Reddehausen

Reddehausen i​st ein Ortsteil d​er Gemeinde Cölbe i​m mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Reddehausen
Gemeinde Cölbe
Höhe: 253 (237–285) m ü. NHN
Fläche: 2,7 km²[1]
Einwohner: 432 (Mai 2011)[2]
Bevölkerungsdichte: 160 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35091
Vorwahl: 06427

Geographie

Der Ort l​iegt am südlichen Rand d​es Burgwaldes e​twa 4 km nordöstlich d​es Kernorts Cölbe i​n Oberhessen.

Geschichte

Historische Ortsnamen

In erhaltenen Urkunden wurde Reddehausen unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1] Reidenhusen (1295) (Wyss, UB Deutscher Orden 1, 1 Nr. 593), Redinhusen (1374), Reddenhausen (1577). Reddehausen (1630)

Von den Anfängen bis zur Gebietsreform in Hessen

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Reddehausen erfolgte unter dem Namen Reidenhusen im Jahr 1295 in den Urkundenbüchern der Deutschordensballei Hessen.[1] Graf Gottfried VI. von Ziegenhain schenkte dem Deutschen Orden in Marburg einen Hof. 1374 hatte das Adelsgeschlecht Riedesel ein ziegenhainisches Lehen. Im Jahr 1474 schenken die von Hatzfeld, die Herren von Fleckenbühl und das Adelsgeschlecht Gaugreben dem Konvent der Minoriten in Marburg Güterbesitz in Reddehausen. Vor 1447 erwarben die Barfüßer zu Marburg im Tausch einen Hof. 1479 verkaufen die von Fleckenbühl ihren Teil und ihre Gerechtigkeit des Medems- und Medemlandes, welches sie von Landgraf Heinrich III. von Oberhessen zu Lehen hatten, an den Franziskaner Orden in Marburg. Landgraf Philipp der Großmütige schenkte 1525 den Herren von Hatzfeld, den Hof, den die von Fleckenbühl testamentarisch den Barfüßern geschenkt hatten, der im Zuge der Reformation an die Landgrafschaft Hessen gefallen war.

Die meisten geschichtlichen Erwähnungen d​es Ortes beziehen s​ich auf d​en Verkauf, d​as Verschenken v​on Ländereien o​der die Überlassung v​on Leibeigenen d​urch Adlige. Abseits d​er Handelswege b​lieb der Ort v​on größerem Unheil verschont.

Ab 1395 u​nd später gehörte d​er Ort z​um Gericht Schönstadt, v​on 1807 b​is 1813 z​um Kanton Rosenthal u​nd von 1821 a​n zum Kreis Marburg.

Gebietsreform

Zum 31. Dezember 1971 wurde die die bis dahin selbständige Gemeinde Reddehausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Cölbe eingegliedert.[3] Für Reddehausen, wie für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Cölbe, wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[4]

Territorialgeschichte und Verwaltung im Überblick

Die folgende Liste z​eigt im Überblick d​ie Territorien, i​n denen Reddehausen lag, bzw. d​ie Verwaltungseinheiten, d​enen es unterstand:[1][5]

Gerichte seit 1821

Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung (1807–1813 und endgültig 1822) sind die Ämter neben der Verwaltung für die Rechtsprechung (meist Niedere Gerichtsbarkeit bzw. Erste Instanz) zuständig. Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Kreisen übernommen. In Marburg wurde der Kreis Marburg für die Verwaltung eingerichtet und das Landgericht Marburg war als Gericht in erster Instanz für Reddehausen zuständig. 1850 wurde das Landgericht in Justizamt Marburg umbenannt. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[10]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Landgericht Marburg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Marburg. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[11] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Marburg. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[12]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerstruktur

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Reddehausen 432 Einwohner. Darunter waren 12 (2,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 81 Einwohner unter 18 Jahren, 195 zwischen 18 und 49, 93 zwischen 50 und 64 und 66 Einwohner waren älter.[2] Die Einwohner lebten in 174 Haushalten. Davon waren 48 Singlehaushalte, 39 Paare ohne Kinder und 60 Paare mit Kindern, sowie 21 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 27 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 123 Haushaltungen lebten keine Senioren/-innen.[2]

Einwohnerzahlen

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
 1502:6 Männer (nur landgräflich Anteil) 2 zweispänn., 1 einspänn. Ackerleute, 8 Einläuftige
 1577:20 (12 landgräflich) Hausgesesse
 1630:11 hausgesessene (nur landgräflich Anteil)
 1838:263 Einwohner (Familien: 26 nutzungsberechtigte, 12 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 3 Beisassen)
Reddehausen: Einwohnerzahlen von 1744 bis 2011
Jahr  Einwohner
1744
 
147
1800
 
?
1834
 
240
1840
 
261
1846
 
290
1852
 
303
1858
 
294
1864
 
296
1871
 
263
1875
 
272
1885
 
261
1895
 
259
1905
 
261
1910
 
256
1925
 
270
1939
 
267
1946
 
405
1950
 
389
1956
 
310
1961
 
294
1967
 
333
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
?
2011
 
432
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]; Zensus 2011[2]

Religionszugehörigkeit

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
 1861:286 evangelisch-lutherische, 8 evangelisch-reformierte, ein römisch-katholischer Einwohner
 1885:261 evangelische (= 100,00 %) Einwohner
 1961:265 evangelische (= 90,14 %), 23 katholische (= 7,82 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
 1744:Erwerbspersonen (nur landgräflicher Anteil): drei Wagner, ein Wirt, ein Leineweber, uwei Schmiede, ein Ziegelbrenner, zwei Tagelöhner.
 1961:Erwerbspersonen: 65 Land- und Forstwirtschaft, 57 Produzierendes Gewerbe, 12 Handel und Verkehr, 14 Dienstleistungen und Sonstiges.

Religionen

Kirche und benachbartes Fachwerkhaus

In Reddehausen d​ient der evangelisch-lutherische Kirchsaal d​er Gemeinde a​ls Kirche. Die Gemeinde w​ird vom Pfarramt Schönstadt betreut. Im Rahmen d​er letzten Bausanierung w​urde ein Ensemble a​us Altar, Lesepult, Taufe u​nd Wandkreuz v​on Michael Possinger gestaltet.[13]

Literatur

Commons: Reddehausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Reddehausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 17. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,0 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 26 und 66;.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 402.
  4. Hauptsatzung. (PDF; 2,78 MB) § 4. In: Webauftritt. Gemeinde Cölbe, abgerufen im September 2021.
  5. Michael Rademacher: Land Hessen. Online-Material zur Dissertation. In: treemagic.org. 2006;.
  6. Georg Landau: Beschreibung des kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 370 (online bei HathiTrust’s digital library).
  7. Die Zugehörigkeit des Amtes Marburg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  8. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 100 f. (online bei Google Books).
  9. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 73 f.
  10. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  11. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  12. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224http://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10509837~SZ%3D237~doppelseitig%3D~LT%3DPr.%20JMBl.%20S.%20221%E2%80%93224~PUR%3D)
  13. GJP (Götz J. Pfeiffer): Prinzipalstücke von Michael Possinger, in: Mut zum Gestalten. Kunstförderung in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel 2013, S. 66–67.
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