Arcièren-Leibgarde

Die Arcièren-Leibgarde (von ital. Arciere – Bogenschütze, Leibwächter) w​ar eine d​er fünf Gardeformationen d​es Kaisers v​on Österreich. Der vollständige Name lautete: k.k. Erste Arcièren-Leibgarde. Sie bestand n​ur aus Generälen, Stabs- u​nd Oberoffizieren u​nd war n​eben der königlich-ungarischen Leibgarde d​ie vornehmste d​er österreichisch-ungarischen Garden.

Heinrich Ambros Eckert, Gardist der Arcièrenleibgarde zu Pferd, um 1835, Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin
Franz Zeller Edler von Zellenberg, Arcièren Leibgarde 1868
Gardeleutnant (Oberst)
Zentralfriedhof Wien – Grab des Majors der Arcièren-Leibgarde Karl Nawratil von Kronenschild

Bedeutung und Stellung

Die Garde d​er Doppelmonarchie Österreich-Ungarn setzte s​ich zusammen aus:

Ursprünglich wurden n​ur halbinvalide Offiziere adliger Herkunft aufgenommen, e​rst seit 1807 s​tand die Garde a​uch nichtadligen offen. Die Aufnahmebedingungen w​aren sehr streng. Es w​urde gutes Aussehen u​nd eine Mindestgröße (174 cm) verlangt. Der Aspirant musste a​uf besondere Verdienste v​or dem Feind hinweisen können, w​enn möglich a​uch auf Verwundungen, d​ie ihn jedoch n​icht verunstalten durften. Er musste e​ine ausgezeichnete Dienstbeschreibung vorweisen u​nd des Reitens kundig sein. Unverheiratete wurden bevorzugt. Bis 1780 w​urde das katholische Glaubensbekenntnis verlangt.

Die Arcièren-Leibgarde w​ar keine Garde i​m Sinne d​er Schweizergarde d​es Vatikans o​der der Hundertschweizer (Cent Suisses) d​es französischen Königs Ludwig XVI., d​a die meisten i​hre Mitglieder bereits d​as gesetztere Alter erreicht hatten. (Generaloberst Viktor Dankl v​on Krásnik w​ar bereits 64 Jahre alt, a​ls er z​um Hauptmann d​er Arcièren-Leibgarde ernannt wurde; Feldmarschallleutnant Friedrich Karl v​on Fürstenwärther n​ahm man e​rst zu seinem 70. Geburtstag auf.)

Die Aufgaben d​er Einheit w​aren rein repräsentativer Art. Sie unterstand d​em Ersten Obersthofmeister a​ls Oberstem a​ller Garden. Die Aufgaben e​iner Garde i​m militärischen Sinne oblagen i​n Österreich-Ungarn d​er Leibgardereitereskadron u​nd der Leibgardeinfanteriekompanie, s​owie eingeschränkt a​uch der Trabantenleibgarde.

Kommandostruktur im Juli 1914

  • Gardekapitän:
General der Infanterie Friedrich von Beck-Rzikowsky
  • Gardekapitänleutnant:
Im August 1914 nicht besetzt
  • Gardeoberleutnant und Gardehauskommandant:
Feldmarschallleutnant Friedrich Sachse von Rothenberg
  • Gardeleutnant:
Feldmarschalleutnant Ferdinand Ritter von Dondorf
  • Gardewachtmeister:
Oberstlt. Oliver Anelli-Monti Edler von Vallechiara
Major Adolf Freiherr von Schmysingk gen. Korff
Major Oskar Ritter d'Elvert
Major Emil Paskovits

Geschichte

Nach d​em Frieden v​on Hubertusburg w​urde von Maria Theresia a​m 25. August 1763 d​ie römisch-königliche Arcièrenleibgarde z​u Pferde (30 Mann) u​nd am 27. Dezember 1763 d​ie k.k. adelige Arcièrenleibgarde z​u Pferd (50 Mann) aufgestellt. Beide Gardeformationen l​egte man n​ach dem Tod Kaiser Franz Stephans z​ur königlich böhmischen u​nd erzherzoglich österreichischen adeligen Arcièrenleibgarde zusammen, d​ie zur damaligen Zeit i​m Unteren Belvedere untergebracht war.

Im Jahre 1806 w​urde die Bezeichnung i​n k.k. Erste Arcièren-Leibgarde geändert.

Oberst[1] sämtlicher Leibgarden „Sr. Maj. d​es Kaisers u​nd Königs“[2] w​ar zuletzt Alfred Fürst Montenuovo.

Das Stabsquartier d​er Arcièren-Leibgarde w​ar in Wien i​m III. Bez., Rennweg 4/6 i​n der Leibgardekaserne.

Am 29. Dezember 1913 w​ies die Formation e​ine Stärke v​on 38 Mann auf.

Chargen

Die Garde bestand n​ur aus Generälen, Stabs- u​nd Oberoffizieren m​it der folgenden Chargenbezeichnung:

Adjustierungen

Hofdienstadjustierung
Paradeadjustierung
  • Sie umfasste für den Gardekapitän und die Gardeoberoffiziere im Generalsrang die folgenden Montur:
    Helm mit Büffelhaarbusch, Waffenrock, Pantalons, Stiefeletten, Mantel, Handschuhe, Säbel, Säbelkuppel, Portepee, Feldbinde.
  • Für Gardeoberoffiziere ohne Generalsrang, Gardechargen und Garden:
    Helm mit Büffelhaarbusch, Waffenrock, Kartusche samt Riemen, Salonhose, Stiefeletten, Mantel, Handschuhe, Säbel, Säbelkuppel, Portepee.
„Garde“ in Hofdienstadjustierung

Montur

  • Der Helm
Der Helm bestand aus der Glocke samt Sonnen- und Nackenschirm, dem doppelköpfigen gekrönten Adler mit halb geöffneten Flügeln und dem ornamentierten Wappenschild des Erzhauses. Als Material für den Helm diente Silber, der Wappenschild, das Helmkreuz, und der Adler waren aus Messing angefertigt. Der Helm wurde stets mit einem weißen Büffelhaarbusch getragen, sodass der Adler kaum sichtbar war.
Die Einführung des Helms anstelle des Hutes zur Hofdienst-Uniform war am 29. Juli 1850 genehmigt worden; er wurde ab dem Neujahrstag 1851 getragen, zunächst mit einem weißen Rosshaarbusch, der 1869 durch einen eleganteren, leichteren und langlebigeren Büffelhaarbusch ersetzt wurde. Trompeter trugen Packfong-Helme mit rotem Rosshaarbusch.[3]
  • Der Hut
Bis zur Einführung des Silberhelms 1850 wurde ein bordierter Hut getragen.
Bei besonderen Anlässen trug der Gardekapitän anstatt des Helms eine schwarze Feldkappe wie Generäle der k.u.k. Armee. Die übrigen Gardeoberoffiziere hatten eine solche wie die Offiziere der Infanterie mit goldenen Knöpfen samt Doppeladleremblem.
Der Hut gehörte zur Haus-Uniform. Stabsoffiziere und Generäle trugen ihn mit einem grünen Strauß-, die übrigen mit einem schwarzen Hahnen-Federbusch.[3]
  • Der Hofdienstwaffenrock
Laut Vorschrift aus ponceaurotem Tuch mit Kragen und Aufschlägen aus schwarzem Samt. Schnitt und Form wie bei der Infanterie, jedoch vorn mit zulaufenden Schößen. eine Reihe von zwischen neun und zwölf vergoldete Knöpfe mit dem Doppeladler als Emblem.
Der Kragen, die Ärmel und die Vorderteile, sowie die Ränder und Schöße der Patten waren beim Gardekapitän und bei den Oberoffizieren mit reicher Goldstickerei verziert.
Bei den Gardechargen und Garden hatten Kragen und Ärmelaufschläge des Hofdienstwaffenrocks einen doppelten Goldbortenbesatz. Die beiden Vorderteile sowie die unteren beiden Ärmelhälften wiesen einen breiten Besatz von Goldborten und Troddeln auf.
Die zum Rock gehörenden Epauletten bestanden aus Teller und Achselplatte. Der Teller hatte elliptische Form und war mit drei Reihen dicker Goldbouillons besetzt.
Angehörige der Arcièren-Leibgarde im Generalsrang trugen auf den schwarzen Waffenröcken mit ponceauroter Egalisierung, den Kragen und die Ärmelborten wie Generäle in deutscher Uniform. Die Rangsterne waren ihrem Rang entsprechend. Der Gardewaffenrock der übrigen Angehörigen wies eine Achselschlinge wie bei den Dragoneroffizieren auf. Sie trugen die ihrer Armeecharge entsprechenden Dienstgradabzeichen am Kragen gemäß der Adjustierungsvorschriften des Heeres.
  • Die Beinkleider
Zur Hofdienstadjustierung gehörten Hosen, die aus weißem amerikanischem Hirschleder gefertigt waren. Sie waren an den Schenkeln und im Gesäß eng geschnitten.
  • Stiefel
Hohe Reitstiefel (Form der sog. Kürassierstiefel) aus feinem, schwarzem Lackleder mit weichen Röhren und Kappen, die 16 cm über das Knie zu reichen hatten.
  • Säbel
Der Hofdienstsäbel mit mäßig gebogener Klinge aus Stahl ohne Hohlschliff, mit dem eingeätzten "Allerhöchstem Namenszug" war 82 cm lang. Der Gefäßkorb aus gegossener Bronze war vielfach durchbrochen und zeigte zwei Greife, welche den mit der Kaiserkrone gezierten Doppeladler trugen. Der aus Buchenholz gefertigte Griff war mit Fischhaut überzogen. Zum Säbel gehörte eine Scheide aus poliertem Stahl mit vergoldeten, ornamentierten Beschlägen. Der Säbel wurde an einer Kuppel aus braunem Leder getragen. Sie hatte einen Besatz aus Goldborten und vergoldeten Schnallen. Das Portepee war wie bei den Infanterieoffizieren. Die Feldbinde mit Goldgespinst war ähnlich wie bei den Generalen in deutscher Uniform.
  • Mantel
Zur Hofdienstuniform gehörte ein weißer Radmantel mit 10 cm breitem, rotem Umlegekragen
  • Kommandostock
Ebenfalls zum Hofdienst (allerdings nur zu Fuß) gehörte ein 90 cm langer, schwarzer Ebenholzstock als Kommandostock.
  • Kartusche
Gardechargen und Garden waren durch eine Kartusche gekennzeichnet. In Form und Größe glich sie der Patronentasche der Kavallerieoffiziere, hatte jedoch eine Fütterung aus schwarzem Samt. Die Seitenwände und der Boden waren aus Holz gefertigt, mit Silber überzogen und mit aufmontierten, vergoldeten Bügeln und Traghaken versehen. Auf dem Kartuschendeckel war das österreichische, von zwei Greifen gehaltene Hauswappen mit der Kaiserkrone aus vergoldeter Bronze angebracht. Die Kartusche wurde von einem Lederriemen getragen, welcher mit Goldborten besetzt war und der in der Mitte einen schwarzen Streifen aufwies.
Uniformen der Leibgarden des Kaisers von Österreich im HGM (von l. n. r.: k.u. Leibgarde, Arcièren-Leibgarde, k.u.k. Trabantenleibgarde und k.u.k. Leibgardereitereskadron).

Museale Rezeption

Im Heeresgeschichtlichen Museum i​n Wien s​ind die s​ehr glanzvollen u​nd dementsprechend aufwändigen Adjustierungen d​er Garden ausgestellt. Zu s​ehen sind Monturen d​er k.k. Ersten Arcièren-Leibgarde, k.u. Leibgarde, k.u.k. Leibgardereitereskadron u​nd der k.u.k. Trabantenleibgarde. An d​er Rückseite d​er Vitrine befindet s​ich ein v​on Ludwig Koch geschaffenes Porträt d​es Generalobersten Friedrich Graf Beck-Rzikowsky i​n der Uniform e​ines Kapitäns d​er Arcièren-Leibgarde, e​ine Stellung, d​ie Beck v​on 1906 b​is 1917 innehatte.[4] Neben d​er Vitrine befindet s​ich ein weiteres Gemälde v​on dem Maler Franz Zeller v​on Zellenberg, welches d​as Einreiten d​er Arcièren Leibgarde i​n deren Kaserne a​m Rennweg i​n Wien zeigt. (oben abgebildet)

Quellen

  • Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv (Wien)
  • Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs. Aufgebaut auf der Geschichte des Archivs und seiner Bestände. Band 2: Geschichte und Inventare der Archive des Hauses Habsburg-Lothringen, der Hofstäbe und des Kabinettsarchivs (= Inventare des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs 5. = Inventare österreichischer staatlicher Archive 5, 5). Holzhausen, Wien 1937, S. 347 ff.

Literatur

  • Oskar Brüch: Das K.u.K. Heer 1895. Eine Bildserie (= Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien. Band 10). Kommentiert von Günter Dirrheimer. 3. Auflage. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1986, ISBN 3-215-05083-8.
  • Günter Dirrheimer (Hrsg.): Die K.K. Armee im Biedermeier. Neuausgabe der Darstellung der k.k. österr. Armee mit allen Chargen in 26 Heften. Nebst einem Anhange von 20 Blättern in folio. Enthaltend die Militair-Musik-Banden, Artiellerie-Bespannungen, Kriegs Marine und sämtliche Militair Train. Lithogr. bey Joseph Trentsensky in Wien, 1823. Edition Tusch, Wien 1975, ISBN 3-85063-047-1, (Faksimile).
  • Dislokation und Einteilung des k.u.k Heeres, der k.u.k. Kriegsmarine, der k.k. Landwehr und der k.u. Landweh. In: Seidels kleines Armeeschema. Seidel & Sohn, Wien 1914, (Ausgabe 1908; HTML, 81 kB.).
  • Emil Paskovits: Die erste Arcièrenleibgarde Seiner Majestät des Kaisers und Königs. Ein Rückblick auf ihre 150jährige Geschichte. Selbstverlag der k. k. Ersten Arcièrenleibgarde, Wien 1914.

Einzelnachweise

  1. hier nicht als Dienstgrad, sondern als oberster Offizier gemeint
  2. seiner Majestät, des Kaisers und Königs - so die offizielle Bezeichnung
  3. Herbert Klima: Der Helm der k.k. Ersten Arcierenleibgarde. In: Militaria Austriaca. Band 1, 1977, ZDB-ID 557189-3, S. 49–63.
  4. Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Führer durch das Museum. Band 1: Das Museum, die Repräsentationsräume. Kiesel, Salzburg 1981, ISBN 3-7023-0113-5, S. 29.
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