Neuenbrook
Neuenbrook (niederdeutsch: Neenbrook/Nienbrook oder Nigenbroke[2]) ist eine Gemeinde im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein. Muchelndorf liegt im Gemeindegebiet.[3]
Wappen | Deutschlandkarte | |
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Basisdaten | ||
Bundesland: | Schleswig-Holstein | |
Kreis: | Steinburg | |
Amt: | Krempermarsch | |
Höhe: | 4 m ü. NHN | |
Fläche: | 14,32 km2 | |
Einwohner: | 692 (31. Dez. 2020)[1] | |
Bevölkerungsdichte: | 48 Einwohner je km2 | |
Postleitzahl: | 25578 | |
Vorwahlen: | 04824, 04828 | |
Kfz-Kennzeichen: | IZ | |
Gemeindeschlüssel: | 01 0 61 073 | |
Adresse der Amtsverwaltung: | Birkenweg 29 25361 Krempe | |
Website: | ||
Bürgermeisterin: | Susanne Pagel (WIN) | |
Lage der Gemeinde Neuenbrook im Kreis Steinburg | ||
Geografie und Verkehr
Neuenbrook liegt sieben Kilometer südlich von Itzehoe. Die Bundesautobahn 23 verläuft durch die Gemeinde.
Geschichte
Neuenbrook im Krieg
Neuenbrook musste vor allem im 17. Jahrhundert oft unter Kriegen leiden.
Im Jahre 1628, im Dreißigjährigen Krieg, zogen die Truppen Wallensteins, die die Festung Krempe eingenommen hatten, über Neuenbrook ab. Dabei plünderten sie die östliche Seite Neuenbrooks und die Kirche und brannten den westlichen Teil des Dorfes ab.[4][5][6][7] Nur der Hof West 29 blieb aus unbekannten Gründen verschont. Zudem wurden die Orgel und das Gestühl der Kirche zerstört und das Pastorat gebrandschatzt; dabei gingen die vorhandenen Kirchenbücher verloren.[4][2][5][6]
Im Schwedenkrieg wurde im Jahr 1644 von den einfallenden Schweden 300 Häuser der Krempermarsch gebrandschatzt, Neuenbrook flutete auf Befehl hin seine Felder.[2]
Im Jahre 1814 fielen Russen und Schweden in die Krempermarsch ein. In Neuenbrook waren russische Truppen stationiert. Obwohl nur in Glückstadt gekämpft wurde, wurde Neuenbrook von Kosaken geplündert. Die Wache der Russen stand „im ersten Haus am Südeingang des Dorfes“. Als die Russen abzogen, hinterließen sie einige Patronenschachteln und Kisten, die erst nach 1900 wiederentdeckt wurden. Im Jahre 1938 wurde davon berichtet, dass sich auch ein russischer Doppeladler im Besitz eines Neuenbrookers befinde, den die Russen anscheinend verloren hatten. Die Spuren aller Hinterlassenschaften der russischen Soldaten sind heute verschollen.[2]
Über die Einquartierungen Dänischer, Cambridger und Windischgrätzer Dragoner im Revolutionsjahr 1848 können mehrere Einzelheiten nachgelesen werden. Ein Neuenbrooker, der zu dieser Zeit 10 Jahre alt war, schrieb seine Erlebnisse in zwei Büchern nieder, die in Privathand blieben und nicht veröffentlicht wurden. Heute sind sie wahrscheinlich verloren. Ein kleiner Auszug findet sich in der Dorfchronik und in der Festschrift des Pastors Walter Lötje. Demnach waren unter anderem "8 schöne 6 Pfünder (2 Haubitzen und 6 Langrohrige), 2 Geschütze mit Föß, 2 mit helbrun, 2 mit dunkelbrun, 2 mit schwarte befannt" sowie "90 Mann und 80 Peer" in Neuenbrook stationiert.[6][2]
Im Ersten Weltkrieg fielen 49 Neuenbrooker. Zum Zweiten Weltkrieg wurden keine Zahlen veröffentlicht, doch ist bekannt, dass im Juni 1942 Brandbomben in Neuenbrook-Ost fielen, die zwei Höfe ansteckten, von denen einer vollkommen niederbrannte[6], und dass Jagdflugzeuge gezielt auf Kühe und Menschen schossen.[8][6]
Gilden und Vereine
In Neuenbrook gibt es mehrere Gilden und Vereine. Die Dorfgilde wurde am 27. November 1616 gegründet[8][9] und feierte 1991 ihr 375-jähriges Bestehen mit dem Herausbringen eines Buches. 1660 wurde die Kodekrieper Gilde gegründet, als letztes die Korngilde 1667.[8] Zudem gibt es den Sportverein Neuenbrook-Rethwisch, der am 23. Juli 1953 gegründet wurde.[10][7]
Wappen
Blasonierung: „In Silber ein schreitender blauer Schwan mit erhobenen Flügeln und roter Bewehrung.“[11]
Neuenbrook zählt zu den sogenannten sieben Kremper-Marsch-Dörfern. Diese Gemeinden haben ein einheitliches Wappen. Mehr dazu siehe Amt Krempermarsch.
Neuenbrooker Persönlichkeiten
- Wundermann Bestmann (um 1600): Um das Jahr 1600 herum ist ein in Neuenbrook ansässiger Wunderheiler nachgewiesen, dem nachgesagt wurde, er könne Wunden nur durch Reden heilen. Ein angeblicher Fall ist überliefert. So sagte er, als jemand wegen eines Falls von schweren Blutungen um Hilfe bat: "Gah man na Huus, dat Blod is still!" (Geh mal nach Hause, das Blut ist still) und der Patient hörte auf zu bluten, als er diese Worte sprach.[2]
- Jakob Olde (1785–1840): Holstein war das erste Land, das Deutschland, Frankreich und Italien mit Pferden belieferte, mit dem Holsteiner Marschpferd.[2][6] Jakob Olde war bekannt für die Schönheit seiner Pferde, dem Holsteiner Marschpferd und vor allem Englischen Zuchthengsten. Er besaß 1837 vierzig Zuchthengste, von denen die Hälfte mit dem höchsten Prädikat geehrt wurde. Berühmt wurde er durch ein großes Netz von Handelsbeziehungen in der ganzen Welt. Schon drei Jahre später, 1840, besaß Olde 150 Hengste. Sein bester Hengst belegte 80–90 Stuten jährlich. Olde hatte großen Einfluss auf den Pferdehandel des gesamten Kreises, so dass er 1839 in den Vorstand des "Itzehoer Vereins zur Verbesserung der Pferdezucht" gerufen wurde. Durch ihn wurden Neuenbrooks Pferde weltbekannt.[6][2]
- Simon Wieckhorst (1838–1930) wurde als erster Neuenbrooker Chronist bezeichnet. Er war 1838 geboren worden und hatte damit die Glanzzeit Neuenbrooks miterlebt, die er schriftlich auf Plattdeutsch festhielt, bevor er 1930 verstarb. Er bemühte sich sehr darum, die Neuenbrooker Geschichte zu übermitteln.[6][2]
- Walter Lötje (1934–1964): Die erste in größeren Auflagen erhältliche Chronik wurde am 17. Oktober 1937 vom Pastor Walter Lötje zur 700-Jahr-Feier geschrieben.[2][6][4] Darin bemängelte er, dass es bisher keine allumfassende Chronik gab, und dass das von ihm geschriebene, 70 Seiten umfassende Heft schlicht nicht ausreicht, um ganz Neuenbrook zu beschreiben. Er fügte hinzu, ein Alteingesessener müsste die Chronik verfassen. Es vergingen 50 Jahre, bis im Jahr 1987 eine komplett ausgearbeitete Chronik erschien. Pastor Lötje erlebte dies nicht mehr.[6][2][4]
- Karl Hermann Wieckhorst (1927–2008): K. H. Wieckhorst war gebürtiger Neuenbrooker. Er war jahrelang Bürgermeister Breitenburgs und gründete mehrere Vereine, unter anderen den Fußballverein BSC Nordoe.[12] Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und wurde für sein Engagement für das Jägerbataillon 67 zum Ehrenjäger ernannt, wurde zum Paten des Jägerbataillons und zum Träger des Ehrenkreuzes der Bundeswehr in Gold.[13]
Bebauungsgeschichte
Neuenbrook wurde 1237 zusammen mit Bole, Rethwisch, Audeich und Grevenkop erstmals erwähnt.[6] Es ist ein Reihendorf, das in Neuenbrook-Ost und -West unterteilt ist, wobei der östliche Teil älter ist.[8] Diese zwei Teile sind wiederum unterteilt in einen nördlichen und einen südlichen Abschnitt. Jeder dieser rechteckigen Abschnitte ist 3 × 1 Kilometer groß.[8][14] Die westlichen Abschnitte hießen Kodekriep und Bahtenviertel, die östlichen Abschnitte Oldendorp und Gosau.[8]
Die St. Katharinenkirche
Die Kirche ist der heiligen Katharina von Alexandria geweiht. Die alte Kirche wurde 1890 abgebrochen, und schon 1891 wurde die heutige, neugotische Kirche von den Architekten Schmidt und Wurzbach erbaut und im selben Jahr eingeweiht.[4][7] Ein Bild der alten Kirche ist in der Dorfchronik Neuenbrooks zu sehen. Sie hatte keinen Glockenturm, wie es üblich war, sondern einen hölzernen Glockenturm, der neben dem Eingang der Kirche stand.[6][4][2] 1894 wurde zudem der Friedhof erweitert. Im Frühjahr 1919 wurde eine Gedenktafel mit den Namen aller 49 Neuenbrooker Gefallenen des Ersten Weltkrieges links und rechts des Eingangs angebracht. Zur Einweihung erschienen 450 Leute.[2][15][4] Zum 100. Geburtstag der Kirche am 15. Juni 1991 verfasste der Pastor eine Festschrift in einer Auflage von 1000 Exemplaren, in der die gesamte bekannte Kirchengeschichte geschildert wird.[4]
Die Bauernhöfe Neuenbrooks
Neuenbrook war zur Bebauung ein reines Bauerndorf. Die 50 ersten Gründungs-Bauernhöfe wurden ausschließlich auf der Südseite der schnurgeraden Dorfstraße errichtet. Zwei Gründungshöfe waren Neuenbrook West 29 und der Rohlfsche Hof.[6][4] Zum Schutz vor Hochwasser wurden alle Höfe auf Wurten errichtet, die bis zu zwei Meter hoch waren. Jedem Hof wurde südliches und nördliches Land zugeteilt, so dass auf dem südlichen Marschboden Felder angelegt und auf dem nördlichen Land Vieh gehalten werden konnte.[2] Im dreißigjährigen Krieg wurden mit der Kirche alle Aufzeichnungen früherer Zeit zerstört,[6][2] weswegen für die Zeit vor 1628 kaum Quellen über die Entwicklung der Landwirtschaft vorliegen. Doch bestand in Neuenbrook bis 1460 kein Lehenswesen oder Ähnliches. Die Bauern Neuenbrooks hatten freie Hand und hatten keine Steuern zu zahlen, konnten sich also ungehindert wirtschaftlich festigen.[2] Ab 1460 allerdings wurde nicht mehr das Holländische Recht, sondern das Holstenrecht eingeführt. Von da an entschieden nicht mehr Schulten und Schöffen, sondern Kirchspielvögte. Der Kirchspielvogt Neuenbrooks saß auf dem „Vogtspflug“, heute West 39.[6][2] Von da an wurden Abgaben verlangt und die Regelungen für die Bauern drastisch verschärft.[2] Trotzdem gilt als Blüte- oder Glanzzeit Neuenbrooks die Zeit zwischen 1730 und 1800, laut anderen Quellen von 1730 bis 1850,[16][2] in der viele Bauernfamilien wieder zu altem Wohlstand kamen.[4][2] Im Jahre 1867 bestand Neuenbrook aus 42 Höfen. Im Jahre 1975 befanden sich in Neuenbrook 36 landwirtschaftliche Betriebe, und im Jahre 1998 war deren Zahl auf 19 geschrumpft.[14]
Windmühlen
In Neuenbrook befindet sich die zum Wohnhaus umgebaute Wohnmühle "Edda". Diese ist 1874 erbaut worden und ist in einigen Büchern und auf einer Postkarte zu sehen.[6] In einem Dokument von 1349 ist von einer weiteren Windmühle in Richtung des Moores in Münsterdorf die Rede, nahe den Höfen auf der südlichen Seite der Dorfstraße. Diese Kornmühle ist vor 1334 abgebrochen worden.[6]
Wirtschaft
In Neuenbrook gibt es einige Gewerbebetriebe und einen Betrieb der Kreideindustrie. Zudem befindet sich mit dem "Tanktreff Neuenbrook" eine Tankstelle von Hoyer nahe der Kirche.
Siehe auch
Bilder
- „Nienbrock“ 1645 im Atlas Maior von Blaeu
- St. Katharinen, Neuenbrook
- Windmühle Neuenbrook
Weblinks
- Gemeinde Neuenbrook
- Gemeinde Neuenbrook beim Amt Krempermarsch
- Johann Friedrich Dörfer: Topographie von Holstein in alphabetischer Ordnung : Ein Repertorium zu der Karte vom Herzogthum Holstein, den Gebieten der Reichsstädte Hamburg und Lübek, und des Bisthums Lübek, Verlag Röffs, 1807, „Neuenbrook“ S. (207) bei digitale sammlungen (MDZ)
Einzelnachweise
- Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2020 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
- Pastor Walter Lötje: Aus der Vergangenheit Neuenbrooks. Paul Hußmann Lägerdorf, Lägerdorf 17. Oktober 1937, S. 7 bis 9.
- Schleswig-Holstein-Topographie. Bd. 7: Munkbrarup - Pohnsdorf. Flying-Kiwi-Verl. Junge, Flensburg 2006, ISBN 978-3-926055-88-0, S. 47 (dnb.de [abgerufen am 21. Juli 2020]).
- Pastor Walter Lötje: Dat Kaspel Nien-brook. Band 1. Neuenbrook 1991.
- Jörg Benz: Steinburger Jahrbuch 2001. Hrsg.: Heimatverband für den Kreis Steinburg e. V. 2001, S. 226.
- Ortschronik e. V. (Hrsg.): Dorfchronik Neuenbrook. neuenbrook 1987, S. 147.
- www.neuenbrook.de - Ortsgeschichte. Abgerufen am 24. Mai 2019 (deutsch).
- Dorfgilde Neuenbrook (Hrsg.): 75 Jahre Dorfgilde Neuenbrook. Band 1. Neuenbrook 1991, S. 11.
- www.neuenbrook.de - Neuenbrooker Dorfgilde. Abgerufen am 24. Mai 2019 (deutsch).
- Herzlich Willkommen auf der offiziellen Vereinshomepage des SV Neuenbrook/Rethwisch! Abgerufen am 24. Mai 2019.
- Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
- Max Boe: Geburtstagsempfang für BSC Nordoe | shz.de. Abgerufen am 3. September 2020.
- Norddeutsche Rundschau (Hrsg.): Nachruf Karl Hermann Wieckhorst. Itzehoe 22. April 2008.
- Detlef Gravert: Die Bauernhöfe der Kremper und Kollmar Marsch. Band 3, 1999, S. 283.
- Grabsteine: Histor. Kirchhof Neuenbrook (Steinburg). Abgerufen am 25. Mai 2019.
- Baugeschichte des Rohlfschen Hofes. Neuenbrook 1920.