Zethlingen

Zethlingen i​st eine Ortschaft u​nd ein Ortsteil d​er Stadt Kalbe (Milde) i​m Altmarkkreis Salzwedel i​n Sachsen-Anhalt.

Zethlingen
Höhe: 34 m ü. NHN
Fläche: 16,72 km²[1]
Einwohner: 192 (31. Dez. 2018)[2]
Bevölkerungsdichte: 11 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2011
Postleitzahl: 39624
Vorwahl: 039009
Zethlingen (Sachsen-Anhalt)

Lage von Zethlingen in Sachsen-Anhalt

Kirche in Zethlingen
Kirche in Zethlingen

Geographie

Das altmärkische Straßenangerdorf Zethlingen m​it Kirche a​uf dem Anger[1] l​iegt etwa n​eun Kilometer nordwestlich v​on Kalbe (Milde). Der Mühlberg i​m Osten i​st etwa 52 Meter hoch.[3] Im Süden fließt d​ie Untermilde, d​ie früher a​b Zethlingen Untere Milde hieß[3], n​ach Osten i​n die Milde.[4]

Ortschaftsgliederung

Zur Ortschaft Zethlingen gehören d​ie Ortsteile Zethlingen u​nd Cheinitz.[5]

Geschichte

Im Jahre 1324 w​urde das Dorf Cethlinge erstmals urkundlich erwähnt, a​ls Agnes Herzogin v​on Braunschweig v​on Albrecht von Alvensleben m​it der Bede a​us Zethlingen belehnt wurde.[6] 1410 w​ird Hinrik Crateke, kerkher t​ho Tzetlinge i​n einer Urkunde genannt.[7] Es g​ab also bereits e​ine Kirche m​it einem Pfarrer. Im Jahr 1473 w​urde dat d​orp zetlinck genannt, a​ls Kurfürst Albrecht v​on Brandenburg Busse, Ludolph u​nd Gebhard von Alvensleben m​it Kalbe, Bismark u​nd anderen Besitzungen belehnt.[8] Weitere Nennungen s​ind 1551 Zedtlingk, 1687 Zetlingen u​nd schließlich 1804 Zethlingen.[1]

Auf d​em Mühlberg s​tand noch a​m Anfang d​es 20. Jahrhunderts e​ine Windmühle, d​ie bereits 1593 erwähnt wurde.[1]

Aus d​er mündlichen Überlieferung berichten Kuhn u​nd Schwartz i​m Jahre 1848 i​n einer Sage darüber, d​ass der Kirchturm z​u Zethlingen k​eine Spitze hat, d​enn „die h​at nämlich einmal e​in Riese m​it einem großen Steine, d​er noch a​uf der Feldmark liegt, v​om Zethlingenschen Mühlenberg abgeworfen“.[9]

Eingemeindungen

Am 25. Juli 1952 wurde die Gemeinde aus dem Landkreis Gardelegen in den Kreis Klötze umgegliedert. Am 1. August 1973 wurde die Gemeinde Cheinitz nach Zethlingen eingemeindet. Mit der Auflösung des Kreises Klötze kam Zethlingen am 1. Juli 1994 zum Altmarkkreis Salzwedel.[10]

Die Gemeinde Zethlingen w​urde am 1. Januar 2011 i​n die Stadt Kalbe (Milde) eingegliedert.[11] Gleichzeitig w​urde eine Ortschaft Zethlingen errichtet, d​er die Ortsteile Zethlingen u​nd Cheinitz zugeordnet wurden.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1734161
1774145
1789153
1798172
1801137
1818198
Jahr Einwohner
1840304
1864320
1871330
1885433
1892410
1895421
Jahr Einwohner
1900402
1905389
1910411
1925405
1939368
1946603
Jahr Einwohner
1964368
1971332
1981436
1993357
2006325
2015184
Jahr Einwohner
2016192
2017191
2018192

Quelle b​is 2006:[1] 2015 b​is 2018:[2]

Religion

Die evangelische Kirchengemeinde Zethlingen gehörte z​ur Pfarrei Zethlingen.[12] Zethlingen gehört h​eute zum Pfarrbereich Kalbe–Kakerbeck[13] i​m Kirchenkreis Salzwedel i​m Propstsprengel Stendal-Magdeburg d​er Evangelischen Kirche i​n Mitteldeutschland.

Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Zethlingen stammen a​us dem Jahre 1605.[14]

Politik

Bürgermeister

Letzte ehrenamtliche Bürgermeisterin d​er Gemeinde u​nd seit 2011 ehrenamtliche Ortsbürgermeisterin i​st Doris Beneke.[15]

Wappen

Wilhelm Zahn beschreibt d​as Wappen d​er Gemeinde Zethlingen: Drei silberne Rosen i​m roten Felde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Langobardenwerkstatt mit Webhaus und Hochspeicher
  • In Zethlingen befindet sich als Außenstelle des Johann-Friedrich-Danneil-Museums in Salzwedel das Freilichtmuseum „Langobardenwerkstatt“ auf dem Mühlenberg. Vor etwa 150 Jahren wurden dort beim Kiesabbau Brandgräber entdeckt. Die Grabungen begannen bereits zu DDR-Zeiten. Heute finden dort mehrmals im Jahr Werkstattwochenenden statt, die den Besuchern die Lebensumstände der Langobarden verdeutlichen sollen. Außerdem können sich Gruppen durch die Werkstatt führen lassen. Langobarden als elbgermanischer Stamm lebten vermutlich vor ihrer Abwanderung im Jahr 166 ins römische Reich in dieser Region.
  • In Zethlingen gibt es das „Erlebnishaus Altmark“ als eine kirchliche Einrichtung für evangelische, ökumenische und nichtkonfessionell gebundene Gruppen. Das Erlebnishaus wurde am 23. Oktober 2005 nach einem Umbau wiedereröffnet.
  • Eine Gedenktafel erinnert an Johannes Prätorius, geboren als Hans Schultze in Zethlingen. Er veröffentlichte auch altmärkische Sagen in seiner Weltbeschreibung.[16] Johann und Wilhelm Grimm, Johann Wolfgang von Goethe und Johann Karl August Musäus nutzten seine Werke.[17]
  • Die Dorfkirche Zethlingen ist ein frühgotischer Feldsteinbau aus flachgedecktem Schiff und Westquerturm mit Walmdach[1] und Orgel.
  • Der Ortsfriedhof liegt im Nordosten des Dorfes.
  • In Zethlingen steht ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges, eine Denkmalsäule mit Eisernen Kreuz und Relief.[18]

Vereine

  • Förderverein Langobardenwerkstatt Zethlingen e. V.
  • Sportverein Germania Zethlingen e. V.

Persönlichkeiten

Literatur

Einzelnachweise

  1. Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S. 25302534, doi:10.35998/9783830522355.
  2. Einwohnermeldeamt der Stadt Kalbe (Milde): Einwohnerdaten zum 31.12. der Jahre 2015 bis 2018. 4. März 2019.
  3. Top50-CD Sachsen-Anhalt, 1:50.000, Landesamt für Landesvermessung und Geoinformation, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2003
  4. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  5. Stadt Kalbe (Milde) (Hrsg.): Hauptsatzung der Gemeinde Stadt Kalbe (Milde). §12, Ortschaftsverfassung. 1. Juni 2015 (stadt-kalbe-milde.de [PDF; 208 kB; abgerufen am 23. Dezember 2017]).
  6. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Band 17. Berlin 1859, S. 58 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000995~SZ%3D00096~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  7. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 5. Berlin 1845, S. 376 (Digitalisat).
  8. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Band 17. Berlin 1859, S. 149 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000995~SZ%3D00187~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  9. Adalbert Kuhn, Wilhelm Schwartz: Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Pommern, der Mark, Sachsen, Thüringen, Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Westfalen. Leipzig 1848, S. 129, Nr. 149 Riesensteine (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10020094~SZ%3D00177~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  10. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 360, 361.
  11. StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2011
  12. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 52 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
  13. Kalbe–Kakerbeck. Abgerufen am 6. Januar 2019.
  14. Ernst Machholz: Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen. In: Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft, 1925, ZDB-ID 504809-6, S. 9 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
  15. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt: Kommunalwahlen in Sachsen-Anhalt 2008 Bürgermeisterwahlen
  16. Johannes Praetorius: Anthropodemus Plutonicus. Das ist, Eine Neue Weltbeschreibung Von allerley Wunderbahren Menschen. Magdeburg 1666 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10739163~SZ%3D00002~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  17. Martin Wiehle: Altmark-Persönlichkeiten. Biografisches Lexikon der Altmark, des Elbe-Havel-Landes und des Jerichower Landes. In: Beiträge zur Kulturgeschichte der Altmark und ihrer Randgebiete. Band 5. dr. ziethen verlag, Oschersleben 1999, ISBN 978-3-932090-61-5, S. 138139.
  18. Onlineprojekt Gefallendenkmäler. Zethlingen auf www.denkmalprojekt.org. 1. April 2015, abgerufen am 6. Januar 2019.
This article is issued from Wikipedia. The text is licensed under Creative Commons - Attribution - Sharealike. The authors of the article are listed here. Additional terms may apply for the media files, click on images to show image meta data.