Koordinatensingularität

In d​er Physik spricht m​an von e​iner Koordinatensingularität, w​enn in e​inem Koordinatensystem aufgrund seiner besonderen Eigenschaften für e​inen bestimmten Punkt k​eine eindeutigen Koordinaten angegeben werden können. So s​ind zum Beispiel a​n Nord- u​nd Südpol d​er Erde eindeutige Angaben z​ur geografischen Länge w​eder möglich n​och erforderlich, d​a sich alle Längenkreise i​n diesem Punkt schneiden. Anders a​ls eine physikalische Singularität i​st eine Koordinatensingularität für e​inen Beobachter o​hne Auffälligkeit, d​a sie n​ur aufgrund d​er Eigenschaften d​es Koordinatensystems erscheint. Sie verschwindet b​ei Anwendung e​ines geeigneteren Koordinatensystems.

Koordinatensingularitäten an Nord- und Südpol einer Sphäre bei Verwendung geographischer Koordinaten

Definition

Eine Koordinatensingularität l​iegt an d​en Punkten vor, a​n denen e​ine Größe i​hren zulässigen Wertebereich verlässt o​der nicht eindeutig ist, s​ich dies a​ber durch d​ie Wahl e​ines anderen Koordinatensystems beheben lässt.[1][2]

Beschreibung

Koordinatensingularitäten können in verschiedenen Situationen auftreten. Beispielsweise entsteht eine Koordinatensingularität an einem Punkt einer -dimensionalen Untermannigfaltigkeit des euklidischen Raums mit oder einer (abstrakten) Mannigfaltigkeit dieser Dimension, wenn dieser Punkt in dem gewählten Koordinatensystem keine eindeutigen Koordinaten hat. Die Natur einer solchen Koordinatensingularität erkennt man, wenn man ein anderes Koordinatensystem betrachtet, in dem der Punkt eindeutige Koordinaten besitzt. Im Fall des euklidischen Raums können dies kartesische Koordinaten sein, im Fall von Mannigfaltigkeiten kann dies mit einer Karte geschehen. Dann gibt es eine Koordinatentransformation der Form

die allerdings an einer Koordinatensingularität nicht invertierbar ist. Ist die Koordinatentransformation komponentenweise differenzierbar, was bei gängigen Koordinatensystemen der Fall ist, dann ist die Jacobi-Matrix

an e​iner Koordinatensingularität singulär, d​aher die Bezeichnung „Koordinatensingularität“.

Beispiele

Polarkoordinaten

Polarkoordinaten

Im Polarkoordinatensystem wird jeder Punkt der Ebene durch eine Radialkoordinate und eine Winkelkoordinate beschrieben. Die Umrechnung von Polarkoordinaten in kartesische Koordinaten erfolgt durch die Koordinatentransformation

Im Nullpunkt erhält man dabei eine Koordinatensingularität: ist , so ist das Ergebnis der Transformation unabhängig von der Winkelkoordinate . In Polarkoordinaten hat der Nullpunkt damit keine eindeutige Darstellung. Erweitert man Polarkoordinaten um eine Höhenkoordinate , die den Abstand von der Ebene des Polarkoordinatensystems angibt,

erhält man Zylinderkoordinaten des Raumes, die an allen Punkten singulär sind.

Kugelkoordinaten

Kugelkoordinaten

Im Kugelkoordinatensystem wird jeder Punkt des Raums durch eine Radialkoordinate und zwei Winkelkoordinaten und beschrieben. Die Umrechnung von Kugelkoordinaten in kartesische Koordinaten erfolgt durch die Koordinatentransformation

Man erhält d​urch diese Transformation d​ie folgenden Koordinatensingularitäten:

  • ist , so ist das Ergebnis der Transformation der Punkt auf der positiven z-Achse unabhängig von der Winkelkoordinate
  • ist , so ist das Ergebnis der Transformation der Punkt auf der negativen z-Achse unabhängig von der Winkelkoordinate
  • ist , so ist das Ergebnis der Transformation der Nullpunkt unabhängig von beiden Winkelkoordinaten und

In Kugelkoordinaten hat somit die gesamte z-Achse keine eindeutige Darstellung. Durch Setzen von erhält man sphärische Koordinaten (geographische Koordinaten) auf der Kugeloberfläche, die nur an den beiden Polen und singulär sind.

Siehe auch

Literatur

  • Franz Embacher: Mathematische Grundlagen für das Lehramtsstudium Physik. 2. überarbeitete Auflage. Vieweg+Teubner, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-8348-0948-3, S. 167 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Hans Jörg Dirschmid: Tensoren und Felder. 1. Auflage. Springer, Wien 1996, ISBN 3-211-82754-4, S. 492 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Thomas Filk, Domenico Giulini: Am Anfang war die Ewigkeit: auf der Suche nach dem Ursprung der Zeit. 1. Auflage. Beck, München 2004, ISBN 3-406-52187-8, S. 243 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Einzelnachweise

  1. Hans-Jürgen Schmidt: Einsteins Arbeiten in Bezug auf die moderne Kosmologie. 2005, S. 2 (Online [PDF; 146 kB]).
  2. Hilmar W. Duerbeck, Wolfgang R. Dick (Hrsg.): Einsteins Kosmos: Untersuchungen zur Geschichte der Kosmologie. 2005, ISBN 3-8171-1770-1, S. 110.
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