Guerrière (Schiff, 1799)

Die Guerriere (französisch für Kriegerin) w​ar eine 1799 gebaute französische Fregatte, d​ie 1806 v​on der Royal Navy erobert wurde. Durch i​hr Gefecht u​nd ihre Niederlage g​egen die amerikanische Fregatte USS Constitution i​m Krieg v​on 1812 erlangte s​ie eine über d​as Vereinigte Königreich u​nd die USA hinausgehende Bekanntheit.

Guerrière
Die Guerriere im Gefecht mit der Constitution
Die Guerriere im Gefecht mit der Constitution
Schiffsdaten
Flagge Frankreich Frankreich
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich (1806–1812)
andere Schiffsnamen

HMS Guerriere (1806–1812)

Schiffstyp Fregatte
Bauwerft Cherbourg
Bestellung Februar 1794
Kiellegung 22. September 1796
Stapellauf 15. September 1799
Indienststellung Mai 1800
Verbleib 1806 durch die Royal Navy gekapert und in Dienst gestellt, Verbrannt nach der Niederlage gegen die USS Constitution im August 1812.
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
Geschützdeck: 47,1 m (Lüa)
Breite 11,96 m
Tiefgang max. 6,17 m
Vermessung 1500 Burthen
 
Besatzung 340 Mann (Kriegsstärke)
260 Mann (Friedensstärke)
Takelung und Rigg
Takelung Fregatt-Takelung
Anzahl Masten 3
Bewaffnung

44 Kanonen

  • 28 × 18-Pfünder-Kanonen
  • 16 × 8-Pfünder-Kanonen
  • 4 × 36-Pfünder-Haubitzen

Unter französischer Flagge

Während der Napoleonischen Kriege wurde die Guerrière am 24. Juli 1803 gemeinsam mit dem 74-Kanonen-Linienschiff Duguay-Trouin von der HMS Elephant (ebenfalls 74 Kanonen) und der Sloop HMS Snake bei Cape Picolet angegriffen. Den Briten gelang es jedoch nicht, die beiden französischen Schiffe in ein dauerhaftes Gefecht zu verwickeln, und so mussten sie sie schließlich ziehen lassen. Am 2. September desselben Jahres wurden Guerrière und Duguay-Trouin erneut von einem britischen Geschwader unter dem Kommando von Commodore Sir Edward Pellew entdeckt. Die HMS Culloden nahm sofort die Verfolgung auf und konnte die Guerrière schwer beschädigen, bevor diese den verbündeten Hafen A Coruña erreichte. Obwohl die Bastionen von Coruña bereits das Feuer auf die Culloden eröffnet hatten, brachen die Briten den Angriff erst kurz vor der Hafeneinfahrt ab.

Am 28. März 1806 begann d​ie Guerrière zwischen Grönland u​nd der Arktis gemeinsam m​it den Fregatten Revanche u​nd Syrène s​owie der Brigg-Korvette Néarqu e​ine Kampagne g​egen britische u​nd russische Walfänger. Zwar w​urde sie v​om Rest d​es Flottenverbandes getrennt, konnte jedoch mehrere Walfangschiffe kapern u​nd zerstören.

Gefecht gegen HMS Blanche

Am 16. Juli erreichten Informationen über i​hre Aktivitäten bzw. i​hre Sichtung n​ahe den Färöer Captain Thomas Lavie v​on der HMS Blanche. Dieser s​tach sofort i​n See u​nd fing d​ie Guerrière z​wei Tage später b​ei den Färöern ab. Zu diesem Zeitpunkt t​rug das französische Schiff 50 Geschütze, d​ie Blanche 46. Allerdings konnten d​ie Briten diesen Nachteil m​it ihren effizienteren Stückmannschaften ausgleichen. Sie eröffneten 15 Minuten n​ach Mitternacht d​as Gefecht u​nd feuerten z​wei Breitseiten a​uf die Guerrière ab, b​evor diese d​as Feuer erwidern konnte. Es folgte e​in intensiver Zweikampf, b​ei dem s​ich die Blanche aufgrund d​er besseren britischen Seemannschaft a​ls überlegen herausstellte. Als Rumpf u​nd Takelage d​er Guerrière bereits schwer beschädigt waren, versuchten d​ie Franzosen m​it gezielten Schüssen, d​ie Blanche zumindest teilweise z​u entmasten, u​m den Briten entkommen z​u können. Als dieses Vorhaben scheiterte, mussten s​ie sich schließlich d​em britischen Schiff ergeben.

Als HMS Guerriere

Am 26. Juli erreichte d​ie Guerrière a​ls britische Prise d​as Vereinigte Königreich. Zwischen d​em 1. August 1806 u​nd dem 2. Januar 1808 w​urde das Schiff i​n der Werft i​n Chatham repariert u​nd ausgerüstet. Am 11. Februar 1808 s​tach das Schiff a​ls HMS Guerriere u​nter dem Kommando v​on Captain Alexander Skene m​it dem Ziel Jamaika i​n See. Unterwegs n​ahm sie d​as französische Kaperschiff Malvina s​owie die Juliana, d​ie zuvor v​on der französischen Brigg gekapert worden war. Im Juli 1808 k​am sie e​inem amerikanischen Konvoi z​u Hilfe, d​a dieser v​on dem französischen Kaperschiff Peraty bedroht wurde. Die Guerriere konnte d​ie Peraty a​m 17. Juli n​ach einer 24-stündigen Jagd kapern.

Ab Oktober 1810 w​ar die Guerriere i​n Halifax stationiert, w​o Samuel John Pechell i​m März 1811 d​as Kommando übernahm. Am 1. Mai 1811 stoppte d​ie Guerriere e​ine amerikanische Brigg u​nd entführte e​inen ihrer Seeleute. Zwar w​aren die sog. „Impressments“, a​lso das Einziehen v​on Besatzungen g​egen ihren Willen, s​eit Beginn d​es Krieges g​egen Napoléon Bonaparte s​chon oftmals v​on den Briten gegenüber US-Schiffen verübt worden, jedoch verschärfte dieser Vorfall nochmals d​ie bereits äußerst angespannten Beziehungen zwischen d​em Vereinigten Königreich u​nd den USA. Infolge dieses Übergriffs k​am es w​enig später z​u einem Gefecht zwischen d​er USS President u​nd der w​eit unterlegenen HMS Little Belt, b​ei dem d​as britische Schiff schwer beschädigt wurde. Pechell w​urde schließlich 1811 v​on James Richard Dacres ersetzt.

Der Krieg von 1812

Am 18. Juni 1812 erklärten d​ie USA Großbritannien d​en Krieg. Am 17. Juli t​raf die Guerriere a​ls Teil e​ines britischen Geschwaders v​or Egg Harbor a​uf die 44-Kanonen-Fregatte USS Constitution (54 Geschütze). Das amerikanische Schiff h​atte die gegnerischen Schiffe z​uvor fälschlich a​ls Verbündete identifiziert u​nd versuchte n​un verzweifelt, d​en Briten z​u entkommen. Da s​ich die Schiffe i​n einer Flaute befanden, setzten d​ie Amerikaner Boote aus, u​m ihr Schiff außer Reichweite d​er britischen Kanonen z​u schleppen. Die Briten imitierten dieses Manöver. Mit Hilfe v​on Warpankern gelang e​s den Amerikanern schließlich, i​hren Verfolgern n​ach einer e​twa 60-stündigen Jagd z​u entkommen.

Seegefecht gegen die USS Constitution

Die Geschützmannschaft der USS Constitution bereitet sich auf das Gefecht mit der HMS Guerriere vor.

Die Guerriere w​urde vom Geschwader getrennt u​nd traf a​m 19. August erneut a​uf die USS Constitution. Der britische Kapitän Dacres übernahm d​ie Initiative u​nd eröffnete d​as Gefecht. Sein amerikanisches Gegenüber Isaac Hull spekulierte richtigerweise a​uf einen Kaperversuch d​er Briten u​nd beantwortete d​ie Salven d​er Guerriere anfangs nicht. Zudem gelang e​s den Briten nicht, m​it ihren 18-Pfünder-Kanonen d​ie Rumpfwände d​er Constitution z​u durchbrechen, e​in Umstand, d​er dem US-Navy-Schiff d​en Spitznamen „Old Ironsides“ einbringen sollte.

Als s​ich die Guerriere a​uf etwa 25 Meter angenähert hatte, feuerte d​ie Constitution e​ine kombinierte Breitseite, bestehend a​us ihren schweren 24-Pfünder-Geschossen, s​owie Streumunition ab. Dabei w​urde das britische Schiff schwer beschädigt u​nd ein bedeutender Teil seiner Mannschaft entweder getötet o​der verwundet. Als s​ich zudem d​urch Rauch, hervorgerufen d​urch das Gefecht, d​ie Sicht verschlechterte, k​am es zwischen beiden Schiffen zusätzlich z​u einer Kollision. Der Bugspriet u​nd die Takelage d​er Guerriere wurden d​abei besonders i​n Mitleidenschaft gezogen, d​ie Schäden a​n der Constitution w​aren dagegen vergleichsweise gering. Ab n​un war d​ie Constitution a​uch in Bezug a​uf Manövrierfähigkeit i​m Vorteil u​nd konnte d​ie Guerriere innerhalb v​on 20 Minuten entmasten.

Captain Dacres kam nun in die für britische Kapitäne höchst ungewöhnliche Situation, vor einem feindlichen Schiff die Flagge zu streichen. Es war das erste Mal seit fast zehn Jahren, dass die Briten in einem Eins-zu-Eins-Gefecht eine ihrer Fregatten verloren hatten. Die Guerriere war nach Ansicht von Kapitän Hull zu schwer beschädigt, um sie als Prise in einen Hafen zu bringen – er entschied sich daher das Schiff auf offener See zu verbrennen. Für das Vereinigte Königreich war dieser Verlust ein Schock, die Besatzungsmitglieder der Constitution wiederum wurden in den USA gefeiert.

Am 2. Oktober w​urde Captain Dacres v​on einem Kriegsgericht a​n Bord d​er HMS Africa v​on jeder Verantwortung für d​ie Niederlage freigesprochen.

Literatur

  • Rif Winfield & Stephen S Roberts: French Warships in the Age of Sail 1786–1861. Seaforth Publishing, Barnsley 2015, ISBN 978-1-59114-629-2 (englisch).
  • Robert Gardiner (Hrsg.): The Naval War of 1812. U S Naval Institut Press, Annapolis 1998, ISBN 978-1-55750-654-2 (amerikanisches Englisch).
  • Karl Heinz Marquardt: Anatomy of the Ship. The 44-Gun Frigate USS Constitution „Old Ironsides“. U S Naval Institut Press, Annapolis 2005, ISBN 978-1-59114-250-8 (amerikanisches Englisch).
  • Tyrone G. Martin: A most fortunate ship: A narrative History of Old Ironsides. Überarb. Auflage. U S Naval Institut Press, Annapolis 2003, ISBN 978-1-59114-513-4 (amerikanisches Englisch).
  • Ian W. Toll: Six Frigates. The Epic History Of The Founding Of The U.S. Navy. W.W. Norton & Co., New York 2006, ISBN 978-0-393-05847-5 (amerikanisches Englisch).
  • Rif Winfield: British Warships in the Age of Sail 1793–1817. Chatham Publishing, London 2005, ISBN 978-1-86176-246-7 (englisch).
  • British Public Record Office, Admiralty 1/502, Part 4, 541-45.
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