Maubeuge
Maubeuge (niederländisch Mabuse; deutsch Malbode)[1] ist eine französische Stadt mit 29.589 Einwohnern (Stand 1. Januar 2019) im Département Nord in der Region Hauts-de-France. Sie liegt auf beiden Seiten des Flusses Sambre, der hier kanalisiert ist.
Maubeuge | ||
---|---|---|
Staat | Frankreich | |
Region | Hauts-de-France | |
Département (Nr.) | Nord (59) | |
Arrondissement | Avesnes-sur-Helpe | |
Kanton | Maubeuge (Hauptort) | |
Gemeindeverband | Maubeuge Val de Sambre | |
Koordinaten | 50° 17′ N, 3° 58′ O | |
Höhe | 122–167 m | |
Fläche | 18,97 km² | |
Einwohner | 29.589 (1. Januar 2019) | |
Bevölkerungsdichte | 1.560 Einw./km² | |
Postleitzahl | 59600 | |
INSEE-Code | 59392 | |
Website | www.ville-maubeuge.fr | |
Rathaus (Hôtel de ville) |
Als eine Stadtfeste[2] ist Maubeuge eine alte Bastionsbefestigung, die als Zentrum eines umfassten Lagers mit ca. 25 Kilometer Durchmesser diente. Sie wurde zum größten Teil nach dem Krieg von 1870/71 erbaut; nach dem Aufkommen der Brisanzgranate um 1890 wurde sie modernisiert und verstärkt (wie viele andere Festungen auch, siehe z. B. Barrière de fer).
Geschichte
Maubeuge (Malbodium) verdankt seinen Ursprung einem Doppelkloster für Mönche und Nonnen, das um 661 von der Heiligen Adelgunde, einer Merowingerin (frz. Sainte Adelgonde), gegründet wurde, deren Reliquien in der Kirche verwahrt werden. Genau dieses Kloster wird 870 im Vertrag von Meerssen genannt, als es dem neuen Reich Karls des Kahlen zugeteilt wird (= erste sichere urkundliche Erwähnung in Regesta Imperii I., 1480). Die Stadt gehörte in der Folge zur Grafschaft Hainaut. Sie wurde niedergebrannt von Ludwig XI., von Franz I. und von Heinrich II. von Frankreich. Schließlich wurde sie 1678[3] im Frieden von Nimwegen Frankreich (damals unter Ludwig XIV.) zugesprochen.
Unter Ludwig XIV. wurde die Stadt von Vauban zur Festung ausgebaut. Im Ersten Koalitionskrieg wurde sie 1793 vom österreichischen Prinzen Friedrich Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld belagert. Diese Blockade endete dank des Sieges der Franzosen in der Schlacht bei Wattignies[4] vom 15. und 16. Oktober 1793. An diese Ereignisse erinnert ein Denkmal in der Stadt. Auch im Juni 1794 fand eine Schlacht bei Maubeuge statt.[5]
1814 wurde Maubeuge von einem Heer der Koalition erfolglos belagert. Bei einer erneuten Belagerung kapitulierte sie am 18. Juni 1815, drei Tage nach der Schlacht bei Waterloo.
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von Juli 1870 bis Mai 1871 entstand nach Plänen des Generals und Militäringenieurs Séré de Rivières der Festungsring von Maubeuge: das Fort de Leveau in Feignies, fünf weiteren Festungen und sechs Zwischenwerke. Er wurde um die von Vauban (1633–1707) erbaute Zitadelle angelegt und galt als große Stütze der Grenzverteidigung.[6]
Erster Weltkrieg
Dem Schlieffen-Plan folgend, marschierte das Deutsche Heer am 4. August 1914 in Belgien ein. Es wollte das neutrale Belgien mit Infanterie, Kavallerie und Artillerie durchqueren, um danach Paris einzunehmen. Davon erhoffte man sich einen raschen Sieg über Frankreich. Obwohl die Alliierten versuchten, die deutschen Truppen bei Lüttich und Namur aufzuhalten (siehe Grenzschlachten#Erster Weltkrieg), ging der deutsche Vormarsch in Richtung französisch-belgischer Grenze weiter.
Vom 28. August bis 8. September 1914 wurde die Festung Maubeuge von deutschen Truppen belagert (Belagerung von Maubeuge). Diese erste Belagerung im Ersten Weltkrieg auf dem Territorium Frankreichs endete durch Kapitulation der Festung.[7]
Am 28. August 1914 stießen 60.000 deutsche Soldaten auf den Festungsring von Maubeuge und begannen sofort mit dessen Belagerung. Die Artillerie beschoss und zerschoss die Verteidigungsanlagen nach und nach mit ihren Granaten. Mit ihrem veralteten Material konnte die französische Verteidigung sich nicht adäquat wehren. Am 7. September gab der Festungsgouverneur General Joseph Fournier die Kapitulation bekannt; diese wurde am 8. September wirksam.[8] Die Belagerung von Maubeuge dauerte mehr als zwei Wochen; die Deutschen machten bei der Kapitulation der Festungsstadt etwa 45.000 Gefangene.[8]
Ein Museum im Fort de Leveau in Feignies informiert heute über die Geschichte der Festungsanlage.[8]
Zweiter Weltkrieg
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Festungsstadt, die von der 101e division d’infanterie de forteresse verteidigt wurde, ab den ersten Tagen des Westfeldzugs 1940 aus der Luft und später am Boden angegriffen und am 23. Mai durch die Wehrmacht eingenommen. Im historischen Zentrum wurden bei den Kämpfen 90 % der Gebäude zerstört.[9]
Am 2. September 1944 befreiten US-Truppen unter General Maurice Rose Maubeuge; am gleichen Tag schlossen sie im Kessel von Mons zahlreiche deutsche Truppen ein.[10] Die United States Army Air Forces nutzten anschließend Airfield A.88, so die alliierte Codebezeichnung des Flugplatzes Maubeuge, zwischen Mitte September 1944 und Mitte Februar 1945 als Stützpunkt von Transportflugzeugen.
Bevölkerungsentwicklung
Jahr | 1962 | 1968 | 1975 | 1982 | 1990 | 1999 | 2011 | 2018 |
---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Einwohner | 27.214 | 32.028 | 35.399 | 36.061 | 34.989 | 33.546 | 31.103 | 29.632 |
Quellen: Cassini und INSEE
Baudenkmäler
Wirtschaft und Verkehr
Es gibt bedeutende Gießereien, Schmiedebetriebe und Hochofenbetriebe, sowie Hersteller von Werkzeugmaschinen und Porzellan. Von 1902 bis 1951 war die Stadt durch eine elektrische Straßenbahn mit der Nachbarstadt Hautmont verbunden, die ebenfalls ein Zentrum der Metallindustrie darstellt. Nahe Maubeuge findet sich ein Renault-Werk (Maubeuge Construction Automobile), wo unter anderem der Renault Kangoo und in Kooperation der Mercedes-Benz Citan hergestellt werden. Vor 1959 wurden hier Autobusse der Marke Chausson gebaut. Der Bahnhof, 1855 eröffnet, war zwischen 1971/75 und 1979 so bedeutend, dass täglich vier lokbespannte TEE-Züge (TEE 32/33 und TEE 40/41) zwischen Paris Nord und Hamburg-Altona hier Halt machten. Heute ist Maubeuge nur noch ein Regionalbahnhof für TER-Züge nach Paris und IC-Züge nach Namur, während die TGV-Triebwagen zwischen Paris und Köln hier nicht mehr halten.
Institutionen und Schulen
Die Stadt hat ein Handels-Schiedsgericht sowie ein städtisches College, eine Handelsschule und eine Berufsschule.
Persönlichkeiten
- Nicolas Régnier (um 1588–1667), flämischer Maler, Caravaggist in Italien
- Marie-Alexandre Guénin (1744–1835) französischer Violinist und Komponist
- Christina von Brühl (1756–1816) Landschaftsarchitektin und Schriftstellerin
- Albert Prisse (1788–1856), belgischer Kriegsminister
- Orli Wald (1914–1962), kommunistische Widerstandskämpferin, sog. „Engel von Auschwitz“
- Ray Famechon (1924–1978), Boxsportler
- Laurent Lefèvre (* 1976), französischer Radrennfahrer
- Pierre Drancourt (* 1982), belgisch-französischer Radrennfahrer
- Benjamin Pavard (* 1996), französischer Fußballspieler
Städtepartnerschaften
Maubeuge unterhält Partnerschaften mit
- Vilvoorde in Belgien,
- Ratingen in Deutschland und
- Ouarzazate in Marokko.
Literatur
- Le Patrimoine des Communes du Nord. Flohic Editions, Band 2, Paris 2001, ISBN 2-84234-119-8, S. 1242–1246.
- Martin Zeiller: Mabuge. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Circuli Burgundici (= Topographia Germaniae. Band 16). 1. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1654, S. 211 (Volltext [Wikisource]).
Weblinks
Einzelnachweise
- Lijst van geografische namen in Frans-Vlaanderen. Abgerufen am 3. Februar 2017 (niederländisch).
- Historische Karte urn:nbn:de:hbz:061:1-30531.
- www.ville-maubeuge.fr (französisch).
- Wattignies 1793. (Memento vom 28. November 2012 im Internet Archive)
- Dabei könnte es – die Quellen sind unklar am 2. (sowie 11. und 13.) Juni 1794 die erste Luftaufklärung gegeben haben
- Die Belagerung von Maubeuge (25. August bis 8. September 1914).
- Fort Cerfontaine Postkarte.
- Feignies – das Fort de Leveau. In: Wege der Erinnerung des Ersten Weltkriegs im Nord-Pas de Calais. Regionales Fremdenverkehrsamt des Nord-Pas de Calais, abgerufen am 24. November 2012.
- Jean Glad: Maubeuge, place de guerre (1678–1945). Éditions Publibook, 2007, S. 133–161.
- Kapitel XXXI und XXXII In: Martin Blumenson: Breakout and Pursuit (aus der Reihe United States Army in World War II – European Theater of Operations). Center of Military History, United States Army, Washington D.C. 1961.