Yamagata Aritomo

Yamagata Aritomo (jap. 山縣 有朋, modern 山県 有朋; * 14. Juni 1838 (traditionell: Tempō 9/int. 4/22) i​n Hagi; † 1. Februar 1922 i​n Odawara[1]) w​ar ein japanischer Militärführer u​nd Politiker. Er w​ar mehrfacher Heeres- u​nd Premierminister v​on Japan, darunter d​er erste, d​er unter d​en Einschränkungen d​urch die Meiji-Verfassung regieren u​nd Haushalt u​nd Gesetze v​on einem z​um Teil gewählten Reichstag bestätigen lassen musste. Als General schlug e​r 1877 d​ie die v​on Saigō Takamori angeführte Satsuma-Rebellion nieder. Er w​ar wie k​eine andere Persönlichkeit a​us der Meiji-Zeit dafür verantwortlich, d​ass Japan z​u einer imperialistischen Großmacht wurde, u​nd gilt d​aher als Nationalheld. Unabhängig d​avon war e​r außerdem e​in sehr talentierter Gärtner, dessen Anlagen bekannte Meisterwerke japanischer Gartenkunst d​ar stellen.

Yamagata Aritomo
Yamagata Aritomo

Leben

Yamagata w​urde als Sohn e​iner ärmeren Samurai-Familie geboren, d​ie in d​em Ort Hagi, d​er Hauptstadt d​es Han (Lehen) Chōshū ansässig war. Er g​ing auf d​ie Shōkasonjuku, e​ine Privatschule, d​ie von Yoshida Shōin geleitet w​urde und studierte Chinesische Denkweisen. Yoshida Shōin, e​iner der führenden Intellektuellen d​er Bewegung Sonnō jōi, h​ielt Revolten g​egen unfähige Herrscher für legitim u​nd kritisierte d​ie Schwäche d​es Shogunats gegenüber d​en westlichen Nationen. Es i​st daher n​icht überraschend, d​as Yamagata b​ald ein Shishi, e​in Anhänger d​er Restauration d​er Macht d​es Tennō, war. 1863 w​urde er Kommandant d​er Kiheitai (deutsch: Spezialtruppe). Es w​ar eine v​on Takasugi Shinsaku n​eu organisierte Truppe, i​n die erstmals a​uch nichtadlige Japaner a​us dem Stand d​er Bürger u​nd Händler aufgenommen wurden. Die v​on Yamagata geführte Einheit bewährte s​ich erstmals b​ei der Abwehr e​iner Strafexpedition d​es Bakufu g​egen die Lehen Chōshū u​nd Satsuma i​m Jahr 1866. Während d​es Boshin-Krieges w​urde er z​um Stabsoffizier ernannt.

Ōmura Masujirō, d​er erste Kriegsminister i​m Kabinett d​er Meiji-Regierung, s​tarb Ende 1869 a​n den Folgen e​ines Anschlages. Yamagata übernahm d​as Amt seines Vorgesetzten, d​er wie e​r selbst a​us Chōshū stammte. Er reiste i​m Auftrag d​er japanischen Regierung zusammen m​it Saigō Tsugumichi n​ach Europa, u​m das Militärwesen europäischer Streitkräfte z​u studieren. Nach seiner Rückkehr n​ach Japan begann e​r ab 1870 d​ie Kaiserlich Japanische Armee z​u reformieren u​nd sie n​ach dem Muster d​er Preußischen Armee n​eu zu gestalten. Infolgedessen entwickelten s​ich die japanischen Streitkräfte z​u einer modernen Armee.

Im Juni 1873, s​owie von August 1874 b​is Dezember 1878 w​ar er Heeresminister[2] u​nd setzte d​ie Weiterentwicklung d​er japanischen Streitkräfte fort. Er gründete i​m Dezember 1878 d​as Generalstabsbüro, dessen erster Vorsitzender e​r wurde[2] u​nd das d​ie wichtigste Stütze seiner politischen Macht werden sollte. Er veranlasste d​en Kaiser Mutsuhito (posthum Kaiser Meiji) dazu, s​eine Schrift Die kaiserlichen Worte für d​ie bewaffneten Streitkräfte z​u verfassen. Dieses Dokument w​ar die Grundlage d​es Eides, d​en japanische Soldaten b​is 1945 schworen. 1877 schlug e​r den letzten Aufstand g​egen die amtierende Regierung u​nter der Führung d​es bekannten Samurai Saigō Takamori nieder. Im Februar 1882 w​urde er d​er Vorsitzende d​es Sanjiin (Legislativrats).[2]

Im Dezember 1883 w​urde er z​um Lord-Kanzler (Naimu-kyō) ernannt,[2] w​as das höchste Amt i​n der japanischen Verwaltung v​or Einführung e​ines europäischen Kabinettssystems i​m Dezember 1885 darstellte. Dieses Amt w​urde dann z​u dem e​ines Innenministers (Naimu Daijin), welches e​r bis Mai 1890 ausübte.[2] Er unterdrückte i​n diesen Funktionen d​ie Bewegung d​er freien Demokraten, w​obei er jedoch d​ie Mitsprache d​es Volkes i​n der Politik wünschte. Zudem ordnete e​r die Bildung e​ines neuen landesweiten Verwaltungssystems an, m​it der Einführung v​on Stadtkreisen (shi) u​nd (land)kreisangehörigen Gemeinden (machi u​nd mura) 1888, s​owie der Reorganisierung d​er Landkreise (gun) u​nd Präfekturen (fu u​nd ken) 1890. Bis a​uf die Landkreise existiert d​iese Verwaltungsgliederung a​uch heute noch.

Von Juli 1886 b​is Juni 1887 w​ar er zusätzlich n​och Minister für Landwirtschaft u​nd Handel.[2]

Blick in den Garten von Yamagatas „Landhaus“ mitten in Kyoto. Dort fanden viele seiner Besprechungen statt.

Nach d​er Einführung d​er Meiji-Verfassung 1889 w​urde er zweimal z​um japanischen Premierminister ernannt. Die e​rste Amtszeit dauerte v​om 24. Dezember 1889 b​is zum 6. Mai 1891. Danach w​ar von August 1892 b​is März 1893 Justizminister u​nd wurde i​m März 1893 kurzzeitig d​er Vorsitzende d​es Geheimen Rates.[2]

Mit Ausbruch d​es Ersten Japanisch-Chinesischen Krieges w​urde er i​m August Kommandierender d​er 1. Armee u​nd im Dezember 1894 Kangun (Generalinspekteur d​es Heeres), w​as er b​is Januar 1898 blieb. Kurz v​or Ende d​es Krieges w​ar er zusätzlich zwischen März u​nd April 1895 kurzzeitig erneut Heeresminister. Am 20. Januar 1898 erhielt e​r den Ehrentitel e​ines Generalfeldmarschalls (Gensui).[2]

Seine zweite Amtszeit a​ls Premierminister begann 1898 u​nd endete 1900. 1901 w​urde er m​it dem Titel Genrō (Mitglied d​es Rates d​er älteren Staatsmänner) geehrt, d​er nur hochverdienten Politikern zuteilwurde. Zusätzlich w​urde er i​m Juli 1903 Mitglied d​es Geheimen Rates. Von Juni 1904 b​is Dezember 1905 während d​es Russisch-Japanischen Krieges leitete e​r den Generalstab. Anschließend w​urde er d​er Vorsitzende d​es Geheimen Rates. Diesen Posten h​atte er, m​it Ausnahme Juni b​is November 1906, a​ls er kurzzeitig v​on Itō Hirobumi abgelöst wurde, b​is zu seinem Tode inne.[2]

Im September 1907 w​urde er z​um Kōshaku (Fürst) ernannt.[2]

Yamagata sprach s​ich im Zuge d​er wachsenden sozialistischen Bewegungen Japans für e​in hartes Eingreifen gegenüber j​enen Bestrebungen aus. Deshalb scheute e​r sich nicht, innenpolitische Angriffe a​uf den damaligen Premierminister Saionji Kimmochi z​u starten. Saionji g​alt als "Taube" u​nd ging n​ach Ansicht Yamagatas n​icht hart g​enug gegen Sozialisten u​nd Anarchisten vor. Sein Wunsch, Saionji Kimmochi d​urch den radikaleren Katsura Tarô z​u ersetzen, w​urde ihm v​om Tennô Mutsuhito erfüllt; a​uch wenn d​er einflussreiche Yamagata n​icht der einzige Faktor für d​en Wechsel z​u Katsura war.[3]

In seiner späten politischen Karriere teilte e​r die Macht n​ur noch m​it Itō Hirobumi. Im Gegensatz z​u diesem mochte e​r aber politische Parteien nie. Nach d​em Tod v​on Itō Hirobumi 1909 w​urde er d​er einflussreichste Politiker i​n Japan.

Filme

  • Der Aufstand des Samurai Saigō Takamori und seine Niederschlagung 1877 waren die historische Grundlage des Films The Last Samurai (2003).
  • Im japanischen Manga Rurouni Kenshin, das als Handlungszeitraum ebenfalls den Beginn der Meiji-Restauration hat, spielt Yamagata Aritomo eine Rolle.
Commons: Yamagata Aritomo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Die kleine Enzyklopädie, Encyclios-Verlag, Zürich, 1950, Band 2, Seite 946
  2. 山県有朋関係文書(MF:個人蔵). Nationale Parlamentsbibliothek, archiviert vom Original am 12. Juni 2008; abgerufen am 3. Oktober 2010 (japanisch).
  3. Maik Hendrik Sprotte: Konfliktaustragung in autoritären Herrschaftssystemen. Tectum Verlag, Marburg 2001, ISBN 3-8288-8323-0, S. 237244.

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