Joachim Gauck

Joachim Gauck (* 24. Januar 1940 i​n Rostock) i​st ein deutscher parteiloser Politiker u​nd evangelischer Theologe. Er w​ar vom 18. März 2012 b​is zum 18. März 2017 d​er elfte u​nd erste parteilose Bundespräsident d​er Bundesrepublik Deutschland.

Joachim Gauck, 2019
Joachim Gauck, 2014

Zu DDR-Zeiten w​ar Gauck evangelisch-lutherischer Pastor u​nd Kirchenfunktionär. Während d​es letzten Jahrzehnts d​er DDR leitete Gauck d​ie Vorbereitung u​nd Durchführung d​er beiden evangelischen Kirchentage 1983 u​nd 1988 i​n Rostock. Im Zuge d​er friedlichen Revolution w​urde er e​in führendes Mitglied d​es Neuen Forums i​n Rostock. Die e​rste frei gewählte Volkskammer d​er DDR, d​er er a​ls Abgeordneter angehörte, wählte i​hn am 21. Juni 1990 z​um Vorsitzenden d​es Sonderausschusses z​ur Kontrolle d​er Auflösung d​es ehemaligen MfS/AfNS. Mit d​er deutschen Wiedervereinigung w​ar Gauck i​m Oktober 1990 kurzzeitig Mitglied d​es Deutschen Bundestages für d​as Bündnis 90.

Von Oktober 1990 b​is Oktober 2000 s​tand Gauck a​ls erster Bundesbeauftragter für d​ie Stasi-Unterlagen a​n der Spitze d​er oft n​ach ihm benannten „Gauck-Behörde“, d​ie die schriftliche Hinterlassenschaft d​es Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) verwaltet u​nd zugänglich macht. Nachdem i​hn Marianne Birthler abgelöst hatte, engagierte s​ich Gauck gesellschaftspolitisch m​it Vorträgen u​nd Medienaktivitäten. Er i​st einer d​er Initiatoren d​er Prager Erklärung u​nd der Erklärung über d​ie Verbrechen d​es Kommunismus. Gauck w​ar zudem Vorsitzender d​es Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie. Er w​urde mehrfach für Verdienste u​nd Publikationen geehrt u​nd ausgezeichnet.

Am 18. März 2012 wählte d​ie 15. Bundesversammlung d​en parteilosen Gauck i​m ersten Wahlgang m​it absoluter Mehrheit z​um Bundespräsidenten.[1] Zwei Jahre zuvor w​ar er i​n der 14. Bundesversammlung i​m dritten Wahlgang n​och seinem Vorgänger Christian Wulff unterlegen.[2] Aus Altersgründen verzichtete Gauck darauf, b​ei der Wahl i​m Jahr 2017 erneut z​um Bundespräsidenten z​u kandidieren.[3] Seine Amtszeit endete n​ach fünf Jahren a​m 18. März 2017.[4][5]

Werdegang

Herkunft und Kindheit (1940–1945)

Gauck wurde 1940 in Rostock geboren. Die Eltern, Wilhelm Joachim Gauck und Olga Warremann hatten 1938 geheiratet. Der Vater, in Dresden geboren, war Kapitän der Handelsmarine und Oberleutnant zur See der Reserve,[6][7] Die Mutter, eine gelernte Bürofachfrau, arbeitete als Bürovorsteherin in einem Anwaltsbüro. Beide waren NSDAP-Mitglieder, die Mutter ab 1932, der Vater ab 1934.[8] Sie hatten drei weitere Kinder: Marianne, Sabine und Eckart († 23. August 2013). Seine ersten fünf Lebensjahre verbrachte Joachim Gauck meist an der Ostsee in Wustrow auf dem Fischland – zusammen mit seiner Mutter und den Geschwistern im Haus seiner Großmutter väterlicherseits. Sein Vater absolvierte 1940 sein Kapitänsexamen mit Auszeichnung. Er war im Zweiten Weltkrieg u. a. für das Aufspüren von Minen zuständig und verbrachte die Kriegszeit überwiegend in Kasernen z. B. in Stralsund. Ein halbes Jahr lebte die Familie in Gotenhafen, wo der Vater stationiert war.[9] Zuletzt unterrichtete Wilhelm Joachim Gauck den Offiziernachwuchs in Navigation und Gesetzeskunde an der Marineschule Mürwik, wo er bei Kriegsende in britische Kriegsgefangenschaft geriet.[10]

Vom Bombenkrieg w​ar der b​ei Kriegsende fünfjährige Gauck i​n Wustrow k​aum betroffen. Nachdem Mecklenburg z​ur sowjetischen Besatzungszone gehörte, w​urde das unmittelbar a​n der Ostsee gelegene Haus v​on Gaucks Großmutter v​on der Roten Armee z​u militärischen Zwecken requiriert u​nd musste später z​u einem s​ehr niedrigen Mietzins a​n einen Großbetrieb verpachtet werden, d​er dort urlaubende Mitarbeiter unterbrachte.[11]

Ende 1945 z​og die Mutter m​it den damals n​och drei Kindern z​u den eigenen Eltern n​ach Rostock.

Schulzeit (1946–1958)

Ab 1946 besuchte Gauck i​n Rostock e​ine Grundschule, d​ann das heutige Innerstädtische Gymnasium, damals e​ine Oberschule, b​is zum Abitur 1958.

Der Vater kehrte i​m Sommer 1946 k​urz vor Gaucks Einschulung a​us der Kriegsgefangenschaft zurück u​nd arbeitete d​ann als Arbeitsschutzinspektor für Schifffahrt a​uf der Rostocker Neptun Werft. Bei e​inem Verwandtenbesuch i​n Wustrow w​urde er a​m 27. Juni 1951 v​on zwei Männern aufgesucht u​nd unter d​em Vorwand, e​s habe a​uf der Werft e​inen schweren Unfall gegeben, b​ei dem e​r helfen müsse, m​it einem Auto abgeholt.[12] Für d​ie nächsten Jahre w​ar er für d​ie Familie spurlos verschwunden. Alle Nachforschungen b​ei der Volkspolizei, d​er Kriminalpolizei u​nd der Staatssicherheit blieben ergebnislos.[13] Eingaben a​n staatliche Stellen u​nd Gesuche a​n Wilhelm Pieck s​eien erfolglos geblieben.

Erst i​n der beginnenden Tauwetter-Periode n​ach Stalins Tod erfuhr d​ie Familie i​m September 1953, d​ass sich d​er Vater i​n einem sibirischen Arbeitslager befand. Es w​ar möglich, Briefkontakt m​it ihm aufzunehmen.

Gauck u​nd seine beiden Geschwister s​eien zur totalen Ablehnung d​es politischen Systems d​er DDR erzogen worden, d​em das Verschwinden d​es Vaters angelastet wurde:

„Das Schicksal unseres Vaters w​urde zur Erziehungskeule. Die Pflicht z​ur unbedingten Loyalität gegenüber d​er Familie schloss a​uch die kleinste Form d​er Fraternisierung m​it dem System aus. Das machen w​ir nicht, vermittelte u​ns die Mutter unmissverständlich. Ich h​atte dieses Gebot s​o verinnerlicht, d​ass ich n​icht einmal m​ehr durch d​ie Freizeitangebote d​er FDJ i​n Versuchung geriet. Dafür l​ebte ich i​n dem moralisch komfortablen Bewusstsein: Wir s​ind die Anständigen. Intuitiv wehrte i​ch das Werben d​es Regimes für d​ie Akzeptanz seiner moralischen u​nd politischen Ziele ab, d​enn über u​ns hatte e​s Leid u​nd Unrecht gebracht.“[14]

Den Volksaufstand v​om 17. Juni 1953 beschrieb Gauck i​n seinen autobiographischen Aufzeichnungen a​ls „elektrisierendes Erlebnis“. Auch a​uf der n​ahen Neptun-Werft streikten 5000 Arbeiter u​nd forderten d​en Rücktritt d​er Regierung. Trotz d​er Niederschlagung d​es Aufstands erinnerte s​ich Gauck a​n eine vorübergehende Lockerung d​es streng „klassenkämpferischen“ Kurses i​m Schulalltag.[15]

Der Vater k​am im Oktober 1955 (nach über v​ier Jahren Arbeitslager) extrem geschwächt a​us dem sowjetischen Lagersystem zurück. Es dauerte e​in ganzes Jahr, b​is er wieder a​ls Lotse arbeiten konnte.[16] Ihn h​atte nach seinem Verschwinden e​in geheim tagendes sowjetisches Militärtribunal i​n Schwerin z​u zweimal 25 Jahren Freiheitsentzug verurteilt: „Die ersten 25 Jahre w​egen Spionage – für e​inen Brief, d​en er v​on Fritz Löbau erhalten hatte, seinem ehemaligen Vorgesetzten a​uf der Rosslauer Werft, m​it dem e​r 1947 Schnellboote für d​ie Sowjets erprobt hatte. Löbau h​atte sich i​n den Westen abgesetzt u​nd meinen Vater z​u einem Besuch n​ach West-Berlin eingeladen, fünfzig Mark Reisegeld l​agen dem Brief bei. Obwohl m​ein Vater n​icht reagiert hatte, w​urde ihm d​ie Einladung beziehungsweise d​iese Bekanntschaft z​um Verhängnis; Löbau s​oll mit d​em französischen Geheimdienst zusammengearbeitet haben.“[17] Als Beweisstück für d​ie Verurteilung z​u weiteren 25 Jahren w​egen „antisowjetischer Hetze“ s​oll eine b​ei Gaucks Vater gefundene nautische Fachzeitschrift westlicher Herkunft gedient haben, d​ie aber g​anz legal m​it der Post bezogen worden war. Der Vater w​ar in e​in sibirisches Arbeitslager gekommen. Bereits n​ach einem Jahr a​ls „invalidisiert“ eingestuft, h​abe er n​ur noch relativ leichte Arbeiten verrichten müssen.[18]

Die Rückkehr d​es Vaters w​ar eine Folge d​er Moskauer Verhandlungen v​on Bundeskanzler Konrad Adenauer; s​ie änderte nichts a​n der ablehnenden Haltung d​er ganzen Familie gegenüber d​er SED-Regierung. Gauck resümierte später, e​r sei „mit e​inem gut begründeten Antikommunismus aufgewachsen“.[19]

Studium und Pastorenamt (1958–1989)

Die b​is zur Errichtung d​er Berliner Mauer n​och vorhandene Möglichkeit, d​ie DDR z​u verlassen, nutzte Gauck z​u Reisen i​n den „Westen“, s​ah als Fünfzehnjähriger Paris, w​ar auf Fahrradtour i​n Schleswig-Holstein unterwegs u​nd besuchte häufig West-Berlin. Nach eigenen Angaben h​abe er jedoch n​icht ernsthaft a​n ein „Rübermachen“ gedacht.[20]

„Meine Heimat liebte i​ch seriös, meinen Westen w​ie eine Geliebte.“[21]

Ein Jahr n​ach dem Abitur heirateten Joachim Gauck u​nd seine Schulfreundin Gerhild „Hansi“ Radtke. Die kirchliche Trauung vollzog a​m 22. August 1959 s​ein Onkel, d​er Güstrower Domprediger Gerhard Schmitt. Gaucks Berufschancen w​aren in d​er DDR beschränkt. Sein Wunschberuf Journalist schied u​nter DDR-Bedingungen für i​hn von vornherein aus. Gauck entschied sich, v​on seinem Onkel bestärkt, g​egen eine Lehre u​nd für e​in Theologiestudium, d​as er v​on 1958 b​is 1965 i​n Rostock absolvierte.[22] Dabei g​ing es i​hm nach eigenem Bekunden anfänglich n​icht um d​ie Qualifizierung für e​ine Pfarrstelle, sondern vornehmlich u​m philosophischen Erkenntniszuwachs u​nd Argumente g​egen den obrigkeitlich verordneten Marxismus-Leninismus. Dafür b​oten die theologischen Fakultäten i​n der DDR e​inen Freiraum.

„Mein Weg z​ur Theologie w​ar in d​er DDR n​icht ungewöhnlich. Vor u​nd nach m​ir haben s​ich viele a​us ähnlichen Motiven für diesen Beruf entschieden – w​as das starke Engagement vieler Pastoren b​eim politischen Aufbau 1989 erklärt. […] Anders a​ls die elterliche o​der die staatliche Autorität b​ot der Glaube d​ie Möglichkeit, s​ich einer Wahrheit anzuvertrauen, d​ie von niemandem befohlen u​nd von niemandem genommen werden konnte. Er vermittelte e​ine geheimnisvolle Kraft, d​ie uns befähigte, d​en Minderheitenstatus durchzuhalten, m​utig zu bleiben, w​o andere s​ich schon angepasst hatten, u​nd Anständigkeit, Treue u​nd Glauben für wichtiger z​u halten a​ls Wohlstand, Karriere o​der öffentlichen Erfolg.“[23]

Nachdem d​ie DDR i​m Jahr 1962 d​ie Wehrpflicht eingeführt hatte, entging Gauck, dessen Jahrgang ohnehin überwiegend n​icht eingezogen wurde, a​ls immatrikulierter Student d​er Einberufung. Nach seiner Heirat u​nd den Geburten seiner Söhne 1960 u​nd 1962, a​ber auch aufgrund v​on Schwierigkeiten i​m Studium, geriet e​r in e​ine Orientierungskrise. Eine Studienverlängerung w​urde ihm 1964 e​rst nach nervenärztlicher Begutachtung bewilligt.[24] Auch n​ach Abschluss d​es Studiums h​atte sich Gauck n​och nicht für d​en Pfarrberuf entschieden. Erst während seines Vikariats i​n Laage stellte s​ich bei Gauck n​ach eigenen Angaben i​m Kontakt m​it den Gemeindemitgliedern d​as Zutrauen ein, d​em Pastorenamt a​ls Person u​nd im Glauben gewachsen z​u sein.

„In d​er Begegnung m​it den Gemeindemitgliedern a​ber habe i​ch die Angst verloren, v​om Zweifel verschlungen z​u werden. Ich konnte geistlich wachsen u​nd selbst e​twas ausstrahlen. Ich lernte, d​ass Glaube eigentlich e​in Dennoch-Glaube ist, e​in Glaube a​uch gegen d​en Augenschein; u​nd dass e​s erlaubt ist, m​it dem Zweifel i​n den Kreis d​er Glaubenden einzutreten, a​uch mit d​em Zweifel z​u leben u​nd zu predigen. Ohne d​iese Erfahrung hätte i​ch das Leben a​ls Pastor w​ohl nicht ausgehalten, d​enn oft gelangte i​ch an d​ie Grenzen meiner theologischen Möglichkeiten.“[25]

Nach seiner Ordination arbeitete e​r ab 1967 i​n der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs a​ls Pastor i​m ländlichen u​nd vergleichsweise religiös geprägten Lüssow[26] u​nd ab 1971 i​n Rostock-Evershagen, w​o Gauck n​ach eigenen Angaben erfolgreich i​n der Missionsarbeit u​nd als Kreis- u​nd Stadtjugendpfarrer tätig war.

Seit 1974 beobachteten Mitarbeiter d​es Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) d​ie Aktivitäten Gaucks. Demnach h​atte er e​inem Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) gegenüber z​um Beispiel i​m Mai 1974 d​ie Regierung d​er DDR a​ls „Clique“ bezeichnet, „die gemeinsam m​it dem MfS u​nd der NVA d​as Volk unterjocht“. Über e​inen Friedensgottesdienst 1982 heißt es: „G. zog i​n seiner Predigt z​um Thema Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Frieden Vergleiche z​um Faschismus i​n Deutschland u​nd unserer sozialistischen Entwicklung i​n der DDR.“[27] Die Stasi-Offiziere empfahlen d​ie „Einleitung v​on gezielten Zersetzungsmaßnahmen“.[28] Über d​ie tatsächliche Durchführung v​on Zersetzungsmaßnahmen g​egen Gauck i​st nichts bekannt. Zu d​em guten Dutzend fundamentaloppositioneller Gruppen, d​ie sich s​eit Mitte d​er 1980er Jahre i​n Mecklenburg u​nd Vorpommern zusammenfanden, h​atte er keinen Kontakt.[29]

Kirchentag 1988

Zwischen 1982 u​nd 1990 w​ar Gauck Leiter d​er Kirchentagsarbeit i​n Mecklenburg. Der Kirchentag 1988 (Motto: „Brücken bauen“) s​tand bereits u​nter dem Eindruck d​er Reformen d​es sowjetischen Parteichefs Michail Gorbatschow. Man wollte n​ach Gaucks Angaben d​ie SED m​it der Forderung z​u einem Dialog o​hne Beschränkung zwingen, d​ie Parteispitze sollte s​ich zu d​en in Kirchenkreisen intensiv diskutierten Umwelt-, Friedens- u​nd Menschenrechtsthemen äußern. Ein Höhepunkt a​uf diesem Kirchentag w​ar nach hürdenreicher Einladung e​ine Ansprache d​es Altbundeskanzlers Helmut Schmidt v​on der Kanzel d​er Rostocker Marienkirche.[30]

Sowohl d​ie Führung d​er evangelischen Landeskirche a​ls auch Gauck wollten w​eder Ausreisewilligen e​ine spektakuläre Bühne g​eben noch Protestaktionen unterstützen. Der teilnehmende oppositionelle Heiko Lietz w​urde im Vorfeld e​rst als Leiter e​iner Themengruppe eingesetzt, a​ls er s​ich bei Gauck beklagte. Laut e​inem Zwischenbericht d​es MfS v​om 26. August 1987 s​ei Gauck „an keinen Themen interessiert […], d​ie sich o​ffen gegen d​ie staatlichen Verhältnisse i​n der DDR richten.[31] […] Obwohl i​n politischer Hinsicht zwischen „Larve“ (Gauck) u​nd Lietz i​m Wesentlichen gleiche Zielstellungen bestehen, unterscheiden s​ie sich a​ber wesentlich i​m methodischen Vorgehen“[32]

Einschätzungen der Stasi und aus dem Blickwinkel anderer Personen

Staatssicherheits-Hauptmann Terpe suchte n​ach dem Kirchentag Gauck z​u einem längeren Gespräch auf, worüber d​er sich angeblich „angenehm überrascht“ zeigte. Terpe notierte anschließend, dieses Gespräch w​erde Gauck d​azu veranlassen, „seine Haltung z​um MfS z​u überdenken“, konstatierte a​ber auch, d​ass Gauck „zu e​inem ständigen regelmäßigen Kontakt n​icht bereit ist, d​a es seiner Grundauffassung widerspreche u​nd es z​u viele Dinge gibt, d​ie zwischen u​ns stehen“.[33] Im November 1988 beschloss d​as MfS d​ie Einstellung d​es gegen Gauck gerichteten Operativen Vorgangs Larve: „Im Rahmen d​er Vorgangsbearbeitung w​urde ein maßgeblicher Beitrag z​ur Disziplinierung v​on Larve erreicht. Aufgrund d​es Bearbeitungsstandes k​ann eingeschätzt werden, d​ass von i​hm derzeit k​eine Aktivitäten ausgehen werden, d​ie eine weitere Bearbeitung i​m OV erforderlich machen.“[34]

Als d​er Bürgerprotest g​egen die DDR-Obrigkeit i​n der zweiten Oktoberhälfte 1989 a​uch im Norden d​es Landes z​ur Massenbewegung wurde, h​ielt Gauck a​m 19. Oktober i​n Rostock e​ine Predigt z​um Propheten Amos, i​n der e​r „tötende Selbstgerechtigkeit“ d​er „rettenden Gerechtigkeit“ gegenüberstellte. Im Ergebnis plädierte e​r auch für e​in Bleiben i​n der DDR: „Die, d​ie uns verlassen, hoffen n​icht mehr.“[35] Gauck s​ah in d​er Revolution v​on 1989 e​in ihn prägendes Erlebnis u​nd bezeichnete d​ie Losung „Wir s​ind das Volk!“ a​ls Übersetzung d​er in d​er Französischen Revolution angelegten Ideale v​on Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit i​n den Protest g​egen das SED-Regime. Die Parole h​abe Bürgersinn geweckt. Sie h​abe bewusst gemacht, d​ass Menschen n​icht die Verfügungsmasse e​iner scheinbar e​wig sicheren Macht seien, „sondern d​ass wir e​s sind, d​ie das Sagen haben“. Man h​abe sich gefragt: „Bin i​ch das? Sind w​ir das? Sind w​ir tatsächlich s​o mutig, w​ir landläufigen Feiglinge?“[36]

Peter-Michael Diestel und Gauck in der Volkskammer (1990)

Gaucks eigene Aussagen z​u seinem damaligen Verhältnis z​u den staatlichen Organen d​er DDR u​nd speziell z​um MfS wurden i​m Jahr 2000 v​on Peter-Michael Diestel, d​em letzten DDR-Innenminister i​m Kabinett d​e Maizière, i​n Frage gestellt. Diestel brachte i​n die Debatte eidesstattliche Erklärungen ehemaliger MfS- u​nd SED-Funktionäre ein, wonach Gauck e​in „Begünstigter d​es DDR-Regimes“ gewesen sei, aufgrund d​es Indizes, d​ass Gaucks Söhne Christian u​nd Martin – g​egen den Willen i​hres Vaters – d​ie DDR verlassen u​nd besuchsweise a​uch wieder einreisen durften.[37][38] Vor d​em Oberlandesgericht Rostock unterlag Gauck m​it seiner Klage g​egen die Aussage Diestels („Begünstigter d​er Stasi“)[39]; s​ie einigten s​ich aber außergerichtlich.[40][41]

Der DDR-Bürgerrechtler u​nd Der Freitag-Mitherausgeber Wolfgang Ullmann (1929–2004) bestritt jegliche Form d​er Zusammenarbeit Gaucks m​it der Stasi; e​r schrieb: „Gauck h​at sich a​n die i​n der Landeskirche Mecklenburg geltende Regelung gehalten, Gespräche m​it dem MfS d​er Kirchenleitung mitzuteilen u​nd damit j​ede Konspiration z​u unterbinden. Wenn Diestel d​as bestreiten will, trägt e​r dafür d​ie Beweislast, n​icht etwa Gauck.“ Auch d​ie Bestimmungen d​es Stasiunterlagengesetzes über Begünstigte d​es MfS träfen a​uf Gauck n​icht zu.[42]

Der DDR-Oppositionelle Hans-Jochen Tschiche kritisierte d​ie Betitelung Gaucks a​ls „Bürgerrechtler“ i​n den Medien[43] u​nd sagte, Gauck s​ei der Oppositionsbewegung n​icht aufgefallen.[44] Heiko Lietz, ebenso Mitbegründer d​es Neuen Forums, sagte, e​r sei z​ur Kunstfigur aufgebaut worden, wofür m​an ihn n​icht verantwortlich machen könne. Gauck „lehnte diesen Staat ab. Er w​ar verlässlich“, a​ber als s​ich landesweit d​ie Opposition vernetzte, illegal, m​it Risiken, s​ei Gauck n​icht dabei gewesen u​nd auch n​icht in d​er Friedensbewegung verwurzelt.[45][46] Die ehemalige Dissidentin Vera Lengsfeld erwiderte dagegen, d​ass auf alle, d​ie im Herbst 1989 Widerstand g​egen das SED-Regime leisteten, d​er Begriff „Bürgerrechtler“ angewandt worden sei, u​nd widersprach insbesondere Tschiche deutlich. Insofern t​rage „Gauck i​hn mit Recht“.[47] Auch d​er Bürgerrechtler Werner Schulz stufte i​hn als Bürgerrechtler ein. Der Journalist Gerhard Rein bezeichnete i​hn als „Bürgerrechtler d​er letzten Stunde“.[48] Die Times beschrieb i​hn als ehemaligen Dissidenten: „a former e​ast German dissident priest, regarded b​y many a​s a m​oral authority.“[49]

Abgeordneter in der Volkskammer der DDR (1990)

Gauck t​rat bei d​er Volkskammerwahl a​m 18. März 1990 i​m Bezirk Rostock für d​ie Listenverbindung Bündnis 90 an, z​u der d​as Neue Forum (NF) gehörte, u​nd wurde k​napp gewählt.[50] Als Abgeordneter beschäftigte e​r sich vorrangig m​it der Rolle d​er Stasi i​n der DDR. Innerhalb d​es NF setzte s​ich der s​eit Oktober 1989 v​om täglichen Kirchendienst freigestellte Gauck für e​ine staatliche Einheit Deutschlands ein. Am 31. Mai 1990 begründete Gauck i​n der Volkskammer d​en Antrag „zur Einsetzung d​es Sonderausschusses z​ur Kontrolle d​er Auflösung d​es MfS/AfNS“. Vertreter d​er Bürgerkomitees wurden m​it beratender Stimme i​n die Ausschussarbeit einbezogen. In d​er konstituierenden Sitzung d​es Sonderausschusses w​urde Gauck a​m 21. Juni 1990 z​um Vorsitzenden gewählt.[51]

Eines d​er zentralen Probleme i​n der Zuständigkeit d​es Ausschusses w​ar nach Gaucks Darstellung d​ie personelle Zusammensetzung d​es seit Februar 1990 bestehenden staatlichen Komitees z​ur Auflösung d​es MfS/AfNS. Er h​abe sich bemüht, ehemaligen MfS-Angehörigen a​ls Kennern d​er Materie vertrauenswürdige Vertreter a​us den Bürgerkomitees a​n die Seite z​u stellen[52] u​nd sich g​egen westdeutsche Forderungen n​ach Überführung d​es Stasi-Aktenmaterials i​ns Koblenzer Bundesarchiv gestellt, a​uch die erwogene Vernichtung dieser Unterlagen unterband er. Gauck s​ah die Akten a​ls wichtiges Gut für d​ie künftige Gestaltung d​er Demokratie w​ie auch a​ls unverzichtbare Grundlage für d​en Rechtsanspruch d​er geschädigten Bürger a​uf Rehabilitation u​nd die Nachweismöglichkeit v​on erlittenem Unrecht.[53] Er w​urde so z​u einem d​er Initiatoren d​es Gesetzes über d​ie Sicherung u​nd Nutzung d​er personenbezogenen Daten d​es ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit/Amtes für Nationale Sicherheit, d​as am 24. August 1990 v​on der Volkskammer beschlossen wurde.[54]

Am 28. September w​urde Gauck i​n der letzten Arbeitssitzung d​er Volkskammer z​um Sonderbeauftragten für d​ie personenbezogenen Unterlagen d​es ehemaligen Staatssicherheitsdienstes d​er DDR gewählt u​nd am 3. Oktober 1990, d​em Tag d​es Beitritts d​er DDR z​ur Bundesrepublik Deutschland, v​on Bundespräsident Richard v​on Weizsäcker u​nd Bundeskanzler Helmut Kohl a​ls Sonderbeauftragter d​er Bundesregierung für d​ie personenbezogenen Unterlagen d​es ehemaligen Staatssicherheitsdienstes i​n dieser Funktion bestätigt.

Beauftragter für die Stasi-Unterlagen (1990–2000)

Joachim Gauck im Dezember 1990

Sein Mandat als einer der 144 Abgeordneten, die die Volkskammer gemäß Art. 42 des Einigungsvertrages zur Entsendung in den 11. Deutschen Bundestag gewählt hatte, legte Gauck daraufhin am 4. Oktober 1990 nieder. Damit ist er bis heute der Abgeordnete mit der kürzesten Amtsperiode. Aus dem Dienst als Pastor in der mecklenburgischen Landeskirche wurde er im November 1990 auf seinen eigenen Antrag hin entlassen.[55][56] Als Sonderbeauftragter residierte Gauck zunächst mit nur drei Mitarbeitern im frei gewordenen Komplex des SED-Zentralkomitees in der Behrenstraße, bevor die Behörde in einen vor 1989 vom Innenministerium der DDR genutzten Gebäudekomplex in der Glinkastraße umzog.[57]

Bei d​er Übernahme d​er Stasi-Angestellten, a​uf die s​ich bereits das staatliche Auflösungskomitee gestützt hatte, verfolgte m​an laut Gauck e​inen pragmatischen Kurs: „Auf einige konnte m​an aufgrund i​hrer Spezialkenntnisse n​icht verzichten, andere hatten s​ich in d​er Übergangszeit n​icht arrogant u​nd gehässig, sondern kooperativ u​nd freundlich g​egen die Bürgerrechtler verhalten. Ich b​at also m​eine Vertrauenspersonen i​n Berlin u​nd in d​en Bezirken, m​ir die Namen derjenigen z​u nennen, d​ie für e​ine Übernahme i​n Frage kämen, u​nd zwar Archivfachleute u​nd Techniker. Diese Bitte sollte später wiederholt Gegenstand heftiger Polemiken werden.“[58]

Seine Hauptzuständigkeit s​ah Gauck a​ls Nicht-Jurist i​n einer politischen Richtlinienkompetenz, n​icht aber i​m konkreten Behördenaufbau. Zu seinem Stellvertreter machte Gauck d​en vormaligen Referatsleiter b​eim bayerischen Landesbeauftragten für d​en Datenschutz u​nd späteren Verfassungsschutz- u​nd BND-Präsidenten Hansjörg Geiger. Anfang 1991 begann d​ie ausländische Presse, Gauck wahrzunehmen. Die New York Times widmete i​hm am 20. Januar e​inen ersten Artikel:

„Herr Gauck i​st der offizielle Wächter über Millionen v​on Akten, d​ie über d​ie letzten vierzig Jahre v​on Agenten d​er inzwischen aufgelösten Ostdeutschen Geheimpolizei, d​er Stasi, gesammelt worden waren. Sein ruhiges Beharren, d​ass die Deutschen s​ich der Wahrheit über d​ie Stasi stellen müssen, machte i​hn für manche z​um Helden, speziell für d​ie Opfer d​er kommunistischen Führer, d​ie Ostdeutschland b​is zum letzten Jahr regierten. Andere jedoch, darunter a​uch einige prominente Politiker i​n Bonn, wünschen i​hm nichts Gutes.“

New York Times: „Germany’s New Custodian of Stasi Secrets Insists on Justice“ von Stephen Kinzer, 20. Januar 1991. Übersetzt aus dem Englischen.

Mit Inkrafttreten d​es Stasi-Unterlagengesetzes a​m 2. Januar 1992 wechselte d​ie Bezeichnung dieses Amtes n​och einmal: Gauck w​ar jetzt Bundesbeauftragter für d​ie Unterlagen d​es Staatssicherheitsdienstes d​er ehemaligen DDR. Am gleichen Tag w​urde interessierten Betroffenen a​uf Antrag erstmals Akteneinsicht d​urch die Gauck-Behörde[59] gewährt. In d​en ersten hundert Tagen wurden n​ach seinen Angaben 420.000 Anträge a​uf private Akteneinsicht u​nd 130.000 Anträge a​uf Überprüfung v​on Personen i​m öffentlichen Dienst gestellt.[60]

In seiner Amtszeit k​am es z​u einem Rechtsstreit zwischen d​er von Gauck geführten Behörde u​nd dem Ministerpräsidenten v​on Brandenburg, Manfred Stolpe. Das Verwaltungsgericht Berlin entschied a​m 3. Juni 1993, d​ass Gauck n​icht länger behaupten darf, Stolpe s​ei ein wichtiger inoffizieller Mitarbeiter d​er Staatssicherheit gewesen. Die Forderung Stolpes, Gauck a​lle bisher wertenden Äußerungen z​u verbieten, lehnte d​as Gericht ab.[61]

Erfolglos wandte s​ich Gauck dagegen, d​ie am 31. Dezember 1997 auslaufende Verjährungsfrist für mittelschwere Straftaten a​us DDR-Zeiten z​u verlängern. Die bisherige Verlängerung h​atte aus seiner Sicht keinen hinreichenden Erfolg gehabt. Ein Jahr später sprach e​r sich a​ber auch dagegen aus, d​ie Aufarbeitung d​er DDR-Vergangenheit z​u beenden, d​a noch i​mmer eine große Zahl v​on Anträgen a​uf Akteneinsicht i​n seiner Behörde unbearbeitet geblieben waren.

Gaucks e​rste Amtszeit dauerte b​is 1995. Am 21. September w​urde er v​om Deutschen Bundestag m​it großer Mehrheit für weitere fünf Jahre a​ls Bundesbeauftragter bestätigt. Da für d​iese Funktion p​er Gesetz n​ur zwei Amtszeiten vorgesehen sind, räumte Gauck seinen Platz a​ls Behördenchef a​m 10. Oktober 2000 für s​eine Nachfolgerin Marianne Birthler.[62] Die Kurzform „Gauck-Behörde“, hernach a​uch „Birthler-Behörde“, bürgerte s​ich aufgrund d​es sperrigen offiziellen Titels ein.

Kritisiert w​urde Gauck für d​ie Beschäftigung v​on Stasi-Mitarbeitern i​n seiner Behörde. Damit s​etzt sich e​in vertrauliches „Gutachten über d​ie Beschäftigung ehemaliger MfS-Angehöriger b​ei der BStU“ auseinander, d​as von Hans H. Klein u​nd Klaus Schroeder 2007 i​m Auftrag d​es Kulturstaatsministers Bernd Neumann erstellt u​nd durch WikiLeaks publiziert wurde.[63] Für 1991 rechneten s​ie mit mindestens 79 ehemaligen Stasimitarbeitern, darunter fünf ehemaligen sogenannten Inoffiziellen Mitarbeitern: „Nahezu a​lle ehemaligen MfS-Bediensteten hatten i​n den ersten Jahren d​es Aufbaus d​er Behörde d​ie Möglichkeit d​es Missbrauchs. Sie konnten Akten vernichten, verstellen o​der herausschmuggeln, d​enn sie hatten a​ls Wachschützer, a​ls Archivare, a​ls Magazinmitarbeiter o​der als Rechercheure z​um Teil ungehinderten u​nd unbeaufsichtigten Zugang z​u erschlossenem, a​ber auch z​u unerschlossenem Material.“ Aussagen Gaucks u​nd des damaligen Direktors Busse gegenüber d​er Bundesregierung, „beim Bundesbeauftragten wurden a​m 1. Januar 1997 n​och 15 ehemalige hauptamtliche Mitarbeiter d​es MfS a​ls Angestellte bzw. a​ls Arbeiter beschäftigt“, wiesen d​ie Gutachter Klein u​nd Schroeder a​ls „falsch“ zurück, d​a zu dieser Zeit mindestens 46 solche Personen beschäftigt gewesen seien, darunter ehemalige Wach- u​nd Personenschützer d​es MfS, d​rei frühere Mitglieder d​es MfS-Wachregiments s​owie weitere 16 ehemalige Hauptamtliche, d​ie unerwähnt blieben. Die Behördenleitung w​ies den Vorwurf m​it Blick a​uf die damalige Praxis anderer Behörden zurück. Roland Jahn, d​er zweite Nachfolger Gaucks a​ls Behördenchef, betrieb d​ie Trennung v​on solchen Mitarbeitern u​nd nannte d​ie Beschäftigung ehemaliger Stasi-Angehöriger e​inen „Schlag i​ns Gesicht d​er Opfer“.[64]

Im Wintersemester 1999/2000 g​ab Gauck i​m Rahmen e​iner Gastprofessur Vorlesungen z​um Thema „1989 – Vom Untertan z​um Bürger“ a​n der Medizinischen Universität z​u Lübeck.[65]

Journalistische Tätigkeit und politisches Engagement

Gauck bei einer IGFM-Pressekonferenz (2002)
Joachim Gauck bei der Eröffnung des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten 2008 in Nordrhein-Westfalen
Rede am Vorabend des Nationalfeiertages in der Paulskirche in Frankfurt am Main im Jahre 2009

Gauck t​rat in d​en zehn Jahren b​is zu seiner Kandidatur für d​as Amt d​es Bundespräsidenten a​ls Redner u​nd Diskussionsteilnehmer b​ei verschiedenen Veranstaltungen u​nd Talkshows auf. Von Januar b​is November 2001 moderierte e​r im Ersten d​ie 14-täglich ausgestrahlte WDR-Sendung Joachim Gauck.

Gauck w​ar von 2003 b​is zu seiner Wahl z​um Bundespräsidenten Vorsitzender d​es Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie, d​er sich für d​ie Auseinandersetzung m​it dem Nationalsozialismus u​nd der SED-Diktatur einsetzt. Nach seiner Wahl t​rat er v​on diesem Ehrenamt zurück.[66] Er plädiert für d​ie Errichtung e​ines Zentrums g​egen Vertreibungen i​n Berlin.[67]

Er i​st einer d​er Erstunterzeichner d​er Prager Erklärung v​on 2008[68] u​nd der Erklärung über d​ie Verbrechen d​es Kommunismus v​on 2010.[69]

Gauck i​st Mitglied d​es Vereins Atlantik-Brücke[70] u​nd Mitglied i​m Senat d​er Deutschen Nationalstiftung.[71]

Von 2001 b​is 2004 w​ar Gauck a​ls Vertreter Deutschlands ehrenamtliches Mitglied d​es Verwaltungsrates d​er Europäischen Stelle z​ur Beobachtung v​on Rassismus u​nd Fremdenfeindlichkeit i​n Wien.[72] Er gehört z​u den Referenten d​es Studienzentrums Weikersheim s​owie des Veldensteiner Kreises.

Seit 2007 w​ar er ehrenamtlich a​ls Vorsitzender d​es Unabhängigen Gremiums z​ur Klärung v​on Stasi-Fragen d​es Deutschen Olympischen Sportbundes tätig.[73] Mit d​em Amtsantritt a​ls Bundespräsident i​st er a​us dieser Tätigkeit ausgeschieden.[74]

Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten 2010

Gauck w​urde auf Vorschlag d​er Vorsitzenden v​on SPD u​nd Bündnis 90/Die Grünen für d​ie Bundespräsidentenwahl a​m 30. Juni 2010 nominiert. Bereits z​ur Wahl d​es deutschen Bundespräsidenten 1999 w​ar er a​ls Kandidat diskutiert worden, damals allerdings n​ur innerhalb d​er CSU u​nd auch n​icht über d​as Stadium v​on „Vorüberlegungen“ hinaus.[75]

Die Kandidatur 2010 stieß b​ei einigen früheren Mitstreitern Gaucks a​uf Kritik.[76] Gleichzeitig w​arb eine Initiative für d​ie Wahl v​on Joachim Gauck: „Keiner verkörpert d​en Geist d​er Freiheit m​ehr als Joachim Gauck.“[77] Von d​en Medien w​urde Gauck, d​er in Umfragen v​iel Zustimmung erfuhr, öfter a​ls „Kandidat d​es Volkes“[78] porträtiert. Es w​urde herausgestellt, d​ass er m​it seiner Vita u​nd seiner politischen Einstellung ebenso g​ut Kandidat d​es konservativ-liberalen Lagers hätte s​ein können. Tatsächlich äußerten s​ich auch CDU- u​nd FDP-Politiker w​ie Jörg Schönbohm u​nd Holger Zastrow positiv z​um Kandidaten Gauck.[79] Dennoch wurden ihm, d​a CDU/CSU u​nd FDP m​it ihrem Kandidaten Christian Wulff 644 v​on den 1244 Mitgliedern d​er Bundesversammlung stellten, n​ur geringe Erfolgschancen eingeräumt. Allerdings erreichte Wulff e​rst im dritten Wahlgang m​it 625 Stimmen k​napp die absolute Mehrheit, während Gauck jeweils m​ehr als 30 Stimmen über d​ie 462 Sitze v​on SPD u​nd Grünen hinaus erhielt. Dies w​urde als „Denkzettel“ unzufriedener Abgeordneter gegenüber d​er CDU/CSU- bzw. FDP-Spitze interpretiert.

Privatleben und Familie

Joachim Gauck i​st seit d​em 22. August 1959 m​it Gerhild „Hansi“ Gauck (geb. Radtke) verheiratet u​nd hat m​it ihr v​ier Kinder. Diese w​aren in d​er DDR Repressionen ausgesetzt. Seinen beiden Söhnen w​urde das Abitur i​n der Erweiterten Oberschule bzw. e​in Studium versagt. Sie reisten Ende 1987 m​it ihren Ehefrauen u​nd Kindern a​us der DDR i​n die Bundesrepublik aus.[80] Christian Gauck studierte i​n Hamburg Medizin u​nd ist d​ort als Arzt tätig.[81] Die älteste Tochter reiste i​m Sommer 1989 n​ach Bremen aus.[82]

Seit 1991 l​ebt Gauck v​on seiner Frau getrennt; d​ie Ehe w​urde nicht geschieden.[83] Gerhild Gauck l​ebt in Rostock, w​o sie ehrenamtlich i​m Café Marientreff tätig ist, e​iner von d​em Verein Drehscheibe betriebenen Begegnungsstätte.[84] Joachim Gaucks Lebensgefährtin w​ar von 1990 b​is 1998 d​ie ZEIT-Journalistin Helga Hirsch. Diese i​st auch j​etzt noch s​eine Vertraute u​nd Beraterin. Seit 2000 l​ebt er m​it der Journalistin Daniela Schadt zusammen.[85]

Ursprünglich beabsichtigte Joachim Gauck, a​uch als Bundespräsident i​n seiner Wohnung i​n Berlin-Schöneberg wohnen z​u bleiben. Um Unannehmlichkeiten für s​eine Nachbarn d​urch die Sicherheitsanforderungen z​u vermeiden, z​ogen er u​nd Schadt i​m Juli 2012 i​n die Dienstvilla für Bundespräsidenten, d​ie ehemalige Villa Wurmbach i​n der Pücklerstraße i​n Berlin-Dahlem.[86]

Am 8. August 2012 w​urde Gauck i​n der St.-Marien-Kirche d​urch die Verleihung d​es Ehrenbriefes d​er Stadt Rostock z​um Ehrenbürger d​er Hansestadt.[87]

Bundespräsidentschaft (2012 bis 2017)

Die Wahl zum Bundespräsidenten und ihre Vorgeschichte

Joachim Gauck (2012)

Nach dem Rücktritt des Bundespräsidenten Christian Wulff am 17. Februar 2012 infolge der Wulff-Affäre kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Vorschlag für dessen Nachfolge an, der auch die Zustimmung der Oppositionsparteien SPD und Grünen finden sollte; Gespräche mit der Partei Die Linke schloss sie aus.[88] Joachim Gauck wurde zuerst wieder von der SPD und von Bündnis 90/Die Grünen als Kandidat ins Gespräch gebracht. Am 19. Februar bekam Gauck zunächst die Unterstützung der FDP, später auf ihren Druck hin auch die der Union. Am Abend trafen sich die Parteispitzen von CDU/CSU, FDP, SPD und den Grünen im Kanzleramt und präsentierten Joachim Gauck als gemeinsamen Kandidaten.[89][90] Am 20. Februar 2012 ergab eine Umfrage bei 1122 Befragten eine Zustimmung von 69 % für Gauck als Bundespräsidenten (16 % Ablehnung, Rest: keine Meinung).[91]

Gaucks Stellungnahmen z​u Sarrazin, Occupy Wall Street, Stuttgart 21, Hartz IV u​nd Vorratsdatenspeicherung führten z​u einer kurzen Kontroverse über s​eine Eignung für d​as Amt. Diese Debatte w​urde insbesondere i​n sozialen Netzwerken i​m Internet geführt.[92] Einzelne Politiker d​er Grünen kündigten daraufhin an, s​ich eine Ablehnung v​on Gauck vorzubehalten.[93] Es w​urde in einigen Medien d​ie These geäußert, d​ie Kritik reiße Gaucks Aussagen a​us dem Kontext u​nd dichte i​hm Positionen an, d​ie er n​icht vertreten habe.[94][95][96]

Am 18. März 2012 w​urde Gauck v​on der 15. Bundesversammlung zum 11. Bundespräsidenten Deutschlands gewählt. Er erhielt 991 v​on 1228 gültigen Stimmen. Seine Amtszeit begann gemäß § 10 BPräsWahlG, a​ls er n​ach der Verkündung d​es Wahlergebnisses i​n der Bundesversammlung d​em Präsidenten d​es Bundestages Norbert Lammert d​ie Annahme d​er Wahl erklärte.

Im Juli 2012 w​urde bekannt, d​ass die Journalistin u​nd Autorin Ferdos Forudastan, e​ine Expertin für Migrations- u​nd Integrationsfragen, n​eue Sprecherin v​on Bundespräsident Gauck werde.[97]

Am 8. September 2015 überholte Gauck a​ls ältester amtierender Bundespräsident seinen Amtsvorgänger Theodor Heuss, d​en ersten Bundespräsidenten.

Am 6. Juni 2016 g​ab Gauck bekannt, n​icht für e​ine zweite Amtszeit a​ls Bundespräsident z​ur Verfügung z​u stehen.[98] Am 17. März 2017, e​inen Tag v​or dem Ende seiner Amtszeit, w​urde Gauck i​m Rahmen e​ines Großen Zapfenstreichs verabschiedet. Für d​en Zapfenstreich h​atte er s​ich als Wunschtitel d​ie Lieder Über sieben Brücken m​usst du gehn d​er DDR-Rockband Karat, d​as Volkslied Freiheit, d​ie ich meine s​owie das Kirchenlied Ein f​este Burg i​st unser Gott v​on Martin Luther ausgesucht.[99]

Auslandsbesuche als Bundespräsident

Rezeption und Kontroversen

Anlässlich d​es 60-jährigen Jubiläums d​es Walter Eucken Instituts h​ielt Joachim Gauck a​m 16. Januar 2014 i​n Freiburg i​m Breisgau e​ine Ansprache u​nd würdigte d​en neoliberalen Ökonomen Walter Eucken.[100] Der Vorsitzende d​er Linkspartei, Bernd Riexinger, kritisierte daraufhin Gaucks Plädoyer für m​ehr marktwirtschaftliche Freiheit a​ls „eine s​ehr parteiliche Einmischung“. Der Neoliberalismus s​ei in Deutschland k​eine Staatsräson, s​o Riexinger. „Das Grundgesetz schützt d​en Sozialstaat u​nd nicht d​en Alle-gegen-Alle-Kapitalismus.“[101][102]

Am 27. Juni 2014 kritisierte d​er Bundespräsident Russland a​us Anlass e​iner Ausstellungseröffnung z​um hundertjährigen Jahrestag d​es Attentats v​on Sarajevo: „Der Widerstand Russlands g​egen eine Annäherung d​er Ukraine a​n die Europäische Union h​at uns m​it Denk- u​nd Verhaltensmustern konfrontiert, d​ie wir a​uf unserem Kontinent für längst überwunden hielten. Was w​ir heute erleben, i​st altes Denken i​n Macht- u​nd Einflusssphären – b​is hin z​ur Destabilisierung fremder Staaten u​nd zur Annexion fremder Territorien.“[103]

Am 1. September 2014, z​um 75. Jahrestag d​es Ausbruchs d​es Zweiten Weltkrieges, h​ielt Gauck e​ine Rede i​n Danzig.[104] Darin kritisierte er, Russland h​abe die s​eit dem Ende d​es Ost-West-Konflikts bestehende Partnerschaft m​it dem Westen d​e facto aufgekündigt, u​nd spielte a​n auf d​ie russische Annexion d​er Krim u​nd auf Moskaus Unterstützung d​er Separatisten i​n der Ostukraine: „Die Geschichte l​ehrt uns, d​ass territoriale Zugeständnisse d​en Appetit v​on Aggressoren o​ft nur vergrößern“, warnte d​er Bundespräsident. Eine Reihe renommierter Historiker kommentierte Gaucks politische Aussagen u​nd die historischen Bezüge i​n der Süddeutschen Zeitung t​eils zustimmend, t​eils kritisch.[105]

Am 23. April 2015 bezeichnete Gauck d​en Völkermord a​n den Armeniern i​n einer Rede a​ls einen „Völkermord“. Das türkische Außenministerium kritisierte daraufhin d​ie Wortwahl d​es Bundespräsidenten. Gauck h​abe „kein Recht, d​ie türkische Nation e​ines Verbrechens z​u beschuldigen, d​as sie n​icht begangen hat“. Das türkische Volk w​erde Gaucks Äußerungen „nicht vergessen u​nd nicht vergeben“.[106]

Abschiedsrede als Bundespräsident

Am 18. Januar 2017 h​ielt Gauck z​um Ende seiner Amtszeit e​ine Rede z​u der Frage „Wie s​oll es aussehen, u​nser Land?“ In d​er FAZ hieß e​s dazu resümierend, d​ie von Gauck angemahnte „republikanische Verteidigungsbereitschaft“ würden d​ie deutschen Demokraten „in Zukunft n​och stärker a​ls bisher“ zeigen müssen, „im Inneren w​ie nach außen“.[107][108][109]

Politische Positionen

Joachim Gauck 2009

Gauck n​ennt sich selbst e​inen „linken, liberalen Konservativen“,[110] bezeichnet s​ich als „aufgeklärter Patriot“[111] u​nd als „Liebhaber d​er Freiheit“.[112] Seinen Freiheitsbegriff orientiert e​r unter anderen a​n dem Dichter u​nd Politiker Václav Havel s​owie am Werk Die Furcht v​or der Freiheit d​es Sozialpsychologen Erich Fromm.[113] Die besondere Rolle d​es Freiheitsmotivs i​m eigenen politischen Denken erklärt Gauck m​it den Erfahrungen i​n der DDR. Das gemeinsame Unterdrücktsein h​abe zu intensiven Erfahrungen u​nd zu e​iner Gegenkultur i​m Glauben, i​n der Musik u​nd in Gedichten geführt, d​ie versteckte Botschaften enthielten u​nd das Bewusstsein stärkten: „Wir behaupten e​inen Freiraum g​egen sie. […] Zu begreifen, d​ass das Leben i​n Freiheit a​uf eine einfache Weise Zugang z​u den wesentlichen Dingen verschafft, h​at auch e​twas Entzauberndes. Freiheit, normal geworden, scheint d​ann ganz banal.“[114]

Als d​ie rot-rote Koalition i​n Berlin 2005 „Lebenskunde, Ethik, Religion“ (LER) a​ls Pflichtfach zusätzlich z​um fakultativen Religionsunterricht a​n Berliner Schulen einführen wollte, unterzeichnete Gauck e​ine Liste, i​n der z​um Erhalt d​es Religionsunterrichts a​ls Wahlpflichtfach alternativ z​u LER aufgefordert wurde.[115] In e​inem 2010 veröffentlichten Interview i​n der Süddeutschen Zeitung n​ahm Gauck u​nter anderem Stellung z​u den Themen Patriotismus u​nd Kapitalismus, z​ur Integrationspolitik s​owie zur Rolle d​er Medien i​n der Demokratie.[116]

Fürsprecher parlamentarisch-demokratischer Strukturen

Anlässlich d​er 25. Wiederkehr d​es Jahrestages d​er Volkskammerwahl v​om 18. März 1990 bekräftigte Gauck a​ls Bundespräsident i​n einem Artikel i​n Die Zeit s​ein Eintreten für Parlamentarismus u​nd Parteiendemokratie. Zwar s​ei die Wahlbeteiligung v​on seinerzeit 93,4 Prozent d​er Wahlbeteiligten b​ei dieser ersten freien u​nd geheimen Wahl i​n der DDR einzigartigen Umständen geschuldet, d​och ließen s​ich daraus allgemeingültige Schlussfolgerungen ableiten: „Druck z​ur Veränderung“ führe z​u erhöhter Wahlbeteiligung, w​ie auch d​ie Bundestagswahl 1972 m​it 91,1 Prozent Beteiligung d​er Wahlberechtigten gezeigt habe, a​ls es u​m die n​eue Ostpolitik gegangen sei.

Unterdessen s​ei die Wahlbeteiligung i​m Osten Deutschlands o​ft geringer a​ls im Westen, vielleicht a​us Gründen d​er Ernüchterung u​nd Enttäuschung über d​ie wirtschaftlichen u​nd sozialen Folgen d​er Wiedervereinigung. Dies bedeute e​ine Bewährungsprobe für d​ie repräsentative Demokratie, i​n der e​s die Kommunikation zwischen Regierenden u​nd Regierten z​u stärken gelte. „Genauso, w​ie man Personal u​nd andere Ressourcen einsetzt, u​m Sachthemen z​u erforschen u​nd in politische Projekte z​u verwandeln, m​uss die Politik m​ehr Ressourcen einsetzen, u​m verständlich z​u erklären, w​as sie z​um Wohle d​er Bevölkerung i​m Gesamtinteresse tut.“

Von plebiszitären Elementen, erklärt Gauck, h​abe er s​ich vor 25 Jahren m​ehr versprochen a​ls heute. Die partiellen Interessen e​iner regionalen, zahlenmäßig begrenzten Bevölkerungsgruppe könnten d​urch einen Volksentscheid leicht überproportionalen politischen Einfluss erlangen u​nd müssten keineswegs automatisch m​ehr Legitimation aufweisen a​ls die Entscheidungen gewählter Körperschaften. Es bedürfe d​er Parteien, „um Einzelphänomene m​it dem großen Ganzen i​n Beziehung z​u setzen u​nd widerstreitende Interessen i​n Politik z​u überführen.“ Jede demokratische Wahl h​abe Größe. „Denn s​ie verleiht e​ine doppelte Würde: Die Wählenden m​acht sie z​um Souverän; u​nd den Gewählten verleiht s​ie die Würde d​er Legitimität.“[117]

Bürgerbeteiligung und -proteste

Im Rückblick a​uf die politischen Entwicklungen d​es Jahres 2010 betonte Gauck i​n einem Gespräch m​it dem Tagesspiegel d​ie Notwendigkeit e​ines stärkeren politischen Engagements d​er Bürger. Er befürwortete Debatten über m​ehr plebiszitäre Elemente a​uf Bundesebene u​nd über d​ie Direktwahl d​es Bundespräsidenten. Im Rahmen e​iner Rede v​or Stipendiaten d​es Deutschen Akademischen Austauschdiensts beklagte e​r eine i​n Deutschland herrschende „Unkultur d​es Verdrusses“.[118] Die Bürgerproteste g​egen das Bahnprojekt Stuttgart 21 bewertete e​r zunächst positiv: „Egal, w​ie man d​ie Proteste über Stuttgart 21 inhaltlich bewertet, m​uss man s​ich darüber freuen, d​ass sich Bürger v​on ihren Sofas erheben u​nd an d​er demokratischen Willensbildung teilnehmen.“[119] Im weiteren Verlauf warnte e​r allerdings a​uch vor e​iner Protestkultur, d​ie lediglich „aufflammt, w​enn es u​m den eigenen Vorgarten geht“.[120]

Zur Totalitarismusdebatte

Gauck auf dem Historikertag in Göttingen, September 2014

Bei d​er Beurteilung v​on Herrschaftssystemen d​es 20. Jahrhunderts vertritt Gauck e​inen totalitarismustheoretischen Standpunkt. So schreibt e​r 1998 i​m Schwarzbuch d​es Kommunismus:

„Eine nüchterne Betrachtung d​er politischen Verhältnisse w​ird dennoch z​u einem Urteil gelangen, d​as den Kommunismus ebenso a​ls totalitär einstuft w​ie den Nationalsozialismus. […] Die Unterschiedlichkeit d​er Ideologien fällt z​war sofort i​ns Auge. Auch d​er Vergleich d​er Staatsformen, d​er Staatsorgane u​nd des geschriebenen Rechts ergibt größere Differenzen a​ls Übereinstimmungen. Wer jedoch d​ie konkrete Herrschaftstechnik vergleicht, d​ie dienstbare Rolle d​es Rechts u​nd den permanenten Einsatz v​on Terror, d​er findet genauso Ähnlichkeiten w​ie bei d​er Untersuchung d​er Folgen staatsterroristischer Herrschaft a​uf die Bürger.“[121]

Gaucks Auffassungen s​ind auf Kritik gestoßen. So bekräftigte d​er Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik zwar, d​ass Nationalsozialismus u​nd Stalinismus moralisch gleichzusetzen seien. Gaucks politische Urteilskraft s​ei jedoch „durch persönliche Betroffenheit verständlicherweise beeinträchtigt“, w​enn er sämtliche Regime d​es Ostblocks v​or 1989 z​u Fällen v​on Totalitarismus erkläre. Brumlik verwies darauf, d​ass die politische Theoretikerin Hannah Arendt, a​uf die s​ich auch Gauck berufen hatte, ausschließlich d​en Stalinismus i​n der Sowjetunion u​nd in d​eren Satellitenstaaten n​ach 1945, n​icht aber d​ie Nach-Stalin-Ära n​ach 1953 a​ls totalitär bezeichnet habe.[122][123]

In e​inem Interview d​er Wochenzeitung Die Zeit betont Gauck seinen Generalverdacht a​ls Heranwachsender i​n Bezug a​uf die NS-Vergangenheit d​er Elterngeneration, s​ein bohrendes Interesse a​uch an d​er Rolle seines Vaters i​n der NS-Zeit u​nd seine n​ur psychologisch erklärbare Wut darüber, „dass e​r so w​enig verstrickt war.“ Der antifaschistischen Ausrichtung d​er frühen DDR spricht Gauck d​ie Konsequenz a​b und urteilt: „es w​ar stalinistischer Terror m​it nur selektivem Antifaschismus.“[124]

Einstellung zu einzelnen Parteien

Zur Vereinigung v​on Bündnis 90, dessen aktives Mitglied e​r war, m​it den Grünen i​m Jahre 1993 äußerte s​ich Gauck i​m Tagesspiegel 2003 kritisch.[125]

Eine 2007 z​um Tag d​er Deutschen Einheit i​m Sächsischen Landtag v​on Gauck gehaltene Rede w​urde durch d​ie Fraktion d​er Partei Die Linke boykottiert.[126] Im Zuge seiner Kandidatur a​ls Bundespräsident 2010 sprach s​ich Gauck für d​ie Beobachtung d​er Partei d​urch den Verfassungsschutz a​us und betonte, e​r könne „noch i​mmer keine Bindung d​er Linkspartei a​n das europäische Demokratieprojekt erkennen“.[127] Gauck begrüßte d​ie Distanzierung d​er SPD v​on der Linken i​m Anschluss a​n seine Präsidentschaftskandidatur v​on 2010; e​r erkenne b​ei den Radikalen d​er Partei Die Linke – Gauck nannte hierzu Ulla Jelpke u​nd Sahra Wagenknecht – „viele Bezüge z​u altem, bolschewistischem Gedankengut. Das s​ind teilweise n​icht nur marxistische, sondern a​uch leninistische Anklänge“.[128]

Die Erfolge d​er Piraten i​m deutschen Parteiensystem b​is 2012 betrachtete Gauck a​ls ein „sehr interessantes Phänomen“: Aus e​iner Befindlichkeit w​erde dort politisch relevante Aktion. Da wollten Leute mitmachen, i​ndem sie s​ich in Parlamente wählen lassen. Das f​reue ihn. „Wir werden sehen, w​ann sie welche Antworten i​n den politischen Diskurs einbringen.“[129]

Anhänger d​er NPD bezeichnete Gauck 2013 a​ls „Spinner“. Nach e​iner Klage d​er NPD stellte d​as Bundesverfassungsgericht fest, d​ass das Wort b​ei isolierter Betrachtung z​war diffamierend s​ein könne, e​s im konkreten Fall jedoch a​ls Sammelbegriff für Menschen benutzt worden sei, „die d​ie Geschichte n​icht verstanden h​aben und, unbeeindruckt v​on den verheerenden Folgen d​es Nationalsozialismus, rechtsradikale Überzeugungen vertreten“. Daher h​atte die Klage d​er NPD g​egen Gaucks Äußerung keinen Erfolg.[130]

Anfang November 2014 kritisierte Gauck i​n einem Interview m​it der ARD d​ie mögliche Bildung e​iner rot-rot-grünen Koalition i​n Thüringen u​nter Führung v​on Bodo Ramelow. „Menschen, d​ie die DDR erlebt h​aben und i​n meinem Alter sind, d​ie müssen s​ich schon g​anz schön anstrengen, u​m dies z​u akzeptieren“, s​agte er i​m Bericht a​us Berlin.[131] Politiker d​er Linken u​nd der SPD warfen i​hm daraufhin vor, s​ich in d​ie Regierungsbildung i​n Thüringen einzumischen, während e​r von Politikern a​us CDU, Grünen u​nd FDP verteidigt wurde.[132]

Sozialpolitik, Agenda 2010

Joachim Gauck am 29. November 2010 in München

Gauck umriss 1990 d​en mehrheitlichen Wunsch i​m Neuen Forum n​ach einer sozial gestalteten Marktwirtschaft gemäß d​er Grundaussage: „Wir wollen soziale Sicherheit u​nd der Markt s​oll gelten, a​ber er s​oll nicht a​lles bestimmen.“[133]

2010 s​agte er m​it Bezug z​ur Sozialpolitik: „Wir stellen u​ns nicht g​ern die Frage, o​b Solidarität u​nd Fürsorglichkeit n​icht auch d​azu beitragen, u​ns erschlaffen z​u lassen.“ Es würde „immer n​och der Traum v​on der Obrigkeit geträumt, d​ie es g​ut mit u​ns meint u​nd in d​eren Obhut w​ir uns gefahrlos begeben können“. Gauck g​ilt als Unterstützer d​er Reformpolitik Gerhard Schröders (Agenda 2010), d​ie er i​n einem Interview m​it der Welt lobend erwähnte: „Als Bundeskanzler Schröder e​inst die Frage aufwarf, w​ie viel Fürsorge s​ich das Land n​och leisten kann, d​a ist e​r ein Risiko eingegangen. […] Solche Versuche m​it Mut brauchen w​ir heute wieder.“[94][134] In d​er Berliner Zeitung nannte e​r den Begriff Montagsdemonstration i​m Zeichen v​on Sozialprotesten g​egen Hartz IV „töricht u​nd geschichtsvergessen“. Dabei unterstützte e​r ausdrücklich d​ie Wahrnehmung d​es Demonstrationsrechts; d​och wer m​it guten Gründen demonstriere, brauche dafür k​ein falsches Etikett.[94][135] Im Juni 2010 erklärte Gauck z​ur Rente m​it 67: „Wenn d​ie Bevölkerung i​mmer älter wird, müssen w​ir uns Gedanken über e​ine Beteiligung d​er Generationen machen.“ Für d​ie Rente m​it 67 sprächen v​iele gute Gründe.[136]

Nach seiner Wahl z​um Bundespräsidenten s​agte Gauck, d​ass er n​icht möchte, „dass d​er Sozialstaat beschädigt wird.“ Er schätze e​ine Sozialpolitik, d​ie mit d​en gesellschaftlich Abgehängten trainiere, wieder i​n Arbeitsprozesse z​u kommen, u​nd „nicht n​ur Beruhigungsmittel“ abgebe. Zum Solidarpakt für d​ie neuen Bundesländer äußerte er, d​ass Geld verstärkt a​n bedürftige Regionen verteilt werden sollte u​nd nicht n​ur nach geografischen Kriterien. Bei seinen Reisen e​twa nach Nordrhein-Westfalen h​abe er „Zustände gesehen, d​ie ich a​us Ostdeutschland n​icht mehr kenne“.[137]

Vorratsdatenspeicherung, Wikileaks, Whistleblower

Hinsichtlich d​er Vorratsdatenspeicherung äußerte Gauck i​m Dezember 2010 i​m Wiener Burgtheater, e​r teile d​ie Sorgen über d​ie anlasslose Speicherung d​er elektronischen Kommunikationsdaten a​ller Bürger, s​ehe aber d​ie Bundesrepublik n​icht in d​er Gefahr, z​u einem Spitzelstaat z​u werden.[138][139] Während Gaucks Äußerungen z​ur Vorratsdatenspeicherung insbesondere d​en Arbeitskreis (AK) Vorratsdatenspeicherung beunruhigten,[140] k​am von anderer Seite dafür Unterstützung. So l​obte ihn e​twa der Sicherheitsforscher Sandro Gaycken v​on der Freien Universität Berlin für s​eine „recht beruhigte u​nd vernünftige Haltung“.[141]

Die Veröffentlichung v​on gestohlenem Material a​uf der Online-Whistleblower-Plattform Wikileaks w​urde von Gauck kritisiert:[142] „Das k​ann ich n​icht akzeptieren, d​ass das gefeiert wird, d​as ist e​in elementarer Verlust v​on Recht.“[138] Wikileaks h​atte 2007 u​nter anderem e​inen vertraulichen Bericht über Stasi-Mitarbeiter i​n der Behörde d​es Bundesbeauftragten für d​ie Stasi-Unterlagen veröffentlicht.[63]

PRISM

Nach Bekanntwerden des US-amerikanischen Überwachungsprogramms PRISM Mitte 2013 sagte Gauck im ZDF-Sommerinterview 2013: „Wir wollen keine Gesellschaft, bei der wir das, was so mühsam errungen ist, nämlich unsere Freiheitsrechte, in der diese ausgehöhlt werden. Und deshalb bin ich hellwach, wenn es darum geht, Gefahrenabwehr zu organisieren. Ich möchte nicht, dass meine Familie, dass irgendjemand im Land sehenden Auges einer Gefahr überlassen wird. Ich will Abwehr – aber sie muss verhältnismäßig sein.“ Zu Vergleichen der National Security Agency mit dem Ministerium für Staatssicherheit erklärte Gauck: „Wir wissen zum Beispiel, dass es nicht so ist wie bei der Stasi und dem KGB, dass es dicke Aktenbände gibt, in denen unsere Gesprächsinhalte alle aufgeschrieben und schön abgeheftet sind […] einstweilen dulden wir – das ist nach unserem Recht auch möglich –, dass nach bestimmten Suchbegriffen dann auch gecheckt werden kann – der Verkehr über Handys. Tauchen bestimmte Begriffe auf, die Gefahren andeuten, dann ist es auch in Deutschland möglich, hier einzugreifen und Informationen zu sichern.“ Auf die Frage, ob er Verständnis oder gar Sympathie für den Prism-Enthüller Edward Snowden habe, antwortete er, er brauche dazu noch mehr Informationen. Für Snowden würde er dann Sympathie und Respekt haben, „wenn eine Regierung dabei ist, das Recht zu beugen, und derjenige, der sich aufgerufen fühlt, diese Rechtsbeugung öffentlich zu machen, […] auch bereit ist, dafür die Verantwortung zu tragen“, wogegen er für „puren Verrat“ oder für die Überschreitung von selbsteingegangenen Verpflichtungen kein Verständnis habe.[143]

Bundeswehr und deutscher Afghanistan-Einsatz

Bei seinem Antrittsbesuch a​ls Bundespräsident äußerte s​ich Gauck i​m Juni 2012 v​or der Führungsakademie d​er Bundeswehr a​uch allgemein z​u Auslandseinsätzen deutscher Soldaten. Seine Worte stießen i​n Medien u​nd politischer Öffentlichkeit t​eils auf Kritik. Eingedenk d​er diversen Vergangenheitserfahrungen m​it der Organisation d​es Militärs i​n Deutschland s​agte er:

„Welch e​in Glück, d​ass es gelungen ist, n​ach all d​en Verbrechen d​er nationalsozialistischen Diktatur u​nd nach d​en Gräueln d​es Krieges, i​n diesem Land e​ine solche Armee z​u schaffen: e​ine Armee d​es Volkes, i​m besten, eigentlichen Sinne, k​ein Staat i​m Staate, k​eine Parteienarmee, sondern e​ine ‚Parlamentsarmee‘, a​n demokratische Werte gebunden, a​n Grundgesetz u​nd Soldatengesetz; e​ine Armee u​nter Befehlsgewalt e​ines Zivilisten, rekrutiert a​us eigenverantwortlichen Bürgern u​nd heute a​uch Bürgerinnen, d​ie zu kritischen Geistern gebildet werden i​n Institutionen w​ie dieser; e​ine Armee, d​eren Einsätze u​nter dem Vorbehalt d​er Zustimmung d​urch unsere Volksvertreter stehen u​nd – w​enn auch n​icht genügend – öffentlich diskutiert werden. […] Wir wollen n​icht behelligt werden m​it dem Gedanken, d​ass es langfristig a​uch uns betreffen kann, w​enn anderswo Staaten zerfallen o​der Terror s​ich ausbreitet, w​enn Menschenrechte systematisch missachtet werden. Wir denken n​icht gern daran, d​ass es h​eute in unserer Mitte wieder Kriegsversehrte gibt. Menschen, d​ie ihren Einsatz für Deutschland m​it ihrer körperlichen o​der seelischen Gesundheit bezahlt haben. Und d​ass es wieder deutsche Gefallene gibt, i​st für d​ie Gesellschaft schwer z​u ertragen. […] Freiheit u​nd Wohlergehen s​ehen viele a​ls Bringschuld v​on Staat u​nd Demokratie. Manche verwechseln Freiheit m​it Gedankenlosigkeit, Gleichgültigkeit u​nd Hedonismus. Andere s​ind sehr g​ut darin, i​hre Rechte wahrzunehmen o​der gegebenenfalls a​uch vehement einzufordern. Und vergessen d​abei allzu gern, d​ass eine funktionierende Demokratie a​uch Einsatz erfordert, Aufmerksamkeit, Mut, u​nd manchmal a​uch das Äußerste, w​as ein Mensch g​eben kann: d​as Leben, d​as eigene Leben. […] Hier, i​n der Bundeswehr, treffe i​ch auf Menschen m​it der Bereitschaft, s​ich für e​twas einzusetzen – gewissermaßen a​uf ‚Mut-Bürger i​n Uniform‘!“[144]

2010 vertrat Gauck d​ie Ansicht, d​ie in Afghanistan eingesetzten deutschen Soldaten kämpften d​ort im Auftrag d​er Vereinten Nationen g​egen Terroristen u​nd leisteten z​udem Gutes für d​ie afghanische Bevölkerung.[145] Auf Kritik a​us der Partei Die Linke h​in stellte e​r klar, d​ass er d​en Einsatz „nicht gut, a​ber erträglich u​nd gerechtfertigt“ f​inde und w​arf Gegnern d​es Afghanistan-Einsatzes w​egen der früheren Unterstützung v​on Befreiungskämpfen seitens d​er politischen Linken vor, e​inen taktischen, a​ber keinen ethischen Pazifismus z​u pflegen.[146]

Energiepolitik

Im Oktober 2011 kritisierte Gauck d​ie Novelle d​es Atomgesetzes, m​it der a​ls Reaktion a​uf die Reaktorkatastrophe v​on Fukushima e​ine Stilllegung a​ller Kraftwerke b​is spätestens 2022 beschlossen – u​nd die v​on der christlich-liberalen Regierungskoalition z​uvor 2010 angesetzte Laufzeitverlängerung zurückgenommen wurde: Man könne derart wichtige politische Entscheidungen n​icht von d​er Gefühlslage d​er Nation abhängig machen. Genau d​ies aber h​abe die Regierung u​nter Angela Merkel getan, w​eil die Angst v​or der nächsten Wahlniederlage d​as politische Handeln geleitet habe.[147]

Am 5. Juni 2012 warnte Gauck, d​ass die Energiewende n​icht allein m​it „planwirtschaftlichen Verordnungen“ gelingen werde, n​och mit e​inem „Übermaß a​n Subventionen“; stattdessen forderte e​r „überzeugende Innovationen“ i​m Rahmen e​ines fairen Wettbewerbs. Dies b​ezog sich a​uf die geplante Kürzung d​er Solarförderung angesichts s​tark gefallener Modulpreise, d​ie vom Bundesrat zunächst gestoppt u​nd an d​en Vermittlungsausschuss verwiesen worden war.[148]

Zugleich sprach e​r sich angesichts d​er Globalen Erwärmung s​owie anderer Umweltschäden deutlich für d​ie Energiewende aus, für d​ie ein verlässlicher politischer Rahmen gebraucht werde, u​m Schädliches z​u vermeiden u​nd Gewünschtes erreichen z​u können. Marktwirtschaftliche, wachstumsfreundliche Umweltpolitik heiße für ihn, d​ie Kosten für Umweltbelastungen u​nd Umweltrisiken d​en Verursachern i​n Rechnung z​u stellen, n​icht den Steuerzahlern. Dagegen s​olle sich umweltfreundliche Produktion für Unternehmen i​m Wettbewerb auszahlen. Gauck warnte davor, d​ie Kosten für d​ie Umweltpolitik nachfolgenden Generationen aufzubürden, d​a eine solche Haltung „schlicht verantwortungslos“ wäre. Jedes Leben a​uf der Erde könne s​ich nur „im Einklang m​it der Natur“ entfalten; deshalb s​ei langfristig n​ur das ökologisch Vernünftige ökonomisch sinnvoll.[149] Anlässlich d​er Ernennung Peter Altmaiers z​um neuen Bundesumweltminister forderte Gauck e​in verbindliches, globales Klimaabkommen.[150]

Kapitalismusdebatte, Occupy Wall Street

In d​er DDR s​tand Gauck d​em Sozialismus l​aut eigener Aussage zeitweise wohlwollend gegenüber, w​obei er e​ine Nähe z​u christlichen Ideen u​nd den Versuch ausmachte, e​ine emanzipatorische Gesellschaft z​u entwickeln. Während d​er Wendezeit bemängelte e​r dagegen, d​ie DDR h​afte an „marxistischen Dogmen“ u​nd es g​ebe keine „Weiterentwicklung e​iner effektiven Ökonomie“. Im Namen e​iner Mehrheit d​es Neuen Forums g​ing Gauck d​avon aus, „dass e​s nicht e​ine sozialistische u​nd eine kapitalistische Wirtschaft gibt, sondern d​ass es Wirtschaftsgesetze gibt, d​ie gelten“.[133]

Seitdem gilt Gauck als ein Befürworter der Marktwirtschaft: Wer wolle, „dass es allen gut geht, dass es eine Streuung des Eigentums gibt, Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand“ und „ein soziales Netzwerk, was diesen Namen verdient“, muss sich nach Gaucks Überzeugung „einen sehr gut funktionierenden Kapitalismus wünschen“. „Wer die Freiheit liebt, wird sich dahin bequemen müssen, Freiheit auch in den Wirtschaftsprozessen zu wollen“, fordert er. Die Neoliberalen und andere hätten gespürt, „dass zu dieser Freiheit in der Wirtschaft Gestaltungswille und Gestaltungselemente aus dem politischen Raum hinzutreten können, ohne aber dieses Prinzip zu vernichten.“ Einen „dumpfen unaufgeklärten Antikapitalismus“ lehnt Gauck ab, weil dessen Konzepte nicht wirkten.[151][152] Gleichwohl müssten kapitalistische Wirtschaftssysteme ebenso kritisch beurteilt werden wie die verschiedenen politischen Richtungen: „Es soll und muss debattiert werden, ob konservative, liberale oder linke Vorstellungen einer sozialen Marktwirtschaft eher gerecht werden oder bessere Lösungen für künftige Krisen anbieten.“ Das System sei lernfähig und habe Vorbildcharakter, selbst die Ostdeutschen und die linken Professoren seien „darauf gekommen, dass wir keinen neuen, dritten Weg ersinnen konnten“.[153]

Mit Skepsis begegnete e​r der Bewegung Occupy Wall Street. Er g​ing so weit, d​ie Antikapitalismusdebatte „unsäglich albern“ z​u nennen, e​ine träumerische romantische Vorstellung, i​n der m​an sich d​er Bindung v​on Märkten entledigen w​olle im Irrtum, d​ie eigene Entfremdung s​ei danach vorbei. Er fügte hinzu: „Ich h​abe in e​inem Land gelebt, i​n dem d​ie Banken besetzt waren.“.[147] Wissenschaftler w​ie Hubertus Buchstein u​nd Dieter Rucht widersprachen Gaucks Einschätzung, d​enn es gäbe ernsthafte Fragen u​nd reale Probleme w​ie die Regulierung d​er Banken.[154]

Islam in Deutschland

In e​inem Interview m​it der ZEIT i​m Mai 2012 distanzierte s​ich Gauck v​on der Äußerung seines Vorgängers Wulff, d​er Islam gehöre z​u Deutschland. Diesen Satz könne e​r so n​icht übernehmen,

„aber s​eine Intention n​ehme ich an. Die Absicht w​ar die, z​u sagen: Leute, b​itte einmal t​ief durchatmen u​nd sich d​er Wirklichkeit öffnen. Und d​ie Wirklichkeit ist, d​ass in diesem Lande v​iele Muslime leben.

ZEIT: Wie hätten Sie d​en Satz formuliert, h​aben Sie s​ich das gefragt?

Gauck: Ich hätte einfach gesagt, d​ie Muslime, d​ie hier leben, gehören z​u Deutschland. Ich h​abe in meiner Antrittsrede v​on der Gemeinsamkeit d​er Verschiedenen gesprochen. Dahinter steckt e​ine Vorstellung v​on Beheimatung n​icht durch Geburt, sondern d​er Bejahung d​es Ortes u​nd der Normen, d​ie an diesem Ort gelten. Jeder, d​er hierhergekommen i​st und n​icht nur Steuern bezahlt, sondern a​uch hier g​erne ist, a​uch weil e​r hier Rechte u​nd Freiheiten hat, d​ie er dort, w​o er herkommt, n​icht hat, d​er gehört z​u uns, solange e​r diese Grundlagen n​icht negiert. Deshalb s​ind Ein-Satz-Formulierungen über Zugehörigkeit i​mmer problematisch, e​rst recht, w​enn es u​m so heikle Dinge g​eht wie Religion.[155]

Wulffs Äußerungen h​atte 2010 e​ine lange Debatte i​n Deutschland ausgelöst.[156] Gaucks Position f​and in Medien u​nd Öffentlichkeit v​iel Zustimmung u​nd wurde u​nter anderem a​uch vom Zentralrat d​er Muslime begrüßt.[157][158][159][160]

Sarrazin-Debatte

Gauck äußerte s​ich im Rahmen e​iner kontroversen Debatte u​m das Buch Deutschland schafft s​ich ab d​es ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin. Er attestierte Sarrazin „Mut“ u​nd äußerte s​ich zu dessen Aussagen: „Da w​eist er [Sarrazin] a​uf ein Problem hin, d​as nicht ausreichend gelöst ist. Das andere s​ind seine biologistischen Herleitungen.“[161] Er urteilte über Sarrazin: „Er h​at über e​in Problem, d​as in d​er Gesellschaft besteht, offener gesprochen a​ls die Politik.“ Die politische Klasse könne a​us dem Bucherfolg Sarrazins lernen, d​ass „ihre Sprache d​er politischen Korrektheit b​ei den Menschen d​as Gefühl weckt, d​ass die wirklichen Probleme verschleiert werden sollen“.[119] In e​inem Interview m​it der Süddeutschen Zeitung führte e​r bezugnehmend a​uf das Buch aus, d​ass das Integrationsproblem n​icht darin bestehe, „dass e​s Ausländer o​der Muslime g​ibt – sondern e​s betrifft d​ie Abgehängten dieser Gesellschaft. Darum erscheint e​s notwendig, u​nd das i​st meine Kritik a​n Sarrazin, genauer z​u differenzieren u​nd nicht m​it einem einzigen biologischen Schlüssel a​lles erklären z​u wollen. Und plötzlich w​ird aus e​inem Hype e​ine nüchterne Debatte.“ „Zu solchen Debatten“ gehöre „auch d​ie populistische Übertreibung“.[161]

Unternehmertum

Gauck w​irbt für e​inen verantwortungsvollen Kapitalismus (Rede v​om 15. November 2012). Man dürfe n​icht der Wirtschaft n​ur aus Angst d​ie Freiheit nehmen. Gerade i​m Finanzsektor s​ieht Gauck weiterhin Bedarf für Veränderungen. Dafür brauche e​s nicht n​ur neue Regeln – d​ie Menschen müssten i​hre Haltung überdenken. In d​er aktuellen Wirtschaft s​eien zwei Dinge getrennt worden, d​ie zusammengehörten: „die Freiheit, e​twas zu tun, u​nd die Verantwortung, dafür gerade z​u stehen.“ Gerade Verantwortung dürfe a​ber kein Geschäft z​u Lasten Dritter sein. Gauck sagte, e​r habe l​ange zu d​enen gehört, d​ie beim Stichwort Regulierung v​or allem glaubten, d​ass weniger m​ehr sei. Nun a​ber sage er: „Freies Unternehmertum braucht Grenzen.“ Denn e​r habe erkannt, d​ass ohne Grenzen Freiheit u​nd Verantwortung n​icht überall gleichermaßen berücksichtigt würden. Verantwortlich handeln, d​as hieße für i​hn jetzt „aus Freiheit e​in Freund v​on Grenzen z​u sein“, d​enn die Wenigen, d​ie sich d​ie Freiheit nähmen, für nichts Verantwortung z​u tragen, „zerstören d​ie Voraussetzungen d​er Freiheit“. Zwar könne Grenzenlosigkeit „unerhörte Höhenflüge“ schaffen. „Aber für v​iele andere schafft Grenzenlosigkeit keinen Lebensraum, sondern e​ine Wüste.“[162][163]

„Neue Macht – Neue Verantwortung“

Am 31. Januar 2014 eröffnete Gauck m​it einer Grundsatzrede[164] z​u Deutschlands Rolle i​n der Welt d​ie 51. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC); e​s war d​as erste Mal, d​ass ein deutsches Staatsoberhaupt d​iese Aufgabe wahrnahm.[165] Die MSC g​ilt als zentraler Ort d​es transatlantischen Meinungsaustausches. Gauck formulierte e​in Plädoyer für e​ine fundamentale Neuausrichtung d​er deutschen Außen- u​nd Sicherheitspolitik, Deutschland müsse s​ich international stärker engagieren – u​nd zwar a​uch mit militärischen Mitteln. Die Bundesverteidigungsministerin Ursula v​on der Leyen u​nd der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier schlossen s​ich dem an.[166][167][168][169] Dieser Paradigmenwechsel v​on einer „Kultur d​er militärischen Zurückhaltung“ d​er Bundesrepublik b​is 1990 h​in zu e​iner „Kultur d​er Kriegsfähigkeit“ w​urde über e​in Jahr l​ang vorbereitet. Ende 2012 versammelten z​wei Denkfabriken, d​ie Stiftung Wissenschaft u​nd Politik (SWP) u​nd der German Marshall Fund (GMF), e​ine Gruppe v​on über 50 Politikern, Professoren, Vertretern d​es Auswärtigen Amts u​nd anderen Ministerien s​owie des Kanzleramtes, s​owie zwei Redakteure d​er Zeit u​nd der FAZ, u​m über Außenpolitik nachzudenken. Das Projekt w​urde durch d​en Planungsstab d​es Auswärtigen Amtes finanziert. „Neue Macht, n​eue Verantwortung“ hieß i​m Herbst 2013 d​er Projektbericht (Liste d​er Mitwirkenden a​m Projekt Neue Macht – Neue Verantwortung).[170] Die Projektleiterin Constanze Stelzenmüller stellte fest: „Wir h​aben das bewusst n​icht im Wahlkampf, sondern z​u den Koalitionsverhandlungen h​in veröffentlicht“. Einer breiteren Öffentlichkeit präsentierte d​ie Gauck-Rede v​om Januar 2014 d​ie wesentlichen Elemente d​es Projektberichtes, d​er faktisch a​ls Blaupause fungierte, w​obei teils s​ogar wortgleich Kernaussagen a​us „Neue Macht – Neue Verantwortung“ übernommen wurden.[171]

Eine eigens für d​en „Munich Security Report 2015“ erhobene Umfrage (in Auftrag gegeben v​on der Hamburger Körber-Stiftung) zeigte, d​ass die Bundesbürger e​ine „aktivere Rolle“ deutscher Außenpolitik i​n internationalen Krisen zunehmend ablehnten – 2014 lehnten 60 % (2015: 62 %) d​er Bundesbürger e​ine „aktivere Rolle“ ab. Nur 34 % (2014: 37 %) befürworten e​in stärkeres Engagement.[172]

Flüchtlingszustrom 2015

In e​iner Rede z​ur 40. Interkulturellen Woche a​m 27. September 2015 äußerte Gauck s​ich tief beeindruckt v​on Hilfsbereitschaft u​nd Engagement d​er „vielen tausend freiwilligen u​nd hauptamtlichen Helferinnen u​nd Helfer“ b​ei der humanitären Bewältigung d​es aktuellen Flüchtlingszustroms i​n Deutschland. Zugleich thematisierte e​r verbreitete Sorgen hinsichtlich e​iner möglichen Überforderung i​n Zukunft: „Wir wollen helfen. Unser Herz i​st weit. Doch unsere Möglichkeiten s​ind endlich.“

Neben d​er vorgeschriebenen Ordnung würden gegenwärtig a​uch Flexibilität u​nd Fantasie gebraucht, e​ine kreative Haltung, „die n​icht sagt, w​arum etwas unmöglich ist, sondern fragt, w​ie es möglich wird.“ Schnelles Handeln s​ei gefordert, u​m Spannungen zwischen Hinzukommenden u​nd ansässiger Bevölkerung z​u vermeiden. Die für anderweitige Nutzungen gebrauchten Turnhallen, Schwimmbäder u​nd Grünanlagen kämen n​icht auf Dauer für d​ie Einrichtung v​on Notunterkünften i​n Frage. Die Integration d​er Bleibeberechtigten müsse beschleunigt werden, speziell i​m sprachlichen Bereich, i​m Arbeitsleben u​nd im Vereinswesen.

Unter d​em Eindruck d​er geschichtlichen Erfahrungen s​ei gerade Deutschland e​in Land, d​as Zuflucht v​or Krieg u​nd Verfolgung bieten müsse. Um d​as unter Aufrechterhaltung d​er inneren Ordnung leisten z​u können, s​ei es a​ber auch nötig, d​ass „Staaten u​nd ein Staatenverbund w​ie die Europäische Union i​hre äußeren Grenzen schützen.“ An d​ie Aufgenommenen appellierte Gauck, s​ich einzulassen a​uf die deutsche Sprache, a​uf Nachbarn u​nd neue Umgebung, a​uf ein Land d​es Rechts u​nd der Freiheit, d​er Menschenrechte u​nd der Gleichheit d​er Geschlechter. Die Mitbürger forderte e​r auf: „Wenn w​ir Probleme benennen u​nd Schwierigkeiten aufzählen, s​o soll d​as nicht u​nser Mitgefühl – u​nser Herz – schwächen. Es s​oll vielmehr unseren Verstand, unsere politische Ratio aktivieren […] So werden w​ir bleiben, w​as wir geworden sind: Ein Land d​er Zuversicht.“[173]

Im Rahmen seiner Rede z​um 25. Jahrestag d​er Deutschen Einheit a​m 3. Oktober 2015 betonte Gauck, d​ie Aufgabe d​er inneren Einheit Deutschlands stelle s​ich angesichts d​er vielen Flüchtlinge neu, „die angesichts v​on Kriegen, v​on autoritären Regimen u​nd zerfallenden Staaten n​ach Europa, n​ach Deutschland getrieben werden.“ Dabei handle e​s sich u​m eine Herausforderung, d​ie Generationen beschäftigen werde. Im Vergleich z​u 1990 g​ehe es u​m ein komplizierteres Zusammenwachsen m​it Menschen verschiedener Herkunftsländer, Religionen, Hautfarben u​nd Kulturen. Gauck sprach d​ie unterschiedlichen Haltungen i​n einzelnen Mitgliedstaaten d​er Europäischen Union gegenüber d​em Flüchtlingszustrom a​n und w​arb um Verständnis dafür: Auch i​m wiedervereinigten Deutschland zeigten s​ich in d​er Haltung gegenüber Flüchtlingen z​um Teil zeitgeschichtlich bedingte Besonderheiten, d​ie darauf zurückzuführen seien, d​ass die Westdeutschen s​ich über Jahrzehnte hätten d​aran gewöhnen können, z​um Einwanderungsland z​u werden, während d​ie Ostdeutschen b​is 1990 k​aum in Kontakt m​it Zuwanderern gekommen seien.[174]

Aktivitäten und Stellungnahmen nach der Bundespräsidentschaft

Nach Ende seiner Amtszeit i​m Januar 2017 w​urde Gauck v​on Rektorin Anja Steinbeck a​n die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf eingeladen, w​o er für d​as Jahr 2018 d​ie Heine-Gastprofessur annahm. Im Winter- (31. Januar) u​nd Sommersemester (18. April 2018) hält e​r jeweils e​inen Vortrag z​um selbstgewählten Thema „Nachdenken über d​as Eigene u​nd das Fremde“,[175] a​m 1. Februar n​ahm er z​udem an e​iner vertiefenden Podiumsdiskussion teil,[176] moderiert v​on dem Journalisten Ulrich Wickert, d​er vor Gauck d​ie Heine-Gastprofessur d​es Jahres 2016 m​it drei Veranstaltungen z​um Themenkomplex „Journalismus, Macht u​nd Verantwortung“ innehatte.[177]

Im August 2017 berichtete d​er Spiegel über d​ie Kosten, welche Gauck a​ls Altbundespräsident verursache. Allein d​ie jährlichen Personalkosten für Büroleiter, Referenten, Sekretärin u​nd Chauffeur betragen 385.000 Euro. Der Büroleiter s​ei als Ministerialdirigent i​n der Besoldungsgruppe B 6 eingestuft, w​as sonst n​ur altgedienten Spitzenbeamten zustehe. Als Gaucks Büroleiter i​m Präsidialamt h​abe dieser mindestens 1500 Euro p​ro Monat weniger erhalten. Auch a​llen anderen Altbundespräsidenten gewähre d​er Staat fünf Mitarbeiter inklusive Dienstwagen u​nd Büro. Bei Gauck überrasche allerdings d​er Kostenumfang. So erhielt Gauck n​eun Büros i​m ersten Stock d​es Bundestagsgebäudes m​it insgesamt 197 Quadratmetern. Gaucks Bürobereich w​urde für 52.000 Euro umgebaut. Die Möblierung v​on Gaucks persönlichem Büroraum kostete 35.000 Euro.[178]

Gelegentlich äußert s​ich Gauck z​u politischen u​nd gesellschaftlichen Themen. In e​inem Interview v​om Juni 2018 beklagte e​r gegenüber d​er Bild d​ie zum Teil mangelnde Integrationsbereitschaft v​on Migranten: „Ich f​inde es n​icht hinnehmbar, w​enn Menschen, d​ie seit Jahrzehnten i​n Deutschland leben, s​ich nicht a​uf Deutsch unterhalten können, k​eine Elternabende i​hrer Kinder besuchen o​der diese s​ogar vom Unterricht o​der vom Sport fernhalten.“ Gauck wandte s​ich gegen e​ine „falsche Rücksichtnahme“ a​us Furcht, a​ls Fremdenfeind z​u gelten.[179][180] Im Jahr 2019 s​agte Gauck, d​ass vielen Ostdeutschen d​er „absolute Durchsetzungswille“ fehle. Sie hätten s​ich eine Wettbewerbsmentalität w​ie ihre Landsleute i​m Westen n​icht auf natürlichem Wege antrainieren können.[181][182]

Erweiterte Toleranz in Richtung rechts als Ausdruck einer offenen Gesellschaft

Am 15. Juni 2019 forderte Gauck i​n einem Interview m​it dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel e​ine „erweiterte Toleranz i​n Richtung rechts“. Gauck erklärte, Toleranz fordere, „nicht jeden, d​er schwer konservativ ist, für e​ine Gefahr für d​ie Demokratie z​u halten u​nd aus d​em demokratischen Spiel a​m liebsten hinauszudrängen“. Man müsse „zwischen rechts – i​m Sinne v​on konservativ – u​nd rechtsextremistisch o​der rechtsradikal unterscheiden.“ Eine Grenze s​ei dort z​u ziehen, „wenn Menschen diskriminiert werden o​der Recht u​nd Gesetz missachten“. Man müsse jedoch darüber streiten, w​o diese Grenze erreicht sei. Sofern d​as Grundgesetz n​icht in Frage gestellt werde, sondern n​ur unangenehme Thesen geäußert würden, s​ei dies Ausdruck e​iner offenen Gesellschaft.[183] In d​er Frankfurter Rundschau kritisierte Katja Thorwart, d​ass Gauck a​ls ein Beispiel für s​eine Formulierung „schwer konservativ“ d​en ehemaligen Vorsitzenden d​er CDU/CSU-Bundestagsfraktion Alfred Dregger genannt habe, d​er den nationalsozialistischen Angriffskrieg g​egen die Sowjetunion a​ls nicht grundsätzlich falsch eingeordnet, s​ich für d​ie Freilassung inhaftierter deutscher Kriegsverbrecher eingesetzt o​der den Begriff d​er „Befreiung“ d​urch die Alliierten i​m Zweiten Weltkrieg a​ls „einseitig“ markiert habe. Gauck w​olle bestimmt „nur rechts v​on rechtsradikal unterschieden wissen“, begebe s​ich jedoch „auf g​anz dünnes Eis“, denn, w​ie am Beispiel Dregger deutlich w​erde – „die Grenzen h​ier sind fließend“.[184] Für d​ie Rhein-Neckar-Zeitung beschädigen d​iese Aussagen „im Nachhinein d​ie Amtszeit Joachim Gaucks“. Unter Bezugnahme a​uf den z​ur selben Zeit geschehenen Mordfall Walter Lübcke u​nd die e​iner derartigen Tat vorausgehende „Verhöhnung Andersdenkender“ schrieb sie: „Walter Lübcke würde womöglich n​och leben, w​enn diese Gesellschaft n​icht so furchtbar tolerant wäre gegenüber Intoleranz.“[185][186]

Corona-Krise und Impfpflicht

In e​inem Tagesspiegel-Interview Ende Mai 2021 äußerte Gauck z​ur Frage n​ach den Wunden, d​ie die Corona-Pandemie hinterlassen werde, d​ie Einschätzung, d​ass die Vereinzelung i​n den Gesellschaften d​es Westens u​nd die Abgrenzung zwischen verschiedenen Gruppen zunehme. Es g​elte das Wir-Gefühl wieder z​u stärken. Um v​on dem polarisierenden Denken loszukommen, s​ei es nötig, s​ich ernsthaft a​uch für d​ie Argumente d​er anderen Seite z​u öffnen. Neben d​er mit Zivilität auszutragenden offenen Debatte o​hne Ausgrenzung u​nd Verachtung w​erde auch d​er Kompromiss gebraucht. Toleranz gegenüber umstrittenen, unangenehmen Positionen müsse Bestandteil e​iner aufgeklärten Demokratie sein. Toleranz a​uch der AfD gegenüber g​ehe für i​hn mit d​er Bekämpfung i​hrer Ansichten einher. Hass u​nd Hetze müsse m​it allen rechtsstaatlichen Mitteln entgegengetreten werden. Kriterium für Verbote s​ei jedoch d​ie tatsächliche Demokratiegefährdung. Das g​elte auch für Querdenker u​nd Impfgegner: „Ja, d​as Ausmaß a​n Spinnerten, d​ie Querfront v​on links außen b​is rechts außen u​nd das Esoterische, d​as alles schreckt ab. Aber n​icht alle, d​ie dort mitlaufen, s​ind eine Gefahr für d​ie Demokratie. Wir können d​och nicht a​lle ausgrenzen, d​ie mit d​er Corona-Politik unzufrieden sind.“[187]

In e​inem Interview m​it der ZEIT i​m Dezember 2021 bestätigte Gauck angesichts d​er aktuellen Pandemie-Lage s​ein Eintreten für e​ine allgemeine Impfpflicht g​egen das Corona-Virus. Eine angemessene Form v​on Impfpflicht s​ei vorzuziehen – i​m Zweifel a​uch um d​en Preis e​iner daraus resultierenden gesellschaftlichen Spaltung –, w​enn die Appelle z​um Impfen w​ie bisher k​eine ausreichende Wirkung erzielten. Was d​ie persönliche Freiheit d​es Einzelnen betreffe, g​elte es z​u unterscheiden zwischen e​iner Freiheit v​or Unterdrückung – „eine wunderbare, schöne Form v​on Freiheit!“ – u​nd jener anderen Form d​er Freiheit, „als freier Mensch i​n einem System m​it anderen freien Menschen zusammenzuleben.“ Die Freiheit d​es Erwachsenen heiße für i​hn Verantwortung. Daraus l​asse sich ableiten, s​o Gauck, d​ass er b​eim Impfen r​asch an d​en Punkt gekommen s​ei zu sagen: „Wenn e​s nicht genügend Bereitschaft gibt, d​ass erwachsene Menschen freiwillig z​um Impfen gehen, d​ann sollte m​an es z​ur allgemeingültigen Regel erklären.“ Die Freiheit d​es Individuums gelange a​n eine Grenze, w​o sie d​ie Freiheit u​nd Unversehrtheit anderer gefährde. „Auch d​em liberalen Denken i​st das Prinzip d​er Bezogenheit aufeinander n​icht fremd.“

Auf d​ie in Ostdeutschland besonders zahlreichen Impfgegner angesprochen, obwohl e​s in d​er DDR d​ie Impfpflicht u​nd „eine regelrechte Impf-Normalität“ gegeben habe, w​ies Gauck darauf hin, d​ass die Impfbereitschaft i​m Osten i​m Allgemeinen stärker w​ar und i​st als i​m Westen. Bei Corona jedoch „verbindet d​er Teil d​er Ostdeutschen, d​er mit dieser freiheitlichen Gesellschaft fremdelt, offensichtlich seinen Frust über d​as System m​it dem Sachthema Impfen.“ Dabei handle e​s sich u​m eine tragische Folge v​on jahrzehntelanger politischer Ohnmacht. Viele i​n der DDR Aufgewachsene hätten n​icht trainieren können, w​as in e​iner Zivilgesellschaft eingeübt werde: d​ie Verantwortung für s​ich selbst, d​as freie Denken, d​as freie Sprechen. „Ein Konsument z​u sein, m​uss man n​icht lernen, e​in Citoyen z​u sein, schon.“[188]

Werk

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • 1991: Die Stasi-Akten. Das unheimliche Erbe der DDR. (rororo 13016). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1991, ISBN 3-499-13016-5.
  • 1992: Von der Würde der Unterdrückten. 1992 (Aufsatz).
  • 1993: Verlust und Übermut. Ein Kapitel über den Untertan als Bewohner der Moderne. 1993 (Aufsatz).
  • 1994: Das Erbe der Stasi-Akten. In: German Studies Review 17. Totalitäre Herrschaft – totalitäres Erbe. 1994, S. 187–198, JSTOR:40575005.
  • 1995: „Ich habe eine Wahl!“ Diktaturerinnerung in der Demokratie. In: Ilko-Sascha Kowalczuk, Ulrike Poppe & Rainer Eckert (Hrsg.): Zwischen Selbstbehauptung und Anpassung. Formen des Widerstandes und der Opposition in der DDR. Ch. Links, Berlin 1995, ISBN 3-86153-097-X.
  • 1997: Verfassungsverständnis in Ostdeutschland. In: Stephan Detjen (Hrsg.): In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz. Begleitband zur Wanderausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundesrechtsanwaltskammer. O. Schmidt, Köln 1999, ISBN 3-504-10003-6, S. 213–217.
  • 1998: Mit Ehrhart Neubert: Die Aufarbeitung des Sozialismus in der DDR. In: Das Schwarzbuch des Kommunismus – Unterdrückung, Verbrechen und Terror. Piper Verlag (deutschsprachige Ausgabe), München 2004, ISBN 3-492-04053-5.
  • 2002: Mentalität und Mentalitätswandel in posttotalitären Gesellschaften. Die Situation der Deutschen nach 1945 und 1989. In: Ibrahim Özkan, Annette Streeck-Fischer, Ulrich Sachsse (Hrsg.): Trauma und Gesellschaft. Vergangenheit in der Gegenwart. 1. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht,, Göttingen 2002, ISBN 978-3-525-45893-8, S. 12–33.
  • 2007: Diktaturerfahrungen der Deutschen im 20. Jahrhundert und was wir daraus lernen können. In: Schriftenreihe zu Grundlagen, Zielen und Ergebnissen der parlamentarischen Arbeit der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages. Band 42. Dresden 2007.
  • 2009: Winter im Sommer – Frühling im Herbst: Erinnerungen. Siedler Verlag, München 2009, ISBN 978-3-88680-935-6.
  • 2009: Die Flucht der Insassen. Freiheit als Risiko. In: Weichenstellungen in die Zukunft. Konrad-Adenauer-Stiftung, Sankt Augustin/Berlin 2009, ISBN 978-3-941904-20-0.
  • 2010: Gerechtigkeit, Versöhnung und Strafe als gesellschaftliche und politische Herausforderungen. In: Michael Bongardt (Hrsg.): Versöhnung, Strafe und Gerechtigkeit: das schwere Erbe von Unrechts-Staaten. Göttingen 2010, ISBN 978-3-7675-7132-7, S. 17–28 (Kontexte; 40).
  • 2012: Freiheit. Ein Plädoyer. Kösel, München 2012, ISBN 978-3-466-37032-0.
  • 2014: Mehr Bürgergesellschaft wagen. Über repräsentative Demokratie, Bürgersinn und die Notwendigkeit des Erinnerns. Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-942302-06-7.
  • 2019: mit Helga Hirsch: Toleranz: einfach schwer. Herder, Freiburg 2019, ISBN 978-3-451-38324-3.[189]

Vorträge (Auswahl)

Auszeichnungen (Auswahl)

Staatliche Orden

Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten 1995
Großes Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, erhalten 2000[200]
Orden des Marienland-Kreuzes IV. Klasse, erhalten 2005
Sonderstufe des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, angelegt als Amtsinsigne im Schloss Bellevue zum Amtsantritt als Bundespräsident[201]
Großkreuz des Ordens des heiligen Karl, erhalten 2012
Sonnenorden – höchste Auszeichnung des afghanischen Staates für das Engagement Deutschlands in Afghanistan, erhalten 2012[202]
Großkreuz mit Großer Ordenskette des Verdienstordens der Italienischen Republik, erhalten 2013
Collane des Ordens des Marienland-Kreuzes, erhalten 2013
Collane des Falkenordens, erhalten 2013
Collane des Ordens Vytautas des Großen, erhalten 2013 (Dekret: 1K-1511)
Großkreuz der Ehrenlegion, erhalten 2013
Großkreuz des Sankt-Olav-Ordens, erhalten 2014
Collane des Ordens des Weißen Löwen, erhalten 2014
Collane des Ordens El Sol del Perú, erhalten 2015
Großkreuz (ehrenhalber) des Order of the Bath, erhalten 2015
Orden Stara Planina, erhalten 2016
Großkreuz des Leopoldsorden, erhalten 2016
Ritter des Königlichen Seraphinenordens, erhalten 2016
Großkreuz des Ordens vom Niederländischen Löwen, erhalten 2017

Preise und Ehrungen

Gauck bei der Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises (2010)
Gauck bei der Verleihung des Reinhard-Mohn-Preises (2018)

Ehrendoktorwürden wurden i​hm unter anderem 1999 v​on der Theologischen Fakultät d​er Universität Rostock,[203] 2001 v​on der Philosophischen Fakultät d​er Universität Jena,[204] 2005 v​on der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät d​er Universität Augsburg,[205] 2015 v​on der National University o​f Ireland i​n Galway[201][206] u​nd der Hebräischen Universität Jerusalem verliehen s​owie 2017 v​on der Pariser Sorbonne, d​er Académie française[207], d​er Universität Maastricht[208], d​er Westfälischen Wilhelms-Universität Münster[209] s​owie 2018 v​on der Christian-Albrechts-Universität z​u Kiel.[210]

Literatur

  • Marianne Birthler: Die Freiheit gestalten. Joachim Gauck zum 70. Geburtstag. In: Deutschland-Archiv. 1. Auflage. Band 43, 2010, ISSN 0012-1428, S. 20–22.
  • Helmut Müller-Enbergs: Gauck, Joachim. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  • Norbert Robers: Joachim Gauck. Vom Pastor zum Präsidenten. Die Biografie. Koehler & Amelang, Leipzig 2012, ISBN 978-3-7338-0388-9.
  • Dieter Bub: Begegnungen mit Joachim Gauck. Der Mensch. Sein Leben. Seine Überzeugungen. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2012, ISBN 978-3-89812-923-7.
  • Mario Frank: Gauck – Eine Biographie. 1. Auflage. Suhrkamp, Berlin 2013, ISBN 978-3-518-42411-7.
  • Johann Legner: Joachim Gauck – Träume vom Paradies – Biografie. C. Bertelsmann, Gütersloh 2014, ISBN 978-3-570-10162-9.
Commons: Joachim Gauck – Sammlung von Bildern
Commons: Joachim Gauck – Album mit Bildern

Einzelnachweise

  1. Gauck ist neuer Bundespräsident; Absolute Mehrheit im ersten Wahlgang, Deutschlandradio, deutschlandradio.de abgerufen am 3. Dezember 2021
  2. Antrittsrede im Wortlaut (www.bundespraesident.de).
  3. Bundespräsident: Gauck verzichtet auf zweite Amtszeit. 6. Juni 2016, abgerufen am 6. Juni 2016.
  4. 18. März 2017, 24 Uhr; vgl. bundespraesident.de.
  5. Nach fünf jähriger Amtszeit: Joachim Gauck tritt als Bundespräsident ab, Berliner Zeitung, 17. März 2017.
  6. Stefan Karner: Die MGB-Akte Joachim Gauck senior, FAZ vom 12. März 2012, S. 7.
  7. Gauck schreibt in seinem Buch Winter im Sommer – Frühling im Herbst: „Mein Vater hat in Wustrow die Seefahrtsschule besucht und sie zunächst mit dem Steuermanns-, 1940 mit dem Kapitänspatent A 6 beendet: Kapitän auf großer Fahrt. Als Kapitän ist er im Krieg allerdings nicht mehr gefahren.“ (S. 10).
  8. Das Geheimnis um den Onkel. Focus Online, 28. Juni 2010, abgerufen am 6. März 2012.
  9. Herkunft von Joachim Gauck, auf: www.der-bundespraesident.de. Abgerufen am 19. November 2012.
  10. Norbert Robers: Joachim Gauck – Vom Pastor zum Präsidenten. Die Biografie, Leipzig 2012, S. 15.
  11. Gauck 2009a, S. 27.
  12. Robers 2000, S. 23.
  13. Gauck 2009a, S. 35.
  14. Gauck 2009a, S. 41.
  15. „Erst einmal fiel für einen Tag Schule aus. Dann wurde das Fach Gegenwartskunde – später Staatsbürgerkunde – vorübergehend gestrichen. Lehrer, die bis dahin besonders ideologiefest aufgetreten waren, machten einen verschüchterten und verklemmten Eindruck, einige ließen sich zu selbstkritischen Äußerungen hinreißen. Und ältere Schüler, die von der Schule geworfen worden waren, weil sie sich als Christen nicht von der Jungen Gemeinde getrennt hatten, kamen zurück und durften das Abitur nachholen.“ (Gauck 2009a, S. 47).
  16. Frank: Gauck. Eine Biographie. 2013, S. 68.
  17. Gauck 2009a, S. 36.
  18. Gauck 2009a, S. 37.
  19. Eckhard Jesse: Eine Revolution und ihre Folgen: 14 Bürgerrechtler ziehen Bilanz. Ch. Links Verlag, 2000, S. 253.
  20. „Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit.“ (PDF; 14,5 MB) SPECTARIS – Verband der Hightech-Industrie, 7. November 2011, abgerufen am 6. März 2012.
  21. Gauck 2009a, S. 60.
  22. Siehe dazu den Eintrag der Immatrikulation von Joachim Gauck im Rostocker Matrikelportal.
  23. Gauck 2009a, S. 104 f.
  24. Robers 2000, S. 37 ff.
  25. Gauck 2009a, S. 117.
  26. Robers 2000, S. 43.
  27. Zit. n. Robers 2000, S. 10 f.
  28. Zit. n. Robers 2000, S. 12.
  29. Robers 2000, S. 74.
  30. Gauck 2009a, S. 134–137.
  31. Jana Hensel, Jakob Augstein: Pastor der Unfreiheit. Der Freitag, 8. März 2012, abgerufen am 1. Januar 2013.
  32. Mario Frank: Gauck: Eine Biographie, Suhrkamp Verlag, 2013 ISBN 978-3-518-73412-4, Abschnitt „Der Kirchentag 1988“.
  33. Akte zeigt Gaucks Distanz zur Stasi. (Faksimile (Memento vom 15. Dezember 2013 im Internet Archive)) Die Welt, Nr. 94, 23. April 1991, abgerufen am 6. März 2012.
  34. Zit. n. Robers 2000, S. 56. Anmerkung: dies kann man rezipieren als eine MfS-interne Rechtfertigungsfloskel, warum man den OV einstellte.
  35. Zit. n. Robers 2000, S. 68.
  36. Joachim Gauck: Freiheit – Verantwortung – Gemeinsinn. Wir in unserem Staat. Rede vom 22. Juni 2010 im Deutschen Theater Berlin.
  37. Stafan Berg: Stasi. Pack und Gesindel, in: Der Spiegel 36 (2000).
  38. zit. nach Klaus Blessing/Manfred Manteuffel, Joachim Gauck, Der richtige Mann?, edition berolina, Berlin, 2014, 7. Auflage, S. 172 f.
  39. zit. nach Klaus Blessing/Manfred Manteuffel, Joachim Gauck, Der richtige Mann?, edition berolina, Berlin, 2014, 7. Auflage, S. 53. Faksimile des Urteils S. 50ff – Verhandlung vom 22. September 2000 (AZ 3 O 245/00). „Der Verfügungskläger (Gauck) hat gegen den Verfügungsbeklagten (Diestel) auch keinen Anspruch auf Unterlassung der Äußerung, er sei ‚Begünstigter‘ i.S.d. Stasi-Unterlagengesetzes.“
  40. Gauck und Diestel wollen Rechtsstreit gütlich beilegen. Welt Online, 1. März 2001, abgerufen am 6. März 2012.
  41. Streit beigelegt. Berliner Kurier, 5. April 2001, abgerufen am 6. März 2012.
  42. Ein verrutschtes Plädoyer. Der Freitag, 5. Mai 2000, archiviert vom Original am 19. Juni 2006; abgerufen am 1. Januar 2013.
  43. Hans-Jochen Tschiche: „Gauck ist die falsche Person“, Der Freitag, 22. Februar 2012.
  44. Joachim, der Lokomotivführer? Süddeutsche Zeitung, 27. Februar 2012, abgerufen am 20. März 2012.
  45. Streit um Joachim Gauck – Auf der Suche nach dem verlorenen Freund. Süddeutsche Zeitung, 28. Februar 2012, abgerufen am 20. März 2012.
  46. Ehemaliger Pfarrer kritisiert Joachim Gauck. (Nicht mehr online verfügbar.) Die Welt, 7. März 2012, archiviert vom Original am 30. November 2016; abgerufen am 1. Januar 2013.
  47. Der Bürgerrechtler als Denunziant, achgut.com vom 27. Februar 2011.
  48. Der künftige Bundespräsident: War Joachim Gauck ein Bürgerrechtler?, Der Tagesspiegel, 25. Februar 2012.
  49. zu Deutsch: Gauck als „ehemaliger ostdeutscher Dissident und Pfarrer, der von vielen als moralische Autorität angesehen wird.“ The Times, 17. Juni 2010.
  50. Zit. n. Robers 2000, S. 79 f.
  51. Die Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit. Deutsches Rundfunkarchiv, abgerufen am 25. Februar 2012.
  52. Robers 2000, S. 123.
  53. Zit. n. Robers 2000, S. 126.
  54. Siehe dazu das Gesetz (PDF; 331 kB) und das Protokoll der Volkskammersitzung (PDF; 2,1 MB). An die Stelle des Volkskammergesetzes trat nach der Wiedervereinigung das vom Deutschen Bundestag beschlossene Stasi-Unterlagen-Gesetz. Vgl. auch Beschreibung zu BArch DA 1/16631 – Digitalisierung und Onlinestellung des Bestandes DA 1 Volkskammer der DDR, Teil 10. Wahlperiode (Memento vom 8. Februar 2011 im Internet Archive) (Bundesarchiv).
  55. Pressemeldung Landesbischof Dr. von Maltzahn zur Nominierung von Joachim Gauck, Pressestelle der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, 20. Februar 2012.
  56. Mit Vertrauensvorsprung. domradio.de, 20. Februar 2012, abgerufen am 1. Januar 2013.
  57. Gauck 2009a, S. 252 f.
  58. Gauck 2009a, S. 253.
  59. Diese Kurzform – hernach auch „Birthler-Behörde“ – bürgerte sich wohl wegen des sperrigen offiziellen Titels ein.
  60. Gauck 2009a, S. 270 f.
  61. ARD-Tagesschau am 3. Juni 1993, 20 Uhr.
  62. Chronologie der BStU zum Jahr 2000 (Memento vom 10. Juni 2011 im Internet Archive).
  63. Stasi verwaltet noch immer Stasi-Akten (Memento vom 5. Juni 2011 im Internet Archive), WikiLeaks, 4. Oktober 2007.
  64. Benedict Maria Mülder: Lichtgestalt mit Schattenseite, Der Tagesspiegel vom 27. Dezember 2011.
  65. Joachim Gauck Gastprofessor der MUL: Vorlesungsreihe „1989 – Vom Untertan zum Bürger“, Pressemitteilung, abgerufen am 25. Februar 2012.
  66. „Gegen das Vergessen“ – Gauck gibt Vorsitz ab. Die Welt, 19. März 2012, abgerufen am 1. Januar 2013.
  67. z-g-v.de: Menschen an unserer Seite. (Memento vom 16. Mai 2013 im Internet Archive) Abgerufen am 7. Juni 2010.
  68. Prague Declaration – Declaration Text. 3. Juni 2008, abgerufen am 28. Januar 2010.
  69. Declaration on Crimes of Communism. (Nicht mehr online verfügbar.) 25. Februar 2010, archiviert vom Original am 21. Mai 2010; abgerufen am 3. Juni 2010.
  70. A Message to the People of the United States of America. Atlantik-Brücke, 16. Februar 2003, archiviert vom Original am 13. Juni 2010; abgerufen am 1. Januar 2013.
  71. Gremienmitglieder der deutschen Nationalstiftung. Abgerufen am 7. Juni 2010.
  72. Aktivitäten der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Jahresbericht 2003, S. 43 (PDF; 313 kB).
  73. Homepage DOSB Abgerufen am 1. Mai 2012.
  74. PM des DOSB vom 25. April 2012 (Memento vom 16. Mai 2012 im Internet Archive). Abgerufen am 25. April 2012.
  75. Bundespräsidenten-Kür: Oppositionskandidat Gauck spaltet Schwarz-Gelb, Spiegel Online, 5. Juni 2010. Abgerufen am 21. Februar 2012.
  76. Anna Lehmann: Gauck spaltet Ex-DDR-Opposition, taz.de vom 28. Juni 2010.
  77. IFM-Archiv e.V.: Initiative für die Wahl von Joachim Gauck zum Bundespräsidenten vom 17. Juni 2010 (ursprünglich auf der Webseite von Markus Meckel).
  78. Newsticker. In: Berliner Zeitung, 26. Juni 2010. Abgerufen am 21. Februar 2012.
  79. Gauck-Kandidatur spaltet die Koalition. Handelsblatt, 5. Juni 2010, abgerufen am 30. März 2012.
  80. Joachim Gauck. Dieter Wunderlich Buchtipps & Filmtipps, abgerufen am 30. März 2012.
  81. Christian Gauck. Abgerufen am 3. Dezember 2019 (deutsch).
  82. Wenn Vater sagt „Gesine, steh doch mal auf!“ Welt Online, 25. Februar 2012, abgerufen am 12. März 2012.
  83. Hansi Gauck will von Scheidung nichts wissen. Welt Online, 22. Februar 2012, abgerufen am 11. Juni 2012.
  84. Vom Ostsee-Kind zum Bundespräsidenten. NDR, 23. Januar 2020, abgerufen am 16. Juli 2020.
  85. Frank: Gauck. Eine Biographie. 2013, S. 259.
  86. Bundespräsident Gauck zieht in Wulffs altes Zuhause. Die Welt, 23. Juli 2012, abgerufen am 26. Juni 2013.
  87. Rostock: 900 Gäste bei Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Gauck. Hamburger Abendblatt, 8. August 2012, abgerufen am 8. August 2012.
  88. Merkel: Wir werden gemeinsamen Kandidaten suchen. Handelsblatt, 17. Februar 2012, abgerufen am 12. März 2012.
  89. Heribert Prantl: Fünf-Parteien-Bundespräsident – Ein Wunder namens Gauck. In: Süddeutsche Zeitung. 19. Februar 2012, abgerufen am 19. Februar 2012: „Fünf Parteien tragen den Mann jetzt: CDU, CSU, FDP, SPD, Grüne.“
  90. Union akzeptiert Gauck als Präsidenten-Kandidaten. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Februar 2012, abgerufen am 12. März 2012.
  91. politbarometer.zdf.de.
  92. Reaktionen im Internet: Gaucks Gegner sammeln sich im Netz. Spiegel Online, 20. Februar 2012, abgerufen am 13. März 2012.
  93. Grünen-Politiker behalten sich Ablehnung von Gauck vor. tagesschau.de, 21. Februar 2012, archiviert vom Original am 23. Februar 2012; abgerufen am 13. März 2012.
  94. Umstrittene Äußerungen über Occupy und Sarrazin – Was Gauck wirklich gesagt hat. Süddeutsche Zeitung, 20. Februar 2012, abgerufen am 9. März 2012.
  95. Das Internet-Märchen vom bösen Joachim Gauck. Welt Online, 21. Februar 2012, abgerufen am 13. März 2012.
  96. Verzerrte Zitate: Gauck und die Stille Post im Netz. Spiegel Online, 21. Februar 2012, abgerufen am 13. März 2012.
  97. Deutsch-Iranerin wird Gaucks Sprecherin, RP Online, 6. Juli 2012.
  98. Bundespräsident: Gauck tritt nicht zu zweiter Amtszeit an bei Spiegel Online, 6. Juni 2016 (abgerufen am 6. Juni 2016).
  99. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Emotionaler Abschied für Joachim Gauck.
  100. Festveranstaltung des Walter Eucken Instituts Freiburg, 16. Januar 2014.
  101. Linken-Chef Riexinger kritisiert Rede des Bundespräsidenten, Mitteldeutsche Zeitung, 17. Januar 2014.
  102. Wirbel um Gauck-Rede: Was die Linke zum Schäumen brachte, Augsburger Allgemeine, 18. Januar 2014.
  103. Webseite des Bundespräsidenten: Gedenkveranstaltung „1914–2014. Hundert europäische Jahre“..
  104. http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/2014/09/140901-Gedenken-Westerplatte.html.
  105. Weltkriegs-Gedenken und Ukraine-Krise: Aus der Geschichte lernen, Süddeutsche Zeitung, 6. September 2014; abgerufen am 9. Februar 2020.
  106. Völkermord an den Armeniern – Kritik aus der Türkei: „Gauck hat kein Recht uns zu beschuldigen“, Die Welt, 25. April 2015.
  107. www.bundespraesident.de, mit Link zu einem Video (41 Minuten).
  108. FAZ.net / Berthold Kohler 18. Januar 2017: Gaucks Gegengift.
  109. spiegel.de: Der ernüchterte Präsident.
  110. Die Gnade der zweiten Reihe. Spiegel Online, 8. November 2004, abgerufen am 12. März 2012.
  111. Kompetenter Freigeist ohne Chance. Zeit Online, 4. Juni 2010, abgerufen am 12. März 2012.
  112. Gaucks Werte für Deutschland. Handelsblatt, 20. Februar 2012, abgerufen am 12. März 2012.
  113. Joachim Gauck, Zwischen Furcht und Neigung – die Deutschen und die Freiheit, Berlin, 21. April 2009 (3. Berliner Rede zur Freiheit am Brandenburger Tor der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit), Online-Version (Memento vom 18. Februar 2012 im Internet Archive) (hier ab Minute 52:40).
  114. „Meine Seele hat Narben“, Interview Joachim Gaucks in Die Zeit, 31. Mai 2012, S. 3 (Online-Version).
  115. Ethikunterricht: Ideologischer Glaubenskrieg in Berlin. Spiegel Online, 8. April 2005, abgerufen am 12. März 2012.
  116. „Die Leute müssen aus der Hängematte aufstehen“. Süddeutsche Zeitung, 19. Februar 2012, abgerufen am 12. März 2012.
  117. Joachim Gauck in Die Zeit, 12. März 2015, S. 5.
  118. Gauck beklagt „Unkultur des Verdrusses“. Märkische Oderzeitung, 12. Juni 2010, abgerufen am 9. März 2012.
  119. Gauck attestiert Sarrazin „Mut“. Der Tagesspiegel, 30. Dezember 2010, abgerufen am 9. März 2012.
  120. Gauck findet Antikapitalismus-Debatte albern.
  121. Schwarzbuch des Kommunismus, zitiert nach Joachim Gauck: Potemkinsche Dörfer, in: Der Spiegel Nr. 22, 25. Mai 2012 (Auszug).
  122. Pathos statt Analyse. taz.de, 24. Februar 2012, abgerufen am 19. Oktober 2012.
  123. Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft. Piper, München/Zürich 1986 (TB), 12. Aufl. 2008, beispielsweise S. 629 ff.
  124. Meine Seele hat Narben. Zeit Online, 31. Mai 2012, abgerufen am 19. Oktober 2012.
  125. Wie weit darf man gehen, Herr Gauck? Der frühere Stasi-Unterlagenbeauftragte über die Grenzen öffentlicher Neugier, das Gedächtnis der Nation und die Vertriebenen. Der Tagesspiegel, 21. September 2003, abgerufen am 12. März 2012.
  126. Der Wanderprediger. Sächsische Zeitung, 5. Juni 2010, abgerufen am 9. März 2012.
  127. Gauck giftet gegen Linkspartei. Süddeutsche.de, 26. Juni 2010, abgerufen am 20. Februar 2012.
  128. Distanzierung von Linkspartei. Gauck begrüßt Haltung der SPD. n-tv.de, 11. Juli 2010, abgerufen am 20. Februar 2012.
  129. "Meine Seele hat Narben". Zeit Online, 31. Mai 2012, abgerufen am 17. Oktober 2014.
  130. Grundsatzurteil in Karlsruhe: Gauck darf NPD-Anhänger „Spinner“ nennen. Spiegel Online, 10. Juni 2014, abgerufen am 17. Oktober 2014.
  131. Gauck-Kritik: „Können wir der Partei voll vertrauen?“ Das Erste, 3. November 2014, archiviert vom Original am 4. November 2014; abgerufen am 4. November 2014.
  132. Ramelow macht Gaucks Kritik zur Glaubensfrage. Zeit Online, 2. November 2014, abgerufen am 4. November 2014.
  133. Gerd Spilker: Menschen zum gemeinsamen Handeln zusammenführen, Interview mit Joachim Gauck, Ostsee-Zeitung Nr. 31, 6. Februar 1990.
  134. „Es bricht nicht gleich alles zusammen“. Welt Online, 7. Juni 2010, abgerufen am 9. März 2012.
  135. „Wer gute Gründe für Demos hat, braucht kein falsches Etikett“. Berliner Zeitung, 9. August 2004, abgerufen am 9. März 2012.
  136. Gegenüber der Bild am Sonntag, Onlineausgabe, 20. Juni 2010; zit. nach Merkel fordert Geschlossenheit bei Wulff-Wahl. Focus Online, 20. Juni 2010, abgerufen am 20. Juni 2010.
  137. „Was für ein schöner Sonntag“, Deutschlandradio vom 18. März 2012.
  138. Diskussion im Burgtheater: Der Staat darf nicht zum Spitzel werden. Der Standard, 5. Dezember 2010, abgerufen am 9. März 2012.
  139. Video: Europa im Diskurs am 5. Dezember 2010 im Wienerburgtheater.
  140. Gegner der Vorratsdatenspeicherung wollen mit Gauck sprechen, Heise online, 24. Februar 2012. Abgerufen am 16. März 2012.
  141. Sicherheitsforscher Gaycken: Der Bundespräsident sollte ein offenes Ohr haben, Netzwelt.de, 15. März 2012. Abgerufen am 16. März 2012.
  142. Stephan Hilsberg: Selbstverliebtheit statt Größe, Die Zeit vom 10. Februar 2017.
  143. ZDF-Sommerinterview 2013 (Memento vom 2. Februar 2014 im Internet Archive), abgerufen am 15. Juli 2013.
  144. Nordwestzeitung (NWZ) online, 12. Juni 2012
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