Deutsch-estnische Beziehungen

Bilaterale Beziehungen zwischen Deutschland u​nd Estland bestanden a​b dem 9. Juli 1921 u​nd wieder s​eit dem 28. August 1991.

deutsch-estnische Beziehungen
Deutschland Estland
Deutschland Estland

Estland verfügt über e​ine Botschaft i​n Berlin u​nd Honorarkonsuln i​n Hamburg, Ludwigsburg, Grasbrunn b​ei München, Düsseldorf u​nd Kiel.[1] Deutschland besitzt e​ine Botschaft i​n Tallinn.[2] Beide Länder s​ind Mitglieder d​er Europäischen Union, d​er NATO u​nd des Ostseerates.

Geschichte

Seit d​er Zugehörigkeit Estlands z​um Gebiet d​es Deutschen Ordens i​m Mittelalter spielten d​ie Deutschbalten e​ine bedeutende Rolle i​n der estnischen Gesellschaft.

Deutsche Truppen besetzen Estland, August 1941

Die Universität Tartu w​ar zwischen 1802 u​nd 1893 e​ine deutschsprachige Hochschule – über 50 Prozent d​er Professoren w​aren „Reichsdeutsche“, weitere 40 Prozent Deutschbalten.

Zum Ende des Ersten Weltkriegs (im Februar 1918) wurde das im Jahr 1710 Russisch gewordene Estland von deutschen Truppen besetzt. Es gelang den Esten in der Folge, ihre Unabhängigkeit im Estnischen Freiheitskrieg (1918–1920) gegen Sowjetrussland und die unter deutschem Kommando stehende Baltische Landeswehr durchzusetzen. Auf Seiten der Esten kämpfte das deutsch-baltische Baltenregiment. 1921 erkannte Deutschland die Unabhängigkeit Estlands an, und die beiden Länder nahmen diplomatische Beziehungen auf. 1939 schloss das Deutsche Reich einen Nichtangriffspakt mit Estland. Im Oktober 1939 wurden die Deutschbalten zwangsweise in den „Warthegau“ umgesiedelt. Im Hitler-Stalin-Pakt wurde Estland dem sowjetischen Interessengebiet zugeschlagen. Am 16. Juni 1940 stellte die sowjetische Regierung Estland ein Ultimatum und besetzte und annektierte es anschließend. Die neuen Machthaber verfolgten und ermordeten oder deportierten größere Teile der estnischen Elite. Nach dem Überfall des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 wurde Estland im August 1941 von deutschen Truppen besetzt. Bis Oktober 1944 dauerte die Besatzung an. Als die deutschen Truppen zurückwichen, wurde das Land erneut von der Sowjetunion besetzt und als "Estnische SSR" in die Sowjetunion eingegliedert. 1991 konnte Estland seine Unabhängigkeit schließlich durch Demonstrationen wie die "Via Baltica" zusammen mit den anderen baltischen Staaten gegenüber dem in seine Bestandteile zerfallenden Sowjetstaat durchsetzen.

Der estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der 43. Münchner Sicherheitskonferenz 2007

Acht Tage n​ach der estnischen Unabhängigkeit n​ahm Deutschland d​ie diplomatischen Beziehungen z​u Estland wieder auf. Inzwischen i​st das Land i​n die europäischen Strukturen eingebunden, d​ie Beziehungen z​um EU-Partner Deutschland s​ind freundschaftlich.

Diplomatischer Austausch

Die Deutsch-Baltische Parlamentariergruppe pflegt d​ie Beziehungen zwischen d​em Deutschen Bundestag u​nd dem Riigikogu. Vorsitzender i​n der 18. Wahlperiode i​st Alois Karl (CDU/CSU). Stellvertretende Vorsitzende s​ind René Röspel (SPD), Axel Troost (Die Linke) u​nd Konstantin v​on Notz (Bündnis 90/Die Grünen).[3]

Siehe auch

Commons: Deutsch-estnische Beziehungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Botschaft von Estland in Berlin (Deutsch, Englisch und Estnisch). Abgerufen am 8. November 2011.
  2. Botschaft der Bundesrepublik Deutschland – Tallinn (deutsch und estnisch). Archiviert vom Original am 1. Januar 2012. Abgerufen am 8. November 2011.
  3. Vorstände der Parlamentariergruppen in der 18. Wahlperiode (Memento vom 4. August 2014 im Internet Archive)
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