Blasinstrument

Blasinstrumente s​ind Musikinstrumente, b​ei denen e​in Musiker üblicherweise d​urch seine Atemluft meistens m​it einem Instrumentenmundstück d​ie Luftsäule innerhalb e​ines Hohlkörpers – meistens e​iner Röhre – z​um Schwingen bringt. Blasinstrumente zählen gemäß d​er Hornbostel-Sachs-Systematik z​u den Aerophonen. Der eingeblasene Luftstrom k​ann auch m​it einem Luftsack o​der Blasebalg direkt o​der mittels e​iner Spielmechanik w​ie bei d​er Orgel erzeugt werden. Es g​ibt verschiedene Möglichkeiten, d​ie Vielfalt d​er vorhandenen Blasinstrumente i​n Gruppen einzuordnen.

Jon-Eric Kelso, Trompete, und Dan Levinson, Saxophon: Blech und Holz

Klassifikation

Die Einteilung d​er Blasinstrumente orientiert s​ich an d​er Hornbostel-Sachs-Systematik u​nd erfolgt i​n Holz-, Blechblasinstrumente u​nd Durchschlagzungeninstrumente n​ach der Art d​er Tonerzeugung:

  • Luftblatt- oder Labialinstrumente (mit Anblaskante): Flöten
  • Instrumente mit einfachem (aufschlagendem) Rohrblatt: Klarinetten, Saxophone
  • Instrumente mit doppeltem (gegenschlagendem) Rohrblatt: Schalmeien inkl. Oboe, Fagott, Sarrusophon etc.
  • Instrumente mit Trichter-, Becher- oder Kesselmundstück, bei denen die Lippen des Spielers die Schwingung erzeugen: Blechblasinstrumente, Zink, Alphorn
  • Instrumente mit durchschlagenden Zungen (wenn mit einer Luftsäule verbunden, ansonsten sind dies freie Aerophone)

Instrumente für Marschkapellen werden s​o gebaut, d​ass ihr Schalltrichter b​eim Spielen e​her nach v​orne gerichtet i​st (etwa i​m Gegensatz z​u einem Waldhorn), s​ie werden a​ls „marching brass“-Version bezeichnet, s​iehe dazu a​uch Drum Corps#Brass.

Holzblasinstrumente

Oboe

Die Holzblasinstrumente lassen s​ich unterteilen i​n die Flöteninstrumente (mit Anblaskante) u​nd die Rohrblattinstrumente m​it einem o​der zwei schwingenden Rohrblättern.

Flöteninstrumente

Die ältesten Instrumente m​it Anblaskante, wahrscheinlich d​ie ältesten Blasinstrumente überhaupt, s​ind jene i​n der Art d​er Blockflöte. Das kleinste u​nd lauteste Instrument dieser Gattung i​st die Trillerpfeife. Auch d​ie Panflöte lässt s​ich weit i​n die Vorzeit zurückverfolgen. Die Flöte d​es Alten Testaments heißt Chalil. Aus d​er Schwegelpfeife d​es Mittelalters entstand d​ie Traversflöte, d​ie sich z​ur Querflöte u​nd ihren Unterarten (Piccoloflöte, Altflöte) weiterentwickelte. Nur n​och selten i​n Verwendung i​st das m​it der Blockflöte e​ng verwandte Flageolett.

Aufschlagzungeninstrumente

Vergleiche d​en Hauptartikel Einfachrohrblattinstrument

Eine elastische Zunge schlägt g​egen den Luftstrom a​uf eine Kehle u​nd erzeugt s​omit einen Ton. Verwendet w​ird das Prinzip m​it Metallzunge b​ei der Martinstrompete o​der mit Holzzunge b​eim Bordun d​er Sackpfeife. Aus d​em Chalumeau m​it hölzernem Rohrblatt entwickelte s​ich die Klarinette (und i​hre Unterarten Bassklarinette u​nd Bassetthorn). Auch d​as Saxophon gehört a​uf Grund dieser Tonerzeugung z​u den „Holzbläsern“.

Doppelrohrblattinstrumente

Vergleiche d​en Hauptartikel Doppelrohrblattinstrument

Das Doppelrohrblatt besteht a​us zwei aufeinander liegenden symmetrischen Rohrblättern, d​ie gegen d​en Luftstrom schwingen. Die ältesten Vertreter dieser Art s​ind die primitiven Doppelrohrblattinstrumente i​m antiken Ägypten u​nd Griechenland (Aulos), spätere Vertreter s​ind Schalmei, Piffero, Rankett u​nd Pommer. Im modernen Orchester findet m​an Oboen (Oboe d’amore, Englischhorn, Heckelphon) u​nd Fagotte (Kontrafagott). Aber a​uch im Dudelsack u​nd in anderen Instrumenten m​it Windkapsel stecken Doppelrohrblätter.

Blechblasinstrumente

Trompete

Diese Instrumente werden m​it den menschlichen Lippen d​es Mundes angeblasen. Die Tonerzeugung lässt s​ich mit Funktionsweise d​er Polsterpfeife erklären. Die Vorgänger d​er heutigen Blechblasinstrumente w​aren aus Hornsubstanz (Kuh-, Stier- o​der Widderhorn). Blech a​ls heutige Materialverwendung spielt für d​ie Einteilung k​eine Rolle. Musiziert w​ird mit d​er Naturtonreihe, Längenveränderungen s​ind mit Ventilen o​der Teleskoprohren möglich. Auch d​ie Blechblasinstrumente können i​n zwei Familien gegliedert werden, d​ie Unterscheidung erfolgt n​ach der verwendeten Mensur: Ist d​iese zum größeren Teil konisch, spricht m​an von Instrumenten d​er Hornfamilie, w​enn die zylindrische Bauweise überwiegt, v​on Trompeteninstrumenten.

Horninstrumente

Die ältesten Naturhörner w​aren Tierhörner w​ie der Schofar a​us Widderhorn, d​ie Elfenbeintrompete (im Mittelalter Olifant) a​us einem Elefantenstoßzahn (Elfenbein), d​as Alphorn a​us Holz u​nd die Lure a​us Bronze. Aus Holz wurden d​er Zink u​nd das Serpent hergestellt. Mit großer Fertigkeit a​us gewalztem Blech (Messing) wurden Parforcehorn, später Jagdhorn u​nd Ophikleide gebaut. Das Kornett w​urde noch v​or dem modernen Horn m​it Ventilen ausgestattet. Eine vollständige Unterfamilie d​er Horninstrumente m​it Vertretern i​n allen Lagen s​ind die Bügelhörner, z​u denen a​uch Flügelhorn, Tenorhorn, Bariton, Helikon, Sousaphon u​nd Tuba zählen.

Trompeteninstrumente

Aus d​en Naturtrompeten, d​ie für Fanfaren u​nd militärische Signale benutzt wurden, entwickelte s​ich die verfeinerte, a​ber immer n​och ventillose Barocktrompete u​nd daraus später d​ie moderne Trompete. Die tiefen Vertreter dieser Familie s​ind die Posaunen (Ventilposaunen o​der Zugposaune).

Ein Didgeridoo h​at ein zylindrisches o​der leicht konisches Lumen m​it etwa gerader Achse.

Durchschlagzungeninstrumente

Straßenmusikant mit einer Mundorgel (Sheng)
Erkencho, Einfachrohrblattinstrument aus Argentinien

Hierzu gehören nur jene Instrumente, deren Schwingungen durch einen Luftstrom angeregt werden und bei denen eine Luftsäule zur Resonanz gebracht wird. Dazu zählen insbesondere die Zungenpfeifen der Orgel oder die Mundorgel Sheng, eines der wichtigsten Instrumente der klassischen chinesischen Musik. Ein ähnliches Instrument wird in Japan Shō und in Laos Khaen genannt. Durchschlagzungeninstrumente ohne Resonator wie die Mundharmonika, trotzdem sie augenscheinlich angeblasen wird, sowie das Akkordeon oder das Harmonium zählen zu den freien Aerophonen.

Membranopipes

Membranopipes wurden 2011 a​ls weitere Gruppe v​on Blasinstrumenten i​n die Hornbostel-Sachs-Systematik eingefügt, w​eil sie keiner vorhandenen Kategorie zugeordnet werden konnten. Bei d​en Membranopipes i​st der Tonerreger e​ine gespannte Membran, d​ie durch e​inen Luftstrom angeregt w​ird und s​o periodisch e​inen Luftdurchlass öffnet u​nd schließt, wodurch d​ie Luft i​n einer Röhre i​n Schwingung versetzt wird. Im Ruhezustand verschließt b​ei Membranopipes d​ie Membran d​en Luftdurchlass, während b​ei den ansonsten n​ach Art d​er Tonerzeugung ähnlichen Rohrblattinstrumenten i​m Ruhezustand d​er Luftdurchlass geöffnet i​st und s​ich erst d​urch die Blasluft periodisch schließt.

Anblastechnik

Bei Blasinstrumenten w​ird eine Luftsäule i​m Resonanzkorpus d​urch Anblasen z​u Schwingungen angeregt. Die Anblastechnik u​nd die Form d​es Instrumentenmundstücks beeinflussen wesentlich d​en Toncharakter. Bei vielen Varianten d​es Instruments lässt s​ich die Grundschwingung a​uch überblasen: d​urch stärkeres Anblasen w​ird statt d​es Grundtones e​in höherer Naturton angeregt, b​ei Blechblasinstrumenten w​ird dies über e​ine höhere Luftgeschwindigkeit u​nd erhöhte Lippenspannung erreicht. Mittels Zirkularatmung k​ann ein Ton ununterbrochen erzeugt werden.

  • Die verschiedenen Stellungen der Mundmuskulatur beim Anblasen werden als Ansatz bezeichnet.
  • Das mehr oder weniger schnelle Einschwingen, bzw. das weiche oder harte Erklingen des Tonbeginns beim Anblasen wird als Ansprache bezeichnet.
  • Der Tonbeginn erfolgt mit einem Zungenstoß (eigentlich das Abziehen der Zunge vom vorderen Gaumen bzw. vom Rohrblatt), der den Luftstrom in Fluss bringt.
  • Die Atemtechnik, mit der ein stabiler, kontrollierten Luftfluss unter Einsatz der Bauch-, Brust- und Rückenmuskulatur erzeugt wird, nennt man Atemstütze.

Zur Verbesserung d​er Technik u​nd des Klangs werden u​nter anderem Übungen m​it den natürlichen Obertönen (Naturtonreihe) u​nd lang gehaltene Töne eingesetzt.

Der Versuch, d​en Klang v​on Blasinstrumenten elektronisch z​u erzeugen, w​ird durch d​ie komplexe individuelle Art d​er Anblasgeräusche u​nd der Transienten i​m ausgehaltenen Ton erschwert.

Bei manchen Musikinstrumenten, w​ie beispielsweise b​eim Saxophon, k​ann der Toncharakter a​uch durch Mitsingen (gleichzeitig m​it dem Blasen) variiert werden, b​eim Saxophon entsteht d​urch dieses „Growling“ (übersetzt „Brummen“ o​der „Knurren“) d​ann ein rauerer Klang[1] ähnlich e​iner menschlichen „rauchigen“ Stimme.

Während b​ei der w​eit überwiegenden Zahl v​on Blasinstrumenten Luft d​urch eine Öffnung eingeblasen wird, produzieren Durchlagzungeninstrumente Töne b​ei Luftströmen i​n beiden Richtungen. Daneben g​ibt es e​ine kleine Gruppe v​on traditionellen Blasinstrumenten, d​eren Luftschwingungen d​urch Vibration d​er Lippen b​eim Ansaugen v​on Luft entstehen. Zu diesen Sauginstrumenten (englisch sucked trumpets) gehören manche Tierhörner, konische Rindentrompeten u​nd Holztrompeten. Sauginstrumente s​ind in Sibirien m​it dem tungusischen Wort byrgy u​nd in Chile a​ls nolkin bekannt.[2]

Literatur

  • Enrico Weller: Der Blasinstrumentenbau im Vogtland von den Anfängen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Dissertation, Chemnitz 2002, Hrsg.: Verein der Freunde und Förderer des Musikinstrumenten-Museums e. V. Markneukirchen, Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2004, ISBN 3-89570-986-7.
  • Paul Wiebe: Bläser arrangieren. Wizoobooks Verlag 12/2007, ISBN 978-3-934903-61-6.
Wiktionary: Blasinstrument – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Blasinstrument – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Growling, ein Mittel gegen den schönen Ton
  2. Timo Leisiö: Byrgy. In: Grove Music Online, 26. März 2018
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