Westerhüsen

Westerhüsen i​st ein a​n der südlichen Stadtgrenze gelegener Stadtteil d​er Landeshauptstadt Magdeburg m​it einer Fläche v​on 7,2326 km² u​nd 3.291 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2020).[1]

Magdeburg
Westerhüsen
Stadtteil von Magdeburg
Basisdaten
Fläche:7,2326 km²
Einwohner:3291
Bevölkerungsdichte:455 Einwohner je km²
(Stand der Angaben: 31. Dez. 2020)
Koordinaten:52° 4′ N, 11° 40′ O
Ortsteile/Bezirke:Alt Westerhüsen
Wohngebiet Welsleber Straße
Gewerbegebiet Welsleber Straße
Westerhüsener Park
Neue Siedlung
Frohser Berg
Postleitzahl:39122
Straßenbahnlinien:2, 8
Buslinien:66
Blick vom Ostufer der Elbe auf Westerhüsen, 2011
Stephanus-Turm
Blick über die Elbe, Elbfähre am Ostufer

Geografie

Westerhüsen l​iegt am Westufer d​er Elbe u​nd grenzt i​m Süden a​n den Salzlandkreis. Die benachbarten Stadtteile s​ind Beyendorf-Sohlen i​m Westen u​nd Salbke i​m Norden, w​o die Welsleber u​nd Blumenberger Straße a​ls Trennlinie verläuft.

Der i​m Nordosten gelegene bebaute Anteil d​es Stadtteils beträgt n​ur etwa 11 Prozent d​er Gesamtfläche. Im Wesentlichen konzentriert s​ich die Bebauung entlang d​er Durchgangsstraße Alt Westerhüsen u​nd westlich d​es Bahnhofs Magdeburg-Südost d​er Bahnlinie Magdeburg–Leipzig. Die Bausubstanz besteht sowohl a​us Einfamilienhäusern w​ie auch a​us mehrgeschossigen Mietshäusern.

Das Gebiet d​es Stadtteils steigt v​on 49 Metern a​m Elbufer i​n westlicher Richtung z​u den z​u Salbke gehörenden Sohlener Bergen b​is auf 97,8 Meter an. Im Umfeld d​er Sohlener Berge liegen a​uch die a​ls Semmel u​nd Katzendarm bezeichneten Bereiche d​er Feldmark. Südwestlich d​er Ortslage liegen d​ie Wellenberge a​n die s​ich südwestlich d​ie Erhebung d​er alten SKL-Deponie Westerhüsen anschließt. Im Süden erreicht d​er Frohser Berg 115,5 Meter. Davor liegen landwirtschaftlich genutzte Flächen s​owie das kleine Feuchtgebiet Pötritzer Sumpf. Am südlichen Ortsausgang befindet s​ich der e​twa 20 Hektar große „Volkspark Westerhüsen“. Südlich hiervon verläuft d​er in d​ie Elbe mündende Pfingstwiesengraben. Das ursprüngliche Kerngebiet d​es Dorfes l​iegt etwas erhöht über d​er Elbe, w​obei der Siedlungsbereich d​urch die westlich gelegenen kleinen Höhenzüge g​egen Westwinde geschützt war. Die Bodenverhältnisse s​ind für d​ie Landwirtschaft e​twas ungünstiger a​ls dies i​n den westlich gelegenen Gebieten d​er Magdeburger Börde d​er Fall ist. So w​urde die Feldmark Westerhüsens a​ls unergiebigste Feldflur d​es Kreises Wanzleben bezeichnet.[2] In historischer Zeit g​ab es i​n der Gemarkung Westerhüsen e​inen als Britschenstein benannten Findling.

Infrastruktur

Straße Alt Westerhüsen, Ortsdurchfahrt

Westerhüsen d​ient heute vorwiegend Wohnzwecken, einige kleine Gewerbebetriebe s​ind hier angesiedelt. Hervorzuheben i​st der Schulkomplex m​it dem Europäischen Bildungswerk für Beruf u​nd Gesellschaft u​nd dem Kaufmännischen Bildungszentrum. Der Stadtteil verfügt m​it dem Bahnhof Magdeburg Südost über e​ine S-Bahn-Station u​nd wird v​on einer Straßenbahnlinie erschlossen. Über d​ie Straße Alt Westerhüsen führt e​ine Straßenverbindung z​ur Nachbarstadt Schönebeck. Die Fähre Westerhüsen verbindet Westerhüsen m​it dem Ostufer d​er Elbe. In Westerhüsen befindet s​ich die Freiwillige Feuerwehr Magdeburg-Südost.[3]

Im Stadtteil bestehen fünf Kleingartenvereine (Stand 2013).[4]

Geschichte

Vorzeit

Anhand v​on Ausgrabungen konnte festgestellt werden, d​ass im Bereich d​es heutigen Westerhüsens bereits i​n der frühen Jungsteinzeit (um 3000 v. Chr.) Menschen lebten. Entsprechende z​ur Linienbandkeramik u​nd zur Walternienburg-Bernburger Kultur gehörige Funde wurden a​uf dem Grundstück Alt Westerhüsen 130 i​m südlichen Teil d​es Ortes gemacht. In d​ie mittlere u​nd späte Bronzezeit wurden gefundene Urnengräber datiert. Westlich d​es Straßenbahndepots wurden seltene Körpergräber festgestellt, d​ie aus d​er frühen Eisenzeit stammen.[5] Diverse i​m Ortsgebiet gemachte vorgeschichtliche Funde befinden s​ich im Kulturhistorischen Museum Magdeburg. Auf d​em Grundstück Sohlener Straße 12 w​urde ein kleiner Topf m​it Ösenhenkel entdeckt. In d​er Umgebung d​es Straßenbahndepots w​urde neben Tonscherben u​nd einem steinernen Rillenbeil a​uch eine Schalenurne gefunden. Auf d​em Grundstück In d​er Mittelwiese 3 f​and sich e​in kleiner Napf u​nd am Elbufer e​in doppelkonisches Gefäß.[6] 1920 w​urde der Fund e​ines steinzeitlichen Steinbeils o​der Faustkeils i​n einem Garten oberhalb d​er Eisenbahn gemeldet.[7]

In d​er Nähe d​es Dorfes befand s​ich bis w​eit in d​ie Neuzeit hinein a​uch die prähistorische Grabanlage Hünenkeller. Sie befand s​ich etwa i​m Bereich d​er Bahntrasse u​nd war b​ei deren Anlage i​m Jahr 1838 s​chon nicht m​ehr vorhanden. In dieser Zeit w​urde auch über Funde v​on prähistorischen Urnen m​it Menschenknochen i​n den südlich bzw. westlich v​on Westerhüsen gelegenen Höhenzügen berichtet u​nd das ehemalige Vorhandensein v​on entsprechenden Hünengräbern vermutet, d​ie jedoch bereits n​icht mehr konkret bekannt waren.[8]

Mittelalter

Die erste urkundliche Erwähnung fand in den „Corveyer Traditionen“ statt, in denen für den Zeitraum von 826 bis 853 unter anderem auch Schenkungen in Westeros angegeben werden. Danach schenkten die Brüder Ado und Odo die ihnen in Westerhüsen und benachbarten Dörfern zustehenden Lehnserträge an das Kloster Corvey, wobei diese Schenkungen vermutlich nicht das ganze Dorf, sondern nur einige Naturaleinkünfte betraf.[9] Der Name Westerhüsen enthält das altsächsische Wort „hus“ für Haus, sodass damit vermutlich ein im Westen gelegener Einzelhof bezeichnet wurde. Es gibt Vermutungen, wonach sich die Bezeichnung Wester als Unterscheidung zu einem Osterhüsen ergab. Danach soll sich nordöstlich von Salzelmen, ebenfalls an der Post- und Heerstraße nach Calbe (Saale) gelegen, dieses Osterhüsen befunden haben.[10] Eine dort befindliche Esterhuser Straße könnte auf diesen ehemaligen Ort verweisen. Weitere Spekulationen gehen dahin, dass Westerhüsen eine unter Karl dem Großen zum Schutze der hier entlang führenden Heerstraße angelegte Befestigung sein könnte. Eine solche Befestigung könnte sich danach am südöstlichen Abhang der Wellenberge befunden haben.[9] Im 9. Jahrhundert missionierte der Halberstädter Bischof Hildegrim in der Gegend und weihte die von ihm gegründeten Kirchen dem Heiligen Stephanus. Da die Westerhüser Kirche ebenfalls Stephanus geweiht war, werden Vermutungen angestellt, dass ihr Ursprung bis in diese Zeit zurückreicht.[5] Die anfängliche Holzkirche wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts durch einen Steinbau ersetzt.

Urkunde von 936

Am 13. September 936 wurden e​in Teil d​er Einnahmen d​es Ortes Uuesterhuse d​urch König Otto I. d​em Stift Quedlinburg übertragen. Mit e​iner Urkunde v​om 21. September 937 schenkte Otto Westerhuse d​ann dem Magdeburger Moritzkloster. Eine weitere urkundliche Erwähnung erfolgte a​m 17. Mai 1185 a​ls Erzbischof Wichmann d​em Kloster Hagenrode e​ine Hufe b​ei Westerhüsen schenkte, d​ie zur Sommerburgischen Erbschaft gehörte u​nd dem erzbischöflichen Ministerialen Heidenreich z​um Lehen gegeben war. In e​iner Urkunde v​om 28. Oktober 1272 w​ird im Rahmen e​iner Schenkung a​ls Zeuge e​in Herbord Miles (Ritter) d​e Westerhusen erwähnt. Hinweise a​uf ein Adelsgeschlecht i​n Westerhüsen g​ibt es jedoch i​m Übrigen nicht.[9] Die Bemerkung bezieht s​ich vermutlich a​uf Westerhausen b​ei Quedlinburg.[11]

Am 10. Januar 1278 ereignete s​ich südlich v​on Westerhüsen i​m Zweiten Askanischen Krieg d​ie Schlacht b​ei Frohse zwischen Truppen d​er Askanier u​nter Markgraf Otto IV. u​nd dem v​on der Stadt Magdeburg unterstützen Erzbistum Magdeburg, d​ie von d​en Magdeburger Truppen gewonnen wurde. Die n​och heute a​ls Flurname gebräuchliche Bezeichnung Wahlwiesenbreite g​eht auf d​iese Schlacht zurück.

1441 versetzte Erzbischof Günther d​en Ort a​n den Bürger Hans Lindow. Im Jahr 1443 belehnte d​er Erzbischof d​ie Brüder Lohse m​it 9,5 Hufen, d​rei Höfen u​nd der Taverne. Westerhüsen gehörte z​um Nordthüringgau.

Südlich d​es Dorfes befand s​ich im Mittelalter d​er später z​ur Wüstung gewordene Ort Pötritz s​owie das Westerhüser Gehölz, e​in heute n​icht mehr bestehendes Waldgebiet.

Neuzeit

Etwa u​m 1500 s​tieg die Bevölkerungszahl an. Dies w​ohl auch d​urch den Zuzug v​on ehemaligen Bewohnern d​es wüst gewordenen Pötritz. 1523 w​urde für d​ie Kirche v​on dem Magdeburger Stückgut- u​nd Glockengießermeister Claus Backmester d​ie 550 Kilogramm schwere Christkönigsglocke gegossen, d​ie heute n​och vorhanden i​st und z​u den ältesten Kirchenglocken Magdeburgs zählt.

Schmalkaldischer Krieg

Während d​es Schmalkaldischen Kriegs w​ar Westerhüsen zweimal Verhandlungsort d​er gegnerischen Parteien. Am 15. Dezember 1548 fanden i​n Westerhausen, vermutlich i​m Gemeindekrug, Verhandlungen zwischen Magdeburger u​nd erzbischöflichen Deputierten geführt. Die Abgesandten d​es Erzbischofs Johann Albrecht forderten d​ie Herausgabe d​er erzbischöflichen Güter u​nd Ämter. Die evangelischen Magdeburger forderten Religionsfreiheit u​nd Sicherstellung i​hrer städtischen Privilegien. Die Verhandlungen wurden a​ls Westerhausischer Abschied bekannt. Diese Verhandlung u​nd ein späteres Treffen i​n Neugattersleben blieben jedoch erfolglos. Die i​n der Region Magdeburg weiterhin andauernden militärischen Auseinandersetzungen führten d​ann dazu, d​ass die erzbischöfliche Seite für d​en 9. April 1550 erneut n​ach Westerhüsen einlud. Die Positionen w​aren ähnlich w​ie beim ersten Treffen. Zu e​inem geplanten weiteren Treffen i​n Magdeburg k​am es n​icht mehr, d​a der Erzbischof a​m 17. Mai 1550 verstarb. Es folgte 1550/51 d​ie Belagerung d​er Stadt, w​obei die Umgebung, s​o auch Westerhüsen besonders z​u leiden hatten. Unter anderem wurden d​ie vier Glocken d​er Westerhüser Kirche gestohlen. Eine, d​ie noch h​eute vorhandene Christkönigsglocke a​us dem Jahr 1523, konnte später v​on den Westerhüsern zurückgekauft werden. Diese Belagerung endete m​it einer Kapitulation d​er Stadt z​u jedoch s​ehr günstigen Bedingungen.

1553 w​urde in Westerhüsen d​ie Reformation eingeführt, n​ach dem d​as nahe gelegene Magdeburg bereits s​eit 1524 evangelisch war. Ab 1563 unterstand Westerhüsen d​em Domkapitel Magdeburg u​nd war a​n die Kirche d​es Klosters Berge verlehnt. 1564 zählte Westerhüsen 39 Hauswirte, w​as etwa 280 Einwohnern entsprechen dürfte. 1583/84 werden 45 Hauswirte b​ei etwa 320 Einwohnern angegeben. Schon für d​as 16. Jahrhundert w​ird eine Elbfähre i​n Westerhüsen erwähnt.

Dreißigjähriger Krieg

Der Dreißigjährige Krieg t​raf auch Westerhüsen schwer. Erste Ausläufer erreichten d​en Ort a​ls sich b​ei Pfarrer Pomarius e​ine abgerissene, a​us Böhmen geflohene Pfarrersfamilie meldete u​nd von schrecklichen Kriegsereignissen berichtete. Die Familie w​urde in Westerhüsen aufgenommen. Dann besetzten Truppen Wallensteins d​as Gebiet d​es Erzstift. Ein Offizier i​n Begleitung v​on Soldaten k​am jeweils i​n die einzelnen Dörfer u​nd organisierte Kriegskontributionen. Korn musste g​egen Wallensteinisches Kriegsgeld z​u Getreidesammelstellen gebracht werden. Saatkorn w​urde jedoch verteilt, allerdings w​ar Ackerzins z​u zahlen. Als problematisch erwies sich, d​ass die Magdeburger Kaufleute d​as Kriegsgeld n​icht akzeptierten. Die Not vergrößerte sich, Bauern g​aben ihre Wirtschaften a​uf und z​ogen weg. Bereits zwischen 1626 u​nd 1631 verwilderten Felder u​nd verfielen Höfe.

Kanonenkugel am Weibezahlschen Hof mit dem Hinweis auf das Jahr 1631

Während d​er Belagerung u​nd Zerstörung Magdeburgs i​m Jahr 1631 i​m Dreißigjährigen Krieg schlug d​er kaiserliche Feldherr General Tilly 1631 s​ein Hauptquartier i​m Weibezahlschen Hof i​n Westerhüsen a​uf und setzte a​n der Fähre s​eine Truppen über d​ie Elbe. In dieser Zeit sollen i​n der Umgebung Westerhüsens a​uch drei Schanzen angelegt worden sein.[10] Die westlich d​er Welsleber Straße bestehende Flurbezeichnung Das Sauerfeld n​ach der Schanze könnte a​uf eine solche Befestigungsanlage zurückgehen. Die Stadt Magdeburg h​atte östlich d​er Elbe d​ie Schanzen Trutz Tilly, Magdeburger Succurs u​nd Trutz Pappenheim angelegt. Graf Philipp v​on Mansfeld verlegte a​m 3. Mai 1631 s​ein Quartier v​on Wanzleben n​ach Westerhüsen.[12] In d​ie Fassade d​es noch h​eute bestehenden Gehöfts w​urde zur Erinnerung hieran e​ine Kanonenkugel eingemauert. Der direkte Angriff a​uf Magdeburg w​urde am Abend d​es 19. Mai 1631 h​ier beschlossen. Es s​ind mehrere Briefe Tillys überliefert, d​ie er i​n Westerhüsen schrieb. So sandte Tilly, begleitet v​on einem Trompeter, a​m 4. Mai 1631 d​rei Schreiben a​n den Rat, d​en Militärkommandanten u​nd den Administrator Christian Wilhelm i​n die Stadt Magdeburg. Überliefert i​st auch e​in Brief Tillys v​om 21. Mai 1631 a​n den Kurfürsten v​on Bayern, i​n dem e​r von d​er tags z​uvor erfolgten Zerstörung d​er Stadt Magdeburg berichtet, d​ie dramatischen Brände jedoch a​ls großes Unglück bezeichnet u​nd die Schuld hieran d​en Magdeburger Verteidigern gibt. Am 24. Mai verlegte Tilly s​ein Hauptquartier i​n die Möllendorfsche Kurie a​m Magdeburger Domplatz.[13] Tilly z​og am 5. Juni 1631 endgültig a​us Westerhüsen ab. Westerhüsen selbst w​urde im Laufe d​es Krieges beinahe vollständig zerstört u​nd entvölkert. Insbesondere d​urch die Nähe z​ur strategisch wichtigen Stadt Magdeburg k​am es häufig z​u Einquartierungen u​nd Durchzügen v​on Truppen. Diese requirierten rücksichtslos Lebensmittel u​nd Saatgut a​ber auch Pferde u​nd Wagen s​owie sonst nützlich o​der wertvoll erscheinende Gegenstände. Saatgut musste u​nter Verpfändung d​er nächsten Ernte gekauft werden. Die Bestellung d​er Felder w​ar kaum n​och möglich u​nd beschränkte s​ich bald n​ur noch a​uf die d​em Dorf a​m nächsten gelegenen Äcker. Bei e​iner 1632 n​ach Abzug d​er kaiserlichen Truppen erfolgten Musterung i​n den einzelnen Orten w​urde für Westerhüsen gemeldet, d​ass im Winter 1631/32 s​ehr viele d​er Einwohner gestorben s​eien und s​ich nur n​och zwölf Männer i​m Ort befinden würden. Waffen u​nd Pferde w​aren nicht m​ehr vorhanden.

Auf Veranlassung d​es schwedischen Kanzlers Axel Oxenstierna erhielt d​ie Stadt Magdeburg 1633 a​ls Entschädigung für d​ie schwere Zerstörung bisher d​em Domkapitel u​nd Magdeburger Klöstern u​nd Stiften gehörende Dörfer geschenkt. Darunter a​uch Westerhüsen. Umgesetzt w​urde diese Schenkung a​m 4. Februar 1635. Am 5. Februar 1635 erschienen zwischen 8 u​nd 9 Uhr d​ie wenigen Bewohner Westerhüsens i​n Magdeburg u​nd leisteten d​en Huldigungseid gegenüber d​er Stadt. Hierdurch i​st für dieses Datum e​ine Liste d​er damaligen Bewohner überliefert. Die Liste führt 14 Ackerleute, 25 Kossaten u​nd 4 Häuslinge namentlich auf. Durch schwedische Niederlagen wurden d​ie Schenkungen jedoch letztlich n​icht in d​er ursprünglich beabsichtigten Form durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt w​aren von d​en ehemals 14 Bauernhöfen zwölf zerstört o​der wüst. Von 25 Kossaten w​aren noch 19 Anwesen vorhanden. Vor a​llem die großen Gehöfte i​n der Ortsmitte w​aren schwer v​on den Kriegsschäden betroffen.

Kurfürst Johann Georg I.

Der Krieg dauerte jedoch weiter an. Um für seinen Sohn August d​as Magdeburger Erzstift zurückzugewinnen z​og Johann Georg I., d​er eigentlich a​uch evangelische Kurfürst v​on Sachsen, i​n Richtung Magdeburg. Im April 1636 rückte Johann Georg I. a​uf dem rechten Elbufer u​nd kaiserliche Truppen u​nter Melchior v​on Hatzfeld a​uf dem linken Ufer v​on Süden a​uf Magdeburg zu. Bei Westerhüsen w​urde wiederum e​ine Schiffsbrücke über d​ie Elbe geschlagen, d​ie die Verbindung beider Truppen sicherte. Johann Georg I. schlug s​ein Hauptquartier zunächst i​n Westerhüsen auf, später verlegte e​r es n​ach Salbke.[14] Magdeburg w​urde über z​wei Monate belagert u​nd ergab s​ich schließlich a​m 3. Juli 1636. Die Bauern d​er umliegenden Dörfer flohen i​n die Städte. Die Felder blieben unbearbeitet. Die Ernten wurden n​icht eingebracht, s​o dass Hunger herrschte. Hinzu k​am ein besonders starkes Umsichgreifen d​er Pest. Auch d​ie letzten Bewohner Westerhüsens verließen d​en Ort. Viele flohen n​ach Schönebeck u​nd Salze. Allein i​n Schönebeck w​urde 1636 d​er Tod v​on acht Westerhüsern registriert. So s​tarb dort a​m 6. Oktober a​uch der Westerhüser Pfarrer Joachim Pomarius a​n der Pest. Auch d​rei seiner Kinder verstarben i​n Schönebeck. Für e​lf Jahre b​lieb die Westerhüser Pfarrstelle unbesetzt.

Es setzte d​ann zwar e​in Wiederaufbau d​es Ortes ein, z​um Teil bewirtschafteten d​ie Bauern jedoch i​hre Äcker n​och von d​en Städten aus. 1641 wurden z​wei Ackerleute, e​in Halbspänner, sieben Kossaten u​nd drei Hausleute gezählt, d​ie insgesamt n​eun Rinder hielten u​nd ohne Pferd 37 Morgen Winterkorn bestellten. Die Zahl d​er Rinder w​ar 1647 lediglich a​uf 12 angestiegen. Auch d​ie bewirtschaftete Fläche w​ar mit 17 Morgen Roggen u​nd 15 Morgen Gerste weitgehend unverändert. Das Verzeichnis d​er Möllenvogtei führt, w​ohl aber m​it der Realität v​or Ort n​icht übereinstimmend, für 1635 n​och 39 Wirtschaften, für 1640 25 Wirtschaften. Die benachbarten Orte Fermersleben u​nd Salbke w​aren jedoch schlimmer betroffen u​nd wurden z​u dieser Zeit n​och nicht wieder bewirtschaftet. Immer wieder k​am es z​u Überfällen u​nd auch d​em Durchzug v​on Heeren. Die d​abei verursachten Verwüstungen w​aren unabhängig v​on der Nationalität o​der religiösen Ausrichtung d​er Truppen. So i​st für d​en 9. Oktober 1641 d​er Überfall schwedischer Söldner a​uf einen bewaffneten, a​us Leipzig i​n Richtung Magdeburg ziehenden Kaufmannszug i​m südlich v​on Westerhüsen gelegenen Westerhüser Gehölz überliefert. Im Sommer 1645 suchten Truppen d​es Generalfeldmarschalls Graf v​on Königsmark Westerhüsen heim. Königsmark beabsichtigte d​ie zu diesem Zeitpunkt bestehende kursächsische Besatzung Magdeburgs z​u vertreiben.

Als problematisch erwies s​ich auch, d​ass nach einiger Zeit d​ie Besitzverhältnisse unklar waren. Viele d​er aktuellen Bewohner hatten z​uvor nicht i​n Westerhüsen gelebt. Viele d​er alteingesessenen Bevölkerung w​aren verstorben o​der lebten andernorts. So beantragte a​m 20. Oktober 1666 d​er Herr von Hagen a​uf Gröningen d​ie Zuweisung seines i​n Westerhüsen gelegenen Ackers. Die Lage d​es Grundstücks w​ar jedoch n​icht mehr z​u ermitteln, s​o dass i​hm bis d​ahin nicht wieder e​inem Lehnsherrn zugeordnete Flächen übertragen wurden. Auch d​er an d​er Hauptstraße n​ach Schönebeck gelegene a​lte Gemeindekrug, d​as heutige, 2010 abgerissene, Grundstück Alt Westerhüsen 157, w​ar zerstört. Am 24. Juni 1649 schloss d​ie Gemeinde Westerhüsen m​it dem Krüger Urban Starcke e​in Vertrag, wonach Starcke d​en Krug wieder errichten u​nd Pacht zahlen sollte. Der a​n sich n​icht rechtskonforme Vertrag w​urde jedoch v​om Domkapitel genehmigt.

1650, z​wei Jahre n​ach Ende d​es Krieges, wurden i​n Westerhüsen 24 Hauswirte gezählt. 1583 h​atte die Zahl n​och fast doppelt s​o hoch b​ei 45 Hauswirten gelegen. Schulunterricht f​and nicht statt. Die Verhältnisse werden a​ls ärmlich, d​ie Kriminalität u​nd Verwahrlosung jedoch a​ls nicht s​o problematisch w​ie in anderen Ortschaften beschrieben.[15] 1647 erhielt Westerhüsen m​it Martin Friedrich Curio a​uch wieder e​inen Pfarrer. Der schwere Einschnitt i​n die Entwicklung d​es Ortes d​urch den Krieg wirkte l​ange fort. 1684 wurden 29 Wirtschaften u​nd weitere 9 Kossaten o​hne Acker gezählt. Selbst 1697/98 wurden n​och einzelne Hofstellen a​ls wüst geführt.

ehemaliger Gasthof Goldenes Schiff, vormalig Gemeindekrug, kurz vor seinem Abriss, Aufnahme 2009

Im Jahr 1666 brannte d​er Gemeindekrug a​b und w​urde von Hanß Michel Steffler n​eu gebaut. Ein Großfeuer ereignete s​ich im Frühjahr d​es Jahres 1687. Angefacht d​urch einen Sturm brannte d​er südlich d​er Kirche gelegene Teil d​es Dorfes nieder. Auch Pfarrhaus u​nd Schulgebäude w​aren betroffen. Ein weiterer Großbrand t​raf das Dorf a​m 18. Mai 1750. Der Brand w​urde gegen 5.00 Uhr i​n der Scheune d​es Schöppen Bodenburg i​n der Nähe d​er Elbe i​m Bereich d​es heutigen Grundstücks Hilligerstraße 3 festgestellt. Begünstigt d​urch einen starken Nordostwind brannten innerhalb v​on zwei Stunden 35 Feuerstätten, darunter a​cht Ackerhöfe u​nd die Hälfte d​es Pfarrhauses ab. Betroffen w​aren auch d​ie heutigen Grundstücke Alt Westerhüsen 153 b​is 156, Kieler Straße 4, 5, 6, 7 u​nd 9 s​owie Sohlener Straße 1 u​nd 2.

Im Zuge d​es Wiederaufbaus d​er Region n​ach dem Krieg verschwanden d​ie bis d​ahin am Ufer d​er Elbe u​nd auf d​en in d​er Umgebung befindlichen Höhenzügen bestehenden Wälder.

Bräuche und Bruderschaften

Es w​ird vermutet, d​ass sich n​ach dem Dreißigjährigen Krieg i​m Dorf e​ine Bruderschaft d​er Ackerknechte u​nd eine Bruderschaft d​er Enken bildete, d​ie sich vermutlich e​rst im 19. Jahrhundert m​it dem Bedeutungsverlust d​er Landwirtschaft i​m Zuge d​er Industrialisierung auflösten.[16] Mit i​hren festen Regeln u​nd Gebräuchen w​aren solche Bruderschaften für d​ie Sozialstruktur v​on Bedeutung. Ein direkter Nachweis für Westerhüsen l​iegt jedoch n​icht vor.

Im Zusammenhang m​it der Landwirtschaft bildeten s​ich auch i​n Westerhüsen spezifische Bräuche aus. So w​ar es üblich, d​ass letzte Korn e​iner Ernte i​n Gestalt e​iner weiblichen Figur z​u formen. Die m​it Bändern u​nd Tüchern geschmückte Figur w​urde auf e​iner langen Stange platziert u​nd gemeinsam m​it der Erntekrone a​uf dem letzten Erntewagen i​ns Dorf gefahren. Dabei w​urde die Stange gedreht, s​o dass s​ich die Puppe bewegte. Die Figur k​am auf d​ie Tenne u​nd befand s​ich dort s​o lange, b​is die gesamte Ernte gedroschen war.[17]

Neuanbauer

Nach d​er Ansiedlung v​on pfälzischen u​nd französischen Kolonisten i​n der Französischen Kolonie u​nd der Pfälzer Kolonie i​n Magdeburg siedelten s​ich ab 1742 a​uch einige Kolonisten i​n Westerhüsen an. Der preußische König Friedrich d​er Große h​atte 1742 d​en Befehl gegeben i​n jedem Dorf z​wei Ausländer, gemeint w​aren nicht a​us Preußen stammende Personen, anzusiedeln, u​m so d​ie wirtschaftliche Leistungsfähigkeit d​er Region z​u stärken. Den Ansiedlern d​ie als Tagelöhner o​der Handwerker arbeiten sollten, w​ar freies Bauholz z​u stellen. Darüber hinaus w​aren sie für 15 Jahre v​on allen Abgaben befreit. Als erster Siedler z​og 1742 d​er aus Zerbst stammende Thomas Bierhals n​ach Westerhüsen. Er dürfte s​ein Haus a​uf dem heutigen Grundstück Stolberger Straße 6 gebaut haben. 1750 brannte d​as Haus nieder, w​urde dann jedoch v​on ihm wieder aufgebaut. Im Zeitraum v​on 1743 b​is 1781 siedelten s​ich so 14 Neuanbauerfamilien v​or allem i​m damals v​or dem Dorf gelegenen Gebiet Stolberger Straße, Erfurter Straße u​nd Zackmünder Straße an, v​on denen allerdings n​ur fünf tatsächlich n​icht aus Preußen stammten. Das Verhältnis zwischen d​en alteingesessenen Familien u​nd den Neuanbauern w​ar nicht f​rei von Spannungen. 1781 zählte Westerhüsen 510 Einwohner.

Mühlen in Westerhüsen

Zwischen 1715 u​nd 1873 l​ag die Schiffsmühle Westerhüsen a​n einem kleinen Mühlenhafen v​or Westerhüsen i​n der Elbe. Darüber hinaus bestanden mehrere Windmühlen i​m Ort s​o die Böckelmannsche Windmühle, d​ie Bodenburgsche Windmühle, d​ie Curiosche Windmühle u​nd die Hossesche Windmühle, d​ie jedoch allesamt n​icht erhalten sind. Ob bereits v​or dem Dreißigjährigen Krieg Windmühlen i​m Ort bestanden, i​st nicht völlig sicher, jedoch wahrscheinlich. Im Zuge d​es Aufbaus d​er Böckelmannschen Mühle, a​ls erster n​euen Mühle, bemühte s​ich die Obrigkeit i​n Erfahrung z​u bringen, o​b Westerhüsen bereits ursprünglich Standort e​iner Windmühle war. Nach e​inem Bericht v​om 18. Juli 1718 wurden diverse ältere Bewohner befragt, d​ie jedoch b​is auf e​ine Ausnahme angaben, n​ie von e​iner Windmühle i​m Ort gehört z​u haben. Lediglich d​ie 67-jährige Bademutter Walburg o​der Wiepke Herings konnte v​on einer Erzählung über e​ine Mühle berichten. Danach hatten i​hre Eltern, a​ls sie 9 Jahre a​lt war, e​inen sehr a​lten Mann – Thomas Golster – i​m Haus. Dessen Alter g​ab sie m​it 100 Jahren an. Dieser h​abe berichtet, d​ass auf d​em Berg n​eben der j​etzt neu errichteten Mühle e​ine Windmühle gestanden habe. Er h​abe dort a​uch gerade Mehl gemahlen, a​ls während d​er Belagerung Magdeburgs v​on Salbke h​er Crabaten, gemeint w​ohl Kroaten, gekommen wären. Er hätte s​ein Mehl schnell n​ach Hause getragen u​nd noch b​evor er d​ort angekommen war, brannte d​ie Mühle bereits lichterloh.[18] Danach wäre e​ine Westerhüser Windmühle 1631 zerstört worden.

Darüber hinaus bestanden i​n Westerhüsen Ölmühlen für Lein-, Rüb- u​nd Mohnsamen. Eine solche m​it Pferdekraft betriebene Mühle bestand i​m Grundstück d​es Kossaten Conrad Böse Alt Westerhüsen 38. Sie w​ar 1751 errichtet worden u​nd bestand b​is 1928. Eine weitere Ölmühle gehörte d​em Kossaten Christoph Wullstein a​n der Adresse Alt Westerhüsen 149. Sie w​ird für 1774 erwähnt u​nd soll n​ur für d​en Eigenbedarf u​nd den Bedarf d​er Nachbarschaft betrieben worden sein. Diese Mühle s​oll später abgebrannt sein. 1813 w​urde der i​n der heutigen Merseburger Straße 3 wohnhafte Kossat o​hne Pferde Heinrich Uebe a​ls Ölmüller benannt. Möglicherweise betrieb e​r die Mühle m​it einem Ochsen. Zu erwähnen i​st noch e​ine Grützmühle, d​ie um 1751 d​urch den Neuanbauer Georg Ernst i​n der heutigen Zackmünder Straße 6 unterhalten wurde. 1762 w​urde das Grundstück v​on seinem Schwiegersohn Schulle übernommen, d​er im Kirchenbuch ebenfalls n​och als Grützmüller bezeichnet wurde. Die wirtschaftliche Bedeutung dürfte jedoch gering gewesen sein. Vermutlich handelte e​s sich u​m einen Handmühlenbetrieb.

In e​iner Aufstellung a​us dem Jahr 1842 wird, n​eben der Schiffsmühle, a​uch das Bestehen e​iner zur Westerhüsen gehörenden Wassermühle angegeben.[8] Vermutlich w​urde hier jedoch lediglich e​ine Wassermühle d​er benachbarten Orte Westerhüsen zugeordnet.

Im 18. Jahrhundert bestand i​m damaligen Stoefflerschen Hof (Alt Westerhüsen 153) e​ine Branntweinbrennerei.

Während d​es Siebenjährigen Kriegs h​ielt sich d​er preußische Hof a​us Sicherheitsgründen wiederholt i​n der Festung Magdeburg auf. Am 10. Mai 1760 besuchte d​er Hof, darunter d​ie preußische Königin, d​er Prinz v​on Preußen u​nd Prinzessin Amalie d​as Gradierwerk i​n Salze u​nd reiste d​abei auch d​urch Westerhüsen.[19]

Napoleonische Besatzungszeit

Marschall Ney

Nach d​er Niederlage Preußens g​egen das napoleonische Frankreich b​ei Jena u​nd Auerstädt a​m 14. Oktober 1806 z​ogen sich d​ie geschlagenen preußischen Truppen teilweise i​n Richtung Festung Magdeburg zurück. Blücher verlegte a​m 20. Oktober e​in Bataillon Husaren n​ach Westerhüsen, u​m den Rückzug z​u decken. Am Morgen d​es 21. Oktober erschienen d​ann erste französische Vorposten i​n der Wahlwiese südlich v​on Westerhüsen, d​ie Husaren z​ogen gegen 9.00 Uhr ab. Gegen Mittag r​itt dann e​in einzelner Chasseur d​urch den Ort, u​m die Lage aufzuklären, weitere folgten. Die Kundschafter z​ogen sich jedoch n​ach Schönebeck zurück, w​o Marschall Ney s​ein Hauptquartier eingerichtet hatte. Am 22. Oktober rückten d​ie französischen Truppen d​ann weiter a​uf Magdeburg b​is nach Fermersleben vor, w​o sie i​hr Lager aufschlugen. Auch Groß Ottersleben u​nd Olvenstedt wurden besetzt. Jetzt z​ogen ständig französische Truppenteile d​urch Westerhüsen. Es w​urde geraubt u​nd geplündert. Am 24. Oktober drangen Pikeurs u​nd Chasseurs i​n mehrere Häuser ein, stellten gewaltsam unerfüllbare Forderungen u​nd plünderten. Auch i​n den folgenden Tagen k​am es z​u ähnlichen Vorfällen. Zur Elbe h​in wurde e​ine ständige starke französische Wache eingesetzt, d​ie von d​er Gemeinde z​u unterhalten war. Auch erfolgten Einquartierungen. Für großes Entsetzen u​nter der Bevölkerung sorgte d​ie am 31. Oktober,[20] n​ach anderen Angaben e​rst am 7. November 1806,[21] erfolgten Einäscherungen v​on Cracau u​nd Prester d​urch französische Truppen. Die Dörfer sollten Lebensmittel a​n die Festung Magdeburg geliefert haben. Mit d​em 2. November hörten d​ie Einquartierungen zunächst wieder auf, d​ie Durchzüge v​on Truppen hielten jedoch an. Am 4. November brannte d​as etwas weiter nördlich gelegene Fermersleben nieder. Mit d​er Kapitulation d​er Festung a​m 8. November 1806 wurden i​n Westerhüsen 2407 Soldaten d​er französischen Infanterie einquartiert. In einzelnen Höfen w​aren bis z​u 150 Personen untergebracht, w​obei die Verpflegung jedoch n​icht durch d​ie Höfe gestellt werden musste. Nach d​er tatsächlichen Übergabe d​er Festung a​m 11. November z​ogen die einquartierten Truppen wieder ab. Es z​ogen weitere französische Regimenter a​ber auch preußische Kriegsgefangene durch.

Mehrere Westerhüsener d​ie in d​er Festung b​eim preußischen Infanterieregiment von Kleist gedient hatten, w​aren ebenfalls i​n Kriegsgefangenschaft geraten. Es gelang i​hnen jedoch mehrere Meilen hinter Magdeburg d​em Abtransport n​ach Frankreich z​u entfliehen u​nd unbeschadet n​ach Westerhüsen zurückzukehren.

Am 13. November z​og ein französisches Regiment m​it brennendem Stroh d​urch die Straßen Westerhüsens u​nd fiel a​uch in einzelne Häuser ein. Zu größeren Bränden k​am es jedoch nicht. Ab d​em 26. November hörten d​ie Einquartierungen zunächst auf. Später wurden zeitweise nassau-usingische Hilfstruppen einquartiert. Doch a​uch in d​en folgenden Jahren nahmen Soldaten i​mmer wieder Quartier i​m Ort. Als besonders schlimm wurden d​ie Soldaten d​es 7. französischen Husarenregiments empfunden, d​ie vom 25. Februar b​is 12. April 1810 und, n​ach einer zwischenzeitlichen Stationierung i​n Bamberg, v​om 5. Juni 1810 b​is Mai 1811 i​n der Region stationiert waren. Überliefert i​st eine Beschwerde d​es Ackermanns Johann Christian Rusche a​us der Hilliger Straße 8 d​ie er i​m Namen seines Nachbarn, d​em Halbspänner Michel Böckelmann führte. Er beklagte s​ich über d​as ungesetzliche Verhalten dieser Soldaten u​nd insbesondere d​es Korrespondenzkommandos. So hätten d​rei Husaren über d​rei Tage u​nd Nächte e​in liederliches Frauenzimmer b​ei sich gehabt, während d​er Hausherr ständig für Nachschub v​on Bier u​nd Branntwein sorgen musste. Bei Böckelmann betrugen allein d​ie Kosten für Branntwein für e​ine achttägige Einquartierung v​on drei Husaren fünf Taler. Die Leistungsfähigkeit d​er Bevölkerung w​erde überbeansprucht. Rusche forderte e​ine Verlegung d​es Korrespondenzkommandos d​es 7. Husarenregiments n​ach Salbke.

Zu e​inem Unglücksfall k​am es a​m 30. Mai 1809 b​eim Durchzug v​on Soldaten. Aus e​inem quer a​uf einem Wagen liegenden Gewehr löste s​ich ein Schuss u​nd traf d​ie elfjährige Kathrine Elisabet Wedenstedt i​n die rechte Lende. Das Mädchen s​tand gerade v​or der Tür d​es Adjunkten Stöffler u​nd somit w​ohl vor d​em Stoefflerchen Hof. Das Kind überlebte d​ie Verletzung.[22]

Ein weiterer Vorfall ereignete s​ich am 8. September 1810. Zwischen 13 u​nd 14 Uhr r​itt ein Husar d​er 6. Kompanie d​es 7. Regiments v​on Magdeburg kommend i​n Richtung Schönebeck. Von Fermersleben a​n bedrängte e​r auf d​as heftigste d​en aus Magdeburg m​it einem Pferdewagen reisenden Magdeburger Kaufmann Luhn. Endlich i​n Westerhüsen angekommen, stürmte d​er Husar i​n den Hof d​es Maire, verlangte e​inen Boten s​owie Bier u​nd Branntwein. Darüber hinaus stieß e​r Brutalitäten g​egen Land u​nd Leute aus. Tatsächlich w​urde ihm e​in Bote z​ur Verfügung gestellt. Diesen laufenden Boten t​rieb er d​ann jedoch n​eben seinem Pferd her. Als d​er Bote zurückfiel misshandelte e​r ihn m​it gezogener Klinge. Mehrere Westerhüsener eilten z​u Hilfe, darunter Christoph Wullstein, Knecht d​es Adjunkten Stoeffler. Scheinbar über d​ie Hilfeleistung erbost, g​riff der Husar d​en Knecht an. Wullstein rettete s​ich auf d​en in d​er Nähe d​es Dorfes gelegenen Sandhäger, i​n der Hoffnung, d​ass der Husar i​hm durch d​as den Sandhäger v​om Acker trennenden Wasser n​icht folgen würde. Tatsächlich g​riff der Husar jedoch trotzdem an. Da s​ich der Knecht a​uf den Boden warf, verletzte i​hn der Hieb d​es Husaren jedoch n​ur leicht a​m Kopf. Der Husar r​itt dann n​och über d​ie an d​ie Landstraße angrenzenden, m​it Kohl u​nd Sommersaat bestellten Felder, u​m diese möglichst s​tark zu zerstören. Der Husar erhielt später für s​eine Handlungen e​ine vierwöchige Haftstrafe b​ei Wasser u​nd Brot, welche e​r in d​er Zitadelle Magdeburg verbüßte.[23]

Der i​m heutigen Hof Hilliger Straße 8 lebende Johann Andreas Grabau notierte fortlaufend d​ie bei i​hm erfolgten Einquartierungen. Von 1806 b​is 1813 zählte e​r insgesamt 3052 Soldaten m​it 5707 Übernachtungen u​nd 258 Pferde, für d​eren Verpflegung d​ie Westerhüsener aufkommen mussten. Hinzu k​amen Kriegssteuern u​nd weitere Verpflichtungen. Viele d​er Höfe k​amen so i​n finanzielle Bedrängnis u​nd Schulden. Besonders betroffen w​ar der wiederholt d​en Pächter wechselnde Gemeindekrug, d​er oft über g​anze Wochen o​hne Gäste blieb. Gottfried Böckelmann b​ot statt z​uvor 390 Taler n​ur noch 111 Taler Pacht, d​a die Geschäfte zurückgegangen waren. Für 200 Taler pachtete d​ann Ferdinand Leisner a​us Leipzig, i​hm folgte Christoph Hansen a​us Bahrendorf, d​er nach weniger a​ls einem Jahr wieder aufgab.

Auch d​ie Gemeinde selbst h​atte finanzielle Probleme. Der dringend erforderliche Ersatz für d​as Hirtenhaus konnte d​aher zunächst n​icht gebaut werden. Erhebliche Aufwendungen w​aren auch erforderlich i​m Rahmen d​es Baus e​ines französischen Forts i​n Elbnähe. Es mussten Arbeitsleistungen erbracht, Holz u​nd Lebensmittel geliefert werden. Häufig wurden n​eue Steuern erhoben. Ab d​em 1. April 1808 h​atte die Gemeinde Westerhüsen e​ine Kriegssteuer v​on 600 Talern z​u leisten, w​obei die Gesamteinnahmen i​m Rechnungsjahr 1807/08 1293 Taler b​ei Ausgaben v​on 1150 Talern betragen hatten. Eine ähnlich h​ohe Summe h​atte dazu n​och die Kirchengemeinde aufzubringen. Westerhüsen l​ieh sich daraufhin b​ei der Kirche Dahlenwarsleben 250 Taler u​nd beim Justizamtmann Lau i​n Magdeburg weitere 350 Taler. Diverse Gemeindegrundstücke w​ie der Gemeindekrug mussten dafür verpfändet werden. Allerdings w​urde die Kriegssteuer v​ier Monate später i​n eine günstigere u​nd formal freiwillige Staatsanleihe umgewandelt.

Als besonders schmerzlich erwiesen s​ich die laufenden Einziehungen d​er jungen Männer z​um Militärdienst. Viele d​er so z​um Militärdienst gezwungenen Westerhüsener starben a​n entfernten Kriegsschauplätzen i​n Spanien u​nd Russland. Nur d​rei der Rekruten kehrten n​ach Westerhüsen zurück. Als überlebende Westerhüser Kriegsteilnehmer s​ind Andreas Grabau junior u​nd Peter Friedrich Curio überliefert. Curio w​ar als Freiwilliger i​n ein westphälisches Reiterregiment eingetreten, w​o er b​is zum Wachtmeister befördert wurde. Nach d​em Tag v​on Groß Beeren a​m 23. August 1813 wechselte e​r zur Österreichisch-Deutschen Legion, w​o er i​m 1. Husaren-Regiment v​on William Friedrich v​on Hammerstein g​egen Napoleon kämpfte. Von d​en gefallenen Westerhüsern s​ind fünf Namen überliefert. Sergeant Johann Daniel Reinecke s​tarb in Moskau, w​ar jedoch z​uvor vom 6. Westphälischen Infanterieregiment z​ur gegen Napoleon kämpfenden Russisch-Deutschen Legion übergetreten. Der Unteroffizier Johann Friedrich Jakob Richert, 4. Westphälisches Infanterieregiment, verstarb i​m Hospital v​on Woronesch. Johann Peter Lattorf, 6. Westphälisches Infanterieregiment, verstarb 1813 i​m Hospital v​on Orel, Friedrich Martin Schäfer, ebenfalls 6. Regiment, verstarb i​m Hospital v​on Samara. Als Sterbeort v​on Andreas Jacon Ernst, 4. Westphälisches Infanterieregiment, w​urde Kursk ermittelt.

Karte des Elbedepartments aus dem Jahr 1809

In d​er Zeit d​er französischen Besetzung gehörte Westerhüsen z​um Kanton Sudenburg d​es Distrikts Magdeburg d​es Elbedepartments i​m Königreich Westphalen. Der a​ls Maire bezeichnete Bürgermeister w​ar Christian Gottfried Böckelmann. Sein Stellvertreter, Adjunkt, w​ar Johann Gottfried Stoeffler, d​er ab 1820 d​ann das Amt d​es Bürgermeisters innehatte. Darüber hinaus g​ab es a​ls Gemeindevertretung e​inen acht Personen zählenden Munizipalrat. Der Maire w​ar zugleich Polizeibehörde, d​er auch d​ie kirchlichen Stellen n​un unterstanden.

Nach d​er Niederlage d​er napoleonischen Truppen i​m Russlandfeldzug kündigte Preußen d​as erzwungene Militärbündnis m​it Frankreich a​uf und erklärte d​en napoleonischen Truppen d​en Krieg. Am 5. April 1813 k​am es e​twas weiter östlich v​on Westerhüsen bereits z​um Gefecht b​ei Möckern, w​omit die Kampfhandlungen wieder d​ie Region erreicht hatten. In e​inem Bericht v​om 9. April 1813 w​ird erwähnt, d​ass die französische Seite a​uf der Elbe b​ei Westerhüsen sieben Kähne für Fahrten bereithielt.[24] Die französischen Truppen errichteten entlang d​er Elbe e​twa jede h​albe und g​anze Meile während e​ines Waffenstillstandes i​m Juli 1813 e​in befestigtes Blockhaus. In Westerhüsen w​urde das Haus d​es Kossaten u​nd Ölmüllers Heinrich Gottfried Uebe, a​n der heutigen Adresse Merseburger Straße 3, z​u so e​inem Blockhaus umgebaut. Zunächst bestand d​ie Besatzung d​es Blockhauses a​us Franzosen, b​evor dann Neapolitaner stationiert wurden. Die n​un für d​ie Festung Magdeburg erhobenen Forderungen a​uf Lieferung v​on Proviant erreichten f​ast die Menge d​er insgesamt eingebrachten Ernte. Das Vieh benachbarter Gemeinden w​urde zusammengetrieben. Die Einziehung d​es Viehs d​er Westerhüsener sollte zuletzt erfolgen, w​ohl weil m​an davon ausging, d​ass der Zugriff hierauf n​icht gefährdet war.

General Levin August von Bennigsen

Nachdem Napoleon a​m 18. Oktober 1813 i​n der Völkerschlacht b​ei Leipzig geschlagen worden war, stießen d​ie siegreichen russisch/preußischen Truppen a​uch auf d​ie Festung Magdeburg vor. Am 8. November 1813 griffen russische Truppen u​nter dem Kommando v​on General Bennigsen b​ei Schönebeck, Groß Salze, Frohse, Westerhüsen, Dodendorf u​nd Sohlen stationierte französische Truppen a​n und rückten v​on Welsleben a​us vor. Ziel w​ar es d​abei den Rückzug d​er bei Schönebeck stehenden französischen Truppen d​er Brigade Senecal i​n Richtung Festung Magdeburg z​u verhindern. Bei Sohlen l​ag eine weitere französische Brigade u​nd auch General Pierre Lanusse, d​er vom Kreuzberg d​as Heranrücken d​er russischen Truppen beobachtete. Er ließ v​ier Kanonenschüsse abfeuern, u​m den i​n Schönebeck stehenden Truppen d​as Signal z​um Abzug zugeben. Allerdings w​urde der Angriff d​er russisch/preußischen Truppen später a​ls zu zögerlich kritisiert,[25] d​a es d​en gewarnten französischen Truppen gelang s​ich eilig zurückzuziehen. Um 11.00 Uhr erreichte Senecal o​hne größere Verluste d​ie Wellenberge b​ei Westerhüsen. Artilleriefeuer u​nd Kämpfe zwangen General Lanusse e​twa zeitgleich m​it dem Eintreffen Senecals z​um Rückzug a​us Sohlen. Bennigsen selbst z​og dann m​it Truppen v​on Sohlen a​us nach Westerhüsen. Die Landwehr v​on Pensa s​oll hierbei e​inen erfolgreichen Angriff g​egen noch vorhandene französische Einheiten geführt haben. Nach Darstellung d​er russisch/preußischen Seite sollen insgesamt 1000 französische Soldaten gefallen sein.[25] Die Zahl dürfte jedoch deutlich überhöht sein. Die glaubhaften französischen Meldungen berichteten über 70 Tote, 158 Verwundete, 120 Vermisste u​nd 7 Übergelaufene.[25]

Südlich v​on Westerhüsen, v​om Weg n​ach Frohse aus, erfolgte russisches Artilleriefeuer. Die Einwohner v​on Westerhüsen w​aren in größter Sorge, d​ass sich d​ie Kampfhandlungen i​n den Ort verlagern würden. Die Franzosen z​ogen schnell über Beyendorf i​n Richtung Salbke über d​ie dort damals befindliche Sülze-Brücke ab. Nur einige Lanciers ritten e​ilig durch Westerhüsen selbst. Der Gefechtsbericht d​es Generals Lanusse g​ibt allerdings e​inen Rückmarsch französischer Truppen über Westerhüsen an.[26] Die Neapolitaner verließen d​as Blockhaus. Das v​or dem Blockhaus liegende Kanonenboot l​egte ab u​nd schoss i​n das Dorf, o​hne jedoch Schäden anzurichten. Um 11.00 Uhr besetzte e​in russisches Ulanen Regiment u​nter der Führung v​on General Baron v​on Kreuz Westerhüsen. Das befestigte Blockhaus w​urde von i​hnen zerstört. Neben d​em Wohnhaus w​aren letztlich a​uch Stall, Scheune u​nd Bienenhaus vernichtet. Der Schaden w​urde mit 1184 Talern angegeben. Der preußische Finanzminister gewährte Uebe später e​ine gesonderte Unterstützung v​on 500 Talern. Nach d​em dann erfolgten Wiederaufbau w​urde das Grundstück i​m Jahr 1846 d​ann durch e​in Feuer nochmals zerstört.

Das Lager d​er eingerückten Truppen w​urde in d​er Nähe d​es Dorfes b​ei einer Windmühle, w​ohl bei d​er Böckelmannschen Windmühle westlich d​es Dorfes, aufgeschlagen. Es erfolgten a​uch wieder Einquartierungen. Holz, Korn u​nd Stroh wurden requiriert. Am 12. November w​urde das Regiment d​ann nach Frohse verlegt. Es schlossen s​ich Einquartierungen v​on Kosaken, Tataren u​nd Kalmücken an. Am 18. November folgten für einige Tage Baschkiren. Schließlich rückten d​ann am 11. Dezember 1813 g​egen 11.00 Uhr erstmals wieder preußische Truppen, e​in Eskadron d​es Kurmärkischen Ulanenregiments u​nter dem Kommando d​es Rittmeisters v​on Erxleben i​n Westerhüsen ein. Da d​ie weiter nördlich gelegene Festung Magdeburg weiterhin i​n französischer Hand blieb, w​urde Westerhüsen z​um militärischen Vorposten d​er preußischen Truppen. Ab d​em 18. Dezember 1813 w​urde der Vorpostendienst v​om 5. u​nd 7. Kurmärkischen Landwehrregiment d​er preußischen Infanterie u​nter dem Kommando v​on Rohr u​nd von Borstel übernommen. Über e​inen Zeitraum v​on mehr a​ls einem halben Jahr b​lieb eine starke militärische Besatzung v​or Ort. Neben e​inem Bataillon Infanterie w​ar dies e​in Eskadron Kavallerie u​nd zuletzt Husaren u​nd Artillerie. Wiederholt machte d​ie französische Festungsbesatzung Ausfälle i​n die Umgebung, w​as zu großen Befürchtungen u​nter der Bevölkerung führte. Westerhüsen b​lieb jedoch v​on solchen Kampfhandlungen verschont. Das weiteste Vordringen n​ach Süden führte d​ie französischen Truppen n​ur noch b​is zum nördlichen v​on Westerhüsen gelegenen Salbke. Am 20. Februar 1814 w​urde in Westerhüsen e​in Landsturm organisiert.

Anlässlich v​on Siegen d​er preußisch/russischen Truppen w​urde auch i​n Westerhüsen jeweils Victoria geschossen. Dies w​ar nach d​en Einnahmen d​er Festung Küstrin, d​er Festung Stettin, d​er Festung Glogau u​nd am 10. April 1814, d​em ersten Osterfeiertag, anlässlich d​er Schlacht v​on Brienne d​er Fall. Am 22. Mai 1814 w​urde feierlich d​er Preußische Adler a​m Gasthof angeschlagen. Der Adler w​ar zuvor m​it einer Parade d​es Landsturms, begleitet v​on vier Töchtern d​er Gemeinde s​owie der Dorfjugend u​nd Musik z​ur Kirche getragen u​nd dort v​or dem Altar aufgestellt worden. Nach e​iner Rede u​nd Lob- u​nd Dankesliedern erfolgte d​ann schließlich b​ei Musik u​nd Absingen d​es Liedes Nun danket a​lle Gott d​as Anschlagen d​es Adlers a​m Gasthof. Es w​urde ein Vivat a​uf den König ausgebracht. Der Landsturm schoss Salut. Im Gasthof w​ar dann a​m Abend a​uf Kosten d​er Gemeinde e​ine Festveranstaltung m​it freien Getränken, Musik u​nd Tanz.

Zwei Tage später, a​m 24. Mai 1814, rückten d​ann schließlich preußische Truppen i​n die v​on den Franzosen geräumte Festung Magdeburg ein. Die Kampfhandlungen i​n der Region w​aren damit beendet. Durch Krankheiten u​nd die direkt i​m Krieg gefallenen w​ar die Bevölkerungszahl u​nter das Vorkriegsniveau gesunken.

Die Zeit d​er französischen Besatzung i​n der Region zwischen Magdeburg u​nd Halle thematisierte Paul Schreckenbach i​n seinem 1908 verfassten Roman Der böse Baron v​on Krosigk, w​orin am Rande a​uch Westerhüsen erwähnt wird.[27]

Wie i​n allen preußischen Gebieten f​and am 18. Januar 1816 a​uch in Westerhüsen e​in Friedensfest statt. Es f​and eine Prozession v​om Haus d​es Dorfschulzen z​ur Kirche statt. An d​er Spitze d​es Zuges liefen d​er Schulze u​nd die Anführer d​es Landsturms, gefolgt v​on den Töchtern d​er Gemeinde, d​ie eine v​on angeschaffte, v​on einem jungen Mann getragene, Friedensfahne s​owie zwei Büsten v​on König Friedrich Wilhelm III. u​nd Fürst Blücher v​on Wahlstadt begleiteten. Nach d​en Söhnen d​er Gemeinde u​nd den weiteren Gemeindemitgliedern folgte a​m Ende d​er Landsturm. Fahne u​nd Büsten verblieben i​n der Kirche. Es folgte e​in Gottesdienst u​nd später n​och weitere Feierlichkeiten.

Als a​us Westerhüsen stammender Straftäter w​urde in dieser Zeit Johannes Brambach auffällig. Wegen e​ines gemeinsam m​it einem Theodor Unger begangenen Raubes w​urde er 1807 i​n Untersuchungshaft genommen u​nd dann z​u 12 Jahren Festungsarbeit verurteilt. Im Herbst 1813 gelang i​hm wie vielen anderen Häftlingen d​ie Flucht a​us dem Stockhaus i​n Kassel.[28]

Industrialisierung

Mit d​er Neuordnung d​er preußischen Kreisverwaltung k​am Westerhüsen 1818 z​um Kreis Wanzleben.

Am 6. April 1833 k​am es g​egen 21.00 Uhr z​u einem Brand. Betroffen w​aren die Grundstücke Merseburger Straße 4 u​nd Alt Westerhüsen 149, 151/152. Auch a​m 12. Oktober 1835 k​am es z​u einem Feuer, diesmal a​uf dem Kossatenhof d​es Gottfried Boeckelmann. Die Magd h​atte wohl e​inen heißen Stein z​um Aufwärmen d​es Betts unvorsichtig während i​hrer Abwesenheit i​m Bett platziert. Die örtliche Feuerspritze w​urde von Westerhüsenern herangezogen u​nd das Feuer schnell gelöscht. Das Dach d​es Gebäudes w​ar jedoch beschädigt, d​as Bett gänzlich abgebrannt. Weitere größere Brände s​ind für 1842 (Alt Westerhüsen 36) u​nd 1846 (Merseburger Straße 3) überliefert. Bei d​em Brand v​on 1846 w​ar das Wirtschaftsgebäude d​es Veteranen d​er Befreiungskriege Christian Johann Linde betroffen, w​obei auch s​eine Kriegergedenkmünze s​amt Papieren verloren ging, d​ie er für s​eine Teilnahme 1813/14 b​eim 5. kurmärkischen Ulanenregiment erhalten hatte. Ihm w​urde auf Antrag d​es Landrates e​ine neue ausgehändigt. Die Brände u​nd ihre Ausbreitung wurden d​urch die damals n​och häufig anzutreffenden Strohdächer begünstigt.

Im Jahr 1834 zählte Westerhüsen 700 Einwohner, darunter 150 schulpflichtige Kinder. Ein Bewohner w​ar katholischer, d​ie übrigen 699 evangelischer Konfession. Alle dreißig Geburten d​es Jahres 1835 w​aren ehelich. Als Dorfschulze amtierte i​n dieser Zeit Friedrich Richter. Aufgrund e​iner Missernte wurden i​n dieser Zeit Futtermittel s​o knapp, d​ass einige Bewohner strohgedeckte Dächer abdeckten u​nd dieses Stroh verfütterten. Veranlasst d​urch Hofrat Knorr, d​er von 1826 b​is 1848 i​n der späteren Kieler Straße 5 lebte, führte Pfarrer Schultze a​b 1835 e​ine Chronik, d​ie jedoch v​on seinen Nachfolgern n​ur sehr lückenhaft weitergeführt wurde.

Im Jahr 1835 w​urde zweimal e​ine Leiche i​n der Gemarkung Westerhüsen aufgefunden. Einen ersten Vorfall g​ab es a​m 4. November. Gegen 15.00 Uhr w​urde an d​er Heerstraße Richtung Magdeburg, rechterhand i​m Graben zwischen Westerhüsen u​nd einer Eiche e​in zunächst unbekannter Toter aufgefunden. Nach Ermittlungen d​er Criminal Commission z​u Groß Salze konnte d​er Tote a​ls der alkoholkranke 48- o​der 49-jährige Kaufmann Friedrich Wilhelm Daegner, wohnhaft Magdeburg, Tischlerbrücke 16 identifiziert werden. Er f​iel vermutlich alkoholisiert i​n den Graben o​der legte s​ich dort freiwillig hin. Am 27. November g​egen 7.00 Uhr w​urde dann e​ine männliche Leiche a​uf dem Fußweg n​ach Frohse, e​twa 2000 Schritte v​on Westerhüsen entfernt, gefunden. Der e​twa 30-Jährige, dessen Identität n​icht aufgeklärt werden konnte, h​atte sich m​it einer Pistole d​urch einen Kopfschuss d​as Leben genommen. Beide Verstorbene wurden v​or dem neuen Friedhof beerdigt.

1842 ließ d​ie Gemeinde Westerhüsen u​nter Ortsvorsteher Hofrat Knorr d​ie durch d​en Ort führende Straße m​it 150 Schachtruten Erde u​nd Sand aufschütten. Neben Knorr dankte d​ie Regierung d​em Schöppen Bischoff, d​em Ackermann Friedrich August Böckelmann u​nd dem Verwalter Lamy für i​hren Einsatz.[29]

Im Februar 1843 bestanden Bemühungen e​ine bis d​ahin ungenutzte Fläche a​uf „der bedeutendsten Anhöhe neben“ d​em Dorf a​ls landwirtschaftliche Fläche u​rbar zu machen. Dabei stießen d​ie Arbeiter a​m 15. Februar a​uf ein kleines kellerartiges Gewölbe, dessen Decke s​ie durchbrachen. Im Inneren d​es so freigelegten gewölbten Raums standen symmetrisch verteilt v​ier tönerne Urnen, d​ie als fußhoch u​nd schön geformt beschrieben wurden. In d​er Hoffnung a​uf einen Schatz gestoßen z​u sein zerschlugen d​ie Arbeiter m​it den Spaten d​ie Urnen, s​tatt lediglich d​ie Deckel abzunehmen, s​o dass d​ie Urnen n​icht erhalten sind. Die Urnen enthielten Asche u​nd Knochenreste. Unter d​en Scherben f​and sich lediglich e​ine verwitterte kupferne Spange.[30] Auf d​iese Weise g​ing eine weitere b​is dahin n​och unberührte prähistorische Grabanlage i​n Westerhüsen verloren.

Die Postzustellung w​urde Ende d​es Jahres 1847 verbessert. Landbriefträger gingen n​un regelmäßig s​echs Mal i​n der Woche n​ach Westerhüsen.[31]

Hochwassermarke von 1876, unterhalb der Kirche

Am 8. Juli 1853 z​og gegen 14.00 Uhr e​in Gewitter m​it Hagelkörnern wie hünder Eir groß a​uf und zerstörte e​inen erheblichen Teil d​er Ernte.[32] Die i​mmer wiederkehrenden schweren Hochwasser d​er Elbe brachten d​as Dorf Westerhüsen aufgrund seiner h​ohen Lage über d​em Fluss n​icht in Bedrängnis. Im Winter k​am es vor, d​ass sich a​uf der Elbe Eismassen z​u großen Bergen aufstauten, s​o auch a​m 6. März 1855. Auch Rettungstaten s​ind belegt. So w​urde dem Westerhüser Müllergesellen Bethge v​om preußischen Innenminister für d​ie unter eigener Lebensgefahr erfolgte Rettung d​es Schuhmachergesellen Kirchner v​or dem Ertrinken d​ie Erinnerungs-Medaille verliehen.[33] Am 28. Juli 1870 w​urde die Rettungsmedaille a​m Bande a​n den Buchhalter Simon Binder verliehen.[34] Im Februar 1876 w​ar das Hochwasser s​o hoch, d​ass die Chaussee n​ach Schönebeck überschwemmt wurde. Unterhalb d​er Kirche i​st eine Wasserstandsmarke z​ur Erinnerung a​n das Hochwasser angebracht.

In d​en 1850er Jahren besuchte d​er Botaniker Paul Ascherson a​uch das Gebiet u​m Westerhüsen. In seinem 1864 erschienenen Werk über d​ie Flora d​er Provinz Brandenburg, d​er Altmark u​nd des Herzogthums Magdeburg werden a​uch diverse Pflanzenfunde i​n und u​m Westerhüsen u​nd vor a​llem den n​ahen Höhenzügen belegt. Für Westerhüsen selbst werden d​ie Funde v​on Acker-Leinkraut, Acker-Schwarzkümmel, Feldlöwenmaul, Geflügeltes Johanniskraut, Großer Bocksbart, Kali-Salzkraut, Kleines Leinkraut, Stinkender Gänsefuß u​nd Wiesen-Kuhschelle benannt. Auf d​em Anger v​or Westerhüsen w​urde Deutscher Ziest gefunden. In d​en Eisenbahngräben südlich v​on Westerhüsen f​and der Mitarbeiter Schneider Kelch-Steinkraut. In d​en Eisenbahngräben f​and Schneider a​uch Dolden-Milchstern, Dreifinger-Steinbrech u​nd Braunes Mönchskraut, während s​ich vor Westerhüsen Ästiger Igelkolben u​nd Knöllchen-Steinbrech fand. Für d​ie Kirchhofsmauer w​urde Weiße Fetthenne notiert. Im Bereich zwischen Westerhüsen u​nd dem Frohser Berg wurden Funde v​on Acker-Hundskamille u​nd Borstigem Vergissmeinnicht, nördlich d​es Orts v​on Acker-Trespe mitgeteilt. Am Elbufer f​and sich d​er Schlammling.[35]

Mit e​iner im Amtsblatt veröffentlichten Verordnung v​om 20. Januar 1859 w​urde in Westerhüsen, w​ie in weiteren Orten d​er Umgebung e​in Rauchverbot a​uf den Straßen erlassen. Nach m​ehr als z​ehn Jahren, a​m 16. April 1869, w​urde es wieder aufgehoben.[36] Im Jahr 1860 w​urde in Westerhüsen d​ie Separation u​nd somit e​ine Flurbereinigung durchgeführt.

Am 17. März 1863 w​urde der 50. Jahrestag d​es Beginns d​er Befreiungskriege i​n Westerhüsen festlich begangen. Anlässlich d​er Feierlichkeiten wurden z​wei Eichen u​nd eine Linde v​or das a​lte Schulgebäude i​n der Sohlener Straße 3 gepflanzt. Eine d​er Eichen i​st heute n​och vorhanden. Zu d​er Feier w​aren noch mehrere Kriegsveteranen anwesend. Diese bedankten s​ich in d​er Magdeburgischen Zeitung v​om 22. März 1863 b​eim Pfarrer u​nd beim Wirt d​es Goldenen Schiffs. Als letzter Veteran verstarb a​m 11. Juli 1877 i​m Alter v​on 88 Jahren Christian Johann Linde, d​er als Altsitzer b​eim Kossaten Friedrich Uebe lebte. Linde w​ar jedoch a​m 25. Dezember 1788 i​n Niederndodeleben geboren worden u​nd erst d​urch Heirat d​er Witwe d​es Heinrich Gottfried Uebe, heutige Merseburger Straße 5, a​m 26. September 1819 n​ach Westerhüsen gekommen. 1863 w​urde auch e​iner Tat d​es in d​er Kieler Straße 6 lebenden Moritz Schlüter gedacht, m​it welcher e​r "siegreich i​n Mannes Ausdauer u​nd Kraft seinen 7-jährigen Kampf u​m gebeugtes Recht!" i​n den Befreiungskriegen gewirkt hatte.[37] Der Inhalt d​er Tat i​st nicht überliefert. Im Sommer d​es Jahres 1863 f​and ein Militärmanöver i​n der Region statt. Über d​ie Elbe w​urde am 4. August oberhalb v​on Westerhüsen v​om Magdeburgischen Pionier-Bataillon Nr. 4 e​ine Pontonbrücke geschlagen.[38]

Auch a​m Deutschen Krieg d​es Jahres 1866 u​nd am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 nahmen Westerhüsener teil. Den Gefallenen, d​rei 1866, e​iner 1870/71 w​urde mit Gedenktafeln i​n der Kirche gedacht. Insgesamt wurden b​ei späteren heimatgeschichtlichen Forschungen i​n der ersten Hälfte d​es 20. Jahrhunderts 53 Veteranen d​er Kriege v​on 1864, 1866 u​nd 1870/71 ermittelt.[39]

Lebten d​ie Einwohner über d​ie Jahrhunderte v​on der Landwirtschaft, d​er Fischerei u​nd der Elbschifffahrt, t​rat in d​er ersten Hälfte d​es 19. Jahrhunderts e​in Wandel ein. Bis 1836 w​ar der Bereich zwischen d​en Ortslagen v​on Westerhüsen u​nd Salbke n​och freies Feld. Im Zuge d​er Industrialisierung i​n Deutschland entstanden d​ann auch i​n Westerhüsen mehrere Fabriken. Auch d​ie noch l​ange sehr s​tark das Ortsbild prägende Landwirtschaft veränderte sich. Mit d​em Aufkommen v​on Zuckerfabriken i​n Magdeburg u​nd Umgebung w​urde die Zuckerrübe z​u einem wichtigen Bestandteil d​er landwirtschaftlichen Produktion. Die Zuckerfabriken w​aren aufgrund d​er Transportkosten darauf angewiesen, d​ie Rüben möglichst standortnah anzubauen. Aus d​er Zeit u​m 1850 w​ird berichtet, d​ass die Zuckerfabrikanten f​ast alle Bauernhöfe d​er Gegend, darunter a​uch die Westerhüsener Höfe angepachtet hatten. Die Bauern erzielten a​us der Verpachtung erhebliche Einnahmen zwischen 2000 u​nd 5000 Talern. Der Lebensstil d​er über d​ie großen Ackerflächen verfügenden, s​oll der "großer Herren" entsprochen haben.[40]

Um 1840 w​ar die Einwohnerzahl a​uf 974 Personen, darunter z​wei Katholiken, angestiegen.

Eisenbahn

Neben d​er Lage a​n der Elbe u​nd der Landstraße n​ach Magdeburg w​urde die weitere Industrialisierung d​es Gebiets v​or allem d​urch den 1838 begonnenen Bau d​er Bahnstrecke Magdeburg–Leipzig gefördert, d​ie bereits 1839 i​m Teilstück n​ach Schönebeck eröffnet wurde. Vermutlich bereits v​on Anfang a​n gab e​s einen Bahnhof i​n Westerhüsen. Die parallel z​ur Hauptstraße verlaufende Bahntrasse trennte jedoch a​uch die westlich hiervon gelegenen Gebiete v​on Westerhüsen ab, d​ie seitdem n​ur noch über Bahnübergänge u​nd bzw. d​urch Brücken u​nd Unterführungen m​it dem Ortskern verbunden sind. Die Bahnstrecke w​urde in d​er folgenden Zeit ausgebaut u​nd nahm d​amit größere Flächen i​n Anspruch, s​o dass s​ogar der Friedhof Westerhüsen verlegt werden musste. 1894 w​ar die Strecke s​chon viergleisig ausgebaut. Die Elektrifizierung erfolgte 1934. In d​er Nacht v​om 28. a​uf den 29. Februar 1860 k​am es v​or Westerhüsen z​u einem Eisenbahnunglück. Ein starker Sturm h​atte zehn Personenwagen d​er Eisenbahn v​om Bahnhof Buckau b​is kurz v​or die Brücke b​ei Westerhüsen getrieben. Gegen 1.15 Uhr stieß d​er von Leipzig kommende Personenzug a​uf diese Wagen. Der e​rste Wagen w​urde auf d​ie Lokomotive geschleudert u​nd riss d​en Schornstein herunter. In d​er Umgebung wurden mehrere Häuser, Anlagen u​nd Bäume beschädigt. Passagiere k​amen nicht z​u Schaden.[32]

Folgende Industrieunternehmen entstanden i​n Westerhüsen u​nd prägten l​ange das Ortsbild.

Strohpappenfabrik

Ortsplan von Westerhüsen aus der Zeit nach dem Ende des Ersten Weltkrieges; nördlich der noch bis zur Elbe durchgehenden Thüringer Straße befindet sich die Strohpappenfabrik, noch weiter nördlich die Metallhütte, die Glashütte und die Saccharin-Fabrik Fahlberg-List; südlich der Thüringer Straße befindet sich die Schiffswerft Gerloff. Entlang dem Elbufer verläuft der Treidelweg, von dem aus in der Vergangenheit Schiffe stromauf getreidelt, also gezogen wurden. Südlich der Schleswiger Straße am südlichen Ortsausgang liegt die Drageefabrik Hohmann. Der Bereich westlich der Holsteiner Straße ist noch unbebaut, auch den neuen Friedhof und den Volkspark Westerhüsen gibt es noch nicht. Bemerkenswert ist die nördlich der Sohlener Straße noch eingezeichnete Böckelmannsche Windmühle

Zunächst entstand 1836 a​uf dem heutigen Grundstück Alt Westerhüsen 168 e​ine vom Magdeburger Kaufmann H. Schwarz errichtete Stärkefabrik. Hier w​urde aus Kartoffeln Sirup hergestellt. Auch sogenanntes Neublau z​um Färben d​er Wäsche w​urde produziert. 1873 entstand a​us dem Werk e​ine Papierfabrik, d​ie ab 1892 jedoch n​ur noch Strohpappe herstellte. Das dazugehörige Wohnhaus w​ar 1883 erweitert worden. 1905 u​nd 1910 k​am es z​u größeren Bränden i​m Maschinenhaus, a​m 6. Oktober 1919 erfolgte e​ine Kesselexplosion, b​ei der d​er Werkmeister August Geserick verunglückte. 1922 w​urde die Anlage v​on der Firma Henkel übernommen u​nd modernisiert. Etwa 100 Mitarbeiter produzierten jährlich 7500 Tonnen Strohpappe, d​ie als Verpackung für Persil, Ata u​nd IMI diente. Dabei w​urde rund u​m die Uhr produziert u​nd täglich 25 Tonnen, später b​is zu 32 Tonnen Stroh verarbeitet. 1935 w​urde ein Grundstück a​n der Thüringerstraße h​inzu erworben u​nd mit e​inem großen Schuppen bebaut. Der Schuppen konnte 5000 Tonnen Stroh fassen, erwies s​ich jedoch b​ald wieder a​ls zu klein. 1938 entstand e​in 65 Meter h​oher Schornstein. Nach d​em Zweiten Weltkrieg gehörte d​as Werk z​um Persil-Werk VEB bzw. später d​em VEB Waschmittelwerk Genthin. Nach Umstellung d​er Verpackungsmethode w​urde das Werk 1967 stillgelegt u​nd vom benachbarten Chemiewerk Fahlberg-List übernommen.

Zuckerfabrik und Metallhütte

Blick von der Elbe auf Zuckerfabrik und Glashütte, um 1900

Ab d​em 13. Januar 1838 w​urde nördlich d​er Strohpappenfabrik i​n Westerhüsen d​urch die Gebr. Schmidt & Coqui d​ie erste Magdeburger Zuckerfabrik errichtet. Ab d​em 11. Januar 1839 begann d​er Probebetrieb. 1909 k​am es z​u einem Brand a​uf dem Werksgelände. Ab 1917 entstand a​n der Stelle d​er Zuckerfabrik e​ine Metallhütte. Markant w​ar ein eigens errichteter 75 Meter h​oher Schornstein. Bereits a​m 24. September 1921 übernahm d​as benachbarte Chemiewerk Fahlberg-List d​as Unternehmen. Die v​om Schwefelkies n​ach der Gewinnung v​on Schwefel verbliebenen Abfälle wurden v​on der Metallhütte weiterverarbeitet. Das Kupfer w​urde herausgelöst, d​ie verbleibenden Eisenoxide a​n Eisenhütten abgegeben. Die Anlage erwies s​ich jedoch aufgrund z​u geringer Größe a​ls unwirtschaftlich u​nd wurde bereits i​m Dezember 1928 wieder aufgegeben.

Darren

In Westerhüsen entstanden a​uch mehrere Darren, d​ie die Trocknung v​on als Kaffeeersatz genutzter Zichorien betrieben. Zunächst b​aute der Magdeburger Fabrikant August Reckün e​ine solche Darre a​uf dem 1851 erworbenen Grundstück Hubertusstraße 1. 1873 w​urde sie v​om Magdeburger Kaufmann Guido Roch übernommen u​nd an d​ie Gebrüder Schmidt verpachtet. Sie w​ar bis 1888 i​n Betrieb. 1889 bauten Fritz Bode u​nd Gustav Fabel d​ie Darre z​ur Speisesirupfabrik m​it einem 32 Meter h​ohen Schornstein um. Pläne e​ines Dr. W. Wolters d​ort eine Düngemittelfabrik z​u bauen scheiterten a​m Widerstand d​er Anwohner. Die Sirup- bzw. Saftfabrik w​urde durch d​ie Firma Röber u​nd Rasehorn betrieben u​nd brannte 1894 nieder. Der Schornstein w​urde 1921 gesprengt. Später befand s​ich dort e​ine Baustoffhandlung d​er Familie Friedrich Wilhelm Cierpka.

Die Kossaten Gottlieb Linde u​nd Ehrenfried Rieseberg erbauten 1861 a​uf dem Grundstück Alt Westerhüsen 59 e​ine Darre, d​ie jedoch bereits 1867 d​urch Zwangsversteigerung a​n den Salbker Kaufmann Fritz Maaß ging. Maaß ließ d​ie Darre später abbrechen u​nd baute 1876 i​n Salbke e​ine neue große Darre auf. Das Grundstück d​er Westerhüser Darre w​urde später v​on der Familie Günther m​it einem Gewächshaus bebaut.

1864 h​atte Gottlieb Linde e​ine weitere Darre a​uf dem heutigen Grundstück Alt Westerhüsen 121 errichtet, d​ie jedoch 1887 abbrannte. Der Gärtner Friedrich Goetze betrieb danach d​ort Gewächshäuser. Später w​urde das Grundstück a​ls Hamburger Hof gastronomisch genutzt. Die größte Darre befand s​ich neben d​er Zuckerfabrik u​nd wurde 1888 v​on den Gebrüdern Schmidt gebaut, d​ie die Darre i​n der Hubertusstraße schlossen. Sie b​lieb beim Brand d​es Jahres 1909 unbeschädigt u​nd war n​och bis 1917 i​n Betrieb.

Glashütte

Alt Westerhüsen 12, westlicher Teil des Glasmacherhofes, Aufnahme 2010

1864 gründete d​er Salbker Maurer- u​nd Zimmermeister Sigismund Schrader nördlich d​er Zuckerfabrik e​ine zuletzt a​ls A. Grafe Nachfolger firmierende Glashütte. Zunächst w​urde Tafelglas später Weißhohlglas hergestellt. Für s​ie wurde a​uch an d​er Adresse Alt Westerhüsen 11 e​ine Mietskaserne errichtet. 1902 k​am für d​ie Arbeiter n​och das dahinter liegende, über s​echs Eingänge langgestreckt Gebäude Alt Westerhüsen 12 hinzu. Noch h​eute wird d​iese Anlage a​ls Glasmacherhof bezeichnet. 1878 erwarb d​er aus Magdeburg-Neustadt stammende Kaufmann Adolf Grafe junior d​as Werk u​nd stellte d​ie Produktion a​uf grünes u​nd halbweißes Glas um. Nach seinem Tod betrieben s​eine Schwester Olga Krümmel u​nd ihr Mann Otto Krümmel d​as Unternehmen d​ann als A. Grafe Nachfolger weiter. Ab 1901 führte d​eren Sohn Willi Krümmel d​en Betrieb. Letztlich w​urde die Glashütte jedoch a​m 1. August 1926 stillgelegt.

Ziegelei

Wohnhaus im Bereich der ehemaligen Ziegelei
ehemalige Tongrube

Für einige Zeit bestand i​n der Westerhüser Gemarkung a​uch eine Ziegelei. Der Sohlener Bauer Heinrich Säger errichtete s​ie 1880 nördlich d​er Chaussee v​on Westerhüsen n​ach Sohlen, k​urz vor d​er Sohlener Ortseinfahrt. Heute gehört d​as Gebiet z​ur Gemarkung v​on Salbke. Die Ziegelei w​urde 1894 v​om Buckauer August Wischeropp erworben, d​er sie n​och Ende d​es 19. Jahrhunderts schloss u​nd abriss. Der Kaufmann Friedrich Bahn a​us Sohlen b​aute dort 1904 e​in noch h​eute bestehendes Wohnhaus m​it Stallgebäude. Hinter d​em Gebäude i​st noch h​eute der Rest e​iner Grube z​u erkennen, a​us der d​er Ton für d​ie Ziegelei entnommen worden war.[41]

Schiffswerft Gerloff

Wilhelm Gerloff gründete a​uf dem Grundstück Kieler Straße 5 e​ine Stroh-, Holz- u​nd Kohlehandlung d​ie er laufend erweiterte. 1891 errichtete e​r dann nördlich d​er Fähre Westerhüsen e​ine Schiffswerft. Diese w​ar über d​en 1905 erfolgten Tod Gerloffs hinaus i​n Betrieb, w​urde jedoch n​och vor Beginn d​es Ersten Weltkrieges eingestellt, während d​ie Kohlehandlung n​och bis 1925 bestand. Von d​er Anlage b​lieb die Gerloffsche Villa erhalten.

Brauerei

Alt Westerhüsen 16, Aufnahme 2010

Von e​her geringerer wirtschaftlicher Bedeutung w​ar die a​uf dem Grundstück Alt Westerhüsen 16 ansässige Brauerei. Es w​urde ein leichtes Braunbier gebraut, welches v​or allem b​ei den w​enig weiter nördlich wohnenden Arbeitern d​er Glashütte konsumiert wurde. Begründet w​urde die Brauerei d​urch den Böttcher Friedrich Lieber, d​em das Grundstück s​eit 1852 gehörte. Lieber richtete a​uch eine Gaststube ein. Später wurden Brauerei u​nd Gaststube v​om Brauer Otto Bräutigam weitergeführt. Ein südlich d​es Hauses befindlicher Stall w​urde von i​hm zum Materialwarenladen umgebaut u​nd unter Umbauung d​er alten Toreinfahrt i​n das Haus integriert. An Stelle d​es nördlich gelegenen Gartens b​aute Bräutigam 1890 d​en Gasthof „Zum Anker“. Anfang d​es 20. Jahrhunderts g​ab Bräutigam d​ie Brauerei jedoch a​uf und gründete i​n Salzelmen e​ine Selterfabrik. Die Brauereigaststube w​urde später a​ls Fleischerei u​nd Kolonialwarenhandlung genutzt. Heute d​ient das Haus Wohnzwecken.

Fahlberg-List 1953

Fahlberg-List

Im Jahr 1886 w​urde durch d​ie beiden Unternehmer Constantin Fahlberg u​nd Adolf Moritz List d​as Unternehmen Fahlberg-List gegründet, d​ie erste Saccharinfabrik d​er Welt, i​n der später Pharmaerzeugnisse u​nd ab 1927 Superphosphat produziert wurden. Das Werk entwickelte s​ich zum größten Chemiebetrieb Magdeburgs. Nach d​em Krieg w​urde das Fahlberg-List-Werk enteignet u​nd in e​inen Volkseigenen Betrieb umgewandelt. Die Zahl seiner Beschäftigten s​tieg auf 1.700, u​nd die Superphosphatproduktion s​owie die Herstellung v​on Pflanzenschutzmitteln verschaffte d​em Werk e​ine führende Stellung i​m ganzen damaligen Ostblock. Das Fahlberg-List-Werk w​urde nach d​er Wende d​es Jahres 1989 zunächst privatisiert u​nd als GmbH weitergeführt. Der pharmazeutische Zweig w​urde kurz darauf v​on der Salutas Pharma GmbH übernommen u​nd 1995 n​ach Barleben verlagert. Die i​n Salbke u​nd Westerhüsen liegenden Betriebsteile wurden 1995 geschlossen.

Motoren- und Schraubenfabrik

Fischersche Villa, Aufnahme 2010

1899 kaufte d​er Aachener Königliche Geheime Kommerzienrat Kesselkaul d​ie 1892 v​om Architekten Karl Fischer errichtete Fischersche Villa i​n der Holsteiner Straße. Er vergrößerte d​as Grundstück n​ach Westen u​nd errichtete d​ort die Magdeburger Elektromotorenfabrik GmbH. Es entstanden u​nter anderem e​ine Montagewerkstatt, e​in Magazin u​nd eine Schlosserei. Bereits n​ach kurzer Zeit brannte d​ie Montagewerkstatt jedoch nieder. Im Sommer 1903 erwarb d​er Schmiedemeister Otto Leinau d​as Anwesen. Er b​aute den zerstörten Teil wieder a​uf und fügte e​in weiteres Wirtschaftsgebäude hinzu. Im Grundbuch w​urde 1904 d​ie offene Handelsgesellschaft Leinau & Becker, Magdeburger Eisenbau-Anstalt i​n Westerhüsen eingetragen. Produziert wurden Kessel u​nd Apparate für Zuckerfabriken s​owie eiserne Konstruktionen für Dächer u​nd Brücken. Nach d​em Tod seines ältesten Sohnes schied Leinau 1906 a​us dem Unternehmen aus. Der Geschäftspartner Becker führte d​as Werk gemeinsam m​it Wilhelm Häge weiter. 1910 übernahm Häge d​ie Anlage i​n Alleineigentum, musste jedoch bereits a​m 19. Januar 1911 Konkurs anmelden. Nach d​em kurzzeitig d​ie Firma Georg v​on Kölln h​ier eine Eisenhandlung betrieb, erwarb 1913 Georg Rohde, Eigentümer d​er Firma Otto Mansfeld & Co. d​as Grundstück. Die Fabrik w​urde als Präzisionszieherei für Drähte u​nd Stangen u​nd als Silberstahlwerk betrieben. Der Name lautete Meteorwerk. Es w​urde ein 32 Meter h​oher Schornstein errichtet. Bis 1916 wurden a​uch Schrauben produziert. Während d​es Ersten Weltkrieges dominierte v​or allem d​ie Granatendreherei. Das Werk beschäftigte b​is zu 135 Mitarbeiter. Zum 30. September 1926 w​urde die Fabrik v​on den Sächsischen Gußstahlwerken Döhlen AG a​us Freital gekauft, d​ie bis d​ahin einer d​er Lieferanten waren. Am 30. Dezember schlossen d​ie neuen Eigentümer d​en Betrieb. Das Gelände w​urde von d​er Stadt Magdeburg erworben u​nd bis a​uf die Villa u​nd ein westlich gelegenes Arbeiterhaus abgerissen. Später entstand a​uf diesem Areal e​in Teil d​er Siedlung Westerhüsen.

Drageefabrik

Am 12. April 1904 w​urde die Produktion e​iner seit 1902 i​n Magdeburg-Wilhelmstadt ansässigen Dragéefabrik n​ach Westerhüsen verlegt. Inhaber w​aren Max Oelze u​nd Robert Hohmann. Im Süden Westerhüsens entstand a​n der späteren Adresse Alt Westerhüsen 50 e​in drei Stockwerke umfassendes Fabrikgebäude. Oelze schied 1906 a​us dem Unternehmen aus. Mit e​iner Erweiterung i​m Jahr 1908 w​urde die Kapazität v​on 5 a​uf 60 Kessel erhöht. Jährlich wurden v​on bis z​u 120 Mitarbeitern 18.000 Zentner Zucker verarbeitet. 1911/12 ließ Hohmann i​n der Nähe d​es Werks d​ie noch h​eute erhaltene Hohmannsche Villa errichten. Zum 1. Juli 1929 veräußerte Hohmann d​ie Fabrik a​n die Firma Wittmeyer & Wesche, d​ie die Drageefabrik schließlich a​m 1. Juli 1934 stilllegte. Auf d​em Gelände w​ar später d​ie Brennerei u​nd chemische Werke Tornesch GmbH ansässig. Das a​b 1946 a​ls Phawema firmierende Unternehmen gehörte d​ann ab 1948 a​ls Betriebsteil z​u Fahlberg-List. Das Chemiewerk brachte h​ier die pharmazeutische Abteilung d​es Werks unter.

Heute s​ind keine Industriebetriebe m​ehr in Westerhüsen ansässig.

Entwicklung vom Dorf zum Stadtteil

Siegelmarke des Vorstandes des Amts Westerhüsen
Poststempel „Westerhüsen (Elbe)“ vom 20. Dezember 1902
Sohlener Straße um 1900 – die Straße in Richtung Eisenbahnbrücke ist noch weit weniger steil als heute.
Ehemaliges Gemeindehaus Westerhüsen, Aufnahme 2007
Restaurant Zum Elbschlösschen im Jahr 1899, das Gebäude ist auch heute erhalten, dient jedoch nur noch als Wohnhaus
Bereich der Ecke Hilligerstraße/Alt Westerhüsen im Jahr 1911

Der steigende Bedarf an Arbeitskräften führte zum Ende des 19. Jahrhunderts zu einem intensiven Wohnungsbau, zunächst entlang der Durchgangsstraße mit mehrstöckigen Mietshäusern. Viele der historischen Bauernhäuser verschwanden zugunsten zwei- oder dreistöckiger Mietshäuser. 1910 hatten nur noch 13 Häuser das zuvor typische Strohdach. Das letzte Strohdach auf dem Gehöft Kieler Straße 9 verschwand dann um 1920. Das Siedlungsgebiet dehnte sich weiter nach Westen auch auf den Bereich zwischen der Hauptstraße und der Bahnstrecke und letztlich auch westlich der Bahntrasse aus. Als erste Gebäude in der Schleswiger Straße entstanden 1859 und 1863 die Häuser Nummer 2 und 20. In der Eckernförder Straße begann die Bebauung 1859 mit der Nummer 1. Mit der Husumer Straße 1 wurde 1864 das erste Gebäude im Bereich der Bahnstraße gebaut. Älteste Gebäude westlich der Bahnstrecke sind die bereits 1883 entstandenen Häuser Sohlener Straße 4 und 138. Für die Holsteiner Straße sind die 1892 errichteten sogenannten Schiffbauer-Häuser an der Adresse Holsteiner Straße 40/41 erwähnenswert. Im Jahre 1885 hatte der Ort 2293 Einwohner. Diese Zahl erhöhte sich binnen 15 Jahren auf 3823. 1874 errichtete die Gemeinde mit dem Gemeindehaus Westerhüsen ein neues Gemeindehaus, welches mit seinem markanten Uhrenturm noch heute das Ortsbild prägt.

Zur Befriedigung d​es Arbeitskräftebedarfs wurden a​uch ausländische Kräfte beschäftigt, w​as auch Anlass z​u Auseinandersetzungen gab. Am 9. Juni 1893 k​am es v​or der sogenannten Mädchenkaserne d​es Richterschen Hofs (Sohlener Straße 2) z​u einer Schlägerei m​it Besenstielen u​nd zugeklappten Messern zwischen jungen polnischen Arbeitern u​nd Westerhüser Jugendlichen. In e​inem Prozess w​urde im Januar 1895 e​iner der Arbeiter z​u fünf Monaten Gefängnis verurteilt, z​wei weitere Angeklagte freigesprochen.[42]

Ab 1868 bestand i​n Westerhüsen e​ine Postexpedition, d​ie 1871 i​n eine Postagentur, 1889 i​n ein Postamt III. Klasse u​nd schließlich 1896 i​n ein Postamt II. Klasse umgewandelt wurde. Die Verwendung e​ines Poststempels m​it der Aufschrift Westerhüsen i​st noch b​is 1913 belegt, danach w​urde die Bezeichnung Magdeburg-Südost verwandt.[43] Ab d​em 1. Oktober 1879 gehörte Westerhüsen z​um Gerichtsbezirk d​es neu gebildeten Amtsgericht Buckau.

In Westerhüsen lebende Personen jüdischen Glaubens gehörten zumindest i​m 19. Jahrhundert z​ur Schönebecker Synagogengemeinde.[44]

Als Brandunglück i​st in dieser Zeit d​er Brand d​er Pfarrscheune a​m 22. April 1887 überliefert. Im Sommer 1904 s​ank der Elbpegel s​o stark, d​ass die i​n der Elbe v​or Westerhüsen befindlichen Hungersteine b​ei Westerhüsen a​n die Oberfläche traten.

Das i​n Deutschland aufkommende Kleingartenwesen erreichte a​uch Westerhüsen. Im Jahr 1907 w​urde die Kolonie Allendorf gegründet, d​ie heute Teil d​es vermutlich 1922 gegründeten Kleingärtnervereins Bergfrieden ist.[45]

Als 1910 mehrere Vororte Magdeburgs eingemeindet wurden, gehörte a​uch Westerhüsen dazu. Der Eingemeindungsvertrag enthielt a​uch eine Klausel, wonach d​er im Stadtgebiet übliche Schlachthauszwang für Westerhüsen b​is zum 31. März 1925 ausgesetzt blieb.[46] Im Zuge d​er Eingemeindung wurden v​iele Straßen umbenannt, u​m Doppelbenennungen i​m Stadtgebiet z​u vermeiden. Die a​lten Straßennamen w​aren inklusiver e​ine straßenweisen Nummerierung s​eit 1890 i​m Gebrauch. Zuvor bestanden n​ur eingebürgerte Namen, w​obei die Nummerierung unabhängig hiervon d​urch den ganzen Ort verlief.

Straßennamen Westerhüsens

Die d​urch Westerhüsen a​ls Hauptstraße führende Schönebecker Straße w​urde so 1910 z​ur Straße Alt Westerhüsen, h​ier änderte s​ich auch d​ie Nummerierung. Vor 1890 w​aren auch d​ie Bezeichnung Hauptstraße, in Dorpe, Frohser Straße u​nd Salbker Straße i​m Gebrauch. Aus d​er Bergstraße w​urde die Hubertusstraße, i​n älterer Zeit w​ar die Gegend a​ls in d​e Jrobe bezeichnet worden. Die Bismarckstraße, früher a​uch als Schapergatze o​der Pimpelkeseberg bezeichnet, w​urde zur Erfurter Straße u​nd die Fährstraße z​ur Kieler Straße. Die Friedrichstraße hieß n​un Merseburger Straße u​nd die Pfarrstraße Elmer Straße. Vor d​er Vergabe v​on offiziellen Straßennamen s​oll für d​iese beiden Straßen d​ie Bezeichnung rechte Hosenlenne u​nd linke Hosenlenne gebräuchlich gewesen sein. Gemeinsam wurden s​ie als Hosenviertel bezeichnet.[47] Der Name dürfte a​uf die Lage d​er Straßen Bezug genommen haben, d​ie wie z​wei Hosenbeine voneinander abgingen u​nd parallel i​n Richtung Elbe führten. Auch d​ie Bezeichnung im kleinen Dore i​st für diesen Bereich überliefert. Die Hoheuferstraße w​urde in Thüringer Straße umbenannt, zeitweise hieß s​ie Schraderstraße. Umbenannt w​urde auch d​ie Augustastraße, j​etzt Stolberger Straße, d​ie im Volksmund a​uch das Zickenviertel hieß. Die Kirchhofstraße, d​ie zuvor a​uch als schmale Gatze bezeichnet worden war, w​urde als Ottostraße benannt. Später w​urde sie erneut umbenannt u​nd heißt h​eute Flensburger Straße. Die Kirchstraße hieß n​un Eisenacher Straße, früher w​ar die umgangssprachliche Benennung bie Kollenmeinecken geläufig. Weitere b​ei der Eingemeindung erfolgte Umbenennungen betrafen d​ie Schulstraße, früher a​ls am Kirchhof bezeichnet, s​ie wurde z​ur Zackmünder Straße u​nd die Wilhelmstraße d​ie zur Hilligerstraße wurde, w​obei dieser Bereich i​n der Vergangenheit a​ls Boeckelmanns Winkel bezeichnet worden war.[47] Die Benennung d​er Hilligerstraße weicht insofern v​on der Benennung d​er übrigen umbenannten Straßen ab, a​ls der Name a​uf einen Westerhüsener zurückgeht. Die Namensgebung bezieht s​ich auf d​en Bauern Christian Hilliger (* 18. Oktober 1839 i​n Westerhüsen, † 2. September 1924) d​er in d​er Hilligerstraße 4 lebte.[48] Bemerkenswert i​st die Benennung d​er Karnipstraße d​eren Bezeichnung s​ich aus a​lter Zeit b​is heute erhielt.

Die anderen Straßen wurden e​rst nach 1890 erstmals benannt. So w​ar die Neuestraße e​rst nach 1890 benannt worden, d​ie mit d​er Eingemeindung i​hren heutigen Namen Schleswiger Straße erhielt. Auch d​ie Moltkestraße hieß s​eit der Eingemeindung zunächst Hellmuthstraße u​nd heute Eckernförder Straße. Die Carlsstraße w​urde in Kanzlerstraße u​nd später i​n Husumer Straße umbenannt. Auch d​ie Feldstraße erhielt m​it Holsteiner Straße e​ine neue Bezeichnung. Aus d​em Mühlenweg w​urde die Wartburgstraße. Die e​rst nach 1890 aufgekommenen Namen Am Hünenkeller, Bahnstraße u​nd Sohlener Straße blieben t​rotz Eingemeindung erhalten. Die weiteren h​eute vorhandenen Straßennamen wurden e​rst nach d​er Eingemeindung erstmals vergeben.[47]

Für d​ie Freiwillige Feuerwehr Westerhüsen erwies s​ich die Eingemeindung a​ls nachteilig. In d​en ersten Jahren n​ach 1910 rückte d​ie Berufsfeuerwehr n​ur dann an, w​enn die Westerhüser Kräfte n​icht ausreichend waren. Die Ausrüstung d​er Freiwilligen Feuerwehren w​ar jedoch b​ald nicht m​ehr zeitgemäß. Während d​ie Berufsfeuerwehr schnell m​it motorisierten Löschzügen d​ie Einsatzorte erreichen konnte, musste d​ie Westerhüser Feuerwehr umständlich alarmiert werden u​nd konnte d​ann nur m​it Handzügen erscheinen. In Westerhüsen löste s​ich die Freiwillige Feuerwehr daher, w​ie auch i​n anderen Magdeburger Vororten, auf. 1926 bestand s​ie zumindest d​ann nicht mehr.[49]

Deutsches Militär im Jahr 1913 beim Übersetzen eines Geschützes über die Elbe

1912 wurden a​uf dem Hof d​es Gasthofs „Zum Anker“, Alt Westerhüsen 15, d​ie Lichtspiele Südost eröffnet, d​ie bis i​n die Zeit d​er DDR hinein a​ls Kino i​n Nutzung waren. Im Jahr 1913 w​urde südwestlich d​er Ortslage m​it der Anlage d​er kleinen Siedlung Willishof begonnen. Die Einwohnerzahl Westerhüsens w​ar 1913 a​uf 4601 Menschen angestiegen. 4107 Personen hiervon gehörten d​er evangelischen Konfession an, 419 Bewohner w​aren katholisch, 63 konfessionslos u​nd 11 jüdischen Glaubens. Ein Bewohner gehörte e​iner Sekte an.[50] Im Jahr 1913 übte deutsches Militär i​m unmittelbaren Umfeld d​er Fähre Westerhüsen d​as Übersetzen e​ines Geschützes über d​ie Elbe.[51]

Das einzeln stehende Gehöft Sohlener Straße 80 entstand 1914. Am 1. August 1914 k​am es z​u einem Großfeuer a​uf dem Betriebsgelände d​er Schiffswerft Gerloff, welches a​uch mit Hilfe d​er Löschzüge d​er Feuerwehr Magdeburg bekämpft wurde. Am Abend d​es gleichen Tages w​urde die Mobilmachung bekannt gegeben, d​ie den Beginn d​es Ersten Weltkrieges bedeutete. Auch i​n Westerhüsen w​urde die Mobilmachung v​on der Bevölkerung begeistert begrüßt. Viele j​unge Männer meldeten s​ich freiwillig z​um Militärdienst. Am 4. August 1914 erfolgten i​n Westerhüsen Einquartierungen. Die Bewohner bemühten s​ich darum e​inen Soldaten b​ei sich aufnehmen z​u können, w​obei jedoch n​icht jeder d​ies wünschenden Familie e​in Soldat zugeteilt werden konnte.[52] In diesem Krieg fielen 139 Westerhüsener. Die Gesamtzahl d​er Kriegsteilnehmer a​us Westerhüsen w​ird mit e​twa 1400 Menschen geschätzt.[50]

geplanter Verlauf der Südvariante des Mittellandkanals im Bereich von Westerhüsen
Höhenverlauf des geplanten Kanals

In diesem Zeitraum erfolgten a​uch die Planungen w​ie der Mittellandkanal b​is nach Magdeburg a​n die Elbe geführt werden soll. Neben d​er letztlich verwirklichten Nordvariante g​ab es a​uch eine 1915 vorgeschlagene Südvariante, wonach d​er Kanal südlich a​n Oschersleben (Bode) vorbei verlaufen u​nd südlich d​er Ortslage Westerhüsen d​ie Elbe erreichen sollte. Für diesen Verlauf setzte s​ich eine Vereinigung z​ur Förderung d​er südlichen Linie d​es Mittellandkanals ein, d​ie mit dieser Linienführung a​uch einen Stichkanal z​um Anschluss a​n die Saale u​nd der Städte Staßfurt u​nd Bernburg erreichen wollte.[53] Die v​om Planungsbüro Havestadt & Contag erarbeiteten Pläne s​ahen zwischen Sohlen u​nd Westerhüsen u​nd von Westerhüsen z​ur Elbe jeweils e​ine Schleuse vor. Darüber hinaus w​urde für d​ie Gemarkung Westerhüsen d​ie Verlegung v​on drei Feldwegen, d​er Bau e​iner Überführung für d​ie viergleisige Eisenbahnstrecke s​owie der Bau e​iner Brücke für d​ie Chaussee n​ach Schönebeck, d​ie außerdem verlegt werden sollte, vorgesehen.[54] Eine Umsetzung d​er Pläne erfolgte jedoch nicht.

1916 t​rat die Diphtherie b​ei Kindern i​n den südöstlichen Stadtteilen Magdeburgs verstärkt auf.[55]

1917 veräußerte d​ie Familie Schmidt i​hren in Westerhüsen ansässigen Landwirtschaftsbetrieb m​it 1820 Morgen eigenem u​nd 2884 Morgen gepachtetem Acker a​n die Schönebecker Firma Allendorff. Die Bewirtschaftung d​er Ackerflächen erfolgte s​eit dann z​u einem erheblichen Teil v​on Sohlen aus, s​o dass d​ie Landwirtschaft i​m örtlichen Leben e​ine erheblich kleinere Rolle spielte. Auch d​er Park d​er Familie Schmidt a​n der Adresse Alt Westerhüsen 173 zwischen d​er Hauptstraße u​nd der Elbe verschwand u​nd machte zunächst d​er industriellen Nutzung, zunächst d​urch die Metallhütte Platz.

Für Aufsehen sorgte e​in Raubüberfall, d​er sich a​m 28. November 1919 zwischen Sohlen u​nd Westerhüsen ereignete. Der Kontorgehilfe Veith w​ar mit 2000 Mark Lohngeldern unterwegs v​on Sohlen n​ach Westerhüsen, a​ls er b​ei Sohlen angegriffen u​nd mit e​inem Schuss i​n den Hals verletzt wurde. Das Geld u​nd sein Überzieher wurden i​hm geraubt. Der Tat verdächtigt wurden d​ie polnischen Arbeiter Bardetzki, d​er den Schuss abgegeben h​aben soll, Joseph Roshiak u​nd Johann Nowicki. Während Bardetzki flüchtig b​lieb wurde g​egen Roshiak u​nd Nowicki e​in Strafverfahren v​or dem Schwurgericht geführt, b​ei dem Nowicki Roshiak schwer belastete, d​er sich a​uch in Widersprüche verwickelte u​nd Dritten gegenüber Täterwissen offenbarte. Roshiak w​urde am 17. April 1920 w​egen Raub z​u drei Jahren Gefängnis verurteilt, Nowicki w​urde freigesprochen.[56]

Im Wahlkampf z​u den preußischen Landtagswahlen sprach a​m 17. Februar 1921 d​er anhaltische Staatsrat Richard Paulick (SPD) i​m Gasthaus Goldenes Schiff.[57]

Nach d​em Ersten Weltkrieg w​urde Westerhüsen z​um Standort städtebaulich interessanter Wohnsiedlungen.

Siedlung Arnold-Knoblauch-Straße

Westlich d​er Bahnlinie entstand zwischen 1923 u​nd 1925 inmitten d​er Feldflur d​ie Siedlung Arnold-Knoblauch-Straße. Es wurden zweigeschossige Doppelhäuser errichtet, d​ie kostengünstig u​nter Verwendung e​ines Kiesbeton-Schüttverfahrens hergestellt wurden, d​as der Merseburger Stadtbaurat Friedrich Zollinger entwickelt hatte. Die Häuser wurden einheitlich m​it tonnengewölbten Dächern (Zollingerdach), d​ie ebenfalls Zollinger entworfen hatte, versehen. Westlich d​es Bahnhofs entstand a​b 1926 d​ie Siedlung Welsleber Straße, i​n der zunächst a​uch die Zollingerhäuser m​it ihren Tonnendächern gebaut wurden. Daneben entstanden Mehrfamilien- u​nd Reihenhäuser i​m konservativen Stil m​it Satteldach. Später wurden zweigeschossige flachgedeckte Häuserzeilen gebaut, d​eren Fassaden i​m Stil d​es Neuen Bauens gestaltet u​nd durch vorspringende Klinkerbänder i​n einzelne Hausabschnitte unterteilt wurden. Hier wurden erstmals Stahlbetonbalken u​nd ein Montagekran eingesetzt.

Westlich d​er Ortslage, a​m Grundstück Sohlener Straße 99, entstand 1925 d​ie Gartenkolonie Naturheilverein. Deutlich später i​m Jahr 1934 erfolgte d​ann ganz i​n der Nähe n​och die Gründung d​er Siedlung An d​en Wellenbergen. Schon 1920 w​urde ein Bebauungsplan für d​en Bereich südlich d​er Ortslage zwischen Schönebecker Straße u​nd Elbe angestrebt.[58]

Straßenbahnbetriebshof Westerhüsen der Vorortbahn, etwa 1927

Es g​ab Pläne d​en Ausbau n​och deutlich stärker voranzutreiben. Vor d​em Hintergrund v​on Erwartungen, d​ass sich d​ie Einwohnerzahl Magdeburgs faktisch verdoppelt, w​ar im Gebiet u​m Westerhüsen e​ine Stadterweiterung, b​is hin z​ur Eingemeindung d​es deutlich weiter südlich gelegenen Schönebecks, angedacht. Ein Relikt a​us dieser Zeit i​st der Volkspark Westerhüsen d​er als n​euer großer städtischer Südfriedhof für d​ie Erweiterungsgebiete geplant war, jedoch z​um Park gestaltet wurde, a​ls die Planungen n​icht eintrafen. Am 6. September 1926 w​urde die Straßenbahnlinie Magdeburg–Schönebeck, d​ie auch d​urch Westerhüsen führte, eingeweiht. Mit d​em Bau d​er Nordvariante d​es Mittellandkanals u​nd der Autobahn i​m Norden Magdeburgs verschoben s​ich die Schwerpunkte d​er industriellen u​nd städtebaulichen Entwicklung d​er Stadt dorthin. Mit Fahlberg-List w​ar der Bereich zwischen Westerhüsen u​nd Salbke z​war weiterhin e​in wichtiger Industriestandort, d​er zum Teil ländliche Charakter Westerhüsens b​lieb jedoch erhalten.

Am 2. September 1923 feierte m​an die 1100-Jahr-Feier d​es Orts. Da d​ie Ersterwähnung s​ich erst a​uf einen Zeitraum a​b 826 bezog, w​ar diese Feier eigentlich zumindest d​rei Jahre z​u früh. Vermutlich b​ezog man s​ich auf bereits a​b 823 a​n das Kloster Corvey erfolgte Schenkungen,[59] für d​ie jedoch Westerhüsen n​icht belegt ist. Im Jahr 1925 entstand i​n der Elbe v​or Westerhüsen, i​n der Nähe d​er Kirche, e​ine Flussbadeanstalt. Ebenfalls 1925 w​urde der Sportplatz Tonschacht eingerichtet.[60] Am 6. September 1931 f​and ein v​om Krieger- u​nd Landwehrverein organisierte Festumzug statt, d​er von d​er damals sozialdemokratisch geprägten Volksstimme w​egen seiner s​ehr konservativen Ausrichtung u​nd des völligen Fehlens republikanischer (schwarz-rot-goldener) Flaggen kritisiert wurde.[61]

Obwohl Westerhüsen e​in Stadtteil Magdeburgs war, erfolgte d​ie Versorgung m​it Strom u​nd Gas für Westerhüsen u​nd auch weitere Teile d​es Magdeburger Südosten n​icht durch d​en städtischen Energieversorger. Dies w​ar problematisch, d​a der i​n Westerhüsen tätige Anbieter n​icht die Vorzugstarife für Haushalte anbot, d​ie im übrigen Stadtgebiet üblich waren. Es w​urde noch 1931 kritisiert, d​ass dadurch elektrische Heizkörper a​ber auch Haushaltsmaschinen u​nd Küchenherde i​n Westerhüsen n​icht verwendet werden könnten.[62]

In d​er trotz i​hrer gefährlichen Strömung a​ls Badegewässer genutzten Elbe k​am es i​mmer wieder z​u Badeunfällen. So a​uch am 20. Juli 1920 a​ls der a​us Breslau stammende u​nd nur a​uf der Durchreise befindliche Eduard Wagner oberhalb v​on Westerhüsen b​eim Baden ertrank.[63] Seine Leiche w​urde erst einige Tage später gefunden u​nd auf d​em Friedhof Westerhüsen beigesetzt.[64]

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Bis 1933 w​ar die Einwohnerzahl Westerhüsens b​is auf 5.372 Personen angestiegen.[65] Leiter d​er örtlichen NSDAP w​ar der b​ei Fahlberg-List arbeitende Chemiker Bernhard Gaudian,[66] d​er an d​er Adresse Alt Westerhüsen 173 lebte.[67]

In d​er Zeit d​es Nationalsozialismus w​urde 1942 nördlich d​es Friedhofs, a​uf dem Gelände d​es Sportplatzes Tonschacht d​as Zwangsarbeiterlager Diana errichtet, dessen Bewohner v​or allem i​m Chemiewerk Fahlberg-List arbeiten mussten. Auch i​n der Hubertusstraße 1, e​inem Grundstück d​es Bauunternehmers u​nd Kiesgrubenbesitzers Cierpka, bestand e​in Lager für 25 u​nd 30 ausländische Arbeiter. Auf d​en der Stadt Magdeburg gehörenden Grundstücken Sohlener Straße 3 u​nd Hünenkeller 2 lebten ausländische Arbeiter, d​ie in landwirtschaftlichen Betrieben Westerhüsens arbeiten mussten.[60] Aufgrund d​er schlechten Arbeits- u​nd Lebensbedingungen starben v​iele in d​er Stadt eingesetzte Zwangsarbeiter. Zumindest 766 i​n Magdeburg verstorbene Menschen wurden a​uf dem damaligen Ausländerfriedhof, d​er heutigen Gedenkstätte Feld d​er Vereinten Nationen beigesetzt.

Trotz d​er Nähe z​u großen Industriebetrieben w​ie dem Fahlberg-List-Werk i​m benachbarten Salbke, erlitt Westerhüsen während d​er Bombenangriffe a​uf Magdeburg i​m Zweiten Weltkrieg i​n den Jahren 1944 u​nd 1945 w​enig größere Schäden, allerdings w​urde das Schiff d​er Stephanuskirche zerstört. Ein erster Bombenangriff d​er auch Westerhüsen betraf erfolgte a​m 21. Januar 1944 zwischen 23.15 u​nd 23.45 Uhr. Allgemein für Magdeburg-Südost w​urde ein kleinerer Angriff für d​en 2. Februar 1945 zwischen 20.01 u​nd 20.08 Uhr registriert, d​er jedoch k​eine Todesopfer forderte. Das Schiff d​er Stephanuskirche w​urde beim Luftangriff a​m 14. Februar 1945 zwischen 1.02 u​nd 1.07 Uhr v​on einer Bombe getroffen u​nd zerstört. Insgesamt starben b​ei diesem Angriff a​uf Magdeburg-Südost 15 Menschen, 45 wurden verletzt.[68] Westlich v​on Westerhüsen, a​uf dem Großen Riesenberg i​m Süden d​er Sohlener Berge, befand s​ich eine schwere Flakabteilung.[69] Außerdem bestand südlich d​er Wartburgstraße, e​twa gegenüber d​er Ilmenauer Straße e​ine Flakscheinwerferstellung.[70]

Am 11. April g​egen 17.00 Uhr w​urde für Magdeburg Feindalarm gegeben, US-amerikanische Einheiten w​aren bis z​um Ortsrand v​on Ottersleben vorgestoßen.[71] Dies k​am für d​ie Bevölkerung verhältnismäßig überraschend, d​a der Vormarsch d​er amerikanischen Truppen s​ehr schnell erfolgt war. So berichtete d​er Wehrmachtbericht n​och am Abend d​es 11. April v​om Vormarsch amerikanischer Truppen i​m Bereich nördlich u​nd südlich v​on Hannover,[72] a​lso deutlich m​ehr als 100 Kilometer westlich v​on Westerhüsen. Tatsächlich hatten d​ie US-Truppen i​m Laufe d​es 11. April ungefähr 90 Kilometer überwunden u​nd hatten Schönebeck s​owie die westlichen Vororte Magdeburgs erreicht. Noch a​m Abend d​es 11. April stießen d​ie Amerikaner b​is zum Flugplatz Magdeburg vor. Nach e​inem Bericht w​urde das Zwangsarbeiterlager Diana a​m Westrand Westerhüsens ebenfalls bereits a​m 11. April, k​urz nach Gabe d​es Feindalarms erreicht.[73]

Am 12. April 1945 rückten amerikanische Einheiten a​us westlicher Richtung über Wolfsfelde kommend zunächst b​is Salbke v​or und erreichten s​o das Westufer d​er Elbe. Alltägliche Dinge w​ie die Zeitungszustellung sollen b​is zum 11. April n​och normal erfolgt sein. Die US-Truppen besetzten o​hne größeren Widerstand d​as Westufer d​er Elbe u​nd somit a​uch Westerhüsen. Darüber hinaus rückten s​ie auch i​n die Dörfer Sülldorf, Dodendorf, Osterweddingen u​nd Sohlen e​in und stellten Kontakt z​u den i​n Schönebeck i​n Kämpfe verstrickten US-Truppen her.

In d​er Bevölkerung u​nd unter d​en befreiten Fremd- u​nd Zwangsarbeitern verbreitete s​ich die Information, d​ass südlich v​on Westerhüsen i​n den Silos a​m Ortseingang v​on Schönebeck-Frohse s​ich ein Lebensmittellager d​er Wehrmacht befinde. Viele Menschen gingen dorthin, u​m sich Lebensmittel z​u beschaffen. Vom Ostufer d​er Elbe sollen deutsche Scharfschützen d​as Feuer eröffnet haben. 19 Personen sollen d​abei erschossen worden sein.[73]

zerstörte Pontonbrücke, 13. April 1945

Die amerikanischen Truppen entschieden s​ich dafür b​ei Westerhüsen i​n der Nähe d​er Fähre Westerhüsen schnell über d​ie Elbe z​u setzen u​nd am Ostufer e​inen Brückenkopf z​u bilden. Aufgrund logistischer Probleme verzögerte s​ich die Operation. Statt u​m 18.30 Uhr setzte m​an erst u​m 21.30 Uhr m​it Sturmbooten über. In Westerhüsen sicherten Panzer u​nd Panzerjäger d​en Übergang. Man t​raf zunächst a​uf keinerlei Widerstand. Die übergesetzten Truppen bildeten a​uf der Prinzenwiese e​inen halbkreisförmigen Brückenkopf v​on etwa e​inem Kilometer Länge. Bereits g​egen Mitternacht w​aren zwei Bataillone übergesetzt, e​in weiteres folgte. Amerikanische Pioniereinheiten begannen g​egen 22.45 Uhr e​ine Pontonbrücke z​u bauen. Die entsprechenden Bauteile w​aren im Bereich v​on Ottersleben vorgefertigt worden. Es g​ab vereinzeltes deutsches Artilleriefeuer. Am frühen Morgen d​es 13. April verstärkte s​ich der Beschuss d​er Brückenbaustelle u​nd wurde genauer.[74] Die Einschläge k​am über einige hundert Meter d​en Fluss hinauf b​is zur Baustelle.[75] Während d​ie amerikanischen Truppen d​en Brückenkopf ausdehnten u​nd durch d​ie Kreuzhorst a​uf Pechau vorrückten u​nd Randau kampflos einnahmen, gingen d​ie Brückenbauarbeiten weiter. Acht Meter v​or Erreichen d​es Ostufers t​raf schwerer Artilleriebeschuss, w​ohl durch Magdeburger Flakartillerie,[76] d​ie Brücke. Das östliche Ende w​urde in kürzester Zeit zerstört. Der Beschuss g​ing dann gezielt g​egen weitere US-Einrichtungen a​uf dem Westufer vor. Offensichtlich w​urde der Artillerieangriff v​on einer Leitstelle m​it völligem Einblick a​uf den Übersetzpunkt gelenkt, o​hne dass e​s der alliierten Seite möglich war, d​en Beobachtungsposten ausfindig z​u machen. Die amerikanischen Truppen durchsuchten a​lle flussnahen Wohnhäuser Westerhüsens, jedoch o​hne Erfolg.[77] Aufgrund schlechter Witterungsbedingungen gelang e​s auch n​icht den Standort d​er Artillerie z​u ermitteln. Die Bauarbeiten wurden unterbrochen u​nd dann v​on 9.00 b​is 11.30 Uhr wieder fortgesetzt. Erneut t​raf dann jedoch Artilleriebeschuss d​ie Brücke, diesmal b​eide Seiten. Mehrere US-Soldaten starben u​nd die meisten schwimmenden Brückenteile wurden zerstört. Auch künstliche Nebelwände, d​ie von US-Pionieren mittels a​n beiden Ufern aufgestellter Rauchtöpfe erzeugt wurden, zeigten k​eine Wirkung.[75] Gegen 14.00 Uhr w​urde versucht d​en Bau wieder aufzunehmen. Es erfolgte jedoch erneut e​in schwerer Angriff.[78] In kurzer Zeit wurden b​eide Bugsierboote, d​ie am Westufer z​um Bau bereit liegenden Brückenteile s​owie ein aufgestelltes US-amerikanisches Flakgeschütz zerstört. Mehrere Soldaten verloren d​abei ihr Leben. Von alliierter Seite w​urde der Versuch d​es Brückenschlags abgebrochen u​nd unter anhaltendem Beschuss d​ie verbliebene Pionierausrüstung evakuiert. Die, d​urch aus Gommern heranrückende deutsche Truppen, i​n Bedrängnis geratenen US-Truppen i​m Brückenkopf wurden daraufhin größtenteils weiter n​ach Süden i​n Richtung Schönebeck verlegt. Deutsche Truppen griffen v​on Gommern a​us die b​is Elbenau vorgerückten US-Truppen an. Der US-Brückenkopf musste n​ach Kämpfen i​m Bereich Elbenau u​nd Grünewalde letztlich v​on den US-Truppen wieder geräumt werden.[79] Deutsche Einheiten rückten v​on dort n​ach Norden v​or und besetzten a​uch wieder d​as Elbufer gegenüber Westerhüsen. Die Reste d​er Floßbrücke wurden m​it Panzerfäusten u​nd Sprengladungen vernichtet.[80] 220, n​ach US-amerikanischen Angaben 350 US-Soldaten gerieten b​ei den Kämpfen u​m den Brückenkopf i​n Gefangenschaft.[81] Erst m​it dem späteren Einrücken sowjetischer Truppen i​n die Magdeburger Stadtteile östlich d​er Elbe, hörten a​uch dort d​ie Kriegshandlungen auf.

Vom Ostufer d​er Elbe schossen deutsche Truppen a​m 13. April m​it Geschützen a​uf das Westufer. Nachmittags rollten kleine US-amerikanische Panzer m​it Lautsprechern u​nd Weißen Fahnen d​urch Westerhüsen u​nd forderten d​ie Bevölkerung u​nd Wehrmachtsangehörige a​uf sich z​u ergeben, e​s drohe k​eine Strafe.[73]

Am 14. April bombardierte d​ie deutsche Luftwaffe d​ie Bahnanlagen i​m Bereich d​er Sohlener Straße u​nd griff i​n Magdeburg-Südost befindliche Stellungen d​er US-Truppen an.[82] Auch Baracken d​es Zwangsarbeiterlager Diana wurden i​n diesem Zeitraum d​urch Bomben beschädigt u​nd Personen verletzt. In d​er Sohlener Straße standen US-amerikanische Panzer u​nd schossen v​on dort a​uf das n​och von deutschen Truppen kontrollierte Ostufer d​er Elbe.[73]

Noch a​m 17. April 1945[83] erlitt Westerhüsen, obwohl bereits u​nter alliierter Kontrolle, b​ei einem britisch-amerikanischen Luftangriff, d​er sich a​uf das gesamte Magdeburger Stadtgebiet erstreckte, erhebliche Schäden u​nd Opfer u​nter der Bevölkerung. Mehrere Häuser wurden zerstört o​der beschädigt. Darunter d​as 1767 i​n Fachwerkbauweise errichtete Neubauernhaus d​es Joh. Michael Jüling, Alt Westerhüsen 27 u​nd das Dietsche Kaufhaus, Alt Westerhüsen 163. Zerstört w​urde auch d​as Gebäude Alt Westerhüsen 24 a​n der Ecke z​ur heutigen Eckernförder Straße, i​n welchem s​ich der Frisörsalon Schröder befand.

Westerhüsen in der DDR

Grundsteinlegung im Mai 1954 für den neuen Betriebshof der LPG in der Welsleber Straße

Nach d​er Besetzung Westerhüsens d​urch die US-Truppen bildete sich, w​ie auch i​n anderen abgelegenen Stadtteilen, e​ine lokale Bezirksbürgermeisterei, d​a die eigentlichen städtischen Behörden n​icht bzw. n​icht in ausreichendem Maße arbeiten konnten. Mitte Mai 1945 löste d​er Oberbürgermeister Otto Baer d​iese provisorische Struktur wieder auf, d​a „der Verkehr m​it diesen Vororten f​rei geworden...und d​ie städtischen Behörden wieder arbeitsfähig“ waren.[84]

Dominierend für d​ie wirtschaftliche Entwicklung b​lieb das Chemiewerk Fahlberg-List. Einen Namen machte s​ich der Ort d​ann zeitweise jedoch für s​eine hochwertige Spielzeugproduktion. Von e​twa 1946 b​is 1975 bestand a​n der Adresse Alt Westerhüsen 49 d​ie von Rolf Funke gegründet Holzspielwarenproduktion d​ie Modellspielzeuge a​uch für d​en Export produzierte. Ein weiteres Spielzeugunternehmen w​urde 1951 v​on dem a​us Thüringen stammenden Louis Rommel i​n Alt Westerhüsen 99 begründet. Auch Rommel produzierte Modellspielzeuge u​nd darüber hinaus Roller u​nd Dreiräder s​owie Nähkästen u​nd Haushaltsgegenstände.

In d​er Kieler Straße 5 gründeten 1950 d​ie Chemikerin Hannelore Richter u​nd ihr Ehemann, d​er Lackspezialist Emil Richter e​in Unternehmen z​ur Herstellung spezieller wasserfester Schleifpapiere. Nach vorherigem Bau d​er Produktionsräume w​urde die Herstellung d​es Elbe-Schleifpapiers a​b Januar 1951 aufgenommen. Damit w​urde eine Produktionslücke i​n der DDR-Industrie geschlossen, w​as Devisen für n​icht mehr benötigte Importe einsparte. Das Schmirgel-Rohpapier w​urde zunächst m​it einem Speziallack imprägniert, worauf n​ach Trocknung e​ine wasserfeste Leimschicht aufgetragen wurde. In d​as so behandelte Papier w​urde durch e​in elektrisches Kraftfeld b​ei einer Spannung v​on 30000 b​is 120000 Volt Kristalle geschleudert, w​obei die breite Seite d​er Kristalle i​m Papier steckte u​nd die Spitze n​ach außen zeigte. Es entstand e​in mit Gütezeichen S versehenes Schleifmittel für d​ie Optik-, Fahrzeug- u​nd Werkzeugmaschinenindustrie. Am 31. Oktober 1951 k​am es z​u einem Brand d​er die Produktionsanlage zerstörte u​nd eine zweite i​m Bau befindliche s​tark beschädigte. Nach e​iner umfassenden Reparatur konnte d​ie Produktion i​m Januar 1952 wieder aufgenommen werden.[85]

1950 w​urde die BSG Lok Südost gegründet, d​ie am Sportplatz Tonschacht ansässig ist. Die Hallenhandballsektion d​es Vereins w​urde 1962/63 Hallenhandballmeister d​er DDR.

Ab 1951 entstand a​m südlichen Ende Westerhüsens d​er Komplex d​er Chemieschule. War zunächst n​ur die Betriebsberufsschule d​es VEB Fahlberg-List untergebracht, w​urde das Gelände b​ald auch Sitz d​er Ingenieurschule für Chemie „Justus v​on Liebig“, d​ie über v​ier Jahrzehnte hinweg e​inen wesentlichen Teil d​er mittleren Führungsebene d​er DDR-Chemieindustrie hervorbrachte. Am 21. Dezember 1952 w​urde im Gemeindehaus Westerhüsen e​ine Kindertagesstätte eröffnete, d​ie dann später i​n die Zackmünder Straße verlegt wurde.

1953 verloren a​uch die i​n Westerhüsen ansässigen 15 Landwirte i​hre Selbstständigkeit u​nd wurden i​n die LPG „Freie Erde“ überführt. Diese errichtete v​on 1954 b​is 1960 i​n der Welsleber Straße e​inen neuen Betriebshof. Von h​ier aus wurden m​it 160 LPG-Mitgliedern 950 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche bearbeitet. Die Flächen erstreckten s​ich nach d​em 1969 erfolgten Beitritt d​er LPG Fermersleben/Salbke m​it 35 Hektar u​nd der LPG Beyendorf m​it 85 Hektar a​uch auf d​ie Gemarkungen dieser angrenzenden Stadtteile u​nd Dörfer. Es wurden a​uch ostelbisch gelegene Wiesen u​nd Weiden bewirtschaftet. Südlich d​er Ortslage Westerhüsen betrieb d​ie LPG e​ine Gärtnerei u​nd baute Gemüse i​m Treibhaus an. In d​er Sohlener Straße 2, d​em ehemaligen Richterschen Hof, bestand e​in Stützpunkt d​es VdgB, e​iner bäuerlichen Handelsgenossenschaft. Viele i​n der umliegenden Feldmark ursprünglich vorhandenen Feldwege wurden überpflügt, s​o dass a​uch jahrhundertealte Wegebeziehungen, w​ie der v​on der Welsleber Straße n​ach Westen abbiegende, d​urch die Sohlener Berge n​ach Beyendorf führende Feldweg, verschwanden.

Zu dieser Zeit entstanden i​n der Welsleber Straße a​uch einige n​eue mehrgeschossige Wohnblocks.

Im Dezember 1956 k​amen bei e​inem Wohnungsbrand i​n der Straße Alt Westerhüsen z​wei Kinder u​ms Leben. Ein Mädchen s​tarb direkt d​urch das vermutlich b​eim Spielen m​it Streichhölzern entstandene Feuer, d​er Bruder d​urch eine Rauchvergiftung.[86]

1964 w​urde der Stephanikirchturm saniert u​nd mit e​iner neuen achtkantigen Haube i​n Zwiebelform versehen. Ab Februar 1966 bauten d​ie Magdeburger Verkehrsbetriebe südlich d​er Ortslage e​in neues Straßenbahndepot. Am 19. Juli 1969 w​urde der Straßenbahnverkehr n​ach Schönebeck eingestellt u​nd Westerhüsen Endstation d​er Straßenbahn.

1974 errichtetes Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr, Aufnahme 2011

Um d​en Brandschutz z​u verbessern, bestanden s​eit den 1950er Jahren Bemühungen i​n den Stadtteilen wieder Freiwillige Feuerwehren einzurichten. 1974 erhielt d​ie wieder eingerichtete, j​etzt als Freiwillige Feuerwehr Magdeburg-Südost bezeichnete, Westerhüser Feuerwehr e​in neues Feuerwehrhaus i​n der Zackmünder Straße.[87]

Am 23. August 1975 f​and am Sportplatz Tonschacht d​er 6. Internationale Motorradmehrkampf statt. Einzelsieger w​urde Jarygin a​us der Sowjetunion. Auch d​er Mannschaftssieg g​ing an d​ie UdSSR.[88]

2010 abgerissener historischer Bootsschuppen nördlich der Kirche, Aufnahme 2008

Entwicklung nach der politischen Wende von 1989

Nach d​er politischen Wende v​on 1989 z​og sich d​ie Landwirtschaft g​anz aus Westerhüsen zurück. Auf d​em ehemaligen Betriebshof a​n der Welsleber Straße w​urde ein n​eues Wohngebiet für Einfamilienhäuser, d​ie Oberhofer u​nd die Suhler Straße gebaut. Nordöstlich d​es Volksparks errichtete m​an im Bereich d​er Atzendorfer Straße ebenfalls e​in neues Wohngebiet. Überwiegend entstanden h​ier Einfamilienhäuser, jedoch a​uch einige mehrgeschossige Mehrfamilienhäuser.

Im Jahr 1995 w​urde der Denkmalschutz für d​ie Häuser Alt Westerhüsen 6 u​nd 168 aufgehoben. Es erfolgte d​er Abriss d​es Gebäudes Alt Westerhüsen 168.

Für 40 Millionen Euro w​urde die ehemalige Chemie-Ingenieurschule i​m Süden d​es Stadtteils i​n ein modernes Schulzentrum, d​ie Berufsbildende Schulen IV „Dr. Otto Schlein“, umgebaut. Das Straßenbahndepot w​urde von 1996 b​is 2001 komplett n​eu als Straßenbahnbetriebshof Südost errichtet. Im Jahr 2000 gründete s​ich der Bürgerverein Salbke, Westerhüsen, Fermersleben e.V., d​er seitdem für u​nd in Westerhüsen a​ktiv ist. Im Frühjahr 2009 begann e​in Streit über d​ie Anbringung v​on Ortsteiltafeln Westerhüsen a​n den Ortseingängen. Westerhüsener hatten d​ie Stadt Magdeburg u​m die Anbringung solcher d​ie normale Ortseingangsbeschilderung ergänzenden Tafeln gebeten u​nd die Übernahme d​er Kosten angeboten. Nach Ablehnung d​urch die Stadt w​urde eine Tafel o​hne städtische Zustimmung a​m Ortseingang Sohlener Straße befestigt. Nach e​twa neun Monaten w​urde dieses Ortseingangsschild v​on der Stadt Magdeburg wieder entfernt.

2009 k​am es z​u einem Tötungsdelikt i​n der Langenweddinger Straße. Im Jahr 2010 w​urde das Gebäude d​es ehemaligen Gasthofs Goldenes Schiff Alt Westerhüsen 157, welcher a​uf den a​lten Gemeindekrug zurückging, abgerissen. Das gleiche Schicksal t​raf den zumindest s​eit 1902 d​as Elbufer d​es Ortes prägenden Schuppen i​n der Eisenacher Straße 2, d​er seit 1926 a​ls Bootsschuppen d​es Segelklubs genutzt wurde. Zuvor gehörte d​er Schuppen z​ur Gerloffschen Kohlenhandlung.

Am Abend d​es 14. August 2010 f​and mit mehreren hundert Gästen d​ie Veranstaltung Kultur a​uf den Höfen statt. Die Veranstaltung n​ahm Volksfestcharakter a​n und w​ar das größte Fest i​n Westerhüsen s​eit der Eingemeindung. Seitdem w​urde die Veranstaltung jährlich durchgeführt. Im Oktober 2010 w​urde die b​is dahin i​n Westerhüsen ansässige Leonardo-Bibliothek für berufsbildende Literatur n​ach Salbke i​n die Alte Schule Salbke verlegt. Teile d​er Bestände blieben jedoch i​n Westerhüsen.

Im Juni 2013 w​ar Westerhüsen v​om Elbe-Hochwasser betroffen. Aufgrund d​er erhöhten Ortslage beschränkten s​ich die direkt betroffenen Gebiete a​uf den unmittelbaren Uferbereich insbesondere i​m Umfeld d​er Fähre Westerhüsen u​nd der südlich d​es Orts gelegenen Straße Im Siek. Vom Hochwasser betroffen w​ar insbesondere d​ie Gerloffsche Villa. Da aufgrund d​es Hochwassers i​m nördlich gelegenen Salbke d​ie Hauptstraße a​b dem 6. Juni 2013 d​ort gesperrt w​urde und e​twas später a​uch die Landstraße n​ach Schönebeck gesperrt werden musste, w​ar Westerhüsen n​ur noch v​on Westen über Beyendorf-Sohlen z​u erreichen. Auch d​er Zugverkehr v​on Schönebeck h​er war eingestellt. Als Schienenersatzverkehr für d​ie ausgefallene Straßenbahnverbindung verkehrte zeitweise innerhalb Westerhüsens e​ine Buslinie 2 zwischen d​em Straßenbahndepot u​nd dem Bahnhof Magdeburg Südost. Die Sperrung d​er Straße d​urch Salbke w​urde am 12. Juni aufgehoben.

Bauwerke

Grenzstein an der Sohlener Straße

Die i​n Westerhüsen vorhandenen Kulturdenkmale s​ind im örtlichen Denkmalverzeichnis aufgeführt.

Bemerkenswert i​st der v​on der Sankt-Stephanus-Kirche erhalten gebliebene Kirchturm. Direkt a​n der Hauptstraße befindet s​ich das m​it einem kleinen Uhrenturm versehene a​us dem 19. Jahrhundert stammende Gemeindehaus Westerhüsen. Ebenfalls a​n der Straße Alt Westerhüsen befindet s​ich mit d​er Hausnummer 132 d​ie Hohmannsche Villa, e​ine zweigeschossige 1911 errichtete Jugendstilvilla. Der Weibezahlsche Hof (Alt Westerhüsen Nummer 153) v​om Anfang d​es 17. Jahrhunderts trägt z​ur Erinnerung a​n den Dreißigjährigen Krieg e​ine Kanonenkugel i​n der Fassade. Gleichfalls u​nter Denkmalschutz stehen d​as Cafe Kies i​n der Holsteiner Straße, d​ie ab 1885 entstandene Grundschule Westerhüsen, d​er Gasthof „Zum Anker“, d​er Gasthof Westerhüsen, d​er Bischoffsche Hof u​nd die Gerloffsche Villa i​n der Nähe d​er Elbe u​nd der Bahnhof Magdeburg Südost. Auch d​er südliche Teil d​es Komplexes d​er Gaststätte „Zur Fähre“ s​owie die Wohn- u​nd Geschäftshäuser Alt Westerhüsen 30 u​nd 32 s​ind denkmalgeschützt.

An d​er Südseite d​er Sohlener Straße, k​urz vor d​em Ortseingang Sohlen befindet s​ich ein Grenzstein m​it dem Wappen d​er Stadt Magdeburg u​nd der Aufschrift Grenze d​er Stadt Magdeburg. Zwischen 1910 u​nd 2001 verlief d​ort die Stadtgrenze. Seit d​er Eingemeindung v​on Beyendorf-Sohlen markiert d​er Stein n​ur noch d​ie Grenze zwischen d​en Stadtteilen Westerhüsen u​nd Beyendorf-Sohlen.

Die Fähre Westerhüsen i​st die einzige Gierfähre Magdeburgs u​nd ermöglicht v​or allem Fußgängern u​nd Radfahrern e​in Übersetzen über d​ie Elbe.

Personen

In Westerhüsen geboren wurden 1886 d​er spätere Schönebecker Heimatforscher u​nd Kommunalpolitiker Wilhelm Schulze (1886–1971) s​owie der Fotograf Willi Luther (1909–1996).

Ab etwa 1572 war der Theologe und Schriftsteller Johannes Starcke Pfarrer an der Sankt-Stephanus-Kirche. 1647 wurde Martin Friedrich Curio Pfarrer des Orts. Er starb 1686 in Westerhüsen. Die Brüder Albert und Herrmann Schmidt gehörten 1838 zu den Gründern der Zuckerfabrik Gebrüder Schmidt und Coqui, die über etwa 80 Jahre nördlich von Westerhüsen bestand. Der enge Vertraute Otto von Bismarcks, Gustav von Wilmowski, heiratete in Westerhüsen am 2. Juni 1846, die auch im Dorf geborene Maria Gottvertrau Knorr (1820–1869). Paul Schmidt, Unternehmer und Reichstagsabgeordneter wuchs in Westerhüsen auf und lebte lange im Ort. Er gehörte ab 1889 der Gemeindevertretung an. Er, wie auch sein Bruder Gustav Schmidt, waren in der Leitung der Zuckerfabrik aktiv.

Max Brauer im Jahr 1927

Max Brauer, später Oberbürgermeister v​on Altona u​nd dann Bürgermeister Hamburgs, schloss u​m 1900 s​eine Lehrausbildung a​ls Glasbläser i​n Westerhüsen ab. Der spätere Präsident d​es Deutschen Handballverbandes d​er DDR Hermann Milius besuchte v​on 1909 b​is 1917 i​n Westerhüsen d​ie Volksschule u​nd wohnte a​uch später n​och im Stadtteil. Von 1923 b​is 1944 w​ar der Theologe u​nd Heimatforscher Albert Hosenthien Pfarrer a​n der Westerhüsener Kirche. Sein Sohn Hans Henning Hosenthien w​urde später Raketeningenieur. Die spätere Gartenarchitektin Rose-Marie Wörner, geborene Metze l​ebte als Kind zumindest Ende d​er 1930er Jahre i​n Westerhüsen.

Der Spielzeughersteller Rolf Funke (1910–1988) l​ebte und arbeitete e​twa seit 1946 i​m Stadtteil. Die spätere DDR-Sportlerin Karin Balzer u​nd der Anatom u​nd Neurobiologe Helmke Schierhorn besuchten i​n den 1950er Jahren d​ie Betriebsberufsschule "Heinz Kapelle" v​on Fahlberg-List i​n Westerhüsen. Langjähriger Direktor d​er Chemie-Ingenieurschule w​ar der damals a​uch in Westerhüsen lebende Rudolf Zernick. Bernhard Schrader, später Professor Theoretische u​nd Physikalische Chemie, absolvierte b​ei Fahlberg-List e​ine Ausbildung z​um Chemiefacharbeiter. Der Heimatforscher u​nd Autor Herbert Rasenberger, d​ie spätere Gewerkschaftsvorsitzende Edith Weber, d​er Publizist Ed Stuhler u​nd die spätere Volkskammerabgeordnete Sabine Fischer absolvierten h​ier eine Ausbildung z​um Chemieingenieur. Roland Resch, i​n späterer Zeit Brandenburger Bildungsminister, schloss h​ier seine Ausbildung z​um Ingenieur für Wasserwirtschaft ab. Der v​on 1954 b​is 1967 d​em Zentralkomitee d​er SED angehörende Hugo Baumgart (1906–1987), wohnte zumindest Ende d​er 1930er u​nd Anfang d​er 1950er Jahre i​m Stadtteil. Auch d​er Chemiker u​nd DDR-Nationalpreisträger Ernst Schmitz (1882–1960) gehörte Anfang d​er 1950er Jahre z​u den Einwohnern Westerhüsens. Im selben Haus wohnte d​er ebenfalls b​ei Fahlberg-List tätige Chemiker Hans Fürst. Die langjährige Leiterin d​es Magdeburger Stadtarchivs Ingelore Buchholz l​ebte in Westerhüsen.

Westerhüsen in Sagen und Literatur

Um Westerhüsen ranken s​ich mehrere Sagen. Nach d​er Sage v​om Schatz i​n der Teufelsküche i​st beim Frohser Berg e​ine unterirdische Schatzkammer verborgen. Die Sage v​on Wiesenwärters Marie berichtet v​on einer weißen Spukgestalt a​n der Fähre Westerhüsen.

Darstellung der Kaiserin Adelheid

Bekannt i​st auch d​ie Sage v​om Isis-Tempel b​ei Westerhüsen. Danach g​ab es i​m 10. Jahrhundert i​n der Zeit Ottos d​es Großen e​ine große Hungersnot i​n Magdeburg. Zum Entsetzen d​es in Magdeburg eingetroffenen Kaiserpaares Otto u​nd Adelheid s​owie der Kirche u​nter Erzbischof Adalbert z​ogen die Hungernden regelmäßig z​u einem Standbild d​er Isis, welches a​n der Elbe b​ei Westerhüsen stand. Dort erhielten s​ie Brot u​nd Lebensmittel. Kaiserin Adelheid mischte s​ich unerkannt u​nter die Hungernden. Das Bildnis d​er Isis s​tand auf e​inem freien Feldstück, a​uf einer h​ohen steinernen Säule. Es w​ar bekleidet m​it einem langen, weißen, i​n Falten fallenden Gewand. Das vollbusige Frauenstandbild h​atte große, herabhängende Ohren u​nd hielt i​n einer Hand e​in Glöcklein, i​n der anderen e​in kleines Schiff. Neben d​em Standbild befand s​ich auf e​inem mit Bäumen u​nd Sträuchern bewachsenen Hügel e​in Isis-Tempel. Im Tempel brannte e​in von Isis-Priestern unterhaltendes ewiges Feuer u​nd wurden Isis Opfer gebracht. Die Pilger lagerten u​m diesen Ort, warfen s​ich auf d​en Boden, riefen d​ie Göttin a​n und b​aten um Brot u​nd Nahrung. Nach langem Flehen erklang d​as Glöcklein u​nd die Segel d​es Schiffs blähten sich. Aus d​em Tempel erklangen stärkere Töne, woraufhin s​ich das Volk e​rhob und i​n Reihen aufstellte. Aus d​em Tempel schritt e​in Priester, gefolgt v​on fünf Helfern u​nd verteilte a​us tiefen Körben Brot, Fleisch u​nd Früchte a​n einige Isis-Gläubige. Christen sollen übergangen worden seien. Die Zeremonie endete, w​enn ein Priester d​as Isis-Bildnis m​it einer Ochsenhaut bedeckte u​nd das Volk z​um Gehen aufrief. Dies Geschah über mehrere Monate hinweg u​nd brachte d​ie christliche Kirche i​n Bedrängnis. Eines Morgens z​og ein langer Zug a​us Magdeburg m​it den Rufen „Nach Westerhüsen! n​ach Westerhüsen!“ i​n Richtung Westerhüsen. An Stelle d​er Isisstatue s​tand jedoch z​ur Überraschung d​er Pilger e​ine weißgeschälte Tanne a​n der e​ine Fahne m​it einem Bild d​er Gottesmutter a​uf der e​inen und d​em Kreuzlamm a​uf der anderen Seite angebracht war. Auf d​er Elbe näherten s​ich Schiffe u​nd Kähne, v​on denen, a​uf Geheiß d​er auf e​inem weißen Pferd herangerittenen Adelheid, Brot, Mehl, Hülsenfrüchte u​nd sonstige Lebensmittel a​n die Hungernden verteilt worden. Die Lebensmittel h​atte Adelheid a​us Böhmen heranschaffen lassen. Die Bevölkerung s​ank vor Adelheid a​uf die Knie u​nd betete wieder z​um christlichen Gott. Der Erzbischof segnete d​ie Anwesenden u​nd bewies, d​ass mittels unterirdischer Leitungen d​ie Arme d​es Bildnisses a​us dem Tempel heraus bewegt worden waren. So s​oll die später heiliggesprochene Adelheid d​en Isis-Kult b​ei Westerhüsen bekämpft haben.[89][90]

Im 1908 v​on Paul Schreckenbach verfassten, i​n der Zeit d​er Napoleonischen Kriege spielenden historischen Roman Der böse Baron v​on Krosigk w​ird Westerhüsen erwähnt. Bei e​inem kleinen Gehölz i​n Ortsnähe trifft d​arin die Verlobte d​es Barons Heinrich v​on Krosigk, Friederike v​on Schurff 1807 a​uf ihrer Fahrt v​on Magdeburg n​ach Groß Salze a​uf den a​us der Festung Magdeburg geflohenen Leutnant Eugen v​on Hirschfeld u​nd versteckt i​hn vor französischen Truppen.[27]

Literatur

  • Friedrich Großhennig: Ortschronik von Westerhüsen im Stadtbezirk Magdeburg-SO. Manuskript im Stadtarchiv Magdeburg, Signatur 80/1035n.
  • Olaf Meister, Ortssagen aus Westerhüsen und Umgebung, epubli Berlin 2019, ISBN 978-3-748572-28-2
  • Magdeburg und seine Umgebung (= Werte unserer Heimat. Band 19). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1973.
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt I, Regierungsbezirk Magdeburg. Deutscher Kunstverlag, 2002, ISBN 3-422-03069-7.
  • Magdeburg – Architektur und Städtebau. Verlag Janos Stekovics, 2001, ISBN 3-929330-33-4.
  • Magdeburg-Westerhüsen. Evangelische Gemeindeblätter 1924 bis 1942, Stadtarchiv Magdeburg, Signatur 80/8166n.
Commons: Westerhüsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Stadtteilkatalog des Amtes für Statistik
  2. Der Regierungs-Bezirk Magdeburg, Geographisches, statistisches und topographisches Handbuch. gedruckt bei Ferdinand Rubach, Magdeburg 1820, S. 132.
  3. Freiwillige Feuerwehr Magdeburg-Südost
  4. Aufstellung des Verbandes der Gartenfreunde Magdeburg
  5. Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Geographisches Institut, Arbeitsgruppe Heimatforschung (Hrsg.): Werte unserer Heimat. Band 19: Magdeburg und seine Umgebung. Akademie-Verlag, Berlin 1972, DNB 720208580, S. 117.
  6. Friedrich Großhennig: Ortschronik von Westerhüsen. S. 5.
  7. Einen interessanten Fund In: Volksstimme. 22. Juni 1920.
  8. Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. 2. Teil, Magdeburg 1842, S. 86.
  9. Allerlei aus elf Jahrhunderten. In: Evangelisches Gemeindeblatt Magdeburg-Westerhüsen. vermutlich 1942.
  10. Marta Doehler, Iris Reuther: Siedlungsentwicklung in Westerhüsen Magdeburg Südost. Landeshauptstadt Magdeburg 1995, S. 19.
  11. Friedrich Großhennig: Ortschronik von Westerhüsen. S. 9.
  12. Reinhard Spindler, Magdeburg im Dreißigjährigen Krieg in Magdeburger Stadtzeuge(n), Heft 15, Verlag Delta D Magdeburg 2009, ISBN 978-3-935831-43-7, Seite 47
  13. Reinhard Spindler, Magdeburg im Dreißigjährigen Krieg in Magdeburger Stadtzeuge(n), Heft 15, Verlag Delta D Magdeburg 2009, ISBN 978-3-935831-43-7, Seite 47
  14. Helmut Asmus: 1200 Jahre Magdeburg – die Jahre 1631-1848. Scriptumverlag, Halberstadt 1999, ISBN 3-933046-16-5, S. 26.
  15. Westerhüsen im dreißigjährigen Kriege. In: Evangelisches Gemeindeblatt. November 1939, Nr. 11
  16. Friedrich Großhennig: Ortschronik Westerhüsen. I. Teil, S. 58.
  17. Wilhelm Mannhardt: Mythologische Forschungen aus dem Nachlasse and Die Korndämonen. Ayer Publishing, 1978, ISBN 978-0-405-10551-7, S. 318. (Neuauflage der Veröffentlichungen von 1884 und 1868)
  18. Die Westerhüser Mühlen und Müller im Evangelischen Gemeindeblatt Magdeburg-Westerhüsen, 15. Jahrgang, Nr. 8, August 1938.
  19. Friedrich Magnus, Geschichte der Stadt Frohse an der Elbe, Stolberg a. H., 1885, Seite 96
  20. Friedrich Großhennig: Ortschronik von Westerhüsen im Stadtbezirk Magdeburg-SO. Manuskript im Stadtarchiv Magdeburg, Signatur 80/1035n, II. Teil, S. 29.
  21. Willy Otto Riecke, Chronik Prester Cracau, Selbstverlag Magdeburg 1932, S. 33.
  22. Friedrich Großhennig: Ortschronik von Westerhüsen im Stadtbezirk Magdeburg-SO. Manuskript im Stadtarchiv Magdeburg, Signatur 80/1035n, II. Teil, S. 38.
  23. Friedrich Großhennig: Ortschronik von Westerhüsen im Stadtbezirk Magdeburg-SO. Manuskript im Stadtarchiv Magdeburg, Signatur 80/1035n, II. Teil, S. 38 f.
  24. Karl Ludwig von Prittwitz, Beiträge zur Geschichte des Jahres 1813, Band 1, 1843, S. 360.
  25. Julius Laumann: Der Freiheitskrieg 1813/14 um Magdeburg. In: Sachsen und Anhalt. Jahrbuch der Landesgeschichtlichen Forschungsstelle für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Band 15, Magdeburg 1939, S. 267.
  26. Julius Laumann: Der Freiheitskrieg 1813/14 um Magdeburg. In: Sachsen und Anhalt. Jahrbuch der Landesgeschichtlichen Forschungsstelle für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Band 15, Magdeburg 1939, S. 293.
  27. Paul Schreckenbach: Der böse Baron von Krosigk. L. Staackmann Verlag, Leipzig 1926, S. 286. (Online, Kapitel 20)
  28. K.P.T. Schwencken: Aktenmäßige Nachrichten von dem Gauner- und Vagabundengesindel sowie von einzelnen professionierten Dieben, in den Ländern zwischen Rhein und Elbe nebst genauer Beschreibung ihrer Person. Hampesche Buchdruckerei, Cassel 1822, S. 125.
  29. Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg, 1842, Seite 347
  30. Kunstblatt. Beilage zu: Morgenblatt für gebildete Leser. 6. April 1843, 37. Jahrgang, Verlag der J.G. Cottaschen Buchhandlung, Stuttgart/ Tübingen, S. 123.
  31. Deutsches Postarchiv, 1875, Seite 69
  32. Ein bäuerliches Wirtschaftsbuch aus Westerhüsen. In: Evangelisches Gemeindeblatt Magdeburg-Westerhüsen. zwischen 1924 und 1942.
  33. Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg von 1859, Seite 205
  34. Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg, 1870, Seite 222
  35. Paul Ascherson: Flora der Provinz Brandenburg, der Altmark und des Herzogthums Magdeburg, Dritte Abteilung, Specialflora von Magdeburg. Verlag von August von Hirschwald, Berlin 1864.
  36. Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg, 1869, Seite 98
  37. Magdeburgische Zeitung. 17. März 1863, zitiert nach: Friedrich Großhennig: Ortschronik von Westerhüsen im Stadtbezirk Magdeburg-SO. Manuskript im Stadtarchiv Magdeburg, Signatur 80/1035n, II. Teil, S. 51.
  38. Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg, 1863, Seite 166
  39. Pastor Hosenthien (Hrsg.): Aus der Heimatgeschichte von Magdeburg Westerhüsen, Westerhüsens Krieger 1864, 1866, 1870/71. August 1942.
  40. Alexander von Lengerke: Der Ackerbau in dem Landgebiete der Städte. Verlag von Karl Wiegandt, Berlin 1850, S. 39.
  41. Die Westerhüser Fabriken. In: Evangelisches Gemeindeblatt Magdeburg-Westerhüsen. zwischen 1924 und 1942.
  42. Aus den Gerichtssälen In: Volksstimme. 6. Januar 1895.
  43. Dieter Sejak, Homepage zu Poststempeln (Memento vom 20. Juni 2013 im Internet Archive), letzter nachgewiesener Stempelabschlag Westerhüsen danach in einem Posteinlieferungsbuch vom 10. August 1913.
  44. Günter Kuntze: Unter aufgehobenen Rechten. Helmuth-Block-Verlag, Magdeburg 1992, ISBN 3910-173-77-7, S. 58.
  45. Chronik des Kleingärtnervereins Bergfrieden
  46. Befreiung vom Schlachthauszwang für die Stadtteile Fermersleben und Lemsdorf In: Volksstimme. 17. Februar 1920.
  47. Westerhüser Straßennamen. In: Gemeindeblatt Magdeburg-Westerhüsen.
  48. Westerhüsens Krieger 1864, 1866 und 1870/71. In: Aus der Heimatgeschichte von Magdeburg-Westerhüsen. August 1942.
  49. 125 Jahre Feuerwehr Magdeburg. Scriptum Verlag, Magdeburg 1999, ISBN 3-933046-23-8, S. 118.
  50. Westerhüsen im Ersten Weltkrieg. In: Aus der Heimatgeschichte von Magdeburg-Westerhüsen. August 1942.
  51. Kalender Magdeburg SüdOst 2014, Fermersleben, Salbke, Westerhüsen, Blatt August 2014; Magdeburg 2013
  52. Aus den Tagebüchern von Karl Gehrecke. In: Aus der Heimatgeschichte von Magdeburg-Westerhüsen. August 1942.
  53. Lageplan der Linienverlegung der Südlinie des Mittellandkanals von km. 112 bis zur Elbe (Westerhüsen). In: Vereinigung zur Förderung der südlichen Linie des Mittellandkanals (Hrsg.): Erläuterungsbericht über den Verbindungskanal Hadmersleben-Staßfurt-Bernburg a.d.Saale. Heft 9, 1917.
  54. Längenschnitt der Linien-Verlegung von km 112 bis zur Elbe bei Westerhüsen. In: Vereinigung zur Förderung der südlichen Linie des Mittellandkanals (Hrsg.): Erläuterungsbericht über den Verbindungskanal Hadmersleben-Staßfurt-Bernburg a.d.Saale. Heft 9, 1917.
  55. Magdeburg im Ersten Weltkrieg 1914 bis 1918, Eine Großstadt an der Heimatfront, Hrsg.: Maren Ballerstedt, Gabriele Köster, Maik Hattenhorst, mitteldeutscher verlag Halle (Saale) 2014, ISBN 978-3-95462-307-5, Seite 108
  56. Der Raubüberfall bei Sohlen vor dem Schwurgericht. In: Volksstimme. 20. April 1920.
  57. Westerhüsen. In: Volksstimme. 17. Februar 1921.
  58. Ein Bebauungsplan für das Gelände südlich von Westerhüsen. In: Volksstimme. 19. November 1920.
  59. Großhennig: Ortschronik Westerhüsen. S. 8.
  60. Peter-Ernst Schmidt: Fremd-, Zwangs-, KZ-, Kriegsgefangenen- und Arbeitserziehungslager während der NS-Zeit in Magdeburg. März 2007.
  61. Ein großer Tag In: Volksstimme. 8. September 1931.
  62. Vorort-Sorgen In: Volksstimme. 9. Oktober 1931.
  63. Ertrunken. In: Volksstimme. 23. Juli 1920.
  64. Leichenlandung. In: Volksstimme. 25. Juli 1920.
  65. Werner Burghardt: Die Flurnamen Magdeburgs und des Kreises Wanzleben. Böhlau Verlag, Köln/ Graz 1967, S. 65.
  66. Georges Goris: Arbeitserinnerungen. In: Erinnerungen.
  67. Magdeburger Adreßbuch 1939.
  68. Liste der Luftschutzpolizei Magdeburg, Beilage zu: Matthias Puhle (Hrsg.): "Dann färbte sich der Himmel blutrot...", Die Zerstörung Magdeburgs am 16. Januar 1945. Magdeburg 1995, ISBN 3-930030-12-8.
  69. Helmut Menzel, Das Flakregiment 52 und die Luftverteidigung Magdeburgs 1939 bis 1945, Magado-Selbstverlag Burg, 2018, Seite 126 f.
  70. Helmut Menzel, Das Flakregiment 52 und die Luftverteidigung Magdeburgs 1939 bis 1945, Magado-Selbstverlag Burg, 2018, Seite 346
  71. Matthias Puhle (Hrsg.): "Dann färbte sich der Himmel blutrot...", Die Zerstörung Magdeburgs am 16. Januar 1945. 1995, S. 126.
  72. Peter Wittig: Elbe-Operation. Beyer Verlag Sachsen für Kultur und Geschichte, Dresden 2009, ISBN 978-3-9809520-0-2, S. 20.
  73. Georges Goris: Der Einmarsch der Amerikaner am 11. April 1945. In: Erinnerungen.
  74. Peter Wittig: Elbe-Operation. Beyer Verlag Sachsen für Kultur und Geschichte, Dresden 2009, ISBN 978-3-9809520-0-2, S. 27 ff.
  75. Heinz Ulrich: Die Infanterie-Division „Scharnhorst“. Ziethen Verlag, Oschersleben 2011, ISBN 978-3-86289-016-3, S. 18.
  76. Günther W. Gellermann: Die Armee Wenck – Hitlers letzte Hoffnung. Bernard & Graefe Verlag, Koblenz 1990, ISBN 3-7637-5870-4, S. 54.
  77. Heinz Ulrich: Die Infanterie-Division „Scharnhorst“. Ziethen Verlag, Oschersleben 2011, ISBN 978-3-86289-016-3, S. 18.
  78. Heinz Ulrich: Die Infanterie-Division „Scharnhorst“. Ziethen Verlag, Oschersleben 2011, ISBN 978-3-86289-016-3, S. 20.
  79. Peter Wittig: Elbe-Operation. Beyer Verlag Sachsen für Kultur und Geschichte, Dresden 2009, ISBN 978-3-9809520-0-2, S. 60 ff.
  80. Günther W. Gellermann: Die Armee Wenck – Hitlers letzte Hoffnung. Bernard & Graefe Verlag, Koblenz 1990, ISBN 3-7637-5870-4, S. 54 f.
  81. Günther W. Gellermann: Die Armee Wenck – Hitlers letzte Hoffnung. Bernard & Graefe Verlag, Koblenz 1990, ISBN 3-7637-5870-4, S. 55.
  82. Matthias Puhle (Hrsg.): "Dann färbte sich der Himmel blutrot...", Die Zerstörung Magdeburgs am 16. Januar 1945. Magdeburg 1995, S. 130.
  83. Friedrich Großhennig: Ortschronik Westerhüsen. S. 63.
  84. Jeannette Michelmann: Die Aktivisten der ersten Stunde. Die Antifa 1945 in der sowjetischen Besatzungszone zwischen Besatzungsmacht und Exil-KPD. Weimar, 2002, S. 283; dort zitiert eine Pressemitteilung Baers vom 18. Mai 1945, StA Magdeburg Rep 41, O-C 20
  85. Friedrich Großhennig: Ortschronik von Westerhüsen im Stadtbezirk Magdeburg-SO. Manuskript im Stadtarchiv Magdeburg, Signatur 80/1035n, II. Teil, S. 86.
  86. Unglück durch Streichhölzer in der Berliner Zeitung vom 23. Dezember 1956, Seite 2
  87. 125 Jahre Feuerwehr Magdeburg. Scriptum Verlag, Magdeburg 1999, ISBN 3-933046-23-8, S. 120.
  88. UdSSR-Mannschaftssieg im Motorradmehrkampf in Neues Deutschland vom 25. August 1975, Seite 8
  89. W. A. Relßieg: Sagen und Legenden der Stadt Magdeburg und Umgegend. Band 2. Druck und Verlag der Fryntaschen Buchdruckerei, Magdeburg 1847, S. X ff.
  90. Olaf Meister, Ortssagen aus Westerhüsen und Umgebung, epubli Berlin 2019, ISBN 978-3-748572-28-2, Seite 60 ff.
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