Stolperstein in Gomaringen

Der Stolperstein i​n Gomaringen i​st dem NS-Opfer Dr. Sally Adamsohn, e​inem angesehenen Arzt jüdischer Herkunft, gewidmet. Stolpersteine werden v​om Kölner Künstler Gunter Demnig i​n weiten Teilen Europas verlegt. Sie erinnern a​n das Schicksal d​er Menschen, d​ie von d​en Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben o​der in d​en Suizid getrieben wurden u​nd liegen i​m Regelfall v​or dem letzten selbstgewählten Wohnsitz d​es Opfers.

Der Stolperstein v​on Gomaringen w​urde am 30. März 2019 v​om Künstler persönlich verlegt.

Stolperstein

Stolperstein Inschrift Standort Name, Leben
HIER WOHNTE
DR. SALLY
ADAMSOHN
JG. 1863
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 1.9.1942
Linsenhofstraße 24
Dr. Sally Adamsohn wurde am 9. August 1863 in Landeck in Westpreußen geboren. Er promovierte 1893 an der Universität Würzburg und ließ sich danach als praktischer Arzt in Podejuch nahe Stettin nieder. Von 1900 bis 1925 war er als Landarzt in Gomaringen tätig. Er galt als sozial eingestellter Mediziner und suchte im Notfall bei jeder Witterung auch die entlegenst wohnenden Patienten auf. Im kollektiven Ortsgedächtnis ist er als der „Mann mit Hut und Schirm“ verankert, der den Armen oftmals kein Honorar verrechnete. Er war gut in die Dorfgemeinschaft integriert, war anerkannt und gern gesehener Gast bei Vereinsfeiern und anderen geselligen Anlässen. Er blieb Junggeselle und war tief religiös. Regelmäßig besuchte er der Sabbatgottesdienst in der Tübinger Synagoge. 1925 zog er sich zurück und übergab die Praxis seinem Nachfolger Dr. Friedrich Schilling. Danach lebte er bescheiden in Untermiete. Nach der Machtergreifung Hitlers und der NSDAP folgten Jahre der Diffamierung und Repression. Kurz vor der drohenden Deportation versuchte er sich das Leben zu nehmen. Um ihm Deportationsfähig zu machen, wurde er wiederg esund gepflegt. In der zweiten Augusthälfte des Jahres 1942 wurde Adamsohn abgeholt und am 22. oder 23. August wurde er mit dem Transport XIII/1 von Stuttgart nach Theresienstadt deportiert. Seine Transportnummer war 422. Nach wenigen Tagen, am 1. September 1942, verlor er dort im Alter von 79 Jahren sein Leben. Die offizielle Todesfallanzeige beschreibt ihn als „weibl.“ und diagnostiziert als Todesursache „Marasmus“, Altersschwäche.[1]

Im Jahr 1994 beschloss d​er Gemeinderat v​on Gomaringen, e​inen Platz i​m Wohngebiet Wöltersäcker II n​ach Sally Adamsohn z​u benennen.[2] Zwei Jahre später w​urde im Schlosshof e​in Mahnmal errichtet. Eine Stele d​es Gomaringer Geschichtslehrpfads i​n der Tübinger Straße erinnert a​n eine seiner Wohnadressen.[3]

Verlegung

  • 30. März 2019
  • Chronik der Stolpersteinverlegungen auf der Website des Projekts von Gunter Demnig

Einzelnachweise

  1. ADAMSOHN SALLY: TODESFALLANZEIGE, GHETTO THERESIENSTADT. holocaust.cz, abgerufen am 30. Dezember 2020.
  2. Stolperstein in Gomaringen erinnert an Sally Adamsohn. Gomaringen-blog, 2. April 2019, abgerufen am 30. Dezember 2020.
  3. Adamsohn, Sally. LEObw Landeskunde entdecken online, abgerufen am 30. Dezember 2020.
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