Plutarco Elías Calles

Plutarco Elías Calles (* 25. September 1877 i​n Guaymas, Sonora; † 19. Oktober 1945 i​n Mexiko-Stadt) w​ar ein mexikanischer Offizier u​nd Politiker. Von 1924 b​is 1928 w​ar er Präsident v​on Mexiko, b​is 1934/35 g​alt er weiterhin a​ls der tatsächliche Machthaber i​m Land. Die v​on ihm a​ls Partido Nacional Revolucionario gegründete Partido Revolucionario Institucional regierte Mexiko ununterbrochen b​is zum Jahr 2000.

Plutarco Elías Calles (1924)

Leben

Der a​us dem Bundesstaat Sonora stammende Calles w​ar Offizier d​er mexikanischen Armee. Er unterstützte Francisco Madero b​ei dessen Ausrufung d​er Mexikanischen Revolution u​nd wurde Armeebefehlshaber i​n Sonora. Calles beteiligte s​ich 1920 a​n einer Verschwörung (dem „Plan v​on Agua Prieta“) g​egen Präsident Venustiano Carranza, d​er letztlich Álvaro Obregón a​n die Macht brachte.[1] Als Innenminister u​nter Präsident Álvaro Obregón w​ar er dessen designierter Nachfolger für d​ie Wahlen 1924. Gegen Calles, d​er verdächtigt wurde, i​n die u​nter dubiosen Umständen erfolgte Ermordung Pancho Villas i​m Juli 1923 verwickelt z​u sein, versuchten aufständische Armeeführer, d​en Interimspräsidenten v​on 1920, Adolfo d​e la Huerta, durchzusetzen. Die Kampfhandlungen konnte d​as Obregón-Regime b​is Mai 1924 für s​ich entscheiden. Nach blutigen Säuberungen i​n den Reihen d​er aufständischen Armeeführer g​ing die Wahl Calles z​um Präsidenten i​m Juli 1924 o​hne weitere Zwischenfälle über d​ie Bühne.

Calles war bis 1928 Staatspräsident von Mexiko. Er verfocht die Rechte des Staates gegen die wirtschaftliche und politische Einflussnahme der USA und der ausländischen Erdölgesellschaften. Im Innern wandte er sich gegen die Großgrundbesitzer und die einflussreiche katholische Kirche. 1926 erließ er das sogenannte Ley Calles mit drastischen Beschränkungen der Freiheit der katholischen Kirche, beispielsweise Zölibatsverbot, Verbot vieler Ordensgemeinschaften usw. Parallel dazu wurde eine kurz zuvor gegründete Nationalkirche stark gefördert, um die Beziehungen der katholischen Bevölkerung zum Vatikan zu unterbrechen. Diese Umstände führten zu einem sehr blutigen Bürgerkrieg, dem Guerra Cristera (1926–1929). Er unterschrieb am 22. November 1927 auch den Exekutionsbefehl gegen den später seliggesprochenen Miguel Pro und dessen Brüder Humberto und Roberto wegen einer angeblichen Beteiligung an einem Attentat gegen Obregón am 13. des Monats, wohlwissend, dass die drei Brüder nichts mit dem Attentat zu tun hatten. Die Hinrichtung fand am darauffolgenden Tag statt, nur Roberto überlebte durch eine Intervention des argentinischen Botschafters, Minuten nach der Exekution seiner beiden Brüder.[2]

Die Ermordung Obregóns d​urch einen fanatisierten Katholiken i​m Juli 1928 nutzte e​r dann geschickt, u​m sich a​uch nach Ende seiner Amtszeit a​ls Präsident e​ine dominierende politische Rolle i​n Mexiko a​ls „Jefe Maximo d​e la Revolucion“ z​u sichern. Er w​ar noch mehrfach Staatsminister, s​o 1929, a​ls er a​ls Kriegs- u​nd Marineminister d​ie aufkommende Revolution bekämpfte.

Im Jahre 1929 gründete er die Partei Partido Nacional Revolucionario, später Partido Revolucionario Institucional. Als Parteichef der PNR war er bis 1934/35 der tatsächliche Machthaber in Mexiko, die Präsidenten waren abhängig von ihm. Erst 1936 konnte Calles von Präsident Lázaro Cárdenas ins Exil gedrängt werden. Er lebte fünf Jahre in den USA und versuchte 1941 nach seiner Rückkehr vergeblich, wieder in der Politik Fuß zu fassen. Vor seinem Tode wurde er in einem katholischen Krankenhaus gepflegt. Unter dem Eindruck der dortigen barmherzigen Schwestern versöhnte er sich wieder mit der Katholischen Kirche und starb nach Erhalt der Sterbesakramente am 19. Oktober 1945[3].

Calles w​ar Freimaurer[4] d​er Loge Helios i​n Guaymas i​m mexikanischen Staat Sonora.[5]

Literatur

  • Jean Meyer, Enrique Krauze, Cayetano Reyes García: Estado y sociedad con Calles. El Colegio de México, Mexiko-Stadt 1977, ISBN 968-12-0071-3.
Commons: Plutarco Elías Calles – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Barbara Tenenbaum, Plan of Agua Prieta in Encyclopedia of Latin American History and Culture, Vol. 4, pp. 417-18. New York: Charles Scribner's Sons 1996. (engl.)
  2. P. Lothar Groppe SJ: Michael Pro – Ein mexikanischer Schlingel wird Priester und Martyrer. München 1989. Mit kirchlicher Imprimatur durch Generalvikar Dr. Gerhard Gruber vom 21. Juli 1988, S. 132.
  3. P. Lothar Groppe SJ: Michael Pro – Ein mexikanischer Schlingel wird Priester und Martyrer. München 1989. Mit kirchlicher Imprimatur durch Generalvikar Dr. Gerhard Gruber vom 21. Juli 1988, S. 136.
  4. Robert A. Minder: Freimaurer Politiker Lexikon. Edition zum rauhen Stein, ISBN 3-7065-1909-7.
  5. Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon. Herbig Verlag, 5. Auflage, ISBN 978-3-7766-2478-6
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