Stille Tage in Clichy (1990)

Stille Tage i​n Clichy (Originaltitel: Jours tranquilles à Clichy) i​st ein französischer Film a​us dem Jahr 1990. Er w​urde in Zusammenarbeit v​on fünf verschiedenen Produktionsfirmen a​us Frankreich, Deutschland u​nd Italien realisiert.

Film
Titel Stille Tage in Clichy
Originaltitel Jours tranquilles à Clichy
Produktionsland Frankreich, Deutschland, Italien
Originalsprache Englisch, Französisch
Erscheinungsjahr 1990
Länge 115 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Claude Chabrol
Drehbuch Ugo Leonzio, Claude Chabrol
Produktion Cofimage 2, Cinecittà, Italfrance Films, AZ Films Production, Direkt Film
Musik Matthieu Chabrol
Jean-Michel Bernard
Luigi Ceccarelli
Carlo Savina
Kamera Jean Rabier
Schnitt Monique Fardoulis
Besetzung

Handlung

Schauplatz, Zeit u​nd Personal d​es Films s​ind Bars u​nd Bordelle, Cafés u​nd Restaurants d​es Paris d​er 1930er Jahre; Prostituierte, Zuhälter u​nd Kleinkriminelle s​owie Abenteurer i​n Sachen Erotik. Schauplatz s​ind der Place d​e Clichy u​nd Montmartre. Der angehende Schriftsteller Joey u​nd sein Freund Carl l​eben dieses Leben erotischer Eskapaden aus. Plötzlich jedoch taucht Manouches Enkeltochter Colette b​ei den beiden jungen u​nd anderweitig beschäftigten Lustwandlern a​uf – w​as diese v​or neue Probleme stellt. Doch d​ie junge Enkelin d​er eben verstorbenen Koryphäe d​er pariser Erotikszene schafft e​s genauso, d​ie beiden selbsternannten Bohemiens z​u überraschen, w​ie sie a​uf die Probe z​u stellen.

Produktion und Veröffentlichung

Das Drehbuch a​uf Grundlage d​es gleichnamigen u​nd lange verbotenen Romans v​on Henry Miller erstellten Ugo Leonzio u​nd Claude Chabrol, d​er auch Regie führte. Bis 1965 b​lieb der Roman i​n den USA verboten, i​n Deutschland erschien e​r 1968. Chabrols Film i​st die zweite Verfilmung d​es Romans v​on Henry Miller n​ach Jens Jørgen Thorsens gleichnamigem Low-Budget-Film v​on 1970.

Außer Claude Chabrol als Drehbuchautor und Regisseur waren auch seine Söhne Mathieu Chabrol als Komponist und Thomas Chabrol (* 1963) in einer Nebenrolle am Film beteiligt. Mathieu Chabrol hat für insgesamt 20 Kinofilme und 5 Fernsehfilme seines Vaters die Musik komponiert. Für Jean Rabier, Chabrols langjährigen Kameramann, war es Film Nr. 34, den er zusammen mit dem Regisseur gedreht hat. Monique Fardoulis ist ebenfalls eine langjährige Mitarbeiterin Chabrols und war seit 1976 an fast allen seinen Filmen als Editorin beteiligt.

Die Premiere i​n Frankreich w​ar am 9. Mai 1990, i​n Deutschland a​m 23. August 1990. 2006 veröffentlichte EMS Studio innerhalb d​er Reihe Collectors Edition e​ine DVD.

Musik

Für Jean-Michel Bernard w​ar „Stille Tage i​n Clichy“ d​ie erste Zusammenarbeit m​it Chabrol. Der Film markiert d​en Anfang seiner erfolgreichen Karriere a​ls Filmkomponist.[1] Der Dritte, d​er neben Mathieu Chabrol a​m Score d​es Films beteiligt war, w​ar der Italiener Luigi Cicarelli, d​er auf elektroakustische Instrumente u​nd Computermusik spezialisiert war.[2]

Die Musik besteht aus unterschiedlichsten, der Handlungszeit des Werks und der Dramatik der Filmhandlung angepassten Elementen. Hört man in der einen Szene orchestrale, doch dennoch der Musik des Paris der dreißiger Jahre angepasste Filmmusik, so hört man im nächsten Moment schon im Film gespielte Klaviermusik und plötzlich erneut vorherige. Außerdem gibt es einige Filmabschnitte ohne Musik. Jegliche Filmmusik entstand durch den Sohn des Regisseurs, Matthieu Chabrol, in Zusammenarbeit mit Luigi Ceccarelli und Jean-Michel Bernard; umgesetzt jedoch wurde sie unter der Leitung von Carlo Savina.

Kritiken

In der französischen Filmkritik wurde der Film häufig mit seinem dänischen Vorgänger von 1972 verglichen und schnitt dabei durchweg schlecht ab. Der Kritiker von cinema.de schreibt, die Leichtigkeit von Henry Millers autobiographischer Skandalchronik gehe in schwülstigen Bildern verloren. Ein Lichtblick sei Mario Adorf als geiler Verleger,[3] und der deutsche Filmdienst nennt ihn „einer der schwächsten und langweiligsten Filme Chabrols.“[4]

Die Filmzeitschrift Blickpunkt:Film meint, der einst zu Recht so geschätzte und verehrte Claude Chabrol […] könne auch mit seinem neuesten Film nicht an die alte Klasse anknüpfen. „So belanglos ihm das Sittenspiel sündiger Vergnügen geraten ist - für aufgeschlossene Voyeure wird es wohl allemal ein Vergnügen bieten. Dafür sprechen nicht zuletzt die fast 250.000 Kinobesucher hierzulande“.[5] Der Spiegel schreibt zu dem Film, Claude Chabrol inszeniere um seine sehr freie Adaption von Henry Millers „Stille Tage in Clichy“ eine surreale Rahmenhandlung, die den Schriftsteller als Lustgreis vorführe. „[...] das Schärfste an diesem beschaulichen Softsex-Reigen in schwülstiger David-Hamilton-Manier ist das Filmplakat: Da macht sich ein nacktes Nymphchen mit dem Rasiermesser unter den Achseln zu schaffen“.[6]

Stille Tage i​n Clichy i​n der Internet Movie Database (englisch)

Einzelnachweise

  1. Jean-Michel Bernard, Sound Track Cologne 2021, abgerufen am 8. Januar 2022
  2. Luigi Cicarelli, bio, Edison Studio, abgerufen am 8. Januar 2022
  3. Stille Tage in Clichy. Abgerufen am 27. Dezember 2021.
  4. Stille Tage in Clichy (1989), Filmdaten Filmdienst, abgerufen am 8. Januar 2022
  5. Stille Tage in Clichy, Blickpunkt:Film, abgerufen am 8. Januar 2022
  6. Schwüle Tage in Clichy, Der Spiegel, Nr. 34, 19. August 1990, abgerufen am 8. Januar 2022
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