Walther Bötticher

Walther Bötticher (* 27. August 1885 i​n Hagen; † 3. September 1916 a​n der Somme) w​ar ein deutscher Maler u​nd Vertreter d​es Expressionismus.

Leben

Bereits als Gymnasiast besuchte Walther Bötticher oft das 1902 von Karl Ernst Osthaus in Hagen eröffnete Museum Folkwang, wo er den Expressionismus und insbesondere die Arbeiten von Christian Rohlfs und Emil Nolde kennenlernte. Bötticher studierte 1906 zunächst an der Kunstschule in Weimar und an den Lehr- und Versuchsateliers für angewandte und freie Kunst (Debschitz-Schule) in München.[1] 1907/08 teilte er sich mit Christian Rohlfs ein Atelier in Hetschburg bei Weimar und nahm bei diesem auch Unterricht. Bötticher zog 1910 nach Berlin. Hier nahm er Kontakt zu Emil Nolde und der Künstlergemeinschaft Brücke auf.[2] Das Angebot, der Künstlergemeinschaft beizutreten, lehnte er aber ab und 1911 kehrte er wieder nach Hagen zurück.[3] Es folgten Einzel- und Gruppenausstellungen und er wurde auch in verschiedenen Zeitschriften (Cicerone, Kunstchronik, Die Rheinlande und Xenien) vorgestellt.[4] Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam er an die Front, wurde verletzt, kehrte aber schnell zurück und fiel schließlich 1916 an der Somme.[5]

Künstlerisches Schaffen

"Die Werke, die in diesen Jahren entstanden, verraten ein tiefes Verhältnis zur Natur sowohl wie zum schmückenden Berufe der Malerei. Er sah die Landschaft voll Liebe und Hingabe, aber er sah sie auch immer als Dekorateur. Nie verlor er sich in impressionistischer Analyse, er baute aus sicher erfassten Bildelementen das schmückende Werk. Seine Bildkonstruktionen sind so logisch durchgeführt, wie seine Eindrücke zart empfunden sind. Und sie sind reich dabei. Man empfindet keine Manier, sondern lebendigen Fortschritt von Bild zu Bild. Jeder Wurf ist eine Schöpfung, und hierin unterscheiden sich seine Landschaften und Bildnisse nicht von den freien, figürlichen Kompositionen. Seiner tiefen Natur, die keinem Problem aus dem Wege ging, sagten biblische Stoffe besonders zu. Er verstand sie tragisch zu fassen. Aber was er gestaltete, blieb immer das Bild, das durch den Reichtum und die Schönheit seiner farbigen Existenz das Thematische überwand. Neben diesen Bildern entstanden in großer Zahl graphische Blätter, Zeichnungen, Holz- und Linoleumschnitte. Sie vereinigen bald Anmut, bald Tiefe der Empfindung mit einer wuchtigen Breite des Vortrages. Badende Jungen, Reiter und weidende Kühe kehren häufig wieder; eine farbige Kreuzigung steht im Mittelpunkt der biblischen Stoffe."[6]

"Er gehört z​u jener Gruppe, d​ie in Frankreich Matisse, i​n Deutschland Nolde z​um Führer hat. [...] Wer erkennen will, w​o heute d​ie Zukunftshoffnungen unserer Kunst liegen, w​ird sich d​en Namen dieses Künstlers merken müssen." (Karl Ernst Osthaus über Walther Bötticher)[7]

1937 w​urde in d​er Nazi-Aktion „Entartete Kunst“ e​ine große Zahl v​on Werken Böttichers a​us der Kunsthalle Bremen, d​em Städtischen Kunst- u​nd Gewerbemuseum Dortmund, d​em Museum für Kunst u​nd Heimatgeschichte Erfurt, d​em Museum Folkwang Essen, d​em Städtischen Museum Hagen, d​em Städtischen Museum für Kunst u​nd Kunstgewerbe Halle/Saale, d​em Wallraf-Richartz-Museum Köln, d​em Kaiser-Friedrich-Museum Magdeburg u​nd der Ruhmeshalle Wuppertal-Barmen beschlagnahmt. Ein großer Teil d​avon wurde vernichtet.[8]

Werke v​on ihm s​ind im Osthaus Museum Hagen, d​em Museum Folkwang i​n Essen u​nd der Kunsthalle Mannheim vorhanden.

Werke (Auswahl)

Gemälde "Der Sänger (mit Musikdirektor Laugs)" (1912)
  • "Kühe auf der Weide" (1912), Gemälde
  • "Bußprediger" (1913), Gemälde und Linolschnitt
  • "Else Lasker-Schüler erzählt Märchen", Gemälde
  • "Dr. Heinrich Mann bei einer Vorlesung im Folkwang-Museum", Zeichnung
  • "Genesis" (1913), 6 Blätter – Druckgraphik, Horen-Verlag Berlin
  • "Singende Mädchen", Gemälde
  • "Jünger von Emmaus", Gemälde
  • "Und sie schämten sich", Gemälde
  • "Paar", (1909) Farblithographie

Ausstellungen

  • 1911 und 1915 Museum Folkwang in Hagen
  • 1912 Sonderbund-Ausstellung in Köln
  • 1917 Museum Folkwang in Hagen
  • 1919 Frankfurter Kunstverein
  • 1920 Galerie Alfred Flechtheim in Düsseldorf
  • 1952 Karl-Ernst-Osthaus-Museum in Hagen
  • 1985 Karl-Ernst-Osthaus-Museum in Hagen
  • 2009 Galerie Utermann in Hagen

Auszeichnungen

  • 1913 Preis im Essener Wettbewerb mit: "Der Flötenspieler"

Literatur

  • Boetticher, Walter. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 1: A–D. E. A. Seemann, Leipzig 1953, S. 251.
  • Walter Boetticher. Zeichnungen von Ottomar Starke, Ausstellungskatalog - Galerie Alfred Flechtheim, Druck von Leonhard Tietz Akt.-Ges. Düsseldorf 1920.
  • Deutsche Graphik des Westens, Wedderkop, Hermann von (Hg.), Feuerverlag, Weimar 1922.
  • Walther Bötticher: 1885-1916, Ausstellungskatalog - Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen.
  • Walther Bötticher (1885-1916): ein Maler aus dem Umkreis des Hagener Museums Folkwang, Angelika Steinmetz - Verlag: Lit, 1993.
Commons: Walther Bötticher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Deutsche Graphik des Westens
  2. Walther Bötticher, auf alfredflechtheim.com
  3. Walther Bötticher Inventur – Einblicke ins Archiv der Jahresgaben, Westfälischer Kunstverein auf retrospektiven.wordpress.com
  4. Walther Bötticher auf AlfredFlechtheim.com
  5. Deutsche Graphik des Westens
  6. Deutsche Graphik des Westens
  7. Walther Bötticher auf AlfredFlechtheim.com
  8. Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion "Entartete Kunst", Forschungsstelle "Entartete Kunst", FU Berlin
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