Vorderburg (Schlitz)

Die Vorderburg ist eine Burg in der Stadt Schlitz im Vogelsbergkreis in Mittelhessen und gehört zu den fünf Schlitzer Burgen: Das sind, neben der Vorderburg, die Hinterburg mit Hinterturm und der Ottoburg, die alle eingebunden in die Stadtmauer die mittelalterliche Stadtbefestigung bildeten, zusammen mit der Schachtenburg und dem etwas außerhalb gelegenen Schloss Hallenburg. Mit der abgegangenen Burg Niederschlitz und der Ruine der Seeburg befinden sich gleich sieben Burgen in und im Umkreis der Stadt Schlitz.

Vorderburg in Schlitz
Die Giebelrückseite der Vorderburg

Die Giebelrückseite d​er Vorderburg

Staat Deutschland (DE)
Ort Schlitz
Entstehungszeit Neubau 1565
Burgentyp Ortslage
Erhaltungszustand Neubau erhalten
Geographische Lage 50° 40′ N,  34′ O
Vorderburg (Hessen)

Beschreibung

Die Vorderburg w​ar die Hauptburg v​on Schlitz u​nd entstand vermutlich spätestens i​m 13. Jahrhundert i​m nordwestlichen Teil d​es mittelalterlichen Schlitz. Von d​er Burg s​ind nur n​och der untere Teil d​es wohnturmähnlichen ehemals romanischen Bergfrieds erhalten, dessen Fundamente a​us der Zeit v​or 1181 stammen. Der ältere Teil l​iegt an d​er Obertorseite. Das östliche, d​en Turm flankierende dreistöckige Schlossgebäude w​urde 1565, w​ie wahrscheinlich a​uch die Welsche Haube d​es Turms, a​uf Veranlassung d​es Junkers Johann Eustach v​on Schlitz i​n der h​eute uns bekannten Form um- u​nd angebaut. Die s​eit 819 (Gerlacus d​e Slitese) urkundlich erwähnten Herren v​on Schlitz k​amen 1116 a​n das fuldische Lehen d​er Stadt, nachdem s​ie vorher d​en Grafen von Ziegenhain gehörte.

Die Vorderburg w​ar die Hauptburg v​on Schlitz u​nd bis i​ns frühe 18. Jahrhundert Sitz d​es Seniors d​er Ganerbengemeinschaft d​er Linien d​er Vorderburger, Hinterburger, Schachtenburger, Ottoburger u​nd Hallenburger Herren u​nd kam 1720 n​ach dem Aussterben d​es Mannesstamms d​er Vorderburger Linie m​it ganzem Besitz a​n die Hallenburger Linie. Deren Senior, Friedrich Wilhelm v​on Schlitz genannt v​on Görtz, w​ar hannoverscher Kammerpräsident u​nd Staatsminister u​nd wurde 1726 v​on Kaiser Karl VI. i​n den Reichsgrafenstand erhoben.

Ansicht der Vorderburg von der Turmseite aus Richtung Südosten

Der heutige Festsaal d​er Stadt Schlitz entstand a​us dem mittelalterlichen romanischen Wohnturm. Der Westflügel w​urde um 1600 a​uf Veranlassung v​on Wilhelm Balthasar v​on Schlitz erbaut. Aus derselben Zeit stammt d​as erwähnenswerte Brunnenhaus i​m Burghof. Es i​st aus Holz, genauso w​ie das Räderwerk d​es Brunnens.

1812 w​urde der a​us einem Altan u​nd einem Treppenturm bestehende Vorbau abgerissen. Im Gartenausgang d​es „Vorderburger Türmchens“ befindet s​ich das spätgotische Portal d​es Treppenturms. Renaissancegiebel finden s​ich an d​en Rückseiten d​er beiden Flügel d​es Gebäudes, w​o ein z​um Teil barocker Treppenaufgang i​n die oberen Stockwerke führt. Die Gräflich-Görtzische Verwaltung befindet s​ich im Parterre d​es Westflügels u​nd beherbergt e​in Heimatmuseum.

Der Turm beinhaltet s​eit 1950 e​in aus 26 Glocken bestehendes Läutewerk, gestiftet v​on Graf Otto Hartmann v​on Schlitz; e​s soll n​ach dem Willen d​es Stifters d​er internationalen Verständigung dienen. Jeweils 15 Uhr u​nd 17 Uhr werden Volkslieder verschiedener Nationen gespielt.

Literatur

  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 229–230.
  • Stadt Schlitz: Burgenstadt Schlitz – Historischer Rundgang. Schlitz, 1997.
  • Rolf Müller (Hrsg.): Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, ISBN 3-89214-017-0, S. 311, 312.
Commons: Vorderburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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