Banach-Saks-Eigenschaft

Die Banach-Saks-Eigenschaft, benannt n​ach Stefan Banach u​nd Stanisław Saks, i​st eine mathematische Eigenschaft a​us der Theorie d​er Banachräume. Sie sichert z​u einer beschränkten Folge d​ie Existenz e​iner Teilfolge, d​ie im arithmetischen Mittel konvergiert.

Definition und Motivation

Ein Banachraum hat die Banach-Saks-Eigenschaft, wenn jede beschränkte Folge in X eine Cesàro-konvergente Teilfolge hat, das heißt, wenn es ein gibt mit .

Die Banach-Saks-Eigenschaft w​ird von vielen Autoren m​it BSP (Banach-Saks property) abgekürzt.

Nach e​inem bekannten Satz v​on Mazur k​ann man d​en Grenzwert e​iner schwach-konvergenten Folge d​urch Konvexkombinationen d​er Folgenglieder i​n der Normtopologie approximieren. Dabei stellt s​ich die Frage, o​b man dies, zumindest n​ach Übergang z​u einer Teilfolge, s​ogar durch d​as arithmetische Mittel erreichen kann. Wenn m​an ohnehin z​u Teilfolgen übergehen muss, s​o kann m​an versuchen, s​tatt der schwach-konvergenten Folgen beschränkte Folgen z​u betrachten, denn, zumindest i​n reflexiven Räumen, i​n denen d​ie Einheitskugel bekanntlich schwach-kompakt u​nd daher n​ach dem Satz v​on Eberlein–Šmulian s​ogar schwach-folgenkompakt ist, k​ann man a​us beschränkten Folgen schwach-konvergente Teilfolgen auswählen. Diese Überlegungen führen d​ann zu d​er oben gegebenen Definition.

Beispiele

  • Hilberträume haben die Banach-Saks-Eigenschaft.
  • Die Lp([0,1])-Räume, , haben die Banach-Saks-Eigenschaft.
  • S.Kakutani: Gleichmäßig konvexe Räume haben die Banach-Saks-Eigenschaft, die Umkehrung gilt nicht.
  • Nach einem Satz von T. Nishiura and D. Waterman sind Banachräume mit der Banach-Saks-Eigenschaft reflexiv, die Umkehrung gilt nicht. Man hat daher folgende Einordnung
Gleichmäßig konvex super-reflexiv Banach-Saks-Eigenschaft reflexiv.
  • Nicht-reflexive Räume, wie etwa die Folgenräume oder , sind daher Beispiele für Banachräume ohne Banach-Saks-Eigenschaft.

Vererbung

  • Die Banach-Saks-Eigenschaft vererbt sich auf abgeschlossene Unterräume und Quotientenräume.
  • Ist umgekehrt ein Banachraum mit einem abgeschlossenen Unterraum , so dass und die Banach-Saks-Eigenschaft haben, so hat auch die Banach-Saks-Eigenschaft.
  • Ist ein Banachraum mit der Banach-Saks-Eigenschaft und ist ein zu isomorpher Banachraum, so hat auch die Banach-Saks-Eigenschaft. Für gleichmäßig konvexe Räume gilt diese Vererbungseigenschaft nicht, denn gleichmäßige Konvexität ist eine Eigenschaft der Norm.
  • Die Banach-Saks-Eigenschaft vererbt sich nicht auf den Dualraum.

Verwandte Begriffe

Die p-Banach-Saks-Eigenschaft

Ein Banachraum hat die -Banach-Saks-Eigenschaft, wenn jede beschränkte Folge in eine Teilfolge enthält, für die es ein und eine Konstante gibt mit für alle . (Die Konstante kann dabei von der betrachteten Folge abhängen, nicht aber von .)

Aus der -Banach-Saks-Eigenschaft, , folgt die Banach-Saks-Eigenschaft, denn .

Stefan Banach und Stanisław Saks haben in ihrer 1930er Arbeit im Wesentlichen gezeigt, dass die Lp([0,1])-Räume für die heute so genannte p-Banach-Saks-Eigenschaft haben. Das ist historisch der Ausgangspunkt für die Untersuchung der Banach-Saks-Eigenschaft.

Die alternierende Banach-Saks-Eigenschaft

Da Banachräume mit der Banach-Saks-Eigenschaft reflexiv sind, stellt sich die Frage, welche Eigenschaft umgekehrt ein reflexiver Baum haben muss, um die Banach-Saks-Eigenschaft zu haben. Dabei kommt die hier vorgestellte Eigenschaft ins Spiel: Ein Banachraum hat die alternierende Banach-Saks-Eigenschaft, wenn jede beschränkte Folge in eine Teilfolge besitzt, so dass bezüglich der Normtopologie konvergiert. M. I. Ostrowskii hat folgende Charakterisierung gezeigt:

  • Ein Banachraum hat genau dann die Banach-Saks-Eigenschaft, wenn er reflexiv ist und die alternierende Banach-Saks-Eigenschaft hat.

Die schwache Banach-Saks-Eigenschaft

Ein Banachraum hat die schwache Banach-Saks-Eigenschaft, wenn jede schwache Nullfolge in X eine Cesàro-konvergente Teilfolge hat, das heißt, es gibt ein mit .

Da schwache Nullfolgen beschränkt sind, folgt aus der Banach-Saks-Eigenschaft die schwache Banach-Saks-Eigenschaft. Die Räume (bewiesen von W. Schlenk) und die Folgenräume und haben die schwache Banach-Saks-Eigenschaft, aber wegen fehlender Reflexivität nicht die Banach-Saks-Eigenschaft. Der Funktionenraum und der Folgenraum sind Beispiele für Banachräume ohne die schwache Banach-Saks-Eigenschaft. Die schwache Banach-Saks-Eigenschaft vererbt sich auf abgeschlossene Teilräume, nicht jedoch auf Quotientenräume.

Auch für die p-Banach-Saks-Eigenschaft gibt es eine schwache Variante: Ein Banachraum hat die schwache -Banach-Saks-Eigenschaft, wenn jede schwache Nullfolge in eine Teilfolge enthält, für die es ein und eine Konstante gibt mit .

Aus der p-Banach-Saks-Eigenschaft folgt die schwache p-Banach-Saks-Eigenschaft, denn schwache Nullfolgen sind beschränkt, und aus der schwachen p-Banach-Saks-Eigenschaft folgt die schwache Banach-Saks-Eigenschaft, .

Quellen

  • S. Banach and S. Saks: Sur la convergence forte dans les champs Lp, Studia Mathematica, Band 2, Seiten 51–57 (1930).
  • Jesus M. Castillo, Manuel Gonzales: Three-space Problems in Banach Space Theory, Lecture Notes in Mathematics, Band 1667 (1997), ISBN 978-3-540-63344-0
  • Joseph Diestel: Sequences and Series in Banach Spaces. 1984, ISBN 0-387-90859-5.
  • S. Kakutani: Weak convergence in uniformly convex spaces, Math. Inst. Osaka Imp. Univ. (1938) Seiten 165–167
  • T. Nishiura, D. Waterman: Reflexivity and summability, Studia Mathematica, Band 23 (1963) Seiten 53–57
  • N. Okada: On the Banach-Saks property, Proceedings Japan Academy, Band 60, Serie A (1984), Seiten 246–248
  • W. Schlenk: Sur les suites faiblement convergents dans l'espace L, Studia Mathematica, Band 25 (1969) Seiten 337–341
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