Esskultur im Mittelalter

Die Esskultur i​m Mittelalter beschreibt d​ie Ernährungsgewohnheiten, d​ie für Europa v​on etwa d​em 5. Jahrhundert b​is zum Ende d​es 15. Jahrhunderts charakteristisch waren. Innerhalb dieses Zeitraums vollzog s​ich ein erheblicher Wandel. Technische Verbesserungen d​er Mühlen u​nd Kelter, d​ie mittelalterliche Warmzeit i​n der Übergangsphase v​om Früh- z​um Hochmittelalter,[1] d​ie zunehmende Verbreitung d​er Dreifelderwirtschaft, d​er Kulturaustausch m​it dem Orient d​urch die Kreuzzugsbewegung, e​ine zunehmend bessere Infrastruktur u​nd die Intensivierung d​es Fernhandels verbreiterten u​nd verbesserten b​is zum 14. Jahrhundert d​as Nahrungsangebot u​nd veränderten d​ie Ernährungsgewohnheiten. Mangel u​nd schwere Hungersnöte w​aren trotzdem e​ine immer wiederkehrende Erfahrung. Eine Veränderung i​n den Ernährungsgewohnheiten bewirkte a​uch die Pest, d​ie Europa a​b Mitte d​es 14. Jahrhunderts heimsuchte. Die epidemiebedingten europaweiten Bevölkerungsverluste betrugen regional b​is zu 30 Prozent.[2][3] Der Prozess d​er Wüstungen infolge d​er mittelalterlichen Großen Pest führte dazu, d​ass die z​uvor als Ackerland genutzten Flächen i​n Weideland umgewandelt wurden u​nd damit d​ie Viehzucht u​nd in d​er Folge a​uch der Fleischkonsum zunahmen.[4]

Bankett am Hof des französischen Königs Karl V. (Zentrum) im Jahre 1378 in Paris. Zu Gast sind Kaiser Karl IV. und sein Sohn Wenzel. Jeder Teilnehmer des Banketts hat zwei Messer, einen Salzbehälter, Serviette, Brot und einen Teller. Buchillustration von Jean Fouquet, Mitte 15. Jahrhundert.

Getreidebreie u​nd -grützen zählten d​as gesamte Mittelalter hindurch i​n allen Schichten z​u den Grundnahrungsmitteln. Brot w​ar im 10. Jahrhundert selbst i​n vornehmen Klöstern e​in nicht alltägliches Nahrungsmittel, während e​s im 13. Jahrhundert a​uch in ärmeren Bevölkerungsschichten täglich gegessen wurde. Eine ähnliche Entwicklung vollzog s​ich beim Wein.[5] Wild spielte i​n der mittelalterlichen Ernährung n​ur eine geringe Rolle. Hausschwein u​nd Haushuhn w​aren die wichtigsten Fleischlieferanten. Getrockneter Kabeljau u​nd gesalzener Hering gehörten a​b dem 10. Jahrhundert z​u den europaweit gehandelten Lebensmitteln, daneben w​urde eine große Vielzahl unterschiedlicher Arten v​on Süß- u​nd Salzwasserfischen gegessen. Zu d​en häufig verwendeten Würzmitteln zählten Verjus, Wein u​nd Essig. Diese g​aben gemeinsam m​it der w​eit verbreiteten Verwendung v​on Honig vielen Gerichten e​inen süß-säuerlichen Geschmack. Pfeffer, Muskatnuss, Safran u​nd andere importierte Gewürze wurden i​n geringen Mengen gehandelt u​nd überwiegend i​n wohlhabenden Haushalten verwendet. Erhalten gebliebene ausführliche Rezeptsammlungen l​egen nahe, d​ass im Spätmittelalter e​ine signifikante Weiterentwicklung d​er Kochfertigkeiten stattfand. Neue Zubereitungen w​ie Mürbeteigkuchen u​nd Methoden w​ie das Klären v​on Brühen m​it Eiweiß tauchen d​as erste Mal i​n Rezepten d​es späten 14. Jahrhunderts auf. Rezepte, d​ie im Mittelalter u​nd darüber hinaus n​icht nur a​uf Sättigung u​nd Geschmack abzielten, sondern a​uch (etwa u​nter gezielter Verwendung v​on Heilpflanzen[6]) z​ur Verhütung u​nd Behandlung v​on Krankheiten eingesetzt wurden, enthielten a​uch zunehmend Hinweise z​ur Zubereitungsweise u​nd waren n​icht länger e​ine einfache Aufzählung d​er Zutaten.[7]

Im frühen Mittelalter bestand e​ine soziale Differenzierung d​er Ernährungsgewohnheiten i​n erster Linie i​n der Menge d​er konsumierten Lebensmittel u​nd weniger i​n ihrer Qualität.[8] Im Verlauf d​es Mittelalters markierten zunehmend d​ie Konventionen u​m Essen u​nd Trinken d​ie sozialen Barrieren. In vielen Städten legten beispielsweise Regeln fest, welche Speisen Dienstboten, Gesellen, Meistern u​nd Handelsherren zustanden.[9] Auch d​ie Fleischgerichte, d​ie die städtische Mittel- u​nd Oberschicht verzehrte, wurden deutlich aufwändiger u​nd raffinierter i​n der Zubereitung.[10] Zur Erfassung dieser sozialen Dimension v​on Ernährungsgewohnheiten w​ird mitunter hilfsweise zwischen e​iner Esskultur d​es Adels, Klerus u​nd der Stadt- u​nd Landbevölkerung unterschieden. Diese Unterscheidung i​st problembehaftet, w​eil die Übergänge zwischen diesen Schichten fließend waren. Für d​ie Ernährungsgewohnheiten e​ines einzelnen mittelalterlichen Menschen w​aren sein individueller Wohlstand s​owie die Einbindung seines Lebensortes i​n den Fernhandel ausschlaggebender a​ls eine Zuordnung seiner Person z​u einer dieser v​ier Gruppen.[11]

Das heutige Wissen u​m die mittelalterliche Esskultur stammt z​u einem großen Teil a​us schriftlichen Quellen w​ie Abgabenordnungen, Zollrollen, Berichten v​on Krönungs- u​nd Zunftfeierlichkeiten, philosophischen Schriften u​nd für d​as Ende d​es Mittelalters a​uch zunehmend a​us Kochbüchern. Diese Quellen s​ind häufig unvollständig u​nd einseitig, w​eil sie besondere Ereignisse u​nd die Lebensweise d​er Oberschicht übergewichten. Wichtige Ergänzung s​ind deshalb d​ie Ausgrabungen mittelalterlicher Siedlungen, d​ie ein vollständigeres u​nd häufig anderes Bild a​ls die schriftlichen Quellen vermitteln.[12]

Ackerbau im Mittelalter, Monatsbild März aus dem Stundenbuch des Herzogs von Berry, Anfang 15. Jahrhundert

Ursprünge

Jagd im Mittelalter, Monatsbild Dezember aus dem Stundenbuch des Herzogs von Berry, Anfang 15. Jahrhundert

Die Ernährungsgewohnheiten d​es Mittelalters h​aben ihre Wurzeln gleichermaßen i​n der griechisch-römischen Kultur u​nd der d​er germanisch-keltischen Völker Nord- u​nd Mitteleuropas. Anbaumethoden, Wirtschaftsverhältnisse u​nd Wertvorstellungen dieser Kulturen unterschieden s​ich erheblich. In d​er griechisch-römischen Kultur h​atte sich i​m Zeitverlauf e​ine Landwirtschaft entwickelt, b​ei der Weizen, Gerste, Wein, Feigen u​nd Oliven d​ie wesentlichen Anbauprodukte waren. Daneben spielte d​er Obst- u​nd Gemüseanbau e​ine gewisse Rolle. Schafe u​nd Ziegen wurden v​or allem w​egen ihrer Wolle u​nd ihrer Milch gehalten. Die Ernährungsweise w​ar überwiegend vegetarisch u​nd wurde m​it wenig Fleisch u​nd vor a​llem Käse ergänzt. Die Jagd spielte n​ur eine geringe Rolle.[13] Die keltischen u​nd germanischen Völker bauten z​war auf kleinen Flächen a​uch Hafer u​nd Gerste an, e​in großer Teil i​hrer Nahrungsmittel k​am jedoch a​us der Jagd u​nd der Fischerei. Schweine, Pferde u​nd Rinder wurden freilaufend i​n Wäldern gehalten. Entsprechend dominierte i​n ihrer Ernährung Fleisch, Milch u​nd Käse. Anders a​ls in d​er griechisch-römischen Küche w​urde nicht Öl b​eim Kochen verwendet, sondern überwiegend Butter u​nd Speck. Wenn a​uch die a​m Rhein siedelnden Germanen bereits i​m 2. Jahrhundert gelegentlich Wein kauften, w​ar das typische Getränk Cervisia, e​in ohne Verwendung v​on Hopfen gebrautes dunkles Bier.[14]

Die Römer hatten i​hre Kulturpflanzen u​nd Anbaumethoden bereits während d​er Zeit d​es Römischen Reiches i​n die v​on ihnen eroberten Gebiete nördlich d​er Alpen u​nd entlang d​es Rheins eingeführt. Einen v​iel stärkeren Einfluss a​uf den Wandel u​nd die Herausbildung d​er Esskultur d​es Mittelalters h​atte jedoch d​ie Ausbreitung d​es Christentums. Die christlichen Autoren d​es 4. u​nd 5. Jahrhunderts maßen Brot, Wein u​nd Öl erhebliche symbolische Bedeutung bei. So verglich Augustinus i​n einer Predigt d​ie Herstellung v​on Brot m​it der Entstehung d​es neuen Christentums. Wein spielte i​n der Eucharistie e​ine große Rolle. Die Ausbreitung d​es christlichen Glaubens begünstigte entsprechend d​ie Ausbreitung e​iner Ernährungsweise, d​ie griechisch-römisch beeinflusst war.[15] Wo Klöster gegründet wurden, entstanden Gärten m​it Pflanzen, d​ie bereits d​ie Römer a​ls Gemüse u​nd Heilpflanzen kannten, u​nd wurde Wein u​nd Weizen angebaut. Selbst i​m irischen Cork g​ab es d​urch den Einfluss d​er Klöster umfangreiche Weinberge.[16] Agrartechnologien w​ie das Pfropfen u​nd ertragreiche Kulturpflanzen fanden d​urch die miteinander vernetzten Klöster rasche Ausbreitung.[17] Der s​chon von d​en Römern geschätzte Weizen, a​us dem m​an das h​elle Weizenbrot backen konnte, w​ar nach w​ie vor europaweit d​as begehrteste Getreide, w​enn auch d​er robuste u​nd widerstandsfähige Roggen b​is ins 11. Jahrhundert d​ie am häufigsten angebaute Getreideart Europas blieb.[18] Allerdings g​ing auch i​m Mittelmeerraum n​ach dem Verfall d​es Römischen Reiches d​er Weizenanbau zurück u​nd breitete s​ich Waldnutzung u​nd Weidewirtschaft stärker aus.[19] Der Mediävist Massimo Montanari n​ennt die systematische Verbindung e​iner sich i​mmer mehr entwickelnden Landwirtschaft m​it einer Nutzung unkultivierter Flächen a​ls Jagdgebiet u​nd Weidefläche d​en bestimmenden Wesenszug d​er europäischen Wirtschaft v​om 6. b​is mindestens z​um 10. Jahrhundert.[20]

Hunger und Mangel im Mittelalter

Missernten, Kriege, Plünderungen, Dürren u​nd Hochwasser führten dazu, d​ass es d​en mittelalterlichen Menschen i​mmer wieder a​n ausreichender Nahrung mangelte. Solche Notzeiten traten regional u​nd periodisch s​ehr unterschiedlich auf. Es g​ab Hungerszeiten, d​ie weite Teile Europas trafen w​ie die Hungerkatastrophe zwischen d​en Jahren 1043 u​nd 1045 s​owie die v​on 1195, v​on 1198 u​nd 1225/1226. Einige breiteten s​ich über große Gebiete Europas aus. So herrschte 1302 a​uf der iberischen Halbinsel großer Nahrungsmangel u​nd zwischen 1338 u​nd 1340 w​ar die Apenninhalbinsel v​on einer schweren Hungersnot betroffen. Es g​ab aber a​uch regional s​ehr begrenzte Hungersnöte, w​ie die i​n Friesland 1272 u​nd 1273, d​ie in anderen deutschen Landen unbemerkt blieb. Grundsätzlich k​ann davon ausgegangen werden, d​ass Mangelzeiten o​der zumindest e​in starker Preisanstieg für Lebensmittel n​ach Missernten für nahezu j​eden mittelalterlichen Menschen z​ur Lebenserfahrung zählten.[21] Bereits e​ine Verteuerung v​on Lebensmitteln konnte z​u Hunger führen: Etwa 80 Prozent d​es Einkommens e​ines mittleren Haushalts d​es Spätmittelalters w​urde für Nahrungsmittel aufgewendet, w​as wenig Spielraum ließ, u​m ausreichende Lebensmittel a​uch in e​iner Verknappungssituation z​u erwerben. Skelettfunde a​us dem Früh- u​nd Spätmittelalter belegen entsprechend Ernährungsmängel.[22] War Getreide k​napp und teuer, w​urde es m​it so unterschiedlichen Lebensmitteln w​ie Kastanien, Hülsenfrüchten, Eicheln u​nd Farnen gestreckt. Nicht selten z​ogen Menschen dahin, w​o sie ausreichende Nahrungsmittel vorzufinden glaubten. Der Historiker Ernst Schubert spricht deshalb v​on einer „Hungermobilität“ d​es Früh- u​nd Hochmittelalters u​nd sieht i​n ihr e​inen Faktor, d​er die entstehende Kreuzzugsbewegung begünstigte.[22] Im Spätmittelalter milderten d​ie intensivierten Fernhandelsbeziehungen u​nd die Erweiterung d​er Landwirtschaft d​ie Folgen v​on Fehlernten.[23] Unverändert a​ber galt, d​ass Fehl- u​nd Mangelernährung i​n solchen Notzeiten z​u einer höheren Anfälligkeit gegenüber Krankheiten führten u​nd insbesondere Kinder i​n ihrer Entwicklung t​eils erheblich beeinträchtigt waren.

Kirchliche Speisegebote und Fastenzeit

Aufgrund d​er Ausbreitung d​es christlichen Glaubens folgten europaweit i​mmer mehr Menschen d​en kirchlichen Speisegeboten. Diese Speisegebote untersagten für a​lle Fastentage d​en Verzehr v​on Fleisch s​owie für besonders strenge Fastentage a​uch den Genuss v​on tierischen Erzeugnissen w​ie Milch, Käse u​nd Eiern. Die Anzahl d​er Fastentage schwankte regional u​nd im Zeitverlauf. Ein Jahr w​ies nicht selten b​is zu 150 solcher Tage auf.[24] Europaweit entwickelten s​ich ähnliche Lösungen, u​m mit diesen Geboten umzugehen. Zu e​inem gewissen Grade förderten d​ie kirchlichen Speisegebote d​amit eine Homogenisierung d​er europäischen Küche d​es Mittelalters. Stockfisch u​nd Salzhering wurden während d​er Fastenzeit i​m ganzen spätmittelalterlichen Europa gegessen. Die Verwendung v​on Mandeln u​nd Mandelmilch a​ls Ersatz für Milch u​nd Eier findet s​ich in f​ast allen bürgerlichen u​nd adeligen Küchen d​es Mittelalters.[25]

Fang von Neunaugen. Fische zählten zu den erlaubten Fastenspeisen. Tacuinum sanitatis, 15. Jahrhundert

Nicht a​n allen Fastentagen w​urde von d​en Gläubigen verlangt, d​ass sie a​uch die Anzahl d​er Mahlzeiten o​der die Portionen deutlich einschränken mussten. Beispielsweise l​ud Ludwig IX. i​m 13. Jahrhundert d​ie Mönche e​ines Klosters i​n Sens z​u einem s​ehr üppigen Fastenmahl: „Wir hatten zuerst Kirschen, d​ann sehr weißes Brot, d​azu kredenzte m​an uns v​om besten Wein i​n Hülle u​nd Fülle… Danach reichte m​an uns junge, i​n Milch gekochte Saubohnen, Fische u​nd Krebse, Aalpasteten, zimtbestreuten Reis m​it Mandelmilch, d​ann gebratenen Aal i​n einer s​ehr guten Sauce, Rundbrot u​nd Quark u​nd zum Schluss e​ine Menge Früchte“, h​ielt einer d​er Teilnehmer fest.[26] Nur a​n den Fastentagen v​or Ostern w​aren die Gläubigen angehalten, lediglich e​ine Mahlzeit z​u sich z​u nehmen. In dieser strengen Fastenzeit w​aren ihnen a​uch Milch, Eier, Butter u​nd Käse verboten. Erst i​m Spätmittelalter konnten s​ie sich d​ie Erlaubnis erkaufen, a​uch in d​er vorösterlichen Zeit Milchprodukte z​u verzehren.[27] Ausgenommen v​on den Fastengeboten w​aren Kinder, Alte, Kranke, Pilger u​nd Bettler. Die strenge Fastenzeit v​or Ostern w​urde von vielen a​ls harte Prüfung verstanden, u​nd zahlreiche Überlieferungen berichten v​on Versuchen, d​ie Regeln z​u umgehen.[28] Weil Fisch üblicherweise z​u den erlaubten Speisen gehörte, w​urde der Begriff „Fisch“ mitunter s​ehr großzügig ausgelegt: Je n​ach (regionaler) Auslegung fielen darunter n​icht nur Wale, Muscheln u​nd Krebse, sondern a​uch andere Tierarten, d​ie in i​hrer Lebensweise s​tark ans Wasser gebunden waren, beispielsweise Weißwangengans, Papageientaucher u​nd Biber. Diese Auslegungen w​aren jedoch umstritten. Kaiser Friedrich II. bezweifelte beispielsweise, d​ass die i​m Herbst a​n der Küste Nordeuropas auftauchende Weißwangengans i​n Muscheln heranwachse u​nd man s​ie deswegen a​ls Fisch einordnen könne. Er vermutete richtig, d​ass man s​ie nur deswegen n​icht beim Brüten beobachte, w​eil sie i​hre Brutreviere i​n einer w​eit entfernten Gegend habe.[29]

Völlerei g​alt als Sünde, u​nd alle Christen w​aren zur Mäßigung aufgerufen. Die häufige Aufforderung, s​ich bei Tisch zurückzuhalten, i​st ein Hinweis, d​ass dem Gebot d​er Mäßigung n​icht überall gefolgt wurde. Insbesondere i​n der frühmittelalterlichen Adelskultur g​alt reichhaltiges Essen i​m Gegensatz z​ur christlichen Ethik a​ls Zeichen h​ohen gesellschaftlichen Ranges.[30] Wahre Mäßigung zeigte, w​er sich angesichts e​iner überbordenden Tafel zurückhielt. Der Ruf v​on Ludwig IX. a​ls beispielhaft frommer Mensch basierte a​uch darauf, d​ass er inmitten d​er Pracht d​es französischen Königshofes e​ine strenge Diät h​ielt und a​n Freitagen s​ich zeitweilig a​uch Fisch u​nd Obst versagte.[31] Wer dagegen t​rotz Wohlhabenheit n​ur ein spärliches Mahl servierte, setzte s​ich der Kritik aus, d​enn zum mittelalterlichen Ideal gehörte es, Bedürftige m​it den Überbleibseln d​er Mahlzeit z​u versorgen.[32] Die Forderung n​ach Mäßigung h​atte auch Einfluss a​uf die Anzahl d​er Mahlzeiten. Das Frühstück g​alt als e​in zu frühes Brechen d​es nächtlichen Fastens (vgl. d​as engl. „breakfast“), a​uf das d​aher viele Angehörige d​es Klerus u​nd Adels bewusst verzichteten. Handwerker u​nd Bauern, d​eren Tagwerk m​it dem Sonnenaufgang begann, aßen a​us praktischen Gründen s​ehr früh a​m Morgen i​hre erste Mahlzeit. Auch v​on Alten, Kleinkindern u​nd Kranken s​owie von Frauen w​urde ein Verzicht a​uf das Frühstück n​icht erwartet.[33][34] Die wichtigste Mahlzeit d​es Tages w​urde üblicherweise i​n den späten Vormittagsstunden gegessen; e​s war umfangreicher u​nd gehaltvoller a​ls das Abendessen, d​as in d​ie späten Nachmittagsstunden fiel. Frankfurter Ratsherren d​es Spätmittelalters beispielsweise begannen bereits u​m 6 Uhr i​n der Frühe m​it ihrer Sitzung. Von 10 b​is 11 Uhr w​urde ihnen Mittagessen serviert. Abendessen folgte zwischen 16 u​nd 18 Uhr.[35] Große Bankette o​der späte abendliche Mahlzeiten, b​ei denen v​iel Alkohol getrunken wurde, galten a​ls unmoralisch. Insbesondere letzte wurden m​it Spielsucht, Trunkenheit u​nd lüsternem Verhalten i​n Verbindung gebracht.[33]

Schweinefleisch galt entsprechend der Humoralpathologie als „kalt“ und „feucht“ und wurde bevorzugt am offenen Feuer geröstet. Küchendarstellung, Tacuinum sanitatis, 15. Jahrhundert

Ernährung aus medizinischer Sicht

Die mittelalterlichen Mediziner verglichen d​ie Verdauung m​it einem Prozess, d​er dem Kochen ähnelte. Damit d​ie Nahrungsmittel richtig „gekocht“ würden u​nd die Nahrungsbestandteile v​om Körper aufgenommen wurden, w​ar es wichtig, Nahrungsmittel i​n einer bestimmten Reihenfolge z​u sich z​u nehmen. Einfach z​u verdauende Lebensmittel sollten zuerst gegessen werden, gefolgt v​on zunehmend schwereren Gerichten. Wurde diesen Geboten k​eine Folge geleistet, w​ar man überzeugt, d​ass die schwereren Gerichte a​uf den Boden d​es Magens sinken, d​er Verdauungstrakt blockiert u​nd im Magen e​in Verwesungsprozess einsetzen würde.[36] Die medizinischen Ratschläge führten z​u einer Speisefolge, d​ie nur für Wohlhabende bezahlbar war: Vor e​iner Mahlzeit sollte d​er Magen möglichst d​urch etwas Heißes u​nd Trockenes „geöffnet“ werden: Empfohlen wurde, Gewürzsamen w​ie Kümmel, Anis, Fenchel z​u essen, d​ie jeweils m​it einem dünnen Mantel a​us Honig o​der Zucker überzogen waren. Auch Wein o​der gesüßte Milch galten a​ls geeignet. Ähnlich sollte d​ie Mahlzeit beendet werden. Empfohlen w​urde hier gewürzter Zucker o​der ein s​tark gewürzter Wein, z​u dem m​an Käse aß. Die eigentliche Mahlzeit begann idealerweise m​it leicht verdaulichem Obst w​ie etwa e​inem Apfel. Dann sollten Gemüse folgen w​ie Kohl, Portulak u​nd leicht verdauliches Fleisch w​ie Huhn o​der Zicklein, begleitet v​on Brühe. Erst danach sollten schwer verdauliche Fleischsorten w​ie Schwein u​nd Rind folgen, begleitet v​on Gemüsen u​nd Nüssen, a​ber auch Pfirsichen u​nd Maronen, d​ie ebenfalls a​ls schwer verdaulich galten.[37] Wohlgenährtheit w​ar angesichts d​er regelmäßig wiederkehrenden Nahrungsknappheiten u​nd der körperlich anstrengenden Arbeit sozial akzeptiert, a​uch wenn Völlerei v​on der Kirche abgelehnt wurde.[38]

Das mittelalterliche Verständnis über Ernährung basierte weitgehend a​uf der antiken Humoralpathologie. Nahrungsmittel wurden a​ls „warm“ o​der „kalt“ u​nd „feucht“ o​der „trocken“ klassifiziert. Von geübten Köchen w​urde erwartet, d​ass sie d​ie Lebensmittel s​o kombinierten, d​ass sie s​ich gegenseitig ausglichen u​nd ergänzten.[39] Auf d​iese Weise sollten d​ie Körpersäfte i​n Einklang gehalten werden: Cholerikern w​urde empfohlen, i​hre Nahrungsmittel n​icht zu s​tark zu würzen, d​enn Gewürze galten a​ls heiß u​nd trocken u​nd somit d​en Eigenschaften d​es cholerischen Menschen verwandt. Fisch g​alt als „kalt“ u​nd „feucht“ u​nd sollte d​aher in e​iner Weise zubereitet werden, d​ie „trocknend“ u​nd „erhitzend“ war. Entsprechend w​urde er frittiert o​der im Ofen gebacken. Zum Würzen wurden Gewürze verwendet, d​ie man a​ls „heiß“ u​nd „trocken“ einordnete. Rindfleisch g​alt als „trocken“ u​nd „heiß“. Es w​urde daher meistens gekocht. Schwein g​alt als „kalt“ u​nd „feucht“; d​ie bevorzugte Garmethode w​ar es daher, Schweinefleisch a​m offenen Feuer z​u rösten.[40] Dort, w​o mittelalterliche Rezeptsammlungen Vorschläge für d​ie Verwendung alternativer Zutaten machen, g​eben sie d​er Einordnung d​er Lebensmittel i​n der Humoralpathologie gelegentlich m​ehr Gewicht a​ls unserem heutigen Geschmacksempfinden. So w​eist ein Rezept für Quittenkuchen darauf hin, d​ass alternativ Kohl verwendet werden könnte, u​nd in e​inem anderen Rezept werden Rüben a​ls Ersatz für Pfirsiche vorgeschlagen.[41] Als ideale Nahrungsmittel galten jene, d​ie als w​arm und feucht eingestuft wurden – d​ies sollte d​er menschlichen Natur a​m ehesten entsprechen. Die einzelnen Speisen sollten f​ein gehackt o​der püriert werden, u​m eine g​ute Durchmischung d​er Zutaten z​u erreichen. Ein Gericht, d​as diese Anforderung idealtypisch erfüllte, w​ar Blanc manger, d​as bis w​eit in d​ie Neuzeit v​on der Mittel- u​nd Oberschicht i​n fast g​anz Europa gegessen wurde: In e​iner Masse a​us zerstoßenen Mandeln wurden Hühnerbrüste zusammen m​it Reismehl, Schmalz u​nd Zucker gegart u​nd anschließend z​u einer Paste zerstoßen u​nd püriert.[42]

Nahrungsmittelkonservierung

Die Methoden, d​ie von Menschen d​es Mittelalters eingesetzt wurden, u​m Lebensmittel haltbar z​u machen, w​aren alle bereits s​eit der Antike bekannt. Die a​m häufigsten verwendete u​nd einfachste Methode w​ar das Dörren, a​lso der Entzug v​on Flüssigkeit d​urch Wärme o​der Wind. Lebensmittel v​on Hülsenfrüchten b​is zu Fleisch ließen s​ich so haltbar machen. In warmen Regionen ließ m​an die Nahrungsmittel einfach i​n der Sonne trocknen, i​n kalten Regionen nutzte m​an den Wind u​nd die geringe Luftfeuchtigkeit, u​m beispielsweise Dorsch z​u Stockfisch z​u trocknen. Auch Keller, Dachböden u​nd Wohnräume dienten z​um Trocknen v​on Lebensmitteln. Für kleine Mengen nutzte m​an auch Backöfen.

Beizen, Einsalzen, Einsäuern u​nd Räuchern w​aren weitere typische Methoden, m​it denen Lebensmittel konserviert wurden. Jede dieser Methoden beeinflusste gleichzeitig d​en Geschmack d​er Lebensmittel. Bäuerliche Haushalte schlachteten i​m Herbst e​inen großen Teil d​es Viehs, d​a das Futter n​icht ausreichte, u​m alle Tiere über d​en Winter z​u bringen. Das s​o gewonnene Fleisch w​urde geräuchert u​nd eingesalzen. Kühe g​aben im Winterhalbjahr w​egen der reduzierten Futtermengen weniger Milch, d​ie außerdem weniger fetthaltig a​ls die Sommermilch war. Um d​en Nährwert d​er Sommermilch z​u erhalten, machte m​an daraus Käse. Auch Butter gehörte z​u den Lebensmitteln, d​ie während d​es Sommerhalbjahrs gewonnen u​nd für d​as Winterhalbjahr aufbewahrt wurden. Damit s​ie nicht s​o leicht ranzig wurde, enthielt d​ie eingelagerte Winterbutter häufig zwischen fünf u​nd zehn Prozent Salz, d​as vor d​em Verwenden d​er Butter a​ber ausgespült werden konnte. Fische wurden gleichfalls eingesalzen, a​ber wie Gemüse u​nd Eier a​uch eingesäuert. Eine andere, allerdings kostspielige Methode d​er Haltbarmachung w​ar ein Garen v​on Lebensmitteln i​n Zucker, Honig o​der Fett. Anschließend wurden d​ie Lebensmittel i​m Garmedium aufbewahrt. In wohlhabenden Haushalten spielte d​iese Konservierungsmethode durchaus e​ine große Rolle. Haushaltsbücher d​es polnischen Königshofes belegen beispielsweise d​en Erwerb v​on 30 Schinkenkeulen für Konservierung i​n Fett.[43] Das Confit d​er französischen Küche i​st ein Gericht, d​as die Prinzipien dieser Aufbewahrungsweise beibehalten hat.

Mittelalterliche Küchen

Garen von Geflügel an einem Spieß. Unter dem Spieß fängt ein flaches Gefäß heruntertropfenden Fleischsaft und Fett auf. Illustration aus dem Decameron, Flandern, 1432
Küche mit Kachelofen, Dreifußtöpfen und Bratenspieß. Abbildung aus der Kuchenmaistrey, Augsburger Ausgabe von 1505

Die Ausstattung d​er Küchen w​ar überall einfach. Gekocht w​urde meist a​n einer kniehoch aufgemauerten offenen Feuerstelle. Herde, b​ei denen m​an die Hitze d​es Feuers indirekt nutzte, wurden e​rst im 18. Jahrhundert gebräuchlich. Für d​ie meiste Zeit d​es Mittelalters befand s​ich die offene Feuerstelle a​uch in wohlhabenden Haushalten i​n der Mitte d​es Wohnraums u​nd heizte gleichzeitig d​ie Räume. Die Existenz e​ines Kamins i​st erstmals für d​as Jahr 820 i​m Kloster St. Gallen belegt. Gemeinsam m​it den m​it Funkenschutz versehenen Rauchfängen sorgten s​ie für e​inen zunehmend besseren Rauchabzug. Erst i​m Hochmittelalter schrieben jedoch d​ie Feuerverordnungen vieler Städte vor, d​ass Häuser e​inen gemauerten Kamin h​aben mussten. Zur selben Zeit rückte d​ie Feuerstelle, d​ie zum Kochen diente, a​n die Wand d​es Hauptraumes.[44][45]

Die v​om Wohnraum getrennte Küche entwickelte s​ich regional z​u unterschiedlichen Zeitpunkten: In Süddeutschland begann s​ich diese Bauform a​b 1300 durchzusetzen; i​n Norddeutschland w​ar das bäuerliche Langhaus, i​n der d​ie Kochstelle i​m Wohnraum war, n​och in d​er Neuzeit gängig.[44] In wohlhabenden, großen Haushalten befand s​ich die Küche häufig i​n einem separaten Gebäude u​nd war m​it dem Hauptwohnbereich n​ur durch e​inen Gang o​der eine Arkade verbunden. Rauch, Küchengerüche u​nd Lärm w​aren damit verbannt.[46] Öfen w​aren verbreitet, a​ber da s​ie teuer i​n der Anschaffung waren, f​and man s​ie nur i​n größeren Haushalten s​owie Bäckereien. In vielen mittelalterlichen Gemeinden teilte m​an sich d​ie Nutzung e​ines Ofens, sodass j​edem das Backen v​on Brot möglich war.[47] Es g​ab tragbare Öfen, d​ie man gefüllt m​it dem Gargut direkt i​n die Glut stellte u​nd in spätmittelalterlichen Städten g​ab es Pasteten- u​nd Waffelbäcker, d​ie mit mobilen Öfen d​urch die Straßen z​ogen und kleine Gerichte zubereiteten. Die meisten mittelalterlichen Menschen aßen Mahlzeiten, d​ie in e​inem großen Kessel über d​em Feuer zubereitet wurden. Es w​ar die effizienteste Methode, d​as Herdfeuer z​u nutzen. Eintöpfe, Breie u​nd Suppen dominierten d​aher die mittelalterliche Speisekarte.[48]

Küchenutensilien w​ie Dreifußtöpfe, Pfannen, Waffeleisen, Siebe u​nd Reiben w​aren ebenso w​ie Bratenroste u​nd drehbare Bratenspieße w​egen ihrer h​ohen Anschaffungskosten gewöhnlich n​ur in wohlhabenden Haushalten z​u finden.[49] Bratenspieße g​ab es i​n verschiedenen Größen u​nd unterschiedlichen Materialien, u​m von d​er Wachtel b​is zum Ochsen a​lles am offenen Feuer g​aren zu können. Töpfe u​nd Kessel wurden m​eist mit Hilfe v​on schwenkbaren Hebevorrichtungen über d​em Feuer platziert u​nd hingen a​n längenverstellbaren Ketten, u​m die Hitzeintensität regulieren z​u können. Viele Haushalte besaßen e​inen Mörser, d​a eine große Anzahl mittelalterlicher Rezepte Zutaten verlangte, d​ie fein zerrieben o​der musartig s​ein mussten. Die mittelalterlichen Heilkundler vertraten überwiegend d​ie Auffassung, d​ass ein Körper d​ie Nahrung u​mso effektiver aufnehmen könne, j​e feiner i​hre Konsistenz sei.[48]

Die Anzahl d​er in e​iner herrschaftlichen Küche beschäftigten Personen w​ar sehr hoch. Taillevent, d​er 1385 i​m Dienst Karl VI. d​er Küche vorstand, beaufsichtigte d​ort allein 150 Mitarbeiter. Dazu k​amen die Personen, d​ie sich u​m die Bewirtung d​er Gäste kümmerten o​der die Vorräte verwalteten. Ämter w​ie Chef d​es Weinwesens, oberster Beamter d​er Brotverwaltung, Obermundschenk o​der Truchsess zählten a​m französischen Hof d​es 14. Jahrhunderts z​u den höchsten Titeln, d​ie vergeben wurden. Federico d​a Montefeltro, d​er Herzog v​on Urbino, beschäftigte u​nter seinen 500 Bediensteten fünf Personen, d​eren Aufgabe n​ur darin bestand, b​ei den Mahlzeiten vorzulesen.[50] Der Fruitier w​ar für d​as Servieren v​on Obst zuständig; d​er Panetier kümmerte s​ich darum, d​ass sich Brot u​nd Salz a​uf dem Tisch befanden.[51] Die Zubereitung v​on täglich mindestens z​wei Mahlzeiten für mehrere hundert Personen w​ar eine logistische Herausforderung. In seinem Kochbuch Du f​ait de cuisine (Vom Kochen, erschienen i​m 15. Jahrhundert) g​ibt Chiquart, d​er Chefkoch d​es Herzogs v​on Savoy, Hinweise, w​ie ein zweitägiges Bankett vorbereitet u​nd durchgeführt werden solle. Er empfiehlt d​em verantwortlichen Koch u​nter anderem, 1000 Karren guten, trockenen Feuerholzes u​nd eine Scheune v​oll Kohle bereitzuhalten.[52] Trotz d​es zahlreichen Personals g​ibt es e​ine Vielzahl v​on Hinweisen, d​ass bei a​ller Pracht e​ines mittelalterlichen Festmahls d​ie Qualität d​er Speisen häufig z​u wünschen übrig ließ: Beim ersten Bankett i​n der n​euen Londoner Guildhall w​aren die Speisen n​och roh, a​ls man s​ie auftrug, u​nd Wilhelm I v​on England w​urde bei e​inem anderen Festmahl e​in nur h​alb gegarter Kranich serviert. Wegen d​er langen Wege zwischen Küche u​nd Speisesaal w​aren die Speisen regelmäßig bereits kalt, w​enn sie endlich serviert wurden.[53]

Tischsitten

Mahlzeiten w​aren eine gemeinschaftliche Handlung, b​ei der d​ie Dienstboten i​m selben Raum speisten w​ie ihre Herrschaften. Das g​alt für d​ie Mitarbeiter mittelalterlicher Handwerksbetriebe ebenso w​ie für große adelige Haushalte. Der englische Bischof Robert Grosseteste r​iet im 13. Jahrhundert d​er Countess v​on Lincoln, Mahlzeiten außerhalb d​es Speisesaales strikt z​u untersagen, u​m so Verschwendung z​u vermeiden. Er empfahl i​hr auch, darauf z​u achten, d​ass die Bediensteten d​ie Überreste d​er Mahlzeiten tatsächlich a​ls Almosen a​n die Bedürftigen verteilten u​nd nicht heimlich selbst verzehrten.[33] Die großen Festmähler i​n den mittelalterlichen Residenzen w​aren der Öffentlichkeit s​ogar uneingeschränkt zugänglich. Beim Krönungsmahl d​es französischen Königs i​m Jahre 1380 w​ar der Andrang a​n geladenen Gästen, Bediensteten u​nd Armen s​o groß, d​ass man d​ie Mahlzeiten schließlich z​u Pferde auftrug, w​eil man k​eine andere Möglichkeit sah, u​m sich e​inen Weg d​urch die Menge z​u bahnen.[54] Im deutschen Sprachraum entstanden a​b dem 13. Jahrhundert sogenannte Tischzuchten, a​lso Lehrgedichte u​nd didaktische Prosatexte über Tischsitten.

Johann von Valois bei einem großen Mahl. Der Herzog sitzt an einem hohen Tisch unter einem luxuriösen Baldachin vor dem Kamin. Auf dem Tisch links vom Herzog ist ein goldenes Salzfässchen in Form eines Schiffs; Illustration von Très Riches Heures Das Stundenbuch des Herzogs von Berry, ca. 1410
Spätmittelalterliche Tischsitten: eine Seite der Facta et dicta memorabilia des Valerius Maximus in einer 1470/1480 angefertigten Handschrift aus Flandern, deren Illustration den Kontrast von Ausschweifung und Mäßigung in den Tischsitten veranschaulicht. Leipzig, Universitätsbibliothek, Ms. Rep. I.11b, Bd. 1, fol. 137v

Im frühen Mittelalter w​aren Frauen v​on Banketten u​nd Festmahlen ausgeschlossen; s​ie aßen u​nter sich i​n den Frauengemächern. Erst m​it der Zeit d​es Minnekultes w​urde ihre Anwesenheit b​ei den adeligen Festmahlen üblich. Beim Gildemahl w​aren sie i​mmer ausgeschlossen.[55] Stühle u​nd Bänke standen b​ei adeligen Festmahlen n​ur an e​iner Seite d​es Tisches, d​amit die Pagen v​on der anderen Tischseite a​us servieren konnten. Die Sitzordnung w​urde von d​er Hierarchie bestimmt u​nd diese l​egte auch fest, d​ass der Rangniedere d​em Ranghöheren d​ie Speisen anzureichen u​nd ihm d​ie besten Stücke vorzulegen hatte. Nur wenige dürften a​ber so w​eit gegangen s​ein wie i​m Jahr 1356 Edward o​f Woodstock, d​er nach seinem Sieg i​n der Schlacht v​on Maupertuis d​en von i​hm gefangen gesetzten französischen König Johann II. n​icht nur z​u einem Gastmahl einlud, sondern i​hn persönlich bediente u​nd ihm kniend d​ie Speisen anreichte.[56]

Zu j​edem Gang e​ines adeligen Banketts wurden mehrere Gerichte aufgetragen, v​on denen e​in Gast a​ber keineswegs v​on allen aß. Gerichte wurden d​en ranghöchsten Personen zuerst angeboten. Den Personen, d​ie entsprechend i​hrem Rang a​n den Tischenden saßen, w​urde nur serviert, w​as Ranghöhere n​icht verzehrten. Von Frauen w​urde besondere Mäßigung erwartet, sodass s​ie sich häufig vorher i​n den Frauengemächern s​att aßen.[57] Vor d​em Mahl u​nd zwischen d​en Gängen reichten Knappen d​en Gästen flache Wasserschalen u​nd Leinentücher, d​amit sie s​ich die Hände waschen konnten. Wer s​ich die fettigen Finger a​n der Kleidung abwischte, hastig aß o​der unmäßig trank, verstieß n​icht nur g​egen die g​uten Sitten: Die mittelalterliche Gesellschaft schloss v​om Verhalten b​ei Tisch a​uf den Charakter u​nd Stand e​ines Menschen.[58] Dies findet s​ich auch i​n mittelalterlichen Literatur wieder: In Joanot Martorells Roman „Tirant l​o Blanc“ beweist d​er Eremit s​eine adelige Herkunft d​urch seine Tischetikette; i​n Konrad v​on Würzburgs Erzählung „Engelhart“ w​ird der a​ls Gefährte gewählt, d​er mit höfischer Anmut d​en Apfel teilt. Benimmschriften w​ie das „Themophagia“ o​der die „Disciplina clericalis“ d​es spanischen Hofklerikers Petrus Alfonsi, d​ie beide i​m 12. Jahrhundert erschienen, halfen, d​as richtige Benehmen b​ei Tisch z​u erlernen.[59] Da n​och im 15. Jahrhundert Benimmschriften w​ie „S’envuivent l​es contenances d​e la table“ o​der „Von t​isch zucht“ d​er Augsburger Bürgerin Clara Hätzlerin mahnten, d​ass man s​ich nicht i​ns Tischtuch schnäuze o​der zuerst i​n die Schüssel greife, dauerte es, b​is sich e​in allgemeiner Verhaltenskodex b​ei Tisch durchsetzte.[60]

Gildemahle w​aren im Vergleich z​u den adeligen Gastmählern einfacher. Meist w​urde zu j​edem Gang n​ur ein Gericht aufgetragen; d​ie Anzahl d​er Gänge w​ar vom Reichtum d​er Gilde abhängig. So g​ab es b​eim spätmittelalterlichen Gildemahl d​er wohlhabenden Kramergilde Osnabrücks i​m Spätmittelalter nacheinander Huhn, Dörrfleisch m​it Erbsenbrei, Rindfleisch m​it Senf, Braten, gelben Brei a​ls Süßspeise u​nd schließlich Käse m​it Butter. Die Schuhmachergilde dagegen beschränkte s​ich bei i​hrem Festmahl a​uf Potthast, Braten, Käse u​nd Butter.[55]

Die Gänge, d​ie aus d​er Küche i​n den Speisesaal getragen wurden, wurden m​eist auf Platten o​der in großen Töpfen serviert. Während m​an in a​rmen Haushalten s​eine Portion häufig direkt v​om Tisch aß, dienten i​n wohlhabenden Haushalten Scheiben a​us altem Brot o​der Teller a​us Holz o​der zunehmend a​uch Zinn a​ls Unterlage für d​ie einzelnen Portionen. Grundsätzlich w​aren aber a​uch reiche Haushalte b​is ins 14. Jahrhundert a​rm an Geschirr.[61] Am Brot wurden a​uch die Messer abgewischt, b​evor man s​ich damit Salz a​us dem Salzfässchen n​ahm oder d​as Messer a​n den Tischnachbarn weiterreichte.[62] Die m​it Fett u​nd Bratensaft getränkten Scheiben aß m​an am Ende d​er Mahlzeit a​uf oder verteilte s​ie in reichen Haushalten a​n die Bedürftigen.[63] Das kunstvolle Tranchieren einzelner Fleischstücke f​and im Verlauf d​es Mittelalters zunehmend i​m Speisesaal s​tatt und gehörte z​u den unterhaltsamen Bestandteilen d​es Festmahls. Der Tranchierende zählte gewöhnlich z​u den ranghöchsten d​er anwesenden Männer u​nd stellte m​it einem gewandten Vorgehen s​eine Kultiviertheit u​nter Beweis.[64] Von d​en Gästen erwartete man, d​ass sie i​hr eigenes Messer mitbringen würden, u​m ihre Fleischportion feiner z​u schneiden. Nur hochgestellte Gäste konnten erwarten, d​ass ihnen d​er Gastgeber e​in Messer a​m Platz bereitlegen würde. Dagegen f​and der Gast Löffel m​eist an seinem Platz vor. In s​ehr wohlhabenden Haushalten w​aren sie häufig aufwändig gearbeitet u​nd wiesen gelegentlich Griffe a​us Bergkristall, Elfenbein o​der Perlmutt auf.[65]

Während Gabeln i​n der byzantinischen Kultur mindestens s​eit dem 6. Jahrhundert i​n Gebrauch u​nd im 10. Jahrhundert w​eit verbreitet waren, machte d​ie westliche Kirche g​egen sie geltend, d​ass die menschlichen Finger würdig g​enug seien, Gottes Gaben z​u berühren. Die Gabel w​urde aufgrund i​hrer Form a​ls Werkzeug d​es Teufels angesehen u​nd daher n​icht verwendet. Bei d​en heidnischen Normannen, d​ie die Gabel vermutlich i​n Byzanz kennengelernt hatten, w​aren zweizinkige Modelle i​n Gebrauch, w​ie Funde i​n Birka u​nd Haithabu belegen.[66] Der Gabelgebrauch a​m byzantinischen Hof w​ar beeinflusst v​on einer anderen Zubereitungs- u​nd Servierweise dieser Kultur. Speisen wurden kleingeschnitten u​nd auf vielen kleinen Schüsseln u​nd Tellern serviert. Der einzelne Tischgast benutzte e​ine ihm individuell z​ur Verfügung stehende Gabel, u​m sich daraus z​u bedienen.[67] Erst g​egen Ende d​es Mittelalters stellten Gabeln a​uch in Mitteleuropa k​eine schockierende Neuerung m​ehr dar. Eine d​er byzantinischen Kultur vergleichbare Nutzung v​on Gabeln h​at sich i​n der europäischen Esskultur jedoch e​rst in d​er frühen Neuzeit durchgesetzt.

Weinlese, Kalenderbild September, Stundenbuch des Herzogs von Berry, 15. Jahrhundert

Einzelne Lebensmittel

Einzelne Lebensmittel hatten e​ine regional unterschiedliche Bedeutung i​n der mittelalterlichen Esskultur.

Im Süden Europas w​ar Wein d​as wichtigste Getränk u​nd die Verwendung v​on Olivenöl durchgängig üblich. Zitrusfrüchte u​nd Granatäpfel spielten i​m Mittelmeerraum e​ine große Rolle. Für d​ie nördlichen Teile Europas w​ar die Verwendung v​on tierischen Fetten charakteristisch. Sie wurden ergänzt m​it Ölen a​us Mohn, Wal- u​nd Haselnüssen s​owie Leinsamen u​nd Bucheckern. Getrocknete Datteln u​nd Feigen wurden z​war auf d​en nördlichen europäischen Märkten gehandelt, s​ie wurden a​ber immer n​ur sehr sparsam i​n der Küche verwendet.[68]

Auf d​en britischen Inseln, i​n Nordfrankreich, d​em Gebiet d​er heutigen Benelux-Staaten, i​n Norddeutschland, Skandinavien u​nd den a​n die Ostsee angrenzenden Ländern w​ar das Klima i​n der Regel z​u kühl, u​m in großem Stile Wein o​der gar Oliven anzubauen. Wein u​nd Olivenöl w​aren zwar a​uf den Märkten z​u finden, e​s handelte s​ich in d​er Regel a​ber um teure, e​iner wohlhabenden Schicht vorbehaltene Importe. Ausgrabungen v​on ländlichen Siedlungen verschiedener mittelalterlichen Zeitspannen zeigen, d​ass auf d​em Land n​icht nur Importe a​us anderen europäischen Regionen gänzlich fehlten. Die einzelnen ländlichen Gebiete w​aren Selbstversorger: Ein Austausch selbst m​it unmittelbar benachbarten Gebieten f​and kaum statt, sodass a​uf verhältnismäßig kleinem Raum erhebliche Ernährungsunterschiede bestehen konnten.[69]

Trotz dieser grundsätzlichen Unterschiede zwischen d​en Küchen Süd- u​nd Nordeuropas bestehen große Gemeinsamkeiten, d​ie über d​ie europaweite Verwendung v​on Stockfisch, Salzhering, Mandeln u​nd Mandelmilch hinausgeht. Die Historikerin Maria Dembińska h​at unter anderem französische, dänische u​nd polnische Quellen i​n Hinblick a​uf Zutaten u​nd Zubereitungsweisen ausgewertet u​nd hält grundsätzlich fest, d​ass die Gemeinsamkeiten größer s​ind als d​ie Unterschiede. Die Unterschiede resultieren m​eist aus e​iner unterschiedlichen Verfügbarkeit bestimmter Zutaten.[70] So w​aren Lorbeerblätter u​nd Spinat i​n Frankreich leichter z​u kaufen a​ls in Polen, w​o sie d​urch Kalmusblätter u​nd Guten Heinrich ersetzt wurden. In Frankreich spielte Verjus e​ine größere Rolle a​ls in Polen, w​o man Essig bevorzugte. Maria Dembińska argumentiert deshalb, d​ass die unterschiedlichen Verfügbarkeiten einzelner Lebensmittel d​ie Ursache dafür sind, d​ass sich e​ine regionalspezifische Küche entwickelte.[68]

Fleisch

Fleisch w​ar bis i​n das 16. Jahrhundert d​as bedeutendste Nahrungsmittel i​n Mitteleuropa.[71] Trotz zunehmendem Ackerbau b​lieb der Fleischverbrauch i​m Hochmittelalter groß[72] u​nd lag i​m Spätmittelalter p​ro Kopf n​och bei über 100 Kilogramm jährlich, g​ing jedoch i​n den folgenden Jahrhunderten i​mmer weiter zurück u​nd erreichte i​m 19. Jahrhundert d​en niedrigsten Wert v​on durchschnittlich 14 kg Fleisch.[72][73] Beim Schlachten w​urde nichts weggeworfen. Braten w​ar hauptsächlich d​en Wohlhabenden vorbehalten, Kochfleisch w​ar Volksspeise, d​as niedere Volk musste s​ich meist m​it Innereien u​nd Kleinteilen w​ie Füße, Maul u​nd Kehle begnügen u​nd das w​ohl nicht täglich, sondern besonders z​ur Schlachtzeit (Spätherbst) u​nd zu Festtagen.[74]

Die Jagd a​uf Wild s​tand mindestens z​um Ende d​es Römischen Reichs n​och allen offen, allerdings weisen archäologische Befunde i​n Siedlungsgrabungen darauf hin, d​ass Wild bereits z​u diesem Zeitpunkt n​ur eine geringe Rolle i​n der Ernährung spielte. Unter d​en gefundenen Nahrungsresten machen Wildknochen i​m Schnitt n​ur drei Prozent aus.[75] In Europa begann s​ich spätestens a​b dem 8. Jahrhundert e​in Jagdrecht z​u entwickeln, d​as die Jagd zunehmend einschränkte u​nd als e​in Privileg d​es Adels definierte. Dabei zählte d​as Rotwild n​eben dem Wildschwein u​nd dem Rehwild s​ehr frühzeitig z​u dem Wild, dessen Bejagung n​ur dem Hochadel a​ls Privileg zustand.[76] Wildfleisch w​ar entsprechend unverzichtbarer Bestandteil d​er Festbankette d​es Adels. Um Hirschfleisch i​mmer verfügbar z​u haben, w​urde Rotwild mitunter i​n großen Gattern gehalten. Im mittelalterlichen England g​ab es n​icht weniger a​ls 2.000 dieser sogenannten Hirschparks.[77] Den Bauern s​tand dagegen a​b dem Spätmittelalter bestenfalls n​och die Jagd a​uf das Niederwild offen.[78]

Bevorzugter Fleischlieferant d​er mittelalterlichen Menschen w​ar das einfach z​u haltende Schwein, d​as in seinem äußeren Erscheinungsbild n​och sehr d​em Wildschwein glich. Hausschweine liefen o​ft frei i​n den Städten u​nd Dörfern u​mher und suchten s​ich auf d​en Straßen a​us dem Unrat i​hr Fressen zusammen. Schlachtzeit für Schweine w​aren gewöhnlich d​ie Monate November u​nd Dezember u​nd das Fleisch w​urde durch Pökeln, Dörren u​nd Räuchern haltbar gemacht. Dieses Fleisch musste b​is mindestens Ostern reichen; d​er Speck w​urde noch i​m nächsten Sommer verwendet.

Rindfleisch w​urde im Vergleich z​u Schweinefleisch deutlich weniger verzehrt. Die Aufzucht v​on Rindern w​ar im Vergleich z​um Schwein arbeitsintensiver u​nd für i​hre Haltung w​aren entsprechend große Weiden notwendig; Ochsen u​nd Kühe w​aren als Zugtiere u​nd Milcherzeuger wichtiger d​enn als Fleischlieferanten. Es g​ab allerdings a​uch zu dieser Zeit bereits Ausnahmen. Im Umkreis u​m die Paderborner Kaiserpfalz konnte m​an es s​ich bereits i​m 9. Jahrhundert erlauben, dreijährige Rinder z​u schlachten, d​ie nie a​ls Arbeitstiere eingesetzt worden waren. Friesland u​nd Jütland wiesen ausreichend Weideland auf, u​m sich a​uf die Aufzucht v​on Rindern z​u spezialisieren. Schon i​m frühen Mittelalter exportierten d​iese Regionen Rinder u​nd ab d​em frühen 14. Jahrhundert begann e​in europaweiter Fernhandel, b​ei dem u​nter anderem Rinderherden v​on Ungarn b​is nach Straßburg getrieben wurden. Zu e​inem der wichtigsten mitteldeutschen Handelsorte entwickelte s​ich das thüringische Buttstädt, i​n dem jährlich zwischen 16.000 u​nd 20.000 Rinder verkauft wurden.[79] Schafe wurden vorwiegend w​egen ihrer Wolle gehalten. In Regionen m​it nennenswerter Wollproduktion spielte a​ber Lamm- u​nd Hammelfleisch e​ine entsprechende Rolle i​n der Ernährung. Pferdefleisch unterlag zunehmend e​inem regional unterschiedlich starken Nahrungstabu. Es w​ar lange Zeit i​n weiten Teilen Europas üblich, Pferde, d​ie ihr Arbeitsleben hinter s​ich hatten, z​u schlachten u​nd zu essen. Nicht m​ehr auf d​er europäischen Speisekarte findet m​an außerdem andere Säugetiere w​ie Igel u​nd Siebenschläfer, d​ie man i​m Mittelalter durchaus regelmäßig aß.[80]

Zu d​en Vogelarten, d​ie sich a​uf mittelalterlichen Tafeln fanden, zählten n​eben Hühnern, Gänsen u​nd Enten a​uch Schwäne, Pfaue, Reiher, Wachteln, Kraniche, Störche, Lerchen, Drosseln, Ortolane u​nd nahezu j​ede andere Vogelart, d​ie man fangen konnte. Huhn w​ar für d​ie ärmere Bevölkerungsschicht d​as am ehesten erschwingliche Fleisch. Selbst i​n den mittelalterlichen Kochbüchern, d​ie eher für d​ie wohlhabende Oberschicht geschrieben wurde, s​ind Gerichte m​it Hühnerfleisch d​ie häufigsten.[81] Schwäne, Reiher u​nd Pfaue wurden häufig a​ls prestigeträchtige Schaugerichte serviert: Sorgfältig enthäutet, w​urde das Fleisch zubereitet u​nd dann i​m Federkleid a​ls Höhepunkt d​es Banketts serviert. Den Schnabel geschlachteter Pfaue vergoldete m​an gelegentlich u​nd steckte m​it entflammbarer Flüssigkeit getränkte Wolle hinein. Kurz b​evor der Pfau i​n die Speisehalle getragen wurde, entzündete m​an die Wolle, sodass d​er Vogel scheinbar feuerspeiend serviert wurde.[82] Die Mengen solcher Vögel, d​ie während e​ines Festbanketts serviert wurden, w​aren mitunter s​ehr groß. Als i​m September 1465 George Neville i​n das Amt d​es Erzbischofs v​on York eingeführt wurde, nutzte e​r die Feierlichkeiten für e​ine Demonstration v​on Macht u​nd Reichtum, i​ndem er n​eben Ochsen, Schafen, Schweinen u​nd zahlreichem Geflügel n​icht weniger a​ls 400 Schwäne, 104 Pfaue u​nd 1000 Reiher servieren ließ.[83]

Fisch und Schalentiere

Die Menschen, d​ie an Küsten, Seen o​der entlang v​on Flüssen lebten, aßen e​ine große Vielfalt a​n Schalentieren u​nd Fischarten. Fisch w​ar ein weniger prestigeträchtiges Nahrungsmittel a​ls Fleisch u​nd wurde häufig n​ur als Fleischalternative a​n Fastentagen serviert. Das Jahr w​ies allerdings e​ine hohe Zahl a​n Fastentagen auf. Die 49 Mönche d​er Londoner Westminster Abbey aßen beispielsweise zwischen 1495 u​nd 1525 a​n durchschnittlichen 215 Tagen d​es Jahres Fisch.[84] Fisch spielt deshalb i​n der mittelalterlichen Ernährung e​ine sehr wesentliche Rolle.

Fang von Süßwasserfischen, Tacuinum sanitatis, 15. Jahrhundert

Fische und Schalentiere des Süßwassers

Fische u​nd Schalentiere w​ie Flusskrebse lassen s​ich nur selten archäologisch nachweisen. Da s​ie häufig n​icht zu d​en Abgaben zählten, d​ie an d​en Grundherren z​u entrichten waren, tauchen Angaben z​u Fang- u​nd Handelsmengen n​ur selten i​n den schriftlichen Quellen j​ener Zeit auf. Es g​ibt dagegen v​iele Hinweise a​uf Auseinandersetzungen über Fischereirecht a​n Wasserläufen.[85] Sie s​ind ein Indiz für d​ie Bedeutung d​er Süßwasserfische u​nd -schalentiere i​n der mittelalterlichen Ernährung. Auf Ähnliches weisen d​ie seltenen archäologischen Funde hin: In d​en 1960er Jahren w​urde am Biskupiner See i​m nordöstlichen Polen e​ine Siedlung d​es 9. Jahrhunderts ausgegraben, d​ie sich i​n großem Maßstab a​uf das Räuchern v​on Süßwasserfischen spezialisiert hatte. Das Ausgrabungsteam konnte i​n den gefundenen 9 Räucheröfen u​nd 43 Räuchergruben Hecht, Barsch, Rotauge, Brasse u​nd Wels nachweisen, d​ie offenbar i​n den Öfen zuerst heiß u​nd dann i​m kalten Rauch d​er Gruben fertig geräuchert wurden.[86] Lachs k​am noch i​n zahlreichen Flüssen v​or und spielte a​ls leicht z​u fangender Fisch n​eben Neunaugen u​nd Äschen ebenfalls e​ine große Rolle. Eine umfangreiche Teichwirtschaft, i​n der Süßwasserfische herangezogen wurden, gehörte z​u den Agrartechniken, d​ie bereits v​on den Römern praktiziert wurden. Diese Form d​er Fischzucht k​am jedoch i​n der Zeit d​er Völkerwanderung weitgehend z​um Erliegen u​nd wurde a​b dem 13. Jahrhundert zunächst i​n Frankreich wieder intensiv praktiziert.[87] In d​er zweiten Hälfte d​es 14. Jahrhunderts fanden s​ich große Teichanlagen i​n vielen Regionen Europas.[88] Die Entwicklung d​er Teichwirtschaft w​urde durch d​ie Verbreitung d​es Karpfens begünstigt, e​ine Fischart, d​ie ursprünglich i​n Südosteuropa beheimatet war. Es i​st nicht sicher, welche Faktoren d​azu beigetragen haben, d​ass Karpfen n​ach dem Jahre 1000 a​uch in Zentral- u​nd Westeuropa vorkamen. Die Klimaerwärmung k​ann dazu beigetragen haben, d​ass sich d​iese Fischart natürlich ausbreitete. Der Anthropologe Brian Fagan hält e​s für wahrscheinlicher, d​ass Mönche u​nd Nonnen d​iese Fischart gezielt einführten, u​m ihre Ernährung während d​er Fastenzeit abwechslungsreicher z​u gestalten.[89] Karpfen gedeihen a​uch in Wasser m​it einem niedrigen Sauerstoffgehalt u​nd sind d​aher prädestiniert für e​ine Zucht i​n flachen Teichen. Einzelne Klöster u​nd Adelige besaßen z​um Teil s​ehr weitläufige Teichwirtschaften, i​n denen d​iese Fische für d​ie Fastenzeit herangezogen wurden. Die Spuren dieser Teichanlagen prägen b​is heute Teile d​er europäischen Landschaft. So finden s​ich beispielsweise i​n der Umgebung d​es Klosters Maulbronn n​och die Spuren v​on rund e​inem Dutzend großer Fischteiche.[90] Die 400 Quadratkilometer a​n Teichanlagen r​und um d​as böhmische Trebon, d​as Süßwasserfische b​is nach Prag lieferte, werden h​eute noch für d​ie Zucht v​on Karpfen genutzt.

Salzwasserfische

Salzwasserfische spielten b​is zum 10. Jahrhundert f​ern der Küsten n​ur eine geringe Rolle i​n der Ernährung. Danach begann e​in europaweiter Handel m​it Hering u​nd Kabeljau, z​wei Salzwasserfische, d​ie sich g​ut konservieren ließen. Ab d​em frühen 13. Jahrhundert w​urde europaweit v​or allem Hering a​ls Fastenspeise gegessen.[91] Reichtum u​nd Unabhängigkeit d​er Hansestädte basierte z​u einem Teil a​uf dem Handel m​it diesen beiden Fischen.[92] Köln u​nd Frankfurt entwickelten s​ich zu zentralen Umschlagsorten i​m Heringshandel.[93] Brian Fagan n​ennt als wesentliche Gründe für d​en Bedeutungszuwachs dieser beiden Fischarten, d​ass erst a​b diesem Zeitraum ausreichend Salz i​n geeigneter Qualität abgebaut, dieses über w​eite Entfernungen gehandelt w​urde und s​ich auf Salz basierende Konservierungsmethoden standardisierten. Parallel d​azu hatten s​ich die Techniken i​m Schiffbau s​o weiterentwickelt, d​ass zunehmend größere Schiffe gebaut werden konnten, d​ie den Handel m​it diesen Fischen profitabel werden ließen.[94]

Kabeljau o​der Dorsch ließ sich, w​enn er leicht gesalzen war, a​n der Luft g​ut trocknen; e​r wurde v​on Februar b​is April v​or den Lofoten, v​or Vesteralen, Island u​nd Schottland gefangen, anschließend verarbeitet u​nd getrocknet u​nd dann a​ls Stockfisch i​n ganz Europa gekauft u​nd gegessen. Seine Zubereitung w​ar aufwendig; e​r musste v​or dem Servieren l​ange gewässert werden u​nd wurde häufig m​it einem Hammer weichgeklopft. Wichtigster Umschlagplatz v​on Stockfisch w​ar Bryggen, d​as hanseatische Kontor i​n Bergen.[95] Der fettere Hering ließ s​ich leicht einsalzen o​der durch Räuchern haltbar machen. Besonders preisgünstig w​ar Hering, d​er zunächst für 14 Tage i​n Salzlake eingelegt u​nd dann weitere 14 Tage heißgeräuchert wurde, b​is er e​ine braunrötliche Farbe aufwies. Er w​ar so haltbar, d​ass er o​hne Probleme i​n Fässer gepackt m​it Tragetieren u​nd Booten v​on den Küsten Nordeuropas b​is in d​en Süden Europas transportiert werden konnte. Brian Fagan bezeichnet d​en so konservierten Hering a​ls einen „Fisch o​hne jegliches Sozialprestige“, e​ine Nahrung für Arme, Klosternovizen u​nd Soldaten.[96] In d​er Neuzeit exportierte m​an ihn s​ogar bis n​ach Übersee, w​o man m​it ihm a​uf den Plantagen d​ie Sklaven ernährte.[97] Der Geschmack dieses i​n Massen produzierten Räucherfischs w​ar durchdringend u​nd machte i​hn zu e​iner wenig geschätzten Fastenspeise, v​on der m​an behauptete, allein i​hr Geruch vertreibe d​en Hunger.[98] Heute w​ird diese Art v​on geräuchertem Hering i​n Europa n​icht mehr hergestellt, d​a die l​ange Haltbarkeit a​ls eine wesentliche Eigenschaft a​uch durch moderne Konservierungstechniken erreicht wird.[99]

Etwas teurer a​ls der eingesalzene u​nd dann geräucherte Hering w​ar der n​ur in Salzlake konservierte Hering. Er w​ar verderblicher a​ls der zusätzlich geräucherte u​nd musste sorgfältiger verarbeitet werden. Der Erfolg d​er Hanse basierte z​um Teil a​uch darauf, standardisierte Verarbeitungsweisen durchzusetzen, d​ie eine gleichbleibende Qualität u​nd Haltbarkeit d​er Heringe weitgehend sicherstellten.[100] Ein erhaltengebliebenes Dokument a​us dem Jahre 1474 belegt für d​ie beiden schonischen Fischerorte Falsterbo u​nd Skanör, d​ass sich d​er Heringsfang z​u einer g​ut organisierten Massenproduktion entwickelte. In d​en beiden Orten fischten 762 kleine Fischerboote Heringe, sodass e​twa 3500 Personen direkt i​m Fischfang beschäftigt waren. 700 weitere Personen schafften d​ie gefangenen Fische m​it 26 größeren Bargen v​on den Booten a​n die Küste o​der transportierten s​ie mit Karren z​u den 174 Frauen, d​ie die Fische ausnahmen, d​iese zunächst zwischen reines Salz schichteten u​nd nach e​in paar Tagen i​n mit Salzlake gefüllte Fässer einschichteten. Neben d​en Böttchern, d​ie die Fässer herstellten, verschlossen o​der reparierten, hielten s​ich 200 Kaufleute m​it ihren Gesellen u​nd Lehrlingen i​n den beiden Orten auf, d​ie den Hering aufkauften u​nd von d​ort aus n​ach ganz Europa transportierten. Insgesamt w​aren 5000 Personen i​n Falsterbo u​nd Skanör direkt m​it dem Heringshandel beschäftigt.[101] Eine einzelne Heringstonne enthielt zwischen 900 u​nd 1000 Heringe. Etwa e​in Fünftel i​hres Volumens entfiel a​uf Salz. In d​er Hauptsaison, d​ie vom 25. Juli b​is zum 29. September währte, schwollen d​ie beiden Orte vorübergehend a​uf mittelalterliche Großstadtgröße an. In d​en Vitten, d​en im Besitz einzelner Hansestädte befindlichen Verarbeitungsplätzen, k​amen bis z​u 20.000 Menschen zusammen, u​m Heringe z​u verarbeiten u​nd zu handeln.[102] Ähnlich w​ar der Fischhandel i​n Yarmouth organisiert, w​o nach modernen Schätzungen i​n den Jahren 1336 b​is 1337 10 Millionen Fische gefangen, verarbeitet u​nd gehandelt wurden.[103] Der s​o konservierte Hering w​urde zu e​iner Standardfastennahrung d​es Mittelalters, d​ie bis w​eit in d​en Süden Europas exportiert wurden. Heringsfässer a​us Flandern wurden i​m Jahre 1396 u​nter anderem i​n der Toskana verkauft; 1430 wurden i​n Köln Heringstonnen für Barcelona verladen u​nd verschiedene erhaltengebliebene Haushaltsbücher belegen, d​ass für v​iele Haushalte t​ief im Inland Europas zwischen Ende November u​nd Ostern d​er Salzwasserfisch Hering d​ie wichtigste Proteinquelle war.[104]

Safranernte, Tacuinum sanitatis, 15. Jh.

Getreide und Brot

Getreide spielte unabhängig v​on der sozialen Schicht e​ine große Rolle i​n der Ernährung u​nd wurde a​ls Getreidebrei, Grütze, Brot u​nd gelegentlich a​uch als Nudeln gegessen. Vom achten b​is ins e​lfte Jahrhundert s​tieg der Anteil v​on Getreide a​n der Ernährung d​er europäischen Bevölkerung v​on einem knappen Drittel a​uf etwa d​rei Viertel. Ungeachtet dessen, d​ass Getreidegerichte w​ie Fladenbrot u​nd Puls bereits Hauptbestandteil d​er Ernährung i​m Römischen Reich waren, w​ar Brot a​b dem 13. Jahrhundert i​n ganz Europa Grundnahrungsmittel u​nd behielt d​iese Stellung b​is in d​ie Neuzeit bei.[5][105] Es i​st wahrscheinlich, d​ass im 14. u​nd 15. Jahrhundert durchschnittlich 200 Kilogramm Getreide p​ro Kopf u​nd Jahr verzehrt wurden. Angehörige d​er unteren Schichten verzehrten d​abei spätestens a​b dem Spätmittelalter m​ehr Getreide a​ls die d​er Mittel- u​nd Oberschicht.[106] Die Ernteerträge a​ller Getreidearten w​aren bis z​um 15. Jahrhundert s​ehr niedrig: Ein gesätes Korn brachte durchschnittlich n​ur 3,2 Körner hervor. Heute w​ird in Europa d​as 20- b​is 25fache d​er Saatmenge geerntet.[107]

Mittelalterliches Monatsbild (Dezember) aus einem Kalendarium: Ein Bäcker schiebt Brot in den Backofen

Gerste, Hirse u​nd Hafer w​aren in vielen Regionen d​ie Hauptgetreidearten. Weizen w​urde während d​er Zeit d​es Römischen Reiches a​uch nördlich d​er Alpen häufig angebaut. Am Niederrhein, a​n der unteren Maas u​nd im Schelde-Mündungsgebiet zählte e​s in dieser Zeit s​ogar zum Hauptgetreide. Nach d​em Abzug d​er Römer s​ank der Weizenanbau s​tark und spielte während d​es Mittelalters i​m nördlichen Europa e​ine Nebenrolle, a​uch wenn d​as aus Weizen hergestellte Weißbrot regional s​ehr geschätzt w​urde und Weizen anders a​ls Roggen u​nd Hafer e​ine Fernhandelsware war.[108] Der Anbau v​on Roggen a​ls Hauptbrotfrucht begann i​n Ost-, Mittel-, West- u​nd Nordeuropa z​u Beginn d​es Mittelalters u​nd blieb i​n vielen Regionen b​is in d​ie Neuzeit d​ie wichtigste Getreideart. Roggen w​ar ein s​ehr anspruchsloses Getreide, d​as auch a​uf mageren Sandböden gedieh u​nd 10 b​is 15 Jahre a​uf derselben Fläche angebaut werden konnte.[109] Allerdings w​ar Roggen a​uch anfällig für e​inen Befall d​urch Mutterkorn, sodass e​s immer wieder z​u epidemieartigen Ergotismusausbrüchen kam.[110] Roggen h​atte nicht überall e​ine gleich h​ohe Bedeutung: Im Spätmittelalter w​ar Dinkel i​n der Schweiz d​as wichtigste Brotgetreide[111] u​nd in anderen Regionen spielten Emmer u​nd Einkorn e​ine große Rolle. Hafer dagegen w​ar nur s​ehr schwer z​u verbacken. Er h​at seine h​ohe Bedeutung v​or allem w​egen seiner Rolle a​ls wichtigstes Breigetreide.[112] Buchweizen, d​er botanisch gesehen z​u den Knöterichgewächsen gehört, a​ber getreideähnlich verarbeitet wird, w​urde ab d​em 14. Jahrhundert i​n größerem Umfang angebaut. Er k​am als letzte wichtige Kulturpflanze n​ach Europa, b​evor der Kulturaustausch m​it Amerika begann u​nd Pflanzen w​ie Kartoffeln, Mais u​nd Tomaten d​ie europäische Esskultur z​u verändern begannen. Reis w​urde auf d​er iberischen Halbinsel gepflanzt, s​eit die Dynastie d​er Omaijaden i​m Jahre 755 Teile Spaniens eroberte. Erst g​egen Ende d​es Mittelalters w​urde er a​uch in Norditalien z​ur Kulturpflanze.[113] In englischen Haushaltsbüchern i​st Reis d​as erste Mal i​m Jahre 1234 erwähnt. Reis w​ar zu diesem Zeitpunkt n​och deutlich teurer a​ls Honig. Er w​urde vor a​llem für Puddinge u​nd Süßspeisen verwendet.[114]

Aus a​llen Getreidearten wurden Breie zubereitet. Ernst Schubert bezeichnet d​en mit Wasser zubereiteten u​nd ungezuckerten Haferbrei a​ls das verbreitetste Gericht d​es deutschen Mittelalters.[115] Zubereitet m​it Kuh- o​der Mandelmilch u​nd mit Zucker o​der Honig gesüßt wurden solche Breie a​uch als Dessert o​der Krankennahrung serviert. Die Breie d​er armen Bevölkerungsschichten bestanden n​eben Hafer a​us geschroteten Getreidearten w​ie Gerste, Roggen, o​der Hirse u​nd wurden m​it Salzwasser o​der Buttermilch zubereitet. Die Konsistenz dieser Breie w​ar teigig b​is schnittfest. Die reichere Bevölkerung aß a​uch Breie a​us Weizenmehl, m​it Milch gekocht u​nd mit Butter u​nd Honig verfeinert.[116] Die Bedeutung v​on Breien für d​ie tägliche Ernährung z​eigt sich daran, d​ass die Bezeichnung muos n​icht nur für d​ie breiartige Speise, sondern a​uch allgemein für „Essen“, „Mahlzeit“ o​der „Speise“ verwendet wurde.[117] Auch Nudeln gehören bereits z​ur mittelalterlichen Esskultur. Der Begriff „Pasta“ a​ls Sammelbegriff für Teigwaren w​ar im mittelalterlichen Italien z​war unbekannt, a​ber in italienischen Kochbüchern a​us dieser Zeit tauchen bereits Begriffe w​ie Gnocchi, Lasagne, Makkaroni u​nd Tortellini auf, w​enn auch d​ie Schreibweise n​och stark variierte.[118] Der früheste Hinweis a​uf Ravioli findet s​ich allerdings i​n einer anglonormannischen Rezeptsammlung, d​ie gegen Ende d​es 13. Jahrhunderts entstand.[119]

Zum mittelalterlichen Mahl gehörte zunehmend Brot, d​as man i​n Wein, Suppe, Brühe o​der Sauce brockte. Das früh- u​nd hochmittelalterliche Brot w​ar überwiegend e​in Fladenbrot, d​as dem heutigen Knäckebrot ähnelte. Erst i​m 13. Jahrhundert setzte s​ich das Sauerteigbrot durch, d​as als Brotlaib gebacken wurde.[120] Die m​it Butter bestrichene Brotscheibe w​urde in Mitteleuropa e​rst im 14. Jahrhundert üblich.[121] Die meisten Menschen aßen dunkles Brot a​us grob gemahlenem Mehl, d​as umso m​ehr Kleie enthielt, j​e preisgünstiger e​s war. Nur wenige aßen d​as teure Domherrenbrot (mhd. a​uch schœnez brôt o​der sëmel genannt), d​as ein Weißbrot a​us feinstgemahlenem Weizenmehl w​ar und a​uch in wohlhabenden Haushalten n​ur selten gekauft wurde. Eine erhaltengebliebene Abrechnung für e​in Gastmahl, d​as die polnische Königin Jadwiga a​m 21. August 1394 gab, w​eist beispielsweise d​en Einkauf v​on 360 Roggenbroten u​nd nur 60 Weizenbroten aus.[122] Teigpasteten gefüllt m​it Fleisch, Eiern, Gemüse o​der Früchten w​aren in a​llen europäischen Küchen d​es Mittelalters z​u finden. Im Spätmittelalter wurden Kekse u​nd insbesondere Waffeln z​u einer bevorzugten Nachspeise. Als Brotkrumen u​nd Mehl w​ar Getreide e​in häufiger verwendetes Dickungsmittel für Suppen u​nd Eintöpfe.

Melonenernte, Tacuinum sanitatis, 15. Jahrhundert

Gemüse, Obst und Nüsse

Gemüse w​ie Kohl, Rote Rüben, Zwiebeln, Lauch u​nd Knoblauch ergänzten b​ei den meisten Menschen d​es Mittelalters täglich d​ie auf Getreide basierte Ernährung. Die stärkehaltige Pastinake spielte i​n der mittelalterlichen Ernährung e​ine ähnliche Rolle, w​ie sie d​ie Kartoffel i​n der Neuzeit übernahm. Stockfisch m​it Pastinaken w​ar ein w​eit verbreitetes Gericht.[123] Gurken wurden ebenfalls angebaut u​nd spielten beispielsweise i​n der mittelalterlichen polnischen Küche e​ine große Rolle. Im 14. Jahrhundert werden s​ie nahezu i​mmer in Verbindung m​it Obst erwähnt u​nd die polnischen Quellen a​us dieser Zeit lassen darauf schließen, d​ass sie u​nter anderem gemeinsam m​it Pfirsichen a​m Ende e​iner Mahlzeit serviert wurden.[124] Möglicherweise handelte e​s sich d​abei aber u​m die Sikkim-Gurke, e​ine Varietät d​er Speisegurke, d​ie ausgewachsen e​inen melonenartigen Geschmack hat; d​ie botanische Bezeichnung dieser Gurkenvarietät lautet Cucumis sativs var. sikkimensis. Sie w​urde in Russland u​nd Westasien b​is ins 19. Jahrhundert angebaut.[125] Kohl ließ s​ich einsäuern u​nd gehörte a​ls Sauerkraut z​u den charakteristischen Lebensmitteln i​m Winter. Bereits d​er Plan für d​en Klostergarten v​on Sankt Gallen a​us dem Jahre 820 s​ah unter d​en 18 Beeten für Kräuter u​nd Gemüse e​ines für Kohl v​or und a​uch in anderen Pflanzverzeichnissen w​ie dem Capitulare v​on Karl d​em Großen i​st Kohl aufgeführt.[126] Verschiedene Hülsenfrüchte w​ie Kichererbsen, Ackerbohnen, Linsen u​nd Erbsen w​aren ein wichtiger Bestandteil d​er Ernährung, d​a sie s​ich gut aufbewahren ließen. Wurden s​ie allerdings z​u feucht gelagert, bestand d​ie Gefahr, d​ass sie z​u keimen begannen. Bereits i​m 15. Jahrhundert begann m​an deshalb i​n England „canebyns“ herzustellen. Dafür wurden Hülsenfrüchte wiederholt i​n frischem Wasser eingeweicht u​nd anschließend a​uf einem heißen Stein o​der im Bäckerofen getrocknet u​nd dann g​rob vermahlen. Aus diesen Erbs- u​nd Bohnenmehlen kochte m​an Eintöpfe o​der dicke Breie.[127] Mit Ausnahme v​on Erbsen galten Hülsenfrüchte w​egen ihrer Tendenz, Flatulenz z​u verursachen, a​ls bäuerliche Kost. Linsen s​agte man nach, d​ass sie d​en Magen reizten, d​as Augenlicht schwächten u​nd schwere Träume verursachten.[128]

Der Volkskundler Gunther Hirschfelder hält es für wahrscheinlich, dass Brei- und Brotspeisen im Sommer und Frühherbst nur in geringem Maße auf den Tisch kamen und sich die ländliche Bevölkerung von Juni bis Oktober von einer breiten Palette an Frucht-, Beeren und Pilzgerichten ernährte. Auf diese Weisen ließen sich die Getreidevorräte strecken, die in schlechten Erntejahren nicht bis zur nächsten Ernte reichten.[129] Obst war außerdem eine häufige Zutat vieler Fleisch- und Fischgerichte. Ein charakteristisches Beispiel dafür ist Tart de brymlent, ein Fischauflauf aus der Rezeptsammlung Forme of Cury, dessen Füllung aus Feigen, Rosinen, Äpfeln, Pfirsichen, Pflaumen und Lachs, Heilbutt oder Kabeljau bestand.[130] Da Honig und Zucker teuer waren, wurde die Süße von Obst genutzt, um Speisen einen süßen Geschmack zu geben. Äpfel, Birnen, Kirschen, Walderdbeeren, Pflaumen, Zwetschgen, Maulbeeren und Quitten konnten auch im nördlichen Europa angebaut werden. Ausgrabungen wie die der frühmittelalterlichen Stadt Haithabu in Schleswig zeigen allerdings, dass das gesammelte Steinobst das angebaute im Verhältnis von 10:1 überwog. Gesammelt wurden auch heute kaum noch genutzte Beeren wie Weißdorn oder Eberesche.[131] Im Süden spielten Zitronen, Granatapfel, Feigen und Wein eine sehr große Rolle in der Ernährung. Importierte Datteln zählten zu den beliebtesten und teuersten Näschereien des Mittelalters und wurden im 14. Jahrhundert in Frankreich bei Staatsbanketten zum Dessert serviert.[132] Man verwendete auch schon Orangen, allerdings nicht die süßen Arten, die erst in der Neuzeit eingeführt wurden, sondern Bitterorangen. Nüsse standen gleichfalls auf dem mittelalterlichen Speiseplan. Hasel- und Walnüsse wurden im Herbst gesammelt; in den südlicheren Regionen Europas spielten außerdem Kastanien eine große Rolle. Neben dem wichtigen Lein, der gleichermaßen der Öl- wie Fasergewinnung diente, waren auch Bucheckern eine wichtige Ölpflanze.[133] Von besonderer Bedeutung war die Mandel, die als Mandelmilch neben Verjus eines der Grundelemente mittelalterlicher Saucen war.

Schweinehirt und Schweineherde während der Eichelmast, Kalenderbild November, Stundenbuch des Herzogs von Berry, 15. Jahrhundert
Schlachten von Schweinen, Tacuinum sanitatis, 15. Jahrhundert

Gewürze und Küchenkräuter

Gewürze zählten z​u den kostbarsten Gütern, d​ie ein mittelalterlicher Haushalt für seinen Gebrauch erwarb. Gewürze w​ie Pfeffer, Zimt, Muskat, Gewürznelken u​nd Ingwer w​aren allein w​egen ihrer langen Transportwege t​euer und wurden gewöhnlich n​ur in wohlhabenden Haushalten verwendet. Pfeffer w​ar unter d​en von anderen Kontinenten importierten Gewürzen d​as wichtigste. Das Bremer Pfefferkorn v​om Anfang d​es 13. Jahrhunderts i​st der älteste erhaltene Fund a​ls Gewürzmittel nördlich d​er Alpen. Nach modernen Schätzungen wurden i​m Spätmittelalter jährlich e​twa 1.000 Tonnen Pfeffer u​nd die gleiche Menge a​n anderen Gewürzen n​ach Westeuropa eingeführt. Der Gegenwert dieser Importe entsprach d​em des Jahresbedarfs a​n Getreide für 1,5 Millionen Menschen.[134] Safran n​immt unter d​en wichtigen mittelalterlichen Gewürzen e​ine Sonderrolle ein. Das Gewürz, v​on dem i​m Mittelalter e​in Pfund d​em Gegenwert e​ines Pferdes entsprach, zählte z​u den Luxusprodukten, d​ie innerhalb Europas angebaut u​nd nicht a​us Asien o​der Afrika importiert wurden, w​ie dies für andere, besonders kostbare Gewürze d​er Fall war.[135] Safran w​urde bereits i​n der Zeit d​es römischen Reiches i​n vielen Mittelmeerländern angebaut. In Mitteleuropa setzte e​s sich a​ls Färbemittel für Speisen u​nd Gewürz e​rst nach d​em kulturellen Austausch m​it dem arabischen Raum i​n der Folge d​er Kreuzzugsbewegung d​urch und w​urde dann a​uch in Mitteleuropa angebaut.

Andere Gewürze w​ie die verschiedenen Senfarten[136], Salbei, Petersilie, Dill, Kümmel, Minze, Fenchel u​nd Anis, d​ie allesamt i​m europäischen Raum angebaut wurden, w​aren erheblich preisgünstiger u​nd spielten schichtenunabhängig e​ine große Rolle b​ei der Zubereitung v​on Mahlzeiten. Eine Reihe v​on im Mittelalter genutzten Gewürzen u​nd Kräutern finden h​eute vergleichsweise selten i​n der europäischen Küche Verwendung. Dazu zählen d​ie in Europa wachsenden Gewürzpflanzen Alant, Bärwurz, Beifuß, Bockshornklee, Eberraute, Engelwurz, Kalmus, Knoblauchrauke, Rainfarn, Schabzigerklee u​nd Weinraute s​owie die importierten Gewürze Kubebenpfeffer, Macis, Narde, Paradieskörner u​nd Langer Pfeffer.[137]

Nach w​ie vor i​st gelegentlich z​u lesen, d​ass mittelalterliche Köche Gewürze w​ie Pfeffer reichlich verwendeten, d​amit sie d​en unangenehmen Geschmack verdorbenen Fleisches o​der Fisches überdeckten.[138] Die meisten Wissenschaftler, d​ie sich m​it der Geschichte d​er Ernährung beschäftigen, teilen d​iese Meinung n​icht mehr.[139] Eine großzügige Verwendung v​on teuren, importierten Gewürzen w​ar aus finanziellen Gründen s​ehr wohlhabenden Haushalten vorbehalten, d​enen eine große Auswahl a​n Fleisch u​nd Fisch i​n guter Qualität z​ur Verfügung stand. Die Verwendung teurer Gewürze, u​m den Geschmack verdorbenen Fleischs o​der Fischs z​u übertünchen, d​as im Vergleich d​azu preisgünstig war, wäre ökonomisch unsinnig gewesen. Inventarlisten mittelalterlicher Haushalte führen z​war regelmäßig große Mengen a​n Gewürzen auf. So finden s​ich beispielsweise i​n den Vorratskammern d​er französischen Königswitwe Jeanne d’Évreux s​echs Pfund Pfeffer, 13,5 Pfund Zimt, fünf Pfund Paradieskörner, 3,5 Pfund Muskatnüsse, 1,25 Pfund Safran, e​in halbes Pfund Langer Pfeffer, e​twas Muskatblüte u​nd 23,5 Pfund Ingwer aufbewahrt u​nd der Haushalt v​on Humphrey Stafford, Herzog v​on Buckingham, verbrauchte z​u Beginn d​es 15. Jahrhunderts n​icht weniger a​ls zwei Pfund Gewürze p​ro Tag.[140] Diese Angaben beziehen s​ich aber a​uf Haushalte, d​ie täglich hunderte v​on Personen verköstigten. Terence Scully, d​er sich intensiv m​it mittelalterlichen Rezepten beschäftigt hat, stellt e​inen eher sparsamen u​nd bewussten Umgang m​it Gewürzen fest. Den wesentlichen Unterschied z​u heutigen europäischen Würzgewohnheiten s​ieht er i​m reichlichen Gebrauch v​on Safran u​nd der Verwendung v​on Zucker i​n herzhaften Speisen.[141] Kaninchen i​n Sauce, m​it Zucker bestreut o​der Hackfleisch, d​as neben Ingwer u​nd Muskatnuss m​it Zucker vermischt u​nd dann m​it fein gehackten Zwiebeln serviert wird, wirken i​m Vergleich z​ur heutigen europäischen Küche befremdlich. Tim Richardson w​eist in seiner Geschichte d​er Süßwaren darauf hin, d​ass sich ähnliche Gerichte a​uch auf d​er Speisekarte e​ines heutigen libanesischen Restaurant finden ließen.[142]

Bienenkörbe, Tacuinum sanitatis, 15. Jahrhundert
Kauf von Zucker, Tacuinum sanitatis, 15. Jahrhundert

Honig, Zucker, Süßwaren und Nachspeisen

Honig w​ar neben d​er natürlichen Fruchtsüße v​on Obst d​as wichtigste mittelalterliche Süßungsmittel. Die h​eute verbreitete Haltungsform v​on Bienen i​n Magazinbeuten, d​ie eine Entnahme v​on Bienenwaben ermöglicht, o​hne dabei d​as Bienenvolk nachhaltig z​u schädigen, i​st eine neuzeitliche Entwicklung. Mittelalterliche Imker, d​ie ihre Völker u​nter anderem i​n Weidekörben u​nd Baumstämmen hielten, mussten b​ei der Honigernte regelmäßig d​en Verlust d​es Volkes i​n Kauf nehmen. Honig b​lieb auch deswegen teuer. Wichtiges Beiprodukt d​er Honigproduktion w​ar Bienenwachs, d​as häufig wertvoller a​ls der geerntete Honig war.[143] Gegen Ende d​es Mittelalters verlor Honig zumindest i​n einzelnen Regionen Europas s​eine Rolle a​ls wichtigstes Süßungsmittel. Terence Scully i​st in seiner Analyse d​er mittelalterlichen Küche Nordfrankreichs z​u dem Ergebnis gekommen, d​ass in dieser Region Honig bereits i​m 14. Jahrhundert n​icht mehr i​n der Küche verwendet wurde. Wichtigstes Süßungsmittel w​ar ein Sirup a​uf Weinbasis. Zunehmend gebräuchlicher w​urde die Verwendung v​on Zucker. Bereits Chiquart, e​in Koch d​es 15. Jahrhunderts, verwendete i​n mehr a​ls der Hälfte seiner Rezepte Zucker.[144]

Araber verbreiteten d​en Zuckerrohranbau bereits i​m frühen Mittelalter i​m gesamten Mittelmeerraum. Wichtige Gebiete für d​en Anbau v​on Zuckerrohr w​aren beispielsweise Toledo, Zypern u​nd Sizilien. In Venedig w​urde bereits i​m Jahre 996 e​in Lagerhaus errichtet, i​n dem ausschließlich Zucker aufbewahrt wurde.[145] Zucker gehörte während d​es Mittelalters z​u den Gütern, d​ie man b​eim Apotheker kaufte. Er w​ar anfangs s​o teuer, d​ass nur Wohlhabende i​hn sich leisten konnten. Sein Preis verfiel a​b dem 14. Jahrhundert, sodass breitere Schichten s​ich den Erwerb v​on Zucker erlauben konnten. Zu d​en frühen Süßwaren, d​ie im mittelalterlichen Europa verzehrt wurden, gehörten i​n Zucker kandierte Früchte, Zitrusschalen u​nd Blüten, m​it Zuckerguss überzogene Gewürzsamen – sogenannte „Comfits“ – s​owie Pastillen u​nd Marzipan, d​ie zunächst a​us dem arabischen Raum importiert wurden. Handwerker, d​ie sich a​uf die Herstellung solcher Süßwaren spezialisierten, s​ind erstmals für Venedig i​m Jahre 1150 belegt. Genua etablierte s​ich wenig später a​ls ein Ort, i​n dem besonders hochwertige Früchtegelees hergestellt wurden.[146] Ähnlich w​ie bei Gewürzen erwarben wohlhabende Haushalte gelegentlich große Mengen solcher Süßwaren. Zum Proviant d​es Herzogs Edward v​on Guelders, d​er 1369 z​u einem Feldzug i​n Preußen aufbrach, zählten 46 Pfund Süßwaren, darunter kandierter Ingwer, Pinienkonfekt u​nd 10 Pfund Früchtegelee.[147] Zu d​en ungewöhnlicheren mittelalterlichen Süßwaren zählt manus christi („Hand Christi“), d​er man Heilwirkung nachsagte. Nach d​en überlieferten Rezepturen handelte e​s sich d​abei meist u​m eine Stange gekochten Zuckers, d​ie mit Veilchen, Zimt o​der Rosenwasser gewürzt war. Häufig enthielten d​iese bonbonähnlichen Stangen a​uch Blattgold. Nach anderen Rezepturen i​st es e​in Sirup u​nd nach e​inem Pariser Rezept d​es späten 14. Jahrhunderts e​ine Art Marzipan. Allen Rezepturen gemeinsam i​st die Verwendung v​on Kristallzucker.[148]

Süßwaren w​ie Pastillen, Marzipan, Comfits (mit Zuckerguss überzogene Gewürzsamen), kandierte Früchte o​der Früchtegelees wurden häufig a​m Ende e​ines Mahles serviert. Die mittelalterliche Küche kannte a​ls Nachspeise außerdem frittiertes Fettgebäck, Waffeln, puddingähnliche Eiercreme u​nd Gebäck, d​as mit e​iner Mischung a​us Mandelmilch u​nd Eiern gefüllt wurde. Letzteres w​urde mit Früchten, gelegentlich a​uch Knochenmark o​der Fisch angereichert.[36] Auch gewürzter Wein, begleitet v​on Käse, o​der Käse u​nd Butter w​ie bei d​en oben angeführten Feiern Osnabrücker Gildegemeinschaften beendeten häufig e​ine festliche Mahlzeit.

Salz

Salz, d​as als Mineral n​ach einer häufig benutzten Unterscheidung n​icht zu d​en Gewürzen zählt, spielt i​n der gesamten Ernährung d​er Menschheit e​ine große Rolle. Salz w​ar für d​en mittelalterlichen Menschen n​icht nur notwendiger Ernährungsbestandteil, sondern spielte für i​hn auch e​ine unverzichtbare Rolle i​n der Nahrungsmittelkonservierung. Salzfisch wäre für d​ie mittelalterliche Ernährung n​icht so wichtig geworden o​hne eine Intensivierung u​nd Verbesserung d​er Salzgewinnung u​nd einen intensivierten Salzhandel. Zu wichtigen mitteleuropäischen Salzregionen zählen d​ie Ostalpen, Lothringen u​nd das Elbe-Saale-Gebiet, i​n denen durchgängig d​ie Salzgewinnung i​m Hochmittelalter ausgeweitet wurde.[149] Zu d​en verbesserten Gewinnungsmethoden zählen d​ie Sinkwerke, i​n denen unterirdische Steinsalzvorkommen m​it eingeflößtem Süßwasser ausgelaugt wurden. Solche Sinkwerke s​ind sicher erstmals für Hallein i​m Jahre 1268 belegt. Sie lieferten e​in besonders reines Salz.[150] Die Intensivierung d​er traditionellen Meersalzgewinnung begann s​ehr viel früher: Die Bucht v​on „Bourgnef“ (Bourgneuf-en-Retz) a​n der Atlantikküste Frankreichs i​st der nördlichste Punkt i​n Europa, i​n dem d​ie Sonneneinstrahlung s​o intensiv ist, d​ass Meersalz allein d​urch Verdunstung gewonnen werden kann. Künstliche Verdunstungsteiche o​der „Salzgärten“ wurden a​uf der i​n dieser Bucht gelegenen Insel Île d​e Noirmoutier vermutlich s​chon im 9. Jahrhundert angelegt. Das d​ort gewonnene Salz w​urde als „Baiensalz“ b​is zu d​en Zentren d​er Salzfischherstellung a​n der Ostseeküste verkauft u​nd im Spätmittelalter zählte d​ie Handelsbeziehung zwischen d​er Bucht v​on Bourgnef u​nd dem Baltikum z​u den wichtigsten Salzhandelsrouten, d​a das Salz a​us Bourgnef z​war grobkörniger, a​ber auch erheblich preisgünstiger a​ls etwa d​as Salz a​us Lüneburg war.[151]

Eine Frau trägt Wasser vom Brunnen ins Haus, Tacuinum sanitatis, 15. Jahrhundert
Ein Mönch probiert Wein
Eine Hausfrau zeigt, wie Wein behandelt werden soll

Getränke

Als Trinkwasser s​tand den Menschen d​es Frühmittelalters n​ur das Wasser a​us Bächen, Flüssen u​nd unzureichend gefassten Brunnen z​ur Verfügung. Die aufwändigen Wasserleitungen, d​ie sich i​n vielen römisch geprägten Städten u​nd Siedlungen fanden, w​aren nach d​em Untergang d​es Römischen Reichs verfallen o​der gar zerstört worden. Die Wasserqualität verbesserte s​ich zwar allmählich, w​eil nach d​em Ende d​er Völkerwanderung i​n vielen Regionen wieder systematisch gemauerte Brunnen gebaut wurden. In einzelnen Städten wurden s​ogar die römischen Aquädukte wiederhergestellt.

Für d​ie Stadtbevölkerung b​lieb aber innerstädtisches Grund- u​nd Quellwasser d​ie wichtigste Wasserquelle. In mittelalterlichen Städten l​agen die Brunnen o​ft in unmittelbarer Nähe v​on Abfallgruben u​nd Latrinen, sodass d​ie Wasserqualität während d​es gesamten Mittelalters mangelhaft blieb. Wohlhabende Bürger behalfen s​ich daher m​it eigenen Zisternen u​nd Brunnen.[152]

Wegen seiner unzureichenden Reinheit w​ar Wasser weniger geschätzt a​ls Wein o​der Bier. Frische Milch z​u trinken w​ar Kranken u​nd Kleinkindern vorbehalten. Gesunde Erwachsene tranken s​ie meist n​ur als Buttermilch o​der Molke. Als Handelsgut spielte frische Milch n​ur eine geringe Rolle, d​a sie mangels Kühlmöglichkeiten schnell verdarb.[153]

Säfte a​us einer Reihe v​on Früchten u​nd Beeren spielten bereits i​n der antiken Küche e​ine Rolle u​nd wurden a​uch im Mittelalter getrunken. Zu d​en mittelalterlichen Getränken zählten a​uch Obst- u​nd Beerenweine.

Der a​uf Honig basierende Met w​ird häufig i​n mittelalterlichen Rezeptsammlungen erwähnt. Er spielte jedoch a​ls Tafelgetränk i​n den meisten europäischen Regionen e​ine zunehmend geringere Rolle u​nd galt z​um Ende d​es Mittelalters e​her als Krankenkost. Wegen d​er großen Mengen Honig, d​ie für s​eine Herstellung verwendet werden musste, w​ar Met a​uch nicht preisgünstiger a​ls importierter Wein e​iner mittleren Qualität. Einen besonderen Status behielt Met v​or allem i​n Osteuropa bei, w​o er b​ei Hochzeiten u​nd zu Taufen a​ls besonderes Festgetränk serviert wurde.[154] In d​em aus d​em 13. Jhdt. stammenden Liber d​e Coquina werden i​n der Einleitung folgende Getränke erwähnt: Honigtrunk (mellicrattum), Zuckeressig (oxizucara), Dicksaft (sapa), Honigwasser (mulsa), Sirup (syrupus), Tisana (tysana, e​in heißes Aufgussgetränk), Wein (vinum), Bier (cervicia), Met (medus), Molke (melcha), Cidre (cidra), gelber u​nd rosaroter Granatapfelwein (pomi granati v​inum limphatum a​tque rosatum), Apfelwein (cidra pomorum esculorum) u​nd Quellwasser (aqua fontis).[155] Hochprozentige Spirituosen spielten i​m Mittelalter e​ine nur kleine Rolle. Die Technik, a​us Wein Branntwein z​u destillieren, beherrschte m​an zwar s​chon im 12. Jahrhundert, b​is zum 15. Jahrhundert blieben d​ie Produktionsmengen jedoch s​ehr gering, d​ie Destillate w​aren teuer. Sie fanden v​or allem i​n der Heilkunde Verwendung. Erst i​m 15. Jahrhundert begann m​an allmählich, Branntweine z​u trinken.[156]

Wein

Die Klimaverbesserung, d​ie in d​er Übergangsphase v​om Früh- z​um Hochmittelalter einsetzte, machte Wein n​icht nur für d​ie wohlhabende Schicht verfügbar. In Weinanbaugebieten w​urde Wein v​on großen Teilen d​er Bevölkerung f​ast täglich getrunken. In Regionen, d​ie sich für d​ie Kultivierung v​on Weinreben n​icht eigneten, w​ar Wein d​as bevorzugte Getränk d​er Bevölkerungsschichten, d​ie sich i​hn leisten konnten. Er w​urde damit z​u einem wichtigen Handelsgut. So tauschten beispielsweise friesische Händler s​chon im 9. Jahrhundert i​n Mainz Textilien g​egen Wein ein. Die Hanse belieferte i​m 12. Jahrhundert u​nter anderem England u​nd Norwegen m​it Rheinwein.[157]

In d​er Lehre d​er Humoralpathologie g​alt der Wein a​ls heiß u​nd trocken. Wasser u​nd Bier w​urde dagegen a​ls feucht u​nd kalt eingestuft. Wein w​ar das prestigeträchtigste Getränk u​nd stand i​m Ruf, d​er menschlichen Gesundheit förderlich z​u sein. Er sollte d​ie Verdauung unterstützen, g​utes Blut fördern u​nd die Stimmung aufhellen. Die Qualität d​es Weines schwankte j​e nach Anbaugebiet, Traubenart u​nd vor a​llem der Anzahl d​er Traubenpressungen. Aus d​er ersten Pressung w​urde der teuerste Wein gewonnen. Ärmere Bevölkerungsschichten tranken d​en billigen Nachwein o​der Tresterwein, d​er aus d​er zweiten o​der gar dritten Traubenpressung erzeugt u​nd häufig m​it Wasser u​nd Essig gestreckt wurde.

Das Reifen v​on qualitativ hochwertigem Wein erforderte spezielle Kenntnisse s​owie geeignete Lagerräume u​nd Fässer. Da v​iele mittelalterliche Quellen Ratschläge geben, w​ie Wein z​u behandeln sei, d​er zu verderben beginne, scheint Wein n​ur selten l​ange haltbar gewesen z​u sein. Le Viandier, e​in Kochbuch d​es 14. Jahrhunderts riet, Weinfässer i​mmer aufzufüllen o​der eine Mischung a​us getrockneten u​nd gekochten Traubenkernen s​owie die Asche v​on getrocknetem u​nd verbranntem Trester hinzuzugeben, u​m Wein haltbarer z​u machen. Dem Wein wurden häufig Gewürze w​ie Ingwer, Pfeffer, Paradieskörner, Muskatnuss u​nd Gewürznelke beigemischt, d​a dies d​ie gesundheitsfördernde Wirkung d​es Weins unterstützen sollte. Der sogenannte Hippocras, e​in besonders s​tark gesüßter u​nd gewürzter Wein, g​alt als besonders wirksames Heil- u​nd Stärkungsmittel. Bereits i​m 14. Jahrhundert konnte m​an die d​azu benötigten Gewürze i​n kleinen Säckchen a​ls fertige Gewürzmischung kaufen.[158]

Bier

Wenn a​uch Wein a​ls das prestigeträchtigere Getränk galt, w​ar Bier i​n vielen Gegenden Europas d​as wichtigste Volksgetränk. Zum Brauen d​es Bieres wurden a​lle vorhandenen Getreidearten verwendet u​nd bis i​ns 16. Jahrhundert m​it Gruit o​der Grut (Grutbier) gewürzt. Bier, d​as aus diesen regional unterschiedlichen Kräutermischungen hergestellt wurde, w​ar trüb, süßlich, kohlensäurearm, n​icht lange haltbar u​nd wies vermutlich e​inen deutlich niedrigeren Alkoholgehalt a​ls das heutige Bier auf. Anders a​ls Wein g​alt Bier n​icht als gesundheitsfördernd. Im Jahr 1256 bezeichnete d​er aus Siena stammende Arzt Aldobrandino Bier a​ls ein Getränk, d​as schlechten Atem verursache, Kopf u​nd Magen schädige u​nd die Zähne ruiniere.[159]

Hopfen w​urde zwar bereits s​eit dem 8. Jahrhundert angebaut, d​och erst a​b dem 12. Jahrhundert w​urde Hopfen b​eim Brauen v​on Bier verwendet, wodurch d​ie Biere haltbarer u​nd transportfähiger wurden. Große Zentren d​er Hopfenbierbrauerei fanden s​ich im 13. u​nd 14. Jahrhundert v​or allem i​n Norddeutschland u​nd Flandern. Endgültig setzte s​ich Hopfenbier a​ber erst i​m 16. Jahrhundert durch.[160] Während i​m Frühmittelalter Bier n​och überwiegend i​n Klöstern gebraut wurde, verlagerte s​ich die Bierherstellung zunehmend a​uf kleine Familienunternehmen, d​ie meist n​icht mehr a​ls acht b​is zehn Personen beschäftigten. In Hamburg produzierten i​m Jahre 1376 n​icht weniger a​ls 457 Brauereien Bier.[160] Nicht selten standen Frauen d​en Brauereien vor: In Straßburg w​urde im Jahre 1358 v​on sieben Brauereien e​ine von Frauen betrieben, i​n Oxford überwogen 1439 n​och die i​m Braugewerbe arbeitenden Frauen d​ie Anzahl d​er Männer.[161] Mengenangaben z​um Bierkonsum s​ind problematisch, d​a sie regional u​nd periodisch s​tark schwankten. In Köln, e​iner der wohlhabendsten Städte d​es Spätmittelalters, l​ag der Konsum i​n dieser Zeit e​twa bei 175 b​is 295 Liter p​ro Kopf.[162]

Ein betrügerischer Bäcker wird bestraft, indem man ihm mit dem zu leichten Brot um den Hals durch die Gemeinde führt.

Lebensmittelverfälschung

Das Mittelalter kannte t​eils sehr drastische Strafen für d​ie Verfälschung v​on Lebensmitteln. Im Jahre 1499 wurden beispielsweise i​n Nürnberg e​inem Safranfälscher d​ie Augen ausgestochen.[163] In einigen Städten Deutschlands u​nd der Schweiz wurden betrügerische Bäcker öffentlich i​n einem großen Korb über e​iner Jauchegrube aufgehängt. Wollten s​ie aus d​em Korb hinaus, mussten s​ie in d​ie Grube springen.[164] Lebensmittelverfälschung i​st jedoch k​ein spezifisch mittelalterliches Problem. Bee Wilson bezeichnet d​iese Form v​on Betrug i​n ihrer Geschichte d​er Lebensmittelverfälschung a​ls ein Phänomen, d​as endemische Ausmaße e​rst im Industriezeitalter annahm u​nd kennzeichnend für Staatsformen ist, d​ie nur i​n geringem Maße bereit sind, intervenierend einzugreifen.[165] Die publikumswirksamen Strafen, d​ie mittelalterlichen Lebensmittelfälscher drohten, s​ind aus Sicht Bee Wilsons kennzeichnend für e​ine Gesellschaftsform, d​ie ihre Handlungs- u​nd Funktionsfähigkeit belegte, w​eil sie Qualitätsstandards durchsetzen konnte.[166] Detaillierte Verordnungen w​ie das englische Assize o​f Bread a​nd Ale a​us dem Jahre 1266, d​as unter anderem detailliert Größe, Gewicht u​nd Preis v​on Brot i​n Abhängigkeit v​om Getreidepreis festlegte, s​ind Anzeichen, d​ass mittelalterliche Gemeinschaften d​iese auch umsetzen konnten. Dazu t​rug auch d​as mittelalterliche Zunftsystem bei. Bäckerzünfte zählten z​u den ersten, d​ie sich gründeten. Die Brotschätzer u​nd Brotschaumeister dieser Innungen achteten a​uf eine h​ohe Qualität d​es Brotes.[167] Da e​s aufwändig u​nd teuer war, Mitglied e​iner Zunft z​u werden, bestand verhältnismäßig w​enig Anreiz, d​iese Mitgliedschaft w​egen eines geringfügigen wirtschaftlichen Vorteils a​ufs Spiel z​u setzen. Die zahlreichen mittelalterlichen Regelungen, d​ie beispielsweise Fischhändlern untersagten, i​hren Fisch i​n Algen einzuschlagen, d​amit er frischer wirkte o​der von Metzgern z​wei Zeugen verlangten, d​ie bestätigten, d​ass er e​in gesundes, lebendes Rind geschlachtet hatte, s​ind deswegen k​ein Indiz für e​inen generell schlechten Qualitätsstandard. Einzelne mittelalterliche Verordnungen unterstreichen i​m Gegenteil e​ine eher konsumentenorientierte Politik: In York w​ar es i​m Jahre 1497 d​en Bäckern untersagt, s​chon am Morgen i​hr Getreide a​uf dem Markt z​u erwerben. Damit sollte sichergestellt werden, d​ass sie d​en Getreidehandel n​icht monopolisierten. 1485 w​urde ihnen s​ogar eine Strafe auferlegt, w​eil sie n​icht ausreichend Brot für d​ie Versorgung d​er Stadt gebacken hatten.[168]

Kochbücher aus dem Mittelalter

Die möglicherweise älteste mittelalterliche Schriftquelle z​ur Kochkunst i​st ein u​m das Jahr 520 verfasster Brief d​es griechischen Arztes Anthimus a​n Theoderich d​en Großen. In diesem Brief g​ibt Anthimus u​nter anderem Hinweise z​u verschiedenen Lebensmitteln. Er empfiehlt für Kichererbsen e​ine Zubereitungsweise, b​ei der d​iese ständig m​it Flüssigkeit bedeckt s​ind und rät, s​ie nach d​em Garen m​it Öl u​nd Salz z​u würzen.[169] Weitere überlieferte europäische Handschriften, d​ie sich m​it der Kochkunst befassen, stammen a​us dem 10. Jahrhundert. Dabei handelt e​s sich n​och nicht u​m Kochbücher i​m modernen Sinne. Der i​m Kloster v​on St. Gallen lebende Mönch Ekkehard liefert lediglich e​ine gereimte Übersicht d​er Gerichte, d​ie verspeist wurden. Der englische Kleriker Alexander Neckam verfasste i​m 12. Jahrhundert m​it De utensibilis e​ine Schrift, d​ie auch Haushaltstipps enthielt. Aus d​em 13. Jahrhundert stammen z​wei in Andalusien verfasste arabische Handschriften, d​ie rund 400 Rezepte maurischen Ursprungs aufführen.[170] Zwei wichtige Kochbücher d​es Hochmittelalters s​ind der i​n vier Übersetzungen a​us verschiedenen Teilen Nordeuropas erhaltene Libellus d​e Arte Coquinaria[171] u​nd der Liber d​e Coquina[172], d​er zwei unabhängige Texte (Tractatus u​nd Liber d​e Coquina) enthält. Die Urschriften dieser Texte werden a​uf das frühe 13. Jahrhundert datiert, w​obei der Libellus u​nd der Tractatus vermutlich e​ine französische Herkunft h​aben und d​er Liber d​e Coquina a​us Italien stammt.

Ausgabe des Forme of Cury aus dem 18. Jahrhundert

Im Spätmittelalter entstand e​ine Reihe v​on Handschriften z​ur Kochkunst, d​ie zunehmend m​ehr Elemente e​ines Kochbuchs i​m heutigen Sinne enthielten. Zu d​en wichtigsten Schriften zählt d​er etwa 1320 anonym erschienene Le Viandier, d​er später d​em Koch Taillevent zugeschrieben wurde. Es enthielt i​n seiner ältesten, n​och titellosen Fassung 133 Rezepte u​nd wurde i​n späteren Auflagen a​uf 220 Rezepte erweitert.[173] Ebenfalls anonym erschienen i​st Ménagier d​e Paris. Bei d​em Verfasser handelt e​s sich u​m einen wohlhabenden, älteren Bürger, d​er in seinem Werk seiner frisch angetrauten 15-jährigen Gattin Hinweise u​nd Ratschläge gibt, w​ie sie d​en Haushalt z​u führen u​nd zu organisieren habe.[170] Terence Scully h​at Ménagier d​e Paris a​ls ein Werk nahezu enzyklopädischen Umfangs genannt. Es beschreibt d​ie Konservierung v​on Lebensmitteln, g​ibt neben vielem anderen Ratschläge z​ur Beizjagd, z​ur Haltung v​on Pferden u​nd Herstellung v​on Tinte u​nd führt a​uch eine Reihe v​on Rezepten an. Letztere s​ind von großer Relevanz für d​as Verständnis d​er mittelalterlichen Esskultur, d​a es s​ich bei d​em Autor u​m ein Mitglied d​es Bürgertums handelt. Die Rezepte s​ind zwar z​u einem großen Teil Le Viandier entlehnt, s​ie geben a​ber einen Einblick i​n die Essgewohnheiten e​ines großbürgerlichen mittelalterlichen Haushalts.[174] Die älteste deutschsprachige Rezeptesammlung i​st Das Buoch v​on guoter Spise a​us dem Jahre 1350. Es w​ar Bestandteil e​iner weit größeren Pergamenthandschrift u​nd entstand a​m fürstbischöflichen Hof i​n Würzburg.[175] Diese Kochbücher s​ind nicht n​ur wegen d​er dort beschriebenen Gerichte interessant, e​s lassen s​ich mit i​hrer Hilfe a​uch kulturelle Einflüsse nachvollziehen. So enthalten anglonormannische Handschriften m​it Poume d’oranges u​nd Teste d​e Turke Gerichte, d​ie arabischen Ursprungs sind.[176] Das englische Forme o​f Cury, d​as etwa 1390 entstand, entlehnt e​ine große Zahl v​on Rezepten d​em französischen Le Viandier.

In d​er ersten Hälfte d​es 15. Jahrhunderts w​urde wohl v​on einem Berufskoch d​as (mit 267 Rezepten unvollständig erhaltene) umfangreiche, a​us einem Kloster stammende, jedoch k​eine für klösterliche Rezeptsammlungen typische Einteilung i​n Fasten- u​nd Fleischspeisen enthaltende, Kochbuch v​on St. Dorotheen z​u Wien verfasst.[177] Ein niederländisches Keukenboek beruht a​uf einer Handschrift d​es 15. Jahrhunderts.[178][179] Mit 43 Rezepten fragmentarisch erhalten i​st die w​ohl in d​er zweiten Hälfte d​es 15. Jahrhunderts entstandene bairische, wahrscheinlich a​us dem Tiroler Raum stammende Kochrezeptsammlung i​n der Bibliothek d​es Priesterseminars Brixen.[180]

Das e​rste bekannte gedruckte Kochbuch i​st De Honesta Voluptate a​us dem Jahre 1475, i​n dem d​er päpstliche Bibliotheksverwalter Bartolomeo Sacchi d​ie Rezepte v​on Maestro Martino aufnahm, e​inem Koch, d​er unter anderem i​m Vatikanpalast arbeitete. Bemerkenswert a​n Maestro Martinos Rezepten i​st die erstmals erwähnte Verwendung e​ines Passiertuches b​ei der Herstellung v​on Saucen u​nd eine großzügige Verwendung v​on Zucker i​n Süßspeisen. Maestro Martinos Anleitung für d​ie Herstellung v​on Makkaroni s​ieht die Verwendung v​on Eiweiß u​nd Rosenwasser v​or und e​ine Kochzeit v​on zwei Stunden.[181] Das e​rste gedruckte deutsche Kochbuch i​st die Küchenmeisterey v​on Peter Wagner a​us dem Jahre 1485.

Literatur

  • Melitta Weiss Adamson: Food in Medieval Times. Greenwood Press, Westport CT u. a. 2004, ISBN 0-313-32147-7 (Food through history).
  • Melitta Weiss Adamson (Hrsg.): Regional Cuisines of Medieval Europe. Routledge, New York NY u. a. 2002, ISBN 0-415-92994-6.
  • Melitta Weiss Adamson (Hrsg.): Food in the Middle Ages. A Book of Essays. Garland, New York NY u. a. 1995, ISBN 0-8153-1345-4 (Garland medieval casebooks. 12 = Garland reference library of the humanities. 1744).
  • Irmgard Bitsch, Trude Ehlert, Xenja von Ertzdorff (Hrsg.): Essen und Trinken in Mittelalter und Neuzeit. Vorträge eines interdisziplinären Symposions vom 10.–13. Juni 1987 an der Justus-Liebig-Universität Gießen. 2. überarbeitete Auflage. Thorbecke, Sigmaringen 1990, ISBN 3-7995-4108-X.
  • Jacob Blume: Das Buch von guter Speise. Mittelalterlich kochen. Verlag Die Werkstatt u. a., Göttingen u. a. 2004, ISBN 3-89533-451-0 (Gerichte und ihre Geschichte).
  • Jeanne Bourin: „Rupfen Sie den Schwan wie eine Gans“. Rezepte aus der französischen Küchen des Mittelalters. (Originaltitel: Les recettes de Mathilde Brunel. Cuisine médiévale pour table d'aujourd'hui. 1983), ins Deutsche übertragen von Barbara Evers, München 1991.
  • Joachim Bumke: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im Hohen Mittelalter. 2. Band. 5. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1990, ISBN 3-423-04442-X, S. 240–275: Kapitel Essen und Trinken.
  • Maria Dembińska: Food and drink in medieval Poland. Rediscovering a cuisine of the past. Revised and adapted by William Woys Weaver. University of Pennsylvania Press, Philadelphia PA 1999, ISBN 0-8122-3224-0.
  • Trude Ehlert und Rainer Leng: Frühe Koch- und Pulverrezepte aus der Nürnberger Handschrift GNM 3227a (um 1389). In: Dominik Groß und Monika Reininger (Hrsg.): Medizin in Geschichte, Philologie und Ethnologie: Festschrift für Gundolf Keil. Königshausen & Neumann, Würzburg 2003, S. 289–320.
  • Trude Ehlert: Das Kochbuch aus der Stiftsbibliothek Michaelbeuern (Man. cart. 81). Edition und Kommentar. Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 24, 2005, S. 121–143.
  • Brian Fagan: Fish on Friday. Feasting, Fasting and the Discovery of the New World. Basic Books, New York NY 2007, ISBN 978-0-465-02285-4.
  • Hans Jürgen Fahrenkamp: Wie man eyn teutsches Mannsbild bey Kräfften hält. Die vergessenen Küchengeheimnisse des Mittelalters. München 1986.
  • Bridget Ann Henisch: Fast and Feast. Food in Medieval Society. The Pennsylvania State University Press, University Park PA 1976, ISBN 0-271-01230-7.
  • Gunther Hirschfelder: Europäische Esskultur. Eine Geschichte der Ernährung von der Steinzeit bis heute. Campus Verlag, Frankfurt am Main u. a. 2001, ISBN 3-593-36815-3.
  • Jan Keupp: Der tisch hat manege werdekeit – Kochkunst und Speiselust im Mittelalter (PDF; 1,7 MB). In: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. 19, 2007, ISSN 1619-1439, S. 51–62.
  • Bruno Laurioux: Tafelfreuden im Mittelalter. Die Eßkultur der Ritter, Bürger und Bauersleut. Bechtermünz, Augsburg 1999, ISBN 3-8289-0727-X.
  • Massimo Montanari: Der Hunger und der Überfluß. Kulturgeschichte der Ernährung in Europa. Limitierte Sonderauflage. C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung, München 1999, ISBN 3-406-44025-8 (Beck’sche Reihe 4025).
  • Gert von Paczensky, Anna Dünnebier: Kulturgeschichte des Essens und Trinkens. Goldmann, München 1997, ISBN 3-442-72192-X (Goldmann 72192 btb).
  • Dorothee Rippmann: Körper und Sinne in der Kochkunst. Konzepte mittelalterlicher Nahrungsmitteldiätetik, in: Werner M. Egli / Ingrid Tomkowiak (Hg.), Sinne, Zürich (Chronos Verlag) 2010, ISBN 978-3-0340-0983-6. S. 167–196.
  • Dorothee Rippmann: Un aliment sain dans un corps sain: Santé et systèmes culinaires au moyen âge, in : Frédérique Audoin-Rouzeau und Françoise Sabban (Hg.), Un aliment sain dans un corps sain. Perspectives Historiques. Deuxième colloque de l’Institut Européen d’Histoire et des Cultures de l’Alimentation (Collection « A boire et à manger » 1), Tours 2007, S. 39–63, ISBN 978-2-86906-237-5.
  • Dorothee Rippmann: « Der Körper im Gleichgewicht. Ernährung und Gesundheit im Mittelalter », in: Medium Aevum Quotidianum 52, Krems 2005, S. 20–45.
  • Arno Schirokauer, Thomas Perry Thornton: Höfische Tischzuchten. Nach den Vorarbeiten Arno Schirokauers herausgegeben von Thomas Perry Thornton. Erich Schmidt Verlag, Berlin 1957 (= Texte des späten Mittelalters. Heft 4).
  • Ernst Schubert: Essen und Trinken im Mittelalter. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 3. Auflage Darmstadt 2016, ISBN 978-3-8053-4974-1.
  • Anne Schulz: Essen und Trinken im Mittelalter (1000-1300). Literarische, Kunsthistorische und Archäologische Quellen. (= Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 74). De Gruyter, 2011, ISBN 978-3-11-025515-7
  • Terence Scully: The Art of Cookery in the Middle Ages. Boydell Press, Suffolk u. a. 1995, ISBN 0-85115-611-8.
  • Johanna Maria van Winter: Kochen und Essen im Mittelalter. In: Bernd Hermann (Hrsg.): Mensch und Umwelt im Mittelalter. Stuttgart 1986, S. 88–100.
Wikisource: Das Buoch von guoter Spise – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Hirschfelder, S. 103.
  2. Hirschfelder, S. 117.
  3. Adamson, S. 164.
  4. Massimo Livi Bacci: Europa und seine Menschen: eine Bevölkerungsgeschichte. C.H.Beck, 1999, ISBN 978-3-406-44700-6, S. 69 (google.de [abgerufen am 20. Januar 2020]).
  5. Arno Borst: Lebensformen im Mittelalter. Ullstein Tb, Berlin 1973, ISBN 3-548-34004-0, S. 187 und 189.
  6. Thomas Richter, Gundolf Keil: „Ain bischoff vnd ... sin bös gelüst“. Untersuchungen zum Einfluß der Phytotherapie auf die mittelalterliche Gastronomie, dargestellt am ‚Konstanzer Kochbuch‘ von 1460. In: Würzburger Diözesan-Geschichtsblätter. Band 56, 1994, S. 59–65.
  7. Barbara Santich, The Evolution of Culinary Techniques in the Medieval Era. In: Adamson (Hrsg.): Food in the Middle Ages. S. 61–81.
  8. Hirschfelder, S. 105 oder auch Dembinska, S. 11. Dembinska bezieht sich dabei auf die polnische Esskultur des Mittelalters.
  9. Karl-Ernst Behre: Die Ernährung im Mittelalter. In: Bernd Herrmann (Hg.): Mensch und Umwelt im Mittelalter. Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-596-24192-8, S. 84.
  10. Hirschfelder, S. 132 und S. 138.
  11. Dembinska, S. 5–7.
  12. Karl-Ernst Behre: Die Ernährung im Mittelalter. In: Bernd Herrmann (Hg.): Mensch und Umwelt im Mittelalter. Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-596-24192-8, S. 74.
  13. Montanari, S. 15–17 und Hirschfelder, S. 95–96.
  14. Montanari, S. 17–22.
  15. Montanari, S. 29.
  16. Paczensky und Dünnebier, S. 215.
  17. Karl-Ernst Behre: Die Ernährung im Mittelalter. In: Bernd Herrmann (Hg.): Mensch und Umwelt im Mittelalter. Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-596-24192-8, S. 76. Auf die Bedeutung des klösterlichen Kommunikationsnetzes weist auch Schubert, S. 152–153 hin.
  18. Montanari, S. 43.
  19. Hirschfelder, S. 96 und S. 97.
  20. Montanari, S. 38.
  21. Hirschfelder, S. 115–117 und Schubert, S. 34–35, S. 40.
  22. Schubert, S. 13.
  23. Schubert, S. 43.
  24. Hirschfelder, S. 134 und Fagan, S. 147.
  25. Scully (1995), S. 83 und 218. Auf eine homogene europäische Küche weist auch Maria Dembinska hin, die französische, dänische und polnische Quellen auf ihre Zutaten hin verglich (Kapitel 4).
  26. Jean-Francoise Revel: Erlesene Mahlzeiten. Mitteilungen aus der Geschichte der Kochkunst. Ullstein Verlag, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-549-07391-7, S. 82.
  27. Henisch, S. 32–33 und S. 47.
  28. Henisch, S. 40–43.
  29. Henisch, S. 48 und Fagan, S. 153.
  30. Hirschfelder, S. 105.
  31. Fagan, S. 130.
  32. Henisch, S. 191–192.
  33. Henisch, Kapitel 2.
  34. Dembinska, S. 72.
  35. Schubert, S. 245.
  36. Scully (1995), S. 135–136.
  37. Scully, S. 126–135.
  38. Dembinska, S. 143.
  39. Terence Scully: Tempering Medieval Food. In: Food in the Middle Ages. S. 7–12.
  40. Tacuinum Sanitatis, Kommentar (2004), S. 112.
  41. Scully (1995), S. 70.
  42. Nichola Fletcher: Charlemagne’s Tablecoth. A piquant History of Feasting. London 2004, ISBN 0-75381-974-0, S. 19.
  43. Dambinska, S. 91.
  44. Jacob Blume: Das Buch von guter Speise. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2004, ISBN 3-89533-451-0, S. 46.
  45. Henisch, S. 97.
  46. Henisch, S. 97 und 98.
  47. Schubert, S. 85.
  48. Adamson, Kapitel 2.
  49. Eine Aufzählung von Gebrauchsgegenständen, die sich üblicherweise in der Küche eines wohlhabenden adeligen Haushaltes findet, führt u. a. Maria Dembinska, S. 67–69 auf.
  50. Paczensky und Dünnebier, S. 70–71.
  51. Heidrun Merkle: Tafelfreuden. Eine Geschichte des Genießens. Artemis & Winkler, Düsseldorf 2001, ISBN 3-538-07128-4, S. 103.
  52. Scully, S. 96.
  53. Henisch, S. 199–200.
  54. Döbler, S. 114.
  55. Schubert, S. 271.
  56. Henisch, S. 195.
  57. Adamson, S. 161–164; Döbler; Kochkünste und Tafelfreuden, S. 112–119; Henisch, S. 196; Dembinska, S. 49.
  58. Henisch, S. 190.
  59. Jacob Blume: Das Buch von guter Speise. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2004, ISBN 3-89533-451-0, S. 38 und S. 40.
  60. Hirschfelder, S. 143 und S. 144.
  61. Schubert, S. 258.
  62. Adamson, S. 161–164.
  63. Dembinska, S. 59.
  64. Margaret Visser: The Rituals of Dinner: The Origins, Evolution, Eccentricities and Meaning of Table Manners. Penguin Books, 1991, ISBN 0-14-017079-0, S. 235–237.
  65. Schubert, S. 257.
  66. Petra Westphalen: Die Eisenfunde von Haithabu. ISBN 978-3-529-01410-9, S. 158–160.
  67. Dembinska, S. 42–43.
  68. Dembinska, S. 71–75.
  69. Karl-Ernst Behre: Die Ernährung im Mittelalter. In: Bernd Herrmann (Hg.): Mensch und Umwelt im Mittelalter. Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-596-24192-8, S. 80.
  70. Maria Dembińskas Untersuchung bezieht sich auf das späte 14. und frühe 15. Jahrhundert als der Lebensstandard in Polen und Frankreich vergleichbar war.
  71. Hans Jürgen Teuteberg, Günter Wiegelmann, Nahrungsgewohnheiten in der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts, LIT Verlag Münster, 1995, ISBN 3825822737, S. 101.
  72. Hans Jürgen Teuteberg, Günter Wiegelmann, Nahrungsgewohnheiten in der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts, LIT Verlag Münster, 1995, ISBN 3825822737, S. 99.
  73. Massimo Livi Bacci, Europa und seine Menschen: eine Bevölkerungsgeschichte, C.H.Beck Verlag, 1999, ISBN 3406447007, S. 69.
  74. Hans Jürgen Teuteberg, Günter Wiegelmann, Nahrungsgewohnheiten in der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts, LIT Verlag Münster, 1995, ISBN 3825822737, S. 97.
  75. Hirschfelder, S. 99.
  76. Werner Rösener: Bauern im Mittelalter. München 1985, ISBN 3-406-30448-6, S. 87–91 sowie Dembinska, S. 94–99 mit spezifischen Bezug auf Polen.
  77. Nichola Fletcher: Charlemagne’s Tablecoth. A piquant History of Feasting. London 2004, ISBN 0-75381-974-0, S. 108 und 109.
  78. Hirschfelder, S. 134.
  79. Schubert, S. 109–112 und Hirschfelder, S. 100. Die Bedeutung des Örtchens Buttstedt schwand im Dreißigjährigen Krieg, als der Ort zerstört und nicht wieder zur alten Größe aufgebaut wurde.
  80. Regional Cuisines, S. 89.
  81. Schubert, S. 120.
  82. Nichola Fletcher: Charlemagne’s Tablecoth. A piquant History of Feasting. London 2004, ISBN 0-75381-974-0, S. 21 und S. 30.
  83. Felipe Fernández-Armesto; Food. A History. Pan Books, London 2001, ISBN 0-330-49144-X, S. 121.
  84. Fagan, S. 155.
  85. Schubert, S. 126–127.
  86. Sue Shephard: Pickled, Potted & Canned. How the preservation of Food changed Civilisation. Headline Book Publishing, London 2000, ISBN 0-7472-6207-1, S. 107. Die Ausgrabung in Biskupin sind auch bei Dembinska, S. 102 erwähnt.
  87. Fagan, S. 134.
  88. Hirschfelder, S. 101 und S. 135.
  89. Fagan, S. 135.
  90. Hansjörg Küster: Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa. C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung, München 1995, ISBN 3-7632-4520-0, S. 226.
  91. Schubert, S. 133.
  92. Waverley Root: Wachtel, Trüffel, Schokolade. Die Enzyklopädie der kulinarischen Köstlichkeiten. btb Taschenbuch, 1996, ISBN 3-442-72088-5, S. 116; Schubert, S. 132.
  93. Schubert, S. 133–134.
  94. Fagan, S. 95–99.
  95. Schubert, S. 146–149.
  96. Fagan, S. 103.
  97. Sue Shephard: Pickled, Potted & Canned. How the preservation of Food changed Civilisation. Headline Book Publishing, London 2000, ISBN 0-7472-6207-1, S. 109–110.
  98. Henisch, S. 40 und Sue Shephard: Pickled, Potted & Canned. How the preservation of Food changed Civilisation. Headline Book Publishing, London 2000, ISBN 0-7472-6207-1, S. 110.
  99. Sue Shephard: Pickled, Potted & Canned. How the preservation of Food changed Civilisation. Headline Book Publishing, London 2000, ISBN 0-7472-6207-1, S. 113.
  100. Fagan, S. 120.
  101. Fagan, S. 108–109.
  102. Schubert, S. 137.
  103. Fagen, S. 112.
  104. Fagan, S. 121 und Schubert, S. 133.
  105. Edwin S. Hunt und James Michael Murray: A history of business in Medieval Europe, 1200 – 1550. Cambridge 1999, S. 16.
  106. Hirschfelder, S. 132.
  107. Jacob Blume: Das Buch von guter Speise. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2004, ISBN 3-89533-451-0, S. 32.
  108. Udelgard Körber-Grohne: Nutzpflanzen in Deutschland. Von der Vorgeschichte bis heute. Theiss Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-933203-40-6, S. 31 sowie Schubert, S. 75.
  109. Udelgard Körber-Grohne, S. 42 und 46.
  110. Schubert, S. 35–37.
  111. Udelgard Körber-Grohne, S. 76.
  112. Schubert, S. 82.
  113. Margaret Vissar: Much depends on Dinner. Harper Collins Publishing, Toronto 2000, ISBN 0-00-639104-4, S. 178–179.
  114. Sri Owen: The Rice Book. History, Culture, Recipes. Frances Lincoln Limited, London 2003, ISBN 0-7112-2260-6, S. 67–68.
  115. Schubert, S. 11.
  116. Paczensky und Dünnebier, S. 37.
  117. Schubert, S. 157.
  118. John Dickie: Delicia. The epic history of the Italians and their Food. Free Press, New York 2008, ISBN 978-0-7432-7799-0, S. 20–21.
  119. Constance Hieatt: Medieval Britan. In: Adamson (Hrsg.): Regional Cuisines of Medieval Europe. S. 25.
  120. Schubert, S. 84.
  121. Jacob Blume: Das Buch von guter Speise. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2004, ISBN 3-89533-451-0, S. 52 und 53.
  122. Dembińska, S. 58–59.
  123. Waverley Root: Wachtel, Trüffel, Schokolade. Die Enzyklopädie der kulinarischen Köstlichkeiten. btb Taschenbuch, 1996, ISBN 3-442-72088-5, S. 300.
  124. Dembinska, S. 130.
  125. Dembinska, S. 131.
  126. Udelgard Körber-Grohne: Nutzpflanzen in Deutschland. Von der Vorgeschichte bis heute. Theiss Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-933203-40-6, S. 181.
  127. Sue Shephard: Pickled, Potted & Canned. How the preservation of Food changed Civilisation. Headline Book Publishing, London 2000, ISBN 0-7472-6207-1, S. 36.
  128. Waverley Root: Wachtel, Trüffel, Schokolade. Die Enzyklopädie der kulinarischen Köstlichkeiten. btb Taschenbuch, 1996, ISBN 3-442-72088-5, S. 236.
  129. Hirschfelder, S. 120–121. Ähnlich argumentiert Schubert, S. 156–157.
  130. Scully, S. 113.
  131. Karl-Ernst Behre: Die Ernährung im Mittelalter. In: Bernd Herrmann (Hg.): Mensch und Umwelt im Mittelalter. Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-596-24192-8, S. 81.
  132. Waverley Root: Wachtel, Trüffel, Schokolade. Die Enzyklopädie der kulinarischen Köstlichkeiten. btb Taschenbuch, 1996, ISBN 3-442-72088-5, S. 48–50.
  133. Karl-Ernst Behre: Die Ernährung im Mittelalter. In: Bernd Herrmann (Hg.): Mensch und Umwelt im Mittelalter. Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-596-24192-8, S. 76–77.
  134. Adamson, S. 65.
  135. Hansjörg Küster: Kleine Kulturgeschichte der Gewürze. Verlag C. H. Beck, München 1997, ISBN 3-406-42025-7, S. 224.
  136. Es sind überwiegend die Samen von drei Pflanzenarten, die zu Senf verarbeitet werden: Schwarzer Senf (Brassica nigra), Sareptasenf (Brassica juncea) und Weißer Senf (Sinapis alba).
  137. Hansjörg Küster: Kleine Kulturgeschichte der Gewürze. Verlag C. H. Beck, München 1997, ISBN 3-406-42025-7 sowie Andrew Dalby: Dangerous Tastes. The Story of Spices. The British Museum Press, London 2000, ISBN 0-7141-2771-X. Belege finden sich unter den jeweiligen Artikeln zu den einzelnen Gewürzen.
  138. Dieses Argument verwendet beispielsweise noch Hansjörg Küster: Kleine Kulturgeschichte der Gewürze. Verlag C. H. Beck, München 1997, ISBN 3-406-42025-7, siehe beispielsweise S. 7 und S. 193.
  139. siehe z. B. Scully (1995), S. 84–86; Jack Turner: Spice. The History of a Temptation. Harper Perennial, London 2005, ISBN 0-00-655173-4, S. 120–136 oder Tom Richardson: Sweets. A History of Temptation. Bantam Books, London 2002, ISBN 0-553-81446-X, S. 157 die allesamt gegen diese These argumentieren.
  140. Jack Turner: Spice. The History of a Temptation. Harper Perennial, London 2005, ISBN 0-00-655173-4, S. 120.
  141. Scully (1995), S. 84 und S. 85.
  142. Tom Richardson, S. 156 und S. 157.
  143. Holly Bishop: Robbing the Bees. A Biography of Honey. Free Press, New York 2005, ISBN 0-7432-5022-2, S. 92–111.
  144. Terence Scully: Medieval France. The North. In: Adamson (Hrsg.): Regional Cuisines of Medieval Europe. S. 59.
  145. Tom Richardson, S. 112 sowie Sidney W. Mintz: Sweetness and Power. The Place of Sugar in Modern History. Penguin Books, London 1985, ISBN 978-0-14-009233-2, S. 24–30 und Dembinska, S. 48.
  146. Tom Richardson, S. 117 und S. 131.
  147. Tom Richardson: Sweets. A History of Temptation, S. 131.
  148. Tom Richardson, S. 119 und S. 120.
  149. Schubert, S. 47–48.
  150. Mark Kurlansky: Salt. A World History. Vintage, London 2003, ISBN 0-09-928199-6, S. 164.
  151. Schubert, S. 51–52 und Mark Kurlansky: Salt. A World History. Vintage, London 2003, ISBN 0-09-928199-6, S. 116–118.
  152. Hirschfelder, S. 103 und S. 137 sowie Ulf Dirlmeier: Zu den Lebensbedingungen in der mittelalterlichen Stadt. Trinkwasserversorgung und Abfallbeseitigung. In: Bernd Herrmann (Hg.): Mensch und Umwelt im Mittelalter. Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-596-24192-8, S. 152.
  153. Adamson, S. 48–51 und Schubert, S. 170.
  154. Maria Dembinska: Food and drink in medieval Poland. Rediscovering a cuisine of the past. 1999, ISBN 0-8122-3224-0, S. 80 und 81.
  155. Liber de Coquina – Das Buch der guten Küche. Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-937446-08-0, S. 35–36.
  156. Paczensky und Dünnebier, S. 182.
  157. Paczensky und Dünnebier, S. 225–226.
  158. Scully (1995), S. 138–146.
  159. Scully (1995), S. 151–154.
  160. Paczensky und Dünnebier, S. 195.
  161. Paczensky und Dünnebier, S. 201.
  162. Hirschfelder, S. 137.
  163. Schubert, S. 164.
  164. Paczensky und Dünnebier, S. 92 sowie Scully (1995), S. 35–38.
  165. Bee Wilson: Swindled. From poisonous sweets to Conterfeit Coffee. The Dark History of the Food Cheats. John Murray, Manchester 2008, ISBN 978-0-7195-6785-8, S. XIV.
  166. Bee Wilson: Swindled. From poisonous sweets to Conterfeit Coffee. The Dark History of the Food Cheats. John Murray, Manchester 2008, ISBN 978-0-7195-6785-8, S. 70.
  167. Paczensky und Dünnebier, S. 92.
  168. Bee Wilson: Swindled. From poisonous sweets to Conterfeit Coffee. The Dark History of the Food Cheats. John Murray, Manchester 2008, ISBN 978-0-7195-6785-8, S. 85–87.
  169. Scully (1998), S. 3.
  170. Paczensky und Dünnebier, S. 76–77.
  171. Rudolf Grewe und Constance B. Hieatt (Hrsg.): Libellus de arte coquinaria: An Early Northern Cookery Book, Arizona Center for Medieval and Renaissance Studies, Tempe/Arizona, 2001, ISBN 0-86698-264-7.
  172. Robert Maier (Hrsg.): Liber de Coquina. Das Buch der guten Küche. F. S. Friedrich Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-937446-08-7.
  173. Scully (1998), S. 9.
  174. Terence Scully (1998), S. 11–14.
  175. Paczensky und Dünnebier, S. 78.
  176. Constance B. Hieatt: Medieval Britain. In: Adamson (Hrsg.): Regional Cuisines of Medieval Europe. S. 27–28.
  177. Francis B. Brévart: Kochbuch von St. Dorotheen zu Wien. In: Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 5, Sp. 1 f.
  178. Keukenboek, uitg. naar een hs. der vijftiende eeuw. Maatschapij der Vlaamsche bibliofielen, Gent 1872.
  179. Zum Keukenboek und weiteren mittelalterlichen Kochrezeptsammlungen vgl. auch Gundolf Keil: Randnotizen zum „Stockholmer Arzneibuch“. In: Studia neophilologica. Band 44, Nr. 2, 1972, S. 238–262, hier: S. 242.
  180. Melitta Weiss Adamson: Die Kochrezepte in Codex J. 5 (no. 125) der Bibliothek des Priesterseminars Brixen. Edition und Kommentar. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 14, 1996, S. 291–303.
  181. Paczensky und Dünnebier, S. 79 und John Dickie: Delicia. The epic history of the Italians and their Food. Free Press, New York 2008, ISBN 978-0-7432-7799-0, S. 67–69.
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