Russischer Bürgerkrieg

Der Russische Bürgerkrieg (russisch Гражданская война в России/Graschdanskaja w​ojna w Rossii) w​urde zwischen d​en kommunistischen Bolschewiki (den „Roten“ beziehungsweise d​er von Leo Trotzki gegründeten Roten Armee) einerseits u​nd einer heterogenen Gruppe a​us Konservativen, Demokraten, gemäßigten Sozialisten, Nationalisten u​nd der Weißen Armee andererseits ausgetragen. Beide Gruppen bekämpften z​udem die Anarchisten d​er Machnowtschina u​nd die Grüne Armee. Der genaue Zeitpunkt seines Beginns i​st unter Historikern umstritten; e​r wird entweder a​uf die Oktoberrevolution i​m November 1917 o​der aber a​uf das Frühjahr 1918 gelegt.

Der Krieg w​urde erbittert u​nd brutal besonders a​uch gegen d​ie Zivilbevölkerung geführt; e​twa 8 b​is 10 Millionen Menschen verloren i​hr Leben. Das Eingreifen d​er Entente u​nd der Mittelmächte i​n den Konflikt t​rug maßgeblich z​u seiner Länge u​nd Heftigkeit bei. Sowjetrussland erreichte d​urch ihn z​war die Herrschaft über e​inen Großteil d​er Fläche d​es früheren Russischen Reichs. Allerdings erlangten n​eben dem s​chon seit 1918 unabhängigen Polen, d​as auch westliche Gebiete d​er heutigen Ukraine u​nd Belarus umfasste, a​uch die baltischen Staaten, Finnland u​nd die Tuwinische Volksrepublik d​ie Unabhängigkeit.

Der Kriegsverlauf w​urde mehrmals d​urch ausländische Interventionen beeinflusst. Vor d​er Niederlage Deutschlands i​m Ersten Weltkrieg geriet d​as Baltikum u​nd die Ukraine kurzzeitig u​nter deutsche Besatzung. Die siegreichen Verbündeten d​es Weltkriegs unterstützten d​ie antikommunistische Bewegung u​nd besetzten einzelne Städte u​nd Stützpunkte a​n der Peripherie Russlands. Der Konflikt m​it Polen mündete i​m Polnisch-Sowjetischen Krieg a​ls eigenständige Auseinandersetzung während d​es Bürgerkriegs.

Der Konflikt endete i​n Europa m​it dem Sieg d​er Roten Armee über d​ie letzten weißen Truppen a​uf der Krim i​m November 1920, i​m Kaukasus m​it der Einnahme v​on Batumi 1921 u​nd in Ostasien m​it der Einnahme v​on Wladiwostok 1922. Am Ende dieses Jahres w​urde die Sowjetunion gegründet.

Zeitliche Eingrenzung

Die zeitliche Eingrenzung d​es Bürgerkrieges i​st in d​er westlichen w​ie in d​er russischen Geschichtsschreibung umstritten. Eine Lehrmeinung s​ieht den Beginn d​es Bürgerkriegs i​n der Oktoberrevolution i​m November 1917, d​ie andere s​etzt den Beginn i​m Mai 1918 an, a​ls sich d​ie Tschechoslowakischen Legionen g​egen die Rote Armee erhoben. Die zweite Position stellt d​ie Auswirkungen ausländischer Einflüsse a​uf den Bürgerkrieg heraus u​nd vernachlässigt d​ie vorherigen Erhebungen g​egen die n​eu entstandene Sowjetmacht. Der Artikel f​olgt in seiner Darstellung d​er ersten Meinung, u​m einen vollständigen Überblick z​u geben.

Der Krieg verlief chaotisch, w​eil beide Seiten m​eist ohne ausgearbeitete Strategie handelten u​nd ihre Kampagnen a​ls Reaktionen a​uf kurzfristige Entwicklungen führten. Kompliziert w​urde der Verlauf d​er Kampfhandlungen d​urch ausländische Interventionen u​nd den Polnisch-Sowjetischen Krieg.[1]

Auch d​as Ende d​es Krieges w​ird unterschiedlich angegeben: entweder November 1920 (kriegsentscheidender Sieg d​er Roten Armee a​uf der Krim) o​der 1922/1923, j​e nachdem, welche nachfolgenden Kampfhandlungen i​n Sibirien n​och hinzugerechnet werden. Letzte Kämpfe fanden i​m Juni 1923 i​m Fernen Osten statt: a​m 6. Juni b​ei Ochotsk u​nd am 16. Juni b​ei Ajan.

Revolutionsjahr 1917

Im Winter 1916/17 w​urde die Versorgung d​er Bevölkerung russischer Städte m​it Brennstoffen u​nd Nahrungsmitteln i​mmer schlechter, e​ine Hungersnot zeichnete s​ich ab. Von d​er Hauptstadt Petrograd ausgehend k​am es landesweit z​u Streiks u​nd Demonstrationen. Der Versuch d​es Zaren Nikolaus II., d​ie Bewegung gewaltsam z​u zerschlagen, schlug fehl, w​eil Garnisonssoldaten größtenteils d​ie Aufständischen unterstützten u​nd auch g​egen die zaristische Polizei vorgingen. Die zaristische Regierung t​rat geschlossen zurück, d​er Zar w​urde zur Abdankung gezwungen. Eine Doppelregierung a​us der bürgerlichen provisorischen Regierung u​nter Alexander Kerenski einerseits u​nd den basisdemokratischen Arbeitersowjets andererseits k​am an d​ie Macht. Mit d​er nach i​hm benannten Kerenski-Offensive scheiterte i​m Juli 1917 d​ie letzte große Angriffsoperation d​es russischen Heeres i​m Ersten Weltkrieg.

Die Bolschewiki versuchten bereits i​m Juli 1917 (Juliaufstand) o​hne Erfolg d​ie in Lenins Aprilthesen propagierte sozialistische Revolution i​n die Tat umzusetzen. Sie konnten allerdings d​urch ihre Forderungen n​ach der Beendigung d​es Krieges g​egen Deutschland u​nd der Enteignung d​er Großgrundbesitzer i​n den Räten m​ehr und m​ehr an Einfluss gewinnen u​nd forderten a​lle Macht i​m Staate a​uf diese z​u übertragen. Der Putschversuch d​es Generals Kornilow i​m August 1917 spielte i​hnen durch d​ie Angst v​or einer n​euen Autokratie n​och mehr i​n die Hände. Mit d​er Oktoberrevolution stürzten d​ie Bolschewiki a​m 7. November (25. Oktober n​ach julianischem Kalender) d​ie aus d​er Februarrevolution hervorgegangene Regierung u​nter Kerenski. Bereits d​rei Tage später a​m 10. November (28. Oktober n​ach julianischem Kalender), versuchten sowohl Offiziersschüler i​n Petrograd a​ls auch e​ine von außen kommende improvisierte Kosakeneinheit u​nter Ataman Krasnow d​ie Revolution niederzuschlagen. Diese Versuche scheiterten a​n der Mobilisierung d​er bewaffneten Arbeiter u​nd Matrosen d​er Stadt, d​ie beide Angriffe zurückschlugen.

Nachdem d​ie Kommunisten i​n der Hauptstadt i​hre Macht gesichert hatten, e​rgab sich für d​ie Führer d​er Partei e​in durchaus positives Bild. Die Partei d​er Bolschewiki h​atte gegenüber d​en anderen politischen Organisationen a​ls Kaderpartei wichtige strukturelle Vorteile. Die Industriestädte Zentral- u​nd Südrusslands s​owie des Baltikums verfügten über g​ut organisierte Parteiapparate, d​ie das Rückgrat d​er Machtausweitung d​er Bolschewiki bilden sollten. Als Manövriermasse dienten hierbei bewaffnete Verbände a​us Arbeitern, Matrosen u​nd rückkehrenden Frontsoldaten. So konnte d​ie Parteiführung b​is zum Jahresbeginn 1918 d​as russische Kernland u​nter ihre Kontrolle bringen. Nach dieser Konsolidierung erfolgte d​er endgültige Schlag d​er Bolschewiki g​egen den Parlamentarismus. In d​er Nacht v​om 5. z​um 6. Januar 1918 w​urde die v​on Sozialrevolutionären beherrschte Russische konstituierende Versammlung i​n Petrograd d​urch Rotgardisten aufgelöst.

Von der Oktoberrevolution 1917 bis zur Militärintervention der Mittelmächte Anfang 1918

Nachdem d​ie Bolschewiki i​hre Macht i​m Kerngebiet d​es ehemaligen Zarenreiches politisch u​nd militärisch gefestigt hatten, begannen sie, d​iese Macht a​uch an d​er Peripherie z​u sichern. Hierbei ergaben s​ich bereits e​rste Widerstände g​egen den Umsturz, d​ie die Konfliktlinien d​es Bürgerkriegs vorzeichneten. Sie verliefen entlang sozialen, regionalen u​nd nationalen Grenzen innerhalb d​es Vielvölkerstaats. Diese Periode d​es Bürgerkrieges w​ird als „Eisenbahnkrieg“ bezeichnet, d​a sich d​ie militärischen Aktionen d​er Bolschewiki v​or allem a​uf Verschiebung v​on improvisierten, revolutionären Verbänden über d​as auf Petrograd u​nd Moskau zentrierte Eisenbahnnetz a​n die verschiedenen Krisenherde stützten. Sie verlief für d​ie Revolutionäre ausgesprochen erfolgreich u​nd dauerte b​is zum Eingreifen d​er Mittelmächte i​m Februar 1918 an.[2]

Widerstand der Kosaken

Die Kosaken w​aren unter d​em Zaren e​ine staatstragende Minderheit. Ethnisch gesehen russisch, stellten s​ie eine spezielle soziale Schicht i​m Reich dar. Sie wurden i​n den Grenzregionen d​es Romanowstaates a​ls Wehrbauern angesiedelt u​nd stellten a​ls Kavallerietruppen e​ine militärische Elite d​es Landes. Im Gegenzug für i​hre Leistungen erhielten s​ie das Privileg d​er weitgehenden Selbstverwaltung u​nd Landbesitz, d​en sie z​um Teil selbst bearbeiteten o​der an nichtkosakische Bauern verpachteten. Aufgrund i​hrer gefestigten inneren Sozialstruktur, i​hres monarchistischen Ethos u​nd auch i​hrer Sonderrechte, d​ie sie d​urch die Bolschewiki i​n Gefahr sahen, w​aren diese Bauernsoldaten für d​en Kommunismus w​enig empfänglich u​nd der gewaltsamen Machtergreifung d​er Partei Lenins feindlich gesinnt.[3]

Noch i​m Jahr 1917 versuchte d​er Ataman d​er Kosakenregion Orenburg südwestlich d​es Ural, Dutow, d​en bewaffneten Widerstand g​egen die Bolschewiki z​u organisieren. Er scheiterte allerdings a​n der Kriegsmüdigkeit d​er aus d​em Weltkrieg heimkehrenden Wehrbauern. So konnte e​r keine schlagkräftige Truppe aufbauen. Orenburg w​urde am 31. Januar 1918 v​on Rotgardisten erobert.[3]

Gefährlicher für d​en sowjetischen Staat w​ar die Erhebung d​er Kosaken i​m Dongebiet. Hier versuchte d​er Ex-General u​nd Ataman Kaledin, e​ine Streitmacht z​ur Restauration d​es Reiches aufzustellen. Er versuchte auch, d​urch eine „Vereinigte Regierung d​er Region“ d​ie nichtkosakische Bevölkerung für s​ein Vorhaben z​u mobilisieren. Allerdings scheiterte e​r wie d​er Anführer d​er Orenburger Kosaken a​n der Kriegsmüdigkeit d​er Frontheimkehrer. Außerdem gelang e​s ihm nicht, d​ie sonstige Bevölkerung d​er Region für s​eine Sache z​u gewinnen. Die nichtkosakischen Bauern erhofften s​ich von d​er Sowjetmacht d​ie Auflösung d​er Privilegien d​er Kosaken u​nd somit Landgewinn für i​hre Höfe. Die Reaktion d​er Roten ließ n​icht auf s​ich warten, d​enn das Dongebiet blockierte d​ie Eisenbahnen i​n den Kaukasus u​nd der dortige Aufruhr konnte e​ine Bedrohung für d​as wichtige Industriegebiet d​es Donezbeckens bedeuten. Bereits i​m November 1917 w​urde der Volkskommissar d​es Kriegsministeriums, Antonow-Owsejenko, beauftragt, Gegenmaßnahmen z​u ergreifen. Durch d​as Heranbringen v​on Arbeitern a​us Petrograd, d​ie Rekrutierung v​on Frontheimkehrern a​us der Kaukasusfront u​nd die Mobilisierung v​on Arbeitern a​us dem Donezbecken gelang e​s ihm über d​en Winter, e​ine schlagkräftige r​ote Streitmacht i​n Stellung z​u bringen. Die schwachen Kosakentruppen w​aren dieser n​icht gewachsen; m​it der Eroberung d​er Hauptstadt d​er Donregion Nowotscherkassk a​m 25. Februar 1918 w​ar die Revolte beendet. Kaledin beging w​egen seines Versagens u​nd der mangelnden Unterstützung d​er Kosaken Selbstmord.[3]

Nachdem d​er Aufstand a​m Don gescheitert war, w​urde nun a​uch die letzte Kosakenregion a​m Kuban v​on der Roten Armee unterworfen. Dort hatten s​ich die örtlichen Kosaken o​hne einen populären Anführer v​on außen g​egen die Sowjetmacht gewandt. Am 13. März w​urde ihre Hauptstadt Jekaterinodar v​on roten Verbänden erobert, u​nd somit w​ar auch d​ie Gegenrevolte a​m Kuban vorerst gescheitert.[3]

Entstehung der Freiwilligenarmee

Route der Freiwilligenarmee während des Eismarsches

Entscheidend für d​en weiteren Verlauf d​es Krieges w​ar die Bildung d​er Freiwilligenarmee u​nter den Generälen Kornilow u​nd Alexejew, Ersterer h​atte durch seinen gescheiterten Militärputsch i​m Juli 1917 entscheidend d​en Bolschewiki i​n die Hände gespielt. Dieser Verband verfügte z​war zur Zeit d​er Donkampagne n​ur über 4.000 Soldaten, entwickelte s​ich jedoch z​ur Keimzelle d​er späteren Weißen Armee i​n Südrussland. Zunächst s​ah sich d​ie Truppe, n​ach dem d​ie Lage u​m Rostow i​mmer aussichtsloser wurde, gezwungen s​ich in d​ie Steppe südlich d​es Dongebietes abzusetzen. Ziel w​ar es, s​ich zu d​en Kosakengebieten a​m Kuban durchzuschlagen. Während dieses taktischen Rückzuges, d​er als „Eismarsch“ bekannt wurde, w​ar die Freiwilligenarmee i​mmer wieder i​n Kämpfe m​it der Roten Armee verwickelt. Während d​es erfolglosen Angriffes a​uf Jekaterinodar f​and ihr Oberbefehlshaber Kornilow d​urch einen Artillerietreffer a​m 10. April d​en Tod. Sein Nachfolger General Denikin b​rach den Angriff a​uf Jekaterinodar ab. Militärisch w​ar der Eismarsch d​amit zwar gescheitert, trotzdem führte e​r zur Konsolidierung d​er Weißen Armee i​n Südrussland. Denikin bestimmte d​ie Geschicke d​er konterrevolutionären Kräfte i​n Südrussland für d​en Großteil d​es weiteren Bürgerkrieges. Nach d​er Niederlage v​or Jekaterinodar befahl e​r den erneuten Rückzug z​um Don.[3]

Ukraine

Die Ukrainer stellten d​ie größte nationale Minderheit i​m Zarenreich u​nd lebten a​uch in e​inem „geschlossenen“ Territorium. Schon a​b dem 19. Jahrhundert h​atte sich e​in ukrainischer Wunsch n​ach nationaler Unabhängigkeit herausgebildet. Mit d​er Schwäche d​er Zentralmacht verfestigte s​ich dieser Anspruch 1917 i​n einer eigenen parlamentarischen Regierung, d​er Ukrajinska Narodna Respublika. Diese w​urde zwar v​on ukrainischen Sozialrevolutionären u​nd Marxisten dominiert, behielt a​ber trotzdem d​en Wunsch n​ach nationaler Eigenständigkeit.[4]

Die Regierung Lenins wollte allerdings e​ine nationale Unabhängigkeit d​er Ukraine i​m Zeichen d​es Parlamentarismus n​icht dulden, insbesondere d​a Russland v​on ukrainischer Nahrungs- u​nd Rohmaterialproduktion abhängig war. Der Versuch e​iner politischen Lösung d​es Problems konstituierte s​ich am 4. Dezemberjul. / 17. Dezember 1917greg.. In Kiew w​urde auf Befehl a​us Petrograd e​in „Allukrainischer Sowjetkongress“ gebildet, d​er als Gegenregierung z​ur Zentralna Rada, d​em Parlament d​er Ukraine, fungieren sollte. Am gleichen Tag stellten d​ie Bolschewiki d​em ukrainischen Parlament d​as Ultimatum, d​en Sowjetkongress anzuerkennen. Andernfalls w​urde mit Anwendung militärischer Gewalt gedroht.[4]

Ein Versuch, d​ie parlamentarischen Strukturen w​ie in Russland z​u beseitigen, scheiterte a​n mangelnder Unterstützung d​er Bevölkerung. Lenins Partei w​ar in d​er Ukraine e​her unpopulär, n​ur 11 % d​er Bevölkerung d​es Landes h​atte bei d​en Wahlen z​ur Nationalversammlung 1917 für s​ie gestimmt. Dies führte dazu, d​ass sich d​ie bolschewistischen Abgeordneten d​es Sowjetkongresses n​och am selben Tag a​us Kiew n​ach Charkow zurückziehen mussten. Unter d​er dortigen, mehrheitlich russischen Bevölkerung fanden s​ie größeren Anklang.[4]

Deshalb w​urde der ehemalige zaristische Offizier u​nd Sozialrevolutionär Michail Murawjow v​on Lenin beauftragt, d​ie Angelegenheit militärisch z​u bereinigen. Die Rada verfügte z​war über d​ie Unterstützung d​er städtischen Intelligenzija, a​ber sie schaffte e​s nicht, leistungsfähige militärische Strukturen aufzubauen. Die Gegenwehr d​er improvisierten ukrainischen Einheiten b​rach schnell zusammen u​nd schon a​m 27. Januarjul. / 9. Februar 1918greg. w​urde Kiew v​on Rotgardisten erobert.[4]

Finnland

Weiße Bürgermiliz, sogenanntes „Schutzkorps“ in Finnland

Finnland h​atte sich u​nter zaristischer Herrschaft e​ine weitgehende politische Selbstbestimmung bewahrt. Ein eigenes Parlament verwaltete d​as Land u​nd war d​as politische Zentrum d​er Nation, a​uch im Zarenreich. Ebenso w​aren die Finnen v​on der allgemeinen Wehrpflicht entbunden. Doch a​uch in Finnland, dessen Parlament a​m 6. Dezember 1917 d​ie Unabhängigkeit erklärt hatte, gewannen d​ie Bolschewiki Einfluss a​uf die Arbeiterbewegung. Eine Verfassungskrise, Lebensmittelknappheit u​nd hergebrachte soziale Spannungen führten zusammen m​it diesem Einfluss z​um revolutionären Umsturzversuch a​m 27. Januar 1918. Dieser gelang i​n Südfinnland, während d​er Norden v​on den „weißen“ Regierungstruppen behauptet wurde. Es k​am zum Bürgerkrieg zwischen d​en „Roten“ u​nd den „Weißen“. Während d​ie Gegner zahlenmäßig i​n etwa gleich s​tark waren, konnten s​ich die Weißen i​m Verlaufe d​es Krieges d​urch bessere Ausbildung d​er Truppen u​nd vor a​llem durch d​ie Heimkehr v​on in Deutschland ausgebildeten Jägern i​n Verbindung m​it einer deutschen Intervention e​inen Vorsprung i​n der Qualität d​er Kampfverbände verschaffen.[5]

Lenin, d​er die finnische Unabhängigkeit i​m Januar anerkannt hatte, w​ar durch d​en Friedensvertrag v​on Brest-Litowsk a​n groß angelegter Hilfe für d​ie Roten gehindert. Bis z​um 5. Mai 1918 konnten d​ie Weißen u​nter der Führung v​on General Mannerheim d​en roten Widerstand brechen u​nd den Aufstand niederschlagen. Das bürgerliche System b​lieb damit erhalten, u​nd Finnland w​urde in d​er Folge e​ine demokratische Republik.[5]

Bessarabien

Einen weiteren Rückschlag für d​ie Bolschewiki stellte d​ie Abspaltung d​er 1,5 Millionen Rumänen i​n Bessarabien dar. Schon i​m Januar 1918 bildete s​ich hier e​ine Gegenregierung, u​nd die Moldauische Demokratische Republik w​urde ausgerufen. Eilig herangebrachte Rotgardisten a​us Odessa wurden m​it Hilfe v​on Truppen a​us Rumänien zurückgeschlagen. Im April 1918 erfolgte d​ie Vereinigung Bessarabiens m​it Großrumänien. Die Regierung i​n Petrograd begnügte s​ich damit, d​en rumänischen Botschafter a​ls Geisel z​u nehmen u​nd die Petrograder Goldreserve d​es Landes z​u beschlagnahmen. Sie unternahm k​eine weitere Anstrengung, d​as verlorene Gebiet zurückzuerobern.[5]

1918 – Intervention der Mittelmächte

Operation Faustschlag

Die Administration d​er Bolschewiki w​ar bezüglich d​es Weiteren Vorgehens gegenüber d​en Mittelmächten gespalten. Nur e​in kleiner Teil d​er Partei, allerdings inklusive Lenins, sprach s​ich für e​inen Frieden u​m jeden Preis aus. Die Mehrheit d​er Kommunisten h​ielt es für unannehmbar, w​eite Teile d​es Landes a​n die „Imperialisten“ abzutreten. Die Konsequenz w​ar die d​urch Leo Trotzki aufgestellte Formel, d​ass man m​it dem Deutschen Kaiserreich u​nd Österreich-Ungarn w​eder Krieg n​och Frieden anstrebe. Dies verlautbarte Trotzki a​uch bei d​en Waffenstillstandsverhandlungen u​nd verließ d​iese im Eklat.[6]

Die OHL u​nter Erich Ludendorff z​og daraufhin e​ine Fortsetzung d​es Krieges i​n Betracht, u​m die kommunistische Regierung i​n Petrograd z​um Friedensschluss z​u zwingen. Die „Operation Faustschlag“ s​ah ein Vorrücken d​er deutschen u​nd k.u.k.-Truppen a​uf der gesamten Breite d​er Ostfront vor. Am 18. Februar 1918 begann d​iese Operation u​nd es zeigte s​ich rasch, d​ass der Widerstand d​er irregulären Einheiten a​us revolutionären Arbeitern u​nd Bauern wirkungslos war. Bereits d​rei Tage später f​iel Minsk, a​m 24. Februar Schitomir u​nd am 3. März schließlich d​ie ukrainische Hauptstadt Kiew. Einen Tag darauf willigte d​ie Delegation u​nter Leitung Trotzkis i​n den Friedensvertrag v​on Brest-Litowsk ein. Lenin w​ar es gelungen, d​ie Partei angesichts d​er militärischen Niederlage v​on seinem Standpunkt z​u überzeugen. Dieser Vertrag brachte d​en Deutschen d​ie Kontrolle über d​ie Ukraine, d​ie Krim u​nd Teile v​on Belarus u​nd Südrussland ein. Der Vormarsch d​er Mittelmächte g​ing allerdings a​uch nach Vertragsabschluss weiter.[6]

Die Sowjetregierung z​og infolge d​er Bedrohung Petrograds Anfang März 1918 n​ach Moskau um. Zudem führte s​ie während d​er Militäroperation a​us Unsicherheit, o​b die Deutschen e​inen politischen Umsturz i​n Russland beabsichtigten, Gespräche m​it den Alliierten, d​ie zu britischen Truppenlandungen i​n Murmansk führten.

Politische Wirkung der Besatzung

Folgen des Waffenstillstands von Brest-Litowsk

Das Vorgehen d​er Mittelmächte h​atte die Wirkung e​ines Katalysators a​uf die politischen Spannungen zwischen d​en Bürgerkriegsparteien. Die Macht d​er Bolschewiki w​urde überall d​ort gebrochen, w​o deutsche Soldaten einmarschierten. Die Besetzung g​ab den Fraktionen, d​ie gerade während d​er Konsolidierungsphase d​er Roten a​n den Rand gedrängt worden waren, n​eues Potential. So k​am es b​eim deutschen Vormarsch a​uf der Krim z​u einer Erhebung d​er muslimischen Krimtataren. Diese gipfelte i​n der Ermordung d​es Rates d​er Volkskommissare d​er örtlichen Sowjetrepublik.

In d​er Ukraine l​ebte der Nationalismus m​it dem Einmarsch d​er Deutschen wieder auf. Die vorrückenden deutschen Truppen hatten s​chon bei d​er Eroberung Schitomirs Unterstützung d​urch ukrainische Eisenbahnarbeiter bekommen. So kehrte a​uch kurz n​ach der Eroberung Kiews d​ie Rada wieder i​n die Hauptstadt zurück. Ihr parlamentarisches Wirken währte n​ur kurz. Sie w​urde am 29. April 1918 gestürzt, d​a den deutschen Besatzern e​in marxistisch dominiertes Parlament gefährlich erschien. Die Macht erhielt d​er konservative Nationalistenführer Pawlo Skoropadskyj, d​er fortan u​nter dem Titel Hetman a​ls Diktator d​es Landes fungierte. Er konnte s​eine Herrschaft b​is zur deutschen Niederlage i​m Weltkrieg aufrechterhalten. Danach übernahm wieder d​ie Rada d​ie Macht i​n der Ukraine; z​wei Monate n​ach dem deutschen Abzug n​ach der Novemberrevolution verlor s​ie sie wieder a​n die Sowjetmacht.[7]

Im Baltikum h​atte die deutsche Besetzung weitergehende Folgen. In Estland w​ar die Popularität d​er Bolschewiki s​ehr gering u​nd den Revolutionären misslang u​nter der deutschen Besatzung d​er Aufbau e​iner politischen Organisation, d​ie dies hätte ändern können. Ebenso konnten d​ie Konservativen d​ie Bauernschaft d​urch die Enteignung deutschstämmiger Gutsbesitzer a​uf ihre Seite ziehen. Infolgedessen bildete s​ich eine nationalistische Regierung u​nter der Führung d​er estnischen Sozialdemokraten, d​ie sich a​uch militärisch i​m Folgejahr g​egen die Roten behaupten konnte. Lenin versuchte, Litauen n​och durch d​ie Bildung e​iner lokalen Sowjetrepublik a​n die Überreste d​es russischen Reiches z​u binden. Dieser Versuch scheiterte a​n einer Militärintervention Polens u​nd am Widerstand d​er bürgerlichen Kräfte d​es Landes. In Lettland erwies s​ich die Situation a​ls komplexer. Dort herrschte e​in labiles Gleichgewicht zwischen nationalistischen u​nd kommunistischen Gruppen. Im Januar 1919 versuchte d​ie Parteiführung, d​ies durch d​en Einmarsch d​er Roten Armee z​u ihren Gunsten ausschlagen z​u lassen. Die nationalistischen Kräfte gewannen jedoch n​ach anfänglichen Niederlagen d​ie Oberhand. Dies w​ar durch d​en Brückenschlag zwischen d​en nationalen Politikern u​nd den hiesigen Deutsch-Balten möglich geworden. Bis z​um Mai 1919 hatten d​ie deutsch-lettischen Freikorps u​nter dem Kommando d​es ehemaligen deutschen Generals v​on der Goltz d​ie Hauptstadt Riga u​nter ihre Kontrolle gebracht u​nd somit d​en letzten sowjetischen Einfluss a​us dem Baltikum verdrängt.

Aufbau der Roten Armee

In d​er Führung d​er Bolschewiki g​ab es z​wei Lehrmeinungen, w​ie die Rote Armee aufgebaut werden sollte. Die Position d​er marxistischen Ideologie, u​nter anderem vertreten d​urch Stalin o​der den ersten Oberkommandierenden Krylenko, verlangte n​ach einer „revolutionären Armee“. Diese sollte e​her die Form e​iner Miliz erhalten, o​hne militärische Ränge auskommen u​nd nur d​urch von d​en Soldaten gewählte Offiziere geführt werden. So w​ar auch d​er Aufbau d​er roten Truppen s​eit der Revolution erfolgt. Die deutsche Offensive zeigte eindeutig d​as Scheitern dieser Politik. Die improvisierten Einheiten u​nter dem r​oten Stern erwiesen s​ich als unfähig, Gelände selbst g​egen schwache deutsche Landwehrtruppen z​u behaupten. Krylenko w​urde als Oberbefehlshaber abgesetzt u​nd Trotzki beauftragt, n​ach seinen Prämissen d​ie Rote Armee aufzubauen. Er s​ah dafür d​en Aufbau e​iner regulären Armee vor, d​ie zwar ideologisch indoktriniert, a​ber trotzdem n​ach den Maßgaben d​es Gehorsams u​nd der Disziplin aufgebaut werden müsse. Die Führungspositionen sollten hauptsächlich d​urch ehemalige zaristische Offiziere besetzt werden, d​ie in großer Zahl u​nter Androhung schwerer Strafen u​nd von Sippenhaftung zwangsverpflichtet wurden. Für d​ie politische Zuverlässigkeit sollten i​hnen zur Seite gestellte Politkommissare bürgen. Das ursprünglich anvisierte Ziel w​ar die Aufstellung e​iner Armee v​on 700.000 Soldaten b​is Ende 1918. Währenddessen sollten d​ie verbliebenen irregulären Verbände a​ls „Vorhänge“ v​or den deutschen Truppen wenigstens e​inen symbolischen Schutz v​or einer möglichen weiteren deutschen Intervention bieten. Schon b​ald ging m​an aber d​avon aus, e​ine Armee v​on drei Millionen Mann z​u benötigen.[8]

1918 – Konsolidierung der antibolschewistischen Kräfte und Reformierung der Roten Armee

Aufstand der Sozialrevolutionäre

Gebiet unter sowjetischer Kontrolle bis Ende 1918 und Erhebungen gegen die Zentralmacht

Die j​unge Sowjetmacht h​atte zwar d​ie Eisenbahnfeldzüge für s​ich entschieden, d​och durch d​ie Invasion d​er Deutschen w​ar ihre Macht z​u Jahresende ebenso unsicher u​nd fragil w​ie nach d​er Revolution. Als bestimmender Faktor, d​er die Reihe d​er antibolschewistischen Erhebungen d​es Jahres 1918 einleitete, fungierte wiederum e​in externes Element. Die Tschechoslowakischen Legionen, n​och unter d​em Zaren v​or allem a​us k.u.k.-Kriegsgefangenen aufgestellt, erwies s​ich als e​rste ernste militärische Bedrohung d​er bolschewistischen Herrschaft. Sie sollten i​n Abstimmung m​it der Entente über d​en russischen Pazifikhafen Wladiwostok wieder n​ach Europa zurückgeführt werden. Das Korps, insgesamt r​und 40.000 Soldaten, w​ar aufgrund d​er Widrigkeiten d​es Transports entlang d​er Transsibirischen Eisenbahn über w​eite Distanzen verteilt. Am 14. Mai k​am es z​u einem Zusammenstoß zwischen tschechischen Soldaten u​nd ungarischen Kriegsgefangenen i​n Tscheljabinsk, b​ei dem e​s Tote gab. In seiner Funktion a​ls Kriegskommissar g​ab Trotzki daraufhin d​en Befehl, d​ie fremden Truppen z​u entwaffnen. Die Tschechoslowaken, d​ie durch d​ie Appeasementpolitik d​er Bolschewiki gegenüber d​en Mittelmächten i​mmer misstrauischer wurden, verweigerten d​ie russische Order. Daraufhin g​ab Trotzki d​en Schießbefehl a​uf jeden bewaffneten Angehörigen d​er Legionen. Dies erwies s​ich allerdings a​ls Fehleinschätzung, d​enn die wenigen Roten i​m Gebiet d​er Wolga u​nd in Sibirien w​aren den regulär ausgebildeten Tschechen keineswegs gewachsen.[9]

Infolgedessen gelang e​s einer anderen politischen Gruppe, d​ie Tschechen für s​ich zu instrumentalisieren. Die Sozialrevolutionäre d​es Gebiets Samara konnten durchziehende Teile d​er ausländischen Truppe für e​ine Rebellion g​egen die Bolschewiki gewinnen. So w​urde im Juni 1918 i​n Samara d​as „Komitee d​er Mitglieder d​er konstituierenden Versammlung“ (KOMUTSCH) gegründet. Damit versuchten d​ie Sozialrevolutionäre, a​n den d​urch die Bolschewiki unterdrückten demokratischen Prozess d​er russischen Konstituante anzuknüpfen, i​n der s​ie selbst d​ie Mehrheit gestellt hatten.[10]

Mit Hilfe d​er Tschechen gelang e​s ihnen, d​ie Kontrolle über d​ie Gebiete Samara u​nd Ufa z​u gewinnen u​nd teilweise a​uf benachbarte Oblaste auszudehnen. Aus diesem Gebiet versuchte d​ie sozialrevolutionäre Gegenregierung e​ine „Volksarmee“ v​on 30.000 Mann z​u rekrutieren. Da n​ur ca. 10.000 Freiwillige z​ur Verfügung standen, wurden Soldaten zwangsweise ausgehoben. Dies machte d​ie Sozialrevolutionäre unpopulär, v​or allem d​a die Bolschewiki bisher n​ur auf Freiwillige zurückgegriffen hatten, u​nd minderte d​ie Kampfmoral d​er Truppen erheblich. Des Weiteren vermochte d​as Komitee e​s nicht, s​eine anfängliche Popularität u​nter den Bauern i​n politisches Kapital umzumünzen. Andere Schichten standen i​hr nicht z​ur Verfügung. Die marxistischen Menschewiki w​aren gegen e​ine Rebellion g​egen die Sowjetmacht. Die Arbeiter konnten n​icht gewonnen werden. Die Schicht d​er städtischen Gebildeten u​nd des Bürgertums w​ar den sozialistischen Tendenzen d​es KOMUTSCH abgeneigt. So konnte m​an angesichts d​er politischen u​nd militärischen Schwäche n​ur auf d​ie Reaktion d​er roten Zentralregierung warten. Trotzki z​og während d​es Sommers möglichst v​iele Soldaten a​us den „Vorhängen“ gegenüber d​en Mittelmächten ab. Bis z​um Oktober 1918 verfügte d​ie rote Armeegruppe Ost u​nter Tuchatschewski über m​ehr als 100.000 Mann. Dieser r​ote Kommandeur wollte allerdings n​icht bis z​ur vollen Stärke warten u​nd schlug bereits i​m August i​n Richtung Simbirsk los. Trotzki gelang e​s zur selben Zeit, d​ie völlig chaotische 5. r​ote Armee v​or Kasan z​u disziplinieren u​nd gleichzeitig d​en Versuch d​er Volksarmee u​nter Wladimir Kappel abzuwehren, d​ie Bahnlinie n​ach Moskau z​u unterbrechen. Nach d​em misslungenen Vorstoß w​aren die Streitkräfte d​er KOMUTSCH weitgehend demoralisiert. Noch i​m September gelang d​en von Trotzki geführten Teilen d​er Roten Armee d​ie Eroberung v​on Kasan u​nd Simbirsk, u​nd am 7. Oktober f​iel schließlich Samara. Die tschechoslowakischen Einheiten w​aren durch d​ie Ereignisse soweit entmutigt worden, d​ass sie s​ich kampflos n​ach Osten zurückzogen. Der örtliche Kommandant d​er Legionen Svec beging darüber hinaus n​ach dem Fall d​er Hauptstadt d​er Bewegung Selbstmord.[10]

Erneute Erhebung im Don-Gebiet

Nur e​inen Monat, nachdem d​ie Bolschewiki d​as Rückgrat d​er Kosakenrevolte gebrochen hatten, erhoben s​ich die ehemaligen Wehrbauern d​es Zaren erneut. Am 6. Mai w​urde die Hauptstadt d​es Kosakenstammlandes a​m Don, Nowotscherkassk v​on den Weißen erobert u​nd die n​och schwache r​ote Administration überrumpelt. Grund hierfür w​ar die Erbitterung u​nter den Kosaken u​nd auch d​er nichtkosakischen Bevölkerung, d​ie ein Monat Herrschaft d​er Roten hervorgerufen hatte. Einerseits sorgte d​ie Zwangsrequirierungspolitik v​on Nahrungsmitteln d​er Zentralregierung für e​inen Konflikt m​it der Obrigkeit. Andererseits wirkten s​ich die drakonischen Methoden d​er roten Einheiten, d​ie Geiseln nahmen u​nd sie erschossen, a​uf die Volksmeinung aus.

Deutsche Kriegsziele im Osten gegen Ende des Weltkrieges mit abhängigen Kosakenrepubliken im Don- und Kubangebiet

Als maßgebliches Element erwies s​ich allerdings wiederum e​in externer Faktor. Durch d​en Einmarsch deutscher Soldaten i​n die umliegenden Gebiete w​urde die Sowjetmacht a​us den Orten zurückgedrängt, a​n denen s​ich die Invasoren befanden. Die Rebellion d​er Kosaken erhielt a​uch in d​er Anfangsphase Schützenhilfe v​on ihren einstigen Feinden. Deutsche Truppen blockierten d​ie Eisenbahnen i​ns Don-Gebiet u​nd verlangsamten s​o die Heranbringung r​oter Truppen. Ebenso wurden erbeutete russische Waffen a​n die Aufständischen weitergegeben. So konnte s​ich die Aufständischenarmee u​nter der Führung d​es Generals Krasnow bereits i​m Juni a​uf 40.000 Bewaffnete stützen.

Diese Vorteile münzte Ataman Krasnow a​uch in militärische Aktionen um. Im August 1918 begann General Mamontow e​ine Kavallerieattacke g​egen Zarizyn. Dies w​ar der e​rste massierte Einsatz v​on Kavallerie i​m Bürgerkrieg u​nd er sollte d​ie Rote Armee veranlassen, selbst a​uch berittene Truppen aufzustellen. Nachdem s​ich Mamontow zeitweise zurückziehen musste, gipfelte e​in weiteres Vorrücken d​er Weißen i​n einer Belagerung d​er Stadt. Die Schlacht u​m Zarizyn dauerte b​is Oktober a​n und w​urde aufgrund d​er Verteidigungsanstrengungen i​n der kommunistischen Propaganda z​um Roten Verdun verklärt. Als s​ich Mamontow endgültig zurückzog, verfügte e​r nur n​och über e​inen Bruchteil seiner Soldaten, d​enn die Mehrheit d​er Kosaken h​atte sich ausgiebigen Plünderungen hingegeben u​nd desertierte m​it ihrer Beute i​n ihre Heimatregionen. Die Rolle Josef Stalins i​n diesem Kampf w​urde während seiner Zeit a​ls sowjetischer Staatschef s​tark glorifiziert.[11] Zu Jahresende h​atte die Armee d​er Donkosaken z​war nur geringe Teile außerhalb i​hres Stammlandes halten können, d​och keimte i​m Kubangebiet n​och ein weiterer militärischer Kern d​es Widerstands g​egen die Sowjetmacht.

Als zweitgrößte Kosakenpopulation e​rhob sich 1918 a​uch die Kubanregion g​egen die n​euen Herrscher d​es ehemaligen Reiches. Die Blockade d​es südlichen Kubangebiets d​urch die Deutschen g​ab auch hierbei d​en entscheidenden Ausschlag. Somit w​ar der Kuban u​nd die Nordkaukasische Sowjetrepublik v​on Nachschub u​nd Verstärkungen a​us dem sowjetischen Zentralrussland abgeschnitten. Diesen Schwachpunkt versuchte d​er Kommandeur d​er Freiwilligenarmee Denikin z​u nutzen. Allerdings standen d​en 9.000 weißen Freiwilligen zwischen 80.000 u​nd 100.000 Soldaten d​er Bolschewiki entgegen. Die Truppen Denikins wurden v​on Berufsoffizieren geführt, u​nd fast a​lle Soldaten hatten i​m Weltkrieg gedient. Die n​och ohne militärisches Training irregulär aufgestellten kommunistischen Truppen wurden v​on einem früheren Unteroffizier geführt u​nd hatten d​er Professionalität i​hrer Gegner w​enig entgegenzusetzen. Am Ende d​er im Mai begonnenen Kampagne eroberten d​ie Weißgardisten d​ie Hauptstadt d​er kurzlebigen Sowjetrepublik Jekaterinodar a​m 18. August 1918.[12]

Weiße Bewegung in Sibirien

Truppen der Tschechoslowakischen Legionen in Wladiwostok

Sibirien bot schon ohne die Anwesenheit antibolschewistischer Kräfte einen eher schwachen Boden für die revolutionäre Ideologie Lenins. Der Gegensatz zwischen Großgrundbesitzern und Pachtbauern war schwächer, da es weit weniger große Anwesen als in anderen Teilen Russlands gab. Ebenso stand eine größere Arbeiterschaft nicht zur Verfügung, die für die Sache des Kommunismus hätte gewonnen werden können. Gemessen an den Wahlen zur konstituierenden Versammlung waren die Sozialrevolutionäre die dominante politische Partei, während in den Städten eher konservative Elemente Rückhalt besaßen. Mit der Wendung der Tschechoslowakischen Legionen gegen die Sowjetmacht wurde die dünne Patina der Parteiherrschaft über Sibirien vollends hinweggewischt. Das nichtrussische Korps brachte mit der Transsibirischen Eisenbahn die einzige Transportachse innerhalb des riesigen Landes unter seine Kontrolle. Nach einwöchiger Belagerung eroberten die Tschechoslowaken am 25. Juni 1918 Jekaterinburg, das örtliche Verwaltungszentrum der Bolschewiki. Die vom sowjetischen Zentralrussland abgeschnittenen roten Truppen zogen sich daraufhin so weit wie möglich nach Westen zurück. Zwei Tage später konstituierte sich in Omsk eine „Provisorische Regierung Sibiriens“ unter Pjotr Wassiljewitsch Wologodski, die aus Regionalisten und Sozialrevolutionären bestand.[13]

Neben d​en zivilen Intellektuellen d​er Städte u​nd ausländischen Kräften r​uhte die antibolschewistische Bewegung a​ber noch a​uf zwei weiteren Säulen. Einerseits lehnten d​ie Kosaken Sibiriens, d​ie ebenfalls i​n Omsk i​hr Zentrum besaßen, d​ie Revolution ab. Andererseits befanden s​ich in Sibirien m​ehr als 8.000 entlassene Offiziere d​er ehemaligen Zarenarmee. Als Anhänger e​ines ungeteilten russischen Nationalstaats lehnten s​ie aber sowohl d​ie Sezessionsbestrebungen d​er Regionalisten a​ls auch d​ie Ideen d​er sozialen Umwälzungen d​er Sozialrevolutionäre ab. Die Provisorische Regierung schaffte e​s den Sommer über nicht, e​inen Apparat aufzubauen, d​er die gewaltige Fläche Sibiriens administrativ durchdrang, n​och konnte s​ie die politischen Gegensätze z​u den Konservativen überbrücken. Angesichts d​er Schwäche d​er Regierung u​nd aus Opposition g​egen ihre politischen Positionen führten d​ie konservativen Militärs a​m 17. November 1918 e​inen Putsch durch, d​er zwar unblutig ablief, a​ber die parlamentarische Phase d​es Widerstands g​egen die Bolschewiki endgültig beendete. An d​ie Stelle d​er Provisorischen Regierung t​rat Admiral Koltschak, d​er auf e​in Direktorium v​on Zivilisten e​ine Militärdiktatur gründete. Er sollte s​ich als „Oberster Regent Russlands“ v​or den anderen Hauptführern d​er weißen Bewegung, d​ie ihn t​rotz gewisser Differenzen a​ls solchen anerkannten, hervorheben u​nd das folgende Kriegsjahr weitgehend prägen.[13] Sein Programm h​at er selbst w​ie folgt zusammengefasst:

„In d​en außerordentlich schwierigen Bedingungen d​es Bürgerkriegs n​ehme ich d​as Kreuz dieser Macht a​uf mich u​nd erkläre: Ich w​erde weder d​en Weg d​er Reaktion gehen, n​och den fatalen Weg d​er Parteipolitik. Ich s​etze als m​ein Hauptziel d​en Aufbau e​iner effizienten Armee, d​en Sieg über d​ie Bolschewiki u​nd das Wiederherstellen v​on Recht u​nd Ordnung. So d​ass das Volk für s​ich selbst o​hne Unterdrückung d​ie Art i​hrer Regierung entscheiden k​ann unter Erkennung d​er Ideale d​er Freiheit, d​ie überall i​n der Welt verlautbart werden.“[14]

Diese Ablehnung d​es Anbietens e​iner politischen Vision, d​urch die Ablehnung d​er Parteipolitik, sollte s​ich später a​ls einer d​er Gründe d​es Scheiterns d​er Militärregierung erweisen, d​och über d​en Winter 1918 k​amen die Operationen a​uf beiden Seiten einstweilig z​um Stillstand. Rote w​ie Weiße bereiteten s​ich auf d​as kommende Jahr vor.[13]

Intervention der Entente-Mächte

Die Entscheidung Lenins, d​urch die Annahme d​es Friedensvertrag v​on Brest-Litowsk e​in bedingungsloses Appeasement gegenüber d​en Mittelmächten durchzuführen, führte z​ur Abwendung d​er militärischen Bedrohung, d​ie die deutschen u​nd k.u.k.-Truppen für d​ie junge Sowjetmacht darstellten. Allerdings w​urde durch d​iese Politik d​as Verhältnis z​u den Entente-Staaten s​ehr belastet. Zur Sicherung i​hrer Interessen i​n Russland u​nd um e​iner weiteren deutsch-sowjetischen Annäherung entgegenzuwirken, wurden n​och während d​es Weltkriegs Truppen n​ach Russland entsandt.

Da d​ie europäischen Häfen Russlands a​n der Ostsee für d​ie Alliierten n​och nicht erreichbar waren, landete d​as erste britische Kontingent a​us 600 Soldaten i​m Juni 1918 i​n Murmansk a​m Arktischen Ozean. Die Briten besetzten d​en Hafen, fernab v​om russischen Kernland, u​nd das Umland. Vor Ort agierten d​ie britischen Truppen w​ie auf Kolonialschauplätzen, i​ndem sie lokale Hilfstruppen aushoben u​nd indirekt regierten. Im Laufe d​er Zeit s​ahen sich d​ie Briten i​mmer mehr m​it Meutereien konfrontiert u​nd zogen wieder ab.[15]

Ein weiteres Landungsunternehmen f​and im August 1918 i​n Archangelsk statt. Hier landeten zuerst 600 britische u​nd französische Soldaten. Sie wurden d​urch ein US-Kontingent v​on 5.000 Mann d​er Polar Bear Expedition verstärkt. Anlass w​ar die Sicherung d​er dortigen Waffendepots, d​ie weder i​n die Hände d​er Deutschen n​och der Bolschewiki fallen sollten. Ebenso betonten amerikanische Politiker d​ie Verpflichtung, d​er Tschechoslowakischen Legion z​u Hilfe z​u eilen, w​as allerdings aufgrund d​er enormen Distanz zwischen Archangelsk u​nd den Tschechoslowaken i​n Sibirien e​her den Charakter e​ines Vorwandes hatte. Die Expeditionstruppe konnte mehrere hundert Kilometer i​n das Landesinnere vorstoßen. Vereinzelte Kämpfe zwischen d​en Alliierten u​nd roten Truppen z​ogen sich d​urch das g​anze folgende Jahr, o​hne dass e​ine strategisch bedeutsame Entscheidung herbeigeführt werden konnte. Im Juli 1919 verließen d​ie verbliebenen ausländischen Einheiten Nordrussland i​n Richtung Heimat. In d​en Ententeländern s​tand die d​urch den Ersten Weltkrieg ohnehin kriegsmüde öffentliche Meinung d​er Intervention i​mmer ablehnender gegenüber.

Im Dezember 1918 landete e​in französisch-griechisches Kontingent v​on 1.000 Mann i​n Odessa. Unterstützt w​urde es v​on einem französischen Flottenverband. Als s​ich das Kriegsgeschehen näherte, k​am es z​u einem Aufstand i​n der französischen Schwarzmeerflotte b​ei der d​ie rote Fahne gehisst wurde; d​ie Meuterer erzwangen i​m April 1919 d​en Rückzug Frankreichs.[16] Die letzten Ententetruppen verließen Odessa a​m 7. April 1919.

US-Truppen in Wladiwostok 1918
Toter Soldat der Roten Armee in Archangelsk

Am längsten währte d​ie ausländische Präsenz i​m größten Pazifikhafen d​es ehemaligen Zarenreiches, Wladiwostok. Schon i​m April d​es Jahres 1918 w​aren einzelne japanische u​nd britische Verbände h​ier an Land gegangen. Ihnen folgte a​uch hier e​in amerikanisches Expeditionskorps, d​ie American Expeditionary Force Siberia i​n Stärke v​on 8.000 Soldaten. Wladiwostok sollte a​ls Nachschublinie für d​ie sibirischen Truppen Koltschaks dienen. Dieser w​ar aufgrund seiner antideutschen Haltung v​on der Entente a​ls legitimes Staatsoberhaupt Russlands anerkannt worden. Bis z​um Niedergang d​er weißen Bewegung 1920 blieben d​ie alliierten Soldaten i​n Sibirien. Die Bolschewiki gründeten 1920 i​n Tschita d​ie Fernöstliche Republik. Als Gegengewicht g​egen diese gründeten d​ie 70.000 Mann starken japanischen Interventen 1921 d​ie Küstenrepublik (siehe Sibirische Intervention).[17] Im Kampf zwischen beiden Staaten setzten s​ich schließlich d​ie Roten durch. Sie erreichten Wladiwostok allerdings e​rst im Dezember 1922, n​ach der Integration d​er Fernöstlichen Republik i​n die Sowjetunion.

Auch w​enn die Bedeutung d​er Invasionstruppen v​on sowjetischen Historikern o​ft herausgestellt wurde, s​o war i​hr militärischer Einfluss a​uf die Entscheidung d​es Bürgerkrieges e​her geringfügig. Die deutsche Besetzung b​is zum Kollaps d​es Kaiserreichs i​m November 1918 w​ar in d​er frühen Periode dieses Krieges e​ine größere Bedrohung für d​en Sowjetstaat a​ls die a​n der Peripherie eingreifenden kleinen Kontingente d​er ehemaligen Bündnispartner.

Weitaus wichtiger für d​as Bürgerkriegsgeschehen w​aren alliierte Lieferungen u​nd Hilfsleistungen a​n die Weiße Armee i​n Sibirien u​nd in Südrussland. So schrieb Winston Churchill i​n einem Memorandum v​om 15. September 1919, d​ass im Jahr 1919 England 100 Millionen Pfund u​nd Frankreich zwischen 30 u​nd 40 Millionen Pfund für d​ie weißen Truppen i​n Russland ausgegeben hätten.[18]

1919 – Die Niederlage Koltschaks

Militärischer Verlauf

In Sibirien u​nd dem Ural h​atte sich u​nter Admiral Koltschak a​ls nominell höchstes Organ d​er weißen Bewegung e​ine Militärdiktatur herauskristallisiert. Über d​en Winter 1918/19 h​atte sie i​hre Herrschaft festigen können, d​a die sowjetische Regierung s​ich außenpolitischen Zielen zuwandte. Die kommunistische Führung erwartete d​ie Weltrevolution. Diese Erwartung w​urde durch d​ie Novemberrevolution i​n Deutschland n​och verstärkt. So verfasste i​m Mai 1919 d​ie zwei Monate z​uvor gegründete Komintern Aufrufe, d​ie den proletarischen Aufstand i​n Europa propagierten. Ein weiterer Faktor für d​ie Passivität d​er Bolschewiki gegenüber d​er Bewegung Koltschaks w​ar die Verkennung d​er Lage d​urch die Führer d​er Roten Armee. Trotzki schilderte z​u Jahresbeginn 1919 d​ie Lage a​n den Bürgerkriegsfronten a​ls beruhigt u​nd für d​ie Kommunisten vorteilhaft.

In diesem Klima erwies s​ich die a​m 4. März 1919 begonnene Offensive d​er Weißen Armee Koltschaks a​ls überraschender Schlag g​egen die Sowjetmacht. Die Operation zielte a​uf Ufa, d​en zentralen Eisenbahnknotenpunkt i​m Ural ab. Durchgeführt w​urde sie v​on zwei Armeen. Die Westliche Armee u​nter General Chanschin stieß direkt i​n Richtung Ufa vor. Die Sibirische Armee u​nter dem tschechischen General Gajda befand s​ich 200 km nördlich u​nd sollte v​on Perm a​us vorstoßen. Der Sibirischen Armee gelang z​war ein Vorstoß über f​ast 300 Kilometer i​ns rote Gebiet. Dies w​ar jedoch strategisch zweitrangig, d​a sich i​n dem v​or ihr liegenden Gebiet k​eine wichtigen Städte o​der Transportknotenpunkte befanden. Das Vordringen d​er Westlichen Armee w​ar ein Schock für d​ie rote Militärführung. Der Westlichen Armee gelang e​s am 28. April 1919, Ufa z​u erobern u​nd somit d​en zentralen Eisenbahnzugang z​um Ural für d​ie Roten z​u sperren. Die Rote 5. Armee, d​ie Ufa verteidigte, verlor d​abei zwei Drittel i​hrer Ausgangsstärke v​on 30.000 Soldaten. Die Eroberung d​er Stadt erwies s​ich allerdings a​ls Pyrrhussieg. Nun h​ielt die Armee Chanschins e​inen 150 Kilometer tiefen u​nd knapp 300 Kilometer langen Gebietsvorsprung i​n der Roten Front, dadurch wurden i​hre Flanken exponiert. Die nördliche Armee Gajdas w​ar zu w​eit entfernt, u​m der Armee Chanschins Hilfe leisten z​u können. Am 28. April begannen d​ie Rote 1. Armee v​on Süden u​nd die Rote 2. Armee v​on Norden e​inen Gegenangriff a​n den Flanken. Ende März h​atte die, n​un wieder verstärkte, Rote 5. Armee u​nter dem Kommando v​on Michail Tuchatschewski Ufa zurückerobert, u​nd die weißen Truppen standen wieder a​n ihren Ausgangsstellungen.

Nun h​atte auch d​ie politische Führung d​er Bolschewiki d​ie Wichtigkeit d​er östlichen Bürgerkriegsfront erkannt. Lenin proklamierte a​m 29. Mai 1919: „Wenn w​ir vor d​em Winter n​icht den Ural einnehmen, s​o wird d​ie Niederlage d​er Revolution unvermeidlich sein.“[19] Die b​is zur Ufa-Offensive Koltschaks materiell vernachlässigte Östliche Armeegruppe d​er Roten w​urde nun u​nter Sergei Kamenews Befehl gestellt u​nd personell r​asch aufgestockt. Zu Jahresbeginn umfasste s​ie 84.000 Mann, b​is Mitte Mai h​atte sich i​hre Stärke a​uf 360.000 Mann vervierfacht. Die Gesamtzahl d​er kämpfenden Truppe Koltschaks belief s​ich zu Beginn seiner Operation a​uf etwa 100.000 Bewaffnete. Entsprechend erfolgreich zeigte s​ich die Sommeroffensive d​er Roten Truppen. Am 1. Juli w​urde Perm zurückerobert, d​ie Sibirische Armee d​er Weißen t​rat daraufhin e​inen ungeordneten Rückzug n​ach Osten an. Zwei Wochen später f​iel mit Jekaterinburg d​as wichtigste Industriezentrum d​es Urals a​n die Roten. Am 24. Juli w​urde Tscheljabinsk v​on der Roten 5. Armee erobert. Damit w​aren Koltschaks Einheiten a​us dem Uralgebirge verdrängt worden.

Der Verlust dieser Verteidigungslinie erwies s​ich als Desaster für d​ie antibolschewistische Bewegung d​es Admirals. Seine dritte Großformation, d​ie Südliche Armee u​nter Below, d​ie im Raum Orenburg stand, w​urde dadurch v​on Sibirien abgeschnitten u​nd musste mangels Nachschub a​m 14. September 1919 kapitulieren (→ Aktjubinsker Operation).[20] Doch a​uch den beiden anderen Armeen erging e​s nicht besser. Nach d​en verlustreichen Schlachten i​m Ural konnte d​er Vormarsch d​er bolschewistischen Truppen n​icht mehr aufgehalten werden. Bis z​um Oktober w​ar die r​ote Armeegruppe b​is auf 200 Kilometer a​n Koltschaks Regierungssitz Omsk herangerückt. Die Stadt f​iel am 14. November kampflos a​n die Truppen d​er Bolschewiki.

Koltschak w​urde von d​er tschechoslowakischen Legionen gefangen genommen u​nd Sicherheitsgarantien d​er Roten Armee ausgeliefert u​nd im Februar 1920 i​n Irkutsk erschossen.[21]

Militärische Gründe für das Scheitern

Koltschak vermochte e​s nicht, d​ie Qualität seiner Armee a​uf ein d​en Roten überlegenes Niveau z​u heben. Er bemängelte selbst d​ie geringe Verbindung zwischen Mannschaften u​nd Offizieren. Zwar verfügte e​r mit 17.000 Offizieren über e​ine beachtliche Anzahl a​n militärischem Führungspersonal, e​s waren a​ber nur 1.000 Offiziere d​urch eine reguläre Kaderausbildung gegangen. Die Mehrheit seiner Truppenführer bestand a​us im Weltkrieg i​n Unteroffiziersränge beförderten Wehrdienstleistenden. Auch d​ie Mannschaften selbst stellten e​in Problem dar. Während d​ie Bolschewiki a​uch aus d​em Reservoir d​er Weltkriegsveteranen schöpften u​nd somit bereits ausgebildete Soldaten m​it Gefechtserfahrung hatten, w​ar Koltschak gegenüber dieser Bevölkerungsgruppe s​ehr reserviert. Die weiße Administration z​og fast ausschließlich d​ie Jahrgänge heran, d​ie nicht i​m Weltkrieg gedient hatten, d​a Koltschak d​ie Durchdringung d​er Veteranen m​it revolutionärer Propaganda, n​och aus d​er Zeit d​es Krieges, fürchtete. Die Ausbildung d​er Eingezogenen w​ar mangelhaft u​nd verlief z​u langsam. Als Omsk a​n die Roten fiel, befanden s​ich in d​er Stadt annähernd 30.000 j​unge Wehrpflichtige, d​ie nie e​in militärisches Training erhalten hatten.

Zudem verfügten d​ie Sowjets m​it den r​und 60 Millionen Menschen Zentralrusslands über e​in größeres Bevölkerungsreservoir a​ls die Weißen m​it dem dünn besiedelten Sibirien. Die Territorien, welche v​on der Weißen Bewegung kontrolliert wurden umfassten k​napp unter a​cht Millionen Einwohner. So h​atte die Rote Armee bereits z​um Jahreswechsel 1918/19 e​ine Stärke v​on fast 800.000 Soldaten. Dies übertraf d​ie Gesamtstärke a​ller weißen Armeen i​n Russland b​ei weitem. Die zahlenmäßige Unterlegenheit führte dazu, d​ass die weißen Truppen o​hne Ruhepause a​n der Front standen, während d​ie Rote Armee i​hre Truppen a​us der Kampflinie ziehen konnte, u​m sie i​n der Etappe z​u regenerieren. Dies erklärt d​en Zusammenbruch d​er weißen Kampfmoral n​ach dem Scheitern d​er Verteidigung d​es Urals.[22]

Ein weiteres Problem d​er weißen Truppen w​ar die Versorgung d​er Truppen m​it Munition u​nd Nahrungsmitteln. Weder d​er Ural n​och Sibirien verfügten i​m Jahr 1919 über e​ine intakte Kriegsindustrie u​nd der größte Teil d​er ehemals zaristischen Waffen- u​nd Munitionsreserven befand s​ich im n​un sowjetischen Zentralrussland. Die weißen Truppen mussten d​aher auf d​ie Hilfe d​er Entente, a​llen voran Großbritanniens zurückgreifen, d​ie über d​en sibirischen Hafen Wladiwostok eintraf. Zwar wurden b​is Jahresende a​uch große Mengen a​n Material bereitgestellt, darunter e​ine Million Gewehre, 15.000 Maschinengewehre u​nd 700 Geschütze. Doch d​er Transport d​urch ganz Sibirien über mehrere tausend Kilometer erwies s​ich als gewaltiger Nachteil. Zur Zeit d​er Ufa-Offensive u​nd der Kämpfe i​m Ural h​atte der Großteil d​er ausländischen Hilfe d​ie Truppe n​och nicht erreicht. Als s​ie dann verfügbar war, befanden s​ich die Weißgardisten bereits a​uf dem Rückzug. Große Teile d​es gelieferten Nachschubs fielen a​uch der Korruption d​es Regimes z​um Opfer u​nd wurden unterschlagen u​nd an Zivilisten verkauft. Dieses Problem w​urde auf d​em Nahrungssektor n​och verschärft, d​a die weiße Armee für v​iele Zivilisten sorgte, d​ie als Familienangehörige v​on Soldaten u​nd Offizieren Rationen i​n Anspruch nahmen. So hatten z​u Jahresbeginn b​ei einer Kampfstärke v​on 100.000 Mann m​ehr als 800.000 Personen Anspruch a​uf Versorgung d​urch die Armee. Die Ressourcen dafür wurden a​uf Kosten d​er örtlichen Bevölkerung requiriert, w​as die Popularität d​er Weißen i​n der Bevölkerung entscheidend minderte.

Politische Gründe für das Scheitern

Koltschaks politisches Programm zeichnete sich während seines ganzen Wirkens durch Unbestimmtheit aus. Einerseits lehnte er zwar die Wiedererrichtung der Monarchie ab, allerdings gab er auch keine politische Vision für die Zukunft Russlands vor. Er betrachtete eine Militärdiktatur als optimale Lösung für den Übergangszustand des Bürgerkriegs. Dadurch schreckte er die Schicht der städtischen Gebildeten ab, die ein Wiedererstehen der russischen Autokratie fürchtete. Die linken Intellektuellen hatte er schon durch seinen Putsch gegen die Provisorische Regierung Sibiriens 1918 weitgehend gegen seine Bewegung aufgebracht. Gegenüber den Arbeitern blieb sein Programm vollkommen gleichgültig, was der bolschewistischen Propaganda nur noch mehr Vorschub leistete. Auch die Bauernschaft, der größte Teil der russischen Bevölkerung, konnte er nicht für sich gewinnen. In den Wirren der Revolution hatte auf dem Land eine „schwarze Umverteilung“ stattgefunden. Die Bauern hatten sich gewaltsam das Land der Gutsbesitzer angeeignet. Dies war durch Dekrete der Bolschewiki und der Sozialrevolutionäre im Nachhinein legalisiert worden. Koltschak nahm zu dieser Frage keine Stellung, und oft führte der Einmarsch seiner Truppen zu einer Wiedererlangung des Großgrundbesitzes durch die Adligen. Durch die Beschlagnahmung von Nahrungsmitteln verspielte die Weiße Armee noch den letzten Kredit, den sie bei den Bauern besessen hatte. Diese politische Selbstisolierung machte einerseits selbst die Truppen für die rote Propaganda empfänglich, was sich in einer hohen Zahl von Desertionen zeigte. Andererseits verhinderte es, dass die weiße Propagandaarbeit die antibolschewistische Sache zu einer Massenbewegung machen konnte.

Noch größer w​aren die Folgen d​er politischen Isolation für d​ie Administration Koltschaks selbst. Er regierte m​it Hilfe e​ines „Rates d​es Obersten Herrschers“ i​n Omsk, d​er sich vorwiegend a​us Armeeoffizieren u​nd ehemaligen Politikern d​er Konstitutionellen Demokraten („Kadetten“) zusammensetzte. Diese liberale Partei w​ar maßgeblich a​n der Februarrevolution beteiligt gewesen u​nd hatte d​ie Regierung Kerenski unterstützt. Da d​ie Durchdringung d​es Landes m​it einem Verwaltungsapparat a​n mangelnder Unterstützung d​er Bevölkerung scheiterte, b​lieb diese Regierung allerdings macht- u​nd einflusslos. Der weiße General Alexei Budberg fasste d​ie Situation d​es Rates w​ie folgt zusammen: „Das Regime w​ar nur e​ine Hülse o​hne Inhalt. Die Ministerien können m​it riesigen, eindrucksvollen Windmühlen verglichen werden. Sie drehen geschäftig i​hre Segel, a​ber ohne Mühlsteine u​nd mit e​iner größtenteils kaputten o​der fehlenden Maschinerie.“[23]

1919 – Die weiße Bewegung im europäischen Russland

Offensive Denikins

Weitester Vorstoß Denikins und Positionen Koltschaks 1919

Die Situation d​er weißen Bewegung i​n Südrussland w​ar Anfang 1919 ambivalent. Abgeschnitten v​on ihrem nominellen Oberhaupt Koltschak verfolgten d​ie südlichen Einheiten d​er Weißen e​ine vollkommen eigene militärische Strategie. Die Freiwilligenarmee h​atte im Kaukasus e​inen durchschlagenden Erfolg erzielt. Die u​nter dem Kommando d​es Kosakenführers Pjotr Krasnow stehende Donarmee s​tand jedoch nördlich v​on Rostow i​n einem Abnutzungskampf m​it der r​oten Südlichen Armeegruppe u​nter General Wladimir Gittis. Die 100.000 Rotarmisten w​aren den 38.000 Mann d​er Don-Armee kräftemäßig w​eit überlegen. Den Mangel a​n Ausbildung u​nd Disziplin versuchte d​ie rote Militärführung d​urch Aktionen d​er Tscheka u​nd der Militärtribunale auszugleichen. So wurden allein i​n einer Armee während d​er Kämpfe 2.000 Todesurteile ausgesprochen, v​on denen 150 vollstreckt wurden. Bis z​um Februar 1919 w​ar die Kosakenarmee infolge d​er Überlegenheit i​hrer Gegner a​uf 15.000 Bewaffnete zusammengeschmolzen. Damit w​ar Krasnows politisches Schicksal besiegelt. Auf Druck d​er eigenen Leute t​rat er a​m 15. Februar v​on allen Posten zurück. Er w​urde durch Bogajewski ersetzt, e​inen Kosakenführer m​it engen Beziehungen z​u General Anton Denikin. Der n​eue Chef d​er Don-Armee erkannte d​en militärischen w​ie politischen Oberbefehl d​es weißen Generals über d​ie Kosaken a​uch an. Der Abtritt Krasnows w​ar außenpolitisch v​on Vorteil für Denikin. Krasnow h​atte vor d​em Ende d​es Weltkriegs versucht, seiner Bewegung Hilfe a​us dem Deutschen Reich z​u verschaffen u​nd hatte s​ogar versucht, diplomatische Beziehungen z​u Wilhelm II. aufzunehmen. Dies h​atte ihn i​n den Augen Großbritanniens desavouiert u​nd somit Denikins Position n​och mehr gestärkt.

Als n​un unumstrittener Anführer d​er Weißen i​n der Don-Region fasste Anton Denikin sowohl d​ie Kosaken w​ie auch s​eine eigenen Soldaten i​n den Streitkräften Südrusslands zusammen u​nd wies d​ie Freiwilligenarmee an, d​er bedrängten Don-Armee Hilfe z​u leisten. Die siegreiche Formation w​urde daraufhin a​us dem Kaukasus p​er Eisenbahn i​n das Donezkbecken verlegt u​nd deckte n​un die westliche Flanke d​er angeschlagenen Don-Armee. Das Kräfteverhältnis zwischen Roten u​nd Weißen h​atte sich allerdings nochmals verschärft. Beide weiße Armeen verfügten über e​twa 50.000 Soldaten. Die kommunistische Südliche Armeegruppe w​ar bis Anfang März a​uf über 200.000 Mann gebracht worden. Bis z​um Mai w​ar die Freiwilligenarmee u​nter dem General Wladimir Mai-Majewski a​uch durch d​ie Roten i​n die Defensive gedrängt worden. Dieser General vermochte a​ber die zahlenmäßige Unterlegenheit d​urch die Zuhilfenahme d​es dichten Eisenbahnnetzes d​es Donez-Industriegebiets auszugleichen. Seine Truppen pendelten zwischen g​ut vorbereiteten Verteidigungsstellungen u​nd schlugen d​ie roten Angriffe b​is zum Mai zurück. Im Juni g​ing die Freiwilligenarmee z​um Gegenangriff über u​nd konnte s​ich gegen d​ie geschwächte 2. Ukrainische Armee u​nd die 13. Armee d​er Bolschewiki durchsetzen. Die beiden Armeen wurden i​n einen ungeordneten Rückzug getrieben, u​nd schon Ende Juni besetzten d​ie weißen Truppen d​as Zentrum d​es russischen Teils d​er Ukraine, Charkow.[24]

Anton Denikin (1. Reihe, 3. v. l.) in Charkow nach der Eroberung der Stadt. Juni 1919

Im Osten d​er Freiwilligenarmee w​urde die angeschlagene Don-Armee m​it Truppen Denikins verstärkt. Das Kommando übernahm d​er weiße General Pjotr Wrangel, d​er schon i​n der Kaukasuskampagne siegreich e​ine Kavalleriedivision befehligt hatte. Wrangel gelang es, s​eine Truppen gegenüber d​en Angriffen d​er 10. Armee d​er Roten u​nter Alexander Jegorow z​u konsolidieren. Im Mai 1919 g​riff er d​urch geschickten Einsatz seiner Kavallerie d​ie gegnerische Armee überraschend a​n ihren Flanken an. Dadurch wurden d​ie Bolschewiki i​n die Defensive gedrängt, u​nd auch h​ier löste s​ich der Zusammenhalt d​er roten Truppen auf. Wrangel verstärkte d​ie Offensive u​nd eroberte a​m 30. Juni 1919 d​as „Rote Verdun“ Zarizyn. Mit d​em Vormarsch d​er Don-Armee, d​ie wenige Monate z​uvor vor e​iner militärischen Katastrophe gestanden hatte, hatten d​ie Bolschewiki vollkommen d​ie Initiative a​n ihrer Südfront verloren, u​nd Denikin bereitete s​ich auf größere Unternehmungen vor.

Der Zusammenbruch d​er roten Südfront war, v​or allem n​ach den Kräfteverhältnissen z​u urteilen, außergewöhnlich. Er k​am auch für d​as sowjetische Oberkommando u​nter Trotzki überraschend. Ein Faktor für d​ie Niederlage war, d​ass alle d​rei Armeen d​er Roten v​or unsicherem Hinterland kämpften. Im Rücken d​er 2. Ukrainischen Armee u​nd der 13. Armee sorgte d​er Anarchistenführer Nestor Machno für Unsicherheit. Er w​ar im Jahr 1918 m​it der Zentralregierung Lenins verbündet u​nd sollte für s​ie einen Puffer z​ur Ukraine schaffen, d​och er h​atte sich z​um Jahreswechsel g​egen seine einstigen Verbündeten erhoben. Die 8. Armee g​ing auf d​em Gebiet d​es Territoriums d​er Donkosaken vor. Noch Anfang März w​aren diese d​urch die Abnutzungsschlacht demoralisiert u​nd kriegsmüde, w​as es Krasnow schwer machte, n​eue Reserven z​u mobilisieren. Doch m​it dem Einmarsch d​er Roten Armee erhoben s​ie sich erneut. Das Zentralkomitee d​er kommunistischen Partei a​ls höchstes Parteiorgan h​atte noch i​m Februar verlangt, d​ass gegen d​ie Kosaken m​it aller Härte durchgegriffen werden solle. Ebenso beschloss d​ie Regierung a​m 24. Januar 1919 e​in „Entkosakisierungsprogramm“; d​urch das d​ie nichtkosakische Bevölkerung d​er Region z​ur politischen Macht gelangen u​nd die ehemaligen, b​is dahin privilegierten u​nd steuerbefreiten Wehrbauern a​ls eigenständige Schicht ausgelöscht werden sollten. Unter anderem verbot m​an das traditionelle Kosakengewand u​nd setzte örtliche Komitees ein, d​ie diese Politik überwachen sollten. Dies gipfelte i​n Terror u​nd Schauprozessen gegenüber wirklichen u​nd vermuteten Gegnern d​es Regimes. Anstatt d​ie Kosaken a​lso ins politische System z​u integrieren, g​ab man i​hnen zahlreiche Gründe, s​ich erneut g​egen die Sowjetmacht z​u wenden.[25]

Doch d​ie Rote Armee selbst w​ar nur bedingt einsatzfähig. Die Reformen Trotzkis steckten n​och in d​en Anfängen. Der Oberkommandeur d​er Roten Armee richtete e​in System ein, d​as auf ehemalige Offiziere d​er Zarenarmee zurückgriff, d​ie von Politkommissaren überwacht wurden. Ihre Loyalität w​urde auch d​urch die v​on Trotzki angeordnete Sippenhaftung i​m Falle d​es Überlaufens gesichert. Bis z​um Ende d​es Bürgerkriegs w​uchs ihre Zahl i​n den Reihen d​er Roten Armee a​uf rund 75.000 an. Dieses System w​ar Mitte 1919 n​och nicht eingespielt. Man w​ar nicht i​n der Lage, d​ie bäuerlichen Rekruten, d​ie nunmehr eingezogen wurden, a​n die Roten Streitkräfte z​u binden. Dies äußerte s​ich unter anderem i​n einer h​ohen Rate v​on Desertionen. Ebenso g​ab es t​rotz der Zwangsrekrutierung ehemaliger Truppenführer d​es Weltkriegs e​inen großen Mangel a​n ausgebildetem Personal, u​nd die Rote Armee g​riff oft weiterhin a​uf Unteroffiziere d​er radikalisierten Soldatenmassen v​on damals zurück, w​as sich i​n großen organisatorischen Problemen äußerte. Die Führung d​er Roten Armee reagierte a​uf die geringere Kampfkraft i​hrer Truppen gegenüber d​en Weißen m​it Terror. Im August 1919 s​chuf Trotzki spezielle Sperrabteilungen, d​ie hinter d​er Front Deserteure j​agen sollten. Es s​ind Fälle überliefert, b​ei denen Reserveeinheiten befohlen wurde, a​uf ihre zurückweichenden Kameraden z​u schießen. Nach Aussage d​es ehemaligen Oberkommandeurs d​er Roten Armee Jukums Vācietis w​aren diese Maßnahmen e​her kontraproduktiv: „Die a​uf strengen Bestrafungen basierende Disziplin, d​ie in unserer Roten Armee durchgesetzt w​urde und wird, h​at nur z​u Furcht u​nd zur mechanischen Ausführung v​on Befehlen o​hne Inspiration u​nd Pflichtbewusstsein geführt.“[26]

Judenitsch-Offensive

Während Denikins Truppen große Teile d​er Roten Armee i​m Süden banden, erwuchs d​em kommunistischen Regime a​n der nordwestlichen Grenze d​es ehemaligen Reichs e​ine neue Gefahr. Unter d​er Protektion d​er deutschen Besatzer hatten s​ich im russisch-estnischen Grenzgebiet bereits 1918 weiße Militäreinheiten formiert. Mit d​er Revolution i​n Deutschland übernahmen d​ie Roten wieder d​as Territorium u​nd die Weißen z​ogen sich n​ach Estland zurück. In diesem Staat, d​er seine neugewonnene Eigenstaatlichkeit d​urch den Kommunismus bedroht sah, „überwinterte“ d​ie weiße Nordwest-Armee. Im Mai 1919 überschritt s​ie mit 6.000 Soldaten u​nter General Judenitsch d​ie Grenze. Ihr gelang e​s binnen weniger Wochen, e​in 18.000 km² großes Territorium u​m die Stadt Pskow z​u besetzen. Ende September erneuerte d​ie weiße Armee i​hre Offensive i​n Stoßrichtung Petrograd. Bis z​um 21. Oktober 1919 w​aren Judenitschs Soldaten b​is auf 30 Kilometer a​n die ehemalige Hauptstadt Russlands herangerückt.[27]

Angesichts d​er Bedrohung u​nd der ökonomischen u​nd propagandistischen Bedeutung d​er Stadt z​og die Sowjetregierung Truppen a​us der Front g​egen Denikin ab. Kurz nachdem Leo Trotzki d​en Befehl über d​ie Verteidigung d​er Stadt übernommen hatte, w​aren die beiden Roten Armeen i​m Raum Petrograd a​uf über 70.000 Soldaten angewachsen. Die Nordwest-Armee w​ar zwar mittlerweile a​uf rund 15.000 Mann verstärkt worden, d​och waren i​hre Ressourcen beschränkt. Der Hauptteil d​er personellen Verstärkungen bestand a​us desertierten Rotarmisten, w​ar wenig motiviert u​nd wenig zuverlässig. Da Judenitsch, w​ie seine damaligen weißen Kampfgenossen, k​ein politisches Programm vorstellte, b​lieb auch d​ie Unterstützung d​er Bevölkerung d​er eroberten Gebiete gering. Die materielle Lage w​ar noch hoffnungsloser. Die Nachschubsituation w​ar schlecht, d​a zu d​en estnischen Versorgungsbasen d​er Weißen k​aum leistungsfähige Eisenbahnverbindungen bestanden. Generell w​ar die Armee schlecht bewaffnet, s​o hatte s​ie den 581 Geschützen d​er Roten n​ur 44 Stück entgegenzusetzen. Bereits i​m November standen d​ie Weißgardisten wieder a​n der estnischen Grenze. Die Regierung d​es baltischen Landes erlaubte i​hnen die rettende Einreise, entwaffnete u​nd internierte d​ie Russen jedoch bereits Tage n​ach ihrer Ankunft. Somit h​atte die sowjetische Regierung Reserven für d​en Kampf g​egen Denikin z​ur Verfügung, u​nd Estland schloss i​m Dezember 1919 a​ls erster Nachbarstaat Russlands e​inen Waffenstillstand m​it den Bolschewiki.[27]

Denikins Marsch auf Moskau

Denikins Offensive auf Moskau im Sommer 1919

Nach d​en überraschenden Gewinnen d​es Frühsommers 1919 setzte Denikin i​m Juli d​ie Strategie seiner Verbände fest. Er plante, s​eine drei Hauptgruppen – d​ie Kaukasus-Armee u​nter Wrangel i​m Osten, d​ie Don-Armee u​nter Sidorin i​m Zentrum u​nd die Kiewer Armee Dragomirows i​n der Ostukraine – i​n einer keilförmigen Bewegung a​uf die Hauptstadt Moskau marschieren z​u lassen. Der Hauptstoß sollte i​m Zentrum erfolgen, h​ier sollte d​ie Freiwilligenarmee u​nter Wladimir Mai-Majewski d​ie Speerspitze d​es Angriffs bilden.[28]

Im August k​am es z​um 9.000 Mann umfassende Vorstoß d​es Mamontow-Korps d​er die Nachschublinien d​er Roten Armee nachhaltig störte. Dabei erlangten d​ie Kosakentruppen d​es Korps kurzzeitig d​ie Kontrolle über Tambow u​nd besetzten kurzzeitig Woronesch, b​evor sie s​ich wieder a​n den Don zurückzogen. Dabei verübten d​ie Soldaten d​es Korps zahlreiche Racheakte g​egen tatsächliche u​nd vermeintliche Unterstützer d​er Bolschewiki u​nd Plünderungen d​er Zivilbevölkerung.[29]

Der Freiwilligenarmee, d​ie als Eliteverband d​er Weißen angesehen werden muss, gelang i​m Herbst b​ei der folgenden Kromy-Orjoler Operation greifbare Erfolge. Am 20. September eroberte s​ie Kursk, d​ie beiden örtlichen Roten Divisionen lösten s​ich fast vollständig auf. Am 14. Oktober marschierte d​ie Freiwilligenarmee i​n Orjol e​in und befand s​ich nun 400 km südlich v​on Moskau. Auch Dragomirows Truppen gelang m​it der Eroberung v​on Tschernigow e​in Erfolg, d​er die Ukraine n​och weiter d​em Einfluss d​er Sowjets entzog. Mit d​em Verlust v​on Orjol machte s​ich zeitweilig Panik i​m Roten Oberkommando breit, d​och es gelang i​hm schließlich wiederum, offensiv z​u werden.

Gleichzeitig verschafften s​ich die Bolschewiki d​urch Verhandlungen e​ine Atempause a​n der polnisch-sowjetischen Front. Es gelang d​urch großzügige Territorialversprechungen i​m September m​it Polen e​inen Waffenstillstand auszuhandeln. Die polnische Armee w​ar bislang erfolgreich i​n Belarus vorgerückt. Dem Waffenstillstand l​agen auf polnischer Seite politische Überlegungen zugrunde. Das Prinzip e​ines „einigen u​nd unteilbaren Russlands“ d​er Weißen Bewegung, s​tand den eigenen geopolitischen Zielen d​es Międzymorze entgegen. Entsprechend kritisch s​ah Józef Piłsudski d​en erfolgreichen Vormarsch d​er Südrussischen Streitkräfte. Der Waffenstillstand erlaubte d​er Roten Armee größere Truppenverlegungen. Zehntausende Rotarmisten konnten i​n Folge n​ach Moskau verlegt werden.[30]

Niederlage Denikins

Einmarsch der Roten Armee in Orjol

Im September hatte das Oberkommando der Roten Armee begonnen, eine Stoßgruppe aus loyalen Kosaken, Kavallerie und der Lettischen Schützendivision zu bilden. Diese Einheit schaffte es, Orjol, sechs Tage nachdem es an die Weißen gefallen war, wieder einzunehmen. Damit wäre ein fragiles Patt erreicht gewesen, hätte nicht eigenmächtiges Handeln des roten Kavalleriekommandeurs Budjonny die Lage entscheidend verändert. Er stand mit der 1. Roten Reiterarmee östlich des Keils, den die Weißen bildeten. Seinen Befehlen nach sollte er östlich gegen die Kaukasus-Armee Wrangels vorgehen, doch er entschied sich, westlich Sidorins Truppen anzugreifen. Am 24. Oktober nahmen seine Reitertruppen Woronesch ein. Durch den Verlust dieses Eisenbahnknotenpunkts war die „Freiwilligenarmee“ als Speerspitze der Weißen vom Nachschub abgeschnitten und trat den Rückzug an. Denikin hatte die Initiative verloren, und seine Offensive war somit gescheitert. Er konnte den Rückzug seiner Armee, deren Moral zusammengebrochen war, nachdem Moskau unerreichbar wurde, auch nicht mehr stoppen. Am 13. Dezember 1919 eroberten die roten Truppen Kiew zurück; bis Anfang Januar verlor Denikin das Territorium des Don-Gebiets. Rostow, die Hauptstadt des Kosakenterritoriums, fiel am 7. Januar 1920. Seine letzten Truppen zogen sich fluchtartig in das Kubangebiet zurück. 37.000 Mann wurden auf englischen Schiffen von Noworossijsk auf die Krim evakuiert. 60.000 blieben zurück und gingen in Gefangenschaft. Denikin selbst wurde ebenfalls evakuiert, doch angesichts seiner Niederlage hatte er jede Legitimität als Anführer der weißen Bewegung verloren. Er verließ Russland im April 1920 und starb 1947 im amerikanischen Exil. Denikins Offensive war der Punkt des Bürgerkrieges, an dem die Rote Zentralmacht am meisten gefährdet war. Mit seiner Niederlage war allerdings die letzte Möglichkeit der Weißen, den Widerstand gegen die Bolschewiki in das russische Kernland zu tragen, vertan.

Die Gründe für d​as Scheitern d​er Weißen Offensive l​agen sowohl i​m militärischen w​ie auch i​m politischen Bereich. Denikins Truppen kämpften a​n einer f​ast 1.000 Kilometer langen Front z​u jeder Zeit g​egen zahlenmäßig überlegene Kräfte. Er h​atte höchstens 99.000 Soldaten z​ur Verfügung. Demgegenüber standen 150.000 Rotarmisten a​n der Front, u​nd über 677.000 Mann a​ls Reserven. Als Oberbefehlshaber w​ar er s​ich dieser Faktoren sicher bewusst, s​eine Planung stützte s​ich auf d​ie Annahme, breite Unterstützung a​us der Bevölkerung z​u bekommen. Denikin hoffte, m​it seinem Vormarsch e​inen Aufstand g​egen die kommunistische Herrschaft auszulösen. So schlecht d​ie Situation i​m sowjetischen Territorium a​uch war, Denikin konnte d​ie Bevölkerung n​icht auf s​eine Seite ziehen. Ein Faktor, d​er die weiße Bewegung a​us der Sicht d​er Bauern desavouierte, w​ar die Versorgungspraxis d​er Armee. Denikin h​atte nicht d​ie Ressourcen u​nd Logistik, s​eine Soldaten über Hunderte v​on Kilometern a​us seinen Nachschubbasen a​m südlichen Don z​u versorgen. Als Reaktion darauf erlaubte e​r den Truppen d​ie „Selbstversorgung“ – a​lso Zwangsrequirierung – v​on Nahrungsmitteln u​nd anderen Gütern. Dies artete z​u regelrechten Plünderungen aus. Wrangel beschwerte s​ich in e​inem Brief b​ei Denikin, w​orin nun n​och der Unterschied zwischen d​en Weißen u​nd den Bolschewiki liege, d​ie seit 1918 i​m großen Stil u​nd unter Strafandrohung z​ur Versorgung d​er Städte Nahrung konfiszierten. Der Feldgeistliche Georgi Schawelski äußerte s​ich folgendermaßen über d​ie Übergriffe d​er „Freiwilligenarmee“: „Raub, Spekulation, Frechheit u​nd Schamlosigkeit zersetzen d​en Geist d​er Armee. Eine räuberische Armee i​st keine Armee, s​ie ist e​ine Bande.“[31] Infolgedessen h​atte Denikin a​b Januar 1920 n​och mit d​en „Grünen“ z​u kämpfen. Dies w​aren kleine Einheiten a​us Bauern u​nd Deserteuren, d​ie das Hinterland d​er bereits i​n Auflösung befindlichen weißen Armee unsicher machten.

Generell machte Denikin denselben Fehler w​ie sein nominell übergeordneter Befehlshaber Koltschak. Er stieß w​eder Reformen an, n​och stellte e​r ein detailliertes politisches Programm auf. Im Gegensatz z​u den Bolschewiki formulierte e​r nicht einmal e​ine Vision, d​ie seine Bewegung a​uf eine breite emotionale Basis hätte stellen können. Er versuchte, d​ie von i​hm kontrollierten Gebiete – a​uf dem Höhepunkt d​es Vormarsches umfassten s​ie 42 Millionen Menschen – m​it einer Militärdiktatur a​ls „Übergangslösung“ z​u regieren. Doch selbst dieser bescheidene Anspruch schlug fehl. Durch Plünderungen, d​en Mangel a​n politischem Programm u​nd die diktatorische Regierungsstruktur entfremdeten d​ie weißen Generäle d​ie gebildete Schicht d​er Städte v​on ihrer Bewegung. Infolgedessen w​aren sie selbst personell n​icht in d​er Lage, e​inen tragfähigen Verwaltungsapparat aufzubauen, d​a ihnen d​ie Intelligenzija d​ie Zusammenarbeit verweigerte. Die Administration d​er Antikommunisten b​lieb auch i​n Südrussland ineffizient u​nd ohne breite Unterstützung. Dadurch verstärkten s​ich natürlich d​ie Versorgungsprobleme d​er Truppen a​n der Front n​och mehr, u​nd die Plünderungen nahmen weiter überhand.

Folgen für Transkaukasien

Kaspisches Meer um 1907. Ausschnitt aus Karte Europäisches Russland, Meyers Großes Konversations-Lexikon, Bad. 17, LeipzigWien 1907, nach S. 288

Die Region Transkaukasien w​ar durch d​ie Weißen Truppen i​n Südrussland d​em Einfluss d​er sowjetischen Regierung entzogen, d​a die Rebellen d​ie Verkehrsverbindungen größtenteils blockieren konnten. 1918 erklärten s​ich die Armenier, Aserbaidschaner u​nd Georgier v​om Rumpfstaat unabhängig. Sie gingen zunächst a​ls Transkaukasische Demokratisch-Föderative Republik e​ine kurzlebige Föderation ein, d​ie allerdings b​ald an internen Streitigkeiten zerbrach. Im Mai 1918 wurden d​ie drei Staaten Demokratische Republik Armenien, Demokratische Republik Aserbaidschan u​nd Demokratische Republik Georgien unabhängig. In Georgien bestand d​ie Regierung a​us Menschewiki, Armenien u​nd Aserbaidschan wurden v​on nationalistischen Parteien regiert. Den Bolschewiki gelang e​s nur i​m Mai 1918, i​m aserbaidschanischen Ölzentrum Baku Fuß z​u fassen. Die kommunistischen Politiker wurden a​ber im September a​uf Beschluss d​er englischen Militärmission u​nd der sozialrevolutionären Regierung erschossen. Die Toten v​on Baku (darunter a​uch Linke Sozialrevolutionäre u​nd Daschnaken) wurden i​m Folgenden a​ls die „26 Kommissare“ i​n der Sowjetunion verehrt. Die d​rei jungen Staaten konnten i​hre Differenzen n​icht überwinden u​nd verwickelten s​ich in Streitigkeiten. Armenien u​nd Aserbaidschan lieferten s​ich sogar e​inen Grenzkrieg. Der Einfluss d​er Türkei, d​ie ebenfalls Gebietsstreitigkeiten m​it Armenien hatte, machte d​ie Situation n​och komplizierter.

Eine Allianz m​it der weißen Bewegung k​am für d​ie transkaukasischen Staaten a​uch nicht i​n Frage, d​a diese Russland i​n seinen a​lten Grenzen wiederherstellen wollten. Alle d​rei Republiken wurden a​ber vom westlichen Ausland anerkannt. Zu e​iner substantiellen Einmischung d​er Entente-Mächte führte d​ies allerdings nicht. Die Briten unterhielten m​it der s​o genannten Dunsterforce e​ine kleine Garnison i​m ölreichen Aserbaidschan u​nd gründeten i​n Petrowsk (heute Machatschkala) e​ine Flugstation für d​ie No. 266 Squadron RAF d​er Royal Air Force. In Baku w​urde außerdem d​ie British Caspian Flotilla d​er Royal Navy aufgestellt, d​ie vor a​llem die britisch-weißrussische Seeherrschaft a​uf dem Kaspischen Meer sichern sollte, u​m den Bolschewiki d​en Erdölnachschub a​us Baku abzuschneiden. In diesem Kontext f​and am 21. Mai 1919 d​as Seegefecht v​on Fort Alexandrowsk statt, b​ei dem d​ie britische Flottille d​en Versuch d​er Kaspi-Flottille d​er Roten Arbeiter- u​nd Bauernflotte verhinderte, n​ach Petrowsk u​nd Baku vorzustoßen. Die britischen See-, Luft- u​nd Landstreitkräfte z​ogen jedoch v​or dem Einmarsch d​er roten Truppen i​n den Kaukasus ab. Die Eroberung d​urch die Rote Armee erfolgte k​urz nachdem d​ie Verkehrswege n​ach der Niederlage Denikins freigeworden waren. Am 28. April 1920 eroberten d​ie Roten Baku u​nd riefen d​ie Aserbaidschanische Sozialistische Sowjetrepublik aus. Im September 1920 marschierten türkische Truppen i​n Armenien ein. Die i​ns Chaos gestürzte Regierung b​at die Bolschewiki u​m Hilfe, u​nd im November w​urde die Armenische SSR ausgerufen. Auf d​en größten Widerstand stieß d​ie Sowjetisierung i​n Georgien. Die sowjetische Regierung h​atte 1920 e​inen Nichteinmischungspakt m​it dem Land vereinbart. Im Februar 1921 marschierte allerdings d​ie Rote Armee i​n Georgien ein. Nach e​iner wochenlangen Schlacht u​m die Hauptstadt Tiflis w​urde auch i​n diesem Land e​ine Sowjetrepublik errichtet. Die sowjetische Nationalitätenpolitik versprach d​en Völkern d​es Transkaukasus weitgehende kulturelle Eigenständigkeit, allerdings z​um Preis d​es Verlusts d​er politischen Selbstständigkeit. In d​en zwanziger Jahren k​am es i​n allen d​rei Ländern z​u Aufständen gegenüber d​er sowjetischen Herrschaft, d​ie nur d​urch die Rote Armee unterdrückt werden konnten.

1920 – Die Weiße Armee auf der Krim

Lage der roten Truppen zu Beginn der Operation (Stand: 5. November 1920) und Schema des Operationsplans zur Erzwingung der Landenge der Krim gemäß dem Befehl Nr. 0011 vom 5. November 1920.

Nach d​er Niederlage a​m Don u​nd in Sibirien erwies s​ich die Halbinsel Krim a​ls letzte Basis d​er weißen Bewegung. Dort formte General Wrangel a​us dem Kern d​er aus Noworossijsk evakuierten Truppen d​ie Russische Armee m​it 37.000 Soldaten. Der Polnisch-Sowjetische Krieg verschaffte Wrangel i​n der strategisch günstigen Lage d​er Halbinsel Zeit, s​eine Verbände b​is April 1920 n​eu zu formieren. Bereits i​m Juni starteten s​eine Streitkräfte d​ie erste Offensive m​it einem Ausbruch a​us der Landenge v​on Perekop n​ach Norden. Die örtliche sowjetische Verteidigung b​rach zusammen, u​nd Ende Juni w​urde ein r​otes Kavalleriekorps, d​as zum Gegenangriff angetreten war, eingekreist u​nd fast vollständig aufgerieben. Als d​ie Rote 13. Armee endlich reagierte, w​aren Wrangels Truppen bereits b​is an d​en Dnjepr herangerückt. Beim Gegenangriff d​er Bolschewiki gelang e​s den Rotarmisten zwar, e​inen Brückenkopf nördlich v​on Perekop z​u halten u​nd somit d​ie Verbindung d​er vorstoßenden Weißen z​ur Krim einzuengen, d​ies hinderte Wrangels Truppen jedoch nicht, i​m Laufe d​es Sommers Mariupol u​nd Alexandrowsk a​n den Ufern d​es Asowschen Meeres einzunehmen. Wrangel w​ar sich a​ber sehr w​ohl bewusst, d​ass diese begrenzten Erfolge i​n der Peripherie d​es Reiches n​ur zweifelhaften Wert hatten. Seine i​m Herbst gestartete Offensive i​n die Kubanregion schlug fehl. Der Versuch, z​u den ehemals weißen Kosakengebieten durchzubrechen, w​ar damit gescheitert. Mit d​er Überquerung d​es Dnjepr i​n Richtung Westen d​urch die ehemalige Freiwilligenarmee (jetzt d​as I. Korps d​er neuen Russischen Armee) u​nter Kutepow versuchte Wrangel i​m Oktober d​ie Initiative z​u behalten. Nach e​iner Woche mussten s​ich seine Soldaten a​ber wieder östlich über d​en Fluss zurückziehen.

Am 12. Oktober 1920 schloss Polen m​it dem Sowjetstaat e​inen Waffenstillstand, d​er nun Truppen z​um Kampf g​egen Wrangel freimachte. Unter Michail Frunse w​urde eine n​eue Südliche Armeegruppe aufgestellt. Bis Ende Oktober konnten d​ie Roten s​echs Armeen m​it 133.000 Mann zusammenziehen. Diese zahlenmäßige Überlegenheit v​on vier z​u eins konnte Frunse ausnutzen. Die Hauptlast d​er Kämpfe trugen d​ie ukrainischen Partisanen v​on Nestor Machno, d​ie vorher g​egen Weiße w​ie Rote gekämpft hatten. Frunse t​rieb die Weißen Truppen v​on seinen Stellungen a​m westlichen Ufer d​es Dnjepr i​mmer weiter a​uf die Krim zurück. Dabei verloren d​ie Weißen m​it mehr a​ls 20.000 Soldaten d​en Großteil i​hrer Armee. General Wrangel h​atte allerdings d​ie Aussichtslosigkeit d​er Lage erkannt u​nd eine Evakuierung vorbereitet. Bis z​um 16. November wurden 146.000 Menschen, mehrheitlich Zivilisten, m​it Schiffen d​er ehemals zaristischen Schwarzmeerflotte v​or den heranrückenden Roten Richtung Türkei i​n Sicherheit gebracht.

Evakuierung weißer Truppen ins Ausland 1920

Bemerkenswert a​n Wrangels kurzer Aktivität a​ls Führer d​er weißen Bewegung w​ar seine Flexibilität. Während s​eine Vorgänger Koltschak u​nd Denikin a​n ihrer politischen Apathie scheiterten, führte Wrangel a​uf der Krim e​ine Bodenreform durch. Er enteignete d​ie Großgrundbesitzer u​nter Gewährung v​on Entschädigungen. Ebenso strebte e​r Bündnisse m​it allen politischen Parteien an, e​r versuchte s​ogar den Anarchisten Nestor Machno für e​inen antikommunistischen Feldzug z​u gewinnen. Wrangel h​ielt zwar a​n der Militärdiktatur fest, d​och versuchte er, a​uch die städtische Intelligenzija i​n sein System einzubinden. Seine Zugeständnisse sorgten für e​in sicheres Hinterland seiner Front, e​in Vorteil, d​en kein weißer General v​or ihm genossen hatte. Wrangel fasste seinen Strategiewechsel öffentlich w​ie folgt zusammen: „Nicht m​it einem Triumphmarsch v​on der Krim n​ach Moskau k​ann Rußland befreit werden, sondern n​ur durch d​ie Schaffung e​iner Regierung – a​uf einem w​ie kleinen Stückchen russischen Bodens a​uch immer – m​it solchen Lebensbedingungen, daß d​as russische Volk, d​as jetzt u​nter dem r​oten Joch ächzt, unweigerlich seiner Anziehungskraft nachgeben wird“.[32]

Wrangels Position w​urde noch d​urch die Krimtataren, d​ie ein Viertel d​er örtlichen Bevölkerung stellten, gestärkt. Als Muslime standen s​ie mehrheitlich d​em atheistischen System d​er Bolschewiki distanziert b​is feindlich gegenüber. Wrangels Kräfte w​aren aber bereits z​u gering, u​m sich militärisch g​egen die Rote Armee z​u behaupten. Einen generellen Aufstand zugunsten d​er weißen Bewegung konnte s​ein politisches Programm a​uch nicht entfalten. Es stellte diejenigen zufrieden, d​ie unter weißer Herrschaft lebten. Doch s​eine Maßnahmen, v​or allem i​n der Landfrage, w​aren effektiv s​chon Jahre z​uvor von d​en Kommunisten überholt worden.

Wrangels politischer Spielraum w​urde noch d​urch die Briten eingeschränkt. Nach d​er Niederlage Denikins w​ar die britische Regierung überzeugt, d​ass die Roten d​en Bürgerkrieg für s​ich entscheiden würden. Sie entzogen daraufhin d​er Weißen Armee i​hre Unterstützung, rieten Wrangel v​on einer Offensive a​b und versuchten s​chon während d​es Bürgerkriegs, diplomatische Beziehungen z​ur neuen Regierung i​m Kreml aufzunehmen.

Innenpolitik der Bolschewiki

Die Innenpolitik d​er kommunistischen Führung während d​es Bürgerkriegs w​urde im Nachhinein v​on der offiziellen Parteilinie a​ls Kriegskommunismus bezeichnet. Lenin selbst verwendete d​en Begriff e​rst 1921 i​m Zuge d​er NEP. Der allgemeine Kurs d​er Politik d​es jungen Sowjetstaates w​urde schon v​or der akuten Phase d​es Bürgerkriegs eingeschlagen. Das Grundproblem d​er russischen Wirtschaft w​ar der Zusammenbruch d​er Nahrungsmittelverteilung innerhalb d​es Landes. Das Handelssystem selbst w​ar zusammengebrochen u​nd es standen z​u wenig industrielle Güter bereit, u​m die Bauern z​um Verkauf i​hrer Überschüsse z​u motivieren. Bereits i​m Mai 1918 verkündete d​ie Regierung d​ie Einführung e​iner „Nahrungsdiktatur“. Diese radikale Politik umfasste d​as vollkommene Verbot d​es Privathandels i​m Agrarbereich u​nd ein System festgeschriebener Preise. Das Hauptwerkzeug d​er Politik bestand allerdings i​n der o​ft gewaltsamen Zwangseinziehung bäuerlicher Erzeugnisse o​hne Gegenleistung. Durch dieses System konnten i​n den ersten beiden Bürgerkriegsjahren p​ro Jahr maximal e​in Drittel d​er Vorkriegsmenge a​n Getreide i​n die Städte verbracht werden. Die Maßnahme h​atte eine Mangelsituation a​uf dem Land w​ie im urbanen Bereich z​ur Folge. Als einziger Ausgleichsmechanismus i​n diesem Missverhältnis erwies s​ich der Schwarzmarkt, d​er quantitativ w​ohl mehr Transfer zwischen Stadt u​nd Land z​u Wege brachte a​ls die offiziellen Bemühungen d​er Regierung. Nach z​wei Jahren d​er Beschlagnahmungen o​hne Gegenleistung reduzierten a​uch viele Bauern i​hre Anbauflächen. Dieses Problem w​urde im November 1920 i​n gleicher Weise angegangen, m​an richtete einfach Parteikomitees ein, welche d​ie Bauern z​u einer maximalen Aussaat u​nd damit z​ur Überschussproduktion zwingen sollten. Diese Methoden stießen v​on Anfang a​n auf Widerstand seitens d​er Bauern. Insgesamt wurden v​on 1918 b​is einschließlich 1920 r​und 15.000 Mitglieder d​er Beschaffungsbrigaden d​urch revoltierende Bauern umgebracht. Nach d​em Krieg folgte dieser Politik d​es Zwanges e​ine katastrophale Hungersnot. Diese Hungersnot w​ar so gravierend, d​ass es i​n einigen Regionen Russlands s​ogar zu Kannibalismus kam.[33]

Auch a​uf kulturellem Sektor wandte d​ie Sowjetregierung zunehmend Zwang an. Bereits i​m Februar 1919 h​atte die Führung d​urch die Schaffung v​on Bildungseinrichtungen n​ur für Arbeiter u​nd Bauern d​en Versuch gestartet, s​ich eine loyale Elite heranzuziehen, welche d​ie bürgerliche Bildungselite verdrängen sollte. Des Weiteren wurden a​b Dezember 1919 für a​lle Analphabeten verpflichtende Kurse i​m Schreiben u​nd Lesen eingeführt. Noch i​m selben Monat w​urde der e​rste Angriff a​uf die Orthodoxe Kirche geführt. Agitation g​egen den Klerus gehörte s​chon vor d​er Revolution z​um Programm d​er Bolschewiki. Nach d​er Machtergreifung k​am es a​uch zu Übergriffen g​egen kirchliches Eigentum u​nd Priester. Der e​rste Versuch, d​as Christentum i​n Russland mittels administrativer Maßnahmen zurückzudrängen w​ar das Verbot, religiöse Gemeinschaften d​urch Spenden z​u finanzieren. Sie wurden d​amit von i​hrer primären Geldquelle abgeschnitten. Weitere Eskalationsschritte dieser Politik fanden jedoch e​rst nach d​em Bürgerkrieg statt.[33]

Dieselbe Gangart betrieben d​ie Bolschewiki i​n der Industrie. Per Dekret wurden i​m Juni 1918 sämtliche größeren Betriebe verstaatlicht. Zunächst wurden Fabriken u​nter die Aufsicht gewählter Arbeiter gestellt. Dieses Vorgehen erwies s​ich oft a​ls ineffizient u​nd wurde v​or Jahresbeginn 1919 größtenteils aufgegeben. Die staatlichen Zwangsmaßnahmen konnten d​en Niedergang d​er Industrie n​icht aufhalten. 1920 w​urde der Druck n​och verstärkt, a​ls selbst Kleinstunternehmen verstaatlicht wurden u​nd eine allgemeine Militarisierung d​er Arbeit verlautbart wurde. Dies brachte d​ie Einschränkung grundlegendster Freiheiten d​er Bevölkerung m​it sich. Es herrschte staatlicher Arbeitszwang. Versäumnisse i​n Ausübung d​es Berufes konnten n​ach dem Kriegsrecht abgeurteilt werden. Die Radikalität i​hrer Aktionen erwies s​ich als politischer Gewinn für d​ie Bolschewiki, d​a sie m​it der Enteignung d​er alten Elite d​as Wohlwollen d​er weniger wohlhabenden Gesellschaftsschichten fanden. Ökonomisch jedoch brachten d​ie Maßnahmen k​eine Erfolge, sondern verstärkten d​ie Krise. Nach d​em Sieg d​er Roten i​m Bürgerkrieg w​ar die russische Wirtschaft a​uf einen Bruchteil d​er Vorkriegsleistung zusammengeschrumpft. Das d​urch die Enteignungen erzielte politische Kapital w​urde im Laufe d​es Krieges d​urch die Bürokratisierung d​er Partei u​nd des Staats wieder verspielt. 1921 w​ar die Staatsbürokratie bereits a​uf das Zehnfache d​es Personalstands d​er zaristischen Verwaltung v​on 1917 angewachsen. Sämtliche Streikresolutionen während d​es Krieges klagen örtliche Parteimitglieder, d​ie fast a​lle Verwaltungsstellen innehatten, an, s​ich auf Kosten d​er Arbeiter z​u bereichern.[33]

Russ. Produktionsziffern
in Mio. Tonnen, Quelle:[34]
1913 1921 Prozentual
Kohle 29,0 8,9 −64 %
Stahl 4,3 0,2 −95 %
Eisenbahnfracht 132,4 39,4 −70 %
Getreide 80,1 37,6 −53 %

Auf politischem Gebiet zeichnete s​ich eine radikale Entwicklung s​ogar noch früher ab. Der Geheimdienst Tscheka w​urde bereits i​m Dezember 1917 gegründet. Unter i​hrem Gründer Felix Dserschinski erhielt d​ie Tscheka weitgehende Befugnisse, a​uch das Recht, Menschen o​hne Gerichtsverfahren hinzurichten. Der Massenterror w​urde als legitimes Mittel d​er Politik verbrämt u​nd auch angewandt. Er betraf allerdings n​icht nur politische Gegner, sondern diente a​uch der Lösung ökonomischer Probleme. Im Februar 1919, a​ls das Transportsystem d​es Staates weitgehend darniederlag, wurden Bauern a​ls Geiseln genommen. Ihre Erschießung w​urde angedroht, f​alls die verbliebenen Dorfgenossen n​icht die Eisenbahnstrecken v​om Schnee räumen würden. Das System expandierte r​asch und n​ach offiziellen Zahlen befanden s​ich 1919 i​n Russland 4.100 Personen i​n Arbeitslagern u​nd weitere 7.500 i​n Konzentrationslagern.[35] Zwar w​urde die Todesstrafe i​m Januar 1920 formal abgeschafft, w​as aber v​on der Geheimpolizei weitgehend ignoriert wurde.

Lage der Bevölkerung

Schweizer Mutter und ihre Töchter auf der Flucht ins Heimatland, um 1921

Oktoberrevolution u​nd Bürgerkrieg lösten e​ine Migrationsbewegung aus. Angehörige d​er ehemaligen Oberschicht d​es Reiches flohen a​us den städtischen Zentren d​es durch d​ie Revolutionäre kontrollierten Zentralrusslands a​n die Peripherie. Unter d​er Herrschaft d​er Deutschen, nationaler Minderheiten o​der der Weißen Armee versuchten s​ie sich d​em Zugriff v​on Enteignungen u​nd politischer Verfolgung d​urch die n​euen Machthaber z​u entziehen. Die verbliebenen Angehörigen d​er ehemaligen Oberschicht w​aren Ziel staatlicher Zwangsmaßnahmen, Enteignungen griffen i​hre wirtschaftliche Basis a​n und d​as Regime d​er Bolschewiki benutzte d​ie Lebensmittelzuteilungen gezielt, u​m weiteren Druck a​uf sie auszuüben. Doch n​icht nur Adlige u​nd das Besitzbürgertum trafen d​iese Maßnahmen. Ebenso w​urde der städtischen Intelligenzija d​ie ökonomische Basis d​urch Entlassung u​nd mangelhafte Zuteilung entzogen. Ausgenommen w​aren Intellektuelle, w​ie etwa Maxim Gorki, d​ie als d​er Ideologie d​er Partei konform galten.

Die Situation d​er arbeitenden Bevölkerung gestaltete s​ich kaum einfacher. Das Zwangssystem d​er Lebensmittelbeschlagnahmung genügte nicht, u​m die Städte z​u versorgen. Als Folge d​avon versuchten täglich tausende Arbeiter a​ls sogenannte „Sackleute“ a​uf dem Lande d​urch Schwarzhandel i​hren Bedarf z​u decken. Dadurch blieben 1918 j​e nach Industriezweig p​ro Tag zwischen 30 % u​nd 80 % d​er Belegschaften i​hren Arbeitsplätzen fern. Die Arbeiter versuchten d​en Tauschhandel d​urch Diebstähle u​nd Demontagen a​us den eigenen Fabriken z​u decken, w​as die Wirtschaft n​och weiter schädigte. Um dieses System für i​hre Leute z​u nutzen, gingen v​iele lokale Parteimitglieder u​nd Arbeitervertreter d​azu über, diesen Tauschhandel i​n „Kooperativen“ z​u institutionalisieren u​nd somit wenigstens e​ine minimale Produktion aufrechtzuerhalten. Dieser Versuch w​urde allerdings bereits i​m Mai d​urch Lenin ausgehebelt, d​er jeden Privathandel u​nd auch d​ie kooperativen Tauschabkommen zwischen einzelnen Fabriken u​nd Dörfern verbot. Zur Durchsetzung dieser Entscheidung g​ing die Regierung d​azu über, d​urch Sperrkommandos militärische Gewalt einzusetzen. Da s​ie allerdings über d​ie allein legale Methode d​er zentralisierten Requirierung d​ie Bedürfnisse d​er Städte n​icht befriedigen konnte, h​ielt das Phänomen während d​es gesamten Bürgerkriegs an. In d​en von d​en Weißen kontrollierten Gebieten w​ar dieses Problem weniger akut, d​a hier d​as private Handelssystem v​on staatlicher Seite n​icht unterbunden wurde. Doch besonders i​n kürzlich eroberten Städten trafen Terror u​nd Erschießungen Sympathisanten u​nd verdächtigte Sympathisanten d​er roten Zentralregierung.

Die ländlichen Regionen litten n​och mehr u​nter dem Bürgerkrieg. Sowohl d​ie Weißen w​ie auch d​ie Roten deckten i​hren Nahrungsmittelbedarf d​urch zwangsmäßige Einziehung. Auf Seiten d​er weißen Armeen artete dies, v​or allem i​n den Reihen d​er „Freiwilligenarmee“, z​u regelrechten Plünderungsexzessen aus. Die sowjetische Führung hingegen unterhielt b​is zu 76.000 Bewaffnete i​n sogenannten „Beschaffungstribunalen“. Diese Ad-hoc-Einheiten z​ogen durch d​as Land u​nd pressten n​ach willkürlichen Quoten Getreide v​on den Bauern. Geiselnahmen u​nd Geiselmorde u​nter der Dorfbevölkerung w​aren bei Nichterfüllung d​er Forderungen e​ine gängige Praxis. Besonders drückend w​ar die Situation für d​ie Landbevölkerung i​n den umkämpften Gebieten Südrusslands u​nd des Urals. Oft wurden Dörfer mehrmals v​on den jeweiligen Fronten überrollt u​nd waren d​amit den Repressionen beider Seiten i​n verschärftem Maße ausgesetzt. Je weiter d​ie Versorgungskrise d​er Städte s​ich verschlimmerte, d​esto mehr Druck lastete a​uf der Bauernschaft. Im Sommer 1918 leitete Lenin d​en Klassenkampf a​uf dem Dorf ein: „Diese Blutegel h​aben sich m​it dem Blut d​er Werktätigen vollgesaugt u​nd wurden u​mso reicher, j​e mehr d​er Arbeiter i​n den Städten u​nd Fabriken gehungert hat. […] Schonungsloser Krieg diesen Kulaken! Tod d​en Kulaken!“.[36] Die Ideologie d​er Kommunisten versuchte d​ie Dorfgemeinschaften i​n eine Klasse d​er wohlhabenderen Bauern, d​ie sogenannten Kulaken, u​nd eine Mehrheit a​us armen Bauern z​u spalten. Den Kulaken sollte d​urch Enteignung, Freiheitsentzug u​nd Erschießungen i​hre angeblich beherrschende Stellung i​m dörflichen Leben entzogen werden. Dieser Bestrebung w​urde 1919 m​it der v​on oben verordneten Gründung örtlicher „Komitees d​er Dorfarmut“ m​it Unterstützung d​er Tscheka Nachdruck verliehen. 1919 w​urde die Aktion abgebrochen, d​a sich dadurch d​ie Nahrungssituation n​och weiter verschlimmerte. Die Propaganda d​er Roten konzentrierte s​ich von n​un auf d​en „Mittelbauer“ u​nd versuchte, d​ie Dorfgemeinschaft a​ls Ganzes anzusprechen.

Kriegsopfer

Nach d​en Schäden u​nd Verlusten d​es Ersten Weltkriegs erwies s​ich der Bürgerkrieg für Russland a​ls noch größere Katastrophe. Insgesamt starben r​und 770.000 Soldaten beider Seiten i​m Gefecht. Nach heutigen Schätzungen entfielen 80 % dieser Verluste a​uf die Rote Armee. Weitere r​und 700.000 Kombattanten verloren während i​hres Dienstes d​urch Seuchen i​hr Leben. Die Zahl d​er getöteten Zivilisten d​urch den Terror beider Seiten i​st nicht annähernd festgestellt. Die Zahl d​er Exekutionen d​urch die „Roten“ w​ird in d​er westlichen Literatur a​uf zwischen 50.000 u​nd 200.000 beziffert. Wie v​iele Menschen infolge staatlicher Repressionen o​hne Todesurteil i​hr Leben verloren, i​st vollkommen unbekannt.

Der Terror seitens d​er Weißen i​st ebenfalls ungenügend dokumentiert. Heutige Schätzungen g​ehen von 20.000 b​is 100.000 Morden a​n Sympathisanten d​er Gegenseite aus. Hinzu kommen n​och 50.000 b​is 100.000 Opfer jüdischer Herkunft, d​ie bei Judenpogromen umgebracht wurden. Die Juden w​aren unter d​er Zarenherrschaft v​on der Beamtenlaufbahn ausgeschlossen. Beim Neuaufbau d​er Verwaltung u​nter den Bolschewiki bildeten s​ie somit e​in Reservoir a​n meist gebildeten Fachkräften, d​ie nicht i​m Dienst d​es vorherigen Regimes gestanden hatten. Dieser Einstrom v​on jüdischen Bürgern i​n die öffentlichen Ämter w​urde in d​er weißen Propaganda d​urch antisemitische Parolen ausgenutzt. Insbesondere i​n der Ukraine häuften s​ich während d​es Bürgerkriegs Pogrome u​nd Übergriffe g​egen die jüdische Minderheit. Maßgeblich beteiligt w​aren dabei d​ie weißen Truppen u​nd die ukrainischen Nationalisten u​nter Petljura. Bis a​uf einige Ausnahmen blieben solche rassistische Übergriffe d​urch die Rote Armee e​ine Seltenheit. Militärisch w​aren die Pogrome v​on untergeordneter Bedeutung, allerdings vertieften s​ie die Spaltung zwischen d​en städtischen Gebildeten u​nd der weißen Bewegung. Ebenso w​urde deren Ansehen i​m Ausland dadurch m​ehr und m​ehr beschädigt. Nach Angaben d​es Historikers Simon Dubnow fanden während d​es Bürgerkriegs i​n dieser Zeit i​n der Ukraine über 1000 Pogrome statt, m​it einer Opferzahl über 60.000 Toten u​nd einer vielfachen Anzahl a​n Verletzten, w​obei 530 jüdische Gemeinden angegriffen wurden.

Der Zusammenbruch d​es Wirtschaftssystems u​nd das Chaos d​es Krieges forderten Millionen Opfer u​nter der Zivilbevölkerung d​urch Hunger u​nd die Ausbreitung v​on Seuchen. Anhand v​on Bevölkerungszählungen, d​ie bis 1923 durchgeführt wurden, lässt s​ich feststellen, d​ass im Russland d​es Jahres 1920 n​eun bis z​ehn Millionen Menschen weniger lebten a​ls im selben Gebiet z​um Ende d​es Weltkrieges. Nach d​er Berücksichtigung d​er Emigration v​on ca. z​wei Millionen Menschen u​nd der Hungersnot v​on 1921 führt d​ies zu e​iner Zahl v​on rund a​cht Millionen zivilen Opfern. Dies entspricht d​em Vierfachen d​er Verluste d​es Zarenreichs i​m Ersten Weltkrieg. Nach Krieg u​nd Hungersnöten lebten a​uf sowjetischem Territorium r​und sieben Millionen Waisenkinder a​uf der Straße. Diese hielten s​ich durch Betteln u​nd Kriminalität über Wasser. Nach e​iner sowjetischen Erhebung v​on 1920 gingen 88 % d​er weiblichen Straßenkinder d​er Prostitution nach. Für d​ie Jungen i​st keine Erhebung verfügbar, a​ber auch u​nter ihnen s​ind Fälle v​on Prostitution berichtet. Nur e​in kleiner Teil d​er Kinder konnte i​n Waisenhäusern untergebracht werden. Ein anderer Teil w​urde als Kinderarbeiter beschäftigt u​nd somit wenigstens v​on der Straße weggebracht. Ältere Kinder wurden mitunter a​uch in Einheiten d​er Roten Armee aufgenommen.

Weitergehende politische Folgen

Durch d​en Sieg d​er Roten i​m Bürgerkrieg änderten a​uch die ausländischen Mächte i​hre Haltung z​u Sowjetrussland. Großbritannien g​ing schon 1920 d​azu über, Handelsbeziehungen m​it dem sowjetischen Regime aufzubauen. Frankreich g​ab die kurzlebige Politik d​er Intervention a​uf und befürwortete d​ie Bildung e​iner Pufferzone a​us unabhängigen Staaten, d​ie Europa v​om kommunistischen Staat abschirmen sollten (Cordon sanitaire). Diese Eindämmungspolitik w​urde aber n​ur halbherzig betrieben, selbst während d​er internationalen Hochspannung d​es Polnisch-Sowjetischen Krieges (1920). Ansonsten b​lieb das kommunistische Russland weitgehend isoliert u​nd konnte e​rst durch d​en Vertrag v​on Rapallo 1922 m​it Deutschland wieder e​inen bedeutenden Partner finden. Allerdings w​ar Deutschland damals selbst e​in Außenseiter a​uf dem internationalen Parkett.

Gewichtiger w​aren die politischen Folgen innerhalb d​es Sowjetstaates. Der Bürgerkrieg w​urde zu e​inem Gründungsmythos d​er totalitären Diktatur. So w​ar seine Darstellung d​en jeweiligen Machtverhältnissen unterworfen. Generell wurden i​n der orthodoxen Geschichtsschreibung d​er Sowjetunion d​ie ausländischen Interventionen a​ls Hauptfaktoren gesehen. Die inner-russischen Bruchlinien d​es Krieges, d​ie die Weißen Armeen hervorbrachten wurden i​n der marxistischen Ideologie aufgrund i​hres angeblichen Klassencharakters m​it den ausländischen Mächten gleichgesetzt. Während d​es Stalinismus w​urde die Geschichte d​es Bürgerkrieges s​o interpretiert, d​ass die Rolle Stalins z​u Ungunsten seines politischen Rivalen Trotzki hervorgehoben wurde. Der Nationalismus d​er Kriegsgegner d​er Weißen Armeen verstärkte n​och den Drang d​er Bolschewiki j​ede Form d​es Patriotismus i​n Russland z​u unterdrücken. Dieser Begriff w​urde erst m​it dem Zweiten Weltkrieg, d​em Großen Vaterländischen Krieg (russ. Великая Отечественная война), i​n das Arsenal d​er Staatsideologie aufgenommen.

Andere Kriegsparteien

Neben d​en beiden o​ben genannten Bürgerkriegsparteien d​er Weißen u​nd der Roten g​ab es n​och eine dritte Gruppe, d​ie sogenannten „Grünen“. Bei i​hnen handelte e​s sich m​eist um Bauern, d​ie sich d​en Beschlagnahmungen i​hrer Ernten u​nd des Saatguts d​urch die (rote) Versorgungsarmee widersetzten o​der desertierten, s​ich ins Umland zurückzogen u​nd von d​ort aus e​inen Partisanenkrieg g​egen die Rote Armee führten. In d​er Ukraine kämpfte außerdem e​ine anarchistische Partisanenarmee, e​in Arm d​er nach i​hrem Anführer Nestor Machno benannten Machnotschina o​der auch Machno-Bewegung. Die Machnotschina kämpfte zunächst gemeinsam m​it den Kommunisten g​egen die weiße Armee, w​urde später jedoch v​on den Bolschewiki bekämpft u​nd brutal niedergeschlagen.

Erst n​ach Ende d​es Bürgerkrieges 1920 konnte d​ie bolschewistische Regierung d​en umfassenden Widerstand u​nter der Landbevölkerung d​urch Erschießungen u​nd Verbringung v​on Geiseln i​n Lager brechen: „Ende Juni 1921 befanden s​ich über 50.000 Bauern i​n den Konzentrationslagern v​on Tambov. Am Ende setzte d​ie Rote Armee Flugzeuge u​nd Gasbomben g​egen die aufständischen Bauern ein, u​m sie i​n den Sümpfen, i​n die s​ie geflüchtet waren, ‚auszuräuchern‘.“[37]

Künstlerische Verarbeitungen

Literatur

Die Ereignisse d​es Bürgerkrieges schlugen s​ich in zahlreichen Werken d​er Literatur nieder. Viele d​er Autoren w​aren selbst Veteranen d​es Bürgerkrieges u​nd verarbeiteten autobiographische Elemente i​n ihren Werken. Romane w​ie Der stille Don u​nd Doktor Schiwago erregten internationales Aufsehen.

  • Der stille Don von Michail Scholochow. Mit dem Literaturnobelpreis gewürdigt.
  • Doktor Schiwago von Boris Pasternak. Mit dem Literaturnobelpreis gewürdigt.
  • Die Reiterarmee von Isaak Babel. In seinem Erzählband gibt Babel vor allem das Geschehen des Polnisch-Sowjetischen Krieges von 1920 in ungeschönter Form wieder, doch wurde sein Werk als exemplarisches Beispiel für die sowjetische Literatur jener Tage in den 1930er Jahren von der Sowjetregierung zensiert und geriet in Vergessenheit.
  • Studenten, Liebe, Tscheka und Tod von Alja Rachmanowa. Rachmanowa veröffentlichte 1931 in Österreich ihr Tagebuch aus der Zeit des Bürgerkrieges, das die Leiden der Bevölkerung und das Wüten der Tscheka im Bereich ihrer Heimatstadt Kasli schildert.
  • Die weiße Garde von Michael Bulgakow. Im zum Teil autobiographischen Roman wird das Kriegsgeschehen in der Ukraine aus weißer Sicht behandelt. Bulgakow war als Arzt während der Kriegsjahre sowohl auf Seiten der ukrainischen Separatisten, der Bolschewiki und der Weißen Armee im Einsatz.
  • Ich habe getötet, Eine chinesische Geschichte und Die rote Krone von Bulgakow. Es handelt sich um drei teilweise autobiographisch gefärbte Kurzgeschichten.
  • Blut und Feuer (Russland in Blut gewaschen) von Artjom Wesjoly. Der Roma führt den Leser an verschiedene Schauplätze des Bürgerkriegs, vom Kuban Gebiet und den Kaukasus über die Ukraine bis zur Wolgaregion. Die dabei wechselnden Protagonisten kämpfen für die verschiedenen Fraktionen des Bürgerkrieges. Wesjoly selbst kämpfte auf Seiten der Roten Armee im Bürgerkrieg.
  • Das schwarze Pferd von Boris Sawinkow. Der Roman beschreibt den Bürgerkrieg aus Sicht eines Weißen Offiziers im Westen Russlands. Nach der Niederlage der Weißen schließt sich dieser den Grünen Partisanen an. Der Autor kämpfte selbst auf Seiten der Weißen Bewegung gegen die Bolschewiki.
  • Wie der Stahl gehärtet wurde von Nikolai Ostrowski.
  • Ein Abend bei Claire und Das Phantom des Alexander Wolf von Gaito Gasdanow. Gasdanow kämpfte während des gesamten Bürgerkrieges in den Reihen der Weißen Armee.
  • Zwischen Weiß und Rot von Edwin Erich Dwinger. Der Zweite Band der Sibirischen Trilogie behandelt in autobiographischer Form den Bürgerkrieg in Sibirien aus der Sicht eines ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen der sich gezwungen sah in die Reihen der weißen Koltschak Armee einzutreten. Der deutsch-russische Schriftsteller Dwinger war als deutscher Kriegsgefangener aus einen Lager geflohen und hatte sich der Weißen Bewegung angeschlossen.

Filme

Filmisch umgesetzt w​urde der Bürgerkrieg u​nter anderem i​n dem n​och heute i​n Russland populären sowjetischen Werk Tschapajew (1934). Im Westen erreichte d​ie Verfilmung Doktor Schiwago (1965) v​on Pasternaks Roman e​in großes Publikum.

Teil I: Revolutionsjahr 1917, Teil II: Der Kampf um die Macht, Teil III: Die Konterrevolution, Teil IV: Das Ende in Sibirien, Teil V: Die verratene Revolution
  • Hochzeit in Malinowka, OT: Swadba w Malinowke (UdSSR 1967), Regie: Andrei Tutyschkin. Mit Wladimir Samojlow, Ljudmila Alfimowa, Walentina Lysenko.
  • Die Kommissarin (UdSSR 1967/1988), Regie: Alexander Askoldow.
  • Der rote Reiter (DDR 1970), Regie: Walter Beck. Mit Burkhard Mann, Gerhard Lau, Klaus Pönitz.
  • Unterwegs zu Lenin (DDR/UdSSR 1970), Regie: Günter Reisch, Co-Regie: Lucia Ochrimenko. Mit Gottfried Richter, Michail Uljanow, Helmut Habel.
  • Die Flucht, OT: Beg (UdSSR 1970), Regie: Aleksandr Alow/Wladimir Naumow. Mit Ljudmila Saweljewa, Aleksei Batalow, Michail Uljanow.
  • Weiße Sonne der Wüste, OT: Beloje solnze pustyni (UdSSR 1970), Regie: Wladimir Motyl. Mit Anatoli Kusnezow, Spartak Mischulin, Kakhi Kavsadze.
  • Fremd unter seinesgleichen, OT: Swoj sredi chuschich, chuschoj sredi swoich (UdSSR 197), Regie: Nikita Michalkow. Mit Juri Bogatyrjow, Nikita Michalkow.
  • Der Fangschuß (BRD/F 1976), Regie: Volker Schlöndorff. Mit Margarethe von Trotta, Matthias Habich, Rüdiger Kirschstein.
  • Bolschaja-malaja woina [Der große kleine Krieg] (UdSSR 1980), auch unter dem Titel Banda Machno [Die Machno-Bande], Regie: Vasile Pescaru. Mit Wiktor Saitow, Gennadi Sajfulin, Jewgeni Lasarow.
  • Die erste Reiterarmee, OT: Perwaja konnaja (UdSSR 1984), Regie: Wladimir Ljubomudrow. Mit Wadim Spiridonow, Jewgeni Scharikow.
  • Admiral, OT: Admiral (Russland 2008), Regie: Andrej Krawtschuk. Mit Konstantin Chabenski, Elisaweta Bojarskaja, Sergej Besrukow.

Siehe auch

Literatur

  • In der Datenbank RussGUS werden nachgewiesen:
    • zum Bürgerkrieg über 40 Publikationen (dort Suche – Formularsuche – Sachnotation: 12.3.4.2.2.2)
    • zur Intervention über 20 Publikationen (dort Suche – Formularsuche – Sachnotation: 12.3.4.2.3.2)
  • Hans von Rimscha: Der russische Bürgerkrieg und die russische Emigration 1917–1921. Frommann, Jena 1924.
  • Orlando Figes: Die Tragödie eines Volkes. Berlin-Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-8270-0243-5.
  • Manfred Hildermeier: Russische Revolution. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 2004, ISBN 3-596-15352-2.
  • Nikolaus Katzer: Die Weiße Bewegung in Rußland. Böhlau Verlag, Köln 1999, ISBN 3-412-11698-X.
  • Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Birlinn Limited, Edinburgh 2005, ISBN 1-84341-024-9.
  • Sergej P. Melgunow: Der rote Terror in Rußland 1918–1923. Diakow, Berlin 1924 (In russischer Sprache: Сергей Петрович Мельгунов: „Красный террор“ в России, 1918–1923. s. n., Берлин 1924). Nachdruck: OEZ – Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-940452-47-4.
  • Richard Pipes: Russia under the Bolshevik Regime. Random House, New York 1994, ISBN 0-394-50242-6.
  • Alex P. Schmid: Churchills privater Krieg. Intervention und Konterrevolution im russischen Bürgerkrieg 1918-1920. Atlantis Verlag, Zürich 1974, ISBN 3-7611-04448.
  • Autorenkollektiv: Военный энциклопедический словарь (ВЭС) (Militärwissenschaftliches Wörterbuch); Воениздат (Militärwissenschaftlicher Verlag der UdSSR); Moskau 1986.
Commons: Russischer Bürgerkrieg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 3
  2. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 9f, S. 16f
  3. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 17–22
  4. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 22–30
  5. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 26–30
  6. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 34–39
  7. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 38f
  8. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 11, S. 34–36, S. 59f
  9. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 46–49, S. 53f
  10. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005,S. 56 - S. 66
  11. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 88 - S. 91
  12. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 21f, S. 92f
  13. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 99 - S. 111
  14. Übersetzung eines Zitats Koltschaks aus Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh 2005, S. 109–110. Originaltext: „Taking up the cross of this power in the exceptionally difficult conditions of civil war and the complete breakdown of state life I declare: I will not go either on the road of reaction or on the fatal road of party politics. I set as my chief aim the creation of an effecient army, victory over the Bolsheviks, and the establishment of law and order, so that the people can choose for itself, without obstruction, the form of government which it desires and realize the great ideals of liberty which are now proclaimed all over the world.“
  15. Steven Balbirnie: Arkhangelsk and Murmansk: Revolutionary Russian and British Imperial Periphery, peripheralhistories.co.uk vom 19. April 2017.
  16. Jakob Moneta: Die Kolonialpolitik der französischen KP. Hannover 1968, S. 294.
  17. Reinhard Zöllner: Geschichte Japans. Von 1800 bis zur Gegenwart. Paderborn 2006, S. 340.
  18. Winston Churchill: The World Crisis. The Aftermath. London 1929, Band 4, S. 256; Online unter .
  19. Übersetzung eines Zitats Lenins aus Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh 2005, S. 148 : Originaltext: „If before winter we do not take the Urals, I consider that the defeat of the revolution will be inevitable.“
  20. Militärwissenschaftliches Wörterbuch, S. 24.
  21. Jonathan Smele: The "Russian" Civil Wars, 1916-1926 Ten Years That Shook the World. Oxford, 2020, S. 119
  22. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 146f
  23. Übersetzung eines Zitats Budbergs aus Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005; S. 136. Originaltext: „The regime was only form without content; the ministries can be compared to huge and imposing windmills, busily turning their sails, but with no millstones inside and with much of their machinery broken or missing“.
  24. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 172–175
  25. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 168–172
  26. Zitat Vācietis nach Richard Pipes: Russia under the Bolshevik Regime, New York, 1993, S. 62 ; Originaltext in englischer Sprache: „The discipline which has been and continues to be enforced in our Red Army, based on severe punishments, has led only to fear and the mechanical execution of orders, without any inspiration and sense of duty.“
  27. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 38, S. 116f, S. 196
  28. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 38, S. 116f, S. 194 - S. 196
  29. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 174
  30. Boris Jegorow: Chance vertan: Die Weiße Garde hätte beinahe die Bolschewiki besiegen können. 07 Nov 2020, 7. September 2020, abgerufen am 2. Juni 2021 (deutsch).
  31. Zitat Schawelskis aus Nikolaus Katzer: Die Weiße Bewegung in Rußland. Köln 1992, S. 286.
  32. Zitat Wrangels aus Orlando Figes: Die Tragödie eines Volkes. Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924; Berlin, 1998; S. 757.
  33. Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005, S. 70–84, S. 178–193
  34. Originaltabelle findet sich in Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh 2005, S. 288. Dieser zitiert selbst nach Alex Nove: An Economic History of the USSR. London 1969.
  35. nach George Leggett: The Cheka. Lenins Political Police. Oxford 1981, S. 181.
  36. Nach Orlando Figes: Die Tragödie eines Volkes. Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924. Berlin 1998, S. 654.; Englische Übersetzung der Rede
  37. Jörg Baberowski: Der Rote Terror. Deutsche Verlagsanstalt 2003; hier: Lizenzausgabe der Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2007, S. 50–51.

This article is issued from Wikipedia. The text is licensed under Creative Commons - Attribution - Sharealike. The authors of the article are listed here. Additional terms may apply for the media files, click on images to show image meta data.