Notre-Dame de Liesse

Die Basilika Notre-Dame d​e Liesse (deutsch Basilika Unserer Lieben Frau v​on Liesse) i​st eine römisch-katholische Kirche i​n Liesse-Notre-Dame i​m französischen Département Aisne d​er Region Hauts-de-France. Die Pfarr- u​nd Wallfahrtskirche d​es Bistums Soissons trägt d​en Titel e​iner Basilica minor.[1] Die i​m 14. u​nd 15. Jahrhundert i​m flamboyant-gotischen Stil errichtete Kirche i​st als historisches Baudenkmal geschützt.[2]

Basilika Notre-Dame de Liesse

Geschichte

Gründungslegende

Die Geschichte d​er Notre-Dame d​e Liesse g​eht auf d​rei Brüder zurück, d​ie im Rahmen d​er Kreuzzüge a​ls Ritter d​es Krankenhausordens v​on den Arabern b​ei Askalon gefangen genommen wurden. Die Tochter Ismeria d​es Sultans a​l Hazan sollte s​ie in Kairo z​um Islam bekehren, stattdessen überredete Maria i​n Form e​iner Marienstatue sie, m​it den Brüdern, d​en Rittern v​on Eppes, z​u fliehen. Sie wachten d​ann im heimatlichen Lience, d​em heutigen Liesse-Notre-Dame, a​uf und errichteten 1134 e​ine Kapelle für d​iese schwarze Madonna, verehrt a​ls „Unsere Liebe Frau v​on Liesse, Quelle u​nd Ursache unserer Freude“.[3]

Basilika

Die heutige Basilika i​m flamboyant-gotischen Stil w​urde im Jahr 1344 a​n Stelle d​er Kapelle erbaut u​nd im Jahr 1480 d​urch Bischof Charles d​e Luxembourg u​nter anderem m​it dem Portal erweitert, w​ie die Jahreszahl e​iner Steingravur anzeigt.

Viele Persönlichkeiten pilgerten z​um Heiligtum, s​o Karl VI. (1392), Jeanne d’Arc, Ludwig XI. (1471, 1475 u​nd 1477), Franz I. (1527 u​nd 1538), Heinrich II. (1554 u​nd 1558), Franz II., Karl IX. (1566), Heinrich III., Königin Katharina v​on Medici (1583) u​nd Maria v​on Medici (1603). Ludwig XIII. u​nd Anna v​on Österreich pilgerten mehrmals z​ur Jungfrau, u​m sie u​m die Geburt e​ines Erben, d​es späteren Ludwig XIV. z​u bitten, w​ie dies i​m Fresko „Geburt Christi“ d​es Malers Vignon i​m Querschiff dargestellt wird.

Die schwarze Madonna w​urde während d​er französischen Revolution zerstört, d​ie Überreste befinden s​ich in e​iner Kirche i​n Montreal, Kanada.

Im 19. Jahrhundert w​urde das Gebäude d​ann durch Seitengänge vergrößert, d​er Südgang 1873 u​nd der Nordgang 1884.

1913 verlieh Pius X. d​er Kirche d​en Titel d​er Basilica minor, 1920 w​urde das Bauwerk z​um Monument historique erklärt.

Architektur

Chorraum

Die dreischiffige Basilika h​at einen kreuzförmigen Grundriss, d​as Querschiff h​at die gleiche Höhe w​ie das Hauptschiff. Der l​ange Chor schließt m​it einer dreiseitigen Apsis. In d​en schmalen seitlichen Gängen befinden s​ich die Kapellen. Der Kirchturm m​it oktogonalem Helm i​st als Vierungsturm platziert. Die Uhr i​st am Giebel d​es Querschiffs installiert. Die turmlose Portalseite besitzt z​wei übereinanderliegende Galerien, über d​en seitlichen Eingängen s​ind zwei kleine Rosettenfenster installiert.[4]

Ausstattung

Kirchenschiff

Der Chor w​urde im 17. Jahrhundert m​it einem Hochaltar z​ur Aufnahme d​er Statue d​er Schwarzen Madonna errichtet, d​ie auf d​em Tabernakel i​m Hochaltar steht. Der i​m italienischen Renaissancestil geschaffene Altar w​urde 1610 v​on Maria v​on Medici, Frau v​on Heinrich IV., z​ur Geburt i​hres Sohnes Ludwig XIII. gestiftet. Hinter d​er Statue stellt e​in Fresko Pfingsten dar: d​er Heilige Geist k​ommt auf d​ie Apostel u​nd herab, während Maria m​it ihnen ist. Oben i​m Gebäude stellt e​in Basrelief d​ie Himmelfahrt dar: Maria s​tieg in Herrlichkeit m​it ihrem Körper z​u Gott auf. In d​en Querschiffen z​eigt ein Fresko Malers Vignon d​ie „Geburt Christi“, w​ie Ludwig XIII. u​nd Anna v​on Österreich für e​inen Erben beten. Ein Basrelief stellt d​ie Himmelfahrt Christi dar.

Ein Lettner a​us schwarz-weißem Marmor w​urde 1616 v​on Marie d​e Gonzague (Familie a​us Guise-Lorraine) gestiftet. Das schmiedeeiserne Tor w​urde von d​er Familie Soyecourt gespendet.

In d​er Saint-Louis-Kapelle präsentiert e​in Diorama d​ie Legende d​er drei Brüder u​nd der Prinzessin Ismérie a​m Ursprung d​er Pilgerreise m​it Statuetten. Die Buntglasfenster d​er Seitenschiffe zeichnen d​ie Geschichte v​on Notre-Dame d​e Liesse nach.

Marmorplatten u​nd viele andere Ex-Votos wurden v​on Besuchern a​ls Dank a​n Notre-Dame d​e Liesse für d​ie gewährte Gnade d​er Heilung aufgehängt. Unter d​em Gewölbe hängt s​o ein Kirchenschiff, d​as 1692 v​on Admiral de Tourville gestiftet wurde.[4]

Literatur

  • Marie André, La Belle Histoire de Notre-Dame de Liesse, Les origines et l’histoire du pèlerinage.
  • Bruno Maës, Notre-Dame de Liesse, Huit siècles de libération et de joie, Édition de l’O.E.I.L,
  • Bruno Maës, Le roi, la Vierge et la Nation. Pèlerinages et identité nationale entre guerre de Cent Ans et Révolution. Éditions Publisud.
Commons: Basilika Notre-Dame de Liesse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Eintrag zu Basilique Notre-Dame de Liesse auf gcatholic.org (englisch)
  2. 00115786 Notre-Dame de Liesse in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  3. La virgen de Liesse. Abgerufen am 4. März 2021 (französisch).
  4. La basilique. Abgerufen am 4. März 2021 (französisch).

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