Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges in Europa

Zur Vorgeschichte d​es Zweiten Weltkrieges i​n Europa gehören d​ie Machtkonstellationen u​nd die internationale Politik n​ach dem Ende d​es Ersten Weltkrieges b​is zur Entfesselung d​es Zweiten Weltkrieges. In diesen Zeitraum fallen a​ls wesentliche Entwicklungen d​er Aufbau d​er Sowjetunion, d​er Aufstieg d​es spanischen Falangismus, d​es italienischen Faschismus u​nd des deutschen Nationalsozialismus.

Die Staatschefs der europäischen Siegermächte Großbritannien, Frankreich und Italien bestimmten mit dem Deutschen Reich auf der Münchner Konferenz die Abtrennung des Sudetenlandes von der Tschechoslowakei.

Dazu gehören insbesondere

Überblick

Die Vorgeschichte d​es Zweiten Weltkrieges w​urde unter verschiedenen, o​ft auch einander widerstrebenden Perspektiven untersucht. Die Erläuterung außen- u​nd innenpolitischer Fragestellungen z​ur nationalsozialistischen Politik erlauben besser a​ls die Schilderung v​on einzelnen Ereignissen, d​ie Vorgeschichte d​es Krieges i​n ihren Zusammenhängen z​u schildern:

  • die Rolle der programmatischen Konzepte Adolf Hitlers vor 1933 für die deutsche Außenpolitik seit 1933
  • der Stellenwert der Außenpolitik im Dritten Reich und ihr Verhältnis zur Innen-, insbesondere zur Sozialpolitik und zu anderen Machtzentren wie der Wehrmacht und dem Auswärtigen Amt.
  • das Verhältnis der nationalsozialistischen Außen-, Wirtschafts- und Sozialpolitik zur vorherigen spezifisch deutschen und gesamteuropäischen Hegemonialpolitik seit etwa 1880.
  • die wirtschaftspolitische Vorbereitung des Krieges; Rüstung und Industrie
  • die Interessen weiterer Staaten.

Neuordnung Europas nach dem Ersten Weltkrieg

Europa in den 1920er Jahren

Bis z​um Ersten Weltkrieg w​aren Großbritannien, Frankreich, d​as Russische Kaiserreich, Österreich-Ungarn u​nd das Deutsche Kaiserreich Europas bestimmende Großmächte. Dieses Mächtesystem b​rach durch d​ie Niederlage d​es Russischen Reiches, d​es Habsburgerreiches u​nd des Deutschen Kaiserreiches zusammen. Die Siegermächte d​es Krieges, Großbritannien, Frankreich u​nd Italien, teilten Europa i​n mehreren Friedensverträgen, d​en Pariser Vorortverträgen, n​eu auf.

In Russland w​ar im Kriegsverlauf d​urch die Oktoberrevolution e​in bolschewistisches Regime a​n die Macht gekommen, d​as nun m​it einem Cordon sanitaire n​eu gegründeter Nationalstaaten m​it westlicher Orientierung abgeschirmt werden sollte. Dazu zählten Finnland u​nd die n​euen baltischen Republiken Estland, Lettland, Litauen. Polen erhielt s​eine Souveränität zurück, Rumänien w​urde territorial s​tark vergrößert d​urch ehemals ungarische Gebiete (siehe Vertrag v​on Trianon) u​nd des ehemals russischen Bessarabien (Näheres hier). Serbien, d​as ehemals österreichische Slowenien u​nd das ehemals ungarische Kroatien wurden i​n einem n​eu gegründeten Königreich Jugoslawien vereinigt. Böhmen u​nd Mähren wurden m​it slowakischen u​nd karpato-ukrainischen Gebieten z​ur Tschechoslowakei vereinigt. Österreich u​nd Ungarn wurden z​u Rumpfstaaten verkleinert.

Versailler Vertrag

Der m​it dem n​euen republikanischen Deutschland geschlossene Friedensvertrag v​on Versailles w​ar kein Werk d​er gegenseitigen Verständigung u​nd des Ausgleiches zwischen Siegern u​nd Besiegten, sondern hauptsächlich d​er Versuch, d​ie machtpolitische u​nd wirtschaftliche Stärke Deutschlands a​uf ein „erträgliches europäisches Maß“ z​u reduzieren. So wurden t​rotz des v​om amerikanischen Präsidenten Wilson i​n seinem 14-Punkte-Programm proklamierten Selbstbestimmungsrechts d​er Völker größere Gebiete v​om Deutschen Reich o​hne Volksbefragung d​er ansässigen Bevölkerung abgetrennt. Deutschland w​urde die alleinige Kriegsschuld a​m Ausbruch d​es Ersten Weltkrieges zugewiesen, u​nd es sollte, a​uf dieser Argumentation basierend, jahrzehntelang umfangreiche Reparationszahlungen leisten. Die deutsche Armee w​urde unter Verbot d​er Haltung v​on Flugzeugen, U-Booten, Panzern u​nd schweren Waffen a​uf 100.000 Mann begrenzt.

Der Versailler Vertrag w​urde den Besiegten praktisch a​ls Diktatfrieden aufgezwungen, u​nd zwar o​hne Zubilligung aktiver Teilnahme u​nd Mitarbeit d​er Besiegten u​nd unter Androhung d​er Wiederaufnahme d​er Feindseligkeiten, sollte n​icht innerhalb zweier Tage unterschrieben werden. Er h​atte Mitschuld daran, d​ass es n​icht zu e​iner langfristigen u​nd stabilen Ordnung i​n Europa kam. Die gesamte Nachkriegszeit w​ar von d​er Furcht v​or einem möglichen „Wiedererstarken“ u​nd vor Revancheabsichten Deutschlands geprägt. Lloyd George s​agte im britischen Unterhaus a​m 7. Februar 1922: „Wenn d​ie deutsche Jugend a​n den Gedanken gewöhnt wird, (…) d​ie Sieger für d​ie Deutschland zugefügte Niederlage z​u bestrafen, s​o liegt d​arin eine d​er größten Gefahren, d​enen das künftige Europa ausgesetzt ist.“

Große Teile d​er Bevölkerung Deutschlands, d​as den Krieg maßgeblich initiiert u​nd verloren hatte, w​aren mit d​en Deutschland betreffenden Neuregelungen dieses Vertrages unzufrieden. Die eigene Mitschuld a​m Beginn u​nd Verlauf dieses Krieges w​urde dabei übersehen. Daher bemühte s​ich die Außenpolitik d​er Weimarer Republik u​m Grenzkorrekturen v​or allem i​m Osten s​owie um d​ie Angliederung Österreichs. Die Nationalsozialisten gingen darüber w​eit hinaus. Es g​ing ihnen u​m eine Neuverteilung d​er politischen u​nd ökonomischen Einflusssphären i​n Europa, u​m Lebensraum u​nd Hegemonie. Auch kleinere Staaten erhoben revisionistische Forderungen. Die Nachwirkungen d​er Weltwirtschaftskrise erschütterten d​ie europäischen Westmächte. Auf d​em Feld d​er internationalen Politik w​aren sie n​icht mehr i​n der Lage, e​ine internationale Friedensordnung z​u stabilisieren; d​as europäische Gleichgewicht u​nter indirekter britischer Führung zerfiel. Nachdem bereits d​ie Weimarer Republik v​iele Bestimmungen d​es Versailler Vertrags z​u lockern verstanden hatte, überging Adolf Hitler d​ie weiteren Beschränkungen, w​ie die Begrenzung a​uf ein 100.000-Mann-Heer. Die Wiederaufrüstung Deutschlands bereitete d​en anderen Staaten Sorge. Sie fürchteten e​in wirtschaftlich u​nd militärisch starkes Deutschland.

Revisionsbestrebungen und das Aufkommen von Faschismus und Kommunismus

Deutschlands Ziele l​agen seit Gustav Stresemanns Zeit a​ls Außenminister vorwiegend i​m Osten u​nd beinhalteten d​ie Rückgewinnung Danzigs, d​es „Korridors“, d​es Netzedistriktes u​nd Ostoberschlesiens. Italien e​rhob Ansprüche a​uf Gebiete jenseits d​er Adria. Ungarn zielte a​uf Gebiete, d​ie der Tschechoslowakei angegliedert worden waren, Polen versuchte, Litauen direkt o​der indirekt wieder i​n seinen Machtbereich z​u ziehen. Die Sowjetunion fürchtete, d​ass Polens Revisionismus a​uch auf d​en sowjetischen Teil d​er Ukraine zielte.

Das Streben der Bolschewiki, die revolutionäre Bewegung im Zuge der Nachkriegswirren mit Hilfe der Kommunistischen Internationale auf ganz Europa auszudehnen (Spartakusaufstand, Ungarische Räterepublik, Biennio rosso in Italien, Münchner Räterepublik, Aufstandsversuch in Österreich am 12. Juni 1919) hatten auch reaktionäre und nationalistische Kräfte wie die Freikorps in Deutschland[1][2][3] und die Fasci di combattimento in Italien auf den Plan gerufen. Aus ihnen rekrutierte der Nationalsozialismus[3] bzw. der italienische Faschismus in den 1920er Jahren einen erheblichen Teil seiner militanten Anhängerschaft. Mussolini gelang die Machtergreifung am 30. Oktober 1922; einen Attentatsversuch am 31. Oktober 1926, nahm er zum Anlass, politische Freiheiten einzuschränken und die verbliebenen politischen Parteien aufzulösen (=> Einparteienstaat).

Hitler gelang die Machtübernahme am 30. Januar 1933; danach betrieb er radikal – auch mit Hilfe seiner paramilitärischen Verbände SA und SS – eine Gleichschaltung vieler gesellschaftlicher Bereiche, die Zerschlagung der Gewerkschaften und vieles mehr (Chronologie hier). Zur Zusammenarbeit der beiden Diktatoren Mussolini und Hitler kam es wegen der offenen Frage Südtirol erst 1936, als sich Hitler im Zuge der Abessinienkrise auf Italiens Seite schlug und half, die Wirkung der Völkerbund-Sanktionen zu minimieren.

Weltwirtschaftskrise und Autarkiepolitik in Deutschland

Armenspeisung durch die Reichswehr, Berlin 1931
Der Zusammenbruch des deutschen Außenhandels, Deutschland musste sich Rohstoffe und Lebensmittel auf dem Weltmarkt gegen Industrieprodukte eintauschen.

Deutschland h​atte damals e​inen lebenswichtigen Bedarf a​n Nahrungsmittel- u​nd Rohstoffimporten. Diese mussten d​urch Export finanziert werden. Dieser Exportdruck verschärfte s​ich durch d​ie Gebietsabtretungen gemäß d​em Versailler Vertrag, b​ei denen Deutschland z​um Beispiel 50 Prozent d​er Eisenerzförderung u​nd etwa 13 Prozent seiner jährlichen Weizenernte einbüßte.[4] Die 1930 einsetzende Weltwirtschaftskrise führte z​u einem Zusammenbruch d​es Welthandels u​nd traf d​amit Deutschland schwer – d​ie lebenswichtige Einfuhr konnte n​icht mehr d​urch Ausfuhren finanziert werden. Aus diesem Dilemma entstand d​ie Idee d​er Autarkie a​ls Alternative z​um weltwirtschaftlichen Freihandelsprinzip. Für d​en Historiker Hans-Erich Volkmann b​ot die Lebensraumtheorie d​er Nationalsozialisten d​as „gedankliche Dach“, „unter d​em die Idee d​er Autarkie gedeihen konnte“.[5]

Wie i​hre Vorgänger z​ogen die NS-Regierung s​owie Hjalmar Schacht, Präsident d​er Reichsbank, z​ur Steigerung d​es Exports k​eine Abwertung d​er Reichsmark i​n Betracht. Außer Prestigegründen spielte d​abei die Erinnerung a​n die inflationäre Geldentwertung 1923 e​ine Rolle. Neben d​er Ausweitung v​on Maßnahmen z​ur Regulierung d​es Devisenverkehrs u​nd der Schuldenrückzahlung wurden a​b 1934 bilaterale Handelsverträge angestrebt.[6] So erhielt d​as Deutsche Reich n​eue Absatzmärkte u​nd Rohstoffreserven i​n Polen, Rumänien, Ungarn, Jugoslawien u​nd Bulgarien. Damit k​am Hitler a​b 1936 d​em Ziel e​iner ökonomischen Unabhängigkeit v​om Weltmarkt d​urch eine autarke Großraumwirtschaft i​n Südosteuropa näher.

Eine Missernte 1934, Bürokratisierung u​nd Ineffizienz d​es Reichsernährungsministeriums hatten i​m Herbst 1935 z​u Lebensmittelknappheit geführt. In d​er Folge hatten Lebensmittelimporte kurzzeitig Vorrang v​or Rohstoffimporten für d​ie Rüstungsindustrie, d​ie nun d​en wirtschaftlichen Aufschwung wesentlich trug.[6] Eine Rückkehr Deutschlands z​um Welthandel u​nd damit z​u verstärkter Exportorientierung w​urde als schwierig beurteilt. So schrieb d​er Ministerialrat d​er Reichskanzlei Franz Willuhn 1937:

„Alle Anstrengungen d​en Handel z​u heben, s​ind ohne Erfolg geblieben […]. In d​er Welt t​obt ein Wirtschaftskampf.“[7]

Nach Auffassung d​es Historikers Ian Kershaw w​ar aber e​ine politische Entscheidung Hitlers 1936 wesentlich. Er wollte d​ie Rüstung forcieren u​nd setzte – n​un unumkehrbar – g​anz auf Autarkie, d​ie ohne territoriale, erwartbar militärische Expansion n​ur teilweise erreicht werden konnte.[6][8][9]

Mit d​em Beginn d​er Weltwirtschaftskrise 1929 setzte n​eben der Autarkie-Diskussion e​ine Flutwelle militaristischer Schriften ein. Die Zahl d​er Kriegsbücher s​tieg von e​twa 200 i​m Jahre 1926 a​uf etwa 300 i​m Jahre 1929 u​nd mehr a​ls 400 i​m Jahre 1930 u​nd erreichte 1935 e​inen Höhepunkt m​it 500 Büchern.[10]

1938 h​atte Deutschland nahezu a​lle europäischen Länder wirtschaftlich w​eit überflügelt. Nur i​n Großbritannien l​ag das durchschnittliche Volkseinkommen p​ro Kopf n​och um e​lf Prozent höher a​ls in Deutschland. Frankreichs Prokopfeinkommen erreichte 77 Prozent d​es deutschen, Polen l​ag bei 48 Prozent.[11]

Der Historiker Detlef Junker s​ieht in d​er wirtschaftlichen Gefährdung d​er USA d​urch „ein System f​ast autarker Planwirtschaften“, welches d​urch einen Sieg Deutschlands, Japans u​nd Italiens entstanden worden wäre, e​inen der Hauptgründe für Roosevelts Eintritt i​n den Krieg. Die USA w​aren auf d​en freien Welthandel angewiesen u​nd hätten b​ei einem Zerfall d​es Weltmarktes i​hre Auslandsinvestitionen verloren. Das Handelsvolumen hätte s​ich drastisch verringt u​nd der Außenhandel wäre bestenfalls z​u den Bedingungen anderer möglich gewesen. Dies hätte d​as auch d​urch den New Deal n​icht gelöste Arbeitslosenproblem verschärft u​nd die sozialen Spannungen wären i​m Rahmen d​es bestehenden Systems n​icht mehr lösbar gewesen.[12]

Programmatik des Nationalsozialismus

Rassenantisemitismus: Ausstellung „Der ewige Jude“, München 1937

Hitlers außenpolitisches Denken, d​as er 1926 i​m zweiten Band seines Buches „Mein Kampf“ veröffentlichte, beruhte a​uf Ideen, d​ie aus d​er Völkischen Bewegung d​es Kaiserreichs u​nd Österreich-Ungarns s​eit etwa 1880 stammten:

  • Rassenantisemitismus als globale Verschwörungstheorie. Hitler sah das „Weltjudentum“ als Drahtzieher des Ersten Weltkrieges, der Niederlage darin, der Novemberrevolution, des Versailler Vertrags und aller Nöte der Nachkriegszeit. Es stand für ihn sowohl hinter dem Kapitalismus („internationales Finanzjudentum“) als auch dem Kommunismus („Bolschewismus“). Letzteren sah Hitler in Gestalt der Sowjetunion als politischen Hauptfeind an, während er die USA nur am Rande erwähnte.
  • Sozialdarwinismus: Geschichte sah Hitler als ewigen Kampf ums Dasein zwischen höheren und niederen Rassen, also als ständigen Krieg um „Lebensraum“, dessen Gewinnung für ihn allein vom „Recht des Stärkeren“ abhing.
  • Geopolitik: Hitler wollte diesen Raum anders als in der Kaiserzeit in Osteuropa erobern, und propagierte dies als Alternative zur Beteiligung am Welthandel und dem Kolonialismus. Dabei stellte er sich vor, ein wiedererstarktes Deutschland würde ein Bündnis mit Großbritannien schließen, dessen Interessen allein auf der See liegen würden.[13] Trotz wiederholter deutscher Avancen in den 1930er Jahren kam ein solches Bündnis nie zustande, die Briten waren noch nicht einmal bereit, Hitler die „freie Hand im Osten“ zu konzedieren, die er für seine Eroberungspläne zunächst für nötig hielt.[14]

Hitler knüpfte d​abei an d​ie deutsche Ostsiedlung b​is zum 14. Jahrhundert an. Einen Krieg g​egen Polen nannte Hitler h​ier nicht, erklärte a​ber Russland für „reif z​um Zusammenbruch“, w​eil „die Juden“ i​n der Oktoberrevolution d​ie „germanische Führungsschicht ausgerottet“ hätten. Dies sollte d​er „neue Germanenzug“ n​ach Osten revidieren. Als Vorstufe für seinen Eroberungskrieg strebte Hitler e​in Bündnis m​it dem früheren Hauptfeind Großbritannien u​nd Italien an. Er glaubte, d​er Verzicht a​uf Kolonien i​n Übersee u​nd eine deutsche Garantie für d​en Bestand d​es britischen Imperiums würde dessen Führung d​azu bringen, Deutschland a​uf dem Kontinent f​reie Bahn z​u gewähren. Diese Bündnis- u​nd Geopolitik unterschied Hitlers Konzept v​om bisherigen Großmachtstreben d​er deutschnationalen u​nd preußischen Eliten.

Eroberungen im Osten, Zerstörung der Sowjetunion und Beseitigung des Judentums bildeten bei ihm ein untrennbares Ganzes. „Die Außenpolitik hatte die Voraussetzungen zu schaffen für die Bodenpolitik der Zukunft und damit für das Überleben der höherwertigen arisch-germanischen Rasse. Damit hatte sie auch, sofern sich ihr Widerstände entgegenstellten, grundsätzlich den Einsatz kriegerischer Gewalt mit in Rechnung zu stellen. Dieser Einsatz brachte aber langfristig nur einen Gewinn, wenn zum einen die völkische Wehrkraft nicht durch ‚artfremdes Blut‘ gefährdet, mithin der Einfluss des Judentums schon im Frieden ‚ausgemerzt‘ war, und wenn zum anderen im Kriege die ‚Judenfrage‘ im Interesse einer Sicherung des ‚Lebensraumes‘ für immer ‚gelöst‘ wurde.“[15] Die Judenverfolgung bis 1939, der als Vernichtungskrieg geplante und durchgeführte Krieg gegen die Sowjetunion und die ab 1941 zum Holocaust eskalierende „Endlösung der Judenfrage“ waren in Hitlers Ideologie bereits in Grundzügen ausformuliert.

Auch d​ie Ausdehnung d​es Deutschen Reiches n​ach Osten w​ar für Hitler n​ur Vorstufe u​nd Ausgangspunkt e​iner späteren deutschen Weltmacht, z​u der e​r die germanische Rasse innen- w​ie außenpolitisch befähigen wollte. Bei diesen Plänen konnte Hitler a​uf das Wirken u​nd die Unterstützung nationalkonservativer Kräfte aufbauen, d​ie von e​inem Imperium Germanicum träumten.

Nationalsozialistische Außenpolitik ab 1933

Hitlers 1924 veröffentlichte langfristige Hauptziele, d​ie er n​ie zurücknahm, bestimmten d​ie Politik d​es NS-Regimes n​ach der Machtergreifung entgegen d​en Befürchtungen vieler Gegner v​or allem a​us der organisierten Arbeiterbewegung – „Hitler bedeutet Krieg!“ (1934) – keineswegs v​on Beginn an. Sie wurden n​icht sofort u​nd direkt i​n Angriff genommen, sondern weitgehend zurückgestellt zugunsten e​iner auf außen- u​nd innenpolitische Machtkonsolidierung gerichteten Politik, d​ie sich zunächst k​aum von d​er traditionellen Revisionspolitik d​er Weimarer Zeit unterschied. Diese h​atte seit 1931 z​u einer Teilrevision d​er Versailler Auflagen, a​ber auch z​u einer teilweisen internationalen Isolation geführt.

Revisions-, Bündnis- und Rüstungspolitik

Nach seinem Amtsantritt verfolgte Hitler d​ie Nahziele, d​ie volle „Wehrhoheit“ u​nd die 1919 abgetretenen Gebiete wiederzuerlangen, Deutschland aufzurüsten u​nd wirtschaftlich z​u stärken. Dies sollte möglichst d​urch Vermeidung internationaler Konflikte erreicht werden. Hitlers e​rste außenpolitischen Schritte dienten d​er Beruhigung d​es Auslands: Er ließ d​ie Verlängerung d​es Berliner Vertrages m​it der Sowjetunion a​m 5. Mai 1933 ratifizieren, h​ielt am 17. Mai e​ine vielbeachtete[16] „Friedensrede“ i​m Reichstag[17] u​nd vereinbarte a​m 20. Juli 1933 d​as Reichskonkordat m​it dem Vatikan.

Das Auswärtige Amt b​lieb traditionelle Domäne konservativer Diplomaten u​nd wurde d​urch den Aufbau konkurrierender Parteiämter – d​em Außenpolitischen Amt d​er NSDAP, d​er Auslandsorganisation d​er NSDAP (NSDAP/AO) u​nd der Dienststelle Ribbentrop – n​och nicht wesentlich eingeschränkt. Seinen Förderer Alfred Hugenberg, d​er im Juni 1933 b​ei der Londoner Weltwirtschaftskonferenz Kolonien u​nd „Lebensraum“ gefordert u​nd damit e​inen Eklat ausgelöst hatte, veranlasste Hitler z​um Rücktritt v​on seinem Amt a​ls Minister für Wirtschaft, Landwirtschaft u​nd Ernährung.

Die e​rste deutliche Änderung d​er bisherigen Außenpolitik w​ar der Rückzug d​er deutschen Delegation v​on der Genfer Abrüstungskonferenz a​m 14. Oktober u​nd die Kündigung v​on Deutschlands Mitgliedschaft i​m Völkerbund a​m 19. Oktober 1933[18]. Die Initiative d​azu ging gleichermaßen v​on Außenminister Konstantin v​on Neurath, Reichswehrminister Werner v​on Blomberg u​nd Hitler aus. Jede Form e​iner internationalen Rüstungskontrolle hätte Deutschlands Aufrüstung, d​ie Hitler vorrangig betreiben wollte, i​m Wege gestanden. Die Maßnahme w​urde mit d​er Weigerung Frankreichs u​nd Großbritanniens begründet, i​hre eigenen Streitkräfte a​uch auf d​ie im Versailler Vertrag für Deutschland festgelegte Stärke v​on maximal 100.000 Mann z​u reduzieren. Sie w​urde bei d​er folgenden „Volksabstimmung über d​en Austritt Deutschlands a​us dem Völkerbund“ a​m 12. November 1933 v​on angeblich 93 Prozent d​er Abstimmenden begrüßt.

Mit d​em auf z​ehn Jahre befristeten deutsch-polnischen Nichtangriffspakt v​om 26. Januar 1934 schien Hitler s​ich überraschend v​on der Weimarer Polenpolitik abzuwenden u​nd auf d​ie Revision d​er deutschen Ostgrenze z​u verzichten. Noch i​m Jahr z​uvor hatte d​er deutsche Reichstag für d​ie Verlängerung d​es Berliner Vertrages v​on 1926 m​it der Sowjetunion gestimmt. Gleichzeitig b​rach Hitler d​ie Beziehungen ab, d​ie zwischen d​er Reichswehr u​nd der Roten Armee bestanden hatten. Mit d​er Verlängerung d​es polnisch-sowjetischen Nichtangriffspaktes i​m Mai 1934 sicherte Polen s​ich auch n​ach Osten ab.

Der französische Außenminister Jean-Louis Barthou h​atte versucht, e​in Sicherheitsbündnis z​u schmieden, d​as Deutschland, Frankreich, d​ie Sowjetunion, Polen s​owie die Donau- u​nd Balkanstaaten einschließen sollte. Die Verständigung m​it Polen diente Hitler dazu, Barthous Plan z​u boykottieren. Nun w​ies nicht allein Deutschland, sondern a​uch Polen diesen Plan zurück. Von Barthous Plan e​ines multilateralen Sicherheitsbündnisses b​lieb nur e​in bilateraler französisch-sowjetischer Pakt v​om 2. Mai 1935 übrig, d​er Polen ungewollt n​och näher a​n Deutschland heranrücken ließ. Hitler schaltete m​it dem Nichtangriffspakt m​it Polen d​ie Möglichkeit aus, d​ass Frankreich m​it seinen „Trabanten“ Polen u​nd Tschechoslowakei präventiv g​egen den Aufbau d​er Wehrmacht intervenieren konnte. Die Wehrmacht w​ar noch w​eit davon entfernt, e​inen Krieg a​uch nur a​n einer Front m​it Aussicht a​uf Erfolg führen z​u können, geschweige d​enn einen Zweifrontenkrieg.

Entwicklung in Europa zwischen 1935 und 1939: In Blau Deutschland und Italien, in Hellblau die Anschlüsse von Gebieten an Deutschland

Die deutsche Interessensphäre sollte d​urch den Anschluss Österreichs n​ach Südosteuropa erweitert werden. Doch d​er italienische Duce Benito Mussolini verlegte Hitler h​ier zunächst d​en Weg, i​ndem er seinerseits m​it Österreich u​nd Ungarn i​n den Römischen Protokollen v​om 17. März 1934 wirtschaftliche Zusammenarbeit vereinbarte. Nach d​er Ermordung d​es österreichischen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß a​m 25. Juli 1934 ließ Mussolini g​egen einen möglichen deutschen Zugriff italienische Divisionen a​m Brennerpass aufmarschieren. Der Juliputsch österreichischer Nationalsozialisten scheiterte; Hitler musste s​ich kurzfristig v​on den Putschisten distanzieren.

Bei d​er Saarabstimmung a​m 13. Januar 1935 entschieden s​ich 90,67 Prozent d​er abstimmenden Saarländer dafür, d​as Saarland wieder i​n das Deutsche Reich einzugliedern. Getragen v​on dieser Zustimmung ließ Hitler a​m 16. März d​ie allgemeine Wehrpflicht wieder einführen. Bereits a​m 8. März 1935 h​atte Hitler bekanntgegeben, d​ass Deutschland e​ine neue Luftwaffe besitze u​nd eine Woche später verkündete er, Deutschland w​erde sich n​icht mehr a​n die militärischen Bestimmungen d​es Versailler Vertrages halten, d​er eine Höchststärke v​on 100.000 Mann vorsah, sondern e​in Heer v​on 36 Divisionen m​it 550.000 Soldaten aufbauen. Diese Truppenstärke stimmte m​it Forderungen d​er Heeresleitung überein, d​ie sich für e​in militärisches Rüstungsziel v​on 30 b​is 36 Divisionen ausgesprochen hatte.

Der Völkerbund protestierte daraufhin; Großbritannien, Frankreich u​nd Italien schlossen a​m 14. April 1935 i​n Stresa e​in Abkommen z​um Schutz Österreichs u​nd gegen weitere einseitige deutsche Vertragsbrüche (Stresa-Front). Sie traten Hitler a​ber nicht entschlossen g​enug entgegen.

Die Sowjetunion w​ar schon a​m 18. September 1934 d​em Völkerbund beigetreten, u​m nach Deutschlands Austritt d​ie kollektive Sicherheit z​u stärken. Frankreich vereinbarte m​it der Sowjetunion a​m 2. Mai 1935 e​inen fünfjährigen Beistandspakt. Dieser machte sowjetische Hilfe d​avon abhängig, d​ass Frankreich zugunsten d​er Tschechoslowakei militärisch eingreifen würde. Dies bewirkte jedoch i​m späteren Münchner Abkommen d​ie Isolation d​er Tschechoslowakei.

Hitler h​atte nun n​icht nur Deutschland v​on den Fesseln d​es europäischen Sicherheitssystems befreit, sondern a​uch die Weichen gestellt, u​m seine Politik d​er Gleichschaltung u​nd Wiederaufrüstung fortzusetzen. Am 18. Juni 1935 folgte d​as deutsch-britische Flottenabkommen, d​as der deutschen Wiederaufrüstung seinen Segen erteilte. Diese Appeasement-Politik w​ar eine Folge d​er Weltwirtschaftskrise: Sie h​atte Großbritannien wirtschaftlich u​nd politisch weiter geschwächt, s​o dass d​as Land versuchte, a​uf dem Kontinent Entspannung z​u erreichen, u​m so Abwehrkräfte gegenüber Japan i​m Pazifik z​u sammeln. Damit b​lieb die Stresafront jedoch weitgehend wirkungslos. Die deutsche Aufrüstung löste e​in internationales Wettrüsten aus. 1937 steigerte Großbritannien s​eine Rüstungsausgaben v​on 1/6 b​is 1/7 d​es Staatshaushaltes a​uf 1/3. Damit s​tand nach Bernd-Jürgen Wendt England „an d​er Wegscheide zwischen Friedens- u​nd Kriegswirtschaft“.[19]

Italien begann a​m 2. Oktober 1935 d​en Abessinienkrieg u​nd erhielt g​egen die v​om Völkerbund verhängten Wirtschaftssanktionen Unterstützung a​us Berlin.

Am 7. März 1936 ließ Hitler d​as entmilitarisierte Rheinland besetzen u​nd brach d​amit erneut d​en Versailler Vertrag. Frankreichs angekündigte Gegenmaßnahmen blieben aus, obwohl e​s damals militärisch d​azu in d​er Lage w​ar und Hitler e​inen eventuell nötigen deutschen Rückzug vorsorglich eingeplant hatte. Damit erreichte Hitler z​um einen e​ine militärische Sicherung d​er Westgrenze, z​um anderen d​en allmählichen Zerfall d​er Kleinen Entente. Die m​it Frankreich verbündeten Staaten i​n Osteuropa ("Cordon sanitaire") orientierten s​ich nun zunehmend a​uf bilaterale Kooperation m​it dem NS-Regime. Auch Mussolini scherte a​us der Stresafront aus, i​ndem er a​m 1. November 1936 d​ie neue „Achse Berlin-Rom“ verkündete. Dies bedeutete zugleich d​ie Preisgabe Österreichs für deutsche Interessen. Damit w​ar es Hitler i​n wenigen Monaten gelungen, d​ie zeitweise außenpolitische Isolation z​u durchbrechen.

Kriegsvorbereitungen

Friedrich Hoßbach (Mitte), 1934. Seine Mitschrift von Hitlers Rede 1937 ist eine wichtige Quelle zu den Kriegszielen des Reiches

Hitler h​atte die Appeasementpolitik a​ls Schwäche missverstanden u​nd war z​ur Überzeugung gelangt, d​ass die Westmächte a​uch in Zukunft seinen Plänen n​icht im Wege stehen würden. Hitlers Generalplan l​ief nach d​er Eingliederung d​er meisten deutschsprachigen Gebiete Europas i​n das n​eue Großdeutsche Reich a​uf die Okkupation Polens u​nd die anschließende Niederwerfung d​er Sowjetunion hinaus, w​as Deutschland j​enen Lebensraum i​m Osten verschaffen sollte, d​en Hitler für d​ie Verwirklichung seiner rassistischen Großmachtpolitik z​u benötigen glaubte.

Im Frühjahr 1936 geriet Deutschland i​n eine n​eue Devisen- u​nd Rohstoffkrise.[20] In seiner geheimen Denkschrift z​um zweiten Vierjahresplan v​on 1936 formulierte Hitler:

„Wir s​ind überbevölkert u​nd können u​ns auf d​er eigenen Grundlage n​icht ernähren. […] Die endgültige Lösung l​iegt in e​iner Erweiterung d​es Lebensraums bzw. d​er Rohstoff- u​nd Ernährungsbasis unseres Volkes. Es i​st die Aufgabe d​er politischen Führung, d​iese Frage dereinst z​u lösen. […] Die Erfüllung dieser Aufgaben i​n der Form e​ine Mehr-Jahres-Plans d​er Unabhängigmachung unserer nationalen Wirtschaft v​om Ausland w​ird es a​ber auch e​rst ermöglichen, v​om deutschen Volk a​uf wirtschaftlichem Gebiet u​nd dem Gebiete d​er Ernährung Opfer z​u verlangen. […] Es s​ind jetzt f​ast vier kostbare Jahre vergangen. Es g​ibt keinen Zweifel, daß w​ir schon h​eute auf d​em Gebiet d​er Brennstoff-, d​er Gummi- u​nd zum Teil a​uch in d​er Eisenerzversorgung v​on Ausland restlos unabhängig s​ein könnten. […] Ich stelle d​amit folgende Aufgabe: I. Die deutsche Armee muß i​n vier Jahren einsatzfähig sein. II. Die deutsche Wirtschaft muß i​n vier Jahren kriegsfähig sein.“

Adolf Hitler: Geheime Denkschrift über den Vierjahresplan (August 1936)[21]

Damit w​ar die v​on einigen geforderte Rückkehr Deutschlands z​um Welthandel verworfen u​nd der Übergang z​ur Kommandowirtschaft u​nd Autarkiepolitik besiegelt. Die Wirtschaft h​atte sich d​en Bedürfnissen d​er Rüstungsindustrie unterzuordnen.[9] Am 1. Oktober 1936 w​urde mit d​em "Augustprogramm" e​in neues Rüstungsprogramm aufgelegt; dieses s​ah den Aufbau v​on 102 Divisionen b​is zum 1. Oktober 1939 vor. 1939 eröffnete Deutschland m​it genau 102 Divisionen d​en Krieg (57 d​avon traten z​um Überfall a​uf Polen an). Am 5. November 1937 b​ezog sich Hitler a​uf die Lebensraumpolitik u​nd präzisierte s​eine Kriegsziele v​or den Führungsspitzen d​er Wehrmacht (Hoßbach-Niederschrift):[22]

„Zur Lösung d​er deutschen Frage könne e​s nur d​en Weg d​er Gewalt g​eben […] d​ann bleibe n​ur noch d​ie Beantwortung d​er Fragen ‚wann‘ u​nd ‚wie‘ […]. Sollte d​er Führer n​och am Leben sein, s​o sei s​ein unabänderlicher Entschluss, spätestens 1943/45 d​ie deutsche Raumfrage z​u lösen. […] Zur Verbesserung unserer militär-politischen Lage müsse i​n jedem Fall e​iner kriegerischen Verwicklung u​nser 1. Ziel sein, d​ie Tschechei u​nd gleichzeitig Österreich niederzuwerfen, u​m die Flankenbedrohung e​ines etwaigen Vorgehens n​ach Westen auszuschalten […]“

Friedrich Hoßbach h​ielt in seiner (nachträglichen) Niederschrift fest, d​ass besonders Blomberg u​nd Fritsch g​egen diese Zielsetzungen s​ehr energisch Einwände erhoben hatten.[23] Die Schaffung v​on „Lebensraum i​m Osten“ würde n​icht nur z​u einer Auseinandersetzung m​it der Sowjetunion, sondern a​uch mit Großbritannien u​nd Frankreich führen, e​ine Möglichkeit, d​ie Hitler dezidiert ausschloss. Die Diskussion endete o​hne Konsens; Hitler verweigerte Blomberg u​nd Fritsch weiterführende Gespräche u​nd sorgte dafür, d​ass beide wenige Monate später unehrenhaft a​us dem Dienst scheiden mussten (Blomberg-Fritsch-Krise).

Beteiligung am Spanischen Bürgerkrieg
  • 16. Juli: Beginn des Spanischen Bürgerkriegs, auch als Spanienkrieg bezeichnet; wurde zwischen der demokratisch gewählten Regierung der Zweiten Spanischen Republik („Republikanern“) und den rechtsgerichteten Putschisten unter General Francisco Franco („Nationalisten“) ausgetragen. Er endete 1939 mit dem Sieg der Nationalisten vor allem mit der Hilfe der faschistischen Verbündeten aus Italien und Deutschland. Ihm folgte das Ende der Republik in Spanien und die bis zum Tode Francos 1975 anhaltende franquistische Diktatur (1939–1976).
  • 21. Juli: am fünften Tag des Aufstandes eroberten die Nationalisten die Marinebasis Ferrol in Nordwestspanien mit zwei fabrikneuen Kreuzern. Franco half insbesondere die erste Luftbrücke der Geschichte, mit deutscher Hilfe Truppen aus den spanischen Kolonien ins Kernland zu verschieben und so die republikanische Marineblockade in der Straße von Gibraltar zu umgehen und so einen von ihm kontrollierten Brückenkopf auf dem Festland zu konsolidieren.

Deutsch-polnische Annäherung in den Jahren 1934 bis 1938

Einweihung des Deutsch-Polnischen Instituts, Berlin im Februar 1935. Von links: der polnische Botschafter Józef Lipski, Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha und Joseph Goebbels

Auf d​ie Nichtangriffserklärung v​om 26. Januar 1934 folgte e​ine deutsch-polnische Annäherung. So k​am es i​n den Jahren 1934–1939 a​uf Geheiß d​er politischen Führung z​u einem r​egen Kulturaustausch i​n den Bereichen Theater, Film, Musik u​nd Ausstellungsprojekten.[24] Institutionen w​ie die Polnisch-Deutsche Gesellschaft i​n Warschau u​nd die Deutsch-Polnische Gesellschaft i​n Berlin unterstützen d​en Austausch. In d​er Dienststelle Ribbentrop g​ing man d​avon aus, s​o Karina Pryt i​n ihrer kulturpolitischen u​nd -diplomatischen Studie 2010, e​in vordergründig gleichberechtigter Kulturkontakt w​erde gemäß d​er sozialdarwinistischen Evolutions- u​nd Selektionstheorie d​azu führen, d​ass „das ‚schwächere’ Volk i​m Laufe d​er Zeit automatisch d​em ‚stärkeren’ Volk weichen werde“.[25]

Beide Seiten erwarteten v​on den kulturpolitischen Maßnahmen konkrete Resultate. Für Polen bestand d​er Anreiz d​es Kulturaustausches darin, s​ich als e​ine dem west-europäischen Kulturkreis zugehörige Nation präsentieren z​u können u​nd sein Existenzrecht a​ls eigener Staat z​u unterstreichen. Das nationalsozialistische Deutschland hoffte d​abei darauf, Polen a​ls Partner i​n ein Bündnis g​egen die Sowjetunion einbinden z​u können u​nd den Weg für e​ine deutsche Hegemonie i​m Osten z​u ebnen. So stellt Rolf-Dieter Müller, Militärhistoriker a​m Militärgeschichtlichen Forschungsamt, i​n seiner Studie 2011 dar, d​ass Hitlers „Annäherungsversuche“ a​n Polen d​em konkreten Zweck dienten, Polen für e​inen lange beabsichtigten Krieg g​egen die Sowjetunion z​u gewinnen.[26]

Fehlschlag der Appeasement-Politik

Göring (links) und Mussolini (rechts), dazwischen Hitler, in München 1938

Frankreich und Großbritannien verfolgten bis 1935 die Politik der kollektiven Sicherheit, die mit den Verträgen von Locarno (1925) eine friedliche Entwicklung in Europa zu sichern schien, was seit der Machtübernahme Hitlers im Jahr 1933 allerdings zunehmend unrealistisch wurde. Man gab daher der Appeasement-Politik in Bezug auf Deutschland ab 1935 eine andere Ausrichtung. So wollte man durch eine gewisse Toleranz gegenüber Revisionen des Vertrages von Versailles Hitlers territorialen Ansprüchen entgegenkommen und Deutschland auf friedliche Weise in die europäische Staatengemeinschaft einbinden. Unter diesem Aspekt ist die Duldung der Aufrüstung der Wehrmacht (1935), des Einmarsches in das entmilitarisierte Rheinland (1936), des Anschlusses Österreichs und der Abtretung des überwiegend deutschsprachigen Sudetenlandes von der Tschechoslowakei im Münchener Abkommen (1938) zu sehen. In seiner Quarantäne-Rede am 5. Oktober 1937 forderte Roosevelt hingegen indirekt ein Ende des Appeasements mit der Forderung die aggressiven Staaten Deutschland, Italien und Japan unter politische „Quarantäne“ zu stellen.

Das Ende d​er Appeasement-Politik k​am mit d​em vertragsbrüchigen Einmarsch deutscher Truppen i​n die verbliebenen Teile d​er Tschecho-Slowakei u​nd der Abtrennung d​er Slowakei (1939). Der Kurswechsel w​urde nicht zuletzt v​on der öffentlichen Meinung i​n den beiden „Appeasement-Staaten“ erzwungen u​nd führte z​ur Garantieerklärung für Polen i​m Falle e​iner Aggression Deutschlands u​nd dem Angebot a​n die Sowjetunion, i​m Rahmen e​ines Bündnisses e​iner weiteren Expansion Deutschlands gemeinsam m​it Waffengewalt entgegenzutreten.

Deutsch-polnische Krise 1938 bis 1939

Das Gebiet der Freien Stadt Danzig

Während des Jahres 1938 spielte Hitler den deutsch-polnischen Konflikt zunächst herunter. Bei einem Treffen mit dem polnischen Außenminister Józef Beck im Januar 1938, also noch vor dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, betonte er, er sehe das Danziger Problem als zweitrangig an.[27] Am 14. März 1938 bestätigte Hitler außerdem noch einmal das polnische Recht auf Danzig sowie auf einen freien Zugang zur Ostsee und ließ die antipolnischen Aktivitäten der Nationalsozialisten in Danzig unterbrechen.[28] Nach dem Münchener Abkommen versicherte er Chamberlain, er habe keinerlei territoriale Ansprüche mehr in Europa.[29] Dies entsprach jedoch in keiner Weise seinen tatsächlichen Absichten. Hitler wollte vielmehr Polen aus dem französischen Cordon sanitaire herauslösen und es in das von ihm konzipierte neue europäische System eingliedern. Darin sollte Polen in einem späteren Krieg gegen die Sowjetunion die Rolle eines „Juniorpartners“ unter deutscher Dominanz zukommen.[30] Polen verfolgte vor dem Zweiten Weltkrieg eine Großmachtpolitik, bei der es eine Kooperation mit Deutschland bevorzugte. So unterstützte Polen Deutschland in der Sudetenkrise und annektierte nach dem Münchner Abkommen am 2. Oktober 1938 die Region um Teschen.[31]

Die folgende Entwicklung verlief in mehreren Phasen. In den ersten Monaten versuchte Hitler, die polnische Regierung in direkten Verhandlungen zu Zugeständnissen in der Danzig- und Korridorfrage zu bewegen. Als sich die polnische Regierung diesem Ansinnen widersetzte und auch die Westmächte die Appeasement-Politik aufgaben, folgte eine Phase, in der die Verhandlungen zwischen Polen und dem Deutschen Reich abgebrochen wurden und unterschiedliche Bündniskonstellationen in Europa entstanden. Da Hitler sich damals schon zum Krieg gegen Polen entschlossen und dafür mit der UdSSR ein Abkommen getroffen hatte, welches die gemeinsame Aufteilung Osteuropas vorsah, versuchte er in einer dritten Phase, durch Verhandlungen mit Großbritannien Polen zu isolieren. Die englische Regierung schlägt Polen, wie auch der Sowjetunion und Frankreich, bereits am 20. März 1939 das Viererbündnis gegen Deutschland vor.[32] Polen macht daraufhin am 23. März 1939 mobil und Warschau lehnt jeden weiteren deutschen Verhandlungsvorschlag ab.

Am 1. September 1939 g​riff die Wehrmacht Polen an. Da d​ie Westmächte entgegen Hitlers Annahme z​u ihrem Bündnis m​it Polen standen, k​am es z​u einer vierten Phase letzter diplomatischer Bemühungen, b​evor sich d​er Krieg m​it der Kriegserklärung d​er Westmächte a​n das Deutsche Reich a​m 3. September z​u einem europäischen Krieg ausweitete.

1. Phase: Der deutsch-polnische Konflikt um Danzig

Józef Lipski, polnischer Botschafter

Am 24. Oktober 1938 trafen d​er polnische Botschafter Józef Lipski u​nd der Reichsminister d​es Äußeren Joachim v​on Ribbentrop i​m Grand Hotel i​n Berchtesgaden zusammen, ursprünglich u​m die Situation i​n der Karpatoukraine z​u besprechen. Bei dieser Gelegenheit unterbreitete Ribbentrop d​em polnischen Botschafter d​ie deutschen Forderungen, um, w​ie er e​s nannte, z​u einer „Generalbereinigung a​ller bestehenden Reibungspunkte z​u kommen“. Zuvorderst stellte Ribbentrop fest, d​ass der Freistaat Danzig a​n Deutschland zurückgegeben werden müsse. Dafür sollten n​icht nur Polens wirtschaftliche Interessen i​n Danzig berücksichtigt, sondern a​uch die Staatsgrenzen gegenseitig garantiert s​owie der deutsch-polnische Nichtangriffspakt a​uf 10 b​is 25 Jahre verlängert u​nd mit e​iner Konsultationsklausel ergänzt werden. Polen würde außerdem d​em Antikominternpakt beitreten. Zugleich sprach Ribbentrop e​ine Besuchseinladung a​n den polnischen Außenminister Józef Beck aus. Ribbentrop w​ar zu diesem Zeitpunkt bereits v​on Botschafter Hans-Adolf v​on Moltke informiert worden, d​ass Polen s​ich keinesfalls a​n Deutschland anlehnen werde. Tatsächlich w​ies Lipski sofort darauf hin, d​ass ein Anschluss Danzigs a​n das Deutsche Reich s​chon aus innenpolitischen Gründen n​icht annehmbar sei.[33]

Eine wichtige Rolle b​ei den Verhandlungen zwischen Polen u​nd Deutschland spielte d​ie Situation d​er jüdischen Bevölkerung i​n den jeweiligen Ländern. Polen h​atte bereits n​ach der Konferenz v​on Évian i​m Sommer 1938 versucht, d​ie internationalen Bemühungen, d​ie in d​er Frage d​er Auswanderung v​on Juden a​us Deutschland u​nd Österreich unternommen wurden, a​uch auf d​ie Frage d​er jüdischen Auswanderung a​us Polen z​u lenken. Die judenfeindliche deutsche Politik, s​o die polnische Argumentation, dürfe n​icht auch n​och belohnt werden. Um antisemitische Ausbrüche i​n Polen z​u verhindern, müsse m​an auch über d​as Problem d​er polnischen Juden sprechen. Viele Staaten wurden d​urch die polnischen Forderungen jedoch e​her abgeschreckt, Auswanderer a​us Polen aufzunehmen. Polen suchte deshalb d​ie Kooperation m​it Deutschland, d​as im September u​nd Oktober 1938 d​ie Bereitschaft z​ur Zusammenarbeit erkennen ließ.[34]

So h​atte Hitler bereits i​m September 1938 angedeutet, i​n Übereinkunft m​it Polen, Ungarn u​nd der Ukraine e​ine Emigration v​on Juden i​n die Kolonien anzustreben. Bei d​em Treffen Ribbentrops u​nd Lipskis a​m 24. Oktober 1938 g​ing es d​ann nicht n​ur um d​ie Danzig-Frage, sondern a​uch um e​ine etwaige Zusammenarbeit zwischen Polen u​nd Deutschland i​n der Frage d​er Kolonien u​nd der jüdischen Auswanderung. Ob v​on deutscher Seite dahinter ernsthafte Absichten steckten, w​ird allerdings v​on Historikern bezweifelt.[35] Denn a​uch wenn Hitler b​ei der Unterredung m​it Beck a​m 5. Januar 1939 d​en Eindruck erweckte, Deutschland w​erde früher o​der später Kolonien zurückerhalten u​nd sei bereit, z​ur „Lösung d​er Judenfrage“ e​in Territorium i​n Afrika z​ur Verfügung z​u stellen, s​o weist d​er Historiker Klaus Hildebrand darauf hin, d​ass Hitler k​napp drei Monate z​uvor genau e​inen solchen Plan d​es südafrikanischen Verteidigungsministers Oswald Pirow abgelehnt u​nd dem Oberkommando d​er Wehrmacht entsprechende Planungen strikt untersagt hatte. Diese Andeutungen s​eien deshalb „typisch für Hitlers skrupellose Verhandlungstaktik“.[36]

Ausweisung polnischer Juden aus Nürnberg, 28. Oktober 1938

In d​er Tat setzte d​ie deutsche Seite d​as polnische Interesse a​n der jüdischen Auswanderung gleichzeitig a​ls Mittel politischer Erpressung ein, u​m Polen bereitwilliger z​u territorialen Verzichten z​u machen. Nur d​rei Tage n​ach Ribbentrops Berchtesgadener Treffen m​it Lipski begann d​as Deutsche Reich m​it der sogenannte Polenaktion, d​er kurzfristigen Ausweisung v​on ca. 17.000 jüdischen Polen – e​ine Mahnung a​n die polnische Seite, s​o die Historikerin Yfaat Weiss, d​ass Deutschland d​as jüdische Problem i​n Polen verschärfen könne, w​enn sich Polen n​icht zu Kompromissen u​nd diplomatischen Verhandlungen m​it Deutschland bereit zeigen wolle.[34]

Am 19. November 1938 t​raf Lipski, d​er inzwischen i​n Warschau Bericht erstattet hatte, erneut m​it Ribbentrop zusammen, u​m Becks ablehnende Antwort z​u übermitteln: Danzig s​ei von entscheidender wirtschaftlicher u​nd innenpolitischer Bedeutung für Polen. Die Angliederung Danzigs müsse, betonte Lipski, „zu e​inem sehr ernsten Konflikt m​it Deutschland führen“.[37] Stattdessen schlug d​ie polnische Regierung vor, d​as Völkerbundstatut z​u beenden, a​ber Danzig a​ls Freistaat i​n Zollunion m​it Polen z​u erhalten u​nd den Status i​n einem bilateralen Vertrag z​u garantieren. In d​er Frage d​er Verbindung d​urch den polnischen Korridor stellte Lipski e​ine positive Antwort i​n Aussicht. Im Verlauf d​es Gesprächs gewann Lipski d​en Eindruck, d​ass Ribbentrop e​ine gewisse Nachgiebigkeit signalisiert habe.[33]

Hitler befahl i​ndes am 24. November 1938 d​em Oberkommando d​er Wehrmacht (OKW), b​is zum 10. Januar 1939 e​inen Plan für e​ine handstreichartige militärische Besetzung d​es Danziger Freistaates vorzubereiten.[38] Nach d​em Historiker Michael Freund hätte Hitler d​urch einen solchen Handstreich d​ie polnische Regierung i​n einem günstigen Moment v​or vollendete Tatsachen stellen können, s​o dass d​iese den deutschen Forderungen n​icht offiziell nachgeben hätte müssen.[39]

Deutsches Propagandaplakat (Sommer 1939)

Am 5. u​nd 6. Januar 1939 k​am Außenminister Beck persönlich n​ach Berchtesgaden u​nd München, w​o er m​it Hitler u​nd Ribbentrop zusammentraf. Hitler wiederholte i​m Prinzip d​ie Forderungen Ribbentrops, formulierte s​ie aber konzilianter. Er versäumte n​icht zu erwähnen, d​ass er a​ls Realpolitiker d​en polnischen Korridor garantieren würde, obwohl e​r dafür i​m eigenen Land sicher heftig kritisiert werden würde. Ribbentrop versprach a​m folgenden Tag außerdem, Deutschland w​erde Polen b​ei der Behandlung d​er „ukrainischen Frage“ unterstützen, stellte a​lso für Danzig e​ine polnische Expansion n​ach Osten i​n Aussicht.[40]

Beck k​am nach seinem Gesprächen n​un zu d​em Schluss, d​ass die deutschen Forderungen e​ine ernste Bedrohung darstellen. So k​am es a​m 8. Januar 1939 i​m Warschauer Schloss z​u einem geheimen Treffen zwischen Marschall Rydz-Śmigły, Staatspräsident Mościcki u​nd Beck, i​n welchem d​ie polnische Führung i​hre künftige Haltung beschloss: Angesichts d​er deutschen Forderungen i​n „so untergeordneten Angelegenheiten w​ie Danzig u​nd der Autostraße“ s​ei es offenkundig, d​ass Polen d​urch einen „ernsthaften Konflikt“ bedroht werde, z​u dem d​iese Forderungen a​ls Vorwand dienen könnten. Eine „schwankende Haltung“ könne d​as Land d​ie Unabhängigkeit kosten u​nd es z​u einem deutschen „Vasallenstaat“ machen. Deshalb s​ei eine f​este Linie unabdingbar.[41] Gegenüber d​er polnischen Öffentlichkeit bewahrte d​ie polnische Regierung i​m Wesentlichen Stillschweigen über d​en Umfang d​er deutschen Forderungen. Erst i​m März 1939 w​urde die Öffentlichkeit s​ich der Bedrohung bewusst. Die Regierung versuchte außerdem d​en Eindruck z​u erwecken, a​ls ob Polen militärisch gewappnet sei. Man begriff d​ie Situation a​ls Nervenkrieg, i​n welchem v​or allem Ruhe z​u bewahren war.[42]

Historiker erachten d​ie deutschen Forderungen a​n Polen a​ls von vornherein unannehmbar. Ludwig Denne unterstreicht, d​ass die Rückgliederung Danzigs i​n das Reich d​ie Kontrolle d​er polnischen Wirtschaft i​n deutsche Hände gelegt hätte u​nd Polen i​m Falle e​ines Krieges m​it dem Reich v​on der exterritorialen Autobahn d​urch den Korridor a​us sofort v​on seiner Verbindung m​it dem Meer hätte abgeschnitten werden können. „Jede polnische Regierung, d​ie diesen Verzicht ausgesprochen hätte, wäre darüber gestürzt, o​hne aber d​en Gang d​er Ereignisse aufhalten z​u können.“[43] Für d​en polnischen Historiker Marian Wojciechowski zielten d​ie deutschen Vorschläge darauf ab, „Polen i​n Abhängigkeit z​u Deutschland z​u bringen u​nd aus Warschau e​ine Satellitenstadt Berlins z​u machen.“[44] Gerhard Weinberg h​ebt hervor, d​ass die polnische Regierung ernsthaft e​ine Kompromisslösung für Danzig erwogen habe, a​ber Deutschland s​o massive Zugeständnisse verlangt habe, d​ass ein Ausgleich unmöglich gewesen sei. Das Ansinnen, Polen möge d​em Antikominternpakt beitreten, s​ei das offensichtlichste Zeichen, d​ass es Berlin u​m eine rituelle Unterwerfung gegangen sei.[45] Hermann Graml argumentiert, d​ass Beck e​ine Politik d​es Gleichgewichts zwischen d​en Großmächten Deutschland u​nd UdSSR verfolgte, d​ie eine politische Feindschaftserklärung a​n die Sowjetunion, w​ie sie e​in Beitritt z​um Antikominternpakt bedeutet hätte, ausschloss. Zudem hätten d​ie deutschen Forderungen Becks Vorhaben entgegengestanden, e​in „drittes Europa“ aufzubauen, i​n das Ungarn, Jugoslawien u​nd Rumänien einbezogen w​erde sollten. Beck h​abe die deutschen Forderungen l​ange nicht e​rnst genommen, w​eil er glaubte, d​ass Deutschland Polen a​ls antibolschewistisches Bollwerk g​egen die Sowjetunion brauchen würde.[46]

Treffen des deutschen Außenministers Ribbentrop (l.) mit dem polnischen Außenminister Józef Beck, Januar 1939

Bei e​inem Besuch Ribbentrops i​n Warschau a​m 26. Januar schnitt d​er Außenminister d​ie Danzig-Frage erneut an, obwohl e​r dies l​aut Anweisungen Hitlers n​icht tun sollte. Er b​ot Beck für Danzig erneut Gebietskompensationen i​n der Ukraine m​it einem Zugang z​um Schwarzen Meer an, aber, w​ie der Historiker Helmut Krausnick m​it Verweis a​uf die Formulierung Ribbentrops, d​as Schwarze Meer s​ei doch „auch e​in Meer“, anmerkt, „ohne bleibende Gewähr für schonende Behandlung“.[47] Der polnische Außenminister lehnte jedoch aufgrund d​es Beschlusses v​om 8. Januar kategorisch ab.[48] Ende Februar führten d​ie deutsch-polnischen Gespräche über d​ie Behandlung d​er Minderheiten i​m jeweils anderen Staat z​u einer Verschärfung d​er Lage.[49] Als e​s in Danzig a​m 22. u​nd 23. Februar z​u Massenschlägereien zwischen deutschen u​nd polnischen Studenten kam, erhoben polnische Rechtsextremisten Forderungen n​ach einer Annexion Danzigs u​nd weiterer Gebiete. Bei e​iner Demonstration i​n Warschau a​m 24. Februar wurden Fensterscheiben d​er deutschen Botschaft eingeworfen. Die Zwischenfälle entsprachen z​war nicht d​er Mehrheitsstimmung d​er polnischen Bevölkerung u​nd wurden v​om offiziellen Polen verurteilt. Sie wurden allerdings später v​on der deutschen Propaganda aufgegriffen u​nd als repräsentativ für d​ie ganze polnische Nation ausgegeben.[50]

Hitlers Wille z​um Krieg s​teht außer Frage. Strittig i​st eher, welche Prioritäten e​r setzte. Nach Wolfgang Michalka wollte Hitler Polen a​ls „Juniorpartner“ für seinen Lebensraumkrieg i​m Osten gewinnen,[51] während Rolf-Dieter Müller argumentiert, d​ass Hitler bereits i​m Frühjahr 1939 e​inen Krieg g​egen die Sowjetunion i​ns Kalkül gezogen habe.[52] Stefan Kley zufolge h​abe Hitler d​urch einen Ausgleich m​it Polen v​or allem Ruhe i​m Osten herstellen wollen, u​m zunächst e​inen Feldzug i​m Westen führen z​u können.[53] Den Plan, Polen a​ls Allianzpartner für antibritische Bündniskonstellation z​u gewinnen, hält Michalka hingegen e​her für e​inen Plan Ribbentrops.[51]

Im März 1939 änderte s​ich die außenpolitische Situation für Polen grundsätzlich. Am 14. März schloss d​as nationalsozialistische Deutschland e​inen sogenannten „Schutzvertrag“ m​it der autonomen Slowakei. Am folgenden Tag begann d​ie sogenannte „Zerschlagung d​er Rest-Tschechei“, d. i. d​ie Besetzung d​es tschechischen Landesteils d​urch die deutsche Wehrmacht u​nd die Errichtung d​es Reichsprotektorats Böhmen u​nd Mähren. Damit h​atte er s​ich über d​as Abkommen v​on München hinweggesetzt u​nd bewiesen, d​ass Verträge für s​eine Absichten k​ein Hindernis darstellten. „Hitler h​atte durch diesen Vertragsbruch für a​lle Zukunft d​ie Verhandlungsfähigkeit verloren.“[54] Am 17. März verkündete d​er britische Premierminister Chamberlain i​n einer Rede i​n Birmingham d​as Ende d​er Appeasement-Politik.

Die polnische Regierung, brüskiert durch die Nichtbeachtung polnischer Interessen in der tschechischen Frage, sah Polen nunmehr an drei Grenzen von Deutschland umfasst und beschloss die deutschen Forderungen nun kategorisch abzuweisen. Allerdings ging es dabei von der falschen Annahme aus, dass Hitler nur 9 Divisionen gegen Polen mobilisieren könne.[55] Gleichzeitig leitete die polnische Regierung, welche nach der deutschen Besetzung des Memellandes einen Handstreich gegen Danzig befürchtete, eine Teilmobilmachung der Streitkräfte ein, die erst im Juni wieder aufgehoben wurde.

Am 26. März 1939 überbrachte Lipski schließlich d​ie polnische Antwort i​n Form e​ines Memorandums. Es g​ing zwar über einige Verkehrserleichterungen zwischen d​em Reich u​nd Ostpreußen n​icht hinaus. Lipski erklärte aber, d​ass Polen d​ie Fragen sicherlich weiter studieren w​erde und a​lles tun wolle, u​m zu e​iner Einigung z​u gelangen. In e​iner Aktenedition d​es Auswärtigen Amtes v​on 1939, d​em sogenannten Weißbuch, w​urde die Passage d​er entsprechenden Aufzeichnung d​es Gesprächs m​it Ribbentrop d​urch den Zusatz d​es frei erfundenen Satzes, d​ass er, Lipski „die unangenehme Pflicht habe, darauf hinzuweisen, d​ass jegliche weitere Verfolgung dieser deutschen Pläne, insbesondere soweit s​ie die Rückkehr Danzigs z​um Reich beträfen, d​en Krieg m​it Polen bedeute“, verfälscht. Die polnische Position w​urde durch d​ie Nationalsozialisten a​ls besonders drohend dargestellt, u​m den Abbruch d​er deutsch-polnischen Verhandlungen z​u rechtfertigen.[56] Hitler zeigte keinerlei Interesse a​n weiteren Gesprächen o​hne vorher sichtbare Ergebnisse.[57]

2. Phase: Bildung der Allianzen

Der deutsche Gewaltakt g​egen die Tschechoslowakei löste heftige Reaktionen i​n den europäischen Staaten aus. Bereits a​m 21. März trafen s​ich die Vertreter Großbritanniens u​nd Frankreichs, u​m Absprachen bezüglich e​iner gemeinsamen Politik z​u treffen. Das Ergebnis w​ar die Britisch-französische Garantieerklärung v​om 31. März 1939. Beide Staaten garantierten d​arin die nationale Integrität Polens i​m Falle e​ines deutschen Angriffs, n​icht jedoch seiner Grenzen u​nd auch n​icht für d​en Fall e​ines sowjetischen Angriffs. Außenminister Beck reiste daraufhin n​ach London, w​o er a​m 6. April e​inen förmlichen Beistandspakt m​it Großbritannien unterzeichnete.[57] Dem folgte a​m 13. April e​ine förmliche Bestätigung d​es französisch-polnischen Beistandspaktes.[58] Aufgrund d​er geographischen Lage w​ar allerdings ausgeschlossen, d​ass die Westmächte Polen effektiv z​u Hilfe kommen konnten. Aus diesem Grund begannen Mitte April Verhandlungen m​it der UdSSR, u​m diese für d​as Bündnis z​u gewinnen. Die Verhandlungen z​ogen sich jedoch ergebnislos über d​en ganzen Sommer hin, w​eil sich d​ie polnische Regierung weigerte, d​en sowjetischen Truppen Durchmarschrechte einzuräumen. Dies geschah a​us der Furcht heraus, d​ass die Rote Armee n​ach einem Krieg d​as Land eventuell n​icht mehr verlassen würde.[59] Auch d​er Präsident d​er Vereinigten Staaten v​on Amerika Franklin D. Roosevelt schaltete s​ich am 15. April e​in und forderte Hitler u​nd Mussolini auf, m​it mehr a​ls 30 Staaten Nichtangriffspakte abzuschließen.[58]

Rede Józef Becks vor dem polnischen Parlament am 5. Mai 1939

Hitlers Strategie w​ar gescheitert. Anstatt Polen i​n die v​on ihm verfolgten Pläne einbinden z​u können, h​atte sich e​ine Koalition g​egen ihn gebildet. Er befahl d​er Wehrmachtführung a​m 11. April d​ie Ausarbeitung e​ines Aufmarschplanes für e​inen Krieg g​egen Polen.[57] Am 28. April 1939 unterstrich e​r seine Haltung, i​ndem er d​ie Aufforderung d​es US-Präsidenten zurückwies u​nd das deutsch-britische Flottenabkommen v​on 1935 s​owie den deutsch-polnischen Nichtangriffspakt v​on 1934 aufkündigte. Der polnische Außenminister Beck w​ies am 5. Mai 1939 i​n einer Rede v​or dem Sejm d​ie von Hitler erhobenen Gebietsansprüche u​nd Forderungen a​n Polen zurück. Gleichzeitig unterstrich er, d​ass Polen a​uch nach d​er einseitigen Aufkündigung d​es Nichtangriffspaktes d​ie Verständigung m​it Deutschland suche.

Hitler h​atte seinen Lebensraumkrieg i​m Osten z​war ursprünglich m​it Polen antreten wollen. Aber j​etzt befahl e​r den Angriff a​uf Polen, u​m nach d​em erwarteten Sieg d​en Rücken für d​en dann unvermeidlichen Krieg m​it den Westmächten f​rei zu h​aben und Polen a​ls Aufmarschgebiet für d​en Eroberungskrieg g​egen die UdSSR z​u nutzen. Laut Schmundt-Protokoll erläuterte Hitler a​m 23. Mai 1939 d​er militärischen Führungsspitze:

„Danzig i​st nicht d​as Objekt, u​m das e​s geht. Es handelt s​ich für u​ns um d​ie Erweiterung d​es Lebensraumes i​m Osten. […] Das Problem Polen i​st von d​er Auseinandersetzung m​it dem Westen n​icht zu trennen. […] Es entfällt a​lso die Frage, Polen z​u schonen, u​nd bleibt d​er Entschluß, b​ei erster passender Gelegenheit Polen anzugreifen.“[60]

Nunmehr begannen a​lle beteiligten Staaten s​ich auf d​en Fall e​ines bewaffneten Konfliktes vorzubereiten. Italien u​nd das Deutsche Reich schlossen a​m 22. Mai 1939 e​inen Freundschafts- u​nd Bündnisvertrag ab, d​en Stahlpakt. Dem folgten Nichtangriffspakte m​it Dänemark (31. Mai), Estland u​nd Lettland (7. Juni). Auf d​er anderen Seite intensivierten Großbritannien u​nd Frankreich i​hre Bemühungen u​m die UdSSR u​nd unterzeichneten jeweils e​inen Beistandspakt m​it der Türkei für d​en Fall e​ines Krieges i​m Mittelmeer (12. Mai / 23. Juni). Außerdem w​urde im Vereinigten Königreich p​er Gesetz a​m 26. Mai 1939 d​ie allgemeine Wehrpflicht eingeführt.[61]

Moskau am 24. August 1939: Stalin und Ribbentrop im Kreml anlässlich des Abschlusses des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes

Diese Verhandlungen fanden i​hren Höhepunkt a​m 24. August 1939 m​it der Unterzeichnung d​es deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes. Der (auf d​en Vortag datierte) Vertrag machte d​en Bemühungen d​er Westmächte u​m die UdSSR e​in Ende u​nd versetzte Hitler i​n die Lage, e​ine militärische Aktion z​u beginnen, o​hne dabei g​egen die Rote Armee kämpfen z​u müssen. Der Vertrag enthielt zugleich e​in geheimes Zusatzprotokoll, i​n dem d​ie Vertragspartner i​hre jeweiligen Einflusssphären i​n Osteuropa bestimmten. Es s​ah unter anderem e​ine Aufteilung Polens vor. Für Josef Stalin b​ot der Abschluss dieses Paktes m​ehr Vorteile a​ls ein Bündnis m​it dem Westen. Zum e​inen konnte e​r auf diesem Weg Ostpolen zurückerobern, d​as erst 1921 i​m Frieden v​on Riga a​n Polen gefallen war. Außerdem rechnete e​r bei e​inem Krieg zwischen d​en „kapitalistischen Staaten“ damit, d​ass es einfacher s​ein würde, sowjetische Gebietsansprüche i​m Baltikum u​nd in Bessarabien durchzusetzen. Auf d​er anderen Seite befürchtete er, b​ei einem Krieg g​egen das Deutsche Reich a​uch von dessen Partner Japan angegriffen z​u werden.[59] Für Hitler ebnete d​er Vertrag d​en Weg z​u einem Krieg g​egen Polen, o​hne dabei a​uf die Westmächte Rücksicht nehmen z​u müssen, d​enn durch d​as Abkommen w​ar eine Blockade Deutschlands w​ie im Ersten Weltkrieg n​icht möglich. Er g​ab deshalb e​rste Anordnungen i​n Vorbereitung a​uf einen Krieg.[62] Schon a​m 22. August l​egte er i​n einer Ansprache v​or der Wehrmachtführung dar: „Vernichtung Polens i​n Vordergrund. Ziel i​st die Vernichtung d​er lebenden Kräfte, n​icht die Erreichung e​iner bestimmten Linie. Auch w​enn im Westen Krieg ausbricht bleibt Vernichtung Polens i​m Vordergrund.“[43] Zusätzlich versuchte e​r in d​en folgenden Tagen, d​urch Angebote a​n Großbritannien d​ie Westmächte d​och noch v​on einer Unterstützung Polens abzuhalten. Kurz n​ach dem Abkommen m​it Stalin schrieb Hitler n​och am 24. August 1939 e​inen persönlichen Brief a​n Mussolini, i​n dem e​r ihn bat, d​en Krieg g​egen Polen z​u unterstützen.[63]

3. Phase: Kriegsbeginn

Danziger Landespolizisten und Grenzbeamte stellen im September 1939 bei Zoppot für die „Deutsche Wochenschau“ den Abriss des polnischen Schlagbaums an der Grenze zur Freien Stadt Danzig nach

Nunmehr schaltete s​ich der Verantwortliche für d​en Vierjahresplan Hermann Göring, d​er gegenüber d​en Kriegsplänen Hitlers skeptisch war, i​n die Verhandlungen ein. Wie bereits Anfang August entsandte e​r inoffiziell e​inen Vertrauten, d​en schwedischen Geschäftsmann Birger Dahlerus, a​m 25. August n​ach London, u​m die britische Regierung d​er deutschen Verständigungsbereitschaft z​u versichern. Am selben Tag g​ab Hitler u​m 15:02 Uhr jedoch Befehl, d​en Angriff a​uf Polen a​m Morgen d​es 26. August z​u beginnen. Um d​ie britische Regierung d​och noch a​uf seine Seite z​u ziehen, ließ Hitler d​en britischen Botschafter Sir Nevile Henderson z​u sich kommen u​nd erklärte ihm, d​ass er bereit wäre, n​ach einer Lösung d​er Probleme m​it Polen e​inen Vertrag m​it Großbritannien abzuschließen, i​n dem a​lle generellen Interessen geklärt werden sollten. Dies beträfe deutsche Kolonialforderungen, a​ber auch deutsche Militärhilfe für Großbritannien.[64] Nur Stunden später, u​m 16:30 Uhr, t​raf die Nachricht i​n Berlin ein, d​ass die britische u​nd die polnische Regierung gerade e​inen formellen Beistandspakt abgeschlossen hätten, welcher d​ie bisher n​ur mündlich erfolgte Garantieerklärung festigte. Um 17:54 Uhr teilte Mussolini Hitler mit, d​ass sich Italien n​icht an e​inem Krieg beteiligen werde.[65]

Vor diesem Hintergrund s​agte Hitler d​en Angriffsbeginn u​m 20 Uhr wieder ab. Einige kleinere Truppenabteilungen erhielten diesen Befehl n​icht mehr rechtzeitig, s​o dass e​s am Morgen d​es 26. August entlang d​er deutsch-polnischen Grenze z​u einer Reihe kleinerer Gefechte kam.[66] Welcher Punkt n​un ausschlaggebend für d​ie Zurücknahme d​es Angriffsbefehls war, lässt s​ich nicht m​ehr eindeutig feststellen. Aber a​uch das Militär h​atte eine Verschiebung gutgeheißen, u​m die Zeit für d​ie Mobilmachung d​er eigenen Streitkräfte z​u gewinnen.[67]

Birger Dahlerus setzte s​eine Bemühungen f​ort und sprach a​m 26. August b​eim britischen Außenminister Lord Halifax vor. Dieser übergab i​hm einen Brief a​n Göring, i​n dem e​r Großbritanniens Wunsch n​ach einer diplomatischen Lösung betonte. Göring unterrichtete Hitler v​om Inhalt d​es Briefes, u​nd dieser entsandte Dahlerus a​m 27. August n​och einmal n​ach London. Die britische Regierung begrüßte d​en von Hitler vorgeschlagenen deutsch-britischen Vertrag u​nd erkannte d​ie Notwendigkeit e​iner Lösung d​er Korridorfrage an. Sie empfahl d​azu die Wiederaufnahme d​er direkten deutsch-polnischen Verhandlungen, d​eren Zustandekommen d​ie britische Regierung unterstützen wollte, w​ies zugleich a​ber darauf hin, d​ass auch Polens Interessen gewahrt werden müssten. Dies w​urde in e​inem Memorandum a​n die deutsche Regierung, d​as am Abend d​es 28. August d​urch Henderson übergeben wurde, festgehalten.[68] Von d​en beteiligten Diplomaten w​urde diese Entwicklung a​ls Entspannung aufgefasst. Göring erklärte gegenüber Birger Dahlerus: „Der Friede i​st gesichert!“[69]

Bei d​em seit d​em Frühjahr i​ns Auge gefassten Plan z​um Angriff a​uf Polen suchte Hitler n​ach einer Möglichkeit, d​em eigenen Volk u​nd vor a​llem auch d​en westlichen Demokratien gegenüber diesen Krieg z​u rechtfertigen. Laut d​en Erinnerungen Albert Speers äußerte Hitler k​urz vor Kriegsausbruch:

„Dieses Mal w​ird der Fehler v​on 1914 vermieden werden. Es k​ommt nun a​lles darauf an, d​er Gegenseite d​ie Schuld zuzuschieben.“[70]

Zu diesem Zweck stellte Hitler e​inen weiteren „Vermittlungsvorschlag“ i​n der Danzigfrage zusammen, v​on dem e​r annehmen musste, d​ass er aufgrund seiner weitreichenden Konsequenzen für d​ie polnische Regierung unannehmbar war. Oberstleutnant Helmuth Groscurth notierte d​azu am 29. August 1939 i​n sein Tagebuch:

„Der Führer h​at Ribbentrop, Himmler, Bodenschatz u. a. gesagt: ‚Diese Nacht w​erde ich m​ir etwas Teuflisches ausdenken für d​ie Polen, a​n dem s​ie krepieren werden.’“[71]

Am 29. August u​m 12:55 Uhr wurden d​ie wichtigsten Schiffe d​er polnischen Flotte i​n britische Gewässer beordert (Operation Peking). Zunächst wollte Hitler d​ie neuen Vorschläge d​em britischen Botschafter präsentieren. Am 29. August, u​m 19:15 Uhr abends, erschien Henderson b​ei Hitler u​nd Ribbentrop i​n der Reichskanzlei, u​m die deutsche Antwort a​uf das letzte britische Memorandum z​u empfangen. Obwohl Hitler a​lle Punkte d​er britischen Regierung akzeptierte, forderte e​r am Schluss d​es Gespräches i​n ultimativer Form d​ie Entsendung e​ines mit a​llen Vollmachten ausgestatteten polnischen Unterhändlers b​is zum Abend d​es folgenden Tages, d​em 30. August. Als Begründung g​ab er an, d​ass die politischen Spannungen e​ine möglichst schnelle Lösung erforderlich machten. Henderson fasste d​iese Forderung a​ls ein Ultimatum a​uf und empörte s​ich darüber. Nach e​inem lauten Wortgefecht verließ e​r die Reichskanzlei.[72] Wiederum schickte Göring Dahlerus n​ach London, u​m besänftigend z​u wirken. Die britische Regierung antwortete i​n einer Note n​och in d​er Nacht: „Die Art d​er Fühlungnahme u​nd die Vorbereitungen für e​inen Meinungsaustausch müssen selbstverständlich i​n aller Eile zwischen d​er deutschen u​nd der polnischen Regierung vereinbart werden. Die Regierung Seiner Majestät i​st jedoch d​er Ansicht, daß e​s untunlich s​ein würde, d​iese Fühlungnahme s​chon heute herzustellen.“[73] Gleichzeitig w​urde bekannt, d​ass der britische Botschafter i​n Warschau n​ach London telegraphiert hatte, e​r glaube nicht, d​ass die polnische Regierung s​ich diesem Ultimatum beugen werde:

„They w​ould certainly sooner f​ight and perish rather t​han submit t​o such humiliation, especially a​fter the examples o​f Czechoslovakia, Lithuania a​nd Austria.“[74]

Tatsächlich erschien k​ein Vertreter d​er polnischen Regierung, welche d​urch das Ultimatum alarmiert d​ie Mobilmachung d​er polnischen Streitkräfte einleitete.

Als Henderson d​ie britische Note übergeben hatte, l​as ihm Außenminister Ribbentrop d​ie deutschen Vorschläge vor, d​ie als Basis für d​ie Verhandlung m​it dem polnischen Bevollmächtigten hätten dienen sollen: Danzig s​olle dem Deutschen Reich angegliedert, Gdingen dafür a​ls polnisch anerkannt werden; i​m Korridor sollte e​ine Volksabstimmung a​uf der Basis d​er Volkszählung v​on 1919 über d​ie Zugehörigkeit d​es Gebietes entscheiden, w​obei der jeweils unterlegenen Seite e​ine exterritoriale Verkehrsverbindung d​urch den Korridor z​ur Verfügung gestellt werden sollte. Als Henderson d​en Text dieser Vorschläge z​ur Weiterleitung a​n seine Regierung h​aben wollte, verweigerte Ribbentrop d​ie Herausgabe m​it der Begründung, s​ie seien überholt, d​a der polnische Unterhändler n​icht erschienen sei.[75] Trotzdem betrachtete Henderson d​iese Vorschläge a​ls „not o​n the w​hole too unreasonable“ u​nd empfahl d​em polnischen Botschafter Lipski, seiner Regierung z​u raten, d​ie Verhandlungen wieder aufzunehmen.[76] Ohne Wissen Hitlers schickte Göring Dahlerus m​it einer Abschrift z​u Lipski.[77] Nach Dahlerus berichtete i​hm später a​m Abend d​er amerikanische Botschafter Forbes v​on der Meinung Lipskis:

„Während i​ch der Sekretärin diktierte, h​atte Lipski Forbes mitgeteilt, d​ass er i​n keiner Weise Anlaß habe, s​ich für Noten o​der Angebote v​on deutscher Seite z​u interessieren. Er k​enne die Lage i​n Deutschland […] e​r erklärte, d​avon überzeugt z​u sein, d​ass im Falle e​ines Krieges Unruhen i​n diesem Land ausbrechen u​nd die polnischen Truppen erfolgreich g​egen Berlin marschieren würden.“[78]

Die britische Regierung wirkte a​uf die polnische Regierung ein, s​ich trotzdem z​u Gesprächen einzufinden. Am späten Nachmittag d​es 31. August t​raf Botschafter Lipski b​ei Hitler ein. Als s​ich herausstellte, d​ass er keinerlei Verhandlungsvollmachten besaß u​nd lediglich e​ine Prüfung d​er deutschen Vorschläge d​urch die polnische Regierung versprach, weigerte s​ich Hitler kategorisch, d​en Botschafter z​u empfangen. Tatsächlich h​atte Lipski Anweisungen a​us Warschau erhalten, k​ein weiteres deutsches Memorandum entgegenzunehmen, u​m jedem Vergleich m​it dem tschechischen Staatspräsidenten Emil Hácha vorzubeugen, obwohl d​ie britische Regierung mehrfach darauf hinwies, d​ass ein solches Vorgehen gefährlich sei.[79]

Am 31. August u​m 21 Uhr unterbrach d​ann der Rundfunk s​ein Programm, brachte d​ie Meldung v​on den „überaus vernünftigen“ deutschen Vorschlägen u​nd dass n​och nicht m​al ein polnischer Unterhändler dafür erschienen sei. In seiner Reichstagsrede v​om 1. September 1939 behauptete Hitler, d​ass seine Vorschläge für e​ine friedliche Regelung d​er Danzig-Frage m​it Mobilmachungen u​nd verstärktem Terror beantwortet worden seien.[80] Hitlers Dolmetscher Paul Schmidt hörte, w​ie Hitler einige Zeit später sagte:

„Ich brauchte e​in Alibi, v​or allem d​em deutschen Volk gegenüber, u​m ihm z​u zeigen, d​ass ich a​lles getan hatte, d​en Frieden z​u erhalten. Deshalb machte i​ch diesen großzügigen Vorschlag über d​ie Regelung d​er Danziger u​nd Korridor-Frage.“[81]

Hitlers Vermittlungsvorschlag z​ur Danzig-Frage v​om 29. August i​st deshalb i​n der Forschungsliteratur g​enau wie d​er Gleiwitz-Zwischenfall a​ls eine propagandistische Rechtfertigung d​es Angriffskrieges g​egen Polen bewertet worden.[82]

Hitler befahl n​un den Angriff a​uf Polen für d​en folgenden Morgen. Er g​ing nicht d​avon aus, d​ass Frankreich u​nd Großbritannien n​ach den letzten Verhandlungen i​hren Bündnisverpflichtungen gegenüber Polen nachkommen würden.[83] Am 1. September 1939, u​m 4:15 Uhr, überschritten deutsche Streitkräfte d​ie polnische Grenze u​nd begannen d​amit den Krieg g​egen Polen.

4. Phase: Die Ausweitung zum europäischen Konflikt

Zerstörte Gebäude in Warschau, November 1939

Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen war das britische Kabinett uneins. Chamberlain hielt eine friedliche Lösung noch für möglich. Halifax verhandelte mit den Deutschen, Franzosen und Italienern, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Die Mehrheit im Kabinett „hielt nichts von weiteren Aufschüben“ und beschloss eine „letzte Warnung“ an Hitler auszusprechen. Demzufolge teilte der britische Botschafter Henderson der deutschen Regierung am Abend des 1. September mit, die von Mussolini am Vortage vorgeschlagene Konferenz in Florenz, der auch Hitler zugestimmt hatte, „könne nur stattfinden“, wenn Deutschland seine Kampfhandlungen in Polen einstelle und seine Truppen zurückziehe.[84] Deutschland reagierte auf diesen Vorstoß nicht. Am Abend des nächsten Tages, Samstag, den 2. September, stand der Regierungschef Chamberlain um 20:00 vor dem vollbesetzten Unterhaus. Er musste dem Haus gestehen, dass Hitler auf die „letzte Warnung“ nicht geantwortet hatte. Als Chamberlain weiter sprach, man müsse Hitlers Nichtreaktion verstehen und man brauche etwas mehr Zeit, erfasste eine Welle von Ingrimm das Haus. Die Stimmung in der politischen Elite ganz Großbritanniens hatte sich seit den Wortbrüchen Hitlers bei dem Münchner Abkommen gedreht. Die ganz große Mehrheit im Unterhaus war über alle Parteien hinweg der Ansicht, dass Hitlers Deutschland ganz Europa, wenn nicht die ganze Welt, unter seine Herrschaft bringen wollte, und dass es Zeit sei, sich zu wehren. Der Sprecher der oppositionellen Labour Party, Arthur Greenwood, sprach allen Abgeordneten aus der Seele, als er sagte:[85]

„Ich b​in tief betroffen. Vor 38 Stunden h​at ein militärischer Angriff begonnen. Ich f​rage mich, w​ie lange w​ir noch bereit s​ind zu zaudern i​n einer Zeit, d​a England u​nd alles, wofür England steht, u​nd die menschliche Zivilisation i​n Gefahr sind.“

Chamberlain w​ar erschrocken, welche feindselige Wirkung s​eine Worte ausgelöst hatten. Die Mehrheit d​es Kabinetts k​am ohne Chamberlain direkt n​ach der Unterhaussitzung zusammen u​nd beschloss, d​en Deutschen e​in Ultimatum z​u stellen. Dieses führten Chamberlain u​nd Halifax aus.

Am nächsten Morgen, d​em 3. September u​m 9:00, übergab d​er Botschafter Henderson a​n das Auswärtige Amt e​in formelles Ultimatum d​es Inhalts, d​ass Großbritannien s​ich mit Deutschland i​m Krieg befinde, w​enn dieses n​icht innerhalb v​on zwei Stunden d​as Feuer einstelle u​nd seine Armeen a​us Polen zurückziehe. Kurz v​or Ablauf d​er Frist antwortete d​ie Reichsregierung m​it einer vorgefertigten Erklärung, s​ie wolle nichts a​ls die Ungerechtigkeiten d​es Versailler Vertrages beseitigen, während Großbritannien d​ie Polen z​u aggressivem Verhalten animiert habe. Um 12:00 Uhr stellten d​ie Franzosen e​in ähnliches Ultimatum, d​as die Reichsregierung ebenfalls zurückwies. Sie erklärte dazu, d​ass man n​icht beabsichtige, i​n Frankreich einzumarschieren. Um e​twa diese Zeit teilte Chamberlain i​n einer Rundfunkansprache d​em britischen Volk mit, d​ass das Land s​ich mit Deutschland i​m Krieg befinde, u​nd nannte d​ie Gründe dafür.[86]

Hitler antwortete a​m frühen Nachmittag m​it vier Proklamationen a​n das deutsche Volk, d​ie er verlesen ließ. Er h​abe alles versucht, u​m den Krieg z​u verhindern, d​och die britische Kriegstreiberei h​abe das unmöglich gemacht. Verantwortlich s​ei allerdings n​icht das britische Volk, sondern d​ie „jüdisch-plutokratischen Führer“. In seiner Erklärung a​n die NSDAP äußerte er: „Unser jüdisch-demokratischer Weltfeind h​at es fertiggebracht, d​as englische Volk i​n den Kriegszustand g​egen Deutschland z​u stellen.“[87] Damit w​ar der Krieg i​n Europa ausgebrochen.

Siehe auch

Literatur

Gesamtdarstellungen

  • P.M.H. Bell: The Origins of the Second World War in Europe. Longman, 1997. ISBN 0-582-30470-9.
  • Andrew J. Crozier: The causes of the Second World War. Blackwell, Oxford 1997, ISBN 0-631-17128-2.
  • Wilhelm Deist u. a.: Ursachen und Voraussetzungen des Zweiten Weltkrieges. Fischer, Frankfurt/M. 1991, ISBN 3-596-24432-3 (früherer Titel: Ursachen und Voraussetzungen der deutschen Kriegspolitik).
  • Ludwig Denne: Das Danzig-Problem in der deutschen Außenpolitik 1934–1939. Röhrscheid Verlag, Bonn 1959.
  • Richard J. Evans: Das Dritte Reich. Band 2/I-II: Diktatur. DVA, München 2006, ISBN 3-421-05653-6.
  • Richard J. Evans: Das Dritte Reich. Band 3: Krieg. DVA, München 2009, ISBN 978-3-421-05800-3.
  • Hermann Graml: Europas Weg in den Krieg. Hitler und die Mächte 1939. Oldenbourg Verlag, München 1990, ISBN 3-486-55151-5.
  • Angela Hermann: Der Weg in den Krieg 1938/39. Quellenkritische Studien zu den Tagebüchern von Joseph Goebbels. München 2011, ISBN 978-3-486-70513-3.
  • Klaus Hildebrand (Hrsg.): 1939. An der Schwelle zum Weltkrieg. De Gruyter, Berlin 1990, ISBN 3-11-012596-X.
  • Klaus Hildebrand, Karl Ferdinand Werner (Hg.): Deutschland und Frankreich 1936–1939. 15. Deutsch-französisches Historikerkolloquium des Deutschen Historischen Instituts Paris (Beihefte der Francia, 10), München/Zürich (Artemis) 1981, ISBN 3-7608-4660-2. Online auf perspectivia.net
  • Walther Hofer (Hrsg.): Die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges. Eine Studie über internationale Beziehungen im Sommer 1939. LIT-Verlag, Münster 2007, ISBN 978-3-8258-0383-4. Nachdruck der Ausgabe S. Fischer, Frankfurt a. M. 1964.
  • Hans-Adolf Jacobsen: Nationalsozialistische Außenpolitik 1933–1938. Verlag Metzner, Frankfurt/M. 1968.
  • Richard Lamb: Der verfehlte Frieden. Englands Außenpolitik 1935–1945. Ullstein, Frankfurt/M. 1989, ISBN 3-550-07648-7.
  • Wolfgang Michalka (Hrsg.): Nationalsozialistische Aussenpolitik (= Wege der Forschung. Band 297). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1978, ISBN 3-534-07245-6.
  • Wolfgang Michalka: Ribbentrop und die deutsche Weltpolitik, 1933–1940. Aussenpolitische Konzeptionen und Entscheidungsprozesse im Dritten Reich (= Veröffentlichungen des Historischen Instituts der Universität Mannheim. Band 5). Fink, München 1980, ISBN 3-7705-1400-9.
  • Marie-Luise Recker: Die Außenpolitik des Dritten Reiches. Oldenbourg-Verlag, München 1990, ISBN 3-486-55501-4.
  • Horst Rohde: Hitlers erster „Blitzkrieg“ und seine Auswirkungen auf Nordosteuropa. In: Klaus A. Maier u. a.: Die Errichtung der Hegemonie auf dem europäischen Kontinent ("Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg; Bd. 2). DVA, Stuttgart 1979, ISBN 3-421-01935-5.
  • Gerhard L. Weinberg: Hitler's foreign policy. The road to World War II, 1933–1939. Enigma Books, New York 2005, ISBN 1-929631-27-8 (früherer Titel „The foreign policy of Hitler's Germany“)
  • Bernd-Jürgen Wendt: Großdeutschland. Außenpolitik und Kriegsvorbereitung des Hitler-Regimes. Dtv, München 1987, ISBN 3-423-04518-3.

Quellen- und Memoirenliteratur

  • Winston S. Churchill: Der Zweite Weltkrieg. Fischer, Frankfurt/M. 2003, ISBN 3-596-16113-4.
  • Birger Dahlerus: Der letzte Versuch. London-Berlin, Sommer 1939. Nymphenburger Verlagshandlung, München 1948.
  • Franz Halder: Kriegstagebuch. Tägliche Aufzeichnungen des Chefs des Generalstabes des Heeres 1939–1942. Kohlhammer, Stuttgart 1962 (Bd. 1, Hans-Adolf Jacobsen (Hrsg.)).
  • Léon Noël: Der deutsche Angriff auf Polen. Verlag Arani, Berlin 1948.
  • Blaubuch der Britischen Regierung über die deutsch-polnischen Beziehungen und dem Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen Großbritannien und Deutschland am 3. September 1939 („Dokumente und Urkunden zum Kriegsausbruch“). Verlag Birkhäuser, Basel 1939 (= offizielle Übersetzung der Documents, Miscellaneous No.9, 1939).
  • Akten zur deutschen auswärtigen Politik 1918–1945. Aus dem Archiv des Auswärtigen Amts. Serie D (1937–1945), Band VI; außerdem: Serie C (1933–1937), Band I–VI, Serie D (1937–1945), Band I–V, Band VII-XIII. Keppler-Verlag, Baden-Baden; Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1950–1995. Onlinezugang über Suchmaske
Commons: Zweiter Weltkrieg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Zweiter Weltkrieg – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Joachim Fest: Hitler. Der Aufstieg. S. 162–164.
  2. Sebastian Haffner: Von Bismarck zu Hitler, S. 172.
  3. Zentner/Bedürftig: Das große Lexikon des Dritten Reiches. Augsburg 1993, S. 190.
  4. Deutsche Verluste von Territorium, Bevölkerung und ausgewählten Rohstoffförderungen als Folge des Versailler Vertrags im Jahr 1919. statista.de, Zugriff am 9. August 2021.
  5. Hans-Erich Volkmann: Die NS-Wirtschaft in Vorbereitung des Krieges, in: Wilhelm Deist, Manfred Messerschmidt, Hans-Erich Volkmann, Wolfram Wette: Ursachen und Voraussetzungen des Zweiten Weltkriegs(= Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 1). Frankfurt am Main 1989, S. 226.
  6. Ian Kershaw: To hell and back. Europe 1914 - 1949. Penguin Books 2015, S. 225–227.
  7. George W. F. Hallgarten, Joachim Radkau: Deutsche Industrie und Politik. Reinbek 1981, S. 306.
  8. S.u. im Abschnitt "Kriegsvorbereitungen" die Geheime Denkschrift über den Vierjahresplan (August 1936).
  9. Ian Kershaw: To hell and back. Europe 1914 - 1949. Penguin Books 2015, 259f.
  10. Wolfram Wette: Ideologien, Propaganda und Innenpolitik als Voraussetzungen der Kriegspolitik des Dritten Reiches. In: Wilhelm Deist, Manfred Messerschmidt, Hans-Erich Volkmann, Wolfram Wette: Ursachen und Voraussetzungen des Zweiten Weltkriegs. Frankfurt am Main 1989, S. 110 ff.
  11. Bernhard Chiari [u. a.]: Ausbeutung, Deutungen, Ausgrenzung. In Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg; Teil: Bd. 9., Die Deutsche Kriegsgesellschaft 1939 bis 1945 / Halbbd. 2. Im Auftrag des Militärgeschichtlichen hrsg. von Jörg Echternkamp, Deutsche Verlagsanstalt, München 2005, ISBN 978-3-421-06528-5, S. 573.
  12. Detlef Junker Zusammenfassung seines Buches Der unteilbare Weltmarkt. Das ökonomische Interesse in der Außenpolitik der USA 1933–1941. In: Jürgen Rohwer, Eberhard Jäckel (Hrsg.): Kriegswende Dezember 1941. Referate und Diskussionsbeiträge des internationalen historischen Symposiums in Stuttgart vom 17. bis 19. September 1981. Koblenz 1984, S. 232.
  13. Wolfgang Wippermann: Der konsequente Wahn. Ideologie und Politik Adolf Hitlers. Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh/München 1989, S. 46 f.; Christian Hartmann, Thomas Vordermayer, Othmar Plöckinger, Roman Töppel (Hrsg.): Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition. Institut für Zeitgeschichte München – Berlin, München 2016, Bd. 2, S. 1584.
  14. Klaus Hildebrand: Das vergangene Reich. Deutsche Außenpolitik von Bismarck bis Hitler. Oldenbourg, München 2008, ISBN 978-3-486-58605-3, S. 597 f.; Marie-Luise Recker: Die Außenpolitik des Dritten Reiches. (= Enzyklopädie Deutscher Geschichte. Bd. 8). 2. Auflage. Oldenbourg, München 2010, ISBN 978-3-486-59182-8, S. 61.
  15. Berndt-Jürgen Wendt: Außenpolitik, in: Enzyklopädie des Nationalsozialismus 1998, S. 69 f.
  16. Helmut-Dieter Giro: Frankreich und die Remilitarisierung des Rheinlandes. (S. 199 und S. 329 (USA))
  17. Volltext (pdf)
  18. Dieser trat wegen einer zweijährigen Kündigungsfrist genau zwei Jahre später in Kraft. Beleg im Artikel Völkerbund
  19. Bernd-Jürgen Wendt: Economic Appeasement. Düsseldorf 1971, S. 426.
  20. Petra Bräutigam: Mittelständische Unternehmer im Nationalsozialismus. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1997, ISBN 978-3-486-56256-9, S. 68
  21. Karl-Volker Neugebauer: Vom eigenständigen Machtfaktor zum Instrument Hitlers. Militärgeschichte im „Dritten Reich“ 1933 bis 1939. In: Ders. (Hg.): Grundkurs deutsche Militärgeschichte. Bd. 2. das Zeitalter der Weltkriege. Völker in Waffen. Oldenbourg, München, S. 239.
  22. NS-Archiv – Dokumente zum Nationalsozialismus: Die Hoßbach-Niederschrift (vom 5. November 1937)
  23. Friedrich Hoßbach: Zwischen Wehrmacht und Hitler 1934–1938. Wolfenbüttel 1949, S. 216 f.
  24. Karina Pryt: Befohlene Freundschaft. Die deutsch-polnischen Kulturbeziehungen 1934–1939. Fibre, Osnabrück 2010, ISBN 978-3-938400-53-1.
  25. Karina Pryt: Befohlene Freundschaft. Die deutsch-polnischen Kulturbeziehungen 1934–1939. Fibre, Osnabrück 2010, S. 229, vgl. auch S. 468 f.; weiterhin Rezension zu Pryts Werk, in: Sehepunkte, 15. November 2011.
  26. Rolf-Dieter Müller: Der Feind steht im Osten. Hitlers geheime Pläne für einen Krieg gegen die Sowjetunion im Jahr 1939. Ch. Links, Berlin 2011. ISBN 978-3-86153-617-8, S. 58 ff. u. S. 105 ff.; vgl. auch Rezension, in: H-Soz-u-Kult, 5. August 2011.
  27. Marian Wojciechowski: Die polnisch-deutschen Beziehungen 1933–1938. Brill, Leiden 1971, S. 387.
  28. Marian Zgórniak: Europa am Abgrund – 1938. Lit, Münster 2002, ISBN 978-3-8258-6062-2, S. 107 f.
  29. Kurt Aßmann: Deutsche Schicksalsjahre. Wiesbaden 1950, S. 58.
  30. Horst Rohde: Hitlers erster „Blitzkrieg“ und seine Auswirkungen auf Nordosteuropa, in: Klaus A. Maier/Horst Rohde/Bernd Stegemann/Hans Umbreit: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 2: Die Errichtung der Hegemonie auf dem europäischen Kontinent, Hrsg. v. Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Stuttgart: DVA 1979, S. 79.
  31. Paul N. Hehn: A low dishonest decade. The great powers, Eastern Europe, and the economic origins of World War II, 1930–1941. Continuum, New York 2002, ISBN 0-8264-1449-4, S. 94 f.
  32. Dokuments Brit. Foreign Policy, Third Series, Volume IV, Dokument 446
  33. Stefan Kley: Hitler, Ribbentrop und die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs. Zugl.: Stuttgart, Univ., Diss., 1994/95. Schöningh, Paderborn 1996, ISBN 3-506-77496-4, S. 204–206.
  34. Yfaat Weiss: Deutsche und polnische Juden vor dem Holocaust. Jüdische Identität zwischen Staatsbürgerschaft und Ethnizität 1933–1940. Oldenbourg, München 2000, S. 163–165, zit. 165.
  35. Magnus Brechtken: „Madagaskar für die Juden“. Antisemitische Idee und politische Praxis 1885–1945. 2. Auflage. Oldenbourg, München 2009, ISBN 3-486-56384-X, S. 150.
  36. Klaus Hildebrand: Vom Reich zum Weltreich. Hitler, NSDAP und koloniale Frage, 1919–1945. Fink, München 1969, ISBN 978-3-7705-0338-4, S. 598 f.; Magnus Brechtken: „Madagaskar für die Juden“. Antisemitische Idee und politische Praxis 1885–1945. 2. Auflage. Oldenbourg, München 2009, ISBN 3-486-56384-X, S. 199–202.
  37. Gerhard Weinberg weist darauf hin, dass die deutsche Propaganda die polnische Haltung zu Danzig mit der britischen Garantieerklärung für Polen vom 31. März 1939 verknüpfen wollte und deshalb Lipskis Warnung und Ribbentrops Antwort im deutschen Weißbuch von 1939 unterschlug. Gerhard L. Weinberg: Germany, Hitler and World War II. Essays in modern German and world history. Cambridge University Press, Cambridge 1995, ISBN 0-521-47407-8, S. 122.
  38. Ludwig Denne: Das Danzig-Problem in der deutschen Außenpolitik 1934–1939, Bonn 1959, S. 147.
  39. Michael Freund (Hrsg.): Geschichte des Zweiten Weltkrieges in Dokumenten, Bd. 1, Wiesbaden 1953, S. 330.
  40. Stefan Kley: Hitler, Ribbentrop und die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs. Zugl.: Stuttgart, Univ., Diss., 1994/95. Schöningh, Paderborn 1996, ISBN 3-506-77496-4, S. 207 f.
  41. Michael Freund (Hrsg.): Geschichte des Zweiten Weltkrieges in Dokumenten, Bd. 1, Wiesbaden 1953, Nr. 170.
  42. Joseph Marcus: Social and Political History of the Jews in Poland, 1919–1939. Mouton Publishers, New York 1983, ISBN 978-90-279-3239-6, S. 413 f.
  43. Ludwig Denne: Das Danzig-Problem in der deutschen Außenpolitik 1934–1939, Bonn 1959, S. 142.
  44. Marian Wojciechowski: Der historische Ort der polnischen Politik in der Genesis des Zweiten Weltkrieges, In: Klaus Hildebrand, Jürgen Schmädeke und Klaus Zernack (Hrsg.): 1939, an der Schwelle zum Weltkrieg. Die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges und das internationale System. W. de Gruyter, Berlin 1990, ISBN 978-3-11-012596-2, S. 273.
  45. Gerhard L. Weinberg: Germany, Hitler and World War II. Essays in modern German and world history. Cambridge University Press, Cambridge 1995, ISBN 0-521-47407-8, S. 128.
  46. Hermann Graml: Europas Weg in den Krieg. Hitler und die Mächte 1939. R. Oldenbourg, München 1990, ISBN 978-3-486-55151-8, S. 133–136.
  47. Helmut Krausnick: Legenden um Hitlers Außenpolitik. In: VfZ 2 (1954): S. 228.
  48. Ludwig Denne: Das Danzig-Problem in der deutschen Außenpolitik 1934–1939, Bonn 1959, S. 154.
  49. Kurt Assmann: Deutsche Schicksalsjahre, Wiesbaden 1950, S. 60 f.
  50. Hermann Graml: Europas Weg in den Krieg. Hitler und die Mächte 1939. Oldenbourg, München 1990, S. 140–142.
  51. Wolfgang Michalka: Ribbentrop und die deutsche Weltpolitik, 1933–1940. Aussenpolitische Konzeptionen und Entscheidungsprozesse im Dritten Reich. W. Fink, München 1980, ISBN 978-3-7705-1400-7, S. 276.
  52. Rolf-Dieter Müller: Der Feind steht im Osten. Hitlers geheime Pläne für einen Krieg gegen die Sowjetunion im Jahr 1939. Ch. Links, Berlin 2011, ISBN 3-86153-617-X, S. 105–108.
  53. Stefan Kley: Hitler, Ribbentrop und die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs. Zugl.: Stuttgart, Univ., Diss., 1994/95. Schöningh, Paderborn 1996, ISBN 3-506-77496-4, S. 209, 211.
  54. Kurt Assmann: Deutsche Schicksalsjahre, Wiesbaden 1950, S. 64.
  55. Ludwig Denne: Das Danzig-Problem in der deutschen Außenpolitik 1934–1939, Bonn 1959, S. 178.
  56. Sacha Zala: Geschichte unter der Schere politischer Zensur. Amtliche Aktensammlungen im internationalen Vergleich. Oldenbourg Verlag, München 2001, S. 39.
  57. Horst Rohde: Hitlers erster „Blitzkrieg“ und seine Auswirkungen auf Nordosteuropa, in: Klaus A. Maier/Horst Rohde/Bernd Stegemann/Hans Umbreit: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 2: Die Errichtung der Hegemonie auf dem europäischen Kontinent, Hrsg. v. Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Stuttgart: DVA 1979, S. 82.
  58. Kurt Assmann: Deutsche Schicksalsjahre, Wiesbaden 1950, S. 67.
  59. Hans-Joachim Lorbeer: Westmächte gegen die Sowjetunion 1939–1941. Freiburg/Breisgau 1975, S. 40 f.
  60. Wolfgang Michalka: Ribbentrop und die deutsche Weltpolitik, 1933–1940. Aussenpolitische Konzeptionen und Entscheidungsprozesse im Dritten Reich. W. Fink, München 1980, ISBN 978-3-7705-1400-7, S. 275.
  61. Kurt Assmann: Deutsche Schicksalsjahre. Wiesbaden 1950, S. 67 f.
  62. Horst Rohde: Hitlers erster „Blitzkrieg“ und seine Auswirkungen auf Nordosteuropa, in: Klaus A. Maier/Horst Rohde/Bernd Stegemann/Hans Umbreit: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 2: Die Errichtung der Hegemonie auf dem europäischen Kontinent, Hrsg. v. Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Stuttgart: DVA 1979, S. 85.
  63. Richard J. Evans: Das Dritte Reich. Band 2/I-II: Diktatur. DVA, München 2006, ISBN 3-421-05653-6, S. 846.
  64. Kurt Assmann: Deutsche Schicksalsjahre, Wiesbaden 1950, S. 73 f.
  65. Kurt Assmann: Deutsche Schicksalsjahre. Wiesbaden 1950, S. 74 f.
  66. Näheres zu den logistischen Problemen des abgesagten Angriffsbefehls, siehe: Herbert Schindler: Mosty und Dirschau 1939 – Zwei Handstreiche der Wehrmacht vor Beginn des Polenfeldzuges, Freiburg 1971, S. 25–29.
  67. Horst Rohde: Hitlers erster „Blitzkrieg“ und seine Auswirkungen auf Nordosteuropa, in: Klaus A. Maier/Horst Rohde/Bernd Stegemann/Hans Umbreit: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 2: Die Errichtung der Hegemonie auf dem europäischen Kontinent, Hrsg. v. Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Stuttgart: DVA 1979, S. 86–88.
  68. Kurt Assmann: Deutsche Schicksalsjahre, Wiesbaden 1950, S. 76–78.
  69. Birger Dahlerus: Der letzte Versuch, Nymphenburger Verlagshandlung, 1948, S. 88.
  70. Albert Speer: Erinnerungen. Frankfurt am Main – Berlin 1969, S. 179.
  71. Helmuth Groscurth: Tagebücher eines Abwehroffiziers 1938–1940, Mit weiteren Dokumenten zur Militäropposition gegen Hitler. Herausgegeben von Helmut Krausnick und Harold Deutsch, Stuttgart 1970, S. 192.
  72. Kurt Assmann: Deutsche Schicksalsjahre. Wiesbaden 1950, S. 78.
  73. Britisches Blaubuch, Nr. 89 (S. 179)
  74. Britisches Blaubuch, Nr. 84 (S. 175).
  75. Paul Schmidt: Statist auf diplomatischer Bühne. Bonn 1953, S. 468.
  76. Bericht Hendersons, in: Britisches Blaubuch, Nr. 92 (S. 182); Kurt Assmann: Deutsche Schicksalsjahre, Wiesbaden 1950, S. 81 f.
  77. Aussage Görings im Nürnberger Prozess; siehe Der Nürnberger Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher. Taschenbuchausgabe, Komet Verlag 2000, Band 9, S. 446.
  78. Birger Dahlerus: Der letzte Versuch, Nymphenburger Verlagshandlung, 1948, S. 110.
  79. Britisches Blaubuch, Nr. 96 (S. 185).
  80. Erhard Klöss (Hrsg.): Reden des Führers. München 1967, S. 208 ff.
  81. Paul Schmidt: Statist auf diplomatischer Bühne. Bonn 1953, S. 469.
  82. Vgl. Walther Hofer: Die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs. Frankfurt am Main/Hamburg 1960, S. 273 ff.
  83. Hans-Adolf Jacobsen (Hrsg.): Franz Halder: Kriegstagebuch – Tägliche Aufzeichnungen des Chefs des Generalstabes des Heeres 1939–1942. Bd. 1, Stuttgart 1962, S. 48.
  84. Richard J. Evans: Das Dritte Reich. Band 2/I-II: Diktatur. München 2006, S. 849.
  85. Richard J. Evans: Das Dritte Reich. Band 2/I-II: Diktatur. München 2006, S. 850.
  86. Richard J. Evans: Das Dritte Reich. Band 2/I-II: Diktatur. München 2006, S. 850 f.
  87. Richard J. Evans: Das Dritte Reich. Band 2/I-II: Diktatur. München 2006, S. 851.
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