Midrex-Verfahren

Das Midrex-Verfahren i​st ein Direktreduktionsverfahren i​n der Stahlerzeugung. Mit e​iner Jahresproduktion v​on 56,5 Mio. t h​atte das Verfahren 2017 e​inen Anteil v​on 64,8 % a​n der weltweiten Produktion v​on direktreduziertem Eisen.[1]

Midrex/Corex-Stahlwerk in Südafrika (Saldanha Steel)

Geschichte

Das Midrex-Verfahren wurde vom US-Mischkonzern Midland-Ross entwickelt[2] und im Jahr 1975 von der MIDREX Corp. in den USA zum Patent angemeldet. Seit 1983 ist die MIDREX Corp. eine Tochterfirma von Kobe Steel. In Deutschland wurde der MIDREX Corp. im Jahr 1984 das Patent erteilt.[3] Eine Midrex-Anlage wurde in den frühen 1970er Jahren in Hamburg gebaut[2] – heute gehört die Anlage zu ArcelorMittal Hamburg.[4] Weltweit gibt es 78 Midrex-Schachtöfen in 21 Ländern (Stand: Mitte 2015). Wichtigste Produktionsländer sind Indien (17 Mt), Iran (15 Mt) und Saudi-Arabien (6,5 Mt).[5]

Verfahrensbeschreibung

Beim Midrex-Verfahren w​ird i​n einem Schachtofen Eisenerz i​m Gegenstromprinzip m​it einem wasserstoffreichen Gas reduziert. Dieses w​ird zuvor i​n einem Reformer d​urch die Spaltung v​on Erdgas gewonnen.[6]

Das Produkt d​es Midrex-Verfahrens i​st Eisenschwamm, i​m Gegensatz z​um flüssigen Roheisen, d​as beim Corex- u​nd Finex-Verfahren o​der im klassischen Hochofen anfällt.

Vor- und Nachteile zu anderen Verfahren

  • Höhere Leistung als ein Hochofen[3]
  • Im Vergleich mit dem Hochofen geringer spezifischer Energieverbrauch
  • Geringe Produktionsmengen (gut geeignet für kleine Werke)
  • Keine Kohle oder Koks nötig, stattdessen Verwendung von Erdgas als Reduktionsmittel
  • Die Wirtschaftlichkeit hängt stark vom Erdgaspreis ab.
  • Eisenschwamm ist als Produkt relativ rein -> gute sekundärmetallurgische Weiterverarbeitung möglich
  • Eisenschwamm oxidiert an feuchter Luft und kann sich selbst entzünden-> Brikettierung oder Passivierung mit einer Kohlenstoffschicht notwendig.
  • Es entsteht keine Schlacke
  • Erz muss stückig sein, Pelletieren des Feinerzes notwendig.[7]

Einzelnachweise

  1. https://www.midrex.com/assets/user/news/MidrexStatsBook2017.5_.24_.18_.pdf
  2. Mister Midrex kommt. In: Der Spiegel. Nr. 3, 1976 (online).
  3. Brigitte Horn-Helf: Kondensation als terminologisches Prinzip im Russischen, Gunter Narr Verlag, Tübingen, 1997, ISBN 3-8233-5348-9 eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  4. https://www.pressebox.de/pressemitteilung/arcelormittal-germany-holding/ArcelorMittal-beauftragt-Midrex-mit-der-Planung-einer-Demonstrationsanlage-fuer-die-Wasserstoff-Stahlproduktion-in-Hamburg/boxid/973085
  5. 2014 World Direct Reduction Statistics
  6. Midrex-Prozessbeschreibung@1@2Vorlage:Toter Link/midrex2010.edreamz.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (englisch)
  7. Georg Küffner: Der Hochofen ist noch lange nicht ausgebrannt. In: FAZ.net. 16. Juni 2005, abgerufen am 17. Dezember 2014.

Patente

  • Patent US4042226: Method and apparatus for producing metallic iron pellets. Angemeldet am 19. Mai 1975, veröffentlicht am 16. August 1977, Anmelder: Midrex Corporation, Erfinder: Donald Beggs.
  • Patent DE2622349: Verfahren zur Direktreduktion von Eisenerzen.
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