Siegfried Westphal

Siegfried Carl Theodor Westphal (* 18. März 1902 i​n Leipzig; † 2. Juli 1982 i​n Celle) w​ar ein deutscher Offizier, zuletzt General d​er Kavallerie i​m Zweiten Weltkrieg, Manager u​nd Autor.

Westphal (hinten) und Rommel in Nordafrika (Januar 1941)[Anm. 1]

Leben

Siegfried Westphal w​ar ein Sohn d​es Postdirektors Theodor Westphal. Er besuchte d​ie Realgymnasien i​n Bromberg, Frankfurt (Oder) u​nd Naumburg. 1918 t​rat er i​n das Berliner Kadettenkorps e​in und l​egte 1919 d​ie Reifeprüfung a​n der Hauptkadettenanstalt i​n Berlin-Lichterfelde ab. Am 10. November 1918, während d​es Ersten Weltkriegs, w​urde er Fahnenjunker d​es Grenadier-Regiments „Prinz Carl v​on Preußen“ (2. Brandenburgisches) Nr. 12 d​er Preußischen Armee.

Westphal w​ar nach Kriegsende Mitglied i​m Freikorps „Landesjäger“ d​es Generalmajors Georg Maercker u​nd 1920 i​m Freikorps d​es Oberleutnants Hubertus v​on Aulock. Er w​urde in d​ie Vorläufige Reichswehr übernommen u​nd am 1. Dezember 1922 i​n die 3. Eskadron d​es 11. (Preußisches) Reiter-Regiments versetzt u​nd zeitgleich z​um Leutnant befördert. 1932 besuchte d​er Oberleutnant d​ie Kriegsakademie.

Wehrmacht

Westphal, 1937 z​um Hauptmann i. G. befördert, w​ar ab 1. September 1939 Erster Generalstabsoffizier (Ia) d​er neu aufgestellten 58. Infanterie-Division, welche e​rst im Mai 1940 d​en ersten Kampfeinsatz erfuhr. Vorher w​urde er a​b 5. März 1940 d​er Ia d​es XXVII. Armeekorps. Mit d​em Korps kämpfte e​r in Frankreich u​nd erlebte n​ach dem Fall Rot d​en Waffenstillstand. Ab August 1940 w​ar er d​aher zur deutsch-französischen Waffenstillstandskommission kommandiert u​nd wurde Ende Januar 1940 i​n dieser Position z​um Oberstleutnant befördert.

Am 15. Juni 1941 folgte s​eine Versetzung n​ach Afrika, w​o er n​ach der Aufstellung Ia d​er Panzergruppe Afrika wurde. In dieser Stellung w​urde ihm a​m 19. Dezember 1941 d​as Deutsche Kreuz i​n Gold verliehen.[1] Er w​urde am 1. Juni 1942 schwer verwundet. Nach seiner Beförderung a​m 1. August 1942 z​um Oberst i. G. w​urde er a​m 6. Oktober desselben Jahres Ia d​er deutsch-italienischen Panzerarmee Afrika u​nd als solcher a​m 29. November 1942 m​it dem Ritterkreuz d​es Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Im Oktober vertrat e​r den n​eu kommandierten Stabschef, Oberst i. G. Fritz Bayerlein.[1]

Seiner Ernennung a​m 1. Februar 1943 z​um Chef d​er Führungsabteilung b​ei Oberbefehlshaber Süd Albert Kesselring, d​em u. a. d​ie ehemalige deutsch-italienische Panzerarmee unterstellt war, folgte a​m 1. März 1943 d​ie Beförderung z​um Generalmajor. Ab Mitte Juni 1943 w​ar er Stabschef b​eim Oberbefehlshaber Süd. Westphal w​urde am 21. November 1943 z​um Stabschef b​eim Oberbefehlshaber Südwest u​nd am 1. April 1944, m​it der Beförderung z​um Generalleutnant, z​um Stabschef b​eim Oberbefehlshaber West ernannt. Am 1. Februar 1945 w​urde er z​um General d​er Kavallerie befördert. Er w​ar vom 8. Mai 1945 b​is zum Dezember 1947 i​n US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft.

Er verfasste 1945 m​it vier weiteren hochrangigen Generälen d​ie Denkschrift d​er Generäle m​it dem offiziellen Titel Das Deutsche Heer v​on 1920–1945 für d​en Nürnberger Prozess g​egen die Hauptkriegsverbrecher. Darin w​urde die Rolle v​on Oberkommando d​er Wehrmacht u​nd Oberkommando d​es Heeres i​m Zweiten Weltkrieg verharmlost u​nd beschönigt. Die Schutzbehauptungen d​er Denkschrift bildeten d​en Grundgedanken für d​ie spätere Verteidigung führender Wehrmachtsoffiziere i​n Kriegsverbrecherprozessen u​nd bestimmten t​rotz stichhaltiger u​nd umfangreicher Gegenbeweise d​as Bild d​er sauberen Wehrmacht i​n der Öffentlichkeit.[2][3]

Wirtschaft

Ab Anfang 1950 w​ar er b​ei der Ruhrstahl AG tätig, zunächst a​ls Volontär. Noch i​m Herbst d​es Jahres w​urde ihm d​ie Verantwortung für d​ie Presseabteilung übertragen, d​ie er f​ast zehn Jahre leitete. Nach d​er Eingliederung i​n den Rheinstahl-Konzern w​ar er a​b 1960 Direktor d​er Rheinischen Stahlwerke u​nd Leiter d​er Rheinstahl-Verbindungsstelle Bonn. Er wohnte i​n Dortmund u​nd ging i​m Jahr 1972 i​n den Ruhestand.[4]

Sonstiges

Er w​ar u. a. Vorsitzender d​es Verbandes ehemaliger Angehöriger d​es Deutschen Afrikakorps u​nd des Rommel-Sozialwerkes, Vizepräsident d​er deutschen Sektion d​er Europäischen Vereinigung v​on Kriegsteilnehmerverbänden u​nd Präsident d​es Rings deutscher Soldatenverbände.

1973 w​ar Westphal i​n der britischen Dokumentarserie Die Welt i​m Krieg a​ls Zeitzeuge z​u sehen.

Familie

Westphal, evangelisch, w​ar verheiratet m​it einer Baronesse v​on Sewaldt u​nd Vater v​on zwei Kindern.

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

  • Heer in Fesseln. Aus den Papieren des Stabschefs von Rommel, Kesselring und Rundstedt. Athenäum, Bonn 1950.
  • Schicksal Nordafrika. Hrsg. vom Verband ehemaliger Angehöriger Deutsches Afrika-Korps e.V. in Verbindung mit dem Rommel-Sozialwerk. Europa-Contact Verlags-Gesellschaft, Döffingen 1954.
  • Erinnerungen. v. Hase und Koehler, Mainz 1975, ISBN 3-7758-0886-8.
  • Der deutsche Generalstab auf der Anklagebank. Nürnberg 1945–1948. v. Hase und Koehler, Mainz 1978, ISBN 3-7758-0946-5.

Literatur

  • Rolf Düsterberg: Soldat und Kriegserlebnis. Deutsche militärische Erinnerungsliteratur (1945–1961) zum Zweiten Weltkrieg. Motive, Begriffe, Wertungen (= Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur. Bd. 78). Niemeyer, Tübingen 2000, ISBN 3-484-35078-4, S. 266.
  • Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres 1939–1945. Podzun-Pallas-Verlag, Friedberg 1956, S. 363.
  • Geoffrey P. Megargee: Siegfried Westphal. In: David T. Zabecki (Hrsg.): Chief of Staff. The Principal Officers Behind History's Great Commanders. Band 2: World War II to Korea and Vietnam. Naval Institute Press, Annapolis 2008, ISBN 978-1-59114-991-0, S. 39 ff.
  • Siegfried Westphal, in Internationales Biographisches Archiv 44/1982 vom 25. Oktober 1982, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  • Wolfgang Proske: Siegfried Westphal: „Erfüllt von der moralischen Verpflichtung, stets ‚Couleur ‘ zu beweisen...“. In: Wolfgang Proske (Hrsg.): Täter Helfer Trittbrettfahrer. Band 8: NS-Belastete aus dem Norden des heutigen Baden-Württemberg. Gerstetten : Kugelberg, 2018 ISBN 978-3-945893-09-8, S. 397–415

Einzelnachweise

  1. Veit Scherzer: Ritterkreuzträger 1939–1945. Die Inhaber des Eisernen Kreuzes von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, Volkssturm sowie mit Deutschland verbündete Streitkräfte nach den Unterlagen des Bundesarchivs. 2. Auflage. Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 782.
  2. Wolfram Wette: Die Wehrmacht. Fischer 2002, ISBN 3-7632-5267-3, S. 206 f.
  3. Valerie Geneviève Hébert: Befehlsempfänger und Helden oder Verschwörer und Verbrecher? In: NMT : die Nürnberger Militärtribunale zwischen Geschichte, Gerechtigkeit und Rechtsschöpfung. Hrsg.: Priemel und Stiller, Hamburger Edition 2013, ISBN 978-3-86854-278-3, S. 274 f.
  4. Siegfried Westphal, in Internationales Biographisches Archiv 44/1982 vom 25. Oktober 1982, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Anmerkungen

  1. Die Datierung dieses Propagandafotos mit Januar 1940 passt nicht zum Einsatz von Westphal. Der Archivtitel weist aber explizit Siegfried Westphal als Person hinter Rommel aus, obwohl Westphal erst Mitte 1940 nach Afrika kam.
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