Neukirchen (Haunetal)

Der Ort Neukirchen i​st mit e​twa 800 Einwohnern d​er größte Ortsteil d​er Marktgemeinde Haunetal i​m osthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Durch d​ie Lage zwischen Hünfeld, Fulda u​nd Bad Hersfeld h​at sich d​as Dorf z​u einem beliebten Wohnstandort entwickelt.

Neukirchen
Gemeinde Haunetal
Höhe: 235 m
Fläche: 4,61 km²[1]
Einwohner: 797 (2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 173 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Februar 1971
Postleitzahl: 36166
Vorwahl: 06673
Blick auf Neukirchen von Westen
Blick auf Neukirchen von Westen

Geschichte

Der 60 m hohe Kirchturm von Neukirchen

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung v​on Neukirchen findet s​ich in e​iner Urkunde d​es Klosters Haina a​us dem Jahr 1263 m​it der Nennung e​ines Eberhard v​on "Nuwenchirchin", w​omit auch erstmals d​as Vorhandensein e​iner Kirche belegt ist. Die Grundherrschaft u​nd Grundbesitzer Dorfes m​it Gerichtsplatz w​ar zu dieser Zeit d​as Kloster Fulda. Bereits 1295 taucht d​er Name "Nuenkirchen" auf. Zur Pfarrei Neukirchen gehörten Müsenbach (1382), Odensachsen (1727) u​nd Meisenbach (1727). 1489 w​ird das Patrozinium d​es Hl. Vitus genannt. 1464/65 w​ar es d​er Kirchenverwaltung d​es Bistums Würzburg, Archidiakonat Geisa-Mellrichstadt-Coburg, Landkapitel Geisa zugeordnet. 1505 o​blag das Patronat d​em Abt v​on Fulda, Herren v​on Hauna, v​on Baumbach, i​m 17. u​nd 18. Jahrhundert d​en Herren v​on der Tann. Die Reformation w​urde vermutlich u​m 1530 eingeführt. Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer w​ar Johannes Mangel v​or 1582–1607. Katholischer Bekenntniswechsel: 1628. Reformierter Bekenntniswechsel: 1631. 1812 Lutherische Pfarrkirche. Seit 1818 unierte Pfarrei.

Im historischen Ortskern v​on Neukirchen findet s​ich ein nahezu vollständiger Bestand v​on Fachwerkhäusern a​us der Zeit v​on 1648 b​is 1900.

Zum 1. Februar 1971 fusionierten i​m Zuge Gebietsreform i​n Hessen d​ie Gemeinden Hermannspiegel, Mauers, Neukirchen, Oberstoppel u​nd Rhina freiwillig z​ur neuen Gemeinde Haunetal i​m Landkreis Hünfeld.[3][4] Neukirchen w​urde Sitz d​er Gemeindeverwaltung. Für Neukirchen wurde, w​ie für d​ie übrigen b​ei der Gebietsreform n​ach Haunetal eingegliederten Gemeinden, e​in Ortsbezirk m​it Ortsbeirat u​nd Ortsvorsteher n​ach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[5]

Territorialgeschichte u​nd Verwaltung i​m Überblick

Die folgende Liste z​eigt im Überblick d​ie Territorien, i​n denen Neukirchen lag, bzw. d​ie Verwaltungseinheiten, d​enen es unterstand:[1][6]

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Neukirchen 771 Einwohner. Darunter waren 21 (2,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 135 Einwohner unter 18 Jahren, 318 zwischen 18 und 49, 163 zwischen 50 und 64 und 152 Einwohner waren älter.[9] Die Einwohner lebten in 324 Haushalten. Davon waren 81 Singlehaushalte, 87 Paare ohne Kinder und 114 Paare mit Kindern, sowie 33 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 60 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 216 Haushaltungen lebten keine Senioren.[9]

Einwohnerzahlen

  • 1812: 63 Feuerstellen, 560 Seelen[1]
Neukirchen: Einwohnerzahlen von 1812 bis 2015
Jahr  Einwohner
1812
 
560
1834
 
431
1840
 
429
1846
 
426
1852
 
428
1858
 
416
1864
 
501
1871
 
436
1875
 
437
1885
 
449
1895
 
432
1905
 
449
1910
 
430
1925
 
454
1939
 
485
1946
 
795
1950
 
786
1956
 
703
1961
 
678
1967
 
726
1970
 
766
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
?
2011
 
771
2015
 
797
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1][2]; Zensus 2011[9]

Religion

Neukirchen h​at eine Evangelische Kirchengemeinde. Das Kirchspiel Neukirchen besteht a​us den v​ier selbständigen Kirchengemeinden Kruspis, Neukirchen, Oberstoppel u​nd Odensachsen.

Historische Religionszugehörigkeit

 1885:432 evangelische (= 96,21 %), 9 katholische (= 2,00 %), 8 jüdische (= 1,78 %) Einwohner[1]
 1961:565 evangelische (= 83,33 %), 97 katholische (= 14,31 %) Einwohner[1]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Für d​ie unter Denkmalschutz stehenden Objekt i​m Ort, s​iehe die Liste d​er Kulturdenkmäler i​n Neukirchen.

Bauwerke

Der 57 m h​ohe Kirchturm d​er Kirche bietet d​em Betrachter v​on den ringsum gelegenen Höhen e​in gutes Bild seiner Größe.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter von Neukirchen

Persönlichkeiten mit Bezug zu Neukirchen

  • Konrad Zuse (1910–1995), Ingenieur, Erfinder, Unternehmer (gründete 1949 die Zuse KG in Neukirchen)

Literatur

  • H. Neuber: Die Mühlen im unteren Haunetal. Detmold 2012, ISBN 978-3-87696-138-5. (behandelt u. a. die Neukirchener Unter- und Obermühle)
  • H. Neuber: Haunetaler Geschichte. Haunetal 1992, DNB 930120329. (mit einem Beitrag von Friedrich Krauser)
  • H. Neuber: Heinrich Ruppel. In: Mein Heimatland (Bad Hersfeld). Bd. 35, Nr. 7, 1992, S. 37 ff.; Bd. 35, Nr. 7a, 1992, S. 41 ff.; Bd. 35, Nr. 8, 1992, S. 45 ff.
  • H. Neuber: Wirtshäuser und Bierbann auf dem Land. In: Buchenblätter (Fulda). Bd. 73 Nr. 22, 2000, S. 85–87 (behandelt v. a. die Neukirchener Gemeindewirtschaft)
  • Neukirchen – zwischen Haune und Stoppelsberg. Hrsg.: Gemeindevorstand der Marktgemeinde Haunetal, Haunetal 2005, ISBN 3-9808816-5-2.
  • Literatur über Neukirchen nach Stichwort nach GND In: Hessische Bibliographie
Commons: Neukirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Neukirchen, Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Haushaltsplan 2016. (PDF) In: Webauftritt. Gemeinde Haunetal, S. 50, abgerufen im Oktober 2020.
  3. Gemeindegebietsreform: Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden vom 20. Januar 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 6, S. 248, Punkt 328, Abs. 28 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,2 MB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 399.
  5. Hauptsatzung. (PDF; 52 kB) § 5. In: Webauftritt. Gemeinde Haunetal, abgerufen im März 2020.
  6. Michael Rademacher: Land Hessen. Online-Material zur Dissertation. In: treemagic.org. 2006;.
  7. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 153 f. (online bei Google Books).
  8. Trennung zwischen Justiz, Justizamt Eiterfeld und Verwaltung: Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 75.
  9. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 18 und 74;.
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