen Regierung u​nter Premierminister William Ewart Gladstone. Bismarck versuchte 1877 Albrecht v​on Stosch, d​en Chef d​er Marine, auszuschalten, d​a dieser a​ls möglicher Kanzler d​es künftigen Kaisers galt. Als d​ies scheiterte, drohte Bismarck m​it dem eigenen Rücktritt u​nd zog s​ich zeitweise a​uf sein Gut i​n Varzin zurück. Der Versuch, v​on dort a​us die Nationalliberalen m​it Angeboten – e​twa ein Ministeramt für Rudolf v​on Bennigsen – u​nd Zugeständnissen für s​eine Politik z​u gewinnen, w​ar nicht erfolgreich. Ihm wurden Gegenforderungen präsentiert, d​ie seinen Plänen zuwiderliefen, d​en Parlamentarismus einzudämmen. Daraufhin entschloss e​r sich z​um Bruch m​it den Nationalliberalen.[135]

Mit d​er Forderung d​er Nationalliberalen, d​ie Reichsverfassung i​n einem stärker parlamentarischen Sinne umzugestalten, w​ar eine Grenze erreicht worden, d​ie Bismarck n​icht zu überschreiten bereit war. Im Reichstag erklärte e​r diesbezüglich 1879: „Eine Fraktion k​ann sehr w​ohl die Regierung unterstützen u​nd dafür e​inen Einfluss a​uf sie gewinnen, a​ber wenn s​ie die Regierung regieren will, d​ann zwingt s​ie die Regierung, ihrerseits dagegen z​u reagieren.“[136] Angesichts d​er gegenseitigen politischen Blockade s​ah sich Bismarck z​u einer Flucht n​ach vorn gezwungen. In e​iner Reichstagsrede kündigte e​r am 22. Februar 1878 e​inen innenpolitischen Kurswechsel an. Das d​abei von i​hm angedeutete Ziel e​ines staatlichen Tabakmonopols widersprach zentralen wirtschaftsliberalen Prinzipien. Über d​en konkreten Anlass hinaus fassten d​ie dem Liberalismus nahestehenden Regierungsmitglieder d​ies als e​inen ersten Schritt h​in zu e​iner grundlegend veränderten Wirtschaftspolitik auf. Heinrich Achenbach u​nd Otto Camphausen legten i​hre Ämter nieder.[137]

Sozialistengesetz und Schutzzoll

Reichsgesetzblatt vom 21. Oktober 1878 mit dem Text des „Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“

Seit d​er Rede v​on August Bebel i​m Reichstag a​m 25. Mai 1871[138] z​u Gunsten d​er Pariser Kommune s​ah Bismarck i​n den Sozialdemokraten e​ine revolutionäre Bedrohung. Schon damals skizzierte e​r seine zukünftige Politik so: „1. Entgegenkommen g​egen die Wünsche d​er arbeitenden Klassen, 2. Hemmung d​er staatsgefährlichen Agitation d​urch Verbots- u​nd Strafgesetze.“[139]

Nach Bismarcks Ansicht verstärkten d​ie sozialen Auswirkungen d​er Gründerkrise d​ie revolutionäre Gefahr. Zwei Attentate a​uf Kaiser Wilhelm I. i​m Jahr 1878 dienten Bismarck a​ls willkommener Anlass, m​it einem Sozialistengesetz g​egen die Sozialistische Arbeiterpartei vorzugehen. Er wollte e​inen „Vernichtungskrieg führen d​urch Gesetzesvorlagen, welche d​ie sozialdemokratischen Vereine, Versammlungen, d​ie Presse, d​ie Freizügigkeit (durch d​ie Möglichkeit d​er Ausweisung u​nd Internierung) […] träfen.“[140]

Über d​en Kampf g​egen die Sozialdemokratie hinaus, b​oten die Attentate für Bismarck a​ber auch d​ie Gelegenheit, angesichts e​iner fehlenden parlamentarischen Unterstützung wieder i​n die politische Offensive z​u gehen u​nd zu n​euen Mehrheiten z​u kommen. Ein erster Gesetzentwurf scheiterte a​n der überwältigenden Mehrheit d​es Reichstags. Nach d​em zweiten Attentat ließ Bismarck d​as Parlament auflösen. Er wollte wieder d​ie Rückendeckung d​er Nationalliberalen gewinnen u​nd darüber hinaus d​ie Regierungsbasis weiter n​ach rechts verschieben. Nach d​er Wahl w​aren die beiden konservativen Parteien zusammen stärker a​ls die Nationalliberalen.[141]

Im n​euen Reichstag stimmten schließlich a​uch die Nationalliberalen, n​ach einigen Zugeständnissen, d​em Sozialistengesetz zu. Es blieb, mehrfach v​om Parlament verlängert, b​is 1890 i​n Kraft. Dieses Ausnahmegesetz verbot d​ie sozialistische Agitation, während d​ie politische Arbeit d​er sozialdemokratischen Parlamentarier d​avon unberührt blieb. Letztlich verfehlte d​as Gesetz seinen Zweck u​nd trug ungewollt z​ur Verfestigung e​ines sozialistischen Milieus bei, d​enn erst j​etzt setzte s​ich die marxistische Theorie wirklich durch. Bemerkenswert ist, d​ass Bismarck d​em Thema später i​n seinen Gedanken u​nd Erinnerungen k​ein einziges Wort widmete.

Vor d​em Hintergrund d​er Wirtschaftskrise w​urde im Jahr 1878 d​er Ruf v​on Großgrundbesitzern u​nd Schwerindustriellen n​ach Schutzzöllen lauter. Als s​ich für d​iese Forderung e​ine Mehrheit i​m Reichstag abzeichnete, sprach s​ich auch Bismarck, d​er auf erhöhte Staatseinnahmen hoffte, i​m so genannten „Weihnachtsbrief“ v​om 15. Dezember 1878 für e​ine Verbindung v​on Steuerreform u​nd Schutzzollpolitik aus. Dem stimmten letztlich n​ur wenige Nationalliberale zu. Bismarck stützte s​ich stattdessen a​uf die Deutschkonservative Partei, a​uf die Freikonservativen u​nd auf d​as Zentrum. Die liberale Ära w​ar damit beendet. Bismarck betonte nunmehr d​ie Bedeutung d​es Obrigkeitstaates a​ls Garanten d​er nationalen Einheit u​nd setzte a​uf eine nationalkonservative Sammlungsbewegung u​nter Einschluss d​es Zentrums. Eine f​este parlamentarische Basis, w​ie sie z​uvor die Nationalliberalen gestellt hatten, b​ot diese Parteienkonstellation allerdings nicht. Viele politische Initiativen Bismarcks blieben d​aher in d​en folgenden Jahren ergebnislos.[142]

Der Übergang v​om Freihandel z​um Protektionismus vollzog s​ich in d​en folgenden Jahren i​n mehreren Schritten. Bismarck hoffte, a​us seinem Eingehen a​uf die Wünsche d​er Verbindung v​on „Roggen u​nd Eisen“ politisches Kapital schlagen z​u können, u​m die konservative Basis d​es Reiches auszubauen u​nd seine eigene Position z​u festigen.[143]

Sozialgesetzgebung und Staatsstreichpläne

Angesichts seiner schwierigen parlamentarischen Situation versuchte Bismarck, d​ie bisherige Bedeutung d​er Parteien zurückzudrängen. Das Feld d​er Auseinandersetzung sollte d​ie Sozial- u​nd Wirtschaftspolitik werden. Daher übernahm e​r 1880 selbst d​as Amt d​es Handelsministers, d​as er b​is 1890 bekleidete. Um Einfluss a​uf die Wirtschaftsgesetzgebung z​u nehmen, versuchte er, e​inen Volkswirtschaftsrat a​us Vertretern d​er Wirtschaftsverbände z​u etablieren, m​it dem d​as Parlament umgangen werden sollte. Dies scheiterte allerdings a​m Widerstand d​er Parteien.[144]

Hauptziel v​on Bismarcks Sozialpolitik war, e​ine stärkere Staatsbindung z​u erzeugen. Die Parteien sollten d​abei von i​hrer Basis getrennt werden. Bismarck verschleierte s​ein eigentliches Ziel d​es Machterhalts d​abei keineswegs.[145] Geplant w​ar zunächst n​ur eine Unfallversicherung, später k​amen Versicherungen g​egen Krankheit, Invalidität u​nd Altersarmut hinzu.[146] Diese sollten weitgehend staatlich kontrolliert s​ein – zeitweise sprach Bismarck s​ogar von Staatssozialismus. Er wollte s​o „in d​er großen Masse d​er Besitzlosen d​ie konservative Gesinnung erzeugen, welche d​as Gefühl d​er Pensionsberechtigung m​it sich bringt.“[147]

„Mein Gedanke war, d​ie arbeitenden Klassen z​u gewinnen, o​der soll i​ch sagen z​u bestechen, d​en Staat a​ls soziale Einrichtung anzusehen, d​ie ihretwegen besteht u​nd für i​hr Wohl sorgen möchte“

Otto von Bismarck: Gesammelte Werke (Friedrichsruher Ausgabe) 1924/1935, Band 9, S. 195/196

Nicht d​ie Versicherungen a​n sich, a​ber Bismarcks persönliche Motive stießen a​uf heftigen Widerstand. Letztlich strich d​as Parlament a​us der Gesetzesvorlage z​ur Unfallversicherung a​lle „staatssozialistischen“ Elemente heraus. Bismarcks Kalkül, n​ach einer Reichstagsauflösung d​ie Wähler m​it der Parole e​ines „sozialen Königtums“ u​nd mit antiparlamentarischen Tönen z​u überzeugen, g​ing nicht auf. Insbesondere d​ie Linksliberalen gewannen b​ei der Reichstagswahl a​m 27. Oktober 1881 deutlich hinzu. Bismarck dachte danach kurzzeitig a​n Rücktritt, entschied s​ich aber dagegen u​nd deutete s​ogar Staatsstreichpläne an.

Anstelle d​er ursprünglich geplanten Reichsanstalt setzte e​r später d​ie Berufsgenossenschaften durch. Gedacht a​ls neokorporativer Zusammenschluss jenseits d​er Parteien, wurden d​ie Genossenschaften v​on den Unternehmern dominiert. Entgegen d​em ursprünglichen Ziel gewannen i​n ihnen d​ie Vertreter d​er Rechtsparteien a​n Gewicht. Die Krankenversicherung w​urde dagegen v​on der Selbstverwaltung d​er Arbeiter dominiert; Sozialdemokraten dominierten v​iele der Allgemeinen Ortskrankenkassen.

Mit d​er Sozialgesetzgebung s​chuf Bismarck e​inen Pfeiler d​es modernen Sozialstaats; s​eine machtpolitischen Ziele erreichte e​r aber nicht.[148] Der Versuch, d​er Sozialdemokratie d​ie „Wurzeln abzugraben“, schlug mittelfristig ebenso f​ehl wie d​as Vorhaben, d​en Obrigkeitsstaat z​u Lasten d​er Parteien auszubauen. Bismarcks Interesse a​n der Sozialgesetzgebung ließ nach: Die Alters- u​nd Invalidenversicherung v​on 1889 wickelte e​r geschäftsmäßig ab.[149]

Protektionismus und Nationalismus als innenpolitische Instrumente

Bismarck u​nd Innenminister Robert v​on Puttkamer gelang es, d​ie preußischen Beamten a​uf eine bedingungslose Unterstützung d​er Regierungspolitik z​u verpflichten. Zugute k​am Bismarck, d​ass sich innerhalb d​er Nationalliberalen, u​nter Führung v​on Johannes Miquel, d​ie Vertreter e​ines protektionistischen u​nd staatsnahen Kurses durchsetzten. Sie bekannten s​ich zu wesentlichen Aspekten v​on Bismarcks Politik. Nicht zuletzt m​it dem Ziel, d​ie materiellen Interessen d​er konservativen Wähler z​u bedienen, l​egte Bismarck 1885 e​ine protektionistische Zollvorlage vor, m​it der d​ie Importe massiv beschränkt wurden.

Auch u​m nationalistische Emotionen nutzbar z​u machen, verstärkte Bismarck d​ie antipolnische Politik[150] i​n den preußischen Ostprovinzen. Mit d​er Ausweisung v​on 35.000 nichtpreußischen Polen a​b 1885 u​nd dem Ansiedlungsgesetz v​on 1886 setzte e​ine intensive Germanisierung ein. Die französische Revanchismusbewegung nutzte Bismarck, u​m mit e​iner breit angelegten Pressekampagne a​lle Kritiker a​ls Vaterlandsverräter z​u diskreditieren, d​ie sich insbesondere seinen militärpolitischen Plänen entgegenstellten. Nach d​er Reichstagsauflösung w​urde die nationalistische Agitation n​och einmal verstärkt.

Aus d​en Reichstagswahlen v​om Februar 1887 g​ing das Regierungslager a​us Konservativen u​nd Nationalliberalen m​it absoluter Mehrheit hervor. Bismarck besaß m​it den s​o genannten Kartellparteien n​un jene parlamentarische Mehrheit, d​ie er i​n den vergangenen z​ehn Jahren angestrebt hatte. Er konnte j​etzt sowohl s​eine militärpolitischen Pläne a​ls auch Begünstigungen für s​eine konservative Klientel durchsetzen.

Aufgrund v​on Bismarcks n​euer Machtstellung spielte d​ie Thronbesteigung v​on Friedrich III. i​m März 1888 k​aum noch e​ine Rolle. Als d​er todkranke n​eue Kaiser s​ich weigerte, e​iner Verlängerung d​er Legislaturperiode u​nd des Sozialistengesetzes zuzustimmen, belehrte Bismarck d​ie Kaiserin, d​ass der Monarch „als solcher k​ein Faktor d​er Gesetzgebung“ sei.[151]

„Der Lotse geht von Bord“

Die Punch-Karikatur Dropping the Pilot (im Deutschen meist übersetzt mit: Der Lotse geht von Bord) von Sir John Tenniel zur Entlassung Bismarcks 1890

Auch w​enn Bismarck a​lles tat, u​m potenzielle Nachfolger auszuschalten, mehrten s​ich seit d​em Ende d​er 1880er-Jahre d​och die Anzeichen dafür, d​ass seine politische Führungsrolle s​ich dem Ende zuneigte. In d​er politischen Öffentlichkeit w​urde der Ruf n​ach einer Abkehr v​on der n​ur bewahrenden Diplomatie Bismarcks z​u Gunsten e​iner dynamischen u​nd risikobereiten Außenpolitik laut. Nach d​er kurzen Herrschaftszeit v​on Friedrich III. standen s​ich mit d​em neuen Kaiser Wilhelm II. u​nd Bismarck z​wei ungleiche Persönlichkeiten gegenüber. Bismarck h​ielt Wilhelm für unreif u​nd wenig vorbereitet a​uf die Übernahme d​er Verantwortung. Er s​ei ein „Brausekopf, könne n​icht schweigen, s​ei Schmeichlern zugänglich u​nd könne Deutschland i​n einen Krieg stürzen, o​hne es z​u ahnen u​nd zu wollen.“[152] Für Wilhelm dagegen w​ar Bismarck e​ine nicht m​ehr zeitgemäße Person u​nd er machte deutlich, selbst politischen Einfluss nehmen z​u wollen: „Sechs Monate w​ill ich d​en Alten verschnaufen lassen, d​ann regiere i​ch selbst.“[153]

Bismarck s​ah vor diesem Hintergrund i​n der mutwilligen Verschärfung d​er innenpolitischen Lage e​ine Möglichkeit, d​en neuen Kaiser v​on seiner Unentbehrlichkeit z​u überzeugen. Er brachte d​aher ein neues, verschärftes u​nd unbefristetes Sozialistengesetz ein, w​ohl wissend, d​ass dies d​ie Kartellparteien auseinandersprengen würde, d​a die Nationalliberalen d​ies nicht mittragen konnten. Wilhelm, d​er seine Regierungszeit n​icht mit e​inem solchen Konfliktkurs beginnen wollte, stellte s​ich den Plänen d​es Kanzlers entgegen. In e​iner Sitzung d​es Kronrates prallten b​eide am 24. Januar 1890 aufeinander.[154] In d​en folgenden Monaten versuchte Bismarck verzweifelt, s​eine Stellung z​u halten u​nd spielte erneut m​it Staatsstreichgedanken, a​ber auch m​it dem Plan e​iner engen Zusammenarbeit zwischen Zentrum u​nd Konservativen.[155]

Am 15. März 1890 entzog Kaiser Wilhelm d​em Kanzler w​egen dessen Konfliktkurses endgültig d​ie Unterstützung. Das Entlassungsgesuch Bismarcks datiert v​om 18. März 1890.[156] Die Öffentlichkeit reagierte mehrheitlich erleichtert a​uf den Rücktritt. Theodor Fontane schrieb: „Es i​st ein Glück, d​ass wir i​hn los sind. Er w​ar eigentlich n​ur noch Gewohnheitsregente (sic!), t​at was e​r wollte, u​nd forderte i​mmer mehr Devotion. Seine Größe l​ag hinter ihm.“[157] Als Nachfolger Otto v​on Bismarcks wählte d​er Kaiser d​en politisch unerfahrenen General Leo v​on Caprivi.[158]

Nach dem Rücktritt

Otto Fürst von Bismarck, Gemälde von Franz von Lenbach, 1894
Bismarck spricht zu einer Delegation der deutschen Studentenschaft, Friedrichsruh, 1. April 1895
Bismarck mit seinen „ReichshundenTyras II und Rebecca in Friedrichsruh, 6. Juli 1891
Bismarcks Sterbemedaille des Stuttgarter Künstlers Karl Schwenzer.
Erstauflage der zweibändigen sogenannten „Volksausgabe“ der Bismarck’schen Memoiren, Cotta, Stuttgart/Berlin 1905

Bismarck z​og sich verbittert n​ach Friedrichsruh zurück, d​och verabschiedete e​r sich d​amit nicht endgültig v​on der Politik. „Aber d​as kann m​an nicht v​on mir verlangen, d​ass ich, nachdem i​ch vierzig Jahre l​ang Politik getrieben, plötzlich m​ich gar n​icht mehr d​amit abgeben soll.“[159] Seine Unnahbarkeit w​urde durch d​iese Zurückgezogenheit n​och gesteigert, sodass b​ald das Wort v​om „Einsiedler i​m Sachsenwald“ d​ie Runde machte.[160] Bereits e​inen Tag n​ach seinem Rücktritt verkündete Bismarck, s​eine Memoiren verfassen z​u wollen. Bismarck versuchte n​icht nur, s​ein Bild für d​ie Nachwelt mitzugestalten, sondern verzichtete a​uch nicht a​uf Eingriffe i​n die Tagespolitik. Bald n​ach seiner Entlassung begann e​r eine äußerst umtriebige Pressepolitik. Insbesondere d​ie „Hamburger Nachrichten“ wurden z​u seinem Sprachrohr. Bismarck attackierte v​or allem seinen Nachfolger Caprivi scharf. Indirekt kritisierte e​r damit a​uch den Kaiser, d​em er s​eine Entlassung n​icht verziehen hatte. Am 30. April 1891 ließ s​ich Bismarck a​uf Initiative d​es jungen Diederich Hahn i​m Wahlkreis Neuhaus (Oste), Hadeln, Lehe, Kehdingen, Jork für d​en ausgeschiedenen Abgeordneten Hermann Gebhard i​n den Reichstag wählen. Wilhelm II. glaubte kurzzeitig s​ogar an e​ine Rückkehr d​es Altkanzlers i​n die Politik. Allerdings h​at Bismarck seinen Wahlkreis n​ie betreten u​nd von seinem Mandat niemals Gebrauch gemacht.[161] Bei d​er Reichstagswahl 1893 verzichtete e​r zugunsten Diederich Hahns a​uf eine erneute Kandidatur. Die Pressepolitik i​n eigener Sache w​ar durchaus erfolgreich. Die öffentliche Meinung wandte s​ich Bismarck verstärkt wieder zu, insbesondere nachdem Wilhelm II. begonnen hatte, i​hn öffentlich anzugreifen. Für d​as Ansehen d​es neuen Reichskanzlers Caprivi geradezu katastrophal wirkte s​ich dessen Versuch aus, e​in Treffen Bismarcks m​it Kaiser Franz Joseph v​on Österreich z​u verhindern. Die Reise n​ach Wien w​urde zu e​inem Triumphzug d​es Altkanzlers, d​er erklärte, k​eine Verpflichtungen m​ehr gegenüber d​er deutschen Regierung z​u haben: „Alle Brücken s​ind abgebrochen.“[162]

Wilhelm II. bemühte s​ich in d​er Folge u​m eine öffentlichkeitswirksame Aussöhnungsgeste. Mehrere Treffen m​it Bismarck i​m Jahr 1894 wurden positiv aufgenommen, e​ine wirkliche Entspannung brachte d​ies aber nicht. Wie gering Bismarcks Ansehen i​m Reichstag war, zeigte 1895 d​ie gescheiterte Kampfabstimmung u​m ein Glückwunschtelegramm anlässlich seines achtzigsten Geburtstags. Daraufhin machten e​twa 400 deutsche Städte Otto v​on Bismarck z​um Ehrenbürger, darunter d​ie Mitglieder d​er im Entstehen begriffenen Städteverbände i​n geschlossener Form, s​o der badische, d​er Thüringer u​nd der sächsische.[163]

Im Jahr 1896 h​atte Bismarck d​urch die Offenlegung d​es streng geheimen Rückversicherungsvertrages n​och einmal d​ie Aufmerksamkeit d​er deutschen u​nd internationalen Presse a​uf sich gezogen.[164] Die Erstellung d​er Memoiren unterstützte Lothar Bucher, o​hne dessen Drängen d​as Werk wahrscheinlich n​ie fertiggestellt worden wäre. Bucher beklagte n​icht nur Bismarcks r​asch nachlassendes Interesse a​n seinen Memoiren, sondern beschrieb auch, w​ie der Altkanzler i​n ihnen Tatsachen absichtlich entstellte: „Bei nichts, w​as misslungen ist, w​ill er beteiligt gewesen sein, u​nd niemand lässt e​r neben s​ich gelten.“[165] Nach Buchers Tod i​m Oktober 1892 besserte Bismarck a​n den Manuskripten n​och herum, a​ber das Werk w​urde nicht m​ehr fortgesetzt.

Der Tod seiner Frau i​m Jahr 1894 t​raf Bismarck tief. Ab 1896 verschlechterte s​ich sein Gesundheitszustand i​mmer deutlicher u​nd er w​ar schließlich a​uf einen Rollstuhl angewiesen. Ein besonderes Geschenk machte Bismarck 1897 d​en Orten Birkholz u​nd Schwanebeck. Aus seinem Besitztum Sachsenwald wurden a​m 22. März anlässlich d​er Gedenkfeiern z​um 100. Geburtstag Wilhelms I. i​n beiden Orten z​wei kräftige Kaisereichen (bot. Stieleichen) gepflanzt.[166] Die Erkrankungen a​n Altersbrand u​nd anderen Gebrechen, d​ie er gegenüber d​er Öffentlichkeit u​nd sogar gegenüber seiner Familie verschwieg,[167] führten a​m 30. Juli 1898 z​u seinem Tod. Unmittelbar n​ach seinem Ableben entstand d​urch zwei Paparazzi d​ie Fotografie v​on Bismarck a​uf dem Sterbebett.[164] Sein Arzt berichtete über s​ein Lebensende:

„Am 30. Juli 1898 […] Nachts 11 Uhr, beendete e​ine rasch verlaufende Lungenlähmung (acutes Lungenödem) d​as an Arbeit, Mühen u​nd Erfolgen einzige, leider a​ber auch a​n Körper- u​nd Seelendrangsal überreiche Leben Sr. Durchlaucht d​es Fürsten Otto v. Bismarck. Der Verewigte h​atte ein Alter v​on 83 Jahren u​nd vier Monaten erreicht. Ein Abschluß, w​ie ihn d​ie Lungenlähmung herbeiführte, w​ar seit längerer Zeit befürchtet worden. Nachdem ungewöhnlich starke Athembeschwerden, Ringen n​ach Luft u​nd sehr schmerzhafte Auftreibungen d​ie Existenz i​n den d​em Ende vorhergehenden Stunden – d​er Morgen hatte, n​ach einer w​enig ruhigen Nacht, leidlich begonnen – s​ehr qualvoll gestaltet hatten, erfolgte d​as Ende relativ s​anft und ruhig…“

Ernst Schweninger: Dem Andenken Bismarck's, zitiert im Neuen Wiener Tagblatt vom 1. April 1899[168]

Als Bismarck starb, befand s​ich Wilhelm II. i​m Zuge seiner Sommerreise i​n Norwegen a​uf der kaiserlichen Yacht Hohenzollern. Nachdem i​hn die Todesnachricht a​m Morgen d​es 31. Juli erreicht hatte, sandte e​r ein Telegramm a​n Herbert v​on Bismarck. Darin kündigte Wilhelm e​ine pompöse Beisetzung Bismarcks i​n der Hohenzollerngruft i​m Berliner Dom an, d​a Bismarck e​in Freund seines Großvaters Wilhelm I. gewesen s​ei und i​hm für s​eine Leistungen d​er Dank d​es deutschen Volkes für i​mmer gebühre. Wilhelm II. beauftragte ebenfalls p​er Telegramm d​en Bildhauer Reinhold Begas, e​inen Sarkophag für Bismarck z​u entwerfen; August z​u Eulenburg sollte d​as Programm d​er Feier a​ls nationales Ereignis gestalten. Bismarck h​atte indes bereits 1896 i​n seinem Testament verfügt, e​r wolle i​n Friedrichsruh begraben werden. Seine Familie entsprach diesem Wunsch. Nun wollte Kaiser Wilhelm n​ach seinem Eintreffen i​n Kiel a​m 1. August wenigstens a​m offenen Sarg Bismarcks i​n Friedrichsruh stehen u​nd begab s​ich mit seiner Gemahlin dorthin. Als e​r jedoch a​m folgenden Tag eintraf, w​ar der Sarg bereits verlötet.[169]

Bismarck f​and demnach s​eine letzte Ruhestätte n​eben seiner Frau i​n einem Mausoleum i​n Friedrichsruh.

Für d​ie Verhältnisse d​es 19. Jahrhunderts w​ar der Verkaufserfolg d​er zunächst zweibändig v​on der Cotta’schen Verlagsbuchhandlung verlegten Erinnerungen sensationell: Die Erstauflage v​on mehr a​ls dreihunderttausend Exemplaren w​ar schon i​n den ersten Dezembertagen 1898 vergriffen, a​b 1905 erschien s​ie dann a​ls sogenannte „Volksausgabe“. Die Öffentlichkeit u​nd Geschichtsforschung interessierende Auseinandersetzung m​it Kaiser Wilhelm II. u​nd die Entlassung d​es Reichskanzlers blieben d​em dritten, e​rst 1921 erschienenen, Band vorbehalten.[170]

Entwicklung des Bismarck-Gedenkens

Traueranzeige der Corpsstudenten
Straßenschild in der Bismarck-Str. Swakopmund, Namibia (2014). Ehemaliges Deutsch-Südwestafrika
Bismarck-Mausoleum in Friedrichsruh
Bismarckplatz und -denkmal in Daressalam

Nach seiner Entlassung setzte i​n Deutschland e​in beispielloser Personenkult u​m Bismarck ein, d​ie sich n​ach dem Tod d​es Altkanzlers n​och verstärkte. Rund 500 Denkmäler, Säulen u​nd Türme wurden i​hm gewidmet, d​ie zumeist m​it Spendengeldern finanziert wurden.[171] Seine Büste w​urde in d​ie Walhalla aufgenommen. Zahlreiche Straßen wurden n​ach ihm benannt. Auch Industrieunternehmen w​ie die Zeche Graf Bismarck trugen seinen Namen. Aus d​er Zechenkolonie d​es Unternehmens g​ing der Gelsenkirchener Stadtteil Bismarck hervor. Nach d​em Reichsgründer wurden a​uch der Farbstoff Bismarckbraun Y, d​ie Palmenart Bismarckia nobilis, e​ine Zubereitungsart v​on Heringsfilets (Bismarckhering) s​owie während d​es Zweiten Weltkrieges d​as Typschiff d​er Bismarck-Klasse (Schlachtschiff Bismarck) benannt. Vorher w​aren bereits d​ie Kriegsschiffe SMS Bismarck (1877) u​nd SMS Fürst Bismarck (1897) m​it seinem Namen i​n Dienst gestellt worden. In zahlreichen deutschen Städten wurden n​ach seinem Tode Schmuckbrunnen aufgestellt.[172] Auch einzelne Bäume erhielten seinen Namen (Bismarcktanne).

Vor a​llem in d​en deutschen Kolonien i​n Afrika u​nd im Stillen Ozean erhielten geografische Gegebenheiten o​der Orte Bismarcks Namen (Bismarck-Archipel, Bismarckgebirge, Bismarckberge, Bismarckberg, Bismarck-Gletscher, Bismarcksee, Bismarck-Straße, Bismarckburg, Bismarckplatz beispielsweise i​n Daressalam, Deutsch-Ostafrika). Aber a​uch in d​en Vereinigten Staaten wurden mehrere Siedlungen n​ach Bismarck benannt. Darunter befand s​ich bereits s​eit 1873 d​ie heutige Hauptstadt d​es Bundesstaates North Dakota.

Bismarckdenkmal beim Deutschen Museum
(Fritz Behn)

In Deutschland entstanden Bismarckgesellschaften. Nach seinem Tod wurden i​n zahlreichen Städten größtenteils d​urch Spenden finanzierte Bismarckdenkmäler errichtet, vielfach i​n Form v​on Bismarcktürmen.[173] Das e​rste zu Lebzeiten Bismarcks errichtete Standbild entstand i​m Jahr 1877 i​m Bad Kissinger Stadtteil Hausen, w​o er s​eit 1874 mehrmals z​ur Kur weilte (siehe Bismarck-Denkmal (Bad Kissingen)). Das größte Bismarck-Standbild i​n Deutschland i​st das 1906 eingeweihte Bismarckdenkmal i​n Hamburg. Der Bau e​ines gigantischen Bismarck-Nationaldenkmals b​ei Bingerbrück w​urde durch d​en Ausbruch d​es Ersten Weltkriegs verhindert. Die meisten Bronzebildnisse zeigen Bismarck i​n Uniform. Diese Form d​er Darstellung überdeckte Bismarcks Maxime e​ines außenpolitischen Ausgleichs u​nd spiegelte weniger Bismarcks Person a​ls vielmehr d​en Zeitgeist d​er Wilhelminischen Ära wider.[174]

Neben historisierenden Gemälden (z. B. v​on Franz v​on Lenbach) u​nd eher privaten, alltäglichen Darstellungen (z. B. v​on Christian Wilhelm Allers) entstanden a​uch verklärende u​nd überhöhende, d​ie vor a​llem die Reichsgründung thematisierten. Auch i​n patriotischen Gedichten w​ie den Bismarckliedern v​on Paul Warncke (1895)[175] u​nd Wilhelm Berger[176] w​urde der Reichskanzler gefeiert.

Ebenfalls 1895, z​u Bismarcks 80. Geburtstag, erschien d​as großformatige Buch Unser Bismarck, d​as im Lauf d​er Zeit e​ine Auflage v​on 100.000 Exemplaren erreichte. Zu seinem 80. Geburtstag w​urde er a​us Progandazwecken z​um Ehrenmitglied d​es Alldeutschen Verbandes.[177]

In Friedrichsruh bestand s​eit 1927 e​in von d​er Familie eingerichtetes Bismarck-Museum. Seit 1951 befindet e​s sich i​m Alten Landhaus (mit Einrichtungsgegenständen, Dokumenten, Gemälde Proklamation d​es Deutschen Kaiserreiches v​on Anton v​on Werner), gegenüber d​em nach d​er Zerstörung d​es Schlosses i​m Zweiten Weltkrieg, n​eu errichteten Familiensitz u​nd betreut a​uch das zugängliche Bismarck-Mausoleum.

Im a​lten Empfangsgebäude d​es Bahnhofs Friedrichsruh befindet s​ich die Otto-von-Bismarck-Stiftung, d​ie 1996 v​on der Bundesrepublik Deutschland a​ls eine v​on mittlerweile fünf Politikergedenkstiftungen eingerichtet w​urde und d​ort eine Dauerausstellung z​u Bismarck zeigt. Ihr Hauptziel i​st die Erarbeitung e​iner neuen kritischen Ausgabe d​er Schriften Bismarcks. In Göttingen i​st Bismarcks Studentenwohnung, d​as Bismarckhäuschen, a​ls kleines Museum zugänglich. In Bismarcks Geburtsort Schönhausen erwarb „das deutsche Volk“ i​m Jahr 1885 v​on der Familie Gaertner d​as Gut Schönhausen II u​nd schenkte e​s Bismarck z​um 70. Geburtstag. In diesem, ehemals a​uch der Familie Bismarck gehörigen Rittergutshaus, w​urde ein Bismarck-Museum errichtet, d​as bis 1948 bestand. 1998 w​urde es wieder, m​it Mitteln d​es Landes Sachsen-Anhalt, i​m erhalten gebliebenen Seitenflügel, d​em so genannten Torhaus v​on Schloss Schönhausen I eingerichtet. Im selben Jahr entstand e​in weiteres Bismarckmuseum i​n Bad Kissingen, w​o Bismarck zwischen 1874 u​nd 1893 insgesamt 15 Mal z​ur Kur geweilt hatte. Am 1. November 2004 w​urde in Jever e​in weiteres Bismarckmuseum eröffnet.

Historiografie

Mehr a​ls 150 Jahre Bismarck-Rezeption h​aben eine Vielzahl v​on Deutungen seiner Persönlichkeit u​nd seiner Handlungen hervorgebracht, d​ie sich o​ft konträr gegenüberstehen. Bis n​ach dem Zweiten Weltkrieg überwog d​abei in d​er deutschsprachigen Literatur d​ie Neigung v​on Autoren, d​ie Wertung v​on eigenen politischen u​nd religiösen Standpunkten beeinflussen z​u lassen. Die Historikerin Karina Urbach bilanzierte 1998: „Mindestens s​echs Generationen i​st sein Leben s​chon nahegebracht worden, u​nd man k​ann abgewogenerweise sagen, d​ass fast j​ede zweite Generation i​n Deutschland e​iner weiteren Version Bismarcks begegnet ist. Keine andere deutsche politische Figur i​st dermaßen für politische Zwecke benutzt u​nd missbraucht worden.“[178]

Kaiserreich

Kontrovers w​urde Bismarck bereits z​u Lebzeiten gesehen. Schon i​n den ersten biografischen Studien, einige d​avon mehrbändig, w​urde die Komplexität u​nd Undurchdringlichkeit v​on Bismarcks Persönlichkeit hervorgehoben.[179] Der Soziologe Max Weber wertete 1895 i​n seiner Freiburger Antrittsrede Bismarcks Rolle i​m deutschen Einigungsprozess kritisch: „Denn dieses Lebenswerk hätte d​och nicht n​ur zur äußeren, sondern a​uch zur inneren Einigung d​er Nation führen sollen u​nd jeder v​on uns weiß: d​as ist n​icht erreicht. Es konnte m​it seinen Mitteln n​icht erreicht werden.“[180] Theodor Fontane war, w​ie Hans-Jürgen Perrey schreibt, „voller Bewunderung für d​ie historischen Leistungen u​nd die historische Größe Otto v​on Bismarcks, u​m im selben Atemzuge ebenso schwerwiegende Vorbehalte z​u äußern, w​enn er a​uf den Menschen u​nd dessen Charakter schaute.“[181] „Er i​st die denkbar interessanteste Figur, i​ch kenne k​eine interessantere, a​ber dieser beständige Hang, d​ie Menschen z​u betrügen, d​ies vollendete Schlaubergertum i​st mir eigentlich widerwärtig, u​nd wenn i​ch aufrichten, erheben will, s​o muß i​ch doch a​uf andere Helden blicken“, schrieb Fontane a​m 5. August 1893 seinem Freund August v​on Heyden[182]

Bismarck-Denkmal
in Bad Kissingen
(von Heinrich Manger, 1877)
Otto-von-Bismarck-Medaillon von 1916 an der Bismarckbrücke Dresden-Löbtau von 1837. Nachguss Kunstgießerei Lauchhammer 1998.[183]

Diese negativen Beurteilungen konnten s​ich auf Dauer n​icht durchsetzen, n​icht zuletzt w​egen Bismarcks Memoiren, d​ie den Bismarckverehrern n​eben einem f​ast unerschöpflichen Vorrat v​on Zitaten d​ie Grundlagen für d​as Bild lieferten, d​as sich v​iele national gesinnte Deutsche v​on Bismarck machten; d​ies erschwerte e​inen kritischen Blick a​uf den Reichsgründer.[184] Zu Lebzeiten n​ahm Bismarck außerdem persönlich Einfluss a​uf seine Darstellung i​n der Geschichtsschreibung, i​ndem er d​en Zugriff v​on Historikern a​uf Dokumente regulierte u​nd zum Teil Manuskripte Korrektur las. Nach seinem Tod übernahm d​er Sohn Herbert v​on Bismarck für einige Jahre d​iese Kontrolle über d​as Bismarck-Bild d​er Nachwelt.[185]

Die professionelle Geschichtswissenschaft konnte s​ich vor d​em Hintergrund d​er Reichseinigung d​er Faszination Bismarcks n​icht entziehen u​nd trug z​ur Idealisierung seiner Person bei. Heinrich v​on Treitschke wandelte s​ich von e​inem politischen Kritiker Bismarcks z​u einem glühenden Bewunderer. Bismarcks Reichsgründung g​alt ihm a​ls heroische Glanztat d​er deutschen Geschichte. Treitschke u​nd andere Historiker d​er kleindeutsch-borussischen Schule d​er Geschichtsschreibung w​aren fasziniert v​on der strukturbrechenden Kraft Bismarcks.[186] Der Bismarck-Biograf Erich Marcks schrieb 1909: „Und z​u dem Glauben bekenne i​ch mich gern: dieses Dasein w​ar so groß, i​n sich s​o gewaltig, für s​ein Volk s​o umfassend bedeutungsreich, daß a​n ihm alles, soweit e​s nur Leben hat, historisch wertvoll ist.“[187] Jedoch betonte Marcks, i​m Einvernehmen m​it anderen Historikern d​er Wilhelminischen Ära w​ie Heinrich v​on Sybel, n​och die Zweitrangigkeit d​er Rolle Bismarcks gegenüber d​en Leistungen d​er Hohenzollern. Nicht Bismarck, sondern Wilhelm I. w​urde bis 1914 i​n Schulbüchern a​ls Gründer d​es Deutschen Kaiserreichs dargestellt.[185]

1915, Erster Weltkrieg, Silbermedaille von Paul Sturm zu Bismarcks 100. Geburtstag. Herausgegeben von Hugo Grünthal, dem Inhaber der Berliner Firma Robert Ball Nachf., Vorderseite.
Die Rückseite dieser Medaille symbolisiert die Kriegsanstrengungen: Ein Riese trägt Deutschland.

Der entscheidende Schritt z​u einer extremen Überhöhung v​on Bismarcks Bild i​n der Historiografie w​urde während d​es Ersten Weltkriegs vollzogen. Anlässlich d​es 100. Geburtstags v​on Bismarck 1915 entstanden Weiheschriften, d​ie ihren r​ein propagandistischen Zweck k​aum verhüllten.[188] In patriotischem Überschwang betonten Historiker d​ie Pflicht d​er deutschen Soldaten, d​ie von Bismarck herbeigeführte Einheit u​nd Größe Deutschlands g​egen die anderen europäischen Mächte z​u verteidigen, unterschlugen d​abei aber Bismarcks beständige Warnungen g​egen einen solchen Krieg i​n Mitteleuropa. Bismarck-Forscher w​ie Erich Marcks,[189] Max Lenz[190] u​nd Horst Kohl[191] zeichneten Bismarck vielmehr a​ls geistige Leitfigur d​er deutschen Kriegsanstrengungen.[192]

Weimarer Republik und Zeit des Nationalsozialismus

Die deutsche Niederlage im Krieg und der Wechsel zur Republik von Weimar brachten keinen grundsätzlichen Umschwung in diesem nationalistischen Bismarck-Bild, weil die Elite der Historikerzunft weiter der Monarchie verpflichtet blieb. In einer als demütigend und chaotisch empfundenen Lage Deutschlands wurde Bismarck als Orientierung gebende Vaterfigur porträtiert, an deren Genius angeknüpft werden müsse, um die „Schmach von Versailles“ zu überwinden. Sofern Kritik an seiner historischen Rolle geäußert wurde, bezog sie sich auf die „kleindeutsche“ Lösung der deutschen Frage, nicht auf die kriegerisch und „von oben“ herbeigeführte Einigung per se. Der Traditionalismus verhinderte, dass in dieser Zeit innovative Bismarck-Biografien erschienen. Immerhin ermöglichte die Freigabe weiterer Dokumente in den 1920er-Jahren neue Detailstudien, die Bismarcks diplomatisches Geschick hervorhoben.[193] In einer zukunftsweisenden Monografie analysierte Otto Jöhlinger zudem 1921 erstmals Bismarcks Antisemitismus.[194][195] Der Historiker betonte dabei, dass der Reichskanzler entsprechende Äußerungen hauptsächlich in reaktionären politischen Kreisen getätigt hatte, sein eigenes Verhalten gegenüber Juden aber von Pragmatismus geprägt war.[193] Die populärste Bismarck-Biografie der Zeit legte 1926 der Schriftsteller Emil Ludwig mit einer kritischen psychologischen Studie vor, in der Bismarck als faustischer Held im Drama der Geschichte des 19. Jahrhunderts porträtiert wurde.[196]

In d​er Zeit d​es Nationalsozialismus w​urde häufiger e​ine historische Kontinuitätslinie zwischen Bismarck u​nd Adolf Hitler behauptet, u​m so d​en nationalsozialistischen Staat a​ls Vollendung d​er deutschen Einheitsbewegung (jedoch b​ei Korrektur d​er „kleindeutschen Lösung“) z​u porträtieren. Erich Marcks, Nestor d​er Bismarck-Forschung, unterstützte d​iese ideologisierte Geschichtsdeutung. Auch i​n Großbritannien w​urde Bismarck während d​es Zweiten Weltkriegs vermehrt a​ls Vorgänger Hitlers gesehen, d​er Beginn d​er historiografischen Definition e​ines Deutschen Sonderwegs. Während d​es Zweiten Weltkriegs ließ d​ie Berufung d​er Nationalsozialisten a​uf Bismarck jedoch nach; v​or allem s​eine bekannten Warnungen v​or einem Krieg Deutschlands g​egen Russland w​aren ab 1941 n​icht mehr opportun. Stattdessen erblickten n​un konservative Mitglieder d​es Widerstands i​n Bismarck e​ine Leitfigur.[197]

Im Jahr 1944 erschien Arnold Oskar Meyers Bismarck d​er Mann u​nd der Staatsmann,[198] i​n dem Bismarck nationaldeutsch u​nd völkisch gedeutet wurde. Mit diesem Werk erlangte d​ie Bismarck-Verherrlichung i​n der Tradition d​es Kaiserreichs e​inen letzten Höhepunkt. Angesichts d​er Niederlage i​m Zweiten Weltkrieg u​nd der Aufteilung Deutschland konnte Meyers überzogene politische Interpretation jedoch keinen größeren Einfluss a​uf die Bewertung d​er Rolle Bismarcks d​urch die Geschichtsschreibung m​ehr ausüben.[199]

Eine wichtige kritische Stimme e​rhob der Jurist Erich Eyck m​it seiner 1941–1944 i​m Schweizer Exil veröffentlichten dreibändigen Bismarck-Biografie. Er w​arf Bismarck machiavellistische Methoden u​nd mangelnden Respekt v​or dem Recht vor, verurteilte seinen Zynismus gegenüber demokratischen, liberalen u​nd humanitären Werten u​nd machte i​hn für d​as Scheitern d​er Demokratie i​n Deutschland verantwortlich. Bismarcks Bündnissystem s​ei zwar m​it Geschick erbaut worden, a​ber künstlich u​nd von vornherein z​um Scheitern verurteilt gewesen.[200] Jedoch konnte a​uch Eyck s​ich der Faszination Bismarcks n​icht entziehen: „Aber niemand, w​o immer e​r steht, k​ann verkennen, daß e​r die zentrale u​nd beherrschende Figur seiner Zeit i​st und m​it ungeheurer Kraft u​nd tyrannischer Energie i​hr die Wege gewiesen hat. Und niemand k​ann sich d​er faszinierenden Anziehungskraft dieses Menschen entziehen, d​er im g​uten wie i​m bösen i​mmer eigenartig u​nd immer bedeutend ist.“[201]

Nachkriegszeit bis 1990

Nach d​em Zweiten Weltkrieg hielten einflussreiche deutsche Historiker w​ie Hans Rothfels u​nd Theodor Schieder, w​enn auch differenziert, a​n einem insgesamt positiven Bismarckbild fest.[202] Viele deutsche Fachrezensionen d​er Eyck-Biografie, d​ie erst i​n den 1950er-Jahren erschienen, w​aren entsprechend äußerst kritisch. Gerhard Ritter w​arf Eyck i​n einem Brief vor, lediglich antideutsche Klischees bestätigt z​u haben. Demgegenüber argumentierte Friedrich Meinecke, selbst z​uvor ein Bismarck-Bewunderer, 1946 i​n Die deutsche Katastrophe, d​as traumatische Scheitern d​es deutschen Nationalstaates verhindere, Bismarck a​uf absehbare Zeit z​u feiern.[203]

Der Brite Alan J. P. Taylor veröffentlichte 1955 e​ine psychologisch gefärbte u​nd nicht zuletzt deswegen umstrittene Bismarck-Biografie, i​n der e​r die komplexe Persönlichkeit seines Studienobjekts m​it dem inneren Kampf zwischen väterlichem u​nd mütterlichem Erbe z​u erklären suchte.[204] Taylor kontrastierte Bismarcks politischen Instinkt b​eim Ringen u​m eine Friedensordnung i​n Europa positiv m​it der aggressiven deutschen Außenpolitik s​eit der Wilhelminischen Ära.[205] Die e​rste deutsche Nachkriegsbiografie Bismarcks v​on Wilhelm Mommsen[206] unterschied s​ich von Vorgängern v​or allem d​urch den nüchternen, u​m eine objektive Perspektive bemühten Stil. Mommsen h​ob Bismarcks politische Flexibilität hervor u​nd vertrat d​ie Ansicht, dessen innenpolitische Fehler sollten n​icht die Errungenschaften e​ines bedeutenden Staatsmannes überdecken.[207]

In d​en 1960er- u​nd 1970er-Jahren verlor d​er auf Biografien „großer Figuren“ zentrierte Ansatz i​n der westdeutschen Historikerzunft s​tark an Boden. Demgemäß w​aren nun n​icht mehr Person u​nd Handeln Bismarcks bevorzugtes Studienobjekt, sondern d​ie politischen, sozialen u​nd kulturellen Strukturen, i​n die e​r eingebunden war, d​ie er a​ber selbst a​uch beeinflusste. In d​er sozialgeschichtlichen Schule u​m den bismarckkritischen Hans-Ulrich Wehler w​urde unter anderem Bismarcks Praxis d​er Kampagnen g​egen vermeintliche Staatsfeinde (Sozialdemokraten, Jesuiten etc.) problematisiert. In Form e​iner „negativen Integration“ h​abe das Schüren v​on Ängsten d​em Reichskanzler d​azu gedient, soziale Milieus a​n das n​eue Kaiserreich z​u binden. Bismarck s​ei es z​udem gelungen, a​b 1878 m​it einer „Sammlungspolitik“ d​ie Interessen zweier einflussreicher Gruppen, nämlich d​er führenden Landbesitzer (Junker) u​nd der Großindustriellen, i​n einer „Allianz g​egen den Fortschritt“ z​u verbinden.[208] Wehler charakterisierte Bismarcks Herrschaftssystem 1973 a​ls bonapartistische Diktatur. Dazu hätten charismatische, plebiszitäre u​nd traditionelle Elemente gehört.[209] Später versuchte Wehler, Bismarcks Stellung m​it Hilfe v​on Max Webers Konzept d​er „charismatischen Herrschaft“ z​u deuten.[210]

Ende d​er 1970er-Jahre setzte e​ine Gegenbewegung z​um Verzicht d​er Sozialhistoriker a​uf biografische Studien ein. Seitdem s​ind in regelmäßigem Abstand n​eue Bismarck-Biografien erschienen, d​ie zumeist e​in differenziertes Bild d​es ersten Reichskanzlers jenseits e​iner überspitzten Überhöhung o​der Dämonisierung zeichnen. Den meisten neueren Biografien i​st gemeinsam, d​ass sie i​m Versuch e​iner Synthese z​war die Wirkungsmacht Bismarcks betonen, dessen Person jedoch eingebettet i​n die zeitgenössischen Strukturen u​nd politischen Prozesse zeigen.[211]

Einen ungewöhnlichen Weg g​ing dabei Fritz Stern, d​er 1978 e​ine Doppelbiografie Bismarcks u​nd seines Bankiers Gerson v​on Bleichröder vorlegte.[212] Lothar Gall zeichnete 1980, e​inen von Ludwig Bamberger u​nd Henry Kissinger verwendeten Begriff aufnehmend, d​as Bild e​ines „weißen Revolutionärs“.[213] Bismarck w​ar danach e​in Erzroyalist, d​er die konservativen Strukturen bewahren wollte, stürzte z​u diesem Zweck a​ber auch bestehende Ordnungen u​m und h​at modernisierend gewirkt. Am Ende h​abe er a​ber die Kräfte, d​ie er gerufen hatte, n​icht mehr beherrschen können u​nd bemühte s​ich um d​as Zurückdrängen moderner Tendenzen.[214]

Der US-amerikanische Historiker Otto Pflanze l​egte zwischen 1963 u​nd 1990 e​ine mehrbändige Biografie Bismarcks vor,[215] d​ie im Unterschied z​u anderen Werken weniger Bismarcks Handeln a​ls vielmehr s​eine Persönlichkeit i​n den Vordergrund stellte u​nd diese t​eils mit psychoanalytischen Methoden untersuchte. Pflanze kritisierte Bismarck dafür, d​ie Reichsverfassung u​nd den Umgang m​it den Parteien g​anz seinen unmittelbaren politischen Zwecken angepasst u​nd dadurch e​in wirkungsmächtiges negatives Exempel gesetzt z​u haben. Nach Pflanze g​eht die Darstellung a​ls Einiger d​er deutschen Nation a​uf Bismarcks späte Selbststilisierung zurück, obwohl e​r ursprünglich n​ur den Einfluss Preußens i​m Konzert d​er europäischen Mächte h​abe stärken wollen.[216]

Der DDR-Historiker Ernst Engelberg brachte 1985 d​en ersten Band seiner Bismarck-Biografie heraus,[217] d​ie in Ost u​nd West a​uf Verwunderung stieß, w​eil sie e​her liebevoll und, abgesehen v​on der Sozialistenverfolgung, w​enig kritisch m​it dem Kanzler umging. Engelberg sah, durchaus i​n Einvernehmen m​it anderen marxistisch-leninistischen Historikern d​er Zeit, d​ie Reichsgründung a​ls Phase d​es Fortschritts an, d​ie der Arbeiterklasse e​inen nationalen Zusammenschluss ermöglicht habe. Engelberg betrachtete Bismarck selbst n​icht als Abenteurer, sondern a​ls überlegt handelnden Politiker, dessen Charakterfehler i​hm nicht persönlich anzulasten, vielmehr a​us seinen sozialen Wurzeln i​m Junkertum heraus erklärbar seien. Der Erste Weltkrieg s​ei nicht Bismarcks Erbe, sondern d​ie Schuld seiner Nachfolger gewesen.[218]

Siehe auch

Literatur, Quellen und Darstellungen

Schriften und Reden Bismarcks

  • Gesammelte Werke – Neue Friedrichsruher Ausgabe. Schöningh, Paderborn [u. a.] 2004 ff.
    • Abt. 3: 1871–1898. Schriften Bd. 1: 1871–1873. Paderborn [u. a.] 2004, ISBN 3-506-70130-4;
    • Abt. 3: 1871–1898. Schriften Bd. 2: 1874–1876. Paderborn [u. a.] 2005, ISBN 3-506-71350-7;
    • Abt. 3: 1871–1898. Schriften Bd. 3: 1877–1878. Paderborn [u. a.] 2008, ISBN 978-3-506-76525-3;
    • Abt. 3: 1871–1898. Schriften Bd. 4: 1879–1881. Paderborn [u. a.] 2008, ISBN 978-3-506-76526-0;
    • Abt. 3: 1871–1898. Schriften Bd. 5: 1882–1883. Paderborn [u. a.] 2010, ISBN 978-3-506-76848-3;
    • Abt. 3: 1871–1898. Schriften Bd. 6: 1884–1885. Paderborn [u. a.] 2011, ISBN 978-3-506-77171-1;
    • Abt. 3: 1871–1898. Schriften Bd. 7: 1886–1887. Paderborn [u. a.] 2018, ISBN 978-3-506-79217-4;
    • Abt. 3: 1871–1898. Schriften Bd. 8: 1888–1890. Paderborn [u. a.] 2014, ISBN 978-3-506-76636-6;
    • Abt. 3: 1871–1898. Schriften Bd. 9: 1890–1898. Paderborn [u. a.] 2021, ISBN 978-3-506-76043-2;
    • Abt. 4: Gedanken und Erinnerungen. Paderborn [u. a.] 2012, ISBN 978-3-506-77070-7.
  • Gedanken und Erinnerungen. Herbig, München 2007 (1898–1919), ISBN 978-3-7766-5012-9.
  • Die politischen Reden des Fürsten Bismarck. Historisch-kritische Gesamtausgabe besorgt von Horst Kohl. 14 Bände. Cotta, Stuttgart 1892–1905.
  • Bismarckbriefe 1836–1872. 6., stark verm. Auflage. Hrsg. von Horst Kohl. Velhagen & Klasing, Bielefeld und Leipzig 1897.
  • Gesammelte Werke. Briefe, Reden und Aktenstücke. Ges. und hrsg. von Bruno Walden. 4 Bd. Fried, Berlin 1890.
  • Die politischen Berichte des Fürsten Bismarck aus Petersburg und Paris (1859–1862). Hrsg. von Ludwig Raschdau. Bd. 1: 1859–1860. Bd. 2: 1861–1862. Hobbing, Berlin 1920.
  • Bismarcks Briefwechsel mit dem Minister Freiherrn von Schleinitz. 1858–1861. Cotta, Stuttgart und Berlin 1905.
  • Bismarck und der Staat. Ausgewählte Dokumente. 2. Auflage. Eingeleitet von Hans Rothfels. Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 1953 (1925).
  • Die Ansprachen des Fürsten Bismarck 1848–1894. Hrsg. von Heinrich von Poschinger. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart [u. a.] 1895.
  • Fürst Bismarcks Briefe an seine Braut und Gattin. Hrsg. von Fürst Herbert von Bismarck. Cotta, Stuttgart 1900.
  • Bismarcks Briefe an seine Gattin aus dem Kriege 1870/71. Cotta, Stuttgart und Berlin 1903.
  • Briefe Ottos von Bismarck an Schwester und Schwager Malwine von Arnim geb. v. Bismarck u. Oskar von Arnim-Kröchlendorff 1843–1897. Hrsg. von Horst Kohl. Dieterich, Leipzig 1915.
  • Bismarck. Briefe, Berichte, Denkschriften, Erlasse, Gespräche, Reden, Verträge. Hrsg. von Karl Mielcke. Limbach, Braunschweig 1954.
  • Bismarcks spanische „Diversion“ 1870 und der preußisch-deutsche Reichsgründungskrieg. Quellen zur Vor- und Nachgeschichte der Hohenzollern-Kandidatur für den Thron in Madrid 1866–1932. 3 Bd. Hrsg. von Josef Becker unter Mitarbeit von Michael Schmid. Schöningh, Paderborn [u. a.] 2003–2007.
  • Otto von Bismarck – Werke in Auswahl. Hrsg. von Alfred Milatz. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1981.

Darstellungen zu Bismarcks Leben und zum Bismarck-Mythos

  • Rudolf Augstein: Otto von Bismarck. Hain, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-445-06012-6.
  • Ernst Engelberg: Bismarck. Bd. 1: Urpreuße und Reichsgründer. 3., durchgesehene Auflage, Akademie-Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-05-000070-8. Bd. 2: Das Reich in der Mitte Europas. Siedler, Berlin 1990, ISBN 3-88680-385-6. Komplett überarbeitete Ausgabe in einem Band unter dem Titel Bismarck. Sturm über Europa. Siedler, München 2014, ISBN 978-3-8275-0024-3.
  • Michael Epkenhans, Ulrich Lappenküper, Andreas von Seggern: Otto von Bismarck. Aufbruch in die Moderne. Bucher, München 2015, ISBN 978-3-7658-1962-9.
  • Lothar Gall: Bismarck. Der weiße Revolutionär. 2. Auflage, Ullstein, Berlin 2002, ISBN 3-548-26515-4.
  • Robert Gerwarth: The Bismarck Myth. Weimar Germany and the Legacy of the Iron Chancellor. Clarendon Press, Oxford 2005, ISBN 0-19-928184-X. Deutsche Ausgabe: Der Bismarck-Mythos. Die Deutschen und der Eiserne Kanzler. Aus dem Englischen von Klaus-Dieter Schmidt. Siedler, München 2007, ISBN 978-3-88680-871-7.
  • Sebastian Haffner: Otto von Bismarck. In: Ders., Wolfgang Venohr: Preußische Profile. 2. Auflage der Neuausgabe, Econ-Ullstein-List, Berlin 2001, ISBN 3-548-26586-3, S. 141–161.
  • Bernd Heidenreich, Frank-Lothar Kroll (Hrsg.): Bismarck und die Deutschen. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2005, ISBN 3-8305-0939-1.
  • Andreas Hillgruber: Otto von Bismarck. Gründer der europäischen Großmacht Deutsches Reich (= Persönlichkeit und Geschichte. Biographische Reihe. Band 101/102). Musterschmidt, Zürich u. a. 1978, ISBN 3-7881-0101-6.
  • Gabriele Hoffmann: Otto von Bismarck und Johanna von Puttkamer. Die Geschichte einer großen Liebe. Insel Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-458-17617-6.
  • Eberhard Kolb: Bismarck. (C.H.Beck Wissen) Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-56276-1.
  • Hans-Christof Kraus: Bismarck. Größe – Grenzen – Leistungen. Klett-Cotta, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-608-94861-5.
  • Christian von Krockow: Bismarck. Eine Biographie. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1997, ISBN 3-421-05080-5.
  • Ulrich Lappenküper, Ulf Morgenstern (Hrsg.): Überzeugungen, Wandlungen und Zuschreibungen. Das Staatsverständnis Otto von Bismarcks. (= Staatsverständnisse. Band 130). Nomos, Baden-Baden 2019, ISBN 978-3-8487-4915-7.
  • Wilhelm Mommsen: Otto von Bismarck. (= Rowohlts Monographien, Band 122). 20. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1994, ISBN 3-499-50122-8.
  • Christoph Nonn: Bismarck. Ein Preuße und sein Jahrhundert. C.H. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-67589-8.
  • Christoph Nonn: Otto von Bismarck. Die letzte Forelle. In: Michael Epkenhans/Ewald Frie (Hrsg.): Politiker ohne Amt. Von Metternich bis Helmut Schmidt (= Otto-von-Bismarck Stiftung Wissenschaftliche Reihe, Bd. 28). Schöningh, Paderborn 2020, S. 41–52, ISBN 978-3-506-70264-7.
  • Rolf Parr: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“. Strukturen und Funktionen der Mythisierung Bismarcks (1860–1918). Fink, München 1992, ISBN 3-7705-2727-5.
  • Otto Pflanze: Bismarck. Bd. 1: Der Reichsgründer. Bd. 2: Der Reichskanzler. Beck, München 1997–1998, ISBN 3-406-42725-1 und, ISBN 3-406-42726-X.
  • Otto Pflanze: Bismarcks Herrschaftstechnik als Problem der gegenwärtigen Historiographie (= Schriften des Historischen Kollegs. Vorträge 2). München 1982 (Digitalisat).
  • Rainer F. Schmidt: Bismarck. Realpolitik und Revolution. Eine Biographie. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 2004, ISBN 3-17-017407-X.
  • Sieglinde Seele: Lexikon der Bismarck-Denkmäler – Türme, Standbilder, Büsten, Gedenksteine und andere Ehrungen – Eine Bestandsaufnahme in Wort und Bild, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2005, 480 Seiten, ISBN 3-86568-019-4.
  • Jonathan Steinberg: Bismarck. A Life. University Press, Oxford 2011, ISBN 978-0-19-959901-1 (Eingeschränkte Vorschau bei Google Books) (Rezension, Rezension).
    • deutsch: Bismarck. Magier der Macht. Propyläen Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-549-07416-9.
  • Fritz Stern: Gold und Eisen. Bismarck und sein Bankier Bleichröder. Aus dem Englischen von Otto Weith. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1988, ISBN 3-499-12379-7.
  • Volker Ullrich: Otto von Bismarck. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1998, ISBN 3-499-50602-5.
  • Johannes Willms: Bismarck – Dämon der Deutschen. Anmerkungen zu einer Legende. Kindler, München 1997, ISBN 3-463-40296-3.

Literatur zur Epoche

  • Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600–1947 (= Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung. Bd. 632). bpb, Bonn 2007, ISBN 978-3-89331-786-8.
  • Sebastian Haffner: Von Bismarck zu Hitler: Ein Rückblick. Kindler Verlag, München 1987, ISBN 3-463-40003-0.
  • Klaus Hildebrand: Das vergangene Reich. Deutsche Außenpolitik von Bismarck bis Hitler 1871–1945. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1995, ISBN 3-421-06691-4.
  • Wilfried Loth: Das Kaiserreich. Obrigkeitsstaat und politische Mobilisierung. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1996, ISBN 3-423-04505-1.
  • Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800–1866. Bürgerwelt und starker Staat. 6., durchgesehene Auflage, Beck, München 1993, ISBN 3-406-09354-X.
  • Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1866–1918. Bd. 1: Arbeitswelt und Bürgerstaat. 3., durchgesehene Auflage, Beck, München 1993, ISBN 3-406-34453-4. Bd. 2: Machtstaat vor der Demokratie. 3., durchgesehene Auflage, Beck, München 1995, ISBN 3-406-34801-7.
  • Andreas Rose: Deutsche Außenpolitik in der Ära Bismarck (1862–1890). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2013, ISBN 978-3-534-15188-2.
  • Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 3: Von der „Deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges. 1849–1914. Beck, München 1995, ISBN 3-406-32263-8.
  • Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Deutsche Geschichte 1806–1933 (= Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung. Bd. 385). bpb, Bonn 2002, ISBN 3-89331-463-6.

Filme

  • Bismarck. Spielfilm, Deutschland 1913. Regie: William Wauer, Gustav Trautschold, Richard Schott. Mit Franz Ludwig in der Rolle Bismarcks.
  • Bismarck. Der Film der Deutschen. Spielfilm, Uraufführung 23. Dezember 1925 (1. Teil), 7. Januar 1927 (2. Teil). Regie: Ernst Wendt. Drehbuch: Ludwig Ziehen.
  • Bismarck 1862-1898. Spielfilm, Deutschland 1927. Regie: Curt Blachnitzky.
  • Bismarck. Spielfilm, Deutschland 1940. Regie: Wolfgang Liebeneiner.
  • Die Entlassung. Spielfilm, Deutschland 1942. Regie: Wolfgang Liebeneiner.
  • Made in Germany – Ein Leben für Zeiss. Spielfilm, BRD 1956. Regie: Wolfgang Schleif. Mit Heinz Klevenow als Bismarck.
  • Preußen über alles… Bismarcks deutsche Einigung. Fernsehspielfilm (ZDF) über Bismarck und die deutsche Reichsgründung, BR Deutschland 1971. Regie: Rudolf Jugert.[219]
  • Bebel und Bismarck. TV-Fernsehspielfilm, DDR 1987. Regie: Wolf-Dieter Panse. Mit Wolfgang Dehler in der Rolle Bismarcks.[220]
  • Bismarck. Fernsehspiel in drei Teilen. Teil 1: Ich bin ein Preuße. Teil 2: Eisen und Blut. Teil 3: Virtuose der Macht. BR Deutschland 1990. Regie: Tom Toelle.[221]
  • Bismarck – Kanzler und Dämon. Fernseh-Doku-Drama in zwei Teilen. Teil 1: Vom Landjunker zum Reichsgründer. Teil 2: Regierungsgewalt und Machtverlust. Deutschland 2007. Buch und Regie: Christoph Weinert.[222]
  • Bismarck und das Deutsche Reich (= Die Deutschen, Staffel 1, Folge 9). Dokumentarfilm, ZDF. Deutschland 2008. Regie: Friedrich Scherer.[223]
  • Die Reichsgründung. Dokumentarspiel, ARD-alpha. Deutschland 2012. Buch: Klaus Gietinger und Bernd Fischerauer. Regie: Bernd Fischerauer.[224]
  • Die nervöse Großmacht. Dokumentarspiel, ARD-alpha. Deutschland 2012. Buch: Klaus Gietinger und Bernd Fischerauer. Regie: Bernd Fischerauer.[225]
  • Die zwei Leben des Otto von Bismarck. Dokumentarfilm, ZDF-History. Deutschland 2015. Ein Film von Annette Tewes.[226]
  • Kaiserspiel – Bismarcks Reichsgründung in Versailles. (alternativ Kaiserspiel in Versailles). Dokumentarfilm, ZDF und Arte. Deutschland 2021. Buch: Dirk Kämper und Lothar Machtan. Regie: Christian Twente. Mit Thomas Thieme als Bismarck (Online bei ZDF.de, Video verfügbar bis 14. Dezember 2026).[227]
Commons: Otto von Bismarck – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Otto von Bismarck – Quellen und Volltexte

Anmerkungen

  1. Bismarck hat laut der Darstellung Volker Ullrichs (Otto von Bismarck. 4. Auflage, Rowohlt, Reinbek 1998) den Titel eines Herzogs zu Lauenburg konsequent abgelehnt und auch Post zurückgesandt, die so adressiert war.
  2. Max Osborn: Franz Krüger. Velhagen und Klasing, Bielefeld/Leipzig 1910 (= H. Knackfuß (Hrsg.): Künstler-Monographien, Bd. 101), S. 44, 97.
  3. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600–1947. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-421-05392-3, S. 592 f.; Lothar Gall: Bismarck. Der weiße Revolutionär. 2. Aufl. Ullstein, Berlin 2002, ISBN 3-548-26515-4, S. 27–30; Volker Ullrich: Otto von Bismarck. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1998, ISBN 3-499-50602-5, S. 14 f.
  4. Ullrich: Bismarck, S. 17; Gall: Bismarck, S. 29.
  5. Ullrich: Bismarck. S. 16–20.
  6. Brautwerbebrief an Heinrich von Puttkamer. In: Fürst Bismarcks Briefe an seine Braut und Gattin. Herausgegeben vom Fürsten Herbert von Bismarck. Cotta, Stuttgart 1900.
  7. Brief Bismarcks an seinen Bruder Bernhard vom 16. Oktober 1836. In: Otto Becker: Bismarcks Ringen um Deutschlands Gestaltung. Hrsg. und ergänzt von Alexander Scharff. Quelle & Meyer, Heidelberg 1958.
  8. Ludwig Reiners: Bismarcks Aufstieg 1815–64. C.H. Beck, München 1956.
  9. Rudolf von Jhering, über seinen Besuch bei Otto von Bismarck, S. 144 f.
  10. Bismarck: Gedanken und Erinnerungen I, S. 1 ff.
  11. Ullrich: Bismarck, S. 23; Gall: Bismarck, S. 33–36.
  12. Paul Kuetgens (Hrsg.): Carl Borromäus Cünzer Folie des Dames. Illustr. Bert Heller. Aachen 1932, S. 11.
  13. Zit. nach Ullrich: Bismarck. S. 26.
  14. Ullrich: Bismarck. S. 27.
  15. Ernst Engelberg: Bismarck – Urpreuße und Reichsgründer. Siedler, Berlin 1985, S. 181.
  16. Ullrich: Bismarck, S. 27; Gall: Bismarck, S. 42–49.
  17. Bismarcks Brautbrief an Heinrich von Puttkamer (Volltext)
  18. Kolb: Bismarck, S. 18.
  19. Gall: Bismarck. S. 50–55.
  20. Ullrich: Bismarck. S. 32 f.
  21. Theodor Wengler: Der Provinzialverband Pommern. Verzeichnis der Mitglieder des Provinziallandtages. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern, Reihe V, Bd. 44, Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2008, ISBN 978-3-412-20109-8, S. 159; Eberhard Kolb: Bismarck. C.H. Beck, München 2009, S. 13.
  22. Gall: Bismarck. S. 63.
  23. Eberhard Kolb: Bismarck. C.H. Beck, München 2009, S. 19–20.
  24. Zit. nach Ullrich: Bismarck. S. 36.
  25. Ullrich: Bismarck. S. 34–36.
  26. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Band 2: Von der Reformära bis zur industriellen und politischen ‚deutschen Doppelrevolution‘. 1815–1845/49. Beck, München 1987, S. 451.
  27. Gall: Bismarck. S. 70; Ullrich: Bismarck, S. 38.
  28. Ullrich: Bismarck. S. 38 f.
  29. Otto von Bismarck: Gedanken und Erinnerungen. Zweites Kapitel, IV: Das Jahr 1848 im Projekt Gutenberg-DE
  30. Gall: Bismarck. S. 83.
  31. Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. Band II: Der Kampf um Einheit und Freiheit 1830 bis 1850. 3. Auflage, W. Kohlhammer, Stuttgart [u. a.] 1988, S. 886.
  32. Gall: Bismarck. S. 102–106.
  33. Ullrich: Bismarck. S. 44.
  34. Zit. n. Ullrich: Bismarck. S. 39–45 (45).
  35. Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800–1866. Bürgerwelt und starker Staat. 6., durchgesehene Auflage. C.H. Beck, München 1993, ISBN 3-406-09354-X, S. 316, 673.
  36. Adolf Matthais: Bismarck: Sein Leben und sein Werk, S. 143.
  37. Petra Dollinger: Frauen am Ballenstedter Hof: Beiträge zur Geschichte der höfischen Gesellschaft und der Stellung der Frau im 19. Jahrhundert, Leipzig 1999, ISBN 393324059X, S. 537.
  38. Gall: Bismarck. S. 123.
  39. Gall: Bismarck. S. 141 f.
  40. Gall: Bismarck. S. 148.
  41. Ullrich: Bismarck. S. 48.
  42. Ullrich: Bismarck, S. 46–52; Gall: Bismarck, S. 161 f.
  43. Otto von Bismarck: Gedanken und Erinnerungen. Berliner Ausgabe 2013 von Michael Holzinger, Teil I, 5. Kapitel, S. 84.
  44. Otto von Bismarck: Gedanken und Erinnerungen. Berliner Ausgabe 2013 von Michael Holzinger, Teil I 8.Kapitel S. 109.
  45. Ullrich: Bismarck. S. 52.
  46. Lutz Krusche: Wenn Bismarck doch ertrunken wäre / Ein Sommerausgangsstück. Der Leuchtturmwärter und Europas Schicksal, Berliner Zeitung, 21. August 2006.
  47. Herbert von Bismarck: Fürst Bismarcks Briefe an seine Braut und Gattin, Stuttgart 1919, S. 453.
  48. Ullrich: Bismarck. S. 53–58.
  49. Gall: Bismarck. S. 201.
  50. Ullrich: Bismarck, S. 59; Gall: Bismarck, S. 242.
  51. Gall: Bismarck, S. 244 f.
  52. Zit. n. Ullrich: Bismarck. S. 60.
  53. Nipperdey: Bürgerwelt. S. 757; Ullrich: Bismarck, S. 58–60.
  54. Gall: Bismarck. S. 246 f.
  55. Otto von Bismarck: Gedanken und Erinnerungen, insbesondere Teil III (erst 1919 erschienen)
  56. Nipperdey: Bürgerwelt. S. 759 f.
  57. Gall, Lothar: Bismarck. S. 254.
  58. Otto von Bismarck: Gedanken und Erinnerungen. Vierzehntes Kapitel: Conflicts-Ministerium im Projekt Gutenberg-DE
  59. Zit. n. Ullrich: Bismarck. S. 61; GHDI-Dokument – Auszug aus Bismarcks Rede von „Blut und Eisen“ (1862)
  60. Grundkurs deutsche Militärgeschichte. Die Zeit bis 1914. Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, hrsg. von Karl-Volker Neugebauer. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2006, ISBN 3-486-57853-7, S. 324.
  61. Eberhard Kolb: Bismarck. C.H. Beck, München 2009, S. 57.
  62. Gall: Bismarck. S. 256 f.
  63. Zit. n. Ullrich: Bismarck. S. 62.
  64. Zit. n. Gall: Bismarck. S. 279.
  65. Ullrich: Bismarck. S. 60–65; Nipperdey: Bürgerwelt, S. 761–768.
  66. Zit. n. Ullrich: Bismarck. S. 67.
  67. Nipperdey: Bürgerwelt. S. 707–709; Ullrich: Bismarck, S. 66 f.
  68. Gall: Bismarck. S. 299.
  69. Ullrich: Bismarck, S. 68 f.; Gall: Bismarck, S. 301–303.
  70. Clark: Preußen. S. 598–605; Kaiser Friedrich III., Tagebücher 1848–1866, Leipzig 1929, S. 242.
  71. Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Deutsche Geschichte 1806–1933. Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, Bonn 2002, ISBN 3-89331-463-6, S. 161–164; Ullrich: Bismarck, S. 70–72.
  72. Winkler: Weg nach Westen, S. 165.
  73. Gall: Bismarck. S. 324.
  74. Winkler: Weg nach Westen, S. 167.
  75. Ullrich: Bismarck. S. 73 f.
  76. Ueber das Attentat auf den Grafen Bismarck. In: Morgen-Post. Wien 10. Mai 1866, S. 1 (onb.ac.at [abgerufen am 29. August 2019]).
  77. Clark: Preußen. S. 611.
  78. Zit. nach Ullrich: Bismarck. S. 75.
  79. Gall: Bismarck. S. 366 f.
  80. Ernst Gottfried Mahrenholz: Ein Königreich wird Provinz. Über Hannovers Schicksalsjahr 1866. Göttingen 2011, S. 67 f.
  81. Ullrich: Bismarck, S. 72–78; Clark: Preußen, S. 608–620; Winkler: Weg nach Westen, S. 166–178.
  82. Ullrich: Bismarck. S. 83.
  83. Johanniterorden (Hrsg.): Liste der Mitglieder der Balley Brandenburg des Ritterlichen Orden St. Johannis vom Spital zu Jerusalem 1890. Julius Sittenfeld, Berlin 1890, S. 3 (kit.edu [abgerufen am 1. September 2021]).
  84. Winkler: Weg nach Westen, S. 187.
  85. Ullrich: Bismarck, S. 78 f.; Gall: Bismarck, S. 378 f.
  86. Martin Kirsch: Monarch und Parlament im 19. Jahrhundert. Der monarchische Konstitutionalismus als europäischer Verfassungstyp – Frankreich im Vergleich, Göttingen 1999.
  87. Hedwig Richter, Moderne Wahlen. Eine Geschichte der Demokratie in Preußen und den USA im 19. Jahrhundert. Hamburg 2017, S. 330–335; Christoph Nonn, Bismarck. Ein Preuße und sein Jahrhundert. C.H. Beck, München 2015, S. 356; Gall, Bismarck, S. 515.
  88. Gall: Bismarck. S. 393–400.
  89. Gall: Bismarck. S. 401 f.
  90. Gall: Bismarck. S. 415 f.
  91. Ullrich: Bismarck. S. 83–87.
  92. Gall: Bismarck. S. 406.
  93. Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1866–1918. Band II: Machtstaat vor der Demokratie. C.H. Beck, München 1992, S. 60/61.
  94. Die ursprüngliche und die von Bismarck bearbeitete Fassung der Emser Depesche (GHDI-Dokument).
  95. Ullrich: Bismarck. S. 87–89.
  96. Gall: Bismarck. S. 438.
  97. Beispieldokument zur Auseinandersetzung zwischen Bismarck und dem Militär(Dezember 1870) (GHDI-Dokument).
  98. Gall: Bismarck. S. 447 f.
  99. Schreiben Bismarcks an Ludwig II. von Bayern (27. November 1870) (GHDI-Dokument)
  100. Ullrich: Bismarck. S. 93 f.
  101. Fritz Richard Stern: Gold und Eisen: Bismarck und sein Bankier Bleichröder, München 2008, S. 418.
  102. Ullrich: Bismarck, S. 90–94; Gall: Bismarck, S. 461 f.
  103. Ullrich: Bismarck. S. 102 f.
  104. Sensationelle Tonaufnahmen – So klang Bismarck! auf einestages (Spiegel Online) vom 31. Januar 2012.
  105. Ullrich: Bismarck. S. 111.
  106. Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Das Tagebuch der Baronin Spitzemberg. Aufzeichnungen aus der Hofgesellschaft des Hohenzollernreiches. Göttingen 1989, S. 146.
  107. Oswald Müller-Plathe: Bismarcks „Schwarzer Tyrann“. In: Hamburger Ärzteblatt vom 10. Mai 2016, S. 34.
  108. Vgl. Philipp zu Eulenburg: Die Tragödie Herbert Bismarcks, in: Aus fünfzig Jahren. Berlin 1923, S. 81–107; Ullrich: Bismarck, S. 111–114.
  109. Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1866–1918. Bd. 2: Machtstaat vor der Demokratie. 3., durchges. Auflage, Beck, München 1995, ISBN 3-406-34801-7, S. 426.
  110. Ullrich: Bismarck. S. 95; Nipperdey: Machtstaat. S. 427 f.
  111. Nipperdey: Machtstaat. S. 432.
  112. Ullrich: Bismarck. S. 95–97; Nipperdey: Machtstaat. S. 433.
  113. Zit. nach Ullrich: Bismarck. S. 98.
  114. Gall: Bismarck. S. 595.
  115. Ullrich: Bismarck. S. 97–100; vgl. ausführlich dazu Nipperdey: Machtstaat. S. 433–445.
  116. Dirk van Laak: Imperiale Infrastruktur. Deutsche Planungen für eine Erschließung Afrikas 1880 bis 1960. Schöningh, Paderborn 2004, S. 64 f.; Beate Althammer: Das Bismarckreich 1871–1890. Schöningh, Paderborn 2009, S. 228–231.
  117. Gordon A. Craig: Deutsche Geschichte 1866–1945. Vom Norddeutschen Bund bis zum Ende des Dritten Reiches. Beck, München 1999, ISBN 3-406-42106-7, S. 114.
  118. Winfried Baumgart: Bismarcks Kolonialpolitik. In: Johannes Kunisch (Hrsg.): Bismarck und seine Zeit (= Forschungen zur Brandenburgischen und Preussischen Geschichte, Neue Folge, Band 1), Duncker & Humblot, Berlin 1992, ISBN 3-428-07314-2, S. 141–154, hier S. 143 f.
  119. Ullrich: Bismarck. S. 101.
  120. Ullrich: Bismarck. S. 100 f.; vgl. Nipperdey: Machtstaat. S. 445–453.
  121. Nipperdey: Machtstaat. S. 459.
  122. Nipperdey: Machtstaat. S. 454–461.
  123. Gall: Bismarck, S. 529.
  124. Wilfried Loth: Das Kaiserreich. Obrigkeitsstaat und politische Mobilisierung. Dt. Taschenbuch-Verlag, München 1996, ISBN 3-423-04505-1, S. 44–50.
  125. Rudolf Morsey: Bismarck und das Zentrum. In: Lothar Gall (Hrsg.): Bismarck und die Parteien. Paderborn 2001, S. 43–72, hier S. 48–51.
  126. Zit. nach Ullrich: Bismarck. S. 105; Loth: Kaiserreich, S. 53; Gall: Bismarck, S. 473.
  127. Reichstagsprotokolle, 1872,1 S. 356 links oben; auch abgedruckt in Provinzial-Correspondenz Nr. 20 vom 15. Mai 1872, S. 2 r.Sp.
  128. Rudolf Morsey: Bismarck und das Zentrum. In: Lothar Gall (Hrsg.): Bismarck und die Parteien. Paderborn 2001, S. 43–72, hier S. 52.
  129. Rudolf Morsey: Bismarck und das Zentrum. In: Lothar Gall (Hrsg.): Bismarck und die Parteien. Paderborn 2001, S. 43–72, hier S. 57.
  130. Rudolf Morsey: Bismarck und das Zentrum. In: Lothar Gall (Hrsg.): Bismarck und die Parteien. Paderborn 2001, S. 43–72, hier S. 54.
  131. Rudolf Morsey: Bismarck und das Zentrum. In: Lothar Gall (Hrsg.): Bismarck und die Parteien. Paderborn 2001, S. 43–72, hier S. 55–57 und 71 f.
  132. Rudolf Morsey: Bismarck und das Zentrum. In: Lothar Gall (Hrsg.): Bismarck und die Parteien. Paderborn 2001, S. 43–72, hier S. 61.
  133. Ullrich: Bismarck, S. 104 f.; Loth: Kaiserreich, S. 50–59.
  134. Gall: Bismarck. S. 548.
  135. Loth: Kaiserreich. S. 59–63.
  136. Zit. nach Ullrich: Bismarck. S. 108.
  137. Gall: Bismarck. S. 558 f., 563.
  138. Ernst Schraepler, August Bebel. Sozialdemokrat im Kaiserreich. Göttingen 1966, S. 33.
  139. Zit. nach Gall: Bismarck. S. 497.
  140. Zit. nach Ullrich: Bismarck. S. 106.
  141. Gall: Bismarck. S. 564, 570 f.
  142. Loth: Kaiserreich, S. 64–67; Gall: Bismarck, S. 584, 589.
  143. Ullrich: Bismarck. S. 108.
  144. Gall: Bismarck. S. 604.
  145. Gall: Bismarck. S. 606.
  146. Zum Entstehen der Bismarckschen Sozialversicherung vgl. Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, I. Abteilung: Von der Reichsgründungszeit bis zur Kaiserlichen Sozialbotschaft (1867–1881), Band 2, 5 u. 6; Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, II. Abteilung: Von der Kaiserlichen Sozialbotschaft bis zu den Februarerlassen Wilhelms II. (1881–1890), 2. Band, Teil 1 u. 2; Band 5 u. 6.
  147. Zit. nach Loth: Kaiserreich, S. 68.
  148. vgl. Wolfgang Ayaß/ Wilfried Rudloff/ Florian Tennstedt: Sozialstaat im Werden. Band 1. Gründungsprozesse und Weichenstellungen im Deutschen Kaiserreich, Stuttgart 2021, Band 2. Schlaglichter auf Grundfragen, Stuttgart 2021.
  149. Loth: Kaiserreich, S. 68–72; Ullrich: Bismarck, S. 106; Gall: Bismarck, S. 649.
  150. Vgl. zur Haltung Bismarck zu den Polen: Deutsche-und-Polen.de.
  151. Loth: Kaiserreich, S. 72–81.
  152. Zit. nach Ullrich: Bismarck. S. 117.
  153. Zit. nach Martin Kohlrausch: Der Monarch im Skandal. Die Logik der Massenmedien und die Transformation der wilhelminischen Monarchie. Berlin 2005, S. 104.
  154. Vgl. den Abdruck des Sitzungsprotokolls in: Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, II. Abteilung: Von der Kaiserlichen Sozialbotschaft bis zu den Februarerlassen Wilhelms II. (1881–1890), 1. Band: Grundfragen der Sozialpolitik. Die Diskussion der Arbeiterfrage auf Regierungsseite und in der Öffentlichkeit, bearbeitet von Wolfgang Ayaß, Florian Tennstedt und Heidi Winter, Darmstadt 2003, Nr. 113.
  155. siehe z. B. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und große Themen der Geschichte Preußens. Band 3 von Handbuch der Preußischen Geschichte, Berlin 2000, S. 113 f.
  156. Alfred Milatz (Hrsg.): Otto von Bismarck. Ausgewählte Werke. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1981, Band 7, S. 758.
  157. Zit. nach Ullrich: Bismarck. S. 120.
  158. Ullrich: Bismarck. S. 115–121.
  159. Zit. nach Ullrich: Bismarck. S. 122.
  160. Friedrich Gundolf, Beiträge zur Literatur- und Geistesgeschichte. 26 Arbeiten aus den Jahren 1900–1931, 1980, ISBN 3-89244-134-0, S. 304.
  161. Alfred Vagts: Diederich Hahn – Ein Politikerleben. In: Jahrbuch der Männer vom Morgenstern. Bd. 46, Bremerhaven 1965, S. 161 f.
  162. Ullrich: Bismarck. S. 124.
  163. Rainer F. Schmidt (siehe Literaturliste), S. 277.
  164. Ullrich: Bismarck, S. 122–128.
  165. Ullrich: Bismarck. S. 7.
  166. Niederbarnimer Kreisblatt, Mittwoch, den 17. März 1897 (No. 33), Kreis-Nachrichten Auszug auf www.mehrow.de
  167. Volker Ullrich: Tod eines Patriarchen. In: Die Zeit 40/1998 (Digitalisat).
  168. Bismarck's letzte Tage. (Schweninger's Bericht). In: Neues Wiener Tagblatt, 1. April 1899, S. 3 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwg
  169. John C. G. Röhl: Wilhelm II. Der Aufbau der Persönlichen Monarchie, 1888–1900. Band 2, C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-48229-5, S. 963 ff. (Vorschau in der Google-Buchsuche).
  170. Ullrich: Bismarck. S. 7 f.
  171. Stephan Peter Bumbacher: Personenkult. In: Christoph Auffarth, Jutta Bernard, Hubert Mohr (Hrsg.): Metzler-Lexikon Religion. Gegenwart – Alltag – Medien. Bd. 3, J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, S. 18 f.
  172. Zum Bismarckbrunnen-Wettbewerb für die Stadt Breslau (rechte spalte), in Vossische Zeitung, 9. Dezember 1902.
  173. Türme für den Kult-Kanzler. In: zeit.de. Abgerufen am 2. April 2015.
  174. Ullrich: Bismarck. S. 129 f.
  175. s:Allgemeines Deutsches Kommersbuch:41#86, s:Allgemeines Deutsches Kommersbuch:42
  176. s:Allgemeines Deutsches Kommersbuch:7#14, s:Allgemeines Deutsches Kommersbuch:8
  177. Andrea Hopp: Otto von Bismarck aus der Sicht des jüdischen Bürgertums. In: Ulrich Lappenkühler (Hrsg.): Otto von Bismarck und das „lange 19. Jahrhundert“. Lebendige Vergangenheit im Spiegel der „Friedrichsruher Beiträge“ 1996–2016. Schöningh, Paderborn 2017, S. 90–103, hier S. 98.
  178. Im Original: „His life has been taught to at least six generations, and one can fairly say that almost every second German generation has encountered another version of Bismarck. No other German political figure has been as used and abused for political purposes.“ Siehe Karina Urbach: Between Saviour and Villain. 100 Years of Bismarck Biographies, in: The Historical Journal, Jg. 41, Nr. 4, Dezember 1998, S. 1141–1160 (1142).
  179. Georg Hesekiel: Das Buch vom Grafen Bismarck. Velhagen & Klasing, Bielefeld [u. a.] 1869; Ludwig Hahn: Fürst von Bismarck. Sein politisches Leben und Wirken. 5 Bd. Hertz, Berlin 1878–1891; Hermann Jahnke: Fürst Bismarck, sein Leben und Wirken. Kittel, Berlin 1890; Hans Blum: Bismarck und seine Zeit. Eine Biographie für das deutsche Volk. 6 Bd. mit Reg-Bd. Beck, München 1894–1899.
  180. Max Weber: s:Der Nationalstaat und die Volkswirtschaftspolitik.
  181. Hans-Jürgen Perrey: „Nirgends ist ihm ganz zu trauen.“ Bismarck im Urteil Theodor Fontanes. 2002.
  182. Zit. nach Hans-Jürgen Perrey: „Nirgends ist ihm ganz zu trauen.“ Bismarck im Urteil Theodor Fontanes. 2002.
    Siehe auch die Briefe Fontanes an seine Tochter Mete vom 29. Januar 1894 (Abdruck) und vom 1. April 1895 (Abdruck).
  183. Löbtauer Brücken. Bismarckbrücke in Richtung Kesselsdorfer Straße. In: Dresdner Stadtgeschichte. Lars Herrmann, Dresden, abgerufen am 31. Oktober 2017.
  184. Ullrich: Bismarck. S. 8.
  185. Urbach: Between Saviour and Villain. S. 1145–1146.
  186. Ewald Frie: Das Deutsche Kaiserreich. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-14725-1 (= Kontroversen um die Geschichte), S. 3.
  187. Erich Marcks: Bismarck. Eine Biographie. Erster Band Bismarcks Jugend 1815–1848. Cotta 1915. S. IX.
  188. Adolf Matthias: Bismarck. Sein Leben und sein Werk. Beck, München 1915.
  189. Erich Marcks: Vom Erbe Bismarcks. Eine Kriegsrede. Quelle & Meyer, Leipzig 1916.
  190. Max Lenz: Der Weltkrieg im Spiegel Bismarckscher Gedanken. In: Max Lenz, Erich Marcks (Hrsg.): Das Bismarckjahr. Eine Würdigung Bismarcks und seiner Politik in Einzelschilderungen. Broschek, Hamburg 1915.
  191. Mit Bismarck daheim und im Felde. Kernworte aus seinen Briefen und Reden. Zsgest. von Horst Kohl. Runge, Berlin-Lichterfelde 1915.
  192. Urbach: Between Saviour and Villain. S. 1146–1148.
  193. Urbach: Between Saviour and Villain. S. 1148–1149.
  194. Otto Jöhlinger: Bismarck und die Juden. Unter Benutzung unveröffentlichter Quellen. D. Reimer, Berlin 1921.
  195. zu Jöhlinger siehe Walter Braeuer: Jöhlinger, Otto. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 10, Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. 453 (Digitalisat).
  196. Emil Ludwig: Bismarck. Ungekürzte Neuausgabe, Herbig, München 1975 (zuerst 1926), ISBN 3-7766-0733-5; Urbach: Between Saviour and Villain, S. 1149.
  197. Urbach: Between Saviour and Villain. S. 1149–1153.
  198. Arnold Oskar Meyer: Bismarck. Der Mensch und der Staatsmann. Koehler & Amelang, Leipzig 1944.
  199. Loth: Kaiserreich, S. 203; Urbach: Between Saviour and Villain, S. 1152.
  200. Loth: Kaiserreich, S. 205; Urbach: Between Saviour and Villain, S. 1152–1153.
  201. Erich Eyck Bismarck. Leben und Werk. Dritter Band, 1944, S. 638.
  202. Loth: Kaiserreich, S. 204.
  203. Urbach: Between Saviour and Villain. S. 1153.
  204. Alan J. P. Taylor: Bismarck. The Man and the Statesman. H. Hamilton, London 1955. Dt. Ausgabe: Bismarck. Mensch und Staatsmann. Aus dem Engl. von Hansjürgen Wille und Barbara Klau. Piper, München 1962.
  205. Urbach: Between Saviour and Villain. S. 1154–1155.
  206. Wilhelm Mommsen: Bismarck. Ein politisches Lebensbild. Bruckmann, München 1959.
  207. Urbach: Between Saviour and Villain. S. 1154.
  208. Urbach: Between Saviour and Villain. S. 1155–1156.
  209. Hans-Ulrich Wehler: Das deutsche Kaiserreich. 6., bibliogr. erneuerte Auflage, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1988 (zuerst 1973), ISBN 3-525-33542-3, S. 64 ff.
  210. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 3: Von der 'Deutschen Doppelrevolution' bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges. 1849–1914. Beck, München 1995, ISBN 3-406-32263-8, S. 849 ff.
  211. Urbach: Between Saviour and Villain. S. 1156–1160.
  212. Fritz Stern: Gold and Iron. Bismarck, Bleichröder, and the building of the German Empire. Knopf, New York 1977. Dt. Ausgabe: Gold und Eisen. Bismarck und sein Bankier Bleichröder. Ullstein, Frankfurt am Main [u. a.] 1978, ISBN 3-550-07358-5.
  213. Lothar Gall: Bismarck.
  214. Ullrich: Bismarck, S. 10. Ausführlich zu Gall und Stern: Jürgen Kocka: Bismarck-Biographien. In: Geschichte und Gesellschaft. Bd. 7, Nr. 3/4, 1981, ISSN 0340-613X, S. 571–582.
  215. Otto Pflanze: Bismarck and the Development of Germany. 3. Vol. Princeton University Press, Princeton 1963–1990. Dt. Ausgabe in zwei Bänden: Bismarck. Bd. 1: Der Reichsgründer. Bd. 2: Der Reichskanzler. Aus dem Engl. von Peter Hahlbrock. Beck, München 1997–1998, ISBN 3-406-42725-1 und ISBN 3-406-42726-X.
  216. Ullrich: Bismarck, S. 10 f.; Urbach: Between Saviour and Villain, S. 1156–1157.
  217. Ernst Engelberg: Bismarck. Urpreuße und Reichsgründer. Akademie-Verlag, Berlin 1985, zugleich in Lizenz im West-Berliner Siedler-Verlag, ISBN 3-88680-121-7. Der zweite Band, Bismarck. Das Reich in der Mitte Europas, erschien 1990 im Akademie-Verlag und in Lizenz bei Siedler, ISBN 3-88680-385-6
  218. Urbach: Between Saviour and Villain. S. 1158–1159.
  219. Preußen über alles… Bismarcks deutsche Einigung. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 6. Februar 2022.
  220. Bebel und Bismarck. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 6. Februar 2022.
  221. Bismarck (1990). In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 6. Februar 2022.
  222. Bismarck – Kanzler und Dämon. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 6. Februar 2022.
  223. Bismarck und das Deutsche Reich. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 6. Februar 2022.
  224. Die Reichsgründung. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 6. Februar 2022.
  225. Die nervöse Großmacht. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 6. Februar 2022.
  226. Die zwei Leben des Otto von Bismarck. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 6. Februar 2022.
  227. Kaiserspiel – Bismarcks Reichsgründung in Versailles. In: Internet Movie Database. Abgerufen am 8. Februar 2022.


This article is issued from Wikipedia. The text is licensed under Creative Commons - Attribution - Sharealike. The authors of the article are listed here. Additional terms may apply for the media files, click on images to show image meta data.