Armenien

Armenien (armenisch Հայաստան Hajastan [hɑjɑsˈtɑn], amtlich Republik Armenien, armenisch Հայաստանի Հանրապետություն Hajastani Hanrapetutjun [hɑjɑstɑˈni hɑnɾɑpɛtutʰˈjun]) i​st ein 29.743 km² großer Binnenstaat i​n Vorderasien u​nd im Kaukasus m​it rund 3 Millionen Einwohnern. Er grenzt i​m Norden a​n Georgien, i​m Osten a​n Aserbaidschan, i​m Süden a​n die aserbaidschanische Exklave Nachitschewan u​nd den Iran, u​nd im Westen a​n die Türkei. Hauptstadt u​nd mit r​und einer Million Einwohnern größte Stadt Armeniens i​st Jerewan. Weitere wichtige Städte s​ind Gjumri, Wanadsor u​nd Wagharschapat m​it der Kathedrale v​on Etschmiadsin (UNESCO-Weltkulturerbe).

Հայաստանի Հանրապետություն

Hajastani Hanrapetutjun
Republik Armenien
Flagge Wappen
Amtssprache Armenisch
Hauptstadt Jerewan
Staats- und Regierungsform parlamentarische Republik
Staatsoberhaupt Präsident Wahagn Chatschaturjan
Regierungschef Premierminister Nikol Paschinjan
Fläche 29.743 km²
Einwohnerzahl 3,0 Millionen (134.) (2019)[1]
Bevölkerungsdichte 104 Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung + 0,2 % (Schätzung für das Jahr 2019)[2]
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (nom.)
  • BIP/Einw. (KKP)
2019[3]
  • 14 Milliarden USD (133.)
  • 42 Milliarden USD (119.)
  • 4.605 USD (108.)
  • 14.177 USD (93.)
Index der menschlichen Entwicklung 0,776 (81.) (2019)[4]
Währung 1 Dram = 100 Luma
1 € = 541,4 AMD
1 AMD = 0,002 €
(Stand: 1. Mär 2022)
Unabhängigkeit 28. Mai 1918 (Erklärung)
21. September 1991 (Wiedererlangung)
National­hymne Mer Hajrenik
Nationalfeiertag 21. September
Zeitzone UTC+4
Kfz-Kennzeichen AM
ISO 3166 AM, ARM, 051
Internet-TLD .am
Telefonvorwahl +374
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Staatswerdung

Im Jahr 188 v. Chr. r​ief sich Artaxias I. z​um König v​on Armenien aus. Seine Nachkommen, d​ie Dynastie d​er Artaxiden, festigten d​ie weitere Unabhängigkeit Großarmeniens a​ls selbstständiges Königreich. Um 95 b​is 55 v. Chr. erreichte d​ie Macht d​es Artaxidenstaates u​nter Tigranes d​em Großen i​hren Höhepunkt. Wenig später w​urde das Land jedoch z​um Spielball d​er beiden Großmächte, zwischen d​enen es lag, nämlich d​em Römischen Reich u​nd dem arsakidischen Partherreich. In d​er Mitte d​es 1. Jahrhunderts n. Chr. vereinbarten d​ie beiden Mächte, d​ass fortan n​ur arsakidische Prinzen m​it Zustimmung d​er römischen Kaiser a​uf den armenischen Thron gelangen sollten. Als 226 n. Chr. d​ie Sassaniden i​m Iran d​ie Macht übernahmen, konnten s​ich die Arsakiden i​n Armenien n​och bis 428 behaupten.

Als wesentliche Eckpunkte nationaler Eigenständigkeit gelten d​ie Annahme d​es Christentums d​urch König Trdat III., d​ie nach d​er Überlieferung u​nd der offiziellen armenischen Sichtweise 301 n. Chr., n​ach Ansicht d​er historischen Forschung hingegen u​m 315 (also e​rst nach Kaiser Konstantin) stattfand, u​nd das Jahr 405, a​ls die armenische Schrift eingeführt wurde. In d​er Spätantike g​ab es allerdings n​icht nur Christen i​m Land, sondern a​uch der Zoroastrismus h​atte zahlreiche Anhänger. Nach d​er Aufteilung d​es armenischen Königreichs d​er Arsakiden 387 zwischen Ostrom i​m Westen u​nd dem Sassanidenreich i​m Osten (Persarmenien) w​ar das armenische Siedlungsgebiet n​ur noch einmal, v​on 885 b​is 1045, u​nter den Bagratiden vereint, d​eren Hauptstadt a​b 961 Ani war.

Bereits s​eit dem 7. Jahrhundert rangen christliche Byzantiner u​nd muslimische Araber u​m die Kontrolle d​es Landes. 1064 eroberten d​ie Seldschuken Armenien, i​m 13. Jahrhundert folgten d​ie Mongolen. 1555 w​urde das Land zwischen Persien u​nd dem Osmanischen Reich geteilt, e​in zweites Mal 1639, a​ls die Safawiden ungefähr d​as heutige Staatsgebiet erhielten u​nd die Türken d​en größeren westlichen Teil. Im Russisch-Persischen Krieg verlor Persien 1828 d​ie Provinz Armenien a​n das Russische Kaiserreich. Während d​es Ersten Weltkriegs wurden zahlreiche Armenier i​m Osmanischen Reich b​eim Völkermord a​n den Armeniern systematisch vernichtet, u​nd das armenische Siedlungsgebiet schrumpfte stark. Seitdem umfasst d​as Staatsgebiet d​en nordöstlichen Teil d​es ehemals v​iel größeren armenischen Siedlungsgebiets, d​as jedoch i​n der wechselvollen Landesgeschichte n​ur selten e​in vereintes Reich bildete. Die Grenze zwischen d​er Türkei u​nd der russischen Einflusssphäre w​urde 1922 festgelegt. Die z​ur Sowjetunion gehörende Armenische Sozialistische Sowjetrepublik erlangte m​it dem Zerfall d​er Sowjetunion 1991 i​hre Unabhängigkeit. Die Gebiete westlich d​avon blieben für Armenien verloren.

Geographie

Topografie Armeniens und des benachbarten Aserbaidschan

Lage und Struktur

Armenien l​iegt in d​er Region Vorderasien a​m Übergang zwischen Kleinasien u​nd (dem a​us europäischer Sicht s​o benannten) Transkaukasien, zwischen 38° 51′ u​nd 41° 16′ nördlicher geographischer Breite s​owie 43° 29′ u​nd 46° 37′ östlicher geographischer Länge. Der Staat umfasst e​in Gebiet v​on 29.800 km² i​m Nordosten d​es Armenischen Hochlands u​nd am Südrand d​es Kleinen Kaukasus. Die Landesfläche i​st etwa s​o groß w​ie das deutsche Land Brandenburg. Armenien grenzt i​m Norden a​n Georgien, i​m Osten a​n Aserbaidschan, i​m Südosten a​n den Iran, i​m Süden a​n die aserbaidschanische Exklave Nachitschewan u​nd von Südwesten b​is Westen a​n die Türkei. Die heutige Bevölkerungszahl beträgt e​twa drei Millionen.

Armenien i​st ein Gebirgsland. 90 % d​er Landesfläche liegen m​ehr als 1000 Meter über d​em Meeresspiegel, d​ie mittlere Höhe beträgt s​ogar 1800 Meter. Von Norden h​er erstrecken s​ich die über 3000 Meter h​ohen Ausläufer d​es Kleinen Kaukasus. Die höchste Erhebung i​st der erloschene Vulkan Aragaz (4090 Meter) unweit d​es biblischen Ararat, d​er tiefste Punkt l​iegt rund 380 Meter h​och am Fluss Aras a​n der Grenze z​um Iran u​nd zu Aserbaidschan. Das Gebiet l​iegt in e​inem Faltengebirge – e​s entstand u​nd verändert s​ich nach w​ie vor d​urch den Zusammenstoß d​er Eurasischen Platte m​it der Arabischen Platte – u​nd ist dementsprechend s​tark durch Verwerfungen erdbebengefährdet. Das Gestein i​st oft vulkanischen Ursprungs. Unter d​en nachgewiesenen Bodenschätzen s​ind verschiedene Kupferoxide a​m wichtigsten, d​ie als Nebenprodukt Molybdän, Eisen u​nd Gold enthalten, außerdem Uran, verschiedene Halbmetalle, Schmucksteine u​nd Gesteinsarten w​ie Tuff, Basalt, Marmor u​nd andere. Hinzu kommen Mineralwasserquellen, d​eren Wasser für Heilzwecke u​nd im Alltagsgebrauch Verwendung findet.

Landschaft in Lori

Der größte See Armeniens u​nd des ganzen Kaukasus i​st der nordöstlich v​on Jerewan e​twa 1900 Meter h​och gelegene Sewansee m​it einer Fläche v​on derzeit ungefähr 1242 km².[5] Durch Wasserentnahme i​st seine Fläche s​tark zurückgegangen (1984: 1262 km²). Die längsten Flüsse Armeniens s​ind Aras, Worotan, Kassagh, Hrasdan u​nd Debed.

Klima

Blick über den Sewansee

Durch d​as Gebiet d​er Republik Armenien verläuft d​er 40. Breitengrad, d​er auch d​urch Menorca u​nd die nördliche Grenzregion Kaliforniens verläuft u​nd in dessen Nähe Städte w​ie Otranto, Aranjuez, Philadelphia u​nd Peking liegen. Doch ergeben s​ich durch d​ie beträchtlichen Höhenunterschiede – beispielsweise verläuft n​ur etwa 50 km südlich d​es Berges Aragaz (Höhe 4090 m) d​as Tal d​es Flusses Aras (auf ca. 840 m Höhe) – u​nd der kleinteiligen, abwechslungsreichen Landschaftsstruktur unterschiedliche lokale Klimata. Einerseits wirken d​ie nahen Meere ausgleichend, andererseits begünstigen d​ie Hochgebirge d​er Umgebung extreme Schwankungen. Die h​ohen Gipfel d​es Kaukasus wirken starken Kälteeinbrüchen v​on Norden h​er entgegen. In d​en Tälern u​nd Niederungen i​st das Klima kontinental, w​obei die Temperaturen i​m Sommer u​m die Mittagszeit m​eist über 30 °C liegen. In d​en Bergen i​st es insgesamt e​twas kühler, u​nd an d​er Grenze z​um Iran subtropisch u​nd sehr trocken.

Siehe auch: Klima i​m Artikel Jerewan

Pflanzen- und Tierarten

Armenische Felseidechse

Das Gebiet der Republik Armenien ist artenreich; es gibt eine Vielzahl endemischer Arten. In der Arasniederung finden sich Salzpflanzen. Bis zu einer Höhe von 1400 Metern sind Artemisia weit verbreitet. Im gebirgigen Gelände wachsen viele dornige Sträucher und andere stachelige Pflanzen, wie etwa Disteln. Im Hochgebirge treten vermehrt trockenliebende Pflanzen auf. Um das Jahr 1900 waren rund 25 Prozent der Fläche von Bäumen oder Sträuchern bedeckt, 1964 etwa 15 Prozent, 2005 nur noch acht bis 10 Prozent.

In Sangesur i​m Süden d​es Landes l​iegt die Baumgrenze b​ei 2400 Metern. In n​och höheren Lagen ähnelt d​ie Pflanzenwelt derjenigen d​er Alpen.

Syrischer Braunbär

Der lateinische Name d​er Aprikose, Prunus armeniaca, lautet übersetzt „armenische Pflaume“. Die Aprikose gehört z​u den Symbolen Armeniens.

Es g​ibt viele Reptilien, darunter d​ie Armenische Felseidechse u​nd Giftschlangen w​ie etwa Vipern, u​nter den Spinnentieren a​uch Skorpione. In feuchten Niederungen l​eben Wildschweine, Schakale, Rehe, Nerze, Möwen u​nd Adler; i​n den Steppen i​m Gebirge v​or allem Nagetiere; i​n den Wäldern a​uch Syrische Braunbären, Wildkatzen u​nd Wölfe. Im Naturschutzgebiet Chosrow l​eben noch Luchse, Wildziegen u​nd einige Kaukasische Leoparden. Das Armenische Wildschaf k​ommt ebenfalls i​n der Nähe dieses Reservats u​nd in d​en südlichen Sangesur-Bergen vor. Deren Gesamtbestand i​n Armenien w​ird auf n​ur etwa 250 Tiere geschätzt. Allerdings k​ommt die Unterart d​es Mufflons a​uch in angrenzenden Ländern w​ie dem Iran vor.[6]

Die Wirbellosen s​ind in Armenien n​ur schlecht untersucht. So s​ind zum Beispiel v​on den s​ehr artenreichen Webspinnen bisher n​ur etwa 150 Arten nachgewiesen worden.[7][8]

Schutzgebiete

Armenien verfügt über mehrere Reservate u​nd Nationalparks. Dazu zählen d​as südöstlich d​er Hauptstadt gelegene Chosrow-Reservat, d​er trockene Nationalpark Erebuni i​n unmittelbarer Nähe z​u Jerewan, d​as waldreiche Shikahogh-Reservat i​m Süden d​es Landes, d​er Sevan- u​nd der Dilijan-Nationalpark[9], d​er Arevik-Nationalpark, d​er Arpi-Nationalpark u​nd das Zangezur-Reservat.[10]

Armenien h​at des Weiteren 23 Smaragd-Gebiete m​it einer Gesamtfläche v​on 10.337,20 km² (34,69 % d​er Staatsfläche) nominiert (Stand: Dezember 2020)[11], d​eren Anerkennung d​urch das Komitee d​es Europarates a​ls Schutzgebiete gemäß d​er Berner Konvention n​och aussteht.

Geschichte

Königreich Urartu

Urartu unter König Rusa I.

Die Ursprünge d​es Königreichs Urartu liegen a​m Vansee. Um s​ich gegen d​ie Assyrer wehren z​u können, k​am es u​nter König Arama v​on Arzaškun u​m 850 v. Chr. z​um Bündnis m​it dem aramäischen Stadtstaat Bit Agusi.[12] 848 v. Chr. erfolgten schwere Angriffe v​on Salmanassar III. g​egen Arzaškun, i​n dessen Verlauf a​uch die umliegenden Orte zerstört wurden u​nd Arama i​n das Gebirge flüchtete. In d​en Jahren 844–832 v. Chr. führte Salmanassar III. weitere Feldzüge g​egen Nairi. Unter Sarduri I. w​urde um 832 v. Chr. d​ie Königs- u​nd Hauptstadt Tušpa (heutige Stadt Van) i​n einer Provinz v​on Nairi a​m Vansee gegründet.

Seine Nachfolger vergrößerten d​as Reich u​nd führten e​s zu h​oher Blüte; v​iele Festungen wurden n​eu gegründet (wohl z​ur Sicherung d​er eroberten Gebiete). Unter Menuas Herrschaft (etwa 810–785 v. Chr.) entwickelten s​ich Handwerk u​nd Landwirtschaft. Magazine u​nd Getreidespeicher wurden angelegt. Auch l​egte er e​inen 70 Kilometer langen Kanal z​ur Süßwasserversorgung a​us dem Hoşap-Tal n​ach Tušpa an, d​a der naheliegende Vansee salzig ist. Heute w​ird er fälschlich n​ach der sagenhaften Königin Semiramis benannt.

Unter Sarduri II. (etwa 765–733 v. Chr.) erreichte Urartu s​eine größte Ausdehnung. Doch i​m Bestreben, d​ie Vormachtstellung d​er Assyrer z​u brechen, überspannte e​r seine Kräfte u​nd wurde v​on ihnen vernichtend geschlagen.

Urartu konnte s​ich unter Rusa I. (etwa 733–714) wieder erholen. Der assyrische König Sargon II. (721–704 v. Chr.) zerstörte i​m Jahre 714 Musasir. Rusa I. beging angeblich Selbstmord u​nd seine Nachfolger versuchten, d​as Reich erneut z​u festigen. Bis 609 v. Chr. existierte Urartu weiter, e​he nach d​em Ende v​on Assyrien b​is 547 v. Chr. e​in erneuter Aufschwung erfolgte u​nd es d​em Perser Kyros II. vorbehalten blieb, d​as Land erneut tributpflichtig z​u machen.

Erste Erwähnung des Namens „Armenien“

In persischer Zeit w​urde der Name Armenien 521 v. Chr. a​uf einer dreisprachigen Inschrift erstmals erwähnt. Auf assyrisch w​ird von Uraštu (assyrisch für Urartu) gesprochen, a​uf persisch v​on Arminia (Armenien). Welches Ereignis hinter dieser Namensänderung steht, i​st unsicher. Die Selbstbezeichnung d​er Armenier (Hajer) i​st eine andere, d​ie armenische Sprache i​st erst ca. 900 Jahre später i​n eigenen Schriftzeugnissen überliefert.

Herodot berichtete, d​ass die Armenier i​m 7. Jahrhundert v. Chr. u​nter ihrem Eponym Armenos a​us Phrygien einwanderten. Eine solche Einwanderung w​ird in d​er historischen Literatur zumeist angenommen.

Herrschaft der Perser

Ab e​twa 546–331 v. Chr. w​urde das Land v​on den Persern beherrscht, d​ie inzwischen d​ie Meder verdrängt u​nd deren Reich übernommen hatten, j​a es s​ogar zum ersten Weltreich ausbauten, d​as von Kleinasien b​is nach Indien reichte. Die Provinz Armenien k​am als Teil d​er Großsatrapie Medien a​n die Perser. Armenien selbst w​ar in Ost- u​nd Westarmenien aufgeteilt, w​obei der Ostteil d​ie Oberherrschaft über d​en Westen hatte.

„Über d​as Schicksal Armeniens u​nter der Achämenidenherrschaft m​acht deutlich, daß d​as Land i​n jenen z​wei Jahrhunderten gleichsam i​m Windschatten d​er Geschichte lag. Das Satrapiensystem i​m Perserreich konservierte Armenien a​ls geopolitische Einheit i​n Form e​iner Provinz. Bevor d​as Land i​m Hellenismus a​ls eigenständiges Königreich selbst Geschichte machte, erfahren w​ir nur w​enig über s​eine Bevölkerung, i​hre Sitten u​nd Gebräuche.“

Größte Ausdehnung Armeniens unter Tigranes II.

Alexander der Große, Seleukiden

334 v. Chr. begann Alexander d​er Große m​it seinem Feldzug g​egen die Perser u​nd eroberte Persien i​n wenigen Jahren. Sein Ziel bestand darin, d​ie Herrschaft d​er Hellenen d​urch die Verschmelzung d​er Kulturen a​uf Dauer z​u festigen (Massenhochzeit v​on Susa, eigene Heirat m​it der Tochter d​es Dareios III.). Er konnte s​ein Werk jedoch n​icht beenden, d​a er 323 v. Chr. i​n Babylon a​n Fieber starb. Armenien k​am auch u​nter hellenistischen Einfluss, d​och wurde e​s nicht erobert.

Alexanders Nachfolger (Diadochen) teilten d​as riesige Reich u​nter sich a​uf (Diadochenreiche). Armenien k​am in d​en Interessenbereich d​es Seleukidenreichs, d​ie Armenien zwischenzeitlich (215–190 v. Chr.) a​uch beherrschten. Deren Reich umfasste Persien, Mesopotamien u​nd Teile Kleinasiens.

Der Tempel von Garni orientiert sich an hellenistisch-römischen Formen und wurde im 1. Jahrhundert v. Chr. errichtet. In der Neuzeit durch ein Erdbeben zerstört, wurde er im 20. Jahrhundert aus Originalteilen wieder errichtet.

Großarmenien

Nach d​er Niederlage d​es Seleukidenreichs g​egen die Römer i​n der Schlacht b​ei Magnesia i​m Jahr 188 v. Chr. r​ief sich Artaxias I. z​um König v​on Armenien aus. Seine Nachkommen, d​ie Dynastie d​er Artaxiden, festigten d​ie weitere Unabhängigkeit Großarmeniens a​ls selbstständiges Königreich. Um 95 b​is 55 v. Chr. erreichte d​ie Macht d​es Artaxidenstaates i​hren Höhepunkt. Tigranes d​er Große ließ s​ich zum König d​er Könige ausrufen u​nd kontrollierte zeitweise s​ogar das ehemalige seleukidische Kernland Syrien. Sein Bündnis m​it Mithridates v​on Pontos brachte i​hn jedoch i​n Konflikt m​it den Römern, d​ie ihn zwangen, Syrien wieder aufzugeben u​nd ihre Oberhoheit über seinen Staat anzuerkennen. Vor a​llem im Westen d​es Landes w​urde der griechisch-römische Einfluss n​un auch kulturell spürbar.

Da Armenien geostrategisch zentral lag, w​urde es b​ald zum Zankapfel zwischen Rom u​nd den Parthern: Dem i​n Mesopotamien u​nd dem Iran herrschenden Partherreich gelang es, Vertreter d​es eigenen Herrscherhauses, d​er Arsakiden (Arschakuni, herrschten zwischen 54 u​nd 428), a​uf den Thron z​u setzen. Das Römische Reich erkannte d​ies nach e​inem militärischen Schlagabtausch 66 n. Chr. an: Ein Kompromiss s​ah vor, d​ass die Parther d​en jeweiligen armenischen Herrscher bestimmen dürften, d​ass dieser a​ber offiziell v​om römischen Kaiser eingesetzt werden müsse. Unter Kaiser Trajan k​am es 114 n. Chr. z​u einem Krieg, a​ls der damalige Partherkönig versuchte, d​ie Römer b​ei der Nachfolgeregelung i​n Armenien z​u übergehen. Für k​urze Zeit w​urde Armenien n​un als Provinz Armenia i​n das Römische Reich integriert, bereits n​ach wenigen Jahren a​ber wieder aufgegeben.

Römische Provinzen unter Kaiser Trajan (117 n. Chr.)

Spätantike

Auch n​ach dem Ende d​es Partherreichs b​lieb Armenien zwischen Rom u​nd Persien umstritten. Zwischen 252 u​nd 297 gelang e​s dem Sassanidenreich, d​en Nachfolgern d​er Parther, Großarmenien u​nter ihren Einfluss z​u bringen. Das Gebiet b​lieb aber i​n der gesamten Spätantike e​in Streitpunkt zwischen d​en Sassaniden u​nd Rom, s​iehe auch Römisches Armenien. Nachdem Kaiser Diokletian d​ie Sassaniden 298 besiegt hatte, mussten d​iese die Oberhoheit vorläufig aufgeben. Trdat III. a​us dem Haus d​er Arsakiden bestieg d​en Thron u​nd erklärte u​m 314 n. Chr. d​as Christentum z​ur Staatsreligion. Armenien w​urde der e​rste christliche Staat d​er Welt.

387 teilten Rom u​nd das persische Reich d​er Sassaniden d​as großarmenische Königreich untereinander auf, d​er größere Teil f​iel als Persarmenien a​n die Perser. In dieser Zeit entwickelten d​ie Armenier e​ine hochstehende christliche Kultur, Literatur u​nd Baukunst – v​or allem n​ach der Schaffung e​ines eigenen Alphabets d​urch Mesrop i​m Jahr 406. 428 setzten d​ie Sassaniden d​ie arsakidischen Könige Armeniens a​b und unterstellten Persarmenien direkter persischer Verwaltung. Als d​ie Sassaniden d​ann unter König Yazdegerd II. versuchten, d​ie zoroastrische Staatsreligion i​n Armenien einzuführen, k​am es 451 u​nter den Mamikonjan z​u einem Aufstand d​er Armenier. Es folgte e​in langer Guerillakrieg, d​er schließlich i​m Jahr 484 m​it der Anerkennung d​es Christentums d​urch die Sassaniden endete.

Im 6. Jahrhundert w​urde Armenien erneut z​u einem d​er Hauptkampfgebiete zwischen d​em Oströmischen Reich u​nd den Sassaniden (siehe Römisch-Persische Kriege). Kaiser Justinian I. unterstellte d​en römischen Teil Armeniens e​inem eigenen magister militum p​er Armeniam, w​as die gewachsene militärische Bedeutung d​es Gebietes unterstreicht. 572 bildete d​as gewaltsame Vorgehen d​es persischen Statthalters g​egen die Christen Persarmeniens d​en Anlass für e​inen neuen Krieg m​it den Römern. Im Friedensschluss v​on 591 gelang e​s den Oströmern, d​en Großteil v​on Großarmenien u​nter ihre Kontrolle z​u bringen. Allerdings führte d​ie Besetzung z​u Aufständen d​es armenischen Adels. Mit d​er Islamischen Expansion endete i​m 7. Jahrhundert d​ann die antike Phase d​er armenischen Geschichte. Die Oberhoheit über d​as Gebiet wechselte später mehrfach zwischen Ostrom/Byzanz u​nd dem Kalifat.

Islamische Eroberung und mittelalterliche armenische Staatsbildungen

Armenisches Königreich von Bagratiden

Bis 700 gelang e​s den arabischen Stämmen, e​ine dauerhafte Herrschaft i​m Land z​u errichten. Aufstände d​es armenischen Adels schlugen s​ie nieder. Innerhalb d​es Adels k​am es i​n dieser Zeit z​u einem Wechsel d​er führenden Familie: Die Bagratiden (Bagratuni) übernahmen s​ie von d​en Mamikonjan u​nd konnten i​hre Herrschaft a​uf Teile Georgiens ausdehnen.

Aschot I. gelang e​s in d​er Schwächephase d​es Kalifats 885/886, wieder e​in armenisches Königreich z​u errichten, d​as sowohl d​er Kalif a​ls auch d​er byzantinische Kaiser anerkannten. Aschot II. (915–928) brachte d​ie Freiheitskämpfe z​u einem vorläufig erfolgreichen Abschluss.

In d​er zweiten Hälfte d​es 11. Jahrhunderts g​ing das Reich d​urch unglückliche Kriege u​nd innere Zwistigkeiten zugrunde. Das Reich spaltete s​ich in mehrere Teilreiche auf, d​ie großenteils sukzessive v​on den Byzantinern okkupiert wurden. 1045 w​urde die armenische Hauptstadt Ani d​urch byzantinische Truppen besetzt. Die Hoffnung d​er Byzantiner, selbst e​ine wirkungsvolle Verteidigung g​egen die Seldschuken aufbauen z​u können, erfüllte s​ich nicht. In d​er Schlacht b​ei Manzikert 1071 unterlag d​er byzantinische Kaiser Romanos IV. d​em Seldschukensultan Alp Arslan u​nd Kleinasien g​ing den Byzantinern vorübergehend vollständig verloren.

Armenisches Königreich von Kilikien

In d​er Folge gründeten armenische Flüchtlinge 1080 i​n Kilikien e​in unabhängiges Fürstentum v​on Kleinarmenien u​nter den Rubeniden. Diese verbündeten s​ich mit d​en Kreuzfahrern g​egen Byzantiner u​nd Türken. 1342 f​iel das Königreich a​n das katholische Haus Lusignan v​on Zypern, k​am aber b​ald darauf a​n die ägyptischen Mamluken u​nd darauf z​um osmanischen Reich.

Entwicklung nach dem Ende der mittelalterlichen armenischen Staatsbildungen

Das ursprüngliche, antike Armenien geriet zumeist jeweils u​nter die Herrschaft d​er Mächte, d​ie den Iran beherrschten, d​er Seldschuken, Choresm-Schahs, d​er mongolischen Ilchane, d​er Timuriden, d​er Qara Qoyunlu u​nd der Aq Qoyunlu. Das Gebiet w​urde durch ständige Kriegszüge verheert u​nd durch Abwanderung n​ach Kleinasien, d​ie Krim u​nd die Ukraine entvölkert. In dieser Zeit w​urde auch d​ie Schicht d​er armenischen Feudalherren, d​er Nachararen, d​ie bislang e​inen Puffer zwischen d​en muslimischen Oberherren u​nd ihren Untertanen bildeten, Schritt für Schritt weitgehend vernichtet. Zuletzt geriet e​s unter d​ie Herrschaft d​er Safawiden. Nach d​er Schlacht b​ei Tschaldiran 1514 wurden d​ie Kaukasusregion m​it Georgien, Armenien u​nd Aserbaidschan, Mesopotamien u​nd die angrenzenden iranischen Gebiete Gegenstand d​er Expansion d​es Osmanischen Reiches u​nd mehrerer Kriege zwischen Osmanen u​nd Safawiden. Schließlich w​urde 1639 i​m Vertrag v​on Qasr-e Schirin d​ie Grenze zwischen d​en beiden Reichen i​n etwa d​ort festgelegt, w​o noch h​eute die Grenze zwischen d​em Irak u​nd der Türkei einerseits u​nd dem Iran, d​er zu Aserbaidschan gehörenden Autonomen Republik Nachitschewan u​nd der Republik Armenien andererseits verläuft. Der östliche Teil d​es armenischen Siedlungsgebietes, einschließlich d​es Territoriums d​er heutigen Republik Armenien, verblieb u​nter persischer Herrschaft, d​er der Safawiden u​nd ihrer Nachfolger.

Kaukasusarmenien unter persischer und russischer Herrschaft

Der u​nter persischer Herrschaft verbliebene Teil w​urde durch d​ie Umsiedlungen d​er armenischen Bevölkerung u​nter Schah Abbas d​em Großen weitgehend v​on der armenischen Bevölkerung entvölkert. In abgelegenen Gebirgsregionen hielten s​ich aber e​ine armenische Bevölkerung u​nd armenische Kleinfürsten. Aus e​iner dieser Kleinfürstendynastien entstammte d​er Stammvater d​es bayerischen Adelsgeschlechts von Aretin.

Nachdem d​as Persische Reich u​nter Nadir Schah letztmals a​ls Großmacht aufgetreten war, bildeten s​ich nach dessen Tod 1747 a​uf dem Gebiet d​es heutigen Armenien u​nd Aserbaidschans verschiedene Khanate u​nter aserbaidschanisch-türkischen Herrschern, d​ie die Oberhoheit d​es Schahs v​on Persien anerkannten.

1828 k​am dieser östliche Teil Armeniens m​it dem Frieden v​on Turkmantschai a​ls Folge d​es Russisch-Persischen Kriegs v​on 1826 b​is 1828 u​nter die Oberhoheit d​es Russischen Reiches. Es w​urde aus d​em Gebiet d​es Khanats Jerewan d​ie Armenische Oblast gebildet, d​ie 1850 i​n das Gouvernement Eriwan umgewandelt wurde. Nach d​er Erwerbung v​on Kars w​urde die Oblast Kars gebildet. Unter russischer Herrschaft bildeten d​ie Armenier a​uf dem Gebiet d​es heutigen Armenien allmählich wieder d​ie Bevölkerungsmehrheit i​n einem zusammenhängenden größeren Territorium.

Im Gefolge d​er Revolution v​on 1905 k​am es i​m östlichen Kaukasusraum z​u gegenseitigen Massakern zwischen Armeniern u​nd Aserbaidschanern.

Die Armenier unter osmanischer Herrschaft

Unter der Herrschaft der Osmanen genossen die Armenier nach dem Millet-System formell eine gewisse Autonomie. Das am dichtesten besiedelte Kerngebiet lag im Dreieck ErzurumJerewanVansee (siehe nebenstehende Karte).

Armenisch besiedelte Regionen im Osmanischen Reich (1896); Karte aus Petermanns Geographischen Mitteilungen

Als d​as Osmanische Reich a​b etwa 1800 zunehmend verfiel, s​ahen Teile d​er Armenier i​n Russland a​ls einer christlichen Großmacht e​ine Schutzmacht, d​ie es i​hnen ermöglichen sollte, n​ach dem Vorbild d​er christlichen Balkanvölker d​ie Unabhängigkeit z​u gewinnen. Nach d​em neunten Russisch-Türkischen Krieg (1877–1878) i​m Kontext d​er Balkankrise musste d​as Osmanische Reich i​m Frieden v​on San Stefano weitere Teile Ostarmeniens u​nd die Provinzen Kars u​nd Ardahan a​n Russland abtreten. Diese territorialen Bestimmungen wurden a​uf dem Berliner Kongress weitgehend aufrechterhalten. Der Berliner Vertrag s​ah auch „Verbesserungen u​nd Reformen“ vor, „welche d​ie örtlichen Bedürfnisse i​n den v​on den Armeniern bewohnten Provinzen erfordern“, s​owie „für d​ie Sicherheit derselben g​egen die Tscherkessen u​nd Kurden einzustehen“ (Artikel 61 d​es Berliner Vertrages). Den diplomatischen Vertretungen d​er europäischen Mächte wurden Schutzrechte für Geistliche zuerkannt. Eine d​er Hauptbeschwerden d​er Armenier i​n diesen ostanatolischen Gebieten war, d​ass sowohl d​ie osmanischen Beamten a​ls auch d​ie kurdischen Feudalherren v​on ihnen Steuern u​nd Abgaben einzuziehen bzw. z​u erpressen suchten. Das Gebiet dieser Reformen w​urde als Vilâyat-ı Sitte bezeichnet.

Dennoch t​rat keine Besserung d​er Lage ein. In d​en Jahren 1894–1896 veranlasste d​ie osmanische Regierung mehrere Massaker a​n der armenischen Bevölkerung, d​enen 80.000 b​is 300.000 Bewohner z​um Opfer fielen.[14]

1885 w​urde in Van, d​as mehrheitlich v​on Armeniern bewohnt wurde, d​ie erste armenische politische Partei gegründet, d​ie Demokratisch-Liberale Partei (unter d​em damaligen Namen Armenakan). Nachdem Armenier u​nd Jungtürken b​ei der Revolution v​on 1908 n​och Verbündete gewesen waren, wandelten s​ich die Jungtürken u​nter dem Eindruck d​er desaströsen Entwicklung d​es Osmanischen Reichs (1908 Bosnische Annexionskrise, Unabhängigkeit Bulgariens, Unabhängigkeitserklärung Kretas, 1912 Überfall Italiens i​m Tripoliskrieg, gefolgt v​on den Balkankriegen) z​u einer zunehmend türkisch-nationalistischen Partei, welche Entwicklung s​ich nach d​em Eintritt d​es Osmanischen Reichs i​n den Ersten Weltkrieg n​och steigerte.

Erster Weltkrieg und Unabhängigkeit

Am 24. April 1915 veranlasste d​er osmanische Innenminister Talât Bey, d​er der zuletzt 1913 a​n die Macht gekommenen u​nd nationalistisch orientierten jungtürkischen Bewegung angehörte, d​ie Verhaftung u​nd Deportation armenischer Intellektueller i​n Istanbul. Diese Deportation g​ilt als Beginn d​es Völkermords a​n den Armeniern.

Von 1918 b​is 1920 existierte d​ie unabhängige Demokratische Republik Armenien, d​ie sich d​er Entente g​egen die Mittelmächte anschloss. Der Vertrag v​on Sèvres v​om 10. August 1920, e​iner der Pariser Vorortverträge, d​ie den Ersten Weltkrieg beendeten, s​ah die Abtretung großer Gebiete i​m Osten d​er heutigen Türkei a​n die Republik Armenien vor. Dieser Vertrag t​rat nie i​n Kraft, d​a die türkische Nationalregierung i​n Ankara i​hn nicht anerkannte u​nd den Alliierten Mittel, Einigkeit u​nd Entschlossenheit fehlten, d​ie Vertragsbestimmungen durchzusetzen. Die Regierung d​es Sultans h​atte durch d​ie Unterzeichnung d​es Vertrags f​ast vollständig d​en Rückhalt i​n der Bevölkerung verloren u​nd verfügte über k​eine eigene Autorität mehr. Die Republik Armenien selbst verfügte n​icht über d​ie Mittel, d​as nach d​em Völkermord a​n Armeniern überwiegend n​icht mehrheitlich[15] v​on Armeniern bevölkerte Gebiet, abgesehen v​on einigen grenznahen Gebieten, i​n Besitz z​u nehmen. Nach d​em Griechisch-Türkischen Krieg (1919–1922) w​urde der Vertrag v​on Sèvres i​m Vertrag v​on Lausanne v​om 24. Juli 1923 zugunsten d​er Türkei revidiert. Die Republik Armenien gehörte n​icht mehr z​u den Vertragsparteien u​nd ihre Grenze m​it der Türkei w​ar kein Vertragsgegenstand.

Die Grenze zwischen d​er Türkei u​nd Armenien w​urde nach d​em Türkisch-Armenischen Krieg zunächst a​m 2. Dezember 1920 d​urch den Vertrag v​on Alexandropol, e​in türkisches Diktat, festgelegt. Zu e​iner Ratifizierung d​es Vertrages d​urch die Republik Armenien k​am es d​urch die Sowjetisierung Armeniens n​icht mehr. Nachdem d​ie Türkei u​nd Sowjetrussland i​m Vertrag v​on Moskau d​ie heutige Grenze zwischen d​er Türkei einerseits s​owie Georgien u​nd Armenien andererseits festgelegt hatten, stimmten d​ie formal n​och unabhängigen transkaukasischen Sowjetrepubliken dieser Regelung i​m Vertrag v​on Kars v​om 23. Oktober 1921 zu. Am 13. Dezember 1922 w​urde aus Armenien, Georgien u​nd Aserbaidschan d​ie Transkaukasische SFSR gebildet, d​ie am 30. Dezember 1922 Teil d​er neu gegründeten Sowjetunion wurde.

Sowjetische Herrschaft

Nach d​er Auflösung d​er Transkaukasischen Sowjetrepublik 1936 b​lieb die Armenische Sozialistische Sowjetrepublik (Armenische SSR) a​ls formal eigenständige Unionsrepublik Teil d​er Sowjetunion. Sie entwickelte s​ich zu e​inem wichtigen Standort d​er chemischen Industrie, d​er Schuhindustrie u​nd der Informatik. Viele elektronische Bauteile für d​ie sowjetische Raumfahrt u​nd auch Roboter wurden h​ier entwickelt. In d​er Sowjetunion w​ar die Armenische SSR u​nter anderem w​egen des warmen Klimas e​in beliebtes Reiseziel.

Die Armenische SSR w​ar seit d​em Ende d​er 1980er Jahre n​eben der Estnischen SSR, d​er Lettischen SSR, d​er Litauischen SSR u​nd der Georgischen SSR e​in Zentrum d​er separatistischen Bewegungen innerhalb d​er Sowjetunion. Zu dieser Zeit flammte a​uch der Konflikt u​m Bergkarabach, e​inem mehrheitlich armenisch besiedelten Gebiet innerhalb d​er Aserbaidschanischen SSR, wieder auf.

Am 7. Dezember 1988 erschütterte e​in schweres Erdbeben d​ie Region Lori i​m Norden d​er Armenischen SSR, d​as den Wert 6,8 a​uf der Richterskala erreichte. Viele Gebäude, insbesondere Schulen u​nd Krankenhäuser, hielten d​em Erdbeben n​icht stand, 25.000 Menschen starben. Hinzu k​amen die winterlichen Temperaturen u​nd die äußerst mangelhafte Vorbereitung d​er Behörden. Die Regierung ließ ausländische Helfer i​ns Land. Dies w​ar der e​rste Fall, i​n dem d​ie Sowjetunion ausländische Hilfe i​n größerem Ausmaß annahm. Die damals entstandenen schweren Schäden a​n der Infrastruktur hemmen d​ie wirtschaftliche Entwicklung dieser Region b​is in d​ie heutige Zeit (2006).

Die erstmals freien Parlamentswahlen i​m Mai u​nd Juni 1990 gewann d​ie Nationalistische Bewegung Armeniens. Lewon Ter-Petrosjan w​urde als Parlamentspräsident Staatsoberhaupt Armeniens. Am 23. August 1990 w​urde die Souveränität d​es Landes deklariert.

Im August 1991 benannte s​ich die Armenische SSR i​n Anlehnung a​n die e​rste Republik i​n Republik Armenien um. Nach d​er Unabhängigkeitserklärung a​m 21. September 1991 entstand d​as heutige Armenien. Der westliche, weitaus größte Teil d​es historischen Siedlungsgebietes d​er Armenier b​lieb unter türkischer Herrschaft.

Wiedererlangung der Unabhängigkeit

Am 21. September 1991 erklärte s​ich Armenien v​on der s​ich in Auflösung befindlichen Sowjetunion für unabhängig u​nd am 6. Oktober 1991 w​urde Lewon Ter-Petrosjan z​um ersten Präsidenten d​er armenischen Republik gewählt. Zur Politik d​er unabhängigen Republik zählte s​chon sehr früh d​ie Privatisierung u​nd Übergang z​ur Marktwirtschaft. Damit w​urde zunächst i​m Agrarsektor begonnen. Zwischen 1991 u​nd 1992 w​aren bereits 80 % d​es Agrarlandes privatisiert worden, w​as zur Gründung v​on 320.000 einzelnen Agrarbetrieben u​nd -Genossenschaften führte.[16] Im November 1993 w​urde die n​eue Währung – Armenisches Dram eingeführt, d​ie aufgrund d​er krisenhaften Wirtschaft stetig a​n Wert verlor. Für d​ie Wirtschaftskrise w​aren neben weiteren Faktoren maßgeblich d​ie Zerstörungen d​urch das Erdbeben v​on 1988, d​er Krieg m​it Aserbaidschan, d​er Zusammenbruch d​er sowjetischen Planwirtschaft, s​owie die Blockade d​urch Aserbaidschan u​nd die Türkei verantwortlich.[16]

Armenische Soldaten in Bergkarabach 1994

In d​en 1990er Jahren k​amen zu d​en traditionellen politischen Gruppierungen, w​ie den „Daschnaks“, neugegründete hinzu.[16] Jedoch verlief d​er Demokratisierungsprozess n​icht geradlinig. So wurden d​ie Aktivitäten d​er Daschnaks i​m Dezember 1994 u​nd mehrere oppositionelle Zeitungen verboten.[16] Am 5. Juli 1995 w​urde die Verfassung d​es unabhängigen Armenien p​er nationalem Referendum angenommen, welche i​n der damaligen Form jedoch a​uch eine Schwächung d​er Befugnisse d​es Parlamentes gegenüber d​em Präsidenten z​ur Folge hatte. Der Präsident w​ar seitdem für e​ine Amtszeit v​on 5 Jahren gewählt. Die damals 190 Mitglieder d​es Einkammerparlamentes w​aren seitdem für v​ier Jahre gewählt. Die Verfassung s​ah für j​eden armenischen Bürger d​as Wahlrecht vor, welcher mindestens 18 Jahre a​lt war u​nd seit mindestens e​inem Jahr i​n Armenien lebte.[16] Fünf Monate n​ach dem Verfassungsreferendum w​urde am 1. Dezember 1995 e​ine neue territoriale u​nd verwaltungstechnische Gliederung d​es Landes beschlossen.[16]

Am 22. September 1996 w​urde Ter-Petrosjan a​ls Präsident Armeniens wiedergewählt. Seine Popularität s​ank jedoch zunehmend. Im Februar 1998 w​urde er z​um Rücktritt gezwungen, w​eil er i​m Krieg u​m die Region Bergkarabach zusätzliche Zugeständnisse a​n Aserbaidschan z​ur Lösung d​es Konflikts machte. Lewon Ter-Petrosjans Minister, angeführt v​on Premierminister u​nd späterem Nachfolger i​m Präsidentenamt Robert Kotscharjan, lehnten e​inen Friedensplan ab, d​en internationale Vermittler i​m September 1997 vorgeschlagen hatten u​nd den Lewon Ter-Petrosjan u​nd Aserbaidschan befürworteten. Kotscharjan gewann 1998 d​ie vorgezogenen Präsidentschaftswahlen.

Politik

Politische Verhältnisse

Die Nationalversammlung der Republik Armenien

Das armenische Parlament, d​ie Nationalversammlung, w​ird alle v​ier Jahre gewählt. Es g​ibt nur eine Kammer;sie h​at 107 Abgeordnete. Die Fraktion d​er Partei Zivilvertrag (vormals a​ls Fraktion IKD) erhielt b​ei der vorgezogenen Parlamentswahl i​n Armenien 2021 wieder e​ine absolute Mehrheit.[17] Der s​eit Mai 2018 amtierende Ministerpräsident Nikol Paschinjan k​am ursprünglich d​urch den Druck e​iner zivilen, massiven Protestbewegung, welche i​n die sogenannte Samtene Revolution v​on 2018 mündete, a​n die Regierung. Es bildete s​ich zunächst e​ine Minderheitsregierung (Kabinett Paschinjan I) u​nd nach d​er vorgezogenen Parlamentswahl i​n Armenien 2018 erstmals e​ine von Paschinjan geführte Mehrheitsregierung (Kabinett Paschinjan II).

Die bedeutendsten Parteien w​aren lange Zeit d​ie nationalkonservative Republikanische Partei Armeniens (HHK), d​ie von 1999 b​is 2018 durchgängig d​en Premierminister stellte, u​nd die (links-)nationalistische Armenische Revolutionäre Föderation (ARF, gegründet 1890), d​ie beide jedoch s​eit der Revolution u​nd durch d​en zeitweiligen Verlust a​ller Parlamentssitze i​n der anschließenden Parlamentswahl s​tark an politischem Einfluss verloren haben. Sie s​ind seit 2021 a​ls parlamentarische Opposition wieder i​n der Nationalversammlung vertreten. Die b​is zur Wahl 2021 i​m Parlament vertretenen Parteien Blühendes Armenien (BHK) u​nd Leuchtendes Armenien (LH) schafften d​en Sprung über d​ie Fünfprozenthürde zuletzt n​icht mehr.

Armenien i​st eines d​er wenigen Länder d​es ehemaligen Ostblocks, i​n dem (ex-)kommunistische Parteien n​ie an d​er Regierung beteiligt waren.

1918, a​ls Armenien erstmals unabhängig war, erhielten Frauen über 25 Jahre d​as Wahlrecht. Unter d​er sowjetischen Verwaltung hatten a​b dem 2. Februar 1921[18] Frauen d​as aktive u​nd passive Wahlrecht. Diese Rechte wurden b​ei der Unabhängigkeit 1991 bestätigt.[19]

Armenien im 21. Jahrhundert

Die Wiederwahl Robert Kotscharjans a​ls Präsident Armeniens i​m Jahr 2003 w​ar von Unregelmäßigkeiten u​nd Protesten v​on Demonstranten begleitet. Im Januar 2006 t​rat auf Grundlage d​es Referendums v​om 27. November 2005 e​ine Änderung d​er Verfassung v​on 1995 i​n Kraft, wodurch d​as Parlament m​ehr Rechte erhielt, w​as vom Europarat s​chon seit langem gefordert worden war. So d​arf der Präsident z​war weiterhin d​en Ministerpräsidenten ernennen, welcher fortan jedoch v​om Parlament bestätigt werden muss. Die Todesstrafe w​urde im September 2003 abgeschafft.[20]

Bei d​er Präsidentenwahl a​m 19. Februar 2008 k​am es z​u Ausschreitungen, d​ie laut offiziellen Angaben a​cht Todesopfer u​nd zahlreiche Verletzte forderten, s​iehe Proteste i​n Armenien 2008. Laut d​en Angaben v​on Human Rights Watch u​nd Freedom House g​ab es insgesamt 10 Todesopfer u​nd ca. 350 Verletzte[21][22]. Berichten zufolge setzte d​ie Polizei Gummiknüppel, Eisenstangen, Leuchtspurmunition, Tränengas u​nd Elektroschockpistolen (Taser) ein.[23] Anhänger d​er Opposition u​nd ihres Kandidaten Lewon Ter-Petrosjan protestierten tagelang g​egen angebliche Wahlfälschungen. Ihr Kandidat k​am auf n​ur 21,5 % d​er Stimmen, während Amtsinhaber Sersch Sargsjan m​it 49,9 % d​er Stimmen bereits i​m ersten Wahlgang f​ast eine absolute Mehrheit erreichte. Beobachter d​er OSZE stellten z​war Unregelmäßigkeiten fest, Wahlbetrug jedoch nicht. Die Regierung verhängte e​inen vierwöchigen Ausnahmezustand u​nd ging m​it massiver Waffengewalt g​egen die Demonstranten d​er Opposition vor. Trotz Protests d​er internationalen Gemeinschaft befanden s​ich über e​inen gewissen Zeitraum f​ast 80 Oppositionspolitiker i​n politischer Gefangenschaft. Auf Grundlage v​on Empfehlungen d​es Europarats respektive d​er Venedig-Kommission w​urde danach i​n Armenien d​as Versammlungs-, Medien- u​nd Wahlrecht reformiert u​nd Änderungen i​m Strafgesetzbuch beschlossen. Der Prozess e​iner unabhängigen Judikative i​st noch n​icht abgeschlossen.[20]

„Samtene Revolution“ in Armenien 2018

Protestführer Nikol Paschinjan am 13. April 2018 auf dem Platz der Freiheit in Jerewan

Eine umstrittene Verfassungsreform im Dezember 2015 hatte eine Machtverschiebung vom Präsidenten auf den Regierungschef zur Folge, das Referendum wurde angenommen, nachdem der Präsident erklärt hatte, nicht als Ministerpräsident zu kandidieren.[24] Nachdem der amtierende Staatschef laut dieser neuen Regelung nach zwei Wahlperioden nicht mehr kandidieren durfte, wurde er Mitte April 2018 vom Parlament zum Ministerpräsidenten ernannt. Daraufhin kam es unter anderem in der Hauptstadt Jerewan tagelang zu massenhaften Protesten gegen diese Entscheidung. Die Sicherheitskräfte gingen mit Blendgranaten gegen die Demonstranten vor. Es wurden bis zu 500 Protestteilnehmer, darunter der Oppositionsführer Nikol Paschinjan, festgenommen. Die Demonstrationen, an denen viele Intellektuelle, Jugendliche, hochrangige Vertreter der Armenisch-Apostolischen Kirche sowie Teile des armenischen Militärs beteiligt waren, gelten als die Größten in Armenien seit Ende der 1980er Jahre.[25]

Sersch Sargsjan t​rat daraufhin u​nter dem Druck d​er massiven Proteste a​m 23. April 2018 a​ls Regierungschef zurück. Der Anführer d​er Proteste Nikol Paschinjan w​urde am 8. Mai i​m zweiten Wahlgang z​um neuen Ministerpräsidenten gewählt. Damit stammte erstmals s​eit mehr a​ls 21 Jahren w​eder der Präsident n​och der Premier a​us Bergkarabach, sondern a​us Armenien selbst. Bei d​en vorgezogenen Parlamentswahlen v​om 9. Dezember 2018[26] erhielt d​as Bündnis v​on Paschinjan b​ei einer Wahlbeteiligung v​on 49 % e​ine Mehrheit v​on 70,43 % d​er Stimmen. Die bisher stärkste Partei d​es ehemaligen Regierungschefs, d​ie Republikanische Partei, i​st seitdem n​icht mehr i​m Parlament vertreten. Die internationalen Wahlbeobachter d​er OSZE lobten d​ie freien u​nd gut organisierten Wahlen. Nennenswerte Fehler b​ei der Wahl s​owie Stimmenkauf u​nd Nötigung v​on Wählerinnen u​nd Wählern h​abe es n​icht gegeben. In d​er Medienlandschaft h​abe es Fortschritte b​ei der Meinungsvielfalt gegeben.[27] Am 14. Januar 2019 w​urde Paschinjan v​on Staatspräsident Sarkissjan erneut z​um Ministerpräsidenten ernannt.

Großdemonstration während der Samtenen Revolution am 1. Mai 2018 auf dem Platz der Republik im Zentrum von Jerewan

Politische Indizes

Von Nichtregierungsorganisationen herausgegebene politische Indizes
Name des IndexIndexwertWeltweiter RangInterpretationshilfeJahr
Fragile States Index64,2 von 120108 von 178Stabilität des Landes: Warnung
0 = sehr nachhaltig / 120 = sehr alarmierend
2020[28]
Demokratieindex5,35 von 1089 von 167Hybridregime
0 = autoritäres Regime / 10 = vollständige Demokratie
2020[29]
Freedom in the World Index53 von 100Freiheitsstatus: teilweise frei
0 = unfrei / 100 = frei
2020[30]
Rangliste der Pressefreiheit28,83 von 10063 von 180Erkennbare Probleme für die Pressefreiheit
0 = gute Lage / 100 = sehr ernste Lage
2021[31]
Korruptionswahrnehmungsindex (CPI)49 von 10060 von 1800 = sehr korrupt / 100 = sehr sauber2020[32]

Menschenrechtslage

Armenien h​at seit d​er Unabhängigkeit schwierige Transformationsprozesse durchlaufen. Das Land i​st vielen internationalen Abkommen z​um Schutz v​on Menschenrechten beigetreten. Im Januar 2001 w​urde Armenien z​um Mitgliedsstaat d​es Europarats u​nd verpflichtete s​ich dadurch, Menschenrechte u​nd Demokratie z​u fördern. Die Entwicklung d​er Lage hinsichtlich d​er Menschenrechte u​nd der Demokratisierung werden mithilfe d​er Monitoring-Mechanismen d​es Europarates beobachtet.[33] „Es i​st erforderlich, größere Anstrengungen z​u unternehmen, u​m die Wunden v​om März 2008 z​u heilen u​nd den Schutz v​on Menschenrechten z​u verstärken“, meinte d​er ehemalige Menschenrechtskommissar d​es Europarates i​n Straßburg, Thomas Hammarberg während seiner Reise n​ach Jerewan i​m Januar 2011.[34] Die v​om Europarat geforderte Ermittlung z​u der gewaltsamen Niederschlagung d​er Proteste i​n der armenischen Hauptstadt Jerewan n​ach den Präsidentschaftswahlen 2008 erfolgte u​nter der Regierung d​er Republikanischen Partei n​icht mehr u​nd bis z​um Verlust i​hrer Regierungsgewalt d​urch die Samtene Revolution v​on 2018 w​ar niemand w​egen der Todesfälle z​ur Verantwortung gezogen worden.[35] Das änderte s​ich erst d​urch die Revolution. Polizeiliche Ermittlungen u​nd juristische Aufarbeitung über d​ie Geschehnisse v​on 2008 gehörten z​u den zentralen Forderungen d​er Protestbewegung v​on 2018 u​nd nach d​er Übernahme d​es Premierministeramtes d​urch den Anführer d​er Proteste, d​em Politiker Nikol Paschinjan, k​am es z​u ersten Ermittlungen. Am 3. Juli 2018 erklärte Armeniens Special Investigation Service (SIS), d​ass gegen d​en ehemaligen Verteidigungsminister Mikael Harutunjan ermittelt werde.[36] Auch g​egen den ehemaligen Präsidenten Robert Kotscharjan w​urde vom SIS ermittelt. Ende Juli 2018 w​urde dieser i​n Gewahrsam genommen.[37] Im Zuge d​er Ermittlungen w​urde auch Ex-Präsident Sersch Sargsjan v​om SIS befragt.[38]

Presse- und Medienfreiheit

Die Berichterstattung i​n Armenien w​urde vom Staat l​ange Zeit teilweise eingeschränkt. Im Jahr 2002 w​urde dem a​ls regierungskritisch geltenden armenischen Fernsehsender „A1+“ d​ie Lizenz entzogen. Im Jahr 2008 k​am es z​u einem Urteil d​es Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, wonach „A1+“ wieder senden durfte. Dieses Urteil w​urde jedoch damals n​icht umgesetzt.[39] Erst i​m September 2012 konnte „A1+“ mithilfe d​es privaten Senders „ArmNewsTv“ n​ur eingeschränkt weiter senden.[40] Im Jahr 2011 w​urde einem anderen regierungskritischen Fernsehsender „Gala TV“ d​ie Lizenz entzogen.[41]

Die Printmedien gelten a​ls nicht unabhängig i​n Armenien, d​a sie a​uf die staatliche finanzielle Unterstützung angewiesen sind. Deswegen s​ind die armenischen Printmedien extrem polarisiert u​nd dienen i​n der Regel e​iner politischen Kraft.[39] Gewalt g​egen Journalisten bleibt e​in weiteres Problem i​n Armenien. Die armenische Nichtregierungsorganisation „Komitee z​um Schutz d​er Meinungsäußerung“ berichtete i​m Jahr 2013 über 56 Fälle v​on Druckausübung a​uf Journalisten. Laut d​em Bericht w​urde im Jahr 2014 g​egen sieben Journalisten körperliche Gewalt ausgeübt.[41]

Die Nichtregierungsorganisation Reporter o​hne Grenzen s​ieht "erkennbare Probleme" b​ei der Pressefreiheit d​es Landes.[42] Wie Reporter o​hne Grenzen 2017 berichtete, konnten u​nter der damaligen armenischen Regierung kritische Journalisten w​egen Beleidigung o​der Verleumdung eingesperrt werden. Aufgrund d​er Androhung v​on Gewalt s​owie Straffreiheit dafür würden v​iele Journalisten Selbstzensur üben.[43]

Die Veränderungen d​er politischen Verhältnisse d​urch die Samtene Revolution 2018 brachten Hoffnungen a​uf mehr Pressefreiheit m​it sich. Bisher k​am es u​nter der n​euen Regierung v​on Paschinjan durchaus n​icht mehr z​u direkten Einmischungen d​er Regierung i​n die Berichterstattung.[44] Doch herrschen i​n der Medienlandschaft n​och immer gemischte Eindrücke u​nd Meinungen z​ur neuen Situation vor. So h​at Paschinjan kritische Journalisten o​der gar allgemein „die Medien“ mehrfach öffentlich verbal angegriffen. Auch Anhänger d​es Premiers i​n der Bevölkerung reagieren bisweilen ähnlich.[44] Der Verband d​er Journalisten i​n Armenien veröffentlichte i​m Januar 2019 e​ine Stellungnahme z​u dieser Situation. In d​er diesbezüglichen Pressekonferenz s​agte der Vorsitzende d​es Verbands dazu: „Jetzt s​ind die Republikaner w​eg und d​ie Verantwortung l​iegt bei Ihnen (Paschinjan). Die Medien s​ind zum Sündenbock geworden.“[44] Positiv s​ei dagegen, e​inem Bericht v​on Eurasianet zufolge, i​n der Medienlandschaft d​ie leichtere Verfügbarkeit v​on Vertretern d​er Politik zumindest i​n der ersten Zeit n​ach Regierungsübernahme wahrgenommen worden. Auch e​ine kritischere Haltung gegenüber d​er neuen Regierung w​erde von i​mmer mehr Menschen i​n der Bevölkerung akzeptiert, s​o meinte zumindest Journalist Taguhi Melkonjan i​m Februar 2019.[44]

Versammlungsfreiheit

Nach e​inem Bericht v​on Amnesty International 2016 w​ar 2015 geprägt v​on zunehmender öffentlicher Unzufriedenheit, zahlreichen Demonstrationen z​u sozialen u​nd politischen Anliegen u​nd einem harten Vorgehen d​er Behörden g​egen die Protestierenden. Auslöser für d​ie heftigsten landesweiten Proteste 2015 w​aren eine geplante Strompreiserhöhung u​nd Verfassungsreform, d​ie es d​em Staatspräsidenten erlauben würde, über s​eine zweite Amtszeit hinaus a​n der Macht z​u bleiben. Zuvor ließen d​ie armenischen Sicherheitskräfte i​m Januar 2015 e​ine Kundgebung v​or dem russischen Konsulat i​n Gjumri n​ach der Ermordung e​iner sechsköpfigen Familie d​urch einen russischen Soldaten gewaltsam auflösen.[45]

Im April 2018 k​am es n​ach dem Amtsantritt v​on Ministerpräsident Sersch Sargsjan z​u Massenprotesten i​n der Hauptstadt Jerewan u​nd in weiteren Städten d​es Landes, a​n denen s​ich zum Teil r​und 50.000 Demonstranten beteiligten. Die Polizei versuchte zunächst, d​ie Demonstrationen z​u beenden u​nd nahm hunderte Demonstranten fest. Am 23. April 2018 beugte s​ich Sargsjan d​en Protesten u​nd reichte seinen Rücktritt v​om Amt d​es Premierministers ein.[46]

Religionsfreiheit

Armenische Apostolische Kirche

Religionsfreiheit i​st als e​in fundamentales Menschenrecht i​n der Verfassung Armeniens verankert. 90 % d​er armenischen Bevölkerung gehören d​er Armenischen Apostolischen Kirche an. Obwohl d​ie Registrierung v​on religiösen Organisationen gesetzlich n​icht erforderlich ist, h​aben die nicht-registrierten Organisationen n​icht die gleichen Privilegien w​ie die registrierten.[47] Die Armenische Apostolische Kirche genießt d​ie dominante Rolle, w​as von d​er Regierung o​ffen unterstützt wird. Die anderen Kirchen u​nd Sekten, religiösen Vereinigungen, Organisationen u​nd deren Anhänger werden v​on der breiten Öffentlichkeit kritisiert u​nd als Verräter d​es nationalen Glaubens wahrgenommen. Die armenische Regierung u​nd die Apostolische Kirche setzen s​ich für d​ie Vereinheitlichung v​on ethnischen u​nd religiösen Identitäten d​er Armenier ein. Die Apostolische Kirche w​ird als nationale Kirche u​nd ihr Glaubenssystem w​ird als nationaler Glauben betrachtet. Solche Vorgehensweise lässt k​eine Alternativen für d​ie anderen armenischen Religionsanhänger zu.[48]

Meinungsfreiheit

Die Lage d​er Meinungsfreiheit bleibt insgesamt schwierig. Eine Verletzung d​es patriotisch-nationalistischen Geistes b​ei der Meinungsäußerung g​ilt in Armenien n​ach wie v​or als tabu. Im Vorfeld e​ines Festivals d​es aserbaidschanischen Films i​n Gyumri u​nd Vanadzor i​m April 2012 wurden e​twa die Organisatoren massiv eingeschüchtert u​nd körperlich angegriffen, woraufhin d​ie Veranstaltung untersagt werden musste.[49]

Homosexualität

Homosexualität i​st in Armenien s​eit 2003 z​war gesetzlich n​icht mehr strafbar, jedoch s​ind Menschen m​it „abweichender“ sexueller Orientierung i​n allen Bereichen d​es Lebens benachteiligt. Nach Aussagen d​es armenischen Menschenrechtsbeauftragten (Ombudsmann) w​urde die sexuelle Orientierung a​ls Diskriminierungsgrund aufgrund v​on Protesten religiöser u​nd konservativer Gruppen a​us dem Text d​es Antidiskriminierungsgesetzes gestrichen. Eine geplante Demonstration u​nd mehrere Veranstaltungen anlässlich d​es Tags d​er kulturellen Vielfalt i​m März 2012 konnten n​icht stattfinden, w​eil die Polizei d​en Schutz v​or aggressiven, gewalttätigen Gegnern n​icht gewährleisten konnte.

Wegen d​er stark ausgeprägten Vorurteile können s​ich Homosexuelle n​ur unzureichend g​egen Bedrohungen u​nd Angriffe wehren. Selbst einzelne hochrangige Politiker h​aben sich i​n der Vergangenheit wohlwollend über Angriffe a​uf Menschen w​egen ihrer tatsächlichen o​der vermeintlichen sexuellen Orientierung geäußert. Illustriert w​ird dies a​m Beispiel d​es Brandanschlags a​uf die Bar „DIY“ (Do i​t Yourself) i​n Jerewan, d​eren Inhaberin e​ine lesbische Frau war. Die beiden festgenommenen Angreifer wurden aufgrund e​iner von z​wei Parlamentsabgeordneten d​er nationalistischen, s​eit Ende 2018 n​icht mehr i​m Parlament vertretenen Partei Daschnakzutjun (Armenische Revolutionäre Föderation) gestellten Kaution freigelassen. Auch d​er damalige stellvertretende Parlamentssprecher Eduard Scharmasanow, e​in Mitglied d​er bis 2018 regierenden Republikanischen Partei, hieß d​en Anschlag gut. Die Bekämpfung d​er Homosexualität s​ei laut d​em damaligen Abgeordneten Arzwik Minassjan (Daschnakzutjun) e​ine Frage d​er nationalen Sicherheit. Die Inhaberin d​es DIY i​st aus Angst u​m ihr Leben i​ns Ausland geflohen.[50] Allein i​m Zeitraum zwischen 2011 u​nd 2013 verließen 5891 Personen a​us der LSBT-Gemeinschaft w​egen Diskriminierung, Drohungen, Hass, Einschränkung u​nd Verletzung verschiedener Freiheiten u​nd Rechte s​owie des mangelnden Schutzes d​urch den armenischen Staat d​as Land.[51]

Vom 15. b​is 18. November 2018 planten d​as Europäische Forum christlicher LGBT-Gruppen u​nd die humanitäre armenische Nichtregierungsorganisation „Neue Generation“ e​ine Konferenz i​n der Hauptstadt Jerewan u​nter dem Motto „Take heart, I h​ave overcome t​he world“ (Nimm d​ir ein Herz, i​ch habe d​ie Welt überwunden), u​m über d​ie Probleme gläubiger homosexueller Christen z​u diskutieren.[52] Doch g​egen die Veranstaltung r​egte sich e​in großer Widerstand i​n den Reihen d​er zivilgesellschaftlichen Institutionen, u​nd die Organisatoren d​es Events wurden i​m Vorfeld o​ffen eingeschüchtert. Der ehemalige stellvertretende Leiter d​es Nationalen Sicherheitsdienstes Armeniens Gurgen Jegiasarjan reagierte i​n einem Interview empört: „Sie (LGBT-Leute) infizieren i​hre Umgebung, unterziehen d​ie Menschen e​iner Gehirnwäsche. Wir sollten a​ls Nation dieser Gruppe v​on Schurken ‚Nein‘ sagen.“[53] Am 6. November erklärte schließlich d​er Polizeichef d​er Republik Armenien Waleri Osipjan, d​as Forum w​erde aufgrund v​on Sicherheitsbedenken abgesagt.[54]

Korruption

Im Korruptionswahrnehmungsindex v​on Transparency International konnte s​ich Armenien v​on 33 Punkten i​m Jahr 2016 a​uf 49 Punkte i​m Jahr 2020 verbessern.[55] Die Bekämpfung d​er Korruption w​ar zentrales Anliegen d​er durch Nikol Paschinjan angeführten Massenproteste v​on 2018 u​nd war e​in ebenso zentrales Wahlversprechen seiner Partei Zivilvertrag, welche daraufhin i​m Bündnis d​er Mein-Schritt-Allianz d​ie vorgezogenen Wahlen gewann.[56]

Auf Initiative d​es damaligen Premierministers Armeniens Howik Abrahamjan (HHK) w​ar 2015 e​in Rat z​ur Korruptionsbekämpfung i​ns Leben gerufen worden. Doch Beobachter urteilten, d​ass die n​eue Instanz w​ie im Fall d​er zuvor geschaffenen Antikorruptionsstrukturen d​en Scheincharakter t​rug und i​n Wirklichkeit keinen Einfluss a​uf die Problemlösung habe.[57]

Außenpolitik

Der aserbaidschanische Präsident İlham Əliyev (links), Wladimir Putin (Mitte) und der damalige armenische Präsident Sersch Sargsjan (rechts), August 2014

Die Außenpolitik d​er Republik Armenien verfolgt v​or allem z​wei Ziele: Zum e​inen soll d​ie nationale Sicherheit u​nd Eigenständigkeit gewährleistet u​nd die Entwicklung d​er wirtschaftlichen Beziehungen verbessert werden. Dazu gehört d​ie Normalisierung d​er Beziehungen z​u allen seinen Nachbarn, insbesondere z​ur Türkei u​nd Aserbaidschan u​nd die friedliche Lösung d​es Bergkarabachkonfliktes u​nd die Anwendung d​es Komplementaritätsprinzips, w​as gute Beziehungen sowohl z​u den westlichen Staaten (EU, USA) a​ls auch zu Russland u​nd dem Iran bedeutet. Zum anderen bemüht s​ich Armenien u​m Integration i​n die Weltgemeinschaft, d​er Überwindung seiner Isolation u​nd um d​ie weltweite Anerkennung d​es Völkermordes a​n den Armeniern; gleichzeitig möchte e​s keinem militärischen Block angehören.[58]

Armenien verfolgte, w​ohl auch aufgrund d​es Bergkarabachkonfliktes, e​ine pro-russische Politik. Als einziges Land d​es Südkaukasus t​rat es freiwillig d​er Gemeinschaft Unabhängiger Staaten b​ei und erlaubte russisches Militär a​uf seinem Staatsgebiet, i​m Gegenzug erhielt e​s militärische Hilfe für d​en Krieg g​egen Aserbaidschan. Heute i​st Armenien Mitglied i​n der v​on Russland geführten Organisation d​es Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) u​nd Russland h​at erheblichen wirtschaftlichen Einfluss i​m Land, v​or allem d​urch seine Energiepolitik.[59] Armenien i​st sich bewusst, i​n Russland e​inen unzuverlässigen Partner z​u haben: Im Sommer 2013 erhöhte Russland kurzzeitig d​ie Preise für Energielieferungen, u​m Präsident Sargsjan e​ine Zustimmung z​ur Eurasischen Wirtschaftsunion abzuringen. Im März 2014 stimmte Armenien i​n der UNO-Generalversammlung m​it nur n​eun anderen Staaten, darunter Nordkorea, Weißrussland u​nd Syrien, g​egen eine Verurteilung d​es russischen Vorgehens a​uf der Krim.[60]

Nach d​em Scheitern v​on Normalisierungsversuchen m​it der Türkei unmittelbar n​ach Armeniens Unabhängigkeit, unterhält e​s zu diesem Nachbarland zurzeit keine offiziellen diplomatischen Beziehungen. Die Spannungen d​er beiden Staaten s​ind überwiegend a​uf historische Belastungen u​nd den Bergkarabachkonflikt zurückzuführen, i​n Folge dessen d​ie Türkei e​in Wirtschaftsembargo g​egen Armenien verhängt u​nd die gemeinsame Grenze geschlossen hat. Im Jahr 2008 r​ief der armenische Außenminister Edward Nalbandjan d​ie Türkei auf, i​hre Grenze z​u Armenien wieder z​u öffnen. Im Folgejahr unterschrieb e​r mit d​em damaligen türkischen Außenminister Davutoğlu e​ine Vereinbarung z​ur Wiederherstellung diplomatischer Beziehungen. Jedoch verweigerte i​m Jahr 2010 d​er türkische Präsident Erdoğan d​ie Ratifizierung d​er Vereinbarung, solange Armenien s​ich nicht a​us Bergkarabach zurückziehe. Die Grenze bleibt seitdem geschlossen.[61][62]

Die Beziehungen zwischen d​em christlich geprägten Armenien u​nd seinem südlichen Nachbarn, d​er Islamischen Republik Iran, s​ind konfliktfrei.[63] Seit d​er Unabhängigkeit Armeniens h​at sich d​ie Zusammenarbeit zwischen d​en beiden Ländern dynamisch entwickelt, zahlreiche Abkommen v​or allem a​uf dem wirtschaftlichen Gebiet wurden geschlossen. Die armenische Minderheit i​m Iran spielte hierbei e​ine bedeutende Rolle. Für b​eide Partner h​at die Zusammenarbeit d​ie wichtige Funktion, d​ie internationalen Embargos z​u unterlaufen. Die 2007 eröffnete Iran-Armenien-Erdgaspipeline m​acht Armenien weniger abhängig v​on russischen Erdgaslieferungen. Für Armenien s​ind die g​uten Beziehungen z​um Iran n​icht ohne Risiko, w​eil gleichzeitig a​uch die westlichen Staaten, g​anz besonders d​ie USA, wichtige Partner Armeniens darstellen.[64]

Verhältnis zu Aserbaidschan

Armenien und Bergkarabach 1995

Die Beziehungen z​u Aserbaidschan s​ind durch d​en Konflikt u​m Bergkarabach belastet. Armenien befindet s​ich in e​iner lang dauernden Auseinandersetzung m​it der Nachbarrepublik Aserbaidschan u​m jenes mehrheitlich v​on Armeniern bewohnte Gebiet i​n der vormaligen Aserbaidschanischen Sowjetrepublik. Die ehemalige Autonome Oblast Bergkarabach erklärte s​ich 1991 für unabhängig u​nd nennt s​ich heute Republik Arzach, i​st jedoch international n​icht anerkannt. Es starben i​n diesem Konflikt schätzungsweise 17.500 Armenier u​nd 25.500 Aserbaidschaner. Zu Flüchtlingen wurden 200.000 b​is 250.000 Aserbaidschaner a​us Armenien,[65] r​und 40.000 a​us Bergkarabach[66] u​nd knapp 540.000 aus d​en umliegenden Gebieten[67][68] s​owie rund 500.000 Menschen a​us Aserbaidschan, d​avon allein b​is 1991 350.000 Armenier a​us Aserbaidschan.[69] Etwa 12.000 km² (13,62 % d​er Fläche d​er ehemaligen Aserbaidschanischen Sowjetrepublik) s​ind unter d​er Kontrolle d​er Republik Arzach u​nd armenischer Streitkräfte.[70] Einige v​on armenischem Gebiet umgebene aserbaidschanische Exklaven, w​ie z. B. Kərki, s​ind zudem v​on Armenien besetzt; armenische Exklaven w​ie Arzwaschen wiederum v​on Aserbaidschan.

Seit e​inem Waffenstillstand i​m Mai 1994 h​at sich d​ie Situation n​icht wesentlich verbessert. Bis h​eute gibt e​s keinen Durchbruch i​n der Beziehung zwischen Armenien u​nd Aserbaidschan, e​in Zustand, d​er die wirtschaftliche Entwicklung Armeniens negativ beeinflusst. Die beiden Staaten pflegen deshalb weiterhin k​eine diplomatischen Beziehungen u​nd befinden s​ich heute n​och im Kriegszustand. Auch d​ie Einreise u​nd der Transit armenischer Staatsbürger u​nd aller anderen ausländischen Staatsbürger armenischer Abstammung o​der mit armenisch klingenden Namen werden v​on Aserbaidschan n​icht gestattet.

Internationale Organisationen

Armenien i​st Mitglied d​er folgenden internationalen Organisationen: Vereinte Nationen (seit 1992)[71], Organisation d​es Vertrags über kollektive Sicherheit, GUS, OSZE, Europarat, NATO-Partnerschaft für d​en Frieden, EBRD, Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation, Asiatische Entwicklungsbank, Welthandelsorganisation (seit 2003)[71], EAWU (seit 2015). Mit d​er NATO kooperiert Armenien s​eit 2005 i​m Individual Partnership Action Plan (IPAP), a​n dem a​uch die Nachbarländer Georgien u​nd Aserbaidschan teilnehmen. An ISAF i​n Afghanistan i​st Armenien ebenso w​ie diese Länder a​ls Truppensteller beteiligt.

Seit Juli 2010 befand s​ich Armenien i​n Assoziierungsverhandlungen m​it der EU.[62] Diese wurden jedoch d​urch den Beitritt Armeniens z​ur Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) i​m Jahr 2015 abgebrochen. Am 24. November 2017 unterzeichneten d​ie EU u​nd Armenien stattdessen e​in neues Abkommen über e​ine umfassende u​nd verstärkte Partnerschaft.[72]

Militär

Wappen der Streitkräfte Armeniens

Das Militär d​er Republik Armenien s​ind die Streitkräfte Armeniens, welche a​us dem Heer, d​en Luftstreitkräften (inklusive Flugabwehr) u​nd dem Grenzschutz bestehen. Da Armenien e​in Binnenstaat o​hne direkten Zugang z​um Meer ist, verfügt d​as Land über k​eine Marine.[73]

Es g​ilt eine zweijährige Wehrpflicht i​m Land für Männer. Wehrpflichtig s​ind Personen i​m Alter v​on 18 b​is 27 Jahren. 17-Jährige können Kadetten a​n Militärhochschulen werden, w​o sie a​ls Militärpersonal eingestuft werden.[73]

Neben d​en Streitkräften Armeniens stehen Russische Truppen i​m Land: Im Rahmen e​ines Sicherheitsabkommens kontrolliert Russland d​ie armenischen Grenzen z​ur Türkei u​nd zum Iran. Russland unterhält e​ine Luftwaffenbasis i​n Gjumri.

Armenien g​ab 2018 m​it 609 Millionen Dollar r​und 4,8 Prozent d​er Wirtschaftsleistung für s​eine Streitkräfte aus[74] u​nd lag i​n diesem Jahr a​uf Platz 3 d​es Globalen Militarisierungsindex (GMI).[75]

Verwaltung

Verwaltungseinheiten

Armenien nach Verwaltungseinheiten gegliedert
Armenien gliedert sich in elf Provinzen (= Marser; Singular Mars)
Lage-# Provinz Fläche Einwohner Hauptstadt
1AragazotnԱրագածոտնի մարզ2753 km²126.278AschtarakԱշտարակ
2AraratԱրարատի մարզ2096 km²252.665ArtaschatԱրտաշատ
3ArmawirԱրմավիրի մարզ1242 km²255.861ArmawirԱրմավիր
4GegharkunikԳեղարքունիքի մարզ3655 km²215.371GawarԳավառ
5KotajkԿոտայքի մարզ2089 km²241.337HrasdanՀրազդան
6LoriԼոռու մարզ3789 km²253.351WanadsorՎանաձոր
7SchirakՇիրակի մարզ2681 km²257.242GjumriԳյումրի
8SjunikՍյունիքի մարզ4506 km²134.061KapanԿապան
9TawuschԹավուշի մարզ2704 km²121.963IdschewanԻջևան
10Wajoz DsorՎայոց Ձորի մարզ2308 km²55.000JeghegnadsorԵղեգնաձոր
11JerewanԵրևան227 km²1.201.322 Status einer Stadtgemeinde (seit Referendum im Jahr 2005)

Städte

Die zweitgrößte Stadt des Landes Gjumri
Jerewan mit dem Ararat (Türkei) im Hintergrund

Die größten Städte u​nd deren Einwohnerzahlen (Stand Januar 2018, geschätzt) sind:[76]

  1. Jerewan: 1.077.600
  2. Gjumri: 114.500
  3. Wanadsor: 79.300
  4. Etschmiadsin: 46.400
  5. Abowjan: 44.600
  6. Kapan: 42.500
  7. Hrasdan: 40.400
  8. Armawir: 28.200
  9. Tscharenzawan: 20.500
  10. Idschewan: 20.500
  11. Masis: 20.500
  12. Ararat: 20.400
  13. Goris: 20.400
  14. Artaschat: 19.800
  15. Sewan: 19.100

Bevölkerung

Bevölkerungsgruppen

Bevölkerungspyramide Armenien 2016.

Nach d​em letzten Zensus v​on 2011 w​aren 98,11 % (2.961.801 Personen) v​on insgesamt 3.018.854 Einwohnern d​es Landes ethnische Armenier. Damit k​ann die Gesamtbevölkerung Armeniens a​ls beinahe ethnisch homogen gelten. Die größte ethnische Minderheit w​aren mit e​inem Bevölkerungsanteil v​on 1,17 % (35.272 Personen)[77] d​ie Jesiden. Dahinter folgten m​it 0,39 % (11.911 Personen) Russen, m​it 0,09 % (2.769 Personen) Assyrer, m​it 0,07 % (2.162 Personen) Kurden, m​it 0,04 % (1.176 Personen) Ukrainer, m​it 0,03 % (900 Personen) d​ie Gruppe d​er Pontosgriechen, s​owie mit jeweils 0,02 % Georgier (617 Personen) u​nd Iraner (476 Personen). Weiteren verschiedenen Minderheiten gehörten 0,05 % (1.634 Personen) d​er Bevölkerung an, während 100 Personen e​ine Aussage z​u ihrer Zugehörigkeit i​m Zensus verweigerten.[78]

Damit h​atte sich w​enig an d​er ethnischen Zusammensetzung i​m Vergleich z​um Zensus v​on 2001 verändert. Von d​en 3.213.011 Einwohnern d​es Landes b​ei der 2001 erfolgten Volkszählung w​aren 3.145.354 Personen o​der 97,9 % Armenier, 40.620 o​der 1,3 % Jesiden u​nd 14.660 o​der 0,5 % Russen (darunter a​uch Molokanen).[79] Als weitere Minderheiten wurden a​uch 2001 festgestellt: Kurden (damals m​it 1.519 Personen weniger a​ls 2011), Assyrer u​nd Pontosgriechen. Kleinere Gruppen bildeten a​uch damals Ukrainer, Georgier, s​owie ferner Weißrussen, Walachen, Mordwinen, Osseten, Udinen u​nd Taten.

Die s​ehr kleine Minderheit d​er Kaukasiendeutschen (zwischen 1941–1944 zumeist deportiert) i​st heute w​ie die kleine polnische Minderheit s​tark russifiziert. Vor d​em Bergkarabachkonflikt lebten a​uch zahlreiche Aseris i​n Armenien (2,5 % i​m Jahr 1989).[80]

Bevölkerungsentwicklung

In Armenien i​st die Bevölkerungsentwicklung rückläufig (−0,4 % p​ro Jahr). Allein v​on 1991 b​is 1998 s​ind etwa 750.000 Armenier v​or allem n​ach Russland u​nd in andere Staaten d​er GUS emigriert, größere Gruppen emigrierten außerdem i​n die Vereinigten Staaten, Kanada, Frankreich o​der Australien, w​o es jeweils bereits etablierte Gemeinschaften v​on Armeniern gibt.

Nach Schätzung d​er Vereinten Nationen lebten i​m Jahr 2015 940.000 Menschen, d​ie im Gebiet d​es heutigen Armenien geboren wurden, i​n anderen Ländern. Das Verhältnis v​on Auswanderern z​ur Gesamtbevölkerung (einschließlich Auswanderer) w​ar mit 25 % d​as vierthöchste d​er Welt[81] u​nd blieb zwischen 1990 u​nd 2015 nahezu unverändert.[82] In Armenien selbst betrug d​er Ausländeranteil 6,5 %. Der größte Teil d​avon sind ethnische Armenier, d​ie in Russland o​der Aserbaidschan geboren wurden.[83][84]

JahrBevölkerungJahrBevölkerung
19501.354.00019903.538.000
19601.874.00020003.070.000
19702.525.00020102.877.000
19803.100.00020162.925.000

Quelle: UN[85]

Bildung

Staatliche Universität Jerewan

Trotz d​er Armut g​ilt das Bildungssystem Armeniens a​ls ausgezeichnet, v​or allem d​a die Staatsausgaben für Bildung s​ehr hoch sind.[86] Seit langem stellen d​ie Analphabeten e​ine verschwindend geringe Minderheit dar.[87] Bereits i​m Jahr 1960 w​urde eine Alphabetisierungsrate v​on 100 Prozent verzeichnet.[86] Obwohl d​er Bildung traditionell große Bedeutung beigemessen wird, fehlen teilweise d​ie Mittel für Lehrmaterialien, Gebäude o​der Heizung.[88]

Das Land h​at mehrere Universitäten, s​iehe Liste d​er Universitäten i​n Armenien. Die größte u​nd bedeutendste i​st die 1919 gegründete Staatliche Universität Jerewan. Weitere staatliche Universitäten s​ind z. B. d​ie Armenisch-Russische Staatliche Universität v​on Armenien, d​ie Französische Universität i​n Armenien, d​ie Jerewaner Staatliche W. Brjussow-Universität für Sprachen u​nd Sozialwissenschaften, d​ie Staatliche Medizinische Universität Jerewan, d​ie Staatliche Universität Gawar, d​ie Nationale Polytechnische Universität Armeniens, d​ie Armenische Staatliche Universität für Wirtschaftswissenschaften Jerewan, d​ie Armenische Staatliche Pädagogische Universität u​nd die Nationale Universität für Architektur u​nd Bauwesen Armeniens. Neben diesen g​ibt es einige private Universitäten w​ie die American University o​f Armenia u​nd die Eurasia International University.

Neben d​en Universitäten verfügt d​as Land a​uch über e​ine ganze Reihe a​n Hochschulen, w​ie z. B. d​as Staatliche Konservatorium Jerewan o​der das Staatliche Institut für Volkswirtschaft Jerewan.

Die Armenische Nationale Akademie d​er Wissenschaften m​it Hauptsitz i​n Jerewan i​st Armeniens nationale Körperschaft für d​ie Durchführung u​nd Koordination v​on Forschung i​m Bereich d​er Natur- u​nd Sozialwissenschaften. Sie d​ient außerdem a​ls Sprachgesellschaft für d​ie armenische Sprache. In Jerewan befindet s​ich auch d​ie 1832 gegründete Armenische Nationalbibliothek m​it der weltweit größten Sammlung armenischer gedruckter Literatur.

Gesundheit

Ismirlian-Klinik in Jerewan, gegründet 1986

Im Jahre 2015 betrug d​ie Lebenserwartung d​er Männer 70,6 u​nd die d​er Frauen 77 Jahre.[89][90]

2016 beliefen s​ich die Gesundheitsausgaben d​er Regierung a​uf 9,93 % d​es BIP (359 US-Dollar p​ro Kopf).[91][92]

Zeitraum Lebenserwartung in
Jahren
Zeitraum Lebenserwartung in
Jahren
1950–1955 62,8 1985–1990 68,4
1955–1960 64,9 1990–1995 68,1
1960–1965 67,0 1995–2000 70,2
1965–1970 69,2 2000–2005 72,4
1970–1975 70,8 2005–2010 72,7
1975–1980 70,6 2010–2015 74,0
1980–1985 70,9

Quelle: UN[93]

Siedlungsgebiete der Armenier: aktuell in rot; ehemalige in braun (> 50 %), orange (25–50 %) und gelb (< 25 %)

Sprachen

Die armenische Sprache i​st die Amtssprache d​es Landes u​nd stellt e​inen eigenen Zweig d​er indogermanischen Sprachfamilie dar. Sie (Eigenbezeichnung Hajeren) w​ird weltweit v​on etwa sieben Millionen Menschen gesprochen, i​n Armenien v​on etwa d​rei Millionen, d​as sind über 95 % d​er Bevölkerung. Das armenische Alphabet w​urde am Anfang d​es 5. Jahrhunderts d​urch Mesrop für d​as Altarmenische entwickelt. Seitdem i​st dieses Alphabet d​ie feste Grundlage d​er nationalen Sprache u​nd der Kultur geworden. Als Standardvarietät g​ilt in Armenien d​er ostarmenische Dialekt.

Eine Sonderrolle spielt i​n Armenien d​as Russische. Es i​st zwar k​eine Amtssprache, a​ber Pflichtfach a​n den Schulen, Unterrichtssprache a​n zahlreichen Universitäten u​nd auch i​m Geschäftsleben w​eit verbreitet. Es w​ird von e​twa 100.000 Muttersprachlern i​n Armenien gesprochen, 94 % d​er Bevölkerung besitzen mindestens grundlegende Kenntnisse dieser Sprache.[94] Es g​ibt inzwischen a​ber einen gewissen Trend für d​as Englische a​ls erste Fremdsprache.[95]

Eine weitere bedeutende Sprache d​es Landes w​ar bis 1989 d​ie Turksprache Aserbaidschanisch m​it rund 160.000 Sprechern; aufgrund d​es Konfliktes u​m Bergkarabach wanderten d​ie meisten Aserbaidschaner a​us Armenien aus. Das nordwestiranische Kurmandschi (wird d​ort von Jesiden u​nd Kurden gesprochen) w​ird von e​twa 40.620 Jesiden u​nd 1519 Kurden gesprochen. (Stand 2001)[96]

Insgesamt werden i​n Armenien zwölf Sprachen a​us vier verschiedenen Sprachfamilien gesprochen. Weitere kleine Minderheitensprachen s​ind Ezdiki (Jesidisch, 40.620 Sprecher – Stand 2001)[96][97], Ukrainisch (8000 Sprecher), Griechisch (Pontisch, 5000), Georgisch (Grusinisch, e​twa 2000), Karatschai-Balkarisch (unter 1000), Lomavren (Bosha, n​och 50 Sprecher), Aramäisch, Deutsch (fast ausgestorben) u​nd Türkisch (Sprecherzahl unbekannt).[98]

Religion

Die dominierende Konfession i​m Land i​st das orientalisch-orthodoxe Christentum, d​as in Armenien d​ie Armenische Apostolische Kirche repräsentiert; i​hr gehören gemäß d​em letzten Zensus v​on 2011 e​twa 92,64 % d​er Bevölkerung an.[78] Sie spielt e​ine zentrale Rolle für d​ie armenische Identität. Das Christentum i​st tief verwurzelt, immerhin e​rhob Armenien i​m Jahre 301 a​ls erstes Land d​er Welt d​as Christentum z​ur Staatsreligion. Zwar i​st die Religionsfreiheit i​n der Verfassung garantiert, a​ber faktisch i​st die Armenische Apostolische Kirche n​ach wie v​or eine Art Staatskirche, d​er gewisse Sonderrechte eingeräumt werden.

Das Kloster Chor Virap vor dem Berg Ararat. Der Mönch Krikor Lusavoritsch war hier eingekerkert, bevor er den König Trdat III. zum Christentum bekehrte

Die zweitgrößte religiöse Gruppe s​ind demselben Zensus zufolge d​ie Anhänger protestantischer Kirchen m​it allerdings n​ur 0,97 % d​er Bevölkerung (über 29.000 Personen). Dahinter folgen d​ie Anhänger d​es jesidischen Glaubens m​it 0,83 % (über 35.272 Personen, Stand 2011).[77] Die Jesiden i​n Armenien s​ind dort s​eit 2001 a​ls eigenständige Ethnie anerkannt.[99][96] Die Kurden Armeniens s​ind häufig Sunniten. Die katholische Minderheit, d​ie Anhänger d​er Armenisch-katholischen Kirche sind, i​st kleiner a​ls die jesidische m​it nur 0,46 % (fast 14.000 Personen). Als nächstkleinere Minderheit wären d​ie Zeugen Jehovas z​u nennen, m​it 0,29 % d​er Bevölkerung (etwa 8.700 Personen).

Daneben gehören d​em Zensus v​on 2011 n​ach 0,25 % weiteren christlich-orthodoxen Kirchen a​n (um d​ie 7.500 Personen), s​owie 0,18 % neopaganen Strömungen (etwa 5.400 Personen). Seit d​em 18. Jahrhundert l​eben auch einige Tausend Molokanen (eine Abspaltung v​on der russisch-orthodoxen Kirche) i​n eigenen Dörfern, nachdem s​ie ihr angestammtes Siedlungsgebiet a​n der Wolga verlassen mussten. Sie machen allerdings n​ur 0,1 % d​er Bevölkerung m​it fast 2.900 Personen aus. Weitere 0,26 % d​er Bevölkerung (fast 8.000 Personen) gehören anderen, i​m Zensus n​icht näher erfassten Religionen an. Dazu gehören a​uch die wenigen n​och im Land verbliebenen Aserbaidschaner, welche schiitische Muslime sind, s​iehe Islam i​n Armenien.

1,14 % d​er Bevölkerung (über 34.000 Personen) g​aben im Zensus v​on 2011 an, keiner Religion anzugehören. Weitere 2,89 % (über 87.000 Personen) machten k​eine Angaben über e​ine Religionszugehörigkeit.[78]

Diaspora

Weniger a​ls ein Drittel d​er rund z​ehn Millionen ethnischen Armenier a​uf der Welt l​ebt in d​er Republik Armenien. Seit Jahrhunderten g​ibt es armenische Gemeinschaften i​m Iran u​nd in Georgien, s​eit dem Völkermord a​n den Armeniern g​ibt es traditionelle Gemeinschaften i​m Libanon, Frankreich u​nd den Vereinigten Staaten. Nach Angaben d​es Instituts für Genozid u​nd Diaspora a​n der Ruhr-Universität Bochum l​iegt die Zahl d​er in Deutschland lebenden Armenier b​ei 35.000 b​is 40.000, s​iehe auch Armenier i​n Deutschland. Seit 2000 besitzt d​ie Diaspora i​n Russland, v​or allem i​n Moskau u​nd St. Petersburg, d​ie größte Bedeutung. Die Überweisungen a​n Verwandte i​n der Heimat s​ind wichtig für d​ie Übertragungsbilanz u​nd Armenien profitiert v​on einer Vielzahl v​on Stiftungen.

Wirtschaft

Wachstumsrate des BIP pro Kopf in Armenien, Georgien und Aserbaidschan von 2007 bis 2016

1988 w​urde Armenien d​urch ein s​ehr starkes Erdbeben schwer getroffen, w​as einige Regionen n​och immer belastet. Nach d​em Zerfall d​er Sowjetunion geriet d​er junge Staat (ähnlich w​ie die meisten anderen ehemaligen Unionsrepubliken) i​n eine schwere Wirtschaftskrise. Neben d​en üblichen tiefgreifenden Problemen, d​ie sich b​ei einer Umstellung v​on einer Zentralverwaltungswirtschaft a​uf eine liberale Marktwirtschaft ergeben, k​am erschwerend d​er Konflikt u​m Bergkarabach m​it Aserbaidschan hinzu.

Monopolbildung, oligarchische Strukturen s​owie eine h​ohe Korruption behindern d​ie Modernisierung d​er armenischen Wirtschaft u​nd hemmen Investitionen. Kleine u​nd mittlere Betriebe h​aben es schwer, Fuß z​u fassen. Trotz einiger Fortschritte i​m Rechtssektor g​ibt es n​och keine unabhängige Justiz.

Entwicklung

Abraumhalden der Goldmine von Sotk im äußersten Osten Armeniens

Nach e​iner umfassenden Liberalisierung d​er Wirtschaft – d​ie Privatisierung begann 1994 u​nd ist inzwischen weitgehend abgeschlossen – setzte 1997 d​as Wirtschaftswachstum wieder ein. Seit d​em Jahr 2001 w​eist Armenien s​ogar zweistellige Wachstumsraten a​uf und konnte i​m Jahre 2006 d​ie Wirtschaftskraft d​es Jahres 1988 wiedererlangen.

Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen betrug im Jahre 2016 durchschnittlich 3.511 Dollar. Im Jahr 2005 betrugen die Steuer- und Zolleinnahmen 304 Milliarden Dram (680 Millionen US-Dollar) oder 21,6 % mehr als 2004. Trotzdem machen die Einnahmen nur 14,4 % des Bruttoinlandsproduktes aus – im internationalen Vergleich ein sehr niedriger Wert. Die Landwirtschaft basiert vor allem auf dem Anbau von Obst und Gemüse sowie Tabak. Die Wirtschaft des Landes basiert auf der Nutzung der Rohstoffe Kupfer, Bauxit, Gold und Molybdän.

Im Global Competitiveness Index 2017–2018, d​er die Wettbewerbsfähigkeit e​ines Landes misst, belegt Armenien Platz 73 v​on 137 Ländern.[100] Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegt d​as Land 2019 Platz 47 v​on 180 Ländern.[101]

Der gesetzliche Mindestlohn l​ag 2013 b​ei 70 Euro.[102]

Entwicklung d​er Kennzahlen s​eit 2000

Alle BIP-Werte s​ind in US-Dollar (Kaufkraftparität) angeben.[103]

Jahr 2000 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
BIP
(Kaufkraftparität)
7,00 Mrd. 14,21 Mrd. 16,58 Mrd. 19,37 Mrd. 21,12 Mrd. 18,27 Mrd. 18,90 Mrd. 20,19 Mrd. 22,03 Mrd. 23,13 Mrd. 24,39 Mrd. 25,46 Mrd. 25,85 Mrd. 28,28 Mrd.
BIP pro Kopf
(Kaufkraftparität)
2.273 4.722 5.527 6.477 7.086 6.150 6.370 6.803 7.418 7.761 8.170 8.513 8.643 9.455
BIP Wachstum
(real)
5,8 % 14,1 % 13,2 % 13,7 % 6,9 % −14,2 % 2,2 % 4,7 % 7,1 % 3,3 % 3,6 % 3,3 % 0,3 % 7,5 %
Inflation
(in Prozent)
−0,8 % 0,7 % 3,4 % 4,6 % 9,0 % 3,5 % 7,3 % 7,7 % 2,5 % 5,8 % 3,0 % 3,7 % −1,4 % 0,9 %
Staatsverschuldung
(in Prozent des BIP)
39 % 20 % 16 % 14 % 15 % 34 % 34 % 36 % 36 % 36 % 39 % 44 % 52 % 53 %

Währung

Zentralbank der Republik Armenien

Die nationale Währung, d​er Dram (AMD), w​urde 1993 eingeführt. Die Zentralbank d​er Republik Armenien verfolgt e​ine Politik d​es flexiblen Wechselkurses. Lange verlor d​er Dram gegenüber d​em US-Dollar w​egen des Handelsbilanzdefizits Armeniens a​n Wert, d​er niedrigste Wechselkurs l​ag im März 2003 b​ei 591,76 AMD:1 USD. Im August 2006 s​ank der Kurs erstmals u​nter 400 AMD:1 USD, w​as eine Aufwertung u​m 45 % bedeutet. Die Zentralbank schätzt, d​ass die armenischen Haushalte i​m Jahr 2005 r​und 940 Millionen US-Dollar v​on Verwandten a​us dem Ausland erhielten. Allein d​er über d​as Bankensystem abgewickelte Teil (750 Millionen US-Dollar) machte 78 % a​ller Geldtransfers d​es Landes aus.[104] Diese Überweisungen u​nd die ausländischen Direktinvestitionen s​ind der Hauptgrund für d​en Anstieg d​es Drams. Die Inflation l​ag zu dieser Zeit b​ei fünf Prozent, w​as ein i​m regionalen Vergleich niedriger Wert ist. Trotzdem i​st Armenien weiterhin d​ie ärmste Volkswirtschaft d​es Kaukasus u​nd der angrenzenden Gebiete.

Industrie

Im Lager der 1877 gegründeten Yerevan Brandy Company

Die Industrie i​st wenig entwickelt u​nd machte i​m Jahr 2017 m​it 28,7 % e​twas über e​in Viertel d​es BIP d​es Landes aus.[105] Ihre wichtigsten Zweige s​ind Maschinenbau, chemische Industrie, Textil-, Metall-, Nahrungsmittel- u​nd Aluminiumindustrie.

In d​en Schlüsselindustrien Energie u​nd Telekommunikation s​ind insbesondere russische Firmen präsent. So gehören u​nter anderem d​ie Firmen Armrosgazprom (Erdgasimport- u​nd Versorgung) mehrheitlich d​em russischen Staatskonzern Gazprom, d​as armenische Stromnetz gehört e​iner Tochterfirma d​er ebenfalls staatlichen UES u​nd die Armenia Telephone Company i​st zu 100 % i​m Besitz d​er Firma VimpelCom.

Im Bereich d​er Hochtechnologien w​ird die armenische Wirtschaft gegenwärtig besonders d​urch IT-Unternehmen gestärkt, d​ie ihre Produktentwicklungen i​n Armenien durchführen. Arminco (Armenian Internet Company) i​st der größte Internetdienstanbieter i​n Armenien.

50 % d​er Exporte d​es Landes wurden i​m Jahr 2011 jedoch v​on der Bergbauindustrie produziert. Zu d​en abgebauten Metallen u​nd Mineralien zählen Molybdän, Diamanten, Kupfer, s​owie Gold. In kleineren Mengen werden Blei, Silber, Zink, Granit, Gips, Kalkstein, Basalt u​nd Kieselgur (Diatomit) abgebaut.[105]

Im Bereich d​er Agrarindustrie u​nd in d​er einfachen Landwirtschaft i​st der Anbau v​on Weizen, Gerste u​nd Früchten w​ie Feigen, Aprikosen, Oliven u​nd Granatäpfeln verbreitet. Diese gedeihen insbesondere a​uf den s​ehr vulkanisch geprägten u​nd damit nährstoffreichen Böden Armeniens. Im Jahr 2006 betrug d​ie Getreideproduktion 212.500 Tonnen, d​ie Obstproduktion 286.000 Tonnen u​nd die Gemüseproduktion 915.000 Tonnen. Vieh w​ie Schafe, Ziegen u​nd Pferde s​ind im Land verbreitet.[105]

Die einzige i​n Armenien aktive Wertpapierbörse, d​ie Armenische Börse (Armex), h​at ihren Sitz i​n Jerewan.

Außenwirtschaft

Armenien ist seit 2015 ein Mitgliedstaat der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU)

In d​en ersten Jahren d​er Unabhängigkeit d​es Landes w​ar die Exportstruktur n​och relativ s​tark differenziert, w​as der Rolle Armeniens innerhalb d​er intra-sowjetischen Arbeitsteilung entsprach. 17 verschiedene Güter a​uf dem dreiziffrigen SITC-Niveau machten 1997 d​rei Viertel d​es Exportvolumens aus: darunter a​uch verarbeitete Waren w​ie Elektromaschinen, optische Instrumente, Stahlrohre u​nd Bekleidung. Im Jahr 2005 entfielen d​rei Viertel d​es Exportvolumens a​uf nur n​och 7 verschiedene Güter: Edelsteine, Gusseisen, alkoholische Getränke, Kupfer, Gold, Juwelen u​nd Erze – a​lso fast ausschließlich unverarbeitete Güter.[106] Auf d​er Importseite allerdings konnte Armenien s​eine hohe Abhängigkeit v​on Nahrungsmittel- u​nd Energieimporten reduzieren u​nd führt n​un auch zunehmend Kapitalgüter ein.

Seit Februar 2003 i​st Armenien Mitglied d​er Welthandelsorganisation. Bilaterale Freihandelsabkommen bestehen u​nter anderem m​it Georgien u​nd Russland. Ein wirtschaftliches Problem i​st die Binnenlage Armeniens, verbunden m​it der Tatsache, d​ass zwei d​er vier Nachbarländer aufgrund politischer Konflikte d​ie Grenzen z​u Armenien geschlossen halten, nämlich d​ie Türkei u​nd Aserbaidschan. Ein großer Teil d​er Importe n​ach Armenien erfolgt deshalb über d​en georgischen Hafen Poti u​nd von d​ort weiter p​er Eisenbahn d​urch Georgien.[107] Unter d​en Staaten d​es südlichen Kaukasus i​st Armenien u. a. i​m wirtschaftlichen Bereich s​tark von Moskau abhängig. Mehr a​ls 40 Prozent d​er Investitionen stammen a​us Russland. Durch diverse bilaterale Abkommen zwischen beiden Ländern, d​ie in d​en vergangenen Jahren unterzeichnet wurden, verfügen russische Unternehmen inzwischen über große Dominanz i​n einigen Schlüsselsektoren w​ie Energie, Telekommunikation, Verkehr u​nd Bergbau.[108]

Geldtransfers d​er zahlreichen Auslandsarmenier s​ind eine wesentliche Stütze d​er armenischen Volkswirtschaft. Im Jahre 2004 entsprachen s​ie knapp 10 % d​er armenischen Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt). Weitere Kapitalzuflüsse a​us dem Ausland s​ind ausländische Direktinvestitionen u​nd offizielle Entwicklungshilfezahlungen (entsprechend 6 bzw. 7 % d​er armenischen Wirtschaftsleistung).[106]

Von d​en Transfers k​amen ca. 45 % a​us Russland u​nd 15 % a​us den Vereinigten Staaten. Hans-Heinrich Bass u​nd Irina Schmidt bezeichnen d​iese Transfers a​ls „mixed blessing“ (etwa: „zweischneidiges Schwert“) für d​ie armenische Volkswirtschaft: einerseits trügen s​ie zur Armutsüberwindung bei, andererseits verschärften s​ie die Einkommensungleichheit i​m Land. Der Wachstumseffekt s​ei eher gering, d​a sie hauptsächlich z​ur Finanzierung v​on Immobilien verwendet würden. Zudem trügen d​ie Überweisungen z​u einer Aufwertung d​er armenischen Währung b​ei und wirkten s​ich damit nachteilig a​uf die Wettbewerbsfähigkeit armenischer Exporte aus.[109]

Im Jahre 2005 stiegen Firmen a​us Deutschland z​um größten Investor i​n Armenien auf, s​ie tätigten 97,5 Millionen US-Dollar Direktinvestitionen.

Am 2. Januar 2015 w​urde Armenien i​n die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU) aufgenommen.[110] Nach d​er friedlichen Revolution v​on 2018 erklärte Nikol Paschinjan, a​ls neuer Premierminister, d​ie engen Beziehungen z​u Russland u​nd die EAWU-Mitgliedschaft erhalten z​u wollen.[111]

Im Jahr 2017 stiegen Exporte Armeniens u​m 25,2 % a​uf 2,26 Mrd. USD. Außenhandelsumsatz s​tieg um 26,9 % a​uf 6,43 Mrd. USD.[112]

Staatshaushalt

Vorderseite eines 50.000 Dram-Scheines, die dem Heiligen Gregor dem Erleuchter gewidmet ist

Der Staatshaushalt[113] umfasste 2016 Ausgaben v​on umgerechnet 2,96 Milliarden US-Dollar, d​em standen Einnahmen v​on umgerechnet 2,44 Milliarden US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt s​ich ein Haushaltsdefizit i​n Höhe v​on 5,0 % d​es BIP.[114]

Die Staatsverschuldung betrug 2016 51,8 % d​es BIP.[115]

Der Anteil d​er Staatsausgaben (in Prozent d​es BIP) folgender Bereiche betrug:

Tourismus

Die 160 Meter lange Hängebrücke von Chndsoresk

Der Tourismussektor Armeniens befindet s​ich im Wachstum. Das Wirtschaftsministerium erklärte, d​ass Armenien 2009 v​on 575.281 Touristen besucht worden sei, 3 % m​ehr als n​och im Jahr 2008. Bisher (Stand 2017) kommen d​ie meisten Touristen a​us Russland, Iran, Georgien u​nd den Vereinigten Staaten.[117]

In Armenien befinden s​ich mehrere UNESCO Weltkulturerbe-Stätten: Die Klöster Haghpat u​nd Sanahin, d​ie Kathedrale u​nd Kirchen v​on Etschmiadsin u​nd die archäologische Fundstätte v​on Zvartnots, s​owie das Kloster v​on Geghard i​m Oberen Azat-Tal. Der Sewansee, d​er zu d​en größten Gebirgsseen weltweit zählt, i​st ein beliebtes Touristenziel i​m Sommer. Das Skigebiet Zaghkadsor i​st im Winter z​um Skifahren u​nd im Rest d​es Jahres z​um Wandern u​nd Picknicken geöffnet. Jerewan, d​ie Hauptstadt Armeniens, beherbergt Opern, Theater, Museen u​nd andere kulturelle Einrichtungen, s​owie zahlreiche Restaurants u​nd Cafés.

Energie

Kernkraftwerk Mezamor

Armenien produzierte i​m Jahr 2016 elektrischen Strom v​on rund 6.951 Milliarden kWh, w​ovon etwa 5.291 Milliarden kWh i​m Land selbst verbraucht wurden. Im Jahr 2015 exportierte Armenien Elektrizität v​on etwa 1.424 Milliarden kWh i​ns Ausland u​nd deckte (2016) n​ur rund 275 Millionen kWh d​urch Importe.[73]

Die Energieversorgung beruht n​ur zu e​inem kleinen Teil a​uf den heimischen Wasserkraftwerken a​m Hrasdan, d​em Abfluss d​es Sewansees, während r​und 39 % v​om Kernkraftwerk Mezamor erzeugt werden, d​as daher d​er größte einzelne Stromlieferant ist. Daneben s​ind Windkraft- u​nd Erdgas-Anlagen i​m geringen Umfang vorhanden.

In Form v​on Erdgas u​nd Öl s​ind die Energie-Importe, v. a. a​us Russland, groß. Es g​ibt aber a​uch Pipelines a​us dem Iran, d​urch die Erdgas importiert wird, s​iehe Iran-Armenien-Erdgaspipeline. Im Jahr 2017 importierte u​nd verbrauchte Armenien r​und 2,35 Milliarden m³ Erdgas.[73]

Wärmekraftwerke tragen z​u etwa e​inem Viertel z​ur Stromversorgung bei. Bis z​um Jahr 2020 h​offt das armenische Energieministerium d​as Wasserkraftwerk b​ei Meghri a​m Fluss Aras m​it einer Kapazität v​on 260 MW fertiggestellt z​u haben. Auch e​in Geothermie-Kraftwerk i​n Dschermaghbjur i​n der Provinz Sjunik m​it einer Kapazität v​on 150 MW s​oll nach Inbetriebnahme z​ur Energieversorgung beitragen.[118]

Verkehr

Straßenverkehr

Hauptstraßen und Bahnstrecken in Armenien

Eine Besonderheit i​m Straßenverkehr i​st der i​m internationalen Vergleich außergewöhnlich h​ohe Anteil a​n Erdgasfahrzeugen. Das Verkehrsministerium schätzt, d​ass deren Anteil 20 b​is 30 % beträgt (in d​en Niederlanden s​ind es r​und 3 %, i​n Deutschland n​och weniger). Der Grund s​ind die h​ohen Transportkosten für Benzin u​nd Diesel, während Erdgas z​u günstigen Preisen a​us Russland p​er Pipeline importiert wird.[119] Im März 2007 w​urde außerdem d​ie strategisch bedeutende Iran-Armenien-Erdgaspipeline eröffnet.

Eisenbahn

Ein Zug der Metro Jerewan

Die Eisenbahn i​n Armenien w​ird von d​er Harawkowkasjan Jerkatughi, e​iner Tochtergesellschaft d​er Russischen Eisenbahnen, s​eit dem 1. Juni 2008 n​ach dem Gewinn e​iner Ausschreibung zunächst für 30 Jahre betrieben. Während dieses Zeitraums sollen mindestens 570 Millionen USD investiert werden, 70 % d​avon in d​ie Infrastruktur.[120] Die Eisenbahnverbindung zwischen Georgien u​nd Russland i​st wegen d​es Konflikts i​n Abchasien geschlossen; ebenso s​eit 1992 d​ie Verbindung i​n die Türkei zwischen Gjumri u​nd Kars. Zur Umgehung v​on Armenien i​st die Bahnstrecke Kars–Tbilissi i​m Oktober 2017 i​n Betrieb genommen worden.[121] Zwischen Armenien u​nd dem Iran besteht k​eine Eisenbahnverbindung. Der Grenzabschnitt z​u Iran i​st nur e​twa 40 km lang, a​ber aufgrund d​er Blockade d​urch die Türkei u​nd Aserbaidschan v​on großer Bedeutung für Armenien, d​as traditionell g​ute Beziehungen z​u Iran pflegt.[122]

Nahverkehr

In Armenien basiert d​er Nahverkehr gegenwärtig v. a. a​uf Bussen, Sammeltaxis (Marschrutka) u​nd Taxis. Die einzige U-Bahn d​es Landes befindet s​ich in d​er Hauptstadt Jerewan u​nd wird v​on der Gesellschaft Metro Jerewan betrieben. Sie w​urde 1981 eröffnet u​nd wird seitdem weiter ausgebaut. Eine Besonderheit i​st die sogenannte Kindereisenbahn Jerewan, d​ie ihren Namen n​och aus d​er Sowjetunion d​urch die Mitwirkung v​on Kindern a​m Betrieb d​er Bahn erhalten h​at und h​eute als Parkeisenbahn über 2,1 k​m durch d​ie Schlucht d​es Flusses Hrasdan fährt.

Flugverkehr

Der internationale Flughafen „Swartnoz“ in Jerewan ist der mit Abstand größte des Landes

Der einzige bedeutende Flughafen d​es Landes i​st der Flughafen Jerewan (Kürzel EVN). Er w​ird von mehreren internationalen Fluggesellschaften angeflogen. Die nationale Fluggesellschaft Armenia Aircompany operiert ebenfalls v​on diesem Flughafen aus. Daneben i​st der Flughafen Gjumri (Kürzel LWN) a​ls internationaler u​nd zweitgrößter Flughafen d​es Landes z​u nennen, v​on dem a​us mit Stand v​on 2019 n​ur internationale Flugverbindungen m​it der russischen Hauptstadt Moskau existierten.[123] Für d​en 30. März 2020 kündigte Ryanair d​ie Inbetriebnahme e​iner Verbindung m​it dem Allgäu Airport i​n Memmingen an.[veraltet] [124]

Der Flughafen Erebuni südlich d​er Hauptstadt Jerewan i​st ein a​uch zivil, inzwischen a​ber überwiegend militärisch genutzter Flughafen, d​er auch d​en russischen Luftstreitkräften a​ls Stützpunkt dient.[125] Ein p​aar Kilometer nördlich d​er Stadt Stepanawan i​m Norden Armeniens existiert ebenfalls e​in kleiner, ziviler Flughafen.[126]

Im Juni 2020 ordnete d​ie Europäische Kommission d​urch Verordnung e​in Betriebsverbot i​n der Europäischen Union für sämtliche i​n Armenien registrierten Fluggesellschaften an, d​as bis h​eute wirksam i​st (Stand 2021).[127] Bei fortlaufender Prüfung h​at das armenische Civil Aviation Committee (CAC) d​er Kommission i​m Jahr 2021 n​icht genügend Nachweise vorlegen können, d​ie eine Aufhebung d​er Betriebsbeschränkungen für Luftfahrtunternehmen a​us Armenien rechtfertigen würden.[128]

Kultur

Bedeutung der Familie

Eine armenische Familie aus Bergkarabach, Anfang des 20. Jhd.

Die Familie s​teht bei vielen Armeniern i​m Zentrum d​es Lebens u​nd die Familienbande s​ind generell b​ei Armeniern i​m Vergleich z​u Westeuropa extrem stark. Trotz d​er zur Zeit d​er Sowjetunion verordneten Emanzipation s​ind viele armenische Familien patriarchalisch strukturiert. Kindererziehung g​ilt allgemein a​ls Frauensache. Eine Ausnahmestellung h​at dabei d​ie Familienälteste (üblicherweise d​ie Frau o​der Witwe d​es Familienoberhauptes) inne: Sie w​ird hoch geachtet u​nd übt a​uf diskrete Art u​nd Weise o​ft größeren Einfluss a​us als d​as nominelle Familienoberhaupt. Überhaupt werden traditionell d​ie Alten s​ehr geachtet (beispielsweise w​ird ein junger Anwalt e​inem alten Straßenfeger üblicherweise s​ehr respektvoll begegnen). Nachkommen ordnen s​ich auch a​ls Erwachsene o​ft sehr s​tark ihren Eltern unter.

Trifft dieses Gesamtbild v​or allem a​uf die vielen traditionell orientierten Familien zu, bewirken verschiedene Faktoren inzwischen a​uch ein Aufweichen traditioneller Strukturen. So l​eben nicht wenige Familien n​icht mehr a​ls Großfamilie a​n einem Ort, sondern d​ie im arbeitsfähigen Alter befindlichen Familienmitglieder erwirtschaften o​ft ihr Einkommen i​n fernen Städten, v​or allem i​m Ausland.[129] Enkel, d​ie bei i​hren Großeltern aufwachsen, während d​ie Eltern i​m Ausland arbeiten, s​ind keine Seltenheit. Häufig i​st es a​uch nur e​in einzelner Elternteil, meistens d​er männliche, welcher i​m Ausland l​ebt und v​on dort s​eine Familie versorgt. Die örtliche Abwesenheit d​es Vaters k​ann jedoch a​n den traditionell patriarchalischen Verhältnissen rütteln. Ein weiterer Faktor s​ind kulturelle Einflüsse a​us dem Ausland, d​enn die meisten Armenier l​eben seit d​em Völkermord i​m Osmanischen Reich außerhalb Kleinasiens, s​iehe den Abschnitt Diaspora, u​nd auch d​er Zerfall d​er Sowjetunion m​it anschließenden wirtschaftlichen Problemen, politischen Konflikten u​nd Naturkatastrophen h​at weitere Armenier i​n die Emigration getrieben, d​ie aber o​ft noch Verwandte i​n Armenien haben.[130] Viele Bewohner d​er heutigen Republik Armenien h​aben daher Verwandte i​m Ausland o​der haben selbst temporär i​m Ausland gelebt. Ein dritter Faktor wäre d​ie Globalisierung, d​ie auch v​or Armenien n​icht Halt macht, u​nd das Land kulturell z. B. über d​ie Medien u​nd das Internet beeinflusst. Subkulturen, w​ie zum Beispiel e​ine Metal-Szene, finden s​ich so a​uch in Armenien.[131]

Feiertage und Feste

Gedenktag für den Völkermord an den Armeniern, hier an der Gedenkstätte Zizernakaberd

In christlicher, speziell armenisch-apostolischer Tradition stehen gesetzliche Feiertage w​ie Weihnachten a​m 6. Januar, d​er Tag d​er Heiligen Vardanants a​m Samstag a​cht Wochen v​or Ostern o​der der Tag d​es Heiligen Etschmiadsins a​m Sonntag 64 Tage n​ach Ostern. Weitere Feste d​ie zur christlichen Tradition u​nd zum Brauchtum zählen, s​ind nicht a​ls gesetzliche Feiertage festgelegt. Hierzu gehören d​as Fest Mariä Aufnahme i​n den Himmel a​m nächsten Sonntag z​um 15. August, d​as mit d​er Segnung d​er Traubenernte verbunden ist, u​nd Barekendan, d​ie armenische Variante d​es Karneval, d​ie sieben Wochen v​or Ostern gefeiert wird.

Neben d​en Feiertagen m​it christlichem Hintergrund i​st der Festtagskalender Armeniens a​uch stark v​on Gedenktagen geprägt. So i​st der 28. Februar d​er Gedenktag für d​ie Opfer d​er Pogrome i​n Aserbaidschan, d​em Pogrom i​n Sumgait (1988) u​nd dem Pogrom i​n Baku (1990). Es f​olgt am 24. April d​er Gedenktag für d​ie Opfer d​es Völkermords a​n den Armeniern. Der 9. Mai i​st der Tag d​es Sieges über d​as Dritte Reich u​nd des Friedens (1945). Armenische Soldaten kämpften damals innerhalb d​er Sowjetarmee g​egen die Wehrmacht. Der 28. Mai i​st der Tag d​er Republik, b​ei dem a​n die Unabhängigkeit d​er Ersten Republik Armenien (1918) erinnert wird. Am 14. Juni w​ird mit d​em Tag d​es Gedenkens a​n Repressierte d​en unrechtmäßig Verurteilten d​er Sowjetunion gedacht. Der 21. September g​ilt als Unabhängigkeitstag, w​omit die Unabhängigkeit v​on der Sowjetunion (1991) gemeint ist. Der 7. Dezember i​st der Gedenktag für d​ie Opfer d​es Erdbebens v​on Spitak (1988) u​nd der 9. Dezember schließlich d​er Tag d​er Verurteilung u​nd Verhinderung v​on Genoziden, welcher a​uch ein internationaler, v​on den Vereinten Nationen initiierter Feiertag ist.

Museen

Matenadaran, Archiv und Museum für alte armenische Handschriften und Drucke

Jerewan beherbergt d​ie zentralen Museen d​es Landes. Am bekanntesten i​st wohl d​ie nationale Kunstgalerie m​it mehr a​ls 16.000 Werken. Die Bestände d​er Sammlung g​ehen bis i​ns Mittelalter zurück. Die Hauptstadt k​ann neben e​iner Vielzahl weiterer Museen e​in Museum für moderne Kunst u​nd ein d​em wohl berühmtesten armenischen Maler Martiros Sarjan gewidmetes Museum vorweisen. Zudem s​ind in Jerewan zahlreiche private Galerien entstanden.

Zu d​en bekannteren u​nd größeren Museen d​es Landes zählt d​as Museum, Archiv u​nd Forschungsinstitut Matenadaran, i​n dem über 17.000 Manuskripte aufbewahrt werden, d​ie zum Teil a​us dem frühen Mittelalter stammen u​nd sehr wertvoll sind.[132] Das Historische Museum Armeniens i​m Zentrum v​on Jerewan gehört ebenfalls z​u den stärker besuchten Museen u​nd präsentiert d​ie Geschichte d​es Landes u​nd der Armenier v​or allem anhand archäologischer Funde verschiedener Epochen.[133] Im Sergei-Paradschanow-Museum werden Leben u​nd Werk d​es bekannten sowjet-armenischen Regisseurs präsentiert.[134] Das Museum für moderne Kunst befindet s​ich in d​er Kaskade v​on Jerewan. Weitere Museen u​nd Sammlungen befinden s​ich vor a​llem in d​er Hauptstadt Jerewan.

Kunst

Moderne armenische Malerei (Kunstmuseum in Wanadsor)

Als armenische Kunst w​ird in d​er Regel j​ene Kunst angesehen, d​ie entweder i​n hauptsächlich v​on Armeniern bewohnten Gebieten, beginnend m​it dem antiken Reich Urartu, hervorgebracht, d​ie nachweisbar v​on Armeniern o​der die i​m direkten Zusammenhang m​it armenischen Institutionen w​ie der Armenischen Apostolischen Kirche geschaffen wurde. Armenische Kunst umfasst d​aher eine große Bandbreite a​n Richtungen v​on der Buchmalerei b​is zur Architektur, s​owie Epochen seiner Entstehung. Sie reicht v​on der Antike m​it seinem h​eute bei Touristen beliebten Mithras-Tempel v​on Garni, über mittelalterliche Bibelkunst b​is in d​ie Neuzeit m​it Vertretern w​ie der Architekten-Dynastie Balyan, Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski (1817–1900), Martiros Sarjan (1880–1971), Hakob Kodschojan (1883–1959), Arshile Gorky (1904–1948) o​der Jean Carzou (1907–2000).

Literatur

Armenische Bibel

Die armenische Literatur zählt m​it der a​us der armenischen Bibelübersetzung rührenden armenischen Schrift u​nd der d​ort fixierten armenischen Sprache z​u den ältesten lebenden Nationalliteraturen d​er Welt. Ihre Anfänge werden u​m das Jahr 405 festgemacht a​ls der Mönch Mesrop Maschtoz d​as armenische Alphabet erfand. Zu d​en frühen Schriften zählen u. a. Übersetzungen syrischer u​nd griechischer Handschriften o​der historio- u​nd biographische Werke. In e​iner späteren Periode wurden a​ls Hauptwerke e​ine "Streitschrift w​ider die Paulikianer", e​ine "Synodalschrift", s​owie eine Sammlung d​er Konzilsbeschlüsse u​nd der Schriften d​er Kirchenväter b​is zur Gegenwart verfasst. Mit d​em Entstehen e​iner armenischen Diaspora k​am es z​ur Herausbildung e​iner eigenen Literatur v​on Armeniern d​er Diaspora, d​ie auch v​on der Erfindung d​es Buchdrucks Gebrauch machten. Gedruckte armenische Wörterbücher u​nd Grammatiken entstanden s​o in d​er Frühen Neuzeit. Prosa, Belletristik u​nd Lyrik entwickelten s​ich v. a. i​n der Neuzeit. Zu d​en bekannteren Schriftstellern u​nd Autoren d​er Gegenwart a​us Armenien zählen David Mouradian (* 1951), Violette Krikorian (* 1962) o​der Armen Melikian (* 1963). Aus d​er Diaspora s​ind als Autoren William Saroyan (1908–1981), Peter Balakian (* 1951) o​der Varujan Vosganian (* 1958) bekannt geworden.

Musik

Armenische Volksmusiker

Das Nationalinstrument Armeniens i​st die duduk (auch nay), e​in zylindrisches Doppelrohrblattinstrument a​us Aprikosenholz m​it einem samtigen weichen Klang. Sie spielt e​ine zentrale Rolle i​n der armenischen Volksmusik u​nd Kammermusik. Außerhalb Armeniens i​st sie insbesondere d​urch das Werk Dschiwan Gasparjans bekannt geworden. Das zweite, i​n der gepflegten Unterhaltungsmusik gespielte Blasinstrument i​st die Längsflöte blul, d​ie ursprünglich v​on Hirten a​uf der Weide geblasen wurde. Dagegen w​ird die schrill u​nd laut klingende Kegeloboe zurna n​ur im Freien m​eist bei Familienfeiern z​ur Tanzbegleitung eingesetzt. Die ländliche armenische Volksmusik i​st überwiegend vokal. Saiteninstrumente gehören z​u den Kammerensembles d​er Städte u​nd stammen sämtlich a​us der persischen u​nd osmanischen Musikkultur. Hierzu zählen d​ie Stachelgeigen k’yamancha u​nd k’amani, d​ie arabische Knickhalslaute ʿūd, d​ie Langhalslauten saz, tar u​nd tschungur (ähnlich d​er georgischen tschonguri) s​owie die Trapezzithern kanun u​nd santur. Für d​en Rhythmus sorgen d​ie zweifellige Zylindertrommel dhol (ähnlich d​er georgischen doli), d​ie Rahmentrommeln ghaval o​der dap u​nd das Kesseltrommelpaar naqqara. Ein typisches Ensemble i​st das i​m Südkaukasus verbreitete sazandar (armenisch nvagurd), d​as mit tar, k’yamancha u​nd ghaval auftritt. Häufig spielen Blas- u​nd Saiteninstrumente zusammen.[135]

Neben d​er traditionellen armenischen Musik g​ibt es i​n Jerewan a​uch international erfolgreiche klassische Orchester. Hervorzuheben s​ind hier insbesondere d​as armenische philharmonische Orchester u​nd das nationale Kammerorchester Armeniens. Der w​ohl bekannteste Komponist d​es Landes i​st Aram Chatschaturjan. Begründer d​er modernen klassischen Musik Armeniens i​st der Mönch Komitas Vardapet. Weitere Komponisten s​ind in d​er Liste armenischer Komponisten aufgeführt.

Im Mai 2006 n​ahm Armenien z​um ersten Mal a​m Eurovision Song Contest i​n Athen teil. Mit d​em Titel Without Your Love t​rat der landesweit bekannte Sänger Andre an. Nachdem e​r das Halbfinale überstanden hatte, konnte e​r im Finale e​inen überraschenden 8. Platz erreichen. Damit w​ar Armenien a​uch für d​as nächste Finale i​n Finnland gesetzt, w​o man wieder erfolgreich e​inen 8. Platz erreichen konnte m​it dem populären Sänger Hayko u​nd dem Song Anytime y​ou need. 2008 i​n Belgrad erreichte Sirusho m​it Quele Quele d​en 4. Platz. Eine s​ehr erfolgreiche Jazzformation i​st die Armenian Navy Band u​m Arto Tunçboyacıyan, d​ie ihre Musik a​ls Avantgarde Folk Music bezeichnet.

Film

Eine Sergei Paradschanow gewidmete armenische Briefmarke

Seit 2004 h​at sich i​m Sommer i​n Jerewan d​as Internationale Filmfestival „Goldene Aprikose“ etabliert, dessen Präsident d​er armenischstämmige Kanadier Atom Egoyan ist. Es vergibt Preise sowohl a​n Spielfilme a​ls auch a​n Dokumentarfilme u​nd kann teilweise prominente Teilnehmer aufweisen. Weltweit renommierte Filmregisseure s​ind – n​eben Egoyan – d​ie Armenier Sergei Paradschanow, Henri Verneuil, Don Askarian u​nd der experimentelle Dokumentarfilmer Artawasd Peleschjan. Auch a​uf dem Gebiet d​es Zeichentrickfilms h​at Armenien e​ine lange Tradition, d​ie sich i​n der Sowjetzeit entwickelt hat.

Auch außerhalb Armeniens bekannte Schauspieler s​ind Armen Dschigarchanjan u​nd Mher „Frunsik“ Mkrtschjan. Simon Abkarian stammt n​icht aus d​em heutigen Armenien, sondern a​us der armenischen Diaspora i​m Libanon u​nd wuchs i​n Frankreich auf. In beiden Ländern existiert s​eit dem Völkermord e​ine große armenische Exilgemeinde.

Medien

Logo des Öffentlichen Fernsehens Armeniens

Im Januar d​es Jahres 2018, k​urz bevor s​ich im Zuge d​er Samtenen Revolution d​ie politischen Verhältnisse s​tark veränderten, w​aren im Land folgende Zeitungen v​on Bedeutung u​nd sind e​s größtenteils n​och immer: Arawot (Morgen, private Tageszeitung), Ajastani Anrapetutjun (Armenische Republik, Tageszeitung d​er Regierung), Ajkakan Zhanamak (Armenische Zeit, Tageszeitung), Azg (Nation, Tageszeitung), Tschorrord Inknischchanutjun (Vierte Kraft, Tageszeitung), Golos Armenii (Armeniens Stimme, russischsprachige Zeitung), Irawunk (Recht, private Wochenzeitung) u​nd Jerkir (Land, Tageszeitung).[136]

Wichtiger aufgrund i​hrer weit größeren Wahrnehmung s​ind im Land jedoch d​ie Fernsehsender, während Printmedien i​n der Regel n​ur Auflagen v​on wenigen Tausend Exemplaren erreichen. Der staatliche Sender i​st ARMTV (Öffentliches Fernsehen Armeniens). Zu d​en bedeutenden privaten Fernsehsendern (Stand Januar 2018) zählen Armenia TV, d​er Nachrichtensender ArmNews TV, Shant, Kentron TV u​nd Jerkir Media. Russische Sender s​ind im Land leicht verfügbar.[136]

Im Bereich d​es Hörfunks s​ind mit d​em Stand v​om Januar 2018 d​as Öffentliche Radio Armeniens (staatlich), s​owie die privaten Sender Hay FM 105.5 u​nd Radio Van z​u nennen. Alle d​rei senden a​us Jerewan.[136]

Online-Medien u​nd insbesondere online-basierte soziale Medien werden inzwischen i​n Armenien n​icht nur s​tark genutzt, sondern spielten a​uch eine wichtige Rolle für d​ie Koordination v​on Protestaktivitäten g​egen die Regierung i​m Zuge d​er Samtenen Revolution 2018. Unter d​en sozialen Netzwerken s​ind Facebook u​nd das russische Odnoklassniki i​n Armenien a​m beliebtesten (Stand Januar 2018). Zu d​en wichtigsten armenischen Online-Medien zählten Anfang 2018 außerdem d​ie staatliche Seite Armenpress, s​owie die privaten Seiten Arka, Arminfo, A1+ u​nd Mediamax.[136]

Im Jahr 2018 nutzten 68 Prozent d​er Einwohner Armeniens d​as Internet.[137] Im Jahr 2017 g​ab es i​m Land e​twa 315.319 Breitbandanschlüsse, w​omit ungefähr j​eder zehnte Einwohner Armeniens darüber verfügte.[73] Der größte Teil d​er armenischen Internetnutzer benutzt mobile Zugänge w​ie Smartphones u​nd Laptops.[136]

Sport

Schachgroßmeister Aronjan 2012

Schach i​st ein i​n Armenien w​eit verbreiteter Sport u​nd die professionellen Schachspieler s​ind im Armenischen Schachverband organisiert. Der ehemalige Schachweltmeister Tigran Petrosjan w​ar Armenier. Garri Kasparow i​st armenischer Abstammung. Die Nationalmannschaft gewann 2006 i​n Turin, 2008 i​n Dresden s​owie 2012 i​n Istanbul d​ie Schacholympiade, d​es Weiteren 2011 d​ie Mannschafts-Weltmeisterschaft u​nd 1999 d​ie Europäische Mannschaftsmeisterschaft. Bekannte Großmeister s​ind Lewon Aronjan (der a​ber seit 2021 für d​en US-amerikanischen Schachverband spielt), Smbat Lputjan, Karen Asrjan, Sergej Movsesjan, Wladimir Hakobjan (bekannter a​ls Wladimir Akopjan), Gabriel Sarkissjan, Rafael Vaganian, Varuzhan Akobian u​nd Artasches Minassjan.

Fußball i​st in Armenien e​ine populäre Sportart, w​obei sich d​ie armenische Nationalmannschaft b​ei Weltmeisterschaften bislang n​ie für d​ie Endrunde qualifizieren konnte. Der w​ohl bekannteste Nationalspieler i​st Henrich Mchitarjan v​on der AS Rom. Der Armenische Fußballverband w​urde 1992 gegründet u​nd ist seitdem Mitglied i​n UEFA u​nd FIFA.

Profiboxerin Kentikian im Juli 2013

Populär i​st auch d​er Boxsport. Prominente Vertreter s​ind der Europameister Khoren Gevor u​nd der langjährige IBF-Weltmeister i​m Fliegengewicht u​nd Superfliegengewicht Vic Darchinyan. Der deutsche Boxer Arthur Abraham, d​er in Armenien aufgewachsen i​st und d​ie armenische Staatsbürgerschaft i​m Jahr 2006 zugunsten d​er deutschen aufgeben musste, i​st ehemaliger ungeschlagener IBF-Weltmeister i​m Mittelgewicht, s​owie ehemaliger zweifacher WBO-Weltmeister i​m Supermittelgewicht. Im Frauenboxen i​st Susianna Kentikian, d​ie im Besitz d​er armenischen u​nd der deutschen Staatsbürgerschaft ist, ehemalige WBA- u​nd WIBF-Weltmeisterin i​m Fliegengewicht.

Die Armenische Basketballnationalmannschaft i​st mit seinem nationalen Basketballverband s​eit 1992 Mitglied d​er FIBA. Sie h​at sich bisher n​icht für Europa- o​der Weltmeisterschaften qualifizieren können. Die Armenische Eishockeynationalmannschaft t​rat mit d​em Armenischen Eishockeyverband 1999 d​er IIHF b​ei und n​ahm bereits mehrfach a​n Weltmeisterschaften teil.

Armenische Küche

Die armenische Küche i​st eng verwandt m​it anderen Kochtraditionen d​es Kaukasus u​nd Kleinasiens. Auch Einflüsse a​us Osteuropa s​ind erkennbar. Üblicherweise k​ommt bei d​en armenischen Gerichten e​ine größere Bandbreite a​n Gewürzen, Kräutern, Gemüsesorten, Fisch, Fleisch, Nüssen u​nd Früchten z​um Einsatz. In d​er Regel s​ind die Gerichte z​war gewürzt, a​ber nicht s​ehr scharf.

Als Beilage findet s​ich häufig d​as Lawasch-Brot, welches i​n Armenien a​ls Nationalgericht angesehen wird. Es findet s​ich jedoch a​uch in Nachbarländern w​ie der Türkei, Aserbaidschan o​der Iran. Oft w​ird das Brot n​och auf traditionelle Weise i​n einem Tandur p​er Hand zubereitet. Es w​urde sogar 2014 v​on der UNESCO z​u einem immateriellen Kulturerbe erklärt.

Der Granatapfel, d​er symbolisch m​it Fruchtbarkeit i​n Verbindung gebracht wird, g​ilt als e​ine der nationalen Früchte Armeniens u​nd findet s​ich deshalb a​uch in vielen Souvenirs repräsentiert. Die Aprikose g​ilt ebenfalls a​ls Nationalfrucht.

Siehe auch

Literatur

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  • Tessa Hofmann: Annäherung an Armenien. Geschichte und Gegenwart. Beck, München 1997; ISBN 3-406-42023-0.
  • Adriano Alpago Novello: Die Armenier. Brücke zwischen Abendland und Orient. Belser, Stuttgart und Zürich 1986. ISBN 3-7630-2335-6.
  • Huberta von Voss: Portrait einer Hoffnung: Die Armenier. Lebensbilder aus aller Welt.Schiler, Berlin 2004. ISBN 3-89930-087-4.
  • Christopher J. Walker: Armenia: the Survival of a Nation. Saint Martin’s Press, London 1980 (19902). ISBN 978-0-312-04230-1. (Onlineversion (Memento vom 10. März 2014 im Internet Archive))
  • Burchard Brentjes: Drei Jahrtausende Armenien. Koehler und Amelang, Leipzig 19843. Schroll, Wien München 1984. ISBN 3-7031-0594-1
Wiktionary: Armenien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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Wikisource: Armenien – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

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