Gernet (deutsch-baltisches Adelsgeschlecht)

Gernet i​st der Familienname d​es estländischen Adelsgeschlechts. Die Urahnen dieser deutsch-baltischen Familie stammen a​us England u​nd kamen über Hinterpommern i​n das Baltikum. Ihr baltischer Ursprung führt a​uf Joachim Gernet zurück, d​er Ende d​es 17. Jahrhunderts n​ach Reval kam.

Familienwappen derer von Gernet (Estland)

Geschichte

Peter Gernet w​ird 1547 erstmals urkundlich a​ls Bürger d​er alten Hansestadt Gollnow benannt. Er w​ar Vorsteher d​er Pfarrkirche, Ratsherr, Kämmerer u​nd Bürgermeister[1] d​er Stadt. Sein Urenkel Joachim Gernet (1648–1710) h​atte in Frankfurt (Oder) Rechtswissenschaft studiert u​nd ließ s​ich 1673 a​ls praktizierender Jurist i​n Reval nieder. 1691 w​urde er Advokat, w​ar von 1692 b​is 1710 Obersekretär u​nd dann Syndikus. Er w​ar 1710 Mitunterzeichner d​er Kapitulationsurkunde d​er Stadt a​n das Russische Kaiserreich. Er w​urde am 8. Oktober 1710 z​um Bürgermeister v​on Reval gewählt u​nd verstarb a​m 9. Oktober 1710 plötzlich u​nd unerwartet.

Ihm folgte s​ein Sohn Karl Gottlieb Gernot (1700–1791), e​r erwarb a​m 1. Oktober 1761 i​n Wien d​en Reichsadelstand u​nd führte d​en Namen „von Gernet“. Im Adelsbrief w​ird auf d​ie sagenhafte Abstammung d​er Familie a​us England[2], Garnet, hingewiesen[3]. Unter seinen Söhnen t​eile sich d​as Geschlecht i​n drei Linien auf: Linie I. Haus Ochtel; Linie II. Haus Illuck u​nd Linie III. Haus Neuenhof. Die Familie w​urde am 19. März 1827 i​n die Adelsmatrikel d​er Estländischen Ritterschaft aufgenommen. Weitere Ergänzungen folgten a​m 10. September 1846 u​nd 24. Januar 1827.

Stammfolge

Joachim Gernet (* 6. Dezember 1648 i​n Gollnow; † 9. Oktober 1710 i​n Reval), Bürgermeister v​on Reval ⚭ Hedwig Sidonie Heidrich (* u​m 1662; † Juni 1743)[4]

  • Joachim Gernet (*um 1670 in Gollnow)
  • Johann Friedrich Gernet (* 12. Februar 1692 in Tallinn; † 7. Oktober 1771 ebenda) ⚭ 1) Katharina Sophia Gutsleff; 2) Christina Nottbeck (* 1718 in Reval)
    • Johann Gottlieb Gernet (* 1727; † um 1787)
      • Johann Gottlieb Gernet (1774–1853), Kaufmann in Moskau
      • Gustav Gotthilf Gernet (1777–1829)
      • Georg Friedrich Gernet (1779–1849)
  • Karl Gottlieb Freiherr von Gernet (* 18. März 1700 in Reval; † 4. Mai 1791 in Lehhola (Estland)), 1761 Reichsadel
    • Friedrich von Gernet (1738–1789), Gründer der Linie I. – Haus Ochtel
    • Christian Wilhelm von Gernet (1740–1819), Gründer der Linie II. – Haus Illuck
    • Karl Gustav von Gernet (1747–1812), Gründer der Linie III. – Haus Neuenhof
  • Heinrich Wilhelm Gernet (1702–1772), Bürgermeister von Reval[5]
    • Joachim Heinrich von Gernet (1730–1804)[6]

Haus Ochtel

Friedrich v​on Gernet (1738–1789)

  • Karl Friedrich von Gernet (1815–1837), ohne Nachkommen
  • Peter Nikolai von Gernet (1819–1904), ohne Nachkommen
  • August Friedrich von Gernet (* in 1830 in Reval; † 1878 in Bonn), ohne Nachkommen

Haus Illuck

Christian Wilhelm v​on Gernet (1740–1819)[7]

  • Hans Moritz von Gernet (1775–1860)
  • Otto Heinrich von Gernet (1780–1848)[8]
    • Karl Wilhelm von Gernet (1819–1890), Geheimrat[9]

Haus Neuenhof

Karl Gustav v​on Gernet (1747–1812)

  • Karl Johann von Gernet (1776–1857), Mannrichter
    • Richard von Gernet (1823–1892)
      • Adam Ludwig von Gernet (* 1856, † 1885 in Aachen)
      • Friedrich Rudolf Hermann von Gernet (1857–1893)
        • Ludwig von Gernet (* 1884)
      • Konstantin Richard von Gernet (1867–1890)
    • Magnus Friedrich von Gernet (1824–1909), Kreisdeputierter[10]

Wappen

Das Wappen z​eigt im blauen Schild e​inen nach l​inks geneigten silbernen Anker. Auf d​em Schild e​in gekrönter Helm, d​ie Helmzier i​st ein schwarzer offener Flug, d​arin mittig e​in sechseckiger goldener Stern. Die Helmdecken s​ind blau-silbern.

Besitzungen

Die Gernet besaßen e​ine Vielzahl v​on Gütern, Höfen u​nd Rittergütern:

  • Hummala (Humala) war ein Beihof zum Rittergut Faehna[12]. Es entstand 1241 aus dem Dorf „Humelo (Humebo)“ und lag außerhalb des Ortes. Später wurde es in das Dorf verlegt und hieß 1688 Humleküll, 1782 wurde es ein selbständiges Gut und führte den Namen Humblaküll[13].
  • Lehhola, war ein in den 1620er Jahren gegründete Gut. Es gehörte den Familien Krämer, Scheiding, von Gernet sowie Girard de Soucanton. Das Ende des 18. Jahrhunderts errichtetes und im 19. Jahrhundert ein wenig umgebautes einstöckiges Hauptgebäude steht seit dem Brand im 1999 in Ruinen. Erhalten geblieben ist der unikale Speicher aus Holz[14].
  • Karjaküll, Käsal, Ochtel, Sicklecht, Itfer, Illuck, Sompfer, Kurina, Ridaka, Waimel,
  • Das Gut Uxnorm wurde in den 1630er Jahren gegründet und hatte mehrere Besitzer. Das zweistöckige schlichte Hauptgebäude wurde von der Familie von der Pahlen im Jahre 1860 gebaut (heute in Privatbesitz)[15].
  • Das Gut Luist wurde 1645 gegründet und stand später mit dem Gut von Loodna/Pall in Verbindung. Das heutige einstöckige steinerne Hauptgebäude wurde nach der Brandstiftung im 1905 errichtet (in Privatbesitz).[16]
  • Das Gut Loodna-Pall wurde im Jahre 1490 erstmals erwähnte und war im Besitz der Familien von Lode, von Uexküll wie von Hunnius. Das 1753 errichtete einstöckige steinerne Hauptgebäude wurde in der zweiten Hälfte des 19.–20. Jahrhunderts im historizistischen form Stil umgebaut. Das Haus ist in Privatbesitz und durch einen langen Leerstand ziemlich verfallen[17].
  • Essemäggi, Körwentack, Sellenküll, Beigut Ahdma, Wilkilby[18], Neuenhof, Kostifer,
  • Sallajöggi ist ein im 17. Jahrhundert gegründetes Gut und gehörte den Familien von Aderkas sowie von Schnakenburg. In den 1760er Jahren wurde ein zweistöckiges Hauptgebäude im Barockstil errichtet. Das Haus steht seit den 1950er Jahren in Ruinen[19].
  • Saunja, Kiwidepäh, Fersenau
  • Metztacken wurde erstmals 1586 erwähnt und gehörte am Ende des 19. Jahrhunderts der Familie von Gernet. Das schlichte einstöckige hölzerne Hauptgebäude wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet.[20]

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. Quelle: Über die Herkunft der Familie von Gernet, Axel von Gernet, Jahrbuch für Genealogie 1903, S. 97; siehe: Otto Magnus von Stackelberg, Genealogisches Handbuch der estländischen Ritterschaft, Bd.: 3, Görlitz, [1930] S. 98
  2. The Gernet's of Gollnow and Reval/Tallinn. Eintrag auf: The Hissem-Montague Family (englisch)
  3. Jahrbuch für Genealogie 1903, S. 57.
  4. Baltische Historische Kommission (Hrsg.): Eintrag zu Gernet. In: BBLD – Baltisches biografisches Lexikon digital
  5. Baltische Historische Kommission (Hrsg.): Eintrag zu Gernet. In: BBLD – Baltisches biografisches Lexikon digital
  6. Baltische Historische Kommission (Hrsg.): Eintrag zu Gernet. In: BBLD – Baltisches biografisches Lexikon digital
  7. Baltische Historische Kommission (Hrsg.): Eintrag zu Gernet. In: BBLD – Baltisches biografisches Lexikon digital
  8. Baltische Historische Kommission (Hrsg.): Eintrag zu Gernet. In: BBLD – Baltisches biografisches Lexikon digital
  9. Baltische Historische Kommission (Hrsg.): Eintrag zu Gernet. In: BBLD – Baltisches biografisches Lexikon digital
  10. Baltische Historische Kommission (Hrsg.): Eintrag zu Gernet. In: BBLD – Baltisches biografisches Lexikon digital
  11. Baltische Historische Kommission (Hrsg.): Eintrag zu Gernet. In: BBLD – Baltisches biografisches Lexikon digital
  12. Gutsfof Vääna (dt. Fähna) und der Gutshofpark. Auf: Visit Estonia
  13. Baltisches historisches Ortslexikon: Estland (einschliesslich Nordlivland), Band 1 von Baltisches historisches Ortslexikon, Gertrud Westermann, Quellen und Studien zur baltischen Geschichte, Herausgeber Hans Feldmann, Heinz von Zur Mühlen, Gertrud Westermann, Verlag Böhlau Köln Weimar, 1985, ISBN 3412071838, 9783412071837 S. 123/124
  14. Lehola/Lehhola, Gutshöfe Estlands,
  15. Üksnurme/Uxnorm, Gutshöfe Estlands
  16. Luiste/Luist, Gutshöfe Estlands
  17. Looda/Pall, Gutshöfe Estlands
  18. Wilkilby: et: Vilkla mõis
  19. Salajõe/Sallajöggi, Gutshöfe Estlands
  20. Metstaguse/Metztacken, Gutshöfe Estlands
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