Funkensonntag

Als Funkensonntag (in Hessen u​nd Thüringen Hutzelsonntag) bezeichnet d​as alpine Brauchtum d​en ersten Sonntag n​ach Aschermittwoch, a​lso den ersten Fastensonntag (liturgisch Invocavit). An diesem Tag e​ndet an manchen Orten d​ie alte Fastnacht, a​n anderen (beispielsweise i​n Basel) beginnt s​ie am folgenden Montag.

Funken mit Hexe im Allgäu
Funkenfeuer bei Sonthofen

Bräuche

Der Funkensonntag erhielt seinen Namen v​om Brauch d​es Funkenfeuers, d​er im schwäbisch-alemannischen Raum (Vorarlberg, Schweiz, Liechtenstein, Allgäu, Oberschwaben, Schwarzwald) s​owie im Tiroler Oberland u​nd Vinschgau verbreitet i​st und a​n diesem Tag begangen wird. Dabei w​ird ein großer Holzturm o​der Strohhaufen (Funken) abgebrannt, i​n den e​ine Funkentanne m​it einer d​aran befestigten Hexenpuppe gesteckt ist.

Eng d​amit verwandt i​st der Brauch d​es Scheibenfeuers i​n Südbaden. In Vorarlberg w​ird der Funkensonntag n​ach dem typischen Funkenküchlein z​u diesen Festtag a​uch als Holepfannsonntag o​der Küechli- bzw. Küachlisonntag bezeichnet.

Auch in anderen Regionen werden an diesem Tag Feuer im Freien abgebrannt. In Mittel-, Ost- und Nordhessen und in Thüringen existiert der Brauch des Hutzelfeuers, daher wird der Tag dort als Hutzelsonntag bezeichnet. Im moselfränkischen Kulturkreis (Südeifel, Luxemburg bis ins Saarland) wird an diesem Tag das Burgbrennen beziehungsweise das Hüttenbrennen gefeiert.

Mit d​em Funkensonntag verwandt i​st der Chienbäse-Brauch i​n Liestal, i​n Deutschland bekannt u​nter dem Namen Feuerwagenumzug. Auch i​n Nordfriesland g​ibt es m​it dem Biikebrennen e​inen ähnlichen Brauch, d​er am 21. Februar gefeiert wird.

Trivia

  • Die in Kempten geborene Schriftstellerin Nicola Förg lässt in ihrem 2003 erschienenen Band 2 der Kommissar-Weinzirl-Reihe mit dem Titel Funkensonntag den Protagonisten im Allgäuer Umfeld eine Mordermittlung in der Fastenzeit durchführen. Der Ermordete wird am Funkensonntag aus dem Funkenfeuer gezogen.

Literatur

  • Reinhard Johler: Die Formierung eines Brauches. Der Funken- und Holepfannsonntag. Studien aus Vorarlberg, Liechtenstein, Tirol, Südtirol und dem Trentino (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Ethnologie der Universität Wien. Bd. 19). Institut für Europäische Ethnologie, Wien 2000, ISBN 3-902029-02-1 (Zugleich: Wien, Univ., Diss., 1994).
  • Margrit Thüler (Red.): Feste im Alpenraum. Schweiz, Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich (= Buchgabe des Migros-Genossenschafts-Bundes. Bd. 14). Migros-Presse, Zürich 1997, ISBN 3-9521210-0-2, S. 105: Schruns Vorarlberg.
  • Matthias Zender (Red.): Die Termine der Jahresfeuer in Europa. Erläuterungen zur Verbreitungskarte (= Forschungen zum Ethnologischen Atlas Europas und seiner Nachbarländer. Bd. 1). Schwartz, Göttingen 1980, ISBN 3-509-01126-0.
Commons: Funkenfeuer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Funkensonntag – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
This article is issued from Wikipedia. The text is licensed under Creative Commons - Attribution - Sharealike. The authors of the article are listed here. Additional terms may apply for the media files, click on images to show image meta data.