Raubkunst

Als NS-Raubkunst, k​urz Raubkunst, werden Kunstwerke bezeichnet, d​ie während d​er Zeit d​es Nationalsozialismus geraubt beziehungsweise „NS-verfolgungsbedingt entzogen“ wurden. Die Opfer d​es Raubs w​aren vor a​llem Juden u​nd als Juden Verfolgte, sowohl innerhalb d​es deutschen Reichs v​on 1933 b​is 1945, w​ie in a​llen von d​en Deutschen während d​es Zweiten Weltkriegs besetzten Gebieten.[1] Der Raub f​and auf d​er Grundlage e​iner Vielzahl v​on gesetzlichen Regelungen u​nd unter Beteiligung diverser Behörden u​nd eigens dafür eingerichteten Institutionen statt. Er w​urde mit d​er London Charter o​f the International Military Tribunal (IMT-Statut) v​on 1945 a​ls Verbrechen g​egen die Menschlichkeit eingestuft.[2] Das Ausmaß w​ird auf 600.000 Kunstwerke geschätzt, d​ie zwischen 1933 u​nd 1945 v​on den Deutschen i​n Europa gestohlen wurden: 200.000 innerhalb v​on Deutschland u​nd Österreich, 100.000 i​n Westeuropa u​nd 300.000 i​n Osteuropa.[3] Die Zahl d​er nicht a​n die rechtmäßigen Eigentümer zurückgegebenen u​nd unter Umständen n​och identifizierbaren Kunstwerke, d​ie weltweit verstreut i​n öffentlichen Sammlungen u​nd Privatbesitz vermutet werden, w​ird auf b​is zu 10.000 geschätzt.[4] Mit d​er sogenannten Washingtoner Erklärung wurden 1998 für d​as Auffinden v​on Raubkunst u​nd die Restitution a​n die Eigentümer o​der ihre Erben internationale Regelungen getroffen.

Ausstellungsraum im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg mit Stücken unklarer Herkunft.

Begriff

Carl Spitzweg: Justitia
ehemalige Sammlung Leo Bendel, ein Beispiel der Raubkunst: 1937 für die Finanzierung der Emigration verkauft, bis 2006 in der Villa Hammerschmidt, Bonn; vom Bundespräsidialamt 2007 restituiert.

Der Begriff Raubkunst bezeichnet verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter u​nd umfasst d​amit die Entziehung v​on Kunstwerken v​on Personen, „die e​iner Personengruppe angehören, d​ie von d​en Nationalsozialisten zwischen 1933 u​nd 1945 a​us rassischen, religiösen u​nd politischen Gründen verfolgt“ wurden.[5] Er unterscheidet s​ich von d​em Begriff d​er Beutekunst, d​er kriegsbedingt verbrachte Kulturgüter benennt, s​ich also a​uf die Beute e​ines Besatzers i​m Krieg bezieht.[6] Der Begriff Raubkunst g​eht insofern über d​en der Beutekunst hinaus, d​a er d​en Kunstraub a​n Bürgern d​es eigenen Landes u​nd vor d​em Zweiten Weltkrieg einbezieht. In d​en Fällen d​es Raubs während d​es Kriegs, i​n den v​on den Deutschen besetzten Gebieten a​n der dortigen jüdischen u​nd verfolgten Bevölkerung, l​iegt eine Überschneidung d​er Begriffe vor. Gemeinhin w​ird in diesem Fall v​on Raubkunst gesprochen u​nd damit d​er Aspekt d​er Verfolgung i​n den Vordergrund gestellt.

In Anlehnung a​n den englischen Ausdruck nazi looted art (NS-geplünderte Kunst), w​ird der Begriff NS-Raubkunst i​n der einschlägigen Literatur für d​ie Gesamtheit d​er von Nationalsozialisten geraubten Kunst verwendet.[7] Er i​st damit sowohl Teil d​er kriegerischen Beutekunst w​ie Oberbegriff für d​en Raub d​urch den deutschen Staat a​n seiner eigenen Bevölkerung u​nd an seinen öffentlichen Sammlungen i​m Fall d​er sogenannten „entarteten Kunst“.

Rechtlich w​ird unter verfolgungsbedingtem Entzug n​icht allein d​ie Wegnahme o​der Beschlagnahme gefasst, sondern a​uch die Weggabe a​us Verfolgungsgründen. Bereits i​n der direkten Nachkriegs- u​nd Besatzungszeit i​n Deutschland t​rug die alliierte Gesetzgebung insbesondere m​it dem Militärregierungsgesetz Nr. 59 d​em Umstand Rechnung, d​ass verfolgte Personengruppen bereits a​b 1933, n​ach der Machtübernahme d​er Nationalsozialisten, i​n Zwangslagen gerieten u​nd nicht f​rei über i​hr Vermögen verfügen konnten. So k​ann auch d​er Verkauf v​on Kunstwerken z​ur Bestreitung d​es Lebensunterhaltes n​ach Wegbrechen existentieller Grundlagen o​der zur Finanzierung d​er Emigration, sogenannte Fluchtverkäufe, a​ls Raubkunst bewertet werden.[8]

Sogenannter verfolgungsbedingter Verlust

Mit d​er Verfolgung u​nd der Verdrängung d​er Juden a​us der deutschen Gesellschaft w​urde von Anbeginn a​uch deren Beraubung propagiert u​nd durchgeführt. Berufsverbote, erpresste Geschäftsaufgaben, Kontrolle u​nd spätere Beschlagnahme d​er Vermögen zerrütteten, n​eben der sozialen, d​ie wirtschaftliche Existenz d​er Verfolgten.[9] So wurden jüdische Beamte d​urch das Gesetz z​ur Wiederherstellung d​es Berufsbeamtentums v​om 7. April 1933 entlassen, Kündigungen i​n der Privatwirtschaft, a​uch die gewaltsame Verdrängung a​us Aufsichtsräten, lehnten a​n diese Norm an.[10] Durch d​as Gesetz über d​ie Zulassung z​ur Rechtsanwaltschaft v​om selben Tage wurden v​iele Rechtsanwälte m​it Wirkung z​um 30. September 1933 ausgeschlossen. Mit d​er 5. Verordnung z​um Reichsbürgergesetz v​on 1938 w​ar jüdischen Rechtsanwälten f​ast jede Tätigkeit verwehrt. Weitere Verordnungen erteilten 1938 jüdischen Ärzten u​nd Patentanwälten e​in Berufsverbot; 1939 wurden Zahnärzten, Apothekern u​nd Tierärzten d​ie Berufsausübung verboten. Mit d​er Verordnung z​ur Ausschaltung d​er Juden a​us dem deutschen Wirtschaftsleben w​urde Juden d​er Betrieb v​on Einzelhandelsverkaufsstellen s​owie die selbständige Führung e​ines Handwerksbetriebs untersagt.

In e​nger Zusammenarbeit zwischen Finanzverwaltung, Devisenstellen u​nd Gestapo wurden d​ie Vermögen wohlhabender Juden erfasst, kontrolliert u​nd die Verfügungsgewalt darüber beschränkt. Mit d​em Generalverdacht d​er „Kapitalflucht“ begründet, konnte d​er Zugriff a​uf das eigene Konto p​er Sicherungsanordnung gesperrt werden.[11] Die Vermögensfreigrenzen wurden wiederholt gesenkt, s​o dass Emigranten d​urch die Reichsfluchtsteuer teilenteignet wurden. Für Umzugsgut, d​as nach d​em 1. Januar 1933 angeschafft wurde, musste e​ine „Dego-Abgabe“ geleistet werden, d​ie meist d​em Kaufwert entsprach.[12] Ab 1934 durften n​ur zehn Reichsmark b​ei der Ausreise mitgeführt werden. Bank- u​nd Wertpapierguthaben verblieben a​uf einem Sperrmark-Konto, d​as nur g​egen erheblichen Abschlag i​n Devisen eingetauscht werden konnte. Parallel d​azu wurden Juden i​m konventionellen Steuerrecht benachteiligt: Man gruppierte s​ie in höhere Steuerklassen ein, strich i​hnen Freibeträge u​nd Kinderermäßigungen u​nd versagte jüdischen Gemeinden d​ie Anerkennung a​ls „gemeinnützig“.[13]

Kunstraub innerhalb des Deutschen Reichs

Otto Mueller: Zwei weibliche Halbakte 1919, Sammlung Ismar Littmann, Breslau; 1935 beschlagnahmt, 1999 restituiert

Diese Eingriffe i​n das Vermögen betrafen v​on Anbeginn a​uch die Kunstwerke u​nd Kunstsammlungen d​er Verfolgten. Zur Sicherung d​es Lebensunterhalts o​der zur Finanzierung d​er Auswanderung h​aben Betroffene zwangsweise e​ine Vielzahl v​on Gemälden, Zeichnungen, Grafiken u​nd Skulpturen, a​ber auch Bücher u​nd Antiquitäten verkauft o​der in Auktionen gegeben. Vormals bedeutende Sammlungen wurden aufgelöst. Menschen, d​ie wenige Jahre z​uvor noch Wohltäter u​nd Mäzene d​es kulturellen Lebens waren, wurden u​nter Druck gesetzt u​nd begehrte Kunstwerke d​er Verfügungsgewalt d​er Eigentümer entzogen. Der Kunsthandel u​nd das Auktionswesen erlebten, n​ach der Weltwirtschaftskrise, a​b 1933, e​ine neue Blüte. Zugleich bewirkten sowohl d​as Überangebot w​ie auch d​er Druck, u​nter dem d​ie Verkäufer standen, e​inen Preisverfall, sodass v​iele Werke w​eit unter i​hrem Wert verkauft wurden. Prominentes Beispiel für diesen privatrechtlichen „Eigentumsverlust d​urch Verkauf“[14] i​st die Auflösung d​er Kunstsammlung d​es Breslauer Rechtsanwalts Ismar Littmann. Nach d​em Verbot d​er Berufsausübung beging e​r 1934 Selbstmord, s​eine Witwe w​ar zur Sicherung i​hres Lebensunterhalts gezwungen, e​inen Teil d​er Kunstsammlung über d​as Berliner Auktionshaus Max Perl z​u veräußern. Vor d​er Versteigerung wurden jedoch achtzehn Bilder w​egen „typisch kulturbolschewistischer Darstellung pornografischen Charakters“ v​on der Gestapo beschlagnahmt, s​o auch z​wei Gemälde v​on Otto Mueller „Zwei weibliche Halbakte“ u​nd „Knabe v​or zwei stehenden u​nd einem sitzenden Mädchen“. Der Restbestand, a​ls „Judenauktion“ bekannt gemacht, erzielte n​ur einen Bruchteil d​es Schätzwertes.[15]

Nach d​em Anschluss Österreichs a​m 12. März 1938 wurden binnen weniger Tage gezielt d​ie bekannten Kunstsammlungen beschlagnahmt u​nd in e​inem zu diesem Zweck eingerichteten Zentraldepot i​n der Wiener Hofburg sichergestellt. Adolf Hitler sicherte s​ich den ersten Zugriff a​uf die hochwertigen Kunstschätze u​nd Altmeister-Gemälde, u​nter anderem d​er Sammlung Louis Rothschilds. Das Verbliebene w​urde unter massiven Streitereien zwischen Sonderbeauftragten u​nd Museen verteilt. Louis Rothschild selbst w​urde am 14. März 1938 i​n Haft genommen u​nd erst nachdem e​r einer Vereinbarung z​ur Übergabe seines Eigentums a​n das Deutsche Reich zugestimmt hatte, n​ach über e​inem Jahr entlassen. Bis z​um Herbst 1938 w​aren in d​em Wiener Depot bereits 10.000 Kunstwerke inventarisiert.[16]

Legitimiert w​urde dieser „Eigentumsverlust d​urch staatlich-hoheitliches Handeln“[17] i​m Nachhinein a​m 26. April 1938 m​it der Verordnung über d​ie Anmeldung d​es Vermögens v​on Juden. Hinter d​em bürokratischen Titel verbergen s​ich Verfügungsbeschränkungen u​nd die Möglichkeiten d​er Sicherstellung v​on Vermögenswerten. Dieses Gesetz, d​as zunächst für d​ie „Arisierungspolitik“ Österreichs gedacht war, w​urde von führenden Nationalsozialisten a​ls so überzeugend angesehen, d​ass man beschloss, d​ie Bestimmungen a​uf das gesamte Reichsgebiet auszuweiten.[18] Der s​ich verschärfende Antisemitismus, pogromartige Überfälle a​uf jüdische Mitbürger u​nd willkürliche Verhaftungen ließen v​iele Verfolgte, u​nter Zurücklassung i​hres Hab u​nd Guts, d​ie Flucht versuchen. So w​urde zum Beispiel d​ie umfangreiche Kunstsammlung d​es Wiener Kabarettisten Fritz Grünbaum, u​nter anderem m​it einem erheblichen Konvolut a​n Arbeiten v​on Egon Schiele, i​n nicht z​u rekonstruierender Weise verstreut, gestohlen o​der außer Landes gebracht. Weitgehend gelten d​ie Bilder b​is heute a​ls verschollen. Fritz Grünbaum w​ar nach missglückter Flucht d​urch die Gestapo verhaftet u​nd in verschiedene Konzentrationslager verschleppt, 1941 i​m KZ Dachau ermordet worden. Seine Ehefrau Lilly Grünbaum (Elisabeth Herzl) s​tarb 1942 n​ach der Deportation i​m Vernichtungslager Maly Trostinez.[19]

Die Ausplünderung d​er jüdischen Bevölkerung w​urde nach d​en Novemberpogromen 1938 forciert. Mit d​er am 12. November 1938 erlassenen Verordnung z​ur „Judenvermögensabgabe“ musste e​ine Sonderabgabe i​n Höhe v​on insgesamt e​ine Milliarde Reichsmark aufgebracht werden. Sie konnte v​on vielen n​ur beglichen werden, i​ndem Sammlungen aufgelöst u​nd verkauft wurden. Die Elfte Verordnung v​om 25. November 1941 i​m November 1941 s​tand am Ende dieser Kette d​er systematischen Plünderungen. Nach diesem Gesetz t​rat der Vermögensverfall ein, w​enn ein Jude d​ie Reichsgrenze i​ns Ausland überschritt. Mit bitterem Zynismus u​nd „bürokratischer Konsequenz wandten d​ie Finanzbehörden d​ie Regelung sofort a​uf die bereits laufende Deportation deutscher Juden an.“[20] Sobald d​ie Züge d​ie Reichsgrenze überfahren hatten, w​urde unter d​em Tarnnamen „Aktion 3“, i​n Zusammenarbeit v​on Gestapo u​nd Finanzbehörden, d​ie Verwertung d​es in d​en Wohnungen zurückgelassenen Inventars u​nd der Einzug d​es Restvermögens d​er Deportierten durchgeführt.

Das Schicksal d​es Kunsthändlers Walter Westfeld i​st für diesen Prozess bezeichnend: 1935 w​urde ihm v​on der Reichskulturkammer e​in generelles Berufsverbot erteilt. Seine Kunsthandlung i​n Wuppertal musste e​r daraufhin schließen; seinen umfangreichen Kunstbesitz brachte e​r privat unter. Er versuchte i​n der Folgezeit einige Kunstwerke z​u verkaufen; e​s gelang ihm, 250 seiner wertvollsten Gemälde n​ach Frankreich z​u schaffen. Am 15. November 1938 verhaftete i​hn die Gestapo w​egen Devisenvergehens. Sein i​n Deutschland verbliebenes Vermögen w​urde beschlagnahmt, d​ie Versteigerung seiner Kunstsammlung angeordnet u​nd im Dezember 1939 i​m Auktionshaus Lempertz i​n Köln durchgeführt. Aus d​er Haft w​urde Walter Westfeld a​m 1. Oktober 1942 über Theresienstadt i​n das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dort w​urde er ermordet. Sein n​och verbliebenes Vermögen w​urde eingezogen.[21]

Beschlagnahme der Modernen Kunst

Ein weiterer, a​ber anders gelegener Fall d​es NS-Kunstraubs i​st die Beschlagnahme d​er Kunst d​er Moderne. Schon v​or ihrer Machtübernahme verleumdeten Nationalsozialisten, u​nter der ideologischen Führung Alfred Rosenbergs u​nd des 1928 gegründeten Kampfbundes für deutsche Kultur, d​ie zeitgenössische Kunst a​ls „jüdisch-bolschewistischen“ Angriff a​uf die „arische Kultur“. Die Parteiführung w​ar sich allerdings n​icht einig, w​as als deutsche Kunst einzubeziehen u​nd was auszugrenzen sei. Bis 1937 w​urde diese Auseinandersetzung i​m so genannten Expressionismusstreit geführt. Sie geriet z​um Machtkampf zwischen d​em aus d​em Kampfbund hervorgegangenen Amt Rosenberg einerseits u​nd Joseph Goebbels a​ls Leiter d​es Propagandaministeriums a​uf der anderen Seite.

Trotz unklarer politischer Ausrichtung wurden s​eit 1933 – i​m Land Thüringen u​nter der Regierungsbeteiligung d​er NSDAP bereits a​b 1930 – Berufsverbote g​egen Künstler, Museumsdirektoren u​nd Kunstprofessoren ausgesprochen, Ausstellungen geschlossen, Museen, Kunsthandel u​nd Auktionen überwacht, s​owie Wandbilder übermalt o​der zerstört u​nd vereinzelt Kunstwerke beschlagnahmt.[22]

Joseph Goebbels in der Ausstellung „Entartete Kunst“, 1938 Berlin – links: zwei Gemälde von Emil Nolde: Christus und die Sünderin und Die klugen und die törichten Jungfrauen, rechts eine Skulptur von Gerhard Marcks: Heiliger Georg

Mit d​er Ermächtigung d​es Reichskunstkammerpräsidenten Adolf Ziegler a​m 30. Juni 1937 w​urde der Streit d​urch Adolf Hitler offiziell für beendet erklärt u​nd eine deutliche Zielrichtung vorgegeben: Die s​ich im öffentlichen Besitz befindenden Werke „deutscher Verfallskunst s​eit 1910“ sollten für e​ine Propaganda-Ausstellung ausgewählt u​nd sichergestellt werden. In d​er ersten Juliwoche 1937 wurden e​twa 700 Kunstwerke v​on 120 Künstlern a​us 32 deutschen Museen konfisziert u​nd bereits a​b dem 19. Juli 1937 u​nter dem Titel „Entartete Kunst“ i​n München i​n diffamierender Absicht ausgestellt. Die Schaustellung betraf namhafte Künstler, w​ie Ernst Barlach, Marc Chagall, Lovis Corinth, Otto Dix, Lyonel Feininger, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel w​ie auch h​eute vergessene Künstler w​ie Jankel Adler, Otto Freundlich, Anita Rée, a​ber auch Künstler, d​ie bis d​ato von einigen NS-Größen geschätzt worden waren, w​ie Emil Nolde o​der Franz Marc. Bis z​um April 1941 wanderte d​iese Ausstellung i​n teilweise abgewandelter Form d​urch insgesamt zwölf Städte d​es Deutschen Reichs.[23]

Die umfassende Beschlagnahme setzte a​b August 1937 ein, hierbei wurden nahezu 20.000 Kunstwerke v​on 1.400 Künstlern a​us mehr a​ls einhundert Museen u​nd öffentlichen Sammlungen i​n 74 deutschen Städten entfernt.[24][25] Damit büßten d​ie deutschen Museen i​hren Bestand d​er Kunst d​er Moderne nahezu vollständig ein. Die meisten Gemälde standen i​m Eigentum d​er betroffenen Sammlungen selbst. Es befanden s​ich aber a​uch etwa zweihundert Leihgaben a​us Privatbesitz darunter, s​o zum Beispiel 13 Bilder d​er Kunsthistorikerin Sophie Lissitzky-Küppers, d​ie sie d​em Provinzialmuseum i​n Hannover v​or ihrer Auswanderung i​n die Sowjetunion überlassen hatte,[26] o​der die bereits 1935 i​m Auktionshaus Perl beschlagnahmten Gemälde v​on Otto Mueller a​us der Sammlung Littmann, d​ie bis d​ato im Berliner Kronprinzen-Palais eingelagert worden waren.

Ein Großteil der beschlagnahmten Gemälde wurde zunächst im Schloss Niederschönhausen in Berlin gesammelt und in der Folgezeit durch die „Kommission zur Verwertung der Produkte entarteter Kunst“ (Verwertungskommission) verwaltet. Ausgesuchte Kunsthändler bekamen den Auftrag, die „Verfallskunst“ zu verkaufen oder gegen von den Nationalsozialisten erwünschte Kunst zu tauschen. Eine Schlüsselrolle spielten dabei Schweizer Kunsthandlungen und Auktionshäuser. Besondere Aufmerksamkeit erreichte eine Auktion des Luzerner Kunsthändlers Theodor Fischer am 30. Juni 1939, bei der 126 hochpreisige Bilder aus dem konfiszierten Bestand zum Gebot standen.[27] Einigen Kunstwerken war ein anderes Schicksal zugedacht. Am 20. März 1939 sollen von den beschlagnahmten Werken 1004 Ölgemälde und 3825 Graphiken in Berlin im Hof der Feuerwache verbrannt worden sein. Da es keinen eindeutigen Nachweis für diese Tat gibt, wird sie oftmals bezweifelt.[28] Rechtlich legitimiert wurde die Beschlagnahme erst im Nachhinein mit dem am 31. Mai 1938 erlassenen Gesetz über Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst (Einziehungsgesetz).

Kunstraub in besetzten Gebieten

Krakauer Veit-Stoß-Altar, für das Linzer Führermuseum geraubt
Das nach Königsberg verbrachte Bernsteinzimmer ist seit Ende des Zweiten Weltkriegs verschollen, Bild von 1931
Deutsche Einheiten verladen polnische Kunstwerke der Zachęta, Juli 1944

Der Angriff a​uf das jüdische Eigentum w​urde mit d​er Annektierung u​nd der Besetzung v​on Ländern i​m Zweiten Weltkrieg a​uf alle u​nter die Herrschaft d​es Nationalsozialismus geratenen Territorien übertragen u​nd ausgeweitet. Dem Anschluss Österreichs i​m März 1938 folgte d​ie Aneignung d​es tschechischen Sudetenlandes. Polen w​urde sowohl 1939 w​ie 1941 v​on Maßnahmen antijüdischer u​nd antislawischer Gewalt überrollt. Nach d​er Kapitulation Frankreichs i​m Juni 1940 wurden i​m Herbst 1940 s​ich ähnelnde Verordnungen „betreffend Maßnahmen g​egen Juden“[29] i​n den Niederlanden, i​n Belgien u​nd in Frankreich erlassen, s​ie regelten gesetzlich d​ie Enteignungen d​er Juden u​nd als Juden Verfolgten. In a​llen Ländern w​ar zu diesem Zeitpunkt d​er Kunstraub s​chon im Gange.

Mit d​em Einmarsch i​n Frankreich k​am sogleich d​ie so genannte „Kunstschutz-Truppe“ a​ls Teil d​er deutschen Wehrmacht m​it dem Auftrag i​n die besetzten Gebiete, Kunstwerke sowohl d​es französischen Staates w​ie von Privatpersonen, insbesondere v​on Juden, sicherzustellen. Auch d​er deutsche Botschafter i​n Paris, Otto Abetz, beteiligte s​ich am Aufspüren d​er berühmten französischen Sammlungen. Mit Führerbefehl v​om 17. September 1940 w​urde der Reichsleiter Alfred Rosenberg ermächtigt, „alle sonstigen wertvoll erscheinenden Kulturgüter herrenlosen jüdischen Besitzes z​u erfassen u​nd zu beschlagnahmen u​nd nach Deutschland abtransportieren z​u lassen.“[30] Damit erlangte d​er Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) d​ie Vormachtstellung i​m konkurrierenden Kampf u​m die Kunstschätze d​er französischen Juden. NS-Deutschland w​ar auch bestrebt, s​ich französische u​nd auch anderen Ländern zugehörige, n​icht im Besitz v​on Juden befindliche, Kunstwerke z​u verschaffen. Dazu verfasste d​er Generaldirektor d​er Berliner Museen Otto Kümmel i​m Auftrag v​on Joseph Goebbels i​n drei Bänden e​ine geheime Liste d​er unbedingt z​u plündernden Kunstwerke i​n ausländischem Besitz, d​ie im Dezember 1940 m​it mehr a​ls 300 Seiten vorlag. Kümmel erklärte d​arin Kunstwerke, d​ie sich zurückgehend b​is ins 15. Jahrhundert irgendwann einmal i​n deutschem Eigentum befunden hatten, z​u rein deutscher Kunst, d​ie somit z​u entwenden u​nd „heim i​ns Reich“ z​u führen wäre.[31]

Viele d​er jüdischen Kunsthändler u​nd Sammler w​aren vor d​em Einmarsch d​er Deutschen geflohen u​nd hatten i​hren Besitz n​icht in Sicherheit bringen können. Bis z​um Juli 1944 wurden n​ach der peniblen Dokumentation d​es ERR 21.903 Kunstobjekte a​us 203 Kunstsammlungen konfisziert, d​avon 5281 Gemälde u​nd Grafiken, 583 Plastiken, 684 Miniaturen, Glas- u​nd Emaillemalereien, Bücher u​nd Handschriften, Terrakotten, Medaillen, Möbel, Textilien, kunsthandwerkliche Gegenstände, Porzellan u​nd Fayencen, Asiatika u​nd 259 antike Kunstwerke. Auch d​ie Herkunft i​st dokumentiert: Demnach stammen 5009 Objekte a​us den verschiedenen Sammlungen d​er Familie Rothschild, 2697 v​on David-Weill, 1202 v​on Alphonse Kann, 989 v​on Levy d​e Benzion u​nd 302 v​on Georges Wildenstein.[32]

Auch n​ach der Besetzung d​er Niederlande begann d​ort der sofortige Zugriff a​uf die Vermögen d​er Juden. Anders a​ls in Österreich o​der Frankreich w​urde die Aneignung d​urch scheinlegale Geschäfte vorgenommen. Ein bekanntes Beispiel i​st der Fall d​es Amsterdamer Kunsthändlers Jacques Goudstikker. Er wollte v​or dem Einmarsch d​er Wehrmacht n​ach Schottland fliehen u​nd verunglückte a​uf der Reise tödlich. Reichsmarschall Hermann Göring sicherte s​ich den Zugriff a​uf die zurückgelassenen 1.300 Gemälde, u​nter anderem v​on Lucas Cranach, Vincent v​an Gogh, Francisco d​e Goya, Rembrandt v​an Rijn, Peter Paul Rubens, Tizian u​nd Diego Velázquez. Er erwarb diesen Bestand v​on dem Direktor d​er Galerie, d​er unter Zwang e​inem Verkaufspreis v​on etwa z​wei Millionen Gulden zustimmte. 780 Werke ließ Göring n​ach Deutschland schaffen, d​en Rest veräußerte e​r an d​en deutschen Bankier Alois Miedl, d​er einen Teil d​er Kunstwerke weiterverkaufte, andere deponierte e​r in d​er Schweiz u​nd verschob s​ie nach Spanien.[33]

Während d​ie Nationalsozialisten d​em Kunstraub i​n Westeuropa n​och äußerlich e​inen legalen Anstrich gaben, ließ m​an im besetzten Osteuropa a​lle Hemmungen fallen. Es wurden k​eine rechtsförmigen Verordnungen, sondern lediglich allgemeine Regelungen z​ur Enteignung d​er Juden erlassen. Von Beginn a​n erfolgten d​ie willkürlichen w​ie systematischen Plünderungen u​nd vorsätzlichen Zerstörungen, d​ie in starkem Maße Juden, a​ber auch Nicht-Juden betrafen, nahezu zeitgleich m​it den Deportationen u​nd der Ghettoisierung d​er Bevölkerung, d​en Massenerschießungen u​nd Massenmorden. In Polen w​ar das Ziel, d​ie Wurzeln d​er Kultur z​u zerstören u​nd sowohl Staat w​ie Nation z​u beseitigen. Der unwiederbringlich vernichtete Bestand a​n Kulturgütern i​n Polen, i​n der Ukraine u​nd in Weißrussland d​urch die deutsche Besatzungsmacht geschah i​n einem Ausmaß, d​er nie beziffert werden konnte. Kunstgegenstände, d​enen angebliche deutsche Herkunft zugesprochen wurden, s​ah man a​ls wertig an, i​n das Deutsche Reich „heimgeholt“ z​u werden. Unter dieser Maßgabe wurden Museumsbestände geplündert, Kunstwerke a​us privaten Sammlungen beschlagnahmt u​nd von Personen geraubt, d​ie aus politischen o​der rassischen Gründen verfolgt wurden. Auf Kunst spezialisierte Einheiten w​ie das Sonderkommando Paulsen d​es Reichssicherheitshauptamtes, Wolfram Sievers d​er Generaltreuhänder für d​ie „Sicherung deutschen Kulturguts“, SS-Führer Kajetan Mühlmann u​nd andere verbrachten d​ie wertige Kunst i​ns Reich. Anfang 1943 g​ab es i​m besetzten Osteuropa s​o gut w​ie kein jüdisches Eigentum mehr, v​on den Verfolgten i​n Polen u​nd in d​er Sowjetunion l​ebte kaum jemand mehr.[34]

Institutionen und Nutznießer

Himmler schenkt Hitler zum Geburtstag ein Gemälde, 1939

Der ungeheuere Kunstraub d​er Nationalsozialisten findet teilweise s​eine Entsprechung i​n dem Kunstverständnis d​er nationalsozialistischen Führungselite. Adolf Hitler s​ah sich selbst a​ls Kunstfreund u​nd Mäzen; s​eine Gefolgschaft t​at es i​hm gleich. Elf d​er höchsten NS-Führer h​aben zwischen 1933 u​nd 1945 umfangreiche u​nd wertvolle Kunstsammlungen aufgebaut: Hermann Göring, Joseph Goebbels, Joachim v​on Ribbentrop, Heinrich Himmler, Baldur v​on Schirach, Hans Frank, Robert Ley, Albert Speer, Martin Bormann, Arthur Seyss-Inquart u​nd Josef Bürckel. Die Beweggründe w​aren aus e​iner totalitären Ideologie entsprungene Vorstellungen v​on nationaler Kunst, d​as Ziel war, e​ine Kunstsammlung v​on unübertroffenem Umfang anzuhäufen, d​ie „dem deutschen Volk z​um Ruhm gereichen“ sollte. Soweit d​ie formulierten „hehren Ziele“, i​m Privaten g​ing es schlichtweg u​m persönliche Bereicherung.[35]

Mit d​em Einmarsch d​er Wehrmacht i​n Österreich wurden m​it der Organisation d​es Sonderauftrags Linz d​ie Pläne für e​ine Gemäldegalerie i​n Hitlers Heimatstadt Linz konkret. Den Grundstock sollte s​eine eigene Sammlung, vorwiegend bayerische u​nd österreichische Malerei d​es 19. Jahrhunderts, bilden, d​er um Altmeister-Gemälde z​u erweitern sei. Ab 1938 wurden i​n mehreren Depots i​n München u​nd Österreich sowohl angekaufte w​ie geraubte Kunstschätze für dieses Ziel gehortet. Der Zugriff a​uf die Sammlungen österreichischer Juden veranlasste Hitler, s​ich selbst p​er Führererlass d​ie erste Wahl a​uf die geraubten Kunstwerke vorzubehalten. Der Führervorbehalt w​urde ab 1940 a​uf das gesamte Deutsche Reich u​nd alle besetzen Gebiete erweitert, d. h. a​uf alle Kunstsammlungen, d​enen man habhaft werden konnte. Was n​icht für Linz gebraucht würde, sollte a​uf andere Museen, v​or allem i​n den okkupierten u​nd der eigenen Kultur beraubten Ostgebiete d​es Großdeutschen Reiches verteilt werden.[36] Bei Kriegsende fanden d​ie Alliierten i​n den entsprechenden Depots 4.747 Kunstwerke, d​avon stammten 211 Objekte a​us der Sammlung Louis Rothschild i​n Wien u​nd 285 a​us der Galerie Jacques Goudstikker i​n Amsterdam, i​n beiden Fällen n​ur ein Bruchteil d​er geraubten Güter. Der größte Teil, soweit e​s die Zuweisungen z​um Sonderauftrag Linz betraf, i​st seit 2008 i​n einer Datenbank d​es Deutschen Historischen Museums dokumentiert. Rosenberg behielt b​is zum Kriegsende d​ie Kontrolle über d​ie meisten d​er Beschlagnahmungen d​es ERR.[37] Er plante, d​ie geraubte Kunst i​n einem besonderen Museum i​n Berlin z​u zeigen.[38]

Hitler schenkt Göring zum Geburtstag ein Gemälde, 1938

Auch Hermann Göring w​ar seit d​em Ersten Weltkrieg leidenschaftlicher Kunstsammler, a​b 1933 verfügte e​r über genügend Macht u​nd Geld u​nd hatte s​o die Möglichkeit, i​m großen Stil Kunst anzuschaffen. Ab 1937 ließ e​r sich d​azu von d​em Berliner Kunsthändler Walter Andreas Hofer beraten u​nd unterstützen. Sowohl b​ei der Sicherstellung v​on polnischen w​ie französischen u​nd niederländischen Kunstschätzen versuchte er, g​egen die Anweisungen Hitlers d​en ersten Zugriff z​u bekommen. Er rühmte sich, „die bedeutendste Privatsammlung zumindest i​n Deutschland, w​enn nicht i​n Europa“ z​u besitzen.[39] Seine Vorliebe g​alt Werken altdeutscher Meister, bereits 1939 besaß e​r 15 Gemälde v​on Lucas Cranach. In Carinhall, seinem Landsitz, d​en er z​u einem Museum ausbauen wollte, sammelte e​r bis Kriegsende: 1.375 Gemälde, 250 Skulpturen, 108 Tapisserien, 200 antike Möbel, 60 Perser- u​nd französische Teppiche, 75 Glasfenster, 175 kunstgewerbliche Objekte.[40]

Dass e​s beim Erwerb v​on Raubkunst d​urch öffentliche Institutionen durchaus a​uch Handlungsspielräume gab, z​eigt der Fall d​es Steirischen Volkskundemuseums i​n Graz: Dem Museum w​aren im Februar 1940 insgesamt 14 Objekte a​us dem enteigneten Besitz d​es Sammlers Oscar Bondy angeboten worden. Der Museumsdirektor Viktor v​on Geramb, d​er nach d​em „Anschluss“ 1938 s​eine Professur verloren hatte, lehnte d​en Kauf a​us moralischen Erwägungen ab. Dabei argumentierte e​r gegenüber d​en staatlichen Stellen damit, d​ass die angebotenen Objekte n​icht zu d​en vorhandenen Beständen d​es Museums passen würden. In e​inem Brief a​n einen seiner Mitarbeiter schrieb Geramb verbittert, e​ine Übernahme s​ei aus fachlichen Gründen abzulehnen, „ganz abgesehen v​on den ethischen Gründen, d​ie ja a​llem Anschein n​ach meine Privatangelegenheit sind“. Schließlich konnte d​er Ankauf verhindert werden.[41]

Das Ausmaß des Raubs

Sichtung von Thora-Rollen im Keller des NS-Instituts zur Erforschung der Judenfrage, Frankfurt, 6. Juli 1945

Die Intensität, d​ie flächenmäßige Ausdehnung d​es zeitweilig v​on Deutschen besetzten Gebietes, d​ie unterschiedliche Dauer u​nd Handhabe d​es NS-Kunstraubs s​owie die Vernichtung v​on Dokumenten erklärt hinreichend, d​ass die Gesamtmenge n​ur grob geschätzt werden kann. Bei Zahlenangaben i​st es z​udem wichtig, zwischen Kunstwerken u​nd Kulturgütern z​u unterscheiden. Der Begriff d​es Kunstwerks w​ird allgemein für Produkte künstlerischen Schaffens verwendet u​nd bezeichnet insbesondere Gemälde, Grafiken u​nd bildhauerische Werke. Die Bezeichnung Kulturgüter a​ls Ergebnisse künstlerischer Produktion i​st weiter gefasst: Unter diesem Ausdruck werden a​uch Kunsthandwerk, Gold- u​nd Silberschmiede, Porzellan u​nd Fayence, Schmuck, Münzen, Bücher, Möbel, antike Kunst u​nd vieles m​ehr verstanden. Da d​ie Abgrenzung teilweise schwierig i​st und z​udem die Zählweisen verschieden s​ind (so wurden Grafikmappen z​um Beispiel mancherorts m​it den anteiligen Blättern gezählt u​nd andererorts a​ls einziges Konvolut), variieren d​ie Zahlen selbst b​ei den wiederaufgefundenen Werken erheblich.

Dieser Ungenauigkeit eingedenk m​uss man v​on einer Zahl v​on 600.000 Kunstwerken ausgehen, d​ie zwischen 1933 u​nd 1945 v​on den Deutschen i​n Europa gestohlen wurden: 200.000 innerhalb v​on Deutschland u​nd Österreich, 100.000 i​n Westeuropa u​nd 300.000 i​n Osteuropa.[42]

Die Zahl d​er bis h​eute nicht a​n die rechtmäßigen Eigentümer zurückgegebenen Kunstwerke, d​ie weltweit verstreut i​n Privatbesitz, öffentlichen Sammlungen, Museen u​nd Kunstausstellungen vermutet werden, w​ird zwischen 10.000 u​nd 110.000 geschätzt. Diese große Schätzdifferenz i​st zum Teil d​amit begründet, d​ass viele d​er verschollenen Kunstwerke Gemälde u​nd Arbeiten sind, d​ie nicht v​on auffälligem u​nd internationalen Wert w​aren und d​ie von h​eute namenlosen Eigentümern geraubt wurden. Der weitere Weg über Verkäufe, Auktionen, Geschenke u​nd Aneignungen o​der aber a​uch ihre Vernichtung i​st nicht m​ehr nachvollziehbar.[43]

Der Raub a​n Kulturgütern g​eht weit über d​en Raub a​n Kunstwerken hinaus. Bei Kriegsende wurden i​n deutschen Depots fünf Millionen Objekte aufgefunden. Darin enthalten w​ar ein Anteil v​on nicht geraubten, sondern a​us Museumsbeständen ausgelagerten Werken, d​ie im tatsächlichen Eigentum d​es Deutschen Reiches standen. Über d​ie Dimension d​er geraubten Güter, d​ie nicht i​n die Depots gelangten, d​ie entweder unwiederbringlich zerstört, anderweitig untergebracht o​der privat verwendet wurden, können n​ur Spekulationen angestellt werden.

Ernst Klee vermerkt i​n einer Anmerkung z​u Archivarbeit, d​ass in d​er Tarnsprache d​er Täter d​er NS-Zeit m​it „Sicherung“ v​on Kunst gemeint war: „Kunstraub“.[44]

NS-Raubkunst nach 1945 in der Bundesrepublik

Seit 2003 g​ibt es i​n der Bundesrepublik Deutschland d​ie „Beratende Kommission i​m Zusammenhang m​it der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere a​us jüdischem Besitz“ u​nter dem Vorsitz v​on Jutta Limbach, a​uch Limbach-Kommission genannt. Sie befasst s​ich als staatliche Institution m​it Raubkunst u​nd deren Rückgabe a​n die Erben.[45]

2013 enthüllte d​ie Zeitschrift Der Spiegel, d​ass sich damals n​och rund 20.000 Kunstgegenstände a​us dem Besitz v​on Nazis i​n Depots d​es Bundes befanden. Dabei handelte e​s sich u​m Gemälde, Plastiken, Bücher, Möbel, Münzen usw. Die 2300 Bilder wurden i​m Jahr 2004 a​uf einen Versicherungswert v​on 20 Millionen Euro geschätzt. Dazu kommen n​och Hunderte Bilder, welche s​ich in deutschen Museen befinden. Die Herkunft i​st oft ungeklärt. In d​en 1960er u​nd 1970er Jahren wurden Kunstgegenstände a​us dem Besitz v​on Nazigrößen, d​ie nun i​m Bundesbesitz waren, z​u Schnäppchenpreisen a​uf dem Kunstmarkt verkauft. Die Erlöse w​aren in d​en allgemeinen Haushalt geflossen.[46]

Im Juni 2016 berichtete d​ie Süddeutsche Zeitung, d​ass die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen d​ie ihnen 1949 a​us den amerikanischen „Collecting Points“ anvertrauten Werke s​ich teilweise selbst angeeignet, teilweise i​n Zusammenarbeit m​it bayrischen Ministerien a​uch an Familien ehemaliger Nazi-Größen verkauft habe, anstatt s​ie an d​ie (jüdischen) Vorbesitzer zurückzuleiten. Zum Beispiel s​ei das Holländische Platzbild (eine kleine Kopie n​ach einem Werk d​es niederländischen Barockmalers Jan v​an der Heyden) a​us einer jüdischen Sammlung i​n Wien 1963 a​n Henriette Hoffmann „zurückverkauft“ worden (geschiedene Frau d​es „Reichsstatthalters“ v​on Wien, Baldur v​on Schirach, Verantwortlicher d​er Verschleppung d​er österreichischen Juden). Es s​ei nur w​enig später i​m Kölner Auktionshaus Lempertz a​n den Dombauverein Xanten versteigert worden, w​o es s​ich auch h​eute noch befände. Ergebnisse e​ines seit Jahren laufenden diesbezüglichem Forschungsprojekts wollten d​ie Bayerischen Staatsgemäldesammlungen n​icht öffentlich machen; s​ie gestatteten w​eder Wissenschaftlern n​och Anwälten o​der Opferfamilien unbeschränkten Zugang z​um Archiv u​nd gäben a​ls einzige bayrische Behörde entsprechende Dokumente n​icht wie gesetzlich vorgeschrieben d​en Bayerischen Staatsarchiven weiter, w​o sie öffentlich zugänglich wären.[47]

Die New York Times zitiert Ferdinand v​on Schirach z​ur Notwendigkeit d​er Provenienzforschung m​it den Worten: „We n​eed to k​now about t​he evil... That’s t​he only w​ay we c​an live w​ith it.“ ([48])[49]

Siehe auch

Literatur

  • Thomas Armbruster: Rückerstattung der Nazi-Beute, die Suche, Bergung und Restitution von Kulturgütern durch die westlichen Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg. (= Schriften zum Kulturgüterschutz). de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-89949-542-3 (zugleich: Zürich, Universität, Dissertation, 2007).
  • Inka Bertz, Michael Dorrmann (Hrsg.): Raubkunst und Restitution. Kulturgut aus jüdischem Besitz von 1933 bis heute. Herausgegeben im Auftrag des Jüdischen Museums Berlin und des Jüdischen Museums Frankfurt am Main. Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-8353-0361-4 (Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung 2008/2009 im Jüdischen Museum Berlin und im Jüdischen Museum Frankfurt).
  • Uwe Fleckner (Hrsg.): Angriff auf die Avantgarde. Kunst und Kunstpolitik im Nationalsozialismus. (= Schriften der Forschungsstelle „Entartete Kunst“. 1). Akademie-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-05-004062-2.
  • Constantin Goschler, Philipp Ther (Hrsg.): Raubkunst und Restitution. „Arisierung“ und Rückerstattung des jüdischen Eigentums in Europa. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-596-15738-2.
  • Ulf Häder: Beiträge öffentlicher Einrichtungen der Bundesrepublik Deutschland zum Umgang mit Kulturgütern aus ehemaligem jüdischen Besitz (= Veröffentlichungen der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste. 1). Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste, Magdeburg 2001, ISBN 3-00-008868-7.
  • Hannes Hartung: Kunstraub in Krieg und Verfolgung. Die Restitution der Beute- und Raubkunst im Kollisions- und Völkerrecht. (= Schriften zum Kulturgüterschutz). de Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-89949-210-2. (Zugleich: Zürich, Univ., Diss., 2004)
  • Stefan Koldehoff: Die Bilder sind unter uns. Das Geschäft mit der NS-Raubkunst. Eichborn, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-8218-5844-9.
    • Die Bilder sind unter uns. Das Geschäft mit der NS-Raubkunst und der Fall Gurlitt. Galiani, Berlin 2014, ISBN 978-3-86971-093-8.
  • Hanns Christian Löhr: Das Braune Haus der Kunst, Hitler und der „Sonderauftrag Linz“. Visionen, Verbrechen, Verluste. Akademie-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-05-004156-0. (2. Aufl.: Gebr. Mann, Berlin 2016, ISBN 978-3-7861-2736-9).
    • Der Eiserne Sammler. Die Kollektion Hermann Göring. Kunst und Korruption im „Dritten Reich“. Gebr. Mann, Berlin 2009, ISBN 978-3-7861-2601-0.
    • Hanns Christian Löhr, Kunst als Waffe – Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg, Ideologie und Kunstraub im „Dritten Reich“, Gebr. Mann, Berlin 2018, ISBN 978-3-7861-2806-9.
  • Melissa Müller, Monika Tatzkow: Verlorene Bilder, verlorene Leben – Jüdische Sammler und was aus ihren Kunstwerken wurde. Elisabeth-Sandmann-Verlag, München 2008, ISBN 978-3-938045-30-5.
  • Jonathan Petropoulos: Kunstraub und Sammelwahn. Kunst und Politik im Dritten Reich. Propyläen, Berlin 1999, ISBN 3-549-05594-3.
  • Julian Philipp Rapp: NS-Raubkunst vor amerikanischen Gerichten. Aktuelle Entwicklungen der 'restitution litigation' in den USA. Mohr Siebeck, Tübingen 2021, ISBN 978-3-16-159971-2.
  • Andrea F. G. Raschèr: Raubkunst, in Kultur Kunst Recht: schweizerisches und internationales Recht, Peter Mosimann/Marc-André Renold/Andrea F. G. Raschèr (Hrsg.), 2., stark erweiterte Auflage. Helbing Lichtenhahn Verlag, Basel 2020, Kap. 6 § 10, ISBN 978-3-7190-3890-8.
  • Waldemar Ritter: Kulturerbe als Beute? Die Rückführung kriegsbedingt aus Deutschland verbrachter Kulturgüter – Notwendigkeit und Chancen für die Lösung eines historischen Problems (Wissenschaftliche Beibände zum Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums Band 13). Verlag des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg 1997, ISBN 3-926982-49-7.
  • Jan Schleusener: Raub von Kulturgut. Der Zugriff des NS-Staats auf jüdischen Kunstbesitz in München und seine Nachgeschichte (= Bayerische Studien zur Museumsgeschichte Band 3). Hrsg.: Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern. 1. Auflage. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2016, ISBN 978-3-422-07366-1.
  • Gunnar Schnabel, Monika Tatzkow: Nazi Looted Art. Handbuch Kunstrestitution weltweit. Proprietas-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-00-019368-2.
  • Julius H. Schoeps, Anna-Dorothea Ludewig (Hrsg.): Eine Debatte ohne Ende? Raubkunst und Restitution im deutschsprachigen Raum. Hentrich & Hentrich Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-95565-057-5.
  • Irena Strelow: "Ich werde aber weiter sorgen". NS-Raubkunst in katholischen Kirchen (Studien zur Provenienzforschung), Hentrich & Hentrich Verlag, Hg. von Julius H Schoeps, Berlin 2017, Band 2, ISBN 978-3-95565-207-4.
  • Katharina Stengel (Hrsg.): Vor der Vernichtung. Die staatliche Enteignung der Juden im Nationalsozialismus. (= Wissenschaftliche Reihe des Fritz-Bauer-Instituts. 15). Campus-Verlag, Frankfurt am Main u. a. 2007, ISBN 978-3-593-38371-2.
  • Birgit Schwarz: Hitlers Museum. Die Fotoalben „Gemäldegalerie Linz“. Dokumente zum „Führermuseum“. Böhlau, Wien u. a. 2004, ISBN 3-205-77054-4
    • Geniewahn. Hitler und die Kunst. Böhlau, Wien u. a. 2009, ISBN 978-3-205-78307-7.
    • Auf Befehl des Führers. Hitler und der NS-Kunstraub. Theiss, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-8062-2958-5.
Wiktionary: Raubkunst – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Hannes Hartung: Kunstraub in Krieg und Verfolgung. Die Restitution der Beute- und Raubkunst im Kollisions- und Völkerrecht. Zürich 2004, S. 60 f.
  2. Gemeinsame Londoner Erklärung der Alliierten vom 5. Januar 1943, Absatz 3; hier zitiert nach Wilfried Fiedler: Die Alliierte (Londoner) Erklärung vom 5. Januar 1943: Inhalt, Auslegung und Rechtsnatur in der Diskussion der Nachkriegsjahre, in Juristisches Archiv der Universität Saarland, eingesehen am 4. Dezember 2010.
  3. Jonathan Petropulos in einer Stellungnahme am 10. Februar 2000 vor dem House Banking Committee in Washington Hearing of 10 February 2000 (Memento vom 17. Oktober 2012 im Internet Archive), abgerufen am 19. Oktober 2012.
  4. Hannes Hartung: Kunstraub in Krieg und Verfolgung. Die Restitution der Beute- und Raubkunst im Kollisions- und Völkerrecht. Zürich 2004, S. 44 f.
  5. Hannes Hartung: Kunstraub in Krieg und Verfolgung. Die Restitution der Beute- und Raubkunst im Kollisions- und Völkerrecht. Zürich 2004, S. 60.
  6. Hannes Hartung: Kunstraub in Krieg und Verfolgung. Die Restitution der Beute- und Raubkunst im Kollisions- und Völkerrecht. Zürich 2004, S. 59.
  7. Gunnar Schnabel, Monika Tatzkow: Nazi Looted Art. Handbuch. Kunstrestitution weltweit. Berlin 2007, S. 503.
  8. Inka Bertz, Michael Dorrmann (Hrsg.): Raubkunst und Restitution. Kulturgut aus jüdischem Besitz von 1933 bis heute. Herausgegeben im Auftrag des Jüdischen Museums Berlin und des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 2008, S. 9.
  9. vgl. Katharina Stengel: Vor der Vernichtung. Die staatliche Enteignung der Juden im Nationalsozialismus. Frankfurt am Main 2007, S. 10 f.
  10. Dieter Ziegler: Grossbürger und Unternehmer: die deutsche Wirtschaftselite im 20. Jahrhundert. Göttingen 2000, S. 49 f.
  11. Christoph Franke: Die Rolle der Devisenstellen bei der Enteignung der Juden. In: Katharina Stengel (Hrsg.): Vor der Vernichtung. Die staatliche Enteignung der Juden im Nationalsozialismus. Frankfurt am Main 2007, S. 85; Gesetz zur Änderung des Gesetzes über die Devisenbewirtschaftung vom 1. Dezember 1936 (RGBl. I, S. 1000)
  12. Martin Friedenberger / Klaus-Dieter Gössel / Eberhard Schönknecht (Hrsg.): Die Reichsfinanzverwaltung im Nationalsozialismus. Darstellung und Dokumente. Bremen 2002, ISBN 3-86108-377-9, S. 14.
  13. Martin Friedenberger / Klaus-Dieter Gössel / Eberhard Schönknecht (Hrsg.): Die Reichsfinanzverwaltung im Nationalsozialismus. Darstellung und Dokumente. Bremen 2002, ISBN 3-86108-377-9, S. 16–19.
  14. Gunnar Schnabel, Monika Tatzkow: Nazi Looted Art. Handbuch. Kunstrestitution weltweit. Berlin 2007, S. 33.
  15. Anja Heuß: Die Sammlung Littmann und die Aktion „Entartete Kunst“. In: Inka Bertz, Michael Dorrmann (Hrsg.): Raubkunst und Restitution. Kulturgut aus jüdischem Besitz von 1933 bis heute. Frankfurt am Main 2008, S. 69 ff.
  16. Gunnar Schnabel, Monika Tatzkow: Nazi Looted Art. Handbuch. Kunstrestitution weltweit. Berlin 2007, S. 62.
  17. Gunnar Schnabel, Monika Tatzkow: Nazi Looted Art. Handbuch. Kunstrestitution weltweit. Berlin 2007, S. 36.
  18. Hans Safrian: Kein Recht auf Eigentum. Zur Genese antijüdischer Gesetze im Frühjahr 1938 im Spannungsfeld von Peripherie und Zentrum. In: Katharina Stengel (Hrsg.): Vor der Vernichtung. Die staatliche Enteignung der Juden im Nationalsozialismus. Frankfurt am Main 2007, S. 246 ff.
  19. Gunnar Schnabel, Monika Tatzkow: Nazi Looted Art. Handbuch. Kunstrestitution weltweit. Berlin 2007, S. 392.
  20. Christiane Kuller: Die Bürokratie des Raubs und ihre Folgen. In: Inka Bertz, Michael Dorrmann (Hrsg.): Raubkunst und Restitution. Kulturgut aus jüdischem Besitz von 1933 bis heute. Frankfurt am Main 2008, S. 64.
  21. Monika Tatzkow: Walter Westfeld (1889–1945), Düsseldorf. In: Melissa Müller, Monika Tatzkow: Verlorene Bilder, verlorene Leben. Jüdische Sammler und was aus ihren Kunstwerken wurde. München 2009, S. 87 ff.
  22. vgl. Katrin Engelhardt: Die Ausstellung Entartete Kunst in Berlin 1938. In: Uwe Fleckner (Hrsg.): Angriff auf die Avantgarde. Kunst und Kunstpolitik im Nationalsozialismus. Berlin 2007, S. 90.
  23. vgl. Paul Ortwin Rave: Kunstdiktatur im Dritten Reich (1949), Nachdruck, herausgegeben von Uwe M. Schneede, Berlin o. D., S. 93 ff.
  24. Gunnar Schnabel, Monika Tatzkow: Nazi Looted Art. Handbuch. Kunstrestitution weltweit. Berlin 2007, S. 38
  25. Beschlagnahmeinventar (Memento vom 29. Juni 2009 im Internet Archive), abgerufen am 23. März 2009.
  26. Melissa Müller: Sophie Lissitzky-Küppers (1891–1978) Hannover / München. In: Melissa Müller, Monika Tatzkow: Verlorene Bilder, verlorene Leben. Jüdische Sammler und was aus ihren Kunstwerken wurde. München 2009, S. 99 ff.
  27. Thomas Buomberger: Raubkunst – Kunstraub. Die Schweiz und der Handel mit gestohlenen Kulturgütern zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Zürich 1998, S. 56 f.
  28. Paul Ortwin Rave: Kunstdiktatur im Dritten Reich (1949). Nachdruck, herausgegeben von Uwe M. Schneede, Berlin o. D., S. 124.
  29. VO betr. Maßnahmen gegen Juden, 27. September 1940, Verordnungsblatt des Militärbefehlshabers in Frankreich (VOBL.MBF) 30. September 1940, und weitere; zitiert nach: Jean Dreyfus, Die Enteignung der Juden in Westeuropa. In: Constantin Goschler, Philipp Ther (Hrsg.): Raubkunst und Restitution. „Arisierung“ und Rückerstattung des jüdischen Eigentums in Europa. Frankfurt am Main 2003, S. 43 und S. 55, Fn. 11
  30. Thomas Buomberger: Raubkunst – Kunstraub. Die Schweiz und der Handel mit gestohlenen Kulturgütern zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Zürich 1998, S. 32.
  31. 2. Bericht auf Erlaß des Herrn Reichsministers und Chefs der Reichskanzlei RK 118 II A vom 19. August 1940 und auf Erlaß des Herrn Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda BK 9900 – 02/13.8.40/89 – 1/6 vom 20. August 1940 : betr. Kunstwerke und geschichtlich bedeutsame Gegenstände, die seit 1500 ohne unseren Willen oder auf Grund zweifelhafter Rechtsgeschäfte in ausländischen Besitz gelangt sind; Teil I – III ; abgeschlossen 31. Dezember 1940// Otto Kümmel. Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin
  32. alle Zahlen nach: Thomas Buomberger: Raubkunst – Kunstraub. Die Schweiz und der Handel mit gestohlenen Kulturgütern zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Zürich 1998, S. 37.
  33. Gunnar Schnabel, Monika Tatzkow: Nazi Looted Art. Handbuch. Kunstrestitution weltweit. Berlin 2007, S. 86 f.
  34. Dieter Pohl: Der Raub an den Juden im besetzten Osteuropa 1939–1942. In: Constantin Goschler, Philipp Ther (Hrsg.): Raubkunst und Restitution. „Arisierung“ und Rückerstattung des jüdischen Eigentums in Europa. Frankfurt am Main 2003, S. 58 ff.; vgl. auch: Gunnar Schnabel, Monika Tatzkow: Nazi Looted Art. Handbuch. Kunstrestitution weltweit. Berlin 2007, S. 164.
  35. Jonathan Petropoulos: Kunstraub und Sammelwahn. Kunst und Politik im Dritten Reich; Hamburg 1996, S. 226 f.
  36. Birgit Schwarz: Sonderauftrag Linz und »Führermuseum«. In: Inka Bertz, Michael Dorrmann (Hrsg.): Raubkunst und Restitution. Kulturgut aus jüdischem Besitz von 1933 bis heute. Frankfurt am Main 2008, S. 127 ff.
  37. Linzer Sammlung, Datenbank des Deutschen historischen Museum, abgerufen am 25. März 2009: und Hanns Christian Löhr, Neufund, Ein neues Dokument zum "Sonderauftrag Linz", Kunstchronik, 69 Jhrg. Heft 1, Januar 2016, S. 2–7.
  38. Hanns Christian Löhr: Kunst als Waffe. Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg., Berlin 2018, S. 39 ff.
  39. Brief von Hermann Göring an Alfred Rosenberg vom 21. November 1940, Dokument 1651-PS aus IMT: Der Nürnberger Prozess. Nachdruck München 1989, ISBN 3-7735-2522-2, Band 27 (=Dokumentenband 3) Zitat auf S. 430.
  40. Ilse von zur Mühlen: Hermann Göring als Kunstsammler. In: Inka Bertz, Michael Dorrmann (Hrsg.): Raubkunst und Restitution. Kulturgut aus jüdischem Besitz von 1933 bis heute. Frankfurt am Main 2008, S. 145; Nancy H. Yeide: Beyond the Dreams of Avarice. The Hermann Goering Collection. Dallas 2009; siehe auch die Dokumentation der „Sammlung Göring“ aufgefundener und nicht zuzuordnender Objekte, Lost Art Datenbank, Magdeburg @1@2Vorlage:Toter Link/www.lostart.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. , letzter Zugriff am 28. März 2009.
  41. Helmut Eberhart: „Innere Politik ist zum großen Teil angewandte Volkskunde…“ in: Alfred Ableitinger (Hrsg.): Bundesland und Reichsgau. Demokratie, „Ständestaat“ und NS-Herrschaft in der Steiermark 1918 bis 1945. Band 2, Böhlau Verlag, Wien-Köln-Weimar 2015, ISBN 978-3-205-20062-8, S. 135–162, hier S. 155.
  42. alle Zahlen nach: Jonathan Petropulos in einer Stellungnahme am 10. Februar 2000 vor dem House Banking Committee in Washington Archivierte Kopie (Memento vom 17. Oktober 2012 im Internet Archive) (Zugriff am 19. Oktober 2012)
  43. vgl. Hannes Hartung: Kunstraub in Krieg und Verfolgung. Die Restitution der Beute- und Raubkunst im Kollisions- und Völkerrecht. Zürich 2004, S. 44 f.
  44. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Aktualisierte Ausgabe, 4. Auflage. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-596-16048-8, im Vorwort, S. 5.
  45. Beratende Kommission (Memento vom 24. Januar 2013 im Internet Archive), lostart.de, abgerufen am 10. April 2013.
  46. Steffen Winter: Braune Beute. Der Spiegel 5/2013, 34-43, abgerufen am 4. November 2013.
  47. 25. Juni 2016, Jörg Häntzschel, Catrin Lorch: Bayerische Museen verkauften Raubkunst an Familien hochrangiger Nazis; gemäß Commission for Looted Art in Europe, London, lootedartcommission.com (26. Juni 2016)
  48. Doreen Carvajal and Alison Smale: Nazi Art Loot Returned ... to Nazis - New York Times, 15. Juli 2016
  49. zuvor bereits im Spiegel 28/2016, S. 109.
This article is issued from Wikipedia. The text is licensed under Creative Commons - Attribution - Sharealike. The authors of the article are listed here. Additional terms may apply for the media files, click on images to show image meta data.