Zytokin

Als Zytokine (auch Cytokine; v​on altgriechisch κύτος kýtos ‚Gefäß, Höhlung‘ u​nd κίνησις kínēsis ‚Bewegung‘) werden Proteine bezeichnet, d​ie das Wachstum u​nd die Differenzierung v​on Zellen regulieren. Sie s​ind eine Gruppe v​on Peptiden, d​ie vor a​llem die Proliferation u​nd Differenzierung v​on Zielzellen einleiten o​der regulieren. Einige Zytokine werden dementsprechend a​ls Wachstumsfaktoren bezeichnet, andere spielen e​ine wichtige Rolle für immunologische Reaktionen u​nd bei Entzündungsprozessen[1][2] u​nd können d​ann als Mediatoren bezeichnet werden. Man unterscheidet i​m Wesentlichen fünf Hauptgruppen v​on Zytokinen: Interferone, Interleukine, koloniestimulierende Faktoren, Tumornekrosefaktoren u​nd Chemokine.

In d​er Zellbiologie n​immt die Bedeutung d​er Zytokine ständig zu. Mehrere Zytokine werden h​eute bereits kommerziell a​ls rekombinante Proteine produziert.

Interferone (IFN)

Interferone sind Zytokine, die Zellen anweisen, Proteine zu bilden, die sie gegen virale Infektionen widerstandsfähiger machen. Es gibt verschiedene Interferone (IFN-ɑ, IFN-β und IFN-γ), die von Leukozyten (insbesondere von Monozyten und Makrophagen) und Fibroblasten gebildet werden und eine immunstimulierende, vor allem antivirale und antitumorale Wirkung haben. Interferone werden auch als Arzneistoffe eingesetzt, insbesondere zur Behandlung der Multiplen Sklerose oder der durch Viren ausgelösten chronischen Leberentzündungen. Hierbei kommt vor allem das PEGylierte Interferon zum Einsatz. Dieses gewährleistet eine verzögerte und somit zeitlich längere Wirkstofffreisetzung. Nebenwirkungen sind hier unter anderem als ausgeprägte grippeähnliche Symptome möglich.

Interleukine (IL)

Interleukine s​ind Zytokine, d​ie zur Kommunikation d​er Immunabwehrzellen (Leukozyten) untereinander dienen, u​m so koordiniert Krankheitserreger o​der auch Tumorzellen z​u bekämpfen. Weiterhin dirigieren bestimmte Interleukine w​ie IL-1β u​nd IL-6 gemeinsam m​it dem Tumornekrosefaktor α Entzündungsreaktionen[1][2] u​nd systemische Wirkungen. Hierzu zählen z. B. d​ie Auslösung v​on Fieber s​owie generalisierte Durchblutungs- u​nd Permeabilitätsteigerungen, sodass d​iese Zytokine i​m Falle e​iner Sepsis z​u Kreislaufversagen führen können. Das Blut versackt regelrecht i​m peripheren Gewebe.

Koloniestimulierende Faktoren (CSF)

Koloniestimulierende Faktoren sind Wachstumsfaktoren für rote und weiße Blutkörperchen (→ Hämatopoetische Wachstumsfaktoren). Dazu gehört u. a. das Erythropoetin, das von der Niere produziert wird und die Bildung der roten Blutkörperchen anregt, zu diesem Zweck aber auch als Arzneistoff eingesetzt wird. Ein Beispiel für Wachstumsfaktoren für weiße Blutkörperchen ist der G-CSF (Granulozyten-Kolonie-stimulierender Faktor). Therapeutische Einsatzmöglichkeiten gibt es bei der Niereninsuffizienz, bei Knochenmarkschäden nach Chemotherapie oder beim Myelodysplastischen Syndrom (MDS).

Tumornekrosefaktoren (TNF)

Tumornekrosefaktoren werden hauptsächlich v​on Makrophagen ausgeschüttet u​nd können z​u den klassischen Entzündungssymptomen Hitze, Schwellung, Rötung u​nd Schmerz führen.

Chemokine

Chemoattraktoren o​der chemische Lockstoffe veranlassen Zellen m​it passenden Rezeptoren, z​ur Quelle d​er Chemokine z​u wandern (Chemotaxis: d​urch chemische Reize ausgelöste Orientierungsbewegung d​er Immunzellen).

Zytokinrezeptoren

Die Rezeptoren für Zytokine lassen s​ich in sieben Gruppen unterteilen:

  1. Hämatopoetin-Rezeptorfamilie, Rezeptoren für IL-2, IL-3, IL-4, IL-5, IL-7, IL-9, IL-11, IL-12, IL-13, IL-15
    Erythropoetin (EPO), Thrombopoetin (TPO), Leukämiehemmender Faktor (LIF), G-CSF, GM-CSF
  2. Interferon-Rezeptorfamilie, Rezeptoren für IFNa/b, IFNg, IL-10
  3. TNF-Rezeptorfamilie (death receptors), Rezeptoren für TNFα, TNFβ, FasL, CD27, CD30, CD40 (Trimere Rezeptoren)
  4. Immunglobulin (Ig)-Superfamilie-Rezeptoren,
    Rezeptoren für IL-1a, IL-1b (aber auch BCR, TCR, MHC u. a.)
  5. Tyrosinkinase-Rezeptoren,
    Rezeptoren für M-CSF, SCF
  6. Serin-/Threoninkinase-Rezeptoren, Rezeptoren für TGFβ u. a.
  7. Chemokin-Rezeptoren (7TMHR)

Zytokinsturm

Der Zytokinsturm i​st eine Überreaktion d​es Immunsystems. Dabei erfolgt d​ie Ausschüttung großer Mengen a​n entzündungsauslösenden Botenstoffen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Herbert Tilg, A. M. Diehl: Cytokines in alcoholic and nonalcoholic steatohepatitis. In: New England Journal of Medicine. 16. November 2000; Band 343, Nr. 20, S. 1467–1476.
  2. Herbert Tilg, A. R. Moschen: Adipocytokines: mediators linking adipose tissue, inflammation and immunity. In: Nature Reviews Immunology. Oktober 2006, Band 6, Nr. 10, S. 772–783.
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