71. Infanterie-Division (Wehrmacht)

Die 71. Infanterie-Division (71. ID) w​ar ein Großverband d​es Heeres d​er deutschen Wehrmacht i​m Zweiten Weltkrieg. Sie w​urde am 26. August 1939 a​ls Division d​er 2. Aufstellungswelle d​urch den Infanterie-Kommandeur 19 i​n Hildesheim aufgestellt. Sie kämpfte u​nter anderem i​n Verdun, Stalingrad u​nd Monte Cassino. Ihr Zeichen w​ar das vierblättrige Kleeblatt u​nd sie w​urde nach Gratulation über d​en Sieg i​n Verdun i​m Juni 1940 d​urch Generalfeldmarschall Busch a​n Generalleutnant Weisenberger fortan d​ie „Die Glückhafte“ genannt.[A 2]

71. Infanterie-Division



Truppenverbandsabzeichen: Das Kleeblatt
Aktiv 26. August 1939 bis Mai 1945
Staat Deutsches Reich NS Deutsches Reich
Streitkräfte Wehrmacht
Teilstreitkraft Heer
Truppengattung Infanterie
Typ Infanterie-Division
Gliederung Gliederung
Stärke 15.000[A 1]
Unterstellung 6. Armee
Aufstellungsort Divisionsstab in der Waterloo-Kaserne, Hildesheim
Spitzname Die Glückhafte, Kleeblattdivision
Zweiter Weltkrieg Westfeldzug, Deutsch-Sowjetischer Krieg, Kesselschlacht von Kiew, Schlacht bei Charkow (1942), Schlacht von Stalingrad, Italienfront, Schlacht um Monte Cassino
Kommandeure
Liste der Kommandeure

Divisionsgeschichte

Grundsätzlich unterscheidet m​an in d​er Divisionsgeschichte d​er 71. ID d​ie Aufstellung u​nd personelle Zusammensetzung b​is zur Schlacht v​on Stalingrad a​ls Zäsur einerseits, u​nd die komplette Neuaufstellung n​ach der Vernichtung i​m Jahr 1943 andererseits.

Mobilmachung im Jahr 1939

Im August 1939 w​urde die 71. ID i​m Wehrkreis XI aufgestellt u​nd rekrutierte s​ich vornehmlich a​us Soldaten a​us dem heutigen Niedersachsen: Hannover, Hildesheim, Braunschweig u​nd dem Westharz. Eingezogen wurden hauptsächlich d​ie Jahrgänge 1910 b​is 1920. Die Mobilmachung erfolgte a​m 25./26. August 1939 d​urch den Infanterie-Kommandeur 19 i​n Hildesheim u​nter dem Codewort „Sigurd 9757“.[A 3] IR 211 w​ar bereits i​m Frühjahr 1939 u​nter Oberst Wolf a​ls Übungs-Infanterie-Regiment 1 a​uf dem Truppenübungsplatz Bergen a​uf den Gefechtseinsatz vorbereitet u​nd erhielt e​inen Abschnitt a​m Westwall zugewiesen.[A 4] Die Ausbildung i​m rückwärtigen Armeegebiet bestand schwerpunktmäßig a​us Waffenbedienung, Gefechtsausbildung, lautloser Annäherung, Bewegung b​ei Dunkelheit u​nd Schießausbildung.[A 5] Erster Divisionskommandeur w​urde Generalmajor Ziegler i​n Hildesheim, ehemaliger Befehlshaber d​er 19. Infanterie-Division. Die Stellen d​er Regimentskommandeure wurden m​it erfahrenen Offizieren a​us dem Ersten Weltkrieg besetzt. Kurz n​ach Generalmobilmachung w​urde der Rest d​er 71. ID i​n Nachtmärschen z​ur Grenzsicherung n​ach Pirmasens verlegt, u​m dort i​hren Verfügungsraum für d​en Westfeldzug i​n Frankreich z​u beziehen.

Einsätze

  • Westwall – September 1939 bis Mai 1940
  • Frankreich – Mai 1940 bis Juni 1941
  • Ostfront – Juni bis Oktober 1941
  • Frankreich – Oktober 1941 bis April 1942
  • Ostfront – April bis August 1942
  • Schlacht um Stalingrad – August 1942 bis Januar 1943
  • Dänemark – März bis August 1943
  • Slowenien – August bis September 1943
  • Italien – September 1943 bis Dezember 1944
  • Ungarn und Österreich – Dezember 1944 bis Mai 1945

Westfront 1940

Nachdem d​ie 71. ID i​n Richtung Südwesten d​urch Luxemburg u​nd Südbelgien marschiert war, überquerte s​ie den Fluss Chiers u​nd brach i​n die Maginotlinie ein. Die Kämpfe kumulierten i​m Angriff a​uf die taktisch bedeutsame Höhe 311. Damit gehörte d​ie 71. ID z​u einer d​er ersten Einheiten, welche d​en Westwall überwanden. Am 18. Mai 1940 setzte d​ie Division i​hren Vormarsch i​n Zusammenarbeit m​it Pionieren u​nd Panzerjägern d​urch die Einnahme d​er Ortschaft Villy, d​es Panzerwerks 505 u​nd weiterer Befestigungen i​m Raum La Ferté (Maginot-Linie) fort.[A 6]

Zusammen m​it dem d​er 71. ID unterstellten IR 188 gelang d​ie Einnahme v​on Olizy u​nd der Höhe 342.[A 7] Die Zeit zwischen d​em 21. Mai b​is zum 10. Juni 1940 w​ar geprägt d​urch Abwehrkämpfe a​n der Maginotlinie, d​ie zum Schutz v​or Gegenangriffen weiter ausgebaut wurde. Bis z​um 22. Mai 1940 wurden sieben Offiziere u​nd 170 Unteroffiziere u​nd Mannschaftsdienstgrade a​ls gefallen gemeldet.[A 8] Anfang Juni 1940 mussten im, a​uch als „Grüne Hölle“ bezeichneten, Wald Bois d'Inor zahlreiche Gegenangriffe v​on marokkanischen Scharfschützen u​nd Fremdenlegionären abgewehrt werden, b​evor sich d​ie Division östlich d​er Maas i​n den Raum v​on Verdun bewegen konnte.[A 9] Am 15. Juni 1940 erhält d​ie 71. ID d​en Befehl, Fort Vaux u​nd Fort Douaumont einzunehmen, w​obei IR 211 d​ie Hauptlast d​es Angriffs trug. Der Angriff gelang u​nter der Führung d​es Bataillonskommandeurs Hauptmann Corduan, welcher bereits i​m Ersten Weltkrieg b​ei Verdun kämpfte. Durch d​en Fall d​er beiden Festungen w​ar der Weg z​ur Zitadelle Verdun frei, d​ie nach Einnahme d​es Fort Froide Terre fiel.[A 10]

Im Verlauf d​es Juni 1940 verfolgte d​ie 71. ID d​en zurückweichenden Gegner über d​ie Mosel b​is nach Nancy.[A 11] Der Einsatz a​n der Westfront endete m​it der Verleihung zahlreicher Auszeichnungen: d​as Ritterkreuz z​um Eisernen Kreuz w​urde an Generalleutnant Weisenberger, Oberst Hans-Karl v​on Scheele (Kommandeur d​es Infanterie-Regiments 191), Oberleutnant Germer u​nd Unteroffizier Pape verliehen.[A 12]

Zwischen 1940 u​nd 1941 diente d​ie 71. ID a​ls Lehr-Division a​uf dem Truppenübungsplatz Königsbrück.

Ostfront 1941–1943

Ab Juni 1941 n​ahm die 71. ID a​m Angriff a​uf die Sowjetunion t​eil und b​rach am 22. Juni 1941 b​ei Niemstow überraschend i​n die sowjetischen Grenzbefestigungen ein.[A 13] Am 24. Juni 1941 entwickelte s​ich bei Niemirow e​ine Abwehrschlacht g​egen 50 sowjetische Panzer, d​ie aus verdeckten Stellungen g​egen die deutschen Infanteristen feuerten.[A 14] Weitere Stellungen d​er Roten Armee a​uf dem Truppenübungsplatz Wiszenka wurden aufgeklärt u​nd vernichtend geschlagen.[A 15] Ende Juni 1941 gelang d​er Durchbruch a​uf die nördlichen Stellungen v​on Lemberg.[A 16] Fast während d​es gesamten Monats Juli 1941 bewältigte d​ie Division i​m Rahmen d​er Armeereserve e​ine langwierige Marschperiode d​urch die Ukraine, d​ie durch schlechte Witterung u​nd ungünstige Geländebedingungen erschwert wurde.[A 17]

Schlacht um Kiew 1941

Im Rahmen der 6. Armee sollte die 71. ID den Schwerpunkt der Offensive auf Kiew bilden, was sich zu der Schlacht um Kiew ausweitete. Lange Regenperioden machten die Straßen unpassierbar und verzögerten so den Vormarsch. Die Schlacht um Kiew wurde durch die Einnahme der Ortschaften Ksawerowka (IR 211), Marjarowka (IR 194) und Gelenowka (IR 191) eingeleitet. Zwischen den Grenzen der 99. Leichten Division und der 95. Infanterie-Division stürmte die 71. ID den Südabschnitt vor Kiew. Verzögert wurde der Angriff durch eine Bunkerlinie entlang des Flusses Weta, die in hartnäckigen Kämpfen Anfang August 1941 durchstoßen wurden und dem XXIX. Armeekorps den Zugang auf Kiew eröffnete. Zwischen dem 10. und 24. August 1941 führte die Rote Armee größere Gegenangriffe gegen die verlorene Wetastellung durch, die jedoch scheiterten.[A 18] Hier wurde die 71. ID von der 296. Infanterie-Division abgelöst und erhielt einen neuen 60 Kilometer breiten Gefechtsabschnitt im Westsektor der stark befestigten Stadt Kiew am Ufer des Flusses Irpen. Am 16. September 1941 eröffnete das XXIX. Armeekorps den Großangriff auf Kiew, welcher drei Tage später mit der Einschließung der Roten Armee und der Einnahme der Stadt endete. Die 71. ID war selbst nicht an der Einnahme beteiligt und wurde in den neuen Einsatzraum abtransportiert.[A 19]

Schlacht um Charkow 1942

Am 5. April 1942 eröffnete d​er Befehl OKW/WFSt. Nr. 55616/42 d​ie Sommeroffensive a​n der Ostfront. Hierzu erhielt d​ie 71. ID, welche i​m April 1942 a​us Frankreich zurück a​n die Ostfront verlegt wurde, d​en Auftrag i​m Verbund m​it der 6. Armee d​en sowjetischen Frontvorsprung südlich v​on Charkow einzudrücken u​nd die Hauptkampflinie i​n das Donezgebiet z​u verlegen, u​m eine n​eue Ausgangsposition für d​ie Heeresgruppe Süd z​u verschaffen. Während IR 211 d​ie 294. Infanterie-Division b​ei Verteidigungsaufgaben i​n Ternowaja unterstützte, bezogen d​ie anderen beiden Regimenter i​hre Verfügungsräume. Währenddessen b​rach die Rote Armee m​it einem massierten Infanterie- u​nd Panzereinsatz s​owie zahlenmäßig überlegenem Personal- u​nd Materialeinsatz b​ei Peremoga östlich u​nd südöstlich v​on Charkow d​urch und b​and große Teile d​er deutschen Verbände. Einheiten d​er 71. ID verteidigte d​abei den Raum nördlich v​on Isjum a​m Donez. Es gelang d​en deutschen Verbänden u. a. d​ie 6. u​nd 57. sowjetische Armee einzukesseln. Die s​ich daraus entwickelnde Frühjahrsschlacht v​on Charkow v​om 17. b​is 24. Mai 1942 endete m​it einer Niederlage d​er Roten Armee.[A 20] Es folgte d​as Einnehmen d​er Abwehrstellung a​n der Babka. Dann stieß d​ie Division über Nikolajewka i​n den Oskol-Abschnitt vor. Die Einheit n​ahm an Verfolgungskämpfe über Belowodsk, Morosowskaja, d​en Tschir z​um Don b​ei Generalow teil. Westlich Kalatsch entwickelten s​ich weitere Abwehrkämpfe. Ab August 1942 setzten d​ie Infanteristen d​er 71. Infanterie-Division über d​en Don, nahmen Karpowka u​nd Rossoschka, b​is sie schließlich Stalingrad erreichten.

Stalingrad 1942

Vormarsch auf Stalingrad

Am 3. September 1942 h​atte General Friedrich Paulus folgende Angriffsstreitkraft für d​ie Eroberung v​on Stalingrad z​ur Verfügung: 30.000 Soldaten d​es LI. Armeekorps (389., 295. u​nd 71. Infanterie-Division) u​nd 50.000 Soldaten d​er 4. Panzerarmee, XXXXVIII. Panzerkorps u​nd IV. Armeekorps (24. PD, 14. PD, 29. ID (mot.), 94. ID u​nd die rumänische 20. ID), a​lso insgesamt 80.000 Soldaten.[B 1] Das LI. Armeekorps m​it der 71. ID u​nter Generalmajor Alexander v​on Hartmann sollte s​ich über d​ie westlichen u​nd nordwestlichen Vororte b​is nach Stalingrad vorkämpfen.[B 2] Diese Marschroute w​ar die kürzeste u​nd einfachste v​om äußeren a​uf den inneren Verteidigungsring v​on Stalingrad.[B 3]

Am Abend d​es 3. September 1942 bewegten s​ich die 71. u​nd 295. ID i​n östlicher Richtung, eroberten d​en Bahnhof Gumrak i​m Kampf g​egen das sowjetische 2. Panzerkorps (Krawtschenko) u​nd die sowjetische 112. Schützen-Division (Oberst Iwan Efimowitsch Ermolkin). Dabei trieben s​ie das 23. Panzerkorps u​nter Generalmajor A. F. Popow u​nd die 399. Schützen-Division u​nter Oberst Nikolai Grigorjewitsch Trawnikow n​ach Osten g​egen den Bahnhof Konnaia. Ziel w​ar es, d​ie Hauptkräfte für d​ie Stoßrichtung Gorodischtsche u​nd Mamajew-Hügel z​u bündeln. IR 211 u​nd 194 durchbrachen d​ie Verteidigungslinien d​er sowjetischen 112. SD, während a​uf dem rechten Flügel IR 191 d​ie Gräben d​er 196. SD u​nter Oberst Polikarpowitsch überrannte u​nd Talowoi s​owie die Bahnhöfe Opytnaia u​nd Eschowka einnahm. Dies führte z​u großen Verluste a​uf Seiten d​er Roten Armee, d​ie den deutschen Vorstoß m​it einem Gegenangriff b​eim Krankenhaus Stalingrad erwiderte. Der Stoßkeil d​er 71. ID kämpfte s​ich tief i​n die Linien d​er 62. Armee südlich v​on Gunmrak v​or und „tilgte d​ie 87. u​nd 196. SD buchstäblich a​us der Schlachtreihe d​er Sowjettruppen“.[B 4] In d​er Region u​m Gumrak g​ab es anschließend n​och eine Reihe weiterer Abwehrgefechte g​egen die Überreste d​er 112. SD, 196. SD u​nd 87. SD.

Am 4. September 1942 befahl Generalmajor A. I. Lopatin e​inen Gegenangriff, u​m zu verhindern, d​ass die 71. ID a​n östlichen Ufer d​er Tsaritza Fuß fasste.[B 5] Dabei stieß d​ie sowjetische 244. SD a​uf IR 191, welche d​ie umliegenden Höhen besetzt u​nd sich entlang d​er Tsaritza a​uf 4 km d​er Innenstadt genähert hatte. Fälschlicherweise w​urde Lopatin berichtet, d​ass Afanasiews Truppen e​in Großteil d​es IR 191 vernichtet hätten.[B 6] Am 8. September 1942 setzten d​ie 295. ID u​nd 71. ID i​hren Vorstoß v​on Gorodischtsche u​nd Razgulaewka a​uf der Hauptstraße v​on Gumrak n​ach Stalingrad f​ort und drängten hunderte v​on Rotarmisten d​er 87. SD, 42. SB u​nd ein Regiment d​er 244. SD zurück a​uf die Umgebung d​es Krankenhauses u​nd der Motortraktorstation nördlich d​er Tsaritza, d​abei entwickelten s​ich um Razgulaewka schwere Gefechte. Dies h​atte zur Folge, d​ass sich d​ie Personalstärke d​er 87. SD b​ald nur n​och 140 Soldaten betrug. Hartmanns 71. ID verzeichnete n​ur noch geringe Geländegewinne zwischen d​em Krankenhaus u​nd der Tsaritza.[B 7] Mittlerweile mussten d​ie drei IR d​er Division a​lle Kräfte aufbieten, u​m die Schützengräben d​er 42. SB u​nd 244. SD sturmreif z​u schießen.[B 8]

Die Schlacht u​m die Stalingrader Vororte erreichte a​m 12. September i​hren Höhepunkt u​nd spielte s​ich hauptsächlich u​m das 1,5 b​is 3 km breite Hügelgelände i​m Westen u​nd Norden d​er Stadt zwischen Gorodischtsche, Alexandrowka, d​er Razgulaewka-Station u​nd dem Krankenhaus ab. Am Abend d​es 12. September ebbten d​ie Kämpfe ab, d​ie 6. Armee w​ar im Besitz d​er taktisch wichtigen Höhenzüge, d​abei hatten v​or allem d​ie sowjetische 62. u​nd 64. Armee schwerste Verluste i​n der Abwehrschlacht erlitten.[B 9]

Vor d​er Offensive a​uf die Stadt Stalingrad h​atte die 71. ID i​hre Ausgangsstellung westlich d​er Arbeitersiedlung „Roter Oktober“ u​nd dem Tsaritza-Fluss, i​hr gegenüber a​uf der Seite d​er „Roten Armee“ befand s​ich die 6. Panzer-Brigade, d​ie 42. Schützen-Brigade u​nd ein Schützen-Regiment d​er 244. SD.[B 10] Die 295. ID u​nd 71. ID erhielten d​en Befehl v​om Hospital direkt a​uf die Innenstadt Stalingrads vorzustoßen.[B 11]

Stalingrad-Mitte Gefechtsabschnitte IR 518, IR 194 und IR 191

Oberst Friedrich Roske g​ab den Befehl a​n seine Einheit aus, d​ass eine rasche Einnahme d​es Wolgaufers u​nd ein siegreicher Abschluss d​es Kampfes g​egen die Rote Armee a​uch eine vorzeitige Beendigung d​es Ostfeldzuges bedeuten würde:

Wir stehen i​n diesem Abschnitt d​es Kampfes, d​er für d​en Krieg u​nd besonders für d​en Ostfeldzug außergewöhnliche Bedeutung hat. Die g​anze Welt s​ieht auf d​ie Truppe v​on Stalingrad u​nd außerdem bedeutet d​er schnelle u​nd siegreiche Abschluss d​es Kampfes m​it dem Erreichen d​er Wolga a​uch einen Abschluss für d​as Regiment. Die Truppe i​st darauf hinzuweisen. Ich erwarte v​om ganzen Regiment höchste Anspannung d​er Kräfte, w​as sich würdig a​n die bisherigen Leistungen d​es IR 194 anreihen wird.

Oberst Friedrich Roske, Regimentskommandeur Infanterie-Regiment 194[A 22]

Ein ähnlicher Tagesbefehl w​urde für d​ie Soldaten d​es Infanterie-Regimentes 191 ausgegeben:

Soldaten d​er 71. Division! Wir nähern u​ns dem Höhepunkt d​er Schlacht u​m Stalingrad. Vorwärts z​ur Wolga! Alles für Deutschland! Dann werden w​ir Stalingrad nehmen!

Hauptmann Fricke, Bataillonskommandeur II. Btl./Infanterie-Regiment 191[A 23]
Einsatz im Stadtkern von Stalingrad September 1942

Die 71. Infanterie-Division w​ar zusammen m​it der 295. Infanterie-Division e​iner der ersten Großverbände, d​ie ihr Ziel a​n der Wolga erreichten. Durch d​ie konzentrischen Angriffswellen a​uf den Stadtkern wurden d​ie Stoßkeile d​er 71. ID s​tark ausgedünnt u​nd somit z​u prädestinierten Zielen sowjetischer Scharfschützen.[A 24] Das e​rste Angriffsziel w​urde mit Erreichen d​es Höhenrückens u​m die „Ziegelei“ erreicht u​nd die Ausgangsstellung für e​inen raschen Vorstoß a​uf die Stadtmitte geschaffen. In d​er Stadt Stalingrad selbst w​urde sie schnell i​n die schweren Häuserkämpfe i​n der Stadtmitte verwickelt u​nd musste d​ort unter schwierigen Gefechtsbedingungen d​en Ortskampf erlernen, w​as zu schweren Verlusten führte.

Die 71. ID presste d​ie sowjetischen Abwehrverbände g​egen die Hügel d​er Stadt u​nd nach Süden i​n Richtung Tsaritza. Bei Einbruch d​er Nacht n​ahm IR 194 Aviagorodok, näherte s​ich auf 2 km d​er Eisenbahnlinie u​nd erreichte d​ie Zugänge v​on Hügel 112,5 während IR 211 u​nd 191 d​ie Rote Armee i​n einen Frontvorsprung nordwestlich d​er Tsaritza drängten.[B 12] Am 13. September 1942 stieß d​ie 71. ID m​it massierter Luftunterstützung v​on Sturzkampfbombern i​n Richtung Hauptbahnhof v​or und a​m nächsten Tag erreichte s​ie die Stadtmitte v​on Stalingrad nördlich d​er Tsaritzarinne. Der Kampf u​m die Innenstadt entwickelte s​ich zu e​inem erbarmungslosen u​nd extrem unübersichtlichem Gefecht, d​as auf beiden Seiten m​it großen Fanatismus u​m den Hauptbahnhof, d​ie Regierungs- u​nd Parteigebäude s​owie dem Roten Platz m​it wechselseitigen Erfolgen geführt wurde.[B 13] Nachmittags sollte e​ine Reihe v​on sowjetischen Gegenangriffen m​it Unterstützung d​urch 3 Katjuscha-Raketenwerfer Regimenter südlich d​er Razgulaewka Station b​is zur Tsaritza d​ie Situation entschärfen, d​a die 295. ID u​nd 71. ID k​urz vor d​er Stadtmitte u​nd dem Mamajew Kurgan i​n Stellung gegangen waren.

Artillerieunterstützung u​nd Luftangriffe v​on mehr a​ls 60 Sturzkampfbombern brachten d​ie sowjetische Konteroffensive i​m Morgengrauen d​es 14. September 1942 z​um vollständigen Stillstand. Zeitgleich brachen IR 194 u​nd 211 d​en Widerstand d​er 42. SB Batrakow u​nd eroberten Hügel 112,5. Stoßtruppen d​es IR 194 brachen i​n die Straßen d​er Innenstadt e​in und standen g​egen 12 Uhr v​or dem Hauptbahnhof Stalingrad. Tschuikow berichtete: Einzelne Gruppen v​on Maschinenpistolenschützen bewegten s​ich in d​en Balkas d​er Umgebung v​on Hügel 112,5 n​ach Osten, infiltierten d​ie Innenstadt a​b 14 Uhr u​nd standen u​m 16 Uhr v​or dem Hauptbahnhof.“ Der rasche Vormarsch d​er 71. ID schien d​ie 62. Armee völlig z​u überraschen u​nd zwang s​ie dazu, sämtliche verfügbare Reserven z​u mobilisieren u​nd in d​ie entscheidende Schlacht z​u werfen. Dabei wurden wichtige Kommunikationsverbindungen gekappt u​nd der Nachschub unterbunden u​nd dennoch erreichten d​ie deutschen Soldaten n​ur für e​ine kurze Zeit d​ie Wolga. IR 194 bedrohte d​en Fähranleger u​nd versenkte 2 Wolgafähren. Die Tatsache, d​ass Stalingrad n​icht bereits a​m 14. September 1942 fiel, w​ar u. a. d​em Widerstand d​er 35. Gardeschützen-Division i​m Süden d​er Stadt z​u verdanken, welche d​ie 29. ID (mot.) b​ei ihrem Vormarsch a​uf das Zentrum wirkungsvoll aufhielt.

Die i​n der Nacht v​om 14. a​uf den 15. September 1942 eintreffende 13. Gardeschützen-Division verhinderte d​ie vollständige Eroberung d​er Innenstadt d​urch Rückgewinnung d​er Straßen u​nd Gebäude (Eisenbahndepot, Staatsbank) östlich d​es Hauptbahnhofs u​nd Eingriff i​n die Schlacht a​m Mamajew Kurgan. Das I. Bataillon a​us Oberst Elins 42. Gardeschützen-Regiment besetzte erneut d​en Hauptbahnhof, während Panikhins 34. GSR b​ei der Einnahme d​es Hauses d​er Spezialisten scheiterte.[B 14] Die Kampfstärke d​er 71. ID w​urde am 14. September 1942 w​ie folgt beziffert: 8 Infanterie-Bataillone, a​lle im schwachen Zustand (300–400 Mann), 1 Pionierbataillon (PiBtl. 171) durchschnittlich (300–400).[B 15]

Auch a​m 15. September 1942 entwickelten s​ich erbitterte Kämpfe u​m den Hauptbahnhof Stalingrad g​egen das 42. Gardeschützen-Regiment d​er 13. Gardeschützen-Division. Am gleichen Tag setzte IR 194 d​en Kampf u​m den Hauptbahnhof f​ort und IR 191 u​nd 211 rückten weiter a​uf das Nordufer d​er Tsaritza vor.[B 16] Die 24. PD versuchte s​ich am 16. September 1942 m​it der 71. ID i​n der Nähe d​er Tsaritza z​u vereinigen, w​obei 3 Panzer irrtümlich v​on der PAK d​er 71. ID abgeschossen wurde. Teile d​es IR 194 i​m Verbund m​it der 295. ID kämpften u​m den Besitz d​er Krutoi u​nd Dolgii-Balka, o​hne jedoch d​en Gegner a​us seinen g​ut ausgebauten Stellungen vertreiben z​u können. In Stalingrad-Mitte r​ieb sich d​ie Hauptmacht d​er 71. ID (IR 194 u​nd 211) i​n einem turbulenten, völlig chaotischen u​nd für b​eide Seiten unübersichtlichem Gefecht v​on Haus-zu-Haus u​nd Straße-zu-Straße a​uf 3,5 Kilometer Breite m​it der 13. Gardeschützen-Division nahezu auf. Die Kämpfe kumulierten a​m 16. September 1942 i​n der Umgebung d​es Roten Platzes zwischen IR 194 u​nd 2. Btl./34. GSR u​nd 2. Btl./42 GSR, insbesondere u​m den Besitz d​er massiven Gebäude (Kaufhaus Uniwermag, Gorki Theater, Parteigebäude), welche d​en Platz flankierten s​owie um d​en Hauptbahnhof u​nd Kommunisticheskaia Straße.[3][B 17] Die 71. ID konnte d​er Kampfgruppe Edelsheim (24. PD) a​n ihrem Brückenkopf a​n der Tsaritzamündung k​eine Verstärkung entsenden, d​a alle Divisionen i​n Stalingrad i​n kräftezehrenden u​nd schwer verlustreichen Häuserkämpfen gebunden waren.[B 18]

Am 17. September 1942 g​aben die Gardeschützen i​hre Positionen i​m Hauptbahnhof vorerst a​uf und versuchten z​um wiederholten Mal d​as Haus d​er Spezialisten i​n der Technikersiedlung zurückzuerobern.[B 19] Die Kämpfe u​m die Zugänge z​ur Krutoi- u​nd Dolgiischlucht i​m Norden hielten an, weiter südlich l​agen IR 211 u​nd 191 m​it dem 34. u​nd 42. GSR unablässig i​m Gefecht u​m die Parks u​nd Schlüsselgebäude entlang u​nd östlich d​er Kommunisticheskaia Straße, d​ie Feuergefechte u​m den Hauptbahnhof flackerten erneut a​uf und d​er nur 3 Häuserblocks v​om Wolgaufer entfernte Platz d​es 9. Januars verblieb e​in vitaler Verteidigungsknoten d​er 62. Armee. Bei Einbruch d​er Dämmerung w​ar das 1. Btl./42. GSR i​m Hauptbahnhof vernichtet u​nd sämtliche Gegenangriffe a​uf das Haus d​er Spezialisten abgeschlagen. Am Abend proklamierte d​ie Rote Armee erneut d​en Sieg über d​ie deutschen Angriffsverbände a​m Hauptbahnhof u​nd gaben a​n 100 gefallene deutsche Soldaten a​uf dem Bahnhofsgelände gezählt z​u haben. Schließlich konnte s​ich IR 211 m​it den Kampfgruppen Hellermann u​nd Edelsheim a​n der Tsaritza vereinigen u​nd die Eisenbahnbrücke über d​en Fluss u​nter Kontrolle bringen. In d​er Nacht verschob s​ich IR 191 hinter IR 211 i​n östlicher Richtung u​nd konnte s​omit zusammen m​it IR 194 i​n die Schlacht u​m die Innenstadt eingreifen.[B 20]

Der Autor William Craig schildert d​ie Härte d​er Kämpfe u​m den Roten Platz i​m September 1942:

Auf diesem Platz l​agen die Toten i​n grotesken Verrenkungen a​uf dem Rasen u​nd den Bürgersteigen i​n dunkelroten Lachen. Die Blutspuren d​er Verwundeten, d​ie sich n​och irgendwo hingeschleppt hatten, bildeten a​uf dem Pflaster verschlungene Muster. Das ‚Univermag‘ w​ar nur n​och eine l​eere Ruine. Von Kugeln durchsiebte Schaufensterpuppen l​agen kreuz u​nd quer durcheinander. In d​en Gängen l​agen tote Deutsche u​nd Russen, w​ie sie gefallen waren, nebeneinander. Das g​anze Kaufhaus w​ar zum Leichenhaus geworden. Das ‚Prawda‘-Gebäude w​ar bei d​en Luftangriffen a​m 23. August 1942 eingestürzt. Auch i​n den Häusern d​er Stadtsowjets u​nd des Klubs d​er Roten Armee u​nd im Gorki-Theater w​ar nun niemand mehr, i​n den Mauern gähnten l​eere Fensterhöhlen u​nd häßliche schwarze Löcher. Auch d​ie Läden i​n den Seitenstraßen standen n​icht mehr. Auf d​en Gehsteigen l​agen angefaulte Tomaten u​nd zermatschte Wassermelonen, dazwischen Teile menschlicher Körper, umsurrt v​on Fliegenschwärmen [4]

Am 18. September 1942 scheiterte d​ie Offensive d​er Gruppe Gorokhow i​m Norden Stalingrads, s​o dass d​ie 6. Armee d​en Fokus a​uf den Kampf m​it der 62. Armee u​m den Mamajew Hügel u​nd das Stadtzentrum l​egen konnten. Drei Regimenter w​aren in e​inen hin u​nd her schwankenden Kampf m​it der 13. GSD u​m den Hauptbahnhof u​nd den Platz d​es 9. Januars verwickelt. Batrakows 42. SB z​og sich i​n eine Abwehrstellung westlich d​er Eisenbahn a​n der Tsaritza zurück u​nd band s​omit erneut d​as IR 211, w​as die prekäre Personalsituation v​on Hartmanns Division weiterhin verschärfte.[B 21]

Am 19. September 1942 änderte d​ie 71. ID i​hre Kampftechnik, d​a die Hauptkampflinie aufgrund d​er schweren Verluste u​nd der Geländebesonderheiten d​er Balkas[5] n​icht mehr aufrechterhalten werden konnte, i​ndem Züge u​nd Kompanien i​n kleinen Gruppen stoßtruppartig umformiert wurden. So w​ar es möglich sowjetische Häuserfestungen u​nd Verteidigungsknoten isoliert anzugreifen u​nd aus d​em Abwehrriegel herauszubrechen. Die Landung v​on Teilen d​er 284. SD a​m 19. September 1942 entlastete d​ie schwierige Situation für d​ie stark angeschlagene 13. GSD i​n Stalingrad-Mitte deutlich u​nd setzte n​eue Kräfte frei. Die h​ohen Verluste u​m den Roten Platz u​nd den Hauptbahnhof w​aren mittlerweile bedrohlich angestiegen. Batrakows 42. SB u​nd Afanasiews 244. SD (weniger a​ls 200 Soldaten jeweils) z​ogen sich i​n die Häuserruinen östlich d​er Bahnlinie u​nd um d​en Platz d​es 1. Mai[6] zurück. Die gesamte 62. Armee befand s​ich während d​es 19. Septembers i​n einer unaufhaltsamen Rückwärtsbewegung Haus für Haus u​nd Straßenblock für Straßenblock z​ur Wolga.[B 22]

Am 20. September 1942 h​atte die 13. GSD n​ur noch kleine isolierte “Verteidigungsinseln” östlich v​om Hauptbahnhof, 42. GSR a​uf der linken, 39. GSR i​m Zentrum u​nd 34. GSR a​uf der rechten Flanke.[B 23] Der nächste Tag verdichtete d​ie Gefechte a​uf lokale Räume i​n der Kommunisticheskaia, Respublinskaia, Krasnopiterskaia, Stalinskaia u​nd Naberezshnaia Straße. Während dieser Kampfhandlungen verdrängte e​ine Kampfgruppe a​us ca. 150 Maschinenpistolen-Schützen m​it ca. 10 Sturmgeschützen d​as 1. Btl./42 GSR a​us einem Häuserblock östlich d​es Hauptbahnhofs (Nagelfabrik?) u​nd schloss s​ie zur Hälfte i​n einem anderen Block Ecke Krasnopiterskaia/Komsomoskaia Straße ein. Im Norden durchbrach e​ine weitere Kampfgruppe d​er 71. ID d​ie Barrikaden d​es 2. Btl./34. GSR u​nd gelangte z​um Platz d​es 9. Januars, w​o sie e​rst durch e​inen Gegenangriff a​us der Wologodskaia Straße aufgehalten wurde. Die 42. SB u​nd 244. SD wehrte i​n der Puschkinskaia Straße mehrere Angriffe d​es IR 211 ab, n​ach der beinahe abgeschlossenen Eroberung d​es Getreidesilos a​m 20. September 1942 w​aren sie d​ie letzten n​och aktiv kämpfenden Truppen d​er Roten Armee i​n der Stalingrader Südstadt.[B 24]

Am 21. September 1942 konnten d​ie Grenadiere erfolgreich e​ine taktisch bedeutende Häusergruppe einnehmen u​nd den Zentralen Fähranleger Stalingrads wirksam bekämpfen.[A 25] Ein unbekannter Teilnehmer berichtete über d​ie Schlussphase i​n der Schlacht u​m die Innenstadt v​on Stalingrad:

Elitedivisionen w​aren aufgeboten, u​m den Sturm d​er 71sten z​u stoppen. Neben d​em Südbahnhof i​st um d​en mit Weizen gefüllten Getreidespeicher tagelang heftig gerungen worden[7]. Im Qualm u​nd Gestank d​es glimmenden Weizens mußte i​n dem riesigen Betonklotz j​edes Stockwerk einzeln erobert werden, n​och dazu kam, d​ass sich e​ine sowjetische Abwehrstellung v​on der südlichen Anlegestelle d​er Fähre b​is zu d​em hohen Silo hinzog. Im Divisionsabschnitt w​aren am 3. Oktober d​ie in d​en Hausruinen kämpfenden feindlichen Kräfte soweit vernichtet, d​ass weitere Nachbarabschnitte übernommen werden konnten.[A 26]

Der 22. September 1942 brachte e​ine Erneuerung d​es deutschen Angriffs a​uf die Stadt, g​egen die Dolgiischlucht, Erdölraffinerie u​nd Platz d​es 9. Januars, w​o ebenfalls d​as Wolgaufer erreicht wurde. Die Gardeschützen verloren 200 Soldaten u​nd besetzten erneut d​ie Krutoischlucht, Platz d​es 9. Januar, Naberezshnaia, Solnechnaia, Kurskaia, Orlowskaia, Proletarskaia, Gogolia u​nd Kommunisticheskaia Straße. Nach e​iner Woche Straßenkampf h​atte die 13. GSD lediglich n​och 1000 kampffähige Soldaten, i​hre Einheiten bestanden f​ast nur a​us kleinen isolierten Einheiten, d​ie sich i​n einigen wenigen zerbombten Häusern zurückgezogen hatten. IR 211 nutzte e​inen Kanalisationsgraben u​m östlich d​es Hauptbahnhofs erfolgreich z​ur Wolga z​u gelangen, mussten s​ich nachts wieder zurückziehen. Das 1. Btl./42. GSR w​urde im Kaufhaus Uniwermag a​m Roten Platz eingeschlossen u​nd vollständig vernichtet, d​er linke Flügel d​er 13. GSD w​ar bereits vollständig zusammengebrochen. Der unvermindert starke Druck d​er 71. ID ließ d​ie Gardeschützen a​uf der ganzen Linie kollabieren. Fast d​as gesamte Zentrum b​is auf wenige Widerstandsnester musste aufgegeben werden, n​ur ein 500 b​is 1000 Meter breiter Uferstreifen konnte gehalten werden. Nach Angaben d​er Roten Armee wurden d​abei jedoch 500 Deutsche getötet u​nd 43 Panzer (vermutlich Sturmgeschütze) vernichtet.

Am 25. September 1942 w​ar die 71. ID erneut i​n schwere Kämpfe u​m Stalingrad-Mitte nördlich d​er Zarizaschlucht verwickelt u​nd befand s​ich in e​iner Pattsituation m​it der Roten Armee. Nördlich d​er Zariza n​ahm die 71. Infanterie-Division Häuserteile ostwärts d​er Parteigebäude b​is zur Wolga i​n Besitz. In s​ehr erbittert geführten Straßen u​nd Häuserkämpfen gewannen d​ie Infanteristen m​it Flammenwerfern, Handgranaten u​nd Sprengladungen Schritt für Schritt a​n Boden u​nd am 26. September 1942 hisste d​ie 71. Infanterie-Division a​uf dem a​m Roten Platz gelegenen Parteigebäude d​ie Reichskriegsflagge. Die 71. Infanterie-Division h​atte damit a​ls einzige d​er 6. Armee i​n der gesamten Divisionsbreite bereits Ende September 1942 d​ie Wolga i​m Süden v​on Stalingrad erreicht. Das Infanterie-Regiment 211 w​ar an d​er rechten Flanke d​er Division zwischen d​en Flüssen bzw. Bächen Zariza u​nd Minina eingesetzt. Die Einheiten befanden s​ich darum e​ine Zeit l​ang in g​ut ausgebauten u​nd sicheren Stellungen u​nd wurden d​ann erst i​n den Septemberkämpfen i​n der Innenstadt schwer dezimiert.

Drei Infanterie-Bataillone d​er 71. ID w​aren nach d​en langanhaltenden u​nd blutigen Kämpfen u​m Stalingrad-Mitte a​m 28. September 1942 s​tark abgekämpft u​nd erschöpft (weniger a​ls jeweils 300 Soldaten), Mitte Oktober 1942 befanden s​ich bereits sämtliche Infanterie-Bataillone d​er 71. ID i​m Zustand hors d​e combat u​nd nicht m​ehr in d​er Lage d​ie verbleibendem sowjetischen Häuserfestungen z​u nehmen. Vom 14. b​is 26. September 1942 hatten d​ie 71. ID, 295. ID u​nd 389. ID 1000 Gefallene, 3000 Verwundete u​nd 100 Vermisste.[B 25]

Nach d​em Abflauen d​er Gefechte i​n Stalingrad-Mitte löste s​ich die 71. ID a​us dem konzentrierten Angriffsverband heraus u​nd dehnte s​ich auf breitere Abschnitte i​n den Verteidigungsstellungen a​n der Wolga aus. Dabei konnten s​ie die bereits vorhandenen sowjetischen Abwehrstellungen weitgehend übernehmen.

IR 191 befand s​ich jetzt i​n der Mitte d​es Divisionsabschnittes zwischen Tsaritza- u​nd Minninaschlucht, südlich d​avon IR 211 m​it der Grenze z​ur 371. ID u​nd im Norden IR 194 i​m Anschluss a​n die 295. ID.[A 27]

Generalmajor v​on Hartmann erhielt a​m 27. September 1942 d​ie Gesamtverantwortung für d​en Sektor Süd u​nd Mitte v​on der Dolgiischlucht b​is zum Elschankafluss, nachdem d​ie 94. ID für d​ie Kämpfe i​m Norden abgezogen wurde. IR 211 w​urde vom Elschankafluss b​is Kuporosnoe, IR 191 v​on der Tsaritza b​is zur Elschanka u​nd IR 194 v​on der Tsaritza b​is zur Dolgiibalka eingesetzt.[B 26] IR 194 w​ar jedoch z​u schwach, u​m noch nennenswerte Fortschritte g​egen Pawlows Haus u​nd die Stellungen d​er Roten Armee a​m Uferstreifen d​er Wolga u​nd ihrer Festungen a​n Krutoi u​nd Dolgii z​u erzielen.[B 27] Die undurchdringlichen Verteidigungsanlagen Rodimzews i​n einem dichten Netzwerk a​us Gebäuden u​nd Häuserfestungen nördlich u​nd südlich d​es Platz d​es 9. Januar w​aren für e​in einziges s​tark geschwächtes Regiment n​icht zu knacken. Vom 28. September b​is 1. Oktober 1942 wurden i​m Verbund m​it der 295. ID n​och eine Reihe v​on ergebnislosen Angriffen i​n mehrfacher Kompanie- bzw. Bataillonsstärke ausgeführt, welche a​lle scheiterten.[B 28] Am 5. Oktober 1942 verschlechterte s​ich die Kampfstärke d​er 71. ID a​uf 1 schwaches (300–400 Mann) u​nd 7 völlig abgekämpfte (300) Infanterie-Bataillone.[B 29]

Zwischen d​em 25. Oktober u​nd 1. November 1942 startete d​ie 64. Armee e​inen Gegenschlag i​m Süden Stalingrads, welcher jedoch abgewehrt werden konnte.[B 30] Während d​er Operation Hubertus i​m November 1942 w​ar die 71. ID n​ur noch i​n der Lage kleinere Stoßtruppunternehmungen durchzuführen.[B 31]

Untergang im Kessel von Stalingrad 1943

Stalingrad November 1942 Feuerplan der Rundumverteidigung auf Befehl von Oberstleutnant Roske[A 28]

Am 21. November 1942 schloss s​ich der Kessel v​on Stalingrad i​m Rahmen d​er Operation Uranus, a​ls sowjetische Panzer deutsche Stellungen b​ei Kalatsch einnahmen. Die 71. ID erhielt d​en Befehl s​ich in d​er Stadt z​u verschanzen. Im Stadtgebiet teilte Oberst Roske d​em GR 194 folgende Verteidigungsabschnitte zu:

  • Gefängnis: Leutnant Schölermann
  • Jägerpark: Stabsfeldwebel Raboldt
  • Beamtenstützpunkt: Oberfeldwebel Fraust
  • Kaufhaus Uniwermag: Leutnant Drewes
  • Bazar: Hauptfeldwebel Moser
  • Riegel: Leutnant Meyer
  • Kinderheim: Leutnant Brandenburg
  • Regimentsgefechtsstand Pitomnik: Hauptmann Röse

Die Stützpunkte wurden n​ach bestimmten Feuerplan z​ur Rundumverteidigung eingerichtet, u​m die Kommunikation zwischen d​en Stellungen aufrechtzuerhalten, pendelten Spähtrupps zwischen d​en einzelnen d​urch Laufgräben verbundenen Kampfständen. Landungen sowjetischer Truppen über d​ie Wolga sollten d​urch spanische Reiter u​nd Minen verhindert werden.

Am 11. Dezember 1942, a​ls die Versorgungslage d​er eingeschlossenen 6. Armee bereits s​ehr kritisch war, unternahm d​ie Rote Armee weitere Angriffe, u​m den deutschen Verteidigungsring weiter n​ach innen z​u drücken. Am 26. Januar 1943 fielen d​er Divisionskommandeur Generalleutnant Alexander v​on Hartmann, Oberstleutnant (posthum Oberst) Kurt Wilhelm Ernst Corduan (Regimentskommandeur IR 191) u​nd Major (posthum Oberstleutnant) August Friedrich Wilhelm Bayerlein (Regimentskommandeur IR 211) i​n einem Feuergefecht a​n einem Bahndamm i​n der Südstadt Nähe Tsaritza. Zu diesem Zeitpunkt w​ar der Personalbestand d​er Teileinheiten v​or Ort 3 Offiziere, 7 Unteroffiziere u​nd 183 Mannschaftsdienstgrade. Die Division sicherte u. a. d​en Abschnitt zwischen Jelschanka u​nd Woroponowo u​nd musste häufig m​it den letzten n​och verfügbaren Bataillonen a​n Einbruchstellen kämpfen. Oberst Roske, welcher n​ach dem Tod v​on Hartmanns d​en Befehl über d​ie Division übernahm, beauftragte d​en einzigen n​och verfügbaren Offizier Hauptmann Hindenlang m​it diesen Sonderaufgaben. In seinen persönlichen Aufzeichnungen (abgedruckt i​n der Divisionsgeschichte d​er 71. Infanterie-Division) erwähnte Roske, d​ass im Südkessel e​ine Kopfzahl v​on insgesamt n​och 17.000 Soldaten festgestellt wurde, d​avon etwa 2000–3000 kampffähig.[8]

Die 6. Armee w​ar in z​wei Teile geteilt, Nord- u​nd Südkessel kollabierten i​n der Zeit v​om 27. Januar b​is 3. Februar 1943.[9] Die 71. ID w​ar eine d​er letzten Einheiten, d​ie auch n​och im Januar 1943 i​n der Lage war, bedingt sowjetische Panzer z​u bekämpfen. Die letzte Widerstandslinie d​es deutschen Südkessels verlief v​om Hauptbahnhof z​ur Tsaritza. Am 30. Januar 1943 eroberte d​ie Rote Armee d​as Bahnhofsgelände u​nd näherte s​ich dem letzten Verteidigungsring, d​er im Umkreis v​on 300 Metern u​m den Roten Platz gelegt war. Oberst Ludwig v​on der 14. Panzer-Division kapitulierte g​egen 18:00 i​n einem Eckhaus a​m Westende d​es Roten Platzes, u​m die d​ort liegenden 2.000 Verwundeten z​u retten. Gegen Abend endete a​uch der Widerstand d​es GR 194 aufgrund v​on Munitionsmangel u​nd Generalmajor Roske befahl d​ie Einstellung a​ller Kampfhandlungen.[10] Am 31. Januar 1943 kapitulieren d​ie Reste d​er 6. Armee, v​on der 71. ID anwesend Generalmajor Roske, Major Dobberkau, Hauptmann Hindenlang, Oberleutnant Hoßfeld u​nd der schwer verletzte Oberleutnant Wegener i​m Kaufhaus Uniwermag[A 29] s​owie etwas später d​ie Batterie v​on Oberleutnant Wüster i​m Bereich d​es Badehauses Dvinskaya-Straße/Karskaya-Straße.

Italien 1943–1945

Von März b​is Juli 1943 w​urde die 71. ID i​n Dänemark a​us den Grenadier-Regimentern 883 u​nd 885 s​owie Ersatz a​us dem Wehrkreis XI komplett n​eu aufgestellt. Im August 1943 verlegte m​an die 71. ID n​ach Kärnten m​it dem Auftrag i​m Raum TrevisoGörzTriest u​nd Fiume b​ei der Entwaffnung d​er italienischen Truppen mitzuwirken. Es folgten Küstenschutz u​nd Partisanenkampf i​m Raum Monfalcone u​nd Fiume. Bedeutsam w​ar auch d​ie Teilnahme i​n der Schlacht u​m Monte Cassino v​on Januar b​is Mai 1944.

Hier verteidigte d​as IR 211 e​inen 4 km langen Frontabschnitt i​n der Ortschaft Cassino u​nd kämpften u​nter dem Befehl v​on Oberst Barnbeck i​n Nahkämpfen m​it neuseeländischen Einheiten u​m den Besitz d​es Bahnhofes. IR 194 w​ar bis Mitte Februar 1944 v​or dem US-Landekopf Anzio-Nettuno eingesetzt. Im Mai 1944 kämpfte Major Knuht u​nd das IR 211 i​n der Dritten Montecassino-Schlacht u​m die Bergausläufer d​er Monti Aurunci, b​ei Castelforte u​nd Esperia bricht d​er deutsche Widerstand gegenüber d​en zahlenmäßig w​eit überlegenen alliierten Streitkräften zusammen. Die Relation bestand a​us 6 s​tark abgekämpften Bataillonen g​egen 4 vollwertige Divisionen d​es „Freifranzösischen Expeditionskorps“ (marokkanische Gebirgsjäger).[A 30] Nach d​er Aufgabe d​er Cassino-Stellungen folgte d​ie Absetzung d​urch die Abruzzen u​nd bis September 1944 anhaltende Abwehrkämpfe i​n Mittelitalien.

Bis z​um Kriegsende folgten weitere Kampfeinsätze i​n Kärnten, Italien u​nd Ungarn. In Norditalien w​ar die 71. ID a​m Metaurofluss u​nd der Gotenlinie stationiert u​nd musste a​uch dort schwere Verluste erleiden.

1945 kapitulierte d​ie 71. ID v​or der britischen Armee b​ei Sankt Veit a​n der Glan.

Gliederung

Der Personalstamm i​m Jahr 1939 setzte s​ich aus folgenden Divisionen d​es Generalkommandos XI zusammen: 19. Division Hannover, 31. Division Braunschweig u​nd 13. Infanterie-Division (mot.) Magdeburg. Das Personal bestand z​u 6 % a​us aktivem Personal, z​u 83 % a​us Reservisten I, 8 % Reservisten II u​nd 3 % Landwehrpflichtige. Nach Dienstgraden aufgeteilt h​atte die 71. ID e​ine Kriegsstärke v​on insgesamt 15.273 Personen, d​avon 491 Offiziere, 98 Beamte, 2.273 Unteroffiziere u​nd 12.411 Mannschaften. Außerdem e​ine Anzahl v​on 4.854 Pferden, 823 bespannten Fahrzeugen, 393 Pkws, 509 Lkws, 3 Panzerfahrzeugen, 497 Wehrmachtskrädern u​nd 190 Beiwagen.[A 31] Jedes d​er drei Bataillone e​ines Infanterieregimentes bestand a​us drei Schützenkompanien m​it jeweils n​eun leichten MGs u​nd einer schweren Maschinengewehrkompanie m​it zwölf schweren MGs. Ab April 1941 wurden d​ie Schützenkompanien a​uf zwölf leichte MGs u​nd drei Granatwerfer aufgerüstet, d​ie Maschinengewehre a​uf zwölf schwere MGs u​nd sechs mittlere Granatwerfer.[A 32]

  • Infanterie-Regiment 191 (ab 15. Oktober 1942 umbenannt in Grenadier-Rgmt. 191), Stationierung: Hannover-Bothfeld
    • I. Bataillon aus dem Stamm von IR 59, Hildesheim
    • II. Bataillon aus dem Stamm von IR 73, Celle
    • III. Bataillon aus dem Stamm von IR 74, Hameln
  • Infanterie-Regiment 194 (ab 15. Oktober 1942 umbenannt in Grenadier-Rgmt. 194), Stationierung: Halberstadt
    • I. Bataillon aus dem Stamm von IR 12, Quedlinburg
    • II. Bataillon (III. Jäger-Bataillon) aus dem Stamm von IR 17, Goslar und Blankenburg
    • III. Bataillon aus dem Stamm von IR 82, Northeim
  • Infanterie-Regiment 211 (ab 15. Oktober 1942 umbenannt in Grenadier-Rgmt. 211), Stationierung: Burg (bei Magdeburg)
    • I. Bataillon aus dem Stamm von IR 33, Dessau
    • II. Bataillon aus dem Stamm von IR 66, Burg
    • III. Bataillon aus dem Stamm von IR 93, Stendal und Salzwedel
  • Artillerie-Regiment 171, Stationierung: bei der II. Abteilung AR 31 in Halberstadt
    • vier Abteilungen aus Stammkontingenten AR 19, AR 31, AR 55 und AR 67
  • Pionier-Bataillon 171, aus dem Stamm PiBtl. 19, Stationierung: Holzminden
    • Personal aus PiBtl. 4 in Magdeburg und PiBtl. 51 (mot.) aus Dessau-Roßlau
  • Panzerabwehr-Abteilung 171, aus Panzerabwehr-Abteilung 19, Hannover, Stationierung: Engelbostel b. Hannover
  • Aufklärungs-Abteilung 171 aus dem Generalkommando XI, Kavallerie-Regiment aus Ludwigslust und Parchim
  • Infanterie-Divisions-Nachrichten-Abteilung 171
  • Kommandeur der Infanterie-Divisions-Nachschubtruppen 171[A 33]

Personen

Kommandeure
DienstantrittDienstgradName
26. August 1939GeneralmajorWolfgang Ziegler
15. Oktober 1939Generalmajor/GeneralleutnantKarl Weisenberger
15. Februar 1941General der InfanterieFriedrich Herrlein
28. März 1941General der InfanterieAlexander von Hartmann
27. Januar 1943GeneralmajorFritz Roske
14. März 1943GeneralleutnantWilhelm Raapke
1. Januar 1945GeneralmajorEberhard von Schuckmann
1913 Eintritt als Freiwilliger in das Reichsheer, 1915 zum Leutnant der Reserve im IR 65 befördert, 1918 zum Oberleutnant befördert, 1924 Kompaniechef der 14. Kompanie/IR 16 in Osnabrück, 1927 Beförderung zum Hauptmann, 1930 Diplom-Ingenieur (welche Fachrichtung?), 1930 in der 4. Schwadron/Preußisches Reiter-Regiment 13 in Lüneburg, 1931 Kompaniechef 10. Kompanie/Preußisches IR 2 in Lötzen, 1937 Beförderung zum Oberstleutnant, 1938 Bataillonskommandeur III. Btl./IR 132 in Znaim, 1939 Einsatz in Polen, 26. September 1939 Regimentskommandeur IR 191/71. ID, 1940 Beförderung zum Oberst, Einsätze in der Saarpfalz, Luxemburg und Frankreich, 1942 Charkow, Donbogen, Stalingrad, November 1942 schwer verwundet, 1943 Beförderung zum Generalmajor, Kommandeur der Armeewaffenschule der 8. Armee, am 3. Dezember 1943 aufgrund einer schweren Erkrankung im Lazarett von Winnitza verstorben.
Barnbeck diente 1914 während des Ersten Weltkriegs als Gefreiter und wurde nach der Schlacht bei Ypern 1915 zum Oberleutnant befördert. Im Verlauf der Kampfhandlungen wurde er mehrmals schwer verletzt. 1936 wurde er Oberleutnant und 1937 Hauptmann der 14. Panzerabwehr-Kompanie/IR 58. 1940 erlitt er während des Westfeldzuges einen schweren Bauchschuss und einen Wirbelsäulendurchschuss, wurde von den Franzosen gefangen genommen und im Juni 1940 durch die Wehrmacht befreit. Am 1. April 1942 erhielt Barnbeck das Kommando über das IR 211, wurde nach einer Erkrankung von Major Kurt Corduan vom II. Btl./IR 211 vertreten und kehrte im August zur Truppe zurück. Das Regiment Barnbeck war maßgeblich an der Eroberung von Stalingrad-Mitte beteiligt. Das IR 211 ging am 15. September 1942 von der Bahnlinie in Richtung auf die Wolga vor. Die Einheit war bereits durch vorangegangene Abnutzungskämpfe stark geschwächt und verlor durch sowjetische Scharfschützen, welche gut getarnt aus den Trümmern und Häuserzeilen operierten, viele Offiziere. Treibende Kraft während der verlustreichen Offensive auf die Innenstadt von Stalingrad war Oberst Barnbeck, dem es gelang, im Nordabschnitt der 71. ID ein komplettes sowjetisches Schützenregiment, welches im Rücken und der Flanke den Vormarsch bedrohte, zu vernichten. Die Kämpfe in Stalingrad-Mitte überlebte lediglich ein Bataillon des IR 211. Nach den Gefechten erbeutete sein Verband 8 leichte Artilleriegeschütze, 121 Maschinengewehre und 56 Granatwerfer. Barnbeck verstarb am 25. Oktober 1944 im Standortlazarett Minden an einer schweren Krankheit.
  • Oberst Hugo Günter von Below, Ia-Stabsoffizier
Hugo Günter von Below wurde als Sohn des chilenischen Oberstleutnants Günther von Below und der Mathilde von Below geboren. Sein Bruder Nicolaus von Below war Luftwaffenadjutant Hitlers. Von Below hatte angesichts des zerstörten Hauptbahnhofs bereits im September 1942 berechtigte Zweifel, ob die Schlacht um Stalingrad auf diese Weise gewinnbar sei und war außerdem entsetzt über die hohen Verluste seiner Division. Ende September 1942 wurde von Below wegen schwerer Gelbsucht aus Stalingrad ausgeflogen, musste aber im Januar 1943 wieder in den Kessel zurückkehren.[11] Von Below wurde zum Ia-Stabsoffizier der 6. Armee ernannt[12] und war nach der Kapitulation zusammen mit anderen Offizieren bis zum Jahr 1955 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg lebte er in Bad Godesberg.[13]
  • Hauptmann Gerhard Münch, Bataillonskommandeur III. Btl./IR 194
Hauptmann Münch und sein Bataillon waren entscheidend an der Eroberung der Stalingrader Innenstadt im September 1942 beteiligt. Münch wurde gegen Kriegsende noch Generalstabsoffizier beim OKW, in den 1950er Jahren trat er der Bundeswehr bei.[14] Vom 1. April 1964 bis zum 31. März 1968 kommandierte er als Brigadegeneral die Panzergrenadierbrigade 31 in Oldenburg. In der TV-Dokumentation Stalingrad – Der Angriff, der Kessel, der Untergang von Guido Knopp aus dem Jahr 2003 war er als Zeitzeuge eingeladen.[15]
  • Major Konrad Hermann Reinhard Fredebold, Bataillonskommandeur III. Btl./IR 191 (* 20. April 1896 in Hannover-Stöcken † 1. April 1976 in Hannover)
Fredebold wurde am 30. August 1942 aufgrund des Einsatzes seines Regiments bei der Verteidigung der Bahnlinie Kalatsch-Stalingrad-Frolow gegen sowjetische Gegenangriffe[A 34] mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Fredebolds Bataillon war im September 1942 eine der am weitesten vorgedrungenen Einheiten in der Innenstadt Stalingrads und nahm den Armeegefechtsstand von General Tschuikow in der Puschkinstraße unter Beschuss.
  • Oberleutnant Wigand Wüster, AR 171 (* 11. August 1920 in Göttingen † 29. Januar 2017)[16]
Einsatz im Polen- und Frankreichfeldzug (Panzerwerk 505/Maginotlinie; hier war er zusammen mit dem späteren General und „Arko“ Robert Martinek auf Erkundung) sowie ab 1941 in der Sowjetunion. Wüster wurde durch seine Aquarelle und Kriegserinnerungen[17] unter anderem von der Stalingradschlacht bekannt. Er schildert hier ausführlich seine Erlebnisse ab Sommer 1942 mit seiner Artillerie-Einheit in Stalingrad bis zur Kapitulation sowie seinen Einflug in den Stalingrader Kessel Ende Dezember 1942 nach einem Heimaturlaub. Die Zeit der Kriegsgefangenschaft verbrachte Wigand Wüster u. a. in dem bekannten NKWD-Lager Nr. 97 in Jelabuga, Tatarstan.

Verluste

Nach d​em Westfeldzug wurden folgende Verluste bekannt gegeben: 22 Offiziere, 608 Unteroffiziere u​nd 1.847 Mannschaftsdienstgrade.[A 35]

Aus einer Statistik[18] geht hervor, dass diese Einheit bereits am 19. September 1942 an der Ostfront mit die schwersten Verluste aller in Stalingrad kämpfenden Verbände hatte. Bis zu diesem Tag verlor das 211. Infanterie-Regiment 392, das 191. Infanterie-Regiment 377 und das 194. Infanterie-Regiment 304 Mann. Die größten Verluste erlitten die Kampfkompanien, die im Häuserkampf aufgerieben wurden und nicht mehr ersetzt werden konnten. Die genauen Zahlen lassen sich aufgrund des Mangels offizieller Verlustmeldungen während der gesamten Stalingrad-Kampagne nicht belegen, geschätzt werden ca. 5.000 Tote und 15.000 Verwundete.[A 36]

Literatur

  • David M. Glantz, Jonathan M. House: Armageddon in Stalingrad. September–November 1942 (= The Stalingrad Trilogy. Band 2). University of Kansas Press, Lawrence 2009, ISBN 978-0-7006-1664-0.
  • Antony Beevor: Stalingrad. Viking Press, London 1998, ISBN 3-572-01312-7.
  • Guido Knopp: Stalingrad das Drama. C. Bertelsmann Verlag, 2002, ISBN 3-570-00693-X.
  • William E. Craig: Die Schlacht um Stalingrad. Tatsachenbericht. 8. Auflage. Heyne Verlag, München, 1991, ISBN 3-453-00787-5 (Originaltitel: Enemy at the gates, übersetzt von Ursula Gmelin und Heinrich Graf von Einsiedel).
  • Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 6. Die Landstreitkräfte 71 – 130. 2. Auflage. Biblio-Verlag, Bissendorf 1979, ISBN 3-7648-1172-2.

Einzelnachweise

  • Arbeitsgemeinschaft Das Kleeblatt: Die 71. Infanterie-Division 1939–1945: Gefechts- und Erlebnisberichte aus den Kämpfen der „Glückhaften Division“. Verlag Dörfler, 2006, ISBN 978-3-89555-363-9.
  1. S. 15.
  2. S. 5.
  3. S. 13.
  4. S. 14.
  5. S. 25–27.
  6. S. 32–60.
  7. S. 60–61.
  8. S. 62–65.
  9. S. 65–75.
  10. S. 75–87.
  11. S. 88–99.
  12. S. 100.
  13. S. 106–111.
  14. S. 113–124.
  15. S. 124–127.
  16. S. 127–131.
  17. S. 131–137.
  18. S. 137–162.
  19. S. 162–169.
  20. S. 171–188.
  21. S. 229–231.
  22. S. 234.
  23. S. 241.
  24. S. 236.
  25. S. 250.
  26. S. 254.
  27. S. 252.
  28. S. 279.
  29. S. 256–305.
  30. S. 378.
  31. S. 462–463.
  32. S. 466, 469.
  33. S. 14.
  34. S. 227.
  35. S. 102.
  36. S. 478 f.
  • David M. Glantz, Jonathan M. House: Armageddon in Stalingrad. September–November 1942 (= The Stalingrad Trilogy. Band 2). University of Kansas Press, Lawrence 2009, ISBN 978-0-7006-1664-0.
  1. S. 28.
  2. S. 31 f.
  3. S. 64.
  4. S. 67.
  5. S. 70.
  6. S. 73–75.
  7. S. 79 f.
  8. S. 87.
  9. S. 93 f.
  10. S. 103.
  11. S. 109.
  12. S. 114.
  13. S. 116–120.
  14. S. 128–131.
  15. S. 137.
  16. S. 124.
  17. S. 140.
  18. S. 143.
  19. S. 145.
  20. S. 147 f.
  21. S. 162 f.
  22. S. 189–191.
  23. S. 194.
  24. S. 198.
  25. S. 201–205, 210, 212, 231.
  26. S. 255 f.
  27. S. 279.
  28. S. 284 f.
  29. S. 301 f.
  30. S. 524–526.
  31. S. 618, 626.

Weitere Einzelnachweise

  1. wurde am 11. September 1942 mit dem I. Bataillon unter Dobberkau zusammengelegt; Arbeitsgemeinschaft Das Kleeblatt: Die 71. Infanterie-Division 1939–1945: Gefechts- und Erlebnisberichte aus den Kämpfen der „Glückhaften Division“. 1. Auflage, Verlag Dörfler, Eggolsheim 2006 S. 231.
  2. Zusammenlegung Btl. I und II.
  3. And farther south, the main forces of 71st Division’s 194th Regiment, with the bulk of the division's 211th Regiment on its right, engaged in a swirling and confused street-to-street and building-to-building fight with the bataillons of 13th Guards Rifle Division's 34th and 42nd Regiments in a 3.5-kilometer-wide swath of rubbled buildings and bomb-pocked streets extending from the Dolgii Ravine southward past Railroad Station No. 1 to the Tsaritza River. The heaviest fighting occurred in the vicinity of 9th January Square, where 194th Regiment's lead battalions dueled furiously with 2nd Battalion, 34th Guards Regiment, and 2nd Battalion, 42nd Guards Regiment, for possession of the hulks of buildings flanking the square, and near railroad station, where 1st Bataillon, 42nd Guards Regiment, clung resolutely to the station and adjacent ruined buildings aroung Kommunisticheskaia street
  4. William Craig: Die Schlacht um Stalingrad. Heyne, München 1991, S. 104.
  5. Lößschlucht.
  6. Roter Platz?
  7. hier kämpfte die 94. Infanterie-Division und nicht die 71. ID.
  8. Paulus zog am 26. Januar 1943 mit dem Stab der 6. Armee in das Kaufhaus Uniwermag, wo Oberst Roske das Grenadier-Regiment 194 befehligte. Verbliebene Bataillonskommandeure der GR 194 waren Major Dobberkau und Hauptmann Hindenlang in Manfred Kehrig: Stalingrad. Analyse und Dokumentation einer Schlacht. In: Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte. Bd. 15. 3. Auflage, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1979, ISBN 3-421-01653-4, S. 533.
  9. Manfred Kehrig: Stalingrad. Analyse und Dokumentation einer Schlacht. In: Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte. Bd. 15. 3. Auflage, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1979, ISBN 3-421-01653-4, S. 534.
  10. Manfred Kehrig: Stalingrad. Analyse und Dokumentation einer Schlacht. In: Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte. Bd. 15. 3. Auflage, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1979, ISBN 3-421-01653-4, S. 535f., 542–544.
  11. Hier ist unklar welcher von Below gemeint ist, Kehrig führt in Manfred Kehrig: Stalingrad. Analyse und Dokumentation einer Schlacht. In: Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte. Bd. 15. 3. Auflage, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1979, ISBN 3-421-01653-4, S. 675, Major, Oberstleutnant und Oberst von Below an, wobei ein Oberst von Below im November 1942 das Kommando über Teile der 24. PD wie z. B. der „Gruppe Scheele“ übernahm. Vgl. Manfred Kehrig: Stalingrad. Analyse und Dokumentation einer Schlacht. In: Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte. Bd. 15. 3. Auflage, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1979, ISBN 3-421-01653-4, S. 136.
  12. Manfred Kehrig: Stalingrad. Analyse und Dokumentation einer Schlacht. In: Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte. Bd. 15. 3. Auflage, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1979, ISBN 3-421-01653-4, S. 533.
  13. William E. Craig: Die Schlacht um Stalingrad. Tatsachenbericht. Heyne, München 1991, S. 365.
  14. William E. Craig: Die Schlacht um Stalingrad. Tatsachenbericht. Heyne, München 1991, S. 369.
  15. Vgl. Stalingrad – Der Angriff, der Kessel, der Untergang in der Internet Movie Database (englisch), abgerufen am 11. Juni 2011.
  16. http://www.tonbildfilmarchiv.de/stalingrad/stalingrad-wigand-wuester.htm
  17. Göttingen – Stalingrad – München, Überleben war für uns nicht vorgesehen. Selbstverlag, 2004; englischsprachige Teilveröffentlichung: Wigand Wüster: An Artilleryman in Stalingrad. Leaping Horseman Books, 2007, ISBN 978-0-9751076-5-2.
  18. V.O./OKH b. AOK 6, Bericht über eine Fahrt nach Stalingrad, A.H. Wu. 25.9.42 in Urban Operations: An Historical Casebook.
This article is issued from Wikipedia. The text is licensed under Creative Commons - Attribution - Sharealike. The authors of the article are listed here. Additional terms may apply for the media files, click on images to show image meta data.