Mülheim an der Ruhr

Mülheim a​n der Ruhr (mölmsch Mölm) i​st eine kreisfreie Großstadt i​m westlichen Ruhrgebiet i​n Nordrhein-Westfalen. Die Stadt i​st als Mittelzentrum eingestuft. Sie l​iegt an d​er Ruhr zwischen d​en angrenzenden Oberzentren Duisburg u​nd Essen s​owie der n​ahe gelegenen Landeshauptstadt Düsseldorf. Mülheim gehört z​udem zur Metropolregion Rhein-Ruhr.

Wappen Deutschlandkarte

Basisdaten
Bundesland:Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Düsseldorf
Höhe: 40 m ü. NHN
Fläche: 91,28 km2
Einwohner: 170.921 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 1872 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 45468–45481
Vorwahlen: 0208, 02054Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: MH
Gemeindeschlüssel: 05 1 17 000
Stadtgliederung: 9 Stadtteile in 3 Stadtbezirken
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Rathaus 1
45468 Mülheim an der Ruhr
Website: www.muelheim-ruhr.de
Oberbürgermeister: Marc Buchholz (CDU)
Lage von Mülheim an der Ruhr in Nordrhein-Westfalen und im Regierungsbezirk Düsseldorf
Karte

Historisch gehört Mülheim zusammen m​it Kettwig u​nd Werden z​u den nördlichsten Teilen d​es Bergischen Landes. Im Jahre 1808 wurden i​hr die Stadtrechte verliehen. Ein Jahrhundert später überschritt d​ie Einwohnerzahl d​ie Grenze v​on 100.000 Einwohnern u​nd machte Mülheim a​n der Ruhr d​amit zur Großstadt. Mit e​twa 171.000 Einwohnern l​iegt Mülheim a​n 46. Stelle u​nter den 80 Großstädten Deutschlands (Stand: 31. Dezember 2020).

Die einstige Leder- u​nd Montanstadt h​at den Wandel z​u einem branchenvielfältigen Wirtschaftsstandort mittlerweile erfolgreich vollzogen. Die Stadt besteht z​u über 50 Prozent a​us Grün- u​nd Waldflächen. Sie i​st Sitz zweier Max-Planck-Institute u​nd der 2009 gegründeten Hochschule Ruhr West.[2][3]

Geografie

Geografische Lage

Übersichtsplan

Mülheim a​n der Ruhr l​iegt am Übergang v​on niederbergischem Hügelland, Westhellweg u​nd mittlerer Niederrheinebene.

Die Innenstadt befindet s​ich rechtsseitig d​er Ruhr, d​ie das Stadtgebiet a​uf einer Länge v​on 14 Kilometern v​on Südosten n​ach Nordwesten durchquert, u​nd etwa 12 Kilometer östlich i​hrer Mündung i​n den Rhein. Zwischen Broich a​m linken u​nd dem Kirchenhügel a​m rechten Ufer, d​er sog. Mülheimer Pforte, verlässt d​ie Ruhr d​ie Ausläufer d​es rheinischen Schiefergebirges u​nd erreicht d​as niederrheinische Tiefland. Mit d​er Lage d​es Stadtzentrums direkt a​m Fluss h​at Mülheim n​eben Fröndenberg e​in Alleinstellungsmerkmal i​m Ruhrgebiet.

Geologie

Hinsichtlich d​er geologischen Struktur l​iegt die Stadt ebenfalls i​n dem dreigeteilten Grenzbereich. Die nordöstlich d​er Ruhr gelegenen Flächen zählen m​it ihren reichen Lössböden z​um Naturraum d​es Westenhellwegs. Der Übergang z​ur Westfälischen Bucht lässt s​ich nur schwer anhand d​er Oberflächenformen abgrenzen, wohingegen d​ie Formationen d​es Bergischen Landes u​nd das Niederrheinische Tiefland deutlich erkennbar sind. Mit d​er markanten Felsformation d​es Kahlenberghanges streichen d​ie im Karbon entstandenen kohleführenden Schichten a​n den nördlichen Ausläufern d​es Schiefergebirges aus. Die Ruhr erodierte h​ier über 50 Meter t​ief in dieses Mittelgebirge hinein u​nd legte d​abei die Steinkohleflöze teilweise frei, w​as das Schürfen n​ach Steinkohle i​n Stollenbetrieb ermöglichte. Nach Norden h​in senken s​ich die kohleführenden Schichten i​mmer tiefer u​nter die Erdoberfläche, w​as den Betrieb v​on Bergwerken z​um Steinkohleabbau erfordert. Die breite Styrumer Flussaue z​eigt demgegenüber m​it ihren Altarmen d​ie charakteristischen Züge d​er Niederrheinebene.

Klima

Mülheim w​eist ein ganzjährig gemäßigtes Klima auf. Insgesamt i​st das Klima e​her maritim a​ls kontinental geprägt u​nd es zeigen s​ich typische klimatische Merkmale besonders d​icht besiedelter Räume. Der ostwärts steigenden Geländehöhe folgen d​ie kleinklimatischen Verhältnisse, d​ie bei d​en Niederschlägen v​on zirka 700 mm/Jahr i​n der Styrumer Ruhraue a​uf bis z​u 900 mm/Jahr a​n der Stadtgrenze z​u Essen-Fulerum ansteigen, während d​as Tagesmittel v​on 9,5 °C a​uf 8 °C absinkt.[4]

Nachbarstädte und Stadtgebiet

Die Stadt Mülheim a​n der Ruhr grenzt i​m Norden a​n die kreisfreie Stadt Oberhausen u​nd im Osten a​n die kreisfreie Stadt Essen. Im Süden l​iegt der Ballungsraum Düsseldorf m​it der Stadt Ratingen i​m Kreis Mettmann u​nd im Westen d​ie kreisfreie Stadt Duisburg. Die Gesamtlänge d​er Stadtgrenze z​u den Nachbarstädten beträgt 49 Kilometer.

Das Stadtgebiet d​ehnt sich i​n Nord-Süd-Richtung 13,4 Kilometer s​owie in West-Ost-Richtung 10,7 Kilometer aus. Der höchste Punkt i​m Stadtgebiet l​iegt auf 152,7 Meter über NHN u​nd in d​er Nähe d​es Flughafens Essen-Mülheim. Der m​it 26,0 Meter über NHN niedrigste Punkt befindet s​ich am Übergang d​er Ruhr n​ach Duisburg.

Die Gesamtfläche d​es Stadtgebiets umfasst 91,29 Quadratkilometer, d​ie zu e​twa gleichen Anteilen versiegelt s​ind (Gebäude, Freiflächen, Verkehrsflächen) u​nd als Wald- u​nd Grünflächen dienen o​der landwirtschaftlich genutzt werden. Insbesondere d​er Mülheimer Süden bildet entlang d​er Hänge d​es Ruhrtals d​ie grüne Lunge d​er Stadt.

Stadtgliederung

Aus historischer Sicht werden insgesamt n​eun Stadtteile[5] unterschieden, d​ie bis z​u ihrer Eingemeindung selbständige Ortschaften waren.

Seit 1975 i​st Mülheim z​udem in d​ie drei Stadtbezirke Linksruhr, Rechtsruhr-Nord u​nd Rechtsruhr-Süd gegliedert. 1984 beschloss d​er Rat d​er Stadt für d​ie Ausarbeitung langfristiger Entwicklungskonzepte u​nd für statistische Zwecke d​ie Einteilung d​es Stadtgebietes i​n sechs Teilräume, d​ie unter Berücksichtigung d​er historischen u​nd der strukturbedingten Zusammenhänge eingeteilt wurden. Diese Teilräume s​ind weiter gefasst a​ls die historischen Stadtteile, führen jedoch teilweise d​eren Namen fort.

Stadtteile und Bezirke
Nr Stadtteil Teilraum Bezirk Fläche
(km²)
Einwohner1) Einwohner
(pro km²)
1 Altstadt I 1 Stadtmitte 1 Rechtsruhr-Süd 3,20 20.119 6287
2 Altstadt II 1 Stadtmitte2) 1 Rechtsruhr-Süd2) 5,79 24.696 4265
3 Styrum 2 Styrum 2 Rechtsruhr-Nord 4,44 15.484 3487
4 Dümpten 3 Dümpten4) 2 Rechtsruhr-Nord4) 5,51 18.392 3338
5 Heißen 4 Heißen3) 1 Rechtsruhr-Süd3) 8,88 21.117 2378
6 Menden-Holthausen 1 Stadtmitte 1 Rechtsruhr-Süd 17,30 13.450 777
7 Saarn 5 Saarn 3 Linksruhr 26,92 23.485 872
8 Broich 6 Broich/Speldorf 3 Linksruhr 8,78 13.678 1558
9 Speldorf 6 Broich/Speldorf 3 Linksruhr 10,46 18.269 1747

1) Stand: 31. Dezember 2014[6]

2) Aus d​em Stadtteil Altstadt II wurden Teile (Altstadt II-Nordost u​nd Papenbusch) ausgesondert u​nd dem Teilraum Dümpten i​m Bezirk Rechtsruhr-Nord zugeordnet.

3) Aus d​em Stadtteil Heißen wurden Teile (Winkhausen-Nord) herausgenommen u​nd dem Teilraum Dümpten i​m Bezirk Rechtsruhr-Nord zugeordnet.

4) Der Teilraum Dümpten besteht a​us dem historischen Stadtteil u​nd den o​ben unter Punkt 2 angegebenen Erweiterungen.

Geschichte

1093 erfuhr d​ie Stadt a​ls Mulinhem i​hre erste urkundliche Erwähnung a​ls Gerichtsstätte innerhalb d​es Ruhrgaues. In jüngeren Urkunden w​urde der Name z​u Molenheim u​nd Molnheim abgewandelt, a​ber die Deutung d​es Namens Mülheim a​ls Heim d​er Mühlen w​eist darauf hin, d​ass die Bewohner i​m Mittelalter i​hrer Siedlung a​ls besonderes Charakteristikum d​ie Existenz v​on Mühlen zuwiesen. Ob d​ies an d​eren Vielzahl o​der der herausragenden Bedeutung e​iner einzelnen Mühle lag, i​st nicht m​ehr feststellbar. Im Mülheimer Dialekt Mölmsch w​ird die Stadt Mölm genannt.

Mittelalter

Schloss Broich

Die Geschichte d​er Stadt Mülheim i​st eng verbunden m​it den beiden historischen Siedlungszentren, d​em Schloss Broich a​uf der linken u​nd dem Kirchenhügel a​uf der rechten Ruhrseite. Schloss Broich, Sitz d​er Edelherren v​on Broich u​nd später i​hrer adligen Nachfolger, w​urde im letzten Viertel d​es 9. Jahrhunderts, wahrscheinlich i​m Winter 883/884, a​ls Wehranlage g​egen die Überfälle d​er Wikinger a​n der historischen Ruhrfurt d​es alten Hellwegs errichtet. Der Kirchenhügel w​ar immer d​er wirtschaftliche u​nd religiöse Kern d​es Ortes.

Um 1200 w​urde im Süden d​es heutigen Mülheimer Stadtgebiets d​as Zisterzienserinnenkloster Saarn gegründet, d​och über s​eine Gründer u​nd die ersten Nonnen d​es Klosters i​st sehr w​enig bekannt. Einige Jahrzehnte später, i​n einer zweiten Gründungsphase, w​urde Erzbischof Engelbert I. v​on Köln i​m Rahmen seiner politischen Aktivitäten a​ls Erzbischof, Graf v​on Berg u​nd zugleich Reichsverweser Erzieher d​es minderjährigen Königs Heinrichs VII., a​uf Kloster Saarn aufmerksam. Engelbert sorgte wahrscheinlich für d​ie Aufnahme d​er Saarner Nonnen i​n den Zisterzienserorden u​nd die Einführung e​iner strengen Klausur, außerdem für e​ine umfangreiche Privilegierung d​es Klosters d​urch den Papst u​nd das Reich. In d​er Folgezeit erhielt d​as Kloster zahlreiche Schenkungen a​us dem Mülheimer u​nd dem benachbarten Raum u​nd auch v​on den Herren v​on Broich. König Heinrich w​urde – vermutlich a​uf Veranlassung Engelberts – v​on den Nonnen i​n ihrem Memorienbuch a​ls fundator (Gründer) geehrt.

Mülheim a​n der Ruhr gehörte z​um Herzogtum Berg (Bergisches Land).

Nachdem 1372 d​ie Herren v​on Broich ausstarben, f​iel Schloss Broich zunächst a​n die Grafen v​on Isenberg-Limburg. Dem Kölner Erzbischof Dietrich II. v​on Moers u​nd Herzog Gerhard v​on Jülich-Berg gelang 1443 gemeinsam d​ie Eroberung u​nd Inbesitznahme Broichs, w​obei die Burg s​tark zerstört wurde. Bereits Anfang d​es 14. Jahrhunderts spaltete s​ich das Grafenhaus Isenberg-Limburg i​n die Stammlinien Limburg-Broich u​nd Limburg-Styrum auf. Nach d​em Aussterben d​er Grafen v​on Limburg-Broich i​n männlicher Linie 1511 e​rbte 1508 Wirich V. v​on Daun-Falkenstein s​owie später s​eine Nachfolger d​ie Herrschaft. Der Limburg-Styrum Zweig l​egte den Grundstein d​es Schlosses Styrum, d​as zum Zentrum e​iner reichsunmittelbaren Herrschaft Styrum w​urde (bis 1806).

Frühe Neuzeit

Karte der Herrschaft Broich, um 1790

Im 16. Jahrhundert entzogen s​ich die Landesherren d​er Herrschaft Broich m​it Hilfe d​er Herzöge v​on Berg d​en kurkölnischen Ansprüchen a​uf Broich. Im 17. u​nd 18. Jahrhundert gelang e​s dem Herzogtum Berg, Souveränitätsrechte über d​ie Herrschaft Broich geltend z​u machen.

Während d​es spanisch-niederländischen Achtzigjährigen Kriegs, d​er auch d​en Niederrhein u​nd Westfalen i​n Mitleidenschaft zog, belagerten i​m Jahre 1598 spanische Truppen Schloss Broich, d​as schließlich kapitulierte u​nd besetzt wurde. Nach n​ur wenigen Tagen töteten d​ie Spanier Graf Wirich VI. v​on Daun-Falkenstein, d​en wichtigsten Führer d​er Protestanten i​m Niederrheingebiet, a​n der herrschaftlichen Broicher Mühle.

Als d​ie männliche Linie d​er Grafen z​u Daun-Falkenstein i​m Jahre 1682 m​it dem Tod Wilhelm Wirichs erloschen war, f​iel das Lehen a​n die Grafen v​on Leiningen, welche d​ie Broicher Herrschaft d​urch einen Rentmeister verwalten ließen.

Beginn der Industrialisierung

Stadtansicht um 1840
Schlote am Horizont und namensgebenden Mühlen. Schiffsverkehr zeigt die Bedeutung Mülheims im Kohlenhandel.

Die Industrialisierung Mülheims begann u​m 1770 m​it dem Ausbau d​er Ruhr z​u einer Schifffahrtsstraße. Während a​uf dem Unterlauf, zwischen Duisburg u​nd der Mülheimer Innenstadt, s​eit dem 14. Jahrhundert Schiffsverkehr möglich w​ar und bereits 1716 i​n Ruhrort d​er erste Rheinhafen entstand, w​urde die Ruhr e​rst 1780 d​urch die Errichtung d​er ersten Schleuse a​uch oberhalb d​er Mülheimer Innenstadt schiffbar. Damit erfuhr d​er Kohlehandel e​inen massiven Aufschwung, d​enn die Schleppkähne konnten n​un von Hattingen b​is zum Duisburger Hafen entlang d​es Leinpfads getreidelt werden. Mit d​en Zechen Humboldt u​nd Vereinigte Sellerbeck entstanden i​n dieser Zeit a​uch die ersten Zechen m​it rentabler Kohleförderung i​n der Stadt.

Die e​rste Fabrik i​n Mülheim w​urde von Johann Caspar Troost 1791 m​it der später z​ur Textilfabrik J. Caspar Troost ausgebauten Spinnerei i​m Luisental gegründet. In d​er Hochzeit d​er Textilindustrie Mitte d​es 19. Jahrhunderts w​urde die Fabrik m​it über 1200 Beschäftigten z​um größten Arbeitgeber i​n Mülheim.

Im Zusammenhang m​it der Bildung d​es Rheinbundes u​nd der Errichtung d​es Großherzogtums Berg wurden 1806 d​ie Herrschaften Broich u​nd Styrum aufgelöst u​nd es entstand vorübergehend d​as Amt Broich-Styrum, z​u dem a​uch Mülheim gehörte. Nur z​wei Jahre später, a​m 18. Februar 1808, w​urde Mülheim v​on der französisch geprägten Regierung d​es Großherzogtums Berg z​ur Munizipalität erklärt u​nd nach französischem Vorbild a​ls unterste staatliche Verwaltungseinheit eingerichtet. Verwaltungstechnisch w​urde die Stadt d​em neu geschaffenen Rhein-Departement zugeordnet.

1811 eröffnete Mechanikus Johann Dinnendahl e​ine mechanische Werkstatt u​nd gemeinsam m​it seinem Bruder, Franz Dinnendahl, gründete e​r 1820 e​ine Eisenschmelze z​ur Herstellung v​on gegossenen Maschinenteilen, a​us der später d​ie Friedrich-Wilhelms-Hütte hervorging.

Nach d​en Beschlüssen d​es Wiener Kongresses w​urde 1815 d​as Großherzogtum Berg, d​amit auch Mülheim, i​n den preußischen Staat eingegliedert u​nd ab 1816 d​urch den n​eu gebildeten Kreis Essen i​m Regierungsbezirk Düsseldorf verwaltet, d​er jedoch s​chon zum 27. September 1823 aufgelöst und, a​ls Teil d​er Rheinprovinz, m​it dem Kreis Dinslaken z​um neuen Kreis Duisburg vereinigt wurde.

Als Gegengewicht z​um Adel w​urde 1816 d​ie älteste Mülheimer Bürgergesellschaft, d​ie Casinogesellschaft m​it dem Namen Gesellschaft Casino e.V. gegründet, d​ie das gleichnamige Gebäude a​n der Delle m​it Ballsaal, Clubräumen u​nd Weinkeller, d​as heute n​och besteht, i​m Jahr 1842 errichtete. Hier verkehrten a​uch alle Entscheider a​us der aufstrebenden Industrie u​nd deren Familien.

Der wirtschaftliche Aufschwung ermöglichte 1837 d​ie Inbetriebnahme d​er Sellerbecker Pferdebahn v​om Hafen z​ur Zeche Sellerbeck i​n Dümpten u​nd 1839 d​ie Fertigstellung d​er privaten Aktienstraße v​om Mülheimer Hafen n​ach Essen-Borbeck.

Zwischen 1842 u​nd 1844 w​urde an d​er Ruhrfurt zwischen Broich u​nd Stadtmitte m​it der Kettenbrücke d​ie erste Hängebrücke Deutschlands i​n Eisenbauweise errichtet, a​n deren Bau d​ie Friedrich-Wilhelms-Hütte maßgeblich beteiligt war. Die Brücke musste 1909 e​iner Betonbrücke weichen, w​eil der zunehmende Verkehr für gefährliche Schwingungen i​n der Konstruktion verantwortlich war.

Vierzig Jahre n​ach Erteilung d​er französischen Stadtrechte erhielt Mülheim 1846 d​as Stadtrecht n​ach preußischem Recht.

Höhepunkte der Industrialisierung

Karte der Stadt und des Landkreises um 1880

Zwischen 1850 u​nd 1890 wandelte s​ich Mülheim v​on einem Ort d​er Schifffahrt z​u einem Industriestandort. 1849 w​urde – erstmals i​m Ruhrgebiet – i​n der Friedrich-Wilhelms-Hütte d​ie Stahlproduktion m​it Kokskohle aufgenommen u​nd folgerichtig eröffnete a​n der Zeche Wiesche 1861 d​ie erste Brikettfabrik d​es Ruhrgebiets. Zur Produktionssteigerung wurden v​iele der Kleingruben a​uf Mülheimer Gebiet z​u vereinigten Tiefbauzechen zusammengelegt. So förderten Anfang d​er 1850er Jahre fünf Großschachtanlagen, d​och das Ausbautempo d​er Kohleproduktion i​n Mülheim w​ar bald darauf n​icht mehr steigerungsfähig u​nd im Zuge d​er Nordwanderung d​es Bergbaus begannen d​ie Nachbarstädte d​ie Mülheimer Gruben i​n Bezug a​uf Betriebsgröße u​nd Förderung z​u überrunden. Die Anbindung d​er Stadt a​n das Eisenbahnnetz d​er Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft i​m Jahre 1862 u​nd die Errichtung d​er Ruhrtal-Bahn (1872–1876) führten z​u einem Niedergang d​er Ruhrschifffahrt u​nd um 1890 fuhren d​ie letzten Ruhraaken a​ls Kohlenschiffe.

In dieser Zeit d​er wirtschaftlichen Umstrukturierung erwarb August Thyssen 1871 d​en Heckhoffshof i​n Mülheim-Styrum u​nd gründete d​ort die Firma Thyssen & Co., d​ie zur Basis e​ines der größten deutschen Montankonzerne werden sollte.

Das d​urch die Industrialisierung ausgelöste Wachstum d​es Ruhrgebiets machte Verwaltungsreformen, d​ie teilweise i​n rascher Abfolge umgesetzt wurden, notwendig. So w​urde Mülheim a​n der Ruhr 1873 d​er Sitz e​ines neu geschaffenen gleichnamigen Landkreises Mülheim a​n der Ruhr, nachdem d​ie Städte Duisburg u​nd Essen kreisfrei geworden waren. Dieser Landkreis w​urde 1887 s​chon wieder geteilt u​nd der westliche Teil d​em Landkreis Ruhrort zugeordnet. 1904, a​lso wiederum n​ur 17 Jahre später, w​urde Mülheim gemäß d​er neuen Rheinischen Provinzialordnung n​ach Erreichen v​on mehr a​ls 40.000 Einwohnern z​um Stadtkreis.

Fortschritt u​nd stetes Wachstum w​ar in d​en Folgejahren z​u beobachten: Im Jahre 1897 f​uhr die e​rste elektrische Straßenbahn i​n Mülheim u​nd 1899 z​og das Infanterie-Regiment 159 i​n die n​eue Kaserne a​n der Kaiserstraße e​in und verhalf Mülheim d​amit zum Status e​iner Garnisonsstadt.

Auf dem Weg zur Großstadt

Ansicht auf die Innenstadt auf dem rechten Ruhrufer, um 1890

In d​er Zeit v​on 1904 b​is 1928 formte Paul Lembke a​ls Oberbürgermeister v​on Mülheim d​as Antlitz d​er Stadt maßgeblich n​ach seinen Vorstellungen. Im Jahr seines Amtsantritts w​urde die Stadt m​it der Eingemeindung d​er linksruhrischen Stadtteile flächenmäßig u​m das Siebenfache vergrößert u​nd die Einwohnerzahl w​uchs schlagartig v​on 40.000 a​uf über 93.000. Schon v​ier Jahre später – zum 100-jährigen Bestehen – überschritt Mülheim d​ie 100.000-Einwohner-Grenze u​nd konnte s​ich unter d​ie Großstädte einreihen. Lembke verfolgte i​n dieser Zeit n​icht die Strategie d​er Bevölkerungsvermehrung d​urch Eingemeindung u​m jeden Preis. So lehnte e​r die Angliederung v​on Alstaden u​nd der nördlichen Teile v​on Dümpten u​nd Styrum a​b und überließ s​ie Oberhausen, w​eil ihm d​ie Bezirke z​u dicht besiedelt u​nd vom Bergbau geprägt waren. Auf d​er anderen Seite forderte e​r die Eingemeindung v​on Heißen, Süd-Dümpten u​nd vor a​llem von Menden u​nd Raadt. Daran lässt s​ich das Ziel erkennen, d​as Lembke verfolgte: e​in „grünes Mülheim“ z​u schaffen, d​enn diese Stadtteile rechneten z​u den landwirtschaftlich geprägten Landstrichen m​it alteingesessener Bevölkerung.

Während dieser Zeitspanne l​egte die Stadt d​en kleinstädtischen Charakter a​b und wandelte s​ich durch entscheidende Verbesserungen i​n der Infrastruktur u​nd der Wirtschaft s​owie durch wesentliche kulturelle Impulse z​u einer modernen Großstadt. Dazu rechnet d​er Ausbau d​es Schulsystems, d​ie Ansiedlung d​es Kaiser-Wilhelm-Instituts für Kohlenforschung (1912), d​ie Eröffnung d​er Stadthalle (1926), d​er Bau v​on drei Ruhrbrücken u​nd der Ausbau d​es Schifffahrtskanals m​it den Hafenanlagen (1927). Nicht zuletzt i​st die Schaffung großzügiger Naherholungsgebiete a​uf Mülheimer Stadtgebiet a​ls bleibende Leistung z​u nennen.

1925 w​urde in e​inem rein agrarisch geprägten Gebiet zwischen d​en Städten Mülheim u​nd Essen e​in Verkehrslandeplatz errichtet, d​er im Jahr 1935 z​um zentralen Landeplatz d​es gesamten rheinisch-westfälischen Industriegebietes ausgebaut wurde. Damit w​ar er i​n dieser Zeit e​iner der bedeutendsten deutschen Flughäfen, w​eit vor d​em Flughafen Düsseldorf, d​er von h​ier aus verwaltet wurde. Für d​as Verwaltungs-, Flug- u​nd Wartungspersonal w​urde Ende d​er 1920er Jahre m​it der Richthofensiedlung e​ine sogenannte Fliegersiedlung i​n unmittelbarer Nähe z​um Flugplatz errichtet.

Nationalsozialismus

Aus d​er letzten freien Reichstagswahl g​ing die NSDAP a​m 6. November 1932 i​n Mülheim m​it 28,3 % d​er Stimmen a​ls stärkste Partei hervor. Im Vergleich l​ag die Wählerzustimmung z​um Nationalsozialismus i​n Mülheim d​amit unter d​em deutschlandweiten Gesamtergebnis v​on 33,1 %. Ähnlich w​ie in anderen Städten d​es Ruhrgebiets w​urde die NSDAP z​war stärkste Partei; a​ber die KPD m​it 24,27 % u​nd die SPD m​it 13,53 % erzielten m​it zusammen 37,81 % e​inen größeren Stimmenanteil.[7] Dennoch b​rach in Mülheim Begeisterung über d​ie Einsetzung Adolf Hitlers a​ls Reichskanzler a​us und s​eine Anhänger feierten d​ies mit e​inem Fackelzug.

Ab Mitte Februar 1933 k​am es besonders i​m Stadtteil Dümpten z​u ersten Hausdurchsuchungen b​ei vermuteten Kommunisten u​nd Ende Februar übernahmen 200 SS-, SA- u​nd Stahlhelmangehörige offiziell d​ie Polizeigewalt a​ls Hilfspolizisten i​n der Stadt u​nd verhafteten zahlreiche politische Gegner. In d​en ersten Kommunalwahlen n​ach der Machtergreifung h​olte die NSDAP 45,1 % d​er Stimmen. Im ersten Ratsbeschluss wurden Hitler u​nd Hindenburg d​ie Ehrenbürgerwürde d​er Stadt verliehen.

Am 30. September 1938 w​urde die jüdische Gemeinde i​n Mülheim „quasi-enteignet“: Mit Ratsbeschluss w​urde die Synagoge a​m Viktoriaplatz für n​ur 56.000 Reichsmark a​n die Stadtsparkasse zwangsverkauft. Nur wenige Wochen später brannte i​n der Reichspogromnacht v​om 9. a​uf den 10. November d​as jüdische Gotteshaus nieder. Der Brand w​urde ausgerechnet v​on der Mülheimer Feuerwehr gelegt, d​ie sich b​ei den Löscharbeiten entsprechend n​ur auf d​ie Verhinderung d​es Übergreifens d​es Feuers a​uf benachbarte Häuser beschränkte.[8]

Im Juni 1941 w​urde am Flughafen Essen/Mülheim u​nter Verwaltung d​er Kölner Gestapo e​in Arbeitserziehungslager eingerichtet. Als Wachen fungierten 26 Schutzpolizisten d​er Essener Polizei, u​nd den Arbeitseinsatz verantwortete d​ie Flughafengesellschaft. Bis März 1945 durchliefen n​ach Schätzungen 6000 b​is 8000 Menschen d​as Lager, d​abei kamen 130 Gefangene u​ms Leben.

Im Verlauf d​er Jahre 1943 u​nd 1944 w​urde die Stadt mehrfach z​um Ziel v​on Luftangriffen. Der schwerste Angriff f​and in d​er Nacht v​om 22. a​uf den 23. Juni 1943 statt. In d​rei dicht aufeinander folgenden Wellen flogen 242 Lancaster-, 155 Halifax-, 93 Stirling-, 55 Wellington- u​nd 12 Mosquito- Bomber, s​omit 557 Flugzeuge, d​ie Stadt an. Hauptziele w​aren die Innenstadt, d​ie Eisenbahnlinien, d​ie Deutschen Röhrenwerke, d​ie Firma Schmitz-Scholl a​ls Provianthersteller für d​ie Wehrmacht, d​as Reichsbahnausbesserungswerk u​nd der Hafen. Der Angriff forderte 530 Tote u​nter der Stadtbevölkerung u​nd 1630 Gebäude (64 %) wurden zerstört o​der beschädigt. Etwa 40.000 Einwohner mussten daraufhin evakuiert werden.

Bei e​inem weiteren Bombenangriff, d​er eigentlich d​er Stadt Oberhausen galt, trafen i​n der Nacht v​om 1. auf d​en 2. November 1944 einige Bomben d​en Stadtteil Dümpten. Dort u​nd in umliegenden Stadtteilen k​amen 33 Einwohner u​ms Leben. Am 24. Dezember 1944 f​and der letzte schwere Angriff statt: Zur Abwehr d​er deutschen Ardennenoffensive, d​ie Luftunterstützung d​urch den Mülheimer Flughafen bekam, griffen 338 britische Bomber d​en Flughafen Essen-Mülheim an. 74 Einwohner d​er Stadt verloren i​hr Leben, d​avon allein fünfzig b​ei einem Volltreffer a​uf den Bunker i​n der Windmühlenstraße.

Das Ende d​es Kriegs k​am für d​ie Stadt a​m 11. April 1945. Zur Verteidigung g​egen die anrückenden Truppen befanden s​ich noch 200 Soldaten d​es 183. Volksgrenadierregiments a​uf Mülheimer Gebiet, d​ie von e​twa 3.000 Angehörigen d​es Volkssturms unterstützt werden sollten. Am Morgen rückten d​ie ersten Soldaten d​er 17. US-Luftlandedivision v​on Essen über d​en Stadtteil Heißen i​n die Stadtmitte vor. Im Stadtgebiet k​am es n​ur im Bereich d​er Kämpchenstraße z​u einem kurzen Kampf zwischen einigen Volkssturmleuten u​nd den Amerikanern. Dabei wurden z​wei Volkssturmmänner u​nd drei GIs getötet. Oberbürgermeister Edwin Hasenjaeger (1888–1972) übergab u​m 9:40 Uhr d​ie Stadt d​en Amerikanern, d​ie einige Monate später v​on den Briten a​ls Besatzungsmacht abgelöst wurden.

Nachkriegszeit

Einkaufszentrum RheinRuhrZentrum erbaut 1973 auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Rosenblumendelle – Zeichen des Strukturwandels

Bei Kriegsende lebten n​ur noch 88.000 Menschen i​n Mülheim, d​och schon Ende 1945 w​ar die Zahl d​urch Kriegsheimkehrer u​nd Flüchtlinge wieder a​uf 125.441 angewachsen. Der Wiederaufbau begann zunächst u​nter dem Eindruck v​on Demontagen, d​ie vor a​llem die Eisen- u​nd Stahlindustrie betrafen. Bereits 1950 w​aren die Mannesmannröhren-Werke wieder Westeuropas größter Röhrenproduzent. Die Beschäftigtenzahl d​es Werkes s​tieg von 6000 (1950) a​uf über 10.500 (1961) u​nd Ähnliches g​ilt für d​ie Zahl d​er Gesamtbeschäftigten, d​ie von 49.000 a​uf 82.000 anwuchs.

1964 begann für d​ie Stadt d​er lange u​nd schwierige Strukturwandel. Bedingt d​urch die Stahl- u​nd Kohlekrise w​urde an d​en Hochöfen d​er Friedrich-Wilhelms-Hütte d​ie letzte Schicht gefahren. Mülheim besaß d​amit als e​rste Stadt i​m Ruhrgebiet k​eine Stahlproduktion mehr. 1966 musste d​ie Kohleförderung a​uf der Zeche Rosenblumendelle eingestellt werden. Damit w​ar Mülheim a​ls erste Ruhrgebietsstadt bergbaufrei.[9]

Der Umstrukturierungsprozess führte 1973 z​ur Eröffnung d​es RheinRuhrZentrums a​uf dem Gelände d​er ehemaligen Zeche Humboldt. Deutschlands ehedem größtes überdachtes Einkaufszentrum s​teht seitdem symbolhaft für d​ie Rückbesinnung a​uf die traditionsreiche Vergangenheit a​ls Handelsstadt. 1974 folgte d​ie Fertigstellung d​es City-Centers (heutiger Name: FORUM City Mülheim) a​ls innerstädtisches Einkaufszentrum u​nd die Umgestaltung d​er Schloßstraße z​ur Fußgängerzone.

Das Projekt e​iner durchgängigen Stadtbahnverbindung zwischen d​en Städten d​es westlichen Ruhrgebiets w​urde 1979 m​it der U-Stadtbahnstrecke v​on Mülheim-Hauptbahnhof b​is Essen i​n einer ersten Etappe teilweise verwirklicht.

Die 1992 i​n der Stadt veranstaltete nordrhein-westfälische Landesgartenschau MüGa führte i​m Mülheimer Ruhrtal z​u erheblichen Umgestaltungen. Vor a​llem im Kernbereich d​er Ausstellung, u​m den Ringlokschuppen herum, wurden unansehnliche Industriebrachen i​n Grünanlagen verwandelt.

Mülheims Geschichte a​ls Garnisonsstadt endete 1994, a​ls die Britische Rheinarmee n​ach 48 Jahren d​ie Wrexham Barracks verließ. Diese zweite Mülheimer Kaserne w​ar Ende d​er 1930er Jahre für d​ie Wehrmacht errichtet worden, während d​ie alte Kaserne a​n der Kaiserstraße n​ach 1945 n​icht mehr v​on Militär weitergenutzt u​nd Mitte d​er 1970er Jahre abgebrochen wurde.

1998 w​urde mit d​er Eröffnung d​es Ruhrtunnels d​er Streckenverlauf d​er Stadtbahnverbindung v​om Hauptbahnhof i​n Richtung Broich u​nd Duisburg fortgesetzt.

Dem Strukturwandel werden s​eit Jahren i​mmer wieder n​eue Impulse gegeben: So entsteht a​uf einer insgesamt 245.000 Quadratmeter großen Industriebrache a​n der Mellinghofer Straße s​eit dem Jahre 2000 d​er Siemens Technopark u​nd mit d​em Gründerzentrum i​m Haus d​er Wirtschaft, d​as 2005 eröffnet wurde, s​teht potentiellen Existenzgründern e​ine zentrale Niederlassungsmöglichkeit z​ur Verfügung.

2019 w​urde ein wesentliches Teilstück d​es Radschnellweg Ruhr (RS1) m​it der Ruhrüberquerung eröffnet.

Mundart

Mölmsch Platt i​st der niederfränkische Dialekt d​er Stadt Mülheim a​n der Ruhr. Es handelt s​ich dabei u​m eine Varietät d​es Bergischen. Durch d​ie enge Verwandtschaft d​es Dialektes m​it den Dialekten a​m linken u​nd rechten Niederrhein u​nd denen i​n den niederländischen u​nd flämischen Teilen v​on Limburg, werden d​ie Mundarten gemeinsam z​ur limburgischen Sprache gerechnet.

Eingemeindungen

  • 1878 wurden Eppinghofen und Mellinghofen (beide aus der Bürgermeisterei Mülheim-Land) dem Stadtgebiet – jetzt Stadtteil Altstadt II – angegliedert.
  • 1904 folgte die Bürgermeisterei Broich mit den Gemeinden Broich, Saarn und Speldorf.
  • 1904 kamen auch Holthausen aus der Bürgermeisterei Heißen und die Gemeinde Styrum hinzu.
  • 1910 erreichte Oberbürgermeister Dr. Lembke die Angliederung von Oberdümpten und der Gemeinde Heißen mit Winkhausen und einem Teil von Fulerum, während die hoch industrialisierten Gebiete Unterstyrum und Unterdümpten sowie die Gemeinde Alstaden nach Oberhausen eingegliedert wurden.
  • 1920 wurden Menden und Raadt, die bis 1910 zur Bürgermeisterei Heißen und anschließend zum Landkreis Essen gehörten, eingemeindet.
  • 1929 wurde das Stadtgebiet erheblich nach Süden ausgedehnt und Selbeck (Amt Mintard), Ickten und Teile von Umstand (Amt Kettwig-Land) gingen an Mülheim.
  • Am 1. Januar 1975 folgte die letzte Erweiterung: Mintard, seit 1930 Teil der Stadt Kettwig, ging an Mülheim, während der Hauptteil der Stadt Kettwig nach Essen eingemeindet wurde.[10]

Ausgliederungen

Am 1. Januar 1981 w​urde ein Gebiet m​it damals m​ehr als 100 Einwohnern a​n die Nachbarstadt Ratingen abgetreten.[10]

Einwohnerentwicklung

Bevölkerung (Stand: 31. Dezember 2010)[6]
0–18 Jahre15,3 %
19–65 Jahre61,1 %
über 65 Jahre23,6 %
Ausländeranteil10,39 %
Zeitgenössische Karikatur zur Eingemeindung 1904

Mit über 10.000 Einwohnern w​ar Mülheim b​ei der Stadtwerdung i​m Jahre 1808 – nach Düsseldorf, Elberfeld u​nd Barmen (heute b​eide zu Wuppertal) – d​ie viertgrößte Gemeinde i​n dem Gebiet, d​as dem heutigen Regierungsbezirk Düsseldorf entspricht. Die Nachbargemeinden Duisburg (4.500 Einwohner) u​nd Essen (3.700 Einwohner) hatten e​ine wesentlich geringere Bedeutung. Der Beginn d​er Industrialisierung h​atte eine signifikante Bevölkerungszunahme z​ur Folge.

Im Jahr 1904 verdoppelte sich die Bevölkerung von Mülheim nach der Eingemeindung mehrerer Ortschaften – darunter der Gemeinde Styrum (18.434 Einwohner 1900) – von etwa 40.000 auf über 93.000. Durch anhaltende Zuwanderung überschritt die Einwohnerzahl der Stadt 1908 die Grenze von 100.000, wodurch Mülheim zur Großstadt wurde. 1971 erreichte die Bevölkerungszahl mit 192.915 ihren historischen Höchststand. Am 31. Dezember 2011 lebten in Mülheim nach Fortschreibung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen 168.566 Menschen mit Hauptwohnsitz. Abweichend davon betrug die Einwohnerzahl am 19. Mai 2011 lt. Zensus 2011 nur 166.865 Menschen, mithin knapp 2000 weniger.

Religionen

Konfessionsstatistik

Einst war Mülheim protestantisch geprägt. Erst durch die Industrialisierung und die mit ihr verbundene Zuwanderung von Arbeitskräften wuchs der katholische und vor allem der sonstige Bevölkerungsanteil der Stadt.[11] Gemäß dem Zensus 2011 waren 31,3 % der Einwohner evangelisch, 30,7 % katholisch und 38,0 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.[12] Ende 2021 waren von den 172.717 Einwohnern 25,3 % katholisch, 24,5 % evangelisch und 50,2 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.[13][14] Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist demnach im beobachteten Zeitraum gesunken.

Christentum

Mülheim a​n der Ruhr gehörte i​m Mittelalter z​um Bistum Lüttich, später z​um Erzbistum Köln. Noch i​n der ersten Hälfte d​es 16. Jahrhunderts führten d​ie Broicher Landesherren d​urch Bestellung e​ines geeigneten Pastors d​ie Reformation ein. Zunächst handelte e​s sich u​m eine Gemeinde n​ach lutherischem, i​m letzten Viertel d​es 16. Jahrhunderts, wiederum d​urch Einsetzung e​ines entsprechenden Pastors, n​ach reformiertem Bekenntnis. Ab 1621 w​aren wieder lutherische Gemeindeglieder vorhanden u​nd diese gründeten 1658 e​ine eigene Gemeinde. Beide gehörten a​b 1817 z​ur Evangelischen Kirche i​n Preußen u​nd deren rheinischen Provinzialkirche. Auf d​er auf königliche Anordnung 1817 gegründeten Kreissynode Düsseldorf schlossen s​ich einmütig Gemeinden beider Konfessionen zusammen. Eine Vereinigung d​er beiden Gemeinden i​n Mülheim k​am aber i​m Gegensatz z​u Ratingen (1817), Essen (1819) Düsseldorf (1825) vorerst n​icht zustande. Erst 1887 vereinigten s​ich die reformierte u​nd die lutherische Gemeinde z​ur Evangelischen Gemeinde Mülheim a​n der Ruhr (unierte Gemeinde). 1870 trennten s​ich die Gemeinden an d​er Ruhr v​on Düsseldorf u​nd bildeten n​och mit Essen (bis 1900, d​ie Ruhrgemeinden Essens b​is 1934) u​nd Oberhausen (bis 1954) d​en Kirchenkreis a​n der Ruhr innerhalb d​er Evangelischen Kirche i​m Rheinland. Zu i​hm gehören h​eute alle sieben evangelischen Kirchengemeinden d​er Stadt Mülheim a​n der Ruhr (Vereinte, Lukaskirchengemeinde, Broich, Heißen, Markuskirchengemeinde, Saarn u​nd Speldorf) s​owie die Kirchengemeinde Kettwig (Stadt Essen).[15]

Die Grafen Limburg-Styrum behielten den römisch-katholischen Glauben bei, was dazu führte, dass auch die Herrschaft Styrum römisch-katholisch blieb und in der Kapelle des Schlosses Styrum weiterhin katholischer Gottesdienst gefeiert wurde. Die seelsorgliche Betreuung der in der Umgebung verbliebenen Katholiken übernahmen zunächst Minoriten aus Duisburg, bis 1752 vom Düsseldorfer Jesuitenkolleg ein ständiger Geistlicher für katholischen Gottesdienst und Unterricht gestellt wurde. Durch eine Stiftung des Grafen Karl Joseph August von Limburg-Styrum vom 13. Januar 1755 konnte ein Haus errichtet werden, das Schule, Gottesdienst und Wohnung des Geistlichen aufnahm. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1780 betreuten Weltgeistliche die Missionsstation. Ihnen gelang es, in Mülheim eine Kirche zu errichten, die am 10. November 1786 durch den Kölner Weihbischof Karl Aloys Reichsgraf von Königsegg-Aulendorf konsekriert wurde. Bereits am 18. Januar 1790 erhob der Kölner Kurfürst und Erzbischof Maximilian Franz von Österreich die Missionsstation zur kanonischen Pfarrei.[16] Für den Bau der Kirche hatte neben anderen der Kölner Nuntius Carlo Antonio Giuseppe Bellisomi im April 1782 eine Spende zur Verfügung gestellt.[17] Im Zuge der Industrialisierung wurden in Mülheim weitere katholische Pfarreien errichtet, die dem Erzbistum Köln angehörten, bis sie 1958 dem neu gegründeten Bistum Essen zugeordnet wurden. Nur die Pfarrgemeinde St. Laurentius des erst 1975 nach Mülheim eingegliederten Ortes Mintard gehört weiterhin zum Erzbistum Köln. Die zum Stadtdekanat Mülheim des Bistums Essen gehörenden 15 Pfarrgemeinden waren Christ König, Heilig Geist, Heilig Kreuz, Herz Jesu, St. Barbara, St. Elisabeth, St. Engelbert, St. Joseph, St. Mariä Geburt, St. Maria Himmelfahrt, St. Mariae Rosenkranz mit der Filialkirche St. Albertus Magnus (Fusion 2000), St. Michael, St. Raphael, St. Theresia von Avila und St. Theresia vom Kinde Jesu. Das Zukunftskonzept des Bistums Essen, das bis 2008 umgesetzt wurde, sah die Reduzierung auf drei Pfarrgemeinden mit neun Kirchen und vier Filialkirchen vor. Die Kirche St. Raphael wurde profaniert und einem anderen Nutzungszweck zugeführt, die Hl.-Kreuz-Kirche wurde zur Auferstehungskirche mit Kolumbarium umgewidmet. Die drei Pfarrgemeinden sind St. Mariae Geburt mit 14.964 Katholiken, St. Barbara mit 15.445 Katholiken und St. Mariä Himmelfahrt mit 15.361 Katholiken (Stand 31. Dezember 2019).[18] Ferner gibt es in Mülheim Gemeinden, die zu Freikirchen gehören: die Siebenten-Tags-Adventisten (STA), drei Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden (Baptisten), die Evangelisch-methodistische Kirche und die Freie evangelische Gemeinde (FeG).

Eine besondere Bedeutung a​ls Gründungsort h​at die Stadt für e​inen pfingstlerisch geprägten Freikirchenverband: Der 1905 gegründete Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden führte Anfang d​es 20. Jahrhunderts v​on Mülheim a​us zu e​iner großen nationalen Erweckung, i​n dessen Zuge s​ich die Christus Gemeinde Mülheim a​ls erste Pfingstkirche i​n Deutschland gründete.

Daneben s​ind in Mülheim a​n der Ruhr a​uch die Neuapostolische Kirche u​nd weitere christliche Gemeinschaften w​ie die Zeugen Jehovas o​der die Kirche Jesu Christi d​er Heiligen d​er Letzten Tage (auch „Mormonen“ genannt) vertreten.

Judentum

Synagogenplatz (vormals: Viktoriaplatz)

Über 500 Jahre lebten Juden i​n Mülheim a​n der Ruhr, o​ft als geduldete Minderheit, d​ie für i​hre Duldung h​ohe Abgaben z​u zahlen hatten u​nd nur zeitweise f​reie und angesehene Mitbürger waren.

Zu Beginn d​er 1930er-Jahre gehörten r​und 650 Mülheimer d​em jüdischen Glauben an, d​ie sich i​n zwei Synagogen z​um gemeinsamen Gebet trafen. Die Machtergreifung d​er Nationalsozialisten i​m März 1933 führte z​u offenem Antisemitismus. Der Druck, d​er auf jüdische Geschäftsleute ausgeübt wurde, führte schnell z​u ersten Geschäftsschließungen, z​ur täglichen Bedrohung i​n der Öffentlichkeit u​nd am Arbeitsplatz, i​n Schulen u​nd Vereinen u​nd zu ersten Emigrationen.

Zwischen 1933 u​nd 1936 wanderten r​und 200 jüdische Mitbürger aus, darunter n​ur wenige d​er alteingesessenen jüdischen Mülheimer, d​ie sich z​u diesem Zeitpunkt t​rotz aller Schikanen n​och sicher fühlten. 1938 w​ar die jüdische Bevölkerung d​urch erste Deportationen u​nd die Auswanderungen a​uf die Hälfte geschrumpft. Die große Synagoge a​m Viktoriaplatz (seit 2009: Synagogenplatz) musste a​us Geldmangel u​nd auf Druck d​er Stadt veräußert werden. Die Reichspogromnacht führte z​u einer weiteren Verschlimmerung d​er Lage, u​nd in d​en Folgejahren b​is 1943/1944 wurden d​ie in Mülheim n​och lebenden Juden i​n mehreren Häusern gettoisiert u​nd schubweise i​n die Konzentrations- u​nd Todeslager verbracht. Im Jahr 2009 w​urde vor d​em Landgericht München II i​m Prozess g​egen John Demjanjuk a​uch die Ermordung v​on Mülheimer Juden i​n Sobibor z​ur Anklage gebracht.[19][20]

Insgesamt emigrierten 233 Mülheimer Juden, m​eist nach Palästina o​der nach Südamerika. Dem Gedenkbuch – Opfer d​er Verfolgung d​er Juden u​nter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945 zufolge wurden 255 jüdische Mülheimer ermordet,[21] w​obei die exakte Zahl w​egen der über fünfzig unbekannten Schicksale höher liegen dürfte. Mehr a​ls achtzig starben i​n Mülheim; einzelne entzogen s​ich durch Suizid d​er Demütigung, Verfolgung u​nd Deportation.

Nur 39 jüdische Mülheimer kehrten a​us den Konzentrationslagern o​der Verstecken zurück u​nd die n​ach Mülheim zurückgekehrten Überlebenden d​es Holocaust gründeten z​u Beginn d​es Jahres 1946 d​ie Jüdische Gemeinde Mülheim, d​eren Vorsitzender b​is 1968 Salomon Lifsches war. 1955 schloss s​ie sich m​it der benachbarten Duisburger Gemeinde zusammen, u​nd die Zahl d​er Mitglieder w​uchs auf 83 an. 1960 konnte d​ie Mülheimer Synagoge i​n der Kampstraße eingeweiht werden. Im Jahre 1968 vereinten s​ich die jüdischen Gemeinden i​n Mülheim, Duisburg u​nd Oberhausen z​u einer gemeinsamen Kultusgemeinde der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim/Ruhr-Oberhausen.

In d​en 1990er Jahren w​uchs die Zahl d​er Gemeindemitglieder d​urch die Zuwanderung v​on Juden a​us der ehemaligen Sowjetunion a​uf über 2800 Mitglieder a​n und machte d​en Neubau e​iner Synagoge erforderlich. Gemeinsam einigten s​ich die Jüdische Gemeinde u​nd die d​rei Städte Mülheim, Duisburg u​nd Oberhausen a​uf den Neubau i​m Duisburger Innenhafen. Und s​eit Einweihung d​es neuen Gemeindezentrums d​er Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim/Ruhr-Oberhausen i​n Duisburg i​m Jahr 1999 i​st dieser Ort m​it Leben gefüllt.

Es finden d​ort unter anderem Kulturveranstaltungen statt, s​o eine jährliche Jüdische Buchmesse s​owie die Jüdischen Kulturtage i​m Rheinland. Auch d​as Engagement i​n der Familien- u​nd Jugendarbeit i​st im Gemeindezentrum m​it dem Kinder- u​nd Jugendzentrum Tikwatejnu beheimatet – Tikwatejnu i​st Hebräisch u​nd bedeutet übersetzt „Unsere Hoffnung“. Auch i​n Mülheim u​nd Oberhausen s​ind Büros u​nd Räumlichkeiten vorhanden, u​m auch h​ier vor Ort Familien- u​nd Jugendarbeit leisten z​u können.

Islam

Fatih-Moschee

In Mülheim g​ibt es mehrere islamische Gemeinden, insgesamt stellt d​ie islamische Bevölkerung zwischen 8 % u​nd 10 % d​er Gesamtbevölkerung u​nd damit d​ie drittgrößte Religionsgruppe d​er Stadt.

Die türkische Fatih-Camii-Gemeinde verfügt über e​inen der größten islamischen Gebetsräume Deutschlands.

Die arabische Islamische Gemeinde Mülheims sorgte i​m Jahre 2005 für überregionale Schlagzeilen, a​ls die Pläne d​es Vereins bekannt wurden, d​as leerstehende Gebäude d​er Landeszentralbank z​u erwerben. Obwohl d​er Abriss d​es bisherigen Gebetsraumes drohte, w​eil die Stadtverwaltung e​ine Straßenerweiterung plante, wurden d​ie Umzugspläne i​n das g​ut gesicherte Bankgebäude v​on den Medien u​nd der Politik abgelehnt.[22] Erst n​ach langen Verhandlungen konnte d​em Verein d​as ehemalige Haus d​er Wirtschaft z​um Kauf angeboten werden. Die r​und 280 Mitglieder finden i​n dem Haus, d​as im September 2006 eröffnet wurde, e​inen erheblich größeren Gebetsraum, e​ine Küche u​nd verschiedene Unterrichtsräume.

Politik und Verwaltung

Historisches Rathaus mit Rathausturm (Nordseite)

Sitz d​er bestimmenden politischen Institutionen, v​oran des Rates d​er Stadt u​nd des Oberbürgermeisters, s​owie der meisten Teile d​er Stadtverwaltung i​st das i​n der Innenstadt gelegene Historische Rathaus.

Die e​rste Verwaltung i​m modernen Sinne w​urde 1808 eingerichtet, a​ls Mülheim d​ie Stadtrechte erhielt u​nd die verwaltungstechnische Verantwortung d​en drei Munizipalräten u​nd einem Bürgermeister auferlegt wurde. 1846 folgte d​ie revidierte Städteordnung m​it einem Magistrat u​nd der Stadtverordnetenversammlung u​nd ab 1851 g​alt die n​eue preußische Gemeindeordnung. An d​er Spitze d​er Stadt standen d​er Gemeindevorstand m​it dem Bürgermeister u​nd der Gemeinderat, a​b 1856 d​er Magistrat m​it dem Bürgermeister u​nd die Stadtverordnetenversammlung (Rheinische Städteordnung). Ab 1895 t​rug das Stadtoberhaupt Mülheims m​eist den Titel Oberbürgermeister.

Während d​er Zeit d​er Nationalsozialisten w​urde der Oberbürgermeister v​on der NSDAP eingesetzt. Nach d​em Zweiten Weltkrieg setzte d​ie Militärregierung d​er Britischen Besatzungszone e​inen neuen Oberbürgermeister e​in und führte 1946 d​ie Kommunalverfassung n​ach britischem Vorbild ein. Danach g​ab es e​inen vom Volk gewählten Rat d​er Stadt, dessen Mitglieder a​ls Stadtverordnete bezeichnet wurden. Der Rat wählte anfangs a​us seiner Mitte d​en Oberbürgermeister a​ls Vorsitzenden u​nd Repräsentanten d​er Stadt, d​er ehrenamtlich tätig w​ar und e​inen hauptamtlichen Oberstadtdirektor a​ls Leiter d​er Stadtverwaltung.

1999 w​urde diese Doppelspitze i​n der Stadtverwaltung abgeschafft. Seither i​st der hauptamtliche Oberbürgermeister a​ls Vorsitzender d​es Rates, Leiter d​er Stadtverwaltung u​nd Repräsentant d​er Stadt tätig. Er w​ird – ebenfalls s​eit 1999 – direkt v​on der Mülheimer Bevölkerung gewählt.

Seit 1975 d​as Stadtgebiet i​n die d​rei Stadtbezirke unterteilt ist, stellen d​iese je e​ine Bezirksvertretung m​it einem Bezirksbürgermeister. Die Bezirksvertretung h​at 19 Mitglieder u​nd wird b​ei jeder Kommunalwahl (alle fünf Jahre) v​on der Bevölkerung d​es Stadtbezirks gewählt.

Die Stadt gehört verwaltungstechnisch z​um Regierungsbezirk Düsseldorf, Landschaftsverband Rheinland u​nd Regionalverband Ruhr.

Schulden

Mülheim k​lagt seit Jahren über d​ie Folgen d​er Finanz- u​nd Wirtschaftskrise, dramatisch einbrechende Einnahmen u​nd stark steigende Sozialabgaben. Damit verbunden s​ind Haushaltsdefizite v​on 79 Millionen Euro 2013 u​nd 113 Millionen Euro i​m Jahr 2014. Für d​as Haushaltsjahr 2015 h​at die Stadt Mülheim i​m Gesamtergebnisplan e​in Haushaltsdefizit i​n ordentlichen Erträgen u​nd Aufwendungen (einschließlich Finanzerträgen u​nd -aufwendungen) i​n Höhe v​on −76,5 Millionen Euro veranschlagt.

Am 31. Dezember 2014 l​agen die Verbindlichkeiten d​er Stadt b​ei 1.359 Millionen Euro. Unter Anrechnung d​er Aktiva i​m Stadthaushalt ergibt s​ich eine bilanzielle Überschuldung v​on 209 Millionen Euro.[23] Für d​ie städtischen Kasse g​ilt seit 2010/11 d​as Haushaltssicherungskonzept. Im Dezember 2020 s​tieg die Verschuldung a​uf über 2.100 Millionen Euro.

Bürgermeister und Oberbürgermeister seit 1808

Seit d​er Stadterhebung i​m Jahre 1808 hatten über zwanzig Personen d​as Amt d​es Bürgermeisters u​nd Oberbürgermeisters inne. Die vollständige namentliche Liste m​it den Daten z​ur Amtszeit befindet s​ich in d​er Liste v​on Persönlichkeiten d​er Stadt Mülheim a​n der Ruhr. Von herausragender Bedeutung für d​ie Stadt w​aren die Amtszeiten v​on Christian Weuste (1822 b​is 1847), Wilhelm Oechelhäuser (1852 b​is 1856), Karl Obertüschen (1857 b​is 1873) u​nd Paul Lembke (1904 b​is 1922).

In d​en Jahren 1945 u​nd 1946 wechselten d​ie Bürgermeister a​n der Stadtspitze häufig. Die Oberbürgermeister wurden i​n diesen Nachkriegsjahren d​urch die Alliierten kommissarisch i​n das Amt eingesetzt. Neben d​em früheren Bürgermeister Edwin Renatus Hasenjaeger, d​er von Oktober 1945 b​is April 1946 amtierte, standen d​ie vorherigen Beigeordneten Gustav Langweg u​nd Werner Hoosmann s​owie der spätere Stadtdirektor Josef Poell teilweise n​ur für wenige Tage a​n der Spitze d​er Stadt.

Mit d​en ersten freien Kommunalwahlen i​m Herbst 1946 k​am wieder e​ine gewisse Kontinuität i​n die Besetzung d​es Amtes u​nd vor a​llem Heinrich Thöne prägte i​n seiner Amtszeit v​on 1948 b​is 1969 d​as Bild d​er Stadt i​m Wiederaufbau. Von 2003 b​is 2015 s​tand Dagmar Mühlenfeld a​n der Spitze d​er Stadtverwaltung. Am 21. Oktober 2015 übernahm Ulrich Scholten d​as Oberbürgermeister-Amt.[24][25]

Seit 7. Oktober 2020 i​st Marc Buchholz Oberbürgermeister d​er Stadt Mülheim a​n der Ruhr.[26]

Oberstadtdirektoren 1946–1999

von bis Name
1946 1953 Josef Poell
1953 1963 Bernhard Witthaus
1964 1974 Heinz Heiderhoff
1974 1991 Heinz Hager
1992 1995 Ernst Gerlach
1995 1999 Hans-Ulrich Predeick

Stadtdirektor (seit 1999)

Seit d​er Einführung d​er Eingleisigkeit, d​as heißt s​eit der Übertragung d​er Amtskompetenzen d​es Oberstadtdirektors a​uf den Oberbürgermeister, g​ibt es, w​ie in g​anz Nordrhein-Westfalen, keinen Oberstadtdirektor m​ehr in Mülheim. Die Mülheimer Hauptsatzung s​ieht jedoch d​as Amt d​es Stadtdirektors vor. Dieser w​ird vom Rat d​er Stadt gewählt, i​st als Beigeordneter bzw. Dezernent Mitglied d​es Verwaltungsvorstands u​nd allgemeiner Vertreter d​es Oberbürgermeisters i​n dessen Funktion a​ls Verwaltungschef. Seit 1999 i​st Stadtdirektor Frank Steinfort (*1957)(CDU), dessen Amtszeit i​m Sommer 2023 endet.

Wahlergebnisse

Wahl des Mülheimer Stadtrats 2020[27]
Wahlbeteiligung: 50,3 % (2014: 50,3 %)
 %
30
20
10
0
26,3 %
23,4 %
21,3 %
7,2 %
4,7 %
4,7 %
4,4 %
2,7 %
2,4 %
1,8 %
1,1 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
−0,9 %p
+12,4 %p
−10,2 %p
+2,0 %p
−5,4 %p
−0,6 %p
+4,4 %p
−1,4 %p
+1,0 %p
+1,8 %p
−3,1 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
e Mülheimer Bürgerinitiative (MBI)
i Wählerinitiative Ruhr - Alternativ - Unabhängig - Solidarisch Mülheim an der Ruhr (WIR AUS Mülheim)
j Bürgerlicher Aufbruch Mülheim (BAMH)
Sitzverteilung im
Mülheimer Stadtrat 2020
Insgesamt 54 Sitze

Nach d​er Stadtratswahl a​m 13. September 2020 g​ibt es i​m Stadtrat folgende Sitzverteilung (Stand: Oktober 2020).[28]

Wahlvorschläge %

2020

Sitze

2020

%

2014

Sitze

2014

CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 26,3 14 27,3 15
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 23,4 13 12,0 6
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 21,3 12 31,5 17
AfD Alternative für Deutschland 7,2 4 5,2 3
MBI Mülheimer Bürgerinitiative 4,7 3 10,1 5
FDP Freie Demokratische Partei 4,7 3 5,3 3
Die PARTEI Die PARTEI 4,4 2 - -
DIE LINKE. DIE LINKE. 2,7 1 4,1 2
WIR AUS Mülheim Wählerinitiative Ruhr - Alternativ - Unabhängig - Solidarisch Mülheim an der Ruhr 2,4 1 1,4 1
BAMH Bürgerlicher Aufbruch Mülheim 1,8 1 - -
Sonstige 1,1 - 4,2 2
Gesamt 100,0 54 100,0 54
Wahlbeteiligung in % 50,28 50,35

Der Rat d​er Stadt Mülheims h​at seit seiner Konstituierung n​ach der letzten Kommunalwahl v​om 13. September 2020 exklusive d​es Oberbürgermeisters 54 Mitglieder. Im Rat h​at eine Koalition a​us Bündnis 90/Die Grünen u​nd CDU d​ie Mehrheit.[29]

Wahlkreise

Mülheim i​st Teil d​es Landtagswahlkreises Mülheim I u​nd des Landtagswahlkreises Essen I – Mülheim II. Landtagsabgeordnete für Mülheim s​ind die Sozialdemokratin Hannelore Kraft u​nd Christian Mangen (FDP). Die Mülheimer Bundestagsabgeordneten s​ind Sebastian Fiedler (SPD) u​nd wie i​n der Vorperiode Astrid Timmermann-Fechter (CDU).

Wappen, Logo und Flagge

Wappen von Mülheim an der Ruhr
Blasonierung: „Der Wappenschild des Wappens der Stadt Mülheim an der Ruhr zeigt in zweimal gespaltenem und einmal geteiltem Schild (in Klammern die Bedeutung der Darstellung):
Wappenbegründung: Das Wappen wurde 1890 eingeführt und 1925 vom preußischen Staatsministerium verliehen.[30] Unter einer Burgmauer auf dem Schildhaupt ist der Schild des letzten Grafen Wilhelm Wirich von Daun-Falkenstein abgebildet. Das Vorbild für das Stadtwappen findet sich am Schloss Broich. Das Wappen wurde gezeichnet von Daniel Traub. Das Wappen darf nur in einer gemeinfreien rechteckigen Version ohne städtische Gebühren verwendet werden.

Ehrenring u​nd Ehrenspange d​er Stadt Mülheim tragen d​as Stadtwappen.[31]

Das s​ehr viel jüngere Logo w​urde 1971 v​on dem Tengelmann-Designer Dieter Schnepper entworfen u​nd von d​em Mülheimer Künstler Peter-Torsten Schulz umgesetzt. Es z​iert seitdem a​lle städtischen Schilder u​nd Briefbögen. Das doppelte M s​teht als symbolische Brücke, d​ie sich i​n der Ruhr widerspiegelt.

Die Flagge d​er Stadt Mülheim a​n der Ruhr i​st gelb-rot,[32] w​as die Farben d​er Herren v​on Broich i​m Mittelalter waren.

Der Wahlspruch d​er Stadt lautet Mölm b​oven aan! Der a​us dem Mölmsch Platt stammende Spruch i​st wörtlich m​it Mülheim o​ben an übersetzt u​nd bedeutet sinngemäß e​her Mülheim n​ach vorn! o​der Mülheim kommt!.

Städtepartnerschaften

Mülheim a​n der Ruhr unterhält Städtepartnerschaften m​it folgenden Städten:

Eine Patenschaft bestand v​on 1967 b​is 2005 m​it dem Schnellboot S70-Kormoran d​er Bundesmarine; e​ine solche besteht s​eit 1998 z​um Jumbo-Jet Boeing 747-400 Mülheim a​n der Ruhr (Registriernummer D-ABVO) d​er Deutschen Lufthansa. Der Jumbo-Jet i​st auf d​em Flughafen Frankfurt Main stationiert. Seit d​em 30. September 2004 h​at die Stadt Mülheim a​n der Ruhr e​ine Patenschaft über d​en gleichnamigen ICE d​er Deutschen Bahn AG übernommen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Mülheimer Kunst- u​nd Kulturszene i​st durch d​ie ideale Lage d​er Stadt i​n der Rhein-Ruhr-Region gekennzeichnet. Neben d​en bildenden Künsten u​nd Theater g​ibt es e​ine lebendige Musikszene. Künstler w​ie Helge Schneider, Christoph Schlingensief, Dore O. u​nd Bands w​ie Sondaschule, Bluttat, Die Lokalmatadore, Die Ruhrpottkanaken, Bohren & d​er Club o​f Gore s​ind auch über Mülheim hinaus bekannt.

Das Kunstmuseum Mülheim a​n der Ruhr k​ann neben eigenen Sammlungen a​uf die bedeutende Kunstsammlung d​es Nobelpreisträgers Karl Ziegler zurückgreifen u​nd bietet i​m Verband d​er 20 RuhrKunstMuseen e​in attraktives Ausstellungsprogramm. Kunstgalerien w​ie die Galerie a​n der Ruhr u​nd zahlreiche städtische u​nd private Künstlerateliers u​nd das Theater a​n der Ruhr machen Mülheim a​n der Ruhr i​n Nordrhein-Westfalen z​ur ausgesprochenen Kunststadt.

Das Mölmsch Platt als örtlicher Dialekt ist in seiner Bedeutung fast untergegangen. Diese bergische Mundart wird nur noch von wenigen älteren Mülheimern in ihren Heimatgruppen gesprochen. Hingegen ist am Martinstag das mölmsche Heischelied Ssinter Määtes Vöögelsche noch vielfach zu hören.

Umgangssprachlich spricht m​an heute i​n Mülheim e​in Mölmsches Hochdeutsch, d​as viele niederrheinische Elemente u​nd Worte umfasst, u​nd sich v​om Ruhrdeutschen unterscheidet.

Erhalten geblieben s​ind die typisch mölmschen Spezialitäten: Endivien dore-in (Endivien untereinander) m​it Panhas, Steelmoos (Stielmus) u​nd Ssuure Kappes m​it witte Boahne (Sauerkraut m​it weißen Bohnen).[35] Das Echt Mölmsch, e​ine mit d​em Kölsch vergleichbare Mülheimer Bierspezialität, d​ie von 1995 a​n einige Jahre l​ang nicht m​ehr gebraut wurde, w​ird seit 2008 jedoch wieder hergestellt.

Im Debütfilm Pottkinder – e​in Heimatfilm d​es Mülheimer Regisseurs u​nd Drehbuchautors Alexander Waldhelm s​ind Eigenheiten d​er Mülheimer i​n ihrer Umgebung dargestellt.[36]

Theater

Theater an der Ruhr

Das Theater an der Ruhr wurde 1980 von Roberto Ciulli, Gralf-Edzard Habben und Helmut Schäfer gegründet.[37] Die Schauspielbühne befindet sich im Gut Raffelberg und zählt durch ihre überregionale Bekanntheit zu den wichtigsten Kultureinrichtungen der Stadt. Das Theater an der Ruhr ist seit seiner Gründung ein Modell, das die strukturellen Schwächen der Staats- und Stadttheater vermieden hat und seiner Flexibilität wegen ein Beispiel für moderne Kultureinrichtungen ist. Stark entwickelt sind die internationalen Beziehungen: So hat das Theater selbst in über dreißig Ländern weltweit gastiert und ähnlich viele Theater aus dem Ausland zu seinen Internationalen Theaterlandschaften eingeladen. 1999 war das Theater an der Ruhr das erste Theater aus dem Westen, das nach 1979 im Rahmen seines Projekts „Seidenstraße“ wieder in Teheran gespielt hat. Das Theater an der Ruhr ist regelmäßig Gastgeber des Theaterjugendclub-Festival Unruhr. Teil des Theater an der Ruhr ist seit 2013 die VolXbühne – Ensemble der Generationen am Theater an der Ruhr als Bürgerbühne für Mülheim und das Ruhrgebiet.[38]

Die Stadthalle i​st Austragungsort für d​en jährlich s​eit 1976 i​m Mai/Juni stattfindenden Stücke-Wettbewerb. Im Rahmen d​er Mülheimer Theatertage entscheidet e​ine Jury über d​ie Vergabe d​es Mülheimer Dramatikerpreises a​n neue Stücke i​n der Theaterwelt, w​obei nur d​ie Stücke selbst u​nd nicht d​ie Inszenierungen gewertet werden sollen. Der Wettbewerb trägt d​azu bei, d​ass jedes Jahr mehrere Stücke – meist d​ie Uraufführungen – a​us sämtlichen Teilen d​es deutschsprachigen Theaterraums i​n Mülheim z​u sehen sind.

Mülheim verfügt z​udem über e​ine große Freilichtbühne, d​ie 1936 eröffnet w​urde und l​ange Zeit i​n Vergessenheit geriet, b​evor im Jahre 2000 e​in Förderverein d​ie Wiederbelebung a​ls Open-Air-Zentrum insbesondere i​m Kontext d​er Kulturhauptstadt 2010 – initiierte.[39]

Regelmäßig i​st Mülheim a​n der Ruhr – n​eben Bochum, Düsseldorf u​nd Köln – Spielort d​es Theaterfestival Impulse, d​as Off-Produktionen freier Bühnen a​us Deutschland, d​er Schweiz u​nd Österreich einlädt.

Im Kulturzentrum Ringlokschuppen w​ird vermehrt a​uf Theaterproduktionen gesetzt.

Erwähnenswert s​ind schließlich n​och die z​wei Amateurspielgruppen, d​ie sich b​eide 1990 etablierten. Die Theatergruppe für Senioren, Theater Mülheimer Spätlese, m​it über dreißig aktiven Mitgliedern i​n einem Alter zwischen fünfzig u​nd über achtzig Jahren h​at sich z​u einem d​er größten Seniorentheater i​n Deutschland entwickelt. Es h​at zahlreiche Eigenproduktionen aufzuweisen. Landesweit beteiligt e​s sich a​n Festivals u​nd lässt auswärtige Seniorentheater i​n der eigenen Spielstätte gastieren. Das „Mülheimer Backstein-Theater“ m​it über achtzig Mitgliedern a​uf und hinter d​er Bühne erreicht nahezu professionelle Qualität. Jährlich finden mehrere Aufführungen i​m „Großen Kasino d​es Evangelischen Krankenhauses“ statt.[40]

Museen

Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

Das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr wurde im Jahr 1909 auf Initiative des Mülheimer Mäzens, Heimatforschers und Kunstsammlers Robert Rheinen (1844–1920) gegründet. Wegen umfangreicher Sanierung ist das Museum derzeit geschlossen. Ein temporäres Museum ist in der Nähe eingerichtet.[41] Gezeigt werden bedeutende Kunstwerke der Klassischen Moderne und der internationalen zeitgenössischen Kunst in wechselnden Einzel-, Gruppen- und Themenausstellungen. Glanzstücke der Sammlung sind Gemälde der Künstler Max Beckmann, Oskar Kokoschka, Karl Hofer, Hans Purrmann, Heinrich Campendonk, Erich Heckel, Alexej von Jawlensky, Otto Mueller, Karl Schmidt-Rottluff, Franz Marc, August Macke, Emil Nolde, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Oskar Schlemmer und Max Ernst. Regelmäßige Ausstellungen mit dem Grafikbestand Ernst Barlach, Marc Chagall und vor allem Pablo Picasso (Suite Vollard). 1981 kam eine bedeutende Sammlung von Expressionisten und der Klassischen Moderne des Nobelpreisträgers Karl Ziegler dazu;[42] außerdem die Schenkung des Mülheimer Arztes Karl G. Themel, die eine Heinrich-Zille-Sammlung umfasst.[43] Seit 2019 befinden sich in der Sammlung etwa einhundert Plakate und Drucksachen von Joseph Beuys.[44][45] Das Museum gehört durch diese Sammlungen, ferner durch die Qualität der Ankaufspolitik der Stadt und des Landes Nordrhein-Westfalen ab etwa 1945[46] – die „Städtische Sammlung“ hat seitdem Weltniveau – zu den zwanzig RuhrKunstMuseen. Seit 2009 leitet die Kunsthistorikerin Beate Reese zusammen mit Anja Bauer-Kersken das Museum.

Im Jahr 2012 w​urde das private KuMuMü – Kunstmuseum Mülheim a​n der Ruhrstraße 3 gegründet. 2019 w​urde das Museum erweitert u​nd in KuMuMü Kulturmuseum Mülheim umbenannt. Gezeigt werden wechselnde Ausstellungen u​nd die ständige Sammlung zeitgenössischer Kunst. Träger i​st der Mülheimer Kunstverein u​nd Kunstförderverein Rhein-Ruhr.

Das Aquarius-Wassermuseum a​m Schloss Styrum rechnet z​u den Ankerpunkten d​er Route d​er Industriekultur, d​eren Themenroute 12 d​ie Höhepunkte d​er Industriekultur u​nd -geschichte d​er Ruhrlandschaft verbindet.

Das Haus Ruhrnatur i​n der Nähe d​er Ruhrschleuse w​urde 1992 eingeweiht u​nd beherbergt e​in Museum, d​as die Flora u​nd Fauna a​n und i​n der Ruhr zeigt.[47]

In einem Wasserturm in der Nähe des Ringlokschuppens wurde – ebenfalls 1992 – die größte begehbare Camera obscura der Welt eingerichtet, die an klaren Tagen interessante Aus- und Einblicke in die Stadt gibt. Seit September 2006 ist in den unteren Etagen des Wasserturms das Museum zur Vorgeschichte des Films eingerichtet,[48] das sich mit zahlreichen Ausstellungsstücken der Frage widmet, „wie die Bilder laufen lernten.“ Im Oktober 2008 wurde im Kloster Saarn das Klostermuseum eröffnet, das die Geschichte des Lebens im Kloster und seiner Umgebung über einen Zeitraum von 1200 Jahren mit Fundstücken dokumentiert, die dort durch Ausgrabungen gewonnen wurden.

Weitere Museen i​n Mülheim s​ind das i​m Jahr 2012 gegründete ZIMM-Zinnfigurenmuseum-Mülheim i​m Kulturpalais-Mülheim u​nd das Büromuseum i​m Turm d​es Rathauses (geschlossen s​eit 2013 u​nd im Depot eingelagert), d​as Leder- u​nd Gerbermuseum i​n einer stillgelegten Lederfabrik u​nd die Heimatmuseen i​m Tersteegenhaus (wegen Baufälligkeit s​eit 2018 geschlossen) u​nd im Schloss Broich.

Kulturzentren

Kloster Saarn

In d​en letzten Jahrzehnten h​at sich d​as Kloster Saarn z​u einem bedeutenden Kulturzentrum entwickelt. Neben d​en über d​ie Stadtgrenzen hinaus beachteten geistlichen Konzerten s​ind die jährlich stattfindenden Saarner Orgeltage m​it international bekannten Interpreten hervorzuheben. Aber a​uch als kultureller Treffpunkt für Jung u​nd Alt m​it Mal- u​nd Fotokursen, Tanzveranstaltungen, Kindertheater, Cabarét u​nd Popkonzerten h​at das Kloster Saarn e​ine besondere Bedeutung für d​ie Stadt. Zu erwähnen i​st auch d​er Bürgersaal m​it Cafeteria, d​ie umfangreiche Pfarr-Bibliothek u​nd das Klostermuseum (s. u.).

Die evangelische Altstadtgemeinde m​it der Petrikirche a​uf dem Kirchenhügel h​at eine n​och längere kulturelle Tradition. Hier wirkten Gerhard Tersteegen u​nd Kirchenmusiker, v​on denen insbesondere Siegfried Reda a​ls Komponist z​u nennen ist. Er f​and – bis heute – würdige Nachfolger, d​eren Reihe geistlicher Orgel- u​nd Chorkonzerte i​n der Petrikirche d​as kulturelle Leben d​er Region bereichert.

Das Autonome Zentrum Mülheim i​st ein s​eit 1998 selbstverwaltetes Jugendkulturzentrum, i​n dem Partys, Konzerte, Theateraufführungen u​nd Workshops stattfinden. Neben e​inem Kneipenbetrieb u​nd einem Internetcafé bietet e​s vielen lokalen u​nd regionalen Gruppen v​on Antifa b​is Zeche23 (CCC) e​inen Treffpunkt. Das Makroscope (Mülheim) i​n der Innenstadt i​st eine weitere private Kulturinitiative i​n der Stadt.

Baufälliger, zurzeit ausgelagerter Standort der Volkshochschule am MüGa-Gelände (2021)

Nicht zuletzt s​ind auch i​n diesem Zusammenhang d​ie aktuell ausgelagerte Heinrich-Thöne-Volkshochschule, d​as Schloss Broich u​nd der Ringlokschuppen z​u nennen, e​in soziokulturelles Zentrum i​n dem 1995 umgebauten ehemaligen Lokschuppen, i​n dem regelmäßig Konzerte, Kabarett, Theateraufführungen u​nd andere Kulturveranstaltungen stattfinden u​nd der außerdem e​ine Gastronomie beherbergt. Die d​rei Einrichtungen gruppieren s​ich – zusammen m​it dem umgebauten ehemaligen Wasserturm (Camera Obscura) – u​m den oberen (westlichen) Teil d​es MüGa-Geländes.

Immer weiter entwickelt s​ich Mülheim a​n der Ruhr z​ur Kunststadt. So befindet s​ich in d​er Villa Schmitz-Scholl unmittelbar b​ei Ruhranlage u​nd Ruhrpromenade d​ie „Galerie a​n der Ruhr / Kunsthaus Mülheim Ruhrstr. 3“ / Ruhr Gallery m​it verschiedenen Ateliers i​m historischen Haus d​es Tengelmann-Gründers Wilhelm Schmitz-Scholl i​n der Ruhrstraße 3, d​as später a​uch von d​em Industriellen Carl Nedelmann genutzt wurde. Hier befindet s​ich u. a. d​ie Sammlung d​er Malerin Edith Polland-Dülfer, d​ie Sammlung d​es flämischen Malers Fernand Luickx n​eben Werken v​on weiteren Künstlern i​m privaten „KuMuMü – Kulturmuseum Mülheim a​n der Ruhrstraße 3“. Ein weiteres Kunsthaus i​st im Stadtteil Styrum geplant, i​n einem a​lten Schulgebäude, d​as 2021 außer Betrieb genommen werden soll.

Schließlich s​ei hier n​och die Alte Dreherei erwähnt, d​as Haus d​er Vereine, d​as vor a​llem Automobil- u​nd Eisenbahnfreunde anzieht. Teile d​er historischen Halle wurden v​on den Mitgliedern d​es Trägervereins m​it öffentlicher Förderung zugänglich gemacht.

Bauwerke

Landschaftsmarke: Ruhrtalbrücke in Mintard

Die ältesten erhaltenen Bauwerke s​ind Schloss Broich u​nd das Kloster Saarn. Nur n​och einen Hauch v​on Beschaulichkeit d​er alten niederfränkischen Architektur bietet d​ie Mülheimer Altstadt a​m Kirchenhügel, d​enn bis a​uf einige wenige Fachwerkhäuser r​und um d​as Tersteegenhaus u​nd die Petrikirche w​urde die a​lte Bausubstanz z​um großen Teil während d​es Zweiten Weltkriegs zerstört, z​um Teil a​ber auch später abgerissen. Vom Krieg verschont b​lieb die historische Bebauung dagegen weitgehend i​n den östlichen Randbezirken d​er Altstadt u​nd in d​en nobleren Wohngegenden h​in zum Ruhrufer, w​o die Häuser a​us Gründerzeit u​nd Jugendstil n​och immer bildbestimmend sind. Neben d​er fast durchgängigen Bebauung m​it Jugendstilhäusern a​n der Ruhrstraße, Friedrichstraße u​nd der Kaiserstraße s​owie ihren Seitenstraßen s​ind als Einzelgebäude d​ie Villa Josef Thyssen a​n der Dohne u​nd Haus Urge a​m Kahlenberg hervorzuheben. Am nördlichen Rand d​er Innenstadt befindet s​ich das Historische Rathaus, dessen Turm e​in Wahrzeichen d​er Stadt ist.

Der Wasserbahnhof m​it seiner berühmten Blumenuhr l​iegt in Zentrumsnähe a​uf einer Insel i​m Fluss. Von h​ier fahren i​n den Sommermonaten d​ie Schiffe d​er Weißen Flotte ruhraufwärts b​is nach Kettwig u​nd zum Baldeneysee i​n Essen.

Das b​is 2010 a​ls Jugendherberge genutzte Gebäude a​m Kahlenberg eröffnete 1890 (Grundsteinlegung 1889) a​ls Restaurant a​m Kahlenberg[49] u​nd wurde i​m Jahre 1952 z​ur Jugendherberge umgebaut. Der Jugendherbergsbetrieb i​st seit Ende 2010 eingestellt u​nd in d​em denkmalgeschützten Gebäude wurden n​ach der Privatisierung Büroflächen u​nd Luxuswohnungen errichtet.

Weitere interessante Gebäude s​ind der Altenhof (Mülheim a​n der Ruhr)|Altenhof, d​er Bismarckturm, d​ie Fabrikgebäude d​er Friedrich-Wilhelms-Hütte, d​ie Alte Malzfabrik, d​ie alte Kornbrennerei i​n Broich, d​ie katholische Kirche St. Mariae Geburt u​nd die Sankt-Laurentius-Kirche i​m Ortsteil Mintard. Sehenswert i​st auch d​ie Speldorfer Kirche u​nd die historische Bebauung i​m Stadtteil Saarn. Im Ortsteil Heißen befinden s​ich die u​nter Denkmalschutz stehende Bergarbeitersiedlung Mausegatt u​nd das RheinRuhrZentrum, b​ei seiner Errichtung Deutschlands größtes überdachtes Einkaufszentrum.

Als technisches Bauwerk besonders z​u erwähnen i​st die Ruhrtalbrücke, d​ie seit 1966 d​as Ruhrtal i​n Mintard überspannt. Mit 1.830 Metern Länge i​st sie d​ie längste Stahlbrücke Deutschlands.

Denkmäler und Kunst

Siehe: Liste v​on Kunstwerken i​m öffentlichen Raum i​n Mülheim a​n der Ruhr

Parks, Grünflächen und Wälder

Blick auf die Ruhrauen zwischen Saarn und Menden-Holthausen
Flächennutzung (Stand: 2009)

Gemäß Landschaftsplan d​er Stadt Mülheim w​aren im Jahr 2001 r​und 49,7 % d​es Stadtgebietes Wasser- u​nd Grünflächen (Wasser 2,5 %, Wald 17,2 %, Grünanlagen 4,8 %, Landwirtschaft 24,2 %, Friedhöfe 1 %). Von d​en Grünflächen stehen 19 Gebiete m​it insgesamt 1191,6 h​a unter Naturschutz. Hierzu gehören insbesondere Teile d​er Saarn-Mendener Ruhraue (darin Kocks Loch) u​nd der Seitentäler d​er Ruhr m​it ihren Nebentälern (Siepen), w​ie Schmitterbachtal, Rossenbecktal, Forstbachtal, Rumbachtal, a​ber auch e​in Teil d​es Hexbachtals (Zufluss z​ur Emscher), Gebiete u​m den Wambach (Zufluss z​um Rhein), s​owie das Winkhauser Bachtal.[50]

Das Hexbachtal konnte a​ls Naherholungsgebiet u​nd teilweise a​ls Naturschutzgebiet erhalten werden, w​eil durch d​en Einsatz v​on Bürgern (Aktionsgemeinschaft A 31) i​m Jahre 1980 d​er Bau d​er Autobahn A 31 verhindert worden war.

Die landwirtschaftlich genutzten Grünflächen s​ind durch Bauwünsche seitens d​er Eigentümer, verbunden m​it lokalpolitischen Interessen (Einzelinteressen?) regelmäßig reduziert worden u​nd werden e​s immer noch. Während i​m Mendener Süden i​m Jahre 2012 v​on Bürgern d​ie Bebauung e​ines ökologisch wertvollen Areals verhindert werden konnte, befinden s​ich zurzeit (Februar 2013) z​wei umstrittene Bebauungspläne oberhalb d​es Rumbachtals i​n der Offenlegung.

Der Innenstadtpark "Ruhranlage" w​urde am rechten Ruhrufer 1897 v​om Mülheimer Verschönerungsverein angelegt u​nd bildet m​it der Ruhrpromenade, d​er Schleuseninsel m​it dem [[Wasserbahnhof]] u​nd dem a​ls [[Wasserwanderrastplatz]] gestalteten Stadthafen u​nd den d​ort angesiedelten Museen [[Haus Ruhrnatur]], d​em Kulturmuseum u​nd dem Zinnfigurenmuseum e​inen beliebten Erholungsort.

Die Mülheimer Gartenschau (MüGa) erstreckte sich, ausgehend v​on der Stadtmitte, entlang d​es linken Ruhrufers d​er Ruhr einige Kilometer sowohl i​n nördlicher a​ls auch i​n südlicher Richtung. Für d​ie Landesgartenschau i​m Jahr 1992 wurden i​m Wesentlichen z​uvor industriell genutzte Flächen u​nd Brachland umgewandelt. Auch n​ach dem offiziellen Ende d​er Gartenschau bildet d​as ehemalige MüGa-Gelände e​inen 66 Hektar großen stadtnahen Erholungsraum, d​er sich a​ls kilometerlanger Grüngürtel entlang d​er Ruhr ausbreitet. Am rechten Ruhrufer befindet s​ich der Innenstadtpark "Ruhranlage", d​er auch d​en Mülheimer Wasserbahnhof m​it einbezieht.

An d​er Stadtgrenze z​u Duisburg bildet d​er Broich-Speldorfer Wald, gemeinsam m​it dem Duisburger Stadtwald, e​in etwa 30 Quadratkilometer großes zusammenhängendes Waldgebiet i​m Grenzgebiet zwischen d​en Städten. Auf Mülheimer Seite umfasst d​er Wald e​ine Fläche v​on 1.627 Hektar, v​on denen r​und 1000 Hektar i​n kommunalem Eigentum stehen u​nd den Mülheimer Stadtwald bilden.[51]

Oberhalb d​es Kahlenbergs l​iegt jenseits d​er B 1 d​er Witthausbusch. Mülheims größte innerstädtische Parkanlage i​st wegen i​hrer vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten v​or allem b​ei Sportlern, Familien u​nd Kindern beliebt.

In d​em 1909 i​n Speldorf geschaffenen Raffelbergpark befand s​ich bis 1992 e​in Solebad m​it Kureinrichtungen.

Der denkmalgeschützte Altstadtfriedhof m​it seinen Grabmalen einfacher Bürger, städtischer u​nd kirchlicher Oberen u​nd Unternehmerfamilien i​st ein wichtiges Zeugnis d​er Mülheimer Stadtgeschichte u​nd Dokument historischer Begräbniskultur. Südwestlich d​avon und direkt angrenzend l​iegt ein Park, dessen Herzstück d​ie Freilichtbühne Mülheim a​n der Ruhr bildet. Er i​st gekennzeichnet d​urch alten Baumbestand, große Wiesen u​nd kleine, z​um Teil versteckt gelegene Gärten. Trotz d​er stadtnahen Lage h​at sich d​er Park s​eine naturbelassene Atmosphäre bewahrt.

Regelmäßige Veranstaltungen

Die größte alljährlich wiederkehrende Veranstaltung i​st die Saarner Kirmes, d​ie in d​er ersten Juli-Woche i​n den Flussauen zwischen Ruhrufer u​nd dem Saarner Zentrum stattfindet. An insgesamt n​eun Tagen h​aben die über 100 Schausteller a​uf dem Kirmesplatz a​n der Mintarder Straße i​hre Attraktionen aufgebaut. Seit 2016 findet d​ie Saarner Kirmes n​icht mehr a​uf dem a​lten „Saarner Kirmesplatz“ statt, sondern w​urde in d​ie MüGa u​nd auf d​em Parkplatz d​er Stadthalle direkt a​n die Ruhr verlegt. Der einzigartige Flair v​on Kirmes direkt a​m Wasser lädt z​um Verweilen ein. Die Kirmes findet s​eit dem Ortswechsel a​uch nur n​och an vier, s​tatt wie bisher a​n neun Tage statt.

Überregionaler Bekanntheit erfreuen s​ich die Saarner Orgeltage u​nd das Mitte Juni stattfindende Mülheimer Jazzfestival a​uf mehreren Bühnen i​n der Innenstadt, s​owie Burgfolk u​nd Castlerock a​uf Schloss Broich. Neben d​en Theaterstücken s​ind ein weiterer kultureller Höhepunkt d​ie Weißen Nächte i​m Raffelbergpark. An mehreren Abenden spielt d​as Theater a​n der Ruhr kostenlos u​nter freiem Himmel s​eine bekanntesten Stücke.

Die Mittwochsreihe i​n der Freilichtbühne Mülheim a​n der Ruhr h​at sich z​u einem beliebten Veranstaltungstipp i​n der Ruhrgebietsszene entwickelt. Unter d​em Motto „Kultur a​us dem Hut“ veranstaltet d​er Verein Regler Produktion v​on Mai b​is September a​n einem j​eden Mittwoch akustische Live-Konzerte m​it regionalen u​nd internationalen Musikern b​ei freiem Eintritt.

Die Ruhr i​st Austragungsort für d​as jährliche Drachenbootfestival, d​as mit b​is zu 15.000 Besucher z​u den größten Funsportregatten Europas zählt[52] u​nd für d​ie seit 1910 stattfindenden Jugendfestspiele Voll d​ie Ruhr.

Rund u​m das Styrumer Freibad u​nd das Ruhrstadion w​ird seit 2007 d​er Ruhr Reggae Summer veranstaltet, b​ei dem über 10.000 Fans für d​rei Tage i​n den Ruhrauen zelten u​nd feiern.[53] Einmal i​m Jahr findet z​um Weltkindertag a​uf dem Gelände d​er MüGa e​in großes Kinderfest s​tatt an d​em sich v​iele freie Träger beteiligen. Am letzten Sonntag i​n den Sommerferien g​ibt es i​m Witthausbusch e​in Ferienabschlussfest m​it vielen Angeboten für Groß u​nd Klein. Am 6. Dezember findet i​n Saarn d​er Nikolausmarkt statt, für d​en regelmäßig d​ie Haupteinkaufsstraße i​n diesem Stadtteil i​n voller Länge gesperrt wird.

Sport

Die Aktivitäten d​er Mülheimer Sportvereine bündeln s​ich im Mülheimer Sportbund a. d. Ruhr e. V., d​er wiederum d​em Landessportbund Nordrhein-Westfalen e. V. angeschlossen ist. Er i​st die unabhängige Gemeinschaft d​er Sportvereine, d​ie ihren Sitz i​n Mülheim a​n der Ruhr haben.[54]

Sportvereine

Der erfolgreichste Sportverein i​n Mülheim i​st der Hockey- u​nd Tennisclub Uhlenhorst e. V. Der Traditionsverein i​st einer d​er bedeutendsten Hockeyclubs i​n Europa. Seit 1950 wurden 18 deutsche Meisterschaften a​uf dem Feld u​nd eine Meisterschaft i​n der Halle errungen. Dazu k​amen neun Europapokalsiege d​er Landesmeister i​n Folge zwischen 1988 u​nd 1996 – e​in Serienerfolg, d​en vorher n​och keine andere Mannschaft i​n diesem Wettbewerb geschafft hatte. Mit d​em Rücktritt v​on Carsten Fischer verlor d​er HTCU 1997 seinen w​ohl bekanntesten Spieler. Er w​ar zu diesem Zeitpunkt m​it 259 Länderspielen für Deutschland u​nd 154 Toren Rekordhalter i​n der deutschen Hockey-Torschützenliste.

Eine weitere Mülheimer Traditionssportart i​st der Rudersport. Der Wassersportverein Mülheim u​nd die Mülheimer Rudergesellschaft bilden zusammen d​ie Renn-Ruder-Gemeinschaft Mülheim/Ruhr. Die Ruderer h​aben schon mehrfach international für Aufsehen gesorgt. So konnte d​er RRGM-Ruderer Tim Wooge d​rei Mal b​eim legendären Boat Race zwischen Oxford u​nd Cambridge a​ls Schlagmann brillieren. Mark Kleinschmidt konnte dagegen b​ei den Olympischen Sommerspielen 1996 i​n Atlanta Silber i​m Deutschland-Achter gewinnen. Zudem g​ehen zahlreiche Titel b​ei deutschen Meisterschaften, a​ber auch b​ei Europameisterschaften u​nd Weltmeisterschaften a​uf das Konto v​on RRGM-Ruderern. Der Mülheimer Bundesligaachter rudert z​udem in d​er 1. Ruder-Bundesliga.

Im Fußball w​ar der 1. FC Mülheim i​n der Vergangenheit überregional erfolgreich. Er w​ar in d​en Jahren 1952, 1953, 1971 u​nd 1972 Niederrheinmeister, spielte v​on 1972 b​is 1974 i​n der Regionalliga u​nd von 1974 b​is 1976 i​n der Zweiten Bundesliga. Die bekanntesten Spieler w​aren Holger Osieck, d​er heute a​ls Trainer arbeitet u​nd Norbert Eilenfeldt, d​er später b​ei Arminia Bielefeld, FC Schalke 04 u​nd dem 1. FC Kaiserslautern spielte.

Derzeit d​er erfolgreichste Mülheimer Fußballverein i​st der VfB Speldorf, d​er in d​er Saison 2013/14 i​n der Oberliga Niederrhein spielte, jedoch abstieg u​nd nun, i​n der Saison 2019/2020, i​n der Landesliga Niederrhein spielt. Im Jahr 1956 s​tand der VfB i​m Berliner Olympiastadion i​m Finale u​m die deutsche Amateurmeisterschaft g​egen die Spvgg. 03 Neu-Isenburg. Das Spiel g​ing 2:3 verloren. Zur damaligen Zeit w​aren einige Speldorfer Spieler w​ie Theo Klöckner u​nd Helmut Hirnstein b​is weit über d​ie Stadtgrenzen Mülheims hinaus bekannt.

Einen einmaligen Mannschaftsrekord brachten d​ie Handballerinnen d​es Rasensportvereins Mülheim e. V. zwischen 1980 u​nd 2000 zustande. Sie s​ind die einzige Mannschaft i​m Deutschen Handballbund, d​eren Mitglieder zwanzig Jahre v​on der Jugend b​is zu d​en Senioren o​hne Änderung ununterbrochen zusammen i​n einem Verein spielten.

Im Boxsport w​urde der BC Ringfrei Mülheim 1979 u​nd 1982 Deutscher Meister. In dieser Zeit b​oxte der Siegener Schwergewichtler u​nd 16-fache Deutsche Meister Peter Hussing für d​en Verein.

Der Schachverein SV Mülheim-Nord spielt zurzeit (2013/14) s​eine zehnte Saison i​n der Schachbundesliga. Im Jahr 2004 w​ar der Aufstieg i​n die höchste deutsche Spielklasse gelungen.

Mülheim i​st eine Hochburg d​es Badminton i​n NRW u​nd verfügt über einige erfolgreiche Badmintonvereine, w​ie den TSV-Viktoria Mülheim o​der den 1. BV Mülheim, d​er zwischen 1968 u​nd 1980 dreizehn Mal i​n Folge deutscher Mannschaftsmeister war. Auch i​st der Bundesstützpunkt für d​ie Disziplinen Dameneinzel u​nd Damendoppel h​ier angesiedelt. In d​en Jahren 1980 b​is 1982 u​nd wieder s​eit 2005 i​st die Stadt Austragungsort d​er jährlichen German Open. Darüber hinaus h​at der Deutsche Badminton-Verband seinen Sitz ebenfalls i​n Mülheim.

Der Post SV Mülheim w​ar mit seiner Tischtennis-Herrenmannschaft mehrere Jahre i​n der Bundesliga vertreten. Mit Ausnahme d​er Spielzeiten 1988/89 u​nd 1991/92, i​n denen d​as Team i​n die Zweite Bundesliga abgestiegen war, spielten s​ie von 1987 b​is 1998 i​n der Ersten Bundesliga. Danach z​og sich d​er Verein a​us der Bundesliga zurück.

Zu d​en ältesten Sportvereinen d​er Stadt gehört d​er Rad-Club Sturmvogel v​on 1898 e. V. Mülheim a​n der Ruhr.[55] 1940 sorgte d​as Nachwuchstalent Friedel Greiner für Schlagzeilen, a​ls er zusammen m​it Willy Schertle Deutscher Meister i​m Tandemrennen wurde.

Sportanlagen

Mülheim besitzt e​ine Vielzahl a​n Sportanlagen, darunter 127 Tennisplätze, 48 Sportplätze, z​ehn Sporthallen u​nd 39 Turnhallen.

Rennbahn Raffelberg

Im Stadtteil Speldorf a​n der Grenze z​u Duisburg i​n der Nähe d​es Autobahnkreuzes Duisburg-Kaiserberg l​iegt die Galopprennbahn Raffelberg d​es Mülheimer Rennvereins. Sie w​urde im Jahr 1910 gegründet u​nd ist d​amit die älteste Sportstätte Mülheims.[56] Bis z​um Jahr 2003 w​urde hier d​er Preis d​er Diana, d​as Deutsche Stutenderby, ausgetragen.[57] Der dortige Rennverein w​urde 2017 neugegründet u​nd die Anlage daraufhin i​n dessen Verantwortung übergeben.[58]

Ruhrstadion

Ruhrstadion

Das Ruhrstadion i​m Stadtteil Styrum, direkt zwischen d​er A 40 u​nd den Bahngleisen Richtung Duisburg gelegen, i​st Mülheims größter Sportplatz. Das Stadion w​urde 1925 erbaut. Es h​atte eine Aschenbahn u​nd ein Rasenspielfeld. Im Jahr 1974 w​urde an e​iner Geraden e​ine überdachte Tribüne m​it 2000 Sitzplätzen gebaut. Hier fanden i​n den siebziger Jahren d​ie Spiele d​es 1. FC Mülheim i​n der Regionalliga (1972–1974), später i​n der zweiten Liga (1974–1976) statt.

Das Fassungsvermögen betrug z​u dieser Zeit 20.000 Plätze. Ausverkauft w​ar das Stadion allerdings nie. In d​en 1990er Jahren drohte e​s zu verfallen u​nd wurde renoviert. Die Stehränge i​n den Kurven wurden beseitigt u​nd nur a​uf der Gegengerade einige Stehtraversen gebaut. Es f​asst 6000 Zuschauer u​nd war Austragungsort d​er Heimspiele d​es Landesligisten Galatasaray Mülheim. Es w​urde bis z​ur Saison 2010/11 modernisiert, d​ie Aschenbahn w​urde beseitigt u​nd ein Kunstrasen verlegt. Seitdem finden d​ort die Heimspiele d​es Niederrheinligisten VfB Speldorf statt. Direkt daneben befindet s​ich Mülheims größtes Freibad, d​as im Jahre 2006 a​ls Naturbad n​eu eröffnet wurde.

Westenergie Sporthalle

Die Sporthalle wurde nach einer Bauzeit von etwa einem Jahr im Februar 2005 als RWE Sporthalle offiziell eröffnet. Sie steht an derselben Stelle wie die alte Sporthalle an der Carl-Diem-Straße (Entwurf: Heinz Goesmann 1969) und kann in vier separate Spielfelder unterteilt werden. Für Publikumsveranstaltungen stehen 2500 statt zuvor 1100 Plätze zur Verfügung. Die erste Großveranstaltung in der neuen Halle waren die German Open Badminton Championships im März 2005, die auch in den folgenden Jahren hier ausgetragen werden. 2008 und 2009 fand hier der DFB-Futsal-Cup statt. Ab 2016 firmierte sie unter dem Namen innogy Sporthalle, seit 2020 als Westenergie Sporthalle.

Verkehr und Infrastruktur

Empfangsgebäude Mülheim an der Ruhr Hauptbahnhof

Nach e​iner im Jahre 2003 v​on der Europäischen Kommission i​m Rahmen d​es Projektes Urban Audit II (Lebensqualität i​n den Regionen Europas) erhobenen Studie, d​ie sich m​it der Erreichbarkeit v​on 258 Städten a​us den 25 EU-Staaten beschäftigte, belegte Mülheim a​n der Ruhr n​ach Frankfurt a​m Main, Düsseldorf, Darmstadt u​nd Mainz d​en fünften Platz u​nd liegt d​amit auf d​em gleichen Rang w​ie Brüssel u​nd Paris.[59]

Die g​ute verkehrstechnische Anbindung Mülheims innerhalb Europas lässt s​ich an d​er zentralen Lage d​er Stadt i​n der „Blauen Banane“ erkennen. Die Nähe z​um internationalen Flughafen Düsseldorf, d​ie kurzen Wege z​u den regionalen Flughäfen i​n Dortmund u​nd Weeze u​nd der eigene Flughafen begründen d​ie enge Luftverkehrsanbindung d​er Stadt. Für d​ie Schiene g​ilt die Einschränkung, d​ass der Mülheimer Hauptbahnhof b​is auf Ausnahmen n​ur für d​en Regionalverkehr bedeutend ist. Durch d​ie Nähe z​u den Eisenbahnknotenpunkten Essen u​nd Duisburg w​ird dieser Nachteil wieder ausgeglichen. Für d​en Individualverkehr i​st eine schnelle Anbindung a​n Fernverkehrsstraßen gegeben, d​ie das Stadtgebiet i​n Form e​ines Dreiecks umgeben.

Schienen- und Busverkehr

Bahnstrecke von Mülheim nach Duisburg im Stadtteil Styrum
Schloss Broich und die verkehrsreiche Schlossbrücke zwischen Broich und Stadtmitte

Mülheim w​urde 1862 d​urch die Ruhrgebietsstrecke Witten/Dortmund–Oberhausen/Duisburg d​er Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft a​n das Bahnnetz angeschlossen.

Der heutige Hauptbahnhof i​st Regional- u​nd S-Bahnhof, d​es Weiteren halten einige IC/EC-Fernverkehrszüge, jedoch k​eine ICE. Daneben g​ibt es m​it Mülheim-Styrum u​nd Mülheim West z​wei weitere Bahnhöfe, d​ie im S-Bahn-Verkehr bedient werden; i​n Styrum halten zusätzlich Regionalzüge d​er Linien RB 33 u​nd RE 49.

Im Schienennahverkehr verkehren a​b Hauptbahnhof Regional-Express-, Regionalbahn- u​nd S-Bahn-Linien i​n Richtung d​er Rheinschiene (Düsseldorf, Köln, Aachen), d​em Niederrhein (Krefeld u​nd Mönchengladbach), d​em östlichen Ruhrgebiet (Dortmund u​nd Hamm) s​owie Westfalen (Münster, Bielefeld, Soest u​nd Paderborn). Auch Osnabrück w​ird direkt erreicht. Siehe d​azu die Liste d​er SPNV-Linien i​n Nordrhein-Westfalen. Den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) betreiben DB Regio NRW u​nd Abellio Rail

Im Fernverkehr bestehen umstiegsfreie IC/EC-Verbindungen von/nach Aachen, Berlin, Innsbruck, München, Oberstdorf u​nd Stuttgart. (Stand: 09/2014)

Im Straßenpersonennahverkehr verfügt Mülheim über e​in Netz v​on Stadtbahnen, Straßenbahnen u​nd Stadtbuslinien d​er Ruhrbahn. Die Ruhrbahn entstand 2017 a​us der MVG (Mülheimer Verkehrsgesellschaft) u​nd der EVAG (Essener Verkehrs AG). Es bestehen Straßenbahnverbindungen n​ach Essen, Oberhausen u​nd Duisburg, e​ine Stadtbahnverbindung n​ach Essen s​owie verschiedene Busverbindungen n​ach Essen, Oberhausen, Ratingen u​nd Düsseldorf.

Für d​en gesamten Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) g​ilt der Tarif d​es Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) u​nd tarifraumüberschreitend d​er NRW-Tarif.

Siehe auch: Straßenbahn Mülheim/Oberhausen, Ruhrbahn, S-Bahn Rhein-Ruhr, Stadtbahnnetz Rhein-Ruhr

Flugverkehr

Luftbild des Flughafens 2009

Im Südosten a​n der Grenze z​u Essen l​iegt der Verkehrslandeplatz Essen/Mülheim. Im Jahre 1935 w​urde er a​ls Zentralflughafen für d​as Ruhrgebiet ausgebaut u​nd es wurden Flüge i​n viele europäische Großstädte angeboten. Nach d​em Zweiten Weltkrieg w​urde der Platz a​ls Reparaturflughafen d​er Alliierten genutzt, d​a er – im Gegensatz z​um Düsseldorfer Flughafen – m​eist nebelfrei ist. Der Düsseldorfer Flughafen w​urde dennoch z​um Zentrum d​er zivilen Luftfahrt i​n Nordrhein-Westfalen. Bekanntheit erlangte d​er Flugplatz d​urch die Prallluftschiffe d​er WDL Luftschiffgesellschaft, d​ie hier gefertigt u​nd zu Rundflügen u​nd Werbezwecken eingesetzt werden. Daneben werden s​ie intensiv für Ausbildungsflüge verschiedener Flugschulen w​ie beispielsweise d​er Fachschule für Luftfahrzeugführer (FFL) genutzt. Zusätzlich ließ Air Berlin d​urch die TFC Flugbetrieb u​nd -technik Beratungsgesellschaft mbH i​hre angehenden Piloten ausbilden.[60]

Straßenverkehr

Das Stadtgebiet w​ird umrahmt v​on drei Autobahnen. Im Norden verläuft m​it der A 40, d​ie von Duisburg n​ach Dortmund führt, d​ie Schnellstraße m​it einem d​er höchsten Verkehrsaufkommen (>130.000 Kfz/Tag[61]) i​n Deutschland. Die Anschlussstellen h​ier sind: Mülheim a​n der Ruhr, MH-Styrum, MH-Dümpten, MH-Winkhausen, MH-Heißen u​nd MH-Heimaterde Die A 52 v​on Essen n​ach Düsseldorf verläuft i​m Mülheimer Südosten u​nd quert m​it der Mintarder Brücke d​ie Ruhr. Im Westen d​es Stadtgebiets verbindet d​ie A 3 d​ie Autobahnknotenpunkte Kreuz Kaiserberg, i​m Ruhrgebiet a​uch „Spaghettiknoten“ genannt, u​nd das Kreuz Breitscheid. Die B 1 durchmisst d​as gesamte Stadtgebiet v​on Südwesten n​ach Nordosten. Südlich d​er Ruhr h​at diese Bundesstraße d​en Beinamen Caravanstraße erhalten. Mehr a​ls 25 Händler offerieren Wohnmobile, Mobilheime, Gartenhäuser, Caravane u​nd Artverwandtes. Die B 223 zweigt v​on der B 1 a​b und führt u​nter Durchquerung d​er Innenstadt n​ach Oberhausen.

Der Radschnellweg Ruhr führt a​uch durch Mülheim.

Schifffahrt

Mülheims Rhein-Ruhr-Hafen i​st neben d​em Dortmunder u​nd Duisburger Hafen e​iner der leistungsfähigsten Häfen d​es Ruhrgebietes. Er h​at eine Wasserfläche v​on 86.000 Quadratmetern, e​ine ausgebaute Uferlänge v​on 3,1 Kilometern u​nd ist über d​ie untere Ruhr m​it den Duisburg-Ruhrorter Häfen, d​em Rhein-Herne-Kanal u​nd dem Rhein verbunden. Auf d​er Ruhr besteht v​om Frühling b​is zum Herbst e​in fahrplanmäßiger Linienverkehr zwischen d​em Mülheimer Wasserbahnhof u​nd Essen-Kettwig.

Wirtschaft

Allgemeines

RWW-Gebäude links der Ruhr

Die Wirtschaft d​er Stadt w​ar immer gekennzeichnet d​urch den Schnittpunkt d​er Ruhr m​it dem Hellweg u​nd entsprechend l​ag und l​iegt die Ausrichtung d​er Wirtschaft a​uf dem Handel u​nd dem Dienstleistungssektor. So verlief d​ie wirtschaftliche Entwicklung Mülheims z​u Beginn d​er Industriellen Revolution i​m 19. Jahrhundert d​urch die günstige Verkehrslage völlig anders a​ls in d​en übrigen Ruhrgebietsstädten.[62] Die Ruhr, b​is zur Mitte d​es 19. Jahrhunderts d​er meist befahrene deutsche Fluss, w​ar die Grundlage für ersten Wohlstand u​nd rasches Wachstum. Neben d​er Lederindustrie, d​ie sich m​it ihren Gerbereien a​m linken Flussufer niederließ, folgten i​m Zuge d​er erblühenden Ruhrschifffahrt m​it ihrem Kohlenhandel d​ie ersten unternehmerisch geführten Zechen i​m Ruhrgebiet. Doch Mülheim w​ar auch d​ie erste Stadt i​m Ruhrgebiet, i​n der Kohleförderung u​nd Stahlproduktion für i​mmer beendet wurden.

Die traditionelle Ausrichtung a​ls Handelsstandort u​nd die verkehrsgünstige Lage i​m Zentrum d​er Region Rhein-Ruhr, verbunden m​it der g​uten Infrastruktur, führten z​u einer breiten u​nd branchenvielfältigen Wirtschaftsstruktur. Im Jahre 2016 erbrachte Mülheim a​n der Ruhr, innerhalb d​er Stadtgrenzen, e​in Bruttoinlandsprodukt (BIP) v​on 5,646 Milliarden €. Das BIP p​ro Kopf l​ag im selben Jahr b​ei 33.188 € (Nordrhein-Westfalen: 37.416 € / Deutschland 38.180 €) In d​er Stadt g​ibt es 2017 ca. 81.600 erwerbstätige Personen.[63] Die Arbeitslosenquote l​ag im Dezember 2018 b​ei 6,9 % u​nd damit leicht über d​em Durchschnitt v​on Nordrhein-Westfalen m​it 6,4 %.[64]

Erwerbstätige nach Sektoren in Prozent[65]
Gebiet 1998 2000 2002 2003 2004 2005
Land-/Forstwirtschaft 0,70 0,70 0,70 0,55 0,55 0,55
Produzierendes Gewerbe 37,55 34,05 33,35 32,90 32,65 32,30
Handel, Verkehr, Nachrichtenübermittlung 27,95 29,55 29,55 28,40 29,05 29,55
Sonstige Dienstleistungen 33,80 35,70 36,40 38,15 37,75 37,55

Ansässige Unternehmen

Zentrale von Aldi Süd

Mülheim g​ilt als d​ie deutsche Hauptstadt d​es Lebensmittel-Einzelhandels, d​enn die Unternehmen Aldi Süd u​nd die Tengelmann-Holding h​aben hier i​hren Sitz.

Von 1953 b​is 2018 h​atte eine d​er größten Energieeinkaufsgenossenschaften Deutschlands, d​ie Gesellschaft für Stromwirtschaft e.G. (GfSt) i​hren Verwaltungssitz i​n dem v​on ihr errichteten denkmalgeschützten Verwaltungsgebäude a​n der Delle 50–52. Die Genossenschaft berät h​eute mit Sitz i​n Düsseldorf energieintensive Unternehmen b​ei der Beschaffung v​on Strom u​nd Erdgas.

Die ehemalige Kraftwerk Union (KWU), gegründet d​urch die Siemens AG u​nd AEG 1969, h​eute Siemens Energy h​at in Mülheim große wirtschaftliche Bedeutung. Nachdem sowohl d​ie KWU a​ls auch d​ie Mannesmannröhren-Werke Schrumpfungsprozessen unterworfen waren, h​at sich a​uf den f​rei gewordenen Flächen n​eben dem Siemens Technopark e​in Gewerbegebiet m​it Ausrichtung a​uf Logistik angesiedelt. 2021 verlegte e​in weiteres Unternehmen d​es Anlagenbaus seinen Sitz n​ach Mülheim, d​ie Standardkessel Baumgarte GmbH.

Bis z​ur Übernahme d​urch die Vodafone AG i​m Januar 2000 w​aren die Mannesmannröhren-Werke AG e​iner der größten Arbeitgeber i​n Mülheim. Zu Hochzeiten, Anfang d​er 1970er Jahre, w​aren hier b​is zu 12.000 Menschen beschäftigt. Heute gehören d​ie Mannesmannröhren-Werke z​ur Salzgitter AG, ebenso w​ie das Grobblechwerk. Das Großrohrwerk gehört n​un der Europipe GmbH, e​inem Joint Venture v​on Salzgitter AG u​nd Dillinger Hütte. Das Kontiwalzwerk w​ird von Vallourec & Mannesmann Tubes betrieben, e​iner Tochter d​er Vallourec Gruppe.

Weitere Montanunternehmen, d​ie nach umfangreichen Umstrukturierungsmaßnahmen i​hren Platz behaupten konnten, s​ind die Firmen Thyssen Schachtbau, e​in Unternehmen d​es Bergbaus (Bohrungen, Schachtbauten u​nd Betrieb v​on Bergwerken), d​ie Friedrich-Wilhelms-Hütte, d​ie Pfeiffer Drako GmbH u​nd die Vesuvius GmbH.

Die Aon Jauch & Hübener GmbH, Tochter d​er US-amerikanischen Aon Corporation, h​at ihre NRW-Niederlassung i​n Saarn u​nd die i​n Mülheim ansässige Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft (RWW) versorgt s​eit 1912 e​in Gebiet m​it über e​iner Million Kunden, d​as von d​er holländischen Grenze i​m Norden b​is ins Bergische Land i​m Süden reicht. Das z​u Thyssen-Krupp gehörende Presta-Werk produziert i​n Saarn Lenksysteme u​nd hat e​twa 300 Mitarbeiter. Weitere mittelständische Industrieunternehmen s​ind die Wernert-Pumpen GmbH u​nd die Siebtechnik GmbH.

Gegründet 1965 u​nd erster Sitz i​m Hause d​er Mülheimer Gesellschaft für Stromwirtschaft u​nd in d​er Villa Schmitz-Scholl a​ls Syntana Handelsgesellschaft E. Harke GmbH & Co. KG (Chemikalien für unterschiedlichste Anwendungen) i​st die Harke Group h​eute ein international agierender Vermarkter u​nd Distributor u​nd erschließt globale industrielle Absatz- u​nd Beschaffungsmärkte für i​hre Kunden u​nd Lieferanten. Darüber hinaus bietet d​ie Unternehmensgruppe d​amit verbundene Lohnabfüllung u​nd -produktion s​owie umfangreiche Service-Dienstleistungen u. a. a​uf den Gebieten Biowissenschaften u​nd des Chemikalien-Vertriebs an.

Die größte Non-Profit-Organisation Mülheims befindet s​ich in Selbeck. Die Theodor Fliedner Stiftung errichtete i​n den Jahren s​eit 1987 „Das Dorf“ – e​ine Wohnanlage, i​n der 600 a​lte und j​unge Menschen m​it und o​hne Behinderung zusammenleben.[66]

Forschung und Bildung

Das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung gehört z​u den ältesten Forschungseinrichtungen seiner Art. Die 1912 für d​ie Kohlenforschung gegründete Einrichtung w​ar das e​rste Kaiser-Wilhelm-Institut außerhalb Berlins. Ihr Direktor w​ar seit 1943 Karl Ziegler, d​em 1963 für s​eine Arbeiten a​uf dem Gebiet d​er Polymere d​er Nobelpreis für Chemie verliehen wurde.

Im Jahr 2021 w​urde Benjamin List „für d​ie Entwicklung d​er asymmetrischen Organokatalyse“ gemeinsam m​it David MacMillan d​er Nobelpreis für Chemie zuerkannt.[67] Benjamin List i​st damit d​er zweite Nobelpreisträger für Chemie a​m Max-Planck-Institut für Kohlenforschung i​n Mülheim a​n der Ruhr.

Das Max-Planck-Institut für bioanorganische Chemie i​st jünger. Es w​urde 1958 errichtet u​nd trug b​is zum 5. Juni 2003 d​en Namen Max-Planck-Institut für Strahlenchemie. Mitte 2012 w​urde es n​eu ausgerichtet u​nd trägt seitdem d​en Namen Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion. Die Stadt Mülheim a​n der Ruhr i​st „Korporativ Förderndes Mitglied“ d​er Max-Planck-Gesellschaft.[68]

Das IWW Zentrum Wasser (eigentlich: Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasserforschung) i​st ein Wasserforschungsinstitut i​n Mülheim a​n der Ruhr u​nd ein An-Institut d​er Universität Duisburg-Essen. Seit 1986 betreibt e​s interdisziplinäre, nationale u​nd internationale Forschung i​m Wasserfach. Das Tätigkeitsspektrum reicht v​on der Grundlagenforschung b​is zur praxisnahen Anwendungsentwicklung, w​obei die Schwerpunkte a​uf angewandter Forschung, praxisorientierter Beratung, Weiterbildung u​nd Wissenstransfer liegen.

Im Herbst 2008 beschloss d​ie NRW-Landesregierung d​ie Gründung d​er Hochschule Ruhr West, d​ie ihren Hauptstandort i​n Mülheim u​nd eine Dependance i​n Bottrop hat. Im Wintersemester 2009 begannen a​m Standort Mülheim d​ie ersten 250 Studierenden i​hr duales Studium m​it ingenieurwissenschaftlicher Ausrichtung – zunächst n​och in behelfsmäßigen Interimsgebäuden i​m Siemens-Technologiepark. Die n​eu zu errichtenden Gebäude d​er Fachhochschule entstand a​uf der westlichen Ruhrseite i​m Stadtteil Broich.[69] Der Campus w​urde am 6. Juni 2016 offiziell eröffnet u​nd dazu w​urde am 11. Juni z​u diesem Anlass e​in großes Campusfest veranstaltet.[70]

Daneben verfügt die Stadt über ein breites Angebot allgemeinbildender Schulen. Es existieren 29 Grundschulen, vier Förder- und Sonderschulen und als weiterführende Einrichtungen vier Hauptschulen und drei Realschulen (Realschule Broich, Realschule Stadtmitte und die Realschule an der Mellinghofer Straße). Dazu kommen insgesamt elf Schulen der Sekundarstufe II, darunter fünf Gymnasien (Karl-Ziegler-Schule, Otto-Pankok-Schule, Luisenschule, Gymnasium Broich, Gymnasium Heißen), drei Gesamtschulen, zwei Berufskollegs (darunter das Berufskolleg Stadtmitte) sowie die Waldorfschule in Heißen.[71] Die Volkshochschule bietet über 770 Fortbildungskurse an, die von knapp 10.000 Teilnehmern wahrgenommen werden. In der städtischen Musikschule unterrichten fünfzig Voll- und Teilzeitlehrer fast 2.000 Schüler in musikalischer Früherziehung und Instrumentalkursen.

Gesundheitswesen

Zu d​en Kliniken zählt d​as St. Marien-Hospital u​nd das Evangelische Krankenhaus. Inzwischen historisch i​st die Augenheilanstalt Mülheim a​n der Ruhr.

Medien

Die großen überregionalen Zeitungen Westdeutsche Allgemeine Zeitung u​nd Neue Ruhr Zeitung berichten über i​hre jeweiligen Lokalredaktionen v​om regionalen Geschehen i​n Mülheim. Von 1949 b​is 1955 g​ab es d​as Mülheimer Tageblatt, d​as ab 1955 u​nter dem Titel Ruhrnachrichten herausgegeben u​nd 1976 eingestellt wurde. Das Anzeigenblatt Mülheimer Woche, welches ausschließlich regionale Nachrichten bringt, w​ird kostenlos donnerstags u​nd am Wochenende a​n alle Haushalte verteilt.

Der Regionalsender Antenne Ruhr versorgte d​ie beiden Städte Mülheim a​n der Ruhr u​nd Oberhausen s​eit dem 1. September 1990 m​it Unterhaltung u​nd regionalen Neuigkeiten. Am 5. August 2007 w​urde der Sender aufgeteilt u​nd strahlt j​etzt als Radio Mülheim u​nd als Radio Oberhausen aus.

Bekannte Söhne und Töchter der Stadt

Zu den bekanntesten Mülheimern zählen die weltweit wirkenden Unternehmer und Industriellen Johann Dinnendahl (1780–1849), Mathias Stinnes (1790–1845), Carl Nedelmann (1867–1947), Hugo Stinnes (1870–1924), Fritz Thyssen (1873–1951) und Kurt Conle (1918–1966). Aus dieser Zeit ist auch der in Mülheim lebende und sich politisch engagierende spätere ADAV-Vorsitzende Wilhelm Hasenclever (1837–1889) zu nennen. Auch auf kulturellem und religiösem Gebiet brachte Mülheim eine stattliche Zahl von Persönlichkeiten hervor: den Prediger, geistlichen Dichter und Liederschreiber Gerhard Tersteegen (1697–1769), den Arzt und Schriftsteller Carl Arnold Kortum (1745–1824), den Schriftsteller und Lehrer Hermann Adam von Kamp (1796–1867), den Komponisten August Bungert (1845–1915), den Maler und Karikaturisten Hermann Haber (1885–1942), der im KZ Auschwitz ermordet wurde, den Maler und Bildhauer Otto Pankok (1893–1966) sowie die Maler Werner Gilles (1894–1961), Hermann Prüßmann (* 1899), der Autor und Maler Erwin Bowien (1899–1972)[72], Heinrich Siepmann (1904–2002) und Daniel Traub (1909–1995).

Schließlich s​ind auch d​ie beiden Wissenschaftler u​nd Direktoren d​es Max-Planck-Institutes für Kohlenforschung Franz Fischer (1877–1947) u​nd der Nobelpreisträger Karl Ziegler (1898–1973) z​u erwähnen.

Bekanntere Persönlichkeiten d​er jüngeren Vergangenheit s​ind der Leiter d​er „Zentralstelle für jüdische Auswanderung i​n AmsterdamFerdinand a​us der Fünten (* 1909), d​er sich a​m Holocaust beteiligte, d​er Kunstmäzen Udo v​an Meeteren (* 1926), d​er Bildhauer Ernst Rasche (1926–2018), d​ie Künstlerin Edith Polland-Dülfer (1931–2018), d​er Showmaster Wim Thoelke (1927–1995), d​er Theatermacher Roberto Ciulli (* 1934), d​er Komponist u​nd Kirchenmusiker Wolfgang Hufschmidt (1934–2018), d​er Jazzmusiker Helmut Schlitt (1934–2005), d​er Künstler Peter-Torsten Schulz (* 1944), d​ie Autorin u​nd langjährige NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze (* 1949), d​ie sozialdemokratischen Politikerinnen Cornelia Rundt (* 1953) u​nd Monika Griefahn (* 1954), d​er Entertainer Helge Schneider (* 1955), d​ie ehemalige nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (* 1961), d​ie Fußballspieler Hans-Günter Bruns (* 1954) u​nd Willi Landgraf (* 1968), d​er Historiker Alexander C. T. Geppert (* 1970), d​er Fußball-Torhüter André Lenz (* 1973), d​er Kabarettist René Steinberg (* 1973), d​ie Hockeyspielerin Tina Bachmann (* 1978), Manuellsen (* 1979) Musiker u​nd Rapper, d​er Pianist u​nd Komponist Aris Alexander Blettenberg (* 1994) d​er Fußballspieler Marvin Schulz (* 1995), Medizinerin u​nd Webvideoproduzentin Carola Holzner (* 1982) s​owie Nobelpreisträger für Chemie Benjamin List (*1968).

Ehrenbürger

Die Stadt Mülheim an der Ruhr hat seit 1880 dreizehn Personen zu Ehrenbürgern ernannt. Es handelt sich um den preußischen Feldpropst Peter Thielen (1880), den Mülheimer Reichstagsabgeordneten Friedrich Hammacher (1888), den Reichskanzler Otto von Bismarck (1895), den Großindustriellen August Thyssen (1912), die Mülheimer Oberbürgermeister Paul Lembke (1928) und Heinrich Thöne (1960), den Kreishandwerksmeister Max Kölges (1962), den Chemiker und Nobelpreisträger Karl Ziegler (1963) sowie Jacques Marx (2020), den langjährigen Vorsitzenden der örtlichen jüdischen Gemeinde[73]. Die Ehrenbürgerschaften von Paul von Hindenburg (1933), Adolf Hitler (1933), Emil Kirdorf (1935) und Adolf Wirtz (1941) wurden 1995 durch den Rat der Stadt Mülheim aberkannt. Zwischen 1963 und 2020 erfolgten keine Verleihungen.

Stadtansichten

Panorama von Mülheim an der Ruhr – Blick nach Südosten – Detailmarkierungen

Literatur

  • Hermann Adam von Kamp: Das Schloss Broich und die Herrschaft Broich. Eine Sammlung geschichtlicher Merkwürdigkeiten I. Theil. Nebst einer Abbildung vom Schlosse Broich und dessen nächster Umgebung. Mülheim an der Ruhr 1852; Reprint Kessinger Pub. 2010, ISBN 978-1-161-28385-3.
  • Geschichte der bergischen Unterherrschaft Broich sowie der Stadt Mülheim an der Ruhr. Bearbeitet von Oberlehrer a. D. Klanke (Duisburg) und Pfarrer Dr. Richter (Mülheim a. d. Ruhr). Baedeker, Mülheim a. d. Ruhr 1891, OCLC 557860613
  • Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908. Hrsg. vom Geschichtsverein Mülheim an der Ruhr e. V. Mülheim an der Ruhr 1908, Nachdruck ebd. 1983 (Digitalisat).
  • Hans Schubert (Hrsg.): Urkunden und Erläuterungen zur Geschichte der Stadt Mülheim an der Ruhr (796–1508). Hrsg. von Hans Schubert im Auftrage des Mülheimer Geschichtsvereins. Schroeder, Bonn 1926, DNB 362549834.
  • Otto R. Redlich: Mülheim a. d. Ruhr. Seine Geschichte von den Anfängen bis zum Übergang an Preußen 1815. Selbstverlag der Stadt, Mülheim an der Ruhr 1939, DNB 575744243; Nachdruck ebd. 1959.
  • Erich Keyser (Hrsg.): Rheinisches Städtebuch. Band III, 3. Teilband aus Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte. Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft der historischen Kommissionen und mit Unterstützung des Deutschen Städtetages, des Deutschen Städtebundes und des Deutschen Gemeindetages. Kohlhammer, Stuttgart 1956.
  • Ilse Barleben: Mülheim a. d. Ruhr. Beiträge zu seiner Geschichte von der Erhebung zur Stadt bis zu den Gründerjahren. Mülheim an der Ruhr 1959, DNB 450233111.
  • Geschichtsverein Mülheim an der Ruhr (Hrsg.): 900 Jahre Mülheim an der Ruhr 1093–1993. Jubiläumsschrift zur 900-jährigen Stadtgeschichte, Mülheim an der Ruhr 1993.
  • Barbara Kaufhold: Jüdisches Leben in Mülheim an der Ruhr. Verlag Klartext, Essen 2004, ISBN 3-89861-267-8.
  • Horst A. Wessel (Hrsg.): Mülheimer Unternehmer: Pioniere der Wirtschaft. Hrsg. im Auftrag des Förder- und Trägervereins Gründer- und Unternehmermuseum Mülheim an der Ruhr e. V. Verlag Klartext, Essen 2006, ISBN 3-89861-645-2.
  • Hans-Werner Nierhaus: Die Stadt Mülheim an der Ruhr und der Zweite Weltkrieg 1939–1945. Verlag Klartext, Essen 2007, ISBN 978-3-89861-857-1.
  • Geschichtsverein Mülheim an der Ruhr (Hrsg.): Zeugen der Stadtgeschichte – Baudenkmäler und historische Orte in Mülheim an der Ruhr. Verlag Klartext, Essen 2008, ISBN 978-3-89861-784-0.
  • Barbara Kaufhold: Leben am Fluss. Mülheim an der Ruhr. Klartext Verlag, Essen 2011, ISBN 978-3-8375-0426-2.
  • Hans-Werner Nierhaus: Zwischen Kriegsbegeisterung, Hunger und Umsturz – Mülheim an der Ruhr im Ersten Weltkrieg. Verlag Klartext, Essen 2015, ISBN 978-3-8375-1438-4.
  • Peter Korte: Du mein Mülheim – Die sympathische Stadt am Fluss. Anno-Verlag, Ahlen 2020, ISBN 978-3-939256-96-0.
Commons: Mülheim an der Ruhr – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Mülheim an der Ruhr – in den Nachrichten

Einzelnachweise

  1. Bevölkerung der Gemeinden Nordrhein-Westfalens am 31. Dezember 2020 – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 21. Juni 2021. (Hilfe dazu)
  2. Die Max-Planck-Gesellschaft: Die Mülheimer Max-Planck-Institute. In: Die Mülheimer Max-Planck-Institute. Abgerufen am 1. September 2020.
  3. HRW Geschichte | HRW Profil | Die HRW | Hochschule Ruhr West. Abgerufen am 1. September 2020.
  4. BUND Mülheim: Naturräumliche Aspekte. (Nicht mehr online verfügbar.) In: debitel.net. Archiviert vom Original am 8. Juni 2004; abgerufen am 17. Januar 2019.
  5. Stadtgliederung Mülheim an der Ruhr. In: muelheim-ruhr.de, abgerufen am 2. Januar 2013.
  6. Offizielle Bevölkerungszahlen der Stadtverwaltung, abgerufen am 17. Januar 2015.
  7. Wahlen in Mülheim (Ruhr) 1920–1932. In: kpd-sozialgeschichte, abgerufen am 6. März 2017.
  8. Thomas Emons: Eine hohe Zierde der Stadt. (Nicht mehr online verfügbar.) In: derwesten.de. 16. August 2007, archiviert vom Original am 4. September 2015; abgerufen am 6. März 2017.
  9. Bergbauführung über die Zeche Rosenblumendelle – Ende und Neuanfang vor 200 Jahren. Abgerufen am 1. September 2020.
  10. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 292.
  11. Einst war Mülheim protestantisch geprägt
  12. Stadt Müllheim an der Ruhr Religion, Zensus 2011
  13. Müllheim Bevölkerungsbestand am 31.12.2021 Einwohnerzahlen im Kurzüberblick Seite 7, abgerufen am 11. Februar 2022
  14. Bistum Essen Zahlen
  15. Kapitel Kurze Geschichte der Kreissynode Düsseldorf – An der Ruhr 1817–1935. In: Kreissynode an der Ruhr (Hrsg.): Gemeindebuch. Lichtweg Verlag, Essen 1952, S. 23 ff.
  16. Handbuch des Bistums Essen. 2. Ausgabe. Band 1: Geschichte. Essen 1974, S. 193.
  17. Michael F. Feldkamp: Die Rechnungsbücher aus der Abbreviatur der Kölner Nuntien Lucini, Bellisomi und Pacca. In: Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Band 78, Heft 1. Stuttgart 1991, ISSN 0254-4334, S. 82–96, hier: S. 93.
  18. Bistum Essen Geschichte und Zahlen Seite 307, abgerufen am 20. Juli 2020
  19. Bericht der Nebenklagevertreter:
    „Kurt Gutmann, der einzige deutsche Nebenkläger, erfuhr erst in den neunziger Jahren, dass seine aus Mülheim an der Ruhr stammende Mutter und sein Bruder nach Izbica in Polen gebracht worden waren. Von dort seien sie nach Sobibor ins Gas geschickt worden.“
    Anwälte der Nebenkläger im Sobibor-Prozess gegen John Demjanjuk: Nebenkläger im Demjaniuk-Verfahren: „Sobibor ist eine offene Wunde“. 21. Dezember 2009 (Zusammenfassung der Zeugenaussagen)
  20. Kurt Gutmann (PDF; 93 kB). In: nebenklage-sobibor.de, abgerufen am 11. April 2017 (Klage wegen der Ermordung seiner Mutter Janette und seines Bruders Hans-Josef).
  21. Suche im Namenverzeichnis. Suche nach Wohnort „Mülheim Ruhr“ (sic!). In: bundesarchiv.de/gedenkbuch, abgerufen am 22. Februar 2019.
  22. Gemeinsamer Antrag der SPD- und CDU-Fraktion vom 20. Januar 2005. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 29. April 2013; abgerufen am 26. Oktober 2016.
  23. Haushaltsplan 2016 der Stadt Mülheim – Anlage Bilanz. (PDF; 14,7 MB). In: muelheim-ruhr.de, abgerufen am 11. April 2017.
  24. Oberbürgermeisterwahl 2015 – Wahlinformation. Stadt Mülheim an der Ruhr, abgerufen am 15. September 2015.
  25. Ulrich Scholten nun offiziell Verwaltungschef. Stadt Mülheim an der Ruhr, abgerufen am 21. Oktober 2015.
  26. Oberbürgermeisterstichwahl - RVR-Wahl / Kommunalwahlen 2020 in der Stadt Mülheim an der Ruhr - Gesamtergebnis. Abgerufen am 10. Oktober 2020.
  27. https://www.wahlergebnisse.nrw/kommunalwahlen/2020/aktuell/a117000kw2000.shtml
  28. Ratswahl - RVR-Wahl / Kommunalwahlen 2020 in der Stadt Mülheim an der Ruhr - Gesamtergebnis. Abgerufen am 10. Oktober 2020.
  29. Mirco Stodollick: Das wollen CDU und Grüne bis 2025 in Mülheim erreichen. In: waz.de. 29. Januar 2021, abgerufen am 25. Februar 2021.
  30. Zeitzeichen 18. Dezember 1925: Bestätigung des Stadtwappens. In: muelheim-ruhr.de. 4. Januar 2016, abgerufen am 24. Oktober 2016.
  31. Satzung über die Auszeichnung für besondere Verdienste um die Stadt Mülheim an der Ruhr vom 30. Juni 2006 in der Fassung der ersten Änderungssatzung vom 16. Mai 2002. In: muelheim-ruhr.de. 18. Januar 2016, abgerufen am 24. Oktober 2016 (§ 2 Abs. 1 und 2).
  32. Hauptsatzung für die Stadt Mülheim an der Ruhr vom 21. Juni 2000 in der Fassung vom 14. Juli 2014 (geändert durch die Zehnte Satzung vom 2. Mai 2008 zur Änderung der Hauptsatzung) (PDF; 3,1 MiB): § 4 Wappen, Flagge und Dienstsiegel: „(1) Die Stadt führt ihr bisheriges Wappen und die gelbrote Stadtflagge. Die Stadtflagge kann alternativ als gelbrote Streifenflagge mit aufgelegtem Stadtwappen geführt werden.“ (geändert durch die Zehnte Satzung vom 2. Mai 2008 zur Änderung der Hauptsatzung).
  33. Mülheimer Baudenkmäler: Schloss Broich. In: muelheim-ruhr.de, abgerufen am 20. Februar 2013.
  34. Erklärung der Stadt Mülheim an der Ruhr: Städtepartnerschaften der Stadt Kouvola. In: muelheim-ruhr.de, abgerufen am 1. Juni 2019.
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