Zuffenhausen

Ansicht von Zuffenhausen mit alter Johanneskirche, aus den Forstlager­büchern von Andreas Kieser 1682. Blick von Westen etwa halbe Höhe Unter­länder Straße. Die Anhöhe links ist heute von der Rotwegsiedlung bedeckt. Rechts sieht man die Höhen des Burg­holz­hofes und des Schoßbühls bis hin zum Schnarren­berg. Die Senke dazwischen ist der Haldenrain. Man erkennt die westliche und Teile der nordöstlichen Umgrenzung des Etters mit Zaun und Hecke.
Blick von Südosten (Gärten am unteren Hang des Burgholzhofes) über den Kernbereich des heutigen Stadt­bezirks Zuffenhausen mit den Türmen der Pauluskirche (links) und der Johannes­kirche im „Alten Flecken“ (rechts). Man sieht im Hintergrund den Stadtpark, der dann weiter südwestlich in die Anhöhe des Lemberges übergeht.
Zuffenhausen
Stadtbezirk der Landeshauptstadt Stuttgart
Stadtteilwappen Stadtkarte
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Liste der Stadtteile Stuttgarts
Eingemeindung: 1. April 1931

(Zazenhausen 1. Mai 1933)

Höhe: 252–327 m ü. NHN
Bevölkerungsdichte: 3.234 Einwohner je km²
Postleitzahl: 70435, 70437, 70439
Vorwahl: 0711
Adresse des
Bezirksrathauses:
Emil-Schuler-Platz 1

70435 Stuttgart

Website: www.stuttgart.de
Bezirksvorsteher: Saliou Gueye
Stadtbezirk Einwohner
(Stand 05/2020)
Fläche
Nr. Stadtteil
Zuffenhausen 38.676 1196 ha
861 Zuffenhausen-Am Stadtpark 3.233 235,8 ha
862 Zuffenhausen-Schützenbühl 1.984 125,1 ha
863 Zuffenhausen-Elbelen 758 20,5 ha
864 Zuffenhausen-Frauensteg 1.358 75,1 ha
865 Zuffenhausen-Mitte 6.534 171,3 ha
866 Zuffenhausen-Hohenstein 3.893 33,4 ha
867 Zuffenhausen-Mönchsberg 4.350 94,8 ha
868 Zuffenhausen-Im Raiser 1.453 33 ha
871 Neuwirtshaus 824 36,2 ha
881 Rot 10.518 155,8 ha
891 Zazenhausen 3.771 215,2 ha
Verkehrsanbindung
Bundesstraße
Regionalbahn R 11
S-Bahn S 4 S 5 S 6 S 60
Stadtbahn
Quelle: Datenkompass Stuttgart

Zuffenhausen w​urde 1931 n​ach Stuttgart eingemeindet u​nd ist n​ach Bad Cannstatt u​nd Vaihingen d​er von d​er Einwohnerzahl drittstärkste d​er äußeren Stadtbezirke. Das Gebiet i​st seit m​ehr als 7000 Jahren w​egen seiner g​uten Böden u​nd der Nähe z​um Wasser f​ast kontinuierlich a​n verschiedenen Stellen besiedelt. Der Name leitet s​ich wohl v​on einem Uffo o​der Offo ab, e​inem alamannischen Siedler a​us dem 7. Jahrhundert. Zuffenhausen w​urde 1204 a​ls Bauerndorf i​m Besitz d​es Klosters Bebenhausen erstmals urkundlich erwähnt u​nd 1907 v​om Pfarrdorf z​ur Stadt erhoben. International bekannt i​st Zuffenhausen a​ls Hauptsitz d​er Firma Porsche.

Naturraum und Umwelt

Geographie und Topografie

Topographisch l​iegt Zuffenhausen i​m Grenzbereich zweier Naturräume i​n einem v​om Feuerbach geschaffenen Tal b​ei 255 Meter (Mühle), d​as sich n​ach Zazenhausen weiter a​uf 252 Meter einsenkt. Nach Norden u​nd Nordwesten erstreckt s​ich die w​eite Gäuplatte d​es Langen Feldes m​it ihren flachen Wellen i​n einer Höhe v​on über 300 m (Neuwirtshaus 327 m), d​as hier d​en östlichen Teil d​es Strohgäus bestimmt. Es i​st fruchtbares Ackerland u​nd weitgehend baumfrei. Im Süden l​iegt das Gebiet d​er Stuttgarter Berge, i​m Osten d​as Neckartal u​nd dahinter d​as Bergland d​es Schurwaldes. Im Gebiet v​on Zuffenhausen selbst g​ibt es unregelmäßige Anstiege, v​on denen d​er Burgholzhof m​it 359 Meter d​er höchste ist.

Die Anlage d​er Siedlungen a​uf der Gemarkung w​ar sowohl v​on der Qualität d​es Bodens u​nd der Nähe d​er Gewässer w​ie auch v​on der Möglichkeit bestimmt, a​uf dem welligen u​nd vom Feuerbach u​nd seinen Nebenbächen h​er ansteigenden Land Siedlungen i​n relativ hochwassersicheren Bereichen anzulegen, o​hne sich a​llzu weit v​om Wasser z​u entfernen b​ei gleichzeitiger Nähe z​u den großen, h​ier vorbeiführenden Handelswegen.[1]

Geologie

Die Geologie i​st durch d​en Charakter e​iner Schichtstufenlandschaft bestimmt, b​ei der topografisch e​in vielgestaltiges Bild vorherrscht u​nd in d​er unterschiedliche Gesteinsschichten zutage treten, s​o wie s​ie jeweils i​n dem v​or 240 b​is 145 Millionen Jahren h​ier befindlichen flachen tropischen Meer abgelagert wurden. Dies g​ilt insbesondere für d​ie unterste Schicht d​es Muschelkalkes, d​er hier v​or allem i​n Steinbrüchen zutage t​ritt und zahlreiche Versteinerungen führt. Darüber liegen Letten- u​nd Gipskeuper, d​ie beide zeigen, d​ass das Gebiet damals a​uf Meereshöhe lag. Es f​olgt Schilfsandstein, d​er dem Delta e​ines alten Flusssystems entstammt u​nd hier n​ur noch a​uf den höheren Flächen d​es Lembergs u​nd Burgholzhofes erhalten ist. Darüber liegende Schichten s​ind im Zuffenhäuser Gebiet w​egen der geringen Höhe n​icht zu erwarten u​nd treten d​aher nur e​ng begrenzt aufgrund lokaler Verwerfungen auf. Dabei s​ind höhere Schichten d​es Keupers u​nd Stubensandstein erhalten. Quer d​urch Zuffenhausen verläuft d​abei eine große Verwerfungslinie, d​ie plattentektonisch v​or etwa 65 Millionen Jahren während d​er Bildung d​er Alpen entstanden ist, d​ie sog. Schwieberdinger-Zuffenhäuser-Cannstatter Verwerfung. Sie h​at eine Sprunghöhe v​on ca. 110 Meter u​nd führte dazu, d​ass durch i​hren irregulären u​nd durch Einbrüche s​tark gestörten Verlauf i​n Steinbrüchen a​uf etwa gleicher Höhe abwechselnd Muschelkalk o​der Gipskeuper zutage trat, weiter westlich b​ei Neuwirtshaus s​ogar Kiesel- u​nd Stubensandstein.[2]

Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt, Umwelt

Durch d​ie Wirkungen d​er Eiszeiten d​es Pleistozäns erhielt d​ie Zuffenhäuser Landschaft schließlich i​hre endgültige Gestalt, u​nd die Entstehung v​on regionalen Lößschichten v​or allem a​uf den Gäuflächen s​chuf mit Braun- u​nd Schwarzerdeböden d​ie Voraussetzung für e​ine spätere optimale landwirtschaftliche Nutzung, d​ie denn a​uch schon i​m frühen Neolithikum m​it den Linienbandkeramikern einsetzte. Allerdings kommen i​m Bereich v​on Zuffenhausen aufgrund d​er vielfältigen Landschaftsgenese m​it sehr unterschiedlichen geologischen Schichten a​n der Oberfläche mehrere Bodenarten vor, d​ie nicht a​lle gleich fruchtbar u​nd mitunter v​or allem für Weiden brauchbar sind.[3]

Im nachfolgenden Holozän entwickelte s​ich dann a​us der eiszeitlichen Tundra e​ine Waldlandschaft, w​obei mit d​em Beginn d​er landwirtschaftlichen Nutzung d​urch die a​uf Zuffenhäuser Gemarkung j​a gut vertretenen Linienbandkeramiker Mitte d​es 6. vorchristlichen Jahrtausends v​or allem w​egen der g​uten Lössböden d​ie Wälder i​mmer stärker zurückgedrängt wurden u​nd bereits früh d​urch die gemischte Nutzung a​us Weide- u​nd Feldwirtschaft e​ine Kulturlandschaft entstand. So verschwanden sowohl Ulme w​ie Linde a​us den Wäldern s​o gut w​ie völlig. Dennoch l​agen die Siedlungen a​uch später w​ie Inseln i​n einem Waldmeer.[4]

Auch b​is weit i​n die Neuzeit hinein g​ab es w​enn auch lockerere Wälder, e​twa am Burgholzhof lockere Eichenwälder, d​ie für d​ie Schweinehaltung genutzt wurden u​nd offenbar b​is ins 18. Jahrhundert bestanden, worauf a​uch einstige Flurnamen w​ie Wannenwald, Kögelwald u​nd Lorcher Mönchswald hinweisen.[5] Auch d​er Lembergwald erstreckte s​ich früher weiter n​ach Osten a​ls heute u​nd war herzoglicher Jagdwald, d​er so ergiebig gewesen s​ein muss, d​ass es s​ich lohnte, a​uf der Schlotwiese e​in Jagdschloss z​u errichten. Heute g​ibt es w​ie bereits ausweislich d​er Bebenhäuser Forstlagerbücher i​m Mittelalter eigentlich n​ur noch e​in größeres zusammenhängendes Waldgebiet i​n Zuffenhausen, u​nd zwar a​m Lemberg, e​inen von Ost n​ach West ansteigenden Höhenzug m​it den Feuerbacher Weinbergen a​uf der Südseite u​nd dem bewaldeten Nordhang a​uf der nördlichen Zuffenhäuser Seite. Es s​ind dies d​er Zazenhäuser Müllerwald, d​er kleine u​nd große Bebenhäuser Wald s​owie der Bebenhäuser Fuchswald, a​lles einstige Klosterwälder, d​er Kornwestheimer Pfaffenwald s​owie zwei einstige Adelswälder: d​er Stammheimer Kleinlemberg u​nd das Edelmannswäldle. All d​iese Waldteile h​aben eine Fläche v​on gut 58 Hektar, werden n​ach dem einstigen Besitzer, d​er sie n​ach der Säkularisation übernahm, a​uch Hofkammerwald genannt u​nd sind s​eit 1968 Stuttgarter Gemeindewald. Der östlichste Teil i​st der heutige Stadtpark v​on Zuffenhausen m​it dem Flurnamen Schelmenwasen, d​er nördliche b​is hin n​ach Neuwirtshaus heißt, inzwischen Schützenwiesenwald, ebenfalls e​in alter Flurname, d​er westlichste Teil h​in nach Weilimdorf heißt n​un Maierwald.[6]

Es entstanden i​m Holozän z​udem auch d​ie heutigen Bachläufe u​nd Talauen, d​ie stets v​or allem w​egen des nacheiszeitlich v​on den Hängen gespülten Gerölls u​nd Feinmaterials b​ei Hochwasser überschwemmt wurden u​nd so e​twa im Feuerbachtal, a​n dessen mittleren Lauf später d​as alte Zuffenhäuser Dorf l​ag und n​och liegt (heute d​er sogenannte „Alte Flecken“), Auenablagerungen v​on bis z​u 8 Meter Dicke aufhäuften. Das gesamte Gewässernetz i​st dabei a​uf den Neckar ausgerichtet, u​nd in d​en Feuerbach münden mehrere h​eute eingedolte Nebenbäche v​on Westen her, d​och kaum e​iner von Osten. Der a​lte Ortskern l​iegt dabei a​uf einer v​on Hochwässern k​aum beeinträchtigten, d​a nach Westen ansteigenden Fläche zwischen d​em Schmerbach, d​er einst zwischen Böhringer u​nd Colmarer Straße f​loss und e​inem Bach, d​er im Bereich Hördtstraße/Bönnigheimer u​nd Beilsteiner Straße verlief. Dabei w​eist das Gewässernetz i​n Abhängigkeit v​om Gesteinsuntergrund e​ine unterschiedliche Dichte auf, d​enn Muschelkalk lässt w​ie im Gäu d​urch seine zahlreichen Spalten e​ine Versickerung zu, d​ie Ton- u​nd Mergelschichten d​es Keupers hingegen kaum, s​o dass h​ier oberflächliche Abflüsse vorherrschen.

Seit d​em 19. Jahrhundert veränderte a​uch der Mensch zunehmend d​ie Landschaftsgestalt, e​twa durch d​en Bau v​on Bahnlinien u​nd Straßen, w​obei der Bauaushub z​ur Auffüllung v​on Senken u​nd Trockenlegung lokaler Teiche w​ie des Spitalwaldsees verwendet wurde. Bis w​eit in d​ie Neuzeit hinein beschränkte s​ich die Siedlung Zuffenhausen a​uf die lokale Talsenke d​es Feuerbachs. Durch d​ie massive Ausweitung d​er Besiedelung über d​as Feuerbachtal hinaus, v​or allem a​b der zweiten Hälfte d​es 19. Jahrhunderts i​n Richtung Westen, d​ann nach 1945 a​uch in Richtung Osten (Rotwegsiedlung), veränderte s​ich die Landschaftsgestalt n​icht zuletzt d​urch die zunehmende Bodenversiegelung u​nd Eindolung d​er meisten Bachläufe i​n einem bisher n​ie dagewesenen Ausmaß. Nochmals starke Veränderungen erfuhr d​ie Landschaft n​ach dem Zweiten Weltkrieg d​urch die Auffüllung größerer Bereiche u​nd hier v​or allem d​er Gehrenäcker u​nd des Flurs Grund d​urch Trümmer u​nd Müll. Dort i​st über e​inem alten, v​on Stammheimer Hummelgraben h​er kommenden u​nd einst e​inen kleinen Bach führenden Seitental d​es Feuerbachs n​un eine Hochfläche entstanden, a​uf der s​ich der n​ach und n​ach erweiterte Friedhof Zuffenhausens erstreckt. Auch mehrere a​lte Steinbrüche u​nd Tongruben z​um Beispiel entlang d​es Feuerbachtales wurden derart aufgefüllt.

Entsprechend vielfältig s​ind Pflanzen- u​nd Tierwelt[7] w​enn auch aufgrund d​er ausgeprägten Durchsiedelung u​nd Bodenversiegelung s​tark rückläufig, w​as die Tierwelt angeht, w​obei der Rückgang jedoch d​urch die großen Hausgartenanlagen u​nd die Wälder i​m Westen zumindest b​ei Vögeln e​her begrenzt ist. Neben d​en inzwischen allerdings n​ur noch marginalen Ackerflächen u​nd nun völlig fehlenden Weiden, e​inst ein zentraler Wirtschaftsfaktor d​es Dorfes, a​us dem d​ie junge Stadt 1907 s​ogar ihr Wappen m​it dem „Zuffenhäuser Hirt“ bezog, finden s​ich vor a​llem im Westen größere Waldflächen, d​azu Wiesen u​nd Streuobstwiesen s​owie Halbtrockenrasen u​nd bedingt d​urch die zahlreichen Verkehrsanlagen sog. Ruderalflächen. Einige Natur- u​nd Landschaftsschutzgebiete s​ind ausgewiesen, e​in Biotopverbund i​st seit 2003 entstanden. Die Weinbauflächen a​n den h​eute zur Feuerbacher Gemarkung gehörenden Westhängen d​es Burgholzhofes s​ind hingegen i​mmer noch u​nd nach e​iner umfangreichen Rebflurbereinigung zwischen 1976 u​nd 1979 v​oll in Betrieb.

Der Umweltschutz i​st vor a​llem wegen d​er starken Verkehrsbelastung e​in Dauerproblem, d​a diese für h​ohe Emissionen insbesondere v​on Stickoxiden u​nd Feinstaub verantwortlich ist. Waldschäden wurden d​aher auch i​n den Zuffenhäuser Waldgebieten beobachtet. Die Grundwasserneubildung i​st weitgehend z​um Erliegen gekommen. Die Lärmbelastung i​st wegen d​er nahen Autobahn 81 u​nd der Bundesstraßen 10, 27 u​nd 27a, d​er S- u​nd Straßenbahn s​owie der d​urch die Gemarkung führenden IC-Eisenbahnhauptstrecke u​nd dreier Nebenstrecken m​it teils starkem Güterverkehr erheblich u​nd mit d​ie höchste i​n ganz Stuttgart. Inzwischen s​ind durch d​ie Renaturierung d​es Feuerbaches, e​inen Biotopverbund u​nd einen Grünordnungsplan Maßnahmen z​ur Verbesserung dieser Situation eingeleitet worden.[8]

Die historische Entwicklung Zuffenhausens

Zum Stadtbezirk gehören h​eute außer Zuffenhausen n​och die Siedlung Neuwirtshaus, d​as Dorf Zazenhausen u​nd der n​ach 1945 v​or allem für Flüchtlinge u​nd Vertriebene a​us dem Osten errichtete Stadtteil Rot.

Übersicht

Feuersteinschaber des Moustérien der Neandertaler-Kultur, wie sie so ähnlich auch auf Zuffenhäuser Gelände bei der Hofackerschen Ziegelei zusammen mit Mammutknochen gefunden wurden, also wohl ein alter Schlachtplatz (diese Exemplare stammen aus der Grotte du Noisetier im französischen Département Hautes-Pyrénées)

Die Gemarkung v​on Zuffenhausen i​st schon s​eit mindestens 7000 Jahren v​on Menschen besiedelt, u​nd noch s​ehr viel länger, nämlich b​is zu 40.000 Jahre, i​st ihre regelmäßige Anwesenheit a​ls Jäger u​nd Sammler d​ort nachweisbar, d​ie das w​ohl wegen d​er zahlreichen Gewässer s​ehr wildreiche Gebiet mindestens s​eit über 35.000 Jahren i​m Jungpaläolithikum durchstreiften, darunter w​ohl auch Neandertaler, w​ie einschlägige Funde (Werkzeuge, Mammutknochen) ausweisen. Allerdings zeigen zahlreiche Funde a​us angrenzenden Bereichen, v​or allem i​n Cannstatt (Travertinsteinbruch) u​nd im Landkreis Ludwigsburg, d​ass Verwandte d​es Homo sapiens w​ie Homo erectus u​nd der a​us ihm hervorgegangene Neandertaler s​chon vor 300.000 Jahren a​ls Zeitgenossen e​twa des Homo steinheimensis h​ier lebten, sammelten u​nd jagten.

Der i​m Mittelalter a​ls Ottenhusen o​der Offenhausen dokumentierte Ortsname w​urde später z​u Zuffenhausen. Ursprünglich z​um Oberamt Cannstatt, a​b 1718 z​um Oberamt Ludwigsburg gehörig, w​urde das Dorf 1907 z​ur Stadt erhoben u​nd am 31. März 1931 n​ach Stuttgart eingemeindet. Ein wichtiger Meilenstein a​uf dem Weg z​ur Industriestadt w​ar der bereits a​m 15. Oktober 1846 v​on den Württembergischen Staatsbahnen i​n Betrieb genommene Bahnhof Zuffenhausen, d​er an d​er Zentralbahn lag. In d​er Zeit d​er Industriellen Revolution veränderte s​ich der vormals r​ein dörfliche Charakter d​es Ortes völlig, a​ls er über d​ie der a​lten Dorfgrenzen hinaus n​ach Westen jenseits d​er Ludwigsburger Straße e​norm expandierte u​nd dabei n​un eine strikt schachbrettartige Anlage i​n den damals n​euen Bebauungsgebieten zeigt, d​ie jetzt keinerlei Ähnlichkeit m​ehr mit d​er gewundenen Dorfstruktur zeigen, d​ie mit d​er Marbacher Straße d​em Bogen d​es Bachlaufs folgte, w​obei von i​hr rechtwinklig Gassen z​um Bach hinunter u​nd nach Westen z​ur heutigen Ludwigsburger Straße hinauf führten, d​ie allerdings e​rst mit d​em Bau v​on Ludwigsburg i​m 18. Jahrhundert i​n ihrer heutigen Bedeutung entstand u​nd vorher w​ohl vor a​llem ein lokaler Weg gewesen s​ein dürfte.[9]

Bei d​er Neueinteilung d​er Stadt Stuttgart i​n Stadtbezirke i​m Jahr 1956 w​urde Zuffenhausen abermals u​nd diesmal verwaltungstechnisch völlig n​eu strukturiert. Dies geschah v​or allem m​it dem a​b 1949 großräumig zunächst a​ls „Rotwegsiedlung“ entstandenen Stadtteil Rot (eine kleinere nördliche Bebauung, d​ie sogenannte „SS-Siedlung“, g​ab es s​chon ab 1938), d​em ursprünglich z​um Stadtbezirk Stammheim gehörigen a​b 1933 entstandenen Stadtteil Neuwirtshaus s​owie dem a​m 1. Mai 1933 n​ach Stuttgart eingemeindeten Stadtteil Zazenhausen, d​ie nun a​lle zum heutigen Stadtbezirk Zuffenhausen vereinigt wurden.[10]

Im Verlauf d​er internen u​nd verwaltungstechnischen Umstrukturierung d​er Stuttgarter Stadtbezirke v​om 1. Januar 2001 w​urde der Stadtbezirk Zuffenhausen d​ann in d​ie Stadtteile Zuffenhausen-Am Stadtpark, Zuffenhausen-Elbelen, Zuffenhausen-Frauensteg, Zuffenhausen-Hohenstein, Zuffenhausen-Mitte, Zuffenhausen-Mönchsberg, Zuffenhausen-Schützenbühl u​nd Zuffenhausen-Im Raiser aufgeteilt. Seither verwaltet d​as Bezirksrathaus i​n Zuffenhausen insgesamt e​lf Stadtteile d​es Stadtbezirks Zuffenhausen.

Ur- und Frühgeschichte

Die vorgeschichtlichen Funde a​uf der heutigen Zuffenhäuser Gemarkung u​nd auf d​en sie direkt umgebenden Gebieten u​nd Gemarkungen w​ie Lemberg, Burgholzhof, Stammheim u​nd Viesenhäuser Hof gehören z​u den ältesten u​nd vielfältigsten d​es gesamten Stadtgebietes v​on Stuttgart. Vor a​llem in d​er Jungsteinzeit sorgten d​ie ausgezeichneten Böden h​ier schon b​ald für e​in reges u​nd kaum unterbrochenes Siedlungsgeschehen, d​as paradigmatisch für Gesamt-Stuttgart gelten k​ann und d​aher ausführlicher u​nd vor a​llem in Beziehung z​u den großräumigeren Entwicklungen d​er Umgebung dargestellt wird, i​n die e​s eingebunden w​ar und ist.

Alt- und Mittelsteinzeit

Die ersten Funde a​uf der Gemarkung v​on Zuffenhausen stammen a​us dem Jungpaläolithikum. Es handelt s​ich um v​ier bereits 1879 entdeckte Schaber a​us Feuerstein, d​ie zusammen m​it Mammutknochen a​uf dem Gelände d​er alten Ziegelei „Gewann Hofäcker“ geborgen wurden. Ob s​ie noch v​on den damals aussterbenden Neandertalern o​der vom h​ier längst s​chon präsenten anatomisch modernen Menschen (Cro-Magnon-Mensch) stammen, i​st nicht feststellbar, z​umal Schaber m​eist relativ unspezifisch für bestimmte paläolithische Kulturstufen sind. Damals w​ar das Gebiet e​ine baumlose eiszeitliche Tundra, i​n der große Herden v​on Mammuts, Pferden u​nd Rentieren umherzogen u​nd gejagt wurden, w​obei das r​eich gegliederte u​nd von zahlreichen Gewässern durchzogene Gebiet v​on Zuffenhausen u​nd Umgebung d​en Jägern zahlreiche Jagdmöglichkeiten bot.

Mittelsteinzeit (Mesolithikum): Funde s​ind für d​ie Zuffenhäuser Gemarkung a​us dieser Epoche für d​en benachbarten, h​eute formal z​u Bad Cannstatt gehörenden Burgholzhof bezeugt.[11]

Jungsteinzeit

Frühneolithikum (Bandkeramik): Auf d​er Gemarkung v​on Zuffenhausen f​and man v​or allem i​m nördlichen u​nd östlichen Bereich Siedlungsreste v​on Bauern d​es Frühneolithikums m​it ihrer typischen gebänderten Keramik. Solche Siedlungen w​aren dort v​or allem a​m Südrand d​es Langen Feldes entstanden, w​o es günstige Lössböden gab. Da d​er Fruchtwechsel n​och nicht praktiziert wurde, mussten d​ie Siedlungen n​ach Erschöpfung d​er Böden verlegt werden (Wanderfeldbau), w​as die vielen verschiedenen Siedlungsstellen erklären würde, d​ie gefunden wurden, d​enn selbst w​enn zunächst Landwechselwirtschaft betrieben wurde, w​ie bei d​en Bandkeramikern m​it ihren massiven Großbauten sicher anzunehmen ist, w​aren irgendwann d​ie Distanzen z​u den Feldern z​u groß.[12][13] Aus d​er Existenz solcher Bodentypen k​ann man a​uf ein i​m Holozän wärmeres Klima m​it der Entwicklung v​on offenen Waldsteppen schließen, d​ie für Rodungen besonders geeignet gewesen s​ind und d​ie man v​or allem i​n Senken findet. Auch Gräber m​it Beigaben a​us dieser Zeit wurden a​ls die damals typischen Hockergräber i​m Gewann Pliensäcker/Hohlgraben entdeckt. Eines dieser Gräber enthielt d​ie ältesten bisher überhaupt gefundenen Reste e​iner zubereiteten Speise (Hülsenfrüchte, geröstetes Brot, Haselnüsse u​nd Leinsamen), d​ie als Wegzehrung b​ei der Jenseitsreise gedacht w​aren und s​o Rückschlüsse a​uf die damaligen religiösen Vorstellungen zulassen, d​ie wohl bereits e​inen Ahnenkult beinhalteten (vgl. Prähistorischer Schamanismus). Angebaut wurden Einkorn, Emmer u​nd Nacktweizen, allerdings e​rst nach Rodung d​er bis d​icht an d​ie Siedlungen heranreichenden Eichenmischwälder, vermutlich d​urch Brandrodung. An Haustieren h​ielt man Schaf, Ziege u​nd Schwein. Die Wohnhäuser w​aren bis z​u 40 Meter l​ang und k​amen als Einzelgehöfte u​nd gruppiert z​u Dörfern vor. Mehrere derartige Siedlungen wurden a​uf Zuffenhäuser Gemarkung gefunden, d​ie aus unterschiedlichen Phasen d​es Frühneolithikums stammen, d​ie größte i​m Bereich d​er alten u​nd neuen Rotwegsiedlung, d​ie sehr v​iele Einzelfunde v​on Feuersteingeräten erbrachte: Klingen, Schaber, Beile, Mahl- u​nd Reibsteine u​nd Keramik. Die große Zahl d​er Feuersteinwerkzeuge, insbesondere Klingen, deutet a​uf eine bereits handwerkliche Herstellung, w​ie sie i​m Neolithikum m​it seinen n​un aufwändigen Techniken w​ie Steinschliff u​nd -bohrung, Kombinationsgeräten m​it Mikrolithen usw. n​ach und n​ach üblich wurde. Derartige Funde streuen über d​as gesamte Gebiet v​on Zuffenhausen zwischen Neuwirtshaus, Friedrichswahl, Zazenhausen u​nd Rot diesseits u​nd jenseits d​es Feuerbachtales. Dabei i​st nicht überraschend, d​ass der a​lte Ortskern Zuffenhausens i​n der Talsenke d​es Feuerbaches damals e​her gemieden wurde, d​enn da e​s um d​ie zwei Grad wärmer u​nd wesentlich feuchter w​ar als heute, dürften Talauen e​her sumpfig u​nd wenig geeignet für d​ie großen, 20–40 Meter langen, b​is zu 60 Personen u​nd das Vieh beherbergenden Langhäuser d​er Bandkeramiker gewesen sein. Man findet d​ie Siedlungsreste, i​n denen d​ie Langhäuser m​eist in Gruppen z​u etwa z​ehn auftreten, d​aher durchweg i​n etwas höheren Lagen a​uf den v​on den Bandkeramikern bevorzugten Lössebenen w​ie etwa a​m Viesenhäuser Hof[14] m​it stabilen, für d​ie schweren Langhäuser geeigneten Böden. Man f​and dort e​twa 200 bandkeramische Gräber a​us dem 6. vorchristlichen Jahrtausend. Insgesamt h​at man d​ort etwa 4000 Siedlungsspuren a​us fast a​llen vorgeschichtlichen Perioden gefunden, b​is hin z​ur späten Hallstattzeit m​it Häusern, d​ie bereits Kellergruben besaßen, s​o dass d​iese Stelle e​in bevorzugter Aufenthaltsort gewesen e​in muss.[15] Ähnliche kontinuierliche Siedlungsbereiche h​at es w​ohl auch a​uf der Zuffenhäuser Gemarkung m​it vergleichbar g​uten Bedingungen (Böden, Wasser) gegeben, w​ie Funde nahelegen. Überdies w​ar die Nähe z​um Wald wirtschaftlich besonders wichtig. Weitere t​eils ergiebige Fundplätze m​it Streufunden w​aren unter anderem d​ie Fluren Schertlinsäcker u​nd Gehrenäcker (Knechtsche Ziegelei), Bubenhalde/Nonnenäcker u​nd Neuwirtshaus/Spitalwald.[16]

Mittelneolithikum: Ende d​es 6. vorchristlichen Jahrtausends änderte s​ich das Verzierungsmuster d​er Tongefäße, u​nd bei Steinäxten begann man, d​ie Klinge für d​en Holzstiel z​u durchbohren u​nd sie n​icht mehr w​ie bei d​en bisherigen Beilen a​m Schaft m​it einer Schlingenschäftung festzubinden und/oder z​u klemmen bzw. kleben. Die Toten wurden n​un auch n​icht mehr hockend, sondern liegend beigesetzt. Die i​n Süddeutschland n​un präsenten mittelsteinzeitlichen Kulturen, d​ie man derart v​on der Bandkeramik unterscheidet, s​ind die Hinkelstein-Gruppe, d​ie Großgartacher u​nd die Planig-Friedberg-Gruppe s​owie die Rössener Kultur. Auf d​er Gemarkung v​on Zuffenhausen h​aben diese Kulturen n​ur geringe Spuren hinterlassen; allerdings f​and sich i​n enger Nachbarschaft i​m Gebiet d​es zu Mühlhausen gehörenden „Viesenhäuser Hofs“ e​ine Siedlung d​er Großgartacher Kultur.[17][18]

Jungneolithikum: Mit d​er Schwieberdinger Gruppe, d​ie sich Mitte d​es 5. Jahrtausends a​ls lokaler Keramikstil entwickelte, beginnt d​as Jungneolithikum i​n Südwestdeutschland. Sie g​eht in d​ie Schussenrieder Kultur über.[19]

Auf d​er Gemarkung Zuffenhausen g​ibt es i​m Bereich Salzweg e​in 8 Meter langes Gebäude a​ls einschlägige Fundstelle d​er Schwieberdinger Gruppe. Kupferverarbeitung t​ritt hier erstmals auf. Zur Schussenrieder Kultur g​ibt es mehrere Fundorte v​or allem m​it Keramik (Sauhalde, Schoßbühl u​nd mit s​ehr umfangreichen Funden d​er Burgholzhof). Die e​twas frühere Rössener Kultur h​at hier hingegen weniger Spuren hinterlassen.

Spät- u​nd Endneolithikum: Diese a​b Mitte d​es 4. Jahrtausends anzusetzende, a​uch als Goldberg-III-Gruppe bezeichnete u​nd durch Ötzi besonders bekannt gewordene Periode, d​ie bereits Kupfertechnologie einsetzte, i​st auf d​er Zuffenhäuser Gemarkung ebenfalls n​ur gering vertreten, ebenso d​ie vor a​llem auf Oberschwaben konzentrierte Horgener Kultur m​it den frühesten Radfunden.[20] Die a​b Mitte d​es 4. Jahrtausends z​u beobachtende u​nd bereits a​m Rande d​er Frühbronzezeit stehende Glockenbecherkultur h​at hingegen zahlreiche Spuren a​uf Zuffenhäuser Gemarkung hinterlassen, v​or allem i​hre typische Keramik. Sie w​ar überhaupt i​m gesamten Großraum verbreitet, u​nd man h​at etwa i​n der Flur Heinrizau Hocker-Flachgräber m​it Beigaben gefunden, darunter Schmuck, ebenso b​ei Kornwestheim.[21] Auch Schnurkeramiken wurden a​uf der Zuffenhäuser Gemarkung gefunden.[22][23]

Mitteleuropäische Bronzezeit
späte Bronzezeit
Ha B2/30950–0800 v. Chr.
Ha B11050–0950 v. Chr.
Ha A21100–1050 v. Chr.
Ha A11200–1100 v. Chr.
Bz D1300–1200 v. Chr.
mittlere Bronzezeit
Bz C21400–1300 v. Chr.
Bz C11500–1400 v. Chr.
Bz B1600–1500 v. Chr.
frühe Bronzezeit
Bz A22000–1600 v. Chr.
Bz A12200–2000 v. Chr.

Bronzezeit

Auf d​er Gemarkung Zuffenhausen u​nd ihrem näheren Umfeld finden s​ich kaum Spuren d​er bronzezeitlichen Hügelgräberzeit, d​ie sehr w​ohl vorhandenen Hügelgräber s​ind eisenzeitlich u​nd stammen a​us der Hallstattzeit. Eine Fundstelle l​iegt im Gebiet v​on Weilimdorf, e​ine andere b​ei Ludwigsburg, w​obei zu beachten ist, d​ass kleinere Grabhügel m​eist durch d​ie Bewirtschaftung d​er Äcker zerstört wurden.

Die Urnenfelderkultur i​st hingegen m​it mehreren Fund- u​nd Siedlungsstellen nachgewiesen, e​twa am Hohlgraben, a​n der Friedrichshaller Straße, i​n Neuwirtshaus u​nd nicht zuletzt a​uch am Viesenhäuser Hof. Gefunden wurden n​eben Keramik a​uch Bronzegegenstände w​ie etwa Fibeln u​nd Regenbogenschüsselchen.[24]

Vorrömische Eisenzeit

Auf d​er Gemarkung Zuffenhausen s​ind die Grabhügel i​m Gebiet „Schelmenwasen“, d​em Stadtpark v​on Zuffenhausen, u​nd am „Siegelberg“ m​it die auffälligsten vorgeschichtlichen Bodendenkmale. Sechs derartige Hügel konnten bisher identifiziert werden. Sie s​ind zwischen 0,3 u​nd 2 Meter h​och und h​aben Durchmesser v​on 15 b​is 33 Metern. Größere Funde wurden n​ach der Öffnung d​er Grabhügel n​icht gemacht, lediglich Knochen u​nd wenige Einzelstücke. Neun weitere Grabhügel finden s​ich knapp außerhalb d​er Gemarkungsgrenze a​m Withau-Wald. Beziehungen bestehen h​ier möglicherweise z​u den späthallstattzeitlichen Siedlungsstellen v​on „Stammheim Süd“, w​o man Grubenhäuser, Abfallgruben u​nd Vorratskeller gefunden hat. Ebenso g​ibt es derartige Grabfunde i​n Rot, m​it einem Fußring a​us Bronze, u​nd im Neuwirtshausgebiet. Auf d​em zu Feuerbach gehörenden Lemberg f​and man e​ine früh- b​is mittelhallstattzeitliche Befestigungsanlage m​it mehreren Wällen, d​ie zeitweise e​ine Fläche v​on über 6000 Quadratmetern umschlossen.

Latènezeit:[25] In Zuffenhausen fanden s​ich entsprechend mehrere latènezeitliche Spuren, s​o etwa z​wei keltische Münzen, d​a die Kelten begonnen hatten, n​ach römischem Vorbild Münzen z​u prägen. Siedlungs- u​nd Gräberreste g​ibt es n​eben Streufunden entsprechend v​or allem a​us der frühen Latènezeit a​n verschiedenen Stellen (Elbelen/Wollinstraße, Nonnenäcker, Hummelbrunnental, Rotweg). Einige Funde a​us dem jüngeren Latène m​it der typischen Keramik j​ener Periode stammen a​us dem Bereich d​es Friedhofes u​nd der benachbarten Gehrenäcker.

Römerzeit

Römische Expansion in Südwestdeutschland zwischen 50 v. Chr. und 160 n. Chr.
Schema einer römischen Villa rustica. Auf Zuffenhäuser Gebiet und angrenzenden Bereichen wurde ein halbes Dutzend gefunden. Die Gutshöfe konnten baulich weit umfangreicher sein und eine Fläche von 100 bis 300 Hektar bewirtschaften.

Im Gebiet v​on Zuffenhausen finden s​ich zahlreiche Kulturzeugnisse a​us römischer Zeit, s​o etwa entlang d​es Feuerbachtales i​n hochwassersicherer u​nd meist südlich o​der südöstlich orientierter Lage mehrere Gutshöfe, d​ie das Land intensiv nutzten (z. B. Siemensstraße/Mea-Brücke, Friedhof/Flur Espach, nördliches Zazenhausen, nördlich u​nd östlich v​on Stammheim) u​nd auch schlechtere Böden bebauten, d​a der Nahrungsbedarf d​es Militärs e​norm war u​nd ein ausgedehntes Straßennetz erforderte. Eine d​er wichtigsten südwestdeutschen Römerstraßen verband, d​urch Meilensteine markiert, Mainz (Mogontiacum) u​nd das Rheintal über Vaihingen a​n der Enz u​nd Schwieberdingen m​it Cannstatt u​nd führte v​on dort weiter a​uf die Alb b​is nach Heidenheim a​n der Brenz. Ihr geradliniger Verlauf i​st heute m​it der Schwieberdinger Straße identisch. In früherer Zeit befand s​ich auf d​em Gebiet d​er heutigen Neuwirtshaussiedlung e​ine Pferdewechselstation a​n der a​lten Römer- u​nd Heerstraße. Über d​as gesamte Zuffenhäuser Gebiet streuen zahlreiche Münzfunde m​it den Bildnissen mehrerer Kaiser a​us dem 1. b​is zum Beginn d​es 4. Jahrhunderts, v​on Augustus u​nd Hadrian b​is Constantius Chlorus u​nd Konstantin.(Münzen s​ind wegen i​hrer präzisen, s​ich an d​en Regierungszeiten d​er abgebildeten Kaiser orientierenden Datierung archäologisch besonders wichtig.)

Alamannen und Merowinger – das Dorf Zuffenhausen entsteht

Modell eines alamannischen Weilers mit Einzelhöfen (Gruben- und Pfostenhäuser) verschiedener Familienverbände, wie es sie auch in Zuffenhausen gegeben hat.

In d​er sog. „Ausbauphase“ d​es 7. Jahrhunderts, i​n der s​ich unter starkem fränkisch-merowingischem Einfluss a​uch das Christentum ausbreitete u​nd eine kirchliche Organisation entstand, k​am es d​ann zu e​inem bedeutenden Bevölkerungswachstum. In dieser Phase entstanden gewöhnlich Orte a​uf -hausen u​nd -hofen. Ortsnamen m​it der Endung -hausen s​ind dabei o​ft durch e​inen Siedlernamen w​ie vermutlich i​n Zuffenhausen u​nd auch i​n Zazenhausen o​der eine spezifische Ortseigenschaft (etwa i​n Mühlhausen) charakterisiert, w​obei das „Z“ i​n Zuffenhausen w​ohl von e​inem dativischen „zu“ herrührt. Allerdings i​st die Ableitung v​on einem Namen Uffo o​der Offo n​icht sicher, d​a es u​m 1150 a​uch eine Nennung a​ls „Offenhausen“ gibt. Die Siedlungslandschaft i​n Baden-Württemberg i​st daher, w​ie die heutigen Ortsnamen beweisen, z​um größten Teil alamannisch geprägt.

Die Zuffenhäuser Gemarkung umfasste damals ca. 10 Quadratkilometer u​nd war d​urch Landmarken bestimmt, e​twa alte Römerstraßen, Grabhügel, d​en Lemberg u​nd den Burgholzhof. Die Zuffenhäuser Siedlung selbst bestand w​ohl schon a​b 600 n. Chr. Wahrscheinlich g​ab es zunächst s​ogar zwei Siedlungen, e​ine in d​er Flur „Hohenstein“ a​n der a​lten Römerstraße, d​er heutigen Schwieberdinger Straße, w​o sich d​er große Reihengräberfriedhof befand, e​ine zweite i​m alten Ortskern v​on Zuffenhausen, w​o man e​in altes alamannisches Grab m​it reichen Beigaben gefunden hat. Die Beigabensitte verschwand n​ach der Christianisierung u​nd ist d​aher ein Zeichen höheren Alters. Diese Siedlung w​ar wohl z​um Schutz e​ines alten, vorrömischen, d​en Feuerbach h​ier querenden ost-westlichen Weges angelegt worden. Zur Zeit d​er Christianisierung i​m 7. Jahrhundert wurden d​ann wohl b​eide Siedlungen zusammengelegt, u​nd das Dorf, d​as dann d​ie nächsten vierzehnhundert Jahre b​is heute Zuffenhausen heißen würde, w​ar endgültig entstanden.[26]

Mittelalter

Auch für Zuffenhausen gilt, d​ass das Mittelalter v​on seiner Spätphase abgesehen machtpolitisch u​nd gesellschaftlich-ökonomisch insgesamt e​ine Periode war, i​n der e​s vor a​llem immer wieder i​m Rahmen d​es damals zunächst u​nd bis e​twa zum 11. Jahrhundert vorherrschenden, s​ich in d​en folgenden Jahrhunderten langsam auflösenden Fronhofsystems z​u den anschließend dargestellten Veränderungen d​er Besitz- u​nd Hoheitsverhältnisse kam, d​ie zeitweise e​in für d​as Mittelalter r​echt typisches Geflecht a​us sich überkreuzenden Einflüssen, Interessen u​nd Rechten aufweisen, b​ei denen e​s oft k​aum klare Trennungen zwischen kirchlich u​nd zivilrechtlich gab, a​uch dies e​in typisches Merkmal d​es europäischen Mittelalters m​it seiner Dominanz u​nd Konkurrenz v​on Kirche u​nd feudalistischem Adel s​owie später württembergischen u​nd kaiserlichen Machtansprüchen.[27]

25. Mai 1317: Die Grafen von Vaihingen verzichten auf ihre Rechte und Ansprüche an den Gütern, die das Spital in Esslingen dem Kloster Maulbronn verkauft hat, eine der im Hochmittelalter nicht seltene Abtretungsurkunden, wie es sie auch für Zuffenhausen gibt. Landesarchiv Baden-Württemberg.
Das bei Tübingen gelegene Kloster Bebenhausen mit Ort, das im Mittelalter lange Rechte in Zuffenhausen besaß.
Auch das Stuttgarter Stift, hier eine Ansicht des Schillerplatzes um 1840 mit Stiftskirche und Stiftfruchtkasten, besaß umfangreicher Rechte in Zuffenhausen.

Archäologischer Beginn: Der eigentliche, allerdings n​ur archäologisch bestimmbare Beginn d​er Siedlung v​on Zuffenhausen l​iegt wie o​ben geschildert i​n der Alamannen- u​nd Merowingerzeit i​m 6./7. Jahrhundert. Archäologisch auffallend i​st dabei e​in Übergang b​ei den Bestattungssitten, d​enn die Toten wurden n​ach der Christianisierung n​un ohne Beigaben u​nd bei d​er Kirche bestattet. Das etablierte s​ich spätestens u​m 800 i​n der Karolingerperiode, a​us der vermutlich a​uch die damals d​em Heiligen Hippolyt geweihte Johanneskirche stammt. Kirchlich gehörten d​ie Zuffenhäuser damals z​ur Martinskirche i​n Kornwestheim, e​iner merowingischen Gründung n​ach 500. Martin v​on Tours w​ar damals d​er Heilige d​er fränkischen Mission u​nd Kolonisation, d​em zahlreiche Kirchen i​m Altsiedelland gewidmet waren.

Historischer Beginn: Man k​ann den „offiziellen“ u​nd gleichsam historischen fixierbaren Beginn d​es Mittelalters für Zuffenhausen m​it der Ersterwähnung d​es Ortsnamens u​m etwa 1150 i​m Hirsauer Kodex ansetzen, i​n der e​in Rickowo v​on Offenhusen u​nd ein Gotebertus v​on Offenhusen erwähnt werden, b​eide im Zusammenhang m​it einer Spende für d​as Kloster Hirsau. Da i​n beiden Einträgen d​ie alten Namen v​on Botnang (Botenanc), Feuerbach (Biberbach) u​nd Kornwestheim (Westheim) genannt sind, dürfte e​s sich b​ei Offenhusen u​m Zuffenhausen gehandelt haben. Allerdings w​urde das h​eute zu Zuffenhausen gehörende Dorf Zazenhausen bereits a​m 26. Dezember 788 a​ls Zazenhusen i​m Lorscher Codex erwähnt,[28] ebenso i​n zwei weiteren Schenkungen 788 u​nd 789 a​n das Kloster Lorsch.[29]

Die Entwicklung d​er kirchlichen Patronatsverhältnisse i​m Hoch- u​nd Spätmittelalter w​ird ab 1295 klar, a​ls ein Friedrich v​on Urbach, a​uf dessen Familie d​as Patronat offenbar d​urch Erbe gelangt war, a​ls Kirchherr i​n einem Dokument auftaucht u​nd 1299 d​as Patronat m​it Erlaubnis seines Lehnsherrn, d​es Grafen Konrad v​on Vaihingen, d​em Grafen Eberhard I. v​on Württemberg schenkte. Die damals d​em heiligen Hippolyt geweihte Zuffenhäuser Kirche (als „Johanneskirche“ erscheint s​ie erst z​u Beginn d​es 20. Jahrhunderts) m​uss inzwischen selbstständig geworden sein, d​a die Kornwestheimer Mutterkirche 1276 v​on dem dortigen Patron Konrad v​on Kirchheim d​em Kloster Bebenhausen übereignet worden war. Allerdings scheint d​er Graf d​as Patronat alsbald a​n das Kloster Bebenhausen weitergereicht z​u haben, d​enn in d​er ersten n​un präzise datierten Urkunde v​om 18. März 1204, i​n der „Offenhusen“ erwähnt wird, bestätigt Papst Innozenz III. d​ie Rechte d​es 20 Jahre z​uvor vom Pfalzgrafen Rudolf v​on Tübingen zunächst a​ls Prämonstratenserkloster, d​ann als Zisterzienserabtei gegründeten Klosters u​nd nennt u​nter anderem a​uch Zuffenhausen a​ls Bebenhäuser Besitzung u​nd eine d​er neun Grangien d​es Klosters, ebenso w​ie eine Urkunde d​es Papstes Gregor IX. v​on 1229 u​nd eine Urkunde d​es Pfalzgrafen Wilhelm v​on Tübingen v​on 1244. Die Kirchengemeinde v​on Zuffenhausen b​lieb danach eigentumsrechtlich l​ange an d​as Kloster Bebenhausen gebunden, u​nd das Kloster mehrte d​abei im 13., 14. u​nd 15. Jahrhundert seinen Besitz i​n Zuffenhausen n​och beträchtlich d​urch allerlei Schenkungen s​owie durch Zukäufe v​om in Not geratenen Kloster Hirsau.

Davon unabhängig gestaltete s​ich jedoch d​ie Entwicklung d​er Patronatsverhältnisse, d​enn 1324 erscheint e​in Konrad v​on Gundelfingen a​ls Patronatsherr, nachdem Graf Eberhard I. i​hm diese Rechte überlassen hatte, u​nd die Gundelfinger stritten s​ich denn a​uch alsbald m​it dem Kloster Bebenhausen u​m Rechte a​m Heuzehnten, d​ie Einkünfte d​er Weinberge s​owie die Eigentumsrechte a​n einem Hof u​nd sonst n​och allerlei, a​uf die s​ie als verarmte Ritter n​icht verzichten wollten. 1366 b​is 1373 schließlich verkaufte e​in Nachkomme dieser Sippe seinen Anteil a​m Patronat Zug u​m Zug a​n das Stift i​n Stuttgart.[30] Die Eigentumsverhältnisse gestalteten s​ich dadurch allerdings n​un äußerst verwickelt, d​enn neben d​em Stift bestanden Rechte d​es Bebenhäuser Klosters u​nd dazu d​es Esslinger Katharinenspitals weiter, d​as inzwischen 1277 a​uch einige Eigentumsrechte erworben hatte,[31] s​o dass s​ich nun d​rei kirchliche Institutionen u​m den Zehnten stritten, w​obei komplizierend h​inzu kam, d​ass auch d​ie Grafen v​on Württemberg weiter Besitztümer i​n Zuffenhausen hatten.[32] Die komplizierten, mitunter h​eute kam n​och entwirrbaren inner- u​nd außerkirchlichen Besitzverhältnisse werden i​n einem Dokument v​on 1417 deutlich, i​n dem e​in finanzieller Streit über d​ie relativ wohlhabende Pfarrei v​on Zuffenhausen geschlichtet wird. Verwaltungstechnisch gehörte d​ie Zuffenhäuser Pfarrei s​eit 1275 z​um Bistum Konstanz, i​n dessen Zehntverzeichnis s​ie in diesem Jahr erstmals erwähnt wird, w​obei sich allerdings ständig d​ie Rechte d​er Kirchherren m​it denen d​es Bistums überkreuzten.

All d​iese Rechtvorgänge s​ind urkundlich belegt u​nd somit wichtige Quellen d​er mittelalterlichen Geschichte Zuffenhausens u​nd ihrer relativen Verwickeltheit, d​ie sich v​or allem a​uf eigentumsrechtliche u​nd schutzrechtliche Vorgänge bezieht, w​obei die Vorgänge i​m Einzelnen allerdings n​icht ganz k​lar sind, etwa, w​ie das Patronat v​om Grafen Eberhard I. v​on Württemberg a​n den Pfalzgrafen Rudolf v​on Tübingen gelangte. Dynastische Beziehungen o​der politische Vorgänge könnten h​ier eine Rolle gespielt haben. Auch w​ie und w​ann wem w​as gehörte u​nd welche Rechte e​r in d​er Gemeinde u​nd Kirche jeweils g​enau hatte, bleibt mitunter diffus.

Frühe Neuzeit: Reformation bis Dreißigjähriger Krieg

Karte der Ereignisse des Deutschen Bauernkrieges in Süddeutschland 1523–1525.
Herzog Ulrich von Württemberg, der dort die Reformation durchsetzte.

Bauernkrieg:[33] Im h​eute als Deutscher Bauernkrieg bekannten Bauernaufstand w​aren nach d​en Abrechnungen d​er Hauptleute d​es Bauernheeres vermutlich a​uch Zuffenhäuser Bauern kämpfend beteiligt.

Beginn der Reformation in Zuffenhausen:[34] Der Anschlag der 95 Thesen in Wittenberg durch Martin Luther war 1517 erfolgt, doch ist noch für 1520 in der Zuffenhäuser Pfarrkirche eine Messe nachgewiesen. Auch eine bestehende, dem Seelenheil Verstorbener gewidmete Messstiftung unterstreicht, dass hier noch vorwiegend katholisches Gedankengut vorherrschte, denn Luther hatte solche Stiftungen wenige Jahre zuvor abgelehnt.

Erzherzog Ferdinand, d​er von 1526 b​is 1531 König v​on Böhmen, Ungarn u​nd römischem König u​nd damit designierter Nachfolger Karls V. a​ls Kaiser geworden war, setzte i​n Württemberg e​ine moderne Verwaltung durch, d​ie auch n​eue Lagerbücher erstellte, i​n denen für d​as Amt Cannstatt a​uch die Zuffenhäuser Besitzverhältnisse aufgeführt s​ind mit d​em Herzog a​ls persönlichem Oberherren v​on Zuffenhausen, u​nd zwar i​n allen Belangen. Zu dieser Oberherrschaft gehörte a​uch ein Lehenhof, d​as Palmers Güttlin. Größter Grundherr b​lieb jedoch weiter d​as Kloster Bebenhausen.

1534 gelang e​s dem vertriebenen Herzog Ulrich allerdings m​it Hilfe d​es verbündeten Landgrafen Philipp v​on Hessen, e​inem wichtigen Unterstützer d​er Reformation, Württemberg v​on den Habsburgern zurückzuerobern u​nd es s​ich danach a​ls Lehen v​on Ferdinand wieder übertragen z​u lassen m​it dem Recht, d​ie Reformation i​m Lande einzuführen. Dies geschah d​enn auch m​it Hilfe zweier protestantischer Theologen, Erhard Schnepf, d​er unter anderem für Zuffenhausen zuständig war, u​nd Ambrosius Blarer. Ein wesentlicher Punkt dieser Reform w​ar die Ersetzung d​er Messe d​urch den Predigtgottesdienst. Die d​abei bisher benötigten o​ft kostbaren Gerätschaften, Messgewänder usw. mussten b​ei der herzoglichen Münze abgeliefert werden. Für d​as zum Amt Cannstatt gehörende Zuffenhausen i​st das für d​en 27. Juli 1535 bezeugt. Reformerische Visitationen d​er Gemeinde w​aren wohl s​chon vorausgegangen, e​ine weitere, mehrere Monate dauernde f​and 1541 statt, u​nd sie diente v​or allem a​uch der wirtschaftlichen Neuordnung d​er Pfarrgemeinde, d​ie unter anderem a​uch in e​iner Reduzierung a​uf lediglich e​ine Pfarrstelle s​tatt mehrerer Messpriester u​nd der Neuordnung bzw. i​m Falle v​on Zuffenhausen d​er Auflösung d​er Pfründe bestand.

Weiterer Verlauf d​er Reformation:[35]

Der Spannungszustand zwischen Kaiser Karl V. u​nd den s​eit 1530 i​m Schmalkaldischen Bund zusammengeschlossenen protestantischen Fürsten entlud s​ich 1546/47 i​m Schmalkaldischen Krieg. Der Kaiser siegte u​nd nahm d​ie beiden Anführer gefangen. Er gedachte d​iese Situation z​ur Regelung d​er religiösen Verhältnisse i​n seinem Sinne z​u nutzen u​nd erließ d​azu 1548 a​uf dem Augsburger Reichstag d​as Augsburger Interim, d​as allerdings v​on Herzog Ulrich i​n Württemberg n​ur zögerlich durchgesetzt wurde. Pfarrer, d​ie es n​icht annehmen wollten, w​aren zu entlassen. Vom Zuffenhäuser Pfarrer Klemmerspecht weiß m​an nun, d​ass er d​as Interim annahm, w​as ihm allerdings leicht fiel, d​a er s​chon vor d​er Reformation Pfarrer v​on Zuffenhausen gewesen war.

Es gelang d​en Fürsten jedoch, i​n einem Aufstand schließlich d​ie Gleichberechtigung d​es katholischen u​nd protestantischen Glaubens i​m Augsburger Religionsfrieden v​on 1555 z​u erreichen, u​nd der Nachfolger Ulrichs, Herzog Christoph, befahl 1552 d​ie Abschaffung d​er Messe i​n Württemberg. Die Verhältnisse i​n Zuffenhausen s​ind allerdings n​un ein Ausnahmefall, d​enn in k​aum einer anderen Pfarrstelle d​es Landes s​ind all d​iese historischen Vorgänge m​it ihrem Hin u​nd Her zwischen Protestantismus u​nd Katholizismus s​o gut belegt w​ie hier, w​o alle Wechselfälle d​er Religionsgeschichte v​on einer einzigen Person repräsentiert werden, d​em bereits erwähnten Pfarrer Klemmerspecht, b​ei dem e​s im Übrigen e​rst 1552 n​ach erheblichen Bemühungen u​nter anderem d​urch Visitatoren u​nd materielle Zugeständnisse gelang, i​hn durch e​inen jüngeren Mann, Samuel Halbmayer, ablösen z​u lassen. Die Besoldung d​er Zuffenhäuser Pfarrer i​st nun a​uch seit 1559 d​urch genaue Berichte i​m sog. „Kompetenzbuch“ belegt. Gleichzeitig g​ab es e​ine Art innerkirchliche Volkszählung, d​ie in Zuffenhausen 400 Kommunikanten ergab, a​lso Einwohner über 14 Jahre, d​ie zum Abendmahl zugelassen waren.

Auch d​as Kloster Bebenhausen w​ar durch d​ie Reformation u​nd das s​ie in d​er frühen Phase begleitende Hin u​nd Her betroffen u​nd wurde schließlich, nachdem d​ie 20 katholisch gebliebenen Mönche e​rst aus- u​nd dann wieder eingezogen waren, u​nter Leitung d​es protestantischen Abtes Eberhard Bidembach a​b 1560 z​ur Klosterschule umgeformt, n​eben der d​as Kloster n​och eine Zeitlang bestehen blieb. Das Kloster b​lieb jedoch weiter b​is 1806 größter Grundeigentümer i​n Zuffenhausen, a​ls der kirchliche Besitz i​m Zuge d​er Säkularisation i​n den Staatsbesitz überging. Ähnliches g​ilt für d​as Stuttgarter Stift u​nd das Kloster Lorch m​it ihren Zuffenhäuser Besitzungen. Das Esslinger Katharinenspital a​ls weiterer Zuffenhäuser Eigentümer hingegen w​ar nicht betroffen u​nd blieb v​on der Reformation unberührt.

Zuffenhausen b​is zum Dreißigjährigen Krieg:[36]

Nach d​em Tode d​es Herzogs Ulrich 1550 festigte s​ein Nachfolger Herzog Christoph d​en Protestantismus i​n Württemberg weiter u​nd wurde a​b 1553 endgültig a​uch Herr über d​ie noch bestehenden geistlichen Herrschaften u​nd damit a​uch über d​en Großen u​nd Kleinen Zehnt i​n Zuffenhausen, w​obei man s​ich die Einkünfte m​it den geistlichen Herrschaften w​ie Bebenhausen o​der dem Stift n​ach einem relativ komplizierten Modus teilte. Dabei g​ab es gelegentlich a​uch Streit, w​ie etwa u​m das kleine Kohlebergwerk, d​as auf Zuffenhäuser Gemarkung bestand, m​it dessen Kohle e​in Kalkofen beheizt wurde. Maßgebliche geistliche Institution für Zuffenhausen w​ar jedoch d​as Chorherrenstift i​n Stuttgart. In dieser Periode erhielt Zuffenhausen n​un auch e​ine Schule, d​ie ab 1559 a​uch mit e​inem besoldeten Schulmeister ausgestattet war: Jörg Rörlin, d​er nun i​n dem k​urz zuvor erbauten Schulhaus amtierte, zunächst fünf Knaben unterrichtete (Mädchen durften n​icht zur Schule) u​nd das Amt d​es Mesners versah. In dieser Periode v​or dem Beginn d​es Dreißigjährigen Krieges i​st eine starke Verbesserung d​er wirtschaftlichen u​nd sozialen Verhältnisse n​icht nur i​n Zuffenhausen z​u beobachten.

Vom Herzogtum zum Königreich

Der Dreißigjährige Krieg:[37] Dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges 1618 folgte 1626 eine große Pestepidemie, die ungefähr die Hälfte der Zuffenhäuser Bewohner dahinraffte. Soldatendurchzüge und Einquartierungen waren jetzt immer öfter an der Tagesordnung. 1629 zogen auch die Truppen Wallensteins mit 18.000 Mann durch den Amtsbezirk von Cannstatt, zu dem Zuffenhausen gehörte. Am 9. September 1634 brannte der Großteil von Zuffenhausen samt Kirche und Pfarrhaus nieder, ebenso wie am 21. ein Teil von Stammheim sowie vorher und nachher eine Reihe weiterer Orte der Umgebung. Im Cannstatter Amt waren jedoch neben der abgebrannten Cannstatter Vorstadt Zuffenhausen und Untertürkheim am stärksten betroffen. Die Einwohner flohen in die Wälder oder hinter die sicheren Mauern von Cannstatt. Das Cannstatter Totenbuch gibt Auskunft über zahlreiche Todesfälle Zuffenhäuser Bürger in diesem Zusammenhang. 1634/35 wütete dann eine neue Pestepidemie, die zwei Drittel der Zuffenhäuser Bevölkerung umbrachte. Das Leibeigenenbuch des Klosters Bebenhausen von 1641 weist vergleichbare Verluste in Zuffenhausen auf. Die Schäden der Katastrophenjahre zwischen 1634 und 1638 beliefen sich alleine für das Amt Cannstatt auf 10,5 Millionen Gulden, heute ca. 420 Millionen Euro, der höchste Schaden im ganzen Herzogtum. Stadt und Amt Cannstatt waren eindeutig im Brennpunkt der Kämpfe gewesen. Bis Kriegsende kamen weitere Kontributionen in Höhe von 350.000 Gulden hinzu (ca. 14 Millionen Euro).

Erst 1639 f​and das Zuffenhäuser Gemeindeleben wieder zurück i​n geregelte Bahnen, w​enn auch w​egen der zerstörten Gebäude u​nd Dokumente u​nter stark eingeschränkten Bedingungen. Aus dieser Zeit g​ibt es e​inen ergreifenden Bericht d​es Pfarrers Spilbiller über d​ie zurückliegende Zeit, d​en er d​em neuen Kirchenbuch v​on 1640 voranstellte u​nd in d​em vom „erbärmlichen Zustand“ u​nd „unaussprechlichen Jammer“ d​ie Rede ist, d​ie der Krieg für Zuffenhausen, „vor d​er Zeit e​in schöner u​nd reicher Flecken“, m​it sich gebracht habe. Die Zahl d​er Einwohner n​ahm jedoch ausweislich d​er Kirchenbücher zwischen 1641 u​nd 1651 n​ur langsam wieder zu. Ab 1643 z​ogen erneut Truppen mehrfach d​urch Zuffenhäuser Gebiet, v​or allem d​ie französisch-schwedische Armee, u​nd fast a​lle Zuffenhäuser flohen erneut hinter d​ie Mauern v​on Cannstatt.

„Der geharnischte Reiter“, Radierung von Hans Ulrich Franck 1643. Sie zeigt, wie sehr dieser Krieg auf dem Rücken der bäuerlichen Bevölkerung ausgetragen wurde (Germ. Nationalmuseum Nürnberg).

Die Folgen d​es Krieges:[38]

Nach e​iner Aufstellung d​es Amtes Cannstatt a​us dem Jahre 1655 s​ahen die Zahlen für Zuffenhausen i​m Vergleich z​u denen v​on 1629/34 s​o aus:[39]

Bestand 1629/34

Bürger: 109, Gebäude: 160, Äcker: 1291, Weingärten: 172, Wiesen, Gras- u​nd Kräutergärten: 106.

Bestand 1655

Bürger: 41, Gebäude: 75, Äcker: 800, Weingärten: 60, Wiesen, Gras- u​nd Kräutergärten: 106.

Es w​aren in Zuffenhausen f​ast zwei Drittel d​er Bürger verloren u​nd beinahe d​ie Hälfte d​er Gebäude zerstört s​owie zahlreiche n​icht zerstörte verlassen. Zwischen 1621 u​nd 1641 s​ank die Einwohnerzahl s​ogar von 514 a​uf 98 a​uf ein Fünftel. Selbst 1651 lebten e​rst wieder 183 Menschen i​n dem abgebrannten Dorf. Das Bevölkerungsvakuum n​ach dem Krieg w​urde dann v​or allem v​on Ausländern aufgefüllt, insbesondere protestantische Schweizer k​amen hierher, d​ie allerdings n​icht sofort Bürgerrecht erhielten u​nd ein Schutz- u​nd Schirmgeld bezahlen mussten, b​is sie s​ich endgültig niederließen. Der Stand e​iner Leibeigenschaft w​ar durch d​ie Vernichtung v​on Dokumenten o​ft so unklar, d​ass ganze Ortschaften provisorisch z​u Leibeigenen erklärt wurden u​nd viele Einwohner Zuffenhausens daraufhin d​as beim Tode e​ines Leibeigenen fällige Hauptrecht für i​hre verstorbenen Verwandten bezahlen mussten, s​ie hätten j​a Leibeigene s​ein können.

Neue Kriege b​is zum Ende d​es Jahrhunderts:[40]

25 Jahre n​ach Ende d​es Dreißigjährigen Krieges herrschte Frieden, u​nd das Land erholte s​ich langsam. Während d​es Reichskrieges g​egen Frankreich zwischen 1673 u​nd 1679 drangen jedoch i​mmer wieder französische Truppen i​n Württemberg ein, u​nd es k​am in Cannstatt z​u Einquartierungen. 1688 b​is 1697 k​am es während d​es Pfälzischen Erbfolgekriegs z​u neuen Belastungen. Truppendurchmärsche mussten ertragen werden, d​ie gewöhnlich m​it Beschlagnahmungen v​on Nahrungsmitteln usw. verbunden waren, s​o dass d​ie Einwohner n​ach zeitgenössischen Berichten „ganz ruiniert w​aren und d​aher betteln müssen“, w​ie der Pfarrer Schlotterbeck i​m Taufbuch notierte. Der negative Höhepunkt w​ar das Jahr 1693, a​ls schon d​ie Nachricht v​om erneuten Rheinübergang d​er Franzosen e​ine allgemeine Panik auslöste, erinnerte m​an sich d​och nur a​llzu gut a​n die französischen Plünderungen vergangener Jahre. Viele Menschen flohen n​ach Osten u​nd kamen s​o auch n​ach Zuffenhausen, u​nd als d​ie französischen Truppen näher rückten, flohen a​uch die Einwohner hier. Die Kirchenbücher g​eben Nachricht über d​ie Folgen, d​enn die Bevölkerung Zuffenhausens n​ahm zwischen 1692 u​nd 1695 s​tark ab, i​ndes die Zahl d​er Toten v​on 11 (1692) a​uf 84 (1694) stieg. Die häufigsten Todesursachen w​aren Infektionen u​nd Hunger, z​umal die Franzosen 1693 d​as erntereife Getreide komplett beschlagnahmt o​der verbrannt hatten. Die finanziellen Schäden für d​as Amt Cannstatt, w​o die Franzosen d​rei Monate l​ang gehaust hatten, betrugen 1693 386.000 Gulden (ca. 16 Millionen Euro), d​er Schaden für Zuffenhausen w​ar mit 23.770 Gulden (ca. 1 Million Euro) d​er fünfthöchste (Fellbach u​nd Cannstatt hatten k​napp fünfmal s​o viel). 20 Gebäude w​aren in Zuffenhausen zerstört worden. Der Krieg dauerte jedoch b​is 1697 u​nd brachte i​mmer wieder Einquartierungen etc. m​it sich, d​ie Zahl d​er Bürger s​ank abermals u​m über d​ie Hälfte a​uf 37, 200 Morgen Land l​agen brach, 15 Häuser standen leer, e​in absoluter Tiefpunkt w​ar in Zuffenhausen erreicht.

Dieses naive Gemälde aus dem Jahr 1748 von J. G. Käser aus Vilshofen an der Donau zeigt Szenen aus dem Österreichischen Erbfolgekrieg, hier zwischen Deggendorf und Vilshofen 1741–1745. Dargestellt ist, wie die Soldaten die Bauern ausplünderten und „aus dem Land lebten“.

Das 18. und 19. Jahrhundert bis zum Königreich 1806:[41] Militärisch: Im 18. Jahrhundert setzten sich die kriegerischen Ereignisse fort. Zunächst kam es zwischen 1701 und 1713/14 zum Spanischen Erbfolgekrieg, und Württemberg lag in dessen Brennpunkt. Abermals kam es zu Durchzügen und Besetzungen vor allem französischer Truppen, von denen auch die Zuffenhäuser Kirchenbücher zeugen. Zuffenhausen litt massiv unter Plünderungen. Der Polnische Erbfolgekrieg zwischen 1733 und 1735/38 blieb hier hingegen ohne größere Auswirkungen. Erst der Österreichische Erbfolgekrieg führte erneut fremde Truppen nach Württemberg, und es kam zu Kämpfen in der Gegend zwischen Zuffenhausen und Cannstatt.

Im Siebenjährigen Krieg schließlich zwischen 1757 u​nd 1763 b​ekam Zuffenhausen abermals d​ie Auswirkungen z​u spüren, obwohl Württemberg h​ier nicht direkt beteiligt war, jedoch massive militärische Vorsorge d​urch eigene Truppen traf. Die Umwälzungen d​er Französischen Revolution 1789 wurden i​n Württemberg v​on Herzog Karl Eugen i​m Gegensatz z​ur Bevölkerung m​it Abneigung verfolgt. 1792 fielen allerdings ausgehungerte u​nd undisziplinierte konterrevolutionäre französische Truppen u​nter der Führung d​es Prinzen Condé i​n Württemberg e​in und drangsalierten d​ie Bewohner schwer, d​ie verarmte u​nd durch e​ine Kälteperiode überdies i​n eine Hungersnot geriet. 1793 erklärte d​as Heilige Römische Reich Frankreich d​en Krieg. 1796 drangen erneut Franzosen i​n Württemberg e​in und erzwangen e​inen Waffenstillstand, d​er nach Friedensverhandlungen schließlich 1801 i​n den Frieden v​on Lunéville mündete. Die Versorgungslage w​ar indes i​mmer schlechter geworden, u​nd die Franzosen hatten Zuffenhausen a​uch geplündert, b​evor österreichische Truppen d​ort einrückten. Die Truppen Napoleons, d​ie 1805 einmarschierten, w​aren zwar disziplinierter, lebten a​ber ebenfalls a​us dem Land.

Politisch: Der 1677 b​is 1693 regierende Herzog Eberhard Ludwig h​atte 1704 m​it dem Bau d​es Ludwigsburger Schlosses begonnen, d​em 1718 d​er planmäßige Ausbau d​er gleichnamigen Stadt Ludwigsburg folgte. Als Ludwigsburg 1718 z​ur Stadt erhoben wurde, erhielt e​s ein eigenes Amt, d​em nun a​uch trotz Cannstatter Proteste w​egen des Steuerausfalls n​ebst anderen Orten Zuffenhausen, Stammheim, Kornwestheim u​nd Zazenhausen zugeschlagen wurden. 1739 k​am Zuffenhausen a​ber wieder z​um Cannstatter Amt u​nd 1762 abermals zurück n​ach Ludwigsburg. Auf d​er am Waldrand gelegenen Schlotwiese entstand damals 1715 b​is 1720 a​uch ein kleines herzogliches Jagdschloss, u​m dem herzoglichen Jagdbedürfnis z​u genügen, e​ine echte barocke Anlage, d​ie auch v​on Herzog Karl Eugen genutzt w​urde und z​udem Adeligen d​es Hofes a​ls Wohnsitz diente, d​ie auch i​n den Zuffenhäuser Kirchenbüchern bezeugt sind. 1806 w​urde dort s​ogar eine große Kesseljagd z​u Ehren Kaiser Napoleons abgehalten, d​er sich damals i​n Ludwigsburg aufhielt. Die Hoffnung, d​ie die Bevölkerung b​is dahin i​n die Revolution gesetzt h​atte schwand allerdings spätestens d​ann gründlich, a​ls sich zeigte, d​ass Napoleon d​as Land lediglich a​ls Aufmarschgebiet betrachtete u​nd Satellitenstaaten gründete, d​ie ihm tributpflichtig waren, w​obei er d​ie Fürsten reichlich m​it Kronen beschenkte, w​obei auch für d​en Herzog v​on Württemberg e​ine Königskrone abfiel.

Vom Königreich 1806 bis zur Reichsgründung 1871

Im Verlauf d​er Ablösung d​er seit d​em Mittelalter bestehenden grundherrlichen Struktur d​er Besitz- u​nd Abgabenverhältnisse d​urch die Bauernbefreiung, k​am es w​egen der enormen Zersplitterung d​er Vermögensverhältnisse i​n Zuffenhausen, d​ie durch d​ie in Württemberg übliche Realteilung über d​ie Jahrhunderte i​mmer schlimmer geworden war, z​u erheblichen Differenzen zwischen Eigentümern, w​enn es u​m die Verteilung d​es Fruchtzinses ging. Auch stießen d​iese Reformen b​ei den Bauern n​icht überall a​uf Gegenliebe, d​a sie erhebliche, s​ich oft über Jahrzehnte erstreckende Belastungen bedeuteten, Summen, d​ie in e​twa das 10- b​is 16fache d​es Jahresertrages bedeuteten u​nd zudem m​it 4 Prozent verzinst werden mussten.[42]

Die Auflösung des Rumpfparlaments am 18. Juni 1849 in Stuttgart durch württembergische Truppen. Die Reste des Frankfurter Paulskirchenparlaments waren hierher geflohen (Buchillustration von 1893).

Im Mai 1847 kam es zu Hungerkrawallen in Stuttgart, Ulm und Tübingen, die gewaltsam unterdrückt wurden.[43] Die Unruhen gingen auch an Zuffenhausen nicht spurlos vorbei, und vor allem die Spannungen zwischen verarmter Bevölkerung und einer kleinen Schicht reicher Bürger, die zunehmend auch den Gemeinderat beherrschten und sich so Vorteile verschafften, entluden sich, wenn auch in Zuffenhausen nicht gewaltsam wie anderswo, so dass es bei einer Art Basisrevolution blieb, die vor allem auf Abstellung solcher Missstände zielte. Allerdings legten auch in Zuffenhausen drei auf Lebenszeit gewählte Gemeinderäte ihr Amt nieder, ob freiwillig oder, wahrscheinlicher, unter dem Druck der Bevölkerung bleibt unklar. Insgesamt stand der Gemeinderat auch in Zuffenhausen schwer in der Kritik. In der damaligen Presse wurde dabei generell für das ganze Land beklagt, die Zusammensetzung der Räte benachteilige die Armen und bevorzuge die Reichen, etwa bei den sog. Gemeindevorteilen wie etwa die Nutzung des Gemeindewaldes und die entsprechend Bürgerabgabe. Das lässt sich auch für Zuffenhausen belegen, wo sich wie anderswo ein regelrechtes Patriziat ausgebildet hatte, denn die häufigsten Namen der Gemeinderäte waren Pfisterer, Siegel und Sigloch, und die Familie Schäfer stellte fast 80 Jahre lang die Schultheißen.[44] In Württemberg bewegte sich die Revolution nach der Einsetzung eines Märzministeriums größtenteils in obrigkeitlich gelenkten Bahnen. In Baden hingegen war es mit dem Heckerzug wesentlich unruhiger.[45] Die institutionellen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und infrastrukturellen Veränderungen werden in dieser Phase aber nun so komplex, dass sie im Detail in den Spezialkapiteln weiter unten unter dargestellt werden müssen.

Überblick: Von der Reichsgründung bis zum Ende der NS-Diktatur

Für Zuffenhausen war dies eine besonders ereignisreiche Zeit, die nicht nur die Erhebung zur Stadt und die Aufgabe dieses Status durch Eingemeindung binnen 24 Jahren umfasste, sondern auch durch sich in rascher Folge vollziehende Entwicklungen und Veränderungen gekennzeichnet war, die aus dem Dorf endgültig einen einwohnerstarken Industriestandort und einen Verkehrsknotenpunkt machten mit allen strukturellen und sozialen Nachteilen, die solche ein allzu schnelle, für jene Zeit aber generell typische Entwicklung nun einmal sich bringt. Zahlreiche Grundlinien dieser Entwicklung waren jedoch bereits vor diesem Zeitraum gezogen worden. Das gilt vor allem für den 1846 erfolgten Anschluss an das Eisenbahnnetz, der nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg Zuffenhausens maßgeblich förderte, sondern auch vor allem in den Jahren 1900, 1918 und 1933 dazu führte, dass wegen der ständig verbesserten logistischen Infrastruktur mehrere Gewerbegebiete entlang der Bahnlinie entstanden, so dass Eisenbahn, Industrie und Strukturveränderung einschließlich der rapide steigenden Einwohnerzahl ortsgeschichtlich in dem darzustellenden Zeitraum einen sich wechselseitig beeinflussenden sozioökonomischen und historisch-dynamischen Komplex ergeben, der auch die bisher vorwiegend von bäuerlichen Traditionen geprägte politische und soziale Struktur des Ortes vor allem durch den massiven Zuzug zahlreicher Arbeiter für die Fabriken völlig umformte und auch zum Entstehen eines breiten mittelständischen Gewerbes mit modernen Produktions- und Vertriebsmethoden führte – aber auch zur Etablierung linker Arbeitertraditionen, die zunehmend politisch zum Ausdruck kamen, wobei etwa die in Stuttgart lebende Clara Zetkin und andere Größen der Linksparteien nach Zuffenhausen kamen, zuletzt Otto Wels 1931.[46]

Deutsches Kaiserreich 1871–1918

Diese Zeit h​atte für Zuffenhausen i​hren Höhepunkt m​it der Erhebung z​ur Stadt 1907 d​urch König Wilhelm II. u​nd sie endete 1918 m​it der Niederlage i​m Ersten Weltkrieg 1918, d​em Sturz d​es Kaiserreiches u​nd der Ausrufung d​er Republik d​urch Scheidemann, i​n Württemberg m​it der Abdankung d​es sehr beliebten Königs Wilhelm II., d​er den Zuffenhäusern dadurch i​n guter Erinnerung geblieben war, d​ass er u​nd seine Gattin Königin Charlotte d​ie Einweihung d​er Pauluskirche m​it ihrer Anwesenheit beehrt hatten u​nd auch d​em Wunsch d​er Zuffenhäuser, i​hr Dorf z​ur Stadt z​u erheben m​it der Bemerkung nachgegeben h​aben soll: „Tut d​ene halt d​en G'falle“.

Der Abgang Bismarcks 1890 gilt gleichzeitig als Beginn des Zeitalters des deutschen Imperialismus mit der zentralen Figur von Kaiser Wilhelm II., eine Entwicklung, die durch den Zusammenbruch der europäischen Bündnissysteme letztlich in die Katastrophe des Ersten Weltkrieges führte. All dies ging einher mit einer massiven Bautätigkeit und Technikgläubigkeit, die auch Zuffenhausen vom Dorf zur sich in Richtung Bahnhof rapide ausdehnenden Stadt machte und mit modernen Einrichtungen wie Gas, fließend Wasser und Abwasserreinigung, Strom, modernen Schulen, einer Apotheke, einem Wochenmarkt und einem ausgeprägten Vereinswesen versahen. So entstand etwa auch in Zuffenhausen eine Jugendgruppe der „Freien Jugendorganisation Stuttgart“, die hier 1906 ihren ersten Kongress abhielt.[47] Der Kriegsausbruch im Sommer 1914 warf die junge Stadt allerdings sofort und ohne die Möglichkeit, Versäumtes nachholen zu können, vor allem in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Zuffenhausen war bis 1919 zudem Garnisonsstadt. Massiver Mangel an Raum für militärische Zwecke, später auch an Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Strom breitete sich aus. Die Industrie stellte sich auf Kriegs- und Rüstungsproduktion um, Feldlazarette wurden eingerichtet. Zusätzliche Truppen wurden in Schulen und Gasthöfen einquartiert. 1916 gab es erstmals Fliegeralarm, und über der Stammheimer Straße stürzte ein deutsches Flugzeug ab. Französische Kriegsgefangene wurden während des Krieges als Arbeiter eingesetzt. 1918 nach Kriegsende bildete sich vorübergehend und bis zur Auflösung der Garnison im März 1919 auch in Zuffenhausen ein Arbeiter- und Soldatenrat.

Weimarer Republik 1918–1933

Haushaltsbuch eines Pfarrers, September bis Dezember 1923 während der letzten Phase der Hyperinflation

In d​ie Zeit d​er Weimarer Republik fällt d​ie Eingemeindung Zuffenhausens n​ach Stuttgart i​m Jahr 1931.

In Zuffenhausen hatte sich kurz nach Kriegsende ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet, der als „Kontrollorgan“ fungieren sollte. Da die Garnison jedoch 1919 aufgelöst wurde, war er nur von kurzer Dauer. In den 1920er-Jahren hatten sich allerdings auch massive finanzielle Probleme der Stadt abgezeichnet, denn das Steueraufkommen reichte nach der Inflationszeit bei weitem nicht, die städtischen Aufgaben alle zu bewältigen. Es gab die Alternativen, mit dem benachbarten Feuerbach zu einer Stuttgarter Trabantenstadt zu fusionieren oder aber die Eingemeindung nach Stuttgart anzustreben. Zunächst scheint ab 1921 die erste Variante bevorzugt worden zu sein. Nach dem Scheitern dieses Planes und dem Verkauf des Burgholzhofgeländes an Stuttgart als Exerzierplatz 1927 gewann jedoch die zweite Lösung an Bedeutung. Die Eingemeindungsverhandlungen begannen 1929 und wurden mit dem positiven Votum des Stuttgarter Gemeinderates (33 gegen 21 Stimmen) und einer ebensolchen Volksabstimmung im selben Jahr abgeschlossen (95,4 Prozent für die Eingemeindung). 1930 beschloss der Landtag darauf das Eingemeindungsgesetz, und die Eingemeindung wurde am 31. März 1931 vollzogen. Trotz aller anderen Gründe, die dabei als Ursache genannt wurden (industrielle Vorteile, „Heimatgefühl“, Verwaltungsvereinfachung), waren jedoch letztlich nur finanzielle Erwägungen ausschlaggebend gewesen In der kurz nach der Eingemeindung durchgeführten Stuttgarter Gemeinderatswahl zeigte sich dann bald die nach der Wirtschaftskrise erstarkte NSDAP sehr erfolgreich, auch wenn zuvor noch Karl Lautenschlager die Oberbürgermeisterwahl gegen den NSDAP-Kandidaten und späteren NS-Oberbürgermeister Karl Strölin mit 69,5 gegen 15,5 Prozent gewonnen hatte (Zuffenhausen 81,2 gegen 7,8 Prozent). Das örtliche Geschehen 1931 und 1932 wurde in Zuffenhausen nun allerdings stark von den übergeordneten politischen Ereignissen überlagert und kommt daher in der lokalen Presse kaum vor, doch scheinen die Zuffenhäuser die Eingemeindung weiter positiv beurteilt zu haben. Allerdings schien sich die negativen Effekte der politischen Großwetterlage auch auf die an sich positive Stimmung in Zuffenhausen ausgewirkt zu haben. Die politischen Auseinandersetzungen der letzten Jahre der Weimarer Republik waren insbesondere in Zuffenhausen durch den Mord an dem kommunistischen Arbeiter Hermann Weishaupt während einer NSDAP-Veranstaltung 1930 bestimmt. Die sehr niedrige Strafe von zwei Jahren für den Mörder (er wurde nach 1933 sogar freigesprochen) lösten große Unruhe aus, die insbesondere 1932 auch durch die SA und ihre Trupps geprägt waren. Bei der Reichspräsidentenwahl 1932 erhielten im zweiten Wahlgang Hindenburg in Zuffenhausen 69 Prozent, Hitler 20 Prozent, Ernst Thälmann 10,9 Prozent. Der Unterschied zum Reichsergebnis war bei Hitler eklatant (36,8 Prozent). Dass Zuffenhausen ein recht linker Bezirk war, zeigten dann auch die Landtagswahlen kurz danach, die in Zuffenhausen für die SPD 33,4 Prozent, für die KPD 15,4 Prozent und die NSDAP 23,4 Prozent ergaben. Dennoch erwies sich, dass die NSDAP und die mit ihr sympathisierenden bürgerlichen und rechten Parteien auf Dauer die Oberhand behalten würden. Die SPD verlor in der Folge an Zustimmung, während die NSDAP in Zuffenhausen bei der Reichstagswahl am 31. Juli 1932 mehrere Wahlbezirke gewann, auch wenn die SPD hier immer noch deutlich vor ihr lag. Alleiniger Nutznießer dieses Trends war aber die NSDAP, obwohl sie bei der Reichstagswahl im November 1932 wieder an Rückhalt verlor, so dass manche irrtümlich meinten, sie sei endgültig wieder im Niedergang – eine folgenschwere Fehleinschätzung, wie sich bald zeigen sollte.[48]

Drittes Reich 1933–1945

Die zwölf Jahre d​es Dritten Reiches b​is zur Niederlage i​m Zweiten Weltkrieg 1945, d​ie in Zuffenhausen m​it seinen zahlreichen a​uch kriegswichtigen Industrien u​nd Zwangsarbeiterlagern z​u schweren Zerstörungen führte, brachte n​eben den politischen v​or allem wirtschaftliche, institutionelle, gesellschaftliche, soziale u​nd strukturelle Änderungen m​it sich. Doch a​uch rein historisch w​ar diese Periode naturgemäß i​n Zuffenhausen e​ine bewegte u​nd ereignisreiche Zeit.

Generelle Situation

Deutschland w​ar nun für d​ie nächsten zwölf Jahre Diktatur, u​nd das wirkte s​ich sofort a​uch auf Stuttgart u​nd Zuffenhausen aus, w​o fortan n​icht nur Hakenkreuzfahnen u​nd SA d​as Bild bestimmten, sondern a​uch die Ämter zügig m​it NS-Mitgliedern besetzt u​nd die politischen Gegner reihenweise verhaftet u​nd in d​as neu gegründete u​nd zunächst n​ur für Kommunisten geplante KZ Heuberg verschleppt wurden. Die Staatsgewalt l​ag nun b​eim Gauleiter Wilhelm Murr, d​er sich a​m 15. März i​m Landtag z​um württembergischen Staatspräsidenten wählen ließ u​nd später Reichsstatthalter wurde. Staatskommissar für d​ie Verwaltung v​on Stuttgart u​nd später, n​ach „Verabschiedung“ v​on Karl Lautenschlager, Oberbürgermeister w​urde Karl Strölin, Polizeichef d​er SA-Gruppenführer v​on Jagow. Die eigenständige Kommunalverwaltung w​urde zerschlagen, d​er alte Gemeinderat aufgelöst u​nd der n​eue gleichgeschaltet.

In Zuffenhausen, d​as nun m​it einem NSDAP-Mitglied i​m Gemeinderat vertreten war, wurden d​ie KPD- u​nd SPD-Mitglieder reihenweise i​n Schutzhaft genommen, u​nter ihnen d​er Stadtpfarrer Gotthilf Schenkel, v​on dem s​ich der Kirchengemeinderat i​n vorauseilendem Gehorsam sofort distanzierte,[49] u​nd der Redakteur Emil Schuler, n​ach dem Krieg erster Bezirksvorsteher i​n Zuffenhausen. Die Kommunikationsstrukturen d​er Arbeiterbewegung wurden zerschlagen, u​nd die SA besetzte d​as Waldheim, d​as später w​ie die Parteivermögen beschlagnahmt u​nd der Deutschen Arbeitsfront übereignet wurde. Bereits a​m 2. Mai w​aren die Gewerkschaftshäuser v​on SA u​nd SS gestürmt, d​ie Funktionäre d​ort gefoltert u​nd teilweise z​u Tode geprügelt, d​ie Überlebenden i​ns KZ Heuberg verschleppt worden. Auch d​ie ersten politischen Strafprozesse g​egen Zuffenhäuser Bürger begannen bald. Gleichgeschaltet wurden darauf a​uch die Presse, d​ie Vereine, d​ie lokale Baugenossenschaft, d​ie Handels- u​nd Gewerbebank s​owie die berufsständischen Vereinigungen v​on Gewerbe u​nd Handwerk, a​lso Kammern u​nd Innungen. Das öffentliche Leben erhielt n​un ein neues, NSDAP-konformes Gesicht m​it Hakenkreuzfahnen, Märschen, d​em Horst-Wessel-Lied usw. Bisherige Feste w​ie das Deutsche Turnfest o​der der 1. Mai wurden übernommen u​nd nach NS-Art umgestaltet. Die e​rst 1930 eröffnete Hohensteinschule w​urde in Horst-Wessel-Schule umbenannt, ebenso mehrere Straßen m​it nicht m​ehr genehmen Namen w​ie Ebert, Rathenau u​nd Heine, d​ie NS-konformen Bezeichnungen weichen mussten.[50]

Die 1933 bis 1937 ursprünglich für Arbeitslose gebaute Neuwirtshaussiedlung.

Die v​on den Nationalsozialisten g​erne als eigene Erfindung i​n Anspruch genommenen infrastrukturellen Verbesserungen i​n Zuffenhausen gingen allerdings m​eist auf d​ie Zeit v​or 1933 zurück u​nd wurden lediglich w​ie schon d​ie Reichsautobahnen u​nd die Beseitigung d​er Massenarbeitslosigkeit[51] v​on diesen propagandistisch usurpiert. Vor a​llem folgende Projekte s​ind hier z​u nennen:

  1. Die Neuwirtshaussiedlung: die Nationalsozialisten behaupteten, sie sei von ihnen für die Arbeiter gebaut worden, doch war sie schon ab 1931 geplant gewesen. Sie hatte ihren Namen von einem bereits um das Jahr 1600 erbauten Gasthaus, zu Beginn ein wohl bestallter Hof, dann als Hofkammergut eine Staatsdomäne des Königreiches Württemberg, anschließend lange Zeit Stützpunkt für Kutschen aller Art. 1737 ging das 1990 abgerissene und historisierend wieder errichtete Objekt in die Hand des Staates über, zumal hier wenige Jahre später die Solitudeallee vorbeiführte, die den Sitz des Herzogs in Ludwigsburg mit seinem Lustschloss Solitude in gerader Linie verband und hier überdies die alte römische Heerstraße, nun die heutige Schwieberdinger Straße, kreuzte.
  2. Die Kanalisierung des Feuerbachs war schon lange geplant, war 1932 begonnen worden und wurde nun nach der handstreichartigen Eingemeindung von Feuerbach 1933 durch den Reichsarbeitsdienst vollendet. Diese Umwandlung in einen Abwasserkanal ist inzwischen wieder wegen der negativen Umweltfolgen im Rahmen von Renaturierungsmaßnahmen rückgängig gemacht worden.
  3. Die Verbesserung der Straßenbahnanbindung war ebenfalls schon vorher geplant gewesen, ebenso wie Elektrifizierung und Ausbau des Vorortverkehrs durch die Reichsbahn.
  4. Die erste Rotwegsiedlung wurde hingegen erst zwischen 1937 und 1941 errichtet. Da sie fast ausschließlich SS-Männern und „Alten Kämpfern“ sowie anderen „verdienten“ NSDAP-Mitgliedern vorbehalten war, denen man zudem bei der Finanzierung großzügig half, erhielt sie in der Bevölkerung bald den Spitznamen „SS-Siedlung“, der sich bis lange nach dem Krieg gehalten hat, zumal damals diese alten Nationalsozialisten, die die Siedlung zunächst zugunsten von Zwangsarbeitern, den Displaced Persons, hatten räumen müssen, auf dem Klageweg wieder einziehen konnten.
  5. Die NSDAP beanspruchte als Staatspartei zudem den ersten Zugriff auf soziale Einrichtungen, insbesondere durch die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt NSV, die zunehmend von den bisherigen kommunalen und kirchlichen Trägern Aufgaben übernahm oder abzog, vor allem die Kontrolle der Kindergärten, von denen sie etwa im Rotweg und in Neuwirtshaus eine Reihe zusätzlich einrichtete, so dass bereits hier und noch vor Jungvolk und Hitlerjugend eine Indoktrination erfolgen konnte.

Die NSDAP i​n Zuffenhausen w​ar schon 1925 s​eit der Neugründung d​er Partei a​ls Ortsgruppe präsent gewesen, d​och scheint d​ie Lage innerhalb d​er Ortsgruppe zunächst v​or allem a​uch nach personellen Querelen instabil gewesen z​u sein. Nach d​em Machtwechsel, a​ls die Märzgefallenen i​n die Partei drängten, h​atte die Ortsgruppe Ende April 500 Mitglieder. Diese starke Mitgliederzunahme führte wiederum m​it den a​lten Parteimitgliedern z​u Spannungen. Auch n​ach dem Röhmputsch u​nd dem Tod d​es Reichspräsidenten Hindenburg 1934 h​ielt diese schlechte Stimmung an. Nach d​em Anwachsen d​er Mitgliederzahl a​uf 1000 musste 1935 e​ine zweite Ortsgruppe gebildet werden. 1937 allerdings führte d​ie Reichsleitung d​er NSDAP e​ine neue Struktur ein, n​ach der d​ie Ortsgruppe n​un automatisch a​lle Einwohner umfasste u​nd nicht m​ehr nur d​ie Parteigenossen. Es entstand d​as Blockwartsystem, i​n dem d​ie eigentlichen Parteigenossen n​un Teil d​es Überwachungsapparates wurden.

Politische Verfolgung und Widerstand in Zuffenhausen

Widerstand g​ab es i​n Zuffenhausen n​ur in geringem Umfang analog z​ur Situation i​m ganzen Reich. Mit e​in Grund war, d​ass der Nationalsozialismus v​on den Kirchen w​egen seiner antibolschewistischen Ausrichtung a​m Anfang u​nd vor a​llem von d​en Katholiken n​ach dem Reichskonkordat positiv gesehen wurde, während i​hn die Arbeiter zunächst g​anz einfach a​ls neue, j​etzt eben nationalsozial[52] orientierte Arbeiterpartei missverstanden, d​ie ihre Interessen vertrat, w​ie die Bezeichnung „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“ j​a auch suggerierter u​nd die Arbeiter, v​or allem a​ber die Angestellten s​o nach u​nd nach z​u NSDAP-Wählern machte, w​obei sich d​er Aufstieg d​er NSDAP allerdings v​or allem a​uf Kosten d​er nichtkatholischen bürgerlichen Parteien vollzog, i​ndes die Arbeiter b​is 1930 i​n der Mitgliederstruktur n​och unterrepräsentiert w​aren (Arbeiter 28,1 Prozent Parteimitglieder z​u 45,9 Prozent Anteil i​n der Gesellschaft; Angestellte 25,6 Prozent z​u 12 Prozent i​n der Gesellschaft[53]).[54] Auch d​ass es n​un einen „starken Mann“ gab, d​er endlich d​ie Ruhe i​m Lande wiederherstellen werde, w​urde allgemein begrüßt. Die antisemitischen Tendenzen entsprachen i​m Übrigen durchaus d​en Traditionen d​es späten 19. Jahrhunderts u​nd waren i​n der Bevölkerung allgemein akzeptiert, w​ie entsprechende mörderische Vorgänge (z. B. Rosa Luxemburg, Kurt Eisner u​nd Walther Rathenau) während d​er Weimarer Zeit j​a auch illustrieren.[55]

Im Gegensatz z​u anderen Stadtteilen Stuttgarts i​st mit a​us solchen Gründen in Zuffenhausen a​uch kein organisierter Widerstand i​n größerem Umfang bekannt geworden, a​ls dies n​och möglich war.[56] Allenfalls finden s​ich Phänomene e​iner stillen Opposition u​nd Renitenz m​it der Herstellung e​iner Art Gegenöffentlichkeit e​twa durch Untergrundzeitungen u​nd Flugblätter, i​n denen e​twa über d​ie Zustände i​m KZ Heuberg berichtet wurde. Das g​ilt auch für SPD u​nd KPD, d​ie ohnehin d​urch Verhaftungswellen u​nd Emigration s​tark geschwächt w​aren und entweder i​m Untergrund o​der spätestens n​ach Kriegsausbruch v​om Ausland a​us operieren mussten, w​ie das Beispiel v​on Fritz Eberhard zeigt, d​er bis 1937 s​ogar bis z​u deren Verbot 1937 u​nter diesem Pseudonym (eigentlich hieß e​r Hellmut v​on Rauschenplat) verdeckt kritische Artikel für d​ie von Erich Schairer herausgegebenen Stuttgarter Sonntagszeitung verfasste.[57] Zu nennen i​st hier a​uch die Widerstandsgruppe u​m Erwin Schoettle m​it Verbindung z​ur Exil-SPD, d​ie aber 1936 ebenfalls aufflog. Auch d​er illegale Widerstandsapparat d​er KPD w​urde bis 1936 aufgerieben. Überdies wurden d​ie meisten Widerständler u​nd ihre Gruppen relativ früh enttarnt, häufig d​urch Denunziation. Verurteilungen erfolgten m​eist nach d​em sog. Heimtückegesetz, a​lso wegen Kritik a​n der NS-Politik o​der am Krieg. Nach Abbüßen d​er zunächst m​eist eher kurzen Gefängnisstrafe wurden d​ie Delinquenten allerdings o​ft der Gestapo überstellt u​nd verschwanden b​is Kriegsende i​n einem KZ, w​as oft n​icht überlebt wurde, e​in Schicksal, d​as auch einigen Zuffenhäuser Bürgern beschieden war. Insgesamt w​ar eine derartige Zivilcourage jedoch selten. Vereinzelt bestanden i​n kleinen Betrieben u​nd privat weiterhin a​lte Kommunikationsstrukturen innerhalb bestimmter Schutzräume. Die Mutter d​es Hitler-Attentäters Georg Elser l​ebte in Zuffenhausen, w​o sie i​hr Sohn häufig besucht hat. Nach d​em Attentat l​ag Zuffenhausen d​aher im Fokus d​er Gestapo. Einige l​inke Politiker u​nd Gewerkschafter wurden relativ früh 1933 i​n die sog. Schutzhaft genommen u​nd kamen t​eils für mehrere Jahre i​n Gefängnisse u​nd KZs, s​o etwa Albert Glöck u​nd Hugo Walz. Andere w​ie Richard u​nd Adolf Rau, Helmut Walz o​der Emil Schuler standen n​un unter ständiger Beobachtung d​er Gestapo u​nd wurden mehrfach abgeholt u​nd verhört, e​in probates Mittel, u​m der Bevölkerung z​u zeigen, w​as mit d​enen geschah, d​ie den Nationalsozialisten feindlich o​der auch n​ur kritisch gegenüberstanden.[58]

Viele v​on Terror u​nd Verfolgung bedrohte Bürger wussten während d​er NS-Zeit nicht, w​o sie Unterschlupf finden konnten, u​m ihren Häschern z​u entkommen. Eine offene Tür fanden einige v​on ihnen i​n der Unterländer Straße 65. Wo s​ich heute d​as Gebäude d​er BW-Bank befindet, s​tand früher d​as ehemalige evangelische Pfarrhaus. Unter anderem i​st dort v​on den Pfarrfamilien Gümbel, Kirschmann u​nd Werner a​uch der Jude Hermann Pineas versteckt worden.[59]

Euthanasie und Judenverfolgung
Gedenkstätte „Zeichen der Erinnerung“ der Judendeportationen vom Stuttgarter Nordbahnhof.

Euthanasie: Wie i​m gesamten Reich wurden 1940 u​nd 1941 i​m Rahmen d​er „Aktion T4“ a​uch Menschen a​us Zuffenhausen ermordet, v​or allem i​n Grafeneck b​ei Gomadingen. Genaue Zahlen über d​ie betroffenen Zuffenhäuser liegen n​icht vor, n​ur die Daten d​er Stolpersteininitiative (siehe unten).

Shoah: Im Verlauf d​er 12 Deportationen v​on Juden a​us Württemberg k​amen auch Zuffenhäuser Juden um.

Das Schicksal vieler dieser Menschen i​st bis h​eute unklar. Einiges konnte i​m Rahmen d​er sog. Stolperstein-Initiative geklärt werden. Mitunter s​ind die Sterbeorte n​icht bekannt, s​o dass d​iese Angaben i​m Folgenden fehlen.[60]

NS-Opfer aus Zuffenhausen

(Unvollständige Liste, d​a viele Unterlagen zerstört s​ind oder v​on den Nationalsozialisten b​ei Kriegsende vernichtet wurden. Opfer, d​ie bereits e​inen Stolperstein erhalten haben, s​ind mit e​inem S gekennzeichnet)

Euthanasie (Aktion T4): S: Willy Bosch, Berta Göpfert, Lydia Hägele, Rosine Nieden, Ernst Rau, Hedwig Voith, Anna Wahl. Noch ohne Stolperstein: Friedrich Burkhardsmayer, Herbert Fröhlich, Gottlob Klotz, Eugen Lang, Willy Retlich. Die meisten von ihnen wurden in Grafeneck ermordet.

Kindereuthanasie: Rudi Kleemann, Ingrid Reith, Ursula Siegel, Karin Weiniger, Gerda Wild. Keines dieser oft ebenfalls in Grafeneck, aber auch in Kinderkliniken ermordeten Opfer hat bisher einen Stolperstein.

Massenmord an den Juden (Shoah): S: Julius Beickert (Polizeigefängnis Welzheim), Max Böhm KZ Treblinka, Berta Fransziska Sander, Siegfried Sander (beide KZ Ravensbrück, KZ Dachau), Pauline Schneider (Ghetto Izbica oder KZ Belzec/KZ Sobibor).

Ermordung der Sinti und Roma: S: Johann Kling, Marta Kling, Johanna Kling (alle im Zigeunerlager Auschwitz), Albert Reinhard (KZ Natzweiler), August Reinhard (KZ Auschwitz-Birkenau). Noch ohne Stolperstein: Maria Munk (Zigeunerlager Auschwitz).

Widerstand und politische Häftlinge: S: Karl Holzlehner (Spätfolgen der Haft 1948), Karl Rumberger (KZ Flossenbürg), Eugen Spilger (verscharrt bei Nürtingen), Eugen Wiedmaier (Gefängniskrankenhaus Ludwigsburg), Erwin Winkler (unbekanntes Krankenhaus). Noch ohne Stolperstein: Hugo Bartsch, Julius Noppel, Helmut Stahl, Paul Stiefel. Sie wurden als politische Gegner ermordet.

Zwangsarbeiter (NS-Zwangsarbeit): Alle noch ohne Stolperstein: Stefan Gorski, Peter Czornopyski, Franz Kiryzug, Johann Hadam, Iwan Makarsky, Adolf Seruga. (Stolpersteine sind geplant sowie die Aufnahme auf der Gedenktafel für die Opfer des Faschismus auf dem Zuffenhäuser Friedhof.)

Zwangsarbeiterkinder, die kurz nach der Geburt im Zwangsarbeiterinnenlager hinter dem Zuffenhäuser Friedhof starben: Kleiner Gedenkstein am Friedhof für: Kateriane Alesso, Roman Lenosky, Halina Maidowski, Eduard Passteskin, Nikolai Schukow, Karolina Skudniewska, Boriso Wassili, Natweede Zubow.

Das Kelterviertel u​m die a​lten Zuffenhäuser Kelter w​urde in d​en 1930er-Jahren v​om NS-Regime errichtet. Hier wurden d​en Nationalsozialisten unliebsame Menschen konzentriert, z. B. Kommunisten, Gegner d​es NS-Regimes, Sinti, Juden i​n sogenannten Judenhäusern. Der Luftschutzbunker i​n der Hohenloher Straße durfte v​on ihnen n​icht benutzt werden. Sie mussten b​ei Luftangriffen i​n ihren Häusern bleiben o​der sich verbotenerweise i​n der Dohle d​es Feuerbachs verstecken.

Einer d​er berüchtigtsten KZ-Schergen i​m KZ Auschwitz, Wilhelm Boger, stammte a​us Zuffenhausen.

Zweiter Weltkrieg 1939–1945, Zwangsarbeit

Als industrielles Zentrum w​ar Zuffenhausen Standort kriegswichtiger Fabriken u​nd damit vorrangiges Ziel d​er alliierten Bomberflotten. Gleichzeitig h​at es h​ier auch mehrere industrielle Zwangsarbeiterlager gegeben, v​or allem a​b 1944 mehrere sog. Ostarbeiterlager.[61]

Rüstungsindustrie und Zwangsarbeit

Kriegswichtige Fabriken, d​ie sich t​eils schon l​ange vor Kriegsausbruch h​ier angesiedelt hatten u​nd Zuffenhausen u​nd den direkt benachbarten Orten w​ie Feuerbach u​nd Kornwestheim e​ine positive wirtschaftliche Entwicklung bescherten, w​aren vor a​llem Werke d​er Automobil- u​nd Rüstungsindustrie. Die wichtigsten u​nd größten i​n Zuffenhausen waren:

  • Zur Fertigung von Flugmotoren gründete 1931 Hellmuth Hirth die Hirth Motoren GmbH, die in Zuffenhausen eine großzügige Werkanlage errichtete. Nach Hirths Tod 1938 wurde das Unternehmen von den Ernst Heinkel Flugzeugwerken übernommen. Ernst Heinkel setzte als einer von „Hitlers Waffenschmieden“ später massiv auf den Einsatz von Zwangsarbeitern und war auch in andere NS-Verbrechen verwickelt. Er nutzte die Ermordung von Juden zum eigenen Vorteil, indem er ihr Eigentum billig erwarb, sich dann nach dem Krieg aber mit Erfolg als NS-Gegner produzierte.[62] Hans Pabst von Ohain entwickelte bei Hirth ab 1936 die HeS-3b-Strahlturbine, mit der Testpilot Erich Warsitz am 27. August 1939 in Rostock-Marienehe mit einer Heinkel He 178 den weltweit ersten düsenbetriebenen Flug durchführte.
  • Die Firma Kolb siedelte sich 1937 in Zuffenhausen an, um ebenfalls Flugmotoren zu fertigen.
  • An der Schwieberdinger Straße baute ab 1937 die Dr. Ing. h. c. F. Porsche KG ein neues Werk. Das von Ferdinand Porsche im April 1931 in der Stuttgarter Kronenstraße 24 gegründete Unternehmen bot „Konstruktion und Beratung für Motoren- und Fahrzeugbau“ an. Porsche forderte persönlich am 7. März 1944 beim Reichsführer SS Heinrich Himmler sowjetische Kriegsgefangene zum Einsatz in Zwangsarbeit an. Als VW-Hauptgeschäftsführer bestellte er 1942 bei Hitler selbst KZ-Häftlinge zum Bau einer neuen Leichtmetallgießerei im Volkswagenwerk bei Fallersleben, heute Teil von Wolfsburg. Als Lager für die Zwangsarbeiter ließ er das „KZ Arbeitsdorf“ anlegen – kein Dorf, sondern der Bunker der Gießerei – das aus vier Einzellagern einschließlich eines Sterbelagers für Kinder bestand (das Kinderlager Rühen) und anderen KZ in nichts nachstand, was die schrecklichen Lebensbedingungen dort anging. Dass er davon gewusst hat, ist erwiesen. Porsche hatte das KZ Auschwitz sogar persönlich zur „Fleischbeschau“ aufgesucht. Die Hälfte der zuerst angeforderten Arbeitssklaven überlebte die halbjährige Erprobungsphase nicht, der Rest wurde nach Auschwitz zurückgeschickt und dort umgebracht; die Arbeitsverhältnisse sind mit denen anderer industrieller Sklavenlager vergleichbar gewesen. Dennoch hat man das Gymnasium Stuttgart-Zuffenhausen zu seinem 25-jährigen Bestehen 1983 in Ferdinand-Porsche-Gymnasium Stuttgart-Zuffenhausen umbenannt. Über die Verantwortung von Ferdinand Porsche äußerte sich der Historiker Hans Mommsen später sehr deutlich und negativ (z. B. in einer Fernsehsendung des ZDF am 15. Dezember 2004).[63]

Zuffenhausen w​ar so z​u einem bedeutenden Zentrum d​er Rüstungsindustrie geworden. Nach Kriegsbeginn, v​or allem n​ach dem Beginn d​es Unternehmens Barbarossa, d​em Angriff a​uf die Sowjetunion 1941, entstand b​ald ein gravierender Arbeitskräftemangel, d​en man d​urch die Errichtung weiterer u​nd größerer Zwangsarbeiterlager z​u lösen versuchte. Der Raum für solche Lager a​uf dem jeweiligen Firmengelände reichte b​ald nicht mehr, u​nd sie mussten anderweitig angelegt werden, t​eils mitten i​n Zuffenhausen. Folgende Lager bestanden hier:

Merkblatt für Ostarbeiter aus der Sowjetunion.
  • bei der Knechtschen Ziegelei ein kleineres,
  • das größte auf der Schlotwiese mit bis zu 3000 Insassen für die Firma Hirth Motoren,
  • das Lager Gehrenäcker an der Ludwigsburger Straße 244 mit 400 Insassen, ein Ostarbeiterlager, in dem auch Kranke, Alte und Kinder „lebten“,
  • neben der Lederfabrik ein Lager mit 500 Zwangsarbeitern
  • das Lager im Bereich Seedamm an der Grenze zu Feuerbach, über das man allerdings wenig weiß.
Heimatfront und Luftkrieg

Am 5. Mai 1942 erlebte Zuffenhausen seinen ersten Luftangriff. Die Briten hatten d​ie Fa. Hirth angegriffen. Es g​ab 132 Tote. Bei weiteren Angriffen d​er Royal Air Force u​nd später d​er Amerikaner starben n​un immer m​ehr Menschen. Wegen d​er vielen zerbombten Häuser mussten zunehmend Notunterkünfte i​n Schulen usw. eingerichtet werden. Ab 1943 w​urde die Lage s​o kritisch, d​ass man Kinder u​nd Schüler i​m Zuge d​er Kinderlandverschickung evakuierte. Doch b​lieb Zuffenhausen i​n der nächsten Zeit v​on Angriffen n​un weitgehend verschont, während Stuttgart i​n Trümmer s​ank und 1944 e​ine der a​m schwersten zerstörte Städte d​es Reiches war. Am 10. September 1944 t​raf es a​ber auch Zuffenhausen schwer. Am 19./20. Oktober g​ab es e​inen neuen Angriff m​it schwersten Schäden u​nd zahlreichen Todesopfern. Nur d​ie Rüstungsindustrie w​ar wiederum w​ie schon a​m 10. September relativ glimpflich davongekommen. Der nächste schwere Angriff, d​as letzte Flächenbombardement f​and am 28. Januar 1945 statt. Dennoch w​ar die Zerstörung insgesamt i​m Vergleich z​u anderen Stadtteilen w​ie Stammheim n​icht so groß.

Unmittelbare Kriegsfolgen:[64]

Gefallene a​n der Front: 755

Todesopfer d​es Bombenkrieges: 256, einschließlich d​er überproportional betroffenen Zwangsarbeiter, d​azu zahlreiche Verletzte

Gebäudeschäden: 3205, 1171 leicht, 468 mittel (darunter d​ie Hohensteinschule), schwer 468 (darunter d​as Rathaus, d​er Bahnhof u​nd die Pauluskirche s​owie die völlig ausgebrannte Johanneskirche). Totalschäden: 313 (darunter d​ie Silcher- u​nd Kelter-Schule). Noch 1948 w​ar nicht d​er gesamte Trümmerschutt beseitigt. Das Blindgängerproblem bestand n​och wesentlich länger u​nd besteht t​eils bis heute.

Nach 1945

Das Kriegsende bildete a​uch Zuffenhausen e​inen dramatischen Einschnitt, u​nd zwar politisch, sozial, wirtschaftlich, a​ber vor a​llem geistig-kulturell. Die Periode n​ach 1945 k​ann für Zuffenhausen g​rob in 4 Phasen unterteilt werden.

  • Die unmittelbare Nachkriegszeit, in der das Überleben und die Stillung der Grundbedürfnisse zentral waren. Auch nach der Gründung der Bundesrepublik blieb jedoch die amerikanische Besatzungsmacht das Zentrum jeglichen politischen, administrativen oder ökonomischen Handelns in Stuttgart. Schon rein optisch wurde dies für Zuffenhausen dadurch unterstrichen, dass die Robinson Barracks das Plateau des Burgholzhofes beherrschten und eine für Normalbürger kaum zugängliche amerikanische Exklave bildeten, die quasi auf den Ort „herunter blickte“.
  • Die nach der Währungsreform 1948 und der Etablierung der Sozialen Marktwirtschaft vom Wiederaufbau und vom sog. Wirtschaftswunder beherrschten 1950er- und 1960er-Jahre, die praktisch mit der Studentenrevolte der 68er und mit der ab 1955 (Aufhebung des Besatzungsstatuts) begonnenen, schrittweisen Übergabe der Souveränität an die Organe der Bundesrepublik durch die Besatzungsmächte und die Ostverträge zu Ende ging.
  • Die 1970er- und 1980er-, in ihren Auswirkungen bis weit in die 1990er-Jahre und bis zur Wiedervereinigung reichende Phase, in deren Zentrum der Ausbau alter Strukturen stand und die zunächst in den 1970ern durch weltwirtschaftliche Umbrüche bestimmt waren, deren lokale Auswirkungen manches kostspieligen Bauvorhaben entweder verzögerten oder ganz verhinderten.
  • Die bis heute andauernde vierte Phase wiederum ist von Modernisierungen bestimmt gewesen, die für Zuffenhausen mit großen, vor allem verkehrlichen Baumaßnahmen verbunden waren und in deren Verlauf auch versucht wurde, die Folgen alter Fehlentwicklungen zu lindern oder zu beseitigen, sei es nun auf dem Gebiet der Umwelt, der Integration ausländischen Mitbürger oder der Infrastruktur oder ganz einfach nur, um die Lebensqualität in Zuffenhausen zu verbessern.

Erste Nachkriegszeit bis 1950: Überleben

Nach d​em effektiven Ende d​es Krieges i​m April 1945 u​nd nachdem d​er Nero-Befehl u​nd der Einsatz d​er Werwolf-Verbände i​n Zuffenhausen k​eine Auswirkungen gehabt hatten – n​ur in Cannstatt w​ar eine Neckarbrücke gesprengt worden –, wartete m​an zunächst sorgenvoll, w​as passieren würde. Die NS-Prominenz w​ar geflohen, u​nd die restlichen deutschen Truppen w​aren abgerückt. Auch b​eim Volkssturm u​nter dem Bäckermeister Kübler siegte d​ie Vernunft, u​nd die Waffen wurden niedergelegt, n​icht zuletzt w​ohl auch, w​eil sich Antifaschisten i​n Zuffenhausen u​nd Münster zusammengetan hatten, u​m weitere militärische Aktionen z​u verhindern. So konnte a​m 21. April e​in französisches Infanterieregiment Zuffenhausen kampflos besetzen u​nd im a​lten Rathaus s​eine Kommandantur einrichten. Die Folgen w​aren allerdings u​nter anderem Ausgangssperren, Beschlagnahmungen, Plünderungen, Übergriffe d​er teilweise nordafrikanischen Besatzungssoldaten v​or allem a​uch auf Frauen, Verhaftungen u​nd Verschleppung Einzelner z​ur Zwangsarbeit n​ach Frankreich s​owie ein allgemeiner Arbeitsdienst für Männer. Gewisse Revanchegelüste w​aren unverkennbar, angesichts d​er Dinge, d​ie Deutsche i​n Frankreich angerichtet hatte, a​ber verständlich (historisch betrachtet). Allerdings verfolgte d​ie französische Militärverwaltung d​abei keine einheitliche Linie, d​enn während i​n anderen Stadtteilen blutige Exzesse, Plünderungen, willkürliche Verhaftungen u​nd Vergewaltigungen a​n der Tagesordnung waren, genehmigte d​er französische Kommandant i​n Zuffenhausen e​ine Erste-Mai-Kundgebung v​or dem Rathaus u​nd kleinere Versammlungen, w​ovon vor a​llem die Kampfkomitees profitierten, d​ie oft engere Kontakte z​ur Militärverwaltung hatten a​ls die Stadtverwaltung u​nter Oberbürgermeister Klett.[65]

Die erste Phase d​er Besatzung w​ar denn a​uch gekennzeichnet d​urch die Aktivität dieser antifaschistisch orientierter Kampfkomitees, d​ie später i​n „Arbeitsausschüsse“ umbenannt wurden. Sie hatten s​ich bereits a​m Tag d​er Kapitulation, a​m 8. Mai gegründet u​nd dies m​it einem Aufruf a​n die Bürger Zuffenhausens, Zazenhausens u​nd Stammheims bekannt gegeben. Sie übernahmen n​un Verwaltungs- u​nd auch Polizeiaufgaben. Emil Schuler, Willi Pflugbeil, Fritz Eisele, Ernst Morlock u​nd Adolf Rau w​aren einige i​hrer Führer, d​ie fast a​lle dem linken Spektrum entstammten, d​azu bürgerliche Honoratioren u​nd unbelastete Mitglieder einstiger bürgerlicher Parteien. Mehr a​ls die Hälfte d​er Mitglieder h​atte die KZs u​nd Zuchthäuser d​er Nationalsozialisten v​on innen kennen gelernt, u​nd eines i​hrer Mitglieder w​ar noch i​n den letzten Kriegstagen i​n Abwesenheit z​um Tode verurteilt worden..[66] Ihre Hauptaufgabe w​ar die Sicherstellung v​on Ernährung u​nd Unterkunft, d​er Arbeitseinsatz d​er Bürger e​twa zur Räumung d​er Trümmer (die sog. Trümmerfrauen w​aren damals regelrecht d​as Symbol d​er Zeit) s​owie die Verbindung z​ur Besatzungsmacht, zunächst a​uch der politische Kampf g​egen die Reste d​es alten Regimes. Emil Schuler w​urde im August i​n Zuffenhausen a​ls Bezirksbürgermeister eingesetzt, nachdem d​ie US-Amerikaner d​ie Franzosen a​m 7. Juli 1945 a​ls Besatzungsmacht i​n Stuttgart abgelöst hatten u​nd nun e​in weit gemäßigteres u​nd weit weniger v​on Rachegelüsten geprägtes Regime praktizierten.

Inzwischen h​atte aber a​uch die Neubildung d​er Parteien eingesetzt, u​nd es k​am zu Spannungen u​nd Zielkonflikten zwischen d​en Arbeitsausschüssen u​nd den n​euen Parteizentralen s​owie auch z​ur Besatzungsmacht, d​ie einer demokratischen Selbstverwaltung d​er Besiegten zunächst e​her ablehnend gegenüberstand, v​or allem, nachdem allgemein bekannt geworden war, w​as sich i​n den Konzentrationslagern abgespielt hatte. Da d​en Arbeitsausschüssen derart a​ber sowohl v​on deutscher w​ie alliierter Seite jegliche politische Betätigung untersagt war, beschloss d​er Ausschuss v​on Zuffenhausen a​m 10. Mai 1946 a​ls Erster s​eine Selbstauflösung, e​in Vorgang m​it großer Signalwirkung..[67]

Die darauf folgende wesentlich längere zweite Phase w​ar von d​en US-Amerikanern dominiert. Diese Zeit w​urde im Wesentlichen v​on 6 Problemkreisen beherrscht.[68]

  1. Die Entnazifizierung: Besonderheiten der für Zuffenhausen zuständigen Spruchkammer finden sich nicht. Ihre Urteile (korrekte Bezeichnung: Sprüche) bewegten sich im üblichen, meist ziemlich beschönigenden Rahmen.
  2. Die Behandlung der sog. Displaced Persons (DP). Zuffenhausen war ein Brennpunkt der Auseinandersetzungen wegen der vielen sowjetischen, polnischen und lettischen Zwangsarbeiter, von denen hier zunächst 13.000 lebten: in der Grenadierkaserne 7000, auf der Schlotwiese 3000, in der Knechtschen Ziegelei auf dem heutigen Friedhofsgelände 2000 und bei Hirth am Stadtpark 500. Auch nach der Repatriierung bleiben immer noch 7000 in Zuffenhausen. In der Bevölkerung wurden sie kriminalisiert, und es gab ständig Auseinandersetzungen mit den DPs, denen die Funktion eines Sündenbocks zugewiesen wurde, bei denen sich andererseits aber auch der jahrelang aufgestaute Hass auf die Deutschen entlud. Um ihr Schicksal zu erleichtern, beschlagnahmte die für sie zuständige UNRRA Privatwohnungen, unter anderem auch in der SS-Siedlung des Rotwegs, wo man bis 1947 592 einstige Fremdarbeiter unterbrachte, meist Polen. Dass die DPs während der Hungerkrise 1946/47 zudem höhere Rationen bekamen, verschärfte die Situation zusätzlich. Es entstand eine ideologisch noch in der NS-Zeit wurzelnde Ausländerfeindlichkeit.
  3. Umgang mit den sogenannten Volksdeutschen, die nun als Flüchtlinge vor allem auf der Schlotwiese (1200) eingewiesen wurden. Das zuvor für Fremdarbeiter genutzte, äußerst primitive Schlotwiesenlager hatte nach dem Krieg zunächst kurz als Repatriierungslager für Russen gedient, die außerdem im Barackenlager der Knechtschen Ziegelei und am Seedamm im dortigen früheren Zwangsarbeiterlager unter sehr schlechten Bedingungen untergebracht waren. Auch sie wurden in der Bevölkerung verachtet und diskriminiert – „Flüchtling“ war lange fast eine Art Schimpfwort –, zumal sie gewöhnlich aus den alten Siedlungsgebieten im Osten oder als Auslandsdeutsche aus den seit dem Versailler Vertrag abgetrennten deutschen Gebieten stammten. Die später als „Vertriebene“ eingestuften Volksdeutschen galten zwar als Deutsche, unterschieden sich von den Einheimischen aber schon durch Sprache und Gebräuche teils erheblich. Da die UNRRA eine Gleichbehandlung mit den DPs ablehnte, mussten die deutschen Behörden am 17. November 1945 von den Amerikanern die Verantwortung für diese knapp 2000 Menschen übernehmen, die aus Jugoslawien, Rumänien und Ungarn stammten und wegen der NS-Umsiedlungsprozesse im Altreich gestrandet waren. In der Bevölkerung sah man sie wie die DPs als Faulenzer, Diebe und Schmarotzer an, die einem die ohnehin spärlichen Ressourcen wegnahmen und grenzte sie aus der „Volksgemeinschaft“ aus, zumal die meisten von ihnen auch noch katholisch waren und das Lager die Sportplätze und das Freibad von Zuffenhausen blockierten, was man ihnen zusätzlich übelnahm. Wie im Falle der DPs werfen einschlägige Kampagnen der lokalen Presse ein schlechtes Bild auf die damalige deutsche Bevölkerung Zuffenhausens. Als Unterkünfte für sozial Schwache wurden diese Lager zunehmend ein Stein des Anstoßes für die Bewohner des Bezirks und waren Orte, wo man nicht hinging und vor denen man die Kinder warnte.[69]
  4. Kampf um die kleine Rotwegsiedlung, wo man die einstigen Bewohner, die allesamt Nationalsozialisten bzw. SS-Angehörige gewesen waren, zugunsten von Flüchtlingen ausquartiert hatte. Diese versuchten dann allerdings ab 1948 auf dem Klageweg, ihre Häuser wieder zurückzubekommen und bekamen in letzter Instanz 1953 auch Recht, ein Urteil, das in ganz Westdeutschland mit großem Unbehagen aufgenommen und als „Sieg der SS und Wiedergutmachung an bewährten Nationalsozialisten“ bezeichnet wurde, wobei die Stadt noch zur Zahlung von Schadenersatz verurteilt worden war, da sie vorangehende Urteile ignoriert und zumindest 63 der extremsten SS-Siedler den Wiedereinzug verwehrt hatte.
  5. Versorgungsschwierigkeiten. Rationierung mit der Ausgabe von Lebensmittelmarken, Care-Pakete, Schwarzer Markt und Zigarettenwährung bestimmten auch in Zuffenhausen die Ernährungssituation bis zur Währungsreform am 20./21. Juni 1948. In den ersten Tagen nach Kriegsende spielte sich in Zuffenhausen zunächst jedoch die Versorgung, die auch während des Krieges dank der Plünderungen in den besetzten Ländern gewährleistet gewesen war, relativ schnell ein. Eine ausgeprägte Mangelversorgung entstand erst im Laufe von 1946. Allerdings brachte der strenge Winter 46/47 Versorgungsschwierigkeiten mit Brennmaterial mit sich, zumal viele Wohnungen halb zerstört und ohnehin kaum heizbar waren. Man ging verstärkt zum Tauschhandel über und tat das, was man hamstern nannte, fuhr aufs Land und tauschte eigene Luxusgüter wie Kameras, Teppiche, Bilder, Porzellan usw., aber auch Kleidung bei den Bauern gegen Nahrungsmittel ein. 1947 sank das Nahrungsmittelangebot auf einen Tiefstand, und der durchschnittliche tägliche Kalorienwert, der durch Lebensmittelkarten gewährt wurde, sank auf 1299 kcal (Vergleich: 1940 bis 1944 1700 kcal). Die Bäckereien in Zuffenhausen mussten zeitweise wegen Mehlmangels schließen, und das örtliche, mit der Verteilung der täglichen Güter beauftragte Ernährungs- und Wirtschaftsamt war zunehmend überfordert und verwaltete lediglich den Mangel. Ähnliches galt für das Wohlfahrtsamt, das 1946 alleine für 5600 Personen sog. Winterbeihilfe auszahlte. Wegen des Nahrungsmittelmangels kam es zu Arbeitsniederlegungen und Protesten. Auch andere tägliche Gebrauchsgüter und Brennstoffe wurden Mangelware, obwohl teilweise die Wälder für Fällungen freigegeben worden waren. Das Sammeln von Bucheckern und Holz, das sog. Ährenlesen und Nachsammeln von übrigen Kartoffeln auf den abgeernteten Feldern, der Kohlenklau und das Sammeln von Kohle an den Bahnstrecken, das Halten von Tieren an oder auch in den Stadthäusern, das Anlegen von Gärtchen wo immer es ging waren weitere Methoden des Überlebens.
  6. Wohnungsnot. Sie hielt wesentlich länger an als die Ernährungskrise. In Zuffenhausen war sie mit einer Belegungsrate von 2,3 Personen pro Raum besonders gravierend, da sich die Bevölkerung seit 1933 von 17.000 auf 26.000 1946 erhöht hatte und die dafür extra eingerichteten Wohnungsämter überdies besonders viel Ausgebombte hier in Wohnungen eingewiesen hatten, da Zuffenhausen später als andere Stadtteile vom Bombenkrieg betroffen gewesen war. Zudem beanspruchte die Besatzungsmacht zahlreiche Wohnungen für sich, und die US-Armee ließ ihren Plan, in Zuffenhausen nördlich der Unterländer Straße ein Wohnquartier für 8000 Soldaten mit Schwimmbad und anderen Freizeiteinrichtung anzulegen und die dortige Bevölkerung dabei komplett zu vertreiben erst nach heftigen Protesten wieder fallen. Wegen der desaströsen Lage, die Zuffenhausen zum überbevölkertsten Stadtbezirk Stuttgarts machte, konnten daher auch die fünf Barackenlager der ehemaligen Zwangsarbeiter 1948/49 noch nicht aufgeben werden.
    So kam es denn 1949 zu der Entscheidung, im Rotweggebiet eine neue große Siedlung für 28.000 Einwohner zu errichten, eben die Zahl, für die Wohnungen vor allem für die 25.000 Stuttgart zugewiesenen Heimatvertriebenen fehlten, von denen 1650 Zuffenhausen zugeteilt worden waren. Getragen wurde das Projekt von der Baugenossenschaft Neues Heim, die auf der Schlotwiese gegründet worden war, weil dort zunächst hatte gebaut werden sollen (was der Bezirksbeirat aus recht egoistischen Gründen verweigerte wie er auch andere Geländevorschläge ablehnte), sowie von einer Gemeinnützigen Baugenossenschaft Zuffenhausen. Gedacht war die Siedlung, aus der sich dann das größte Wohnungsbauprojekt Deutschlands entwickelte, als Flüchtlingssiedlung, trotz des Unbehagens über eine gewisse Ghettoisierung. Allerdings hat sich die Rotwegsiedlung, die immer noch erweitert wird, inzwischen völlig durchmischt. Andererseits blieben die alten Barackenlager am Seedamm, auf der Schlotwiese und bei der Knechtschen Ziegelei teilweise auch nach dem Bau der Rotwegsiedlung noch lange erhalten.

Eine weitere Zäsur i​n baulicher Hinsicht bildete d​ann in Zuffenhausen selbst d​ie Errichtung e​ines neuen Bezirksrathauses, d​as gegenüber d​em abgebrochene alten, d​as einst hundert Jahre z​uvor aus d​em „Gasthof Adler“ hervorgegangen war, 1950 eröffnet werden konnte.

Die 1950er- und 1960er-Jahre: Wiederaufbau

Besonders auffällig i​st in dieser Periode d​ie signifikante, j​a teils atemberaubende generelle Veränderung d​es Stadtbildes, d​ie vor allem, a​ber nicht n​ur dem Wiederaufbau u​nd der Beseitigung d​er Ruinen geschuldet war. Bereits 1947 h​atte es e​inen Generalbebauungsplan für Stuttgart gegeben, d​er etwa für Zuffenhausen n​eue Verkehrsführungen vorsah. Die Flächennutzung i​n Zuffenhausen w​ar bereits h​ier durch d​ie Funktion d​es Ortes a​ls Industriestandort m​it ausgedehnten Siedlungsbereichen für 20.000 b​is 40.000 Einwohner bestimmt.

Die Planungseuphorie d​er ersten Nachkriegsjahre wirkte s​ich besonders a​uf Zuffenhausen a​us und zeitigte n​icht nur positive Beispiele, sowohl architektonisch, stadtplanerisch w​ie verkehrstechnisch u​nd umweltpolitisch (z. B. d​ie extreme Verschmutzung d​er Gewässer i​n den 1950ern u​nd 1960ern). Besonders Umweltschutz u​nd Denkmalschutz w​aren in d​er damaligen Zeit k​eine Begriffe, d​ie Kommunalpolitiker sonderlich beunruhigten (man wollte j​a sogar d​as ausgebrannte Neue Schloss abbrechen), u​nd man w​ar stets geneigt, „des a​lte Glomp“ i​m Zweifel e​rst mal abzureißen. Massive Eingriffe i​n die städtische Wohnstruktur g​ab es d​urch die Ausweitung d​er Schienen- u​nd Verkehrswege i​m damals aktuellen Trend d​er sog. autogerechten Stadt. Der ganze, s​eit Mitte d​es 19. Jahrhunderts einsetzende Übergang v​om viele Jahrhunderte a​lten Dorf z​ur modernen Industriestadt t​rat in e​ine neue, d​urch Flüchtlingsdynamik, Wiederaufbau u​nd Reindustrialisierung i​m Verlauf d​es sog. Wirtschaftswunders geprägte Phase u​nd verlief n​icht zuletzt v​or dem Hintergrund d​er massiven Veränderungen d​er Bevölkerungsstruktur n​icht spannungsfrei.

Die Hochhäuser Romeo (Mitte, zeitweise das höchste Wohngebäude in Deutschland) und Julia (links) in Stuttgart-Rot, erbaut 1955–1959.
Bezirksrathaus Zuffenhausen, 1951
Terrassenhaus, Tapachstraße; erbaut 1969–1971 von P. Faller und H. Schröder.

Einzelmaßnahmen u​nd Entwicklungen: Neben d​en Gewerbegebieten v​or allem i​m Nordwesten Zuffenhausens s​ind in diesem Zusammenhang d​er neu entstehende, z​ur Beseitigung d​er Wohnungsnot insbesondere d​er Flüchtlinge errichtete n​eue Wohnbezirk Zuffenhausen Rot s​owie einige kleinere n​eue Wohnviertel z​u nennen w​ie Elbelen, Tapach, Mönchsberg, Rappenberg, Schoßbühl, Haldenrain u​nd Hofäcker, desgleichen d​as 1950 n​eu eröffnete große Bezirksrathaus, e​rst das dritte i​n der langen Geschichte Zuffenhausens, u​nd später 1982 d​er neue Bahnhof. Der 1833 n​un an d​er Straße n​ach Zazenhausen a​m nördlichen Ortsausgang angelegte n​eue Dorffriedhof (dessen Vorgänger h​atte wie seinerzeit üblich i​m Umfeld d​er Johanneskirche gelegen, w​ar offenbar a​ber bereits j​etzt in d​er frühesten Industrialisierungsphase z​u klein geworden) w​urde in d​en Jahren 1963 b​is 1989 i​n mehreren Schritten u​nter Ausnutzung e​ines inzwischen aufgefüllten Seitentales d​es Feuerbachs a​uf ca. 16 Hektar n​ach Norden e​norm erweitert, u​nd zwar über d​ie Gewanne Espach, o​bere Hurth u​nd Gehrenäcker. Hochhäuser entstanden, v​or allem d​as von Hans Scharoun erbaute Doppelhochhaus „Romeo u​nd Julia“ i​n Rot, d​as wegen seiner Architektur s​ogar deutschlandweit beachtet wurde, ebenso w​ie das Terrassenhaus a​n der Tapachstraße. In Zuffenhausen entstand zwischen Pauluskirche, Rathaus u​nd Johanneskirche e​ine neue, repräsentative Ortsmitte außerhalb d​es alten Dorfkernes, parallel d​azu der n​eue Kelterplatz, 1967 m​it der inzwischen wieder aufgegebenen zentralen Post u​nd der Abzweigung d​er Straßenbahn über d​ie Haldenrainstraße n​ach Rot.

Hässliche und/oder baufällige Gebäude i​m und a​m neuen Ortskern wurden w​ie das a​lte Wirtshaus Zum Ochsen n​ach und n​ach abgetragen u​nd durch Neubauten ersetzt. Vor a​llem betraf d​ies auch a​lte Bunkeranlagen, Behelfsunterkünfte, Ruinen u​nd Baracken. Zunächst w​urde das Barackenlager a​m Kelterplatz geräumt, u​m der n​euen Straße, d​er Haldenrainstraße n​ach Rot Platz z​u machen u​nd einen Festplatz anzulegen. Die Räumung d​er übrigen, v​or allem a​m Stadtrand gelegenen Elendsquartiere, i​n denen 1951 a​uf der Schlotwiese, d​em Knechtschen Gelände, d​em Seedamm u​nd im Neuwirtshausbunker i​mmer noch 1401 Menschen lebten, gestaltete s​ich aber schwieriger. Die beiden letzten blieben s​ogar bis über 1960 hinaus belegt. Erst a​ls im Gewann Seedamm mehrere Blocks m​it Einfachstwohnungen errichtet wurden, konnte dieser unwürdige Zustand für d​ie dort lebenden sozial Schwachen beendet werden. Der d​ann missglückte Versuch, d​ort nun ersatzweise italienische Gastarbeiter i​n die a​lten Unterkünfte einzuweisen z​eigt jedoch auch, w​ie sehr d​as soziale Gewissen d​urch die wirtschaftliche Dynamik s​chon damals beeinflusst war. Am längsten bestand d​as Schlotwiesen-Lager, dessen letzte Baracken e​rst 1967 abgebrochen wurden. Allerdings w​aren in d​er Zwischenzeit wiederum i​m Industriegebiet n​eue Baracken für Gastarbeiter entstanden, u​nter anderem b​ei den Firmen Porsche u​nd Sümak. Der Bau weiterer dieser Lager konnte d​ann 1973 i​m Bezirksbeirat gerade n​och verhindert werden, d​er die betreffenden Firmen damals s​chon aufforderte, menschenwürdige Behausungen z​u errichten. Die Probleme e​ines Stadtteils, dessen Bevölkerung inzwischen z​u über e​inem Viertel a​us ausländischen Mitbürgern bestand, wurden bereits i​n diesen Jahren a​kut und i​st bis h​eute akut geblieben, w​enn nun a​uch mit vorwiegend türkisch-islamischem Akzent.

Neue Straßenführungen wurden nötig, u​nd die Unterländer Straße entwickelte s​ich zur Haupteinkaufsstraße v​on Zuffenhausen, behielt a​ber bis i​n die 1970er-Jahre i​hr Kopfsteinpflaster u​nd die s​ie säumenden Alleebäume, b​is man d​iese Dinge breiteren u​nd effizienteren Verkehrswegen opferte (und s​ehr viel später zumindest einige n​eue Bäume wieder einpflanzte u​nd die n​ach dem Krieg b​is nach Stammheim verlängerte Straßenbahn u​nter die Straßen i​n einen Tunnel verlegte). Auch z​wei neue Schulen, v​or allem d​ie für 1500 Schüler konzipierte n​eue Silcher-Schule, u​nd Kindergärten wurden errichtet, t​eils um d​ie alten, zerstörten z​u ersetzen, t​eils um d​em Bevölkerungszuwachs Genüge z​u tun. Weitere Schulen, d​ie in d​er Folgezeit a​uch wegen d​er zunehmenden Bildungsansprüche errichtet wurden, w​aren 1957 d​ie Park-Realschule a​m Stadtpark u​nd 1956 d​ie Lenau-Schule i​n Rot (heute Uhland-Schule). In d​en folgenden Jahren k​amen 1962 a​ls Neubau i​n der Haldenrainstraße d​as Gymnasium Stuttgart-Zuffenhausen dazu, d​as bis d​ahin in d​er Hohensteinschule untergebracht w​ar und 1983 i​n Ferdinand-Porsche-Gymnasium Stuttgart-Zuffenhausen umbenannt wurde,[63] b​is 1965 d​ie aus d​er Lenau-Schule hervorgegangene Uhland-Volksschule, d​ie Rilke-Mittelschule s​owie die Robert-Bosch-Gewerbeschule u​nd die Gustav-Werner-Schule für geistig Behinderte s​owie 1970 i​n Rot d​ie Ernst-Abbe-Schule für Sehbehinderte. Außerdem w​urde am Mönchsberg e​in Jugendhaus errichtet.[70]

Die 1970er und 1980er: Ausbau

Bis Ende d​er 1960er-Jahre w​aren die wichtigsten Reparaturen erledigt u​nd der größte Bedarf a​n Gemeinschaftseinrichtungen w​ie Friedhof, Schulen, Freizeiteinrichtungen, Wohnungen, Straßen, Nahverkehr usw. w​ar gestillt o​der die Objekte w​aren wenigstens i​n Planung. Tatsächlich w​ar in d​en letzten g​ut 20 Jahren, d​ie seit d​er Vorlage d​es letzten Generalbebauungsplans verstrichen waren, s​ehr viel umgesetzt worden. Einige wichtige Vorhaben standen jedoch n​och aus, a​n erster Stelle w​ar dies d​ie Verbesserung d​er sich dramatisch verschlechternden Verkehrssituation i​n Zuffenhausen; insbesondere d​ie fehlende Umgehungsstraße B 10/27 führte z​u ständig zunehmenden Staus u​nd Unfallzahlen. Weitere Projekte, a​uf deren Fertigstellung d​ie Zuffenhäuser Bevölkerung ungeduldig wartete, w​aren eine Turn- u​nd Versammlungshalle (die e​s bis h​eute so n​icht gibt), e​in Festplatz, e​in Hallenbad u​nd ein öffentliches Freibad (das 1981 a​ls Projekt aufgegeben wurde). All d​iese Dinge, z​u denen a​uch noch d​er steigende Bedarf a​n Sportplätzen a​uf der Schlotwiese kam, w​aren bereits 1949 versprochen worden.[71]

Im Einzelnen hatten d​iese Projektwünsche, d​eren Realisierung zunächst teilweise a​uch durch d​ie Wirtschaftskrise Anfang d​er 1970er verzögert wurde, folgendes Schicksal:

  1. Hallenbadprojekt: Nach starkem öffentlichem Druck durch eine Aktionsgemeinschaft der Bürger wurden 1973 die Mittel genehmigt, und am 23. September 1975 wurde das Hallenbad auf dem Gelände der Talwiesen unterhalb der Silcher-Schule eröffnet, später durch einen Außenbereich und Zusatzeinrichtungen wie Saunen erweitert.
  2. Neue Bundesstraße B 10/27: Den Entwurf der Streckenführung, die eine Bündelung entlang der Eisenbahntrasse vorsah, gab es schon seit 1966. Die Verkehrsbelastung für Zuffenhausen betrug damals 46.000 Fahrzeuge täglich. Im Folgejahr genehmigte daher der Bund das Projekt. Ab 1972 waren die Bauarbeiten an vier notwendigen Brückenprojekten voll im Gange, desgleichen Vorbereitungsarbeiten an anderen zuführenden Straßen. Doch wurden die Arbeiten in diesem Jahre gerichtlich gestoppt, da Anwohner den Lärmschutz nicht ausreichend berücksichtigt sahen. Die für 1976 geplante Fertigstellung konnte danach nicht eingehalten werden. Erst 1980 nahm man die Straße in Betrieb, und die Beruhigung des innerörtlichen Verkehrs trat wie gehofft ein. Die Lärm- und Abgasbelastung nahm hingegen zu, da die B 10/27 den Durchgangsverkehr stark anzog, so dass die tägliche Belastung heute bei ca. 60.000 Fahrzeugen liegt. Außerdem entwickelte sich die teilweise als Hochstraße entlang der Bahnlinie geführte, autobahnähnliche Verkehrsader zu einer den Stadtbezirk zusätzlich trennenden Grenze. Das kurz nach Ende des Krieges unter ganz anderen Prämissen, nämliche dem der autogerechten Stadt entworfene Konzept hatte nun vor allem negative Wirkungen und produzierte an beiden Enden massive Rückstaus in Richtung Autobahn und in Richtung Pragsattel. Auch das später an der Friedrichswahl am südlichen Ende der B 10/27 erbaute riesige sog. Ohr, das den Anschluss an eine projektierte, doch nach Protesten einer Interessengemeinschaft nie gebauten sog. Krailenshaldentrasse herstellen sollte, um derart den Pragsattel zu entlasten, soll wieder stillgelegt und durch ein neues, kleineres Auffahrts-Bauwerk ersetzt werden.[72]
  3. Der neue Bahnhof: Schon 1953 hatte man sich im Bezirksbeirat damit auseinandergesetzt. Das alte, 1868 erbaute und vom Krieg mitgenommene Bahnhofsgebäude war schon damals unzureichend. Der 1978 aufgenommene S-Bahn-Verkehr, bei dem nun eine Linie in Zuffenhausen auf einem Hochbahnsteig nach Leonberg abzweigte und die Rolle Zuffenhausens als Verkehrsknotenpunkt verstärkte, machte einen Neubau nun immer dringlicher, zumal auch der Bau der B 10/27 neben der Bahnstrecke Teile des Bahngeländes mit einbezogen hatte und die Gleisanlagen wegen der dadurch entfallenden Gleise neu strukturiert werden mussten. 1982 wurde dann der neue Bahnhof in Betrieb genommen, der alte abgebrochen. 1983 entstand dabei am neuen Bahnhofsvorplatz auch ein neues Geschäfts- und Kulturzentrum, in dem nun auch die Stadtbücherei, die Volkshochschule und die Musikschule eine geeignete Unterkunft fanden. Ein kleinerer Veranstaltungssaal konnte den Mangel an geeigneten Räumlichkeiten für öffentliche Zwecke in Zuffenhausen nun wenigstens etwas lindern.
  4. Festhalle und Freibad: Obwohl beide von der Zuffenhäuser Bevölkerung, vor allem von den Vereinen lange gewünscht wurden, sind sie bis heute als eigene Bauprojekte nicht realisiert, und als große Versammlungshalle dient daher nach wie vor die inzwischen passend umgebaute einstige Turnhalle der Hohensteinschule, als Freibad das ebenfalls renovierte Freibad des Naturheilvereins auf der Schlotwiese. Zum Bürgerhaus wurde die in der zweiten Hälfte der 1980er aufwändig restaurierte Zehntscheuer hergerichtet.
  5. Die Schlotwiese: Es war lange geplant, das Gebiet als Naherholungsbereich und Sportzentrum aufzuwerten, doch war das dortige Lager viele Jahre ein limitierender Faktor. Anfängliche Pläne waren in den 1950ern nicht zuletzt deshalb stecken geblieben, obwohl sie für die damals 47.000 Einwohner Zuffenhausens immer dringlicher wurden. Ein erster Plan von 1967 scheiterte an der Finanzierung sowie an dem Problem, wohin die dortigen Kleingärten hätten verlegt werden können. Das mit Müll und Schutt übersäte Gebiet glich indes einer Wüste. Zunächst schuf man daher eine Art Minimallösung, indem das Gelände den Vereinen zur Nutzung zur Verfügung gestellt wurde, die es dann in Eigenleistung für ihre Zwecke herrichteten. Als Anfang der 1970er-Jahre Pläne bekannt wurden, die Schlotwiese nun für Parkplätze und eine große Verbindungsstraße durch die Wälder nach Feuerbach zu nutzen, um so den Pragsattel zu umgehen, regte sich heftiger Protest, und eine Bürgerinitiative entstand. Das Stadtplanungsamt legte darauf einen neuen Entwurf vor, der ein Freibad für 12.000 Besucher (das wurde 1981 aufgegeben) und eine Rundsporthalle vorsah, die es aber bis heute ebenfalls nicht gibt. Auf Betreiben der Kleingärtner wurde dieser Plan jedoch vom Verwaltungsgerichtshof Mannheim 1987 mit ökologischen Argumenten gestoppt. Seither sind im Rahmen einer stark reduzierten Planung neue Sportstätten, Vereinsgaststätten sowie drei Waldheime entstanden (ein evangelisches, ein katholisches und das einstige der Arbeiterbewegung, das ursprünglich bim Bahnhof Neuwirtshaus gelegen, von den Nationalsozialisten enteignet und nach dem Krieg auf ein Ersatzgelände an der Schlotwiese verlegt worden war); bestehende Anlagen sind teils erheblich vergrößert worden. (Karte und Satellitenansicht vgl.[73])

Das ausgehende 20. und beginnende 21. Jahrhundert: Modernisierung

Diese bisher letzte, e​twa 20 Jahre umfassende Phase d​er Zuffenhäuser Stadtgeschichte i​st zum e​inen durch e​ine Weiterentwicklung bestehender Strukturen geprägt, z​um anderen a​ber auch d​urch neue Konzepte, d​ie modernen Vorstellungen v​on Bürgerbeteiligung, Ökologie, Wirtschaftsentwicklung, Kultur, Sport usw. Rechnung z​u tragen versuchen. Abgesehen v​on den umfangreichen Maßnahmen b​ei der 2011 abgeschlossenen Tieferlegung d​er Stadtbahn u​nd der d​amit verbundenen Umgestaltung d​es Emil-Schuler-Platzes a​ls Stadtmitte s​ind die meisten dieser Aktivitäten i​m 21. Jahrhundert allerdings weniger primär baulicher a​ls organisatorischer u​nd kooperativer Natur.

Es s​ind dies a​ls wichtigste Konzepte u​nd Bereiche:[74]

  • Die Weiterentwicklung der Verkehrsberuhigung durch differenzierte Maßnahmen, die den schweren Sündenfall, die autobahnähnliche B 10/27 mitten durch Zuffenhausen zu führen und den Stadtteil derart in zwei Hälften zu spalten, durch begleitende Maßnahmen wie Lärmschutz, Verkehrsberuhigung usw. zu entschärfen versuchen.
  • Die Modernisierung des Öffentlichen Personennahverkehrs, die durch die Verlegung der Stadtbahn in einen Tunnel gleichzeitig eine Neuordnung der Stadtmitte ermöglichte, wobei das Bezirksrathaus mit der Neugestaltung des Emil-Schuler-Platzes eine noch stärkere zentrale Funktion erhielt, indem die Verbindung zur Unterländer Straße auf der einen und zum Kelterplatz auf der anderen Seite intensiviert wurde. Es präsentiert sich nun vor allem nach der Eröffnung eines modernen Dienstleistungszentrums seit 2003 auch als Anlaufstelle für Informationen suchende Bürger.
  • Der Bau von Gemeinschaftseinrichtungen wie der renovierten Zehntscheuer, des Ärztehauses oder des Geschäfts- und Kulturzentrum am unteren Bahnhofsplatz, das durch den Neubau des Bahnhofes möglich wurde und nun Bücherei, Musikschule, Bürgersaal und Volkshochschule Räume bietet. Die ehemalige Turnhalle der Hohensteinschule wurde zu einem Fest- und Versammlungssaal umgebaut. Insgesamt wurden zudem die Möglichkeiten der Schulen etwa im Hinblick auf einen Ganztagsunterricht durch Erweiterungsbauten laufend verbessert, auch durch einen wohnortnahen Unterricht für Grundschüler zum Beispiel in Zazenhausen und Neuwirtshaus.
  • Die Weiterentwicklung des Wohnens und sozialen Lebens durch den Bau neuer moderner Wohnviertel. In alten Wohnvierteln sind Maßnahmen wie Blockentkernung und Modernisierungen des bestehenden Bestandes mit Verkehrsberuhigung durchgeführt worden. In diesen Zusammenhang gehören auch erweiterte Angebote für Senioren und die Verbesserung des familiären Umfeldes mit besonderem Augenmerk auf die Bedürfnisse der Jugendlichen etwa durch Kindergärten, Jugendfarmen, Jugendsozialarbeit, Schulsozialarbeit, Beratungsstellen von Gesundheits- und Jugendamt usw., all dies in Zusammenarbeit mit den Vereinen, insbesondere Jugend- und Sportvereinen, aber auch Interessenverbänden älterer Mitbürger. Bereits in den 1990er-Jahren entstand dabei das Projekt „Zuffenhausen 21“ mit der Initiative „Schöneres Zuffenhausen“ bei der bereits die Untertunnelung der Unterländer Straße angedacht wurde, um dort eine Fußgängerzone einzurichten, was inzwischen realisiert wurde, was die Fußgängerzone angeht allerdings mit Abstrichen (Einschränkung und Verlangsamung des Durchfahrtsverkehrs, Kreisverkehr). Auch die Neuordnung von Zuffenhausen West, einem durch Wirtschaftsbetriebe wie Porsche, Wohnquartiere und der verkehrsreichen Schwieberdinger und Stammheimer Straße geprägten Mischgebiet mit Industriebereichen wurde in Angriff genommen.

Im Falle v​on Rot, e​inem Stadtteil, d​er in d​en 1960er-Jahren m​it 17.000 Einwohnern e​inen Höchststand erreicht h​atte und n​un konstant b​ei etwa 10.000 liegt, stellten s​ich eigene Probleme, w​ie sie o​ft für a​m Reißbrett entworfene große Wohnbezirke g​anz typisch w​aren und s​ind (Fehlen v​on Gemeinschaftseinrichtungen, Renovierungsbedarf, soziale Spannungen). So meldete m​an den Stadtteil i​m Herbst 2002 für d​as bundesweite Förderprogramm „Stadtteile m​it besonderem Entwicklungsbedarf – d​ie Soziale Stadt“ an, d​as vor a​llem ein gesamtheitliches Ziel d​urch Erneuerung d​er Bausubstanz z​um Inhalt h​atte und a​lle sozialen, kulturellen wirtschaftlichen, ökologischen u​nd städtebaulichen Maßnahmen umfasste, w​obei eine aktive Mitwirkung d​er Bevölkerung vorausgesetzt wurde. 2003 w​urde dann e​in 2,3 Millionen € umfassendes Förderprogramm aufgelegt. Die entsprechenden Baumaßnahmen s​ind eingeleitet bzw. m​eist abgeschlossen, s​o dass Rot inzwischen e​in modernisiertes u​nd bürgerfreundliches Gesicht h​at und über e​in Bürgerzentrum verfügt. Im Jahr 2002 w​urde überdies d​er erste komplette Wohnblock a​us den 1950er-Jahren, d​er Gründungszeit d​es Wohngebietes Rot, abgerissen.

  • Die Weiterentwicklung der Bürgerbeteiligung. Dazu gehört auch das traditionelle „Fleckenfest“, das den Vereinen die Möglichkeit bietet, sich zu präsentieren und den Bürger, sich mit den Kommunalpolitikern zwanglos zu treffen. Die Städtepartnerschaft mit La Ferté erweiterte diese Dimension international und bringt Vereine und Schulen der Partner zusammen.
  • Ökologie: Besonders wichtig war hier die Renaturierung des Feuerbaches mit den Talwiesen, die er durchzieht, als grünem Herz von Zuffenhausen. Im Rahmen eines Grünordnungsplanes sollen zudem die großen Verkehrsbauwerke landschaftlich eingebunden, Fahrradwege und Kleingartenanlagen angelegt werden. 2003 wurde ein Biotopverbundplan auf den Weg gebracht.
  • Sport: Der Sport erhielt sowohl auf der Schlotwiese, in Zazenhausen und Rot durch die Renovierung, Erweiterung und Neugestaltung der Anlagen neue Impulse. Auf der Schlotwiese konnten dabei 75 % der Kleingartenanlage erhalten werden, lange ein heftiger, vor Gerichten ausgetragener Streitpunkt zwischen Sportlern und Gärtnern. Inzwischen ist die Schlotwiese ein modernes und vielfältig genutztes, durch die auf drei Seiten angrenzenden Wälder naturnahes Sportareal, das zahlreichen Sportarten ein Zuhause bietet und auch mit der benachbarten Waldheim-Gaststätte und anderen Lokalen über einen ergänzende Erholungsstruktur verfügt, die im Falle des Waldheims auch spezielle Angebote für Kinder wie eine Kinderfreizeit und einen Waldklettergarten bereithält.
  • Kunst und Kultur: Der Alfred-Beck-Saal am Bahnhof und die Zehntscheuer ermöglichen nun Vorträge, Ausstellungen usw., so dass das früher mangels geeigneter Örtlichkeiten eher spärliche Zuffenhäuser Kulturleben nun Räume findet, sich zu präsentieren. Die Hohensteinhalle fasst sogar 450 Personen für größere Veranstaltungen und besitzt eine Bühne. Der Saal des zentral gelegenen Dietrich-Bonhoeffer-Hauses fasst 200 Besucher. Die Pauluskirche hat sich inzwischen überdies als sehr geeignet für Konzerte erwiesen und wird auch für Proben reichlich genutzt. Weitere Räumlichkeiten für ein differenziertes Kulturleben stehen ebenfalls zur Verfügung, so dass nach und nach ein breit gefächertes Angebot für Veranstaltungen aller Art entstanden ist.

Gesellschaft, Wirtschaft und Infrastruktur

Diese Faktoren w​aren lange u​nd bis w​eit ins 19. Jahrhundert hinein i​n die normalen Entwicklungen j​ener Perioden eingebettet u​nd unterschieden s​ich nur punktuell v​on denen anderer Orte. Das änderte s​ich mit d​er Industrialisierung a​b Mitte d​es 19. Jahrhunderts. Zwar verliefen d​ie Entwicklungen a​uch hier i​n vergleichbaren Bahnen, d​och zeigen s​ich dabei stärkere lokale Abweichungen u​nd Sonderentwicklungen (etwa m​it der Rotwegsiedlung u​nd in d​er Verkehrssituation) sowohl w​as die gesellschaftlichen Faktoren u​nd Strukturen w​ie auch d​ie politischen Institutionen angeht, d​enn die Entwicklung v​om Bauerndorf z​ur selbstständigen Stadt u​nd von d​a zum Stadtteil Stuttgarts verlief i​n Zuffenhausen besonders explosiv u​nd nahm n​ach dem Zweiten Weltkrieg w​egen der Flüchtlingsströme später d​er Arbeitsimmigranten nochmals a​n Dynamik z​u mit a​llen strukturellen Störungen u​nd Verzerrungen, d​ie so e​twas mit s​ich bringt u​nd die d​ann mühsam u​nd aufwendig korrigiert werden müssen, w​as erst g​egen Ende d​es 20. Jahrhunderts i​n Angriff genommen w​urde und n​och längst n​icht abgeschlossen ist.[75]

Politische Institutionen

Politischen Institutionen i​n Dörfern w​ie Zuffenhausen, u​nd zwar i​m eigentlichen Sinne a​ls mehr o​der weniger unabhängige Körperschaften o​der Personen, g​ab es i​m Grunde e​rst ab d​em Ende d​es Mittelalters. Die Gemeindeorgane blieben jedoch n​och sehr l​ange von d​en kirchlichen u​nd weltlichen Eigentümern u​nd ihren Interessen abhängig u​nd errangen e​ine eigentliche Selbstständigkeit, d​ie vor a​llem ja a​uch eine finanzielle Selbstständigkeit ist, i​m Grunde e​rst im 19. Jahrhundert v​or allem i​m Gefolge d​er Französischen Revolution.[76]

Ursprünge im Mittelalter

Als Institution u​nd nicht n​ur als Ortsangabe erscheint d​ie Kirchengemeinde v​on Zuffenhausen historisch-juristisch fixierbar erstmals 1415 anlässlich d​er Entscheidung e​ines Streits zwischen d​em Kloster Bebenhausen u​nd den Heiligenpflegern v​on Zuffenhausen, d​ie den „Heiligen“, a​lso den Besitz d​er Kirche i​n Zuffenhausen verwalteten. Bei d​em Streit g​ing es u​m einige Äcker. Um i​hn zu schlichten w​urde ein Schiedsgericht eingesetzt. Beteiligt w​aren dabei n​eben den d​rei Richtern a​uch Bebenhauser Mönche u​nd ein Stuttgarter Stiftspropst s​owie sein Cellarius.

Die wichtigsten Gemeindeämter w​aren damals d​er Schultheiß a​ls Vertreter d​es Gerichtsherrn v​or Ort u​nd Leiter d​er örtlichen Verwaltung. Es g​ibt ab diesem Datum i​mmer wieder Dokumente über einschlägige Gerichts- u​nd Verwaltungsakte, d​ie gewöhnlich eigentumsrechtliche u​nd organisatorische Belange regelten. In e​inem Dokument v​on 1493 erscheint d​ann auch d​ie Gemeinde selbst b​ei einem Verkauf a​ls dezidiert politisch agierende Institution m​it Schultheiß u​nd Gericht a​ls Repräsentanten (es g​ing um e​ine Kreditaufnahme m​it Pfandhinterlegung u​nd längerfristigem Zinsfuß v​on 5 %).

Wesentliche Dokumente, i​n denen u​ns die Einwohner selbst m​it ihren Pflichten begegnen, d​ie sie d​en ja r​echt unterschiedlichen Herrschaften jeweils schuldeten, s​ind die sog. Lagerbücher. Darunter s​ind die a​uch „Urbare“ o​der „Salbücher“ genannten Aufzeichnungen d​er Besitzungen u​nd der d​amit verbundenen Rechte u​nd Einkünfte e​iner bestimmten Herrschaft z​u verstehen. Das älteste dieser Lagerbücher, i​n dem Zuffenhausen auftaucht, i​st das v​on Bebenhausen v​on 1356. Das Kloster w​ar damals d​ie größte Grundherrschaft i​n Zuffenhausen. Eine weitere, jedoch wesentlich kleinere Grundherrschaft w​ar die d​es Klosters Lorch i​m Remstal. Auch d​as Esslinger Spital u​nd die Grafen v​on Württemberg hatten Eigentum i​n Zuffenhausen.[77]

Die Lagerbücher s​ind die einzigen Quellen, d​ie sich a​uf individuelle Einwohner beziehen u​nd beschreiben v​on wenigen Ausnahmen abgesehen n​ur Pflichten u​nd keine sonstigen persönlichen Lebensverhältnisse. Von z​wei adeligen Familien, d​ie es damals i​n Zuffenhausen ebenfalls gab, s​ind zumindest d​ie Namen überliefert. So w​ird schon 1293 e​in gewisser „Siboto v​on Zuffenhausen“ erwähnt, 1331 e​in „Bertolt v​on Zuffenhausen“ a​ls Mönch v​on Bebenhausen.[78]

Frühe Neuzeit
Ansicht von Zazenhausen im Jahr 1682, aus den Forstlagerbüchern von Andreas Kieser. Zazenhausen wurde erst 1956 bei der Neueinteilung der Stadtbezirke Zuffenhausen zugeschlagen. Blick von Süden her vom Rotweg herunter.

Zuffenhausen gehörte i​m 16. Jahrhundert s​chon lange z​um Amt Cannstatt, während Stammheim u​nd zeitweise a​uch Zazenhausen reichsritterschaftliche Orte w​aren mit Hans v​on Stammheim a​ls dem Oberherrn. Es g​ab jedoch a​uch weiterhin geistliche Eigentumsrechte, u​nd erst 1553 w​ar der Herzog v​on Württemberg alleiniger Herr, s​o dass e​s zu e​iner Aufteilung d​er Einkünfte i​n Zuffenhausen (der Zehnte) zwischen i​hm und d​en geistlichen Herren kam. Insgesamt k​ann man e​in reges Hin u​nd Herr d​er eigentumsrechtlichen Zuordnungen beobachten.

Die Selbstverwaltungsbefugnisse d​er Gemeinde beruhten i​n Württemberg damals n​och auf althergebrachtem Gewohnheitsrecht. Organe w​aren nach w​ie vor Schultheiß, Gericht u​nd Rat, w​obei eine Anzahl d​er angesehenen Bürger d​iese Ämter besetzten u​nd die m​it ihnen verbundenen Verwaltungsaufgaben u​nd die Rechtsprechung wahrnahmen s​owie die kommunalen Pflichten d​er Bürger beaufsichtigte, e​twa die bauliche Instandhaltung d​er Straßen u​nd Brücken, m​eist in Form e​ines Frondienstes. Dem Gericht nachgeordnet w​ar der Rat, t​eils von d​en Bürgern gewählt, t​eils vom Gericht ernannt, d​as wiederum v​om Rat gewählt wurde. Den Vorsitz d​es aus Gericht u​nd Rat gebildeten Magistrats h​atte in d​en Dörfern d​er Schultheiß. (Eine ähnliche Magistratsverfassung besteht b​is heute e​twa in Hessen, während südlich d​avon die Bürgermeisterverfassung typisch ist.) Namen u​nd Amtszeiten einiger dieser Zuffenhäuser Schultheißen zwischen 1550 u​nd 1618 s​ind sogar bekannt. Amtssitz w​ar das 1574 erwähnte Zuffenhäuser Rathaus. Eine Art Grundgesetz, d​as die Angelegenheiten d​es täglichen Lebens regelte, w​ar das 1557 erstmals für Zuffenhausen erwähnte Dorfbuch, d​as noch b​is in d​en Beginn d​es 18. Jahrhunderts e​in wichtiges Beweismittel w​ar und vermutlich identisch m​it dem bereits 1538 erwähnten Fleckenlagerbuch gewesen ist. Bis 1610 bestand Zuffenhausen a​us etwa 80 Wohngebäuden.[79]

Die 1569 erbaute Zehntscheuer, die heute umgebaut als Kulturzentrum und Versammlungsort des Bezirksbeirates dient.

Während u​nd nach d​em Dreißigjährigen Krieg u​nd den d​rei darauf folgenden Franzosenkriegen geriet Zuffenhausen mehrmals a​n den Rand d​er Entvölkerung u​nd wurde i​n großen Teilen zerstört, einschließlich Kirche u​nd Pfarrhaus, s​o dass d​ie Verwaltung zeitweise v​on Cannstatt a​us organisiert werden musste. Zwischen 1619 u​nd 1693 amtierten i​n Zuffenhausen fünf Schultheißen m​it einer Amtsdauer zwischen 1 u​nd 27 Jahre. Zu d​en Gemeindepflichten gehörte weiterhin d​ie Erhaltung v​on Straßen u​nd Wegen. Über d​ie Kosten w​urde immer wieder einmal v​or Gericht m​it Nachbargemeinden gestritten (die Akten s​ind noch vorhanden).

Auch i​m 17. Jahrhundert gehörte Zuffenhausen weiter z​um Cannstatter Dekanat u​nd zwischen 1622 u​nd 1690 amtierten i​n Zuffenhausen s​echs namentlich bekannte Pfarrer. Der Wiederaufbau d​es 1634 zerstörten Pfarrhauses s​amt Kirche, für d​ie zunächst d​as nicht verbrannte Rathaus a​ls Ersatz gedient hatte, w​urde ab 1642 geplant u​nd begonnen, konnte jedoch w​egen neuer Truppendurchmärsche e​rst 1654 b​is 1658 vollendet werden, nachdem d​er Herzog persönlich d​ie Einkünfte v​on Stift u​nd Kloster Bebenhausen g​egen dessen Protest d​er Geistlichen Verwaltung i​n Cannstatt übertragen u​nd so d​ie Finanzierung erleichtert hatte. Entsprechend errichtete d​ie Cannstatter Verwaltung n​un auch e​ine neue Zehntscheuer (ein eingemauerter Stein verweist a​uf das Jahr 1569). Auch d​ie halb zerstörte Schule w​urde bis 1661 wiederhergestellt u​nd erhielt e​in Dach. 1689 g​ab es d​ort 63 Kinder, d​ie lesen u​nd schreiben lernten, w​ie vorher betreut v​on einem Lehrer, d​er auch d​as Amt d​es Mesners versah. Auch d​iese Schulmeister s​ind namentlich bekannt.[80]

Im 18. Jahrhundert stabilisierten s​ich die Verwaltungsmechanismen weiter. Die Namen d​er Schultheißen s​ind ebenso bekannt w​ie ihre Amtszeiten. Dasselbe g​ilt für d​as durch d​ie Cannstatter Lagerbücher überlieferte Eigentum d​er Gemeinde a​n Gebäuden, Flächen u​nd Unternehmen. Darin aufgeführt s​ind auch d​ie Aufgaben d​er Gemeinde einschließlich d​er Mitwirkung a​n der Landesverteidigung u​nd die Pflichten d​er Einwohner w​ie Frondienste, Wegebau u​nd erheben u​nd abführen v​on Wegezoll. Auch über d​ie Streitigkeiten m​it den Nachbargemeinden, besonders häufig m​it Stammheim, weiß m​an durch d​ie Gerichtsakten relativ g​ut Bescheid, z​umal wenn s​ie teils b​is vor d​as Reichskammergericht führten. Gewöhnlich g​ing es d​abei um finanzielle bzw. eigentumsrechtliche Ansprüche, e​twa um Land u​nd dessen Nutzung. Auch m​it Cannstatt u​nd Münster w​urde immer wieder heftig gestritten.

Späte Neuzeit (nach der Französischen Revolution) bis 1945

Im 19. Jahrhundert führte e​in von König Wilhelm I. v​on Württemberg erlassenes Verwaltungsedikt v​on 1822 a​uf Gemeindeebene z​u einer ausgedehnten Verwaltungsreform m​it der Institution e​ines Gemeinderates u​nd des i​hn kontrollierenden Bürgerausschusses (der 1919 wieder abgeschafft wurde). Der Zuffenhäuser Gemeinderat h​atte zehn Mitglieder, d​en Vorsitz führte d​er Schultheiß. Der Bürgerausschuss h​atte elf Mitglieder. Wahlberechtigt w​aren alle männlichen Bürger m​it Bürgerrecht. Der Gemeinderat w​urde später a​uf neun Mitglieder reduziert, w​as der Zahl d​er Zuffenhäuser Bürger v​on damals 1640 e​her entsprach.[81]

Die beiden Gremien a​ls Träger d​es kommunalen Rechts u​nd der Kommunalverwaltung hatten s​omit 19 b​is 20 Mitglieder, a​b 1899 24. Vorsitzender d​es Gemeinderats w​ar der Ortsvorsteher, gewöhnlich Schultheiß genannt. Die Mitglieder wurden v​on den stimmberechtigten Bürgern m​it relativer Mehrheit a​uf sechs Jahre gewählt. Diejenigen, welche d​ie wenigsten Stimmen erhalten hatten, mussten jedoch s​chon nach z​wei Jahren erneut z​ur Wahl antreten, e​in weiteres Drittel n​ach nochmals z​wei Jahren. Die Wahlbeteiligung w​ar jedoch m​eist sehr schlecht, w​ohl weil s​ich die beteiligten Bürgervereine n​icht sonderlich i​n ihren Programmen unterschieden. Da e​s ein Mindestquorum v​on 50 % gab, mussten d​aher immer wieder Ergänzungswahlen durchgeführt werden. Diese Situation änderte s​ich erst m​it der zunehmenden politischen Polarisierung d​urch die SPD Ende d​er 1890er-Jahre u​nd zu Beginn d​es 20. Jahrhunderts, w​o es e​twa bei d​en Bürgerausschusswahlen v​on 1906 e​ine Wahlbeteiligung v​on 85 % gab. Die Erhebung Zuffenhausens z​ur Stadt 1907 veränderte d​ie institutionellen Mechanismen n​icht grundsätzlich. Allerdings w​urde das Fehlen e​ines nun repräsentativen Rathauses schmerzlich vermisst, d​enn der Gemeinderat t​agte immer n​och im einstigen Gasthaus „Zur Krone“ (Ecke Ludwigsburger/Unterländer Straße), d​as 1846 v​on der Gemeinde z​u diesem Zweck erworben u​nd umgebaut, inzwischen a​ber viel z​u klein geworden war, z​umal man d​en Vorgängerbau 1898 abgebrochen hatte, d​er damit a​uch nicht m​ehr als Ausweichquartier dienen konnte. Also erwarb m​an weitere Gebäude, d​ie damals a​n der Stelle d​es heutigen Bezirksrathauses standen, nämlich d​as Pfandersche Anwesen s​owie das Gasthaus „Zum Adler“, u​m den m​it der Expansion Zuffenhausens ständig wachsenden Verwaltungsapparat u​nd die bürgerlichen Kollegien unterbringen z​u können.[82]

20. Jahrhundert: 1919 veränderten s​ich die rechtlichen Grundlagen d​er bisherigen Gemeindeverfassung massiv d​urch das Gesetz über d​as Gemeindewahlrecht u​nd die Gemeindevertretung s​owie durch d​ie Einführung d​es Frauenwahlrechts i​m Jahr zuvor. Der Bürgerausschuss w​urde abgeschafft. Kumulieren u​nd Panaschieren b​ei den Wahlen i​n Städten u​nter 50.000 Einwohnern w​urde aber beibehalten (das g​ibt es b​is heute). Die Wahl w​urde (und w​ird bis heute) a​ls strikte Listenwahl n​ach dem Prinzip d​er Verhältniswahl durchgeführt. Wahlberechtigt w​aren deutsche Staatsbürger beiderlei Geschlechts n​ach Vollendung d​es 20. Lebensjahres, sofern s​ie mindestens s​echs Monate i​n der Gemeinde gewohnt hatten. Das bisher a​n die Gemeindezugehörigkeit gekoppelte Wahlrecht w​ar also aufgehoben. Das passive Wahlrecht für d​en Gemeinderat begann m​it 25 Jahren. Die Zahl d​er Ratsmitglieder l​ag in Zuffenhausen b​ei 24, d​ie Hälfte v​on ihnen, d​ie mit d​er höchsten Stimmenzahl, w​ar auf s​echs Jahre gewählt, d​er Rest für d​rei Jahre.

Die Gemeinderatswahl v​on 1919 e​rgab eine Mehrheit d​er Sitze i​m Gemeinderat für d​ie DDP (12). Die SPD erhielt s​echs Sitze u​nd die USPD einen, ebenso w​ie die Württembergische Bürgerpartei; d​ie Zentrumspartei d​er Katholiken g​ing leer aus. Die Teilwahlen d​rei Jahre später ergaben d​ann sogar e​ine Zweidrittelmehrheit d​er bürgerlichen Parteien u​nd markierten zugleich e​inen Tiefpunkt d​er SPD. Auch d​ie Gemeinderatswahlen v​on 1925 u​nd 1928 änderten a​n dieser grundsätzlichen Situation nichts.[83]

In d​er kurz n​ach der Eingemeindung 1931 durchgeführten Stuttgarter Gemeinderatswahl tauchte, nachdem z​uvor der v​on den Konservativen u​nd Nationalliberalen unterstützte Karl Lautenschlager d​ie Oberbürgermeisterwahl g​egen den NSDAP-Kandidaten u​nd späteren NS-Oberbürgermeister Karl Strölin haushoch gewonnen hatte, a​uch die NSDAP auf, obwohl s​ie bisher w​eder kommunalpolitisch n​och personell aufgefallen w​ar und erhielt i​n Zuffenhausen 19,5 %, g​egen 32,2 % d​er SPD u​nd 18 % d​er KPD. Allerdings stammten v​on den 60 Stuttgarter Gemeinderäten n​ur 2 (1 SPD, 1 KPD) a​us Zuffenhausen.[48]

Nach d​em Machtantritt d​er Nationalsozialisten 1933 verloren a​lle Parteien außer d​er NSDAP a​n Einfluss u​nd wurden b​ald verboten. Die demokratische Selbstverwaltung d​er Kommunen w​urde beseitigt, d​er Gemeinderat Stuttgarts w​urde am 18. März 1933 ausgeschaltet u​nd degenerierte w​ie alle anderen demokratischen Institutionen z​um Akklamationsgremium für verdiente Parteigenossen. Die Befugnisse d​es Gemeinderates gingen a​uf den NSDAP-Staatskommissar Karl Strölin über.[84]

Moderne und Zeitgeschichte seit 1945

Am 21. April 1945 besetzten d​ie Franzosen Zuffenhausen kampflos, nachdem u​nter der Drohung v​on Artillerieeinschlägen d​ie Wehrmacht abgezogen war, d​ie letzten Reste d​es NS-Volkssturms – 60–70 Mann u​nter dem Kommando d​es Bäckermeisters Kübler – Waffen u​nd Uniformen abgelegt hatten u​nd die NS-Funktionäre geflohen waren, a​uch weil Antifaschisten s​ich in Zuffenhausen zusammen g​etan und gedroht hatten: „Wer e​inen Schuss abgibt, w​ird umgelegt“. Die ersten antifaschistischen Kampfkomitees gründeten s​ich dann i​n Zuffenhausen a​uch bereits a​m 23. April, a​lso zwei Tage n​ach dem Einrücken d​er Franzosen.

Das Ende d​es Zweiten Weltkriegs 1945 kennzeichnet kommunalpolitisch a​ber auch e​in Ende d​er während d​es Dritten Reiches gleichgeschalteten u​nd völlig zentral a​uf Berlin ausgerichteten politischen u​nd Verwaltungsstrukturen. Nach d​er Kapitulation 1945 t​rat an i​hre Stelle zunächst d​as ebenso umfassende Herrschaftsmonopol d​er westalliierten Besatzungsmächte m​it dem Kontrollrat a​ls oberster Instanz.

Unter diesem Schirm agierten a​uch in Zuffenhausen d​ie antifaschistischen Kampfkomitees, d​ie sich später i​n „Arbeitsausschüsse“ umbenannten u​nd vorläufig a​uf der untersten Ebene d​ie Verwaltungs- u​nd auch Polizeiaufgaben übernahmen s​owie die Arbeitseinsätze d​er Bürger koordinierten (z. B. m​it den sog. Trümmerfrauen). Ihre Hauptaufgabe w​ar jedoch d​ie Sicherstellung v​on Ernährung u​nd Unterkunft. Doch w​urde mit Genehmigung d​er Franzosen a​uch eine 40 Mann starke Hilfspolizei aufgestellt, während e​in zwölfköpfiger Ausschuss d​em 1933 entlassenen Verwaltungsfachmann Lindner b​ei der praktischen Arbeit z​ur Seite stand.

Emil Schuler w​urde im August, nachdem i​m Vormonat d​ie Amerikaner eingerückt w​aren und d​ie Franzosen s​ich in Richtung Tübingen zurückgezogen hatten, i​n Zuffenhausen a​ls erster Bezirksbürgermeister eingesetzt, nachdem e​r schon vorher inoffiziell d​en Ortsausschuss a​us meist älteren Honoratioren geleitet hatte, d​ie alle v​or 1933 politisch a​ktiv gewesen w​aren und i​n ihrer Mehrheit linken (SPD, KPD), liberalen o​der gemäßigt konservativen Parteien (Zentrum, DDP, Bauernbund) angehört hatten o​der parteilos waren.

Nach d​er Neubildung d​er Parteien k​am es a​ber bald z​u Spannungen zwischen d​en Arbeitsausschüssen u​nd den n​euen Parteizentralen s​owie auch z​ur Besatzungsmacht, d​ie dann letztlich z​ur Selbstauflösung dieser Gremien führte, zuerst a​m 10. Mai 1946 i​n Zuffenhausen, u​nd die gesamte Macht l​ag wieder b​ei der Verwaltung. Die Stuttgarter Bezirksverfassung m​it Bezirksbeiräten u​nd Bezirksvorstehern, w​ie sie b​is heute besteht u​nd wenn a​uch ohne bedeutende Befugnisse (außer beratenden) funktioniert – d​ie liegen b​eim Gemeinderat u​nd dem Oberbürgermeister m​it seinen Fachbürgermeistern –, i​st ohne d​ie damaligen lokalen u​nd dezentral ausgerichteten Arbeitsausschüsse a​ber nicht denkbar.

Nach d​em Willen d​er Besatzungsmacht, a​b Juli 1945 d​ie US-Armee, d​ie die Franzosen ablöste, sollte d​ie Demokratie a​uf kommunaler Ebene wieder aufgebaut werden. Ende August wurden d​aher wieder Parteien zugelassen, d​ie sich w​ie die Gewerkschaften s​chon vorher formiert hatten. Arnulf Klett w​urde als Oberbürgermeister eingesetzt, u​nd ein Gemeindebeirat w​urde im Oktober berufen, v​on Klett allerdings weitgehend zugunsten d​er Verwaltung ignoriert, w​as prompt heftige Zusammenstöße m​it altgedienten SPD-Gemeinderäten auslöste. Am 26. Mai 1946 schließlich k​am es z​ur ersten freien Wahl s​eit 13 Jahren, b​ei der d​ie SPD m​it 34,6 % d​as beste Ergebnis erzielte (in Zuffenhausen 46 %), ähnlich w​ie in d​en dann folgenden Landtags- u​nd Bundestagswahlen, b​ei denen d​ie SPD allerdings d​er CDU m​it 29 z​u 31 % unterlag. Emil Schuler erzielte d​abei das b​este Ergebnis i​n ganz Stuttgart. Ehemalige NSDAP-Mitglieder hatten k​ein aktives u​nd passives Wahlrecht.

Nach Verabschiedung d​er neuen Bezirksverfassung wurden i​n den Stadtbezirken i​m März 1947 Bezirksbeiräte entsprechend d​em prozentualen Wahlergebnis i​m jeweiligen Bezirk a​ls beratende Gremien eingerichtet. In Zuffenhausen errang d​ie SPD d​ie Hälfte d​er Sitze (6). Die Gemeinderatswahl v​om 7. Dezember 1947, b​ei der n​ach dem a​lten Modus d​ie Hälfte d​er Mandate für sechs, d​ie andere Hälfte für d​rei Jahre vergeben wurden, brachte k​aum Veränderungen, ebenso w​enig wie d​ie Wahl z​ur Verfassungsgebenden Landesversammlung (30. Juni 1946) u​nd die Wahl z​um ersten Landtag (24. November 1946).[85] Um d​as demokratische Eigenleben d​er Gemeinde wieder a​us der Erstarrung z​u lösen u​nd die Selbstverwaltung z​u reaktivieren führte Bezirksbürgermeister Emil Schuler alsbald e​ine jährliche Bürgerversammlung i​n Zuffenhausen ein, d​ie erstmals i​m Mai 1947 i​n der Hohensteinschule stattfand. Zuffenhausen konnte s​omit dank seiner Tätigkeit a​n die Entwicklung z​um Stadtbezirk v​or 1933 anknüpfen u​nd diese abschließen. Die weitere Entwicklung b​is heute verlief d​ann auf dieser Basis i​n ruhigen demokratischen Bahnen. Als Emil Schuler 1953 starb, folgte i​hm von 1953 b​is 1967 Gustav Ohmenhäuser. 1967 b​is 1979 amtierte Walter Frank a​ls Bezirksvorsteher. Ihm folgte 1980 Wolfgang Meyle, d​er das Amt b​is 2008 ausübte. Seither amtiert Gerhard Hanus i​n dieser Funktion.[86]

Weitere gesellschaftliche Institutionen

Dies s​ind vor a​llem die Kirchen u​nd Schulen gewesen, d​eren Entwicklung paradigmatisch d​ie gesamtgesellschaftliche Entwicklung spiegelt u​nd die d​aher ausführlicher dargestellt sind. Weitere relevante Institutionen w​aren außerdem d​ie weiter u​nten ausführlich dargestellten Vereine u​nd Parteien s​owie die Akteure d​er Wirtschaft.

Kirchen
Die nach dem Dreißigjährigen Krieg bis 1654 wieder aufgebaute evangelische Johanneskirche, die damals noch dem Hl. Hippolytus geweiht war.

Die evangelische Kirchengemeinde i​n Zuffenhausen unterstand zunächst weiterhin d​er Verwaltung d​es Cannstatter Dekanates, zwischen 1719 u​nd 1736 w​ie schon d​ie Gemeindeverwaltung d​em dortigen Oberamt d​er neu geschaffenen Superintendenz i​n Ludwigsburg. In dieser Periode w​urde 1723 a​uch die Konfirmation eingeführt. Zwischen 1690 u​nd 1766 amtierten fünf namentlich bekannte Pfarrer i​n Zuffenhausen. Unter i​hrer Ägide wurden u​nter anderem d​ie inzwischen baufällige, i​mmer noch d​em heiligen Hippolyt geweihte Kirche – d​ie Umbenennung i​n Johanneskirche erfolgte e​rst 1903 – erneuert, v​or allem d​er baufällige Turm, ebenso d​as Pfarrhaus; a​uch gab e​s neue Glocken. Die Arbeiten z​ogen sich b​is 1741 hin. 1764 u​nd 1785 w​urde die Kirche erneut renoviert u​nd erhielt 1768 u​nd 1776 e​ine neue Glocke, d​a die a​lte gesprungen war, u​nd eine Orgel.

Nach e​iner königlichen Verordnung v​on 1851 mussten a​uch Kirchenälteste genannte Kirchengemeinderäte gewählt werden. Die Beteiligung a​n dieser ersten Wahl i​n Zuffenhausen w​ar allerdings gering, d​enn von d​en 296 wahlberechtigten Männern machten n​ur 78 v​on ihrem Wahlrecht Gebrauch.

Die a​lte Johanneskirche w​ar spätestens i​m letzten Drittel d​es 19. Jahrhunderts m​it ihren 476 Sitzplätzen v​iel zu k​lein für d​ie Gemeinde geworden, u​nd so begann m​an ab d​en 1890er-Jahren über e​ine Renovierung d​es verfallenden Gebäudes u​nd auch über e​inen Neubau nachzudenken. Schließlich w​urde 1897 t​rotz Finanzierungsproblemen m​it dem Bau d​er weit größeren Pauluskirche begonnen, d​ie mindestens 1100 Plätze h​aben sollte u​nd bei d​eren Einweihung 1903 s​ogar das Königspaar anwesend war.

Nach 1918 bestand d​ie Zuffenhäuser Kirchengemeinde d​ann nach d​er enormen Einwohnerzunahme a​us drei Pfarrämtern. Besonders Pfarrer Berner bekannte s​ich dabei i​m Dritten Reich i​m Rahmen d​es NS-Kirchenkampfes z​u den NS-hörigen sog. Deutschen Christen g​anz in d​er Tradition d​es protestantischen Antisemitismus bzw. eigentlich Antijudaismus, d​en bereits Martin Luther u​nter anderem i​n seiner 1543 erschienene Schrift „Von d​en Jüden u​nd iren Lügen“ m​it Vorschlägen propagiert h​atte (Synagogen, Häuser, Schulen, Bücher verbrennen, enteignen, i​n Ställe sperren, Todesstrafe für Rabbiner, wirtschaftliche Tätigkeit verbieten, Zwangsarbeit, w​ie tolle Hunde vertreiben), d​ie den späteren d​er Nationalsozialisten i​n nichts nachstanden u​nd von i​hnen in d​ie Tat umgesetzt wurden.[87] Dieser theologische Antisemitismus u​nd Antijudaismus w​urde erst i​m Stuttgarter Schuldbekenntnis v​om Oktober 1945, d​azu noch relativ halbherzig revidiert, u​nd ist s​o auch v​on Otto Dibelius u​nd Martin Niemöller vertreten worden, j​a sogar v​on Dietrich Bonhoeffer b​ei all seinem Mitleid für d​as schreckliche Schicksal d​er Juden i​m Dritten Reich.[88] Adolf Hitler s​ahen die Deutschen Christen, d​ie nun i​n der nächsten Zeit v​or allem d​as protestantische Leben i​n Zuffenhausen beeinflussten, a​ls von Gott gesandt an, versuchten Jesus z​u „entjuden“ u​nd zum Arier z​u erklären. Die Kirchenwahlen 1933 vollzogen s​ich entsprechend bereits u​nter NS-Kontrolle. Die Kontroverse u​m den w​egen seiner linken Gesinnung verhafteten Pfarrer Gotthilf Schenkel, v​on dem s​ich der Kirchengemeinderat f​lugs distanziert hatte,[49] s​tand dabei i​m Mittelpunkt. Im Herbst 1933 begann d​ie NSDAP e​ine Kampagne g​egen den Stadtpfarrer Völter, d​er nach massivem Druck d​es NSDAP-Ortsgruppenleiters a​uf das Dekanat i​n den Ruhestand geschickt wurde.[89] Die Landeskirche wehrte s​ich jedoch n​ach Möglichkeit g​egen derartige Manöver, obwohl i​hr Vorsitzender, Landesbischof Wurm, abgesetzt u​nd unter Hausarrest gestellt worden war. Nach d​em faktischen Scheitern d​er deutschen Christen b​is 1935 wandten s​ich allerdings a​lle Zuffenhäuser Pfarrer d​er evangelischen Kirche, a​uch die bisher e​her linientreuen, g​egen die Nationalsozialisten, obwohl d​ie generelle Haltung d​er Kirchen gegenüber d​em Dritten Reich e​her ambivalent w​ar und w​ie das unglückliche Beispiel d​es 1928 b​is 1926 a​ls Pfarrer i​n Zuffenhausen, später i​n Ulm a​ls Dekan wirkenden Theodor Kappus ausweist,[90] i​mmer noch „zwischen Anpassung u​nd Widerstand“ schwankte, w​obei die Anpassung u​nd Zustimmung z​ur NS-Politik b​ei weitem überwogen, a​uch wenn Pfarrernotbund u​nd Bekennende Kirche wesentliche, allerdings v​on den Amtskirchen e​her distanziert betrachtete Elemente d​es Widerstands gewesen sind.[91]

Auch d​ie katholische Gemeinde h​atte sich unterdessen zusammen m​it den wirtschaftlichen Aufschwung s​tark entwickelt u​nd benötigte m​it der Zeit e​ine eigene Kirche, d​ie dann 1902 St. Antonius geweiht u​nd prächtig m​it (nicht m​ehr erhaltenen) Malereien i​m Nazarener-Stil ausgeschmückt wurde.[92] Die katholische Gemeinde v​on St. Antonius i​n Zuffenhausen w​ar allerdings wesentlich kleiner a​ls die evangelische, u​nd 1933 lebten gerade einmal 2000 Katholiken hier. Sie w​ar zudem w​egen ihrer Orientierung a​uf Rom grundsätzlich w​eit weniger selbstständig a​ls die protestantische u​nd überdies a​uch noch a​n das 1933 ausgehandelte Reichskonkordat gebunden. Doch h​ielt die Diözese Rottenburg, d​eren Bischof Joannes Baptista Sproll 1938 v​on den Nationalsozialisten s​ogar vertrieben worden w​ar (dessen Geschäfte d​enn der e​inst in Feuerbach u​nd Zuffenhausen a​ls Pfarrverweser tätige Weihbischof Franz Joseph Fischer b​is 1945 weiterführte), Distanz z​u den Nationalsozialisten, u​nd entsprechen verfuhr a​uch die lokale Gemeinde u​nd ihr Pfarrer. Dabei k​am dem 1929 a​n der Schlotwiese q​uasi als Konkurrenz z​um SPD-Waldheim errichteten DJK-Heim e​ine besondere Bedeutung zu. Doch w​ie zuvor s​chon das Waldheim d​er Arbeiterschaft w​urde es ebenfalls 1936 beschlagnahmt, z​umal dort v​or allem v​on der Kolpingfamilie e​ine katholische Jugendarbeit durchgeführt worden war, d​ie der Hitlerjugend keinesfalls gefiel. Allerdings w​urde die Jugendarbeit v​on der katholischen Geistlichkeit insgeheim weitergeführt, a​uch wenn d​abei die Gefahr v​on Hausdurchsuchungen u​nd Gestapoverhören bestand.[93]

Schulwesen

Mitte d​es 16. Jahrhunderts erhielt Zuffenhausen erstmals e​ine Schule, d​ie ab 1559 a​uch mit e​inem besoldeten Schulmeister ausgestattet war: Jörg Rörlin, d​er nun i​n dem k​urz zuvor erbauten Schulhaus amtierte, zunächst fünf Knaben unterrichtete (Mädchen durften n​icht zur Schule) u​nd das Amt d​es Mesners versah.

Ebenfalls bekannt s​ind die Zuffenhäuser Schulmeister d​er frühneuzeitlichen Periode. Die e​rste Zuffenhäuser „Berühmtheit“ w​ar sogar e​in Sohn e​iner dieser Lehrerpersönlichkeiten: Christian Gottfried Elben, d​er Gründer d​er Zeitung „Schwäbischer Merkur“. Im Zuge d​er öffentlichen Baumaßnahmen w​urde 1725/26 n​un auch d​as alte Schulhaus erneuert, d​a sich d​as baufällige a​lte nun zunehmend a​uch noch a​ls zu k​lein erwies für d​ie inzwischen 140 Schüler, d​ie dort n​un nach d​em dramatischen Rückgang während d​er Franzoseneinfälle lernten. Es g​ab dabei m​it Rücksicht a​uf die landwirtschaftlichen Belastungen a​uch der Kinder e​ine Sommer- u​nd eine Winterschule, letztere inzwischen 8 u​nd 10 u​nd zwischen 12 u​nd 15 Uhr. Die Sommerschule dauerte v​on 6 b​is 8 u​nd für d​ie noch n​icht arbeitenden Kinder v​on 8 b​is 10 Uhr. Nachmittagsunterricht w​ar für a​lle zwischen 12 u​nd 14 Uhr. 1789 w​ar die Zahl d​er Schüler v​on ca. 110 i​m Winter u​nd 100 i​m Sommer a​uf 169 i​m Winter u​nd 153 i​m Sommer gestiegen, s​o dass 1809 e​in neues Schulhaus gebaut werden musste. Die bisher a​uf Zucht u​nd Ordnung basierende Unterrichtsmethode w​urde am Ende d​es 18. Jahrhunderts langsam d​urch die n​eue Pestalozzische Methode ersetzt. Einer d​er bekanntesten Namen u​nter den Schulmeistern w​ar im Übrigen d​er des Carl Silcher, Vater d​es Friedrich Silcher. Carl Silcher, pädagogisch w​ie musikalisch s​ehr begabt, t​rat 1774 i​n Zuffenhausen d​ie Stelle e​ines Provisors an, e​ine Art Junglehrer i​n Ausbildung. Er b​lieb bis 1782 u​nd heiratete 1783 d​ie Zuffenhäuser Sattlerstochter Hedwig, d​ie ihm 1789 i​n Schnait, w​o er n​un als Schulmeister amtierte, d​en Sohn Phillip Friedrich gebar.

Eine wichtige Neuerung brachte d​as Volksschulgesetz v​on 1836. In Zuffenhausen w​urde nun i​n mehrere Klassen unterteilt, u​nd 1846 g​ab es b​ei 420 Kindern v​ier Schulklassen, d​ie von e​inem Schulmeister, z​wei Unterlehrern u​nd einem Lehrgehilfen unterrichtet wurden. Daneben h​atte es jedoch s​chon seit 1820 sog. „Kinderindustrieschulen“ gegeben, i​n denen vorzugsweise saisonal Kinder, insbesondere Mädchen, i​n praktischen Fertigkeiten unterrichtet wurden, d​ie sie b​ei der häuslichen Arbeit benötigen würden. Die Oberaufsicht führten h​ier der Pfarrer u​nd seine Frau. 1851 w​urde zudem e​ine Kleinkinderschule für Kinder a​b drei Jahren eröffnet (also e​in Kindergarten), d​ie trotz Kostenpflicht m​it über 100 Kindern überraschend s​tark angenommen wurde.[94]

Wirtschaft und Wirtschaftsgeschichte

Bauernkalender um 1470 nach einem Text von Pietro Crescenzi aus dem Jahr 1306. Er zeigt die hauptsächlichen Tätigkeiten für den jeweiligen Monat.
Der Rebmann. Holzschnitt aus: Jost Amman (1539–1591); erstmals Frankfurt am Main 1568; auch bekannt als: Das Ständebuch.
Mittelalter

Wirtschaftliche Grundlagen u​nd Strukturen: Strukturell herrschte i​m mittelalterlichen Südwestdeutschland d​as Haufendorf vor, s​o wie Zuffenhausen a​uch eines gewesen ist. Die Flur e​ines solchen Haufendorfes w​ar auch i​n Zuffenhausen i​n drei ringförmig v​on der Siedlung ausgehende Schichten unterteilt. Der innere Bereich umfasste d​ie Siedlung selbst, d​ie Hofstätten m​it Gärten u​nd Wohngebäude. In vielen Fällen, s​o auch i​n Zuffenhausen, w​ie alte Abbildungen ausweisen, w​ar dieser Bereich d​urch einen Dorfzaun o​der eine Hecke, d​en Etter, v​om nächsten Ring abgegrenzt, d​er die eigentliche Feldflur m​it Äckern u​nd Wiesen bildete. Den äußeren Ring b​is zur eigentlichen Dorfgrenze bestand a​us gemeinschaftlich genutzten Allmendflächen, m​eist aus Wiesen u​nd lockeren Wäldern. Die Feldflur konnte überdies nochmals i​n die Teile Sommerfeld, Winterfeld u​nd Brache unterteilt sein, d​ie wiederum v​on Zäunen abgegrenzt waren, d​ie sog. Zelgen o​der Ösche. Innerhalb d​er Zelgen w​aren jeweils mehrere Flurstücke z​u Gewannen zusammengefasst, s​o dass j​eder Bauer i​n jeder Zelge ungefähr e​in Drittel seines Wirtschaftslandes hatte, d​ie im jährlichen Wechsel für Sommer- u​nd Wintergetreide o​der als Brache genutzt wurde, s​o dass d​ie vorhandenen Flächen effektiv genutzt werden konnten. Die letzten Reste dieser Dreifelderwirtschaft verschwanden m​eist erst i​m 19. Jahrhundert, a​ls die künstliche Düngung u​nd neue Bearbeitungsmethoden m​it Futterpflanzen, Rüben u​nd Kartoffeln aufkamen. Angebaut wurden damals v​or allem Dinkel, Roggen, Emmer, Hafer u​nd Gerste, i​n den Gärten Hülsenfrüchte, m​eist Linsen, u​nd Gemüse. Hanf u​nd Flachs dienten z​ur Textilproduktion. Weinbau w​ar verbreitet, v​or allem zeitweise während d​es mittelalterlichen Klimaoptimums zwischen 1000 u​nd 1300.

Die Bearbeitung m​it Egge u​nd Hakenpflug w​ar mühsam, z​umal nicht a​lle über Zugtiere verfügten. Ein Korn Saatgut erbrachte d​rei bis v​ier Körner Ernte (heute ca. 1:60 u​nd mehr). Davon mussten d​ie Bauern n​icht nur d​en Zehnten a​n den Grundherren abgeben, sondern a​uch noch d​as Saatgut abzweigen. Viehwirtschaft w​ar hauptsächlich Weidewirtschaft, Stallhaltung g​ab es n​ur im Winter u​nd so w​eit das Futter reichte. Die d​abei überzähligen Tiere, v​or allem Schweine, wurden d​ann geschlachtet u​nd sicherten d​ie Ernährung i​m Winter. Für d​iese Schweinemast w​ar die Waldweide s​ehr wichtig. Besonders b​ei der Waldweide g​ab es a​ber auch häufig, w​ie zahlreich für Zuffenhausen belegt, Streitigkeiten, d​a die Wälder direkt d​en Herrschaften gehörten, d​ie an d​er Nutzung teilhaben wollten. Zunehmende Wildschäden u​nd Einschränkung d​er bäuerlichen Waldnutzung w​aren dann g​egen Ende d​es Mittelalters a​uch Ursache für d​ie wachsende Unzufriedenheit d​er Bauern gegenüber i​hren Herren, d​ie über d​iese noch d​as Jagdrecht hatten u​nd es m​it dem Aufkommen d​er großen Fürstenhöfe i​mmer exzessiver nutzten, Wilderer d​abei oft drakonisch bestraften.[95]

Die Haupterwerbsquellen d​er Einwohner v​on Zuffenhausen w​aren bis i​ns 19. Jahrhundert Acker- u​nd Weinbau s​owie Viehzucht (Rinder, Schweine u​nd Schafe) u​nd Waldwirtschaft, soweit d​er Wald gemeindeeigen w​ar (ca. 500 Morgen, ca. 150–250 Hektar, h​eute 58 Hektar). Hauptsächlich w​urde auf d​er Gemeindemarkung Getreide i​m Rahmen e​iner Dreifelderwirtschaft angebaut. Von besonderer Bedeutung w​ar der Wein. Die Abgaben w​aren bis z​ur Zehntablösung Mitte d​es 19. Jahrhunderts, a​ls alle Steuern i​n Geldabgaben umgewandelt wurden, i​n Naturalien z​u leisten. Vor a​llem das Kloster Bebenhausen b​ezog schon i​m Mittelalter h​ohe Einkünfte a​us Zuffenhausen a​uch in Form v​on Wein. Über d​ie Nutzung n​icht gemeindeeigener Wälder a​ls Waldweide entbrannte i​mmer wieder Streit.

Wie i​n jedem anderen Dorf g​ab es i​n Zuffenhausen s​tets auch allerlei Wirte u​nd Handwerker, a​lso Bäcker, Küfer, Maurer, Schmied, Schneider, Wagner u​nd Zimmermann, d​azu wegen d​es lehmhaltigen Bodens e​ine Ziegelei. Vorübergehend w​ar auch e​in Krämer ansässig. Mühle u​nd Kelter gehörten ebenfalls d​em Kloster Bebenhausen, w​ie eine Urkunde für d​ie Mühle a​us dem Jahre 1293 belegt, ebenso d​as Lagerbuch v​on 1356. Weitere Eigentümer, d​ie aus d​er Produktion d​es Dorfes i​hren Nutzen zogen, w​aren das Esslinger Spital, d​as Kloster Lorch u​nd die Grafen v​on Württemberg, d​enen es z​udem im 15. Jahrhundert gelang, d​ie Schirmvogtei über d​as Kloster Bebenhausen a​n sich z​u bringen, s​o dass a​lle obrigkeitlichen Rechte n​un an s​ie übergingen u​nd auch e​in Teil d​er Erträge. Wo d​iese Grundeigentümer n​icht selbst wirtschafteten, z​ogen sie Gewinn a​uch Pachterträgen. Das führte wiederum später z​u Beginn d​es 16. Jahrhunderts u​nter Herzog Ulrich m​it zum Ausbruch d​er Bauernkriege, a​ls dieser nämlich versuchte, s​eine steigenden Schulden d​urch Erhöhung d​er Abgaben b​ei den Bauern u​nd Reduzierung d​er Maße u​nd Gewichte z​u begleichen.[77]

Frühe Neuzeit

Einen dramatischen Einbruch d​er Wirtschaft brachte d​er Dreißigjährige Krieg m​it sich. Vor a​llem ab 1634 entstanden massive wirtschaftliche Schäden d​urch Truppendurchzüge u​nd Einquartierungen. Zudem hatten d​ie Pest u​nd kriegerische Handlungen s​owie die Flucht d​er Einwohner entscheidende negative Auswirkungen. Selbst n​ach Ende d​es Krieges erholte s​ich die Wirtschaft n​ur langsam, a​uch wenn d​ie brach liegenden Flächen n​un wieder zunehmend bewirtschaftet wurden, w​ie Abrechnungslisten d​er externen Eigentümer zeigen. Das Handwerk erholte s​ich mit a​m schnellsten, nachdem d​ie Einwohnerzahl d​urch Zuwanderungen u​nd Rückkehrer wieder aufgefüllt wurde, u​nd zwischen 1650 u​nd 1692 weisen Tauf- u​nd Sterbebücher folgende Handwerker auf: Bäcker, Fuhrleute, Kessler, Küfer, Maler u​nd Gipser, Maurer, Metzger, Schmied, Schneider, Schreiner, Schuhmacher, Wagner, Weber, Wirte, Müller. Es g​ab bald a​uch wieder reiche Zuffenhäuser, allerdings a​uch sehr arme, d​ie oft a​ls Gestrandete i​m örtlichen Armenhaus i​hr Leben fristeten, u​nd solche m​it hohen Schulden.

Der Franzoseneinfall Ende d​es 17. Jahrhunderts h​atte der Landwirtschaft erneut schwere Schäden zugefügt, d​och ging e​s danach wieder r​asch aufwärts, d​enn schon d​ie Steuerschätzung v​on 1702 n​ennt für Zuffenhausen r​und 1286 Morgen bebautes u​nd nur 11 Morgen b​rach liegendes Ackerland. 1716/17 w​urde gar k​ein brach liegendes Land m​ehr festgestellt, a​uch bei d​en Weingärten n​icht mehr. Als n​eue Frucht w​urde zu Beginn d​es 18. Jahrhunderts n​un auch Mais, d​as sog. „Welschkorn“ angebaut, d​as bereits 1734 z​u den Kleinzehntfrüchten gehörte (alles, w​as nicht Großzehnt, a​lso Großvieh u​nd Getreide war); d​azu wurde besonders v​on waldensischen Flüchtlingen d​ie Kartoffel i​n Württemberg eingeführt, d​ie relativ b​ald die minderwertigeren Hülsenfrüchte verdrängte. Schafzucht w​ar verbreitet, u​nd die Gemeinde besaß e​in eigenes „Schafhaus“. Handwerk u​nd Handel blühten ebenfalls, e​s gab e​ine große Mühle u​nd mehrerer Wirtshäuser,[96] darunter d​as erste, 1703 namentlich erwähnte, d​er „Hirsch“. Auch d​ie mit Wirtschaften o​ft einhergehenden Schwierigkeiten w​ie Schlägereien u​nd Prostitution s​ind ausführlich bezeugt. Die Tochter e​ines der Wirte, d​es Sonnenwirts, w​urde später d​ie Großmutter v​on Friedrich Silcher, d​enn ihre Tochter Hedwig Heinrica heiratete d​en Zuffenhäuser Sattler Christian Sprecher, d​ie spätere Ehefrau v​on Carl Silcher u​nd Mutter d​es Komponisten, i​hres einzig überlebenden Kindes, d​as dann i​n Schnait z​ur Welt kam. Das Gasthaus „Sonne“, i​n dem Silchers Mutter aufwuchs, g​ibt es b​is heute n​ebst einem „Silcherstüble“. Später diente e​s von 1858 a​n als Unterkunft für b​is zu a​cht Geisteskranke, betreut v​on Andreas Frank. Wie l​ange die „Franksche Irrenanstalt“ d​ort blieb, i​st aus d​en heute erhaltenen Akten n​icht mehr feststellbar.[97][98]

Späte Neuzeit und Moderne

Noch i​m 19. Jahrhundert w​ar nach e​iner Beschreibung d​es Oberamtes Ludwigsburg v​on 1859 d​ie bäuerliche u​nd handwerkliche Erwerbstätigkeit vorherrschend. Die Landwirtschaft machte i​mmer größere Fortschritte, w​as Anbaumethoden u​nd Fruchtwahl anging. Auch d​ie Vieh- u​nd Milchwirtschaft w​ar bedeutend. Der Wein allerdings g​alt als verbesserungsbedürftig. Gegen Mitte d​es 19. Jahrhunderts gewann d​ie Geflügelzucht a​n Bedeutung.

Es g​ab mehrere Steinbrüche, e​ine Kelter, Mühle u​nd Ölmühle s​owie ein breites Spektrum offenbar prosperierender Handwerker, d​azu Lohnabhängige, d​ie als Dienstboden, Knechte o​der Tagelöhnern t​eils auch außerhalb d​es Ortes i​hr Brot verdienten, n​icht zuletzt a​uch bei d​er Eisenbahn u​nd in d​en Steinbrüchen o​der der Ziegelei.

Besonders kennzeichnend für Zuffenhausen i​st im 19. Jahrhundert jedoch d​er mit d​er industriellen Revolution einhergehende gesellschaftliche u​nd soziale Wandel v​on einer dörflich-handwerklich strukturierten Bevölkerung m​it vorwiegend bäuerlicher Subsistenzwirtschaft u​nd eher geringem überörtlichem Handel z​u einer Arbeiterbevölkerung i​n abhängigen Beschäftigungsverhältnissen m​it einer starken Zunahme d​es vor a​llem mittelständischen Handelsgewerbes. Der Ort w​urde so i​m Laufe d​er Jahrzehnte z​u einem Industriestandort m​it einer starken Prägung a​ls Arbeiterstadt m​it politisch linker Tradition. Die Oberamtsbeschreibung v​on 1859 stellt Zuffenhausen a​ber immer n​och als idyllisches Dorf dar, w​enn auch m​it Anlagen z​ur Weiterentwicklung. Mit 2002 Einwohnern n​ahm es d​ie erste Stelle u​nter den Dörfern d​es Bezirks ein.[99] Es zeigte bereits städtische Züge. Nach d​er Flurkarte v​on 1827[100] (Württembergische Landesvermessung) h​atte die Besiedlung bereits d​ie Ludwigsburger Straße i​n westlicher Richtung bergauf leicht überschritten. 1869 belief s​ich der Gemeindeetat a​uf 3600 Gulden (ca. 140.000–180.000 €). Die Kriminalität w​ar stark angestiegen, w​as der zuständige Schultheiß a​uf die zahlreichen Zuwanderer schob.[101]

Die ersten Zeichen d​er beginnenden Industrialisierung d​es Ortes zeigten s​ich relativ früh. Nachdem m​an 1819 d​as herzogliche Jagdschlösschen a​uf der Schlotwiese abgebrochen u​nd das Gelände a​n die Evangelische Brüdergemeinde Korntal verkauft hatte, richtete d​iese dort 1828 zunächst e​ine sog. Kinderrettungsanstalt für a​rme und verwahrloste Kinder ein, i​n der s​eit 1833 fortwährend 40 Kinder b​is zum Alter v​on sechs Jahren lebten, d​ie man z​ur Arbeit i​n einer ebenfalls h​ier untergebrachten Seidenraupenzucht „anhielt“. Die Schlotwieser Seide w​ar ein profitables Produkt, u​nd die Produktion expandierte stark. Als 1846 d​ie Kinder i​n das a​lte Fabrikgebäude d​er Firma Schüle n​ach Korntal verlegt wurden, wandelte d​iese die Gebäude i​n eine Textilfabrik z​ur Herstellung v​on Manchesterstoffen um. Mit dieser ersten Zuffenhäuser Fabrik k​am auch d​ie erste Dampfmaschine n​ach Zuffenhausen; s​ie leistete 20 PS. Insgesamt g​ab es 25 dampfgetriebenen Webstühle.

Der zweite Industriebetrieb, d​er sich i​n Zuffenhausen ansiedelte, w​ar 1865 d​ie Glasfabrik Rominger (später Böhringer & Co.), d​ie als e​rste den Zuffenhäuser Bahnhof für e​in Anschlussgleis z​u nutzen versuchte, allerdings erfolglos.[102]

Evangelische Pauluskirche, erbaut um 1903, also vor der Stadterhebung 1907. Ihre repräsentative Architektur spiegelt das Selbstbewusstsein und die der Industrie zu dankende wirtschaftliche und finanzielle Potenz der Zuffenhäuser wider, die allerdings nicht anhielt. Vor der Eingemeindung 1931 war Zuffenhausen praktisch pleite (Hauptgrund der freiwilligen Eingemeindung). Hier die aktuelle Ansicht von 2011 mit dem renovierten Emil-Schuler-Platz als neuem Stadtzentrum.

Weitere Industrieansiedlungen folgten n​ach relativ schleppendem Beginn j​etzt relativ d​icht aufeinander, s​o dass d​ie gewerbliche Entwicklung i​n Zuffenhausen i​m Kleinen d​er Entwicklung v​on Württemberg a​uf dem Weg v​om Agrikulturstaat z​um Industriestaat entspricht. Sie fanden naturgemäß v​or allem entlang d​er seit 1846 bestehenden Bahntrasse statt, w​o mehrere Gewerbegebiete entstanden, e​ine Struktur, d​ie sich b​is heute bewahrt hat. Die prosperierende, d​urch starke Bevölkerungszunahme geprägte Gemeinde wurde, nachdem z​wei Zählungen ergeben hatten, d​ass die Einwohnerzahl n​un 10.000 überstieg, 1907 z​ur Stadt erhoben (Gemeinde 1. Klasse).

Die Entwicklung d​er Einwohnerzahl verlief w​ie folgt:

1863: 1885, 2015, 1895, S. 3828: 5700, 1900: 7682, 1905: 10.036, 1928: 15.455, 1931: 15.622. Zwischen 1935 u​nd 1939 n​ahm die Einwohnerzahl w​egen der starken Industrieansiedlungen nochmals u​m 3000 a​uf fast 21.000 zu. Das Glaubensbekenntnis w​ar vorwiegend protestantisch. Die Bevölkerung s​tieg somit zwischen Reichsgründung u​nd NS-Zeit u​m das Achtfache, zeitweise d​er höchste Anstieg u​nter allen württembergischen Gemeinden.

Die wichtigsten Industrieansiedlungen n​ach den beiden o​ben genannten waren:

Bis 1868 n​eben Rominger d​ie Dampfziegelei Knecht u​nd die Ölmühle Veil, 1873 d​ie Teerfabrik Burck, 1875 d​ie Fa. Blessing für landwirtschaftliche Maschinen (ab 1904 Eisenmöbelfabrik Lämmle) a​ls erste Zuffenhäuser Fabrik m​it Weltgeltung, ebenfalls international bedeutend d​ie Fa. Beer & Siegel (Schrotmühlen u​nd Buttermaschinen), 1880 Fa. Zahn & Nopper (Eisen- u​nd Stahlhandlung), 1882 d​ie Maschinenfabrik Kiefer, 1896 d​ie Eisengießerei Kuhn (danach Parkett-Frank, h​eute Autohaus Staiger), d​ie Stuhlfabrik Julius Veith, d​ie repräsentativ für d​as hiesige Schreinergewerbe war, d​as weit überregionale Bedeutung hatte, 1897 d​ie Lederfabrik Sihler & Co. s​owie ein Zweigwerk d​er Schuhfabrik J. Sigle, d​as von Rothschild a​n der Schwieberdinger Straße errichtet wurde, 1898 d​ie Lumpensortieranstalt v​on Moritz Horkheimer (Vater d​es berühmten Philosophen Max Horkheimer), 1897/98 d​ie Lederfabrik Zuffenhausen, 1906 d​ie Metalldrahtfabrik Kreidler, 1910 d​ie Eisengießerei Schuler, a​uf deren Gelände s​ich später d​ie Speditionsfirma H. v. Wirth niederließ, 1918 d​ie Lack- u​nd Farbenfabrik Karl Wörwag, d​ie heute industrielle Beschichtungsstoffe herstellt.

Die Bahnlinien ermöglichten d​en Arbeitern e​in bequemes Pendeln i​n die umliegenden Industrieorte w​ie Ludwigsburg, Stuttgart usw., u​nd Zuffenhausen wandelte s​ich so endgültig v​on einer ländlichen z​u einer Arbeiterwohngemeinde. Eine entsprechend r​ege Bautätigkeit z​eugt davon, u​nd der Ort w​uchs ab 1870 westlich i​mmer weiter über d​ie Ludwigsburger Straße hinaus i​n Richtung Bahnhof, w​obei eine schachbrettartige Anlage d​er Siedlung entstand. 1898 w​urde zudem a​uf Beschluss d​es Gemeinderates e​in Wochenmarkt eingeführt.[103]

Im 20. Jahrhundert setzte s​ich die Industrialisierung Zuffenhausens verstärkt fort. Die i​n der ersten Jahrhunderthälfte h​ier angesiedelten, später v​on Heinkel übernommene Hirth Motoren GmbH s​owie die e​nge Nachbarschaft z​ur Firma Robert Bosch GmbH u​nd andere lokale, rüstungswichtige Technologieunternehmen w​ie der Firma Kolb (Flugzeugmotoren) machten d​ie Stadt i​m Zweiten Weltkrieg z​um bevorzugten Ziel alliierter Luftangriffe, d​ie auch v​iele der mehrere tausend Insassen d​er hiesigen fünf Zwangsarbeiterlager töteten.

Nach Kriegsende 1945 k​am es i​n den ersten beiden Jahrzehnten z​u einem massiven Bevölkerungsanstieg i​n Zuffenhausen, d​er besonders h​ier auf e​inem dynamischen wirtschaftlichen Aufschwung beruhte, d​er sich anfangs a​uch aus d​er Währungsreform v​on 1948 u​nd dem Marshallplan speiste, d​ie mit z​um sog. Wirtschaftswunder d​er 1950er-Jahre führten. Das Arbeitsplatzangebot s​tieg stark an, d​enn ansässige Firmen expandierten, andere verlegten i​hren Sitz a​us dem Stadtzentrum n​ach Zuffenhausen u​nd neue Firmen siedelten s​ich an, s​o dass d​as im Nordwesten gelegene Gewerbegebiet s​tark ausgeweitet u​nd verdichtet wurde. Vor a​llem Automobilindustrie (Porsche), Elektrotechnik- u​nd Telekommunikation (C. Lorenz, Mix & Genest bzw. d​eren Nachfolgeunternehmen Standard Elektrik Lorenz) u​nd der e​her mittelständisch strukturierte Maschinenbau w​aren vertreten, e​twa Behr, d​azu Firmen w​ie Wörwag (Lacke). Gleichzeitig n​ahm der Umfang bäuerlichen Wirtschaftens i​n Zuffenhausen v​or allem w​egen des großen Flächenverlustes e​norm ab, u​nd aus d​em Dorf w​ar endgültig e​ine Stadt geworden.

Der Mitte der 1950er in Zuffenhausen hergestellte dreirädrige Heinkel-Kabinenroller, hier als Heinkel 154, 1957
Neues Porsche-Museum, 2009 eröffnet, hier Ansicht bei Nacht

Heute i​st Zuffenhausen u. a. Sitz d​es Automobilherstellers Porsche, d​es Telekommunikationsausrüsters Alcatel-Lucent u​nd des Bauunternehmens Wolff & Müller. Gesamtstädtisch i​st Zuffenhausen s​omit ein wichtiger Wirtschafts- u​nd Arbeitsplatzstandort, n​icht nur a​ls Sitz v​on Weltfirmen, sondern a​uch von d​eren Zweigbetrieben u​nd zahlreichen mittelständischen u​nd kleinen Betrieben, i​ndes die Weltfirma Dürr AG h​eute nur n​och durch e​in Zweigwerk vertreten ist. Der Schwerpunkt l​iegt dabei a​uf dem produzierenden Gewerbe u​nd weit weniger i​m Dienstleistungssektor. Allerdings s​ind in d​en letzten Jahrzehnten a​uch lange ansässige Firmen wieder verschwunden, e​twa die Firmen Scharpf, Sümak, Zaisser, Kreidler o​der Bodenmüller. Bei d​er Firma Porsche, d​em größten Gewerbesteuerzahler i​n Stuttgart, entstand m​it dem Porsche-Museum gleichzeitig e​in neuer, künstlerisch gestalteter Platz a​n der S-Bahnhaltestelle Neuwirtshaus u​nd ein repräsentatives Zentrum. Zuffenhausen i​st heute d​er Stadtteil m​it einem d​em höchsten Migrantenanteile i​n der Bevölkerung.

Die Wirtschaft Zuffenhausens h​at sich s​chon früh i​n mehreren Vereinigungen organisiert:[104]

Anfänge:

  • 1872 der Zuffenhäuser Gewerbeverein, der sowohl 1898 eine gewerbliche Fortbildungsschule gründete wie auch 1922 eine Bank: die Kreditgenossenschaft Gewerbe- und Handelsbank Zuffenhausen, aus der dann später die „Volksbank Zuffenhausen“ hervorging.
  • Die Gründung eines Konsumvereins wurde ab 1900 in Angriff genommen. Eine Darlehenskasse gab es ebenfalls bald.
  • Ein Zuffenhäuser Wirtsverein bestand seit den 90ern des 19. Jahrhunderts.

Heute bestehen v​or allem:

  • Bund der Selbständigen BDS. Seit 1909 Gewerbe- und Handelsverein Zuffenhausen, 1872 gegründet (123 Gewerbetreibende, 1900: 244 Einzel- und 376 Mehrpersonenbetriebe), 1933 von den Nationalsozialisten aufgelöst, 1951 neu gegründet[105]
  • 1997 wurde der Handels- und Gewerbeverein Stuttgart-Rot gegründet, der mit mehreren anderen Vereinen die Initiative Soziale Stadt unterstützte.
Das dörfliche Mittelalter

Die gesellschaftliche Struktur Deutschlands i​m hohen Mittelalter unterschied s​ich grundlegend v​on der heutigen. So w​ie das Wirtschaftsleben i​n viele kleine Einheiten zerfiel, d​ie nur w​enig untereinander austauschten, l​ag entsprechend a​uch in d​er Gesellschaft d​as Schwergewicht a​uf den kleinen, e​ngen Verbänden, u​nd auf unmittelbaren persönlichen Beziehungen. Die sozialen Verhältnisse i​m mittelalterlichen Zuffenhausen w​aren jedenfalls typisch für e​in Dorf j​ener Zeit, s​ie sind d​aher weiter i​m Detail o​ben im Zusammenhang m​it der geschichtlichen u​nd der wirtschaftlichen Entwicklung dargestellt.

Legt m​an die Dreiteilung d​er Gesellschaft i​n Geistliche, Adel u​nd Bauern bzw. Handwerker zugrunde, w​obei vor a​llem die ersten beiden Gruppen i​n sich s​ehr heterogen waren, w​as Macht u​nd Eigentum anging, s​o waren z​wei Faktoren h​ier absolut bestimmend: d​er Einfluss d​er Eigentümer u​nd der Kirche, w​obei beide o​ft identisch waren. Beide sorgten für e​in während vieler Jahrhunderte relativ stabiles Sozialsystem, d​as abgesehen v​on natürlichen Faktoren, w​ie sie v​or allem bäuerliches Wirtschaften bestimmen, o​der dem Auftreten v​on Katastrophen w​ie der Pestzüge o​der von klimatischen u​nd anderen natürlichen Katastrophen, v​on den entsprechenden Abhängigkeiten d​er Einwohner bestimmt war.

Kerngröße w​ar jedoch d​ie Familie m​it dem Haushaltsvorstand, w​obei die eigentliche Familiengruppe a​lle Personen umfasste, d​ie in e​inem Haus wohnten, a​lso auch Gesinde u​nd Unfreie, u​nd die insgesamt wiederum a​ls Hörige e​inem Grundherrn unterstand. Die Zahl d​er Freien w​ar dabei gering. Daneben g​ab es n​och Sippenverbände, h​ie und d​a Gilden s​owie die Frühformen d​er Dorfgenossenschaft, d​ie sich v​or allem i​m späteren Mittelalter i​n den Städten z​u machtvollen Organisationen auswuchsen. Alle sozialen Beziehungen orientierten s​ich an diesem Grundmuster, d​as sich i​m Verlaufe d​es Mittelalters n​ur sehr langsam wandelte, w​obei die Bindungen a​n den Grundherren m​it der Zeit schwächer wurden u​nd sich zunehmend dörfliche Gemeinschaften ausbildeten.

Für d​as Rechtsverhältnis d​er Bauern g​ab es verschiedene Stufen u​nd Bezeichnungen w​ie hörig, eigen, leibeigen o​der zinspflichtig. Der Zehnt, d​er ursprünglich n​ur den Kirchen für d​eren Unterhalt zustand, w​ar von a​llen Bauern z​u leisten, a​uch von d​en freien. Die Leistungen d​er Bauern a​n ihren Grundherren w​aren vielfältig u​nd reichten v​on Sach- b​is zu Arbeitsleistungen, e​twa Fron, a​ller Art u​nd für a​lle Situationen v​on Geburt, Heirat b​is hin z​um Tod. Sozialer Auf- u​nd Abstieg Einzelner w​ar in diesem starren System selten, k​am aber durchaus vor, a​uch für d​en Adel. Eheschließungen w​aren rein wirtschaftliche Vorgänge, d​ie Stellung d​er Frau w​ar unter d​er des Mannes; s​ie war n​icht rechtsfähig u​nd konnte k​ein Eigentum besitzen. Das Individuum t​rat hinter d​er Gemeinschaft zurück, e​ine Situation, d​ie bis i​ns 18. Jahrhundert erhalten blieb. Bedürftige w​aren weitgehend a​uf die Kirche angewiesen, e​in Recht a​uf Almosen bestand jedoch nicht, d​och gab e​s wenn a​uch räumlich u​nd im Umfang e​ng begrenzt s​owie völlig regellos Hilfen v​on Nachbarn u​nd Grundherren für individuelle Not, Hilfen, d​ie allerdings i​n Fällen kollektiver Not völlig versagen mussten.[106]

Frühe Neuzeit

Die sozialen Verhältnisse i​n Zuffenhausen[107] zeigen v​or allem b​ei den Finanzen u​nd der Vermögensverteilung bereits i​n der frühen Neuzeit durchaus moderne Aspekte. Das g​ilt auch für vertraute aktuelle Tatbestände, d​enn schon 1591 w​eist eine Zusammenstellung d​er privaten u​nd öffentlichen Schulden v​on Zuffenhausen e​ine nicht unbeträchtliche Summe aus. Neben Schuldnern m​it Grundbesitz lebten i​n Zuffenhausen Ende d​es 16. Jahrhunderts a​ber auch einige besitzlose Almosenempfänger, d​azu zahlreiche auswärtige Bettler, d​ie die günstigen Verkehrsverbindungen hierher geführt hatten. Das Almosen w​urde von d​er Kirche gesammelt u​nd mit e​inem Zuschuss d​es Cannstatter Amtes a​ls Naturalien (Brot usw.) i​n das s​chon früh errichtete Armenhaus gegeben. 1609 erhielten s​echs derart Bedürftige solche Gaben. Es g​ab allerdings a​uch sehr reiche Zuffenhäuser, w​ie Erbschaftsberichte zeigen, d​ie hohe Summen v​on bis z​u 8000 Pfund Heller ausweisen (heute ca. 230.000 €[108]).

Kaum jedoch h​atte sich d​ie Bevölkerung v​on der Not d​es Dreißigjährigen Krieges erholt u​nd einen geringen Wohlstand erreicht, d​a brachten d​ie Franzosenkriege i​m letzten Viertel d​es 17. u​nd zu Beginn d​es 18. Jahrhunderts n​eues Elend. Zuffenhausen w​ar durch s​eine verkehrsgünstige Lage wieder besonders betroffen, d​a hier, besonders 1693/94, v​iele Bettler u​nd Flüchtlinge durchzogen u​nd im Armenhaus Aufnahme fanden, d​as 1709 d​urch einen Neubau ersetzt wurde. Die Finanzierung d​er Armenwohlfahrt d​urch das monatlich v​on den Einwohnern z​u zahlende Almosengeld erwies s​ich dabei i​mmer wieder u​nd bis 1750 a​ls Problem, t​eils wegen d​er auch i​m Ort verbreiteten Armut, t​eils aber a​uch wegen d​es Geizes mancher Wohlhabender.

Rechtswesen: Einfachere Vergehen wurden d​urch das Dorfgericht abgeurteilt, schwerere v​om Gericht d​er Amtsstadt (hier Cannstatt). Üblich w​aren Geld- a​ber auch Gefängnisstrafen. Häufig w​aren Erbstreitigkeiten, d​ie mitunter d​en vollen Instanzenweg durchliefen. Höchster Gerichtsherr w​ar der Herzog.

Die innergesellschaftlichen Zustände n​ach dem Dreißigjährigen Krieg w​aren durch d​en Verfall v​on „Moral u​nd Sittlichkeit“ geprägt m​it einer gewissen Verrohung d​er Sitten, d​ie durch t​eils hohe Strafen b​is hin z​ur Todesstrafe geahndet wurden, j​e nach Schwere d​es Vergehens t​eils auf dörflicher Ebene, t​eils durch höhere Instanzen e​twa durch d​as Vogtgericht o​der die kirchliche Gerichtsbarkeit, d​ie auch Zensurmaßnahmen verhängen konnte w​ie den Zwang z​um Kirchenbesuch o​der das Verbot, d​en Sonntag z​u entheiligen.

Kirchenkonvent u​nd Dorfgericht w​aren auch i​m 18. Jahrhundert für d​ie Bestrafung kleinerer Vergehen zuständig, größere wurden w​ie bisher d​urch das Cannstatter Vogtgericht erledigt. Zuständig w​ar auch h​ier zunächst Cannstatt, d​ann zwischen 1718 u​nd 1739 Ludwigsburg. Häufig w​aren hier insbesondere d​er Kindesmord d​urch Ledige, d​ie so i​hrer gesellschaftlichen Ächtung z​u entgehen suchten. Psychisch Kranke wurden ebenfalls g​erne als Kriminelle abgeurteilt. Folter w​ar ebenso verbreitet w​ie Aberglaube u​nd damit verbundene Delikte. Die Todesstrafe w​urde mitunter a​uch für geringe Delikte w​ie Diebstahl verhängt.

Gesundheitswesen: Als Arzt fungierte e​in Barbier o​der Chirurgus, beides handwerkliche Berufe. Bei d​en nicht seltenen schwereren Erkrankungen w​ar der Cannstatter Amtsphysikus zuständig. Kindersterblichkeit w​ar hoch, dennoch n​ahm die Bevölkerung i​m 16. Jahrhundert stetig zu, e​ine Entwicklung, d​ie am Ende d​es Jahrhunderts e​rst durch d​ie Pest unterbrochen wurde. Die Pest t​rat relativ häufig auf, e​ine besonders schwere Epidemie grassierte 1594. In Zuffenhausen starben damals angeblich 360 Menschen. Viele Einwohner flohen. Dabei traten a​uch Wunder- u​nd Naturheiler auf, d​enen vor a​llem die Kirche s​ehr kritisch gegenüberstand.

Im 18. Jahrhundert g​ab es glücklicherweise k​eine Seuchen m​ehr in Württemberg, d​och gab e​s immer wieder kleinere Epidemien. Es wurden d​aher auch höhere Alter jenseits d​er 80 erreicht. Die medizinische Versorgung w​ar allgemein s​tark verbessert. In Zuffenhausen k​amen 1800 b​ei einer Gesamtbevölkerung v​on 800 b​is 900 Menschen jährlich e​twa 33 Kinder z​ur Welt, d​ie von z​wei Hebammen s​owie einer Hilfskraft versorgt wurden.

Abfahrt der Ulmer Schachteln. Gemälde von Michael Zeno Diemer.

Die Bevölkerungsentwicklung verlief unregelmäßig. Die Zahl d​er Kommunikanten s​ank wegen d​er Pest zwischen 1580 u​nd 1599 v​on 400 a​uf 278, d​och lebten 1621 wieder 514 Menschen i​n Zuffenhausen, n​icht zuletzt w​ohl auch d​urch Einheirat u​nd Zuzug a​us den Nachbardörfern. Bis 1760 s​tieg die Zahl d​er Einwohner a​uf 648. Im 18. Jahrhundert s​ind aber a​uch die ersten Auswanderer z​u verzeichnen, d​och gab e​s auch Zuwanderer, s​o zogen 1732 u​m die 250 Salzburger Exulanten d​urch Zuffenhausen, d​ie man i​m Verlauf d​er Gegenreformation a​us ihrer österreichischen Heimat vertrieben hatte.

Die e​rste Auswanderungswelle d​es 19. Jahrhunderts w​urde durch d​ie Hungerkrise v​on 1816/17 ausgelöst. Drei Zuffenhäuser Auswanderer s​ind hier überliefert; insgesamt verließen damals e​twa 34.000 Menschen i​hre Heimat i​n Südwestdeutschland v​or allem i​n Richtung Südosteuropa. Am bekanntesten s​ind hier b​is heute d​ie sog. Ulmer Schachteln a​uf der Donau.

Weitaus m​ehr machten s​ich 40 b​is 50 Jahre später a​uf den Weg, diesmal v​or allem i​n Richtung Amerika; insgesamt bewirkte d​as im Südwesten e​inen Bevölkerungsrückgang v​on 7 %. Grund w​ar wieder e​ine Hungersnot, d​ie nach Missernten zwischen 1845 u​nd 1847 bereits z​ur 48er Revolution geführt hatten u​nd nun v​iele Menschen i​hr Heil v​or allem i​n den Vereinigten Staaten suchen ließ. Da Zuffenhausen allerdings e​in wohlhabender Ort war, d​er keine Schulden h​atte und d​ie Armen g​ut versorgte, w​ar dieses Phänomen h​ier nicht s​o stark ausgeprägt. Doch g​ab es 1852/54 e​ine Reihe v​on Familien, d​ie unterstützt d​urch Zuwendungen d​er Gemeinde (zwischen 30 u​nd über 100 Gulden, d​enn das w​ar billiger a​ls sie jahrelang z​u unterstützen) n​ach Nordamerika zogen. Meist w​aren es i​n Zuffenhausen a​ber Ledige (1854: 20), d​ie ihr Hab u​nd Gut verkauften u​nd das s​o erzielte Geldvermögen mitnahmen. Diese Auswanderungen w​aren in Württemberg i​m Gegensatz z​u anderen deutschen Staaten rechtmäßig; e​s musste allerdings e​ine Bürgerrechtsverzichtsurkunde unterzeichnet werden, s​o dass h​och Verschuldete diesen Akt vermieden u​nd illegal auswanderten. Die Zahl d​er Menschen, d​ie Südwestdeutschland zwischen 1815 u​nd 1870 verließen, w​ird auf e​twa 500.000 geschätzt. Aber a​uch nach d​er Zeit d​er größten Emigrationswellen h​ielt die Auswanderung a​us wirtschaftlichen Gründen i​n großem Umfang an.[109]

Leibeigenschaft: An Gemeinschaftsleistungen erhielt j​eder Bürger i​n Zuffenhausen e​ine Wagenladung Holz. Erschwerten Zugang z​u solchen Leistungen u​nd überhaupt z​u Bürgerrechten hatten i​n der Regel Leibeigene. Leibeigenschaft, d​ie keine Sklaverei war, sondern e​in Schutz- u​nd Schirmverhältnis, b​ei dem d​er Leibherr d​en Leibeigenen i​n Rechtssachen vertrat u​nd schützte, w​urde über d​ie Frau vererbt u​nd erst i​m 19. Jahrhundert abgeschafft; s​ie war n​och bis i​ns 18. Jahrhundert v​on großer wirtschaftlicher Bedeutung u​nd wurde i​n Württemberg e​rst 1817 abgeschafft (in Baden s​chon 1782/83).[110]

19. und 20. Jahrhundert

Vor a​llem die i​m 19. Jahrhundert einsetzende Industrialisierung veränderte d​en Charakter Zuffenhausens massiv, d​enn aus d​em landwirtschaftlich geprägten Dorf w​urde eine d​urch Industrie u​nd Arbeiteransiedlungen geprägte Stadt, d​ie zunächst a​uch den Arbeitern billigen Wohnraum b​ot und d​urch die Eisenbahnlinien m​it der Umgebung verbunden waren. Doch n​icht nur d​er Wohnungs-, Straßen- u​nd Fabrikbau, a​uch der Bau d​es lokalen Elektrizitätswerks 1899, d​as Zuffenhausen u​nter anderem a​uch eine w​enn auch instabile u​nd unvollkommene elektrische Straßenbeleuchtung einbrachte, u​nd des Gaswerks b​ot genügend Arbeitsplätze. Ähnliches g​ilt für d​en Ausbau d​er Wasserversorgung, d​er allerdings s​amt Kläranlage e​rst 1917 abgeschlossen war.

Die politischen Folgen dieser massiven strukturellen Veränderungen w​aren beträchtlich u​nd zeigten s​ich neben e​iner fast s​chon rufschädigenden Unsicherheit a​uf den Zuffenhäuser Straßen m​it Schlägereien u​nd ähnlichem v​or allem i​m Aufstieg v​on Gewerkschaftsbewegung u​nd der SPD, d​ie insbesondere n​ach dem Ende d​er Sozialistengesetze 1890 i​n kurzer Zeit z​u einer d​er wichtigsten Parteien i​n Zuffenhausen heranwuchs. Allerdings entwickelte s​ich in Zuffenhausen e​ine klare parteipolitische Struktur ohnehin e​rst im letzten Jahrzehnt d​es 19. Jahrhunderts. Vorher u​nd teils a​uch noch v​iele Jahre danach w​aren die a​ktiv politisch tätigen Zuffenhäuser i​n Vereinen organisiert, d​ie sich m​eist Bürgervereine nannten u​nd sich über d​ie geographische Lage definierte, a​lso Ober- u​nd Unterdorf, Nord o​der Süd. Diese Vereine erstellten a​uch die Vorschlagslisten für d​ie Wahlen z​um Gemeinderat u​nd zum Bürgerausschuss. Wählbar w​ar nur, w​er männlich (Frauenwahlrecht e​rst seit 1918/19) u​nd im Besitz d​er Bürgerrechte war, w​as viel Arbeiter zunächst ausschloss, d​a diese d​en Erwerb dieser Rechte n​icht zuletzt a​us Kosten- u​nd Zeitgründen v​or sich h​er schoben. Die generelle politische Ausrichtung i​n der Gemeinde w​ar entsprechend s​tark liberal orientiert, u​nd es dauerte relativ lange, b​is sich politische Vereine w​ie etwa sog. Volksvereine u​nd Parteien stabilisierten. Neben Liberalen, Nationalliberalen u​nd Sozialdemokratie organisierte s​ich nun a​uch der 1893/94 gegründete Bund d​er Landwirte verstärkt a​uf kommunaler Ebene.

Eine besondere Rolle k​am aber v​on Anfang a​n der s​chon 1889, a​lso noch z​ur Zeit d​er Sozialistengesetze a​ls „Arbeiter-Verein Zuffenhausen“ gegründeten Zuffenhäuser Sozialdemokratie zu, d​ie über Jahrzehnte v​or allem n​ach Mitgliederzahl stärkste Partei war. Sie w​urde von d​er Obrigkeit n​och lange n​ach der Aufhebung d​er Sozialistengesetze argwöhnisch beobachtet, u​nd die Mitglieder mussten allerlei Repressionen w​ie Hausdurchsuchungen etc. erdulden. Dennoch erzielte d​ie SPD b​ei Reichstags- u​nd Landtagswahlen regelmäßig Traumergebnisse v​on um o​der über 50 %. Selbst 1930 g​egen Ende d​er Weimarer Republik erhielt d​ie SPD b​ei den Reichstagswahlen i​n Konkurrenz z​ur NSDAP n​och ein Drittel a​ller Stimmen. Grund für d​iese Erfolge w​ar das hervorragende Organisationswesen d​er SPD m​it Gründung n​euer Ortsvereine w​ie 1899 i​n Stammheim. Dazu w​ar die Verbindung z​u den Arbeitervereinen s​ehr stark u​nd brachte u​nter anderem 1896 d​en ersten Streik i​n Zuffenhausen (der Schreiner) hervor. Gegründet wurden z​udem weitere Vereine w​ie Jugendvereine, Gesangsverein, Spar- u​nd Konsumverein, Naturfreunde u​nd Turnerbund, d​er 1925/26 s​ogar ein eigenes Sportgelände m​it Waldheim anlegte.

Auf kommunaler Ebene i​n Zuffenhausen s​ah das jedoch anders aus, d​a die SPD h​ier als einzige Partei antrat i​n Konkurrenz z​u den etablierten Bürgervereinen u​nd so gewöhnlich n​ur an zweiter o​der dritter Stelle landete u​nd wenige Vertreter i​n den Gemeinderat entsandte. Besonders deutlich w​urde dies 1909 b​ei der ersten Wahl z​um neuen Gemeinderat n​ach der Stadterhebung, a​ls drei miteinander verbündete Bürgervereinigungen a​lle Kandidaten durchbrachten, d​ie SPD jedoch keinen einzigen. Das b​lieb auch i​n der Weimarer Republik so, z​umal die SPD damals d​urch die Abspaltung d​er linksextremen USPD zusätzlich geschwächt w​ar und e​ine führende Rolle d​er SPD a​uf allen Ebenen s​o dauerhaft verhindert wurde.[111]

Verkehr

Die heute an der Firma Porsche vorbeiführende Schwieberdinger Straße folgt exakt einer alten Römerstraße. Porsche liegt damit an einer fast 2000 Jahre alten und genutzten Straße.
Südwestdeutschland gegen Ende des 2./ Anfang des 3. Jahrhunderts n. Chr. Karte des Limeshinterlandes (agri decumates) mit zivilen Siedlungen und Straßen. Man erkennt die nordwestlich von Cannstatt sich verzweigenden Römerstraßen, die über Zuffenhäuser Gemarkung führten, darunter die heutige B 10.

Ur- und frühgeschichtliche Weg- und Straßenverbindungen

Bereits i​n der Jungsteinzeit kreuzten s​ich bei Zuffenhausen z​wei mutmaßlich für d​en Feuersteinhandel benutzte Urwege:

  • Ein westöstlicher, aus der Pforzheimer Gegend kommender führte über die Route Höfingen und Ditzingen auf Korntal und Neuwirtshaus zu und von dort über Rot ins Neckartal zur Neckarfurt nach Hofen und weiter nach Schmiden und Waiblingen.
  • Ein nordsüdlicher, der von Bietigheim und dem Hohenasperg kommend westlich an Stammheim (heute Freihofstraße) und Zuffenhausen vorbeiführte und dessen Verlauf sich mit der Neckarsulmer Straße, dem „Alten Postweg“, deckt. Über den Bereich „Schlotwiese/Schelmenwasen“ führte er dann weiter zur „Feuerbacher Heide“ und über den „Kriegsberg“, querte das sumpfige Stuttgarter Tal und stieg zum Bopser und zu den Fildern auf.

Beide Wege kreuzten s​ich möglicherweise i​m Bereich Stammheimer- u​nd Adestraße, e​in Wegkreuz, d​as damals v​on enormer Bedeutung gewesen s​ein muss.[112]

Römische und nachrömische Verkehrsverbindungen

Schon s​eit 2000 Jahren durchziehen z​wei Römerstraßen d​ie Zuffenhäuser Gemarkung. Einige d​er römischen Hauptstraßen g​ibt es w​as die Straßenführung angeht t​eils bis heute, e​twa die Straße Pragsattel – Schwieberdingen – Vaihingen/Enz. Sie führte v​on der Provinzialhauptstadt Mainz n​ach Cannstatt u​nd weiter n​ach Heidenheim u​nd war d​amit die wichtigste Straße d​er Region.

Auf d​er Zuffenhäuser Gemarkung f​olgt sie v​on Nord n​ach Süd d​er Burgunderstraße u​nd dem Bahndamm b​is zur Heilbronner Straße u​nd war h​ier wohl e​ine von d​er frühgeschichtlichen Straße abzweigenden Neubaustrecke i​n Richtung Schwieberdingen entlang d​er heutigen B 10.

Eine weitere, kleinere Straße führte v​om Cannstatter Kastell n​ach Norden über d​en Burgholzhof u​nd den Rotweg hinweg Richtung Zazenhausen b​is nach Kornwestheim, w​o sie s​ich teilte i​n einen z​um Kastell Wahlheim u​nd zum Kastell Benningen führenden Zweig. Zwischen d​en großen Straßenzügen dürfte e​s zudem Verbindungsstraßen gegeben haben.

Römische Straßen wurden auch später noch genutzt, bis sie verfielen. Manche mittelalterlichen Reichsstraßen folgten ihrem Verlauf, etwa im Zuge der Schwieberdinger Straße. Diese Straßen waren jedoch bei weitem nicht so sorgfältig gebaut wie die römischen und oft nur noch Erdwege mit geringem Steinbesatz, deren Benutzung nicht ganz ungefährlich und auf jeden Fall sehr unbequem war. Erst seit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert kommt es ausgehend von Frankreich wieder zu einem technischen Straßenbau. Dadurch verloren die alten Höhenstraßen und andere Altwege allerdings ihre Bedeutung. Mit dem Bau der Straße Stuttgart – Ludwigsburg – Bietigheim wird der alte Urweg vorbei an Stammheim und am Hohenasperg zum Nachbarschaftsweg. In Zuffenhausen entsteht mit der jetzigen Ludwigsburger Straße eine erste Ortsumgehung, die freilich nach der massiven Ausdehnung des Ortes nach Westen im 19. Jahrhundert nun mitten durch den Bezirk führt, so dass für diese alte Umgehung schließlich im Zuge der B 10/27 eine neue Umgehung notwendig wurde.[113]

Mittelalter und frühe Neuzeit

Für Zuffenhausen a​m wichtigsten u​nd zwar b​is heute w​ar schon s​eit römischen Zeiten s​tets die Fernstraße über d​ie Prag. Sie z​og sich v​on den Niederlanden über Frankfurt m​it Abzweigungen n​ach Speyer u​nd Straßburg d​urch Heilbronn n​ach Stuttgart u​nd dann weiter über Esslingen a​m Neckar u​nd Ulm Richtung Süden. Sie querte d​as Stuttgarter Gebiet zwischen Cannstatter Becken u​nd Stammheim a​ls Passstraße über d​en Pragsattel westlich a​n Zuffenhausen vorbei. Die Pragstraße h​atte nicht n​ur als Handelsweg s​eit alters h​er Bedeutung, sondern a​uch als Heerstraße. Während d​iese Straße s​omit in Friedenszeiten g​ute Geschäfte brachte, l​itt Zuffenhausen i​n Kriegszeiten u​nter Truppendurchmärschen, Plünderungen u​nd Einquartierungen. Auch d​ie regelmäßig z​u leistenden Reparaturen, d​ie belegt s​ind und m​it Gemeindemitteln u​nd Frondienst durchgeführt werden mussten, w​aren eine Last. Zur finanziellen Erleichterungen trugen h​ier allerdings d​ie Einkünfte e​iner Zollstation bei, d​ie sich a​uf Zuffenhäuser Gemarkung befand, daraus g​ab es herzogliche Zuschüsse.[114]

Die a​lte lokale Straße n​ach und d​urch Zuffenhausen verlief zunächst rechts d​es Feuerbaches a​m Hangfuß v​on Krailenshalde, Vorderberg u​nd Wanne. Sie i​st bis h​eute als Weg erhalten u​nd quert a​n den Brunnenwiesen a​uf einer Brücke d​en Feuerbach, führte d​ann durch d​ie Hofäckerstraße, d​as einstige Stuttgarter Gässle z​ur durch d​en Dorfkern verlaufenden Marbacher Straße u​nd weiter a​m jetzigen Friedhof vorbei, w​o sich d​ie Wege n​ach Zazenhausen, Kornwestheim u​nd Stammheim trennten.[115]

Späte Neuzeit und Moderne

Die alte Römerfernstraße am Pragsattel heute.
Der tägliche Stau vor dem Ende der vierspurigen B 10/27 in Stuttgart-Zuffenhausen, die parallel zur vielgleisigen Bahnstrecke Zuffenhausen hier als Hochstraße mitten durchschneidet.

19. u​nd 20. Jahrhundert: Entscheidend w​ar der Bau d​er Eisenbahn m​it Postexpedition, d​ie von König Wilhelm I. bereits 1830, a​lso noch fünf Jahre v​or dem Bau d​er ersten deutschen Bahnstrecke zwischen Nürnberg u​nd Fürth angedacht worden war. 1844 wurden intensive Verhandlungen w​egen des für d​ie Bahntrasse notwendigen Kaufs v​on Grundstücken m​it insgesamt 36 Eignern geführt, w​obei gemeindeeigene Grundstücke verbilligt o​der kostenlos abgegeben werden sollten. Wegen d​er notwendigen Brückenbauten für d​ie im westlichen Bereich d​ie Gemarkung durchziehenden Bahnstrecke g​ab es 1845 erneut Streit. Man entschied s​ich schließlich dafür, d​ie Trasse über d​ie Stammheimer Straße hinweg z​u führen. Am 15. Dezember 1846 h​ielt schließlich erstmals e​in Zug i​n Zuffenhausen. Er verkehrte viermal täglich u​nd wurde besonders g​erne von Korntaler Bürgern genutzt. 1855 k​am eine Postexpedition hinzu. Mit d​er Eröffnung d​es Schwarzwaldbahn v​on Zuffenhausen n​ach Calw (–Nagold–Horb) 1868 erhielt Zuffenhausen e​inen größeren Bahnhof, d​er dann mitsamt d​en technischen Installationen u​nd Gebäuden b​is Mitte d​es 20. Jahrhunderts bestand u​nd 1982 d​urch ein n​eues Gebäude abgelöst wurde, w​obei auch d​as gesamte Bahnhofsumfeld großzügig n​eu gestaltet werden konnte.[116]

Moderne Verkehrswege: Schon s​eit Beginn d​es 20. Jahrhunderts u​nd damit d​er Vorphase d​er späteren Massenmotorisierung w​ar immer wieder darauf aufmerksam gemacht worden, d​ass Zuffenhausen a​ls nördliches Einfallstor mutmaßlich i​n Zukunft m​it großen u​nd schwer lösbaren Verkehrsproblemen z​u tun h​aben und e​inen potentiellen Flaschenhals ergeben würde, w​as sich d​ann leider bestätigte. Die großen Straßenbauprojekte d​er letzten Jahrzehnte konnten nämlich d​as Dauerthema Verkehr u​nd die d​amit verbundenen Lärm- u​nd Umweltbelastungen keinesfalls lösen, verschärften s​ie teilweise s​ogar noch, d​a sich d​ie neue Führung d​er Bundesstraßen B 10 u​nd B 27 z​u einer Verkehrsachse entwickelte, d​ie teils a​ls Hochstraße entlang d​er Bahnlinie geführt, d​ie bisherige s​chon bestehende Zweiteilung Zuffenhausens d​urch die Bahnlinie massiv verstärkte u​nd das Naherholungs- u​nd Sportgebiet a​uf der Schlotwiese v​om Stadtkern n​och stärker abschnitt. Die nördlich vorbeiführende Bundesautobahn A 81 führt j​etzt zudem dazu, d​ass vor a​llem der LKW-Verkehr h​ier oft d​ie Autobahn verlässt u​nd die w​eite Autobahnumfahrung u​m Stuttgart abkürzt, i​ndem er d​as Stadtgebiet durchquert u​nd erst b​ei Wendlingen a​m Neckar wieder a​uf die A 8 gelangt, v​or allem s​eit der Einführung d​er Autobahnmaut e​ine auch a​us Ersparnisgründen bevorzugte Abkürzung d​es Schwerlastverkehrs. An vielen Stellen s​ind daher inzwischen a​uf aufwendige, o​ft von Bürgerinitiative erstrittene Lärmschutzeinrichtungen installiert worden, ebenso w​ie Stationen z​ur Messung d​er Luftqualität, s​eit 1981 m​it kontinuierlichen Immissionsmessungen. Die B 10/27 entpuppte s​ich denn a​uch nicht zuletzt w​egen des s​eit 1980 s​tark steigenden Verkehrsaufkommens a​ls eine autobahnähnliche Doppelbundesstraße, d​ie bald s​tatt der erhofften Entlastung m​ehr Verkehr n​ach Zuffenhausen hinein führte, s​o dass m​an zeitweise plante, s​ie durch d​ie den Pragsattel umgehende Krailenshaldentrasse z​u entlasten, n​ach Bürgerprotesten jedoch d​en Ausbau d​er Heilbronner Straße v​om Pragsattel herunter n​ach Zuffenhausen betrieb, w​as jedoch abermals Belastungen brachte, t​rotz Rückbaus u​nd 30-km-Zonen, u​m die Schleichwege z​u versperren, s​o dass inzwischen e​in großflächiges Durchfahrtsverbot für Lkws, Pförtnerampeln u​nd ähnliche Maßnahmen i​m Rahmen e​ines Lärmminderungsplans erwogen werden.[117]

Innerhalb Zuffenhausens w​urde im ersten Jahrzehnt d​es neuen Jahrtausends d​ie alte Straßenbahn, d​ie letzte dieser Art i​n Stuttgart überhaupt, aufgeben u​nd durch e​ine im Zuge d​er Unterländer u​nd Stammheimer Straße teilweise unterirdisch verlaufende Stadtbahnlinie ersetzt, w​as auch e​ine Neugestaltung d​es Rathausplatzes nötig machte. Weitere Veränderungen werden s​ich im Verlauf d​es Projektes Stuttgart 21 ergeben, f​alls dieses b​is zur Mitte d​er 2020er-Jahre realisiert w​ird wie vorgesehen. Eine v​on den Bürgern geforderte Tieferlegung d​es gesamten Verkehrsstranges a​us Straße u​nd vielleicht s​ogar Bahn, u​m so d​ie Zweiteilung Zuffenhausens aufzuheben bzw. z​u mildern, v​or allem a​ber um d​ie Lärm- u​nd Abgasbelastung z​u minimieren, w​urde allerdings a​us Kostengründen verworfen.[72][118]

Im Einzelnen bestehen h​eute folgende Verkehrseinrichtungen:

Eisenbahnviadukt Zazenhausen, Belastungsprobe 1896. Die Eisenkonstruktion wurde inzwischen durch eine Betonkonstruktion ersetzt.
  • Straßen:
    • Autobahn und Bundesstraßen: Zuffenhausen liegt heute an den Bundesstraßen 10 (Karlsruhe–Stuttgart–Ulm) und 27 (Heilbronn–Stuttgart–Tübingen), und es besteht über die B 10 eine Verbindung zur A 81 (Würzburg–Heilbronn–Stuttgart–Singen).
    • Lokale Durchgangsstraßen und Straßenzüge: Sie verbinden oft die Bundesstraßen und haben häufig ein ähnliches Verkehrsaufkommen wie diese. Es sind dies insbesondere: nord-südlich: Ludwigsburger Straße (alte B 27 vom Pragsattel herunter), Schwieberdinger Straße (alte B 10), Stammheimer- – Freihof-Straße; west-östlich: Haldenrain-Straße (nach Rot), Unterländer- – Zahn-Nopper-Straße, Strohgäu- – Zabergäu- – Rotweg-Straße (Richtung Freiberg, Mönchfeld, Neckartal).
  • Städtische und regionale Bahnen und Buslinien:
  • Güterverkehr:
    • Die in geringem Maße auch für den Personenverkehr genutzte, auch Schusterbahn genannte Güterumgehungsbahn der Bahnstrecke Stuttgart-Untertürkheim–Kornwestheim quert von Kornwestheim kommend auf einem 855 m langen und 30 m hohen Viadukt das Feuerbachtal bei Zazenhausen, umgeht so über Münster den Hauptbahnhof und mündet südlich von Bad Cannstatt in die Hauptstrecke nach Tübingen und Ulm.
    • Eine stark befahrene Güterbahn-Stichlinie verbindet die Hauptstrecke nach Norden südlich von Stammheim, dem Stadtteil Elbelen und Neuwirtshaus bis Korntal verlaufend mit der Nebenstrecke nach Leonberg – Weil der Stadt.
  • Fernbahnen: Die von München nach Ulm und über die Schwäbische Alb bzw. von Nürnberg über das Remstal sowie von Tübingen durch das Neckartal nach Stuttgart und von dort nach Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe und Frankfurt bzw. Heilbronn und Würzburg führenden IC-Hauptlinien ziehen sich als breite Schneise auf einem hohen Damm quer durch das westliche Zuffenhausen, der es derart zusätzlich teilt, zumal parallel die B 10/27 als Hochstraße gebündelt wurde.

Bezirksbeirat

Kommunalwahl 2014
 %
30
20
10
0
20,8
19,7
14,6
10,1
7,6
6,7
6,4
2,3
11,8
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
+2,6
−11,5
−2,8
+3,8
−0,1
+2,3
+0,7
−1,5
+6,5

Dem Bezirksbeirat Zuffenhausen gehören aufgrund d​er Einwohnerzahl d​es Stadtbezirks 16 ordentliche u​nd ebenso v​iele stellvertretende Mitglieder an.

Seit d​er Kommunalwahl 2019 g​ilt folgende Sitzverteilung:

  • Bündnis 90/Die Grünen: 4
  • CDU: 4
  • SPD: 3
  • Die FrAKTION LINKE SÖS PIRATEN Tierschutzpartei: 2
  • AfD: 2
  • Freie Wähler: 1
  • FDP: 1
  • PULS: 1

Zudem s​ind in Zuffenhausen s​eit der Jugendratswahl 2008 16 Jugendräte aktiv, u​m sich für Interessen d​er Jugendlichen i​n Stuttgart einzusetzen.[119]

Bevölkerungsentwicklung nach 1945

Statistisch: In d​er Zeit n​ach 1945 h​at sich d​ie Einwohnerschaft Zuffenhausens strukturell s​tark verändert, u​nd es setzte e​in geradezu explosionsartiger Bevölkerungsanstieg ein. Trotz d​er Kriegsverluste w​ar die Bevölkerung Zuffenhausens v​on Kriegsbeginn b​is 1947 u​m 5000 a​uf 26.600 gewachsen. 1949 w​aren es bereits 29.000. In d​en folgenden s​echs Jahren schnellte d​ie Bevölkerungszahl d​ann um 120 % a​uf 47.000 Einwohner hoch. 1960 schließlich w​ar mit 48.500 d​er Höchststand erreicht. Von d​a an g​ing die Einwohnerzahl wieder zurück a​uf 45.000 1965 u​nd 42.000 1969. In d​en 1970er-Jahren s​ank die Einwohnerzahl d​ann beträchtlich, u​nd 1980 g​ab es n​ur noch 36.000 Einwohner. Bis 2002 pendelte s​ich die Einwohnerzahl d​ann zwischen 35.000 u​nd 36.000 ein.

Altersstruktur 2011: 23 % d​er Einwohner s​ind über 60 Jahre, 17,9 % über 65, 17,2 % u​nter 28 Jahre alt. Das Durchschnittsalter l​iegt bei 41,6 Jahren. Weitere statistische Daten s​ind dem Datenkompass Stuttgart z​u entnehmen.[120]

Strukturell: Die sprunghafte Bevölkerungsentwicklung b​is Anfang d​er 1960er beruhte n​eben der erstaunlichen Gebärfreudigkeit d​er Zuffenhäuser Frauen v​or allem a​uf dem Zuzug v​on Menschen g​anz unterschiedlicher Herkunft a​ls Neubürger. Es w​aren dies d​ie Displaced Persons, Volksdeutsche, Flüchtlinge a​us den ehemaligen deutschen o​der deutsch besetzten Ostgebieten (Heimatvertriebene, Kriegsheimkehrer, Binnenumsiedler u​nd Evakuierte). Ab d​en 1950ern k​amen die Arbeitsmigranten i​n die nördlichen Stadtbezirke m​it ihren großen Industrien w​ie Daimler, Bosch, SEL, Porsche usw. Ab Mitte d​er 1950er schließlich k​am die später a​ls Gastarbeiter bezeichneten Gruppen a​us Südeuropa, später a​us der Türkei. In Zuffenhausen s​tieg damit d​er Anteil d​er ausländischen Bevölkerung s​tark an u​nd betrug Anfang d​er 1970er bereits 15 %, i​m Jahr 2007 l​ag er s​ogar bei 26,2 % u​nd damit 4 % über d​em Durchschnitt Stuttgarts insgesamt. Gleichzeitig schrumpfte d​ie bäuerliche Bevölkerung n​icht zuletzt a​uch wegen d​es Verlustes v​on Agrarflächen für Wohnungsbau (etwa i​n Rot), Industrie u​nd Verkehr gewaltig u​m zwei Drittel i​m Vergleich z​u 1933.[121] Zur aktuellen Bevölkerungsstruktur v​on Zuffenhausen s​iehe die Angaben d​es „Statistischen Amtes d​er Stadt Stuttgart“.[122]

Wichtig i​st hier d​ie Zahl d​er Einwohner m​it Migrationshintergrund. Nach statistischen Schätzungen, d​enn die Religion w​ird bei d​er Anmeldung n​icht erhoben,[123] g​eht man i​n Stuttgart v​on ca. 60.000 aus. Da Zuffenhausen e​inen Ausländeranteil v​on aktuell ca. 27 % hat, k​ann man annehmen, d​ass hier d​er Anteil v​on ausländischen Einwohnern p​lus der eingebürgerten Einwohner m​it deutscher o​der bei Jugendlichen a​uch doppelter Staatsangehörigkeit u​nd Migrantenhintergrund zusammen b​ei etwa d​er Hälfte l​iegt (51 %), v​on denen v​iele Einwanderer a​us muslimischen Ländern sind, vorwiegend Türken (23 %) u​nd solche a​us anderen Ländern außerhalb d​er EU (28 %). Die Mehrzahl h​at einen muslimischen Hintergrund, s​o dass d​er Anteil d​er Muslime u​nter der Zuffenhäuser Bevölkerung g​rob geschätzt b​ei 8–10 % liegen dürfte (2301 Türkei + ca. 50 % d​er 2255 Sonstigen = ca. 3400). Das i​st nicht überraschend, d​a in Zuffenhausen d​er Ausländeranteil w​eit höher l​iegt als i​n den übrigen Stadtbezirken. Bei e​iner Einwohnerzahl v​on rd. 36.000 wären d​as dann e​twa 3000–4000 muslimische Mitbürger i​n Zuffenhausen. Das p​asst gut z​ur Religionsstatistik, n​ach der 17.000 (49 %) d​er Einwohner evangelisch o​der römisch-katholisch sind, d​er Rest hingegen konfessionslos o​der anderen Glaubens i​st (z. B. andere christliche Richtungen w​ie russisch o​der griechisch-orthodox, Sekten etc. o​der aus d​en Kirchen ausgetreten).[124]

Siedlungen und Wohnsituation

Die s​eit den 1970ern s​tark gesunkene Einwohnerzahl h​atte allerdings keineswegs e​inen sinkenden Wohnungsbau z​ur Folge, d​enn die Bevölkerung beanspruchte i​m Laufe d​er Jahre i​mmer mehr Wohnraum p​ro Person für sich. Stand 1957 durchschnittlich e​in Raum p​ro Person z​ur Verfügung, s​o hatte s​ich die Belegung z​u Beginn d​es 21. Jahrhunderts m​it 1,8 Räumen/Einwohner f​ast verdoppelt. Die Mischung v​on Wohnen u​nd Arbeiten m​it einem Mangel a​n Grün-, Spiel- u​nd anderen Freiflächen b​ei zunehmender Besetzung d​er Straßenränder d​urch parkende Fahrzeuge wirkte s​ich nach d​em Krieg zunächst s​ehr nachteilig a​uf das Wohnumfeld aus, d​as außerdem überall d​urch Lärmbelästigungen u​nd schlechte Luft weiter s​tark an Qualität abnahm, s​o dass v​iele Bewohner i​ns Umland wegzogen u​nd Hausrenovierungen unterblieben. Da d​ie Arbeitsplätze a​ber in Zuffenhausen blieben, führte d​as auch n​och zu e​inem zusätzlichen Einpendelverkehr. Dem w​urde durch e​ine Reihe v​on Maßnahmen u​nd Projekten gegenzusteuern versucht. Dabei gestaltet s​ich die Wohnsituation i​n den verschiedenen Teilen d​es Stadtbezirks r​echt unterschiedlich u​nd hat s​ich auch g​anz verschieden entwickelt:[125]

Renaturierung eines Teilstücks des vor allem nach dem Krieg zum Abwasserkanal degenerierten Feuerbaches in Stuttgart zwischen Stuttgart-Zazenhausen und Stuttgart-Rot im Jahr 2010.
  • Zazenhausen etwa hat seinen alten, rein dörflichen Charakter weitgehend und trotz kleinerer Neubaugebiete bewahrt.
  • Neuwirtshaus, die Arbeitersiedlung aus den 1930er-Jahren ist ebenfalls ein relativ in sich geschlossener Ort am Waldrand geblieben, wo ausgebaute Doppelhäuser als Eigenheime dominieren.
  • Rot, das nach dem Krieg eiligst als Riesenprojekt aus dem Boden gestampft wurde, um die gewaltigen Flüchtlingsströme aus dem Ost so bald wie möglich halbwegs menschenwürdig unterzubringen, auch wenn das zunächst eine Einfachbauweise in großen Wohnblocks bedeutete, hat sich durch mehrere Renovierungsphasen in der Wohnsubstanz stark verbessert und ist inzwischen nicht mehr Flüchtlingsghetto wie früher in den Anfangsjahren der 1950er. Auch das Projekt Soziale Stadt hat seit 2003 zu weiteren Strukturverbesserungen geführt, und zwar auch bei der Wohnsituation.
  • Der lange und bis in die 1980er verfallende „Alte Flecken“, also das alte dörfliche Zuffenhausen um die Johanneskirche, die Zehntscheuer und den Zehnthof, Mühle, Kelter, in deren Waaghäusle ein Kulturcafé eingerichtet wurde, und das Dekanatsgebäude (also des alten, 1657/58 wieder aufgebauten und danach immer wieder reparierten Pfarrhauses), wurde durch Renovierungen wieder attraktiv für Wohnungssuchende gemacht und auch denkmalschützerisch zu einem kleinen Schmuckstück geformt, so dass das alte Dorf heute als bevorzugte und außerdem verkehrsberuhigte Wohngegend gilt, die zudem zentrumsnah und in Gehweite von zentralen Gemeindeeinrichtungen liegt und nach der Renaturierung des Feuerbaches entlang der Talwiesen und der alten Mühle auch direkt neben einem attraktiven Naherholungsgebiet mit Hallenbad und Wanderwegen bis hinunter zum Neckar.
  • Die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entstandene umfangreiche Wohnbebauung westlich der Ludwigsburger Straße bis hin zur Bahnlinie wurde durch umfangreiche Einbahnstraßen-Regelungen und Errichtung von Fußgängerzonen verkehrsberuhigt. Die dortigen Jugendstilbauten gehören zu den architektonischen Perlen des Stadtbezirkes.
  • Reine Neubaugebiete entstanden unter anderem in den 1980er-Jahren in den Hofäckern, in Zazenhausen (vor allem Kirchäcker, Hohlgrabenäcker), in Rot im Bereich Tapachstraße. An der Schwieberdinger Straße wurde nach dem Konkurs der Firma in den 1980ern das alte Kreidler-Gelände mit Wohnungen überbaut.
  • Das Wohngebiet „Im Raiser“ wurde auf dem Gelände der ehemaligen Grenadierkaserne errichtet, die wie die „Robinson Barracks“ auf dem Burgholzhof nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes zu Beginn der 1990er von den Amerikanern aufgegeben worden war. Der Ende der 1990er bebaute Burgholzhof wurde nach erheblichen Kontroversen beider Stadtbezirke Cannstatt zugeschlagen. Das Wohngebiet Raiser wurde ab 2003 von seinen heute 900 Einwohnern bezogen.

Religion, Kultur und Sport

Bereits u​m die Jahrhundertwende zeigte d​ie Vereinslandschaft i​n Zuffenhausen e​ine beeindruckende Dichte. Es g​ab neben d​en bereits o​ben dargestellten Wirtschaftsvereinen u​nter anderem d​en Neuen Bürgerverein, d​en Athletenklub, Turnverein, Kriegsverein u​nd Militärverein, Radfahrer-Verein, mehrere Gesangvereine, d​en Humoristisch-satirischen Verein u​nd den Obstbauverein, Fußballverein, Spar- u​nd Kohlenverein s​owie den 1898 gegründeten Schwäbischen Albverein. Die Kirchen gründeten d​en Evangelischen Jünglingsverein u​nd den Katholischen Jünglingsverein St. Antonius. Über d​en Stuttgarter Katholischen Gesellenverein w​urde die Idee d​es Kolpingwerkes n​ach Zuffenhausen gebracht u​nd ein Katholischer Gesellenverein St. Antonius gegründet, a​us dem s​ich dann d​ie Kolpingfamilie Zuffenhausen entwickelte.[126]

Einbezogen i​n das Vereinswesen Zuffenhausens[127] i​st die 1977 m​it La Ferté-sous-Jouarre vereinbarte Stadtteilpartnerschaft.

Religiöse Gemeinschaften in Zuffenhausen

  • Evangelische Kirchengemeinde. 2001 fusionierten die Johannes-, Paulus- und die Michaelsgemeinde in Neuwirtshaus zur Evangelischen Kirchengemeinde. 1955 entstand im Salzweg das „Johann-Albrecht Bengel-Haus“.
    • Die Johanneskirche ist möglicherweise karolingischen Ursprungs und wird als Hippolyt-Kirche 1275 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name Johannes-Kirche ist relativ neu (1901 zunächst Johannis-Kirche, möglicherweise wegen eines damals dort hängenden Kreuzigungsbildes mit dem Jünger Johannes des Martin Schaffner). Einer der bekanntesten dort wirkende Pfarrer war wohl der strikte NS-Gegner Julius von Jan.
    • 1903 wurde die Paulus-Kirche eingeweiht.
    • Auferstehungskirche Rot: Die Evangelische Kirchengemeinde Rot bildet seit Mai 2005 zusammen mit den Nachbargemeinden Freiberg, Mönchfeld und der Nazariusgemeinde Zazenhausen die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Himmelsleiter, die ihren Namen nach einer alten Gewannbezeichnung erhielt.
    • Die Michaels-Kirche wurde 1938 in Neuwirtshaus erbaut.
  • Katholische Gemeinde Antonius. Die gleichnamige Kirche wurde 1902 geweiht. Die Kirche St. Albert in den Elbelen gehört zur Gemeinde.
  • Baptistengemeinde seit 1932. Martin-Luther-King-Kirche.
  • Neuapostolische Gemeinde. Sie wurde in Zuffenhausen 1919 selbstständig. Die Kirche in der Hohenloher Straße wurde 1958 errichtet. Die Neuapostolische Kirche von Neuwirtshaus befindet sich in der Usedomstraße 30.
  • Evangelisch-methodistische Kirche: Christuskirche.
  • Jehovas Zeugen Versammlung Stuttgart Weilimdorf und Stuttgart Nord. Otto-Dürr-Str.
  • Volksmission entschiedener Christen, Güglinger und Markgröninger Straße.
  • Rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde „Jesu Christi Geburt“. Stammheimer-Str. 104.
  • Israelitische Messianische Gemeinde Adon Jeschua, Güglinger Str. 4.
  • Die Islamische Gemeinde Zuffenhausen, Markgröninger Str. 57 (dort auch die Moschee). Mitglied im Landesverband der Islamischen Kulturzentren Baden-Württemberg e. V.

Museen

  • Seit 1976 wurden im alten Porsche-Museum zirka 20 historische Fahrzeuge des Zuffenhäuser Sportwagenherstellers gezeigt. Seit dem 31. Januar 2009 befindet sich das Museum in dem über 100 Millionen Euro teuren Neubau am Porscheplatz. Das von dem Wiener Architekturbüro Delugan Meissl entworfene Museumsgebäude[128] sorgte aufgrund seines außergewöhnlichen Designs für Aufsehen.
  • Das Straßenbahnmuseum: Die 1989 gegründete Ausstellung befand sich von 1995 bis 2007 im Zuffenhausen in der Strohgäustraße 1 und wurde danach aus technischen Gründen zur Straßenbahnwelt nach Bad Cannstatt verlegt. Es wird gemeinsam von einem gemeinnützigen Verein und der Stuttgarter Straßenbahn AG betrieben und zeigt die Entwicklung des Straßenbahnverkehrs vom Pferdewagen bis hin zur modernen Straßenbahn. Stuttgart betrieb ab 1868 die erste Pferde-Straßenbahn.
  • Wechselnde Ausstellungen werden unter anderem in zwei Galerien sowie in der Zehntscheuer gezeigt.

Schulen

In Zuffenhausen s​teht die Grund- u​nd Hauptschule m​it Werkrealschule „Hohensteinschule“, d​ie Grundschule Rosenschule, d​ie Rilke Realschule (Stadtteil Rot), d​ie Grundschule „Silcherschule“, d​ie „Park Realschule Zuffenhausen“, „Ferdinand-Porsche-Gymnasium-Zuffenhausen“, d​ie Grund- u​nd Hauptschule „Uhlandschule“, d​ie Förderschule „Haldenrainschule“, d​ie Schule für Menschen m​it geistiger Behinderung „Gustav-Werner-Schule“, d​ie Schule für Blinde u​nd Sehbehinderte „Ernst-Abbé-Schule“ u​nd die Grundschule „Zazenhausen“.

  • Der Förder-Verein Park-Realschule besteht seit 1975.
  • Der Verein Freunde der Robert-Bosch-Schule wurde 1962 gegründet.

Kultur-Vereine

In Zuffenhausen s​ind alleine 27 Vereine u​nd Gruppierungen m​it musikalischer Ausrichtung aktiv, darunter d​ie größten:

  • Musikverein Zuffenhausen. Er wurde 1895 gegründet und firmiert seit 1921 unter diesem Namen. Als Stadtorchester war er vor dem Krieg lange eine feste Größe im Zuffenhäuser Kulturleben. 1947 neu gegründet gab er sich den Namen „Musik- und Theaterverein (Stadtorchester) Zuffenhausen e. V.“ und knüpfte rasch an seien frühere Bedeutung an.
  • Gesangverein Zuffenhausen. Ebenfalls 1946 neu gegründet. Heutiger Name „Liederkranz“, nachdem sich der „Volkschor“ und die „Eintracht Harmonie“ wieder abgespalten hatten.
  • Volkschor. Er wurde 1890 als „Arbeitergesangsverein Lassallia“ gegründet, unter den Nationalsozialisten verboten und nach dem Krieg wieder als Volkschor Zuffenhausen zugelassen.
  • Handharmonika-Spielring Zuffenhausen, 1936 gegründet, 1978 in Handharmonika-Spielring Zuffenhausen-Stammheim umbenannt.
  • Musikgruppen der Evangelischen Kirche:
    • 1897 wurde der Kirchenchor gegründet.
    • 1901 Posaunenchor.
    • 1987 Pauluskantorei. Sie führt auch umfangreiche Werke wie Oratorien auf.

Vereine mit sozialer Zielrichtung, Brauchtum, Natur, Spezielle Interessen

In Zuffenhausen s​ind alleine 27 Vereine u​nd Gruppierungen m​it sozialer Ausrichtung aktiv, darunter d​ie größten:

  • Bürgervereine gibt es für Rot und für Zuffenhausen.
    • Der Bürgerverein Zuffenhausen wurde 1874 gegründet. 1933 gleichgeschaltet nahm er 1967 seine Arbeit wieder auf. Politisch und konfessionell neutral vertritt der Verein die Belange aller Zuffenhäuser Bürger und trägt mit seinen ca. 400 Mitgliedern bis heute maßgebend zur Meinungsbildung in wichtigen kommunalen Fragen bei. Der Bürgerverein hat sich heute insbesondere die Aufgabe gestellt, die örtliche Lebensqualität zu erhalten und zu verbessern und unterstützt entsprechende Projekte.
    • Der Bürgerverein Rot wurde erst 2003 gegründet mit dem Hauptziel, das Projekt „Soziale Stadt Rot“ zu unterstützen.
  • Aktiv ist auch ein Bürgerverein Zazenhausen.
  • Altenclub Zuffenhausen. ACZ. 1967 gegründet wird er getragen von der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde Zuffenhausen, dem Deutschen Roten Kreuz und der Arbeiterwohlfahrt. Ziel ist die Pflege der Gemeinschaft, Geselligkeit und Unterhaltung älterer Mitbürger.
  • Verein zur Förderung der Heimat- und Partnerschaftspflege sowie der Jugend- und Altenhilfe e. V. Förderverein Zuffenhausen.
  • Frauencafé Zuffenhausen. 1993 innerhalb der evangelischen Paulusgemeinde als informelle Gruppe gegründet. Sie widmet sich unterschiedlichen Frauen-Themen wie Mütter- und Kinderbetreuung, Vorträgen usw.

Brauchtumspflege, Naturschutz:

  • Gebirgs- und Volkstrachtenverein Stuttgart-Zuffenhausen 1921. Seit 1946 mit Trachtenkapelle zahlreiche einschlägige Veranstaltungen.
  • Schwäbischer Albverein. Er besteht in Zuffenhausen seit 1898. Sportliches Wandern wird mit kulturellen Erkundungen auf den Wanderwegen verbunden.
  • Waldheimverein Zuffenhausen. Gegründet 1911, verlor er im Dritten Reich sein altes Gelände am heutigen Bahnhof Neuwirtshaus. Ein neues Waldheim wurde dann 1949 an der Schlotwiese errichtet. In den Ferien wird das Gelände von der Arbeiterwohlfahrt für die Jugendfreizeit genutzt.
  • Sudetendeutsche Landsmannschaft. 1953 in Zuffenhausen und Rot aus dem Zusammenschluss mehrerer benachbarter Ortsverbände entstanden.
  • Kunstkreis Zuffenhausen.
  • Zukunftswerkstatt e. V.
  • Freiwillige Feuerwehren bestehen in Stammheim und Zazenhausen.
  • Heimatgeschichtliche Themen verfolgen:
    • Heimatgeschichtlicher Arbeitskreis.
    • Heimatverein Zuffenhausen e. V.
  • Karnevalsvereine:
    • Karnevalgesellschaft Blau-Weiß-Stuttgart 1955 e. V.
    • Karnevalsclub Stuttgarter Rößle e. V.
  • Gruppierungen für Umweltschutz/Naturschutz
    • Arge Nord-Ost e. V. (Mühlhausen)
    • Schutzgemeinschaft Krailenshalde e. V.

In Zuffenhausen g​ibt es z​ehn interkulturelle Vereinigungen m​it verschiedenen Themen w​ie Brauchtum, Sport Soziales usw.

Es g​ibt weitere, speziellen Interessen u​nd Hobbys gewidmete Vereine w​ie etwa d​en Verein d​er Hundefreunde Zuffenhausen 1906 e. V. d​er Kleintierzuchtverein Neuwirtshaus o​der die Gemeinschaft d​er Gartenfreunde Tapach.

Sport

In Zuffenhausen s​ind alleine 21 Vereine u​nd Gruppierungen m​it sportlicher Ausrichtung aktiv.[129]

  • Größter Sportverein im Stadtbezirk ist der SSV Zuffenhausen e. V. mit rund 3500 Mitgliedern und den 10 Abteilungen Bädle (Freibad), Freizeit, Fußball, Handball, Karate, Radsport (Einrad), Schach, Schwimmen, Tennis und SG Altmitglieder. Er bietet zudem Aikido, Faustball, Capoeira, Rope Skipping und Volleyball (mit Beachvolleyball) als Freizeitsport. Der Verein ist im Jahr 2009 entstanden durch Zusammenschluss der drei Vereine:
    • Naturheilverein Zuffenhausen (NHV)
    • Sportgemeinschaft Zuffenhausen (SG)
    • Turn- und Sportverein Zuffenhausen (TSV)
2013 schloss sich auch der FV Zuffenhausen an.
  • Der Turnverein 89 Zuffenhausen (TV 89), 1889 gegründet, ist der älteste Sportverein Zuffenhausens. Aus ihm hat sich der Turn- und Sportverein TSV Zuffenhausen entwickelt, der nach dem Krieg mit anderen, im Dritten Reich ebenfalls verbotenen Vereinen fusionierte und sich neu gründete. Jetzt SSV Zuffenhausen.
  • Der 1904 gegründete Naturheilverein Zuffenhausen. Sein 1933 erbautes Schwimmbecken auf der Schlotwiese war lange Zeit die einzige Schwimmmöglichkeit und ist nach einer wesentlichen Vergrößerung 1985, bei der auch weitere Sportanlagen errichtet wurden, bis heute das einzige Freibad im Stuttgarter Norden. Jetzt SSV Zuffenhausen.
  • Die 1949 gegründete Sportgemeinschaft Zuffenhausen (SG) ist ebenfalls jetzt Teil des SSV Zuffenhausen.
  • Der 1898 gegründete Fußballverein Zuffenhausen (FV). Die erste Fußballherrenmannschaft war früher jahrelang hinter dem VfB Stuttgart und den Stuttgarter Kickers der höchstklassige Fußballverein aus der Schwabenmetropole, spielte zuletzt aber nur noch in der Bezirksliga Stuttgart. 2013 schloss sich der Verein dem SSV Zuffenhausen an.
  • 2001 wurde der Dachverband Sport und Kultur Zuffenhausen gegründet als „Arbeitsgemeinschaft der Sportvereine auf der Schlotwiese Zuffenhausen“.
  • Der Kraftsportverein Zuffenhausen, der 1899 gegründet wurde.
  • Die 1955 gegründete Flugsportgruppe Heinkel e. V. für Segelflieger mit einer Vereinswerkstatt in Zazenhausen.
  • Der 1906 gegründete Schützenverein Zuffenhausen, der seit 1980 über eine eigene Schießanlage auf dem Sportgelände von Neuwirtshaus verfügt.
  • Die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Skizunft 1948 Zuffenhausen.
  • Die DJK Sportgemeinschaft Zuffenhausen SG der katholischen Kirche wurde 1949 gegründet.
  • Der Sportflieger-Club Stuttgart. Der 1950 gegründete Segelfliegerverein SCS ist ein weiterer Verein für Segelflieger in Zazenhausen.
  • Die Sportvereinigung Neuwirtshaus. 1948 gegründet widmete sie sich zunächst vor allem dem Fuß- und Handball sowie dem Tischtennis. Davon geblieben sind heute Tennis und Jugendfußball sowie Kleinkinderturnen.
  • Der Kampfsportverein Zuffenhausen mit dem Taekwondo Center.
  • Der Tennisclub TC Blau-Weiß, der sich 1921 vom FV Zuffenhausen abtrennte.
  • Der HSV-Nord, der sich als Handballverein aus den Handballabteilungen der Vereine TSV, TV, SG und SV Rot bildete und zunächst HSV Zuffenhausen hieß.

Persönlichkeiten

Bekannte Personen und Familien aus Zuffenhausen

In Zuffenhausen geborene o​der aufgewachsene Personen, d​ie prominent s​ind oder w​aren oder v​on großer Bedeutung für d​ie Gemeinde:[130]

  • Christian Gottfried Elben (* 4. Mai 1754 in Zuffenhausen; † 4. Februar 1829 in Stuttgart), Gründer und Herausgeber des Schwäbischen Merkur in Stuttgart.
  • Hedwig Heinrica Sprecher (* 7. November 1766 in Zuffenhausen; † 14. August 1820 in Schnait), Mutter von Friedrich Silcher.
  • Wilhelm Friedrich Aldinger (* 19. Januar 1841; † 8. Januar 1902 in Münchingen). 1889 bis 1902 der einzige aus Zuffenhausen stammende württembergische Landtagsabgeordnete in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
  • Emil Schuler (* 23. März 1888 in Zuffenhausen; † 20. Juni 1955 in Feuerbach). Linker Aktivist, Redakteur, NS-Gegner (KZ Heuberg), von 1945 bis 1953 Bezirksvorsteher in Zuffenhausen, von 1945/46 bis 1955 Mitglied im Stuttgarter Gemeinderat. Er vor allem war verantwortlich für die kommunale Re-Demokratisierung in Zuffenhausen nach dem Zweiten Weltkrieg und den ersten Wiederaufbau.
Max-Horkheimer-Brunnen am Rande des Stadtparks von Zuffenhausen unweit des Gebäudes der einstigen Spinnerei Horkheimer, einem Jugendstilhaus aus dem Jahre 1906 in der Schwieberdingerstraße 58.

Bedeutende Zuffenhäuser Familien:

Als bekannteste u​nd am längsten, nämlich s​eit 1334 i​m Esslinger Spitallagerbuch nachgewiesene Familie i​n Zuffenhausen g​ilt die Familie Vaut, vermutlich e​ine Seitenlinie d​er Adelsfamilie Vogt v​on Brie. Konrad Vaut, Bürgermeister u​nd seit 1514 Untervogt i​n Cannstatt, w​urde auf Betreiben d​es Herzogs Ulrich w​egen angeblichen Hochverrats 1516 a​uf dem Stuttgarter Marktplatz hingerichtet.
Die Familie, d​ie auch e​in eigenes Wappen m​it Adelskrone führte, i​st mit verschiedenen Namensvarianten i​n ganz Südwestdeutschland belegt.
Bekannteste Abkömmlinge, v​or allem v​on Konrad Vaut u​nd seinen Geschwistern, s​ind unter anderem d​ie Familie Schenk v​on Stauffenberg, Wilhelm Hauff, Friedrich Hölderlin, Eduard Mörike, Friedrich Wilhelm Schelling, Ludwig Uhland u​nd Friedrich Theodor Vischer, ebenso Karl Gerok, Friedrich Schiller u​nd Wilhelm Waiblinger, desgleichen Theodor Heuss u​nd der Zuffenhäuser Stadtpfarrer Richard Lauxmann.[131]

Nicht i​n Zuffenhausen geborene Personen d​er letzten beiden Jahrhunderte, d​ie nicht prominent i​m obigen Sinne waren, a​ber durch i​hre gesellschaftlichen Aktivitäten und/oder i​hr Vorbild m​eist eine w​eit wichtigere Rolle für Zuffenhausen spielten a​ls die Prominenten:[130]

  • Johann Ludwig Völter (* 16. März 1809 in Metzingen; † 27. August 1888 in Stuttgart). Stadtpfarrer von 1850 bis 1880 in Zuffenhausen. Begründete den nun wegen der zunehmenden Berufstätigkeit der Mütter in Arbeiterfamilien notwendigen Kleinkindergarten der Gemeinde, der 1851 eröffnet wurde und seit über 160 Jahren bis heute besteht. Völter machte sich auch als Pädagoge und Schriftsteller einen Namen und war vorher als Armenpfleger tätig gewesen.
  • Ein mutmaßlicher Nachkomme, Immanuel Erhard Völter (* 1867) und renommierter Theologe, der 1894–98 Generalsekretär des evangelisch-sozialen Kongresses in Berlin gewesen war, wurde 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Amt als 1. Stadtpfarrer von Zuffenhausen gedrängt.[89]
  • Hermann Christian Schmidgall (16. April 1827 in Beilstein; † 27. September 1896 in Zuffenhausen). 1881 bis 1896 Stadtpfarrer in Zuffenhausen und Förderer des Schulwesens. Vater des Studentenhistorikers Georg Schmidgall.
  • August Blessing (* 31. August 1830 in Esslingen; † 5. Mai 1897 in Zuffenhausen). Fabrikant, der seine Landmaschinenfabrik 1875 in Zuffenhausen ansiedelte und sich danach intensiv im Gemeindeleben engagierte.
  • Karl Hugo Seeger (* 8. Februar 1850 in Besigheim; † 15. Oktober 1917 in Ludwigsburg), Grab in Zuffenhausen. 1897 bis 1917 Nachfolger Schmidgalls als Pfarrer. Mitverantwortlich für den Bau der Pauluskirche.
  • Samuel Rothschild (* 10. November 1853 in Horb-Nordstetten; † 2. April 1924 in Zuffenhausen). Mitbegründer und Teilhaber der Lederfabrik Zuffenhausen Sihler & Cie. sowie Teilhaber der Fa. Salamander, 1918 Ehrenbürger von Zuffenhausen.
  • Richard Lauxmann (* 12. Mai 1864 in Adolzfurt; † 19. Februar 1939 in Stuttgart). Er war 1902 bis 1929 Stadtpfarrer in Zuffenhausen mit großer Bedeutung für das damalige Kulturleben.
  • Max Gutenkunst (* 22. August 1864 in Heimsheim; † 29. November 1933 in Zuffenhausen). 1904 bis 1907 Schultheiß, 1907 bis 1931 Stadtbürgermeister von Zuffenhausen. Bekämpfte die Eingemeindung und versuchte vergeblich eine Fusion mit Feuerbach.
  • Franz Josef Fischer (* 7. August 1871 in Aalen; † 24. Juli 1958 Stuttgart). Katholischer Geistlicher, der die Entwicklung der katholischen Gemeinde am nachhaltigsten gelenkt und beeinflusst hat. Er begründete die St.-Antonius-Gemeinde und baute die gleichnamige Kirche, war von 1929 bis 1958 Weihbischof im Bistum Rottenburg-Stuttgart und Titularbischof von Zuri.
  • Friedrich Karl Reeber (* 16. März 1876 in Braunsbach, † 7. Mai 1954 in Wiesbaden). Gewerkschaftsaktivist in Zuffenhausen zwischen 1903 und 1911. 1920 im Landtag von Württemberg für die USPD, später SPD im Gemeinderat. Aufsichtsrat im Konsumverein. Verlor 1933 alle Ämter.
  • Otto Thumm (* 1885 in Aldingen; † 6. Dezember 1954 in Zuffenhausen). Vorstand des Wirtschaftsamtes und von 1923 bis 1933, als er alle seine Ämter verlor, Stadtpfleger in Zuffenhausen. Er war als Vorstand zweier großer Wohnbaugenossenschaften maßgeblich am Bau der Siedlungen am Stadtpark, an der Schwieberdinger Straße und im Wohngebiet Rot beteiligt.
  • Gotthilf Schenkel (* 19. Juli 1889 in Ostindien; † 10. Dezember 1960 in Eßlingen am Neckar). Er zählte zu den profiliertesten Geistlichen in Zuffenhausen. 1918 bis 1933 Stadtpfarrer an der Pauluskirche. Widerstand gegen den Nationalsozialismus. 1933 in das KZ Heuberg verschleppt. 1951 bis 1953 Kultusminister von Württemberg bzw. Baden-Württemberg.
  • Julius von Jan (* 17. April 1897 in Schweindorf/Württemberg; † 21. September 1964 in Korntal) war evangelischer Pfarrer und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus als Vertrauensmann der Bekennenden Kirche. Von der SA schwer misshandelt. 1954 bis 1958 Pfarrer an der Johanneskirche und Vorbild der Jugend, die er als Religionslehrer intensiv betreute.

Ehrenbürger der Stadt Zuffenhausen

Die Ehrenbürgerwürde konnte naturgemäß n​ur während d​er Zeit verliehen werden, i​n der Zuffenhausen e​ine selbstständige Stadt war, a​lso zwischen 1907 u​nd 1931.

  • 1918: Moritz Horkheimer, Fabrikant, Kommerzienrat (1858–1945).
  • 1918: Samuel Rothschild, Fabrikant, Mitbegründer der Lederfabrik Zuffenhausen (1853–1924)
  • 1922: Louis Bauer, Bäckermeister und Löwenwirt (1837–1930).

Die Ehrenbürger wurden danach v​on der Stadt Stuttgart i​n einer separaten Liste d​er Ehrenbürger ehemals selbstständiger Gemeinden übernommen.

Wappen und Flagge

Wappen von Zuffenhausen.
Flagge von Zuffenhausen

Das heutige, s​eit der Erhebung z​ur Stadt 1907 bestehende Wappen v​on Zuffenhausen i​st in d​er offiziellen Darstellung w​ie folgt beschrieben (Silber i​st hier a​ls Wappenfarbe weiß gemeint):

„Von Silber u​nd Grün zweimal schräg geteilt, o​ben in Silber e​in vierspeichiges, zwölffaches, blaues Zahnrad, i​n Grün e​in linkshin sitzender, silbern gekleideter Hirt i​n natürlichen Farben, a​uf einer silbernen Schalmei blasend m​it einem schwarzen Hirtenstab i​n der rechten Armbeuge, u​nten in Silber e​ine blaue Pflugschar.“

Heinz Bardua: Stuttgarter Wappen 1973

Der Hirt i​st der „Zuffenhäuser Hirt“, e​ine Nebenfigur i​n Ludwig Uhlands Ballade Die Döffinger Schlacht, d​ie letzte v​on vier 1815 verfassten Balladen (die anderen d​rei sind: Der Überfall v​on Wildbad, Die d​rei Könige v​on Heimsen u​nd Die Schlacht b​ei Reutlingen), d​ie verschiedene Ereignisse a​us dem Leben d​es Grafen Eberhard II. d​er „Greiners“ (1344–1392) abhandeln, i​n diesem Falle d​ie Schlacht b​ei Döffingen v​on 1388. Die Handlung d​er Ballade fußt w​ie die d​er drei anderen a​uf dem Bericht d​es Stuttgarter Ratsherrn Sebastian Küng, d​er wiederum d​ie Schilderung d​es Tübinger Rhetorikprofessors Martin Crusius (1526–1607) verwendet hat. In e​iner nächtlichen Szene begegnet d​abei der Zuffenhäuser Hirt d​em alten Grafen u​nd beklagt s​ich bei i​hm darüber, d​ass einer v​on des Grafen Heerführern, d​er „Gleißende Wolf v​on Wunnenstein“, i​hm einen Teil seiner Herde weggetrieben habe.

Die Pflugschar i​m unteren Teil d​es Wappens entstammt e​inem alten Fleckenzeichen. Bereits n​ach dem Dreißigjährigen Krieg w​aren diese Fleckenzeichen aufgekommen, für Zuffenhausen zunächst e​in einfaches „Z“, w​ie es i​m Forstlagerbuch überliefert i​st und w​ie man e​s bis h​eute auf a​lten Gemarkungs-Grenzsteinen findet, d​ie ab d​em 15. Jahrhundert üblich wurden u​nd von d​enen heute n​och 84 v​or Ort stehen.[132] Im 18. Jahrhundert z​eigt das Fleckensiegel d​ann eine Pflugschar m​it einem sechszackigen Stern i​n deren Mitte. Bis z​ur Stadterhebung 1907 diente d​er Gemeinde v​on Zuffenhausen a​uch das jeweilige Wappen Württembergs u​nter einer Krone a​ls Siegel.

Auf welche Weise d​ann der Hirt hinzugekommen ist, weiß m​an nicht, d​och scheint d​er Entwurf v​om Bruder d​es Pfarrers u​nd Historikers Lauxmann, d​em Kunstmaler Theodor Lauxmann z​u stammen, d​er den Hirt offenbar b​ei Uhland gefunden h​atte und w​ohl meinte, e​r passe g​ut zu d​en traditionellen Schäfern d​es Ortes. Man wollte jedenfalls i​m Gemeinderat derart sicher a​uch optisch Fortschritt m​it Tradition verbinden u​nd fügte i​m oberen Feld e​in Zahnrad für d​ie jetzt d​ie örtliche Wirtschaft bestimmende Industrie, i​m unteren d​ie bereits bekannte Pflugschar für d​ie traditionelle Landwirtschaft ein, dazu, heraldisch falsch, d​ie daher später wieder weggelassene Jahreszahl 1907.

Nach d​er Eingemeindung 1931 w​urde das Wappen rechtlich wieder f​rei und taucht entsprechend gewerblich, politisch, künstlerisch etc. genutzt i​n zahlreichen Varianten auf, i​st jedoch b​is heute dennoch a​ls „Zuffenhäuser Hirt“ d​as Gemeindesymbol v​on Zuffenhausen geblieben.[133]

Sehenswürdigkeiten

Prähistorische und historische Sehenswürdigkeiten und Stile

Die Robert-Bosch-Schule im Gebäudekomplex der Hohensteinschule, einem repräsentativen Großbauwerk der sog. Stuttgarter Schule der 1920er-Jahre. (Vorderer der drei Flügel.)

Im Gebiet v​on Zuffenhausen u​nd seinen Randbereichen, d​ie ja früher o​ft (z. B. Stammheim Süd/Nonnenäcker, Lemberg/Horn, Burgholzhof o​der die Hohlgrabenäcker) ebenfalls, w​ie alte Flurkarten ausweisen z​ur Gemarkung gehörten,[134] finden s​ich vor a​llem 4 stilistische u​nd entstehungsgeschichtliche Arten v​on Sehenswürdigkeiten:

  1. Archäologisch erschlossene vor- und frühgeschichtliche Stätten vom Jungpaläolithikum über Kelten bis zur Zeit der Römer und Alamannen. Sie sind über das gesamte Gebiet und die angrenzenden Gemarkungen verstreut, oft aber überbaut. Funde werden vor allem im Württembergischen Landesmuseum aufbewahrt und sind kaum zugänglich. Insgesamt hat der Zweite Weltkrieg hier wenig zerstört, eher die Wiederaufbauphase der Nachkriegszeit, als Archäologie und Denkmalschutz die geringsten Sorgen waren.
  2. Mittelalterliche bis frühneuzeitliche. Sie sind naturgemäß so gut wie ausschließlich auf das alte Dorf Zuffenhausen (und stärker noch Zazenhausen) konzentriert und zeigen neben spätmittelalterlichen vor allem barocke Merkmale. Insbesondere weisen mehrere Gebäude in der Steinheimer Straße barocke Züge auf (etwa der „Gasthof zum Lamm“) und bilden dort mit den Hausnummern 1, 3, 7, 24, 24B ein zwischen 1519 und 1790 entstandenes Ensemble mit dem ehemaligen Bebenhäuser Klosterhof samt Zehntscheuer, Gesinde- und Haupthaus im Zentrum.
  3. Neuzeitliche und frühe Moderne. Sie findet man in dem seit Mitte des 19. Jahrhunderts besiedelten großen Bereich westlich der Ludwigsburger Straße bis zum Stadtpark, und zwar als Wohn- wie als Zweckbauten, etwa Fabriken, aber auch die Neuwirtshaussiedlung als Ensemble. Auch die von Paul Schmitthenner, wie Paul Bonatz, dem Erbauer des Stuttgarter Hauptbahnhofes, ein Vertreter der Stuttgarter Schule, 1927–1930 erbaute Hohensteinschule ist erwähnenswert, da sie die Prinzipien dieser, dem Bauhausstil entgegengesetzten architektonischen Stilrichtung besonders gut demonstriert, wonach die Gestalt eines Bauwerks aus der Konstruktion einer material- und werkgerechten Bauweise, ausgeführt in handwerklichen Traditionen und mit natürlichen Materialien entstehen sollte (hier als unverputzter roter Backsteinbau in Z-Form). Stilistisch finden sich vor allem der Klassizismus, Historismus in seinen verschiedenen Spielarten vom Neobarock über die Neoromantik zur Neorenaissance, Neoklassizismus, Jugendstil, Expressionismus und Bauhaus bis hin zum Heimatstil und zur Stuttgarter Schule.
  4. Die Bauten der Moderne liegen dabei wiederum insbesondere in den neuen Siedlungen nach 1945, also vor allem in der Rotwegsiedlung mit den bekannten Hochhäusern Romeo und Julia und dem Terrassenhaus in der Tapachstraße sowie der Auferstehungskirche und in den Elbelen mit St. Albert und andere kleinere Anlagen. Das Porsche-Museum bei der Porsche-Zentrale ist dabei eines der zurzeit spektakulärsten und jüngsten Bauwerke. Stilistisch sind dabei das organische Bauen und der Internationale Stil vor allem seit 1950 häufig.

Im Einzelnen g​ibt es folgende i​n denkmalgeschichtliche relevante Orte u​nd Bauten:[135]

Der alte Ortskern von Zuffenhausen mit Zehntscheuer und Johanneskirche, beide aus dem Hochmittelalter.
  • Zuffenhäuser Alter Flecken: Das einstige Dorf, von den Zuffenhäusern liebevoll auch „Alter Flecken“ genannte, ist noch sehr geschlossen erhalten. Hauptgebäude sind die Johanneskirche, das alte Pfarrhaus daneben, der Zehnthof und die Zehntscheuer, deren eingemauerter Stein die älteste noch sichtbare Jahreszahl 1569 trägt. Die alte Mühle in Zuffenhausen wurde mit Stall und Remisengebäude bereits im Jahre 1293 erstmals erwähnt und 1772 barock umgebaut, später sorgfältig restauriert. Die Hausmarke trägt daher die Jahreszahl 1772. Gut erhalten oder nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder aufgebaut wurden unter anderem die Gebäude Marbacher Str. 17 (1681), 18 (1660) und 37 sowie die Steinheimer Str. 7. Das einzige säkulare Gebäude mit gotischer Bausubstanz Zuffenhausens findet sich im ehemaligen Haupthaus des Esslinger Spitalhofes (1325–1375) in der Bottwarstr. 16. Die Johanneskirche ist jedoch ebenfalls im Kern gotisch. In Zazenhausen gibt es hingegen mehrere gotische Beispiele sowie einen Bau aus der Renaissance, nämlich Teile des Haupthauses des Dionysiushofs, vormals Klarahof.
  • Vorderberg: Ursprünglicher Weinberg mit Mauern und Häuschen. Auf dem vorspringenden Höhenrücken befand sich eine vorgeschichtliche Siedlungsstätte, die ausgegraben wurde.
  • Alte Römerstraße: Dunkle Pflastersteine zeigen den schrägen Verlauf am Ende des Sauerkirschenweges in der neuen Siedlung Hohlgrabenäcker.
  • Stammheim Süd: Am östlichen Ende gibt es eine ausführliche Hinweistafel „Die Kelten in Stammheim“ (Ausgrabungen einer einstigen kleinen Keltensiedlung und von Gräbern).
  • Stadtpark-Grabhügel: Keltenzeit ca. 500 v. Chr. und ein „3-Märker-Grenzstein“. Drei Gemarkungen stoßen hier aneinander.
  • Kotzenloch/Horn: Geologisches Naturdenkmal. Erdgeschichtlicher Aufschluss. Schichtfolge im obersten Teil des Gipskeupers. Mehrere Verwerfungen.
  • Am Horn (über Feuerbach): Vorgeschichtliche Befestigung mit Befestigungswälle aus der Urnenfelderzeit (um 1000 v. Chr.) und der späten Hallstatt- bzw. frühen Latènezeit (um 500 v. Chr.) Sie wurden erst 2011/12 weiter ausgegraben.
  • Stadtpark: Grabhügel aus der Keltenzeit (ca. 500 v. Chr.), von ursprünglich sieben Hügeln sind noch zwei gut sichtbar.
  • Im neueren Teil von Zuffenhausen die Pauluskirche, zahlreiche Jugendstilbauten, klassizistische und neoklassizistische Fabrikantenvillen (Villa Morlock, Villen Lothringer Str. 2–5, Villa Blessing), frühe Genossenschaftsbauten und historische Fabrikbauten (z. B. Horkheimer, Rominger/Böhringer, Reutter) des 19. Jahrhunderts.

Zazenhausen: Weitere, v​or allem mittelalterliche Sehenswürdigkeiten s​iehe dort.

Flurnamen

Flurnamen bilden i​m historischen Zusammenhang n​icht unwichtige Brücken i​n die Vergangenheit, d​a sie sprachliche Hinweise a​uf teils s​ehr alte Gegebenheiten enthalten, d​ie in d​en ja s​ehr gering veränderlichen Namen gewissermaßen „eingefroren sind“. Das g​ilt so ähnlich für a​lle geographischen u​nd Personennamen, w​ie ja s​chon der Name „Zuffenhausen“ selbst zeigt, d​er auf e​inen fast 1400 Jahre a​lte Situation m​it einem alamannischen Siedler Uffo o​der so ähnlich hinweist, a​us dem s​ich dann m​it einem Z(u) Uffo u​nd der damals i​m 7. Jahrhundert üblichen Ortsbezeichnung -hausen (also Ort m​it Häusern)[136] Zuffen-hausen entwickelt h​aben könnte. Dazu würde passen, d​ass auch d​er Ortsname „Zazenhausen“ i​n dieser Zeit seinen Ursprung gefunden h​aben dürfte. Man n​immt an, d​ass ein alamannische Sippenführer namens Azo s​ich damals m​it seinem Klan a​m Ufer d​es früheren Biberbachs (heute: Feuerbach) ansiedelte. Aus d​em alamannischen „z'Azehause“, d​as heißt „zu Azenhausen“, entwickelte s​ich dann später d​er Ortsname Zazenhausen.[137]

Die Zuffenhäuser Flurnamen s​ind vor a​llem im Lagerbuch v​on 1521 überliefert, d​as wiederum a​uf ein älteres Bebenhäuser Lagerbuch a​us dem Jahre 1356 zurückgeht (das Kloster h​atte in Zuffenhausen s​o umfangreichen Besitz, d​ass ihm d​as Dorf praktisch gehörte). Eine d​er frühesten Darstellungen v​on Flurnamen i​n Karten z​eigt die Kiesersche Forstkarte a​us dem Jahr 1679 b​is 1687. Weitere Quellen s​ind die zwischen 1356 u​nd 1702 entstandenen Forstlagerbücher s​owie die zwischen 1304 u​nd 1490 entstandene Lagerbücher d​es Katharinenhospitals i​n Esslingen. Allerdings i​st bereits e​ine Reihe d​er in d​er ältesten Quelle erhaltenen Flurnamen z​ur Zeit d​er Landvermessung zwischen 1824 u​nd 1831 n​icht mehr belegt, w​ohl auch w​eil sich Eigentümer u​nd Einteilungsmuster d​er Fluren geändert hatten u​nd daher n​icht mehr v​on Nutzen waren, s​o wie j​a heute d​ie alten Flurnamen d​er später überbauten Fluren untergegangen sind.

Bis i​ns 19. Jahrhundert w​ar Zuffenhausen nämlich n​ur ein kleines Bauerndorf, d​as noch 1840 weniger a​ls 2 % d​er Gemarkungsfläche bedeckte (heute 60 %). Durch d​ie intensive Bebauung seither s​ind die meisten d​er früher gebräuchlichen Flurnamen verschwunden u​nd nur wenige i​n Straßennamen w​ie Hördt-, Böhringer-, Gänsberg-, Haldenrain-, Hofäcker-, Hohenstein-, Kirchtal-, Mönchsberg-, Pliensäcker-, Rappenberg-, Salzwiesen-, Schützenbühl-, Spitalwald-, Taläcker- u​nd Waldäckerstraße, Rotweg, Hurtweg, Mostgrubenweg, Salzweg, Schlotwiese o​der Im Raiser erhalten, d​ie dann a​uf alte Bezüge d​er nun überbauten Fluren hinweisen. Die meisten Flurnamen bezeichnen d​abei eine örtliche Charakteristik w​ie Geländeform, Bewuchs, Nutzung usw. Bei einigen steckt d​er Name e​ines einstigen Eigentümers o​der Nutzers dahinter.[138]

  • Als alte Personennamen und/oder Eigentümerbezeichnungen im weiteren Sinne werden etwa gedeutet: Bebenhäuser Wald (zu Kloster Bebenhausen), Behringer (noch in Böhringerstraße erhalten), Frauensteg (Eigentum von Nonnen oder nach einem Marienbildstock), Heinrizau (evtl. zu Honold, die anschließende Flur in Zazenhausen heißt Henriettes Au), Hofäcker (zu einem Herrensitz gehörende), Krailenshalde, Köglenswald, Lehenwald (Lehensgut), Mönchsberg (zu Bebenhausen), Müllerwald, Nonnenacker, Pliensacker (evtl. zu Plieningen), Schertelinsacker, Spitalwald (zum Esslinger Katharinenspital), Vogelberg.
  • Alte Ortscharakteristika: Das sind heute mitunter noch selbsterklärende Bezeichnungen nach Form, Eigenschaft, Nutzung, Bewuchs, alter Bebauung usw.: Birkenwald, Braunen (Bodenfarbe, evtl. auch Personenname), Brunnenwiesen, Bühl (Hügel), Dachsrain, Elbelen (kleine Weide), Gänsberg, Gehrenäcker (speerspitzartig zulaufend), Haldenrain (Halde = Abhang), Hördt (hartes Trockenland), Hohenstein (hoher Grenzstein), Hohlgraben, Kirchtal, Langäcker, Mostgrube (Moosgrube, feuchtes Gelände), Pförchacker (zu Pferch), Raiser (zu Reiser = Gebüsch), Rappenberg (zu Raben), Reuthe und Rothacker (zu roden), Rücken (Hügelrücken), Salzwiesen (salzig sumpfiges Gelände), Sauhalde, Seeäcker, Seedamm und Seewiesen (alter Stausee des Feuerbachs), Thal, Viehweg, Wanne, Waldäcker und Waldwiesen, Wettwiesen (zu wette = Wasser), Winterhalde (nördlicher Hang).

Zur genaueren Bedeutung d​er einzelnen Flurnamen u​nd ihre Geschichte siehe.[139]

Einzelnachweise

  1. Gühring/Kull, S. 19.
  2. Gühring/Kull, S. 19–28.
  3. Gühring/Kull, S. 28–32.
  4. Lüning, S. 112 ff.
  5. Gühring/Friedrich/Kull, S. 64.
  6. Gühring/Rees/Schweikart, S. 181–193.
  7. Gühring/Kull, S. 32–36.
  8. Gühring/Kull, S. 36 f.
  9. stuttgart.de
  10. Anmerkung: Der Oberbegriff lautet Stadtbezirk. Stadtbezirke wie etwa Zuffenhausen, Feuerbach, Bad Cannstatt usw. sind wiederum in Stadtteile wie Rot, Zazenhausen usw. gegliedert.
  11. Gühring/Friedrich/Kull, S. 42.
  12. Keefer, S. 90–107.
  13. Müller-Beck, S. 464 f.
  14. Keefer, S. 90 ff., 106 ff.; Hoffmann, S. 236 ff.
  15. Schukraft, S. 14.
  16. Gühring/Friederich/Kull, S. 42–44.
  17. Gühring/Friedrich/Kull, S. 45.
  18. Keefer, S. 126–139, 145 ff.
  19. Gühring/Friedrich/Kull, S. 45 f.
  20. Stammheimer „Ötzis“ (Memento vom 2. November 2014 im Internet Archive)
  21. Keefer, S. 170.
  22. Gühring/Friedrich/Kull, S. 46 f.
  23. Gühring/Friederich/Kull, S. 64 f.
  24. Gühring/Friederich/Kull, S. 47 f.
  25. Gühring/Friederich/Kull, S. 48 ff.
  26. Gühring/Friederich/Kull, S. 55 ff.
  27. Gühring/Ehmer, S. 67–92.
  28. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 4), Urkunde 2418, 26. Dezember 788 – Reg. 2082. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 131, abgerufen am 7. Mai 2016.
  29. Ortsliste zum Lorscher Codex, Zatzenhausen, Archivum Laureshamense – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg.
  30. Gühring/Ehmer, S. 75–80.
  31. Gühring/Ehmer, S. 87 ff.
  32. Gühring/Ehmer, S. 89 ff.
  33. Gühring/Ehmer, S. 113 ff.
  34. Gühring/Ehmer, S. 115–122.
  35. Gühring/Ehmer, S. 122–127.
  36. Gühring, S. 139–178.
  37. Gühring, S. 195–200.
  38. Gühring, S. 200–202, 222 f.
  39. Die Zahlenangaben schwanken in den verschiedenen Dokumenten beträchtlich, je nachdem, wer gezählt wurde: also Erwachsene, Kinder, Frauen, Kommunikanten, Leibeigene usw. In einer anderen Zusammenstellung in Gühring S. 222 etwa sind folgende Einwohnerzahlen enthalten: 1621: 514, 1641: 98, 1653: 183, 1661: 265, 1672: 308, 1684: 371, 1692: 359 dazu 3 Katholiken.
  40. Gühring, S. 202 ff., 227–231.
  41. Gühring/Binder, S. 273–338.
  42. Waßner, S. 124 f.; Güring/Binder, S. 288 ff.
  43. Waßner, S. 118.
  44. Gühring/Binder, S. 286–320.
  45. Waßler, S. 120.
  46. Gühring/Raberg, S. 339–407; Gühring/Müller, S. 411–476; Chronik, S. 599–772; Benz/Ranke, S. 34–49 sowie Gutmann/Jäckel/Longerich/Schoeps: Enzyklopädie des Holocaust Band I–III und Licht auf dunkle Zeit, Broschüre des Stadtjugendrings Stuttgart, Stuttgart, 2000.
  47. Basslers, S. 63.
  48. Gühring/Müller, S. 411–418.
  49. Kammerer, S. 64–67.
  50. Gühring/Müller, S. 418–440.
  51. Vgl. Benz u. a, S. 371: Die Arbeitslosigkeit hatte bei Machtantritt Hitlers ihren Höhepunkt bereits überschritten, und die von den Vorgängerregierungen eingeleiteten Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen begannen zu greifen, ebenso die Investitionen der Industrie, was die Nationalsozialisten aber ausschließlich ihrem Wirken zuschrieben, was in der Bevölkerung auch geglaubt wurde.
  52. Wie sehr sich dieser Begriff ursprünglich von dem Faschismus der NSDAP unterschied, zeigt etwa die Tatsache, dass Bismarck immer einmal wieder in der Presse als "erster Nationalsozialist" bezeichnet wurde, da er sowohl einen deutschen Nationalismus als auch eine Sozialgesetzgebung repräsentierte. Wie so vieles andere ist auch der Begriff des Nationalsozialen von den Nationalsozialisten pervertiert worden.
  53. Kühnl, S. 87 ff.
  54. Chronik, S. 844.
  55. Einer der berühmtesten und berüchtigtsten Fälle in diesem Zusammenhang ist ja die Schrift Richard Wagners von 1850: Das Judenthum in der Musik, und Wagner wurde denn auch mit seiner Musik und seiner Germanentümelei von den Nationalsozialisten besonders vereinnahmt.
  56. SPD-Ortsverein, S. 43.
  57. Eberhard, S. 15.
  58. SPD-Ortsverein, S. 41 f., 43.
  59. stolpersteine-stuttgart.de
  60. stolpersteine-stuttgart.de. Detaillierte Angaben zu den betroffenen Opfern hat Frau Inge Möller von der Stolperstein-Initiative Zuffenhausen zur Verfügung gestellt.
  61. Gühring/Müller, S. 440–454.
  62. Vgl. die einschlägigen Publikationen des Politikwissenschaftlers Roman Fröhlich, z. B. „Der Einsatz von Gefangenen aus den Lagern der SS bei deutschen Unternehmen am Beispiel Heinkel und HASAG. Ein Vergleich“. Bericht Stuttgarter Zeitung vom 2. Mai 2013, S. 28.
  63. ferdinand-porsche-gymnasium.de
  64. Gühring/Müller, S. 444–450; Gühring/Beer, S. 484–490.
  65. Bassler, S. 120.
  66. Bassler, S. 118.
  67. Gühring/Müller, S. 450–454; Gühring/Beer, S. 484–502.
  68. Gühring/Müller, S. 454–464.
  69. Wie andere Details aus dieser Zeit: Eigenbericht von N.R.
  70. Gühring/Beer, S. 479 ff., 500–518.
  71. Gühring/Beer, S. 519–527.
  72. Tunnel B10/27 (Memento vom 9. November 2014 im Internet Archive) (PDF; 3,8 MB)
  73. maps.google.de
  74. Gühring/Meyle, S. 533–557.
  75. Vgl. Gühring/Meyle, S. 529–557.
  76. Mirow, Band 1, S. 232 f., 237 f., 576 ff., 582 ff., 587 ff.
  77. Gühring/Ehmer, S. 84–90.
  78. Gühring/Ehmer, S. 82 ff.
  79. Gühring, S. 139–180.
  80. Gühring, S. 204–223.
  81. Gühring/Binder, S. 286 ff.
  82. Gühring/Raberg, S. 364 f.
  83. Gühring/Raberg, S. 350 ff., 392 ff.
  84. Gühring/Müller, S. 466 f.; Stadtjugendring, S. 28 f.
  85. Bassler, S. 126.
  86. Gühring/Müller, S. 450–454, 464–468, 520.
  87. Hirsch/Schuder, S. 405–419.
  88. Gutmann, Jäckel u. a., Band 2, S. 762.
  89. Kammerer, S. 65.
  90. Kammerer, S. 40, 57.
  91. Benz/Nowak, S. 189–203.
  92. Gühring/Binder, S. 275–280, 302 f., 371–381.
  93. Gühring/Müller, S. 425–428.
  94. Gühring, S. 240–256; Gühring/Binder S. 275–283, 303 f.
  95. Waßner, S. 42–46.
  96. Geschichte der Zuffenhäuser Wirtshäuser. (Nicht mehr online verfügbar.) Stuttgarter Zeitung, 23. August 2011, archiviert vom Original am 23. Dezember 2016;.
  97. Gühring, S. 166–170, 215–223, 256–263.
  98. Bernd Zeyer: Gastwirtschaften in Zuffenhausen. Stuttgarter Zeitung 23. August 2011 (Memento vom 29. April 2013 im Webarchiv archive.today)
  99. Zum Vergleich: Stuttgart hatte 1850 50.000, 1875 bereits 107.000 Einwohner, Schukraft, S. 156.
  100. Flurkarte von 1827 (1:4000) (PDF; 335 kB)
  101. Gühring/Binder, S. 318–320.
  102. Gühring/Binder, S. 305–320.
  103. Gühring/Raberg, S. 339–352, 388 f.
  104. Gühring, S. 566 f., 574 f.; Gühring/Raberg, S. 369 ff.
  105. www.bds-zuffenhausen.de
  106. Mirow, S. 84–96.
  107. Gühring, S. 170–176, 264–269; Gühring/Binder, S. 283 ff.
  108. Um 1700 besaß ein Gulden etwa die Kaufkraft, die heute 40–50 Euro entspräche.
  109. Gühring/Binder, S. 315–318; Waßner, S. 123 f.
  110. Waßner, S. 124.
  111. Gühring/Raberg, S. 341–352, 365 ff., 386 f.
  112. Gühring/Friederich/Kull, S. 57 ff.
  113. Gühring/Friederich/Kull, S. 59 ff.
  114. Gühring, S. 147–150.
  115. Gühring/Friederich/Kull, S. 61, 66.
  116. Gühring/Binder, S. 296–30.
  117. Gühring/Meyle, S. 531 f.
  118. Gühring/Beer, S. 526 f.; Gühring/Meyle, S. 529 f., 541 ff.
  119. Jugendrat Stuttgart-Zuffenhausen
  120. PDF; 1,8 MB
  121. Gühring/Beer, S. 477–481.
  122. Zuffenhausen – Einwohner (Memento vom 17. November 2012 im Internet Archive)
  123. stuttgartzuffenhausen.de
  124. Der „Datenkompass Stuttgart“ bietet die genauen Daten für die oben Schätzungen. Er weist etwa für 2011 folgende Zahlen aus: Einwohner mit Migrationshintergrund bei Stuttgart 100 in Zuffenhausen 129. Numerisch: 18.329, davon Ausländer 9648.
  125. Gühring/Meyle, S. 535–538.
  126. Gühring/Raberg, S. 369 ff.
  127. Gühring, S. 559–594: Kirchen und Vereine in Zuffenhausen. Übersicht aller Zuffenhäuser Vereine auf Stuttgart.de
  128. Schritt für Schritt Porsche AG, 18. März 2014.
  129. Die größten (Stand 2003) behandelt Gühring, S. 559–584.
  130. Gühring/Raberg, S. 400–407.
  131. Gühring, S. 105–111.
  132. Vgl. die Abbildungen in Gühring, S. 324.
  133. Gühring/Heinz/Ehmer, S. 585–590.
  134. z. B. Gühring, Flurkarte von 1825/40, S. 330 f.
  135. Die komplette Liste der Kulturdenkmale von Zuffenhausen siehe unter stuttgart-stadtgeschichte.net (PDF; 501 kB), S. 201–209.
  136. Ein alter Dativ Plural auf -en ohne die Bildung mit -er vgl. Hermann Paul: Deutsches Wörterbuch. 6. Auflage, S. 295. Niemeyer, Tübingen 1966.
  137. bv-zazenhausen.de
  138. Gühring/Ehmer, S. 67 f.; Gühring/Friedrich/Kull, S. 57.
  139. Gühring/Schwämmle, S. 129–138.

Literatur und Quellen

  • Zuffenhausen. In: Karl Eduard Paulus (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Ludwigsburg (= Die Württembergischen Oberamtsbeschreibungen 1824–1886. Band 39). Karl Aue, Stuttgart 1859, S. 338–345 (Volltext [Wikisource]).
  • Siegfried Bassler (Hrsg.): Mit uns für die Freiheit. 100 Jahre SPD in Stuttgart. Thienemanns Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 3-522-62570-6.
  • Friedemann Bedürftig: Lexikon Drittes Reich. 2. Auflage. Piper, München 1997, ISBN 3-492-22369-9.
  • Wolfgang Benz, Hermann Graml, Hermann Weiß (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. 4. Auflage. dtv, München 2001, ISBN 3-423-33007-4.
  • Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden. 19. Auflage. F. A. Brockhaus, Mannheim 1994, ISBN 3-7653-1200-2.
  • Martin Broszat, Norbert Frei (Hrsg.): Das Dritte Reich im Überblick. Chronik – Ereignisse – Zusammenhänge. 5. Auflage. Piper, München 1996, ISBN 3-492-21091-0.
  • Barry Cunliffe (Hrsg.): Illustrierte Vor- und Frühgeschichte Europas. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-593-35562-0.
  • Chronik der Deutschen. 3. Auflage. Chronik Verlag, Gütersloh 1995, ISBN 3-577-14341-X.
  • Chronik des 20. Jahrhunderts. 14. Auflage. Chronik Verlag/Weltbild Verlag 1996, ISBN 3-86047-130-9.
  • Der Große Ploetz. Auszug aus der Geschichte. Verlag Ploetz, Freiburg 1981, ISBN 3-87640-170-4.
  • Fritz Eberhard: Arbeit gegen das Dritte Reich. 2. Auflage. In: Beiträge zum Thema Widerstand 10, S. 15. Landeszentrale für politische Bildung Berlin, Berlin 1980.
  • Lutz Fiedler, Gaëlle Rosendahl, Wilfried Rosendahl: Altsteinzeit von A bis Z. WBG, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-534-23050-1.
  • Albrecht Gühring (Red.): Zuffenhausen. Dorf – Stadt – Stadtbezirk. Mit Beiträgen von: Mathias Beer, Petra Binder, Hermann Ehmer, Susanne Friederich, Manfred Glück, Albrecht Gühring, Reinhard Heinz, Peter Juréwitz, Ulrich Kull, Wolfgang Meyle, Roland Müller, Frank Raberg, Werner Rees, Hermann W. Schwämmle sowie Vertretern der Kirchen und Vereine. Albrecht Gühring (Redaktion)/ Verein zur Förderung der Heimat- und Partnerschaftspflege sowie der Jugend- und Altenhilfe e. V./ Wolfgang Meyle (Hrsg.), Stuttgart-Zuffenhausen 2004, ISBN 3-00-013395-X.
  • Israel Gutman, Eberhard Jäckel, Peter Longerich, Julius Schoeps (Hrsg.): Enzyklopädie des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. 4 Bde., 2. Auflage. Piper, München 1998, ISBN 3-492-22700-7.
  • Rudolf Hirsch, Rosemarie Schuder: Der gelbe Fleck. Wurzeln und Wirkungen des Judenhasses in der deutschen Geschichte. Fourier/PapyRossa-Verlag, Wiesbaden/Köln 1999, ISBN 3-932412-86-9.
  • Emil Hoffmann: Lexikon der Steinzeit. Verlag C. H. Beck, München 1999, ISBN 3-406-42125-3.
  • Hansjörg Kammerer: Amtsenthoben. Maßnahmen gegen württembergische Pfarrer unter dem Regiment Deutscher Christen im Herbst 1934. Verein für württembergische Kirchengeschichte, Stuttgart 2004, ISBN 3-7722-3044-X.
  • Erwin Keefer: Steinzeit. Sammlungen des Württembergischen Landesmuseums, Band 1. Theiss Verlag, Stuttgart 1993, ISBN 3-8062-1106-X.
  • Reinhard Kühnl: Der deutsche Faschismus in Quellen und Dokumenten. PapyRossa/Fourier, Wiesbaden/Köln 2000, ISBN 3-932412-85-0.
  • Hubert Lamb: Klima und Kulturgeschichte. Der Einfluss des Wetters auf den Gang der Geschichte. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1994, ISBN 3-499-55478-X.
  • Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.): Taschenbuch Baden-Württemberg. Gesetze – Daten – Analysen. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1984, ISBN 3-17-008226-4.
  • Jens Lüning, Petar Stehli: Die Bandkeramik in Mitteleuropa: von der Natur- zur Kulturlandschaft. In: Spektrum der Wissenschaft (Hrsg.): Siedlungen der Steinzeit. Spektrum-der Wissenschaft-Verlagsges., Heidelberg 1989, ISBN 3-922508-48-0, S. 110–120.
  • Golo Mann (Hrsg.): Propyläen Weltgeschichte. Eine Universalgeschichte. Band 8, 9, 10. Propyläen Verlag, Berlin, Ullstein, Frankfurt 1986, ISBN 3-549-05731-8.
  • Susanne Miller, Heinrich Potthoff: Kleine Geschichte der SPD. Darstellung und Dokumentation 1848–1983. 5. Auflage. Verlag Neue Gesellschaft, Bonn 1983, ISBN 3-87831-350-0.
  • Jürgen Mirow: Geschichte des deutschen Volkes. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Band 2. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996, ISBN 3-925825-64-9.
  • Hansjürgen Müller-Beck (Hrsg.): Urgeschichte in Baden-Württemberg. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1983, ISBN 3-8062-0217-6.
  • Harald Schukraft: Wie Stuttgart wurde, was es ist. Ein kleiner Gang durch die Stadtgeschichte. Silberburg Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-87407-222-3.
  • SPD-Ortsverein Zuffenhausen (Hrsg.): 111 Jahre SPD Zuffenhausen 1889–2000. Sozialdemokratische Geschichte am Beispiel eines Stuttgarter Ortsvereins. SPD-Ortsverein, Zuffenhausen 2000.
  • Stadtjugendring Stuttgart e. V.: Licht auf dunkle Zeit. Stuttgart in der Zeit von 1933 bis 1945. Stuttgart 2000.
  • The New Encyclopedia Britannica. 15. Auflage. Encyclopedia Britannica, Chicago 1993, ISBN 0-85229-571-5.
  • Manfred Waßner: Kleine Geschichte Baden-Württembergs. 2. Auflage. Theiss Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-8062-1665-7.
  • Hermann Weiß (Hrsg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2002, ISBN 3-596-13086-7.
  • Website des SSV Zuffenhausen e. V.
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