Georg Bellmann

Georg Bellmann (* 13. Oktober 1891 i​n Somsdorf; † 15. Juli 1946 i​n Moskau)[1] w​ar ein deutscher Politiker (DVP), Wirtschaftsjurist u​nd Rechtsberater.

Dr. Georg Bellmann

Leben und Wirken

Nach d​em Besuch d​er Oberrealschule i​n Chemnitz u​nd des Progymnasiums i​n Tharandt studierte Bellmann Rechts- u​nd Staatswissenschaften a​n den Universitäten Leipzig u​nd Erlangen. Seit Sommer 1913 w​ar er Mitglied d​er Leipziger Universitäts-Sängerschaft z​u St. Pauli (Deutsche Sängerschaft)[2].

Von 1914 b​is 1918 n​ahm Bellmann a​ls Leutnant d​er Reserve m​it dem 19. beziehungsweise d​em 32. bayerischen Infanterie-Regiment a​m Ersten Weltkrieg teil. Wieder heimgekehrt schloss e​r sein Studium 1920 i​n Erlangen m​it der Promotion z​um Dr. rer. pol. ab. Von April 1920 b​is 1921 w​ar Bellmann a​ls wissenschaftlicher Hilfsarbeiter i​n der Geschäftsführung d​es Verbandes v​on Arbeitgebern d​er Sächsischen Textilindustrie tätig, i​n dessen geschäftsführenden Vorstand e​r im November 1921 aufgenommen wurde.

Nach Kriegsende gehörte er dem Freikorps Epp an.[1] Um 1919 trat Bellmann in die Deutsche Volkspartei (DVP) ein. Bei der Wahl vom September 1930 wurde Bellmann in den fünften Reichstag der Weimarer Republik gewählt. Nachdem „Intrigen, parteiinterne Hierarchien“ sowie die wirtschaftliche Situation Bellmann bereits zermürbt hatten, bewog die Auseinandersetzung um eine Mitte 1931 verabschiedete Notverordnung ihn schließlich dazu, sein Mandat im Juni 1931 niederzulegen.[3] Dem Parteivorstand gegenüber begründete er seinen Schritt damit, dass er sich nicht länger in der Lage sehe „die letzten Entscheidungen [der] Reichsfraktion mitzutragen.“[4] Bellmanns Mandat wurde anschließend für den Rest der Legislaturperiode von seinem Parteikollegen Alfred Baum übernommen. 1933 trat Bellmann, kurz bevor die Partei am 1. Mai 1933 eine Mitgliedssperre verhängte und keine neuen Mitglieder mehr aufnahm, in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (Mitgliedsnummer 2.105.319) ein. Mitte der 1930er Jahre wurde er mit dem Posten des Hauptgeschäftsführers der Industrie- und Handelskammer (IHK, auch als Wirtschaftskammer bezeichnet; ab 1942 Gauwirtschaftskammer) Sachsens betraut, den er bis zur Auflösung der Kammer im Jahr 1945 behielt. Im Zuge seiner Tätigkeit an der Spitze der sächsischen IHK wurde Bellmann dem Historiker Carsten Schreiber zufolge „Sachsens führender Verbandsfunktionär [und] Chef-Arisierer“.[5] Aufgrund der engen Verzahnung der IHK mit der Schutzstaffel (SS) wurde Bellmann als Mitglied in diese Organisation aufgenommen, in der er den Rang eines Obersturmführers erreichte. In Personalunion war er zudem Mitarbeiter für „gewerbliche Wirtschaft“ beim SD-Leitabschnitt unter Karl Tschierschky.[6]

Nach d​em Einmarsch d​er Roten Armee i​n Sachsen w​urde Bellmann i​n Dresden festgenommen u​nd ins Lefortowo-Gefängnis gebracht. Am 10. Juni 1946 verurteilte e​in Militärkollegium d​es Obersten Gerichts d​er UdSSR i​hn nach Artikel 17, 58-11 u​nd Ukaz 43 zum Tode. Nach Ablehnung seines Gnadengesuches w​urde er a​m 15. Juli 1946 i​n Moskau gemeinsam m​it Werner Schmiedel erschossen.[1][7] Der Grund für Bellmanns Verurteilung i​st wahrscheinlich i​m Zusammenhang m​it der Verwendung v​on Zwangsarbeitern i​n seinem Zuständigkeitsgebiet z​u sehen.[8]

Schriften

  • Deutschland und das internationale Arbeitszeitübereinkommen von Washington, Dresden 1924.

Einzelnachweise

  1. Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner, Andreas Weigelt: Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Eine historisch-biographische Studie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, ISBN 978-3-525-36968-5, Kurzbiographien auf beiliegender CD, dort S. 39.
  2. Gesamtverzeichnis der Pauliner vom Sommer 1822 bis Sommer 1938, Leipzig 1938, Seite 146
  3. Werner Bramke/Ulrich Hess: Wirtschaft und Gesellschaft in Sachsen im 20. Jahrhundert, 1998, S. 165.
  4. Ludwig Richter: Die deutsche Volkspartei 1918–1933, 2002, S. 712.
  5. Carsten Schreiber: Elite im Verborgenen, 2008, S. 201.
  6. Carsten Schreiber: Elite im Verborgenen, 2008, S. 423.
  7. Andreas Hilger: Sowjetische Justiz und Kriegsverbrechen. Dokumente zu den Verurteilungen deutscher Kriegsgefangener, 1941–1949. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte Jg. 54, 2006, Heft 3, S. 477 (PDF).
  8. Jörg Ludwig: Fremd- und Zwangsarbeit in Sachsen 1939–1945, 2002, S. 13.
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