Freie Base

Viele Amine s​ind bei d​er Lagerung n​icht so stabil w​ie ihre Salze. Soll d​as Amin a​us einem Salz freigesetzt werden, m​uss die salzbildende Säure entfernt werden. Das Amin k​ann dann a​ls freie Base bezeichnet werden. Die Freisetzung k​ann durch Reaktion m​it einer Base erfolgen, d​ie stärker a​ls das Amin ist. Handelt e​s sich u​m Hydrohalogenide d​es Amins, w​urde in d​er Frühzeit d​er Organischen Chemie o​ft eine Suspension v​on Silber(I)-oxid i​n wässriger Lösung verwendet. Die Halogenid-Ionen bilden schwerlösliche Silberhalogenide, d​ie durch Filtrieren leicht abgetrennt werden können. Diese Verfahren spielten v​or allem b​ei tertiären Aminen e​ine Rolle, z​u denen d​ie meisten Alkaloide gehören.

Beispiele:

  • Nicotin ist bei Raumtemperatur eine farblose, ölige Flüssigkeit, die sich an der Luft rasch braun färbt. In den Tabakpflanzen kommt es an Citronensäure und Äpfelsäure gebunden vor, d. h. als Citrat bzw. Malat.[1] Mit Oxalsäure bildet es ein Oxalat, das zur Isolierung von Nicotin aus Tabaklauge verwendet werden kann. Aus dem Nicotinoxalat entsteht durch Behandeln mit der starken Base Kaliumhydroxid (Kalilauge) die „freie Nicotinbase“.[2]
  • Kokain . Durch Behandeln von Blättern des Cocastrauches mit verdünnter Schwefelsäure entsteht Kokainsulfat. Versetzt man eine Lösung des Sulfats mit gebranntem Kalk, d. h. Calciumoxid, bildet sich Calciumsulfat (Gips), und die Kokainbase wird freigesetzt. Hersteller und Konsumenten in der „Szene“ bezeichnen sie als „Freebase“ und verwenden diesen Begriff ausschließlich für die freie Base von Kokain. Mit Salzsäure entsteht aus der freien Kokainbase Kokainhydrochlorid, welches gelagert und verkauft werden kann. Aus diesem kann wiederum die Base freigesetzt werden, indem man die wässrige Lösung mit Ammoniak oder Natriumhydrogencarbonat reagieren lässt. Ausführlicher ist die Gewinnung des Kokains im Wikipedia-Artikel beschrieben.

Einzelnachweise

  1. The Merck Inde. 11th Edition, 1989, S. 1013.
  2. L. Gattermann: Die Praxis des Organischen Chemikers. fortgeführt von H. Wieland, 37. Auflage, bearbeitet von Theodor Wieland, Walter de Gruyter & Co., Berlin 1956, S. 354.
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