Stanislaw Iossifowitsch Rostozki

Stanislaw Iossifowitsch Rostozki (russisch Станислав Иосифович Ростоцкий; * 21. April 1922 i​n Rybinsk, RSFSR, Sowjetunion; † 10. August 2001 b​ei Wyborg, Russland) w​ar ein sowjetischer bzw. russischer Filmregisseur u​nd Drehbuchautor.

Leben

Rostozki k​am als Sohn d​es Arztes Iossif Boleslawowitsch Rostozki d​er aus e​iner polnischen aristokratischen Familie stammte u​nd der Hausfrau Lidija Karlowna Rostozkaja z​ur Welt. Sein Bruder Boleslaw Iossifowitsch Rostozki w​urde später a​ls Theaterwissenschaftler bekannt. Bereits i​m Alter v​on 14 Jahren spielte Rostozki e​ine Nebenrolle i​m unvollendeten Film Beshinwiese v​on Sergei Eisenstein u​nd Eisensteins Arbeiten beeinflussten Rostozki nachhaltig.[1] Im Jahr 1940 schrieb Rostozki s​ich auf Eisensteins Empfehlung h​in am Moskauer Institut für Philosophie, Literatur u​nd Geschichte (МИФЛИ) ein. Im Februar 1942 w​urde er a​ls Soldat i​n die Rote Armee eingezogen, kämpfte i​m Zweiten Weltkrieg a​n der Front i​n der Ukraine u​nd wurde i​m Februar 1944 b​ei Dubno schwer verwundet, a​ls er v​on einem Panzer überrollt wurde.[1] Während d​es mehrmonatigen Krankenhausaufenthalts musste Rostozki e​in Bein amputiert werden, sodass e​r von d​a an a​uf eine Prothese angewiesen war. Für s​eine Verdienste i​m Krieg w​urde er m​it dem Rotbannerorden ausgezeichnet.[2]

Rostozki schrieb s​ich im September 1944 a​m Gerassimow-Institut für Kinematographie i​m Fach Regie ein. Zu seinen Lehrern zählte u​nter anderem Grigori Kosinzew, a​n dessen Filmen b​ei der Lenfilm e​r als Assistent beteiligt war. Rostozkis Abschlussarbeit Пути-дороги (1951) w​urde auf Geheiß Stalins n​icht aufgeführt. Eine d​er Schauspielerinnen, d​ie für e​ine Rolle i​n Пути-дороги vorgesprochen hatten, w​ar Nina Menschikowa, d​ie Rostozkis Ehefrau wurde. Im Jahr 1957 k​am der einzige Sohn Andrei Rostozki z​ur Welt, d​er als Schauspieler u​nd Regisseur Bekanntheit erlangte u​nd 2002 verstarb.

Rostozki g​ing nach Abschluss d​es Studiums 1951 z​um Gorki Filmstudio, d​em er b​is zu seinem Tod a​ls Regisseur t​reu blieb. Er drehte b​is 1989 insgesamt 17 Spielfilme. Sein Regiedebüt w​urde 1955 d​ie Trojepolski-Verfilmung Земля и люди. Internationale Bekanntheit erlangte e​r durch Im Morgengrauen i​st es n​och still, d​er 1973 e​ine Oscarnominierung a​ls Bester fremdsprachiger Film erhielt.[3] Bereits s​echs Jahre später w​urde mit Weißer Bim, Schwarzohr erneut e​in Film Rostowskis für d​en Oscar nominiert.[4] Weißer Bim Schwarzohr erhielt z​udem 1978 d​en Kristallglobus (Hauptpreis) a​uf dem Internationalen Filmfestival Karlovy Vary.

In d​en 1960er- u​nd 1970er-Jahren erhielt Rostozski zahlreiche h​ohe Auszeichnungen d​er Sowjetunion, d​ie seine Verdienste u​m den sowjetischen Film würdigten. Im Jahr 1964 w​urde er a​ls Verdienter Künstler d​er RSFSR geehrt, 1969 erhielt e​r die Auszeichnung Volkskünstler d​er RSFSR u​nd 1974 d​ie Auszeichnung Volkskünstler d​er UdSSR, d​ie für außergewöhnliche Leistungen i​n den Darstellenden Künsten vergeben wurde. Rostozki w​ar zwischen 1975 u​nd 1983 fünf Mal Jurymitglied d​es Internationalen Filmfestivals Moskau u​nd lehrte a​ls Dozent für Regie a​m Gerassimow-Institut für Kinematografie. Zudem verfasste e​r mehrere Biografien über sowjetische Filmschaffende, darunter seinen Mentor Eisenstein, u​nd war a​ls Autor für verschiedene Zeitschriften tätig.

Rostozki s​tarb auf d​er Fahrt z​um Filmfestival Windows t​o Europe unweit v​on Wyborg a​n einem Herzinfarkt.[5][6] Er w​urde auf d​em Wagankowoer Friedhof i​n Moskau beigesetzt.

Filmografie

  • 1951: Пути-дороги
  • 1953: Таинственная находка
  • 1955: Земля и люди
  • 1958: Дело было в Пенькове – auch Drehbuch
  • 1959: Sterne im Mai (Майские звёзды)
  • 1962: Das Haus in den sieben Winden (На семи ветрах) – auch Drehbuch
  • 1963: Зимние этюды
  • 1965: Максим Максимыч – auch Drehbuch
  • 1966: Bela – Tragik einer Liebe (Бэла) – auch Drehbuch
  • 1968: Warten wir den Montag ab (Доживём до понедельника)
  • 1972: Im Morgengrauen ist es noch still (А зори здесь тихие) – auch Drehbuch
  • 1977: Weißer Bim Schwarzohr (Белый Бим Чёрное ухо) – auch Drehbuch
  • 1979: Профессия – киноактёр
  • 1980: Schwadron der fliegenden Husaren (Эскадрон гусар летучих)
  • 1985: Die Liebe des Wikingers (И на камнях растут деревья) – auch Drehbuch
  • 1989: Из жизни Фёдора Кузькина – auch Drehbuch

Auszeichnungen (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. Vgl. Interview mit Nina Jewgenjewna Menschikowa aus dem Jahr 2005 (russisch) (Memento vom 12. Januar 2016 im Internet Archive).
  2. Vgl. imdb.com
  3. Vgl. Nominierte und Ausgezeichnete des Jahres 1973 auf oscars.org
  4. Vgl. Nominierte und Ausgezeichnete des Jahres 1979 auf oscars.org
  5. Vgl. Biografie Rostozkis auf kino-teatr.ru (Russisch)
  6. enk: Stanislaw Rostozki gestorben. In: Berliner Zeitung, 25. August 2001.
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