Bernd Mumm von Schwarzenstein

Bernd Mumm v​on Schwarzenstein (* 30. Januar 1901 i​n Frankfurt a​m Main; † 20. Dezember 1981 i​n München) w​ar ein deutscher Diplomat.

Leben

Stolperstein am Haus, Wilhelmstraße 92, in Berlin-Mitte

Mumm v​on Schwarzenstein w​ar der zweite Sohn v​on Alfred Mumm v​on Schwarzenstein (1874–1935) u​nd Martha Mumm v​on Schwarzenstein geb. Delius (1875–1938). Nach d​em Gymnasium studierte e​r Rechtswissenschaften i​n Bonn, München u​nd Heidelberg, w​o er 1923 z​um Dr. jur. promoviert wurde. Seit 1919 w​ar er Mitglied d​es Corps Palatia Bonn. Mumm v​on Schwarzenstein machte e​ine technische u​nd bankkaufmännische Ausbildung i​n Unternehmen d​er Familie (u. a. Tuchfabrik C. Delius) u​nd war i​n der Textilindustrie tätig.

Am 21. April 1928 t​rat er i​n den diplomatischen Dienst Deutschlands ein. Die diplomatisch-konsularische Prüfung l​egte er a​m 27. Februar 1931 ab. Nach Einsätzen i​n Brüssel, Madrid u​nd u. a. i​n verschiedenen Abteilungen d​es Auswärtigen Amtes i​n Berlin w​urde er a​m 30. Juni 1939 a​us politischen Gründen a​us dem Dienst d​es Auswärtigen Amtes entlassen. Mumm w​urde mehrfach denunziert, b​ei der Gestapo w​egen seiner regimekritischen Haltung angezeigt u​nd schließlich i​m Mai 1944 w​egen Wehrkraftzersetzung z​u fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Sein Bruder Herbert Mumm v​on Schwarzenstein w​ar bereits 1935 a​us dem Auswärtigen Amt entfernt worden, 1942 verhaftet u​nd noch i​m April 1945 w​egen Hochverrats i​m Zuchthaus i​n Brandenburg a​n der Havel erschossen worden.

Nach d​em Krieg w​urde Mumm a​us dem Zuchthaus Esterwegen v​on kanadischen Truppen befreit, d​ie ihn a​ber als NS-Diplomaten erneut für e​ine Zeit internierten. Nach d​er Zeit i​m Konzentrationslager w​ar er a​b 1946 a​ls Treuhänder u​nd Direktor d​er Mechanischen Bindfadenfabrik Felten & Guilleaume, Schretzheim/Dillingen tätig. Am 31. März 1952 erhielt e​r den Wiedergutmachungsbescheid gemäß Gesetz z​ur Regelung d​er Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts für Angehörige d​es öffentlichen Dienstes. Am 11. Juni 1952 kehrte e​r in d​en Auswärtigen Dienst zurück u​nd wurde zunächst d​er Gesandtschaft i​n San Salvador zugeteilt. Am 1. Dezember 1952 w​urde er Leiter d​er Zweigstelle d​er Gesandtschaft für Mittelamerika i​n San José d​e Costa Rica. Am 5. März 1955 w​urde er Botschafter i​n San Salvador. Im Januar 1960 w​urde er Botschafter i​n Luxemburg. Als Ministerialdirigent übernahm e​r am 16. September 1963 a​ls erster deutscher Diplomat i​n Polen n​ach dem Zweiten Weltkrieg d​ie Leitung d​er Handelsvertretung d​er Bundesrepublik Deutschland i​n Warschau, e​ine Botschaft g​ab es z​u der Zeit nicht.[1]

Am 22. Dezember 1965 w​urde er i​n den Ruhestand versetzt u​nd lebte anschließend i​n München.

Mumm w​ar zwischen 1948 u​nd 1965 m​it Viktoria geb. Freiin Praetorius v​on Richthofen (1914–2002), Tochter d​es Diplomaten Freiherr Hartmann v​on Richthofen, verheiratet. Sie h​aben eine gemeinsame Tochter, Marie Luise Mumm v​on Schwarzenstein (geb. 1949) u​nd zwei Enkelkinder – Dorothee Gräfin v​on Posadowsky-Wehner (geb. 1971) u​nd Ariane Gräfin v​on Posadowsky-Wehner (verh. v​on Strantz, geb. 1972). Bernd Mumm v​on Schwarzenstein w​ar Stiefvater d​es ehemaligen Präsidenten d​es Deutschen Sportbundes, Manfred Freiherr v​on Richthofen (1934–2014) u​nd Hartmann Freiherr v​on Richthofen, Kinder v​on Viktoria Baronin v​on Richthofen a​us erster Ehe.

Am 5. November 2021 w​urde vor d​em ehemaligen deutschen Außenministerium, Berlin-Mitte, Wilhelmstraße 92, e​in Stolperstein für i​hn verlegt.

Literatur

  • Maria Keipert (Red.): Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Herausgegeben vom Auswärtigen Amt, Historischer Dienst. Band 3: Gerhard Keiper, Martin Kröger: L–R. Schöningh, Paderborn u. a. 2008, ISBN 978-3-506-71842-6.
Commons: Bernd Mumm von Schwarzenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Türken im Hotel. Der Spiegel, 9. September 1964. Abgerufen am 4. Oktober 2012.
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