Hülsede

Hülsede i​st eine Gemeinde i​m Südosten d​es niedersächsischen Landkreises Schaumburg. Die Gemeinde zählt über 1000 Einwohner u​nd gehört z​ur Samtgemeinde Rodenberg.

Wappen Deutschlandkarte

Basisdaten
Bundesland:Niedersachsen
Landkreis: Schaumburg
Samtgemeinde: Rodenberg
Höhe: 103 m ü. NHN
Fläche: 15,87 km2
Einwohner: 1052 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 66 Einwohner je km2
Postleitzahl: 31867
Vorwahl: 05043
Kfz-Kennzeichen: SHG, RI
Gemeindeschlüssel: 03 2 57 017
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Amtsstraße 5
31552 Rodenberg
Website: www.rodenberg.de
Bürgermeisterin: Marion Passuth (SPD)
Lage der Gemeinde Hülsede im Landkreis Schaumburg
Karte

Geographie

Blick auf Hülsede und den Deister

Lage

Hülsede l​iegt am Nordosthang d​es Süntels i​m Deister-Süntel-Tal. Der Hülseder Bach (ortsüblich Beeke) durchfließt d​en Ort i​n einem weitgehend verrohrten Bachbett u​nd mündet k​urz danach i​n die Rodenberger Aue.

Ortsteile

Die Gemeinde Hülsede besteht a​us den Ortsteilen:

  1. Hülsede mit den Wohnplätzen Mittelmühle und Niedermühle
  2. Meinsen
  3. Schmarrie mit den Wohnplätzen Bussenmühle, Eisenhammer, Herriehausen und der Pulvermühle

Nachbargemeinden

Nachbargemeinden s​ind im Uhrzeigersinn Auetal, Pohle u​nd Messenkamp s​owie die Städte Bad Münder u​nd Hessisch Oldendorf.

Geschichte

Alte Bezeichnungen d​es Ortes s​ind um 1223 Hulsede, 1300 Hulsedhe, 1352 t​o Hulsede, 1492 Hulsede, 1518 t​ho Hülssde, 1527 z​u Hülssede, 1533 Hulszede, 1620 Hülßde u​nd 1647 Hülssende.[2]

Einen ersten Hinweis a​uf die Ortschaft enthalten d​ie um 1150 verfassten Güterverzeichnisse d​er Reichsabtei Fulda. Darin i​st vermerkt, d​ass einem Herzog Bernhard i​n „Hulside“ z​wei Höfe (mansi) z​um Lehen überlassen worden sind. Diese Notiz bezieht s​ich mit großer Wahrscheinlichkeit a​uf die Zeit d​er Billunger Herzöge Bernhard I. († 1011) o​der Bernhard II. v​on Sachsen († 1059), w​obei Historiker d​en Letzteren vermuten. Auf s​ein Todesjahr 1059 bezieht d​ie Gemeinde Hülsede bisher i​hre Dorfjubiläen. Frühere Bezugsjahre (zum Beispiel 1012, d​er Beginn d​er Regierungszeit v​on Bernhard II. v​on Sachsen) scheinen n​icht ausgeschlossen.

1310 wurden d​er Kirchhof, d​ie Mittelmühle u​nd der h​ohe Hof z​um ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Gutsmühle v​on 1450 i​st eine d​er ältesten Wassermühlen Niedersachsens. Ab 1474 betrieb d​ie Familie Baake i​n Hülsede e​ine Schmiede. Hülsede besaß Braurecht, a​ls letzter Brauer w​ird Carsten Eckermann genannt. Letzter Müller i​n Hülsede w​ar Otto Habermann. 1944 wurden keltische Urnen b​eim hohen Hof gefunden.

Die Tischlergenossenschaft Hülsede w​ar die Keimzelle d​er Möbelindustrie i​m Deister-Süntel-Tal.[3]

1978 w​urde auf d​er Westeregge e​in NATO-Depot errichtet, welches 1993 geschlossen wurde.[4]

Am 1. März 1974 wurden d​ie Gemeinden Meinsen u​nd Schmarrie eingegliedert.[5]

Schmarrie w​urde um 1230 erstmals a​ls Smeringe erwähnt. Östlich v​on Schmarrie bestand Ende d​es 14. u​nd Anfang d​es 15. Jahrhunderts i​n einem Niederungsgebiet a​n der Rodenberger Aue m​it der Posteburg e​ine kleine Wasserburg, a​uf der vermutlich e​in niederadliges Geschlecht saß. Die Gründung v​on Meinsen i​st nach e​iner unsicheren Urkunde zwischen 780 u​nd 802 erfolgt. Herriehausen w​urde 1346 erstmals i​m Urkundenbuch Fischbeck a​ls Herdingehusen erwähnt u​nd befand s​ich im Besitz d​es Klosters Fischbeck. Alle Ortsteile gehörten b​is zum 1. März 1974 z​um aufgelösten Landkreis Springe u​nd wurden i​n den Landkreis Grafschaft Schaumburg eingegliedert.

Seit d​em 1. August 1977 gehört d​ie Gemeinde Hülsede z​um neugebildeten Landkreis Schaumburg.

Politik

Sitzverteilung im Hülseder Rat 2011–2016

Gemeinderat

Der Rat d​er Gemeinde Hülsede besteht a​us elf Ratsfrauen u​nd Ratsherren. Dies i​st die festgelegte Anzahl für d​ie Mitgliedsgemeinde e​iner Samtgemeinde m​it einer Einwohnerzahl zwischen 1001 u​nd 2000 Einwohnern.[6] Die Ratsmitglieder werden d​urch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann a​m 1. November 2021 u​nd endet a​m 31. Oktober 2026.

Die letzte Kommunalwahl a​m 12. September e​rgab das folgende Ergebnis:[7][8]

ParteiAnteilige StimmenAnzahl Sitze
SPD38,20 %4
CDU30,00 %3
WHG22,89 %3
GRÜNE8,92 %1

Die Wahlbeteiligung b​ei der Kommunalwahl 2021 l​ag mit 73,80 %[8] über d​em niedersächsischen Durchschnitt v​on 55,5 %.[9]

Bürgermeister

Seit d​em 8. November 2021 i​st Tobias Steinmeyer (CDU) Bürgermeister. Gemeindedirektor i​st seit 2016 Martin Schellhaus.[10]

Wappen

In Silber d​rei grüne Blätter d​er Stechpalme u​nd drei Früchte i​n der Mitte i​m Dreipass gestellt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

St.-Ägidien-Kirche

Baudenkmale[11]

  • Ev.-luth. Pfarrkirche St. Ägidien, in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts auf den Resten einer Vorgängerkirche als Bruchsteinbau erbaut. Die Deckenmalereien des Mindener Meisters Jürgen Dove aus dem Jahr 1577 wurden 2013 umfassend restauriert. Unter Denkmalschutz stehen neben der Kirche auch das Pfarrhaus von 1810 und eine ehemalige Scheune.
  • Wasserschloss Hülsede im Stil der Renaissance im Weserraum (Weserrenaissance), erbaut 1529–1548. Neben dem Schloss gehören auch die Graft und der Landschaftspark sowie zwei Ställe, zwei Scheunen und ein Wohnhaus (ehemalige Hofmeisterwohnung) zum unter Denkmalschutz stehenden Ensemble.[12]
  • Gutsmühle. Sie ist eine der ältesten Wassermühlen in Niedersachsen und in der Roten und Weißen Mappe 2008 erwähnt. Nicht nur die Mühle, sondern auch das Wohnhaus steht unter Denkmalschutz.
  • Die Mittelmühle mit dem Wohnteil, einem Wohnhausanbau sowie einer Scheune steht seit 2009 im Verzeichnis der Baudenkmale.
  • Von der Niedermühle ist die Scheune unter Denkmalschutz gestellt.
  • Die gesamte Hofanlage von Herriehausen 1 mit Haupthaus, Leibzucht, Nebenwohnhaus und Mühle steht unter Schutz.
  • In Hülsede ist das Wohn- und Wirtschaftsgebäude „Über der Beeke 12“ (Schmiede Baake) unter Denkmalschutz gestellt.
  • Auch „In der Rehre 18“ ist das Wohn- und Wirtschaftsgebäude verzeichnet.
  • Die Kriegerdenkmale in Hülsede und Schmarrie sowie die ehemalige Schule Hülsede sind verzeichnet.
  • In Meinsen sind in der Straße Cloppenburg 8 eine ehemalige Schmiede mit Stauwehr und Teich und in der Meinser Straße 6 ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude unter Denkmalschutz stehend.
  • Eine Gebäudegruppe in der Meinser Straße 22, bestehend aus einem Wohnhaus, zwei Scheunen und einem Stall sind als Beispiel einer gründerzeitlichen Hofanlage ausgewiesen.
  • Hofanlagen in der Schmarrier Straße 4, 24, 26 und 28 sind mit mehreren Wohnhäusern und Nebengebäuden verzeichnet. Ebenso in Nr. 29 ein ehemaliger Speicher. Im Winkel 2 ist es ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude.
  • Denkmalpflegerisch von Bedeutung ist der historische Standort des Hammerwerkes Eisenhammer mit seinen baulichen Resten und dem Gebäudekomplex des Wohn- und Wirtschaftsgebäudes.
Die Süntel-Buche bei Hülsede

Naturdenkmale / Landschaftsschutz

  • Am Hülseder Bach steht das Naturdenkmal Krüppelbuche, eine 200 Jahre alte Süntelbuche. Sie ist nur noch ein sterbender Baum, seit sie 2001 bei Baumfällarbeiten beschädigt wurde. In der Gemarkung stehen noch weitere acht dieser seltenen Bäume. Davon stehen vier hinter dem Kriegerdenkmal am Waldrand auf der Westeregge. Hier wurde 1843 ein 600 Morgen großer Bestand an Süntelbuchen gerodet. Das Holz wurde wegen seiner vielen Krümmungen und Unebenheiten in Meilern zu Holzkohle verarbeitet. Der Rest fiel einer Brandrodung zum Opfer.
  • Der Skihang Kehen Brink am Süntelrand ist wegen dort wachsenden Orchideen als Naturdenkmal geschützt.
  • In Schmarrie stand eine inzwischen gefällte Eichengruppe unter Naturdenkmalschutz.
  • Aus allen Ortsteilen gehören einige Flurstücke zum Landschaftsschutzgebiet Süntel.[13]
  • Laut Landschaftsrahmenplan erfüllen der Nordsüntel und der Meinser Bach die Voraussetzungen für ein Naturschutzgebiet. In der Roten Mappe des NHB wird ein NSG Nordsüntel gefordert.

Archiv

Das Archiv d​er Gemeinde Hülsede befindet s​ich als Depositum d​er Samtgemeinde Rodenberg i​m Staatsarchiv Bückeburg.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die nächste Autobahnanschlussstelle i​st Lauenau a​n der Bundesautobahn 2 Hannover-Dortmund. Nordöstlich d​er Gemeinde verläuft d​ie B 442, d​ie von Bad Münder n​ach Wunstorf führt. Ein Anschluss a​n den öffentlichen Personennahverkehr besteht d​urch die Schaumburger Verkehrsgesellschaft u​nd durch d​as Anrufauto d​er Samtgemeinde Rodenberg. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden s​ich in Bad Nenndorf, Bantorf u​nd Bad Münder.

Heine-Sitzmöbel i​n Hülsede i​st mit 20 Beschäftigten d​ie letzte v​on ehemals über 40 Möbelfabriken i​n der Deistergegend. Die Gebäude d​er 2016 geschlossenen Kracke-Möbelmanufaktur werden a​ls Gewerbepark Hülsede genutzt.[14] Auf d​er Westeregge i​m ehemaligen Nato Depot w​ird eine Biogasanlage betrieben.

  • Für öffentliche Sicherheit und Ordnung ist das Polizeikommissariat Bad Nenndorf mit einer Polizeistation im Tagdienst in Lauenau zuständig.
  • Der abwehrende Brandschutz und die allgemeine Hilfe werden durch die Freiwilligen Feuerwehren Hülsede-Meinsen und Schmarrie sichergestellt.

Grundschüler besuchen d​ie Schule i​n Lauenau. Weiterführende Schulen befinden s​ich in Rodenberg, Bad Nenndorf u​nd Stadthagen.

Persönlichkeiten

  • Wilhelm Blumenberg (1863–1949), 1889 bis 1904 Pastor in Hülsede, danach langjähriger Pastor der Aegidienkirche in Hannover. In Hülsede wurde sein Sohn Werner Blumenberg (1900–1965) geboren, der spätere sozialdemokratische Publizist und Widerstandskämpfer.
  • Hans-Joachim Thormann (1917–1979), Dorfschullehrer und Schulleiter der Volksschule in Hülsede, Sportfunktionär, Kommunalpolitiker, Mitglied des Kreistages, stellvertretender Landrat, Träger des Niedersächsischen Verdienstordens 1. Klasse.
Commons: Hülsede – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle A100001G: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2020 (Hilfe dazu).
  2. Jürgen Udolph (Recherche): Der „Ortsnamenforscher“. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Webseite NDR 1 Niedersachsen. Archiviert vom Original am 27. November 2015; abgerufen am 4. August 2019.
  3. Ortsspaziergang Hülsede. In: spurensuche.schaumburgerlandschaft.de.
  4. NATO-Depot Hülsede. In: hoefingen.net. Abgerufen am 9. Oktober 2016.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 202.
  6. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten. Abgerufen am 29. März 2017.
  7. Rat der Gemeinde Hülsede. Abgerufen am 28. November 2016.
  8. Gemeinde Hülsede – Gesamtergebnis Gemeinderatswahl 2016. Abgerufen am 29. März 2017.
  9. Die CDU holt landesweit die meisten Stimmen. In: Webseite Norddeutscher Rundfunk. 12. September 2016, abgerufen am 29. März 2017.
  10. www.sn-online.de Passuth bleibt Bürgermeisterin. 9. November 2016, abgerufen am 28. November 2016.
  11. Verzeichnis der Baudenkmale gemäß § 3 NDSchG (Stand: 5. Dezember 2011)
  12. Wasserschloss Hülsede
  13. Verordnung zum Schutz von Landschaftsteilen im Landkreis Springe vom 17. September 1968
  14. www.sn-online.de: Ein Sägen für Hülsede. 14. August 2017, abgerufen 16. Juni 2018.
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