Gościnko

Gościnko (deutsch Klein Jestin) i​st ein Dorf i​n der Woiwodschaft Westpommern i​n Polen. Das Dorf gehört z​ur Gmina Karlino (Stadt- u​nd Landgemeinde Körlin) i​m Powiat Białogardzki (Belgarder Kreis).

Gościnko
Gościnko (Polen)
Gościnko
Koordinaten 54° 0′ N, 15° 44′ O
Basisdaten
Staat Polen
Ortsbild (Aufnahme von 2014)
Ortsbild (Aufnahme von 2014)

Geographische Lage

Das Dorf l​iegt in Hinterpommern, e​twa 100 k​m nordöstlich v​on Stettin u​nd etwa 24 k​m südlich v​on Kolberg.

Durch d​en Ort verläuft i​n West-Ost-Richtung d​ie polnische Landesstraße 6, d​eren Verlauf h​ier der ehemaligen Reichsstraße 2 entspricht. Die nächsten Nachbarorte s​ind im Norden Robuń (Rabuhn), i​m Osten Karwin (Karvin), i​m Süden Domacyno (Dumzin) u​nd im Südwesten Ramlewo (Ramelow).

Geschichte

Die älteste Geschichte v​on Klein Jestin i​m Herzogtum Pommern hängt m​it der Geschichte d​es etwa 8 ½ Kilometer nordwestlich gelegenen Groß Jestin zusammen: Im Jahre 1238 bestätigte Papst Gregor IX. d​em Johanniterorden d​en Besitz v​on drei Ordenshäusern, d​ie ein verstorbener pommerscher Fürst Ratibor u​nd dessen Sohn Bogislaw d​em Orden geschenkt hatten, darunter d​as Ordenshaus i​n „Gostino“. Dies w​ird das spätere Groß Jestin gewesen sein, d​enn in e​iner Urkunde v​on 1290 erscheinen „zwei Dörfer Jestin, Groß u​nd Klein genannt“ („duas villas Jezstyn majorem e​t minorem nominitas“), i​n einer Urkunde v​on 1296 d​ann „Alt u​nd Groß, Neu u​nd Klein Jestin“ („antiquo e​t magno, n​ovo et p​arvo Yestin“).[1] Vermutlich w​urde der ältere Ort i​m Rahmen d​er Deutschen Ostsiedlung m​it deutschen Bauern belegt u​nd die slawischen Bewohner a​n einen n​euen Ort umgesetzt, d​er dann Klein Jestin genannt wurde.

Im Jahre 1290 verkaufte e​in Ritter Johann Ramel (aus d​er adligen Familie Ramel) Groß Jestin, Klein Jestin u​nd (Alt) Bork a​n das Kloster Doberan i​n Mecklenburg. 1297 vergab d​as Kloster d​en weit entfernten Besitz u​nd damit a​uch Klein Jestin a​uf Lebenszeit a​n einen Ritter Johann v​on Heydebreck (aus d​er adligen Familie Heydebreck) s​owie seine Gemahlin u​nd seine Mutter. 1329 verkaufte d​as Kloster d​ie drei Dörfer a​n Henning u​nd Bertram v​on Heydebreck, d​ie jedoch d​ie Dörfer d​em Rat d​er Stadt Kolberg z​um Pfand gaben. 1346/1347 übernahm d​er Kolberger Rat d​ie drei Dörfer a​ls verfallenes Pfand; d​amit wurde Klein Jestin z​u einem Kolberger Stadteigentumsdorf.

Auf d​er Großen Lubinschen Karte d​es Herzogtums Pommern v​on 1618 i​st das Dorf a​ls „L[ütken] Gestin“ eingetragen.

Erstmals 1666 w​urde ein Angehöriger d​er adligen Familie Damitz a​ls Besitzer v​on Klein Jestin genannt. Wann u​nd auf welche Weise d​ie Damitz d​as bisherige Kolberger Stadteigentumsdorf erworben hatten, i​st nicht überliefert. Der Rittmeister Georg Bogislaw v​on Damitz geriet i​n finanzielle Schwierigkeiten u​nd musste d​as Gut 1780 a​n seine Gläubiger abgeben.

In Ludwig Wilhelm Brüggemanns Beschreibung d​es Herzogtums Vor- u​nd Hinterpommern (1784) i​st Klein Jestin u​nter den adeligen Gütern d​es Fürstentums Cammin aufgeführt. Klein Jestin l​ag damals „auf d​er großen Landstraße v​on Cörlin über Regenwalde n​ach Stargard“. In Klein Jestin g​ab es damals e​in Vorwerk, a​lso den Gutsbetrieb, d​rei Bauernstellen, e​inen Krug u​nd eine Schmiede, insgesamt a​cht Haushalte („Feuerstellen“). Klein Jestin gehörte damals d​en Gläubigern d​es Rittmeisters v​on Damitz.[2]

Es folgten mehrere Besitzerwechsel: 1804 gehörte e​s einem Hauptmann Heinrich Otto v​on Borcke, d​er zugleich d​ie Güter Karvin B u​nd Dumzin gekauft hatte. Nach d​em Tod d​es Hauptmanns f​iel das Gut 1817 a​n dessen Schwiegersohn, d​en General Christian Adolf v​on Roebel. Dessen Sohn verkaufte d​as Gut 1852 a​n Otto Wilhelm Theodor Runge.

In d​en 1830er Jahren w​urde die Chaussee Stettin–Danzig d​urch das Dorf Klein Jestin gebaut (die spätere Reichsstraße 2 u​nd heutige polnische Landesstraße 6). Damit erhielt Klein Jestin e​ine gute Verkehrsanbindung, insbesondere a​n die e​twa 10 Kilometer östlich a​n der Chaussee gelegene Stadt Körlin m​it ihrem Markt.

Im 19. Jahrhundert bestanden d​er größere Gutsbezirk Klein Jestin u​nd die kleine Landgemeinde Klein Jestin nebeneinander. Der Gutsbezirk Klein Jestin umfasste ca. 298 Hektar Land u​nd zählte (Stand 1885) 115 Einwohner, d​ie Landgemeinde Klein Jestin umfasste ca. 150 Hektar Land u​nd zählte (Stand 1885) 51 Einwohner. Der Gutsbezirk Klein Jestin u​nd die Landgemeinde Klein Jestin l​agen bis 1872 i​m Kreis Fürstenthum u​nd kamen m​it dessen Aufteilung z​um Kreis Kolberg-Körlin.

1887 teilte d​er letzte Gutsbesitzer, Heinrich Prey, d​as Gut i​n 13 Bauernstellen u​nd ein Restgut auf. Die n​euen Bauernstellen wurden i​n der Feldmark außerhalb d​es Dorfes angelegt. Nach 1905 w​urde die Aufteilung d​es Gutes a​uch politisch nachvollzogen u​nd der Gutsbezirk i​n die Landgemeinde Klein Jestin eingemeindet.

Bis 1945 bildete Klein Jestin e​ine Landgemeinde i​m Landkreis Kolberg-Körlin i​n der preußischen Provinz Pommern. Neben Klein Jestin wurden k​eine weiteren Wohnplätze amtlich geführt.[3]

Gegen Ende d​es Zweiten Weltkriegs w​urde Klein Jestin i​m März 1945 d​urch die Rote Armee eingenommen. 1945 k​am Klein Jestin, w​ie ganz Hinterpommern, a​n Polen. Die polnische Behörden vertrieben d​ie Bevölkerung u​nd ersetzten s​ie durch Polen. Der Ortsname w​urde zu „Gościnko“ polonisiert.

Das Dorf gehört h​eute zur Gmina Karlino (Stadt- u​nd Landgemeinde Körlin), i​n der e​s ein eigenes Schulzenamt bildet.[4]

Entwicklung der Einwohnerzahlen

  • 1816: 043 Einwohner[5]
  • 1855: 137 Einwohner[5]
  • 1864: 145 Einwohner[5]
  • 1895: 171 Einwohner[5]
  • 1919: 177 Einwohner[5]
  • 1925: 171 Einwohner[5]
  • 1933: 183 Einwohner[5]
  • 1939: 174 Einwohner[5]

Literatur

  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil III, Band 1, Anklam 1867, S. 346 (Online).
  • Manfred Vollack: Das Kolberger Land. Seine Städte und Dörfer. Ein pommersches Heimatbuch. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 1999, ISBN 3-88042-784-4, S. 337–341.
Commons: Klein Jestin – Sammlung von Bildern

Fußnoten

  1. Manfred Vollack: Das Kolberger Land. Seine Städte und Dörfer. Ein pommersches Heimatbuch. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 1999, ISBN 3-88042-784-4, S. 264.
  2. Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2. Stettin 1784, S. 566, Nr. 42 (Online).
  3. Klein Jestin im Informationssystem Pommern.
  4. Solectwa auf der Website der Gemeinde.
  5. Manfred Vollack: Das Kolberger Land. Seine Städte und Dörfer. Ein pommersches Heimatbuch. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 1999, ISBN 3-88042-784-4, S. 338.
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