Hochstift Worms

Das Hochstift Worms w​ar der weltliche Herrschaftsbereich d​er Wormser Bischöfe u​nd ein Reichsstand d​es Heiligen Römischen Reiches.

Geschichte des Hochstifts Worms

Bistumspatron St. Petrus mit Wormser Bistumswappen, am Bischofshof Ladenburg; heutiges Lobdengau-Museum
Hochstift Worms mit freier Reichsstadt Worms 1791

Die Vogtei des Bistums Worms, verbunden mit dem Amt des Burggrafen, lag bis 1156 bei den Grafen von Saarbrücken und gelangte dann an die Pfalzgrafen bei Rhein. Obwohl der Bischof im Verlauf der Stauferzeit eine große Bedeutung hatte, gelang ihm auf Dauer nur der Erwerb eines kleinen Herrschaftsgebietes, dessen Residenz 1400 Ladenburg wurde. Als Fürstbischof war der Bischof von Worms mit einer Virilstimme im Reichsfürstenrat vertreten. Das nach und nach immer mehr verkleinerte und nur aus Exklaven bestehende Staatsgebiet umfasste ab dem 18. Jahrhundert lediglich noch 15 linksrheinische und 3 rechtsrheinische Dörfer im Umkreis von Worms. Im Jahr 1798 fielen die linksrheinischen Güter, zuletzt mit acht Quadratmeilen und 20.000 Einwohnern, die etwa 8.500 Gulden an Jahreseinkommen umfassten, an Frankreich. Die rechtsrheinischen Gebiete gelangten 1803 an Baden und Hessen-Darmstadt.

Besitz im Mittellahngebiet (Mittelhessen)

Fernab v​on Worms w​ar dem Hochstift i​n Mittelhessen (siehe Abschnitt Geschichte) i​m ehemaligen Lahngau umfangreicher Besitz v​on den Kaisern zugeteilt worden. So übertrug 993 d​ie Vormundschaftsregierung d​es minderjährigen Königs Otto III. d​as Stift Weilburg m​it dem zugehörigen Besitz u​nd den Rechten a​n den Wormser Bischof Hildibald, d​en Leiter d​er königlichen Kanzlei, q​uasi als Entschädigung dafür, d​ass das Bistum Worms i​n der Umgebung v​on Worms u​nd im Pfälzer Wald gegenüber d​em Salierherzog Otto h​atte zurücktreten müssen. Damit w​urde das Bistum Worms z​u einem politischen Faktor i​m Mittellahngebiet. Bis z​um Jahr 1002 k​am fast d​er gesamte Besitz d​es Stiftes Weilburg einschließlich d​er Siedlung Weilburg a​n das Bistum Worms. Weiterer Besitz konzentrierte s​ich um Frankenberg (Eder), Marburg, Gladenbach, Haiger u​nd Nassau.

Dazu schreibt Karl Ernst Demandt i​n Geschichte d​es Landes Hessen:[1]

„Unterstützt von den ottonischen Kaisern hatte das Bistum Worms geradezu das Erbe des konradinischen Herrscherhauses in Mittelhessen angetreten, wie aus den ihm zugewandten, großen Reichsgutkomplexen im 10. und 11. Jahrhundert hervorgeht.
König Konrad schenkte z. B. 914 das große Gebiet der ‚Haigerer Kirche‘ an das Walpurgis-Stift in Weilburg. Kaiser Otto III. gab 993 sogar den gesamten Konradinerbesitz an das Domstift Worms.“

Die Vögte d​es Stiftes Weilburg, d​ie Grafen v​on Nassau, drängten jedoch d​en Einfluss d​es Bistums i​m Mittellahngebiet u​nd im mittelhessischen Raum i​mmer mehr zurück, dehnten d​amit ihren Herrschaftsbereich a​us und festigten ihn.

Im Jahr 1294 erwarb Adolf v​on Nassau, s​eit 1292 deutscher König, d​as Weilburger Vogteigebiet m​it dem Walpurgisstift d​urch Kauf z​u Eigentum. Das Kirchenpatronat verblieb allerdings b​eim Bischof v​on Worms.[2]

Landeseinteilung

Im 18. Jahrhundert w​ar das Land i​n die v​ier Ämter unterteilt, a​uch als Amtskellereien bezeichnet: Lampertheim, Horchheim, Dirmstein u​nd Neuleiningen, z​u denen n​och die Amtsschaffnerei Neuhausen hinzukam.[3][4]

Lampertheim

Rentamt Lampertheim, Sitz der Wormser Amtskellerei

Die Kellerei Lampertheim (auch: Kellerei Stein) h​atte ihren Amtssitz i​m Rentamt i​n Lampertheim[5] u​nd umfasste d​ie Ortschaften:

Horchheim

Bischöfliches Schloss Dirmstein, rechts Amtshaus der Kellerei, links Wirtschaftsgebäude mit Diebsturm
Amtshaus der bischöflichen Kellerei Neuleiningen

Zur Kellerei Horchheim zählten d​ie Dörfer:

Dirmstein

Die Kellerei Dirmstein w​ar beim Bischöflichen Schloss z​u Dirmstein ansässig (das Amtshaus i​st noch erhalten). Für d​ie bischöfliche Kellerei Dirmstein i​st 1774 folgender Personalstand a​n Verwaltungsbeamten nachgewiesen, d​er auch i​n den anderen Bezirken ähnlich gewesen s​ein dürfte: „1 Amtskeller (Amtmann), 1 Amtsschreiber, 1 Oberschultheiß, 2 Gerichtsschreiber u​nd 2 Amtsdiener.“[6] Das Amt Dirmstein umfasste d​ie Gemeinden:

Neuleiningen

Die Kellerei Neuleiningen residierte i​n der Bischöflichen Kellerei Neuleiningen u​nd verwaltete d​ie Dörfer:

Neuhausen

Die Amtsschaffnerei Neuhausen w​ar für d​ie drei i​m 18. Jahrhundert v​on der Kurpfalz a​n das Hochstift abgetretenen Orte zuständig:

Neckarsteinach

Das Amt Neckarsteinach w​ar Kondominat d​es Hochstifts Worms u​nd des Hochstifts Speyer.

Personen

Siehe auch

Literatur

  • Hans Ulrich Berendes: Die Bischöfe von Worms und ihr Hochstift im 12. Jahrhundert. Diss., Universität Köln 1984.
  • Friedhelm Jürgensmeier (Hrsg.): Das Bistum Worms. Von der Römerzeit bis zur Auflösung 1801. (= Beiträge zur Mainzer Kirchengeschichte. Bd. 5). Echter-Verlag, Würzburg 1997, ISBN 3-429-01876-5.
  • Bernhard Löbbert: Über den schriftlichen Nachlass des Lorenz Truchsess von Pommersfelden (1473–1543), in: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 60 (2008), S. 111–132.
  • Ders.: Johannes Gamans (1605–1684) und die Wormser Memorialliteratur, in: Archiv für hessische Geschichte 69 (2011), S. 265–273.
  • Ders.: Geschichtliche Quellen zur Stadt und zum Bistum Worms. Handschriften aus dem Hessischen Staatsarchiv Darmstadt, in: Archiv für hessische Geschichte 62 (2004), S. 293–300.

Einzelnachweise

  1. Karl Ernst Demandt: Geschichte des Landes Hessen. 2. Auflage. Bärenreiter Verlag, Kassel/Basel 1972, ISBN 3-7618-0404-0.
  2. Als unser Kirchspiel noch nicht bestand (Memento vom 13. April 2012 im Internet Archive)
  3. Anton Friedrich Büsching: Neue Erdbeschreibung, 5. Auflage, 3. Teil, Band 1, S. 1143–1147, Hamburg, 1771; (Digitalscan)
  4. Carl Wolff: Die unmittelbaren Theile des ehemaligen römisch-deutschen Kaiserreiches nach ihrer früheren und gegenwärtigen Verbindung, Berlin, 1873, S. 232; (Digitalscan)
  5. Bärbel Jakob: Vom Schloss zum Mietshaus. In: Mannheimer Morgen. 13. August 2010.
  6. Michael Frey: Beschreibung des königlich bayerischen Rheinkreises, Band 2, Speyer, 1836, S. 336; (Digitalscan)
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