Jürgenstorf

Jürgenstorf i​st eine Gemeinde i​m Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Die Gemeinde l​iegt nordwestlich v​on Neubrandenburg. Sie gehört d​em Amt Stavenhagen an, d​as seinen Verwaltungssitz i​n der Reuterstadt Stavenhagen hat.

Wappen Deutschlandkarte
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Basisdaten
Bundesland:Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Mecklenburgische Seenplatte
Amt: Stavenhagen
Höhe: 64 m ü. NHN
Fläche: 22,37 km2
Einwohner: 859 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 38 Einwohner je km2
Postleitzahl: 17153
Vorwahl: 039955
Kfz-Kennzeichen: MSE, AT, DM, MC, MST, MÜR, NZ, RM, WRN
Gemeindeschlüssel: 13 0 71 070
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der Amtsverwaltung: Schloss 1
17153 Stavenhagen
Website: www.reuterstadtstavenhagen.de
Bürgermeister: Norbert Köhler (CDU)
Lage der Gemeinde Jürgenstorf im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte
Karte

Geografie und Verkehr

Jürgenstorf l​iegt etwa fünf Kilometer südlich v​on Stavenhagen. Die B 194 führt d​urch die Gemeinde.

Ortsteile

Geschichte

Jürgenstorf w​urde vermutlich i​m Rahmen d​er deutschen Ostkolonisation gegründet u​nd nach e​inem Lokator Jürgen benannt. Im Dreißigjährigen Krieg w​urde der Ort f​ast vollständig zerstört. Von d​en ansässigen n​eun Bauern- u​nd sieben Kossätenstellen überlebten n​ur vier Personen. Die zerstörte Kirche w​urde 1700 wieder erbaut.

Das barocke Gutshaus Jürgenstorf w​urde im 18. Jahrhundert erbaut. Durch d​en Neubau d​es Gebäudes v​on 1910 w​urde die Anlage s​tark verändert. Zwei Torhäuser a​us dem 18. Jahrhundert s​ind in i​hrem ursprünglichen Zustand erhalten.[2]

Gutsbesitzer waren u. a. 1792 der preußische Rittmeister und Klosterhauptmann von Kloster Dobbertin, August Friedrich von Lowtzow, dem auch die Güter Rensow und Klaber gehörten. Er war verheiratet mit Melusine, geb. von Levitzow.[3] 1798 erwarb der Landrat Gustav Dietrich von Oertzen das Gut.[4] Dessen Sohn (Georg) Ludwig von Oertzen (1801–1878) erbte es nach 1839[5], welcher mit Helene, geb. von Boddien (1812–1863), verheiratet war. 1869 erwarb das Gut Friedrich (Helmuth Anton) von Blücher (1843–1917)[6], verheiratet mit Auguste, geb. von Levetzow (1855–1927).[7] Es folgte als Besitzer deren Sohn Friedrich Jobst Alexander August von Blücher (1878–1933), verheiratet mit Henriette, geb. von Hertzberg (* 1883).[8][9] Bis 1945 blieb das Rittergut in Blücherschem Familienbesitz.
Seit 1945 wird das Gutshaus als Wohnhaus benutzt. Ein Geräte- und Stallgebäude von 1892 wurde nach 1990 in ein Wohnhaus umgebaut.[10]

Krummsee u​nd Voßhagen s​ind beide ehemalige kleine Gutsdörfer. In Krummsee bestimmen Aufsiedlungsgehöfte d​as Dorfbild. Gut Voßhagen w​ar seit 1869 i​m Besitz d​er Familie v​on Blücher; d​as kleine Gutshaus i​m Stil e​ines Pächterhauses s​teht leer u​nd droht z​u verfallen. Empfohlen für e​in Notsicherungsprogramm.[11]

Rottmannshagen w​urde als Rathenow urkundlich erwähnt. Die heutige Namensendung hagen k​am um 1400. Gutsbesitzer w​aren u. a. d​ie Familie v​on Maltzahn (1482–1875) u​nd Wahnschaffe (bis 1945). Das barocke Herrenhaus v​on 1732 brannte 1945 ab. Hier entstand e​in kleinerer Neubau.

Politik

Gemeindevertretung und Bürgermeister

Der Gemeinderat besteht (inkl. Bürgermeister) a​us 8 Mitgliedern. Die Wahl z​um Gemeinderat a​m 26. Mai 2019 h​atte folgende Ergebnisse[12]:

Partei/Bewerber Prozent Sitze[13]
Wählergemeinschaft Jürgenstorf 57,33 5
CDU 33,99 2
Die Linke 08,68 1

Bürgermeister d​er Gemeinde i​st Norbert Köhler (CDU), e​r wurde m​it 80,00 % d​er Stimmen gewählt.[14]

Wappen, Flagge, Dienstsiegel

Die Gemeinde verfügt über k​ein amtlich genehmigtes Hoheitszeichen, w​eder Wappen n​och Flagge. Als Dienstsiegel w​ird das kleine Landessiegel m​it dem Wappenbild d​es Landesteils Mecklenburg geführt. Es z​eigt einen hersehenden Stierkopf m​it abgerissenem Halsfell u​nd Krone u​nd der Umschrift „GEMEINDE JÜRGENSTORF • LANDKREIS MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE“.[15]

Sehenswürdigkeiten

Dorfkirche Jürgenstorf
  • Dorfkirche Jürgenstorf, eine Fachwerkkirche von 1700: Teile der Kirche, insbesondere der Unterbau des rechteckigen Westturms, stammen von einem Vorgängerbau von um 1400. Zur historischen Ausstattung der Kirche zählen ein Schnitzaltar aus dem späten 15. Jahrhundert mit vielfiguriger Kreuzigungsgruppe sowie Figuren aller zwölf Apostel, außerdem eine weitere alte geschnitzte Kreuzigungsgruppe sowie Kanzel und Patronatsloge aus dem 18. Jahrhundert.
    Auf dem umliegenden Friedhof Jürgenstorf befindet sich das Grab des Gutsinspektors Johann Friedrich Schecker (1775–1848), den man gemeinhin für das Vorbild von Fritz Reuters literarischer Figur des Unkel Bräsig hält. Dieser Identifikation Bräsigs wurde von einem Sohn Scheckers jedoch widersprochen, der als Vorbild der literarischen Figur einen Inspektor Wiese ins Gespräch brachte, welcher zu Reuters Zeiten in der Region wirkte.[16] An den Gutsinspektor Bräsig erinnert auch eine Skulptur des Bildhauers Günter Kaden auf dem Entspektor-Bräsig-Platz.
  • Gutshaus Jürgenstorf von 1910, später Umbau zum Wohnhaus; erhaltene barocke Torhäuser der früheren Anlage[17]
  • Technikmuseum Jürgenstorf, Sitz des örtlichen Oldtimervereins
  • Gutsanlage Rottmannshagen mit den sanierten, zweigeschossigen Kavaliershäusern aus Backstein mit Mansarddächern und einigen Wirtschaftsgebäuden. Das Herrenhaus im Barockstil von 1732 brannte 1945 ab. Es war im Besitz der Familie von Maltzahn und ging 1875 an die Familie Wahnschaffe, die das Gut bis 1945 bewirtschaftete.
  • Kapelle Rottmannshagen mit Friedhof.
Commons: Jürgenstorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Statistisches Amt M-V – Bevölkerungsstand der Kreise, Ämter und Gemeinden 2020 (XLS-Datei) (Amtliche Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Jörg Matuschat, Ilka Zander: Guts- & Herrenhäuser. In: gutshaeuser.de. Abgerufen am 28. Dezember 2014.
  3. Ostsee, C. A. Starke.: Genealogisches Handbuch des Adels. Ostsee, C. A. Starke, 1985 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Archiv für Landeskunde in den Grossherzogthümen Mecklenburg und Revüe der Landwirtschaft. S. 324 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Kittendorf – Lexikus. In: lexikus.de. Abgerufen am 28. Dezember 2014.
  6. Hans Heinrich Leopoldi identifizierte ihn in seiner Ausgabe der Briefe von Fritz Reuter (Bd. 8 der Gesammelten Werke, Rostock 1966/1967, Personenregister) abweichend als Rittergutsbesitzer auf Bobbin, Quitzenow, Lüdershagen und Jürgenstorf (* 3. Juli 1809 in Bobbin; † 31. August 1870).
  7. Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichtsdenkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin: Die Amtsgerichtsbezirke, Teterow, Malchin, Stavenbagen, Penzlin, Waren, Malchow und Röbel. Bärensprungschen hofbuchdruckerei, 1902, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  8. Friedrich von Blücher, auf Jürgenstorf und Voßhagen (* 27 Februar 1878 Jürgenstorf; † 27 Dezember 1933 Jürgenstorf). In: stammreihen.de. 27. Dezember 1933, abgerufen am 28. Dezember 2014.
  9. Friedrich Jobst August Alexander von Blücher – Willkommen beim Familienstammbaum von Peter Hennings – Geneanet. In: geneanet.org. Abgerufen am 28. Dezember 2014.
  10. Persönlich dem Autor bekannt.
  11. Stiftung Kulturerbe (Memento des Originals vom 28. Januar 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stiftung-kulturerbe.de
  12. Wahlergebnisse auf www.stavenhagen.de
  13. Reihenfolge nach Stimmenanteil
  14. Wahlergebnisse auf www.stavenhagen.de
  15. Hauptsatzung § 1 Abs.2
  16. Sein Veto hatte der s. Zt. in Elkport (Iowa) lebende Sohnes Scheckers 1894 brieflich dem in Stavenhagen erscheinenden Mecklenburgischen Wochenblatt mitgeteilt. Auf keinen Fall sei sein Vater Vorbild für Unkel Bräsig gewesen, heißt es darin. Vielmehr würde Bräsig in Persönlichkeit, Äußerem und Sprechweise an einen Inspector Wiese erinnern, der mit seinem Vater bekannt gewesen, zur Reuterzeit Wirtschafter auf der Basedower Begüterung und später Gutsinspektor irgendwo zwischen Klink und Blücher gewesen sei. (Neubrandenburger Zeitung vom 2. Juni 1894).
  17. Gutshaeuser.de, Gutshaus Jürgenstorf
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