Béla Imrédy

Vitéz Béla Imrédy v​on Ómoravicza [beːlɒ ˈimreːdi] (geboren 29. Dezember 1891 i​n Budapest, Österreich-Ungarn; gestorben 28. Februar 1946 i​n Budapest) w​ar vom 14. Mai 1938 b​is zum 16. Februar 1939 ungarischer Ministerpräsident u​nd 1944 Wirtschaftsminister i​n der Regierung v​on Döme Sztójay.

Béla Imrédi
Imrédy als Angeklagter 1945

Leben

Nach e​inem Jurastudium begann Imrédy s​eine Laufbahn i​m Finanzministerium. 1928 w​urde er Direktor d​er Ungarischen Nationalbank u​nd nahm a​n mehreren internationalen Finanzkonferenzen teil. Unter Gyula Gömbös diente e​r als Finanzminister. Nach dessen Tod (6. Oktober 1936) t​rat er zurück u​nd wurde Präsident d​er Nationalbank.

Am 14. Mai 1938 wurde er Premierminister. Sein Vorgänger Kálmán Darányi war am drei Tage zuvor zurückgetreten. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, Unterstützung von den Westalliierten zu erhalten, näherte Imrédy sich der deutschen Politik. Er führte die an den Nürnberger Gesetzen orientierte Anti-Juden-Gesetzgebung ein. Er trat zurück, als die Opposition ihm eine jüdische Urgroßmutter nachgewiesen hatte.[1] Pál Teleki wurde am 16. Februar 1939 sein Nachfolger. Imrédy behielt die Führung in diversen rechten Organisationen.
Als Wehrmacht-Truppen am 19. März 1944 Ungarn besetzten, wollte der Reichsbevollmächtigte für Ungarn Edmund Veesenmayer ihn zum Premierminister machen; er lehnte dies aber ab. Stattdessen wurde er im Mai 1944 Wirtschaftsminister und musste daran mitwirken, die ungarische Wirtschaft der deutschen Kriegswirtschaft noch stärker dienstbar zu machen. Im August 1944 musste er zurücktreten. 1945 war er „Gast der Reichsregierung“ in Salzburg. Die US-Amerikaner lieferten ihn gemäß der Moskauer Deklaration an Ungarn aus. In Budapest verurteilte das ungarische Volksgericht[2] ihn wegen Kriegsverbrechen zum Tode; er wurde erschossen. Der ungarische konservative Politiker István Bethlen (1921 bis 1931 ungarischer Premierminister) behauptete, „kein anderer Politiker in der ungarischen parlamentarischen Geschichte [habe] soviel Unheil ausgelöst wie Imrédy“.[3]

Mit Irén Nelky (1892–1980) h​atte er e​inen Sohn János (1928–2000).

Literatur

  • Paul Lendvai: Die Ungarn. Eine tausendjährige Geschichte. Goldmann Verlag, München 2001, ISBN 978-3-442-15122-6
  • Franz Sz. Horváth: Imrédy, Béla, in: Handbuch des Antisemitismus, Band 2/1, 2009, S. 392f.
Commons: Béla Imrédy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Dietrich von Jagow berichtet am 30. Dezember 1942 dem Auswärtigen Amt über die Abstammungsprüfung von Béla Imrédy, in: Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945 (VEJ), Band 15, 2021, S. 337–339
  2. Népbíróságok Országos Tanácsa (NOT) siehe ungarische Wikipedia hu:Népbíróságok Országos Tanácsa
  3. Paul Lendvai: Die Ungarn., S. 460
This article is issued from Wikipedia. The text is licensed under Creative Commons - Attribution - Sharealike. The authors of the article are listed here. Additional terms may apply for the media files, click on images to show image meta data.