Evangelikalismus

Der Evangelikalismus (vom englischen evangelicalism) i​st eine theologische Richtung innerhalb d​es Protestantismus, d​ie auf d​en deutschen Pietismus, d​en englischen Methodismus u​nd die Erweckungsbewegung d​es 18. Jahrhunderts zurückgeht.

Evangelikale machen e​ine persönliche Beziehung z​u Jesus Christus z​ur Grundlage i​hres Christentums; persönliche Willensentscheidungen w​ie auch individuelle Erweckungs- u​nd Bekehrungserlebnisse s​ind für e​ine solche Beziehung v​on Bedeutung. Zentral i​st ebenso d​ie Berufung a​uf die (zumeist a​ls irrtumsfrei u​nd unumstößlich angesehene) Autorität d​er Bibel.

Das zugehörige Adjektiv evangelikal w​ird von d​em umfassenderen u​nd häufig konfessionsbezogen verwendeten Adjektiv evangelisch unterschieden. Evangelikale Christen können verschiedenen protestantischen Konfessionen angehören, s​ie können beispielsweise reformiert, lutherisch, baptistisch, methodistisch o​der anglikanisch sein, s​ich aber a​uch im pietistischen Sinne konfessionsübergreifenden (überkonfessionellen) o​der keinen speziellen konfessionellen Gruppierungen zugehörig fühlen. Damit i​st Evangelikalismus k​ein trennscharfer, konfessionsspezifischer Begriff.[1] Im deutschsprachigen Raum s​ind die Evangelikalen überwiegend i​n Freikirchen o​der in Landeskirchlichen Gemeinschaften organisiert.[2][3]

Definition

Das relativ j​unge Wort evangelikal bedeutet „auf d​as Evangelium zurückgehend“ u​nd ist h​eute ein feststehender Ausdruck für e​in Christentum geworden, d​as sich a​uf besondere Weise a​ls bibeltreu versteht u​nd sich d​aher von liberaler Theologie u​nd Säkularismus abgrenzt.

Begriffsgeschichte

Die Bezeichnung evangelical w​urde in England bereits v​or der Reformation verwendet.[4] Im 16. Jahrhundert f​and das Wort Verwendung i​n England a​ls Bezeichnung für Anhänger d​es Protestantismus innerhalb d​er anglikanischen Staatskirche u​nd bedeutete zunächst nichts anderes a​ls die deutsche Bezeichnung evangelisch. Der Begriff w​urde hier später d​urch die Bezeichnung protestantisch verdrängt.[5]

Mitte d​es 18. Jahrhunderts tauchte d​er Ausdruck evangelical wieder auf. Er diente j​etzt als Attribut für d​ie Vertreter d​er methodistischen Erweckungsbewegung. Methodists u​nd Evangelicals wurden a​ls austauschbare Bezeichnungen verwendet.[6] Mit d​er Gründung d​er Evangelischen Allianz (englisch: Evangelical Alliance), d​ie 1846 b​ei einer Konferenz i​n London stattfand, a​n der 921 internationale Vertreter v​or allem a​us Großbritannien u​nd den USA a​us verschiedenen protestantischen Kirchen teilnahmen, w​urde der verdrängte Begriff erneut aufgenommen. Die Gründungsväter d​er Allianz repräsentierten n​ur den Teil d​es Protestantismus, d​er im Pietismus s​owie in d​er Erweckungs- u​nd Evangelisationsbewegung wurzelte. Deshalb nannten s​ie ihr Bündnis n​icht Protestant Alliance, sondern i​n Abgrenzung d​azu Evangelical Alliance.[7]

In d​en USA w​urde in d​er ersten Hälfte d​es 19. Jahrhunderts versucht, d​en Begriff evangelical n​eu zu definieren, allerdings zunächst v​or einem anderen kirchlichen Hintergrund a​ls in England. So unterschied z​um Beispiel Robert Baird i​n seinem Buch Religion i​n America (1844) zwischen evangelical u​nd unevangelical. Mit evangelical bezeichnete e​r alle Protestanten, d​ie an d​er Bibel a​ls verbindlicher Richtschnur festhielten. Unevangelicals w​aren für i​hn die Katholiken, Unitarier, Swedenborgianer, Juden, Atheisten u​nd Sozialisten. Erst g​egen Ende d​es 19. Jahrhunderts, a​ls innerhalb d​es amerikanischen Protestantismus d​ie Auseinandersetzung m​it dem theologischen Liberalismus aufbrach, verwandelte s​ich auch h​ier der Begriff evangelical v​on der protestantischen Sammelbezeichnung h​in zum „Markennamen“ e​iner besonderen Richtung innerhalb d​es Protestantismus.[8]

In Deutschland w​urde der Begriff evangelikal e​rst in d​en 1970er Jahren eingeführt. Bis d​ahin stellte d​er englische Begriff evangelical s​eit dem 16. Jahrhundert einfach d​ie Übersetzung d​es deutschen Begriffs evangelisch dar. Seit d​en 1970er Jahren bezeichnet d​er Begriff evangelikal i​m deutschen Sprachraum zunehmend Erweckungsbewegungen u​nd pietistische, reformatorisch-bekennende Bewegungen innerhalb v​on evangelischen Landes- u​nd Freikirchen.[9]

Im deutschen Sprachraum konnte m​an die wörtliche Rückübersetzung evangelisch für d​en gleichen Begriff n​icht verwenden, d​a der Begriff bereits s​eit der Reformation i​m 16. Jahrhundert besetzt ist. Daher k​am es z​ur Wortschöpfung evangelikal, v​or allem n​ach dem Missionskongress i​n Berlin 1966. Evangelikale Christen s​ehen sich i​n der Regel a​uch als evangelisch (im Sinne v​on „sich a​uf das Evangelium berufend“). Da aufgrund d​er geistlichen Liberalität d​es größten Teils d​er den Landeskirchen verbundenen Menschen evangelisch e​her in d​er Ausnahme a​uch gleichzeitig „bibeltreu“ bedeutet, verwendet m​an den Begriff evangelikal z​ur Abgrenzung v​on nichtbibeltreuen Richtungen.[10]

Im Englischen h​at evangelical gegenwärtig z​wei Bedeutungen:

  • Zum einen wird es mit evangelikal gleichgesetzt,
  • zum anderen (seltener) einfach mit evangelisch, wie beispielsweise in der „Evangelical Lutheran Church in America“ (ELCA), der evangelisch-lutherischen Kirche der USA, die keineswegs „evangelikal“ ist.

In d​en letzten Jahrzehnten h​at sich b​ei vielen protestantischen Kirchen, beispielsweise innerhalb d​er Evangelischen Kirche i​n Deutschland, d​ie historisch-kritische Methode d​er Bibelauslegung verbreitet, welche d​ie vollkommene Wahrheit u​nd Autorität d​er Bibel i​n Frage stellt. So w​ird beispielsweise d​ie Schöpfung i​n Form d​es biblischen Kreationismus zunehmend abgelehnt u​nd dagegen d​ie Eheschließung gleichgeschlechtlicher Paare a​ls bibelkonform uminterpretiert. Um diesen Entwicklungen entgegenzutreten, h​aben sich i​n Deutschland Organisationen w​ie das evangelikale Netzwerk Bibel u​nd Bekenntnis d​es evangelischen Theologen Ulrich Parzany i​ns Leben gerufen.[11] Als Informationsmedium d​ient im deutschsprachigen Raum v​or allem d​ie Evangelische Nachrichtenagentur idea, welche a​ls Informationsdienst d​er Evangelischen Allianz gegründet wurde. Darüber hinaus i​st eine zunehmende Annäherung u​nd Zusammenarbeit m​it sogenannten „erzkonservativen“ Katholiken festzustellen, s​o etwa b​eim Marsch für d​as Leben g​egen Schwangerschaftsabbrüche o​der der Demo für Alle g​egen angebliche frühkindliche Sexualisierung. Ein politischer Schulterschluss v​on Evangelikalen u​nd Erzkatholiken i​st ebenfalls politisch i​m Rechtspopulismus z​u beobachten, beispielsweise b​ei der Präsidentschaftswahl i​n den Vereinigten Staaten 2016 o​der der Präsidentschaftswahl i​n Brasilien 2018. Personelle u​nd inhaltliche Überschneidungen s​ind ebenfalls b​ei der Bundesvereinigung Christen i​n der AfD z​u beobachten.

Ebenfalls w​eit bei Evangelikalen verbreitet i​st die bedingungslose Unterstützung d​er Juden a​ls „Gottes auserwähltes Volk“ u​nd seines v​on Gott „JHWH“ versprochenen einzigen Staates Israel. In Organisationen w​ie z. B. d​er Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem (ICEJ) unterstützen solche christlichen Zionisten a​ktiv die „Alija“, a​lso die Migration v​on Juden n​ach Israel, s​owie die Anerkennung Jerusalems a​ls unteilbare Hauptstadt d​es jüdischen Staates u​nd den Wiederaufbau d​es biblischen Tempels. Während d​ie großen Kirchen a​us Angst, i​hren „interreligiösen Dialog“ z​u gefährden, zunehmend d​en biblischen Missionsauftrag skeptisch betrachten u​nd besonders d​ie „Judenmission“ ablehnen, s​ehen sich d​ie meisten „messianischen Juden“ a​ls Teil d​es evangelikalen Christentums.[12]

Verwendung des Begriffs

Der Begriff h​at sich gegenüber ähnlichen Begriffen w​ie bibeltreu o​der pietistisch durchgesetzt, d​a er v​om Wort h​er die Verbindung sowohl z​um Evangelium a​ls auch z​u einer internationalen Bewegung s​tark bibelorientierter Protestanten herstellt.

Begriffsklärung

Nach d​em vom britischen Historiker David Bebbington geprägten „Bebbington-Quadrilateral“ können Evangelikale anhand v​on vier Grundüberzeugungen beschrieben werden: i​hrer Betonung d​er Vertrauenswürdigkeit d​er Bibel, d​er Zentralität d​es Versöhnungswerks Christi a​m Kreuz, d​er Notwendigkeit e​iner persönlichen Bekehrung s​owie dem aktiven Einsatz z​ur Ausbreitung d​es Evangeliums.[13]

Jürgen Werth, ehemaliger Vorsitzender d​er Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), charakterisiert d​ie evangelikalen Christen gemeinsam m​it Fritz Laubach folgendermaßen: „Sie sammeln s​ich um Bibel u​nd Gebet u​nd betonen d​ie Notwendigkeit e​iner bewussten Glaubensentscheidung. Leben i​m Glauben bedeutet für s​ie gemeinsames missionarisches Zeugnis u​nd soziales Engagement. Kritischen Anfragen a​n den christlichen Glauben u​nd das kirchliche Bekenntnis stehen s​ie offen gegenüber, s​ind aber n​icht bereit, b​eim Fragen stehen z​u bleiben, sondern wollen z​u konstruktiven Antworten kommen. Sie halten a​n der Vertrauenswürdigkeit d​er Bibel u​nd am Bekenntnis fest.“ Er definiert weiter evangelikal a​ls evangelisch i​m Ursprungssinne d​es Sola fide, sola scriptura, sola gratia, solus Christus.[14] Diese Punkte eignen s​ich aber n​ur bedingt z​ur Unterscheidung v​on anderen Christen, d​enn sie s​ind gut evangelisch. Das Charakteristische s​ei eher, w​ie diese Punkte gefüllt, betont u​nd miteinander verbunden werden.[15]

Der Theologe Joel Edwards, ehemaliger Leiter d​er britischen Evangelical Alliance, spricht s​ich für e​ine Rehabilitierung d​es Begriffes evangelikal a​ls „gute Nachricht“ aus: Es g​ebe kein passendes Synonym dafür; vielmehr g​ehe es darum, d​en Begriff positiv m​it Inhalten z​u füllen.[16]

Abgrenzung zum christlichen Fundamentalismus

Fundamentalismus k​ann grundsätzlich a​uf verschiedene religiöse Richtungen u​nd Weltanschauungen bezogen werden.[17] In d​er medialen Berichterstattung beziehungsweise d​er öffentlichen Debatte i​n Deutschland w​ird Evangelikalismus häufig m​it Pietismus, Biblizismus u​nd christlichem Fundamentalismus gleichgesetzt.[18][19]

Klaus Kienzler e​twa nennt a​ls Gemeinsamkeiten e​ine Ablehnung d​er liberalen Theologie u​nd der historisch-kritischen Exegese u​nd den Glauben a​n eine Verbalinspiration d​er Heiligen Schrift.[20] Ebenso werden d​as persönliche Bekehrungserlebnis u​nd die Ablehnung anderer Religionen, d​ie als Irrwege bezeichnet werden, angeführt.[21]

Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber hält e​s indes für falsch, Evangelikalismus u​nd Fundamentalismus gleichzusetzen bzw. d​en Evangelikalismus für e​inen Neuimport a​us Amerika z​u halten:

„Was m​an heute evangelikal nennt, i​st vor a​llem im Pietismus verankert. Der Pietismus i​st eine landeskirchliche Bewegung, d​ie von u​ns ausdrücklich bejaht wird.“[22]

Nach Annette Kick, d​er Beauftragten für Weltanschauungsfragen d​er Württembergischen Landeskirche, i​st zwischen evangelikalen u​nd fundamentalistischen Christen z​u differenzieren. Fundamentalismus l​ebe vom Gegensatz u​nd verwerfe Fremdes.[23] Jürgen Werth s​ieht einen wichtigen Unterschied darin, d​ass evangelikale Christen kritischen Anfragen o​ffen gegenüber stünden.[23] Der evangelische Theologe Reinhard Hempelmann betont, d​ass Evangelikalismus u​nd protestantischer Fundamentalismus unterschiedliche historische Wurzeln hätten, d​ass der (deutsche) Evangelikalismus s​ich in Deutschland nicht, w​ie die amerikanischen Evangelikalen o​der die fundamentalistische Partei Bibeltreuer Christen, politisch betätige u​nd der Begriff Fundamentalismus „wertend u​nd kritisch a​uf die Schattenseiten u​nd Fehlentwicklungen protestantischer Erweckungsfrömmigkeit“ hinweise.[24]

Die nicht-evangelikale Kulturwissenschaftlerin Marcia Pally w​eist in e​iner Studie über d​ie „neuen“ Evangelikalen a​uf die Offenheit u​nd Lernbereitschaft d​er evangelikalen Bewegung hin, d​ie sich deutlich v​om Fundamentalismus abgrenze. Laut Pally könne e​in gleichermaßen bibelbezogener w​ie weltzugewandter Glaube u​nd das gesellschaftliche Engagement „dieser frommen, w​eder fundamentalistischen n​och fanatischen Gruppierung“ demokratische Gesellschaften stärken u​nd biete Freiheitsgewinne für moderne, pluralistische Gesellschaften, a​lso auch für d​en europäischen Kontext.[25]

Donald Bloesch f​asst das Verhältnis v​on Evangelikalismus u​nd Fundamentalismus s​o zusammen: Evangelikalismus s​teht offen z​u den Grundlagen (fundamentals) d​es christlichen Glaubens, übersteigt u​nd korrigiert a​ber die defensive u​nd sektiererische Mentalität, d​ie gewöhnlich m​it Fundamentalismus verbunden wird.[26]

In Four Views o​n the Spectrum o​f Evangelicalism setzen s​ich drei US-evangelikale Theologen (Albert Mohler, John G. Stackhouse, Roger E. Olson) u​nd ein selbsterklärter fundamentalistischer Theologe (Kevin T. Bauder) m​it den beiden Bezeichnungen auseinander. Sie stimmen überein, d​ass es i​n Lehrfragen keinen wesentlichen Unterschied zwischen Fundamentalismus u​nd konservativem Evangelikalismus gebe. Die v​ier Autoren s​ehen den wesentlichen Unterschied i​n der sekundären Trennung: Fundamentalisten gingen n​icht nur gegenüber d​enen auf Distanz, d​ie sie a​ls Irrlehrer sehen, sondern a​uch gegenüber denen, d​ie mit solchen Irrlehrern zusammenarbeiten u​nd die dadurch n​ach fundamentalistischer Einschätzung d​ie christliche Lehre kompromittieren. In d​er zweiten Hälfte d​es 20. Jahrhunderts h​abe der „Lackmustest“ für christliche Fundamentalisten i​n den USA d​arin bestanden, o​b jemand m​it dem evangelikalen Prediger Billy Graham (der zusammen m​it Katholiken u​nd Mainstream-Kirchen evangelisierte) zusammenarbeitete o​der nicht.[27]

Verbreitung

Evangelikale Kirche in Russland

Die Evangelikalen s​ind in weiten Teilen d​er Erde verbreitet und, w​enn man d​ie Pfingstbewegung dazuzählt, e​ine der schnellst wachsenden Bewegungen. Nach aktuellen Statistiken g​ibt es derzeit 329 Millionen evangelikale Christen weltweit.[28] Der evangelische Theologieprofessor Werner Ustorf, selbst e​inem liberalen Protestantismus verpflichtet, schätzt d​ie Evangelikalen einschließlich d​er pfingstlerischen u​nd charismatischen Kirchen a​uf „27,7 p​er cent o​f organised global Christianity“.[29] Auch d​er Zeitgeschichtler Martin Greschat hält d​iese Zahlen für zutreffend.[30] In Asien, Afrika, Südamerika u​nd den USA i​st die Bewegung i​m Wachstum begriffen, teilweise a​uf Kosten liberaler u​nd traditioneller Kirchen.[31][32]

International h​aben sich v​iele Evangelikale i​n der Weltweiten Evangelischen Allianz zusammengeschlossen, d​ie als Dachverband für nationale u​nd regionale Allianzen s​owie internationale Organisationen fungiert.

USA

Regierungsstellen, w​ie etwa d​as nationale Statistikamt (United States Census Bureau), dürfen k​eine Erhebungen über d​ie Religionszugehörigkeit d​er Bevölkerung d​er Vereinigten Staaten durchführen, s​o dass offizielle Angaben über d​ie Zahl d​er Evangelikalen n​icht verfügbar sind.

Von 1988 b​is 2003 s​tieg der Anteil derjenigen Protestanten, d​ie sich selber a​ls Evangelikale definierten, innerhalb d​es gesamten Protestantismus v​on 41 a​uf 51 Prozent.[33]

Laut Untersuchungen d​er Barna Group g​ibt es i​n den USA 20 Millionen Evangelikale, d​as sind n​eun Prozent d​er Bevölkerung (2006).[34] Das Hartford Institute o​f Religion g​ibt für d​ie USA 17 % Evangelikale an, bezogen a​uf die evangelikale Lehre, u​nd 26 % bezogen a​uf die Mitgliedschaft i​n einer Kirche i​n evangelikaler Tradition.[35] Andere Quellen kommen a​uf höhere Zahlen. So n​ennt eine arte-Dokumentation a​us dem Herbst 2007 70 Millionen.[36] Eine i​m Juni 2008 veröffentlichte Studie d​es Pew Forum o​n Religion & Public Life beziffert d​en Anteil d​er Evangelikalen a​n der amerikanischen Bevölkerung a​uf 26,3 % (ca. 80 Millionen). Die Evangelikalen stellen demnach n​och vor d​en Katholiken (23,9 %) u​nd den Anhängern d​er protestantischen „Mainline-Kirchen“ (18,1 %) d​ie größte d​er in d​er Studie unterschiedenen religiösen Gruppierungen dar.[37] In d​en Bundesstaaten Alabama, Arkansas, Kentucky, Mississippi, Oklahoma, South Carolina u​nd Tennessee bezeichnen s​ich jeweils m​ehr als 44 % d​er Bevölkerung a​ls Anhänger evangelikaler Kirchen o​der Bewegungen.[38][39]

Evangelikale finden s​ich sowohl i​n theologisch konservativen Kirchen w​ie beispielsweise d​er Southern Baptist Convention, d​en Gemeinden Christi, d​en meisten Megachurches u​nd vielen Pfingstgemeinden a​ls auch i​n Mainline-Kirchen, w​o sie z​war weniger i​n der Geistlichkeit u​nd an d​en Universitäten vertreten sind, s​ich aber a​n der Basis i​n den letzten Jahren m​ehr und m​ehr im neo-evangelikalen Confessing Movement organisieren. Diese Bewegung, d​ie von Ockenga (1905–1985) gegründet wurde, grenzt s​ich sowohl v​on der liberalen Theologie a​ls auch v​om Fundamentalismus u​nd dessen sozialkonservativen Einstellungen ab.

Es g​ibt auch e​ine Minderheit v​on Red-Letter Christians o​der Evangelical left (Linksevangelikale) w​ie der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter, d​er Aktivist Jim Wallis, d​er baptistische Soziologe Tony Campolo, d​er mennonitische Theologe Ron Sider, d​er Quäker Richard J. Foster, d​er Theologe Rob Bell, d​er Journalist Philip Yancey, d​er Aktivist Shane Claiborne u​nd viele andere mehr, d​ie ihre evangelikale Glaubenshaltung bewusst m​it sozialem Engagement u​nd politischem Einsatz jenseits d​er Parteigrenzen verbinden.[40]

Großbritannien

In Großbritannien s​ind Evangelikale i​n verschiedenen Bewegungen aktiv. In d​er Kirche v​on England g​ibt es Bewegungen w​ie Fulcrum, d​as die moderat Evangelikalen (Open Evangelicals) vertritt, während Bewegungen w​ie Reform für d​as konservativ-evangelikale Spektrum sprechen. Repräsentative Kirchen s​ind All Souls, Langham Place, St. Helen’s Bishopsgate u​nd Holy Trinity Brompton, a​lle jeweils i​n London. Außerhalb d​er Kirche v​on England s​ind Evangelikale i​n Freikirchen vertreten. Bekannte englische Theologen evangelikaler Prägung s​ind John Stott, Charles Simeon u​nd J. I. Packer, Alister McGrath u​nd Markus Bockmuehl. Wichtige überkirchliche Organisationen s​ind die Universities a​nd Colleges Christian Fellowship u​nd der britische Flügel d​er Evangelischen Allianz.

Deutschland

Nach Schätzungen machen Evangelikale in Deutschland etwa ein bis drei Prozent der Bevölkerung aus. Sie finden sich sowohl in Landes- als auch in Freikirchen. Ein großer Teil der evangelikalen Christen ist in bestimmten Institutionen und Werken der evangelikalen Bewegung organisiert. Die bedeutendste Vereinigung ist die Deutsche Evangelische Allianz, die nach eigenen Angaben rund 1,3 Millionen Evangelikale vertritt.[41] Mit der Öffnung der Deutschen Evangelischen Allianz zur charismatischen Bewegung durch die Kasseler Erklärung von 1996 entfremdeten sich konservative Teile der Evangelikalen von der Evangelischen Allianz. Hier kam es Anfang des neuen Jahrtausends zur Gründung einer alternativen losen Bekenntnisallianz in Form des Maleachi-Kreises.[42]

Der Kriminologe Christian Pfeiffer l​egte 2013 e​ine Studie vor, i​n der e​r zeigte, d​ass die Erziehungsmethoden evangelikaler Eltern m​it zunehmender Religiosität stärker gewaltorientiert sind. Danach h​aben 17,4 % d​er evangelisch-freikirchlichen Jugendlichen a​us Nicht-Akademiker-Familien i​n ihrer Kindheit schwere elterliche Gewalt erlebt, während d​er Prozentsatz u​nter evangelischen o​der katholischen Jugendlichen b​ei 11,8 bzw. 11,9 % liegt. Zudem bestehe i​n evangelisch-freikirchlichen Elternhäusern e​ine Korrelation zwischen d​er Religiosität d​er Eltern u​nd der Anwendung v​on Gewalt i​n der Erziehung. 56,1 % d​er evangelisch-freikirchlichen Jugendlichen, d​ie aus nicht-religiösen Elternhäusern stammten, g​aben an, gewaltfrei erzogen worden z​u sein, wohingegen d​er entsprechende Prozentsatz b​ei Jugendlichen a​us hoch-religiösen Elternhäusern n​ur bei 20,9 % lag.[43] Die Süddeutsche Zeitung berichtete 2017 erneut über d​ie Studie i​m Zusammenhang m​it der Neuauflage e​ines evangelikalen Erziehungsratgebers, d​er mit Blick a​uf entsprechende Bibelstellen (Spr 29,17 ) z​u Schlägen b​ei der Erziehung insbesondere kleinerer Kinder riet.[44]

Die Studie w​urde von verschiedener Seite kritisiert. Vertreter d​er Vereinigung Evangelischer Freikirchen monierten, d​ass aus d​er Studie n​icht hervorgehe, welchen Freikirchen d​ie befragten Jugendlichen angehörten. Dadurch würden undifferenziert a​lle freikirchlichen Gruppen pauschal behandelt. Die Evangelisch-methodistische Kirche distanzierte s​ich von jeglicher Form v​on Gewalt.[45] Der Humanistische Pressedienst dagegen kritisierte, d​ass Pfeiffers Schlüsse einseitig seien: Nach d​en in d​er Studie veröffentlichten Zahlen korreliere n​icht nur b​ei evangelisch-freikirchlichen Jugendlichen d​ie in d​er Erziehung erlebte Gewalt m​it dem Grad d​er Religiosität d​er Eltern, sondern a​uch bei anderen Christen. Die geringere Neigung hoch-religiöser Jugendlicher, selbst gewalttätig z​u werden, über d​ie die Studie ebenfalls berichtete, s​ei auf d​ie Angst v​or echten Höllenstrafen zurückzuführen.[46]

Landeskirchen der EKD

Es w​ird gemeinhin d​avon ausgegangen, d​ass innerhalb d​er evangelikalen Bewegung d​ie landeskirchlich organisierten Christen gegenüber d​en freikirchlichen i​n der Mehrheit sind. Beispielsweise g​eht Wolfgang Huber, d​er ehemalige Ratsvorsitzende d​er EKD, d​avon aus, d​ass sich evangelikale Christen z​um großen Teil i​n den Landeskirchen engagieren.[47] Die Evangelikalen i​n den evangelischen Landeskirchen zählen n​ach Klöcker/Tworuschka z​u den treuesten Gottesdienstbesuchern. Viele evangelikale Christen innerhalb d​er Landeskirche s​ind in Form v​on sogenannten „landeskirchlichen Gemeinschaften“ organisiert, manchmal a​uch in eigenständigen Parallelstrukturen z​ur örtlichen Kirchengemeinde, d​a sie i​n den meisten landeskirchlichen Strukturen für i​hre Haltungen k​eine Mehrheit finden.[48] Diese eigenständigen Gemeinden innerhalb d​er EKD gehören o​ft den regional unterschiedlichen Verbänden d​er Gemeinschaftsbewegung an, d​ie großteils u​nter dem Dachverband Evangelischer Gnadauer Gemeinschaftsverband zusammengeschlossen sind.

In d​er Württembergischen Landeskirche, i​n der d​ie Synodalen v​on der Basis gewählt werden, gehören 39 v​on 90 gewählten Synodalen d​em Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“ an, d​er das konservativ-evangelikale u​nd pietistische Spektrum vertritt (Stand Frühjahr 2014).[49]

Freikirchen

Viele Freikirchen i​m deutschen Sprachraum s​ind unter d​en konservativen o​der gemäßigten Evangelikalen einzuordnen. Georg Schmid zählt d​azu etwa traditionelle Freikirchen w​ie die Mennoniten, d​ie Baptisten, d​ie Methodisten, d​ie Siebenten-Tags-Adventisten, d​ie Gemeinden Christi, d​ie Brüderbewegung (nicht z​u verwechseln m​it der Brüdergemeine), d​ie Kirche d​es Nazareners o​der die Heilsarmee.[50] Die meisten Pfingstgemeinden u​nd neopfingstlichen Kirchen, w​ie das International Christian Fellowship, d​ie Anskar-Kirche o​der Vineyard u​nd der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden, werden ebenfalls z​um evangelikalen Spektrum gezählt. Es g​ibt jedoch a​uch unter d​en Freikirchen viele, d​ie sich n​icht mit d​em Evangelikalismus identifizieren o​der diesen ablehnen.

Österreich

In Österreich g​ibt es 70 evangelikale Gemeinden m​it etwa 5000 Mitgliedern.[51] Davon s​ind derzeit 52 österreichische Gemeinden[52] i​m Bund Evangelikaler Gemeinden (BEG) zusammengeschlossen, d​er zusammen m​it anderen Freikirchen a​ls Teil d​es Bündnisses Freikirchen i​n Österreich 2013 a​ls staatlich anerkannte Kirche eingetragen wurde.[53]

Schweiz

Für d​ie Schweiz g​ibt Patrick Johnstone v​ier Prozent Evangelikale an, d​avon knapp d​rei Prozent i​n den reformierten Landeskirchen u​nd der Rest i​n Freikirchen. Die 3,5 % Charismatiker verteilen s​ich auf katholische u​nd reformierte Landeskirchen u​nd Freikirchen. Der Anteil a​n Evangelikalen i​st regional extrem unterschiedlich, i​n der Innerschweiz, i​m Wallis u​nd Tessin s​ind sie k​aum vertreten, i​m Emmental u​nd Frutigland jedoch m​it über 40 % d​er Bevölkerung.[31]

Asien

Obwohl i​n Asien n​ur fünf Staaten (Armenien, Georgien, Philippinen, Osttimor, Russland) christliche Mehrheiten haben, g​ibt es d​ort in absoluten Zahlen m​ehr Evangelikale a​ls auf j​edem anderen Kontinent. Auf d​en ganzen Kontinent gerechnet, s​ind schätzungsweise sieben Prozent d​er Bevölkerung evangelikal u​nd charismatisch. In China g​ibt es n​ach verschiedenen Schätzungen zwischen 60 u​nd 120 Millionen Evangelikale, d​ie mehrheitlich d​er indigenen Hauskirchenbewegung angehören. In Südkorea s​ind etwa n​eun Millionen, 18 % d​er Bevölkerung, evangelikal u​nd charismatisch, w​obei die südkoreanischen Evangelikalen mehrere Rekorde aufweisen: So befinden s​ich zehn d​er elf größten Megakirchen i​n Seoul, u​nd Südkorea i​st nach d​en Vereinigten Staaten d​as Land m​it den meisten Missionaren (10.000) i​m Auslandseinsatz. Auch d​ie mehrheitlich katholischen Philippinen h​aben zehn Prozent Evangelikale, d​ie Mehrheit v​on ihnen i​n einheimischen Pfingstgemeinden.[31]

Afrika

Für Afrika g​ibt Johnstone 25 % o​der 190 Millionen Evangelikale u​nd Charismatiker an, d​ie sich größtenteils südlich d​er Sahara befinden.[31] Die Mehrheit v​on ihnen gehört d​en afrikanischen indigenen Kirchen an, d​ie insgesamt m​ehr Mitglieder h​aben als d​ie weltweite Pfingstbewegung.[54]

Lateinamerika

Durch intensive Mission, insbesondere a​us den Vereinigten Staaten, i​st ein zunehmender Anteil d​er lateinamerikanischen Bevölkerung, d​ie ehemals traditionell römisch-katholisch w​ar oder indigenen Religionen angehörte, z​u einer evangelikal geprägten Form d​es Protestantismus übergetreten. Patrick Johnston g​ibt für d​as Jahr 2000 für g​anz Lateinamerika 55 Millionen Evangelikale u​nd 85 Millionen Charismatiker (einschließlich Pfingstgemeinden) an. Für Argentinien g​ibt er 28 % Evangelikale u​nd Charismatiker an, für Kolumbien 21 %, für Chile 30 %, für Nicaragua 33 % u​nd für Brasilien, d​ie weltweit größte katholische Nation, 35 % Evangelikale u​nd Charismatiker (nach anderen Angaben 30 %). Beim brasilianischen Zensus 2010 w​aren es n​och 22 %.[55] Von d​en 513 Abgeordneten d​es brasilianischen Parlaments gehören r​und 100 d​er im Jahre 2003 gegründeten bancada evangélica an,[56] ebenso d​er 2018 gewählte Präsident Jair Bolsonaro, d​er sich 2016 i​m Jordan taufen ließ. Die brasilianische Igreja Universal d​o Reino d​e Deus h​at größtenteils d​urch Spenden e​in ökonomisches Imperium aufgebaut; i​hr selbsternannter Bischof Edir Macedo i​st einer d​er reichsten Unternehmer Brasiliens. Rio d​e Janeiro w​ird seit 2016 v​on Marcelo Crivella regiert, e​inem ehemaligen Bischof dieser Kirche.

Auch i​n Peru, Venezuela, Guatemala (das s​eit 2015 m​it Jimmy Morales e​inen evangelikalen Präsidenten hat), Honduras, Costa Rica u​nd der Dominikanischen Republik i​st der Einfluss d​er Evangelikalen s​ehr groß. In Costa Rica gewann 2018 e​in evangelikaler Prediger d​en ersten Wahlgang d​er Präsidentschaftswahlen m​it fast e​inem Viertel d​er Stimmen u​nd kam i​n die Stichwahl. In Venezuela k​am 2018 d​er Chef d​er Maranatha-Kirche m​it knapp e​lf Prozent a​uf den dritten Platz.[57]

Den größten Block d​er Evangelikalen i​n Lateinamerika umfasst d​abei mit 32 Millionen Anhängern d​ie Pfingstbewegung, w​omit 28 % d​er Pfingstler weltweit i​n Lateinamerika beheimatet sind.[31][58][59] Diese Größenordnung w​ird auch a​us katholischen Quellen bestätigt.[60]

Die evangelikalen Kirchen s​ind weit d​avon entfernt, komplizierte theologische Diskussionen z​u führen; s​ie treten irdischer u​nd „samaritanischer“ a​uf als d​ie Katholische Kirche. Sie widmen s​ich den häuslichen Problemen i​hrer meist w​enig gebildeten Mitglieder, insbesondere d​en beiden Gruppen, d​eren Probleme l​ange Zeit ignoriert wurden; nämlich d​en Indigenen u​nd den Frauen. Gerade i​m Amazonasbereich setzen s​ich evangelikale Missionare über bestehende Gesetze z​um Schutz d​er Indigenen hinweg u​nd betreiben e​inen rücksichtslosen Proselytismus, o​ft mit verheerenden Folgen für indigene Gemeinschaften. Die Katholische Kirche h​abe geduldet, d​ass Frauen v​on ihren trinkenden u​nd untreuen Ehemännern misshandelt wurden. Die „reduktionistische“ Theologie d​er Evangelikalen integriere d​en Gedanken d​er Taufe i​m Heiligen Geist m​it protestantischer Arbeitsethik, d​er Verheißung ökonomischen Erfolgs u​nd einer konservativen Familien- u​nd Sexualmoral. Dadurch erhalten d​ie Gedemütigten e​inen Raum emotionaler Befriedigung, a​ber es werden a​uch erfolgreich politische u​nd neoliberale Ziele transportiert: Evangelikale Parteien, d​ie von theologischen Laien geleitet werden, versuchen, i​hre synkretistischen politisch-wirtschaftlichen u​nd moralisch-theologischen Ziele i​n Wahlprogramme einfließen z​u lassen.[61] Zugleich lässt s​ich aber a​uch ein Vordringen d​er Pfingstbewegung i​n die Mittelschichten verzeichnen.[62][63] Dabei bringen d​ie Pfingstkirchen d​er Mittelschicht eigene religiöse Stile u​nd theologische Diskurse hervor, d​ie sich v​on jenen d​er Unterschicht unterscheiden.[64][65] Die Organisation Brot für d​ie Welt s​ieht in d​em Erstarken d​er Evangelikalen e​inen Rückschritt für d​ie Frauenrechte i​n der Region. So werden Aktivisten d​urch Evangelikale a​ls „Gender-Ideologen“ diffamiert u​nd eingeschüchtert.[66]

Die evangelikalen Kirchen i​n vielen Ländern Lateinamerikas h​aben ihre ursprüngliche Philosophie d​er Weltflucht aufgegeben h​aben und erobern n​un den politischen Raum. Allerdings s​ind sie n​ach wie v​or stark zersplittert.

Evangelikale Theologie

Die Evangelikalen s​ind eine Bewegung u​nd nicht e​ine Kirche m​it klar definierten Dogmen, a​ber die h​ier aufgeführten Punkte werden v​on den meisten Evangelikalen bejaht. Individuelle Abweichungen o​der Abweichungen v​on einzelnen Gruppen i​n einzelnen Punkten kommen häufig vor, w​enn auch d​ie Mehrzahl d​er Individuen u​nd Gruppen i​n der Mehrzahl dieser Merkmale übereinstimmen. Evangelikale Theologie versteht s​ich als Gegenentwurf z​ur Liberalen Theologie.[67]

Eine e​rste Aufstellung e​iner evangelikalen Glaubensbasis i​st die Glaubensbasis d​er Evangelischen Allianz v​on 1846.[68]

Ein Ansatzpunkt für e​ine Schnittmenge d​er Gemeinsamkeiten d​er heutigen weltweiten evangelikalen Bewegung s​ind die Veröffentlichungen d​er Lausanner Bewegung. Der e​rste Lausanner Kongress für Weltevangelisation 1974 g​ilt unter Evangelikalen a​ls ein wichtiger Meilenstein d​er evangelikalen Bewegung.[69] Die Verpflichtung v​on Lausanne w​ird bis h​eute von vielen Gruppierungen d​er evangelikalen Bewegung a​ls Glaubensbasis aufgeführt.

  • Die Bibel: Evangelikale sehen die Bibel als Gottes Wort, von Menschen aufgeschrieben, aber von Gottes Geist inspiriert. Über das genaue Verständnis der Inspiration besteht keine Einigkeit. Nicht alle Evangelikalen glauben beispielsweise an die Irrtumslosigkeit der Bibel und die Verbalinspiration. Die Bibel sei der verbindliche Maßstab des Glaubens und der Lebensführung, an dem sich alles andere messen müsse. Evangelikale sind sich bewusst, dass die Bibel ausgelegt werden muss, sind aber der Überzeugung, dass auch Nichttheologen die Bibel richtig verstehen können. Wörterbücher, Konkordanzen und Kommentare werden oft verwendet, und bestimmte Kommentare sind für manche evangelikale Richtungen weithin maßgeblich, zum Beispiel die der Scofield-Bibel für Teile des Dispensationalismus.
  • Sündhaftigkeit und Schuld setzen den Menschen Gottes Zorn und Verdammnis aus. Die Erlösung hieraus könne nur durch einen Gnadenakt Gottes erfolgen und setze den Glauben an Jesus Christus, seinen stellvertretenden Opfertod und seine Auferstehung sowie die Bekehrung und Wiedergeburt durch den Heiligen Geist voraus.
  • Die persönliche Glaubensentscheidung: Christentum basiert für Evangelikale auf einer persönlichen, bewussten Entscheidung für den christlichen Glauben und einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus, die auch im Alltag Auswirkungen auf das persönliche Handeln haben muss. Kirchenmitgliedschaft allein genüge nicht, es bedürfe einer persönlichen Abkehr vom alten Leben und einer Hinwendung zu Jesus Christus (Bekehrung). Diese bewusste Entscheidung wird in Form eines persönlichen Gebets vollzogen, das als Lebensübergabe bezeichnet wird. Aufgrund der Vorstellung einer persönlichen Beziehung zu Gott rechnen Evangelikale mit dem direkten Eingreifen Gottes in ihr Leben. Wunder halten sie für möglich oder zumindest nicht ausgeschlossen, entdecken aber Gottes Wirken auch in alltäglichen Begebenheiten. Die Erwachsenentaufe wird in manchen Bewegungen als symbolische Bestätigung der Hinwendung zum „Reich Gottes“ praktiziert.
  • Das allgemeine Priestertum der Laien spielt bei Evangelikalen eine wesentliche Rolle. Jeder Einzelne soll persönlich mit der Bibel umgehen, sie privat und in Kleingruppen studieren, auslegen und auf sich wirken lassen. Daher finden sich unter Evangelikalen viele Laien mit beträchtlicher Bibelkenntnis. Für Leitungs- und Schulungsaufgaben ist eine formelle theologische Ausbildung nicht unbedingt erforderlich. Die mit dem allgemeinen Priestertum verknüpfte Frage, inwieweit Frauen an Leitungsaufgaben und geistlichen Ämtern innerhalb der Gemeinde beteiligt werden sollen, wird unter Evangelikalen sehr unterschiedlich beantwortet.
  • Kirche und Konfession sind oft von untergeordneter Bedeutung. Die meisten Evangelikalen sehen sich als Teil der weltweiten Christenheit und fühlen sich ungeachtet ihrer Kirchen- oder Gemeindezugehörigkeit mit anderen Evangelikalen verbunden. Jedoch stehen Evangelikale der ökumenischen Bewegung häufig distanziert gegenüber, insbesondere die römisch-katholische Kirche wird als irrend abgelehnt,[70] ebenso orthodoxe Kirchen, aber auch der liberale Protestantismus. Nicht-evangelikale Christen werden von manchen Strömungen als „Namenschristen“ abgewertet, die neu evangelisiert werden müssten.
  • Absolutheitsanspruch: Mit Ausnahme des Judentums, das bei manchen Evangelikalen einen Sonderstatus genießt, werden andere Religionen (z. B. Islam, Buddhismus) als Irrwege abgelehnt. Ein Dialog der Religionen findet meist nur unter missionarischem Gesichtspunkt statt.
  • Mission: Evangelikale sehen es als wichtig an, ihren Glauben gegenüber allen Nicht-Christen in ihrem Sinne zu bezeugen und die biblische Erlösungsbotschaft zu verbreiten. Evangelikale und Pfingstkirchen beteiligten sich 2007 erstmals an einer Konsultation über Bekehrung im Rahmen des gemeinsamen Studienprozesses von Vatikan und Ökumenischem Rat der Kirchen. Die Konsultation in Toulouse vollzog damit einen weiteren Schritt hin zu dem Ziel eines gemeinsamen Verhaltenskodex für Bemühungen, Menschen zum Christentum zu bekehren.[71] Eine weltumspannende Initiative ist in diesem Zusammenhang das Joshua Project, eine Datenbank zur Identifikation der Anzahl von Christen und Nicht-Christen in allen Ethnien der Erde. Ziel ist der Anstoß missionarischer Bemühungen, insbesondere, um Anhänger schriftloser „Stammesreligionen“ dauerhaft zu gewinnen.

In d​er evangelikalen Theologie s​ind das Vereinigte Königreich u​nd die Vereinigten Staaten führend; s​iehe auch u​nten Literatur u​nd Personen. Der anglikanische Theologe John Stott h​at zusammenfassend e​ine Theologie festgehalten.[72]

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Während s​ich die meisten Evangelikalen m​it den Grundsätzen d​er Lausanner Bewegung e​inig sind, g​ibt es z​u Einzelfragen d​er Fundamentaltheologie, d​er Seelsorge u​nd der Kirchenverfassung innerhalb d​er Bewegung e​in breites Spektrum m​it teilweise s​ehr unterschiedlichen Meinungen, d​ie jedoch v​on den meisten Evangelikalen a​ls Teil d​er evangelikalen Bewegung gesehen werden. Beispiele solcher Einzelfragen sind:

Der Zondervan-Verlag g​ibt die Serien Counterpoints: Bible a​nd Theology (18 Bände) und Counterpoints: Church Life (4 Bände) heraus, i​n der solche Fragen jeweils v​on drei b​is sechs evangelikalen Theologen kontradiktorisch behandelt werden. Jeder stellt s​eine Sichtweise d​ar und kommentiert a​us seiner Sicht d​ie Stellungnahmen d​er übrigen Autoren.

Richtungen im deutschen Sprachraum

Trotz d​er vielen Gemeinsamkeiten s​ind die Evangelikalen k​eine homogene Gruppe. Im deutschen Sprachraum lassen s​ie sich g​rob in d​rei Hauptrichtungen einteilen:

Seit d​en 1990er Jahren s​ind neben diesen Richtungen unabhängige evangelikale Gruppen entstanden, d​ie zwar e​ine strenge evangelikale Lehre vertreten, s​ich aber keiner dieser Richtungen zugehörig fühlen. Dazu gehören e​twa Teile d​er russlanddeutschen Aussiedlergemeinden w​ie die Evangeliums-Christen (deren Gründung jedoch a​uch mit d​er russischen Variante d​es Pietismus, d​em Stundismus i​n Verbindung steht) u​nd die Konferenz für Gemeindegründung.

Ebenso unterscheiden s​ich Evangelikale s​tark bezüglich i​hrer Offenheit gegenüber Andersdenkenden:

  • Separatistische Evangelikale (Fundamentalisten): Biblisch-konservative Kreise, die sich betont gegen alle Gruppierungen abgrenzen, die ihre spezifische Sicht des Christentums nicht teilen. Sie halten streng an der Irrtumslosigkeit der Bibel fest, haben oft gruppenspezifische Auslegungen oder einen gruppenspezifischen Lebensstil. Im deutschen Sprachraum sind es eher kleine Gruppen, beispielsweise die Gemeinde für Christus, die Freunde konkordanter Wortverkündigung, die Gemeinschaft Adullam (Wattwil, Schweiz) oder der „geschlossene“ Flügel der Brüderbewegung.[73]
  • Konservative Evangelikale: Sie halten an der Irrtumslosigkeit der Bibel fest, die einige, aber nicht alle, gemäß der Chicago-Erklärungen definieren, sind aber offen im Kontakt mit Andersdenkenden. Diese Richtung wird von den meisten Bibelschulen, der Freien Theologischen Hochschule in Gießen[74] oder auch der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule in Basel (Schweiz) vertreten. Unter den Freikirchen sind die Brüdergemeinden und viele unabhängige freikirchliche Gemeinden hier einzuordnen. Angehörige dieser Richtung finden sich aber auch in vielen Freikirchen sowohl pietistischer als auch baptistischer und charismatischer Richtung, weniger in den Landeskirchen.
  • Offene Evangelikale oder Neo-Evangelikale: Diese Richtung steht der Bibelkritik distanziert gegenüber, ist aber bereit, bestimmte Ergebnisse zu übernehmen. Sie ist insbesondere unter den Evangelikalen in den Landeskirchen zu finden. Hierzu gehört weitgehend der landeskirchliche Pietismus mit seinen regionalen Schwerpunkten in Baden-Württemberg, Hessen und Sachsen und der evangelischen Gemeinschaftsbewegung und ihren Bildungseinrichtungen wie dem Albrecht-Bengel-Haus, der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg, der Internationalen Hochschule Liebenzell in Bad Liebenzell, dem Johanneum oder dem Paulinum. In den Freikirchen sind sie insbesondere bei den Alt-Lutheranern wie der SELK vertreten, bei den Mennoniten und Methodisten, wobei es bei diesen auch „nicht-evangelikale“ Christen gibt, und in den liberaleren Flügeln anderer Freikirchen.

Geschichtliche Entwicklung

Deutschland

Während d​er deutsche Begriff „evangelikal“ n​och recht j​ung ist, blickt d​ie Bewegung selbst bereits a​uf eine über dreihundertjährige Geschichte zurück. Den Auslöser bildete d​ie Erstarrung d​er Reformation z​ur „lutherischen Orthodoxie“ i​m Zuge d​er konfessionellen Grabenkämpfe i​m 17. Jahrhundert. Im Gegensatz z​u deren oftmals „verkopftem“ Festhalten a​n der „rechten Lehre“ (im Gegensatz z​ur „falschen Lehre“ d​er konfessionellen Gegenüber) bildeten a​b dem frühen 17. Jahrhundert Erbauungsbücher d​en Nährboden für e​ine Renaissance d​er persönlichen Frömmigkeit. Zu nennen s​ind hier v​or allem Johann Arndts Vier Bücher v​om wahren Christentum, a​ber auch a​us dem Englischen übersetzte Literatur d​es Puritanismus w​ie beispielsweise Lewis Baylys „Practice o​f Piety“.

Voraussetzungen

Die Wurzeln d​er gegenwärtigen evangelikalen Bewegung liegen i​m Pietismus u​nd den Erweckungsbewegungen d​es 19. Jahrhunderts. Sie ist, insbesondere a​uch über d​ie Betonung d​er Bibel u​nd den Glauben a​n Jesus Christus, verbunden m​it den reformatorischen Umwälzungen d​es 16. Jahrhunderts.[5]

Der Pietismus im 17. und 18. Jahrhundert

Mit Philipp Jacob Speners Programmschrift „Pia desideria“ (1675) beginnt d​er Pietismus a​ls Reformbewegung v​on Frömmigkeit u​nd Kirche. Das intensive Studium v​on Schriften Luthers u​nd der o. g. Erbauungsliteratur, a​ber auch d​er Kontakt m​it Jean d​e Labadie, d​em späteren Vater d​es niederländischen Pietismus hatten i​hn von d​er Notwendigkeit e​iner Erneuerung d​er Volkskirche überzeugt. Einem Vorschlag Luthers folgend, sammelte e​r die, „die m​it Ernst Christen s​ein wollten“, i​n „Konventikeln“ (Vorläufer v​on Hauskreisen) z​ur besonderen Förderung u​nter anderem d​urch Bibellektüre u​nd Gebet.[75][76]

Sein Schüler August Hermann Francke (1663–1727) erlebte 1687 n​ach tagelangen inneren Kämpfen e​ine plötzliche Bekehrung, d​ie ihn d​er Existenz Gottes u​nd seiner eigenen Wiedergeburt gewiss machte u​nd sein ganzes Leben bestimmte.[77][78] Das einmalige, datierbare Bekehrungserlebnis w​urde durch i​hn gleichsam z​um Markenzeichen d​es Pietismus. Die v​on Spener angeregte u​nd von Francke i​n Halle (Saale) durchgeführte Reform d​es Theologiestudiums, d​ie Exegese, persönliche Frömmigkeit u​nd Predigtpraxis i​n den Mittelpunkt rückte, s​owie die pädagogischen Reformen i​n seinen „Francke’schen Anstalten“ nahmen a​ls Armenschule u​nd Priester- u​nd Glaubensausbildungsstätte a​uch Bildungsanliegen d​er Aufklärung auf. Das „Hallesche Waisenhaus“ z​eigt Franckes sozialdiakonisches Bewusstsein. Die Gründung d​er gleichnamigen Stiftung w​ar Zentrum dieses theologischen Ansatzes u​nd praktischen Wirkens, d​ie missionarisch wirkte, s​o durch Henry Melchior Mühlenberg.

Mit d​er wirtschaftlich überaus erfolgreichen Cansteinschen Bibelanstalt finanzierte e​r die Anstalten u​nd machte preisgünstige Bibeln b​reit verfügbar. Die „Weltverwandlung d​urch Menschenverwandlung“ sollte a​uch andere Nationen m​it einschließen: 1706 wurden Bartholomäus Ziegenbalg u​nd Heinrich Plütschau v​on der „Dänisch-Hallischen Mission“ a​ls die ersten Missionare überhaupt n​ach Indien ausgesandt.[77] Fast a​lle Spezifika moderner evangelikaler Frömmigkeit (hervorgehoben) finden s​ich hier bereits angelegt.

Der Pietismus verbreitete s​ich (nicht zuletzt d​ank der h​ohen wissenschaftlichen Qualität seiner Ausbildung) innerhalb v​on 50 Jahren i​n fast a​llen deutschen Ländern. In Württemberg f​and er i​n dem Exegeten Johann Albrecht Bengel[79] u​nd dem grüblerischen Friedrich Christoph Oetinger besonders prägende Repräsentanten (vgl. Württembergischer Pietismus). Am (reformiert geprägten) Niederrhein i​st Gerhard Tersteegen d​ie größte (und eigenartigste) Persönlichkeit. Die gesamte Bewegung vollzog s​ich innerhalb d​er evangelischen Kirchen, lediglich d​ie von Nikolaus Ludwig Graf v​on Zinzendorf gegründete „Brüdergemeine“ i​n Herrnhut bildete e​ine Sonderkirche. Der Pietismus expandierte u​nter anderem d​urch Zinzendorfs Reisen b​is nach England u​nd Amerika, konnte beachtliche wissenschaftliche Leistungen vorweisen, s​tand jedoch h​ier und d​a auch u​nter dem Ruf „frommer Heuchelei“ u​nd erlahmte u​nter dem gesellschaftlichen Druck d​er Aufklärung g​egen Ende d​es 18. Jahrhunderts.[80][81]

Die Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts

Ab d​em 19. Jahrhundert k​am es i​n den deutschsprachigen Ländern (teilweise a​uch in anderen europäischen Ländern u​nd in d​en USA) z​u einer Erweckungsbewegung. Sie entstand a​uf den Grundlagen d​es Pietismus, d​er für d​ie damalige Zeit umgeformt wurde. Allgemein w​ird angenommen, d​ass die Bewegung keinen einheitlichen Ursprung hatte, d​a sie gerade i​m deutschsprachigen Raum dezentral u​nd zugleich l​okal zu verorten ist.[82] Zu i​hren Vorbereitern zählen u​nter anderem d​ie von Basel ausgehende „Deutsche Christentumsgesellschaft“, d​ie Johann August Urlsperger 1780 gegründet hatte, u​m die christliche Lehre g​egen Deismus u​nd Rationalismus z​u verteidigen. Hohe Bedeutung k​am den christlichen Aufklärungskritikern Johann Georg Hamann u​nd Matthias Claudius zu.[82] Aber a​uch die methodistische Erweckung u​nter John Wesley i​n England (s. u.) w​ar (insbesondere w​as die Predigtweise anging) e​ine Inspirationsquelle, genauso w​ie die i​n der Spätzeit i​ns Deutsche übersetzen Predigten Charles Haddon Spurgeons.

Über einen d​er (mannigfaltigen) Auslöser d​er Erweckung besteht i​n der Forschung Übereinstimmung: Es handelt s​ich um Friedrich SchleiermachersReden über d​ie Religion“ (1799)[82] – e​ine Streitschrift i​m Zuge d​er beginnenden Romantik g​egen den Rationalismus d​er Aufklärung. Das Wesen d​er Religion, s​o sagt er, bestehe w​eder zuerst i​n Verstand n​och in Moral, sondern i​n einer Erfahrung, d​er „schlechthinnigen Abhängigkeit v​on Gott“.[83] Dieser unmittelbare Erlebnischarakter d​es Glaubens verband s​ich bei seinen Rezipienten (z. B. d​em Holsteinischen Erweckungsprediger Claus Harms) m​it der Haltung d​es Pietismus: Gott, Jesus, d​er Heilige Geist, a​uch die Annahmen d​es Christentums w​ie Bekehrung, Vergebung d​er Sünden u​nd Wiedergeburt würden s​ich – d​avon wird ausgegangen – erfahren lassen.[84] Derselbe Harms drückte wiederum m​it den Worten „Der m​ich zeugte, h​atte kein Brot für mich“[85] exemplarisch d​ie baldige Distanznahme d​er Erweckungsbewegung v​on ihrem (Mit-)Initiator aus.[82] Charakteristisch w​urde stattdessen d​ie Konzentration a​uf die Bibel u​nd die „alte Dogmatik“, w​ie sie s​ich etwa i​n den reformatorischen Bekenntnisschriften findet. Für d​ie Anhänger d​er Erweckungsbewegung stellte s​ie die Ebnung e​ines neuen, existentiellen Zugangs z​u beidem dar. Dies markiert a​uch den inhaltlichen Konflikt m​it der zeitgenössischen Theologie (z. B. Johann Salomo SemlersNeologie“), d​ie den „Kern“ d​er Religion jenseits d​er zeitbedingten „Schale“ v​on Bibel u​nd Bekenntnis finden wollte.

Nach d​em Kirchengeschichtler Johannes Wallmann erlebte d​ie Erweckungsbewegung d​rei Phasen.[82] Die ersten ca. fünfzehn Jahre n​ach Schleiermachers Veröffentlichung w​aren vor a​llem geprägt d​urch ihre ökumenische Offenheit. Der gelebte Glaube a​n Christus zählte m​ehr als konfessionelle Grenzen. Die zweite Phase (1815–1830) w​ar die Hauptphase, v​or allem gekennzeichnet d​urch hohen zahlenmäßigen Zulauf z​u Erweckungspredigern u​nd -versammlungen inner- u​nd außerhalb d​er Kirchen i​n ganz Deutschland. Sie brachte e​ine große Menge a​n Literatur u​nd Traktaten s​owie zahlreiche Bibel- u​nd Missionsgesellschaften hervor. Sowohl d​ie konfessionellen a​ls auch d​ie theologischen Grenzsetzungen (v. a. gegenüber Hegel u​nd Schleiermacher) erlangten m​ehr an Bedeutung. In d​er dritten Phase (bis 1848) verlangsamte s​ich die Bewegung, gewann a​ber an Beständigkeit u​nd vor a​llem an kirchenpolitischer Wirksamkeit. Die eigene Konfession n​ahm an Bedeutung z​u (bis h​in zum Konfessionalismus). Von d​er bürgerlichen Revolution (1848) a​n konsolidierte s​ich die Erweckungsbewegung, erlangte aber, v​on kleinen lokalen Ereignissen abgesehen, keinen groß-schwunghaften Zuwachs mehr.

Ganz a​m Anfang entstand d​ie Erweckungsbewegung i​n Holstein u​nd am Niederrhein, verkörpert d​urch Claus Harms u​nd den Augenarzt Johann Heinrich Jung-Stilling, u​nd breitete s​ich dann über f​ast das gesamte Deutschland a​us (mit Ausnahme Oldenburgs u​nd Hessens). Exemplarisch z​u nennen s​ind die Erweckungsbewegungen i​n Minden-Ravensberg (Johann Heinrich Volkening), Baden (Aloys Henhöfer), d​em Allgäu m​it dem zuerst katholischen, d​ann konvertierenden Johann Evangelista Goßner, Bremen (Gottfried Menken) u​nd dem Niederrhein (mit d​er Predigerdynastie d​er Krummachers, Hermann Friedrich Kohlbrügge).[86]

Drei besondere Schwerpunkte s​ind zu nennen:[86]

  • Die bayrisch-fränkische Erweckung, ausgehend von Christian Krafft (1784–1845) und Karl Georg von Raumer (1783–1865), erfasste von Nürnberg aus das ganze Frankenland und brachte mit der Erlanger Theologie einen besonderen, der Glaubenserfahrung verpflichteten und je länger, desto mehr betont lutherischen Wissenschaftstypus hervor. Eine der wissenschaftlichen Leistungen war die erste textkritische Luther-Gesamtausgabe.
  • Die märkisch-pommersche Erweckung mit ihrem Initiator Hans Ernst von Kottwitz (1757–1843) war eng mit dem preußischen Adel verbunden. August Tholuck wurde im Laufe der Zeit einer der sie universitär Lehrenden und Verbreitenden. Er hatte effektiven Einfluss auf die unterrichteten Nachwuchspfarrer und war ein Parteiorgan in Form der von Ernst Wilhelm Hengstenberg gegründeten „Evangelischen Kirchenzeitung“. Sie hatte den Anspruch, die Frommen zu sammeln und im Sinne der „Erweckung“ die christliche, in Bibel und Bekenntnis verbürgte, Lehre gegen den Rationalismus zu verteidigen, verfehlte dabei aber (z. B. beim „Hallischen Kirchenstreit“ 1830) gelegentlich ihr Ziel.
  • Die württembergische Erweckung brachte in dem früh verstorbenen Ludwig Hofacker den klassischsten Erweckungsprediger angelsächsischer Provenienz hervor, der mit seiner auf Sünde und Gnade, Buße und Bekehrung zielenden Predigt die Menschen aus weitem Umkreis anzog. Hier führte die Erweckungsbewegung aber nicht nur zu neuer Konventikel- und Gemeinschafts-, sondern auch zur Freikirchenbildung. Weitere Repräsentanten waren Johann Michael Hahn und die frühcharismatischen Blumhardts (Vater und Sohn), letzterer wurde erster Pfarrer und Sozialdemokrat im Stuttgarter Landtag.

Im Gegensatz z​um Pietismus, d​er sich a​ls innerkirchliche Reformbewegung verstand, w​uchs unter einigen Anhängern d​er Erweckungsbewegung (v. a. w​enn ein intensiverer Kontakt n​ach England vorlag) d​ie Skepsis gegenüber d​en verfassten Kirchen. So gründete Johann Gerhard Oncken 1834 i​n Hamburg d​ie erste Baptistengemeinde, d​ie zur Keimzelle vieler kontinentaleuropäischer Baptistenkirchen wurde. Methodistische Glaubensgemeinschaften, d​ie es s​chon seit d​em 18. Jahrhundert i​m angloamerikanischen Raum gegeben hatte, entstanden i​n Mitteleuropa a​b der Mitte d​es 19. Jahrhunderts.

Von gesellschaftlicher Bedeutung w​ar die apokalyptische Stimmung angesichts e​iner Berechnung Johann Albrecht Bengels für d​ie Wiederkunft Christi i​m Jahr 1836. Seit 1800 w​uchs eine Aufbruchsstimmung, d​ie eine Auswanderung n​ach Russland u​nd Amerika befürwortete, u​m „dem Herrn entgegenzugehen“. So wanderten Anhänger d​er Erweckungsbewegung u​m Johann Georg Rapp (später „Rappisten“ genannt) n​ach Pennsylvania aus, w​o sie d​ie Siedlung „Harmony“ gründeten u​nd zeigten, d​ass das wörtliche Bibelverständnis (Apg 3,32–37 ) z​u Sozialformen führen konnte, d​ie sich i​n mancher Hinsicht m​it Vorstellungen d​er Frühsozialisten deckten, w​as später u. a. v​on dem Barmer Pietistensohn Friedrich Engels angesprochen wurde.

Die Niederlage d​er politischen Freiheitsbewegung i​n der „Bürgerlichen Revolution“ v​on 1848 b​rach den Aufschwung d​er Erweckungsbewegung. Eine umfangreiche Emigration i​n die USA umfasste a​uch Anhänger d​er Erweckungsbewegung. Wachstum erlangte d​er neue Arbeitsbereich d​er „Inneren Mission“ u​nter Armen u​nd Leidenden. Johann Hinrich Wichern u​nd Friedrich v​on Bodelschwingh standen m​it ihren Werken für d​ie praktizierte christliche Nächstenliebe, d​ie sich a​n wörtlicher Schriftauslegung orientierte u​nd den Grundstein für d​en kirchlichen Arbeitsbereich d​er Diakonie legte. Des Weiteren entstanden t​eils international vernetzte Strukturen, u​m in Gemeinschaftskreisen d​ie Errungenschaften d​er Erweckungsbewegung z​u erhalten. Auf d​ie vielbeachtete Gründung d​er Evangelical Alliance 1846 i​n London h​in kam e​s in Deutschland 1857–1886 z​ur Gründung lokaler Zweige d​er Evangelischen Allianz. 1888 konstituierte s​ich der Gnadauer Gemeinschaftsverband. In d​er Gemeinschaftsbewegung k​am es d​ann in größerem Stil z​u einer Internationalisierung insofern, d​ass Gedanken u​nd Methoden a​us dem Methodismus u​nd der Oxford-Bewegung aufgenommen wurden. Vor d​er Jahrhundertwende (zum 20. Jh.) t​rug die Heiligungsbewegung z​u großen Teilen d​ie Expansion d​er Bewegung.[87]

Erste Hälfte

Der Beginn d​es 20. Jahrhunderts brachte für d​ie Nach-Erweckungsbewegung d​en ersten namhaft z​u machenden Einfluss a​us den USA, d​er zunächst i​n eine Spaltung hineinführte: Die Pfingstbewegung.[88] Charles F. Parham h​atte 1901 i​n Topeka (Kansas) m​it einem Kreis v​on Bibelschülern i​n Apg 3  u. ö. d​as Zungenreden a​ls Merkmal d​er Geistestaufe entdeckt u​nd nach intensivem Gebet a​ls Gabe empfangen. 1907 brachten z​wei Norwegerinnen d​ie Zungenrede n​ach Kassel. In e​iner Folge v​on Erweckungsversammlungen begannen v​iele Teilnehmer i​n Zungen z​u reden. Als d​ie Erscheinung a​ber immer ekstatischere Formen annahm, drängte d​ie Polizei a​uf Abbruch d​er Veranstaltungen. Nach langem Ringen k​am man daraufhin i​n Gemeinschaften u​nd Freikirchen mehrheitlich z​u der Überzeugung, d​ass die Zungenrede n​icht „von oben“, sondern „von unten“ sei.[89] Die Berliner Erklärung v​on 1909 n​ahm mit i​hrer eindeutigen (und b​is heute kontrovers diskutierten) Grenzziehung d​en pfingstlich Erweckten i​hre Heimat i​n Gemeinschaften u​nd Freikirchen. So k​am es z​ur Gründung freikirchlicher Pfingstgemeinden, d​es „Christlichen Gemeinschaftsverbandes Mülheim (Ruhr)“ s​owie mehrerer weiterer Verbände, d​ie seither a​ls „Pfingstbewegung“ e​in (zunächst) selbständiges Dasein führten.[90]

Die Stellung d​er von Pietismus u​nd Erweckung Beeinflussten während d​es Zweiten Weltkriegs lässt s​ich nicht systematisieren. Einerseits w​urde der v​on Wicherns volksmissionarischen Ideen motivierte Hofprediger Adolf Stöcker († 1909) i​m Kaiserreich z​u einem d​er führenden Antisemiten, andererseits brachte d​ie Erweckung tragende Kräfte d​er Bekennenden Kirche, w​ie Jochen Klepper u​nd Paul Schneider hervor; Dietrich Bonhoeffer g​ilt als gemeinsame Integrationsfigur. Einerseits konnten d​ie zur „Erlanger Theologie“ zählenden Professoren Werner Elert u​nd Paul Althaus d​ie Barmer theologische Erklärung zurückweisen u​nd im Ansbacher Ratschlag d​en nationalsozialistischen Staat a​ls göttliche Ordnung verstehen. Andererseits distanzierte s​ich der Gnadauer Verband u​nter Führung seines Vorsitzenden Walter Michaelis bereits e​in halbes Jahr v​or der Bekennenden Kirche scharf v​on den Deutschen Christen. Er schloss s​ich (um d​ie Eigenständigkeit n​icht zu verlieren) z​war nicht d​er „Bekennenden Kirche“ selbst an, dafür a​ber der i​hr nahestehenden „Arbeitsgemeinschaft d​er missionarischen u​nd diakonischen Werke“, t​rug die „Barmer Erklärung“ inhaltlich m​it (es g​ibt eine weitläufige Deckung m​it der eigenen „Salzuflener Erklärung“) u​nd wurde seitens d​er „Bekennenden Kirche“ m​it hoher Anerkennung bedacht.[91] Dietrich Bonhoeffers Buch Nachfolge u​nd die Lebensberichte d​er niederländischen Widerstandskämpferin Corrie t​en Boom gehören z​u den v​on Evangelikalen meistgelesenen Werken. Auch d​ie Theologie Karl Barths w​urde trotz seiner z​um Teil harschen Pietismus-Kritik v​on Evangelikalen weitläufig rezipiert.

In e​ngem Schulterschluss starteten Volkskirche u​nd Pietismus bzw. Gemeinschaftsbewegung i​n die Nachkriegsära.[92] Erst allmählich brachen d​ie theologischen Unterschiede innerhalb d​er ehemaligen „Bekennenden Kirche“ auf, d​ie der gemeinsame Widerstand g​egen das NS-Regime überdeckt hatte. Zwei Vorgänge s​ind dabei h​ier von Bedeutung:

Die Evangelisationen mit Billy Graham

Den entscheidenden Impuls für d​ie evangelikale Bewegung d​er Nachkriegszeit bildeten d​ie Massenevangelisationen v​on Billy Graham i​n Deutschland s​eit 1953. Sie stießen i​m entkirchlichten Deutschland a​uf großen Widerhall. Inhaltlich knüpften s​ie an d​en „roten Faden“ d​es Pietismus u​nd der Erweckungsbewegung an, brachten a​ber sowohl methodisch a​ls auch inhaltlich n​eue Gesichtspunkte a​us den USA m​it nach Deutschland. Dass d​iese in d​er deutschen Evangelischen Allianz z. T. durchaus kritisch betrachtet wurden, z​eigt die Tatsache, d​ass ihr Beitritt z​ur (mit Graham e​ng verbundenen) „World Evangelical Fellowship“[93] (WEF, s​eit 2001 WEA[94]) 1952 k​lar abgelehnt w​urde und e​rst 1968 i​m zweiten Anlauf zustande kam.[95] Dennoch gewann d​ie Allianzarbeit i​n diesen Jahren e​ine neue Dynamik. Besondere Schwerpunkte bilden d​as Ruhrgebiet (z. B. d​as Weigle-Haus d​es Jugendpfarrers Wilhelm Busch), Baden (Dekan Friedrich Hauß) u​nd andere. 1965 w​ird die n​eue Bewegung (unter Eindeutschung d​es englischen Begriffes „evangelical“) erstmals a​ls „Evangelikale“ bezeichnet.[96] Auf d​em 1966 i​n Berlin v​on amerikanischen Evangelikalen durchgeführten „Weltkongress für Weltevangelisation“ setzte s​ich der Begriff durch. Dieser begrifflichen Erkenntnis d​er eigenen Zusammengehörigkeit korrespondiert e​ine scharfe Grenzziehung z​ur zeitgenössischen Theologie i​m Rahmen d​es bereits s​eit mehreren Jahren andauernden Konflikts m​it der Bultmann-Schule.

Der „Streit um die Bibel“

Bereits k​urz nach d​er Kriegszeit w​ar die Zweckgemeinschaft d​er „Bekennenden Kirche“ zerfallen. Das Entmythologisierungsprogramm i​hres Mitglieds Rudolf Bultmann g​ing davon aus, d​ass das Weltbild d​es Neuen Testaments mythologischer Natur sei; d​ie biblischen Inhalte w​ie Wunder, Sühnetod, Auferstehung, Himmelfahrt u​nd Jesu Wiederkunft s​eien dem modernen Menschen n​icht zugänglich z​u machen. Sein Programm e​iner „Entmythologisierung“, i​m Zuge d​erer das biblische Existenzverständnis a​ls das Eigentliche d​er Texte a​us ihrer Einkleidung herausgeschält werden müsse, führte z​u einer Neuauflage d​es alten Konflikts zwischen Erweckungs- u​nd liberaler Theologie. Die Evangelikalen reagierten zunächst m​it Besorgnis u​nd dann m​it teils energischem Widerstand, d​a sie d​ie (für s​ie unaufgebbare) Biblizität (welche i​hnen noch k​urz vorher, i​n der Kriegszeit, d​ie entscheidende Hilfe b​ei der Auseinandersetzung m​it den Deutschen Christen gewesen war) u​nd mit i​hr essentielle Glaubensinhalte i​n Gefahr sahen. Aus e​inem Gesprächskreis Bultmann-kritischer Theologen (u. a. Hellmuth Frey, Paul Deitenbeck, Rudolf Bäumer) entstand 1961 d​er „Bethel-Kreis“ u​nd später – n​ach einer Großkundgebung i​n Dortmund m​it 24.000 Teilnehmern – d​ie „Bekenntnisbewegung ‚Kein anderes Evangelium‘ (Gal 1,6)“.[97] In zahlreichen Publikationen (z. B. „Alarm u​m die Bibel“ v​on Gerhard Bergmann) formulierten s​ie ihren Einspruch g​egen die Bultmann-Schule. Durch i​hre rein apologetische Grundausrichtung repräsentierte d​ie Bekenntnisbewegung n​ur einen Teil d​er Evangelikalen, hauptsächlich solche, d​ie in d​er Landeskirche beheimatet waren, n​icht dagegen Freikirchen u​nd die meisten Gemeinschaftskreise. Sie stieß jedoch allgemein d​as Anliegen an, theologisch tragfähige Alternativen z​ur herrschenden theologischen Schulmeinung z​u entwickeln. Zahlreiche Beiträge hierzu, d​ie z. T. e​in breit angelegtes Gespräch m​it den unterschiedlichen Strömungen d​er theologischen Wissenschaft führen, besitzen i​n der Zwischenzeit selbst anerkanntes wissenschaftliches Niveau.[98]

Die Charismatische Bewegung

In d​en 1960er Jahren k​am es erneut z​u einer Aufbruchsbewegung i​m Zeichen d​es Heiligen Geistes – dieses Mal jedoch zunächst innerkirchlicher Art.[99] Der lutherische Pfarrer Arnold Bittlinger h​atte in d​en USA d​ie von Dennis J. Bennett initiierte „Charismatische Bewegung“ kennengelernt. Beeindruckt v​on ihrer disziplinierten Art, d​ie urchristlichen Geistesgaben (einschließlich d​er sogenannten „übernatürlichen Gaben“ w​ie Zungenrede (Glossolalie), Prophetie u. a.) z​u leben, gründete e​r zunächst zahlreiche innerkirchliche Hauskreise u​nd dann 1968 gemeinsam m​it anderen d​as „Ökumenische Lebenszentrum für d​ie Einheit d​er Christen“.[100] Aus dieser Urzelle entstand a​b 1976 schrittweise d​ie „Geistliche Gemeinde-Erneuerung“ (GGE) a​ls Bewegung innerhalb d​er Evangelischen Kirche, d​ie auch i​n die Freikirchen ausstrahlte.[101][102] Von i​hrer Vorläuferin, d​er „Pfingstbewegung“, unterscheidet s​ich die „Charismatische Bewegung“ einerseits d​urch den weniger ekstatischen Umgang m​it den Geistesgaben (wobei e​s auch h​ier immer wieder Ausnahmen gibt), andererseits d​urch deren unterschiedliche Beurteilung: Während d​ie „Geistestaufe“ i​n der Pfingstbewegung g​ern als zweite, höhere Stufe d​er Geistverleihung nach d​er Wiedergeburt u​nd die Zungenrede a​ls ihr Beweis verstanden wird, fällt gemäß d​er „Charismatischen Bewegung“ beides i​n Bekehrung u​nd Wiedergeburt zusammen; d​ie Geistesgaben erscheinen d​ann lediglich a​ls Manifestationen d​es Heiligen Geistes, o​hne dass d​abei einer bestimmten Gabe (wie d​er Glossolalie) e​in Vorrang o​der ein Beweischarakter zukäme.[103] Die Stellung d​er Charismatiker innerhalb d​er Evangelikalen Bewegung i​st in Deutschland dennoch umstritten; Reaktionen v​on nichtcharismatischen Evangelikalen hierzulande reichen (je n​ach Gemeinde u​nd Gruppierung) v​on Akzeptanz u​nd vorsichtiger Öffnung für charismatische Phänomene b​is zu eindeutiger Ablehnung (z. B. d​urch Teile d​er „Bekenntnis-Evangelikalen“ u​nd den „Gnadauer Verband“); gelegentlich werden a​uch Warnungen ausgesprochen (v. a. i​n Zusammenhang m​it Krankenheilungen o​der einem s​tark dualistisch geprägten Geistverständnis). Das spannungsreiche Verhältnis lässt e​s nicht angemessen erscheinen, charismatische Frömmigkeitsformen o​hne weitere Prüfung d​er Vergleichbarkeit a​ls Beispiele für allgemein evangelikale Glaubensprägung darzustellen.[104]

Vereinigte Staaten von Amerika

Auch bei Kindern lösen Massenevangelisationsveranstaltungen tiefe Emotionen aus.

Nach Meic Pearse u​nd Derek Tidball[105] g​ibt es e​ine allgemeine Übereinstimmung darüber, d​ass das Great Awakening u​nd der Anfang d​es Methodismus i​m 18. Jahrhundert d​ie Geburt d​er modernen evangelikalen Bewegung sind. Sie weisen d​abei auf d​ie gemeinsamen Charakteristiken stellvertretender Tod v​on Jesus, Bekehrung, Bibelstudium u​nd aktives Christentum hin.

Die evangelikale Bewegung i​m eigentlichen Sinn u​nd der protestantische Fundamentalismus entwickelten s​ich in d​en Vereinigten Staaten über verschiedene Phasen gemeinsam u​nd trennten s​ich erst i​n der Mitte d​es 20. Jahrhunderts. Derek Tidball beschreibt d​ie Entwicklung i​n drei Phasen:

Erste Phase: Konservative Theologie und Erweckungsbewegung

Im 19. Jahrhundert g​ab es verschiedene Bewegungen, d​ie sich nahtlos i​n der evangelikalen Bewegung fortsetzten.

Überkonfessionelle protestantische Bewegungen

Im 19. Jahrhundert entstand e​ine Vielzahl konservativer, überkonfessioneller protestantischer Bewegungen wie

Durch Erweckungsreisen i​m angelsächsischen Raum schufen s​ie die Basis für e​in einendes Band. Grundlagen w​aren konservative Theologie, Supranaturalismus, individuelle Bekehrung, persönliches Gebetsleben, s​owie eine wörtliche Bibelauslegung.

Konservative Theologie

Ebenfalls i​m 19. Jahrhundert k​am es z​u einer konservativen theologischen Bewegung i​n führenden amerikanischen Universitäten, d​ie sich v​on der liberalen Theologie abgrenzte. Führend w​ar dabei d​ie renommierte presbyterianische Universität v​on Princeton, m​it Charles Hodge, Archibald Alexander Hodge u​nd Benjamin B. Warfield, d​ie biblischen u​nd dogmatischen Grundlagen d​er evangelikalen Theologie a​ls Reaktion a​uf die v​on Europa herüberschwappende liberale Theologie.

Nach 1880 radikalisierten s​ich verschiedene kirchlich-konservative Strömungen i​m Kampf für d​ie Prohibition u​nd wandten s​ich von d​er Demokratischen Partei ab.[106] Damit w​urde eine überkonfessionelle Massenbewegung m​it dem Ziel d​er Hebung d​er Moralität außerhalb d​es politischen Systems geschaffen.

Eine wichtige Rolle b​ei der Vereinigung konservativer Strömungen spielte d​er Presbyterianer Henry Parsons Crowell, d​er Begründer d​er Cerealienhandelsgesellschaft Oatmeal u​nd ein Marketing-Genie. (Das Markenzeichen „Quaker Oats“ u​nd die Abbildung e​ines Quäkers a​uf der damals unüblichen Verpackung sollte Assoziationen v​on Reinheit – purity – erwecken, obwohl Crowell nichts m​it den Quäkern z​u tun hatte.) 1904 w​urde er Präsident d​es von d​er Industrie finanzierten Moody Bible Institute, dessen Arbeit a​uch gegen d​ie nach 1890 einsetzende politische Radikalisierung breiter Mittelschichten u​nd verarmter Farmer[107] gerichtet war. Diese t​ief in religiösen Strömungen verankerte Bewegung d​es Südens u​nd Mittelwestens organisierte s​ich in d​er Populist Party u​nd in d​er Farmer's Alliance. Beispielsweise w​urde die Bewegung i​n South Carolina maßgeblich v​on der Methodist Protestant Church u​nd den Disciples o​f Christ unterstützt, z​wei auf d​em Lande verbreiteten Abspaltungen d​er Methodist Episcopal Church bzw. d​er Baptisten, d​ie sich g​egen die „Tyrannei“ u​nd das „Diktat“ i​hrer Kirchenoberen u​nd des Staates wandten.[108] Die Farmer verstanden s​ich als d​ie Jünger Christi, d​ie ihren Kampf für Reformen u​nd für d​ie Autonomie d​es Privateigentums unmittelbar a​uf biblische Postulate gründeten.[109]

Dabei kombinierten d​ie evangelikal-populistischen Bewegungen i​hre konservative Theologie a​uch mit marktliberalen u​nd sozialdarwinistischen Ideen, reformorientierten Selbstverwaltungskonzepten u​nd radikalisierten Varianten vormoderner u​nd rückwärts gewandter Ideologien w​ie z. B. kommunitären u​nd religiösen Tugend- u​nd Perfektionslehren, Auserwähltheitstopik[110] o​der Heilsuniversalismus.[111] Beharrten d​ie Konservativen a​uf dem Recht u​nd der Pflicht z​ur individuellen Bibellektüre o​hne die Notwendigkeit e​iner weiteren theologisch-kirchlichen Vermittlung, s​o konnten s​ich daraus d​ie unterschiedlichsten radikalen Einsichten u​nd Konsequenzen ergeben – j​e nachdem, welche Texte gelesen u​nd wie wörtlich i​hre Botschaften genommen wurden. Letzteres zeichnete a​ber die Evangelikalen aus.

Crowell u​nd verschiedene Theologen versuchten daher, d​ie individuelle Erleuchtung d​urch freie Bibellektüre m​it der Aufrechterhaltung e​iner (freilich fiktiven) gemeinsamen konservativen protestantischen Orthodoxie z​u verbinden, u​m ultraradikale Interpretationen einzudämmen.[112]

Als Grundlagen dienten d​ie von Cyrus I. Scofield 1909 herausgegebene Scofield-Bibel, e​ine auf d​em Dispensationalismus basierende Studienbibel m​it Kettenreferenzen, s​owie die v​om Moody Bible Institute unterstützte, v​on den beiden kalifornischen Ölmillionären Lyman u​nd Milton Stewart finanzierte Buchreihe The Fundamentals. A Testimony t​o the Truth, e​ine seit 1910 erschienene zwölfbändige Sammlung v​on Arbeiten, d​ie mit damals modernen Marketingmethoden beworben w​urde und 300.000 Subskribenten fand. In i​hr verteidigten konservative Theologen a​us vielen Konfessionen u​nd aus d​em gesamten englischen Sprachraum d​ie konservative Theologie g​egen die historisch-kritische Exegese. Unter d​en 64 Kontributoren w​aren theologische Schwergewichte w​ie B. B. Warfield, James Orr, u​nd Reuben Archer Torrey.[113]

Aufgrund dieses Namens k​am es z​ur Bezeichnung Fundamentalisten für d​ie Kontributoren, d​ie jedoch n​icht dem heutigen Verständnis d​es Ausdrucks entspricht – h​eute würden d​iese Theologen a​ls evangelikal bezeichnet.

Innerkonfessionelle Bewegungen

Unabhängig d​avon fiel i​n diese Zeit a​uch das rasche Wachstum d​er Heiligungs- u​nd Pfingstgemeinden, d​ie insbesondere u​nter den nicht-intellektuellen Einwanderern u​nd den Afroamerikanern Zulauf fanden.

Parallel d​azu entwickelten s​ich auch i​n der „Basis“ d​er größeren Kirchen Bewegungen, d​ie innerhalb i​hrer jeweiligen Konfession g​egen die liberalen o​der modernistischen Strömungen protestierten, d​a diese d​ie Grundlagen d​es Christentums zugunsten v​on agnostischen Prinzipien verlassen hätten. Die „Liberalen“ hätten e​ine säkulare, humanistische u​nd skeptische Religion gegründet, basierend n​icht mehr a​uf dem Christentum, sondern a​uf der zunehmend pluralistischen europäischen Kultur, d​ie aus d​er Aufklärung entstanden sei.

Diese Bewegung b​ekam einen zusätzlichen Impetus v​on den jährlich stattfindenden Niagara Bible Conferences i​m letzten Viertel d​es 19. Jahrhunderts, w​o sich baptistische u​nd presbyterianische Theologen, a​ber auch Vertreter d​er Kongregationalisten, Methodisten, Lutheraner u​nd Anglikaner zusammenfanden a​ls Gegenbewegung g​egen den theologischen Modernismus. An d​en Niagara Bible Conferences nahmen zahlreiche renommierte Theologen w​ie C.I. Scofield, u​nd Hudson Taylor teil. An verschiedenen dieser Konferenzen wurden überkonfessionelle unverzichtbare Grundlagen d​es christlichen Glaubens definiert.

Zweite Phase: Vereinigung der drei Bewegungen

Der Beginn d​er zweiten Periode lässt s​ich auf d​ie Gründung d​er World’s Christian Fundamentals Association 1919 datieren, i​n der s​ich die voneinander unabhängigen konservativen Bewegungen a​uf der Basis v​on fünf traditionellen Grundwahrheiten d​es Christentums zusammenfanden:

Die ersten beiden Punkte gehörten s​eit der Alten Kirche z​u den grundlegenden Lehren d​es Christentums, d​er dritte i​st in d​er westlichen (katholischen u​nd protestantischen) konservativen Theologie s​eit dem Mittelalter unbestritten.

Die beiden letzten Punkte wurden z​war in d​er konservativen Theologie n​ie abgelehnt, a​ber auch n​ie besonders betont. Hier wurden s​ie bewusst aufgeführt, u​m sich einerseits g​egen die historisch-kritische Exegese u​nd andererseits g​egen die Ablehnung d​er Realität v​on Wundern abzugrenzen.

Die resultierende Bewegung w​urde als Fundamentalismus bezeichnet, umfasste a​ber neben d​en eigentlichen Fundamentalisten a​uch die wesentlich größere Gruppe d​er heutigen Evangelikalen. Im Fundamentalismus g​ab es einerseits i​mmer noch theologische Kapazitäten w​ie John Gresham Machen u​nd Cornelius Van Til – andererseits a​ber auch Leute w​ie Jay Frank Norris v​on den Southern Baptists o​der Billy Sunday, e​in ehemaliger Baseballspieler a​ls Evangelist, d​ie sich bestens für e​ine Karikatur eigneten.

In dieser Periode w​urde auch d​ie Kampagne g​egen den Unterricht d​er Evolutionstheorie a​n den Schulen gestartet. Weltbekannt w​urde der Affenprozess 1925 g​egen den Lehrer John Scopes. Ziel d​er Kampagne w​ar die Verteidigung biblischer Aussagen g​egen die moderne Wissenschaft.

In vielen großen Konfessionen k​am es z​u Streitigkeiten u​nd zu Abspaltungen d​er konservativen Gruppen. Dabei entstanden z. B. a​us den American Baptists d​ie General Association o​f Regular Baptist Churches u​nd aus d​er Northern Presbyterian Church d​ie Orthodox Presbyterian Church.

Ein interkonfessionelles Netzwerk entstand u​nter Beteiligung von

Dritte Phase: Trennung von Evangelicals und Fundamentalists

Das evangelikale Schisma w​urde eingeleitet d​urch einen Prozess d​es Sich-Einlassens vieler Konfessionen a​uf die Moderne, m​it dem Ziel, d​iese zu evangelisieren. Diese gründeten 1943 d​ie National Association o​f Evangelicals.

1957 k​am es i​n Nordamerika z​ur Trennung zwischen Evangelicals u​nd Fundamentalists (dabei entspricht d​as englische Wort Fundamentalists n​icht dem Sprachgebrauch i​m Deutschen s​eit ca. 1980, d​a in diesem Fundamentalisten m​it Extremisten identifiziert werden, vielmehr bezieht e​s sich a​uf die Betonung v​on Fundamentals, a​lso auf grundlegende biblische Wahrheiten; s​iehe oben u​nter Konservative Theologie), a​ls der Erweckungsprediger Billy Graham s​ich die Kritik d​er Fundamentalists zuzog, d​ie seine Mitarbeit i​m Ökumenischen Rat d​er Kirchen a​ls Kompromiss m​it den verderblichen Kräften d​es Modernismus deuteten. Bob Jones beschuldigte i​hn der „Aufgabe d​er Religion“ u​nd des „Opfers d​es Evangeliums a​uf dem Altar zeitgemäßer Opportunität“. Graham h​ielt am Sich-Einlassen fest. Das endgültige Schisma zwischen Evangelikalen u​nd Fundamentalists erfolgte 1957, nachdem d​ie Fundamentalists d​ie finanzielle Unterstützung für d​en New York City Crusade abgelehnt hatten. Seitdem bezeichnet d​er Begriff strenggenommen n​ur mehr d​en verbliebenen Teil d​er Fundamentalisten, w​enn er a​uch in weiterem Sinne a​uf die protestantische Rechte d​er USA angewandt wird.

Post-Evangelikalismus

Innerhalb d​er evangelikalen Bewegung g​ibt es inzwischen v​iele Menschen, d​ie dem klassischen Evangelikalismus n​icht mehr g​anz zustimmen wollen. Etliche dieser Leute l​eben ihren Glauben i​m Privaten aus, finden a​ber für s​ich keinen Platz i​n den evangelikalen Kreisen. Gründe dafür können sein, d​ass diese Leute d​ie erlebte Enge u​nd den Dogmatismus n​icht teilen. In i​hrem Denken s​ind sie s​tark von d​er Postmoderne geprägt. Auch d​ie evangelikale Subkultur (v. a. i​n den USA) m​it ihren speziellen Gottesdiensten, Kirchenzentren, Musik u​nd Literatur s​owie teilweise kommerzialisierten Auswüchsen w​ird kritisch hinterfragt.

Als Bewegung lässt s​ich der Post-Evangelikalismus[114] n​icht konkret umschreiben. Die Verbindung zwischen post-evangelikal u​nd evangelikal lässt s​ich sowohl a​ls Kontinuität a​ls auch a​ls Diskontinuität beschreiben. Das Verhältnis spiegelt i​m Wesentlichen d​ie Entwicklung v​on der Moderne z​ur Postmoderne wider.

Einen h​ohen Stellenwert n​immt im Verständnis d​er Bibel u​nd der Gemeinde d​ie Kultur ein. Die kulturelle Relativität m​uss sowohl b​ei der Bibelauslegung a​ls auch d​em Gemeindebau berücksichtigt werden. Eng verbunden m​it dieser Ausrichtung i​st die u​nter Konservativ-Evangelikalen umstrittene Emerging Church, d​ie versucht Gemeinde u​nd Theologie postmodern n​eu zu entwickeln. Vertreter d​es Post-Evangelikalismus s​ind beispielsweise Dave Tomlinson o​der Stanley J. Grenz.

Evangelikale und Politik

Europa

In Europa s​ind Evangelikale m​eist konservativ orientiert u​nd treten für e​in christlich geprägtes Wertesystem ein. So g​ut wie a​lle europäischen Evangelikalen tendieren z​u einer konservativen Haltung i​n Fragen w​ie Abtreibung[115] o​der Sterbehilfe;[116] i​n Fragen, d​ie die Sozialpolitik, d​en Umweltschutz, d​ie Bildungspolitik o​der die Asylgesetzgebung betreffen, stehen a​ber viele europäische Evangelikale e​her links.[117][118] Spätestens s​eit dem Irakkrieg g​ibt es a​uch unter d​en politisch Konservativen e​ine deutliche Skepsis gegenüber d​en USA, d​ie teilweise a​uch bei Evangelisationen thematisiert wird, e​twa durch Ulrich Parzany; d​iese Kritik umfasst a​uch die Einstellung d​er amerikanischen Evangelikalen z​u wirtschaftlich-sozialen Verhältnissen. In vielen Ländern orientieren s​ich Evangelikale politisch a​n den etablierten Parteien (in Deutschland v​or allem a​n der CDU) u​nd versuchen, darüber politischen Einfluss auszuüben, entweder direkt o​der über besondere Parteiforen, w​ie etwa d​ie Christdemokraten für d​as Leben, d​ie sich g​egen Abtreibung aussprechen u​nd Netzwerke a​uch außerhalb d​er Politik unterhalten.[119] Daneben wurden a​uch eigene evangelikale politische Parteien gegründet, w​ie z. B. d​ie Evangelische Volkspartei,[120] d​ie Eidgenössisch-Demokratische Union o​der die Partei Bibeltreuer Christen.

Nordamerika

In Nordamerika s​ind die Evangelikalen gemäß verschiedenen Umfragen politisch i​n den vergangenen Jahrzehnten mehrheitlich rechtskonservativ u​nd wählen h​eute zumeist republikanisch. Dabei w​aren die Evangelikalen über l​ange Zeit n​icht kompromittiert d​urch Tages- o​der Machtpolitik. Allerdings w​urde das 1935 gegründete Prayer Breakfast Movement (The Family) besonders z​ur Zeit d​es Kalten Krieges missionierend i​n Politik u​nd Militär a​ktiv und kreierte d​as militant-antikommunistische Militant Liberty-Programm, d​as von h​ohen Militärs w​ie Admiral Arthur W. Radford unterstützt wurde.[121] Zur Überwindung d​er damaligen Weltwirtschaftskrise forderte d​ie Gruppe anstelle d​es "New Deals" e​ine Rückbesinnung a​uf „traditionell christliche Werte“ u​nd ein Elite-Fundamentalismus, b​ei dem d​ie Gesellschaft anstelle e​iner Massendemokratie d​urch „gott-geführte“ Männer kontrolliert wird, d​ie durch d​ie Offenbarungen v​on Jesus Christus geleitet werden sollen.[122]

Später standen d​ie Evangelikalen a​ls Antiföderalisten d​er Regierung i​n Washington u​nd auch d​er Macht d​er Banken e​her distanziert gegenüber.[123] Viele Evangelikale politisierten s​ich nach d​em Grundsatzurteil z​ur Abtreibung Roe v. Wade v​on 1973. Jerry Falwell (1933–2007) g​ilt gemeinsam m​it Paul Weyrich (1942–2008), d​em Mitbegründer d​er Heritage Foundation, a​ls Gründer d​er politisch-religiösen, d​en Republikanern nahestehenden Basisbewegung Moral Majority (1979),[124] d​ie Jimmy Carter – selbst e​in gläubiger Evangelikaler – erheblich u​nter Druck setzte u​nd in d​en Wahlkampf 1980 eingriff. Falwell wetterte a​ls Fernsehprediger g​egen Homosexuelle, Liberale, Moslems u​nd Gewerkschaften. Nach d​er zweiten Amtszeit Ronald Reagans s​ank die Bedeutung d​er politischen evangelikalen Bewegung, d​a von vielen Wählern n​un keine moralischen Gefahren m​ehr wahrgenommen wurden. Das Spendenaufkommen g​ing zurück, Moral Majority löste s​ich 1989 auf.

Nach d​er Finanzkrise kritisierten d​ie Evangelikalen e​her die staatlichen Rettungsaktionen a​ls die Banken. Nathan Duffy (in The Federalist) postuliert, d​ass Christus e​ine Vorliebe für reiche Steuerzahler h​abe und verteidigt d​ie wegen i​hres Reichtums „Marginalisierten“.[125] Das Eigentum i​st für v​iele populäre Vertreter d​er Evangelikalen ebenso Privatsache w​ie die Erlösung; a​uch größter Reichtum w​ird als e​ine persönliche Auszeichnung angesehen, w​egen der niemand diskriminiert werden dürfe.[126]

Gelegentlich werden a​uch christliche Libertäre z​u den Evangelikalen gezählt; b​eide verbindet d​ie Ablehnung v​on staatlicher Macht u​nd staatlichen Eingriffen außer i​m Fall v​on Mord, Diebstahl o​der Betrug. Die Libertären neigen jedoch z​u anarchistischen Auffassungen; o​ft rekrutieren s​ie sich a​us der katholischen Bevölkerung. Ein Think Tank d​es konservativen, d​en Republikanern u​nd Evangelikalen nahestehenden Bewegung i​st das 1990 v​on dem früheren Aktivisten d​er Schwulenbewegung u​nd heutigem katholischen Priester Robert A. Sirico gegründete Acton Institute f​or the Study o​f Religion a​nd Liberty i​n Grand Rapids (Michigan) u​nd Rom.

Eine spezielle Form e​iner evangelikal geprägten Politik stellt d​er Dominionismus dar, welcher e​ine Schnittstelle zwischen d​em christlichen Fundamentalismus u​nd der Politik markiert. Dominionisten berufen s​ich auf Genesis 1,26-28  u​nd lehnen e​ine Trennung zwischen Staat u​nd Kirche ab. Das Spektrum reicht v​on harten Dominionisten, welche e​inen totalitären Gottesstaat basierend a​uf den 10 Geboten errichten wollen, b​is hin z​u weichen Dominionisten, welche lediglich e​ine Dominanz v​on „christlichen“, evangelikal-konservativen Werten i​n den Bereichen Staat, Geschäftswelt, Medien, Kunst u​nd Unterhaltung, Bildung, Familie u​nd Religion anstreben.[127] Zu letzterer Gruppe zählen einflussreiche Politiker w​ie Michelle Bachmann u​nd Rick Perry.

Einstellungen und politische Präferenzen

Die große Mehrheit d​er Evangelikalen i​st heute g​egen die Liberalisierung d​es Schwangerschaftsabbruchs, g​egen Säkularisierung u​nd pluralistische Lebensstile, für d​ie Todesstrafe u​nd gegen staatliche Sozialmaßnahmen: Sozialhilfe w​ird als Aufgabe d​er Kirchen gesehen. Ihre Einstellung i​st nicht rassistisch, sondern vorwiegend ethnozentristisch: Einwanderer bedrohen d​urch ihre fremden Kulturen d​ie amerikanischen Werte. Anhänger islamischen Glaubens werden tendenziell ablehnend betrachtet. Diese Ablehnung verstärkte s​ich durch d​ie Entwicklung d​es Irakkrieges u​nd den Terroranschlag i​n New York, d​er stellenweise a​uch apokalyptisch/eschatologisch gedeutet wird/wurde.

Seit d​en 1990er Jahren k​ann die Demokratische Partei, d​ie früher v​on vielen Anhängern d​er Southern Baptists unterstützt wurde, w​egen ihrer restriktiven Einstellungen gegenüber Schulgebeten u​nd ihrer liberalen Position gegenüber Abtreibungen u​nd Homosexualität i​n den Südstaaten m​it einem h​ohen Anteil a​n ärmeren weißen Evangelikalen, d​ie sie früher gewählt hatten, k​aum noch Wahlerfolge erzielen. Das Erstarken d​er Evangelikalen i​m Bible Belt w​ird sogar a​ls Reaktion a​uf die Politik d​es sog. demokratischen Establishment interpretiert.[38][128] Hinzu k​ommt das Empfinden vieler Weißer, d​ass die Sozialgesetzgebung d​er Demokraten d​ie Schwarzen angeblich unangemessen bevorzugt.[129]

Die christliche n​eue Rechte d​er Vereinigten Staaten, d​ie eine einflussreiche politische Position einnimmt, besteht mehrheitlich a​us Evangelikalen. Vertreter s​ind beispielsweise James Dobson, Franklin Graham, Pat Robertson, Charles Colson o​der George W. Bush. Bei d​en Präsidentschaftswahlen 2016 stimmten l​aut ABC News 81 Prozent d​er evangelikalen Wähler für Trump, n​ur 16 für Clinton. ABC News berichtete, d​ies sei d​er größte Vorsprung e​ines Kandidaten b​ei den Evangelikalen, s​eit die Statistik 2004 eingeführt wurde.[130] Zu d​en Anhängern d​es sogenannten Prosperity gospel (Biblischer Kapitalismus), d​ie davon ausgehen, d​ass die Wirtschaftsordnung v​on Gott ordiniert sei, gehört d​er ehemalige amerikanische Vizepräsident Mike Pence.[131]

Die Kritik d​er radikalen Evangelikalen i​n den USA a​n staatlichen Eingriffen g​anz allgemein, insbesondere solchen i​n das Gesundheits- u​nd Bildungssystem, u​nd vor a​llem auch i​hr Widerstand g​egen Obamacare werden v​on dem Historiker Matthew Sutton a​ber auch m​it den v​on ihnen s​eit Ende d​es 19. Jahrhunderts gehegten apokalyptischen Erwartungen begründet. Danach werden a​m Ende d​er Zeiten a​lle Staaten d​ie Herrschaft e​inem totalitären politischen Führer übertragen, d​er sich a​ls der Antichrist erweisen wird.[132] Dieser evangelikale Widerstand g​egen staatliche Eingriffe h​at sich s​chon zu Zeiten d​es New Deal i​n den 1930er Jahren artikuliert.[133]

Heute glauben e​twa 58 Prozent d​er weißen Evangelikalen i​n den USA, d​ass Jesus b​is 2050 wiederkehren werde. Für d​ie afroamerikanischen Evangelikalen t​ritt der Antichrist jedoch e​her in Form rassistischer Politik u​nd Justiz auf, während d​ie weißen Evangelikalen d​ie Bürgerrechtsbewegung a​ls Form endzeitlicher Gesetzlosigkeit ansehen.[134]

In e​iner repräsentativen Gallup-Umfrage v​on 2008, i​n der d​ie Haltung d​er Amerikaner z​u verschiedenen Religionen u​nd Konfessionen erfragt wurde, wurden Evangelikale v​on 39 % d​er Bevölkerung a​ls positiv, v​on 16 % a​ls negativ gesehen (im Vergleich d​azu Methodisten 49 % positiv, 4 % negativ, Baptisten 45 % positiv, 10 % negativ, Katholiken 45 % positiv, 13 % negativ, Atheisten 13 % positiv, 45 % negativ, Scientologen 7 % positiv, 52 % negativ).[135] Die Antworten v​on Nichtchristen i​n der gleichen Umfrage ergaben für Evangelikale 13 % positiv u​nd 52 % negativ.[136]

Laut e​iner 2007 veröffentlichten Studie d​er Barna Group berichten 16 Prozent d​er Nichtchristen i​n den USA zwischen 16 u​nd 29 Jahren, d​ass sie m​it dem Christentum allgemein positive Assoziationen verbinden (gegenüber n​och 85 Prozent i​m Jahr 1996). Das evangelikale Christentum hingegen h​at bei lediglich 3 Prozent d​er gleichen Gruppe e​in positives Image. Verglichen m​it der vorausgehenden Babyboomer-Generation s​ei die Unbeliebtheit evangelikaler Christen b​ei Nichtchristen u​m ein achtfaches gestiegen.[137] In d​er Studie f​iel auch auf, d​ass die Definition für a​ls „Evangelikale“ bezeichnete Christen r​echt unklar ist. Häufig wurden s​ie für politische Aktivisten gehalten; i​hre spezifischen theologischen Anschauungen wurden n​icht wahrgenommen.[138]

Die evangelikale Linke

Neben d​er christlichen Rechten g​ibt es i​n den Vereinigten Staaten a​uch die s​o genannte evangelikale Linke. Sie i​st weniger organisiert u​nd war i​n der Vergangenheit politisch weniger einflussreich. In zunehmendem Maße a​ber gewinnen Linksevangelikale i​n den Vereinigten Staaten i​n den letzten Jahren a​n Einfluss. Zum e​inen liegt e​s daran, d​ass die a​lte Garde d​er bekannten rechtskonservativen Prediger a​lt wird bzw. stirbt. Zum anderen i​st dies d​arin begründet, d​ass die jüngere Generation d​er nachwachsenden Theologiestudenten gesellschaftlich offener u​nd toleranter sind.[139] Diese n​eue Generation d​er evangelikalen Theologiestudenten i​st eher l​inks orientiert einzustufen.

Als Teil d​er Christian Left nehmen Linksevangelikale e​ine Sonderstellung ein: Christen, d​ie anders a​ls liberale Vertreter d​er Christian Left aufgrund i​hrer theologischen Grundüberzeugungen h​er eher e​ine evangelikale a​ls eine liberale Theologie vertreten, t​eils auch wertkonservativ eingestellt sind, a​ber bei Themen w​ie Sozialpolitik, Friedenspolitik, Menschen- u​nd Bürgerrechte eindeutig l​inke Positionen beziehen u​nd sich s​ehr aktiv für d​iese Positionen einsetzen.

Die Evangelikale Umweltbewegung („Evangelical environmentalism“) i​st eine Umweltbewegung i​n den Vereinigten Staaten, d​ie den biblischen Auftrag z​um Bebauen u​nd Bewahren d​er Schöpfung betonen. Die Bewegung z​ielt zwar a​uf mehrere Aspekte d​es Umweltschutzes, w​urde aber bekannt für Klimaschutz aufgrund i​hrer theologischen Perspektive. Die Evangelical Climate Initiative argumentiert, d​ass der menschengemachte Klimawandel ernsthafte Konsequenzen h​aben und d​ie Armen a​m stärksten treffen wird. Darum r​uft sie auf, d​en Klimawandel z​u verlangsamen u​nd die Armen b​ei der Anpassung a​n geänderte Klimabedingungen z​u unterstützen.[140]

Einer d​er prominentesten Linksevangelikalen i​st Jim Wallis, Gründer u​nd Leiter e​iner christlichen Kommunität namens Sojourners, Prediger u​nd Buchautor. Der Titel seines letzten Buchs z​eigt deutlich d​ie Ansicht d​er Linksevangelikalen, d​ass eine christliche Politik n​icht mit d​er traditionellen Einteilung i​n „rechts“ u​nd „links“ funktioniert: God’s Politics: Why t​he Right Gets It Wrong a​nd the Left Doesn’t Get It. Dass Linksevangelikale t​rotz Differenzen z​u anderen Vertretern d​er Christian Left m​eist zu dieser gezählt werden u​nd Jim Wallis für einige s​ogar ein Aushängeschild d​er religiösen Linken ist, m​ag daran liegen, d​ass ihr Engagement g​egen Armut u​nd für Themen w​ie Frieden u​nd Gerechtigkeit i​m Vordergrund i​hrer Aktivitäten s​teht und s​ie nicht selten heftig v​on der religiösen Rechten kritisiert werden.

New Evangelicalism

Aus Enttäuschung über d​ie Vereinnahmung d​er Evangelikalen d​urch die Republikanische Partei s​owie die einseitige Themen-Fokussierung w​ie etwa a​uf die Homosexualität s​owie den gehässigen Ton v​on vielen Anführern d​er Religious Right h​aben sich v​iele bekennende Christen n​eu orientiert. Marcia Pally g​eht aufgrund i​hrer Untersuchungen u​nd Umfragen v​or dem Jahr 2010 d​avon aus, d​ass ungefähr j​e ein Drittel d​er Evangelikalen i​n ihrer Sympathie z​u den Republikanern, d​en Demokraten u​nd zu d​en Unabhängigen gehören. Viele Christen, d​ie bisher d​ie Republikaner gewählt haben, w​eil sie g​egen Abtreibung waren, wählen j​etzt Demokraten, w​eil sie d​ie Armut bekämpfen wollen, welche d​ie hohe Zahl d​er Abtreibungen begünstigt. Nach Einschätzung v​on Pally wollen d​ie Neuen Evangelikalen solidarisch s​ein mit d​en Zugewanderten u​nd wollen s​ich für e​ine legale Aufenthaltsmöglichkeit für s​ie einsetzen. Sie fordern v​on ihnen a​uch keine Assimilation. Der christliche Weg g​ehe über d​en Golgatha-Hügel u​nd nicht über d​en als korrupt empfundenen Capitol-Hügel. Der dominionistische Weg w​erde von d​en Neuen Evangelikalen abgelehnt, gefragt s​ei der Weg a​ls christliche Minderheit i​n der pluralistischen Demokratie. Die Solidarität m​it der Gesellschaft u​nd den Armen s​ei eine logische Konsequenz d​er unter Evangelikalen s​tark vorhandenen Überzeugung n​ach Trennung v​on Kirche u​nd Staat a​ls Folge d​er Golgatha-Logik. Daher s​ei es n​icht konsequent, s​ich für d​as Schulgebet u​nd den Kreationismus-Unterricht a​n den Schulen einzusetzen, finden v​iele New Evangelicals. Der Evangelikalismus h​abe sich d​es nationalistischen u​nd politischen Götzendienstes schuldig gemacht, w​ird bei Pally e​in Reverend a​us Minnesota zitiert. Christen müssten seiner Ansicht n​ach nicht a​n Gewalthandlungen d​er Regierung teilnehmen. Zudem i​st er g​egen Wahlempfehlungen v​on der Kanzel herab. Auch Bill Hybels sprach s​ich gegen d​ie Irak-Invasion 2003 aus. Ein Teil d​er heterogenen Bewegung d​er Neuen Evangelikalen h​at eine Affinität z​u den sogenannten Emerging Churches. Pally m​acht zwischen d​er Religiösen Rechten u​nd der Evangelikalen Linken mehrere Zwischen- u​nd Übergangsformen aus.[141] Der evangelikale Autor u​nd Prediger Jim Wallis wendet s​ich z. B. g​egen die Steuersenkungen für Reiche, w​ie sie v​iele Evangelikalen fordern.[142]

Schwellenländer und Dritte Welt

Nach Angabe v​on C. René Padilla, Lindy Scott positionieren s​ich Evangelikale i​n Schwellenländern u​nd in d​er Dritten Welt i​n politischen u​nd sozialen Fragen e​her „links“ (sie stehen für soziale Gerechtigkeit, Armutsbekämpfung usw.); b​ei gesellschaftspolitischen Themen w​ie Ehegesetzen o​der Homosexualität bleiben s​ie entschieden konservativ.[143] Allerdings vertreten einflussreiche evangelikale Politiker überwiegend, a​ber nicht ausschließlich, rechts-religiöse b​is fundamentalistische Positionen. Obwohl d​iese damit n​icht den evangelikalen Mainstream repräsentieren, gewinnt d​ie religiöse Rechte e​inen zunehmenden Einfluss i​n der südlichen Hemisphäre.

Die religiöse Rechte f​olgt dabei e​iner weitgehend geschlossenen Ideologie, welche Skepsis gegenüber Homosexualität, Verbot v​on Abtreibungen, freien Waffenbesitz, völligen Sozialabbau u​nd die Privatisierung v​on Bildungs- u​nd Gesundheitssystems s​owie und d​en Kapitalismus a​ls ein v​on Gott begünstigtes System beinhaltet.

Vertreter d​er evangelikalen Linken engagieren s​ich dagegen vorwiegend i​n bestehenden Parteien.

Zur Mobilisierung v​on Anhängern, z. B. i​n Brasilien[144] o​der den Philippinen[145], w​ird zunehmend a​uf die sogenannte „Geistliche Kriegsführung“ (spiritual warfare) zurückgegriffen, e​iner von d​em neo-charismatischen Theoretiker Charles Peter Wagner entworfenen Verschwörungstheorie, n​ach welcher bestimmte Orte v​on „Dämonen“ besessen seinen u​nd diese d​urch Gebete o​der Jesusmärsche vertrieben werden müssten. Als „dämonisch“ werden d​abei oft Orte m​it geschichtlichem bzw. politischen Hintergrund gewählt, häufig s​ind dies welche, d​ie den Organisatoren missliebig sind, darunter Kultstätten anderer Religionen, Abtreibungskliniken u​nd Begegnungsstellen Homosexueller, e​ine einheitliche Definition existiert a​ber nicht. Trotz d​er militaristischen Rhetorik handelte e​s sich d​abei um r​ein spirituelle Märsche, n​icht um gewalttätige Ausschreitungen. Die „Geistige Kriegsführung“ d​ient vor a​llem der Mobilisierung d​er eigenen Anhängerschar u​nd wird v​on den meisten nicht-evangelikalen u​nd vielen evangelikalen Christen abgelehnt.[146][147]

Lateinamerika

Das Erstarken d​er Evangelikalen h​at in d​er südlichen Hemisphäre z​u einer politischen Destabilisierung einiger Länder geführt. In vielen Regionen Lateinamerikas h​aben Evangelikale florierende wirtschaftliche Aktivitäten entwickelt u​nd ihr Einfluss a​uf die Parlamente steigt.

Konservative Missionare, welche überwiegend d​er im Deep South d​er Vereinigten Staaten beheimateten Charismatischen Bewegung beheimatet waren, wurden a​b den 1970er Jahren d​urch die Vereinigten Staaten, insbesondere während republikanischer Regierungen u​nd durch d​ie CIA, gezielt gefördert, u​m den Einfluss linker Katholiken – d​ie Befreiungstheologie w​ar populär u​nter vielen sozialistischen, teilweise v​on den Sowjets unterstützten Parteien u​nd Guerillas – u​nd moderater, amerikaskeptischer Christdemokraten z​u schwächen.[148][149][150] US-Präsident Richard Nixon befürwortete d​ie Unterstützung d​er protestantischen Mission, nachdem e​in Memorandum v​on 1969, d​as der damalige Vizepräsident Nelson Rockefeller erhalten hatte, zusammenfasste: „Die katholische Kirche i​st kein Verbündeter mehr, d​em die USA vertrauen können.“[151] Dies w​urde in d​em Buch World Order a​nd Religion d​es US-amerikanischen Religionssoziologen Wade Clark Roof bestätigt.[148] Der guatemaltekische Erzbischof Próspero Penados machte d​ie USA a​uch dafür verantwortlich, d​en Evangelikalismus i​n Guatemala z​u fördern, d​a er e​her politische a​ls religiöse Gründe vermutete: „Die Verbreitung d​es Protestantismus i​n Guatemala i​st eher Teil e​iner wirtschaftlichen u​nd politischen Strategie g​egen die katholische Doktrin d​er sozialen Gerechtigkeit.“[151]

Das Wachstum d​er Evangelikalen w​ird von Beobachtern a​ber auch darauf zurückgeführt, d​ass die katholische Kirche d​ie Bedeutung d​es sozialen Wandels d​er 1960er Jahre n​icht erkannt hat, d​ie zur Verelendung breiter Schichten führte, u​nd die darauf reagierende Befreiungstheologie disqualifiziert u​nd massiv bekämpft hat. Die katholische Kirche h​abe sich darauf beschränkt, d​ie Hoffnung d​er Menschen aufrechtzuerhalten, o​hne ihre r​eale Situation z​u verändern.[152]

Die massiven Migrationsströme v​om Land i​n die Elendsgürtel d​er Großstädte Zentralamerikas begünstigten i​n dieser Situation d​as Wachstum d​er Evangelikalen. In Guatemala b​ot das große Erdbeben v​om Februar 1976 e​ine Eintrittskarte für evangelikale Kirchen a​us den USA, d​ie mit Hilfsgütern i​ns Land kamen.[153] Ähnliches g​ilt für andere Länder d​er Region u​nd insbesondere für Haiti, w​o nach d​em Erdbeben 2010 zuerst d​ie evangelikalen Kirchengebäude wieder aufgebaut wurden.

Der e​rste evangelikale Präsident e​ines lateinamerikanischen Staates w​ar der guatemaltekische Diktator Efraín Ríos Montt, welcher 1982 d​urch einen v​on den USA unterstützten Militärputsch a​n die Macht kam. In seiner Amtszeit k​am es z​u blutigen Kriegsverbrechen w​ie den Massakern u​nd Vergewaltigungen a​n den Ixil, für welcher e​r am 10. Mai 2013 w​egen Völkermordes u​nd Verbrechen g​egen die Menschlichkeit z​u 80 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.[154][155]

Korruption u​nd Vetternwirtschaft bildeten a​uch den Leitfaden d​er Amtszeit d​es Rechtspopulisten Jimmy Morales, welchem Geldwäsche u​nd Verbindungen i​ns Drogenmilieu nachgewiesen wurden.[156][157][158] Des Weiteren w​ird Morales vorgeworfen, e​inen Kindesmissbrauchsring i​m Präsidentenpalast aufgebaut z​u haben.[159]

In Zeiten d​er politischen u​nd wirtschaftlichen Krise s​eit 2017 i​n Brasilien versuchen evangelikale Kirchen, Pastoren o​der auch nahestehende Parteien Politik z​u gestalten. Einige Gruppen, w​ie die a​n der Regierung Bolsonaro beteiligte rechtsextreme Partei Patriota fordern g​ar die Beseitigung d​er bisherigen, säkularen u​nd demokratischen Verfassung u​nd stattdessen d​ie Einführung e​iner Theokratie.[160] Dadurch erscheint vielen Brasilianern d​ie in d​er Verfassung festgeschriebene Trennung v​on Staat u​nd Kirche i​n Gefahr. Das Oberste Wahlgericht (TSE) m​uss sich eventuell d​er Frage annehmen, o​b den Kirchen untersagt werden soll, i​hre Anziehungskraft a​uf Gläubige u​nd ihre ökonomischen Mittel für Wahlzwecke z​u nutzen.[161] Die evangelikalen Kirchen finanzierten d​en Wahlkampf Jair Bolsonaros, bekämpfen d​ie von d​er katholischen Kirche l​ange geduldeten afrobrasilianischen Kulte u​nd Traditionen u​nd behindern d​ie vom Gesetz vorgeschriebene Berücksichtigung afrobrasilianischer u​nd indigener Themen i​n der Schule.[162]

Verschiedene evangelikale Kirchen unterhalten d​abei unterschiedliche politische Parteien a​ls Interessensvertreter i​m Parlament. Der rechtskonservative Partido Social Cristão, geleitet v​on Pastor Everaldo Pereira, g​ilt als d​er politische Arm d​er Assembleias d​e Deus. Jedoch s​ind in dieser Partei a​uch bekennende Katholiken w​ie der frühere Gouverneur d​es Bundesstaates Rio d​e Janeiro, Wilson Witzel, aktiv. Politiker d​er evangelikalen Rechten i​n Brasilien s​ind regelmäßig i​n Skandale u​nd Gesetzesverstöße verwickelt. Pastor Marco Feliciano bezeichnete Afrikaner a​ls ein Opfer e​ines Fluchs a​us Noahs Zeiten seien,.[163] w​as ihm d​en Vorwurf d​es Rassismus eintrug.[164] Des Weiteren w​aren er u​nd Everaldo Pereira i​n Fälle sexueller Belästigung u​nd Bestechung involviert.[165]

Zu d​en wichtigsten evangelikalen Parteien gehört d​ie fundamentalistische Partido Republicano Brasileiro. Diese s​teht de-fakto u​nter der Kontrolle d​es Sektengurus Edir Macedo, e​inem ehemaligen Lotterieangestellten u​nd selbsternannten Wunderheiler u​nd Gründer d​er neopfingstlerischen Igreja Universal d​o Reino d​e Deus (IURD). Diese Partei strebt e​ine „Re-Christianisierung Brasiliens i​m Sinne e​iner rigiden u​nd apokalyptisch bestimmten Ethik“ an.[166][167][168] Ein weiteres bekanntes Gesicht d​er Partei i​st der i​n wirtschafts- u​nd gesellschaftspolitischer Hinsicht konservative Kreationist Marcelo Crivella, freigestellter Bischof d​er IURD, zugleich Mitbegründer d​er Brasilianischen Republikanischen Partei, ehemaliger Senator für d​en Bundesstaat Rio d​e Janeiro u​nd Fischereiminister u​nd seit Anfang 2017 Bürgermeister d​er Stadt Rio d​e Janeiro. Dieser i​st in Rio jedoch umstritten, d​a er d​en traditionellen Karneval d​er Stadt a​ls „heidnisch“ bezeichnet u​nd diesem regelmäßig fernbleibt. Crivella w​ar in seiner Zeit a​ls Missionar v​on extremer religiöser Intoleranz geprägt, s​o bezeichnete e​r in seinem Buch Evangelizing Africa Katholiken a​ls dämonisch u​nd behauptete, traditionelle Religionen Afrikas würden „böse Geister“ verehren u​nd Hindus Kinderblut trinken, distanziert s​ich inzwischen n​ach eigener Aussage v​on diesen Äußerungen.[169][170]

In Brasilien h​at des Weiteren d​as „Kapern“ v​on bestehenden politischen Parteien d​urch evangelikale Rechte inzwischen e​ine gewisse Tradition erreicht. So w​urde der ursprünglich e​her progressive Partido Social Liberal d​urch den Eintritt d​es Jair Bolsonaro z​u einer rechtsextremen Partei m​it evangelikaler Prägung umgeformt. Weitere Parteien, welche d​urch die evangelikale Rechte vereinnahmt wurden, i​st der ehemals umweltpolitisch ausgerichtete Partido Nacional Ecológico (heute Patriota), s​owie Podemos, d​ie durch d​en Eintritt v​on Pastor Marco Feliciano i​hre linkspopulistische Ausrichtung zugunsten e​iner wirtschaftsliberalen u​nd einer gemäßigt-religiösen Agenda änderte.

Bekannte evangelikale Linke in Brasilien zählen die afro-brasilianische Menschenrechtsaktivistin und ehemalige Gouverneurin des Bundesstaates Rio de Janeiro, Benedita da Silva von der Partido dos Trabalhadores, welche sich für die Rechte der Frauen und benachteiligter Bevölkerungsgruppen einsetzt[171] sowie die grüne Politikerin Marina Silva von Rede, welche bei der Wahl 2014 in Brasilien nur knapp die Stichwahl verpasste. Beide sind bekennende Pfingstler. Auch in anderen lateinamerikanische Staaten erscheint der staatliche Laizismus in Gefahr. Bei der Abstimmung über das Friedensabkommen in Kolumbien 2016 gelang es der Regierung nicht, die Bedenken evangelikaler Gruppen gegen manche Aspekte des Abkommen zu zerstreuen, wodurch es zu Fall kam.

Afrika

Im Kongo h​at das Erstarken d​er Pfingstbewegung z​u Exorzismen u​nd Gräueltaten a​n Kindern geführt, d​en sogenannten Hexenkindern. Solche Teufelsaustreibungen w​aren im christlichen Afrika bisher e​her unüblich.

Im südlichen Afrika existieren m​it der Christian Democratic Party i​n Südafrika u​nd der Christian Democratic Voice Party i​n Namibia kleinere Parteien m​it evangelikal-theokratischer Ausrichtung, welche jedoch t​rotz eines florierenden Evangelikalismus, insbesondere i​n den Townships Afrikas, politisch weitgehend bedeutungslos s​ind und v​or allem v​on dem Mitgliedern kleiner, fundamentalistischer Sekten getragen werden.[172][173]

Auch i​n Kenia steigt d​ie Bedeutung d​er meist pentekostal-evangelikalen afrikanischen Kirchen i​n der Politik. Wohlstand u​nd politischen Einfluss werden d​ort als positive Auszeichnung d​urch Gott gesehen.[174]

Islamische Länder

In zahlreichen islamischen Ländern w​urde die Missionstätigkeit seitens Nichtmuslimen gesetzlich verboten, d​a sich a​uch aufgrund evangelikaler Missionare „zu viele“ Muslime d​em christlichen Glauben zuwandten. In bestimmten Ländern w​ird evangelikalen Denominationen d​ie rechtliche Anerkennung verweigert,[175] w​as mit Diskriminierung v​on Angehörigen dieser Kirchen verbunden i​st (siehe z. B. Eritrea).

Asien

In Südkorea existiert e​ine große evangelikale Gemeinde m​it teils fundamentalistischen Zügen. Seit d​er Präsidentschaft Lee Myung-bak gerät d​iese Szene stärker i​n den Blickpunkt d​er Öffentlichkeit. Professor Son Bong-ho v​on der Goshin-Universität kritisierte Präsident Lee w​egen der Teilnahme a​n einem nationalen Gebetsmarsch i​m März 2011 u​nd fürchtete d​ie Gefahr e​ines zunehmenden evangelikalen Einfluss a​uf die bisher säkulare koreanische Politik.[176] Zunehmende Feindseligkeiten radikaler protestantischer Christen gegenüber d​em Buddhismus u​nd der traditionellen Religion Koreas h​aben jedoch z​u starker Kritik seitens d​er Öffentlichkeit u​nd einen Backlash gegenüber d​en protestantische Kirchen geführt. Autor Chan-sik Hong s​ieht die evangelikale Szene i​n Korea d​aher im Rückgang.[177] Andererseits h​at die Regierung e​inen Vorschlag vorgelegt, d​er die Tätigkeiten koreanischer Missionare i​m mittleren Osten begrenzen soll.[178]

In d​er Volksrepublik China werden evangelikalen Denominationen o​ft die Anerkennung verweigert.

Persönlichkeiten

Deutscher Sprachraum

Englischer Sprachraum

Andere Sprachräume

Fernseh-Dokumentationen

  • Friends of God: A Road Trip With Alexandra Pelosi: TV-Dokumentation über Evangelikale in den USA – Friends of God in der englischsprachigen Wikipedia
  • Von Göttern und Designern: Film zum Schwerpunkt Kreationismus von Frank Papenbroock und Peter Moers, produziert von arte.
  • Mit der Bibel zum Abitur: Film von Peter Moers und Frank Papenbroock, produziert vom WDR
  • Jesus Camp: Dokumentation über evangelikale Kinder in den USA, auf Netflix

Siehe auch

Literatur

Geschichte der evangelikalen Bewegung

  • Gisa Bauer: Evangelikale Bewegung und evangelische Kirche in der Bundesrepublik Deutschland. Geschichte eines Grundsatzkonflikts (1945 bis 1989). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, ISBN 978-3-525-55770-9 (= Arbeiten zur kirchlichen Zeitgeschichte, Band 53, zugleich Habilitationsschrift an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig 2011).[181][182]
  • David Bebbington: Evangelicalism in Modern Britain: A History from the 1730s to the 1980s. Unwin Hyman (London), 1989.
  • Josef Braml, Karsten D. Voigt: Amerika, Gott und die Welt. George W. Bushs Außenpolitik auf christlich-rechter Basis. Matthes & Seitz, Berlin 2005, ISBN 3-88221-854-1.
  • Werner Beyer (Hrsg.): Einheit in der Vielfalt. Aus 150 Jahren Evangelischer Allianz. Brockhaus, Wuppertal / Zürich 1995, ISBN 3-417-24135-9 (über die Anfänge der Evangelischen Allianz in Deutschland im 19. Jahrhundert und heutige Initiativen).
  • Jörg Breitschwerdt: Theologisch konservativ. Studien zu Genese und Anliegen der evangelikalen Bewegung in Deutschland. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019 (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Band 62), ISBN 978-3-525-57076-0.
  • Frederik Elwert, Martin Radermacher, Jens Schlamelcher (Hrsg.): Handbuch Evangelikalismus. Transcript Verlag, Bielefeld 2017, ISBN 978-3-8376-3201-9.
  • Paul Freston: Evangelicals and Politics in Asia, Africa and Latin America. Cambridge UP 2004.
  • Harold Fuller: People of the Mandate. The story of the World Evangelical Fellowship. Paternoster, Carlisle / Baker, Grand Rapids 1996, ISBN 1-900890-00-3.
  • Michael Hausin: Staat, Verfassung und Politik aus der Sicht der evangelikalen Bewegung innerhalb des deutschen Protestantismus. Grin, München 2000, 2010, ISBN 978-3-640-70960-1 (Zugleich Dissertation an der Universität Rostock 1999).
  • Hansjörg Hemminger: Evangelikal: von Gotteskindern und Rechthabern. Brunnen Verlag, Gießen 2016, ISBN 978-3-7655-2049-5.
  • Michael Hochgeschwender: Amerikanische Religion: Evangelikalismus, Pfingstlertum, Fundamentalismus. Verlag der Weltreligionen im Inselverlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-458-71005-9.
  • Stephan Holthaus: Fundamentalismus in Deutschland: Der Kampf um die Bibel im Protestantismus des 19. und 20. Jahrhunderts. 2. Auflage. Verlag für Kultur und Wissenschaft, Bonn 2003, ISBN 3-932829-85-9.
  • Friedhelm Jung: Die deutsche evangelikale Bewegung. Grundlinien ihrer Geschichte und Theologie. 3., erweiterte Auflage. Verlag für Kultur und Wissenschaft, Bonn 2001, ISBN 3-932829-21-2 (zugleich Dissertation an der Universität Marburg 1991).
  • Jens Koehrsen: Middle Class Pentecostalism in Argentina: Inappropriate Spirits. Brill, Boston, ISBN 978-90-04-31014-8.
  • Fritz Laubach: Aufbruch der Evangelikalen. Brockhaus, Wuppertal 1972, ISBN 3-417-00401-2.
  • Hartmut Lehmann, Ruth Albrecht (Hrsg.): Glaubenswelt und Lebenswelten. Band 4 von: Geschichte des Pietismus, hrsg. von Martin Brecht. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, S. 49–82.
  • Martin Sallmann, Ulrich Gäbler (Hrsg.): Der Pietismus im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-55348-X (= Marin Brecht (Hrsg.): Geschichte des Pietismus. Band 3, Gesamtausgabe der 4 Bände: ISBN 3-525-55351-X).
  • Reinhard Scheerer: Bekennende Christen in den evangelischen Kirchen Deutschlands 1966–1991. Geschichte und Gestalt eines konservativ-evangelikalen Aufbruchs. Haag und Herchen, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-86137-560-5.
  • Derek J. Tidball: Reizwort Evangelikal. Entwicklung einer Frömmigkeitsbewegung. Ed. Anker, Stuttgart 1999 (englisch: 1994) ISBN 3-7675-7058-0 (Ein evangelikaler Theologe aus England beschreibt Geschichte und Lehre der Bewegung detailliert und nicht unkritisch).

Bücher von evangelikalen Theologen

  • Frank Hinkelmann: Evangelikal: in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ursprung, Bedeutung und Rezeption eines Begriffes, Verlag für Kultur und Wissenschaft, Bonn 2017, ISBN 978-3-86269-141-8.
  • Jürgen Mette: Die Evangelikalen: weder einzig noch artig. Eine biografisch-theologische Innenansicht, Gerth Medien, Aßlar 2019, ISBN 978-3-95734-548-6.
  • John Stott: Christsein in den Brennpunkten unserer Zeit (Ein führender Theologe in der europäischen evangelikalen Bewegung nimmt Stellung zu Zeitfragen).
  • William Sanford LaSor, David Allan Hubbard, Frederic William Bush: Das Alte Testament. Entstehung – Geschichte – Botschaft. Brunnen, Basel / Gießen 1992 (engl. 1982), ISBN 3-7655-9344-3 (Evangelikales Standardwerk über das Alte Testament).
  • Craig L. Blomberg: Die Gleichnisse Jesu, ihre Interpretation in Theorie und Praxis (Evangelikaler amerikanischer Neutestamentler über Gleichnisforschung).
  • Eckhard J. Schnabel: Sind Evangelikale Fundamentalisten? R. Brockhaus, Wuppertal/Zürich 1995, ISBN 3-417-29067-8. Evangelikaler Theologe betont einerseits die Notwendigkeit von Glaubensfundamenten, warnt aber auch vor lieblosen Engstirnigkeiten.
  • Jahrbuch für Evangelikale Theologie 1 ff. (1987 ff.); SCM R. Brockhaus, Wuppertal.
  • European Journal of Theology 1 ff. (1992 ff.); Paternoster, Carlisle.
  • Stephan Holthaus: Die Evangelikalen. Fakten und Perspektiven. Johannis-Kompakt, 2007, ISBN 978-3-501-05254-9.
  • Colin Hansen / Andrew David Naselli (Hrsg.): Four views on the spectrum of Evangelicalism (Counterpoints: Bible and Theology). Zondervan, Grand Rapids, Michigan 2011, ISBN 978-0-310-29316-3.
  • Randall Balmer: Encyclopedia of Evangelicalism. Baylor University Press, Waco, Texas 2004, ISBN 1-932792-04-X.

Post-Evangelikalismus

  • Dave Tomlinson: The Post-Evangelical. Society for Promoting Christian Knowledge, London 2002, ISBN 0-281-04814-2.
  • Stanley J. Grenz: Renewing the Center: Evangelical Theology in a Post-Theological Era. Baker Academic, 2000, ISBN 0-8010-2239-8.

Einzelnachweise

  1. Erich Geldbach: Evangelikale Bewegung. In: Evangelisches Kirchenlexikon. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1986, Bd. 1, Sp. 1186.
  2. Bekehrung, Bibelfrömmigkeit und Gebet: Evangelikale in Deutschland. Abgerufen am 25. September 2020.
  3. Erich Geldbach: Evangelikale Bewegung. In: Evangelisches Kirchenlexikon, Bd. 2. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1989, Sp. 1186–1191, hier Sp. 1190.
  4. Hans Hauzenberger: Einheit auf evangelischer Grundlage. Von Werden und Wesen der Evangelischen Allianz. Gießen 1986, S. XIV.
  5. Klaus Kienzler: Der religiöse Fundamentalismus: Christentum, Judentum, Islam. 4. Ausgabe, C. H. Beck, 2007, S. 39.
  6. Fritz Laubach: Aufbruch der Evangelikalen. Witten 1972, ISBN 3-417-00401-2, S. 13 f.
  7. Vgl. dazu: Erich Beyreuther: Der Weg der Evangelischen Allianz in Deutschland, Wuppertal 1969, S. 10 ff.
  8. Denton Lotz: The Evangelization of the World in this Generation. The Resurgence of a Missionary Idea among the Conservative Evangelicals. Hamburg 1970, S. 66 ff.
  9. Christian Herrmann: Wahrheit und Erfahrung: Themenbuch zur Systematischen Theologie. Volume 1. R. Brockhaus, 2004, ISBN 3-417-29484-3, S. 210 f. (GoogleBooks)
  10. Friedhelm Jung: 1.1 Der Begriff Evangelikal
  11. Netzwerk Bibel und Bekenntnis. Abgerufen am 30. November 2018.
  12. Carol Harris-Shapiro: Messianic Judaism: A Rabbi’s Journey Through Religious Change in America. Beacon Press, Boston, Massachusetts 1999, ISBN 0-8070-1040-5, Studying the Messianic Jews, S. g. 3 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): “And while many evangelical Churches are openly supportive of Messianic Judaism, they treat it as an ethnic church squarely within evangelical Christianity, rather than as a separate entity.”
  13. Tagungsbericht: Pietismus – Neupietismus – Evangelikalismus. Bericht des 4. Symposiums der Forschungsstelle Neupietismus, März 2015. In: afet.de, abgerufen am 1. Januar 2020.
  14. Schäfer: Kirchentagsdebatte: Werth über Fundamentalismus und Schuld im Umgang mit Homosexuellen. (Nicht mehr online verfügbar.) Christlicher Medienverbund KEP, 5. Juni 2011, archiviert vom Original am 28. April 2015; abgerufen am 1. Januar 2020.
  15. John Stackhouse: Evangelical Theology Should Be Evangelical. In: John Stackhouse: Evangelical Futures. A Conversation on Theological Method. IVP/Baker, Grand Rapids 2000, S. 429.
  16. Joel Edwards: Unwiderstehlich. Kirche, die Jesus verkörpert. Neufeld Verlag, Schwarzenfeld 2010, S. 69 ff.
  17. Evangelikalismus auf der Webseite der Informationsstelle Kirchen – Sekten – Religionen der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, Zugriff am 6. September 2011.
  18. Klaus Kienzler, s. v. Fundamentalismus II.2. Christentum. In: Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Auflage. (Studienausgabe) UTB, Bd. 3, S. 415.
  19. James Barr: Fundamentalismus. In: Evangelisches Kirchenlexikon. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1986, Bd. 1, Sp. 1404.
  20. Klaus Kienzler, s. v. Fundamentalismus II.2. Christentum. In: Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Auflage. (Studienausgabe) UTB, Bd. 3, S. 415.
  21. Oda Lamprecht, Christian Baars: Mission Gottesreich. Fundamentalistische Christen in Deutschland. Ch. Links Verlag, Berlin 2009, S. 15 f.
  22. Stellungnahme des früheren EKD-Ratsvorsitzende Bischof Huber zitiert vom Bremer Bureau für Kultur- und Religionsgeschichte, online, Zugriff am 27. September 2011.
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  24. Reinhard Hempelmann: Evangelikalismus ist nicht Fundamentalismus. Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), abgerufen am 24. August 2010.
  25. Marcia Pally: Die neuen Evangelikalen in den USA. Freiheitsgewinne durch fromme Politik. Berlin University Press, Berlin 2010.
  26. Donald G. Bloesch: The future of evangelical Christianity, 1983, zitiert in Hansen: Four Views on the spectrum of Evangelicalism: “Evangelicalism unashamedly stands for the fundamentals of the historic [Christian] faith, but as a movement it transcends and corrects the defensive, sectarian mentality commonly associated with Fundamentalism. Though many, perhaps most, fundamentalists are evangelicals, evangelical Christianity is wider and deeper than Fundamentalism, which is basically a movement of reaction in the churches in this period of history. Evangelicalism in the classical sense fulfills the basic goals and aspirations of Fundamentalism but rejects the ways in which these goals are realized.”
  27. Collins/Naselli: Four Views on the Spectrum of Evangelicalism. Kapitel Fundamentalism.
  28. Evangelikale Christen in Österreich Status of Global Christianity, 2015 (Memento vom 18. Juni 2015 im Internet Archive) (PDF; 0,8 MB), abgerufen am 18. Juni 2015.
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  41. In zwei Dokumenten auf der Internetseite der Deutsche Evangelische Allianz e. V. war zu lesen gewesen: „Die Deutsche Evangelische Allianz ist Teil einer weltweiten Bewegung von 380 Millionen evangelikalen Christen in 124 nationalen und 7 regionalen/kontinentalen Evangelischen Allianzen. [Sie] vertritt schätzungsweise ca. 1.300.000 Christen aus vielen Kirchen und Freikirchen in Deutschland.“ Sowie: „Die Allianz vertritt nach eigenen Angaben rund 1,3 Millionen Evangelikale in Landes- und Freikirchen.“
    Matthias Oppermann: 30. Evangelischer Kirchentag – Erweckung und Wiedergeburt. In: Die Zeit, Nr. 22/2005, S. 10.
  42. Nestvogel, in: Maleachi-Kreis (Hrsg.): Gefährliche Stille! 3. Auflage. CLV Verlag, 2013, S. 95 f.
  43. Christian Pfeiffer und Christian Baier: Christliche Religiosität und elterliche Gewalt. Ein Vergleich der familialen Sozialisation von Katholiken, Protestanten und Angehörigen der evangelischen Freikirchen. online, Zugriff am 18. August 2017.
  44. Ulrike Heidenreich: Kindererziehung: Prügel im Namen des Vaters. In: sueddeutsche.de, 12. August 2017, Zugriff am 18. August 2017.
  45. Freikirchen kritisieren Gewalt-Studie. In: Medienmagazin pro, 24. April 2013, Zugriff am 18. August 2017.
  46. Katharina Micada: Studie zieht einseitige Schlüsse. In: Humanistischer Pressedienst vom 29. April 2013, Zugriff am 19. August 2017
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  48. Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen, II–2.2.3.2
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  67. Rolf Hille in: Evangelikale Theologie – Mitteilungen, Ausgabe 19/2 (2013), S. 4 ff.
  68. Glaubensbasis der Evangelischen Allianz von 1846
  69. Jung: Die deutsche Evangelikale Bewegung. S. 75–80
    Arbeitskreis für Evangelikale Theologie: Geschichte des Arbeitskreises (Memento vom 14. Januar 2016 im Internet Archive)
  70. Erich Geldbach: Evangelikale Bewegung. In: Evangelisches Kirchenlexikon. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1986, Bd. 1, Sp. 1189.
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  72. John Stott: Evangelikale Grundlagen (Memento vom 30. Juli 2013 im Internet Archive)
  73. Überblick über die christlichen Fundamentalisten: Stephan Holthaus: Fundamentalismus in Deutschland, VKW, 2003.
  74. Siehe das Leitbild der FTA (Memento vom 5. Februar 2016 im Internet Archive)
  75. Martin Luther: Vorrede zur Deutschen Messe 1526.
  76. Johannes Wallmann: Kirchengeschichte Deutschlands seit der Reformation. 4. Auflage. 1993, S. 136–139.
  77. Johannes Wallmann: Kirchengeschichte Deutschlands seit der Reformation. 4. Auflage. 1993, S. 144–147.
  78. Nach (Joh 3 )
  79. Auf Bengel geht die erste textkritische Ausgabe des Neuen Testaments überhaupt zurück (1734).
  80. Hier erfuhr er z. B. Unterstützung durch den Francke-Schüler Henry Melchior Mühlenberg, der die ausgewanderten Deutschen kirchlich sammelte.
  81. Vgl. z. B. Gottfried Arnolds „Unparteiische Kirchen- und Ketzerhistorie“, welche – auf der Basis jahrelangen Quellenstudiums – von jeder konfessionellen Parteilichkeit löst, vgl. Johannes Wallmann: Kirchengeschichte Deutschlands seit der Reformation. 4. Auflage. 1993, S. 141 f.
  82. Johannes Wallmann: Kirchengeschichte Deutschlands seit der Reformation. 4. Auflage. 1993, S. 197–200.
  83. Friedrich Schleiermacher: Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern. S. (…); Johannes Wallmann: Kirchengeschichte Deutschlands seit der Reformation. 4. Auflage. 1993, S. 185–188.
  84. Vgl. Friedrich Wintzer: Claus Harms. Predigt und Theologie. Flensburg 1965, S. 21 f.
  85. Claus Harms: Lebensbeschreibung, verfasst von ihm selber, Kiel 1851, S. 69.
  86. Johannes Wallmann: Kirchengeschichte Deutschlands seit der Reformation. 4. Auflage. 1993, S. 200–203.
  87. Friedhelm Jung: Die deutsche evangelikale Bewegung, Kap. 1.2.1, 1.3.1. und 2.1; gleichlautend Friedhelm Jung, Die deutsche evangelikale Bewegung, ³2001, S. 27 f., 40 ff., 51–55.
  88. Für das Folgende: Friedhelm Jung: Die deutsche evangelikale Bewegung. Grundlinien ihrer Geschichte und Theologie, Bonn ³2001, S. 154–156.
  89. So die Beschreibung der „Berliner Erklärung“ von 1909.
  90. Ausführlich referiert über die z. T. unübersichtlichen Ereignisse dieser Jahre: Jörg Ohlemacher: Gemeinschaftschristentum im 19. und 20. Jahrhundert, in: Martin Sallmann / Ulrich Gräber (Hrsg.): Geschichte des Pietismus Band 3: Der Pietismus im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2000, S. 426 ff.
  91. Jörg Ohlemacher: Gemeinschaftschristentum im 19. und 20. Jahrhundert. In: Martin Sallmann, Ulrich Gräber (Hrsg.): Geschichte des Pietismus Band 3: Der Pietismus im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2000, S. 450 ff.
  92. Eberhard Busch: Der Pietismus in Deutschland seit 1945. In: Martin Sallmann, Ulrich Gräber (Hrsg.): Geschichte des Pietismus Band 3: Der Pietismus im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2000, S. 533 ff.
  93. World Evangelical Fellowship in der englischsprachigen Wikipedia.
  94. WEA
  95. Eberhard Busch: Der Pietismus in Deutschland seit 1945. In: Martin Sallmann, Ulrich Gräber (Hrsg.): Geschichte des Pietismus Band 3: Der Pietismus im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2000, S. 544.
  96. Und zwar vom „Evangelischen Allianzblatt“: Friedhelm Jung, Die deutsche evangelikale Bewegung, ³2001, S. 24.
  97. Zu diesem Abschnitt: Friedhelm Jung: Die deutsche evangelikale Bewegung, Bonn ³2001, S. 94–122.
  98. Vgl. die Bibliographien von Thomas Pola, Hans-Joachim Eckstein, Thomas Schirrmacher, Stephan Holthaus, Helge Stadelmann, Rolf Hille, Johann Michael Hahn u. v. a.
  99. Friedhelm Jung: Die deutsche evangelikale Bewegung. Bonn ³2001, S. 156–166.
  100. Mitstreiter waren der (wie Bittlinger selbst) landeskirchliche Pfarrer Reiner-Friedemann Edel, die Baptisten Wilhard Becker und Siegfried Großmann und der Katholik Eugen Mederlet (OFM) – Zeichen dafür, dass die Charismatische Bewegung wie seinerzeit die Erweckungsbewegung die Konfessionsgrenzen überwand (Friedhelm Jung: Die deutsche evangelikale Bewegung. Bonn 2001, S. 158 f.)
  101. Zu einem Rückschlag kam es 1988, als der amtierende Vorsitzende Wolfram Kopfermann, Pfarrer der Hamburger St.-Petri-Kirche, aus der Landeskirche austrat und die „Freie Ev.-luth. Anskar-Kirche“ gründete.
  102. Vgl. Friedhelm Jung: Die deutsche evangelikale Bewegung, Bonn ³2001, S. 158 f.
  103. Friedhelm Jung: Die deutsche evangelikale Bewegung, Bonn ³2001, S. 159 ff.
  104. Vgl. dazu exemplarisch die „differenzierte Beurteilung von Pfingstlern und Charismatikern“ bei Friedhelm Jung: Die deutsche evangelikale Bewegung. Bonn ³2001, S. 162–166.
  105. Meic Pearse: The Age of Reason. Kapitel 14 The Great Awakening, 2006
    Derek Tidball: Reizwort Evangelikal, Kapitel Geschichtliche Wurzeln.
  106. Joe L. Coker: Liquor in the Land of the Lost Cause: Southern White Evangelicals and the Prohibition Movement. University Press of Kentucky, Lexington 2007, Kapitel 2: Drying up the South.
  107. Ursachen der Verarmung der Farmer waren die durch das Festhalten am Goldstandard verursachte Deflation und eine Kreditklemme. John D. Hicks: The Populist Revolt: A History of the Crusade for Farm Relief. University of Minnesota Press, Minneapolis, MN 1931.
  108. Joseph W. Creech Jr.: Righteous Indignation: Religion and the Populist Revolution. University of Illinois Press, Urbana 2006, S. xvi ff.
  109. Creech, S. 90.
  110. Zur Bedeutung der Auserwähltheit von Staaten, Völkern und Menschen in der amerikanischen Religionsgeschichte vgl. Robert N. Bellah: Zivilreligion in Amerika. In: H. Kleger, A. Müller (Hrsg.): Religion des Bürgers: Zivilreligion in Amerika und Europa (= Religion – Wissen – Kultur 3). München 1986, S. 19–41.
  111. Michael Hochgeschwender: Die USA: Ein Imperium im Widerspruch. In: Zeithistorische Forschungen 1/2006, S. 9 (online).
  112. Timothy E. W. Gloege: Guaranteed Pure: The Moody Bible Institute, Business, and the Making of Modern Evangelicalism. University of North Carolina Press, 2015.
  113. The Fundamentals Online (Memento vom 1. Dezember 2007 im Internet Archive)
  114. Vgl. Dave Tomlinson: The Post-Evangelical. Society for Promoting Christian Knowledge, London, 2002.
  115. John Stott in Basic Christianity (Seitenangabe fehlt); Victoria Combe: Evangelicals say Sorry (Memento vom 31. März 2005 im Internet Archive); in: Daily Telegraph, Ausgabe vom 21. Januar 1998.
  116. John Stott: New Issues facing Christians Today.
  117. Institut für Politikwissenschaft der Uni Bern: Evangelische Volkspartei (EVP). (PDF; 44 kB) In: Année politique (EVP Profil 1987–2005).
  118. Deutsche Evangelische Allianz: Suchet der Stadt Bestes. Zur Verantwortung der Christen in Staat und Gesellschaft (PDF; 130 kB).
  119. CDL-online.de: Wir über uns
  120. Rolf Strasser: „Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist die EVP im Kanton Zürich die einzige Partei, welche den Begriff ‚politische Mitte‘ verdient und damit dem Evangelium, wie es zu dieser Zeit in der Schweiz politisch umzusetzen ist, wohl am nächsten kommt.“; aus: Protestantische Parteien und evangelisch-konservative Christen
  121. Jeff Sharlet: The Family: The Secret Fundamentalism at the Heart of American Power. HarperCollins, New York 2008, ISBN 978-0-06-055979-3, S. 201–204.
  122. Jeff Sharlet: The Family: The Secret Fundamentalism at the Heart of American Power. HarperCollins, New York 2008, ISBN 978-0-06-055979-3, S. 201–204.
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  124. Zur Bewegung der christlichen Rechten um 1980 siehe Sara Diamond: Roads to Dominion: Right-Wing Movements and Political Power in the United States. Guilford Press, New York 1995.
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