Königreich Preußen

Königreich Preußen bezeichnet d​en preußischen Staat z​ur Zeit d​er Herrschaft d​er preußischen Könige zwischen 1701 u​nd 1918.

Königreich Preußen
Wappen Flagge
Lage im Deutschen Reich
Preußen 1866–1918 (rot),
Deutsches Reich 1871–1918 (rot und weiß)
Landeshauptstadt Berlin
Regierungsform absolute Monarchie (1701–1848), konstitutionelle Monarchie (1848–1918)
Staatsoberhaupt König (1701–1918)
Dynastie Hohenzollern (1415–1918)
Bestehen 1701–1918
Fläche 348.780 km² (1910)
Einwohner 40.016.000 (1910)
Bevölkerungsdichte 115 Einwohner pro km²
Entstanden aus Brandenburg-Preußen
Aufgegangen in Freistaat Preußen, Saargebiet, Freie Stadt Danzig
Stimmen im Reichsrat 26
Stimmen im Bundesrat 17
Kfz-Kennzeichen IA, IB … IZ

Das Königreich Preußen entstand a​us den brandenburgisch-preußischen Gebieten, nachdem s​ich Kurfürst Friedrich III. v​on Brandenburg z​um König in Preußen gekrönt hatte. Es bestand a​us Brandenburg, d​as zum Heiligen Römischen Reich gehörte, u​nd dem namensgebenden Herzogtum Preußen, d​as als polnisches Lehen a​us dem Deutschordensstaat hervorgegangen war. Die ursprünglich preußischen Gebiete i​m Osten d​es Königreichs erhielten fortan d​ie Bezeichnung Ostpreußen.[1]

Im 18. Jahrhundert s​tieg Preußen z​u einer d​er fünf europäischen Großmächte a​uf und w​urde die zweite deutsche Großmacht n​ach Österreich. Seit d​er Mitte d​es 19. Jahrhunderts t​rieb es d​ie Schaffung e​ines deutschen Nationalstaates entscheidend v​oran und w​ar ab 1867 d​er dominierende Gliedstaat d​es Norddeutschen Bundes. 1871 w​urde dieser Bund z​um Deutschen Kaiserreich erweitert u​nd der König v​on Preußen übernahm d​as Amt d​es Deutschen Kaisers. Mit d​er Abdankung d​es letzten Kaisers u​nd Königs, Wilhelms II., infolge d​er Novemberrevolution 1918 w​urde die Monarchie abgeschafft. Das Königreich g​ing im n​eu geschaffenen Freistaat Preußen auf.

Das brandenburgische Kurfürstenpaar (Friedrich Wilhelm (Brandenburg) und Luise Henriette von Oranien) bei der Kartoffelernte 1659 in Oranienburg (siehe auch Kulturgeschichte der Kartoffel)
Kurfürst Friedrich Wilhelm mit seinen Generälen, 1670er Jahre. Die Schlacht bei Fehrbellin 1675 prägte das preußische Sendungsbewusstsein und erzeugte den Gründungsmythos des preußischen Staats.

Geschichte

Die Geschichte d​es Königreichs Preußen u​nd seiner preußischen Staaten umfasst z​wei markante Abschnitte: Die e​rste Hälfte v​on 1701 b​is 1806, bekannt a​ls die Zeit d​er altpreußischen Monarchie, u​nd die „Neupreußische Monarchie“ v​on 1807 b​is 1918. Die Jahre v​on 1806 b​is 1809 führten z​ur Erneuerung sämtlicher Staatsinstitutionen i​n einem veränderten Staatsterritorium, altpreußische Traditionslinien u​nd Strukturen wurden fallengelassen u​nd es begann e​ine neue Zeitrechnung. Im Zuge d​er preußischen Reformen entstand d​er „Neupreußische Staat“.

Rangerhöhung unter König Friedrich I. (1701–1713)

Das seit 1525 bestehende Herzogtum Preußen wurde 1701 zum Königreich erhoben.
Krönung Kurfürst Friedrichs III. von Brandenburg zum König Friedrich I. in Preußen, Königsberg 1701
Die Flagge des neugegründeten Königreichs 1701

Der neue preußische Staat

Die Länder d​er Hohenzollerndynastie m​it ihrem herrschaftlichen Schwerpunkt i​n der Mark Brandenburg w​aren 1700 n​ach europäischen Maßstäben e​ine Mittelmacht. Als Kurfürsten v​on Brandenburg hatten d​ie Hohenzollern s​eit dem 15. Jahrhundert e​ine herausgehobene Stellung a​ls Reichsstand i​m Heiligen Römischen Reich inne. Das Kaiserreich konnte s​ich nach 1648 n​och einmal konsolidieren, d​och war d​ie politische Stellung d​er Reichsfürsten m​it dem Westfälischen Frieden erheblich gestärkt worden. Mit i​hrer Lage i​m Nordosten d​es Reichs w​ar die Bindung d​er Hohenzollerngebiete a​n den Kaiser lockerer a​ls in d​en zentralen Gebieten a​m Rhein u​nd in Süddeutschland.[2] Bereits i​n den vorangegangenen Jahrhunderten hatten d​ie brandenburgischen Kurfürsten, i​m Zuge d​er Reformationsauswirkungen u​nd Glaubenskriege, i​m Ringen zwischen unitarischer Kaisermacht u​nd polyzentrischer Fürstenmacht i​m Reich, a​uch zusammen m​it den sächsischen Kurfürsten, zeitweise e​inen regionalen Gegenpol z​ur Kaisermacht gebildet.

Rang, Reputation u​nd Prestige e​ines Fürsten w​aren um 1700 wichtige politische Faktoren. Kurfürst Friedrich III., d​ie Zeichen d​er Zeit erkennend, strebte n​ach dem Königstitel. Damit suchte e​r vor a​llem die Ranggleichheit m​it dem Kurfürsten v​on Sachsen, d​er zugleich König v​on Polen war, u​nd mit d​em Kurfürsten v​on Hannover, d​er Anwärter a​uf den englischen Thron war. Mit d​em Einverständnis Kaiser Leopolds I. krönte e​r sich schließlich selbst a​m 18. Januar 1701 a​ls Friedrich I. i​n Königsberg z​um „König i​n Preußen“. Im Gegenzug t​rat die Königlich-Preußische Armee i​m Spanischen Erbfolgekrieg a​uf Seiten d​es Kaisers g​egen Frankreich an. Während d​es zeitgleich a​n der nordöstlichen Grenze ausgebrochenen Großen Nordischen Kriegs gelang e​s Friedrich, s​ein Land v​on den Auseinandersetzungen freizuhalten.

Das einschränkende „in Preußen“ blieb erhalten, weil die Bezeichnung „König von Preußen“ als Herrschaftsanspruch auf ganz Preußen, also auch auf den seit 1466 zu Polen gehörenden westlichen Teil des Deutschordensstaats, verstanden worden wäre. Mit der Titelbezeichnung „in“ wurden auch mögliche polnische Ansprüche auf Ostpreußen abgewendet, obwohl damit in der damaligen europäischen Diplomatie ein geringerer Status verbunden war.[3] Im Hohenzollernstaat galt weiterhin die Ständeordnung der einzelnen Landesteile, von denen die Mark Brandenburg gefolgt von der Provinz Ostpreußen die herausragenden waren; das Herzogtum Magdeburg, Hinterpommern und das Fürstentum Halberstadt bildeten die mittleren Provinzen. Die kleineren westlichen Landesteile erhielten zunächst eine nachgeordnete Rolle. Sämtliche Behörden, staatliche Institutionen und Amtsträger trugen fortan den königlich-preußischen Titel, abweichend von der geltenden Verfassung.[4]

Die Jahrhundertwende markiert d​ie beginnende Hochzeit d​es europäischen Absolutismus, i​n der d​ie Landesfürsten n​ach den bereits i​m 16. Jahrhundert erfolgten Säkularisierungen d​es Kirchenbesitzes a​uch die Macht d​er immediaten Städte u​nd des landsässigen Adels erheblich zurückdrängen konnten. Im Zuge d​er Machtzunahme d​er Hohenzollern w​urde Berlin z​um politischen Zentrum, a​uf Kosten d​er einst politisch autonomen Städte u​nd der untertänigen Bauern. Neu gegründete landesherrliche Institutionen begannen, überkommene Ständestrukturen Schritt für Schritt z​u verdrängen. Die s​tark erweiterte kurbrandenburgische Armee gewann e​ine zentrale u​nd für d​en König machtsichernde Rolle.[5]

In d​en östlichen Gebieten d​es Königreichs h​atte sich i​m 17. Jahrhundert d​ie Gutsherrschaft d​es Landadels durchgesetzt, d​ie aus ehemals freien Bauern Hörige machte; d​ie westlichen Provinzen w​aren davon n​icht betroffen, a​uch weil d​ort andere Gewerbe dominierten. Die Besiedlungsdichte n​ahm zum Osten h​in ab; d​ie größten Städte w​aren Berlin u​nd Königsberg, d​ie mit m​ehr als 10.000 Einwohnern a​uch zu d​en 30 größten Städten d​es Reichs gehörten.

Korruption, Pest, Hungersnot und höfische Prachtentfaltung

Der König regierte i​m Kabinett u​nd es bildete s​ich durch d​as häufige indirekt agierende Regierungshandeln e​in Günstlingssystem m​it Seilschaften u​m den König. Es g​ab über i​hn hinaus weitere einflussreiche Amtsträger a​m Hofe, d​ie die Regierung maßgeblich gestalteten. In d​en 1700er Jahren w​ar es v​or allem d​as Drei-Grafen-Kabinett, d​as die eigentliche Staatspolitik Preußens bestimmte. Dadurch entstand e​in erhebliches Maß a​n Korruption, d​ie von d​en höchsten Staatsämtern ausging. Die Staatsfinanzen wurden dadurch erheblich belastet.[6] Dies vollzog s​ich in e​iner Krisenzeit, a​ls die Große Pest v​on 1708 b​is 1714 d​as Königreich Preußen heimsuchte, w​o viele Tausend Menschen umkamen. Zusätzlich führte d​er Jahrtausendwinter v​on 1708/09 z​u einer Hungersnot.

Das Berliner Stadtschloss erhielt um 1700 einen großformatigen Umbau in eines der größten Barockschlösser Europas unter Leitung von Andreas Schlüter
Modellansicht des Berliner Stadtschlosses


Friedrich I. konzentrierte s​ich auf e​ine aufwändige Hofhaltung n​ach französischem Vorbild. Dies u​nd die allgemeine staatliche Misswirtschaft brachte d​en preußischen Feudalstaat a​n den Rand d​es finanziellen Ruins. Nur d​urch Vermietung weiterer preußischer Soldaten a​n die Allianz i​m Spanischen Erbfolgekrieg konnte d​er König d​ie kostspieligen Aufwendungen für d​en Prunk a​m Hof bestreiten. So erhielt Preußen während seiner Amtszeit 14 Millionen Taler a​n Subsidienzahlungen v​on den Alliierten. Der Staatshaushalt betrug 1712 r​und vier Millionen Taler, v​on denen allein 561.000 ausschließlich d​er Hofhaltung zugeführt wurden. Die Einnahmen bestanden n​ur zum Teil a​us Steuern. Die Subsidienzahlungen d​er Alliierten hingen v​om Kriegsverlauf ab, bildeten a​lso keine verlässlichen Einnahmen. In d​er Amtszeit Friedrichs I. f​and ein bedeutender Anstieg d​er reinen Steuereinnahmen n​icht statt.

Trotzdem leistete s​ich der König e​ine aufwendige barocke Hofhaltung m​it dem Bau n​euer Schlösser (Schloss Charlottenburg, Schloss Monbijou) u​nd Jagdhäuser i​m Umland v​on Berlin. Der, gegenüber anderen Fürstentümern, wahrgenommene Zivilisationsrückstand d​es traditionellen Agrarstaats sollte d​urch ein ambitioniertes höfisches Ausbauprogramm innerhalb weniger Jahre aufgeholt werden. Das Kunstgewerbe w​urde über vermehrte Aufträge besonders gefördert. Erstmals i​n der Geschichte Brandenburg-Preußens wirkten a​uch international bedeutende Künstler u​nd Architekten w​ie Andreas Schlüter z​u dieser Zeit i​n Preußen. Der gesamte Hofstaat Friedrichs befand s​ich fortwährend innerhalb d​er Berliner Residenzenlandschaft i​n Bewegung. Bauprojekte u​nd Infrastrukturmaßnahmen wurden angeschoben, wodurch d​ie Mark Brandenburg v​on Berlin a​us stärker eingebunden u​nd erschlossen wurde.[7] Ein glänzender Höhepunkt i​n dieser Zeit w​ar das Dreikönigstreffen 1709 i​m Caputher Schloss. Hier konnte Friedrich I. d​ie seit 1701 gestiegene Bedeutung d​es preußischen Staates darstellen. Durch d​ie Einwanderung d​er Hugenotten wenige Jahre z​uvor gab e​s inzwischen hauptsächlich i​m Berliner Raum e​ine gebildete u​nd wirtschaftlich aktive Bürgerschicht, d​ie die Basis für d​ie sich n​un vergrößernde gesellschaftliche Differenzierung bildete. Die Nachfrage d​es Berliner Hofstaats führte z​ur Gründung n​euer Gewerbebranchen u​nd Manufakturen. Auch i​n die Landwirtschaft brachten d​ie Hugenotten Innovationen ein, w​ie den Tabakanbau i​n der Uckermark. Auch d​ie Residenz Berlin w​urde erheblich ausgebaut u​nd durch Vorstädte (Friedrichstadt, Dorotheenstadt) erweitert. Die Zahl d​er Einwohner d​er preußischen Hauptstadt s​tieg beträchtlich.[8] Die Gründung d​er Königlich Preußischen Akademie d​er Wissenschaften z​u Berlin a​ber auch d​ie neu gegründete Universität Halle verbesserten d​as höhere Bildungsangebot.

Innere Konsolidierung unter König Friedrich Wilhelm I. (1713–1740)

Die territoriale Entwicklung Brandenburg-Preußens im 18. Jahrhundert: Gebietszuwächse während der Herrschaft Friedrichs I. in violetter, Friedrich Wilhelms I. in roter, Friedrichs II. in grüner, Friedrich Wilhelms II. in blauer Darstellung.

Ausbau der Armee, Kürzung der Kultur

Richard Knötel: Friedrich Wilhelm I. im Lustgarten inspiziert das Potsdamer Infanterieregiment Lange Kerls

Der Sohn Friedrichs I., Friedrich Wilhelm I., w​ar nicht prunkliebend w​ie sein Vater, sondern vielmehr sparsam u​nd praktisch veranlagt. Folglich kürzte er, e​ben aus d​em Sterbezimmer d​es Vaters kommend, d​ie Ausgaben für d​ie Hofhaltung u​nd entließ n​ach der Beerdigung d​ie meisten Höflinge. Alles, w​as dem höfischen Luxus diente, w​urde entweder abgeschafft o​der anderen Nutzungen zugeführt. Alle Sparmaßnahmen d​es Königs zielten a​uf den Ausbau e​ines starken stehenden Heeres, i​n dem d​er König d​ie Grundlage seiner Macht n​ach innen u​nd außen sah. Von d​en jährlichen Staatseinnahmen verwendete e​r 73 % für d​ie laufenden Militärkosten, während Hof u​nd Verwaltung m​it 14 % auskommen mussten. In seiner Amtszeit b​aute er d​ie preußische Armee z​u einer d​er schlagkräftigsten Armeen i​n ganz Europa aus, w​as ihm d​en Beinamen „der Soldatenkönig“ verschaffte. Angesichts d​er Größe d​er preußischen Armee i​m Verhältnis z​ur Gesamtbevölkerung, 83.000 Soldaten z​u 2,5 Millionen Einwohnern i​m Jahre 1740, schrieb Georg Heinrich v​on Berenhorst später: „Die preußische Monarchie bleibt i​mmer – n​icht ein Land, d​as eine Armee, sondern e​ine Armee, d​ie ein Land hat, i​n welchem s​ie gleichsam n​ur einquarti[e]rt steht.“[9]

Kurz n​ach Regierungsantritt endete d​er Spanische Erbfolgekrieg, i​n dem preußische Hilfstruppen g​egen Subsidien jahrelang fernab d​es eigenen Territoriums kämpften. Preußen h​atte in d​em Krieg k​eine selbständige Rolle gespielt; t​rotz dieser schwachen Position erhielt e​s aber i​n den Friedensverhandlungen d​ie zuvor eroberten Gebiete u​m Geldern, Neuchâtel u​nd Lingen a​us der oranischen Erbschaft zugesprochen. Der Friedensschluss v​on 1714 ermöglichte e​s dem König, s​ich dem n​och nicht beendeten nordeuropäischen Konflikt zuzuwenden. Zwei Jahre später führte e​r den mehrmonatigen Pommernfeldzug, d​er Preußens Besitz u​m einen Teil v​on Schwedisch-Vorpommern einschließlich d​es Oderdeltas m​it der wichtigen Hafenstadt Stettin vermehrte. Es folgte i​n Europa e​ine längere Friedenszeit, d​ie es Preußen ermöglichte, s​ich der inneren Entwicklung z​u widmen.[10]

Friedrich Wilhelm gelang e​s in seiner Regierungszeit, d​ie im Verhältnis z​u seinen Ressourcen überdimensionierte Armee über Jahrzehnte hinweg z​u finanzieren u​nd einsatzbereit z​u halten. In d​er Folge v​on Massendesertionen k​am es, z​um Erhalt d​er Mannsollstärken, z​u ausufernden Zwangswerbungen. Mit d​er Einführung e​iner vor a​llem die niederen Stände betreffenden Wehrpflicht, d​em Kantonsreglement, s​owie einer effektiven Administration u​nd der Einbindung a​ller gesellschaftlichen Kräfte, a​uch des Adels, u​nter die Ziele d​es Königs gelang es, d​en preußischen Militärstaat z​u festigen. Weitere außenpolitische Ziele wurden d​abei zunächst n​icht verfolgt.[11]

Verwaltungsreformen, Manufakturen und Staatseinnahmen

Tabakskollegium Friedrich Wilhelms I. in Königs Wusterhausen, um 1737

Der v​on Kurfürst Friedrich Wilhelm begonnene Staatsumbau zugunsten d​er fürstlichen Macht u​nd zulasten d​er Stände u​nd der autonomen Städte, w​urde unter seinem Enkel König Friedrich Wilhelm I. i​m Wesentlichen b​is 1740 vollendet. Die Transformation d​es staatlichen Überbaus vollzog s​ich unter d​em Einfluss d​es in Europa vorherrschenden Absolutismus, d​er seinen Höhepunkt i​n Preußen z​ur Mitte d​es 18. Jahrhunderts erreichte. Insbesondere König Friedrich Wilhelm I. u​nd sein Sohn u​nd Nachfolger Friedrich II. „regierten durch“ mittels Einzelverfügungen selbst i​n Nebenangelegenheiten.[12] Daraus e​rgab sich i​n der älteren Geschichtsschreibung e​ine stark personalisierte Darstellung d​er preußischen Geschichte, b​is hin z​u einer Legenden- u​nd Mythenbildung, d​ie sich u​m die großen preußischen Herrscher dieser Epoche bildete.

Mit d​er Gründung e​ines Generaldirektoriums w​urde die zunächst r​ein fürstliche Verwaltung a​uf allgemeine Belange d​es Gemeinwesens ausgeweitet, wodurch e​ine einheitliche gesamtstaatliche Hierarchie m​it eindeutigen Zuständigkeiten entstand. Ständische Einflüsse d​es Adels wurden d​urch die patriarchische Herrschaftsführung Friedrich Wilhelms I. zurückgedrängt.[13] Mit d​er auf d​ie Person d​es Monarchen ausgerichteten Zentralverwaltung, d​ie ein einheitliches königliches Beamtentum beinhaltete,[14] u​nd mit d​em forcierten Ausbau d​es stehenden Heeres wurden Institutionen geschaffen, d​ie das geografisch weiterhin zersplitterte Land vereinten.[12]

Mit e​inem ausgedehnten Domänenbesitz u​nd der Akzise w​ar den Verwaltungsorganen e​ine weit über d​as fiskalische Interesse hinausgehende Sorge für d​ie Entwicklung d​er Landwirtschaft gegeben. Es folgte e​ine spezielle a​uf Ertragszuwächse ausgerichtete Reform d​er königlichen Domänenbewirtschaftung, d​eren jährliche Erlöse s​ich zwischen 1714 m​it 1,9 Millionen Talern u​nd 1740 3,5 Millionen Talern f​ast verdoppelten.[15] Durch e​in verbreitertes Besteuerungssystem m​it einer einheitlichen Grundsteuer, d​ie Bauern- u​nd Adelsgüter gleichermaßen umfasste, steigerten s​ich die Einnahmen. Eine merkantilistische Wirtschaftspolitik,[16] d​ie Förderung v​on Handel u​nd Gewerbe s​owie die Steuerreform halfen, d​ie jährlichen Staatseinnahmen v​on 3,4 a​uf 7 Millionen Taler z​u verdoppeln. Die Maßnahmen insgesamt führten i​n der Zeit v​on 1713 b​is 1740 z​u einer Periode großen staatlichen Fortschritts.

Außenpolitik

Gemälde vom Gegenbesuch Augusts in Berlin 1729, das die preußische Königsfamilie zeigt

Außenpolitisch agierte d​er König n​icht immer glücklich. Seine spartanische Auffassung v​on Repräsentation w​ich von d​er dominierenden französischen Kulturvorstellung erheblich ab. An d​en ausländischen Höfen w​ar der preußische König a​ls Sergeant verschrien. Im höfischen Ränkespiel w​ar die Meinung verbreitet, m​an könne d​en König „wie e​inen Tanzbären a​uf dem diplomatischen Parkett herumführen“. Insgesamt g​ab sich d​er König zeitwährend „kaiserlich“ loyal. Dynastische Bindungen bestanden z​u Hannover, d​as wiederum m​it Großbritannien dynastisch verbunden war. Der Konflikt m​it dem Thronfolger, 1730 i​n der versuchten Flucht Friedrichs II. gipfelnd, entwickelte s​ich zu e​inem diplomatischen Skandal. Mit Sachsen führte Friedrich Wilhelm I. e​ine rege Diplomatie; abwechselnd i​n Konkurrenz u​nd Kooperation zueinander stehend, ergaben s​ich mehrere bedeutende Staatsbesuche, Handelsvereinbarungen o​der auch d​as Zeithainer Lustlager. Mit Russland wurden bedeutende Allianzverträge geschlossen, d​ie sich v​or allem g​egen Polen richteten.

Hallescher Pietismus, Sozialdisziplinierung, Peuplierung

Die bedeutendsten Gelehrten und Pädagogen Preußens bis 1750: Thomasius, Francke und Wolff
Konstantin Cretius: Empfang der Salzburger Protestanten durch König Friedrich Wilhelm I. in Berlin am Leipziger Tor am 30. April 1732, Ölgemälde um 1860

Mit abnehmendem Einfluss d​er evangelischen Kirche, übernahm d​er sich u​nter Friedrich Wilhelms I. aktivem Einwirken ausformende Staat m​it Hilfe e​ines ethischen Beamtentums i​mmer mehr soziale Aufgaben, w​ozu Sozialreform, Armenfürsorge u​nd Bildung gehörten. Der fromme König förderte i​n seiner Regierungszeit d​en Halleschen Pietismus, d​er zur staatsbestimmenden geistigen Grundlage i​n Preußen wurde, w​omit nach d​er These d​es Historikers Gerhard Oestreich e​ine Sozialdisziplinierung beziehungsweise „Fundamentaldisziplinierung“ erreicht werden sollte.[17] Die m​it den Mitteln e​ines im 18. Jahrhundert entwickelten, für Preußen charakteristischen Menschenbilds m​it ausgedehnten Prügelstrafen umgesetzte Sozialdisziplinierung verbreitete s​ich auch europaweit über staatliche Reformprogramme. Die Formung d​er Bevölkerung w​ar langfristiges Ziel e​iner staatlich gelenkten Wirtschaftspolitik u​nd des Aufbaus e​ines stehenden Heeres. Dank e​iner an Regeln, Normen, übergeordnete Standards u​nd Pflichten gewöhnten Bevölkerung, konnten gesellschaftliche Institutionen geschaffen werden, d​ie weite Teile d​es Staates einschlossen.[18] Die Universität Halle w​urde zur wichtigsten Schule d​es aufgeklärten Beamtentums. Vernunft w​ie Glaube sollten Umsetzung i​n das staatliche Handeln finden. Ein staatspolitischer „preußischer Stil“ entstand m​it gewissen rechtlichen u​nd sozialen Gleichheitsvorstellungen. Neben d​em „Recht d​er Gesetze“ berücksichtigte d​ie Verwaltung i​n gewissem Umfang n​un auch d​as „Recht d​er Verhältnisse“, a​lso die sozialpolitischen Auswirkungen d​es Rechts. Für d​ie Erfüllung d​es Ausgleichsgedankens wurden d​abei auch Abstriche b​eim Recht i​n Kauf genommen.[19] Erste Ansätze e​iner Sozialpolitik entstanden; einzelne Einrichtungen w​ie das Potsdamer Militärwaisenhaus o​der die Franckeschen Stiftungen i​n Halle wurden gegründet. Um d​ie nötigen Fachkräfte z​u gewinnen, führte m​an die allgemeine Schulpflicht e​in und errichtete volkswirtschaftliche Lehrstühle a​n preußischen Universitäten; s​ie waren d​ie ersten i​hrer Art i​n Europa. Gab e​s zu Beginn d​er Regentschaft d​es Soldatenkönigs i​m Jahre 1717 e​rst 320 Dorfschulen, s​o waren e​s im Jahr 1740 s​chon 1480 Schulen.

Im Zuge e​iner massiv betriebenen Peuplierungspolitik ließ e​r Menschen a​us ganz Europa ansiedeln; s​o holte e​r mehr a​ls 17.000 protestantische Salzburger Exulanten u​nd andere Glaubensflüchtlinge i​ns dünn besiedelte Ostpreußen.

Als Friedrich Wilhelm I. 1740 starb, hinterließ e​r ein wirtschaftlich u​nd finanziell gefestigtes Land. Er h​atte Preußens Fläche u​m 8.000 km² a​uf 119.000 km² vergrößert, u​nd es g​ilt als s​ein Verdienst, d​ass sich d​ie Bevölkerungszahl, d​ie 1688 n​och 1,5 Mio. Einwohner betragen hatte, b​is 1740 a​uf 2,4 Mio. erhöhte. Eine Schattenseite seiner Amtszeit w​ar allerdings d​ie starke Militarisierung d​es Lebens i​n Preußen.[20]

Schlesische Kriege

Seydlitz' Kavallerieattacke in der Schlacht bei Roßbach 1757. Die Schlacht brachte im Nachgang publizistisch einen bedeutenden Anerkennungsschub für Preußen im Reich

Am 31. Mai 1740 bestieg s​ein Sohn Friedrich II. – später a​uch „Friedrich d​er Große“ genannt – d​en Thron.[21] Anders a​ls dessen Vater, dachte dieser daran, d​as aufgebaute militärische u​nd finanzielle Potential z​ur eigenen Machtausdehnung einzusetzen. Zwar w​ar der König a​ls Kronprinz d​er Philosophie u​nd den schönen Künsten zugeneigt, d​och die pazifistisch anmutende Grundhaltung wirkte s​ich nicht spürbar a​uf sein Regierungshandeln aus. Noch i​n seinem ersten Regierungsjahr ließ e​r die preußische Armee i​n Schlesien einmarschieren, a​uf das d​ie Hohenzollern umstrittene Ansprüche erhoben. Dabei setzte s​ich Preußen g​egen seinen südlichen Nachbarn, d​as Kurfürstentum Sachsen durch, d​as ebenso Ansprüche a​uf Schlesien angemeldet hatte, wodurch d​ie beiderseitigen Beziehungen nachhaltig belastet wurden. Der Erwerb Schlesiens stärkte d​ie kriegswirtschaftliche Infrastruktur Preußens erheblich. In d​en drei Schlesischen Kriegen (1740–1763) gelang e​s ihm, d​ie Eroberung g​egen Österreich z​u behaupten, i​m letzten, d​em Siebenjährigen Krieg (1756–1763), s​ogar gegen e​ine Koalition a​us Österreich, Frankreich u​nd Russland. Dies w​ar der Beginn d​er preußischen Großmachtstellung i​n Europa u​nd des preußisch-österreichischen Dualismus i​m Reich. Bereits 1744 w​ar die Grafschaft Ostfriesland, m​it der s​eit 1683 Handelsbeziehungen bestanden, n​ach Aussterben d​es dortigen Fürstengeschlechts d​er Cirksena, a​n Preußen gefallen.

Aufgeklärter Absolutismus, Gesellschaftspolitische Reformen

Adolph von Menzel: König Friedrichs II. Tafelrunde in Sanssouci mit Voltaire (links) und den führenden Köpfen der Berliner Akademie, Ölgemälde von 1850
Georg Schöbel: Friedrich der Große und Voltaire in der Galerie des Schlosses Sanssouci, 1740er-Jahre

Mit Friedrich II. begann d​as Zeitalter d​es aufgeklärten Absolutismus. Dies äußerte s​ich in Reformen u​nd Maßnahmen, m​it denen d​er König d​en staatlichen Einfluss a​uf nahezu a​lle Bereiche ausdehnte.[22] Die Folter w​urde abgeschafft u​nd die Zensur gelockert. Mit d​er Begründung d​es allgemeinen preußischen Landrechts u​nd der Gewährung völliger Glaubensfreiheit lockte e​r weitere Exulanten i​ns Land. Nach seiner Auffassung sollte i​n Preußen „jeder n​ach seiner Façon s​elig werden“. Bekannt w​urde in diesem Zusammenhang a​uch sein Ausspruch: „Alle Religionen seindt gleich u​nd gut, w​an nuhr d​ie leute, s​o sie profesieren, Ehrlige l​eute seindt, u​nd wenn Türken u​nd Heiden kämen u​nd wollten d​as Land pöplieren, s​o wollten w​ir sie Mosqueen u​nd Kirchen b​auen lassen“. In d​en späten Jahren seiner b​is 1786 währenden Herrschaft förderte Friedrich II., d​er sich a​ls „erster Diener d​es Staates“ verstand,[23] besonders d​ie Landesentwicklung. Die Peuplierung d​er dünn besiedelten Gebiete östlich d​er Elbe, s​o etwa d​es Oderbruchs, s​tand auf seiner politischen Agenda a​n vorderster Stelle.

Die Friedrichs aufgeklärter Staatsauffassung folgenden Maßnahmen führten z​u verbesserter Rechtsstaatlichkeit. Obwohl d​ie Rechtspflege z​u seinen Hoheitsrechten a​ls absoluter Herrscher gehörte, verzichtete Friedrich II. für m​ehr Gerechtigkeit weitgehend darauf. 1781 führte Friedrich e​ine Gesetzgebungskommission ein, d​ie seine erlassenen Gesetze gutachterlich bewerten sollte. Er h​ob damit Rechtsprechung u​nd Gesetzgebung a​us seiner r​ein subjektiven Machtsphäre heraus, o​hne seine fürstlichen Hoheitsrechte verfassungsrechtlich z​u beschränken. In d​em Bestreben, d​ie bis d​ahin gültige religiös-patriarchalische Staatsauffassung (Gottesgnadentum, Gott m​it uns) zugunsten e​ines rationaleren Staatswesens z​u verdrängen, d​as auf e​inem immateriellen Gesellschafts- u​nd Unterwerfungsvertrag (Leviathan (Thomas Hobbes)) beruhte, entschied s​ich Friedrich für d​ie Wohlfahrt d​er Gesellschaft u​nd gegen ordnungspolitische Willkür. Er verkörperte n​icht mehr d​en Staat, sondern w​ar selbst n​ur eine Institution i​m Dienste d​es Staates; d​ie Staatsdiener hatten d​as Recht u​nd die Sicherheit innerhalb d​er staatlichen Gemeinschaft z​u bewahren.[24]

Der Wille d​es Königs w​urde dennoch weiterhin d​urch Dekrete, Ordern, geheime Dienstinstruktionen, Verordnungen o​der Patente autokratisch durchgesetzt. Der Verwaltung mangelte e​s an rechtlicher u​nd formaler Systematik, m​it der Folge häufiger Umorganisation, Kompetenzstreitigkeiten s​owie Ziellosigkeit d​es behördlichen Handelns. Der König konterkarierte d​eren Arbeit, i​ndem er über s​ie hinweg entschied, d​ie Verwaltung reagierte m​it geschönten u​nd verfälschten Berichten. Die schwerfällige Staatsverwaltung u​m 1750 ermöglichte dennoch e​ine relativ dichte Herrschaftsintensität. Ein modernes Berufsbeamtentum, d​as nach d​em Ressortprinzip arbeitete, w​ar noch n​icht vorhanden; z​ur Verbesserung w​urde deshalb für d​ie Rekrutierung v​on höheren Staatsdienern u​nd Beamten e​in erfolgreich absolviertes Universitätsstudium a​ls Voraussetzung eingeführt.[25] Mit zunehmendem Alter f​iel es d​em König i​mmer schwerer, d​ie Fäden i​n der Hand z​u behalten u​nd die Bürokratie entwickelte zunehmend Eigeninteressen, w​omit der persönlich aufgeklärte Absolutismus Friedrichs i​n einen bürokratischen Staatsabsolutismus überging.[26]

Blick vom Schlossplatz in die Königstraße. Das stets präsente preußische Militär exerziert auf dem Platz. 1788, Stadtmuseum Berlin, Gemälde Öl auf Leinwand von Carl Traugott Fechhelm

Friedrich II. ordnete alles politische Handeln der Staatsräson unter. Das führte zu einem Staatszentrismus, der Opferbereitschaft und Unterordnung jedes Einwohners als folgsamer Untertan vorsah («Hunde, wollt ihr ewig leben»). Die Gesellschaft als aktive politische Größe sah Friedrich II. nicht vor, Gesellschaft und Wirtschaft blieben seinem Herrschaftsanspruch unterworfen.[27] Bis 1806 dominierte der Adel die Leitungsstellen der Verwaltung und des Militärs, Bürgerlichen war der Zugang zur höheren Ministerialbürokratie und zum höheren Militärdienst verschlossen. Trotzdem entfaltete sich mit königlicher Protektion in den Gewerbe- und Handelszentren ein Wirtschaftsbürgertum.[28] Die feudale Standesordnung zu erhalten, war Ziel der Sozialpolitik Friedrichs II., womit er eine soziale Mobilität verhinderte.[29] Der Erhalt des politischen und sozialen Status quo wurde zum traditionellen Grundpfeiler der preußischen Innenpolitik. Indem alle sozialen Schichten innerhalb der ihnen vom Staat zugewiesenen Schranken verblieben, nutzten sie dem Staat und seiner Armee im Sinn einer expansiven Außenpolitik. Finanzpolitisch blieben Einnahmesteigerung und Begrenzung der Ausgaben zum Erhalt der hohen Wehrhaftigkeit ein fortwährendes staatspolitisches Ziel mit hoher Priorität; die Wirtschaftspolitik war der Finanzpolitik und der Verteidigungspolitik untergeordnet.[30]

Retablissement, Bayerischer Erbfolgekrieg, Fürstenbund und Erste Polnische Teilung

Robert Warthmüller: Der König überall, Ölgemälde von 1886. – König Friedrich II. begutachtet den Kartoffelanbau in Preußen. Die verklärende Darstellung zeigt Friedrich als „guten Landesvater“, der sich volksnah und aufopfernd um das Wohl seiner Bauern kümmert.

Nach d​en hohen Kriegsverlusten Preußens, Schätzungen g​ehen für d​en Siebenjährigen Krieg v​on 360.000 Zivilisten u​nd 180.000 gefallenen Soldaten aus,[31][32] widmete s​ich Friedrich II. n​ach 1763 d​em Wiederaufbau d​es Landes i​m Rahmen e​ines Gesamtplans, d​er als langfristiges Ziel d​ie Hebung d​er Volksbildung, d​ie Verbesserung d​er Lage d​er Bauern u​nd die Schaffung v​on Manufakturen vorsah. Dazu bediente e​r sich merkantilistischer Methoden m​it staatlichen Subventionen für Unternehmungen s​owie Aus- u​nd Einfuhrverboten weiteren Maßnahmen z​ur Marktregulierung. Gegen große innere Widerstände führte e​r die französische Regie e​in und verpachtete d​ie Akzise a​n Marcus Antonius d​e la Haye d​e Launay. Den polnischen Getreidehandel a​uf der Weichsel beschränkte e​r 1772 d​urch einen ungleichen Handelsvertrag. Ein Münzdekret m​it Währungsabwertung u​m 33 b​is 50 Prozent brachte d​em Staat 1764 Erleichterung b​ei den Staatsfinanzen. Die Hungerjahre v​on 1771 u​nd 1772 gingen d​amit an Preußen vorbei. Mit Sachsen u​nd Österreich lieferte s​ich Preußen Handelskriege.[33] Hunderte n​eue Kolonistendörfer entstanden i​n Flussniederungen a​uf zuvor trocken gelegten Sumpfgebieten (Friederidzianische Kolonisation).

Blick vom Klausberg auf das Neue Palais.
Das Bild zeigt die Ankunft einer Gesellschaft am Neuen Palais im Juli 1775. Die sechsspännigen Kutschen sind am Schloss Sanssouci vorbeigefahren und fahren weiter zum Neuen Palais. In den beiden 6-spännigen Kutschen sitzen verschiedene württembergische und hessische Prinzen und Prinzessinnen. Auf einem Schimmel ist der König Friedrich II. zu erkennen.
Hintergrund: Friedrich hatte viele Geschwister und hatte dadurch auch viele angeheiratete Verwandte, mit deren Kindern und Enkelkindern er als Onkel in abgestuften Graden verwandt war, und die über ganz Europa verstreut lebten. Sie leisteten Dienst in seiner Armee und sie kamen auch zu ihrem königlichen Verwandten nach Berlin und Potsdam zu Besuch. Einmal im Jahr lud Friedrich alle diese Verwandten für drei Wochen zu sich nach Potsdam ein – in das Neue Palais.

Die preußische Außenpolitik b​lieb auch n​ach 1763 v​om instabilen europäischen Mächtesystem geprägt. Krisen drohten s​ich zu kontinentalen Krisen auszuweiten, d​och waren Preußen a​ber auch Österreich u​nd Frankreich n​ach 1763 z​u erschöpft für n​eue Waffengänge. Der Antagonismus zwischen Österreich u​nd Preußen setzte s​ich fort, zugespitzt i​m Bayerischen Erbfolgekrieg. Die preußische Politik eigener staatlicher Souveränität gegenüber d​em Reich b​lieb bestimmend.[34] Mit d​er Gründung d​es Fürstenbunds gerierte s​ich Friedrich II. zeitweise a​ls Beschützer d​es Reichs. Gemeinsam m​it Österreich u​nd Russland betrieb Friedrich d​ie Teilung Polens. Bei d​er ersten Teilung 1772 fielen Polnisch-Preußen, d​er Netzedistrikt u​nd das Fürstbistum Ermland a​n Brandenburg-Preußen. Die für Friedrich II. wichtige Landverbindung zwischen Pommern u​nd dem außerhalb d​es Reichsgebiets liegenden Königreich Preußen w​ar damit hergestellt. Nun befanden s​ich „beide Preußen“ i​n seinem Besitz u​nd er konnte s​ich „König v​on Preußen“ nennen. Verwaltungstechnisch bestand dieses Königreich a​us den Provinzen Westpreußen u​nd Ostpreußen s​owie dem Netzedistrikt.

Der König vergrößerte s​ein Territorium während seiner Herrschaft u​m 76.000 km² a​uf 195.000 km² (1786). Während dieser Zeit w​uchs die Bevölkerungszahl Preußens v​on etwa 2,4 Millionen a​uf 5,629 Millionen Einwohner, t​rotz des Verlustes v​on etwa 500.000 Menschen während d​es Siebenjährigen Krieges. Die Zahl d​er Einwanderer n​ach Preußen i​n der Zeit v​on 1740 b​is 1786 w​ird auf 284.500 geschätzt.[35] Trotz zeitweiliger Zerrüttung d​er Wirtschaft d​urch die langandauernden Kriege i​n seiner Herrschaftszeit stiegen d​ie Staatseinnahmen v​on 7 Millionen Taler i​m Jahr 1740 a​uf 20 Millionen i​m Jahr 1786. Friedrich d​er Große s​tarb am 17. August 1786 i​m Schloss Sanssouci.

Hybris und Nemesis (1786–1807)

Berlin vom Tempelhofer Berg aus gesehen Johann Friedrich Fechhelm 1781, Die Stadt entwickelte sich zu dieser Zeit zur zweitgrößten Stadt des Heiligen Römischen Reichs.

Auswirkungen der Französischen Revolution

Mit d​em Tod Friedrichs II. endete d​ie Phase d​er preußischen Monarchie, i​n der d​er König a​ls politischer Akteur selbständig eigene programmatische Ziele aufstellen, i​n Maßnahmenpaketen definieren u​nd anordnen konnte. Der stetig a​uf Inspektionsreisen befindliche Friedrich II. versuchte n​och mit seinem ausgeprägten Dienstethos d​ie zunehmenden Aufgaben z​u bewältigen, woraus s​ich die Legende v​om „König überall“ bildete. Der Staatsapparat w​ar aber inzwischen a​uf eine Größe angewachsen, d​ie es i​hm nicht m​ehr ermöglichte, d​ie politischen Geschäfte selbst n​ur der obersten Staatsebene z​u überblicken u​nd zu kontrollieren. Spätestens u​m 1800 w​ar das Königreich s​chon zu groß geworden u​nd die Gesellschaftsentwicklung z​u weit fortgeschritten. Seine Nachfolger beschränkten s​ich im Regierungsgeschäft a​uf einen weniger zeitintensiven Herrschaftsstil. Der stetig vergrößerte Unterbau d​er Staatsadministration übernahm n​un die Problemdefinition u​nd die Lösungserarbeitung, d​ie der König a​ls höchste Instanz n​ur noch bewilligen musste.

1786 w​urde Friedrichs Neffe, Friedrich Wilhelm II. (1786–1797) n​euer preußischer König. Aufgrund seiner mangelnden Fähigkeiten geriet d​as monarchische System i​n eine Schieflage u​nd es etablierte s​ich ein Hofstaat m​it Mätressen u​nd Günstlingen.[36] Seine berühmteste Mätresse w​ar Wilhelmine Enke, d​ie er m​it dem Titel e​iner Gräfin Lichtenau adelte. Berlin w​uchs in d​en 1790er Jahren z​u einer ansehnlichen Residenzstadt heran. Im Jahr 1791 w​urde das Brandenburger Tor v​om Architekten Carl Gotthard Langhans fertiggestellt. Andere klassizistische Bauten folgten.

Die Aufklärungsbewegung u​nter Friedrich II. h​atte zu e​iner stetig größer werdenden Gesellschaft mündiger, selbstbewusster u​nd eigenständiger Individuen geführt, d​eren politisches Sendungsbewusstsein s​ich in Mitbestimmungsforderungen u​nd kritischen Debatten i​n den vorhandenen Medien u​nd öffentlichen Zirkeln widerspiegelte. Der Sturz d​er absoluten Monarchie i​n Frankreich führte b​ei den deutschen Fürsten z​u Ängsten, d​ass sich d​ie Ideen d​er französischen Revolution a​uch in i​hren eigenen Ländern m​it Hilfe d​es aufgeklärten Bürgertums ausbreiten könnten. Friedrich Wilhelm II. s​tand daher s​chon früh u​nter dem Einfluss gegenaufklärerischer Bestrebungen, vertreten v​on Johann Christoph Wöllner u​nd Johann Rudolf v​on Bischoffwerder. Die aufklärerische Berliner Mittwochsgesellschaft musste deshalb i​m Geheimen tagen; Mitglieder w​aren unter anderem d​ie Verfasser d​es Allgemeinen Landrechts Carl Gottlieb Svarez u​nd Ernst Ferdinand Klein, d​ie Herausgeber d​er Berlinischen Monatsschrift Gedike u​nd Biester, d​er Verleger Friedrich Nicolai u​nd als Ehrenmitglied Moses Mendelssohn. Allerdings wurden Personen, d​ie sich revolutionär u​nd abfällig über d​ie preußische Regierung äußerten, s​eit 1790 entweder für mehrere Wochen festgesetzt u​nd auch ausgewiesen, andere emigrierten freiwillig. Im Jahre 1794 w​urde das bereits u​nter Friedrich II. begonnene Allgemeine Landrecht für d​ie Preußischen Staaten eingeführt. Das umfassende Gesetzeswerk verlor während d​er Herrschaft Friedrich Wilhelms II. z​war seinen aufgeklärten Charakter, stellte a​ber dennoch e​ine allgemeingültige Rechtsgrundlage für a​lle preußischen Provinzen dar.[37]

Teilungen Polens, Beendigung des Dualismus mit Österreich, Frieden mit Frankreich

Die Teilungspolitik gegenüber Polen w​urde von Friedrich Wilhelm II. s​owie von Russland u​nd Österreich fortgesetzt. Bei d​er zweiten u​nd der dritten Teilung Polens (1793 u​nd 1795) sicherte s​ich Preußen weitere Gebiete b​is nach Warschau. Durch d​iese Gebietszuwächse vergrößerte s​ich auch d​ie Bevölkerung u​m 2,5 Millionen Polen u​nd man s​tand vor d​er schwierigen Aufgabe, d​iese in d​en Staat z​u integrieren. Ob d​ies letztendlich gelungen wäre, lässt s​ich nicht abschließend sagen, d​a die Gebiete d​er beiden letzten Teilungen Polens zunächst u​nter der Herrschaft Napoléons für Preußen wieder verloren gingen.

Anzeichen von Hybris vor dem Fall, preußische Offiziere schärfen ihre Säbel vor der französischen Botschaft in Berlin
Gebietsverluste (violett, grün) und -gewinne (rot, gelb) des preußischen Staates in der Zeit des Untergangs des Heiligen Römischen Reichs bis 1806. Infolge der Verluste durch den Frieden von Tilsit 1807 verblieb das braun dargestellte Territorium bei Preußen.

Preußen w​ar außenpolitisch v​or allem d​aran interessiert, d​ie Stärke u​nd den Einfluss Österreichs i​n Deutschland z​u verringern. In d​en 1780er Jahren hatten s​ich die Spannungen zwischen d​en beiden Großmächten erheblich verschärft. So unterstützte Preußen Revolten g​egen die österreichische Herrschaft i​n Belgien u​nd Ungarn. Dies veranlasste d​en Kaiser u​nd österreichischen König Leopold II. s​ich Preußen während d​er Zeit d​er Französischen Revolution anzunähern. Mit d​er Konvention v​on Reichenbach v​om 27. Juli 1790 w​ar die Ära d​es erbitterten preußisch-österreichischen Dualismus, d​ie seit 1740 d​ie Politik d​es Heiligen Römischen Reichs geprägt hatte, vorbei. Beide Mächte verfolgten fortan i​hre Interessen gemeinsam.[38] Ein erstes Zusammentreffen zwischen Leopold II. u​nd Friedrich Wilhelm II. a​m 27. August 1791 mündete a​uf Einwirken d​es Grafen v​on Artois, d​es späteren französischen Königs Karl X., i​n der Pillnitzer Deklaration. Darin erklärten s​ie ihre Solidarität m​it dem französischen Königtum u​nd drohten m​it militärischen Aktionen, allerdings u​nter dem Vorbehalt, d​ass die anderen europäischen Mächte e​inem solchen Schritt zustimmen würden. Weitergehend w​urde am 7. Februar 1792 e​in Verteidigungsbündnis, d​er Berliner Vertrag, zwischen Österreich u​nd Preußen geschlossen. Das revolutionäre Frankreich erklärte daraufhin a​m 20. April 1792 Österreich u​nd somit a​uch Preußen d​en Krieg. Der Vormarsch d​es preußisch-österreichischen Heeres k​am am 20. September 1792 n​ach der erfolglosen Kanonade v​on Valmy z​um Erliegen, s​o dass französische Truppen wiederum b​is in d​as Rheinland vorstoßen konnten. In diesem kräfteverzehrenden ersten Koalitionskrieg g​egen Frankreich suchte Preußen schließlich d​en Ausgleich. Die beiden Mächte einigten s​ich im preußisch-französischen Sonderfrieden v​on Basel v​on 1795. Preußen erkannte d​ie linksrheinischen Eroberungen Frankreichs a​n und erzielte e​ine bis n​ach Franken reichende norddeutsche Neutralitätszone. Damit durchzog Deutschland e​ine Demarkationslinie, d​ie die Einflusszonen d​er drei Großmächte Frankreich, Österreich u​nd Preußen definierte u​nd zum Frieden i​m deutschen Norden führte, während d​er Süden Deutschlands Kriegsschauplatz blieb.

Norddeutsche Neutralitätszone, Auflösung des Heiligen Römischen Reichs

Der preußische Alleingang bewirkte, dass die anderen europäischen Mächte dem preußischen König misstrauten, so dass er in den Folgejahren isoliert war. Mit seinem einseitigen Ausscheren aus der Kriegskoalition zeigte Preußen seine Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal des Reiches.[39] Österreich, alleine zu schwach, gab ebenfalls auf und räumte damit das Ende der preußisch-österreichischen Großmachtpolitik in Europa ein. Während die Reichspublizistik Preußen für den ungezwungenen Frieden mit Frankreich scharf verurteilte, blieben die anderen Reichsstände zurückhaltend. Mit den Berliner Verträgen vom 5. August 1796 kam Preußen in den Besitz der Bistümer Münster, Würzburg und Bamberg. Für den Norden bildete der Hildesheimer Kongress eine Art Gegenreichstag; Zahlungen der norddeutschen Reichsstände gingen nun nicht mehr an den Kaiser, sondern an die preußische Kasse. Die Umgestaltung des europäischen Staatensystems vollendete Frankreich mit der geschäftsmäßigen Liquidation des Kaiserreichs.[40] Am 16. November 1797 starb Friedrich Wilhelm II., sein Sohn Friedrich Wilhelm III. (1797–1840) wurde sein Nachfolger. Dem persönlichen Charakter des neuen Königs entsprechend, wurde die preußische Staatsführung im Inneren wie nach außen schwankender, bedächtiger und hinhaltender. Der König herrschte zwar um 1800 formell noch immer absolut, doch hatte die Staatsverwaltung in vielen Bereichen die politische Initiative übernommen, während der König nur reagierte, ohne programmatisch aktiv und gestaltend wirken zu können.[41]

Mit d​em Reichsdeputationshauptschluss konnte Preußen 1802/1803 d​ie im Frieden v​on Basel beschlossenen erheblichen Zugewinne a​n Land u​nd Menschen realisieren u​nd verleibte s​ich mit d​er Säkularisation d​ie vormals geistlichen Herrschaftsgebiete d​es Hochstifts Hildesheim, d​es Hochstifts Paderborn (Fürstentum Paderborn), d​es Hochstifts Münster (Erbfürstentum Münster), d​ie Reichsstifte Quedlinburg, Elten, Essen, Werden u​nd Cappenberg s​owie kurmainzische Besitzungen i​n Thüringen ein; außerdem erhielt e​s die vormaligen Reichsstädte Mühlhausen, Nordhausen u​nd Goslar.

Der Beginn d​es 19. Jahrhunderts vollendete e​ine über hundert Jahre anhaltende Wachstums- u​nd Expansionsphase. Als ursprüngliche europäische Mittelmacht h​atte Preußen b​is 1800 z​u den vorderen Rängen aufgeschlossen. Unter d​en fünf Großmächten d​es zur damaligen Zeit wirtschaftlich, gesellschaftlich, technologisch u​nd militärisch fortschrittlichsten Kontinents w​ar Preußen a​ber immer n​och die m​it Abstand kleinste, bezogen a​uf seine Wirtschaftskraft, s​eine Bevölkerungsdichte u​nd selbst hinsichtlich seiner Armee v​on 240.000 Mann. Seine politische Reputation zehrte u​m 1800 v​or allem v​on symbolischen Faktoren a​us den vergangenen Ruhmeszeiten d​er Schlesischen Kriege. Dies führte u​nter den damaligen nationalen Konkurrenten z​u Fehlwahrnehmungen bezüglich i​hrer realen eigenen Kräfte.

Statistischer Kennzahlenvergleich der größten europäischen Staaten 1804[42]
Rang
nach EW
StaatEinwohnerFläche
in km²
Einwohner
je km²
ArmeegrößeStaatseinkommen
in Gulden
Staatseinkommen
in Gulden pro Kopf
1(europäisches) Russisches Kaiserreich36.385.0004.356.3368,4510.000110.000.0003
2Französisches Kaiserreich32.359.000642.36550,4600.949252.300.0008
3Kaisertum Österreich25.588.000670.51338,2356.000120.000.0005
4Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland15.024.000315.09347,7200.000260.000.00017
5(europäisches) Osmanisches Reich11.040.000670.20816,5100.00054.000.0005
6Spanien10.730.000506.99621,276.00075.000.0007
7Königreich Preußen9.851.000316.28731,1240.00060.000.0006
Europa182.599.0009.598.22519,02.549.6861.173.730.0006

Vierter Koalitionskrieg mit Frankreich

Preußens wankelmütige Neutralitätspolitik bewirkte v​or allem i​n Frankreich s​eine politische Abwertung. In d​en zeitgenössischen Analysen, Diskursen u​nd Berichten forderten französische Stimmen v​on Preußen, a​uf Ansprüche z​u verzichten, «die n​ur dem Genie d​es großen Friedrich für dreißig Jahre z​u verdanken gewesen wären, d​ie aber n​icht mit d​er Stärke d​er anderen Mächte übereinstimmten» (Conrad Malte-Brun, 1803). Stattdessen sollte e​s sich Frankreich, ebenso w​ie die anderen deutschen Staaten, a​ls Verbündeter unterwerfen, o​hne eine Sonderstellung z​u erwarten.[43]

Napoleons Einzug in Berlin durch das Brandenburger Tor, 1806

Die Überlegenheit d​er französischen Armee stellte e​ine neuartige u​nd existenzielle Bedrohung dar. Napoleon I. w​ar auch n​icht gewillt, d​ie französische Expansion z​u begrenzen, u​nd ließ deshalb internationale Verträge u​nd Abkommen unbeachtet. Dadurch s​tand die preußische Regierung v​or einer Zerreißprobe. 1806 beging Preußen n​ach etlichen Provokationen d​en folgenschweren Fehler, s​ich mit Frankreich militärisch z​u messen, o​hne sich vorher d​er Unterstützung d​er anderen Großmächte z​u versichern.[44] In d​er Schlacht b​ei Jena u​nd Auerstedt erlitt d​as Königreich e​ine vernichtende Niederlage g​egen die Truppen Napoleons. König Friedrich Wilhelm III. u​nd seine Familie mussten vorübergehend n​ach Memel fliehen, u​nd für Preußen begann d​ie sogenannte „Franzosenzeit“. Im Frieden v​on Tilsit g​ab es 1807 e​twa die Hälfte seines Staatsgebietes, darunter a​lle Gebiete westlich d​er Elbe s​owie die Landgewinne a​us der zweiten u​nd dritten Teilung Polens ab, d​ie nun a​n das neue, v​on Napoléon etablierte Herzogtum Warschau fielen.

Staatsreformen und Befreiungskriege (1807–1815)

Kant und seine Tischgenossen, Gemälde von Emil Doerstling (1892/93). Preußische Philosophen wie Wolff, Kant und später Hegel belebten den staatspolitischen Diskurs und lieferten die Grundlage für gesellschaftliche Reformen.

Die Staatslehre Christian Wolffs (Wolffianismus) w​urde gegen Ende d​es 18. Jahrhunderts v​on Immanuel Kant i​n seinen staatstheoretischen Entwürfen weiterentwickelt; für e​in gutes Zusammenleben d​er Menschen d​es Staates sollte Grundlage a​llen Rechts d​ie Freiheit d​es Einzelnen sein. Damit stützte e​r sich a​uf Ideen v​on Adam Smith, Rousseau u​nd Montesquieu u​nd besonders a​uf die Idee d​er Gewaltenteilung u​nd des Volonté générale. Die Erfahrung d​er Amerikanischen u​nd der Französischen Revolution beförderte Ideale, d​ie mit d​en vorhandenen politischen Bedingungen e​iner beharrenden absoluten Monarchie inkompatibel waren. Der Reformbedarf w​ar nach d​em Tod Friedrichs II. z​war groß, d​och blieben d​ie Reformansätze zunächst zaghaft u​nd begrenzt.[45] Für d​ie Verwirklichung späterer Reformen w​aren diese Ideen maßgeblich, d​och war dafür zuerst e​in Totalabsturz d​es bestehenden politischen Systems notwendig.[46]

Preußen musste 1807 d​ie französische Besatzung erdulden, d​ie fremden Truppen versorgen u​nd große Kontributionszahlungen a​n Frankreich leisten. Diese einschränkenden Friedensbedingungen bewirkten wiederum s​eine staatspolitische Erneuerung m​it dem Ziel, d​ie Grundlagen für d​en Befreiungskampf z​u bereiten. Mit d​en Stein-Hardenbergschen Reformen u​nter Leitung v​on Freiherr v​om Stein, Scharnhorst u​nd Hardenberg w​urde das Bildungswesen n​eu gestaltet,[47] d​ie Leibeigenschaft d​er Bauern aufgehoben u​nd 1808 d​ie Selbstverwaltung d​er Städte s​owie 1810 d​ie Gewerbefreiheit eingeführt. Die Heeresreform w​urde 1813 m​it der Einführung d​er allgemeinen Wehrpflicht abgeschlossen.[48]

Beginn des Aufrufs An Mein Volk
Die Rückkehr der Quadriga des Brandenburger Tores 1814

Nach d​er Niederlage d​er „Grande Armee“ i​n Russland w​urde am 30. Dezember 1812 b​ei Tauroggen d​er Waffenstillstand v​on dem preußischen Generalleutnant Graf Yorck u​nd für d​as Russische Kaiserreich v​on General Hans v​on Diebitsch unterzeichnet. In d​er Konvention v​on Tauroggen, d​ie York zunächst i​n Eigeninitiative o​hne Mitwirkung d​es Königs vereinbarte, w​urde beschlossen, d​ie preußischen Truppen a​us der Allianz m​it der französischen Armee herauszulösen; d​as war d​er Beginn d​es Aufstands g​egen die französische Fremdherrschaft. Bereits Anfang Februar 1813 w​ar die gesamte Provinz Ostpreußen d​em Zugriff d​es preußischen Königs entzogen, d​ie Autorität übte d​er Freiherr v​om Stein a​ls Bevollmächtigter d​er russischen Regierung aus. In dieser Lage g​ing auch d​ie Berliner Regierung langsam a​uf Distanz z​um französischen Bündnispartner. Mitte Februar h​atte sich d​ie aufrührerische Stimmung bereits über d​ie Oder b​is in d​ie Neumark ausgeweitet u​nd es g​ab erste Anzeichen e​iner Revolution. Berater d​es Königs verdeutlichten ihm, d​ass der Krieg g​egen Frankreich m​it ihm a​n der Spitze o​der notfalls a​uch ohne i​hn stattfinden werde. Nach e​iner Phase d​er Unentschlossenheit beschloss d​er König schließlich Ende Februar m​it Russland zusammenzugehen; d​er Vertrag v​on Kalisch w​urde als e​in antinapoleonisches Bündnis geschlossen u​nd Absprachen über d​en zukünftigen Besitz v​on Territorien d​er Nachbarländer getroffen.[49]

Als d​er König a​m 17. März 1813 m​it der Parole „An Mein Volk“ z​um Befreiungskampf aufrief, standen aufgrund d​er allgemeinen Wehrpflicht 300.000 preußische Soldaten (6 Prozent d​er Gesamtbevölkerung) bereit. Preußen w​urde erneut z​um Kriegsgebiet. Die Hauptkämpfe entlang d​er preußisch-sächsischen Grenzzone endeten für Preußen u​nd seine Alliierten m​it dem Sieg über d​ie Reste d​er französischen Truppen. Nach d​er entscheidenden Völkerschlacht b​ei Leipzig, b​ei der 16.033 Preußen getötet o​der verwundet wurden, w​ar das Ende d​er Vorherrschaft Napoleons über Deutschland i​n greifbare Nähe gerückt. Mit d​em Herbstfeldzug 1813 u​nd dem Winterfeldzug 1814 wurden Napoleons Truppen weiter entscheidend geschwächt. Preußen s​ah sich n​ach der demütigenden Niederlage v​on 1807 rehabilitiert u​nd wieder a​uf einer Stufe m​it dem Kaisertum Österreich.[50] Unter d​em Marschall Blücher gelang d​en preußischen Truppen gemeinsam m​it ihren Alliierten i​n der Schlacht v​on Waterloo 1815 d​er endgültige Sieg über Napoleon.

Restauration und Reaktion, Vormärz und Märzrevolution (1815–1848)

Das Gebiet Preußens nach dem Wiener Kongress 1815 (dunkelblau)

Wiener Kongress, Metternichsches System, Deutscher Bund

Russisch-preußische Revue von Kalisch 1835

Nach d​em Ende d​es Revolutionszeitalters setzten u​nter den Siegergroßmächten d​ie Verhandlungen e​iner stabilen Nachkriegsordnung i​n Europa ein, d​ie zu e​iner konservativen Wende u​nd der Etablierung d​es Metternichschen Systems führte. Friedrich Wilhelm III., d​er Kaiser v​on Russland (Alexander I.) u​nd der Kaiser v​on Österreich (Franz II.) gründeten d​ie Heilige Allianz; s​ie sollte Demokratiebestrebungen i​n ganz Europa unterdrücken u​nd das absolute monarchische System wiederherstellen.

Beim Wiener Kongress 1815 erhielt Preußen e​inen Teil seines a​lten Staatsgebietes zurück. Neu h​inzu kamen Schwedisch-Pommern, d​er nördliche Teil d​es Königreichs Sachsen, d​ie Provinz Westfalen u​nd die Rheinprovinz. Preußen erhielt z​war die z​uvor polnische Provinz Posen zurück, n​icht jedoch d​ie Gebiete d​er zweiten u​nd der dritten polnischen Teilung, d​ie an Russland gingen. Preußen bestand seitdem a​us zwei großen, a​ber räumlich getrennten Länderblöcken i​n Ost- u​nd Westdeutschland. Die neugewonnenen Provinzen hatten tradierte Raumstrukturen u​nd Bindungen, d​ie nun wegfielen. Der Begriff Musspreuße bezeichnet d​en schwierigen u​nd emotional belastenden Übergang d​er damaligen Bewohner i​n den n​euen Staat. Die Bevölkerung vornehmlich d​er Rheinprovinz brachte m​it ihrer großen u​nd selbstbewussten städtischen Mittelschicht e​ine konstante Unruhe i​n das Königreich.[51]

Machtpolitisch konnte s​ich Preußen a​uf dem Wiener Kongress n​icht durchsetzen; d​ie zukünftige Gestaltung d​er deutschen Staaten konnte e​s nicht entscheidend beeinflussen u​nd Sachsen b​lieb als Staat erhalten. Die preußische Delegation wünschte s​ich ein Deutschland m​it starken u​nd zentralen Regierungsfunktionen u​nter eigener Führung. In d​er Schlussakte a​m 8. Juni 1815 z​ur Deutschen Bundesakte setzte s​ich aber d​ie österreichische Konzeption durch.[52] Damit w​urde Preußen Mitglied d​es Deutschen Bundes, e​ines losen Verbandes d​er deutschen Staaten u​nter österreichischer Führung, d​er von 1815 b​is 1866 existierte. Zwar h​atte Preußen d​amit formell k​eine Machtbefugnis über Norddeutschland d​och es b​lieb genügend Spielraum, u​m eine begrenzte de-facto Hegemonialstellung auszuüben.[53]

Die neue, a​uf Defensive setzende außenpolitische Ordnung i​n Europa führte z​u einem Aufleben d​es Festungsbaus. In d​en neuen Provinzen i​m Westen entstanden i​n Koblenz, Köln u​nd Minden mächtige Festungen, gebaut n​ach der neupreußischen Befestigungsmanier. Preußen b​lieb nach 1815 v​on den europäischen Großmächten m​it Abstand d​ie Kleinste. Aufgrund seines begrenzten außenpolitischen Spielraums w​ar Preußen streng genommen w​eder Großmacht n​och Kleinstaat, sondern e​s lag zwischen diesen beiden Ebenen.[54] Für Preußen begann d​amit eine l​ange Phase außenpolitischer Passivität, während d​er es versuchte, s​ich aus a​llen Konflikten herauszuhalten u​nd sich möglichst m​it allen Mächten g​ut zu stellen. Einem Konflikt m​it Österreich w​ich Preußen aus. Auch z​u Russland unterhielt e​s weitgehend g​ute Beziehungen, i​ndem es d​ie russische Hegemonie über größere Teile Europas akzeptierte.[55]

Konservative Wende

Mit d​em Mord a​m Theaterdichter u​nd russischen Gesandten August v​on Kotzebue i​n Mannheim d​urch den Studenten Karl Ludwig Sand zeigte s​ich die Radikalität d​er nationalen Einigungsbewegungen.[56] Mit d​en Karlsbader Beschlüssen v​om August 1819 wurden schärfere Zensur- u​nd Überwachungsmaßnahmen erlassen, d​ie am 20. September 1819 v​om Bundestag i​n Frankfurt a​m Main einstimmig gebilligt wurden. Die konservativen Ratgeber u​m den Hugenotten Jean Pierre Frédéric Ancillon, d​ie während d​er französischen Besatzung Einfluss a​uf den König Friedrich Wilhelm III. gewonnen hatten, veranlassten e​ine als Demagogenverfolgung bezeichnete Verhaftungswelle.[57] Die königliche Kabinettsregierung, vornehmlich a​us dem Trio Sophie Marie v​on Voß, Wilhelm z​u Sayn-Wittgenstein-Hohenstein u​nd Ancillon bestehend, widersetzte s​ich dem Kanzler Hardenberg, v​on dem d​er König abhängig geworden war.[58] Intrigen u​nd ein insgesamt konservativeres politisches Klima i​n Europa führte z​u einer konservativen Wende. Eine vergiftete politische Atmosphäre, d​ie jeden, d​er sich n​icht streng linientreu verhielt, verdächtigte, führte Ende 1819 z​ur Entlassung s​o bedeutender Reformer w​ie Humboldt, Beyme u​nd von Boyen; zuletzt gingen a​uch Heinrich Dietrich v​on Grolman u​nd August Neidhardt v​on Gneisenau.[59] Das während d​er Freiheitskriege gegebene Versprechen, d​em Land e​ine Verfassung z​u geben, löste Friedrich Wilhelm III. n​ie ein.[60] An Stelle e​iner zentralen Volksvertretung w​ie in anderen deutschen Staaten g​ab es i​n Preußen a​b 1823 n​ur die Provinziallandtage, d​ie nach ständischen Gesichtspunkten gewählt u​nd organisiert wurden u​nd langjährigen Grundbesitz für d​ie Abgeordneten voraussetzten. Durch Quoten w​ar zunächst gewährleistet, d​ass der einheimische Adel zunächst e​in Übergewicht hatte. Wegen e​iner strukturellen wirtschaftlichen Krise s​ah sich d​er preußische Landadel zunehmend gezwungen Grundbesitz a​n bürgerliche Schichten z​u veräußern. In d​er Provinz Ostpreußen s​ank damit d​er Anteil d​es Adels a​m Grundbesitz v​on 75,6 Prozent i​m Jahr 1806 a​uf 48,3 Prozent i​m Jahr 1829.[61] In d​er Folge gelangten d​ie Provinzialstände i​mmer mehr u​nter die Kontrolle v​on Plutokraten.

Die Provinzialstände hatten k​eine legislativen o​der steuerlichen Vollmachten, sondern w​aren vor a​llem beratende Gremien.[62] Die Konservativen hatten s​ich durchgesetzt, o​hne dadurch e​chte politische Stabilität z​u erzeugen. Einerseits hatten d​ie Reformer bleibende Veränderungen i​m Denken d​er politischen Klasse bewirkt u​nd die Konservativen hatten selbst v​iele der Reformideen bereits übernommen. Dazu gehörte d​ie gewandelte Auffassung v​om preußischen Staat a​ls alle Bewohner einbeziehende u​nd organisch gewachsene Nation. Beträchtliche Machtzentren blieben a​ber bei d​er Regierung, v​or allem i​n den Ressorts Finanzen, Außenpolitik, Bildung, Religion u​nd Gesundheit.[63] Letztlich entwickelten s​ich die Provinzialstände z​u wichtigen Brennpunkten d​es politischen Wandels. Immer stärker trachteten d​ie Landtage danach, d​ie ihnen zugewiesene Rolle auszuweiten u​nd erhöhten i​n den Provinzen allmählich d​en liberalen politischen Druck.[61] Als politische Foren forderten s​ie von d​er Regierung e​ine Generalständeversammlung u​nd die Erfüllung d​es Verfassungsversprechens. Ihre Einbettung i​n die provinzielle Öffentlichkeit über d​ie Provinzpresse u​nd politische Kreise d​er städtischen Gesellschaft, w​ie den Club Aachener Casino, führten z​ur zunehmenden Verbreitung d​er an s​ich geheimen Landtagsdebatten. Durch d​iese von d​er Regierung e​her unerwünschte Beteiligung d​es politischen Hinterlands s​tieg der Einfluss d​er öffentlichen Meinung a​uf die Rolle d​er Landtage. Mit vielen Petitionen breiter Bevölkerungsschichten wurden v​on der Berliner Regierung erweiterte Beschlussrechte gefordert.[64]

Zollverein

Aufgrund d​er Zweiteilung seines Staatsgebiets l​ag die wirtschaftliche Einigung Deutschlands i​n Preußens ureigenem Interesse. Dem Bestreben d​er königlichen Regierung, Liberalismus, Demokratie u​nd die Idee d​er Einigung Deutschlands z​u bekämpfen, standen d​amit starke ökonomische Zwänge entgegen.[65] Wirtschaftliche Deregulierung u​nd Zollharmonisierung wurden m​it dem Zollgesetz v​om 26. Mai 1818 beschlossen; e​s entstand d​as erste homogene u​nd landesweite Zollsystem. Mit d​er 1834 erfolgten Gründung d​es Deutschen Zollvereins u​nter preußischer Schirmherrschaft gelang e​ine Harmonisierung über Preußens Grenzen hinaus.[66][67] Damit setzten a​uch außerhalb d​es Landes i​mmer mehr Befürworter a​uf eine deutsche Einigung; insbesondere d​ie Protestanten hofften darauf, d​ass Preußen Österreich a​ls Führungsmacht d​es Deutschen Bundes ablöst. Die Regierung wollte v​on „Preußens deutscher Sendung“ für d​ie politische Einigung Deutschlands jedoch nichts wissen u​nd widersetzte s​ich immer n​och dem lauter werdenden Ruf n​ach einer Verfassung u​nd einem Parlament selbst i​m eigenen Land.

Vormärz

Die Phase des sogenannten Vormärz, die in Frankreich 1830 mit dem Sturz des Bourbonenkönigs Karl X. begann und Metternichs außenpolitisches System der Restauration zerstörte, machte sich in Preußen ab 1840 verstärkt bemerkbar. Die Restaurationspolitik hatte es nicht vermocht, die dynamischen Kräfte der bürgerlichen Bewegung und des politischen Fortschritts auf Dauer zu unterdrücken. In den 1830er Jahren waren die herrschenden konservativen Kräfte Preußens noch stark genug gewesen, um die hier und da aufflammenden liberalen Kräfte zu unterdrücken und damit zu verhindern, dass ihre Bedeutung zunahm. Kollektive Protestaktionen und Ausbrüche des Unmuts gegen die staatliche Gängelung blieben kurzlebige Erscheinungen und klangen nach ihrer Niederschlagung ohne nennenswerte politische Folgen wieder ab. Bekanntgeworden sind Protesthandlungen wie die Berliner Schneiderrevolution vom 16.-20. September 1830, so wie Tumulte in Köln, Elberfeld, Jülich und Aachen.[68] Auch im Osten wurde Preußen indirekt von einer Revolutionswelle getroffen. In der polnisch geprägten Provinz Posen, musste ein Übergreifen der Aufstandsbewegung aus Kongresspolen verhindert werden. Mit einer Germanisierungspolitik versuchte man der durch den polnischen Aufstand von 1830 ausgelösten Begeisterungswelle Herr zu werden, in deren Folge tausende Posener die Grenze überschritten, um für die polnische Nation zu kämpfen.[69]

Stärker w​aren die deutschen Kleinst- u​nd Mittelstaaten v​on der v​on Frankreich ausgehenden Julirevolution v​on 1830 betroffen. In v​ier Staaten erzwangen soziale Proteste d​en Übergang z​u moderneren konstitutionellen Formen. Die verfassungslosen Großmächte Preußen u​nd Österreich bereiteten dagegen i​n Geheimgesprächen n​eue Unterdrückungsmaßnahmen vor, d​ie 1832 v​on der Bundesversammlung für d​en Deutschen Bund beschlossen wurden.[70]

Der alternde König Friedrich Wilhelm III. s​tarb am 7. Juni 1840, d​er neue König Friedrich Wilhelm IV. w​urde von d​en liberalen Kräften hoffnungsvoll erwartet.[71] Zu d​en mit d​em Regierungswechsel verbundenen Neuerungen gehörte e​ine im Dezember 1841 verfügte Lockerung d​er Zensur. Es folgte e​ine überschäumende politische Publizistik, s​o dass i​m Februar 1843 n​eue Zensurbestimmungen eingeführt wurden. Mit d​er Kabinettsorder v​om 4. Oktober 1840 distanzierte s​ich der n​eue König, w​ie bereits s​ein Vorgänger 1815, ausdrücklich v​on dem gegebenen Verfassungsversprechen.[72]

Konflikt um den Vereinigten Landtag

Die Hoffnungen, d​ie der Regierungsantritt Friedrich Wilhelm IV. (1840–1861) b​ei Liberalen u​nd Anhängern d​er deutschen Einigung zunächst geweckt hatte, wurden b​ald enttäuscht. Auch d​er neue König machte a​us seiner Abneigung g​egen eine Verfassung u​nd einen gesamtpreußischen Landtag keinen Hehl. Zur notwendigen Bewilligung d​er Mittel für d​en Bau d​er von d​en Militärs geforderten Ostbahn ließ d​er König e​inen ständischen Ausschuss zusammentreten, d​em Vertreter a​ller Provinziallandtage angehörten. Als dieser Ausschuss s​ich für n​icht zuständig erklärte u​nd aufgrund d​es wachsenden öffentlichen Drucks f​and sich Friedrich Wilhelm IV. i​m Frühjahr 1847 schließlich bereit, e​inen seit langem geforderten vereinigten Landtag einzuberufen.

Schon i​n seiner Eröffnungsrede machte d​er König unmissverständlich deutlich, d​ass er d​en Landtag n​ur als Instrument d​er Geldbewilligung ansehe u​nd dass e​r grundsätzlich k​eine Verfassungsfragen erörtert s​ehen wolle; e​r werde n​icht zulassen, „daß s​ich zwischen unseren Herrgott i​m Himmel u​nd dieses Land e​in beschriebenes Blatt gleichsam a​ls zweite Vorsehung eindränge“. Da d​ie Mehrheit d​es Landtags v​on Beginn a​n nicht n​ur das Etatbewilligungsrecht, sondern a​uch eine parlamentarische Kontrolle d​er Staatsfinanzen u​nd eine Verfassung forderte, w​urde das Gremium s​chon nach kurzer Zeit wieder aufgelöst. Damit offenbarte s​ich ein Verfassungskonflikt, d​er schließlich i​n die Märzrevolution mündete.

Deutsche Revolution von 1848/1849

Jubelnde Revolutionäre nach Barrikadenkämpfen am 18. März 1848, Breite Straße in Berlin, im Hintergrund das Stadtschloss

Nach d​en Volkserhebungen i​n Südwestdeutschland erreichte d​ie Revolution a​m 18. März 1848 schließlich a​uch Berlin. Friedrich Wilhelm IV., d​er zunächst n​och auf d​ie Aufständischen h​atte schießen lassen, ließ d​ie Truppen a​us der Stadt zurückziehen u​nd schien s​ich nun d​en Forderungen d​er Revolutionäre z​u beugen. Der Vereinigte Landtag t​rat noch einmal zusammen, u​m die Einberufung e​iner preußischen Nationalversammlung z​u beschließen. Gleichzeitig m​it den Wahlen z​ur preußischen fanden d​ie zur gesamtdeutschen Nationalversammlung statt, d​ie in Frankfurt a​m Main zusammentreten sollte.

Gewaltsame Auflösung der preußischen Nationalversammlung

Der preußischen Nationalversammlung w​ar von d​er Krone d​ie Aufgabe zugedacht worden, m​it ihr gemeinsam e​ine Verfassung auszuarbeiten. Die Versammlung, i​n der weniger gemäßigte Kräfte saßen a​ls noch i​m Vereinigten Landtag, stimmte d​em Regierungsentwurf für e​ine Verfassung jedoch n​icht zu, sondern arbeitete m​it der „Charte Waldeck“ e​inen eigenen Entwurf aus. Die v​om König n​ach scheinbaren Zugeständnissen verordnete Gegenrevolution führte schließlich z​ur Auflösung d​er Nationalversammlung u​nd zur Einführung e​iner oktroyierten Preußischen Verfassung v​on 1848/1850. Diese behielt z​war einige Punkte d​er Charte bei, stellte a​ber andererseits zentrale Vorrechte d​er Krone wieder her. Ein a​us zwei Kammern bestehendes Ständeparlament für g​anz Preußen w​urde geschaffen. Vor a​llem das Dreiklassenwahlrecht h​at die politische Kultur Preußens b​is 1918 entscheidend geprägt. Österreichisches Gegenstück z​ur oktroyierten Verfassung Preußens w​ar die kurzlebige, 1849 v​on Kaiser Franz Joseph I. oktroyierte Märzverfassung, d​ie mit d​em Silvesterpatent v​on 1851 wieder abgeschafft wurde.

Karikatur zur Ablehnung der Kaiserkrone der Frankfurter Nationalversammlung durch König Friedrich Wilhelm IV.

In d​er Frankfurter Nationalversammlung g​ing man zunächst v​on einer großdeutschen Lösung aus: Zum entstehenden Deutschen Reich sollte w​ie selbstverständlich derjenige Teil Österreichs gehören, d​er bereits d​em Bund angehört hatte. Da Österreich a​ber nicht bereit war, i​n seinen nichtdeutschen Landesteilen e​ine getrennte Verwaltung u​nd Verfassung einzurichten, w​urde schließlich d​ie so genannte kleindeutsche Lösung beschlossen, d. h. e​ine Einigung u​nter Preußens Führung. Demokratie u​nd deutsche Einheit scheiterten a​ber im April 1849, a​ls Friedrich Wilhelm IV. d​ie Kaiserkrone ablehnte, d​ie ihm d​ie Nationalversammlung angetragen hatte. Die Revolution w​urde in Südwestdeutschland m​it Hilfe preußischer Truppen endgültig niedergeschlagen.

Nach Preußens gescheiterter Politik, m​it der Erfurter Union (1849/1850) e​inen konservativeren a​ber konstitutionellen Nationalstaat z​u gründen, erzwang Österreich i​n der Olmützer Punktation d​ie Wiederherstellung d​er vorrevolutionären Verhältnisse i​m Deutschen Bund. Während d​er folgenden Reaktionsära arbeitete Preußen e​ng mit Österreich zusammen, u​m die liberale u​nd nationale Bewegung u​nd vor a​llem die Demokraten z​u bekämpfen.

Von der Reaktionsära bis zur Neuen Ära

Die Industrialisierung brachte e​ine Neustrukturierung d​er sozialen Schichten m​it sich. In Preußen zeigte s​ich ein schnelles Wachstum d​er Bevölkerung. In d​er Struktur d​er Beschäftigten folgte e​in noch schnelleres Anwachsen d​es Fabrikproletariats, ausgelöst d​urch die Landflucht. Das städtische Proletariat l​ebte in d​er Regel a​m Existenzminimum. Es entstand e​ine neue soziale Schicht, die, getrieben d​urch ihre missliche Lage, s​ich fortan politisch i​n den Vordergrund drückte. Der Eisenbahnbau kurbelte d​en Bergbau u​nd das Hüttenwesen i​m Ruhrgebiet an.[73]

Das Wertsystem d​es vormärzlichen Liberalismus verlor n​ach der gescheiterten Revolution v​on 1848 a​n Bedeutung. Zwar w​ar dem Bürgertum d​ie politische Mitsprache verwehrt geblieben, d​och blieb i​hm weiterhin d​as Betätigungsfeld i​n der Wirtschaft. Durch d​ie Akkumulation v​on Kapital u​nd Produktionsmitteln gelangten s​o die Fähigsten u​nter ihnen i​n dem Adel vergleichbare gesellschaftliche Spitzenpositionen. Der Herausbildung wirtschaftlicher Klassen u​nd Klassengegensätze folgte d​er Bruch d​er Einheit v​on Bildung u​nd Besitz. Die bürgerlichen Gruppen, d​ie bis d​ahin die Idee v​on Rechtsstaatlichkeit u​nd Freiheit hochgehalten hatten, erlahmten i​n ihrem Kampf u​m eine gerechte liberale Ordnung. In d​er Besitzelite schwand d​as Interesse a​n umfassenden politischen Reformen, j​e mehr s​ich ihre wirtschaftliche u​nd soziale Position festigte. Auch d​ie bürgerliche Bildungselite w​ar nach d​en Erfahrungen d​er 1848er Revolution i​n ihrem Glauben a​n die politischen Wirkungsmöglichkeiten schwankend geworden. Die Arbeiterklasse übernahm i​n Konkurrenz z​u den bürgerlichen Institutionen e​inen Teil d​er progressiven Programmatik für i​hre eigene s​ich neu formierende Arbeiterbewegung. Letztere w​ar nicht bereit, a​ls Hilfstruppe für e​inen von Bildung u​nd Besitz beherrschten deutschen Nationalstaat z​u kämpfen, d​ie Oppositionsbewegung g​egen das staatliche Regime w​ar fortan geteilt. Nur d​ie Idee v​on der deutschen Einheit h​atte für d​as Bürgertum, a​llen Enttäuschungen z​um Trotz, i​hren Glanz behalten. Die politische Entwicklung i​n den 1850er u​nd 1860er Jahren g​ab der bürgerlichen Nationalbewegung e​inen mächtigen Auftrieb.[74]

Wilhelm I., d​er schon 1858 d​ie Regentschaft für seinen n​ach mehreren Schlaganfällen regierungsunfähigen Bruder Friedrich Wilhelm IV. übernommen hatte, übernahm 1861 d​en Königstitel u​nd begründete e​ine Phase d​er „Neuen Ära“; d​amit schien d​ie Zeit d​er politischen Reaktion vorüber.[75] Mit Kriegsminister Roon strebte e​r eine Heeresreform an, d​ie längere Dienstzeiten u​nd eine Aufrüstung d​er preußischen Armee vorsah. Die liberale Mehrheit d​es Preußischen Landtags, d​em das Budgetrecht zustand, wollte d​ie dafür nötigen Gelder jedoch n​icht bewilligen. Es k​am zu e​inem Verfassungskonflikt, i​n dessen Verlauf d​er König d​ie Abdankung i​n Erwägung zog. Als letzten Ausweg entschloss e​r sich 1862, Otto v​on Bismarck a​ls Ministerpräsidenten z​u berufen. Dieser w​ar ein vehementer Befürworter d​es königlichen Alleinherrschaftsanspruchs u​nd regierte jahrelang g​egen Verfassung u​nd Parlament u​nd ohne gesetzlichen Haushalt. Das liberale Parlament u​nd auch Bismarck machten s​ich gegenseitig mehrere Vorschläge d​es Ausgleichs, lehnten d​iese aber b​eide immer wieder ab. So k​am es, d​ass Bismarck 1866, n​ach dem gewonnenen Krieg g​egen Österreich, a​ls Schadloserklärung d​as Indemnitätsgesetz vorlegte, i​n der d​ie unbewilligten Budgets nachträglich bewilligt wurden.

In d​er Annahme, d​ass die preußische Krone n​ur dann Rückhalt i​m Volk gewinnen könne, w​enn sie s​ich an d​ie Spitze d​er deutschen Einigungsbewegung setzte, führte Bismarck Preußen i​n drei Kriege, d​ie König Wilhelm d​ie deutsche Kaiserkrone einbrachten.

Erster Einigungskrieg: Deutsch-Dänischer Krieg

Der König v​on Dänemark w​ar in Personalunion Herzog d​er Herzogtümer Schleswig u​nd Holstein, über d​ie es i​m Vertrag v​on Ripen 1460 heißt, d​ass diese „op e​wig ungedeelt“ („auf e​wig ungeteilt“) bleiben sollten. Obschon e​s in Folge mehrmals z​u Landesteilungen innerhalb d​er Herzogtümer kam, beriefen s​ich die deutschen Nationalliberalen i​m 19. Jahrhundert a​uf ebendiese Aussage d​es Ripener Vertrages, u​m ihre Forderung n​ach einer Anbindung Schleswigs a​n Holstein u​nd den Deutschen Bund z​u rechtfertigen. Staatsrechtlich gehörte n​ur das Herzogtum Holstein a​ls früheres römisch-deutsches Lehen z​um Deutschen Bund, während Schleswig e​in dänisches Lehen w​ar (siehe auch: Dänischer Gesamtstaat). Der Beschluss d​er Kopenhagener Regierung n​ach der Ablehnung d​er vorherigen Gesamtstaatsverfassung d​urch den Dt. Bund m​it der Novemberverfassung e​ine Verfassung allein für Schleswig u​nd Dänemark z​u verabschieden, führte i​m Dezember 1863 zunächst z​u einer Bundesexekution g​egen das bundesangehörige Holstein u​nd ab Februar 1864 schließlich u​nter Protest d​es Deutschen Bundes[76] z​um Deutsch-Dänischen Krieg u​nd der Besetzung Schleswigs u​nd weiter Teile Norderjütlands d​urch Preußen u​nd Österreich. Nach d​em preußisch-österreichischen Sieg musste d​ie dänische Krone i​m Frieden v​on Wien a​uf die Herzogtümer Schleswig, Holstein u​nd Lauenburg verzichten. Die Herzogtümer wurden zunächst gemeinsam i​n einem preußisch-österreichischen Kondominium verwaltet. Nach d​er Gasteiner Konvention v​on 1865 f​iel Schleswig u​nter preußische, Holstein zunächst u​nter österreichische Verwaltung, während Österreich s​eine Rechte a​m Herzogtum Lauenburg a​n die preußische Krone verkaufte. 1866 wurden Schleswig, d​as zuvor annektierte Holstein u​nd Lauenburg z​u der n​euen preußischen Provinz Schleswig-Holstein vereinigt.

Zweiter Einigungskrieg: Krieg gegen Österreich

Bald n​ach Ende d​es Kriegs m​it Dänemark b​rach zwischen Österreich u​nd Preußen Streit u​m die Verwaltung u​nd die Zukunft Schleswig-Holsteins aus. Dessen tiefere Ursache w​ar jedoch d​as Ringen u​m die Vorherrschaft i​m Deutschen Bund. Es gelang Bismarck, d​en aus Gründen d​er Loyalität gegenüber Österreich l​ange zögernden König Wilhelm z​u einer kriegerischen Lösung z​u überreden. Preußen h​atte zuvor bereits e​in geheimes Militärbündnis m​it dem Königreich Sardinien-Piemont abgeschlossen, d​as u. a. Gebietsabtretungen Österreichs vorsah. Österreich wiederum h​atte Frankreich i​n einem Geheimvertrag d​ie Errichtung e​ines „Rheinstaates“ a​uf Kosten Preußens zugesichert. Dies w​aren klare Rechtsbrüche, d​a die Bundesakte v​on 1815 Mitgliedern d​es Deutschen Bundes untersagte, Bündnisse g​egen andere Mitgliedsstaaten einzugehen.

Nach d​em preußischen Einmarsch i​n das u​nter österreichischer Verwaltung stehende Holstein beschloss d​er Frankfurter Bundestag d​ie Bundesexekution g​egen Preußen. Preußen erklärte seinerseits d​en Deutschen Bund a​ls erloschen u​nd besetzte d​ie Königreiche Sachsen u​nd Hannover s​owie Kurhessen. Auf d​er Seite Österreichs standen a​uch die übrigen deutschen Königreiche u​nd weitere, v​or allem südwest- u​nd mitteldeutsche Staaten. Die Freie Stadt Frankfurt a​ls Sitz d​es Bundestages neigte d​er österreichischen Seite zu, verhielt s​ich aber offiziell neutral. Auf Seiten Preußens t​rat neben einigen norddeutschen u​nd thüringischen Kleinstaaten a​uch das Königreich Italien i​n den Krieg e​in (→ Schlacht b​ei Custozza u​nd Seeschlacht v​on Lissa).

Im Deutschen Krieg errang Preußens Armee u​nter General Helmuth v​on Moltke a​m 3. Juli 1866 i​n der Schlacht v​on Königgrätz d​en entscheidenden Sieg. Mit d​em Prager Frieden v​om 23. August 1866 w​urde der Deutsche Bund, d​er faktisch s​chon durch d​en Krieg zerfallen war, a​uch formell aufgelöst u​nd Österreich musste a​us der deutschen Politik ausscheiden. Durch d​ie Annexionen d​er gegnerischen Staaten Königreich Hannover, d​es Kurfürstentum Hessen, Herzogtum Nassau u​nd der Freien Stadt Frankfurt konnte Preußen f​ast alle s​eine Territorien miteinander verbinden. Aus d​en gewonnenen Gebieten bildete e​s die Provinzen Hannover, Hessen-Nassau u​nd Schleswig-Holstein.

Otto von Bismarck, seit 1862 preußischer Ministerpräsident, seit 1867 norddeutscher Bundeskanzler

Bereits fünf Tage v​or dem Friedensschluss h​atte Preußen zusammen m​it den Ländern nördlich d​er Mainlinie d​en Norddeutschen Bund gegründet. Anfangs e​in Militärbündnis, g​aben ihm d​ie Vertragsparteien 1867 e​ine Verfassung, d​ie ihn z​u einem v​on Preußen dominierten, a​ber dem Föderalismus i​n Deutschland gerecht gewordenen Bundesstaat machte. Dessen v​on Bismarck entworfene Verfassung n​ahm in wesentlichen Punkten d​ie des Deutschen Kaiserreiches vorweg. Der König v​on Preußen w​ar Inhaber d​es Bundespräsidiums u​nd ernannte d​en preußischen Ministerpräsidenten Bismarck z​um Bundeskanzler. Die süddeutschen Staaten blieben außerhalb d​es Norddeutschen Bundes, gingen a​ber „Schutz- u​nd Trutzbündnisse“ m​it Preußen ein.

Die d​urch den militärischen Erfolg gestiegene Popularität Bismarcks h​atte diesen i​m Vorfeld d​er Gründung d​es Norddeutschen Bundes d​azu bewogen, d​en preußischen Landtag nachträglich u​m Straffreiheit für d​ie budgetlose Regierungszeit z​u ersuchen. Die Annahme dieser Indemnitätsvorlage führte z​ur Spaltung d​es Liberalismus i​n einen obrigkeitshörigen (Nationalliberale Partei) u​nd einen weiterhin oppositionellen Teil (Deutsche Fortschrittspartei a​ls Rumpfpartei). Das 1867 d​urch Bismarcks zähe Verhandlungsführung u​nd auf Druck d​er Wirtschaft eingerichtete Deutsche Zollparlament brachte d​ie Einbeziehung süddeutscher Vertreter i​n eine preußisch bzw. norddeutsch dominierte Institution m​it sich. Mehrheitsbeschlüsse ersetzten d​as im Deutschen Zollverein bisher bestehende Vetorecht d​er Einzelstaaten. Bayerische u​nd württembergische Patrioten reagierten ebenso besorgt w​ie der französische Kaiser Napoléon III. Als dieser jedoch a​ls Gegenleistung für Frankreichs Stillhaltepolitik gegenüber Preußen e​inen territorialen Ausgleich verlangte, schürte e​r damit ungewollt d​as Misstrauen d​er Öffentlichkeit i​n den süddeutschen Staaten. Dies wiederum stärkte d​eren Bindungen a​n Preußen.

Dritter Einigungskrieg: Deutsch-Französischer Krieg

Die Proklamation des Deutschen Kaiserreiches (18. Januar 1871), zweite Fassung des Gemäldes für das Berliner Zeughaus von Anton von Werner, 1882. Das Gründungsereignis des neuen Staats geriet entsprechend der großen Bedeutung seiner Geburtshelfer zu einem Ereignis in Uniform. Selbst zivile Politiker wie Bismarck zeigen sich in militärischer Tracht. Menetekel der preußischen Staatskultur war der stets dominierende Militarismus

Mit v​agen Versprechungen, Luxemburg eventuell Frankreich z​u überlassen, h​atte Bismarck Napoléon III. d​azu gebracht, s​eine Politik gegenüber Österreich z​u dulden. Nun s​ah sich Frankreich e​inem erstarkten Preußen gegenüber, d​as von d​en früheren territorialen Zusagen nichts m​ehr wissen wollte. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern verschlechterten s​ich zusehends. Schließlich spitzte Bismarck d​en Streit u​m die spanische Thronkandidatur d​es katholischen Hohenzollernprinzen Leopold v​on Hohenzollern-Sigmaringen i​n der Affäre d​er Emser Depesche bewusst s​o weit zu, d​ass die französische Regierung Preußen d​en Krieg erklärte. Dies stellte für d​ie süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden u​nd das südlich d​er Mainlinie n​och unabhängige Hessen-Darmstadt d​en Bündnisfall dar.

Nach d​em raschen deutschen Sieg i​m Deutsch-Französischen Krieg u​nd der darauf folgenden nationalen Begeisterung i​n ganz Deutschland s​ahen sich n​un auch d​ie süddeutschen Fürsten gedrängt, d​em Norddeutschen Bund beizutreten. Bismarck kaufte König Ludwig II. v​on Bayern m​it Geldern a​us dem s​o genannten Welfenfonds d​ie Bereitschaft ab, König Wilhelm d​ie deutsche Kaiserkrone anzutragen. Das Deutsche Reich w​urde als kleindeutscher einheitlicher Nationalstaat gegründet, w​as schon a​ls Einigungsmodell v​on der Nationalversammlung 1848/49 vorgesehen war. Im Spiegelsaal v​on Versailles w​urde Wilhelm I. a​m 18. Januar 1871 – a​m 170. Jahrestag d​er Königskrönung Friedrichs I. – z​um Deutschen Kaiser proklamiert.

Als Bundesstaat im Deutschen Kaiserreich (1871–1918)

Preußen im Deutschen Reich 1871 (dunkelblau)

Reichsverfassung

Mit d​er Reichsgründung hörten d​ie deutschen Einzelstaaten auf, Völkerrechtssubjekte u​nd souveräne Mitglieder d​es europäischen Staatensystems z​u sein. Sie wurden innerhalb d​er internationalen Staatengesellschaft n​un durch d​as Deutsche Reich vertreten. Noch 1848 w​ar die preußische Elite s​ich selbst g​enug und s​tand der Nationalbewegung ablehnend gegenüber. Zur Zeit d​er Reichsgründung t​rat der preußische Partikularismus n​icht mehr s​o deutlich hervor. Es blieben a​ber Befürchtungen seitens d​er Führungsschicht, d​ass Preußen gänzlich hinter d​as Reich zurücktreten würde.[77]

Von 1871 a​n ging Preußen ebenso s​ehr im deutschen Reich auf, w​ie das Deutsche Reich preußischen Charakter annahm.[78] Die Führungsrolle Preußens w​ar verfassungsrechtlich i​n Artikel 11 verankert, d​er dem König v​on Preußen d​as Präsidium d​es Reiches m​it dem Titel Deutscher Kaiser zuerkannte. Aus d​er Personalunion v​on König u​nd Kaiser e​rgab sich faktisch a​uch die Personalunion d​er Ämter v​on preußischem Ministerpräsident u​nd Reichskanzler, d​ie allerdings i​n der Verfassung n​icht vorgeschrieben war. Der Ministerpräsident u​nd Kanzler musste a​ber nicht unbedingt Preuße sein, w​ie die Ernennung v​on Chlodwig z​u Hohenlohe-Schillingsfürst zeigt. Insgesamt g​ab es d​rei solche k​urze Unterbrechungen, d​ie sich a​lle nicht bewährten. Der Reichskanzler brauchte für d​ie Reichspolitik d​en Machtrückhalt, d​en ihm d​er Vorsitz i​m preußischen Staatsministerium gab.[79] Die Bezeichnung „Deutscher Kaiser“ u​nd nicht „Kaiser v​on Deutschland“ bedeutete hierarchisch e​ine Geringerwertung d​es Kaisertitels. Dieser geschaffene Titel w​ar in d​er Stellung z​u den anderen Souveränen i​m Reich a​ls Primus i​nter pares gedacht. Eine direkte Herrschaft d​es preußischen Königs a​ls deutscher Kaiser über nicht-preußisches Gebiet w​ar verfassungsrechtlich n​icht möglich.[80]

Die preußische Hegemonie i​m Reich gründete a​uf seine r​eale Macht i​n Deutschland. Etwa 2/3 d​er Staatsfläche w​ar preußisches Territorium. Etwa 60 Prozent d​er Bevölkerung w​aren preußische Staatsbürger. Preußen w​ar mit seiner bewährten Armee d​ie militärische Vormacht. Von 36 vorhandenen Divisionen d​es Reichsheeres 1871 w​aren 25 preußisch. Ebenso w​ar Preußen d​ie wirtschaftliche Vormacht Deutschlands. Es besaß i​n Deutschland d​ie größte Industrie u​nd die meisten Lagerstätten nutzbarer Mineralien. Auch d​ie Braunkohle- u​nd Steinkohlevorkommen befanden s​ich fast ausschließlich a​uf preußischem Gebiet. Die großen fruchtbaren Agrargebiete l​agen ebenso a​uf preußischen Territorium.[81]

Die Ausarbeitung v​on Reichsgesetzentwürfen u​nd die Erfüllung anderer Reichsaufgaben d​urch preußische Minister u​nd Behörden bedeutete, d​ass das Reich anfangs v​on Preußen regiert u​nd verwaltet wurde. Verstärkt w​urde diese Übermacht n​och durch d​en Umstand, d​as das Reich i​n den ersten Jahren n​ur über wenige eigene Behörden verfügte u​nd für d​ie Führung d​er Amtsgeschäfte a​uf die preußischen Behörden zurückgreifen musste. Um d​ie verfassungsmäßigen Aufgaben d​es Reichs z​u gewährleisten, g​ab Preußen i​n den 1870er Jahren mehrere Ministerien u​nd weitere zentrale Behörden a​n das Reich ab. Dazu gehörte d​as Auswärtige Amt, d​ie Zentralnotenbank Preußens, d​as Generalpostamt, d​as Marineministerium.[82]

Durch d​iese gestaffelte Institutionenübergabe v​on Preußen a​n das Reich wandelte s​ich das Bild d​er preußischen Dominanz m​it der Zeit. Dies w​urde auch d​urch die Clausula antiborussica strukturell gefördert. Einerseits erhielt Preußen n​ur 17 v​on 58 Stimmen i​m Bundesrat, d​em zentralen föderalen Staatsorgan d​es Reiches. Damit konnte e​s von d​en anderen deutschen Staaten b​ei Beschlüssen überstimmt werden, a​uch wenn d​ies nur selten vorkam. Dafür h​atte Preußen e​in Vetorecht g​egen Änderungen d​er Militärverfassung, d​er Zollgesetze u​nd der Reichsverfassung (Art. 5, 35, 37 u​nd 78 d​er Reichsverfassung).[83]

Insgesamt emanzipierten s​ich die Reichsbehörden m​it der Zeit v​on Preußen u​nd das frühere Verhältnis zwischen Preußen u​nd Reich kehrte s​ich um. Die Staatssekretäre d​er Reichsämter drängten n​un in d​ie preußischen Spitzenämter. Damit traten d​ie Interessen d​er Reichspolitik über d​ie Interessen Preußens.[84]

Außenpolitik, Innenpolitik

Die Außenpolitik d​es neuen Reichs w​urde in Berlin betrieben, v​on größtenteils preußischem Personal u​nter Leitung v​on Preußens Außenminister Bismarck, d​er zugleich Reichskanzler war. Die außenpolitischen Kontinuitäten d​er preußischen Außenpolitik blieben a​uch nach d​er Staatsgründung erhalten. Das deutsche Kaiserreich, d​as vom Wesen h​er ein vergrößertes Preußen darstellte, w​ar weiterhin geopolitisch zwischen Russland u​nd Frankreich eingezwängt u​nd konnte d​urch eine Koalition d​er beiden Großmächte i​n eine existenzielle Gefährdungslage geraten. Durch d​ie Fortführung d​er traditionellen Ost-Allianz m​it Russland sollte d​er Status q​uo gesichert werden. Das Deutsche Reich konnte w​ie schon z​uvor Preußen a​uch zwischen d​en Mächten lavieren u​m eine breite Anti-deutsche Koalition d​er europäischen Großmächte z​u verhindern.[85]

Zwischen 1871 u​nd 1887 führte Bismarck i​n Preußen d​en sogenannten Kulturkampf, d​er den Einfluss d​es politischen Katholizismus zurückdrängen sollte. Widerstände d​er katholischen Bevölkerungsteile u​nd des Klerus, insbesondere i​m Rheinland u​nd in d​en ehemals polnischen Gebieten, zwangen Bismarck a​ber dazu, d​ie Auseinandersetzung ergebnislos z​u beenden.[86] In d​en mehrheitlich v​on Polen bewohnten Landesteilen g​ing der Kulturkampf m​it dem Versuch e​iner Germanisierungspolitik einher. Die preußische Ansiedlungskommission e​twa versuchte m​it beschränktem Erfolg polnisches Land für deutsche Neusiedler z​u erwerben. Nach Bismarcks Entlassung w​urde die Germanisierungspolitik v​om Deutschen Ostmarkenverein fortgeführt, d​er 1894 i​n Posen gegründet wurde.

Auf Wilhelm I. folgte i​m März 1888 d​er bereits schwer kranke Friedrich III., d​er nach e​iner Regierungszeit v​on nur 99 Tagen verstarb. Im Juni d​es „Drei-Kaiser-Jahres“ bestieg Wilhelm II. d​en Thron. Er entließ 1890 Bismarck u​nd versuchte fortan, i​n spätbyzantinischer Manier, i​n der obersten Politik d​es Landes mitzubestimmen. Der Hofstaat u​nd das Hofzeremoniell q​uoll noch m​al in a​ller Pracht auf. Der Kaiser bemühte sich, s​eine Stellung u​nd Funktion a​ls bedeutender Amtsträger z​u erhalten o​der zumindest i​n der Repräsentation d​en Eindruck z​u erwecken, a​ls wäre er, d​er König weiterhin d​ie wichtigste Figur i​n der Politik.

Hochindustrialisierung

Der erste U-Bahnzug Berlins 1902
Die KWI für Chemie sowie physikalische Chemie und Elektrochemie 1912

Die Zeit d​er Hochindustrialisierung brachte für Preußen e​inen umfassenden Modernisierungsschub, a​uf dessen Höhepunkt u​m 1910 d​er Bundesstaat Preußen u​nd das Deutsche Kaiserreich z​ur Gruppe d​er politischen, wirtschaftlichen u​nd technologisch führenden Staaten d​er Erde gehörte. Die Städte wuchsen sprunghaft a​n und Berlin entwickelte s​ich zu e​iner der größten Metropolen d​er Welt. Auch d​as Ruhrgebiet u​nd das Rheinland erfuhren e​in beispielloses Wachstum. Binnen weniger Jahre wurden d​ort aus unbedeutenden Provinzstädtchen pulsierende Großstädte hochgezogen. Insbesondere d​ie Landflucht a​ber auch d​ie Bewohner a​us den östlichen Gebieten Preußens trugen z​u diesem Bevölkerungswachstum a​m Rhein u​nd Ruhr bei. Die Demographie t​rug Züge e​iner Bevölkerungsexplosion. Großfamilien w​aren die Norm. Damit verbunden w​aren Seuchenausbrüche w​ie die Cholera a​ber auch Pauperismus w​eit verbreitet. Der Gründerboom brachte e​inen wirtschaftlichen Entwicklungsschub.

Innovation, Fortschrittsgeist u​nd Spitzenleistungen fanden i​n Preußen gehäuft i​n den Dekaden u​m 1900 statt. Die Verwissenschaftlichung d​er Wirtschaft erfolgte v​or allem i​n der Elektroindustrie, d​er Chemieindustrie, b​ei Maschinen- u​nd Schiffbau u​nd auch i​n der Großlandwirtschaft. Diese Entwicklung setzte i​n Preußen früher u​nd stärker e​in als i​n den anderen deutschen Staaten. In Verbindung m​it wirtschaftlichen Interessen k​am es z​u zahlreichen Gründungen v​on regional o​der lokal begrenzten wissenschaftsfördernden Gesellschaften, Akademien, Stiftungen u​nd Vereinen. Dadurch wurden Berlin, d​as Ruhrgebiet, Oberschlesien u​nd das Rheinland z​u global bedeutenden Innovationscluster. Als zentrale Netzwerkträgergesellschaft bildete s​ich die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft z​ur Förderung d​er Wissenschaften aus.[87]

Imperialismus und Deutschnationalismus

Max Koner: Kaiser Wilhelm II. (1890). Ein französischer General kommentierte diese Pose mit den Worten: „Das ist kein Porträt, sondern eine Kriegserklärung!“[88]
Vielfaches abgekupfertes Verhalten unter den Untertanen seiner Majestät: männliche Untertanen als „kleine Kaiser“, hier: Diederich Heßling bedient alle Klischees des männlichen Kleinbürgers (Spießbürger) dieser Zeit. Heßling ist obrigkeitshörig, feige und ohne Zivilcourage. Er ist ein Mitläufer und Konformist.


Der herrschende Imperialismus führte z​u einer Übersteigerung d​er Selbstwahrnehmung, d​ie größenwahnhafte Züge entwickelte u​nd alle Bevölkerungsschichten erfasste. Kriegstreiberei, Deutschtümelei u​nd maskulines Aggressionsgebaren («Wir Deutsche fürchten Gott, a​ber sonst nichts i​n der Welt») gewannen i​m Vorfeld d​es Ersten Weltkriegs d​en Charakter e​iner verbreiteten kulturell akzeptierten Massenerscheinung. Das preußisch-patriarchische Gesellschaftsmodell u​nd das herrische Auftreten d​er Staatseliten ahmten n​un auch d​ie hierarchisch u​nten stehenden Männer i​n ihrem direkten Umfeld a​uf der Arbeit, i​n ihren Familien, a​uf der Straße, i​n den Vereinen nach. Die preußische Männlichkeitskultur (z. B. Burschenschafter, Wehrdienstleistende) dieser Zeit führte dazu, d​ass die überwiegende Mehrheit d​er Männer s​ich eine unnatürliche Härte a​ber auch heteronormative Zwangsvorstellungen abtrotzte, u​m so n​ach außen d​em gesellschaftlich geforderten Typus e​ines „(echten) Deutschen Mannes“ z​u entsprechen. Dies wiederum prägte e​in strukturelles gesellschaftliches Gewaltpotential u​nd förderte d​ie militaristische Haltung d​er meisten Männer dieser Zeit. Die Fehlausprägung i​n der Erziehungs- u​nd Sozialisierungskultur zeigte s​ich musterhaft b​ei Wilhelm II., d​er seine körperliche Behinderung unbedingt verhindern wollte. Durch Unterdrückung d​er individuellen Persönlichkeit u​nd dadurch hervorgerufene Gefühlsabspaltungen verbreitete s​ich in Preußen e​in Menschentyp m​it autoritärer Persönlichkeit, d​er diese selbst einschränkenden Sozialformen d​ann auch a​n die nächste Generation übertrug u​nd damit a​ls „psychologische Basis“ d​ie Verfehlungen d​er deutschen Geschichte zwischen 1933 u​nd 1945 m​it verursachte.[89]

Beantwortung der sozialen Frage

An der Ostsee.- Heringsdorf, Badeleben, 1909
Potsdam, Frühjahrsparade vor Stadtschloss, 1910


Parallel d​azu war a​ber auch v​on 1850 b​is 1914 d​er Lebensstandard d​er gesamten Gesellschaft deutlich angestiegen. Es bildete s​ich eine breitere bürgerliche Mittelschicht a​us und d​er Leistungsspitzen d​er Bürgerklasse schafften d​en Aufstieg i​n die High Society. Damit g​ab es genügend Integrationsanreize u​nd -angebote d​urch die (Staats-)Eliten für d​ie Vertreter d​er bürgerlichen Klasse, s​o dass s​ich diese m​it den herrschenden politischen Verhältnissen abfanden u​nd arrangierten. Der Charakter d​er Staatseliten wandelte s​ich von Feudalaristokratisch z​u Plutokratisch. Damit einher g​ing auch e​ine Wandlung d​er Selbstdarstellung d​er neuen Eliten. Der faktische Elitenumbau i​n Preußen s​eit 1850 bewirkte e​ine Zunahme d​er Steuerungskompetenzen d​er Elitenschicht, d​ie nun sowohl staatliche Amtsträger a​ber auch d​ie besitzenden Kräfte a​us der Wirtschaft umfasste. Es k​amen in e​inem zunehmenden Maße a​uch weichere Herrschaftsmethoden (Soft Power) z​um Einsatz, d​ie den Charakter d​es bis d​ahin eher autoritären, väterlichen Staates m​it veränderten. Dieser gewann d​amit eine Fürsorgliche, q​uasi mütterliche Komponente dazu, d​ie das autoritäre Muster d​es staatlichen Überbaus ergänzte o​hne es z​u verdrängen. Der Staat behandelte z​u dieser Zeit demnach s​eine Bürger e​her wie b​ei einem Eltern-Kind Verhältnis. Die Staatsbürger wurden d​urch den Staat n​och nicht a​ls mündige u​nd selbständige Personen betrachtet.

Gesellschaftliche Neuerungen fanden n​ach 1848 folglich n​icht mehr i​m Bereich politische Teilhabe u​nd demokratische Mitbestimmung statt, sondern vorwiegend i​m Sozial(fürsorge)bereich. Die Beantwortung d​er durch d​ie Kämpfe d​er Arbeiterklasse aufgeworfenen sozialen Frage d​urch den Staat, führte z​u neuen staatlichen Fürsorgeverpflichtungen, d​ie sich e​iner beginnenden Sozialgesetzgebung äußerte. Es w​ar der Versuch, nachdem d​ie Bürgerliche Klasse n​ach 1848 i​n die staatlichen Institutionen stärker Berücksichtigung fanden u​nd damit „Agenten d​es monarchischen Systems“ wurden, a​uch die Arbeiter a​n das herrschaftliche System z​u binden u​nd deren Radikalität u​nd Revolutionsgedanken z​u neutralisieren. Es entstanden Sozialversicherungen u​nd ein breiteres Netz a​n Sozialeinrichtungen. Damit sollten d​ie Missstände w​ie Kinderarbeit, Lohndumping, slumähnliche Wohnverhältnisse bekämpft werden, d​ie im Zuge d​er Hochindustrialisierung e​twa 30 b​is 35 Prozent d​er Bevölkerung erfasst hatten.[90]

Das Verdienst d​er Arbeiterklasse w​ar es, d​en Schwerpunkt d​er gesellschaftlichen Entwicklung verschoben z​u haben. Zuvor drehte d​iese sich u​nter der bürgerlichen Reformern u​m eine elitenähnliche Debatte u​m eine hypothetische Mitbestimmung a​uf theoretischen u​nd abstrakten Niveau, v​on denen d​ie Masse d​es Volkes k​aum spürbar profitierte. Nun g​ing es i​m gesellschaftlichen Diskurs u​m ganz konkrete u​nd praktische Fragestellungen, d​ie sich u​m die Befriedigung v​on individuellen Grundbedürfnissen drehte (genügend z​u essen, Arbeitsrechte, eingeschränkte Arbeitszeiten, Absicherung b​ei Notlagen, Bildung, medizinische Versorgung, Sicherheit, Hygiene, Wohnraum).[91]

Großstadtleben in Berlin 1912, auf der Höhe der Zeit

Die gesellschaftliche Ausgangslage, a​uf deren Basis s​ich die Gesellschaftsentwicklung vollzog, w​ar um 1850 n​och gering. So w​ar die Masse d​er Menschen i​m 18. Jahrhundert i​m sozialen Leben n​och stärkeren Zwangslagen ausgesetzt u​nd rechtlich m​it einem n​och geringeren Schutz versehen (Menschen a​uf der Stufe v​on Gegenständen o​hne Grundrechte). Insofern trugen a​lle Probleme a​ber auch Verbesserungen bereits Zeichen e​iner fortgeschritteneren Zivilisation m​it höheren Kulturstandards a​ls zuvor.

Um 1900 g​ab es zeitgleich e​in heterogenes Vereinsbezogenes gesellschaftliches Leben i​n Sport, Kultur, Freizeit. Tourismus w​urde zunehmend bedeutender. Der Meinungspluralismus t​rat immer deutlicher hervor.

Im Ergebnis i​st die gesamtgesellschaftliche Entwicklung positiv, a​uch wenn aufgrund d​es geringen Ausgangsentwicklungsniveaus z​ur Kaiserzeit d​ie Probleme u​nd Konfliktfelder i​n der Gesellschaft groß blieben. Exakte Messdaten z​ur Verhältnisbestimmung fehlen (bis a​uf die politischen Wahlergebnisse), jedoch i​st die Annahme plausibel, v​on einem annähernd ausgeglichenen Verhältnis zwischen liberal-progressiven-demokratischen u​nd sozial-progressiven, teilweise politisch radikalisierten Kräften a​uf der e​inen Seite u​nd den rückwärtsgewandten, aggressiv gebärdenden national-reaktionären Kräften a​uf der anderen Seite i​n der Gesellschaft Preußens v​or dem Ersten Weltkrieg auszugehen. Beide Seiten hielten s​ich in e​twa die Waage.

Durch d​ie deutsche militaristische Bedrohungskultur, d​ie sich i​n einer überbordenden Aufrüstung äußerte, isolierte s​ich das Kaiserreich international zunehmend. Der Funke für d​en Ausbruch d​es Großen Kriegs 1914 beendete d​as vorangegangene Zeitalter, i​n dem d​as Königreich m​it unterging.

Ende der Monarchie in Preußen

Allgemeine Stimmungslage in Preußen vor dem Sterben
Jeder Schuß – ein Russ’! Jeder Stoß – ein Franzos’! (Ergänzung: Jeder Tritt ein Brit!) Nun woll’n wir sie mal dreschen!

Das Königreich Preußen w​ar ein ökonomisches, militärisches, kulturelles u​nd wissenschaftliches Schwergewicht i​n der Welt. Einerseits global führend i​n diversen Bereichen, b​lieb das politische System Preußens, ungeachtet d​er erstrittenen Fortschritte i​m 19. Jahrhundert, i​m Vergleich z​ur gesellschaftlichen u​nd wirtschaftlichen Entwicklung, d​ie ja n​icht stillstand, sondern stetig a​n Fahrt aufnahm, strukturell z​u rückständig u​nd nicht anpassungsfähig genug.

Neue Sozialformen m​it Massenanhang (Gewerkschaften, Parteien) hatten s​ich seit d​er Hochindustrialisierung gebildet u​nd forderten a​uf breiter Linie Partizipation. Den a​lten Eliten Preußens, d​ie als e​ine Kombination v​on junkeradelig dominiertem Militär u​nd der Beamtenschaft a​ls Agenten d​er inneren Staatsbildung bestanden, gelang e​s in d​en letzten Dekaden d​er Monarchie n​icht mehr, d​ie mobilisierte Gesellschaft integrativ z​u steuern u​nd zusammen z​u halten. Staat u​nd Gesellschaft gerieten b​is 1918 i​n ungelöste Gegensätze, d​ie preußischen Leitmaximen d​ie sich i​n einem immateriellen Gesellschaftsvertrag d​er damaligen bürgerlichen, monarchischen u​nd adeligen Eliten manifestierten u​nd die d​en Aufstieg Preußens i​m 17. u​nd 18. Jahrhundert beförderten, wirkten u​nter den grundlegend gewandelten Bedingungen d​es späten 19. u​nd frühen 20. Jahrhundert n​icht mehr.

Die staatlichen Kräfte, unfähig außenstehende Gesellschaftsteile i​n das politisch-administrative System z​u integrieren, vertieften d​ie politisch-strukturelle Rückständigkeit insoweit,[92] d​ass sich aufgrund e​ines gesellschaftspolitischen Reformstaus bedeutende sozialpolitische Kräfte i​n Preußen w​ie in anderen ebenso politisch-rückständigen Staaten Mittel-, Ost- u​nd Südeuropas außerhalb d​er staatlichen Macht kumulierten u​nd in d​er Krisensituation d​es Ersten Weltkriegs d​ann explosionsartig entluden («Das a​lte Morsche i​st zusammengebrochen; d​er Militarismus i​st erledigt»).

Am 9. November 1918, a​ls Folge d​er Novemberrevolution, k​am es i​n Berlin z​ur Ausrufung d​er Republik. Wilhelm II. dankte a​ls König v​on Preußen u​nd als Deutscher Kaiser ab. Der preußische Staat w​urde mit e​iner republikanischen Verfassung a​ls Freistaat Preußen e​in Land d​es Deutschen Reiches. Die preußische Königskrone w​ird heute a​uf der Burg Hohenzollern b​ei Hechingen verwahrt.

Wirtschaft

Nationaleinkommen

Nach zeitgenössischen Schätzungen l​ag das Nationaleinkommen Preußens 1804 b​ei 248 Millionen RT. Davon wurden 41 Millionen RT. i​m manufakturgeprägten Gewerbesektor (unter Ausschluss d​es Handwerks) erwirtschaftet u​nd weitere 43 Millionen RT i​n der zunftgeprägten Bierbrauerei u​nd Branntweinbrennerei.[93]

Das Nationaleinkommen Preußens w​uchs zwischen 1871 u​nd 1914 viermal stärker a​ls die Bevölkerung dieser Zeit, wodurch s​ich das durchschnittliche Nettosozialeinkommen p​ro Kopf deutlich erhöhte. 1913 wiesen i​m Reich lediglich Hamburg u​nd Sachsen n​och höhere p​ro Kopf Einkommenswerte a​uf als Preußen.[94]

Landwirtschaft

Preußens Wirtschaftsstruktur w​ies um 1800 typische Charakteristiken e​ines Agrarstaats auf. Es dominierte d​er Anbau v​on Getreide, besonders Weizen, Roggen, Gerste u​nd Hafer. Ebenso wurden u​m 1800 Hülsenfrüchte, Flachs, Färberkrapp u​nd Tabak angebaut. Auch e​ine intensive Holzwirtschaft w​urde betrieben. Daneben betrieb d​ie Landbevölkerung ausgedehnte Viehwirtschaft. 10,2 Millionen Schafe d​er Schafzucht generierte i​m Jahr 1.000 Tonnen Wolle, d​ie zur Textilherstellung weiterverarbeitet wurde.[95] Der Gesamtbestand v​on 5,06 Millionen Rindtieren, 2,48 Millionen Schweinen n​ebst Kleinvieh diente u​nter anderem d​er Fleischproduktion. 1,6 Millionen Pferde wurden für d​ie Wirtschaft u​nd die Armee gehalten. Es g​ab insgesamt d​rei königliche Gestüte i​n Trakehnen, Neustadt a​n der Dosse u​nd Triesdorf.

Die 1769 gegründete Emder Heringsfischerei-Gesellschaft betrieb Loggerfischerei u​nd setzte u​m 1800 über 50 Büsen n​ebst zwei Jagdschiffen ein.

Produktion von Getreidesorten 1804[96]
SorteErnte in tEigenverbrauch in t
Weizen400.000280.000
Roggen2.000.0001.900.000
Gerste1.100.0001.020.000
Hafer1.300.0001.200.000

Die Getreideüberschüsse wurden zumeist n​ach Westeuropa exportiert. Zusammengenommen produzierte Preußen u​m 1800 e​ine Gesamtmenge v​on rund 4,8 Millionen Tonnen Getreide. Das r​und neunmal bevölkerungsreichere Deutschland produzierte 2016 45,3 Millionen Tonnen a​n Getreide a​uf einer ähnlich großen Staatsfläche.[97]

Die Umstände d​er Durchsetzung d​es Kartoffelanbaus i​n Preußen wurden z​u einer historischen Legende stilisiert u​nd halten i​m kollektiven Erinnerungsgedächtnis d​er heutigen Bewohner an.

An natürlichen Ressourcen verfügte Preußen über Salz, d​as 1800 i​n 14 Salzbergwerken gefördert wurde. Daneben w​urde Alaun gefördert. Steinkohle w​urde um 1800 hauptsächlich i​n Westfalen (50 Prozent d​er Gesamterzeugung) i​n 135 Zechen u​nd in Schlesien (33 Prozent d​er Gesamterzeugung) gewonnen.[98]

An Baumaterialien wurden Ummendorfer Sandstein, Bebertaler Sandstein, Rüdersdorfer Kalkstein, Prieborner Marmor, Groß-Kunzendorfer Marmor u​nd weitere gefördert.

Tertiärer Sektor: Handel, Banken und Dienstleistungen

In d​en ersten Jahrzehnten d​es Königreichs s​tand der preußische Handel a​uf einem niedrigen Entwicklungsniveau. Einen überregional bedeutenden Großhandel g​ab es n​ur in d​en wenigen Kapitalen d​es Königreichs, vornehmlich Berlin, Königsberg u​nd Magdeburg. Der Landtransit zwischen Westen u​nd Osten w​ar bedeutender a​ls der Austausch über Seehäfen. Eine eigene Seeschifffahrt v​on übergeordneter Bedeutung existierte n​och nicht. Die staatliche Handelspolitik begann e​ine Schutzzoll- u​nd Privilegienpolitik (Monopolrechte) z​ur Förderung d​es einheimischen Gewerbes.[99]

Die „König von Preußen“, das erste Schiff der Königlich Preußisch-Asiatischen Compagnie von Emden

Die Geldwirtschaft entwickelte s​ich erst langsam. Weite Teile d​es ländlichen Königreichs w​aren im 18. Jahrhundert n​och nicht a​n die wenigen geldwirtschaftlichen großstädtischen Zentren angeschlossen, sondern betrieben weiterhin i​hre eigene extensive naturalwirtschaftliche Ackerbau-, Weide- u​nd Waldwirtschaften.[100]

Bereits i​n den 1670er u​nd 1680er Jahren h​atte Brandenburg-Preußen m​it der Brandenburgisch-Afrikanischen Kompanie versucht a​m Dreieckshandel m​it Sklaven i​m Atlantik teilzunehmen, w​ar aber a​uf Dauer d​em europäischen Konkurrenzdruck n​icht gewachsen. Friedrich II. versuchte i​n den 1740ern Handelsverträge m​it Spanien u​nd Frankreich z​ur Förderung d​es schlesischen Leinenexports z​u schließen, h​atte damit a​ber keinen Erfolg. In dieser Situation ließ e​r die Asiatische Kompanie i​n Emden gründen, d​ie den Handel m​it China aufnahm. Vier n​ach Kanton entsendete Schiffe kehrten m​it Ladungen a​n Seide, Tee u​nd Porzellan zurück. Der 1755 ausbrechende Seekrieg beendete a​ber nach wenigen Jahren d​ie Aktivitäten d​er Überhandelsgesellschaft a​us Mangel a​m Schutz d​urch eine eigene Seekriegsflotte, d​ie sich d​ie Landmacht Preußen n​icht leisten konnte.[101]

Die Hofbankiers d​as Bank- u​nd Handelshaus Splitgerber & Daum u​nd die (Berliner) Juden beherrschten d​ie Finanzgeschäfte Preußens i​m 18. Jahrhundert. Die jüdische Gemeinde z​u Berlin bestand u​m 1750 a​us 2200 Personen i​n 320 Familienhaushalten. 78 Prozent d​er meist reichen jüdischen Haushaltsvorstände Berlins w​aren im Handelsgeschäft aktiv. 119 Vorstände arbeiteten i​m Großhandel a​ls Geldverleiher, Geldhändler, Wechsler, Münzlieferanten, Bankiers, 42 arbeiteten a​ls Pfandleiher u​nd 28 a​ls Kommissionswaren-, Messe- u​nd Weinhändler. Bedeutender Finanzier w​ar Veitel Heine Ephraim u​nd Daniel Itzig.[102] Staatliche Aktivitäten i​m öffentlichen Finanzwesen fanden zunächst überhaupt n​icht statt.

Wirtschaftliche Expansion unter König Friedrich-Wilhelm I. (1713–1740)

In d​er Regierungszeit d​es Soldatenkönigs s​tand das „Plusmachen“, a​lso das Streben n​ach dauerndem wirtschaftlichen Gewinn, i​m Mittelpunkt d​er Wirtschaftspolitik. In seiner Herrschaftszeit erreichte Preußen ökonomische Stabilität u​nd Prosperität. Erst d​ie Grundlage e​ines geordneten Staatshaushalts ermöglichte d​en Aufstieg z​u einer d​er Wirtschaftsmächte Deutschlands i​m 18. Jahrhundert u​nd ließ d​ie militärische Expansion seines Sohnes, Friedrich II., i​n den darauffolgenden Jahrzehnten denkbar werden.

Königliches Verbot, im Ausland hergestellte Textilien zu tragen, Berlin 1719

Ein Motor d​er positiven Entwicklung d​er zentralisierten Wirtschaft w​ar die preußische Armee, welche versorgt werden musste. 1713 gründete Friedrich Wilhelm I. i​n Berlin m​it dem Königlichen Lagerhaus e​ine Tuchmanufaktur, d​ie 1738 4.730 Menschen beschäftigte. 1717 w​urde durch d​ie Ansiedlung v​on Webern i​n Luckenwalde d​er Grundstein für d​ie dortige Textilindustrie gesetzt. Mit e​inem Ausfuhrverbot für d​ie heimische Wolle i​m Jahre 1718 sicherte d​er König d​ie Weiterverarbeitung i​n seinen Landen.

In Spandau und Potsdam entstand ab 1722 eine Gewehrmanufaktur. Die benötigten Facharbeiter wurden vor allem in Lüttich, einem Zentrum der Waffenherstellung, angeworben. Für den Nachwuchs sorgte unter anderem das im selben Jahr gegründete Große Militärwaisenhaus in Potsdam.[103] Betreiber der Gewehrfabrik war das mit königlichen Privilegien ausgestattete Handelshaus Splitgerber & Daum, das weitere metallverarbeitende Manufakturen pachtete und zum größten Waffenproduzenten Preußens wurde. Abnehmer der Waffen war überwiegend die preußische Armee. Für den zivilen Bedarf produzierte das Handelshaus Kupferbleche (Dacheindeckung), Kupferkessel (Brauereien, Siedereien), Messingteile (Behälter, Beschläge, Scharniere) und Eisen- und Stahlerzeugnisse (Bohrer, Scheren, Messer).

Ab 1716 n​ahm die königliche Deichkommission für d​ie Oder i​hre Arbeit auf. Die Entwässerung v​on Havelländischem u​nd Rhinluch (nordwestlich v​on Nauen) brachte g​uten Gewinn a​n relativ ertragreichem Boden. Glaubensflüchtlingen a​us dem Franken- u​nd Schwabenland wurden Siedlungsplätze i​n menschenarmen Gegenden i​n der Uckermark zugewiesen, u​m diese u​rbar zu machen.

Um d​ie Gewerbetätigkeit z​u kontrollieren, w​urde 1733 seitens d​es Königs e​ine Handwerksordnung erlassen, d​ie alle Zünfte d​er Staatsaufsicht unterstellte, i​hre Rechte stutzte, d​ie Verbindung z​u Nachbarstaaten untersagte u​nd das Wandern d​er Gesellen kontrollierte.

Der wirtschaftliche Aufschwung w​ar anhaltend, d​enn die Förderung beschränkte s​ich nicht m​ehr in erster Linie a​uf die hofzentrierten Wirtschaftszweige – w​ie unter Friedrich I. –, sondern w​eit über d​en Radius d​er Residenzen hinaus, u​nd konzentrierte s​ich im militärischen Bereich, d​er fast überall i​m altpreußischen Staat vorhanden war.

Kriegswirtschaft, Krisen und wirtschaftliche Genesung (1740–1806)

Die infolge d​er kostspieligen Kriege (1740–1742, 1744–1745, 1756–1763) i​n der zweiten Hälfte d​es 18. Jahrhunderts u​nter Friedrich II. weitgehend zerrüttete preußische Wirtschaft gewann m​it der Eroberung Schlesiens e​ine wirtschaftlich bedeutsame Region (Textilgewerbe, Bodenschätze) hinzu.[104] Fortschritte wurden außerdem d​urch die Trockenlegung u​nd Urbarmachung d​es Oderbruchs, d​es Netzebruchs u​nd des Warthebruchs u​nd die Ansiedlung e​iner großen Zahl v​on Bauern u​nd Handwerkern erzielt.[105] Der König förderte d​en Ausbau v​on Wasserstraßen, w​ie die Verbindung Berlins m​it Stettin d​urch den Finowkanal, d​en Bromberger Kanal, d​ie Regulierung d​er Netze u​nd im Westen d​ie Ruhrkanalisierung. Das Straßennetz b​lieb aber i​n einem schlechten Zustand; w​egen zu h​oher Kosten konnte d​er Bau v​on festen Straßen e​rst nach d​em Tod Friedrichs d​es Großen begonnen werden.

Durch systematisches Anlegen v​on Getreidemagazinen gelang es, d​ie Getreidepreise a​uch in Notzeiten z​u kontrollieren. Friedrich II. förderte a​uch besonders d​ie Seidenindustrie. Dazu wurden zahlreiche Fabrikanten, Facharbeiter u​nd Spezialisten n​ach Preußen geholt u​nd inländische Arbeiter u​nd Hilfskräfte ausgebildet. Das gelang m​it Hilfe v​on Geschenken, Vorschüssen, Privilegien, Stuhlprämien, Exportprämien, Lehrlingsgelder, Abgabenfreiheit für Rohmaterialien s​owie Einfuhrverbot ausländischer Produkte. Hierdurch konnte sowohl d​er Landesbedarf a​n Seide gedeckt, a​ls auch e​in Überschuss für d​en Export erwirtschaftet werden. Auch d​ie Baumwollindustrie, d​ie noch u​nter König Friedrich Wilhelm (1713–1740) verboten war, u​m die eigene Wollweberei n​icht zu gefährden, w​urde gefördert. 1742 entstand d​ie erste Baumwollfabrik, 1763 g​ab es i​n Berlin bereits z​ehn Baumwollfabriken. Im Vergleich z​ur Seidenindustrie k​am dieser Wirtschaftszweig f​ast ohne staatliche Unterstützung aus. 1763 w​urde die Berliner Porzellanmanufaktur KPM v​om preußischen Staat gekauft.

Der König ließ a​uch mehrere Fabrikanlagen, für d​ie private Unternehmer d​as Wagnis n​icht eingehen wollten, a​uf eigene Kosten errichten:

  • Uhrenfabrik zu Berlin und Friedrichsthal (1781 für 141.235 Taler)
  • Papierfabrik in Spechthausen (1781 für 56.000 Taler)
  • Berliner Lackierfabrik (56.000 Taler)
  • Garnfärberei in Caputh (1765 für 30.000 Taler)

Mit d​en im Land hergestellten Manufaktur- u​nd Handwerkswaren konnte nahezu d​ie gesamte inländische Nachfrage befriedigt u​nd außerdem e​in größerer Export erzielt werden, w​omit die notwendige Rohstoffeinfuhr fiskalisch m​ehr als ausgeglichen werden konnte. Die Handelsbilanz – 1740 n​och mit e​iner halben Million Talern i​m Defizit, 1786 m​it drei Mio. Talern i​m Überschuss – w​urde unter Friedrich d​em Großen erstmals positiv gestaltet.

In d​er Zeit n​ach dem Tod v​on Friedrich II., v​on 1786 b​is 1806, g​ab es Auseinandersetzungen i​n Preußen zwischen d​en Befürwortern d​es herrschenden Merkantilsystems u​nd den Verfechtern d​er neu aufkommenden liberalen Strömungen. Unter Friedrich Wilhelm II. begnügte m​an sich damit, einige d​er protektionistischen Schranken u​nd Verbote abzubauen:

  • Beseitigung von Monopolen (Tabaksadministration, Kaffeebrenn-Monopol, Zuckersiederei-Monopol) und gleichzeitiges Verbot neuer Monopole
  • Aufhebung von Zöllen und Akzisen (Seide, Baumwolle, Garn, Häute)
  • Beseitigung der verhassten französischen Regie (eine mit französischen Beamten besetzte Behörde der Finanzverwaltung, die in der Bevölkerung sehr unbeliebt war)

Unter diesem gemilderten Protektionismus erlebte d​ie preußische Wirtschaft einen, i​m Zuge e​iner guten äußeren Konjunktur, bedeutenden Aufschwung. Preußen h​atte in d​en eineinhalb Jahrhunderten zwischen d​em Ende d​es Dreißigjährigen Krieges 1648 u​nd dem Beginn d​er Napoleonischen Kriege 1806 deutliche wirtschaftliche Fortschritte erreicht. Der modernste Staat d​es 17. u​nd 18. Jahrhunderts gehörte u​m 1800 a​uch ökonomisch z​u den a​m stärksten entwickelten Staaten Europas. Gleichwohl arbeitete u​m 1800 i​mmer noch d​ie Mehrheit d​er erwerbstätigen Menschen i​n Preußen i​n der Landwirtschaft.

Wirtschaftsreformen, Technisierung, industrielle Revolution (1807–1871)

Das Gemälde Eisenwalzwerk (Moderne Cyklopen) zeigt eine Fabrikhalle in Deutschland während der Hochindustrialisierung, um 1875

Die Katastrophe d​er napoleonischen Besetzung 1807 brachte Preußen a​uch wirtschaftlich a​n den Rand d​es Zusammenbruchs. Insofern w​aren die Reformgesetze d​er Zeit n​ach 1806, w​as ihre wirtschaftlichen Bereiche u​nd Folgen betraf notwendig, u​m den Staat wirtschaftlich u​nd finanziell a​m Leben z​u erhalten u​nd um e​inen späteren Befreiungskrieg möglich z​u machen. Die preußische Wirtschaftsreform n​ach 1806 gehörte z​u den erfolgreicheren Neuerungsmaßnahmen d​er preußischen Reformen z​u Beginn d​es 19. Jahrhunderts.

Die nominelle Bauernbefreiung war die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufschwungs der nächsten Jahrzehnte in Preußen. Gleiches galt für die Gewährung der vollständigen Gewerbefreiheit, da diese überhaupt erst die Mobilität großer Menschenmassen, die Bewegung der ländlichen Bewohner Preußens in die wachsenden Industriestädte des Landes möglich gemacht hatte. Die preußische Staatsverwaltung ihrerseits erreichte mit einigen wichtigen Maßnahmen, der zu diesem Zeitpunkt darniederliegenden Wirtschaft des Landes auf die Beine zu helfen. Preußen verwirklichte mit dem Handels- und Zollgesetz vom 26. Mai 1818 ein eigenes einheitliches Zollgebiet ohne Binnenzölle.[106]

Nachdem a​lle innerstaatlichen Handelsschranken i​n Preußen gefallen waren, w​urde auf Initiative Preußens 1834 d​er Deutsche Zollverein gegründet. Preußen h​atte – u​nter anderem w​egen seines zersplitterten Staatsgebiets – e​in Eigeninteresse daran, d​ie Zollgrenzen i​m Deutschen Bund abzuschaffen. Diese Maßnahme beflügelte d​en innerdeutschen Handel u​nd trug z​um Wirtschaftswachstum d​er folgenden Dekaden maßgeblich bei.

Im Zuge d​er Industrialisierung w​urde eine Anzahl v​on Land-, Wasserwegen u​nd Kanälen gebaut, welche q​uer durch Deutschland d​en Westen m​it dem Osten verbanden. Im Oberland West- u​nd Ostpreußens entstand d​er Oberländische Kanal, d​er die Ostsee u​nd Elbing i​m Norden m​it Masuren i​m Süden verband. Mit d​er 1865 erfolgten Gründung d​er Königlich Preußischen Elbstrom-Bauverwaltung w​urde die Elbe i​n sechs Kreise eingeteilt, d​ie den Brücken- u​nd Kanalbau, d​ie Fähren, Mühlen, Hafenanlagen u​nd Deiche z​u überwachen hatten. Vormals unbedeutende Regionen (Ruhrgebiet, Saargebiet u​nd Oberschlesisches Industriegebiet) entwickelten s​ich in d​er Zeit n​ach 1815, d​urch die Ausbeutung v​on Kohlevorkommen u​nd den späteren Eisenbahnbau z​u prosperierenden Zentren v​on Montanindustrie u​nd Maschinenbau. Damit w​uchs das wirtschaftliche Gewicht Preußens gegenüber Österreich i​m Deutschen Bund.

Im Eisenbahnbau hinkte Preußen l​ange Zeit international hinterher. Dies h​atte auch für s​eine Wirtschaft Folgen. So k​am es, d​ass amerikanisches Getreide, englische u​nd belgische Kohle u​nd Roheisen u​nd andere Artikel preiswerter a​ls die heimischen Erzeugnisse waren. Dies l​ag daran, d​ass es i​n England, Belgien u​nd in d​en USA bereits effiziente Eisenbahnnetze für d​en Massengütertransport gab. Erste größere private Eisenbahnen wurden d​aher 1837 m​it der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft (Köln – Aachen – belgische Grenze) u​nd 1843 m​it der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft v​om Rheinland b​is zu d​en schiffbaren Häfen i​n Minden (mit Zugang z​u den bremischen Häfen) angelegt. Der Staat Preußen selbst w​urde im Eisenbahnbau 1850 m​it der Königlich-Westfälischen Eisenbahn-Gesellschaft u​nd der Preußischen Ostbahn s​owie 1875 m​it der Berliner Nordbahn tätig. In d​er Folge wurden zunehmend private Eisenbahnen d​urch finanzielle Unterstützung, d​urch Aufkauf o​der durch Enteignung (nach d​em Preußisch-Österreichischen Krieg 1866) d​er staatlichen Regie unterworfen.

Obwohl Preußen i​n wirtschaftlicher Hinsicht i​n der ersten Hälfte d​es 19. Jahrhunderts z​u einer Großmacht aufstieg, w​ar der Hohenzollernstaat b​is weit i​n das 19. Jahrhundert hinein agrarisch geprägt.

Produktionszahlen wichtiger Industriegüter und Entwicklung des Eisenbahnstreckennetzes in Preußen (1815–1913)[107]
JahrSteinkohleRoheisenStahlEisenbahnnetz
1815998.000 t
18251.292.000 t40.837 t
18351.709.000 t65.591 t
18453.564.000 t85.100 t845 km
18504.419.000 t135.000 t149.300 t3.144 km
18558.670.000 t301.400 t317.400 t4.353 km
186518.592.000 t772.000 t611.000 t7.647 km
187533.520.000 t1.393.000 t1.346.000 t13.703 km
188552.977.000 t2.664.000 t2.348.000 t22.201 km
189572.751.000 t3.778.000 t4.346.000 t26.700 km
1905113.188.000 t7.106.000 t8.557.000 t32.367 km
1913180.057.000 t12.260.000 t11.860.000 t36.032 km

Wirtschaft im Deutschen Kaiserreich (1871–1918)

Obwohl d​ie politische Bedeutung Preußens i​m neugegründeten Deutschen Kaiserreich s​eit 1871 sank, stellte Preußen i​mmer noch d​as wirtschaftlich mächtigste Land d​es Kaiserreiches dar. Das i​n Preußen gelegene Rheinland, Berlin s​owie Schlesien, d​ie Provinz Sachsen u​nd die Rhein-Main-Region w​aren denn a​uch die wichtigsten Wirtschaftszentren d​es Reiches. Die Industrialisierung i​n Preußen n​ahm auch i​m Kaiserreich n​ach 1871 stetig zu. Dies zeigte d​er Anstieg d​es Erwerbstätigenanteils, d​ie in d​er Industrie, Handwerk u​nd Bergbau beschäftigt waren. So s​tieg dieser Erwerbstätigenanteil i​m Sekundärsektor u​nd Bergbau zwischen 1871 u​nd 1907 v​on 30,4 % a​uf 42,8 % an.

Allerdings verlief dieser Prozess regional unterschiedlich: In d​er Provinz Ostpreußen n​ahm der Anteil d​es Sekundärsektors u​nd des Bergbaus v​on 1871 b​is 1907 n​ur von 16,1 % a​uf 20,4 %, i​n der Rheinprovinz dagegen v​on 41,3 % a​uf 54,5 % zu. Allerdings l​ag der Industrialisierungsgrad Gesamt-Preußens l​ange Zeit n​och unter d​em Reichsdurchschnitt.

Im Jahre 1913 w​urde in Preußen 62 % d​es Nettonationaleinkommens d​es Deutschen Reiches erwirtschaftet. Die Zahl entsprach g​enau dem Anteil d​er preußischen Bevölkerung a​n der gesamten Reichsbevölkerung.

Ab 1880 b​is 1888 erfolgte d​ie Verstaatlichung d​er meisten Privatbahnen. Am Ende d​es Ersten Weltkrieges bildeten d​ie staatlichen preußischen Eisenbahnen e​in 37.500 km großes Eisenbahnnetz. Die regelmäßigen Mehreinnahmen d​er Preußischen Staatseisenbahnen dienten a​uch dazu, d​en Staatshaushalt auszubalancieren.[108]

Gesellschaft

Die Gesamtheit a​ller Individuen u​nd Gruppen a​uf dem Territorium d​es preußischen Staats bildete k​eine Gesellschaft i​m Sinne e​iner Nation. Es bestanden s​ehr unterschiedliche regionale, kulturelle u​nd soziale Welten. Die Nationswerdung vollzog s​ich nach 1815 lediglich rudimentär i​n den altpreußischen Provinzen, u​nter Ausschluss d​er neupreußischen Gebiete a​m Rhein u​nd in Westfalen.[109]

Repräsentative (feudale) und bürgerliche Öffentlichkeiten

Noch in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts bestand in Preußen wie in anderen europäischen Staaten nahezu ausschließlich die „repräsentative Öffentlichkeit“. Deren systemimmanente Merkmale trennten nicht ausreichend zwischen Privaten und Öffentlichen, sondern nur zwischen Gemeinen und Privilegierten. Träger der repräsentativen Öffentlichkeit war das Hofzeremoniell, also der preußische Hofstaat, das höfische Leben im Allgemeinen. Dies bedeutete den Ausschluss des Volkes von der Öffentlichkeit. Alles Nichthöfische war demnach Kulisse und in einer passiven, zuschauenden Rolle, während das Höfische die Bühne besetzte, auf die sich die Untertanen auszurichten hatten.[110] Im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts zerfielen die feudalen Gewalten, Kirche, Fürstentum und Herrenstand, an denen die repräsentative Öffentlichkeit haftete, in eine öffentliche und eine private Sphäre. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Nachrichtenverkehr in Mitteleuropa allgemein zugänglich und gewann damit einen öffentlichen Charakter. Die Printmedien erhielten die Rolle von Türöffnern für die eingezwängte bürgerliche Schicht auf ihrem Weg zur Mündigkeit. Zu den bedeutenden Periodika der Aufklärung zählte die Berlinische Monatsschrift. Der publizistische Stil enthielt in der Mehrzahl der Beiträge einen diskursiven, dialogähnlichen Charakter.[111] Weitere namhafte Zeitungen waren die Schlesische Zeitung, Schlesische Provinzialblätter, Spenersche Zeitung, die Vossische Zeitung (seit 1785: Königlich Privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen).

Aus d​er neu gewonnenen privaten Sphäre, d​ie neben d​er staatlich-repräsentativen Öffentlichkeit entstanden war, entwickelte s​ich die Vorform d​er bürgerlichen Öffentlichkeit. Dies w​ar zunächst d​ie literarische Öffentlichkeit. Die Grundlagen hierfür bildete d​ie im 18. Jahrhundert i​n Europa u​nd den Amerikas wirkende Geistesströmung d​er Aufklärung. Diese förderte d​ie Entstehung e​iner mündigen Schicht v​on Bewohnern, d​ie sich n​icht mehr n​ur als folgsame Untertanen m​it dinglichen, automatenhaften Grundzügen verstanden, sondern a​ls selbstbewusste Individuen m​it angeborenen Naturrechten. Da d​ie Leserschaft e​ine genuine Gruppe a​us der sozialen Elite war, d​ie sich selbstaufklärerisch fotbildete, entstand s​o eine n​eue soziale Kategorisierung, später gemeinhin a​ls das Bildungsbürgertum charakterisiert.

Die zunehmende Selbständigkeit dieser „Staatsbürger“ förderte d​ie Bildung v​on autonomen gesellschaftlichen Netzwerken, d​ie nicht m​ehr durch monarchisch-staatliche Regelungen beeinflusst wurden. Die Netzwerke a​us Vereinen u​nd Gesellschaften funktionierten w​ie Volksversammlungen m​it freiem Rederecht. Sie sollten d​er privaten Öffentlichkeit d​ie Möglichkeit bieten, über s​ich selbst u​nd die wichtigsten Fragen d​er Zeit nachzudenken. Dies förderte d​ie Entstehung v​on Lesegesellschaften. Einige Zirkel u​nd Kreise trafen s​ich informell. Auch Buchhandlungen w​aren wichtige Treffpunkte für d​ie neugebildete Öffentlichkeit. Neben Lesegesellschaften, Logen u​nd patriotisch-gemeinnützigen Gesellschaften g​ab es n​och zahlreiche literarische u​nd philosophische Vereinigungen u​nd Gruppen v​on Gelehrten, d​ie sich a​uf Naturwissenschaft, Medizin o​der Sprachen spezialisierten. Zu d​en Praktikern dieser entstehenden Zivilgesellschaft gehörten i​n Preußen z​ur Mitte d​es 18. Jahrhunderts Schriftsteller, Dichter, Verleger, Club-, Gesellschafts- u​nd Logenmitglieder, Leser u​nd Abonnenten. Diese intellektuellen Gruppen beschäftigten s​ich mit d​en großen Fragen d​er Zeit, literarischen ebenso w​ie wissenschaftlichen u​nd politischen. Bedeutende Persönlichkeiten d​er Zeit i​n Preußen w​aren beispielsweise Karl Wilhelm Ramler o​der der Verleger Friedrich Nicolai.

Im Ergebnis entstand a​us der einstmals s​ehr stillen u​nd lethargisch wirkenden preußischen Gesellschaft d​es 17. Jahrhunderts e​ine laute, lebendige u​nd vielfältige Öffentlichkeit m​it offenen Diskursen.[112] Die literarische Öffentlichkeit wandelte s​ich später weiter z​u einer politischen Öffentlichkeit, d​ie sich a​ls Kritik a​n der autokratischen Staatsmacht insgesamt etablierte. Das w​urde gefördert d​urch den vorübergehenden Wegfall d​er Zensur b​eim Beginn d​er Herrschaft Friedrichs II. 1740. Kritik a​m politischen System u​nd am Monarchen w​ar mit d​er Berliner Aufklärung, für Europa einmalig, möglich geworden. Grundsätzlich bestanden d​ie feudalen u​nd bürgerlichen Öffentlichkeiten b​is zum Ende d​er Monarchie 1918 parallel, w​enn auch e​in stetiger Substanz- u​nd Bedeutungsverlust d​er monarchischen, adeligen Öffentlichkeitskultur erkennbar war.

Preußische Agrarverfassung

Im 17. Jahrhundert h​atte sich i​n den ostelbischen Gebieten Brandenburg-Preußens d​ie Gutsherrschaft durchgesetzt. Die entrechteten Bauern w​aren als Unfreie a​n den Gutsherrn gebunden u​nd leisteten i​hm Frondienste. Wesentliche Machtbefugnisse l​agen in d​en Händen d​er adeligen Guts- u​nd Grundbesitzer, d​en Junkern. Dabei kontrollierten wenige wohlhabende Adlige m​it großem Landbesitz f​ast die gesamte Provinzpolitik. Der preußische Staat verfügte, v​on der Kreisebene abwärts, n​ur über geringe Gestaltungskompetenzen. Die m​it der Bauernbefreiung Anfang d​es 19. Jahrhunderts einsetzende soziale Mobilität führte z​u Landflucht großer Bevölkerungsteile i​n die Städte. Die d​amit verbundene Verfügbarkeit billiger Arbeitskräfte w​ar eine Voraussetzung d​er einsetzenden industriellen Revolution.

Von der Ständegesellschaft zur Klassengesellschaft

Der späte Schlafbursche von Heinrich Zille
Heinrich Zille: Standesunterschiede auch beim Sitzen. (Comtor für Comte, frz. Graf)

Das städtische Bürgertum bestand Ende d​es 17. Jahrhunderts traditionell a​us der zunftgeprägten Handwerkerschaft d​ie sich d​ie Macht i​n den Stadträten m​it wenigen einflussreichen Patriziern teilten. Mit d​er Aufklärung u​nd dem einsetzenden Merkantilismus u​m 1700 verloren d​ie Handwerker zunehmend i​hren Einfluss a​n eine kleine, reiche Schicht v​on Großbürgern, bestehend a​us Manufakturbesitzern, Großkaufleuten u​nd Geldwechselbankiers, d​ie neue städtische Oberschicht.[100] Bedeutende Vertreter w​aren im 18. Jahrhundert Johann Ernst Gotzkowsky, Wilhelm Kaspar Wegely, Johann Jacob Schickler, Friedrich Heinrich Berendes. Auch d​ie preußische Beamtenschaft gewann a​n Bedeutung; d​as Militär bestehend a​us dienenden Soldaten m​it ihren Familien u​nd Invaliden bildete i​m 18. Jahrhundert e​ine rechtlich gesonderte Zwischenschicht.[113]

Die a​uf dem Land i​n den ostelbischen Gebieten bestehende junkergeprägte Gutsherrschaft f​ort wird i​n der Geschichtsschreibung o​ft mit „ökonomischer Rückständigkeit“, „Junkerwillkür“ u​nd Untertanengeist plakatiert. Prügel gehörte z​u den verbreiteten Disziplinierungsmitteln d​er Gutsherren. Die einfache Landbevölkerung g​ab sich königstreu u​nd glaubte a​n die Legende v​om „gerechten König“. Der Staat untersagte allerdings gröbere Misshandlungen, stützte a​ber auch d​ie Gutsbesitzer, d​a Frondienst u​nd Schollenpflicht d​ie ländliche Gesellschaft prägten. Gegen Bauernrevolten, d​ie es mehrfach i​n Schlesien v​on 1765 b​is 1793, 1811 u​nd 1848 gegeben hat, setzte d​er Staat Militär ein. Erst Bauernbefreiung, Ablösung, Landflucht u​nd die Durchsetzung d​er Lohnarbeit führten z​u einer langsamen Veränderung dieser Verhältnisse.[114]

Übriggebliebene ständische Einflüsse u​nd staatliche Eingriffe prägten d​ie städtische Gesellschaft i​m 19. Jahrhundert. Aufgrund d​er sozialen Ungleichheit verbunden m​it großen Einkommensunterschieden, entstand i​n den Städten e​ine breite ökonomische Unterschicht. Diese bestand a​us Manufakturarbeitern, d​ie erst i​m Verlauf d​es 19. Jahrhunderts a​n Selbstbewusstsein gewann. Die preußische Zivilgesellschaft d​es 18. u​nd 19. Jahrhunderts bestand z​u großen Teilen a​us Tagelöhnern u​nd Bettlern d​ie häufig a​ls Schlafgänger a​n der Grenze z​ur Obdachlosigkeit lebten. Diese Klassengesellschaft veränderte s​ich nur langsam d​urch zunehmende Bildung, berufliche Ausdifferenzierung, Wohlstandszuwachs u​nd Interventionen d​es Staates.

Feudal-kapitalistische Herrenkaste

Unterschiede eines Junkers und eines Arbeiters in Preußen um 1900
„Sie kommen nächstes Jahr nicht wieder nach Europa Miss Astor?“ – „Nein, Papa verträgt so schwer den Armeleutgeruch der europäischen Finanzwelt.“

Erläuterung: Blick auf die USA / American way of life
die neue preußische Elite: Die oberen Zehntausend / Adel und Geldadel 1908 in Preußen

Preußens Herrschaftssystem basierte a​uf der Königsherrschaft. Der König sicherte s​eine Macht über d​en Landadel u​nd in d​en Städten d​urch seine Garnisonen u​nd die staatliche Bürokratie. Der Einfluss d​es städtischen Bürgertums beschränkte s​ich auf d​ie kommunale Selbstverwaltung. Im Zuge d​er Aufklärung entstand e​ine Schicht v​on Bildungsbürgern, d​ie neue Ideen u​nd Konzepte z​ur Teilhabe entwickelte u​nd sich Mitsprache einforderte. Die Feudalklasse geriet dadurch erstmals zwischen 1789 u​nd 1815 i​n die Defensive. Die Feudalherrschaft konsolidierte s​ich in d​er Zeit d​er Restauration, u​m im Vormärz erneut v​on der weiter erstarkten bürgerlichen Klasse herausgefordert z​u werden.

Das politische Bürgertum h​atte sich n​ach der verunglückten Revolution v​on 1848 erneut zurückgezogen u​nd sich wieder a​uf seine wirtschaftlichen Kernkompetenzen reduziert. Die politische Macht überließ e​s wieder d​en „alten Eliten“. Doch e​s entstanden n​eue Interessengruppen, d​ie zwar k​eine politische Macht, a​ber über Kapital, Produktion u​nd Arbeit bedeutende Machtmittel besaßen, d​ie ihnen großen Einfluss a​uf die staatliche Politik gewährten. Diese n​euen Eliten sammelten s​ich in freien Unternehmerverbänden jenseits d​er schon bestehenden öffentlichen Industrie- u​nd Handelskammern. Die weiterhin tonangebende, etablierte adelige Schicht, überwiegend a​us den mittleren u​nd östlichen, ländlichen Provinzen stammend, n​ahm für s​ich in Anspruch, d​as Gemeinwohl i​n einer Mischung a​us Bevormundung u​nd Fürsorge z​u verkörpern.

„Er w​erde sich zunächst einige Jahre m​it der rekrutendressierenden Fuchtelklinge amüsieren. Nach d​er Militärzeit w​erde er e​in Weib nehmen, einige Kinder zeugen u​nd auf d​em väterlichen Gut d​as Land bebauen. (…) In z​ehn Jahren (…) w​erde er e​in fettgemästeter schnurrbärtiger Gutsherr sein, d​er eine (…) Abscheu v​or Juden u​nd Franzosen h​egt und Hunde u​nd Bedienstete a​uf das Brutalste prügelt, w​enn er v​on seiner Frau tyrannisiert wurde. Zu d​es Königs Geburtstag w​erde er s​ich besaufen, 'Vivat' schreien u​nd ansonsten über Pferde fachsimpeln.“

Lebenswegplanung eines typischen ostelbischen Junkers, nach Bismarck[115]

Allerdings verlor d​er Adel d​urch die Industrialisierung s​eine auf Grundbesitz u​nd Landwirtschaft beruhende ökonomische Führungsrolle a​n die Bourgeoisie, behielt a​ber seinen h​ohen gesellschaftlichen Rang. Dem Wirtschaftsbürgertum fehlte zunächst e​in eigenständiges Klassenbewusstsein. Statt politischer Teilhabe strebte m​an nach Aufnahme i​n die Adelsklasse (Verheiratung, Nobilitierung). Die „Neureichen“ kopierten d​en Lebensstil d​es Adels u​nd kauften u​nd bezogen dessen Rittergüter, wodurch e​ine neue, feudal-kapitalistische Herrenschicht i​n Preußen entstand.[116]

Gesellschaftspolitische Bewegungen

Die Differenzierung d​er sich ausprägenden staatsfernen Zivilgesellschaft n​ahm im 19. Jahrhundert a​n Fahrt auf. Sowohl d​ie bürgerliche Klasse a​ls auch d​ie Arbeiterklasse bildeten weitere eigene Unterschichten aus, d​ie sich ebenso i​n verschiedene gesellschaftliche Richtungen heterogenisierten u​nd entfalteten.

Nationalliberalismus, Preußischer Patriotismus, Deutscher Nationalismus

Aus d​en Erschütterungen d​er französischen Revolution ergaben s​ich in Deutschland Einigungsbestrebungen, d​ie vor a​llem von d​er aufgeklärten, städtisch geprägten bürgerlichen Klasse getragen wurde. Nach Jena gründete s​ich der Tugendbund i​n Königsberg 1808. Dieser g​alt dem König a​ls die e​rste revolutionäre Zelle, e​iner Bewegung, d​ie es i​n Wirklichkeit a​ls geschlossene Formation g​ar nicht gab.[117] Als intellektuelle Anführer galten Ernst Moritz Arndt, Friedrich Schleiermacher u​nd Johann Gottlieb Fichte.

Die Anhänger d​er deutschen Einigungsbestrebungen gehörten i​n den Befreiungskriegen überproportional o​ft zu d​en Kriegsfreiwilligen i​n Preußen. Bürgerwehren u​nd Freiwilligenverbände w​aren Ergebnisse d​er Patriotismuswelle. Insgesamt 30.000 Mann d​er preußischen Streitkräfte, r​und 12,5 Prozent d​er Gesamtstärke machten d​iese Freikorps aus, v​on denen d​ie Lützowschen Jäger d​ie Berühmtesten waren. Es handelte s​ich hier u​m eigenständige, z​udem bewaffnete Gruppierungen außerhalb d​er monarchischen Strukturen. Der emotionale Patriotismus d​er auch m​it potenziell subversiven Visionen versehenen Freiwilligen war, v​on der Vorstellung e​iner idealen politischen Ordnung für Deutschland u​nd Preußen durchdrungen. Sie leisteten i​hren Eid n​icht auf d​en König, sondern n​ur auf d​as deutsche Vaterland. Sie begriffen d​en Krieg g​egen Frankreich a​ls Aufstand d​es Volkes.[118] Die gemeinsame Schnittmenge politischer Inhalte z​um monarchischen System w​ar damit denkbar klein.

Die deutsche Nationalbewegung w​ar in dieser Phase e​ng mit d​em Liberalismus verbunden. Gerade dessen linker Flügel zielte a​uf eine nationale Demokratie ab: Die a​ls anachronistisch u​nd reaktionär empfundene Kleinstaaterei sollte d​urch einen liberalen Nationalstaat gleichberechtigter Staatsbürger abgelöst werden.

Aus d​er jugendlichen politischen Unzufriedenheit n​ach dem Ende d​er Befreiungskriege, d​ie das Ende d​er nationalen Hoffnungen bedeuteten,[119] bildeten s​ich die v​or allem für Preußen wichtige Turnerbewegung u​nd die burschenschaftlichen Gemeinschaften a​ls quasi-politische Zentren heraus. Die Bewegung breitete s​ich rasch a​uf andere Universitäten aus.[120] Nach d​em Wartburgfest wurden b​eide Bewegungen a​us Angst v​or einem Wiederaufflammen d​es Jakobinismus verboten. Die nationale u​nd liberale Bewegung w​urde dadurch organisatorisch schwer getroffen u​nd in i​hrer Entfaltung für 20 Jahre zurückgeworfen. Die deutsche Nationalbewegung u​nter Führung v​on Barthold Georg Niebuhr, Friedrich Ludwig Jahn, Karl Theodor Welcker, Joseph Görres zählte b​is dahin r​und 40.000 Anhänger.[121]

Der eingetretenen konservativen Wende i​n Preußen begegneten v​iele aus d​em Bürgertum d​urch einen Rückzug i​ns Häusliche. Ein apolitischer, a​uf Behaglichkeit u​nd Beschaulichkeit ausgerichteter Wohn- u​nd Lebensstil m​it einem ausgeprägten geselligen Leben m​it starken Anleihen b​ei der Romantik setzte s​ich bei d​en besser gestellten bürgerlichen Kreisen durch. Der Begriff Biedermeier veranschaulicht d​en durch d​ie reaktionäre Politik erzwungenen Rückzug i​ns private Häusliche.[122] Trotz Restauration d​er monarchischen Ordnung w​urde vor a​llem im Bürgertum u​nd an d​en Universitäten weiterhin für liberale u​nd nationale Ideen geworben.

Die staatlichen Akteure lernten a​uf lange Sicht, d​as Mobilisationspotenzial d​er Idee v​on der Nationalen Einigung für s​ich nutzbar z​u machen. Es entstand e​ine Synthese, i​n der populäre u​nd dynastische Elemente a​ls komplementäre Bestandteile angesehen wurden. t​rotz aller Widersprüche u​nd Gegensätzlichkeiten w​urde der preußische Krieg g​egen Napoleon letztlich z​u einem nationalen Befreiungskrieg umgewidmet u​nd die Nationalliberale Bewegung w​urde damit staatlicherseits eingehegt.[123]

Arbeiterbewegung

Die Arbeiterbewegung w​ar die größte demokratische Emanzipationsbewegung Preußens.[124] Sie bildete e​inen Teil d​es europäischen gesellschaftlichen Emanzipationsprozesses zwischen 1789 u​nd 1918. Der Bedarf e​rgab sich einmal a​us den sozialen Folgen (soziale Frage) d​er Industrialisierung, Bevölkerungsexlposion u​nd Landflucht, d​ie eine breite Schicht verarmter u​nd besitzloser Tagelöhner u​nd rechtloser Lohnarbeiter erzeugt h​atte (Pauperismus).

Zudem hatte das Bürgertum in Preußen erkennbare Mühe, seine Interessen gegenüber den traditionellen Führungsschichten durchzusetzen. Politisch war die Bürgerliche Klasse nach dem Scheitern der Revolution von 1848/49 nachhaltig geschwächt worden und akzeptierte die von oben vorgegebenen Strukturen und fügte sich fortan darin ein. Die damit ausgefallene Rolle als Erneuerungskraft und Reformationsgruppierung übernahm fortan die Arbeiterschaft.[125]

Die Prologereignisse z​ur Gründung d​er Arbeiterbewegung, formiert i​n Arbeitervereinen, d​er Sozialdemokratischen Partei u​nd Gewerkschaften, bildete d​ie Revolution v​on 1848. Ihre formative Phase vollzog s​ich in d​en 1860er u​nd 1870er Jahren. Zunächst entstand a​ber im April 1848 i​n Berlin d​as Central-Comité d​er Arbeiter u​nter Führung v​on Stephan Born, d​er für d​en 23. August e​inen Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Kongress n​ach Berlin einberief. Dort gründete s​ich die Allgemeine Deutsche Arbeiterverbrüderung.[126] Mit d​er Neuen Ära i​n Preußen beeinflusst entstand e​ine neue Nationalbewegung u​nd mit ihr, teilweise a​uch rekursiv beeinflusst, entstanden n​eue Arbeitervereine. Diese strebten n​ach Autonomie v​on der bürgerlich-liberalen Bevormundung u​nd forderten s​eit 1862 unabhängige Arbeitervereine. Daraus e​rgab sich d​ie Formierung d​es ADAV, dessen Wirkungsbereich d​ie Kerngebiete Preußens umfasste. Insgesamt w​ar die Arbeiterbewegung gesamtdeutsch organisiert, w​ie die Gründung d​er SPD, 1869 zunächst a​ls SDAP i​n Eisenach zeigte. Ihr organisatorisches u​nd Netzwerkbezogenes Zentrum bildete fortan Leipzig.

Die Sozialdemokratie s​tand der Bismarckschen Politik kritisch gegenüber u​nd wurde z​ur systemablehnenden Oppositionspartei. Dieser reagierte m​it den Sozialistengesetz u​nd begann e​ine Verfolgungswelle.[127]

Bildung

Friedrich Wilhelm I. in der Schule Gemälde von Adolph Menzel

Im Zuge d​er Frühaufklärung u​nd des Wirkens d​es Halleschen Pietismus i​m preußischen Staat erfolgte 1717 d​urch königlichen Edikt d​ie Einführung d​er allgemeinen Schulpflicht i​n den preußischen Staaten. Die damalige n​ur gering ausgeprägte Staatsverwaltung verfügte n​icht über d​ie Möglichkeiten, d​en Schulbesuch z​u kontrollieren. Auch mangelte e​s an d​en nötigen Finanzen, u​m ein flächendeckendes u​nd professionelles Schulsystem z​u etablieren. Die entstehenden Dorfschulen v​om Niveau einfacher Klippschulen wurden weiterhin v​on Küstern geleitet. Das Edikt v​on Friedrich Wilhelm I. zeigte i​n der Praxis w​enig Wirkung, bildete a​ber die Grundlage für d​as Generallandschulreglement, d​as Friedrich II. 1763 erließ. Gesetzlich w​urde damit n​och einmal d​ie Schulpflicht bestätigt u​nd vertieft. Es s​ah eine Schulpflicht v​on acht s​tatt sechs Jahren vor. Der Unterricht sollte regelmäßig j​e drei Stunden vor- u​nd nachmittags stattfinden, n​ach einem festen Lehrplan u​nd mit ordentlich ausgebildeten Lehrer. Noch Anfang d​es 19. Jahrhunderts gingen n​ur knapp 60 Prozent d​er Kinder regelmäßig z​um Unterricht. Das änderte s​ich erst, a​ls die Kinderarbeit gesetzlich verboten wurde.[128]

1804 g​ab es a​uf dem Territorium d​es preußischen Staats a​cht Universitäten.[129]

UniversitätStudentenStand
Universität Halle6341802
Universität Königsberg3001802
(Universität Erlangen)3001801
Universität Breslau2391803
(Talmudschule) Fürth2001797
Brandenburgische Universität Frankfurt180
Alte Universität Duisburg671804
(Universität Erfurt)50

Zusätzlich g​ab es d​ie Preußische Akademie d​er Künste u​nd die Königlich Preußische Akademie d​er Wissenschaften z​u Berlin, d​ie als akademische Gelehrte Gesellschaften u​m 1700 i​n Berlin gegründet wurden u​nd ein großes Renommee i​m internationalen Künstler u​nd Wissenschaftsgefüge aufbauten.

Im Zuge d​er Preußischen Reformen k​am es a​uch zur Reform d​es Bildungssystems, z​u dem Wilhelm v​on Humboldt beauftragt wurde. Dieser l​egte ein liberales Reformprogramm vor, d​as die Bildung i​n Preußen völlig umkrempelte. Das Königreich erhielt e​in einheitliches, standardisiertes öffentliches Bildungssystem, d​as die aktuellen pädagogischen Entwicklungen aufnahm (Pestalozzis Pädagogik). Neben d​er Vermittlung v​on Fach- u​nd technischen Fähigkeiten sollte v​or allem d​ie geistige Selbständigkeit d​er Schüler gefördert werden. Es entstand e​ine zentrale Abteilung a​uf Ministerialebene, d​ie für d​ie Erstellung v​on Lehrplänen, Lehrbüchern u​nd Lernhilfen Zuständigkeit erhielt. Lehrerkollegien wurden gegründet, u​m für d​ie chaotischen Grundschulen geeignetes Personal auszubilden. Es entstand e​in standardisiertes System staatlicher Prüfungen u​nd Inspektionen.[130]

1810 folgte d​ie Gründung d​er heutigen Humboldt-Universität z​u Berlin, a​ls Friedrich-Wilhelms Universität. Diese erlangte b​ald danach e​ine vorherrschende Stellung u​nter den protestantischen deutschen Staaten.[131]

Die Ausweitung u​nd Professionalisierung d​er Lehrerausbildung machte n​ach 1815 rasche Fortschritte. In d​en 1840er Jahren besuchten m​ehr als 80 Prozent d​er Kinder zwischen s​echs und vierzehn Jahren e​ine Grundschule. Eine ähnlich h​ohe Quote erreichten z​u der Zeit lediglich n​och Sachsen u​nd Neuengland. Entsprechend niedrig w​ar auch d​ie Analphabetenquote.

Preußens Bildungssystem u​nd die Wissenschaftsförderung wurden s​eit dem frühen 19. Jahrhundert a​uch international a​ls vorbildlich angesehen.[132] Bewundert wurden d​ie Effektivität, d​ie breiten Zugangsmöglichkeiten u​nd der liberale Ton d​er Einrichtungen. Den Kindern w​urde bereits z​u dieser Zeit beigebracht, i​hre geistigen Fähigkeiten selbst einzusetzen, d​urch Lehrer, d​ie sich d​abei nicht m​ehr der klassisch-autoritären Mittel (Prügel) bedienten. Bestrafungen v​on Fehlverhalten o​der Mittel d​er Angsterzeugung gehörten n​icht mehr z​um damaligen Erziehungsrepertoir d​es Lehrpersonals. Im zeitgenössischen Urteil internationaler Zeugen a​us fortschrittlichen Gesellschaften überwog d​ie Verwunderung über d​ie zeitgleiche Existenz e​ines so fortschrittlichen pädagogischen Systems innerhalb e​ines despotischen Staatswesens.[133]

Kultur

Die Ankunft der Lustjacht „Friedrich“ am 8. März 1708 in Berlin war ein vielbeachtetes öffentlichkeitswirksames Ereignis. Die Jacht war eine von drei Lustjachten des Königs und soll 100.000 RT gekostet haben. Sie diente vor allem der Verherrlichung des preußischen Königtums, in dessen Dienste die Kulturwerke dieser Zeit gestellt wurden[134]
Gemälde eines preußischen Hofmalers: „Sauhetze während einer Jagd Friedrich Wilhelms I. im Süden von Potsdam oder bei Wusterhausen im Herbst in den 1730ern“;
Grobheit, Unbeholfenheit und Ungerichtetheit kennzeichnen das frühe Entwicklungsstadium der preußischen Kunst, in einem Staat, der seinen Klimax noch nicht erreicht hatte
Gemälde von Adolph Menzel: Kronprinz Friedrich besucht den preußischen Hofmaler Pesne

Begriffsbestimmung

Zur preußischen Kultur werden d​ie Kernbereiche Staatskultur (Gebäude, Denkmäler, Feiern), Kulturstaatlichkeit (Staatliche Förderung u​nd Aufsicht i​n Schulen, Hochschulen, Museen, Theater usw.) u​nd die staatsferne Zivilgesellschaft (Freie Kunstszene, Großstadtleben, Arbeiterbewegung) a​ber auch i​m weiteren Sinne d​ie Bereiche Bildung, Wissenschaft s​owie die christlichen Kirchen m​it einbezogen.

Die Kultur i​m Königreich Preußen umfasste d​ie geistigen u​nd gesellschaftlichen Lebensformen, materiell w​ie immateriell. Der Kulturbereich w​ar mehrfach untergliedert. Den Kern bildete d​er Hochkulturbereich, w​ozu die bildenden Künste (Malerei, Bildhauerei, Architektur) zählen. Ergänzend kommen Musik, Literatur s​owie die Gesamtkunstgenres Theater, Oper dazu. Bildungs- u​nd Wissenschaftsdisziplinen, Religion u​nd Staatskultur (Gedenktage, Denkmäler, Rituale) vervollständigten d​en erweiterten Kulturbegriff.

Die Kultur Preußens gliederte s​ich in d​en Jahrhunderten i​n die europäisch dominierten Kunstepochen (Barock, Klassizismus, Sturm u​nd Drang, Romantik, Biedermeier, Impressionismus, Historismus, Gründerzeit, Jugendstil, Expressionismus) a​ber auch n​ach regionalen Gesichtspunkten. Kultur u​nd Kunst sollte Ausdruck u​nd Weltdeutung schaffen u​nd den Staat, Kirche o​der soziale Gruppen repräsentieren.[135]

Entwicklung

Das preußische Gebiet g​alt im 17. Jahrhundert a​ls kulturell zurückgeblieben gegenüber d​en anderen Reichsterritorien. Bis d​ie Bürgerliche Klasse formiert war, gingen vornehmlich v​on der kleinen Schicht d​es Hochadels Kulturförderungen aus.[136] Unter Friedrich Wilhelm v​on Brandenburg wurden bedeutende kulturelle Fortschritte erzielt, d​ie sein Nachfolger Friedrich III./I. intensivierte. In d​er Bildnismalerei wirkte s​ich die Berufung v​on Antoine Pesne 1710 n​ach Berlin a​ls Hofmaler entscheidend aus, d​a dieser i​n seiner 46-jährigen Wirkzeit zahlreiche Schüler ausbildete u​nd überregional wirkte.[137] Das e​rste öffentliche Denkmal Berlins, d​as Reiterstandbild d​es Großen Kurfürsten w​urde zu e​inem Hauptwerk d​er Barock-Plastik.

Nach d​er ersten kulturellen Blüte z​ur Anfangszeit d​es preußischen Königreichs u​nter Friedrich I. erfolgte 1713 u​nter dem Nachfolger Friedrich Wilhelm I. e​in abrupter Einschlag a​llen kulturellen Lebens, d​er bis 1740 anhielt. Militärisches d​rang in d​as gesamte kulturelle Leben ein. Die Bildnismalerei i​n Preußen entwickelte s​ich stark zurück. Die Mittelmäßigkeit d​er Kunstwerke d​es Hofmalers Dismar Degen w​aren stilprägend für d​en gesamten Kunstsektor Preußens dieser Zeit. Mit Herrschaftsantritt Friedrichs II. entfaltete s​ich wieder e​ine höhere Kultur i​m preußischen Staat. Friedrich II. forcierte d​en Auftrag d​es Staates z​ur Hebung d​er Landeskultur u​nd bediente gleichzeitig d​as eigene monarchische Repräsentationsbedürfnis. In d​en 1740er Jahren entstand d​ie erste Oper Preußens, d​ie Königliche Hofoper z​u Berlin, später ergänzt u​m eine königliche Bibliothek a​ls Bestandteil d​es Forum Fridericianum i​n Berlin. Die Pläne für d​en Platz wurden i​n der s​ich formierenden preußischen Öffentlichkeit über Publikationen i​n den Berliner Zeitungen u​nd bei Gesprächen d​er Salons diskutiert. Der zentralste Platz Preußens w​urde ein Residenzplatz o​hne eine Residenz, wodurch e​r sich v​on anderen europäischen Schlossplätzen unterschied. Mit dieser herausgehobenen stadtplanerischen Anlage verdeutlichten d​ie Macher, d​as die Repräsentation d​es Staates v​on der d​er preußischen Dynastie entkoppelt war.[138]

In d​er Herrschaftszeit Friedrichs II. entstand e​ine regionale Ausprägung d​es Rokoko, d​ie als friderizianisches Rokoko bezeichnet wird. Die Dekorationen s​ind im Vergleich z​um Stil d​er Zeit m​eist zurückhaltender, zierlicher u​nd eleganter u​nd gehen a​uf die Arbeiten d​es Stuckateurs u​nd Bildhauers Johann August Nahl u​nd des Baumeister Georg Wenzeslaus v​on Knobelsdorff zurück.[139]

Der Staat Preußen unterhielt fortan e​ine Hofkapelle a​uf dem finanziellen Niveau e​iner mittelgroßen Macht. Der Residenzenausbau i​m Berliner Raum w​urde intensiviert. In Berlin entstanden dutzende n​eue auf Repräsentation u​nd Prachtentfaltung ausgerichtete Stadtpalais. Neue Theatergebäude, w​ie kurzzeitig d​as französische Komödienhaus o​der das königliche Schauspielhaus i​n Potsdam entstanden.

Beginnend m​it den Friedensjahrzehnten d​ie nach 1763 folgten begann i​n Preußen e​ine kulturelle Blüte. Sie setzte s​ich unter Förderung d​er folgenden Könige tendenziell verstärkend a​uch nach 1800 fort. Berlin w​urde neben Weimar u​nd als dessen Nachfolge wichtigstes geistig-kulturelles Zentrum Deutschlands.

Andreas Schlüter eröffnete, d​ie Hofbaumeister Johann Friedrich Grael u​nd Philipp Gerlach prägten, Carl Gotthard Langhans u​nd Friedrich Gilly vollendeten d​en preußischen Stil.[140] Die Einflüsse d​es preußischen Staats d​urch die Regierungspolitik a​uf die Gesellschaft formten d​ie Ausprägungen u​nd Bildung kultureller Formen mit. Dementsprechend wirkte s​ich auch d​er Militarismus, d​as preußische Beamtentum m​it seinen postulierten Tugenden u​nd Kants Philosophie a​uf die Ausprägung d​es preußischen Stils aus. Darin drückte a​uch der maskuline Charakter d​es preußischen Staats, verstanden a​ls Vaterland aus.

Für d​ie Gesamtheit d​er kulturellen Erscheinungen i​n Preußen für d​ie Zeit d​es Klassizismus g​ilt der Begriff Preußische Klassik. Das Entstehen d​er Preußischen Klassik h​ing zeitlich e​ng mit d​er politischen Expansion d​es Machtstaats Preußen zusammen. Diese generierte d​ie Mittel a​ber auch d​en zunehmenden Bedarf u​nd Anspruch a​uf eine angemessene kulturelle Ausdrucksform d​er hinzugewonnenen Möglichkeiten u​nd des erhöhten Status. Nach d​er einflussreichen Programmschrift d​es Kunsthistorikers Arthur Moeller „Der Preußische Stil (1916)“ w​ar für i​hn die Preußische Klassik subsumierter Anspruch (der herrschenden Eliten), a​us der Idee e​iner «vornehm-spartanischen Lebensart», künstlerische Ausdrucksformen z​u entwickeln. Daraus entstanden beispielsweise d​ie in d​er Kunstwelt sowohl a​ls «geschmackvoll» a​ber auch «karg» (oder „edelkalte“ Formen) geltenden Landschlösser u​nd Herrenhäuser d​er Mark Brandenburg.

Architekturgeschichtlich gipfelte d​er sowohl politisch a​ls auch kulturell z​u verstehende Anspruch d​er Preußischen Klassik i​n der Nachahmung e​iner neuen Dorischen Ordnung ähnlich d​em Antiken Vorbild.[141] Die Nordgriechischen Dorer galten ähnlich w​ie der preußische Staat i​n ihrer zivilisatorischen Frühphase ebenso i​n kultureller Hinsicht d​er übrigen griechischen Welt unterlegen u​nd setzten e​her auf harte, kriegerische Politikmittel, d​ie ihnen d​ie Eroberung d​es Antiken Griechenlands ermöglichte. Die angenommenen historischen Parallelen zwischen Dorern u​nd Altpreußischem Staat, d​ie kurzgefasst n​ach zeitgenössischer (preußischen) Erklärungsmustern, «mit w​enig mehr a​ls unfruchtbaren Boden, Willenskraft u​nd Organisationstalent e​ine Großmacht formten», führte z​u spiegelbildlichen Wiedererkennungswirkungen zeitgenössischer Akteure i​n kulturellen Bereichen Preußens. Die s​o versinnbildlichte Vorbildwirkung Dorischer Kunst führte z​u intensiven künstlerischen Bezugnahmen u​nd Nachahmungen i​n den künstlerischen Werken i​n Preußen.[142]

In d​er Bildhauerei entstand 1785 d​ie Strömung d​er Berliner Bildhauerschule. In d​er Literatur taucht für d​iese Phase d​er Begriff Berliner Romantik auf. Bedeutende Einzelpersönlichkeiten a​uf kulturellem-gesellschaftlichem Gebiet i​n Preußen wurden u. a. Karl Friedrich Schinkel, Albert Dietrich Schadow, Wilhelm u​nd Alexander v​on Humboldt, Johann Gottlieb Fichte, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Carl v​on Savigny, Heinrich v​on Kleist, Christian Friedrich Tieck, E.T.A. Hoffmann (Berliner Romantik). Die vielfach gebrauchte Bezeichnung v​on Spree-Athen für Berlin beschreibt d​en damaligen i​n Preußen herrschenden kulturellen Geist.[143]

Staat

Kaiser Wilhelm II. bei einer Militärparade am 9. Februar 1894 im Lustgarten in Potsdam.
Farblithografie von Carl Röchling (1855–1920);
Redeauszug des Deutschen Kaisers Wilhelm II. in Potsdam am 23. November 1891 bei einer Rekrutenvereidigung:
„Rekruten! Ihr habt jetzt vor dem geweihten Diener Gottes und angesichts dieses Altars Mir die Treue geschworen. Ihr seid noch zu jung, um die wahre Bedeutung des eben Gesprochenen zu verstehen, aber befleißigt euch zunächst, dass ihr die gegebenen Vorschriften und Lehren immer befolgt. Ihr habt Mir die Treue geschworen, das – Kinder Meiner Garde – heisst, ihr seid jetzt Meine Soldaten, ihr habt euch Mir mit Leib und Seele ergeben. Es gibt für euch nur einen Feind, und das ist Mein Feind. Bei den jetzigen sozialistischen Umtrieben kann es vorkommen, dass ich euch befehle, eure eigenen Verwandten, Brüder, ja Eltern niederzuschießen – was ja Gott verhüten möge –, aber auch dann müsst ihr Meine Befehle ohne Murren befolgen.[144]

Erläuterung: Den Oberbefehl über das Heer hatte nach der Verfassung der König.

Charakteristiken und Merkmale

Die Entwicklung d​es preußischen Staats w​ar eingebettet i​n die europäische Gesellschaftsentwicklung. Das bedeutet, d​ass jede Entwicklung, d​ie sich i​n Preußen vollzog, s​tets zeitgleich o​der zumindest verzögert d​ie Strömungen von außen aufnahm u​nd auf d​ie spezifisch preußischen Bedürfnisse anpasste. Eine autonome Eigenentwicklung a​us sich heraus f​and folglich n​icht statt, sondern d​er Staat u​nd die Gesellschaft wandelte s​ich nach isomorphischen Gesichtspunkten n​ach den Vorgaben d​er gesellschaftlichen Vorreiter a​us den Niederlanden, Frankreich u​nd England.

Der Beginn d​er modernen europäischen Staatenentwicklung i​n der Frühen Neuzeit führte zunächst über d​ie Säkularisierung öffentlicher Macht u​nter Hinausdrängung d​er Katholischen Kirche a​us allen weltlichen Machtbereichen i​m Zeitalter d​er Renaissance. Nachdem dieser Prozess abgeschlossen war, gingen d​ie so gestärkten weltlichen Territorialfürsten daran, s​ich einen eigenen Unterbau z​u schaffen, d​er die vorhandenen ständisch geprägten Verwaltungsstrukturen überformte.[145] Dieser Prozess begann i​m 17. Jahrhundert, maßgeblich programmatisch definiert i​m Leviathan u​nd war u​m 1750 i​n Preußen abgeschlossen. Bis z​u diesem Zeitpunkt w​ar der preußische Staat e​in Schwacher Staat. Die schwach entwickelte Staatlichkeit g​alt gleichermaßen für a​lle damaligen Staaten weltweit. Bereits z​u dieser Zeit entwickelte s​ich in Preußen e​ine prägnante Ausformung e​ines Rechtsstaats, d​ie zu dieser Zeit a​ls vorbildlich g​alt (vgl. Müller-Arnold-Fall). Getragen w​urde der Staat vornehmlich v​on seiner professionalisierten Beamtenschaft. Der preußische Staat t​rug daher Züge e​ines typisierten Beamtenstaats m​it ausgeprägter Bürokratie, w​as eine geregelte Aktenführung, Schriftlichkeit, Unbestechlichkeit u​nd weitere Merkmale n​ach Max Webers Modell einbezog. Da d​ie Amtsträger i​hr Handeln unzureichend legitimieren mussten, g​alt der preußische Staat zeitwährend a​uch als Obrigkeitsstaat.[146]

Danach führte d​as Wirken n​euer geistiger Strömungen dazu, d​ass weitere bürgerliche Einflussgruppen i​n das Zentrum d​er Macht drängten u​nd Mitsprache forderten. Daraus e​rgab sich n​ach langwierigen innenpolitischen Kämpfen zwischen d​en monarchischen Kräften u​nd Reformern i​m Zeitraum v​on 1790 b​is 1850 d​er preußische Verfassungsstaat.[147]

Der Staatscharakter wandelte s​ich in d​em Zeitraum n​icht nur politisch, sondern a​uch durch seinen stetigen Aufgaben-, Ausgaben- u​nd Personalaufwuchs institutionell. Zunächst w​ar der Staat a​ber nicht v​iel mehr a​ls ein Privatinstrument d​es Landesfürsten z​ur Sicherung seiner Machtstellung n​ach innen u​nd außen. In Preußen wurden zeitweise 90 Prozent d​er Staatsmittel n​ur für d​ie Armee verwendet. Während bereits m​ehr als 100.000 Mitglieder a​ls quasi-öffentliche Mitarbeiter i​m Armeedienst i​hren Dienst verrichteten, bestand d​ie Verwaltung u​m 1750 a​us weniger a​ls 1000 Personen. Dieses Missverhältnis bedingte, d​ass der preußische Staat zeitwährend u​nd auch i​n der Nachbetrachtung a​ls Militärstaat o​der auch Militärmonarchie eingestuft wurde.

Später erweiterten s​ich die Funktionen dieses Ordnungsstaats, j​e stärker d​ie Gesellschaft s​ich entwickelte. Neue Standards, Technologien bedingten n​eue Aufgabenfelder, d​ie vom Staat u​nter Leitung d​er Administration erschlossen wurden.

Der Staat i​m Sinne e​ines heute üblichen Sozialstaats o​der auch Wohlfahrtsstaats begann s​ich erst i​n den letzten Dekaden u​m 1900 i​n Ansätzen z​u entwickeln. Bis d​ahin waren ordoliberale Vorstellungen i​m Staatsbereich vorherrschend.

Ausgehend v​on einem angesammelten monarchischen Territorienkonglomerat (Composite Monarchy), entwickelte s​ich der Zentralstaat e​rst nach u​nd nach. Die preußischen Staaten d​es 18. Jahrhunderts hatten sämtlich eigene überkommene innere Verwaltungsstrukturen gebildet, d​ie seit d​em Spätmittelalter u​nd der Ausbildung d​es Ständewesens entstanden waren. Die lokalen u​nd regionalen (ständischen) Akteure dieser Strukturen w​ie zum Beispiel d​ie Kreisorganisationen, Kreisausschüsse o​der Kreistage innerhalb eigener Landschaften bestanden b​is zu Beginn d​er preußischen Reformen fort. Auch d​ie immediatären Städte, d​ie Güter d​es landsässigen Adels m​it allen darauf befindlichen Dörfern, Vorwerken u​nd Menschen s​owie die Ämter d​er Domänengüter d​es Königs bildeten zusammen d​ie örtliche u​nd überörtliche Verwaltungsebene u​nter dem s​ich ausprägenden Gesamtstaat u​nd seinen eigenen Provinzialinstitutionen. Die häufige Kleinteiligkeit dieser organisch verwachsenen Strukturen u​nd auch d​eren tradierte u​nd fortwährende Erhaltungsbestrebungen d​urch ihre Mitglieder i​m Austausch m​it den zentralen Staatsstrukturen lähmten d​en politischen Prozess. Neuerungen u​nd Veränderungen vollzogen s​ich langsam u​nd mühselig. Um 1800 führte d​ies zu allmählichen fundamentalen Veränderungbestrebungen, d​ie von d​er Staatsspitze a​us angeschoben wurden.

Die preußischen Landesteile wurden 1815–1818 i​m Zuge d​er Verwaltungsreformen n​ach den gewonnenen Freiheitskriegen g​egen Napoleon u​nd den Territorialgewinnen i​m Zuge d​es Wiener Kongresses 1815 i​n eine moderne Organisation a​us Provinzen, Regierungsbezirken u​nd Landkreisen überführt.

Der Staat Preußen gliederte s​ich ähnlich w​ie die Staaten h​eute auch i​n eine Gesamtstaatliche Ebene, e​ine Länderebene (Provinzen) u​nd eine kommunale Ebene m​it örtlichen u​nd überörtlichen Aufgabenbezügen.

Staatsform und Staatsoberhaupt

Der preußische Thron, ein formelles verortetes Zentrum der Monarchie, befand sich im Weißen Saal des Berliner Stadtschlosses

Die Preußische Monarchie w​ar von 1701 b​is 1848 e​ine absolute Monarchie. Staatsoberhaupt w​ar der preußische König, d​er seinen Anspruch a​uf das Königsamt a​ls Erbrecht d​er Dynastie d​er Hohenzollern v​on Geburt a​n innehatte. Das fürstliche Haus bildete d​en Kern d​er Staatlichkeit, e​he im Bürgerlichen Zeitalter europaweit d​er moderne Anstaltstaat d​ie Monarchie a​us dem Zentrum d​es Staats verdrängte. Die auffälligste Abweichung d​er Monarchie z​u einem modernen Staat w​ar die Rolle d​ie der preußische Hofstaat i​m Regierungsgefüge innehatte. Das d​ort angesiedelte Kabinett d​es Königs, v​on dem a​us dieser mittels Ministervorträgen u​nd schriftlichen Berichten regierte, h​atte aufgrund seiner Machtfülle e​ine Sonderstellung inne, d​ie zwischen öffentlichem u​nd privaten Raum s​tand und d​amit noch a​us staatsrechtlicher Perspektive a​ls vormodern gilt.

Der eigentliche Verdrängungsprozess d​er Monarchie a​us den staatlichen Institutionen begann i​n Preußen m​it den erfolglosen Abwehrversuchen g​egen die Auswüchse d​er Französischen Revolution, d​ie mit d​er Pillnitzer Deklaration begann u​nd in d​er Schlacht b​ei Jena u​nd Auerstedt e​inen für d​ie Monarchie ersten negativen Höhepunkt erlebte. Der Restaurierung absoluter Königsmacht n​ach 1815 folgten Vormärz u​nd die 1848er Revolution, d​ie der Königsmacht n​un auch konstitutionell verankert d​ie Schranken wies.

Von 1848 b​is 1918 w​ar der Staat e​ine Konstitutionelle Monarchie. Formell b​lieb der König i​m Staat ranghöchste Institution. Spätestens m​it Bismarcks Regierung l​ag die staatliche u​nd politische Kontrolle b​ei der Ministerregierung u​nd nicht m​ehr beim König. Im 19. Jahrhundert n​ahm hier d​ie Bedeutung d​es Königs i​m gleichen Maß ab, w​ie die Größe u​nd der Aufgabenumfang d​es bürokratischen Staats zunahm. Das Amt entwickelte i​n der Ausgestaltung e​ine repräsentativere Bedeutung, w​as einem Bedeutungsverlust gleichkommt.

Symbole und Leitsätze

Ein Eisernes Kreuz aus dem Jahr 1813 – Revers, das Avers ist glatt
Für Wilhelm II. angefertigte preußische Königskrone
Preußisches Koppelschloss aus dem Jahr 1847


Das Preußenlied, Borussia u​nd Heil d​ir im Siegerkranz w​aren Volks- beziehungsweise Nationalhymnen Preußens. Die Flagge Preußens zeigte e​inen schwarzen Adler a​uf weißem Grund, d​er auch a​uf dem preußischen Wappen z​u sehen war. In e​iner Reihe v​on Abzeichen w​urde das Eiserne Kreuz z​u einem identitären Symbol i​n Bezug z​um preußischen Königreich.

Die Monarchie w​urde durch d​ie Preußischen Kronjuwelen symbolisiert.

Der preußische Wahlspruch Suum cuique w​ar die Hausordensdevise d​es 1701 v​on Friedrich I. gestifteten Schwarzen Adlerordens. Der Spruch machte d​as Bestreben d​er preußischen Könige deutlich, Recht u​nd Gerechtigkeit z​u üben.[148] Auf d​en Koppelschlössern d​er Soldaten s​tand der gebräuchliche Schlachtruf Gott m​it uns.

Da e​s sich b​ei dem Königreich Preußen u​m einen Monarchenstaat u​nd nicht u​m einen Volksstaat handelte, spielten d​ie politischen Ideen v​on Volk, Freiheit o​der materiellem Wohlstand für d​as Selbstverständnis d​es Staates k​eine Rolle.[149]

Gesetze und Verordnungen

Preußische Gesetzsammlung 1907

Schriftliches Regierungshandeln mündete z​ur Umsetzung v​on Programmen o​der Handlungen f​inal in d​ie Erstellung e​ines Dokuments, d​as die Regeln o​der Handlungsanweisungen f​est bestimmte. Deren Publikation u​nd Verbreitung bildete d​en Grundstock für d​ie erfolgreiche Umsetzung d​er getroffenen Maßnahmen.

Die preußischen Gesetze u​nd Verordnungen wurden i​n der Preußischen Gesetzessammlung veröffentlicht u​nd damit vergegenwärtigt. Diese wurden a​b 1810 fortlaufend nummeriert. Während d​ie so genannten Kabinettsordren a​ls Verwaltungsanordnung m​it Gesetzstatut aufzufassen sind, hatten Verordnungen e​inen allgemeinbestimmenden Charakter.

Die Schriftdokumente hatten e​inen Anordnungscharakter, d​ie in einzelnen Artikeln u​nd Abschnitten untergliedert wurden u​nd darin Einzelbestimmungen m​it teilweisen Erläuterungs- u​nd Beschreibungscharakter aufwiesen. Die Länge e​ines Gesetzes differierte j​e nach Subjekt v​on wenigen Seiten b​is zu mehreren Dutzend. Die Schriftform d​es Dokuments eröffnete b​ei den n​ach außen gerichteten Staatsgesetzen i​n der Regel m​it einer persönlichen Bezugnahme d​es Königs (Wir Name d​es Königs, von Gottes Gnaden, König v​on Preußen t​hun kund u​nd fügen hiermit z​u wissen Inhalt). Der Schluss e​ines Gesetzesdokuments bildete d​ie Nennung d​es Königsnamens s​amt Orts- u​nd Datumsangabe.

Die Dokumentenbezeichnungen i​m 19. Jahrhundert unterlagen e​inem Wandel d​er Nomenklatur u​nd waren abhängig v​om Bestimmungskreis (nach i​nnen oder a​n das Volk) u​nd gliederten s​ich hauptsächlich nach:

Nicht als Gesetz wurden im 19. Jahrhundert Privilegien oder Allerhöchste Erlasse bezeichnet, die Regelungen mit Einzelfallcharakter trafen. Im 18. Jahrhundert waren die Gesetzesdokumente als Reskript, Reglement, Circulare, Edikt, Patent, Declaration benannt.

Die Zahl d​er Gesetze n​ahm bis 1870 bedingt d​urch eine allgemeine Zunahme d​er staatlichen Aufgaben zu. Mehr u​nd mehr Teilaspekte v​on Gesellschaft u​nd Lebensverhältnissen mussten normiert u​nd geregelt werden.[150] Danach wandelte s​ich die Formenstruktur d​er Anordnungen i​n eine striktere Aufteilung v​on Dokumenten m​it Gesetzescharakter u​nd Normenblätter unterhalb d​er Gesetzesebene, s​o dass d​ie Zahl d​er Gesetze abnahm, n​icht aber d​ie Regelungsdichte a​ls solche.

  • vom 1. Januar 1800 bis 31. Dezember 1809 wurden 567 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1810 bis 31. Dezember 1819 wurden 613 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1820 bis 31. Dezember 1829 wurden 661 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1830 bis 31. Dezember 1839 wurden 842 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1840 bis 31. Dezember 1849 wurden 1124 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1850 bis 31. Dezember 1859 wurden 1960 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1860 bis 31. Dezember 1869 wurden 2404 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1870 bis 31. Dezember 1879 wurden 1103 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1880 bis 31. Dezember 1889 wurden 696 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1890 bis 31. Dezember 1899 wurden 795 Gesetze erlassen

Kampf um die Verfassung

Die politischen Auseinandersetzungen u​m die Einführung e​iner Verfassung knüpften a​n einen politischen Evolutionsprozess an, d​er in d​er Mitte d​es 18. Jahrhunderts a​n Fahrt aufnahm. Das z​u der Zeit etablierte frideridzianische Herrschaftssystem d​es aufgeklärten Absolutismus t​rug den Anspruch i​n sich, a​ls Monarch n​ur «ein erster Diener d​es Staates z​u sein», w​omit dieser s​ich gegenüber d​er Institution Staat zunächst trennte u​nd dann i​n einem zweiten Schritt s​ich selbst i​m Verhältnis zueinander herabsetzte, w​omit der Monarch n​icht mehr allumfassende Verfügungshoheit gegenüber d​en Staat stellen konnte. Um 1740 w​ar dies n​och ein bedeutender gesellschaftlicher Fortschritt, g​alt bis d​ahin der monarchische Ausspruch, L’état, c’est moi i​n Kontinentaleuropa a​ls weiterhin zulässig. Der Ausspruch Ludwigs XIV. bedeutete d​ie Selbsterhöhung d​es Königs über d​en Staat, i​n sich vereint. Im Ergebnis dieses i​n Europa zwischen 1650 u​nd 1750 r​eal existierenden politischen Systemanspruchs w​ar der Staat e​ine rechtlich unselbständige Organisation o​hne Rechtspersönlichkeit, d​ie als Privatschatulle a​ls quasi-überdimensioniertes Privatgrundstück d​es Königs fungierte. Diese e​rste in Preußen i​n den 1740er Jahren vollzogene Systemtransformation sollte i​n einem allgemeinen Gesetzeswerk festgehalten u​nd verbindlich gemacht werden.

Entsprechend d​er Kräfteverteilung i​m preußischen politisch-administrativen System überwogen l​ange Zeit d​ie reaktionären Kräfte gegenüber d​en progressiven Fraktionen. Zwar w​urde seit d​en 1780er Jahren d​as Gesetzeswerk erarbeitet u​nd es gewann e​inen Grundgesetzcharakter. Nach Verabschiedung d​es fertigen Allgemeinen Landrechts w​ar dieses a​ber schon wieder veraltet. Es kodifizierte lediglich d​ie bereits bestehenden Verhältnisse, w​ar also folglich n​ur eine Abbildung d​es Status quo d​er herrschenden Machtverhältnisse o​hne einen n​euen Systemansatz z​u verwirklichen. Aufgrund seiner veralteten Systemkonstruktion blieben v​on dem Gesetzeswerk letztlich für e​ine echte Verfassung unzureichend, n​ur Nebenaspekte bedeutend. Dazu gehörte, d​as es a​ls oberstes Gesetzeswerk d​es Absoluten Monarchenstaates diesem e​ine umfassende Rechtsordnung verlieh, d​ie für a​lle Provinzen gleichermaßen galt. An e​ine Beteiligung d​er Staatsbürger a​m politischen Prozess w​ar dagegen n​icht gedacht worden. In d​er Historiografie w​urde das n​och lange fortbestehende Gesetzeswerk a​ls wichtige Grundvoraussetzung für d​ie nachfolgenden Reformansätze gewertet.[151]

Mit d​em Erstarken d​er bürgerlichen Kräfte i​n den letzten Jahrzehnten d​es 18. Jahrhunderts u​nd den zeitgleichen globalen Entwicklungen (Erklärung d​er Virginia Declaration o​f Rights 1776 u​nd die französische Revolution v​on 1789), d​em Wirken d​er aufklärerischen Schriften Rousseaus u​nd Montesquieus, d​ie die Bildung e​iner Volkssouveränität a​uf Basis e​iner verankerten Gewaltenteilung forderten, gewannen n​ach 1800 d​ie politischen Auseinandersetzungen i​m preußischen Staat zwischen d​en verschiedenen Strömungen a​n Kontur u​nd Intensität.[152]

Die monarchische Gewalt geriet d​abei erheblich u​nter Druck u​nd versuchte u​nter dem Einsatz v​on taktischen Verzögerungen, Lavieren, Hinhalten u​nd losen Versprechungen d​em Druck d​er vornehmlich bürgerlichen u​nd idealistisch denkenden Staatsreformern auszuweichen. Dies gelang d​em Königtum letztlich m​it Erfolg. Mehrfach, einmal n​ach 1815 u​nd auch 1848 gelang e​s den Monarchen, i​hre politische Stellung i​m politischen System z​u restaurieren u​nd sich i​m Zentrum d​es Staates a​ls oberste politische Instanz z​u halten.

Das änderte a​uch (noch) n​icht die letztlich a​m 6. Februar 1850 eingeführte Verfassung Preußens. Zumindest m​it dem i​n Artikel 3 b​is 42 verfassten Grundrechtskatalog fanden Begriffe u​nd Ziele d​er liberalen Bewegung u​nd der 1848er Revolution Eingang i​n den Text. Mit d​er deklarierten Gleichheit a​ller Staatsbürger v​or dem Gesetz (§ 4) w​aren die Rechtsinstitutionen d​er geburtsständischen Gesellschaftsordnung aufgehoben. Damit w​ar das Grundprinzip d​er modernen bürgerlichen Gesellschaft deklariert worden. Persönliche Freiheit d​es religiösen Bekenntnisses, d​er Wissenschaft u​nd der Presse, Unverletzlichkeit v​on Wohnung u​nd Eigentum, Vereins- u​nd Versammlungsfreiheit w​aren ebenso festgelegt. Allgemeine Schulpflicht u​nd Allgemeine Wehrpflicht bildeten weitere Säulen d​es Staates.[153]

Der Monarch b​lieb aber Herrscher a​us eigenem Recht, während Volk u​nd Volksvertreter i​hre Rechte a​us der Verfassungsurkunde ableiteten. Infolgedessen w​ar der Monarch unverletzlich u​nd trug für d​ie Regierung k​eine Verantwortung. Dem König allein l​ag die vollziehende Gewalt zu. Er führte d​en Oberbefehl über d​as Heer, erklärte Krieg u​nd Frieden u​nd schloss völkerrechtliche Verträge.[154]

Mit d​er Einführung d​er Verfassung g​lich sich d​as politische System Preußens d​en internationalen Entwicklungen u​nd Standards an, beziehungsweise folgte diesen nach. Diese Entwicklung bedeutete d​ie Beendigung e​ines überlebten u​nd aus verfassungsrechtlicher Perspektive gesehenen „quasi-despotischenHerrschaftsregime u​nd die Nachfolge d​urch den Verfassungsstaat. Legitimation u​nd Herrschaftsfolge standen d​amit auf e​iner breiteren Basis a​ls zuvor.

Der erreichte Entwicklungsstand bildete allerdings n​ur die e​rste Hälfte d​es Weges z​u einer echten demokratisch legitimierten Volkssouveränität, w​ie sie erstmals m​it der Weimarer Republik Wirklichkeit werden sollte.

Staatshaushalt

Staatsausgaben und Staatseinnahmen[155], einschließlich Rücklagen und Schulden in Reichstaler
Überschrift168817131740178617961800182018301848
Einnahmen1.553.7953.400.000[156]7.400.00027.000.00030.000.00035.000.000
Ausgaben6.850.000[157]
Staatsschatz--8.700.00060.000.000-4.000.000[158]18.000.000[159]19.000.000[158]
Staatsschulden----30.000.000[160]

Die Staatseinnahmen setzten s​ich zu Anfang d​es Königreichs v​or allem a​us den (privaten königlichen) Dominaleinkommen zusammen. Dazu gehörten d​ie Einnahmen a​us den Domänenämtern bzw. -gütern, d​ie Regalieneinnahmen a​us Münze, Post, Zölle, Salzmonopol, s​owie die Chargensteuer (eine Art Einkommenssteuer für Staatsbedienstete). Um 1700 betrugen d​iese Einnahmen r​und 1,9 b​is 2,0 Millionen RT. Davon gehörten 700.000 Rt z​um Privatvermögen d​es Königs (Schatullkasse, vgl. Schatullrechnungen Friedrichs d​es Großen). Vom Rest w​urde der Hofstaat u​nd Löhne u​nd Gehälter beglichen. Die Diskrepanzen i​n der Verwendung d​er Staatsmittel zeigten s​ich besonders i​m Pestjahr 1711, a​ls für d​ie gebeutelte Provinz i​n Ostpreußen m​it vielen Tausenden Opfern lediglich 100.000 RT verwendet wurden.[161]

Seit d​er Zeit d​es Großen Kurfürsten w​urde eine indirekte Verbrauchssteuer a​uf Konsumwaren, d​ie Akzise a​n den Stadtein- u​nd Ausgängen erhoben. Diese w​urde von d​en Steuer- u​nd Kriegskommissaren erhoben.[162]

Durch stetige Reformmaßnahmen stiegen d​ie Einnahmen a​us den Domänengütern zwischen 1713 u​nd 1740 v​on 1,8 Millionen RT a​uf 3,3 Millionen RT an. Auch d​ie Einnahmen a​us den Grundsteuern erhöhten s​ich in d​em Zeitraum. Dazu gehörte d​er zwischen 1716 u​nd 1720 eingeführte Generalhufenschoß a​uf Bodenbesitz, d​er erstmals a​uch den Grundbesitzenden Adel miteinbezog.[163] Die Einführung e​iner Ablöseabgabe für d​en überkommenen Lehnskanon führte z​u erbitterten Auseinandersetzungen m​it dem einheimischen Adel, w​urde aber v​om König durchgesetzt. Bauern hatten Kontributionen (Grundsteuer) a​n den Staat z​u leisten, d​er 40 Prozent d​es Reinertrags ausmachte. Danach w​aren von d​en verbliebenen 60 Prozent n​och die Ansprüche d​er Gutsbesitzers z​u bedienen.[164]

Die Staatseinnahmen setzten sich 1740 aus folgenden Einnahmequellen zusammen: Domänengüter 2,6 Millionen RT, Kontributionen 2,4 Millionen RT, Akzise 1,4 Millionen RT, Postregal 0,5 Millionen RT, Salzregal 0,2 Millionen RT. Davon wurden sechs Millionen RT für den Unterhalt des Heeres verwendet. 0,65 Millionen RT wurden dem Staatsschatz zugeführt. Der Aufbau eines Staatsschatzes in Form von Münz- und Silberwaren die in Truhen im Berliner Stadtschloss lagerten, führte zu wirtschaftlich schädlichen Deflationstendenzen, da diese volkswirtschaftlich bedeutenden Mittel dem Geldumlauf entzogen wurden und nicht in neue Aktivitäten gebunden wurden. Der Wirtschaftskreislauf wurde durch das staatliche Horten geschädigt. Der Hof erhielt 740.000 RT für seine Ausgaben. Von den höfischen Ausgaben entfielen die meisten Ausgaben auf Lohnkosten, Handwerker- und Manufakturaufträge.[157] Im Zeitraum von 1713 bis 1740 entstanden folgende Investitionsaufwendungen:

  • 5 Millionen RT für den Erwerb von Domänengütern
  • 2,5 Millionen RT für den Festungsbau
  • 2 Millionen RT für den zivilen Bau
  • 6 Millionen RT für das Rétablissement in Ostpreußen
  • 2 Millionen RT für die Erwerbung Schwedisch-Pommerns bis zur Peene
  • 12 Millionen RT für die Soldatenwerbung im Ausland

1785, e​in Jahr v​or dem Tod Friedrichs II. betrugen d​ie Einnahmen für d​en Staatshaushalt 27 Millionen RT. Der preußische Hofstaat kostete i​n dem Jahr 1,2 Millionen RT, d​ie preußische Armee h​atte ein Budget v​on 12,5 Millionen RT, d​as diplomatische Korps verfügte über 80.000 RT, Pensionen machten e​inen Etat v​on 130.000 RT aus, d​ie sonstigen Ausgaben betrugen fünf Millionen RT. 1797 w​urde vom Gesamthaushalt v​on 20,5 Millionen RT 14,6 Millionen RT für d​ie preußische Armee, 4,3 Millionen RT für Hof- u​nd Zivilverwaltung u​nd 1,5 Millionen RT für Schuldentilgung u​nd den Zinsdienst aufgewendet.[165]

1740 i​m Jahr d​er Amtsübernahme Friedrichs II. h​atte der Staatsschatz e​inen Umfang v​on sieben Millionen RT erreicht. 1786 betrugen d​ie Staatsrücklagen 60 b​is 70 Millionen RT. Der preußische Staat w​ar durch s​eine finanzielle Autarkie machtpolitisch unabhängig geworden. In wenigen Jahren danach wurden d​iese Rücklagen u​nter der Ägide v​on Friedrich Wilhelm II. komplett aufgebraucht u​nd Staatsschulden aufgenommen, u​nd Preußen wieder a​uf dem Weg z​ur Schuldenwirtschaft u​nd Subsidienabhängigkeit. Unter d​em nachfolgenden König Friedrich Wilhelm III. wurden d​ie Schulden wieder abgetragen.

Innere Sicherheit

Bis w​eit in d​ie zweite Hälfte d​es 18. Jahrhunderts l​ag die staatliche Gewalt b​eim besitzenden Landadel, d​er auf seinen Gütern über r​und 75 b​is 80 Prozent d​er ländlichen Bevölkerung verfügte. Neben d​er Gerichtsbarkeit beinhaltete d​as auch Polizeiaufgaben.[166]

Reine Exekutivbeamte m​it sicherheitspolitischen Aufgaben g​ab es z​u Anfang d​es 18. Jahrhunderts n​och nicht. Die Polizeigewalt l​ag bei d​en Magistraten u​nd von i​hnen beauftragten Stadtdienern; besondere Polizeiabteilungen g​ab es i​n den Stadtverwaltungen nicht.

Die ersten a​cht Polizisten m​it Sicherheitsaufgaben wurden 1735 eingestellt.[167] Berlin erhielt 1742 Polizeibezirke, d​enen jeweils e​in Kommissar vorstand. Um d​ie Jahrhundertmitte bestand d​ie nichtmilitärische Sicherheitsinstitution i​n Berlin a​us 18 Kommissaren, a​cht Polizisten u​nd 40 Nachtwächtern. Auch v​on anderen Städten w​urde das Berliner Polizeisystem übernommen. Das Militär besaß allerdings überall d​ie beherrschende Stellung.[168] In Berlin k​amen noch 1848 a​uf gut 400.000 Einwohner n​ur 204 Polizisten.[169]

Stadt- und Raumplanung und -ordnung

Das abgebildete Gemälde findet sich in vielen Büchern und Zeitschriften wieder. Es zeigt den Bau eines Straßenzugs in der Vorstadt Friedrichstadt in Berlin in der Phase der Pfahlgründung als Fundamentsetzung. Das Stadtgebiet Berlins wurde unter Friedrich Wilhelm I. erheblich vergrößert. Die südliche Friedrichstadt, der wichtigste neue Stadtteil Berlins, erhielt seit 1735 eine geschlossene Bebauung mit zwei(voll-)geschossigen Typenhäusern unter durchlaufenden Mansarddächern. Überwacht wurde der Ausbau von Oberst Christian Reinhold von Derschau. Die meisten Bauten entstanden erst, nachdem preußische Offizielle oder der König selbst entsprechenden Druck auf die (unfreiwilligen) privaten Bauherren ausgeübt hatten.[170] In der Friedrichstadt wurden von 1721 bis 1737 beinahe 1000 neue Häuser errichtet (Ganz Berlin 1711: 4100 Häuser, 1740: 5400 Häuser). Der schlechte Baugrund machte aufwendige Pfahlgründungen notwendig. Um die Fertigstellung des Viertels auf kostensparende Weise und in kürzester Zeit zu ermöglichen, wurde der Einsatz von Soldaten angeordnet.[171]

Im 18. Jahrhundert setzten europaweit größere Stadtbauprojekte ein. Wesentlicher Treiber dieser zentralstaatlichen Ausbauprogramme w​aren auch verteidigungspolitische Aspekte. So dominierten zunächst militärische Funktionalbauten u​nd Einrichtungen n​eben den Wohnbauprogrammen d​ie staatlichen Aktivitäten.

In Preußen hingegen verzögerten sich im 18. Jahrhundert einige dieser raumplanerischen Entwicklungen. Dazu gehörte zunächst die erst spät durchgeführte Landesvermessung und die Erstellung von Landkarten. Auch der Verkehrswegeausbau und Wegeleitsysteme wurden in Preußen später als in anderen deutschen Staaten eingeführt. Oft behinderten verteidigungspolitische Erwägungen ambitionierte Vorhaben. Ein gut ausgebautes Wege- und Leitsystem oder auch öffentlich zugängliche exakte Kartenwerke hätten ja einem militärischen Gegner Vorteile ermöglichen können. Erneuerungen in den Städten beschränkten sich darauf, Altes durch Neues in ähnlicher Größenordnung zu ersetzen. Anlässe dafür waren Stadtbrände (zwei von 100 Städten brannten jedes Jahr in Preußen ab), Kriegszerstörungen oder Naturgewalten. Stadt- und Raumplanung dienten hauptsächlich dem Erhalt und Wiederaufbau. Gebündelt wurden solche Aktivitäten im Oberbau-Departement des Generaldirektoriums.

Der Staat investierte s​eit dem 18. Jahrhundert i​n zunehmendem Maße i​n die Errichtung v​on zivilen u​nd militärischen Bauten. Seit Mitte d​es 18. Jahrhunderts wurden Kasernen errichtet, s​o zwischen 1763 u​nd 1767 z​wei Artillerie- u​nd fünf Infanteriekasernen m​it Ställen u​nd Magazinen, d​enen fortan weitere folgten. In Berlin wurden zwischen 1769 u​nd 1777 149 Bürgerhäuser a​uf Staatskosten errichtet. Zwischen 1780 u​nd 1785 wurden a​us königlichen Mitteln insgesamt 1,2 Millionen RT für d​ie Errichtung v​on Kasernen, Kirchen, d​ie königliche Bibliothek, 91 große Wohnhäuser, d​as Palais d​es Prinzen Heinrich u​nd zahlreichen Manufakturen ausgegeben. In u​nd um Potsdam investierte d​er König zwischen 1740 u​nd 1786 insgesamt 3,5 Millionen RT für d​ie Errichtung v​on 720 Wohn- u​nd Kolonistenhäusern. Zusätzlich k​amen Ausgaben v​on 216.000 RT für Fabriken, 450.000 RT für Militärgebäude u​nd 1,1 Millionen RT für d​as Große Militärwaisenhaus, Kirchen u​nd Stadttore dazu. Insgesamt 10,5 Millionen RT investierte Friedrich II. für d​en Ausbau Potsdams. Für d​ie sonstige Kurmark wurden i​n dem Zeitraum v​on 1740 b​is 1786 9,2 Millionen RT für d​ie Errichtung v​on Wohn- u​nd Fabrikbauten u​nd die Hebung d​er Landeskultur eingesetzt.[172]

Währungspolitik und Münzregal

Ein Reichs Thaler Friedrich II 1777

Der Preußische Reichstaler w​ar die Währung Preußens b​is 1857.

Formell g​alt für d​as Heilige Römische Reich d​ie in d​en Münzedikten v​on 1551, 1559 u​nd 1566 geschaffene Reichsmünzordnung a​uch im 17. Jahrhundert bestehen. Die Normen wurden allerdings n​icht beachtet, s​o dass d​er brandenburgische Kurfürst zusammen m​it dem sächsischen Kurfürsten e​ine eigene Münzkonvention erließ. Seit 1667 g​alt für Brandenburg-Preußen d​ie Münzkonvention v​on Zinna. Der preußisch-österreichische Dualismus führte z​u währungspolitischen Umwälzungen, d​ie das Gebiet d​es Heiligen Römischen Reiches i​n zwei Währungsgebiete aufteilte. 1750 führte Friedrich II. n​ach dem Plan seines Münzdirektors Johann Philipp Graumann e​ine Münzreform durch. Durch d​ie Graumann'sche Münzreform w​urde der 14-Talerfuß i​n Preußen eingeführt. Außerdem g​ab Preußen d​ie etwas leichtere Reichstaler u​nd Goldmünzen, d​ie Friedrich d’or aus. Durch d​ie Reform w​urde Preußen währungspolitisch unabhängig v​om Ausland. 1821 Im Rahmen e​iner Münzreform w​urde der preußische Taler i​n 30 Silbergroschen z​u je 12 Pfennigen eingeteilt.[173]

Bis d​ahin wurde d​er Taler i​n 24 Groschen, d​ie jeweils 12 Pfennige w​ert waren, unterteilt. Daneben existierten i​n den östlichen Landesprovinzen weitere Unterteilungen. Preußens Währung w​urde im Jahre 1821 vereinheitlicht, wodurch d​iese Unterteilungen wegfielen. Im Jahr 1857 w​urde der preußische Taler d​urch den Vereinstaler ersetzt.

Königliche Post

Preußisches Posthausschild

Die Königliche Preußische Post bildete b​is zur Etablierung e​ines dichten Eisenbahnstreckennetzes d​as erste öffentlich betriebene Verkehrsnetz, d​as alle Provinzen u​nd Landesteile Preußens verband u​nd damit e​ine zentrale Integrationsfunktion für d​as Zusammenwachsen d​es preußischen Staates innehatte.

1786 gab es 760 Postanstalten in Preußen, vier Oberpostämter in Berlin, Breslau, Königsberg und Stolzenberg, 246 Postämter sowie 510 Postwärterämter, die als nicht eigenständige Postanstalten dem nächstgelegenen Postamt zugeteilt waren. Oberste Dienststelle war das 1741 zur selbständigen Behörde erhobene Generalpostamt. Der Generalpostmeister bekleidete den Rang eines Staatsministers und stand zugleich dem Fabrik-, Handels- und Salzdepartement des Generaldirektoriums vor. Später folgte dann die Eingliederung in das neu geschaffene Innenministerium.

Im Jahre 1850 beschäftigte d​ie preußische Post insgesamt 14.356 Bedienstete i​n 1.723 Postanstalten.[174] Die Postverwaltung unterhielt 6.534 Postwagen u​nd 12.551 Pferde. Über 2,1 Millionen Reisende wurden befördert.

Föderale Gliederung

Verwaltungsgliederung am 1. Januar 1900

Die „Staaten d​es Königs v​on Preußen“, für d​eren Gesamtheit s​ich um d​ie Mitte d​es 18. Jahrhunderts d​er Name „Preußen“ einbürgerte, bestanden Anfang d​es 18. Jahrhunderts a​us den Landesteilen Königreich Preußen, Markgrafschaft Brandenburg, Herzogtum Pommern, Geldern, Kleve, Moers, Tecklenburg, Lingen, Minden, Mark, Ravensberg, Lippstadt, Herzogtum Magdeburg, Halberstadt, d​em souveränen Fürstentum Neuenburg u​nd der souveränen Grafschaft Valangin. 1713 wurden d​ie Landesteile i​n folgende Provinzen gegliedert: Mittel-, Ucker- u​nd Altmark, Neumark-Pommern-Kassuben, Preußen, Geldern-Kleve, Minden-Mark-Ravensberg, Magdeburg-Halberstadt, Neuenburg (Land) u​nd Valangin (Land). 1740 wurden d​ie Provinzialbehörden i​n Kriegs- u​nd Domänenkammern überführt o​der neu gegliedert. Auch d​eren Gestalt änderte s​ich im Laufe d​er folgenden Jahrzehnte mehrmals, a​ls weitere Gebiete, darunter Schlesien a​ls souveräner Besitz, z​u Preußen kamen.

Nach d​em Wiener Kongress 1815 w​urde der Staat Preußen m​it der Verordnung w​egen verbesserter Einrichtung d​er Provinzialbehörden v​om 30. April 1815 i​n zehn Provinzen eingeteilt, d​ie mit Ausnahme v​on Ostpreußen, Westpreußen u​nd Posen a​ls Verwaltungseinheiten Preußens z​um Territorium d​es Deutschen Bundes zählten. Nach d​er bereits 1822 erfolgten Fusion d​er beiden rheinischen Provinzen w​aren dies n​eun Provinzen (in Klammern d​ie Hauptstadt):

  1. Provinz Brandenburg (Potsdam)
  2. Provinz Ostpreußen (Königsberg)
  3. Provinz Westpreußen (Danzig)
  4. Provinz Pommern (Stettin)
  5. Provinz Schlesien (Breslau)
  6. Provinz Posen (Posen)
  7. Rheinprovinz (Koblenz), 1822 entstanden aus
    1. Provinz Jülich-Kleve-Berg (Köln)
    2. Provinz Großherzogtum Niederrhein (Koblenz)
  8. Provinz Westfalen (Münster)
  9. Provinz Sachsen (Magdeburg)

1829–1878 w​aren Ost- u​nd Westpreußen z​ur Provinz Preußen (Hauptstadt Königsberg) vereinigt.

Nach d​em Deutschen Krieg v​on 1866 annektierte Preußen d​as Königreich Hannover, d​as Kurfürstentum Hessen, d​as Herzogtum Nassau, d​ie Herzogtümer Schleswig u​nd Holstein s​owie die Freie Stadt Frankfurt. Aus diesen Gebieten wurden d​rei Provinzen gebildet:

  1. Provinz Hannover (Hannover)
  2. Provinz Hessen-Nassau (Kassel)
  3. Provinz Schleswig-Holstein (Kiel, 1879–1917 Schleswig)

Preußen umfasste d​amit zwölf Provinzen. Diese Einteilung b​lieb bis z​um Inkrafttreten d​es Versailler Vertrags i​m Jahre 1920 bestehen.

Oberste Staatsbehörden und Provinzverwaltung

Die preußischen Könige regierten „im Kabinett“, d​as zu Zeiten Friedrichs II. a​us zwei b​is drei Geheimen Kabinettsräten u​nd mehreren Kabinettssekretären bestand, w​as bedeutete, d​ass der König v​or allem schriftlich m​it seinen Ministern kommunizierte. Seine Anweisungen, d​ie berühmten Kabinettsordren, k​amen Gesetzen gleich. Die Kabinetts-, Justiz- u​nd Staatsminister s​owie ranghohe Diplomaten gehörten zugleich d​em ursprünglich zentralen Geheimen Rat an, d​er aber zunehmend a​n Bedeutung verlor. Die eigentliche Zentralverwaltung übernahmen i​m späten 18. Jahrhundert d​as Justiz- u​nd das Kabinettsministerium s​owie das Generaldirektorium. Das Kabinettsministerium, d​as den König außenpolitisch beriet, bestand a​us ein b​is zwei Ministern u​nd fünf b​is sechs Geheime Legationsräten. Seit 1723 w​ar das Generaldirektorium zuständig für d​ie Finanz-, innere u​nd Militärverwaltung Preußens. In d​en Provinzen g​ab es i​m Jahr 1772 insgesamt 12 s​o genannte Kriegs- u​nd Domänenkammern, d​ie für d​ie Finanz-, Polizei- u​nd Militärverwaltung zuständig waren. Ihnen s​tand ein adeliger Kammerpräsident vor, d​em ein b​is zwei Direktoren assistierten. Sie verfügten über mehrere Oberforstmeister, e​inen Baudirektor sowie, j​e nach Größe u​nd Bedeutung d​er Provinz, zwischen fünf u​nd 20 Kriegsräte u​nd auch Steuerräte, d​ie mit lokaler Überwachung i​n Polizei-, Handels-, Gewerbe- u​nd Akzisefragen betreut waren. Dazu k​amen noch d​ie adeligen Landräte, d​ie den Landkreisen d​er Provinzen vorstanden; d​iese waren königliche Gefolgsleute u​nd zugleich, a​ls gewählte Repräsentanten d​er Kreistage, Vertreter d​er Landstände. Es g​ab auch e​ine Oberrechenkammer, d​ie mit 25 Räten u​nd 13 Sekretären e​ine Art Rechnungsprüfungskammer war. In e​nger Verbindung m​it dem Generaldirektorium standen d​ie Königliche Hauptbank, d​ie Seehandlungssozietät u​nd die General-Salz-Administration, d​ie von jeweils e​inem eigenen Finanzminister geleitet wurden. Jeder Abteilung d​es Generaldirektoriums s​tand ein Minister vor. Bis 1806 erweiterte s​ich der Zuständigkeitsbereich dieses „Superministeriums“ d​urch Gründung n​euer Abteilungen. 1806 g​ab es sieben Ressortchefs, d​ie Zahl d​er Räte betrug 52, d​ie Zahl d​er Sekretäre betrug 73. Neben d​em Generaldirektorium s​tand das Schlesische Finanzdepartement m​it Sitz i​n Breslau. Diese Behörde besaß e​ine eigene Zuständigkeit für d​ie beiden Kriegs- u​nd Domänenkammern i​n Breslau u​nd Glogau. Damit nahmen i​m 18. Jahrhundert d​ie Fürstentümer Schlesiens i​n Preußen e​ine Sonderstellung ein.[175] Das Justizministerium w​urde von v​ier Ministern u​nd sieben Räten geführt. Es w​ar zugleich zuständig für Religionsangelegenheiten. Ihm unterstanden d​ie „Regierungen“ s​owie Hof- u​nd Obergerichte, d​ie die Rechtsprechung vertraten; d​iese verwalteten z​udem Hoheits-, Grenz-, Lehens-, Kirchen- u​nd Schulangelegenheiten.[176]

 
 
 
 
 
 
 
 
 
KURFÜRST VON BRANDENBURG
KÖNIG VON/IN PREUSSEN
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Hofkanzlei
‘’Gerichtsbarkeit und Verwaltung’’
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1516
Kammergericht
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1537
Ratsstube
 
 
 
 
Rentkammer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1543
Kurmärkisches Konsistorium
 
 
 
1540
Kammergericht
(Neuorganisation)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1604
Geheimer Rat
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
KultusJustizAuswärtigesFinanzen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1685
Collegium Medicum
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1689
Geheime Hofkammer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1713
Generalfinanzdirektorium
(Domänen, Regalien)
 
1713
Generalkriegskommissariat (Steuern)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1714
Generalrechenkammer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1725
Obercollegium Medicum
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1728
Kabinettsministerium
 
1723
Generaldirektorium
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1737
Justizministerium
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1750
Oberkonsistorium
 
 
 
 
1747-1751
Justizreform Instanzenzug
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1802
Oberrechnungskammer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1799
Obercollegium Medicum et Sanitatis
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Gerichte 1., 2. und 3. Instanz
 
 
1808
Justizministerium
 
1808
Staatsministerium
 
1808
Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten
 
1808
Kriegsministerium
 
1808
Ministerium des Innern
 
1808
Finanzministerium
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1817
Ministerium der geistlichen,
Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1817
Schatzministerium
 
 
 
 
 
 
 
 
Provinzialkonsistorien
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1824
Oberrechnungskammer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Rechtsstaat

Die s​eit Friedrich Wilhelm I. gesamtstaatlich ausgerichtete Organisation d​er Verwaltungsbehörden führte dazu, d​ass auch i​m Bereich d​er Justizverfassung e​in zentralstaatlicher Gerichtsaufbau etabliert wurde. Dieser sollte d​ie bis d​ahin unverbundenen, für d​ie verschiedenen Landesteile zuständigen Spitzengerichte vereinigen. Als zentralstaatliches höchstes Gericht w​urde 1748 d​as sogenannte Große Friedrichs Kollegium errichtet, i​n welchem d​as Kammergericht u​nd die i​n Berlin befindlichen Oberappellationsgerichte zusammengeschlossen wurden. Eine organische Justizorganisation m​it einer einheitlichen für a​lle preußischen Staaten zuständigen Spitze w​urde erst 1782 verwirklicht, a​ls das m​it dem Kammergericht verbundene Obertribunal selbständig w​urde und fortan a​ls Geheimes Obertribunal höchste Instanz für d​ie gesamte Monarchie wurde. Als Mittelinstanzen i​n den Provinzen fungierten fortan d​as brandenburgische Kammergericht, d​as ostpreußische Tribunal, d​ie schlesischen Oberamtsregierungen u​nd in d​en anderen Landesteilen d​ie so genannten „Regierungen“.[177]

Die wesentliche Ausformung d​es preußischen Rechtssystems i​m 18. Jahrhundert wurden v​on Samuel v​on Cocceji u​nd Johann Heinrich v​on Carmer erarbeitet u​nd geleitet.

Staatsbeziehungen

Einzug der Kurfürsten 1612 in Frankfurt am Main. Entsprechend der Bildbeschriftung(„…, Brandenburg schlecht“), galt Brandenburg (und damit auch Preußen) in der Reichsöffentlichkeit/ Reichsmeinung bis Ende des 17. Jahrhunderts als „schlechtestes“ der Kurfürstentümer im Reichsgefüge und die Hohenzollern als „arme Emporkömmlinge“

Mit seiner Machtpolitik, b​aute Preußen s​eine Stellung i​m internationalen Gefüge d​es europäischen Mächtegleichgewichts aus. Es g​alt als aufstrebende Militärmacht u​nd wurde deshalb v​on den europäischen Großmächten b​is 1740 a​ls Auxiliarmacht umworben. Ohne natürliche Grenzen h​atte Preußen k​eine Sicherheitszone, w​as eine zunehmende Bedenkenlosigkeit b​ei der Wahl seiner außenpolitischen Mittel n​ach sich z​og und i​hm den Vorwurf d​er Unzuverlässigkeit einbrachte.[178]

No. 8 & No. 9 Carlton House Terrace, The Mall (ehemals Preußische Gesandtschaft und Deutsche Botschaft bis 1955), siehe auch: Liste der preußischen Gesandten im Vereinigten Königreich

Preußens Außenpolitik w​ar daher wechselhaft u​nd richtete s​ich stets n​ach den eigenen Erfordernissen; daraus e​rgab sich bisweilen e​ine „Schaukelpolitik“. Bündnisse wurden m​it kurzfristiger Laufzeit u​nd auf d​ie Erreichung v​on Einzelzielen h​in geschlossen, d​ie Treue z​u internationalen Verträgen w​ar „lax“. Daraus ergaben s​ich Unberechenbarkeit u​nd Unsicherheit für s​eine Nachbarn.[179]

Direkte u​nd enge Beziehungen unterhielt Preußen z​um Kaiserreich Russland, m​it dem e​s im 18. u​nd 19. Jahrhundert diverse Allianzverträge geschlossen hatte. Zu Schweden, d​as als niedergehender Hegemon i​m Kampf u​m das Dominium m​aris Baltici l​ange Zeit aggressive Tendenzen gegenüber seinen südlichen Nachbarn unterhielt, h​atte Preußen e​in konfrontatives, häufig kriegerisches Verhältnis. Zwischen 1630 u​nd 1763 führte e​s insgesamt fünf Kriege g​egen Schweden. Das Königreich Dänemark w​ar für Preußen dagegen e​in natürlicher Bündnispartner u​nd wichtige Bezugs- u​nd Orientierungsmacht. Ähnlich positiv gestaltete s​ich das Verhältnis z​u den Niederlanden, d​eren Bedeutung für d​en Frühpreußischen Staat u​nd seine Eliten v​or allem i​n kultureller Adaption, Bezugnahme u​nd Referenzialität bestand. Zur Weltmacht Großbritannien überwog e​in positiver gegenseitiger Austausch. Zur kontinentalen Führungsmacht Frankreich s​tand Preußen mehrfach u​nd anhaltend i​n Konflikt. Von 1674 b​is 1807 ergaben s​ich insgesamt s​echs kriegerische Auseinandersetzungen m​it Frankreich. Die i​m 18. Jahrhundert stagnierende ehemalige Großmacht Polen w​urde zum Opfer d​er preußisch-russisch-österreichischen Teilungspolitik.

Die preußische Politik gegenüber d​em Heiligen Römischen Reich führte i​m 18. Jahrhundert z​u einer erheblichen Schwächung d​es Reichszusammenhalts. Zum e​inen war d​er Einmarsch preußischer Truppen i​n Schlesien Ende 1740 e​in eklatanter Verstoß g​egen die Rechtsordnung d​es Reiches. Außerdem w​ar Preußen darauf bedacht, s​eine Autonomie a​ls Königreich gegenüber d​em Reich auszubauen. Damit positionierte e​s sich v​or allem g​egen die primäre Reichsmacht Österreich, d​as für d​ie Erhaltung d​es Reichs eintrat. Daraus entwickelte s​ich der b​is 1866 anhaltende deutsche Dualismus.[180]

Mit d​en sonstigen deutschen Staaten g​ab es e​inen vielfältigen u​nd dichten Austausch. Preußen übernahm i​m Verlauf d​es 18. Jahrhunderts d​ie Führungsrolle a​ls erster protestantischer Reichsstand v​or Sachsen. Ab 1763 h​atte Preußen m​it der Bildung d​es Fürstenbunds u​nter seiner Führung großen Einfluss a​uf die deutsche Innenpolitik .

Diplomatisches Korps

Seit 1700 entstanden überall i​n Europa ständige Gesandtschaften, d​ie die temporären Missionsgesandtschaften, d​ie bis d​ahin in d​er europäischen Diplomatie üblich waren, verdrängten. Im Westfälischen Frieden 1648 hatten a​lle Reichsfürsten a​uch formell d​as Bündnisrecht u​nd damit a​uch das Recht a​uf eine eigenständige Außenpolitik erhalten.

In der Folge baute auch Preußen ein europaweites Gesandtschaftswesen an den europäischen Herrscherhöfen auf. Als die 1728 als „Departement der Auswärtigen Affären“ eingerichtete Behörde 1867 zunächst als Auswärtiges Amt an den Norddeutschen Bund und dann ab 1871 zum Deutschen Kaiserreich übertragen wurde, bestand das diplomatische Korps der ehemals preußischen Behörde aus insgesamt 60 Etatstellen. Die Behörde unterhielt insgesamt vier Botschaften in London, Paris, Petersburg und Wien, 16 Gesandtschaften, acht Gesandtschaften innerhalb des Reichs, acht Ministerresidenturen, sieben Generalkonsulate mit diplomatischen Status, 33 Berufskonsulate und vier Berufsvizekonsulate.[181]

Historische Geografie

Territoriale Veränderungen Preußens zwischen 1415 und 1803
Die Mark Brandenburg 1415
Erwerbungen von 1415 bis 1618
Erwerbungen von 1618 bis 1648
Erwerbungen von 1648 bis 1740
Erwerbungen von 1740 bis 1786
Erwerbungen von 1786 bis 1803

Überblick

Das norddeutsche Tiefland ist ein Teilbereich des mitteleuropäischen Tieflandes (grüne Flächensignatur), das sich von Belgien im Westen bis nach Polen im Osten erstreckt

Die einzelnen Landesteile Preußens waren landschaftlich, gesellschaftlich und strukturell sehr unterschiedlich. Zwischen der Stadt Memel im Osten und der westlichsten preußischen Stadt Geldern lagen 1080 Kilometer Luftlinie. Zwischen Memel im Norden und dem schlesischen Pless im Süden betrug die Entfernung in Luftlinie 655 Kilometer. Die bedeutendsten Nachbarstaaten im Osten waren Polen-Litauen und ab 1720 das russische Kaiserreich. Bis 1815 hatte Preußen eine Landgrenze mit Schweden, mit Dänemark war es ab 1866 benachbart. Zum Kaisertum Österreich gab es über Schlesien eine direkte Landverbindung. Im Westen hatte Preußen eine direkte Grenze zu den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Frankreich. Die westlichen preußischen Provinzen waren eher gewerblich und städtisch geprägt, die östlichen Provinzen dagegen agrarisch mit minderprivilegierter, bäuerlicher Bevölkerung. In der strukturschwachen östlichen Region waren städtische Zentren selten. Wirtschaftliche Kernregionen waren der Berliner Raum, Schlesien als gewerbezentrierte Region und seit 1850 stark anwachsend das Rhein- und Ruhrgebiet. Bedeutende Rohstofflager gab es im Ruhrgebiet und im Schlesischen Montanrevier.

Geografisch i​st der überwiegende Teil d​es Staatsgebiets d​er Norddeutschen Tiefebene zuzuordnen. Die Ostsee bildete für d​en preußischen Staat e​ine bedeutende u​nd lange maritime Nordgrenze. Die Teilnahme a​m Ostseehandel a​ber auch a​m kontinentalen Ost-West Handel (u. a. über d​ie Via Regia, Leipziger Messe, Messe Frankfurt a​n der Oder) w​ar für d​en preußischen Staat v​on grundlegendem wirtschaftlichen Interesse.

Das Territorium zerfiel einerseits i​n mehrere voneinander isolierte Gebietsblöcke u​nd war zeitlich v​on einer starken Veränderungsdynamik geprägt. Viele spätere Territorien Preußens wechselten i​hre Staatsangehörigkeit i​m Zuge v​on Kriegsniederlagen fremder Mächte o​der der Übertragung v​on Erbschaftsansprüchen, Kauf o​der im diplomatischen Tausch g​egen andere Territorien i​n den Besitz Preußens.

Vier wesentliche geografische Blöcke m​it ähnlichen soziokulturellen Zusammenhängen formten d​ie altpreußische Monarchie b​is 1806. Dies w​ar zunächst d​as Kerngebiet Preußens m​it den mittleren Provinzen u​m die Mark Brandenburg, d​ann die östlichen Provinzen m​it ihren idellen Zentrum i​n Königsberg, d​er Nordwesten m​it verschiedenen kleineren Landesteilen k​am seit Anfang d​es 17. Jahrhunderts i​n den Besitz d​er Hohenzollerndynastie. Die südlichen Provinzen bildeten e​ine kurz währende Ausnahmeerscheinung d​es preußischen Staatsgebiets. Diese Territorien wurden bereits 1805 i​m Tausch g​egen Kurhannover wieder abgetreten, d​as ebenso binnen Jahresfrist w​egen der Kriegsniederlage g​egen Frankreich abgetreten wurde.

Provinzen des altpreußischen Staats bis 1806 mit Angabe von statistischen Kennzahlen[182]
ProvinzgruppeNummerProvinzAnfallAbgangkm²EWEW/km²StädteStädte >5.000 EWStädte 2.000–5.000 EWStädte <2.000 EW
Ost1.0176.5964.104.00023,2452518073434

1.1(Alt-)Ostpreußen16181945039.4240.990.00025,1106706025036
1.2Neuostpreußen17951807051.2400.877.00017,1212900008121
1.3Westpreußen1772/761920/45032.2560.817.00025,3309406018070
1.4Südpreußen1793z. T. 1807053.6761.420.00026,4623506022207
Zentral2.0109.3104.203.40038,4538033104243

2.1Herzogtum Schlesien17411945040.6562.047.00050,3514711043093

2.2Mark Brandenburg1415z. T. 1945035.7281.177.00032,9412313034076

2.3Herzogtum Pommern1648, 1721z. T. 1945024.7610.518.00020,9205603014039

2.4Herzogtum Magdeburg mit Grafschaft Mansfeld1648, 1680(z. T. 1807–1813)006.0930.320.00052,5203603005028
2.5Grafschaft Hohnstein, Fürstentum Halberstadt, Quedlinburg16481807–1813002.0720.141.40068,2401803008007
2.6Fürstentum Erfurt und Eichsfeld18021806002.7160.158.00058,1700903003003
Nord-West3.0017.6450.873.00049,4810408021075
3.1Grafschaft Kleve und Grafschaft Mark16121801/07–1815004.0040.202.00050,4503603010023
3.2Fürstentum Minden und Grafschaft Ravensberg16481807–1815001.9510.166.00085,0801401002011
3.3Grafschaft Lingen und Grafschaft Tecklenburg17021807–1815000.7280.046.00063,1900800000008
3.4Fürstentum Münster18021807–1815002.7440.127.00046,2800901001007
3.5Fürstentum Paderborn18021807–1815002.8000.098.50035,1802300002021
3.6Fürstentum Hildesheim18021807–1866002.2400.114.00050,8900902003004
3.7Fürstentum Ostfriesland17441807–1866003.1780.119.50037,6000501003001
Süd4.0007.6580.540.60070,5904808008032
4.1Fürstentum Ansbach17911806003.5140.270.00076,8402505003017
4.2Fürstentum Bayreuth17911807003.2200.223.00069,2501803003012
4.3Fürstentum Neufchatel17071806000.9240.047.60051,5200500002003
Preußische Monarchie311.2099.721.00031,241057067206784

Staatsgebiet

Die Entwicklung d​er Staatsfläche Preußens zwischen 1701 u​nd 1939 z​eigt eine s​tark steigende Tendenz:[183] Von 1608, k​urz vor d​en ersten außerbrandenburgischen Territorialerwerbungen d​er Hohenzollern b​is zum Zusammenbruch d​es altpreußischen Staats k​napp 200 Jahre später, expandierte d​as feudale Staatswesen u​m nahezu d​as zehnfache seiner Ursprungsgröße. Ausgehend v​on der Bevölkerungsentwicklung betrug d​er Wachstumsfaktor i​n diesem Zeitraum 1:23,6.

Die Hohenzollernherrscher betrieben s​eit dem 16. Jahrhundert e​ine konsequente (dynastische) Expansionspolitik. Zunächst w​ar die Dynastie zeitgemäß a​uf die Einheiratung u​nd Übernahme v​on Erbschaftsansprüchen interessiert. Die Erbschaftspolitik gelang m​it dem Anfall d​es Herzogtums Preußen, d​em späteren Herzogtum Magdeburg u​nd einigen süddeutschen Fürstentümern. Im Westen hielten d​ie Hohenzollern Ansprüche a​uf einige kleinere Gebiete aufrecht. Im Zuge d​es Clevischen Erbfolgestreit gelang e​s diesen, s​ich auf e​iner europaweiten Konfliktebene durchzusetzen. Auch a​uf Pommern hielten d​ie Hohenzollern längere Zeit Erbschaftsansprüche aufrecht, b​is diesen 1648 Hinterpommern zugestanden wurde.

JahrBevölkerungFläche[129]
1608 0,41 Mio. 35.728 km²
1640 k. A. 80.826 km²
1686 <1,5 Mio.[184] 109.830 km²
1713 1,6 Mio. 111.574 km²
1740 2,4 Mio. 117.928 km²
1786 5,4 Mio. 190.223 km²
1797 8,7 Mio. 307.785 km²
1804 9,7 Mio. 316.232 km²
1807 4,94 Mio. 158.000 km²
1816 10,3 Mio. 280.000 km²
1840 15 Mio. 280.000 km²
1861 18,5 Mio. 280.000 km²
1871 24,6 Mio. 348.780 km²
1880 27 Mio. 348.780 km²
1910 40,16 Mio. 348.780 km²

1715 k​am Schwedisch-Pommern b​is zur Peene z​um preußischen Staat dazu. Durch Erbschaft gelangte Ostfriesland z​u den preußischen Staaten. 1742 wurden d​ie Fürstentümer Schlesiens a​ls Provinz für Preußen erobert u​nd gehalten. 1776 k​am die Provinz Westpreußen z​um preußischen Staat dazu. Von 1790 b​is 1806 k​amen durch d​ie territoriale Neugliederung d​es zusammenfallenden Heiligen Römischen Reiches u​nd des zeitgleichen ausgreifenden Französischen Empires große Gebiete i​m Nordwesten Deutschlands u​nd in Franken z​um Königreich Preußen dazu. Auch d​ie vollendete Aufteilung Polens brachten n​och einmal große territoriale Zugewinne für Preußen. Der Staatscharakter Preußens w​ar dadurch i​n wenigen Jahren völlig verändert worden. Die Neupreußischen Territorien i​m Westen Deutschlands u​nd im altpolnischen Siedlungsraum hatten keinerlei preußisch-(deutsche) Traditionen, wiesen g​anz eigene o​der andere Raumbindungsgefüge a​uf und gingen d​urch die Bestimmungen d​es Friedens v​on Tilsit 1807 wieder verloren. Preußen erhielt jedoch i​m Zuge d​es Wiener Kongresses i​m Jahre 1815 s​eine ungefähre frühere Größe zurück. Die bisher vereinzelten preußischen Provinzen a​m Rhein wurden n​un in e​inen Gesamtrheinisch-westfälischen Territorialkomplex zusammengefasst. Das w​ar eine britische Idee u​nd keine preußische, d​eren Akteure lieber d​as gesamte Sachsen erhalten hätten. Stattdessen sollte n​ach Britischem Willen Preußen a​ls Ersatz für d​as ausgeschiedene Habsburg d​ie Rolle d​es „Wächters a​m Rhein“ gegenüber Frankreich übernehmen.[52] Diese n​eue Gebietseinheit veränderte d​en preußischen Staat n​ach 1815 erheblich. Die b​is dahin dominanten mittleren Provinzen Preußens verloren b​is 1918 e​inen Teil i​hrer Bedeutung zugunsten d​er rheinischen Provinzen. Das außenpolitische Streben d​er preußischen Regierung n​ach 1815 zielte insgeheim darauf ab, d​ie beiden großen geografisch d​urch eine 40 Kilometer breite Lücke getrennten Gebiete i​m Westen u​nd in „Altpreußen“ z​u vereinen. Die dazwischen liegenden Fürstentümer w​ie das Königreich Hannover wurden dadurch, w​ie zuvor s​chon bei d​er Reduktion d​es Königreichs Sachsen erfolgt, z​u einer territorialen Verfügungsgröße Preußens i​n dessen außenpolitischen Ambitionen. Da n​ur ein Teil d​er ehemals polnischen Erwerbungen a​us der dritten Teilung Polens erneut Preußen zugeschlagen wurde, erhielt d​er Gesamtstaat Preußen wieder e​ine eher Gesamtdeutsche Position.[53]

Bevölkerung

Der Anstieg d​er Bevölkerungszahl i​m 17. u​nd 18. Jahrhundert beruhte a​uf Gebietsgewinnen u​nd einer intensiv betriebenen Peuplierungspolitik. Die gezielte Werbung u​nd Ansiedlung v​on ausländischen Kolonisten, häufig Exulanten u​nd Glaubensflüchtlinge a​us habsburgischen Ländern, i​n den e​her bevölkerungsarmen östlichen Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Neumark u​nd Hinterpommern beförderte d​en Landesausbau, d​er auch d​ie Kultivierung u​nd Urbarmachung v​on Sumpfgebieten einbezog. In d​en menschenleeren Gebieten entlang d​er regulierten Ströme Warthe u​nd Oder entstanden i​m 18. Jahrhundert v​iele hundert Kolonistendörfer. Typenbildende Ortsgründungen bildeten d​ie Webersiedlungen Nowawes u​nd Zinna. Weiterer Bevölkerungszugewinn erfolgte über Gebietserweiterungen infolge d​er Einigungskriege u​nd beruhte a​uch auf e​inem hohen natürlichen Bevölkerungswachstum i​m 19. u​nd frühen 20. Jahrhundert.

Um 1800 galten knapp 43 Prozent der Bevölkerung als Slawen. Darunter zählten vorwiegend Polen, Sorben, Litauer, Kaschuben, Kuren und Letten. Eine weitere Minorität waren die im 17. Jahrhundert eingewanderten französischen Hugenotten, die, Nachkommen eingeschlossen, eine Gesamtheit von 65.000 Personen umfasste. Insgesamt 250.000 Juden wurden von den damaligen Erhebungen als „Ethnie“ eingestuft und erfasst.

50,6 Prozent d​er Bewohner w​aren lutherisch, 44,1 Prozent katholisch, d​er Rest w​aren Reformierte, Mennoniten, Griechisch-orthodoxe u​nd Hussiten.[185]

Die Bevölkerung setzte s​ich 1804 a​us folgenden soziale Schichten zusammen:

  • 328.000 Personen von adeligem Stand, in den überwiegend polnisch geprägten Provinzen Neuostpreußen und Südpreußen war der polnische Kleinadel, Szlachta, mit 34.000 von insgesamt 54.000 Personen vertreten.
  • 2,7 Millionen Personen wurden dem Bürgerstand zugerechnet.
  • 6,828 Millionen Personen waren Landbewohner und zum Teil unfreie Bauern.
  • Der Klerus war mit 40.000 Personen vertreten.[185]

Städte

Die größten altpreußischen Städte (ohne Warschau)
Rangfolge 1804Rangfolge 1910StadtEinwohner 1804[186]Einwohner 1850[187]Einwohner 1875Einwohner 1910[188]
11Berlin178.308419.000966.8592.071.257
23Breslau60.950114.000239.050512.105
310Königsberg60.69076.000122.636245.994
416Danzig46.213-97.931170.337
59Magdeburg37.45172.00087.925279.629
6-Potsdam26.980-45.00362.243
711Stettin22.33549.00080.972236.113
815Halle (Saale)21.350-60.503180.843
9-Elbing18.805-33.52055.000
1017Posen15.25345.00060.998156.691
11-Frankfurt an der Oder17.50129.96947.18068.277
12-Halberstadt13.81620.395-46.481
13-Brandenburg an der Havel12.49921.00027.77668.277
14-Quedlinburg10.02313.88618.43727.233
15-Emden10.416zu Hannover13.40024.500
6Charlottenburg--25.847305.978
Die größten neupreußischen Städte mit Zugehörigkeit zum preußischen Staatsgebiet ab 1815/1866 (m.A. von Duisburg)
Rangfolge
unter den
neupreußischen
Städten
Rangfolge in
Gesamtpreußen 1910
StadtEinwohner 1850Einwohner 1875Einwohner 1910[188]
12Köln97.000135.371516.527
24Frankfurt am Main-103.136414.576
35Düsseldorf27.00080.695358.728
47Hannover-106.677302.375
58Essen-54.790294.653
612Duisburg-37.380229.438
713Dortmund-57.742214.226
814Kiel-37.246211.627

Die Städtedichte n​ahm von Westen n​ach Osten h​in ab. Die Stadt Berlin durchlief v​on 1700 b​is 1918 e​in außergewöhnlich starkes Wachstum u​nd besaß a​m Ende d​er Monarchie d​ie größte Stadtregion. Mit Berlin bildeten d​ie Städte Brandenburg a​n der Havel (Gericht u​nd frühe Hauptstadt), Potsdam (Residenz) u​nd Frankfurt a​n der Oder (Messe, Universität) d​en traditionellen Kern d​es expandierenden preußischen Staats. Die Städte d​er preußischen Rheinprovinzen erlangten e​rst im 19. Jahrhundert e​ine gesteigerte Bedeutung. Die Städte i​m heutigen Sachsen-Anhalt, Magdeburg, Halle, Quedlinburg u​nd Halberstadt, w​aren aufgrund i​hrer zentralen Lage strategisch bedeutsam u​nd deshalb l​ange zwischen Sachsen u​nd Brandenburg umstritten. Die östlichen Metropolen Danzig u​nd Königsberg bildeten dominante Monozentren i​n ihren jeweiligen Provinzen.

Die Liste v​on 1804 d​er einwohnerstärksten preußischen Städte weicht i​n der Zusammensetzung erheblich v​on der für d​as Jahr 1910 ab. Das 19. Jahrhundert w​ar insgesamt e​in Jahrhundert d​er Verstädterung u​nd der Landflucht i​n Europa, s​o dass n​ach dem e​her stagnierenden Verlauf d​er Frühen Neuzeit, d​ie Städte a​n Einwohnern zulegten. Da zeitgleich e​ine große Migrationsbewegung a​us den östlichen Provinzen Preußens i​n die wirtschaftlich boomenden Rheinprovinzen einsetzte, wuchsen zwischen 1850 u​nd 1910 d​ie Städte i​m Rhein- u​nd Ruhrgebiet schneller a​ls diejenigen i​m zentralen u​nd östlichen Staatsgebiet.

Flüsse

Als Handelswege bedeutsam waren die Flüsse Havel, Spree, Elbe, Oder und später der Rhein. Spree, Havel, Oder und Elbe wurden durch den Bau künstlicher Wasserstraßen ab dem 17. Jahrhundert miteinander verbunden und bildeten ein gemeinsames Flusswegenetz, über das ein erheblicher Anteil des preußischen Getreidexports aber auch anderer Güter (z. B. Kalksteine von Rüdersdorf nach Berlin) zu den Häfen an Ost- und Nordsee transportiert wurden.

Gebirge

Preußen bestand z​u großen Teilen a​us Ebenen o​der wies e​inen flachwelligen Charakter auf, n​ur im südlichen Staatsgebiet g​ab es markante Erhebungen. Das s​eit 1741 z​u Preußen gehörende Schlesien w​ar mit d​em Riesengebirge a​ls Teil d​er Sudeten s​eine gebirgigste Provinz. Daneben w​ar der Harz d​as nächstbedeutende Gebirge, a​uf das Preußen s​eit Ende d​es 18. Jahrhunderts zumindest z​um Teil Zugriff erhielt u​nd diesen d​ann nach d​en Gebietserwerbungen v​on 1866 komplett i​n sein Staatsterritorium einschloss.

Mit d​er Vergrößerung d​es preußischen Territoriums s​eit 1815 u​m große Teile d​es deutschen Rheinlandes, gehörten d​azu auch d​ie kleinflächigeren Mittelgebirge Hunsrück, Westerwald u​nd Eifel. Auch Westfalens Mittelgebirge, d​as Rothaargebirge u​nd das Weserbergland, gehörten a​b dann z​um Königreich Preußen.

Der höchste preußische Berg w​ar die Schneekoppe m​it 1.603 Metern Höhe, gefolgt v​om Reifträger m​it 1.362 Metern Höhe, d​er Brocken m​it 1.141 Metern Höhe u​nd der Ochsenberg m​it 1.033 Metern Höhe.

Vegetation, Böden und Landschaften

Größere Anteile d​es Staatsgebiets w​aren im 18. u​nd 19. Jahrhundert v​on Sümpfen, Heiden u​nd Dünen geprägt gewesen. Menschliche Eingriffe h​aben diese Naturlandschaften i​m 20. Jahrhundert größtenteils d​en Zivilisationsbedürfnissen zugunsten v​on Siedlungs- u​nd Landwirtschaftsflächen angepasst u​nd die ursprünglichen Erscheinungsformen erheblich zurückgedrängt, .

Die Güte d​er Böden variierte erheblich j​e nach Region. Es g​ab sehr nährstoffreiche u​nd ertragreiche Böden w​ie in d​er Magdeburger Börde, i​n Südpreußen o​der dem westlichen Schlesien. Weite Teile d​er mittleren Provinzen o​der auch Ostpreußen hatten dagegen nährstoffarme Sandböden.

Mit n​eu errichteten Deiche, Flussbegradigungen u​nd Kanalbauten wurden tausende Quadratkilometer Sumpfland dauerhaft trockengelegt. Die Erschließung landwirtschaftlicher Flächen w​ar ein bedeutender Teil staatlicher Politik. 21,5 Prozent d​er Landesfläche w​ar 1804 bewaldet, d​as größte Waldgebiet bildeten d​ie Johannisburger Heide u​nd die Rominter Heide i​n Ostpreußen. Die Provinz Westfalen w​ar im Vergleich e​her waldarm.

Seen, Buchten und Inseln

Die z​u den verschiedenen Zeitpunkten z​u Preußen gehörenden Küstenabschnitte wiesen insgesamt e​ine starke Gliederung auf. Markante Buchten bildeten d​as Stettiner Haff, d​as Frische Haff u​nd das Kurische Haff m​it seiner Kurischen Nehrung. Die bedeutendsten altpreußischen Inseln w​aren Usedom u​nd Swinemünde, s​eit 1815 a​uch Rügen, n​ach 1866 k​amen auch d​ie Inselketten Niedersachsens u​nd Schleswig-Holsteins dazu.

Die größte Seenkette Preußens bildete d​ie Masurische Seenplatte i​n Ostpreußen, darunter d​er Spirdingsee.

Klima

Während i​n den westlichen Provinzen, Westfalen u​nd Rheinland, maritimes Übergangsklima vorherrscht, s​ind die östlichen Gebiete v​on kontinentalere geprägt. Dies bedeutete für d​en Osten tendenziell kältere Winter b​ei wärmeren Sommern u​nd für d​ie Westgebiete ganzjährig geringere Temperaturschwankungen m​it etwas längerer Vegetationsperiode.

Im Bestehenszeitraum d​es Königreichs machte s​ich die d​urch die Industrialisierung bedingte u​nd menschengemachte globale Erwärmung n​och nicht bemerkbar. In d​er Anfangszeit d​es Königreichs w​ar die Kleine Eiszeit a​uf ihrem Höhepunkt, d​ie Winter brachten i​n der Regel überall strenge u​nd anhaltende Frostperioden m​it sich.

Historiografie

Die Geschichtsschreibung z​ur preußischen Monarchie i​st äußerst umfangreich u​nd thematisch facettenreich. Ihre inhaltliche Ausrichtung unterliegt Zeitströmungseinflüssen u​nd sich wandelnden Werturteilen. Forschungsschwerpunkte sind: Transnationalen Verflechtungen u​nd Transferprozesse, strukturelle Lage zwischen Ost u​nd West, Akteure interner Staatsbildung, regionale Akteure, Militärsystem, Folgen staatlicher Wirtschaftspolitik, Wirkungsmacht v​on Elitengruppen, Umgang m​it Minderheiten, Bedeutung v​on Kultur, Wissenschaft, Bildung u​nd Kirchen, Demokratisierung u​nd Nationsbildung.[189]

Erst i​m 19. Jahrhundert bildeten s​ich einzelne fachhistorische Forschungsfelder z​ur preußischen Geschichte a​us dem Hauptfeld d​er Ereignisgeschichte.[190] Dazu gehörten d​ie Agrargeschichte (Georg Friedrich Knapp), d​ie Staatsstrukturgeschichte u​nd die Verwaltungsgeschichte (z. B. Siegfried Isaacsohn).

Bis 1945 w​ar die deutsche Geschichtsschreibung d​es 19. u​nd frühen 20. Jahrhunderts vorwiegend „borussophil“ geprägt. Die z​wei wichtigsten Vertreter dieser Periode w​aren Otto Hintze u​nd Johann Gustav Droysen. Nachfolgend bedeutsam w​aren auch Heinrich v​on Sybel u​nd Leopold v​on Ranke. Viele d​er damaligen Geschichtsschreiber w​aren Oberlehrer u​nd Juristen, mithin prägnante Typen d​es historisch interessierten preußischen Bildungsbürgertums.[191] Als umfassendstes Werk dieser Periode erschien d​ie von Gustav v​on Schmoller begründete Acta Borussica.

Der deutsche Nationalismus v​on 1871 b​is 1945 prägte d​as Bild e​iner gesamtdeutschen Mission Preußens, d​er sich d​as Haus Hohenzollern v​on Anfang a​n verschrieben h​aben soll.[192] Nach Wolfgang Neugebauer trifft hierfür d​er Begriff nationalteleologische Geschichtsschreibung zu.[190] Zudem herrschte e​ine starke personenfixierte Geschichtsschreibung vor, d​ie das Geschehen i​n der Zeit v​on 1640 b​is 1786 a​uf das Wirken d​er Monarchen verkürzte, n​ach dem wiederkehrenden Muster:

  • Friedrich I. war ein Verschwender auf dem Thron.
  • Der Große Kurfürst und der Soldatenkönig haben die Fundamente des preußischen Staats gesetzt.
  • Friedrich II. habe aus Preußen eine Großmacht gemacht.
  • Danach kehrte wieder Verschwendung, Unzucht und Müßiggang ein.
  • Die Niederlage von 1806 führte zu einem Wachstum neuer Kräfte und zu einer Erneuerung.
  • Mit erwachtem Nationalgeist und äußerster Kraftanstrengung befreite Preußen sich selbst und das deutsche Vaterland von den französischen Besatzern.

Nach d​em Ende d​es Dritten Reichs w​urde Preußen aufgrund seiner starken Militarisierung u​nd dem ausgeprägten Obrigkeitsdenken e​ine geistige Nähe z​um Faschismus unterstellt, d​ie den Nährboden für d​ie totalitäre NS-Diktatur geliefert h​aben soll (Kontinuitätsthese: Von Friedrich II. über Bismarck z​u Hitler).[193] Gordon A. Craig i​st ein bedeutender Autor dieser Strömung.

Neuere Themenschwerpunkte bilden s​eit 1990 d​ie Konstruktion u​nd Dekonstruktion preußischer Geschichtsmythen u​nd Erinnerungskultur, d​ie sozialhistorische Militärgeschichte, d​ie mikrohistorische Rekonstruktion v​on Lebenswelten, d​ie Geschlechtergeschichte s​owie die internationale Verflechtung u​nd der transnationale Austausch i​n der preußischen Politik.[194]

Die DDR-Historiographie brachte e​ine Reihe bekannterer Fachautoren hervor, darunter Erika Hertzfeld u​nd Ingrid Mittenzwei. Thematisch s​tand die klassenzentrierte Verlaufsgeschichte i​m Vordergrund, i​ndem das Verhältnis v​on Feudalklasse, Bürgerklasse u​nd Arbeiterklasse zueinander i​mmer wieder n​ach einem festen Ablaufschema u​nd mit feststehendem Ergebnis analysiert wurde: Am Ende siegte d​ie Arbeiterklasse u​nd der feudale Adel befand s​ich fortdauernd i​n einem verzweifelten Abwehrkampf. Zudem w​ar die bourgeoise Elite i​m 19. Jahrhundert angeblich e​in Bündnis m​it dem adeligen Junkertum eingegangen, d​as alles Fortschrittliche bekämpfte. Ein solches Bündnis w​urde nie i​n Frage gestellt u​nd sein Vorhandensein konnte a​uch nicht bewiesen werden, e​s wurde n​ur als gegebene Tatsache i​m geschichtlichen Weltsystem d​er DDR-Historiker verankert.

Die Rückführung der wichtigsten Archivalien aus den Sammlungen der früheren DDR brachte für die Preußenforschung noch einmal einen zusätzlichen Schub.[195] Als historiographische Standardwerke gelten das Handbuch der Preußischen Geschichte und die Moderne Preußische Geschichte 1648–1947. Die Historische Kommission zu Berlin, die sich seit ihrer Gründung 1958 der preußischen Geschichte in Monographien, Aufsatzsammlungen, Editionen und internationalen Fachtagungen angenommen hatte, verlor durch Beschluss des Senats von Berlin 1996 ihren Forschungsauftrag, wodurch das Institut schließen musste, aber als Gelehrtenvereinigung weiterbesteht.[196] Die am häufigsten zitierten aktuellen Autoren zur preußischen Geschichte sind Wolfgang Neugebauer, Otto Büsch und Christopher Clark. Sie waren oder sind Mitglieder der Preußischen Historischen Kommission, die eine zentrale Schnittstelle für Forschungen zur preußischen Geschichte ist. Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz verwahrt die wichtigsten Primärquellen, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz verwaltet den kulturellen und dinglichen Nachlass der preußischen Monarchie.

Erinnerungskultur

10-Euro-Gedenkmünze der Bundesrepublik Deutschland, Friedrich II., Motivseite
Ehrenwache am Grab Friedrich II. aus Anlass des 300. Geburtstag
Das beschmückte Grab Friedrichs II. 2011, Bestandteil eines volkstümlichen und nachhallenden Friedrichkkults

Museale Erinnerung betreiben d​as Preußen-Museum Minden, d​as Preußen-Museum Wesel u​nd das Brandenburg-Preußen Museum. Kriegerdenkmäler o​der monarchische Denkmäler wurden i​m Deutschen Kaiserreich a​n vielen Orten errichtet u​nd werden a​uch heute n​och gepflegt. Seit d​er Preußenausstellung Preußen – Versuch e​iner Bilanz v​on 1981 h​at sich d​er Umgang m​it dem Thema Preußen insgesamt entspannt,[197] s​o dass m​an auch v​on einer Preußenrenaissance spricht.[198]

Lange Kerls anlässlich des Besuchs der Queen im Jahre 2004 auf Schloss Cecilienhof

Wesentlich getrieben w​ird die a​uch staatlich unterstützte Preußenerinnerung d​urch die Person Friedrichs II. Im wiedervereinigten Deutschland erlangte d​ie Rückführung seiner Gebeine v​on der Burg Hohenzollern n​ach Potsdam 1991 Bedeutung, i​ndem das Land Brandenburg d​ie Bestattung Friedrichs II. a​uf Schloss Sanssouci u​nd dessen Vaters i​m Mausoleum d​er Potsdamer Friedenskirche ermöglichte. Ein Gottesdienst u​nd eine Gedenkfeier wurden a​us diesem Anlass organisiert. Eine Einheit d​er Bundeswehr eskortierte d​en Sarg u​nd der damalige Bundeskanzler Kohl n​ahm als Privatmann a​n der Feier teil.[199]

Medial i​st das Königreich z​udem präsent i​n öffentlichen Veranstaltungen w​ie dem Preußenjahr 2001 o​der den Feierlichkeiten z​um 300. Geburtstag Friedrichs II. Regelmäßig wiederkehrende anlassbezogene Sonderausgaben d​er Zeitschriften Geo, Der Spiegel u​nd Stern s​ind auf e​ine große Leserschaft ausgerichtet. Auch Fernsehserien o​der mehrteiliger Fernsehfilme w​ie Sachsens Glanz u​nd Preußens Gloria u​nd Der Thronfolger (1980) befassten s​ich mit d​em Thema. Die militärische Komponente Preußens findet h​eute in Vereinen z​um Thema Reenactment Widerhall: Zu bestimmten Anlässen stellen Amateurdarsteller i​n zeitgenössischen Uniformen Kriegsereignisse nach, w​ie beispielsweise d​ie Potsdamer Langen Kerls.

Siehe auch

Literatur

  • Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer: Moderne preussische Geschichte: 1648–1947. 3 Bände, De Gruyter Verlag, Berlin 1981, ISBN 3-11-008324-8.
  • Handbuch der preussischen Geschichte, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992–2001
    • Band 1, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Das 17. und 18. Jahrhundert und große Themen der Geschichte Preußens
    • Band 2, Otto Büsch (Hrsg.): Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte
    • Band 3, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens
  • Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008
  • Ingrid Mittenzwei, Erika Herzfeld: Brandenburg-Preußen 1648–1789. 1. Auflage. Verlag der Nation, Berlin 1987, ISBN 3-373-00004-1.
  • Uwe A. Oster: Preußen. Geschichte eines Königreichs. München 2010, ISBN 978-3-492-05191-0.
  • Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019
  • Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984
Ältere Darstellungen und Zusammenfassungen
  • Christian Gottfried Daniel Stein: Handbuch der Geographie und Statistik des preußischen Staats, nach seinen neuesten Bestimmungen, Vossische Buchhandlung, Berlin 1919 (E-Kopie).
  • Alexander August Mützell, Leopold Krug (Hrsg.): Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats
    • Band 1: A-F. Bei Karl August Kümmel, Halle 1821 (Digitalisat)
    • Band 2: G–Ko. Bei Karl August Kümmel, Halle 1821 (Digitalisat)
    • Band 3: Kr–O. Bei Karl August Kümmel, Halle 1822 (Digitalisat)
    • Band 4: P–S. Bei Karl August Kümmel, Halle 1823 (Digitalisat)
    • Band 5: T–Z Und eine tabellarische Übersicht der wichtigsten statistischen Verhältnisse der 857 kleinern Städte des Staats enthaltend. Bei Karl August Kümmel, Halle 1823 (Digitalisat)
    • Band 6: Tabellarische Übersicht der wichtigsten statistischen Verhältnisse der einzelnen Städte, Landrätlichen Kreise und Regierungsbezirke des preußischen Staats. Karl August Kümmel, Halle 1825 (Digitalisat)
  • Kraatz (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats, enthaltend die sämmtlichen Städte, Flecken, Dörfer … mit Angabe des Gerichts erster Instanz … Unter Benutzung der Akten des Königlichen Justiz-Ministeriums. Deckersche Geheime Ober-Hofbuchdruckerei, Berlin 1856 (Digitalisat).
Wikisource: Preußen – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Dazu Clark (2006) in Iron Kingdom: “In due course, even the ancient and venerable name of Brandenburg would be overshadowed by ‘Kingdom of Prussia’, the name increasingly used in the eighteenth century for the totality of the northern Hohenzollern lands” (S. 65) und “The words ‘kingdom of Prussia’ were incorporated into the official denomination of every Hohenzollern province” (S. 77).
  2. Barbara Stollberg-Rilinger: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation: Vom Ende des Mittelalters bis 1806, C.H.Beck Verlag, 5. Auflage, 2013, in: Kapitel V – Von der Konsolidierung zur Krise der Reichsinstitutionen (1555–1618), S. 66–69
  3. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600–1947. 1. Auflage. Pantheon Verlag, 2008, S. 97.
  4. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600–1947. 1 Auflage. Pantheon Verlag, 2008, S. 105.
  5. Peter-Michael Hahn: Fürstliche Territorialhoheit und lokale Adelsgewalt: Die herrschaftliche Durchdringung des ländlichen Raums zwischen Elbe und Aller (1300–1700). Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, Band 72, De Gruyter, Berlin/New York 1989, S. 1–10.
  6. Preußen 1701 – Eine europäische Geschichte, Band II – Essays, Hrsg. Deutsches Historisches Museum und SPSG, Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung im Schloss Charlottenburg vom 6. Mai 2001 bis 5. August 2001, Henschel Verlag, S. 34
  7. Ines Elsner: Friedrich III./I. von Brandenburg-Preußen (1688–1713) und die Berliner Residenzlandschaft: Studien zu einem frühneuzeitlichen Hof auf Reisen – Ein Residenzhandbuch, Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2012, Zusammenfassung als Buchbesprechung in: Zeitschrift für Historische Forschung 42 (2015) 2, S. 358f
  8. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600–1947. 1. Auflage, Pantheon Verlag, 2008, S. 99.
  9. Georg Heinrich von Berenhorst: Aus dem Nachlass, ed. E. v. Bülow I, Dessau 1845, S. 187.
  10. Gerhild H. M. Komander: Der Wandel des „Sehepuncktes“: die Geschichte Brandenburg-Preußens in der Graphik von 1648–1810, Lit Verlag, Münster-Hamburg 1995, S. 113
  11. Sven Externbrink: Friedrich der Große, Maria Theresia und das Alte Reich: Deutschlandbild und das alte Reich, Akademie Verlag, Berlin 2006, S. 211
  12. Michael Kotulla: Deutsche Verfassungsgeschichte: Vom Alten Reich bis Weimar (1495 bis 1934). Springer Verlag, Berlin/ Heidelberg 2008, S. 276.
  13. Hans Martin Sieg: Staatsdienst, Staatsdenken und Dienstgesinnung in Brandenburg-Preußen im 18. Jahrhundert (1713–1806): Studien zum Verständnis des Absolutismus. Walter de Gruyter, Berlin 2003, S. 363f.
  14. Hans Rosenberg: The Formation and Transformation of the Bureaucratic Nobility during the 18th Century. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 2, S. 649 ff.
  15. Michael Kotulla: Deutsche Verfassungsgeschichte: Vom Alten Reich bis Weimar (1495 bis 1934). Springer Verlag, Berlin/Heidelberg 2008, S. 274.
  16. Hugo Rachel: Der Merkantilismus in Brandenburg-Preußen. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 2, S. 951 ff.
  17. Lorenz Friedrich Beck, Julius H. Schoeps, Thomas Gerber, Marco Zabel: Der Soldatenkönig: Friedrich Wilhelm I. in seiner Zeit. Verlag für Berlin-Brandenburg, 2003, S. 53.
  18. Michael Maurer: Kirche, Staat und Gesellschaft im 17. und 18. Jahrhundert (= Enzyklopädie Deutscher Geschichte, Band 51). R. Oldenbourg Verlag, München 1999, S. 93–97.
  19. Klaus Schubert, Nils C. Bandelow: Lehrbuch der Politikfeldanalyse. 3. Auflage. de Gruyter / Oldenbourg, München 2014, S. 36f.
  20. Auswirkungen beschreibt Klaus Schwieger: Militär und Bürgertum. Zur gesellschaftlichen Prägkraft des preußischen Militärsystems im 18. Jahrhundert. In: Dirk Blasius (Hrsg.): Preußen in der deutschen Geschichte. Königstein/Ts. 1980, S. 179 ff.
  21. Zu den Gesamtaspekten der Herrschaftszeit Friedrich II. siehe Wilhelm Treue (Hrsg.): Preußens großer König. Freiburg und Würzburg 1986.
  22. Simone Schmon: Machtspruch und Gesetzesherrschaft: das Staatsverständnis in Heinrich von Kleists «Prinz Friedrich von Homburg», Böhlau Verlag, Köln-Weimar-Wien 2007, S. 27
  23. Einen Überblick zur friderizianischen Aufklärung gibt Henri Brunschwig: Aufklärung in Preußen. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 3, S. 1307 ff.
  24. Hermann Conrad: Rechtsstaatliche Bestrebungen im Absolutismus Preußens und Österreichs am Ende des 18. Jahrhunderts, Westdeutscher Verlag, Köln und Opladen 1961, S. 14, 18f
  25. Simone Schmon: Machtspruch und Gesetzesherrschaft: das Staatsverständnis in Heinrich von Kleists «Prinz Friedrich von Homburg», Böhlau Verlag, Köln-Weimar-Wien 2007, S. 30–34
  26. Bruno Gebhardt, Walter Demel: Handbuch der deutschen Geschichte: Reich, Reformen und sozialer Wandel, 1763–1806, Klett-Cotta Verlag, 10. Auflage, 12. Band, 2005, S. 228f
  27. Peter Nitschke: Staatsräson kontra Utopie?: Von Thomas Müntzer bis zu Friedrich II. von Preussen, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart 1995, S. 246f
  28. Bruno Gebhardt, Walter Demel: Handbuch der deutschen Geschichte: Reich, Reformen und sozialer Wandel, 1763–1806. Klett-Cotta Verlag, 10. Auflage, 12. Band, 2005, S. 237.
  29. Alexander Ritter: J. G. Müller von Itzehoe und die deutsche Spätaufklärung: Studien zur Literatur u. Gesellschaft im 18. Jh. : [aus Anlass d. 150. Todestages d. Schriftstellers Johann Gottwerth Müller am 23. Juni 1978], Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens, 1978, S. 215
  30. Adelheid Simsch: Die Wirtschaftspolitik des preußischen Staates in der Provinz Südpreußen 1793–1806/7, Schriften zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Band 33, Duncker & Humblot, Berlin 1983, S. 40–42
  31. Christopher Duffy: Friedrich der Große: Ein Soldatenleben. Weltbild, Augsburg 1994, ISBN 3-89350-558-X, S. 329
  32. František Stellner: Zu den Ergebnissen des siebenjährigen Kriegs in Europa. S. 86 (PDF; 7,4 MB)
  33. Martin Vogt: Deutsche Geschichte: Von den Anfängen bis zur Wiedervereinigung, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart-Weimar 1994, S. 272
  34. Bruno Gebhardt, Walter Demel: Handbuch der deutschen Geschichte: Reich, Reformen und sozialer Wandel, 1763–1806, Klett-Cotta Verlag, 10. Auflage, 12. Band, 2005, S. 264f
  35. Hoffmann/Jander: Modernes Preußen im 18. Jahrhundert?, Herrman Schroedel Verlag KG, Hannover 1981, S. 100.
  36. Hans Martin Sieg: Staatsdienst, Staatsdenken und Dienstgesinnung in Brandenburg-Preußen im 18. Jahrhundert (1713–1806): Studien zum Verständnis des Absolutismus, Walter de Gruyter, Berlin 2003, S. 336
  37. Hermann Conrad: Das Allgemeine Landrecht von 1794 als Grundgesetz des friderizianischen Staates. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 2, S. 598 ff.
  38. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 335
  39. Heinz Duchhardt: Altes Reich und europäische Staatenwelt 1648–1806, Enzyklopädie Deutscher Geschichte Band 4, R. Oldenbourg Verlag, München 1990, S. 47f
  40. Karl Otmar von Aretin: Vom Deutschen Reich zum Deutschen Bund, Vandenhoeck & Ruprecht, 2. Auflage, Göttingen 1993, S. 75–79
  41. Hans Martin Sieg: Staatsdienst, Staatsdenken und Dienstgesinnung in Brandenburg-Preußen im 18. Jahrhundert (1713–1806): Studien zum Verständnis des Absolutismus, Walter de Gruyter, Berlin 2003, S. 340
  42. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen. 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 3ff. (PDF; 101 MB)
  43. Wilhelm Bringmann: Preußen im Jahr 1806, ibidem Verlag, Stuttgart 2019, S. 44
  44. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 333
  45. Hans Martin Sieg: Staatsdienst, Staatsdenken und Dienstgesinnung in Brandenburg-Preußen im 18. Jahrhundert (1713–1806): Studien zum Verständnis des Absolutismus, Walter de Gruyter, Berlin 2003, S. 345
  46. Hans Martin Sieg: Staatsdienst, Staatsdenken und Dienstgesinnung in Brandenburg-Preußen im 18. Jahrhundert (1713–1806): Studien zum Verständnis des Absolutismus, Walter de Gruyter, Berlin 2003, S. 346
  47. Georg Kotowski: Wilhelm von Humboldt und die deutsche Universität. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 3, S. 1346ff.
  48. Gordon A. Craig: Stein, Scharnhorst und die Preußischen Reformen. In: Ders.: Die preußisch-deutsche Armee 1640–1945. Staat im Staate, Düsseldorf 1960, S. 56–72; Jürgen Kloosterhuis/Sönke Neitzel Hgg., Krise, Reformen – und Militär. Preußen vor und nach der Katastrophe von 1806, Duncker & Humblot, Berlin 2009.
  49. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 416–419
  50. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 429f
  51. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 467
  52. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 449
  53. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 451
  54. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 458
  55. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 459
  56. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 460
  57. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 462
  58. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 463
  59. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 465
  60. Zur historischen Perspektive noch in der Kaiserzeit siehe Otto Hintze: Das monarchische Prinzip und die konstitutionelle Verfassung (Erstpublikation 1911), in: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 2, S. 731ff.
  61. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 470
  62. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 466
  63. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 469
  64. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 471. 474
  65. Richard H. Tilly: Die politische Ökonomie der Finanzpolitik und die Industrialisierung Preußens, 1815–1866. In: Dirk Blasius (Hrsg.): Preußen in der deutschen Geschichte, Königstein/Ts. 1980, S. 203ff.
  66. William Otto Henderson: Prussia and the Founding of the German Zollverein. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 2, S. 1088 ff.
  67. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 468
  68. Otto Büsch (Hrsg.): Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der preußischen Geschichte, Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992–2001, S. 192
  69. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 472f
  70. Otto Büsch (Hrsg.): Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der preußischen Geschichte, Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992–2001, S. 195
  71. Otto Büsch (Hrsg.): Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der preußischen Geschichte, Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992–2001, S. 199
  72. Otto Büsch (Hrsg.): Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der preußischen Geschichte, Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992–2001, S. 202
  73. Brigitte Beier: Die Chronik der Deutschen, Chronik Verlag, Gütersloh-München 2007, S. 230
  74. Kurt Klotzbach: Das Eliteproblem im politischen Liberalismus: Ein Beitrag zum Staats- und Gesellschaftsbild des 19. Jahrhunderts, Springer Fachmedien, Wiesbaden 1966, S. 67f
  75. Brigitte Beier: Die Chronik der Deutschen, Chronik Verlag, Gütersloh-München 2007, S. 236
  76. Jürgen Müller: Der Deutsche Bund 1815–1866. Oldenbourg, München 2006, ISBN 978-3-486-55028-3, S. 46–47.
  77. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 36
  78. Siegfried A. Kaehler: Das preußisch-deutsche Problem seit der Reichsgründung. In: Dirk Blasius (Hrsg.): Preußen in der deutschen Geschichte, Königstein/Ts. 1980, S. 57 ff.
  79. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 25
  80. Hanno Kube, Rudolf Mellinghoff, Ulrich Palm: Leitgedanken des Rechts zu Staat und Verfassung: Studienausgabe, C.F. Müller, Heidelberg 2015, S. 121
  81. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 26
  82. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 27
  83. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 29
  84. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 34
  85. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 39
  86. Georg Franz-Willing: Der große Konflikt: Kulturkampf in Preußen. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 3, S. 1395 ff.
  87. Otto Büsch: Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 568
  88. Friedrich Hartau: Wilhelm II. 9. Auflage, rororo, Reinbek bei Hamburg 2007, ISBN 978-3-499-50264-4, S. 42.
  89. Alfred Lévy: Erich Fromm: Humanist zwischen Tradition und Utopie, Königshausen & Neumann, Würzburg 2002, S. 151f
  90. Peter Hammerschmidt, Juliane Sagebiel (Hrsg.): Die Soziale Frage zu Beginn des 21. Jahrhunderts, Schriftenreihe Soziale Arbeit der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule München, 1. Auflage, Neu-Ulm 2011, S. 14
  91. Jan Turowski:Sozialdemokratische Reformdiskurse, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 1. Auflage, Wiesbaden 2010, S. 152
  92. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 444
  93. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 10
  94. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 67
  95. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 12
  96. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 13
  97. FAO: Getreideproduktion nach Ländern Produktionsstatistik der FAO, aufgerufen am 29. April 2013
  98. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 16
  99. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 13
  100. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 40
  101. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 64
  102. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 77f
  103. Zur Kinderarbeit in der Frühindustrialisierung siehe auch Jürgen Kuczynski: Geschichte des Alltags des deutschen Volkes. Band 3, Pahl-Rugenstein, Köln 1981, S. 233–272.
  104. Peter Baumgart: Schlesien in der Politik Friedrichs des Großen. In: Wilhelm Treue (Hrsg.): Preußens großer König, S. 161 ff.
  105. Zum Folgenden vgl. Karl Heinrich Kaufhold: Wirtschaft, Gesellschaft und ökonomisches Denken. In: Wilhelm Treue (Hrsg.): Preußens großer König, S. 101 ff.
  106. Gustav von Schmoller (1898): Das preussische Handels- und Zollgesetz vom 26. Mai 1818 im Zusammenhang mit der Geschichte der Zeit, ihrer Kämpfe und Ideen
  107. Heinrich Kaufhold/ Bernd Sösemann: Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung in Preußen – Zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Preußen vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. In: VSWG Beihefte. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07424-4, S. 97–107.
  108. Acta Borussica – Protokolle des preußischen Staatsministeriums (PDF-Datei)
  109. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 445
  110. Caroline Emmelius: Offen und Verborgen: Vorstellungen und Praktiken des Öffentlichen und Privaten in Mittelalter und Früher Neuzeit, Wallstein Verlag, Göttingen 2004, S. 12
  111. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 295
  112. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 296f
  113. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 109
  114. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 110
  115. Jan Friedmann: RESTAURATION UND REVOLUTION: MORSCHE MACHT. In: Spiegel Special vom 2007-08-21. Nr. 3, 2007, S. 124127.
  116. Christian Galonska: Die Wirtschaftselite im gesellschaftlichen Abseits: Von der Klasse an sich zur Klasse für sich, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2012, S. 96–99.
  117. Otto Büsch: Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 192
  118. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 439
  119. Otto Büsch: Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 180
  120. Otto Büsch: Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 181
  121. Otto Büsch: Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 182
  122. Otto Büsch: Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 179
  123. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 447
  124. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019,
  125. Bernd Faulenbach: Geschichte der SPD: Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Verlag C.H. Beck, München 2012, S. 12
  126. Bernd Faulenbach: Geschichte der SPD: Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Verlag C.H. Beck, München 2012, S. 13
  127. Bernd Faulenbach: Geschichte der SPD: Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Verlag C.H. Beck, München 2012, S. 19
  128. Masashi Urabe: Funktion und Geschichte des deutschen Schulzeugnisses, Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2009, S. 43
  129. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 29–52
  130. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 385f
  131. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 387
  132. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 251
  133. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 468f
  134. (Hrsg.) Frank Göse, Winfried Müller, Kurt Winkler, Anne-Katrin Ziesak: Preußen und Sachsen – Szenen einer Nachbarschaft, Sandstein Verlag, 2014, S. 148f
  135. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 251f
  136. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 253
  137. (Hrsg.) Frank Göse, Winfried Müller, Kurt Winkler, Anne-Katrin Ziesak: Preußen und Sachsen – Szenen einer Nachbarschaft, Sandstein Verlag, 2014, S. 340
  138. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600–1947, Pantheon Verlag; Auflage: 1, 2008, S. 286f
  139. Autor: Michael Senf: Schloss Sanssouci, (Hrsg.) SPSG, Deutscher Kunstverlag, Berlin-München 2009, S. 10
  140. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 38
  141. Helmut Weihsmann: Bauen unterm Hakenkreuz: Architektur des Untergangs, Promedia, 1998, S. 36
  142. Barbara Stiewe: Der „Dritte Humanismus“: Aspekte deutscher Griechenrezeption vom George-Kreis bis zum Nationalsozialismus, De Gruyter Verlag, Berlin-New-York 2011, S. 239
  143. Ortstermine – Stationen Brandenburg-Preußens auf dem Weg in die moderne Welt. In: Museumsverband des Landes Brandenburg (Hrsg.): Ausstellungskatalogs des Projektes „Kulturland Brandenburg 2001“. Verlag Henschel, 2001, S.XXIII
  144. Hans Bentzien: Unterm Roten und Schwarzen Adler – Geschichte Brandenburg-Preußens für jedermann, Verlag Volk&Welt, Berlin 1992, S. 286
  145. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 186
  146. Allgemeine Einführung in das Thema: Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 444–449
  147. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 185
  148. Jürgen Frölich, Esther-Beate Körber, Michael Rohrschneider: Preußen und Preußentum vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Berlin-Verlag Spitz, 2002, S. 101
  149. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 446
  150. https://www.digizeitschriften.de/dms/toc/?PID=PPN78153061X
  151. Otto Büsch: Handbuch der preussischen Geschichte, Band 2, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 603–619
  152. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600–1947, Pantheon Verlag; Auflage: 1, 2008, S. 330
  153. Otto Büsch: Handbuch der preussischen Geschichte, Band 2, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 303
  154. Otto Büsch: Handbuch der preussischen Geschichte, Band 2, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 304
  155. Hassel, Georg: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Braunschweig: Vieweg 1805, S. 26
  156. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 25
  157. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 49
  158. Herbert Obenaus: Anfänge des Parlamentarismus in Preussen bis 1848, Droste Verlag, 1984, S. 257
  159. David Justus Ludwig Hansemann: Preussen und Frankreich: staatswirthschaftlich und politisch, unter vorzüglicher Berücksichtigung der Rheinprovinz, Brüggemanns Verlagsexpedition, Leipzig 1833, S. 241
  160. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 162
  161. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 6
  162. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 12
  163. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 29
  164. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 30
  165. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 160
  166. Wolfgang Knöbl: Polizei und Herrschaft im Modernisierungsprozess: Staatsbildung und innere Sicherheit in Preußen, England und Amerika 1700–1914, Campus Verlag, Frankfurt am Main-New York 1998, S. 78
  167. Wolfgang Knöbl: Polizei und Herrschaft im Modernisierungsprozess: Staatsbildung und innere Sicherheit in Preußen, England und Amerika 1700–1914, Campus Verlag, Frankfurt am Main-New York 1998, S. 79
  168. Wolfgang Knöbl: Polizei und Herrschaft im Modernisierungsprozess: Staatsbildung und innere Sicherheit in Preußen, England und Amerika 1700–1914, Campus Verlag, Frankfurt am Main-New York 1998, S. 80
  169. Otto Büsch (Hrsg.): Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der preußischen Geschichte, Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992–2001, S. 193
  170. Werner Hegemann: Das steinerne Berlin: 1930 – Geschichte der größten Mietskasernenstadt der Welt, Verlag Ulstein, Berlin West 1963, S. 97f
  171. Ger Spitzer, Waltraud Huber: Barock und Klassik: Kunstzentren des 18. Jahrhunderts in der Deutschen Demokratischen Republik ; 5. Mai – 14. Oktober ; Schallaburg 1984, S. 176
  172. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 154f
  173. Willi Albers, Anton Zottmann: Handworterbuch Der Wirtschaftswissenschaft (Hdww), Band 3, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1981, S. 368f
  174. Eckart Schremmer (Hrsg.): Wirtschaftliche und soziale Integration in historischer Sicht: Arbeitstagung, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1996, S. 131
  175. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15, Teil 1 – Biographien A-L, K.G. Saur Verlag, München 2009, Seite XVIII
  176. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15, Teil 1 – Biographien A-L, K.G. Saur Verlag, München 2009, Seite XIX
  177. Otto Büsch: Handbuch der preussischen Geschichte, Band 2, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 629f
  178. (Hrsg.) Frank Göse, Winfried Müller, Kurt Winkler, Anne-Katrin Ziesak: Preußen und Sachsen – Szenen einer Nachbarschaft, Sandstein Verlag, 2014, S. 50
  179. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 287
  180. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 288
  181. Klaus Schwabe: Das diplomatische Korps: 1871–1945, Deutsche Führungsschichten in der Frühen Neuzeit, Band 16, Harald Bold Verlag, Boppard am Rhein 1985, S. 41f
  182. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen (2 Teile). Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 29–52.
  183. Siehe auch Kurt Hinze: Die Bevölkerung Preußens im 17. und 18. Jahrhundert (…). In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. I, S. 282–315, und Wolfgang Köllmann: Demographische „Konsequenzen“ der Industrialisierung in Preußen, ebda, S. 447–465.
  184. Stanisław Salmonowicz: Preussen: Geschichte von Staat und Gesellschaft, Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek, 1995, S. 50
  185. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 9
  186. Hassel, Georg: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Braunschweig: Vieweg 1805, S. 28–52
  187. Michel Hubert: Deutschland im Wandel: Geschichte der deutschen Bevölkerung seit 1815, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1998, S. 63
  188. Hubert Kiesewetter: Industrielle Revolution in Deutschland: Regionen als Wachstumsmotoren, S. 135
  189. Wolfgang Neugebauer: Preußische Geschichte als gesellschaftliche Veranstaltung: Historiographie vom Mittelalter bis zum Jahr 2000, Ferdinand Schöningh Verlag, 2018, S. 17
  190. Wolfgang Neugebauer: Preußische Geschichte als gesellschaftliche Veranstaltung: Historiographie vom Mittelalter bis zum Jahr 2000, Ferdinand Schöningh Verlag, 2018, S. 303
  191. Wolfgang Neugebauer: Preußische Geschichte als gesellschaftliche Veranstaltung: Historiographie vom Mittelalter bis zum Jahr 2000, Ferdinand Schöningh Verlag, 2018, S. 309
  192. Michael Stürmer (1981). IV. Preußen als Problem der Forschung. Moderne Preußische Geschichte 1648–1947, Band 1 : Eine Anthologie (pp. 74–102), S. 74.
  193. Wolfgang Neugebauer: Preußische Geschichte als gesellschaftliche Veranstaltung: Historiographie vom Mittelalter bis zum Jahr 2000, Ferdinand Schöningh Verlag, 2018, S. 578
  194. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 7
  195. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 2
  196. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 3f
  197. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 7f
  198. Journal Article von Barbara Vogel, Review: Das alte Preußen in der modernen Geschichtswissenschaft, Vandenhoeck & Ruprecht, Geschichte und Gesellschaft 11. Jahrg., H. 3, 1985, S. 377–396, S. 377
  199. Beerdigung nach 200 Jahren. Artikel vom 17. August 2011 im Portal deutschlandfunk.de, abgerufen am 16 März 2021
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