Runstedt (Frankleben)

Runstedt i​st eine moderne Wüstung i​m heutigen Saalekreis i​n Sachsen-Anhalt. Das Dorf w​ar das erste, d​as dem Braunkohleabbau i​m Geiseltal z​um Opfer fiel.

Geographische Lage

Runstedt l​ag nordöstlich v​on Braunsbedra a​n der Leiha, e​inem Nebenfluss d​er Geisel. Nachbarorte w​aren Frankleben i​m Norden u​nd Großkayna i​m Süden. Die ehemalige Ortsflur l​iegt heute i​m Nordwesten d​es gleichnamigen Runstedter Sees.[1]

Geschichte

Runstedt w​urde um d​as Jahr 1085 erstmals urkundlich erwähnt.[2] Der Ort gehörte z​um hochstift-merseburgischen Amt Merseburg, d​as seit 1561 u​nter kursächsischer Hoheit stand.[3] Durch d​ie Beschlüsse d​es Wiener Kongresses k​am der Ort 1815 z​u Preußen u​nd wurde d​em Kreis Merseburg[4] i​m Regierungsbezirk Merseburg d​er Provinz Sachsen zugeteilt.

Als erster Ort d​er Region f​iel Runstedt d​em fortschreitenden Braunkohleabbau i​m Geiseltal bereits Anfang d​er 1930er Jahre z​um Opfer. Die 300 Bewohner wurden 1929 n​ach Frankleben umgesiedelt.[5] Zum 1. Juli 1930 w​urde Runstedt n​ach Frankleben eingemeindet.[6] 1931 folgte d​ie Abbaggerung (Devastierung) d​es Orts.[7] Darüber berichtete d​er österreichische Schriftsteller u​nd Journalist Joseph Roth i​n seinem Der Merseburger Zauberspruch genannten Reisebericht, d​er am 14. Dezember 1930 i​n der Frankfurter Zeitung erschien.[8]

Einzelnachweise

  1. Karte mit den verschwundenen Orten im Geiseltal
  2. Runstedt auf der Homepage der Geiseltalseen (Memento vom 5. Oktober 2016 im Internet Archive)
  3. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas, Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84 f.
  4. Der Landkreis Merseburg im Gemeindeverzeichnis 1900
  5. Runstedt auf der Homepage der Geiseltalseen (Memento vom 5. Oktober 2016 im Internet Archive)
  6. Runstedt auf www.genealogy.net
  7. Der Ort auf www.devastiert.de (Memento vom 23. September 2015 im Internet Archive)
  8. Karlheinz Rossbacher: „Der Merseburger Zauberspruch“. Joseph Roths apokalyptische Phantasie. In: Chambers/1991, S. 78–106.

Literatur

  • Joseph Roth: Der Merseburger Zauberspruch. In: Ders.: Das journalistische Werk. Hrsg. von Fritz Hackert, Klaus Westermann. Band 3: Das journalistische Werk 1929–1939. Köln et al. 1991, S. 275–281.
  • Hermann Grössler: Der gemeinsame Umfang der Gaue Friesenfeld und Hassegau. o. O. 1873, S. 94.

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