Roßbach (Bischoffen)

Roßbach i​st ein Ortsteil d​er Gemeinde Bischoffen i​m mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.

Roßbach
Gemeinde Bischoffen
Wappen von Roßbach
Höhe: 312 m ü. NHN
Fläche: 6,01 km²[1]
Einwohner: 371 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 62 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Eingemeindet nach: Niederweidbach
Postleitzahl: 35649
Vorwahl: 06444
Blick auf Roßbach aus westlicher Richtung
Blick auf Roßbach aus westlicher Richtung

Geografie

Der Ort l​iegt von Wald umgeben i​m Niederweidbacher Becken a​n der Aartalsperre. Durch d​as Dorf verläuft d​ie Landesstraße 3287.

Geschichte

Evangelische Kirche

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Roßbach erfolgte im Jahr 1304 unter dem Namen Rosbach.[2] Es lag an der jüngeren Köln-Leipziger Handelsstraße. Bis zum Jahr 1618 war Roßbach nach Altenkirchen eingepfarrt, danach kam es zur Pfarrei in Niederweidbach.

Das h​eute noch i​n Betrieb befindliche Backhaus w​urde im 18. Jahrhundert erbaut. Vor diesem Backhaus s​teht seit alters h​er der Dorfbrunnen.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung d​es Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Roßbach:

„Roßbach (L. Bez. Gladenbach) evangel. Filialdorf; l​iegt 2 St. v​on Gladenbach, h​at 1 Kapelle, 46 Häuser u​nd 230 Einwohner, d​ie alle evangelisch sind, u​nd sich d​urch Ackerbau, Viehzucht u​nd forstliche Nutzungen i​m ziemlichen Wohlstande befinden. – Durch d​en Hauptvergleich v​om 30. October 1629 zwischen Hessen u​nd Solms, i​n welchem d​ie Aemter Königsberg u​nd Hohensolms getheilt wurden, k​am der Ort m​it andern Orten ausschließend a​n ersteres Haus.“[3]

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Roßbach auf freiwilliger Basis am 1. April 1972 nach Niederweidbach eingegliedert, diese Gemeinde wurde wiederum am 1. Juli 1974 kraft Landesgesetz mit Bischoffen sowie weiteren Gemeinden zur Großgemeinde Bischoffen zusammengeschlossen.[4][5] Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke errichtet.

Territorialgeschichte und Verwaltung

Die folgende Liste z​eigt im Überblick d​ie Territorien, i​n denen Roßbach lag, bzw. d​ie Verwaltungseinheiten, d​enen es unterstand:[2][6][7]

Gerichtszugehörigkeit seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Roßbach das „Amt Königsberg“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit d​er Gründung d​es Großherzogtums Hessen 1806 w​urde diese Funktion beibehalten, während d​ie Aufgaben d​er ersten Instanz 1821 i​m Rahmen d​er Trennung v​on Rechtsprechung u​nd Verwaltung a​uf die n​eu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. „Landgericht Gladenbach“ w​ar daher v​on 1821 b​is 1866 d​ie Bezeichnung für d​as erstinstanzliche Gericht, d​as für Roßbach zuständig war.

Nach d​er Abtretung d​es Kreises Biedenkopf a​n Preußen infolge d​es Friedensvertrags v​om 3. September 1866 zwischen d​em Großherzogtum Hessen u​nd dem Königreich Preußen w​urde der Landgerichtsbezirk Gladenbach preußisch.[14] Im Juni 1867 erging e​ine königliche Verordnung, d​ie die Gerichtsverfassung i​m vormaligen Herzogtum Nassau u​nd den vormals z​um Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen n​eu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben u​nd durch Amtsgerichte i​n erster, Kreisgerichte i​n zweiter u​nd ein Appellationsgericht i​n dritter Instanz ersetzt werden.[15] Im Zuge dessen erfolgte a​m 1. September 1867 d​ie Umbenennung d​es bisherigen Landgerichts i​n Amtsgericht Gladenbach. Die Gerichte d​er übergeordneten Instanzen w​aren das Kreisgericht Dillenburg u​nd das Appellationsgericht Wiesbaden.[16] Aufgrund d​es Gerichtsverfassungsgesetzes 1877 k​am es m​it Wirkung z​um 1. Oktober 1879 z​um Wechsel d​es Amtsgerichts i​n den Bezirk d​es neu errichteten Landgerichts Marburg.[17]

Vom 1. Oktober 1944[18] bis 1. Januar 1949[19] gehörte das Amtsgericht Gladenbach zum Landgerichtsbezirk Limburg, danach aber wieder zum Landgerichtsbezirk Marburg. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Aufhebung des Amtsgerichts Gladenbach[20], welches fortan nur noch als Zweigstelle des Amtsgerichts Biedenkopf fungierte.[21] Am 1. November 2003 wurde diese Zweigstelle schließlich aufgelöst.[22] Mit dem Wechsel von Roßbach 1974 in den Kreis Wetzlar erfolgte auch die Zulegung zum Bereich des Amtsgerichts Wetzlar. Die übergeordneten Instanzen sind jetzt das Landgericht Limburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

 1577:028 Hausgesesse
 1677:026 Hausgründe (20 Männer, 1 Neumann, 5 Witwen, 10 ledige Personen).
 1742:061 Haushalte
 1791:244 Einwohner[10]
 1800:220 Einwohner[23]
 1806:230 Einwohner, 48 Häuser[12]
 1829:230 Einwohner, 46 Häuser[3]
Roßbach: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2019
Jahr  Einwohner
1791
 
244
1800
 
220
1806
 
230
1829
 
230
1834
 
249
1840
 
335
1846
 
270
1852
 
257
1858
 
239
1864
 
232
1871
 
207
1875
 
213
1885
 
190
1895
 
220
1905
 
217
1910
 
214
1925
 
240
1939
 
231
1946
 
316
1950
 
327
1956
 
302
1961
 
300
1967
 
310
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
?
2011
 
396
2015
 
396
2019
 
371
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [2][1]; 2015: web archiv ;Zensus 2011[24]

Religionszugehörigkeit

1829:230 evangelische Einwohner[3]
1885:178 evangelisch-lutherische, keine römisch-katholischen und 3 jüdische Einwohner[2]
1961:256 evangelische (= 85,33 %), 21 römisch-katholische (= 7,00 %) Einwohner[2]

Erwerbstätigkeit

1867:Erwerbspersonen: 53 Landwirtschaft, 7 Gewerbe und Industrie, 4 Verkehr, 2 persönliche Dienstleistungen, 1 Gesundheitspflege, 1 Erziehung und Unterricht.[2]
1961:Erwerbspersonen: 92 Land- und Forstwirtschaft, 68 produzierendes Gewerbe, 8 Handel und Verkehr, 10 Dienstleistungen und sonstiges.[2]

Politik

Ortsbeirat

Roßbach verfügt über e​inen dreiköpfigen Ortsbeirat m​it Ortsvorsteher. Nach d​en Kommunalwahlen i​n Hessen 2021 i​st der Ortsvorsteher Ernst Dix.[25]

Wappen

Am 31. August 1957 genehmigte d​er Hessische Minister d​es Innern d​as Wappen m​it folgender Beschreibung:[26]

Wappen von Roßbach
Blasonierung: „In Schwarz ein steigendes, silbernes Roß mit roten Hufen und roter Zunge über einem schräggelegten goldenen Bach.“
Wappenbegründung: Das Ross versinnbildlicht als redendes Element die Silbe „Roß-“ des Ortsnamens; der goldene Bach die Silbe „-bach“.

Sehenswürdigkeiten

Kulturdenkmäler

Siehe Liste d​er Kulturdenkmäler i​n Roßbach

Naturdenkmäler

  • Dicke Eiche mit einem Brusthöhenumfang 7,25 m (2014).[27]
  • Alte Eiche mit einem Brusthöhenumfang von 6,02 m (2014).[28]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Roßbach im Webauftritt der Gemeinde Bischoffen, abgerufen im April 2020.
  2. Roßbach, Lahn-Dill-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt August 1830, OCLC 312528126, S. 247 (Online bei google books).
  4. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 19 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  5. K.-H. Gerstenmeier: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen 1977, S. 283
  6. Michael Rademacher: Land Hessen. Online-Material zur Dissertation. In: treemagic.org. 2006;.
  7. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 12 ff. (google books).
  8. Die Zugehörigkeit des Amtes Königsberg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  9. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 27 ff., § 40 Punkte 1&1#41; und 6b&1#41; (google books).
  10. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 202 ff. (Online in der HathiTrust digital library).
  11. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, OCLC 165696316, S. 8 f., 428 (Online bei google books).
  12. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 266 ff. (Online in der HathiTrust digital library).
  13. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 420 (online bei Google Books).
  14. Art. 14 des Friedensvertrages zwischen dem Großherzogthum Hessen und dem Königreiche Preußen vom 3. September 1866 (Hess. Reg.Bl. S. 406–407http://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10510194~SZ%3D412~doppelseitig%3D~LT%3DHess.%20Reg.Bl.%20S.%20406%E2%80%93407~PUR%3D)
  15. Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim vom 26. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1094–1103)
  16. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 26. Juni d. J. in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen, mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 218–220http://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10509837~SZ%3D234~doppelseitig%3D~LT%3DPr.%20JMBl.%20S.%20218%E2%80%93220~PUR%3D)
  17. Verordnung, betreffend die Errichtung der Amtsgerichte vom 26. Juli 1878 (PrGS 1878, S. 275–283)
  18. Erlaß zur Änderung von Oberlandesgerichtsbezirken vom 20. Juli 1944 (RGBl. I S. 163)
  19. Betrifft: Gerichtsorganisation (Änderung von Landgerichtsbezirken) vom 14. Dezember 1948. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1948 Nr. 52, S. 563, Punkt 728 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,4 MB]).
  20. Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 6 b) und Artikel 2, Abs. 8 a) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).
  21. Betrifft: Gerichtsorganisation (Errichtung von Zweigstellen der Amtsgerichte) vom 1. Juli 1964. In: Der Hessische Minister Justiz (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1968 Nr. 28, S. 1037, Punkt 777: § 1 Abs. 5 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,8 MB]).
  22. Dritte Verordnung zur Anpassung gerichtsorganisatorischer Regelungen (Ändert GVBl. II 210–33; GVBl. II 210–86) vom 10. Oktober 2003. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2003 Nr. 16, S. 291, Artikel 1, Abs. 3) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 531 kB]). bezieht sich auf Anordnung über die Errichtung und Zuständigkeit von gerichtliche Zweigstellen (Ändert GVBl. II 210-33) vom 24. Mai 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 18, S. 539 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,6 MB]).
  23. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 220 ff. (Online in der HathiTrust digital library).
  24. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  25. Ortsbeirat Roßbach im Internetauftritt der Gemeinde, abgerufen in Februar 2022.
  26. Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Roßbach im Landkreis Biedenkopf, Regierungsbezirk Wiesbaden vom 14. September 1957. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1957 Nr. 37, S. 901, Punkt 921 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF]).
  27. Eintrag im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 10. Januar 2017.
  28. Eintrag im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 10. Januar 2017.
  29.  Info: Bitte auf Vorlage:HessBib umstellen, um auch nach 2015 erfasste Literatur zu selektieren!
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