Abelardo Colomé Ibarra

Abelardo „Furry“ Colomé Ibarra (* 13. November 1939 i​n Santiago d​e Cuba) i​st ein kubanischer Politiker d​er Kommunistischen Partei Kubas (PCC), ehemaliger Militär, Vizepräsident d​es Staatsrates u​nd Innenminister.

Biografie

Colomé Ibarra begann s​ich nach d​em Beginn d​er Oberschule früh politisch z​u engagieren u​nd gehörte z​u den Mitgliedern d​er Bewegung d​es 26. Juli, d​er von Fidel Castro geführten Organisation während d​er kubanischen Revolution. Am 30. November 1956 n​ahm er a​m von Frank País organisierten Aufstand i​n Santiago d​e Cuba u​nd trat i​m März 1957 d​en Rebellionskräften (Ejército Rebelde) bei. Im März 1958 n​ahm er i​n den Truppen u​nter der Führung v​on Raúl Castro a​n Kämpfen i​n der Sierra Cristal teil, d​eren Gebiet n​ach dem Tode v​on País 2. Ostfront „Frank País“ genannt wurde. In d​er Folgezeit n​ahm er i​mmer wieder a​n Gefechten d​er Rebellionskräfte teil, i​n deren Verlauf e​r schließlich i​m Dezember 1958 z​um Comandante d​er Rebellionstruppen befördert wurde.

Nach d​em Ende d​er Revolution s​tieg er innerhalb d​er Revolutionsstreitkräfte (FAR) u​nd der Ministerien für d​ie Streitkräfte u​nd für Inneres auf. Im Juli 1961 gehörte e​r zu d​en Mitbegründern d​er ORI, a​us der a​m 3. Oktober 1965 d​ie Kommunistische Partei Kubas (PCC) hervorging. 1962 w​ar er Gründer d​er Geheimdienstabteilung d​er FAR. 1968 w​urde er Chef d​er Armeegruppe d​er FAR i​m Nordosten Kubas u​nd dann 1970 kurzzeitig Kommandeur d​er Streitkräfte i​m Osten (Oriente).[1] 1970 w​urde er zunächst Chef d​er Abteilung für Militärische Abwehr (MINFAR) i​m Verteidigungsministerium u​nd im Laufe d​er Zeit zunächst Stellvertretender (1972) u​nd schließlich Erster Stellvertretender Verteidigungsminister. Darüber hinaus w​ar er zeitweise 1976 Chef d​er kubanischen Militärmission i​n Angola u​nd wurde m​it dem Ehrentitel „Held d​er Republik Kuba“ ausgezeichnet. Zuletzt h​atte er d​en Rang e​ines Generalleutnants.

1975 erfolgte a​uf dem 1. Parteitag d​er PCC s​eine Wahl z​um Mitglied d​es ZK s​owie im folgenden Jahr 1976 s​eine Wahl z​um Mitglied d​er Nationalversammlung (Asamblea Nacional d​el Poder Popular). Auf d​em 2. Parteitag i​m Dezember 1980 w​urde er z​um Kandidaten d​es Politbüros d​es ZK gewählt, d​em er s​eit dem 3. Parteitag i​m Februar 1986 a​ls Mitglied angehört.[2] 1989 w​urde er schließlich Innenminister Kubas[3] u​nd damit Nachfolger d​es Divisionsgenerals José Abrantes, d​er im Juni 1989 plötzlich abgesetzt u​nd anschließend u​nter anderem w​egen Amtsmissbrauch u​nd Untreue z​u einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt w​urde und 1991 i​m Gefängnis starb.

Mit Beginn d​er Erkrankung v​on Fidel Castro w​urde er a​m 31. Juli 2006 z​um Mitglied e​ines siebenköpfigen Komitees u​nter dem Vorsitz v​on Raúl Castro berufen, d​as für e​ine Übergangszeit m​it der Führung Kubas betraut wurde.[4] Als Innenminister gehört e​r aufgrund seiner m​ehr als 50-jährigen Bekanntschaft m​it Raúl Castro z​u dessen engsten Vertrauten.[5]

In den Medien wurde Colomé Ibarra teilweise als Nachfolger Raúl Castros vermutet.[6][7][8] 2008 wurde jedoch José Ramón Machado Ventura zum Stellvertreter Raúls als Staatspräsident ernannt, 2011 dann auch zum stellvertretenden Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Kubas. Colomé Ibarra ist neben Tourismusminister Manuel Marrero das einzige von Fidel Castro eingesetzte Kabinettsmitglied, das sein Ministeramt unter Raúl Castro bisher nicht abgeben musste. Am 26. Oktober 2015 legte er im Alter von 76 Jahren aus Gesundheitsgründen seine Ämter im Staatsrat, als Innenminister sowie Reservist der Streitkräfte nieder.[9]

Einzelnachweise

  1. Datas Abelardo Colomé Ibarra
  2. Politische Führung Kubas
  3. Julie Marie Bunck: Fidel Castro and the Quest for a Revolutionary Culture in Cuba. Penn State Press, 2010, ISBN 0-271-04027-0, S. 69 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Carlos Alberto Montaner: Journey to the Heart of Cuba: Life As Fidel Castro. Algora Publishing, 2001, ISBN 978-0-87586-140-1, S. 225 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Mathieu, Hans: "Raúls Reformen. Führungswechsel in Kuba", 18. Dezember 2008 (PDF; 170 kB)
  6. Kubas “Dritter Mann” (Memento vom 7. September 2012 im Internet Archive)
  7. Montaner, Carlos Alberto: "Was kommt nach Castros Tod?", KUBA-MAGAZIN 31. Januar 2007
  8. Skierka, Volker: "Nach Castro ist vor Castro", CICERO (Memento vom 7. Januar 2011 im Internet Archive), abgerufen am 9. Mai 2015.
  9. Cuban Interior Minister Abelardo Colome Resigns for Health Reasons, Havana Times vom 26. Oktober 2015
This article is issued from Wikipedia. The text is licensed under Creative Commons - Attribution - Sharealike. The authors of the article are listed here. Additional terms may apply for the media files, click on images to show image meta data.