Deutsch-spanische Beziehungen

Die Deutsch-spanischen Beziehungen s​ind die bilateralen diplomatischen u​nd kulturellen Verbindungen zwischen d​er Bundesrepublik Deutschland u​nd dem Königreich Spanien.

Deutsch-spanische Beziehungen
Spanien Deutschland
Spanien Deutschland

Spanien unterhält d​ie Spanische Botschaft i​n Berlin u​nd Generalkonsulate i​n Düsseldorf, Frankfurt a​m Main, Hamburg, München u​nd Stuttgart. Ein Honorarkonsul i​st in Dresden aktiv.[1]

Deutschland betreibt e​ine Botschaft i​n Madrid, e​in Generalkonsulat i​n Barcelona u​nd Konsulate i​n Las Palmas (auf Gran Canaria), i​n Málaga u​nd Palma. Honorarkonsuln s​ind in Aguadulce (Almería), Alicante, Bilbao, Ibiza, Jerez d​e la Frontera, Mahón (auf Menorca), Playa Blanca (auf Lanzarote), Hernani (Baskenland) b​ei San Sebastián, Santa Cruz d​e La Palma, Santa Cruz d​e Tenerife, Valencia, Vigo u​nd Saragossa tätig.[2]

Beide Staaten s​ind Mitglieder d​es Europarates, d​er Organisation für Sicherheit u​nd Zusammenarbeit i​n Europa, d​er Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit u​nd Entwicklung, d​er Europäischen Union, d​er Eurozone, d​es Schengen-Raums u​nd der Vereinten Nationen.

Geschichte

Verbindungen der beiden geographischen Räume vor Herausbildung der modernen Völker

Islamische Expansion bis zur Schlacht bei Poitiers

In d​er Antike standen sowohl g​anz Hispanien, a​ls auch d​ie westlichen u​nd südlichen Teile d​es heutigen Deutschlands u​nter römischer Herrschaft. Nach d​er Völkerwanderung d​er Spätantike beherrschten germanische Stämme a​uch Gebiete a​uf der Iberischen Halbinsel, s​o das Königreich d​er Sueben (ab 409) u​nd das Westgotenreich (beginnend m​it der zweiten Hälfte d​es 5. Jahrhunderts). Ab 711 k​am ein Großteil Spaniens u​nter muslimische Herrschaft. Erst Karl Martell, König d​es Frankenreichs, d​as damals u. a.heutige französische u​nd deutsche Territorien umfasste, konnte d​ie Expansion d​er aus Spanien n​ach Südwestfrankreich vordringenden Mauren d​urch die Schlacht v​on Tours u​nd Poitiers z​um Stillstand bringen. Nur i​m Norden d​er iberischen Halbinsel hatten s​ich christliche Reiche behaupten können. Von d​ort begann a​b 722 d​ie bis 1492 andauernde spanische Reconquista.

Alfons X.

Alfons X. von Kastilien (Abbildung aus dem Libro de los juegos, 1251–1282)

Auch Alfonso X., 1252 bis 1282 König von León und Kastilien, führte einen Kreuzzug gegen die Mauren. Dieser Herrscher war von 1257 bis 1273 auch König (Gegenkönig) des Heiligen Römischen Reiches, was mit seiner Mutter zusammenhing: Seine Abkunft vom deutschen Geschlecht der Hohenstaufen durch seine Mutter Elisabeth, eine Tochter des Königs Philipp von Schwaben, gab ihm das Recht, die schwäbische Linie zu vertreten. Die Wahl der Kurfürsten 1257, nach dem Tod von Wilhelm von Holland 1256, bei der er die gleiche Anzahl Stimmen (beide drei Stimmen) wie der Gegenkandidat Richard von Cornwall erhielt, verführte ihn dazu, über das römisch-deutsche Königtum die prestigeträchtige Kaiserkrone anzustreben; dies wurde jedoch nie verwirklicht, weil er das nötige Geld für einen Romzug nicht aufbringen konnte. Um Geld zu erhalten, verschlechterte er die Münzen und bemühte sich anschließend, die Preissteigerung durch ein eigenwilliges Steuersystem im Griff zu behalten. Der Kleinhandel in seinem Herrschaftsgebiet wurde ruiniert, und die Bürger und Bauern wurden schwer geschädigt. Die einstimmige Wahl Rudolfs I. von Habsburg zum römisch-deutschen König 1273 bedeutete faktisch Alfons’ Absetzung als König des Heiligen Römischen Reiches.

Karl V.

Herrschaftsbereich Karls V.
Weinrot: Kastilien
Rot: Besitzungen Aragons
Orange: Burgundische Besitzungen
Gelb: Österreichische Erblande
Blassgelb: Heiliges Römisches Reich

Abgeschlossen w​urde die Reconquista v​on den Katholischen Königen Königin Isabella I. v​on Kastilien u​nd König Ferdinand II. v​on Aragón i​m Jahr 1492. Im selben Jahr entdeckte d​er in spanischen Diensten stehende Seefahrer Christoph Kolumbus Amerika u​nd lege d​amit den Grundstein für d​as spanische Weltreich. Als Erbe Isabellas, d​ie 1504 verstarb, w​ar ihr Sohn Juan vorgesehen. Er heiratete 1496 Margarete v​on Burgund, d​ie Tochter d​es späteren römisch-deutschen Kaisers Maximilian I., d​och starb e​r 1497 o​hne Erben. Die jüngere Schwester Johanna heiratete 1497 d​en Habsburger Philipp d​en Schönen (1478–1506), d​er gleichfalls e​in Sohn Maximilians war, z​udem Herzog v​on Burgund. Nachdem s​ich jedoch b​ei ihr i​n den Augen d​er Zeitgenossen Anzeichen v​on „Wahnsinn“ gezeigt hatten, übernahm Ferdinand d​ie Herrschaft. Mit d​em Tod Ferdinands f​iel dem ältesten Sohn a​us der Ehe Johannas, Karl, d​as spanische Erbe zu.

Kaiser Karl V. herrschte über ein globales Imperium, in dem „die Sonne niemals unterging“; Gemälde von Rubens

Um das Erbe zu sichern, schloss Karl 1516 den Vertrag von Noyon zur Verständigung mit Frankreich.[3] 1519 fiel ihm, nachdem sein Großvater Maximilian gestorben war, auch das österreichisch-habsburgische Erbe zu. Er wurde zum römisch-deutschen König gewählt und nahm bei seiner Krönung 1520 den Titel „erwählter Kaiser“ an. Um Maximilians Nachfolge bewarben sich auch Franz I. von Frankreich und Heinrich VIII. von England, schließlich Friedrich von Sachsen, und auch Karls Bruder Ferdinand war zeitweise als Kandidat im Gespräch. Den Ausschlag gab die finanzielle Unterstützung durch die Fugger. Die Gesamtkosten der Wahl lagen bei 851.918 Gulden, davon brachten die Fugger allein 543.585 auf.[4] In Spanien brach der Comuneros-Aufstand gegen die Herrschaft des als landfremd empfundenen Karl aus, der zur Finanzierung seiner Kriege die Steuern erhöht hatte. Der Aufstand wurde vor allem vom Bürgertum der Städte Kastiliens, insbesondere von Toledo getragen. Unterstützung fand er bei Teilen der Geistlichkeit und des Adels. Sein Ziel war es, die königliche Macht zu Gunsten der Cortes zu beschränken. Im Königreich Valencia kam er zu einer sozialrevolutionären Bewegung, der Germanía. Die Aufständischen unter Juan de Padilla wurden 1521 bei Villalar besiegt, der Aufstand 1522 endgültig niedergeschlagen. Nach der Sicherung der Macht wurde Spanien zu einer zentralen Machtbasis des Kaisers.

Kriege mit Frankreich und den Osmanen (1521–1556)

Auf europäischer Ebene w​aren die Kämpfe zwischen Frankreich u​nd den Habsburgern v​on großer Bedeutung. Für d​en Kaiser w​urde es gefährlich, a​ls der Papst u​nd Venedig i​mmer stärker z​ur Seite Frankreichs tendierten. 1525 nahmen Karls Truppen Franz I. i​n der Schlacht b​ei Pavia gefangen.[5] Doch Karl schloss s​ich den Vorschlägen z​u einem maßvollen Frieden an.[6] Dies führte 1526 z​ur Unterzeichnung d​es Vertrags v​on Madrid, i​n dem Frankreich a​uf seine Ansprüche i​n Norditalien verzichtete. Karl hoffte, Franz z​um gemeinsamen Kampf g​egen die Osmanen u​nd gegen d​ie Lutheraner bewegen z​u können.[7] Doch nachdem Franz wieder f​rei war, widerrief e​r den Vertrag. Ihm gelang es, m​it der Heiligen Liga v​on Cognac a​us dem Papst, Venedig, Florenz u​nd schließlich s​ogar Mailand Verbündete z​u gewinnen.

Teilung des Habsburgerreiches, Philipp II. (1556–1598)

Barbara Blomberg mit Kaiser Karl V. (Holzstich von 1894)

Als Karl V. 1556 die Regierung niederlegte, verlor Spanien die österreichischen Besitzungen des Hauses Habsburg und die Kaiserkrone, behielt jedoch die Niederlande, die Freigrafschaft Burgund, das Herzogtum Mailand, sowie die Königreiche Neapel, Sizilien und Sardinien. 1570 heiratete sein Sohn und Nachfolger Philipp II. Anna von Österreich (1549–1580), die Mutter des Thronfolgers Philipp wurde.

Im 16. Jahrhundert w​ar das Osmanische Reich e​ine expansive Großmacht. Venedig u​nd Spanien entsandten e​ine gemeinsame Flotte i​n das östliche Mittelmeer, d​ie in d​er Seeschlacht v​on Lepanto a​m 7. Oktober 1571 g​egen die Türken siegte. Zwar w​ar das Heilige Römische Reich Deutscher Nation k​ein Teil d​er Heiligen Liga, allerdings w​ar ihr Oberbefehlshaber Juan d​e Austria, e​in außerehelicher Sohn Kaiser Karls V. u​nd der bürgerlichen Regensburger Gürtlerstochter Barbara Blomberg.

Spanischer Erbfolgekrieg (1701–1714)

Das Aussterben der spanischen Habsburger löste 1701 den Spanischen Erbfolgekrieg aus. Die Haager Große Allianz um den österreichisch-habsburgischen Kaiser, das Heilige Römische Reich, England bzw. Großbritannien und die Niederlande kämpfte gegen Frankreich und seine Verbündeten Kurköln, Savoyen[8] und das Kurfürstentum Bayern. Der Krieg nahm mit dem Tod von Joseph I. eine für Habsburg ungünstige Wende, allerdings erschütterte er auch die Kräfte Frankreichs. Das österreichische Haus Habsburg war unter Leopold I. und Joseph I. dennoch zur europäischen Großmacht geworden. Letztlich gelang es Frankreich, Philipp V. als König von Spanien durchzusetzen. Damit wurde die auch heute wieder amtierende Dynastie der Bourbonen in Spanien begründet. Fast alle an dem Krieg beteiligten Mächte hatten am Ende des Krieges zumindest Teilerfolge erzielt.

19. Jahrhundert

Leopold von Hohenzollern: Spanische Thronfolgestreitigkeiten führen zum Deutsch-Französischen Krieg

1869 proklamierten die spanischen Cortes eine neue Verfassung, die als Regierungsform eine parlamentarische Monarchie vorsah. Ein vielversprechender Königskandidat war Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, Spross einer katholischen Nebenlinie der Hohenzollern. Er ließ sich im Frühjahr 1870 von Otto von Bismarck überreden, die Kandidatur anzunehmen. Schon bald trat Leopold von seiner Kandidatur wieder zurück, da Frankreich mit Krieg drohte. Der französische Einspruch gegen Leopold bzw. das französische Verlangen „dass S. Maj. Der [preußische] König sich für alle Zukunft verpflichte, niemals wieder seine Zustimmung zu geben, wenn die Hohenzollern auf ihre Kandidatur wieder zurückkommen sollten“ – wie es die von Otto von Bismarck redigierte und damit bewusst zugespitzte Emser Depesche darstellt, führte zum Deutsch-Französischen Krieg. Der Sieg Preußens und seiner Verbündeten resultierte 1871 in der Deutschen Einigung. Während Reichskanzler Bismarck das Deutsche Reich als „saturiert“ bezeichnete, um den neuen Machtfaktor in Europas Mitte in das Konzert der Mächte einfügen zu können, forderte Kaiser Wilhelm II. (Deutsches Reich) (Kaiser ab 1888) später „einen Platz an der Sonne“ für die Deutschen. Im Zuge seiner Weltmachtpolitik kam Deutschland auch mit Spanien in Konflikt, obwohl dieses damals sowieso bereits den Großteil seiner Kolonien verloren hatte. Der Deutsch-Spanische Vertrag von 1899, erzwang, dass Spanien die Karolinen, die nördlichen Marianen und Palau an Deutschland abtreten musste. Die Südsee-Gebiete im Pazifik bildeten danach einen Teil Deutsch-Neuguinea.

20. Jahrhundert

Im Ersten Weltkrieg (1914–1918) blieb Spanien neutral, während Deutschland und die anderen Mittelmächte den Krieg gegen die Triple Entente verloren. Dies führte zur Abdankung aller deutschen Monarchen. Eine Nebenfolge der deutschen Niederlage war es, dass Deutschland als Rivale Spaniens im Ringen um Kolonialbesitz in Marokko ausfiel. Die Brüder Mannesmann hatten im marokkanischen Rif-Gebiet über Besitz verfügt, der etwa einem Achtel des Territoriums an Wert entsprach. Im Rifkrieg (1921–1926) versuchten die Spanier, ihre Herrschaft auf das gesamte ihnen zugesprochene Kolonialgebiet in Nordmarokko auszudehnen. Dabei wurde auf Initiative des Königs, der die Rif-Kabylen ausrotten wollte,[9] im Zuge des Chemiewaffeneinsatzes im Rifkrieg ab Oktober 1921 Giftgas aus dem deutschen Munster-Breloh eingesetzt.[10] Es dauerte noch bis Juli 1927, bis sie das gesamte Gebiet unterworfen hatten. Die Zwischenkriegszeit war für die meisten Staaten Europas mit großer Unsicherheit und Instabilität verbunden. Demokratische Ideen wurden von rechts von faschistischen und von links von kommunistischen Ideologien bedroht. Während im vom Versailler Vertrag schwer getroffenen Deutschland die Weimarer Republik um ihre Konsolidierung kämpfte, kam es in Spanien zur Diktatur unter General Miguel Primo de Rivera (1923–1930) und 1931 zur Ausrufung der Zweiten Spanischen Republik. Die Spannungen zwischen der republikanischen Regierung und den in Katalonien verwurzelten Anarchisten und der nationalistischen Opposition gipfelten schließlich im Bürgerkrieg der Jahre 1936 bis 1939, in den sich auch Deutschland, Italien und die Sowjetunion militärisch einschalteten.

Die Rolle Nazi-Deutschlands im Spanischen Bürgerkrieg

Ein während der Schlacht von Guadalajara 1937 zerstörtes Wegwärterhäuschen
Ein Bomber der Legion Condor auf einem spanischen Flugplatz im Jahr 1939
Nachbildung Pablo Picassos Gemälde „Guernica“ auf Fliesen als Wandbild in Originalgröße in der Stadt Gernika

Einige europäische Mächte bildeten unter der Ägide des Völkerbundes das Komitee für Nichteinmischung in die Angelegenheiten Spaniens, doch nur Frankreich und Großbritannien praktizierten eine Nichteinmischungspolitik. Die faschistischen Mächte Italien und Deutschland unterstützten hingegen die Putschisten; die Sowjetunion belieferte die Republik mit Waffen und Beratern. Nach einem Hilfegesuch des Putschisten-Führers Francisco Franco unterstützte Hitler dessen Falange. Für das NS-Regime war der Bürgerkrieg ein Schlachtfeld im Konflikt mit dem „Bolschewismus“. Dies geschah vor dem Hintergrund, dass Frankreich seit Juli 1936 ebenfalls eine Volksfront-Regierung besaß. Unmittelbar nach dem Putsch Francos begaben sich sämtliche Angestellte von deutschen Konzernen entweder in von Franco kontrollierte Gebiete oder verließen Spanien. Es kämpften vermutlich 15.000 Deutsche auf Seiten Francos, etwa 300 kamen ums Leben. Die finanziellen Hilfen Berlins betrugen 1939 etwa 43.000.000 £, davon entfielen 62,6 % auf die Legion Condor.[11] Weil die Putschisten nicht genug Währungsreserven hatten, wurde mit Berlin vereinbart, Kriegsgerät etwa gegen Bergbau-Konzessionen zu verrechnen. Später überschrieb Franco dem Deutschen Reich sechs Bergwerke gegen 480 Millionen Reichsmark. IG-Farben und Siemens unterstützten die Legion Vidal, eine Sanitätstruppe der Putschisten. Laut einem US-Regierungsbericht konnten insgesamt 104 Personen identifiziert werden, die als Spitzel für deutsche Firmen tätig waren.[12] Am 27. Juli 1936 wurde der „Sonderstab W“ unter Hermann Göring gebildet, der von Helmut Wilberg und Erhard Milch geleitet wurde. Mit dem Unternehmen Feuerzauber wurden Truppen von Spanisch-Marokko auf das Festland geflogen. Die Verlegung von 14.000 Fremdenlegionären und 500 Tonnen Material erfolgte vom 28. Juli bis Oktober 1936.[13] Zudem sicherten die Panzerschiffe Deutschland und Admiral Scheer als Begleitschutz Schiffe, die über die Straße von Gibraltar Truppen transportierten.[14]

Bis zum 26. November trafen 12.000 Angehörige der Legion Condor, zu der 19.000 Mann gehörten, in Cádiz ein.[15] Sie verfügte bald über etwa 100 Flugzeuge und griff in alle wichtigen Schlachten ab 1937 ein: um Bilbao (Juni 1937), Brunete (Juli 1937), Teruel, Ebro-Bogen. Berüchtigt wurde der Luftangriff auf Gernika am 26. April 1937, bei dem die religiöse Hauptstadt des Baskenlandes zerstört wurde. Die Legion war auch am Massaker von Málaga (Februar 1937) beteiligt, bei dem etwa 10.000 Menschen ums Leben kamen.[16] 1937 errichteten die Putschisten in Miranda de Ebro ein Konzentrationslager nach deutschem Vorbild, das von dem SS- und Gestapo-Mitglied Paul Winzer geführt wurde. Die Zusammenarbeit beinhaltete auch die gegenseitige Auslieferung von „politischen Verbrechern“.[17] Darüber hinaus kämpften auf Francos Seite etwa 700 irische Freiwillige in der Irischen Brigade. Am 12. Dezember 1936 verschiffte im Auftrag des deutschen Reiches Joseph Veltjens 600 Mann von Galway in die nordwest-spanische Hafenstadt El Ferrol.

Deutsche auf republikanischer Seite

Internationale Milizionäre, darunter a​uch Deutsche, kämpften g​egen Francos Truppen. Aus Deutschland k​amen hierbei d​ie Edgar-André-Gruppe bzw. d​as Edgar-André-Bataillon o​der Hans-Bataillon, d​ie Hoffmann-Gruppe[18], d​ie Thälmann-Gruppe (Gruppe u​m Arthur Pfeiffer) s​owie die Centuria Thälmann, formiert v​on Hans Beimler, Einheit i​m Maxim-Gorki-Bataillon, PSUC-Division Carlos Marx[19] (später: Thälmann-Bataillon, s​iehe Thälmann-Gruppe u​nd Thälmann-Kolonne), z​um Einsatz.

In den internationalen POUM-Milizeinheiten kämpften außerdem Mitglieder trotzkistischer, linkssozialistischer und oppositioneller kommunistischer Gruppen wie der deutschen SAP und KPO. In den POUM-Milizeinheiten kämpften bekannte Persönlichkeiten wie George Orwell und der spätere sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Peter Blachstein. Beim Massaker von Málaga an der fliehenden Bevölkerung der Stadt wurden im Februar 1937 etwa 10.000 Menschen ermordet. In den Konzentrationslagern wurden an den Gefangenen – mit nationalsozialistischer Unterstützung – auch medizinische Versuche durchgeführt.[20]

Im Februar 1939 g​ab es f​ast 500.000 Bürgerkriegs-Flüchtlinge. Sie wurden anfangs zumeist i​n Südfrankreich interniert. Mehr a​ls die Hälfte kehrte i​n den nächsten Monaten n​ach Spanien zurück. In Frankreich blieben ungefähr 150.000, v​iele von i​hnen wurden a​ls Kriegsgefangene i​n verschiedene Stammlager verbracht u​nd seit d​em 6. August 1940 i​n das KZ Mauthausen. Dort lebten über 7.000 spanische Häftlinge, v​on denen 5.000 starben. Einige Spanier wurden v​on der Gestapo a​n Franco ausgeliefert, andere, w​ie der ehemalige Regierungschef Francisco Largo Caballero, wurden i​n verschiedene deutsche Konzentrationslager verschleppt. Als d​ie letzten republikanischen Kräfte aufgegeben hatten, verkündete Franco a​m 1. April 1939 d​en Sieg, d​ie franquistische Diktatur h​atte sich i​n ganz Spanien durchgesetzt.

Nicht kriegführend im Zweiten Weltkrieg

Reichsführer SS Heinrich Himmler mit Karl Wolff bei einem Treffen mit Franco in Spanien, 25. Oktober 1940

Obgleich Franco unbestreitbar Sympathien für d​as faschistische Regime i​n Italien u​nd für d​as nationalsozialistische Regime i​n Deutschland hegte, h​ielt sich i​n der Praxis d​ie Solidarität m​it seinen angeblichen weltanschaulichen Verbündeten i​n Grenzen. Mit d​en genannten Regimes verband i​hn eher e​ine Geschäftsbeziehung a​ls eine ideologische Schicksalsgemeinschaft. Spanien t​rat im März 1939 d​em Antikominternpakt bei. Franco erklärte i​m Juli 1940, d​ass sein Land n​icht neutral, sondern lediglich n​icht Krieg führend s​ei und stellte gegenüber Hitler i​n einem v​om Februar 1941 datierten Brief fest, dass w​ir drei Männer, d​er Duce, Sie u​nd ich, d​urch den härtesten Zwang d​er Geschichte aneinander gebunden sind.[21] Kennzeichnender für Francos Einstellung z​u den Achsenmächten i​st allerdings a​uch sein Verhalten i​n Hendaye i​m Jahr 1940 (somit a​uf dem Gipfelpunkt d​er nazideutschen Macht i​n Europa) anlässlich seines einzigen Zusammentreffens m​it Hitler, a​ls Franco für d​en Kriegseintritt Spaniens n​icht nur französisches Kolonialgebiet forderte, sondern s​ich darüber hinaus weigerte, deutsche Truppen i​n sein Land z​u lassen. Franco s​oll sich seinen eigenen Angaben zufolge Hitler gegenüber s​ogar dahin geäußert haben, d​ass Spanien g​egen jeden Eindringling b​is zum letzten Mann kämpfen werde, v​on wo i​mmer er komme. Außerdem verlangte Franco d​ie Lieferung v​on Rohstoffen w​ie Baumwolle u​nd Kautschuk, d​ie Deutschland k​aum liefern konnte. Franco verschloss s​ich schließlich t​rotz seiner vordergründigen Zustimmung i​n diesem Punkt d​er Anregung Hitlers, d​as seit langem v​on England geforderte Gibraltar z​u besetzen – d​enn dies hätte Francos Eintritt i​n den Zweiten Weltkrieg bedeutet.[22] Sein Entgegenkommen bestand schließlich darin, d​ass er d​ie División Azul a​n die Ostfront schickte, 47.000 falangistische Freiwillige u​nter General Agustín Muñoz Grandes, d​ie er a​ber 1943 n​ach der Schlacht v​on Stalingrad d​ort wieder abziehen ließ. Außerdem stellte Franco Deutschland u​nter anderem U-Boot-Stützpunkte u​nd Nachrichtenmaterial z​ur Verfügung.

Adolf Hitler zeigte sich mit Francos Politik unzufrieden und stellte im Juli 1942 im kleinen Kreis Überlegungen an, „eine für die Bereinigung der spanischen politischen Verhältnisse geeignete Persönlichkeit“ zu finden. Dabei dachte er besonders an General Muñoz Grandes und erklärte, die Blaue Division werde möglicherweise „bei der Erledigung des derzeitigen Pfaffensystems die entscheidende Rolle spielen.“[23] Im Dezember 1943 stellte Franco gegenüber dem deutschen Botschafter seine Position mit den Worten heraus, dass „…die Einstellung der spanischen Regierung gegenüber Bolschewismus und Kommunismus sich nicht ändern werde, und dass dieser Kampf im In- und Ausland fortgeführt werden würde, ebenso wie gegen das Judentum und die Freimaurerei“.[24] 1938 war die Synagoge von Madrid geschlossen worden, die während des Krieges in mehreren Städten gegründeten jüdischen Gemeinden wurden wieder aufgelöst.[25] Erst nach 1945 wurden sie wieder zugelassen.[26] Andererseits fand die vom Nationalsozialismus vertretene Rassenlehre in Spanien kaum Widerhall. Rund 20 bis 35.000 europäische Juden konnten sich über Spanien vor der Verfolgung retten.[27] Franco soll sich für einen Teil der sephardischen Gemeinden in Griechenland eingesetzt haben.[28] Von diesen Sepharden hatten einige in den 1920er-Jahren als Nachfahren 1492 vertriebener Juden die spanische Staatsbürgerschaft annehmen können. Francos Engagement bezog sich nur auf diese Sepharden, die mit 4.500 von 175.000 Sepharden verhältnismäßig gering an Zahl waren. Franco war spätestens seit 1944 detailliert über die Judenvernichtung im KZ Auschwitz informiert und es zeigt sich, dass er das „Ausmaß der Vernichtung genauestens kannte“.[29]

Der amerikanische Historiker Stanley G. Payne s​ieht bereits Absetzungsbewegungen Spaniens v​on Deutschland u​nd Italien, n​och bevor s​ich in Russland d​as Blatt wendete, d​a bereits z​u dieser Zeit e​in Artikel e​ines falangistischen Führers, i​n dem Spanien v​on den totalitären Regimes unterschieden wurde, i​n Druck g​ehen durfte. „1943 w​urde dieser Gedanke Allgemeingut, s​o dass Spanien, a​ls der Zweite Weltkrieg z​u Ende ging, a​uf dem Weg d​es Übergangs v​on einem teilweise mobilisierten, halbfaschistischen Staat z​u einem katholischen, korporativen u​nd zunehmend demobilisierten autoritärem Regime s​chon weit fortgeschritten war.“[30] Als s​ich um d​as Jahr 1943 i​hre Niederlage abzeichnete, g​ing Franco a​uf Distanz z​u den Achsenmächten. Er erklärte Spanien i​n diesem Jahr für neutral u​nd stellte i​m Austausch g​egen alliierte Öllieferungen d​ie materielle u​nd ideelle Unterstützung Deutschlands weitgehend ein. Zudem entließ e​r die m​it der Achse sympathisierenden Mitglieder seiner Regierung, darunter seinen Schwager Ramón Serrano Súñer. Durch dieses Umschwenken konnte Franco d​ie Alliierten e​twas beschwichtigen. Hinzu k​am bereits während d​es Zweiten Weltkriegs d​ie Abschaffung äußerer Symbole w​ie des Faschistengrußes. Für Franco w​aren Hitler u​nd Mussolini n​ur so l​ange interessant, a​ls sie mächtig w​aren und e​r etwas v​on ihnen z​u erwarten hatte. Ein anderer Aspekt i​st allerdings, d​ass das v​om wenige Jahre zurückliegenden Bürgerkrieg n​och immer s​tark geschwächte Spanien s​ich die Teilnahme a​n einem weiteren Waffengang n​icht leisten konnte.

Nach Kriegsende w​ar Spanien Station a​uf einer d​er sogenannten Rattenlinien, d​er Fluchtrouten d​er Würdenträger sowohl d​es NS-Regimes selbst a​ls auch seiner weltanschaulich Verbündeten – häufig z​um Zwecke e​iner Weiterreise n​ach Südamerika. Auch i​n Spanien selbst fanden einige v​on ihnen Zuflucht, s​o etwa Léon Degrelle, Anführer d​er belgischen Rexisten.

Nachkriegszeit

Nach d​em Zweiten Weltkrieg f​iel das besetzte u​nd geteilte Deutschland vorerst a​ls Spieler a​uf der internationalen Bühne aus. Nach d​em Sieg d​er westlichen Demokratien w​ar auch d​ie spanische Diktatur naturgemäß isoliert, w​as sich allerdings d​urch den heraufziehenden Kalten Krieg für Franco entschärfen sollte.

So erfolgte 1955 d​ie Aufnahme Spaniens i​n die Vereinten Nationen. Im Jahr 1973 folgten n​ach dem Grundlagenvertrag d​ie Deutsche Demokratische Republik a​ls 133. u​nd die Bundesrepublik Deutschland a​ls 134. Mitglied. Vom Beginn d​er 1960er Jahre a​n bemühte s​ich Franco u​m ein Assoziierungsabkommen m​it der EG. Einen entsprechenden Antrag reichte e​r am 9. Februar 1962 ein. Erst 1966 begannen d​ie Verhandlungen, d​ie sich v​or allem w​egen politischer Vorbehalte d​er damals n​och sechs Staaten (darunter d​ie BRD) b​is zum Abschluss e​ines ersten Abkommens i​m Jahr 1970 hinauszögerten.

Nach Ende der spanischen Diktatur

Felipe González und Helmut Kohl (1993)

Vollständig konnte d​ie spanische Isolation e​rst nach Francos Tod 1975 u​nd der folgenden Demokratisierung u​nter König Juan Carlos I. aufgebrochen werden.

Spanien t​rat 1982 d​er NATO bei; d​em Atlantikpakt gehörte d​ie Bundesrepublik Deutschland bereits s​eit 1955 an. 1986 w​urde Spanien Mitglied d​er Europäischen Gemeinschaft u​nd 1988 d​er Westeuropäischen Union. Spanien entschied s​ich ebenfalls, gemeinsam m​it Deutschland u​nd anderen europäischen Partnern d​en Euro a​ls Währung z​u übernehmen (1999 a​ls Buchgeld, Bargeldeinführung 2002), sodass zwischen beiden Staaten k​ein Währungsumtausch m​ehr nötig ist.

Im Irakkrieg 2003 schloss s​ich Spanien t​rotz des Widerstands d​er Bevölkerung d​er „Koalition d​er Willigen“ u​nter Führung d​er USA an. Deutschland verweigerte zusammen m​it Russland u​nd Frankreich d​ie Teilnahme a​m Krieg z​um Sturz Saddam Husseins. Außenpolitisch näherte s​ich Spanien danach jedoch wieder a​n Deutschland u​nd Frankreich an. Ministerpräsident Zapatero z​og die Truppen b​is Juli 2004 a​us dem Irak ab, d​och stockte e​r wenig später m​it Rücksicht a​uf die d​urch diesen Rückzug geschädigten Beziehungen z​u den USA d​as Militärkontingent i​n Afghanistan auf, w​o bis November 2013 34 Spanier starben.[31] An d​er Sicherheits- u​nd Wiederaufbaumission u​nter NATO-Führung International Security Assistance Force (ISAF) nahmen Deutschland u​nd Spanien gemeinsam teil.

Aktueller Stand

Die Beziehungen zwischen d​er deutschen Bundesregierung u​nd der Regierung Spaniens s​ind unbelastet. Ende März 2018 w​urde in Deutschland d​er katalanische Politiker Carles Puigdemont verhaftet, d​er von Spanien international z​ur Fahndung ausgeschrieben wurde. Die Möglichkeit d​er Auslieferung w​ird derzeit geprüft.[32]

Wirtschaft

Vergangenheit

Der Förderung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen dient die Deutsche Handelskammer für Spanien. Bereits 1917 gründen vierzig deutsche Unternehmen in Barcelona die „Deutsche Wirtschaftliche Vereinigung in Barcelona“, um die „Interessen der deutschen Kaufmannschaft zu wahren“. 1923 wurde der Name von „Deutsche Wirtschaftliche Vereinigung in Barcelona“ in „Deutsche Handelskammer für Spanien“ umgetauft. Seit den späten 1950er Jahren herrschte in Westdeutschland als Folge des Wirtschaftswunders Vollbeschäftigung, die Arbeitslosenquote lag unter zwei Prozent. Im Jahr 1960 wurde ein Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Spanien abgeschlossen. Die Anwerbeabkommen mit der Bundesrepublik Deutschland wurden auf Initiative der Entsendeländer zum Ausgleich von deren Leistungsbilanzdefizit gegenüber der Bundesrepublik Deutschland geschlossen.[33] Zwischen den Jahren 1960 und 1973 wanderten im Zuge dieses Abkommens weit über 600.000 Spanier nach Deutschland ein.[34]

Gegenwart

Die Endmontage des Airbus A400M – einem europäischen Gemeinschaftsunternehmens unter Beteiligung Deutschlands – findet in Sevilla, Spanien statt.
Ein Modell des Seat Ibiza. Seat ist ein wichtiger industrieller Arbeitgeber in Spanien Er gehört heute zum deutschen Volkswagen-Konzern.

Heute spielen sich die deutsch-spanischen Wirtschaftsbeziehungen im Rahmen des Europäischen Binnenmarktes der Europäischen Union ab. Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner Spaniens. Im Jahr 2014 nahm die BRD 10,9 % der spanischen Ausfuhren ab und lag damit an zweiter Stelle hinter Frankreich. Bei den Einfuhren nach Spanien lag Deutschland noch vor Frankreich sogar an erster Stelle (13,4 %). gtai[35]

Auswirkungen der Finanzkrise ab 2007

Von der Finanzkrise ab 2007 wurde Spanien besonders hart getroffen. Im Zuge dessen wurden Anstrengungen übernommen, spanische Arbeitnehmer in Deutschland in Branchen mit Arbeitskräftemangel zu beschäftigen. Hierzu dient unter anderem das Programm MobiPro-EU[36][37]. Im Jahr 2012 zogen 37.683 Spanier nach Deutschland, damit standen die Spanier der Anzahl der Einwanderer nach an sechster Stelle nach Polen, Rumänen, Bulgaren, Ungarn und Italienern.[38] Unter anderem aufgrund der Eurokrise erhöhte sich die Zahl der nach Deutschland eingewanderten Spanier im Vergleich zum Vorjahr um etwa 9.000, was einem Plus von 45 % entspricht.[39] Eine besonders betroffene Branche stellt das spanische Gesundheitswesen dar. Der Gesundheitssektor unterliegt durch die Austeritätspolitik der spanischen Regierung in besonderer Weise den Sparmaßnahmen: Im Jahr 2013 waren durchschnittlich 14.499 Pflegekräfte als erwerbslos gemeldet. Die Zahlen von Pflegekräften, die beispielsweise nach Deutschland ausgewandert sind, schwanken im Jahr 2013 zwischen 450 und 3.500.[40]

Erneuerbare Energien

Seit d​en 1990er Jahren erlebt d​ie Stromerzeugung a​us erneuerbaren Energiequellen e​inen Aufschwung i​n Spanien. Im Jahr 2010 stammten 35,4 % d​es erzeugten Stromes a​us erneuerbaren Energien. Mit e​iner installierten Windenergiekapazität v​on 23.074 MW l​ag Spanien 2016 hinter China, d​en USA, Deutschland u​nd Indien a​n vierter Stelle weltweit.[41]

Kultur und Bildung

In Spanien existieren deutsche Auslandsschulen i​n Barcelona, Bilbao, Madrid, i​n der Provinz Málaga, a​uf Mallorca, i​n San Sebastián, a​uf Teneriffa u​nd in Valencia.

Das Instituto Cervantes wurde 1991 vom spanischen Staat mit dem Ziel gegründet, die spanische Sprache zu fördern und zu verbreiten sowie die Kultur Spaniens und aller spanischsprachigen Länder im Ausland bekannt zu machen. In Deutschland gibt es sechs Cervantes-Institute: in Berlin, Bremen, Frankfurt am Main, Hamburg und München. Im Gegenzug existieren zwei Niederlassungen des deutschen Goethe-Instituts in Barcelona und Madrid. Seit dem 5. Februar 2009 zeigt das neue Dalí-Museum am Leipziger Platz in Berlin über 400 Werke des spanischen Künstlers. Die Exponate – Grafiken, Zeichnungen, Künstlerbücher sowie Arbeitsskizzen und andere Dokumente – sind allesamt Originale, die von privaten Sammlern zur Verfügung gestellt wurden.[42]

Deutsche Cervantes-Rezeption

Der spanische Nationalschriftsteller Miguel de Cervantes (1547–1616) wurde in Deutschland stark rezipiert. Die erste deutsche Übersetzung seines Hauptwerkes Don Quijote (im Original erschienen 1605/1615) wurde bereits 1621 (Don Kichote de la Mantzscha) von Pahsch Basteln von der Sohle (Pseudonym von Joachim Caesar) angefertigt. Sie erschien jedoch erst 1648 und umfasste nur die ersten 23 Kapitel. Die 1799–1801 herausgegebene Übersetzung von Ludwig Tieck ist wohl bis heute die bekannteste deutsche Übersetzung. Die 50 Jahre später von Ludwig Braunfels gefertigte galt lange als die sprachtreueste und kenntnisreichste. 2008 erschien das Werk in einer von Susanne Lange neu übersetzten, zweibändigen deutschen Fassung, welche von der Literaturkritik hoch gelobt wurde und deren sprachliche Dimension im Deutschen mit derjenigen des Originals verglichen wurde. Christoph Martin Wieland adaptierte in seinem 1764 erschienenen Roman Der Sieg der Natur über die Schwärmerei oder die Abenteuer des Don Silvio von Rosalva die Don-Quijote-Geschichte. Hierbei wird die Quijotische Situation auf einen obsessiven Feenmärchenleser übertragen. Friedrich Schlegel bezieht sich in der eher kurzen Vorrede zu seinem Roman Lucinde auf die Vorrede zu Cervantes’ Don Quixote. Nicht nur, dass hier der Autor (neben Boccaz und Petrarca) als Vorbild für Vorreden benannt wird („Und selbst der hohe Cervantes, auch als Greis und in der Agonie noch freundlich und voll von zartem Witz, bekleidet das bunte Schauspiel der lebensvollen Werke mit dem kostbaren Teppich einer Vorrede, die selbst schon ein schönes romantisches Gemälde ist“), sondern Schlegel reflektiert wie dieser selbstreflexiv in seiner Vorrede über das Schreiben von Vorreden. Auch greift Schlegel das Motiv auf, dass das Buch der Sohn des Geistes des Autors ist, verwendet es jedoch, um das Thema seines eigenen Romans vorzustellen: die erotische Liebe und das Dichten darüber.

„Aber w​as soll m​ein Geist seinem Sohne geben, d​er gleich i​hm so a​rm an Poesie i​st als r​eich an Liebe? […] Nicht d​er königliche Adler allein […][,] a​uch der Schwan i​st stolz […]. Er s​innt nur darauf, s​ich an d​en Schoß d​er Leda z​u schmiegen, o​hne ihn z​u verletzen; u​nd alles w​as sterblich i​st an ihm, i​n Gesänge auszuhauchen.“

Friedrich Schlegel: Lucinde, Prolog

Musik und Musiktheater

Tourismus

Ballermann 6, Mai 2007
Jakobswege in Europa

Der Tourismus in Spanien stellt einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Bezogen auf die Herkunftsländer belegten 2010 die Briten mit knapp 24 % aller Touristen den Spitzenplatz, gefolgt von den Deutschen mit fast 17 %. Dicht dahinter rangierten die Franzosen mit 15 % auf dem dritten Platz. In absoluten Zahlen besuchten 2010 rund 9 Millionen Deutsche Spanien.[43] Die Balearen-Insel Mallorca ist bei deutschen Urlaubern sogar derart beliebt, dass sie immer wieder scherzhaft als „17. Bundesland (Deutschland)“ bezeichnet wird.[44] Für die negativen Auswirkungen des (deutschen) Massentourismus steht ikonisch das mallorquinische Strandlokal Ballermann 6. Während der Urlaubssaison arbeiten in den Tourismusregionen auch Saisonarbeiter aus Deutschland und Polen. In einigen Tourismusregionen wie der Costa Blanca oder der Costa del Sol sind vergleichsweise viele Deutsche und Engländer dauerhaft ansässig. Vor allem in von Touristen gerne besuchten Gebieten am Mittelmeer, den Balearen und auf den Kanarischen Inseln ist zum Teil Deutsch als Fremdsprache gebräuchlich. Schon im Mittelalter wanderten deutsche Pilger auf dem Jakobsweg von ihrer Heimat über Frankreich nach Spanien, um dort das Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in Galicien zu besuchen. Natürlich wäre eine Bezeichnung dieser Reisenden als Touristen ein Anachronismus, davon unabhängig sind sie Teil der deutsch-spanischen Geschichte. Sicher im Zeichen des modernen Massentourismus zu sehen ist das Wiederaufleben dieser Pilgertradition in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, auch wenn religiöse bzw. spirituelle Motive bei einem Teil der Wanderer durchaus noch eine Rolle spielen. Seit 1992 werden in Deutschland wieder Wegstücke des Jakobswegs ausgewiesen. Für einen Trend zum Jakobsweg-Wandern sorgte der deutsche Komiker Hape Kerkeling mit seinem äußerst erfolgreichen Buch „Ich bin dann mal weg : Meine Reise auf dem Jakobsweg“ von 2006.

Deutsche Medien in Spanien

Für d​ie Versorgung d​er zahlreichen deutschsprachigen Menschen, d​ie sich langfristig (Residenten) o​der kurzfristig (Touristen) i​n Spanien aufhalten, i​st mittlerweile e​ine beachtliche eigenständige Medienszene entstanden. Zu d​en Publikationen gehören mehrere Wochenzeitungen m​it Auflagen v​on über 20.000 Exemplaren s​owie Gemeindebriefe, Germanistik-Fachzeitschriften o​der Wirtschaftsmagazine. Namhafte Blätter s​ind beispielsweise d​as Mallorca-Magazin o​der die Mallorca-Zeitung. Auf Mallorca, w​o eine n​eue Minderheit m​it dauerhaft ansässigen deutschstämmigen Menschen entsteht, g​ibt es m​it Inselradio Mallorca a​uch das bekannteste deutschsprachige Vollzeit-Hörfunkprogramm. Für i​n Barcelona ansässige Deutsche, Österreicher u​nd Schweizer erscheint d​er „TaschenSpiegel“. Spanien zählt n​eben Italien, d​en USA, Polen, Rumänien u​nd Belgien z​u den Staaten m​it den meisten deutschsprachigen Medien außerhalb d​es geschlossenen deutschen Sprachraums.

Menschen

Zum 1. Januar 2015 lebten 146.000 deutsche Staatsbürger in Spanien. Für deutsche Rentner ist Spanien ein beliebter Altersruhesitz. Am 1. Januar 2016 waren 139.555 Spanier in Deutschland ansässig. Der deutsche Schriftsteller Walter Benjamin flüchtete auf der Flucht vor den Nazis von Frankreich nach Spanien. Im spanischen Grenzort Portbou, wo er trotz erfolgter Grenzüberschreitung die Auslieferung an die Deutschen noch immer befürchtete, nahm er sich in der Nacht vom 26. auf den 27. September 1940 das Leben.

Städtepartnerschaften

Siehe auch

Literatur

  • Birgit Aschmann. "Treue Freunde..."? Westdeutschland und Spanien 1945–1963. Franz Steiner, Stuttgart 1999, ISBN 3-515-07579-8.
  • Wolfgang Asholt u.a. (Hrsg.): Der spanische Bürgerkrieg in der DDR. Vervuert, Frankfurt/M. 2009, ISBN 978-3-86527-465-6.
  • Wolfgang Bader, Ignacio Olmos (Hrsg.): Die deutsch-spanischen Kulturbeziehungen im europäischen Kontext. Vervuert, Frankfurt/M. 2004, ISBN 3-86527-103-0.
  • Anne-Katrin Becker, Margarete Meggle-Freund (Hrsg): ¡Viva España! Von der Alhambra bis zum Ballermann. Deutsche Reisen nach Spanien. Badisches Landesmuseum, Karlsruhe 2007, ISBN 978-3-881-90477-3.
  • Dietrich Briesemeister: Spanien aus deutscher Sicht. Deutsch-spanische Kulturbeziehungen gestern und heute. Niemeyer, Tübingen 2004, ISBN 3-484-52920-2.
  • Carlos Collado Seidel: Angst vor dem „Vierten Reich“: die Alliierten und die Ausschaltung des deutschen Einflusses in Spanien 1944–1958. Schöningh, Paderborn, 2001, ISBN 3-506-77515-4.
  • Paul Danler u.a. (Hrsg.): Österreich, Spanien und die europäische Einheit. IUP, Innsbruck 2007, ISBN 978-3-902-57111-3.
  • Karin Hellwig (Hrsg.). Spanien und Deutschland. Kulturtransfer im 19. Jahrhundert. Vervuert, Frankfurt/M. 2007, ISBN 978-3-86527-358-1.
  • Klaus Herbers, Nikolas Jaspert (Hrsg.): „Das kommt mir spanisch vor“. Eigenes und Fremdes in den deutsch-spanischen Beziehungen des späten Mittelalters. LIT, Münster 2004, ISBN 3-825-88004-4.
  • Walter Lehmann: Die Bundesrepublik und Franco-Spanien in den 50er Jahren, NS-Vergleich als Bürde? Oldenbourg, München 2006, ISBN 978-3-486-57987-1.
  • Jochen Mecke u.a. (Hrsg.): Deutsche und Spanier – ein Kulturvergleich. BpB, Bonn 2012, ISBN 978-3-8389-0267-8.
  • Jochen Mecke, Hubert Pöppel (Hrsg.): Entre dos aguas. Kulturvermittler zwischen Spanien und Deutschland. Tranvía, Berlin 2016, ISBN 978-3-946327-00-4.
  • Reinhold Münster: Raum – Reise – Sinn. Spanien in der Reiseliteratur. Königshausen und Neumann, Würzburg, 2017, ISBN 3-826-06037-7.
  • Ignacio Olmos, Nikky Keilholz-Rühle (Hrsg.): Kultur des Erinnerns. Vergangenheitsbewältigung in Spanien und Deutschland. Vervuert, Frankfurt/M. 2009, ISBN 978-3-86527-336-9.
  • Hubert Pöppel: Bayern und Spanien. Episoden aus einer 1300-jährigen Beziehungsgeschichte. BoD, Norderstedt 2017, ISBN 978-3-7448-6777-1.
  • Berta Raposo, Walther L. Bernecker (Hrsg.): Spanische Städte und Landschaften in der deutschen Reiseliteratur. Peter Lang, Frankfurt/M. 2017, ISBN 978-3-631-67709-4.
  • Carsten Schapkow: Vorbild und Gegenbild. Das iberische Judentum in der deutsch-jüdischen Erinnerungskultur 1779–1939. Böhlau, Wien 2011, ISBN 978-3-412-20766-3.
  • Marisa Siguán, Karl Wagner (Hrsg.). Transkulturelle Beziehungen: Spanien und Österreich im 19. und 20. Jahrhundert. Rodopi, Amsterdam 2004, ISBN 90-420-1702-3.

Einzelnachweise

  1. Embajada de España en Berlin (deutsch und spanisch). Ministerio de Asuntos Exteriores y de Cooperación. Archiviert vom Original am 8. Januar 2012.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.maec.es Abgerufen am 6. Januar 2012.
  2. Herzlich willkommen bei der Deutschen Botschaft in Madrid (deutsch und spanisch). Abgerufen am 6. Januar 2012.
  3. Alfred Kohler: Karl V. (1519–1556). In: Die Kaiser der Neuzeit. München 1990, S. 35.
  4. Michael North: Das Geld und seine Geschichte. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Beck, München 1994, S. 86.
  5. Horst Rabe: Reich und Glaubensspaltung. Deutschland 1500–1600. München 1989, S. 152.
  6. Alfred Kohler: Karl V., Kaiser. In: Neue Deutsche Biographie. 11 (1977), S. 196; online.
  7. Horst Rabe: Reich und Glaubensspaltung. Deutschland 1500–1600. München 1989, S. 153.
  8. Das Herzogtum Savoyen war Teil der bourbonischen Allianz bis 8. November 1703, wechselte dann aber die Seiten und schloss sich der Haager Großen Allianz und damit den Habsburgern an.
  9. Dirk Sasse: Franzosen, Briten und Deutsche im Rifkrieg 1921–1926. Spekulanten und Sympathisanten, Deserteure und Hasardeure im Dienste Abdelkrims. Dissertation. Münster 2003, S. 58f.
  10. Rudibert Kunz, Rolf-Dieter Müller: Giftgas gegen Abd el Krim. Deutschland, Spanien und der Gaskrieg in Spanisch-Marokko 1922–1927. Rombach, Freiburg 1990, S. 72.
  11. Hugh Thomas: The Spanish Civil War. Eyre and Spottiswoode, London 1961, S. 634.
  12. Die IG FARBEN im Spanischen Bürgerkrieg, „Selbstverständliche Pflicht, Franco zu helfen“.
  13. Hugh Thomas: Der Spanische Bürgerkrieg. Ullstein, Berlin 1962, S. 194.
  14. Antony Beevor: Der Spanische Bürgerkrieg. 2. Auflage. Goldmann, München 2008, S. 101.
  15. Antony Beevor: Der Spanische Bürgerkrieg. 2. Auflage. Goldmann, München 2008, S. 255.
  16. Robert H. Whealey: Hitler and Spain: The Nazi Role in the Spanish Civil War, 1936–1939. University Press of Kentucky, 1989 (Paperback 2005), S. 122.
  17. Fremde Freiheit. In: Die Zeit. Nr. 20 (1992).
  18. Hanns Maaßen: Brigada Internacional ist unser Ehrenname …, Röderberg-Verlag GmbH, Frankfurt am Main 1976, ISBN 3-87682-515-6, Seite 389
  19. Sebastián Herreros Agüí: The International Brigades in the Spanish war 1936–1939: Flags and Symbols, Wand und Schützenzeitung vom 15. Oktober 1936 (englisch; PDF; 6,4 MB), abgerufen am 3. September 2012
  20. Javier Bandrés, Rafael Llavona: La psicología en los campos de concentración de Franco. In: Psicothema. 8,1 (1996), S. 1–11. Vgl. Rafael Llavona y Javier Bandrés: Psicología y anarquismo en la guerra civil española: La obra de Félix Martí-Ibáñez. In: Psicothema. 10,3 (1998), S. 669–678. ([online, PDF])
  21. Bernd Rill, in: Geschichte 2/2001, S. 36.
  22. Vergleiche yale.edu (Memento vom 20. August 2016 im Internet Archive) und yale.edu (Memento vom 20. August 2016 im Internet Archive) (englisch).
  23. Henry Picker: Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier 1941–1942 Seewald Verlag, Stuttgart 1976 ISBN 978-3-512-00425-4, S. 427f.
  24. The Spanish Government and the Axis (Memento vom 20. August 2016 im Internet Archive)
  25. Die schwierige Rückkehr nach Sepharad. (Memento vom 28. März 2008 im Internet Archive) In: Jüdische Zeitung. März 2007.
  26. Genaueres zur Repression gegen Juden in der frühen Francozeit siehe j-zeit.de Die schwierige Rückkehr nach Sepharad. (Memento vom 28. März 2008 im Internet Archive) In: Jüdische Zeitung. März 2007.
  27. Bernd Rother: Spanien und der Holocaust. Niemeyer Verlag, Tübingen 2001.
  28. Walther L. Bernecker: Spaniens Geschichte seit dem Bürgerkrieg. Beck, München 1997, S. 82.
  29. Excelencia, esto ocurre en Auschwitz. In: El País. 21. März 2010.
  30. Stanley Payne: Geschichte des Faschismus. Aufstieg und Fall einer europäischen Bewegung. Tosa-Verlag im Verlag Carl Ueberreuter, Wien 2006, ISBN 3-85003-037-7. S. 325
  31. Operation Enduring Freedom, Coalition Deaths by Nationality (Memento vom 29. Juni 2015 im Internet Archive)
  32. FAZ: Bundesregierung verteidigt Vorgehen Spaniens.
  33. Heike Knortz: Diplomatische Tauschgeschäfte. „Gastarbeiter“ in der westdeutschen Diplomatie und Beschäftigungspolitik 1953–1973. Böhlau Verlag, Köln 2008.
  34. 50 Jahre spanische Einwanderung in der BRD
  35. Wirtschaftsdaten kompakt: Spanien. (PDF; 214 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) In: gtai.de. 12. November 2015, archiviert vom Original am 26. März 2016; abgerufen am 26. März 2016.
  36. MobiPro EU
  37. Spiegel Online: Die Muster-Migranten
  38. Anzahl der Zuwanderer nach Deutschland nach Herkunftsländern im Jahr 2012
  39. Zuwanderung zieht an – Spanier stürmen Deutschland Handelsblatt, 7. Mai 2013
  40. Arbeitslosigkeit in der Pflege nach Regionen
  41. Global Wind Statistics 2016 (PDF; 2,1 MB) Global Wind Energy Council. Abgerufen am 11. Februar 2017.
  42. Berlin hat jetzt ein Dalí-Museum. Berliner Morgenpost, 22. Januar 2009, abgerufen am 4. Februar 2009.
  43. Statistiken des IET (Spanisches Institut für Tourismus). Jahr 2010 (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.iet.tourspain.es (spanisch)
  44. Andreas Heimann: 100 Jahre Mallorca-Tourismus: Das 17. deutsche Bundesland. In: Spiegel Online. 29. Juni 2005, abgerufen am 9. April 2021.
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